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Schlagwort: Panasonic

Eine Lanze für den Fachhandel

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Olympus E-M1MarkII | M.ZUIKO12–100mm ƒ4 | 12mm (24mm KB) | ƒ8 | 1,3s | ISO64 | Variabler ND-Filter | Capture One Pro

Ich habe kein Problem ein Stativ mitzuschleppen, wenn ich weiß, dass ich es brauche. Doch wenn ich auf eine Fototour aufbreche, weiß ich nie, ob mir ein Motiv begegnet, für das sein Einsatz erforderlich ist. Schon öfter habe ich es mitgeschleppt, ohne es ein einziges Mal eingesetzt zu haben. Die Bildstabilisierung meiner MFT-Ausrüstung ist da ein Segen, ermöglicht sie mir doch im Weitwinkelbereich Verschlusszeiten von ein paar Sekunden aus freier Hand zu halten. Für die Aufnahme oben setzte ich einen variablen NF-Filter ein. Ich habe auch längere Belichtungen gemacht – über 3s – die tadellos scharf geworden sind, aber diese hier gefiel mir am besten.

Bildstabilisierung ist generell eine Stärke kompakter Systeme mit kleineren Bildsensoren. Das gilt nicht nur für Olympus, sondern auch für MFT-Partner Panasonic. Schade nur, dass die Qualität und erst recht der Service bei Lumix nicht mit den an sich tollen Produkten mithalten kann. Gerade dieser Tage bin ich auf YouTube auf ein Video gestoßen, das nahelegt, dass Staub nicht nur ein Problem als Staubdicht beworbener Pro-Objektive sein soll, sondern auch bei kompakten Lumix-Kameras.

Als ich vor einigen Tagen meinen letzten Erfahrungsbericht über meine Erfahrungen mit Panasonic postete und Panasonic als Adressat in einem Tweet mit einbezog, meldet sich die Multimedia-Abteilung und kündigte an, die Sache an den Kundenservice weiter zu leiten. Es keimte Hoffnung auf, dass man sich der Sache doch endlich annimmt und für Probleme gerade steht, die die eigenen Produkte verursachen. Seither ist aber die Funkstille zurückgekehrt.

Gut wenn man in solchen Situationen einen verlässlichen Fachhändler als Partner hat, der für das was er verkauft auch dann noch die Verantwortung übernimmt, wenn der Hersteller das nicht tut. Das war schon so, als ich vor zwei Jahren zwei Lumix G81 gekauft. Auf einer davon entdeckte ich bereits nach wenigen Tagen Staubflecken. Dass diese durch unsachgemäßes Handling von mir verursacht wurden kann ich ausschließen. Schon auf dem ältesten Foto das ich von der Kamera besaß waren diese Flecken zu sehen – ich glaube es war die Nummer 9. An sich hätte ich erwartet, dass ein Produzent in so einer Situation die Kamera austauscht. Nicht so Panasonic. Nachdem das Gerät eingesandt wurde, dauerte es mehrere Wochen bis ich überhaupt ein Feedback bekam. Zu allem Überfluss wurde es nicht wie angekündigt umgehend zurück gesandt, sondern als mein Händler nach einer Woche noch einmal anrief, hießt es, »ach ja, die liegt hier noch; wir bringen sie gleich auf die Post«.

Da das nicht meine erste zweifelhafte Erfahrung mit Panasonic war, hatte ich die Nase voll von Lumix und bat meinen Händler die zwei G81 gegen zwei Olympus OM-D E-M5 II einzutauschen (was ich bislang auch noch keinen Moment bereut habe). Den Umtausch hat der Händler auf seine Kappe genommen.

Das ist aber nicht das einzige Mal, dass ich froh war bei ihm (Foto Hebenstreit, Feldkirch, A) gekauft zu haben. Letztes Jahr drang während meines Urlaubs an der Nordsee Feuchtigkeit in meine E-M1 II ein. Als ich den Händler diesbezüglich anrief, fragte er sofort, wo ich sei und ob er eine OM-D nach Deutschland schicken solle. Da zwar ein paar Funktionen an der Kamera ausgefallen, sie aber ansonsten einsatzbereit war, lehnte ich dankend ab. Hätte ich jedoch nur diese Kamera dabei gehabt und sie wäre komplett ausgefallen, hätte mir das den Urlaub retten können.

Dass mich die Reparatur der E-M1 damals nichts kostete, habe ich auch dem Händler zu verdanken. Und gerade dieser Tage habe ich ein Problem mit einem Olympus MC-14 Telekonverter und ich musste ihn zusammen mit meinem M.Zuiko 300mm ƒ4 einschicken. Für die Zeit ohne mein Tele wurde mir eines vom Händler geliehen.

Den Konverter schickte der Olympus-Service mit der Anmerkung zurück, er sei nicht reparabel, weil er zu alt sei. Dabei ist es kaum viel mehr als zwei Jahre her, dass ich den Konverter kaufte und das ganze Produkt dürfte seit etwa drei Jahren am Markt sein. Und dabei scheint es sich dabei um ein keinerlei unbekanntes Problem zu handeln, dass bei diesem Konverter die Schrauben herausfallen. Es dürfte sich um einen arten Produktionsfehler handeln. Als bei mir eine herausfiel habe ich alle überprüft und festgezogen. Anschließend ließ sich der Konverter nicht mehr mit der Kamera verbinden.

Auch hier genieße ich die Unterstützung des Händlers. Er sagt, er verstehe sich nicht zuletzt auch als Anwalt seiner Kunden und zumindest mit Olympus könne er immer auch gut reden und zu Lösungen kommen, die ein einzelner Kunde im Direktkontakt vielleicht nicht bekommt.

Das sind nur ein paar etwas größere Geschichten, bei denen ich den Service des Händlers schätze. Daneben gibt es viele kleine, wozu auch gehört, dass ich Produkte bei Bedarf immer erst testen kann, bevor ich mich für oder gegen sie entscheide. Natürlich gehe ich davon aus, dass der besondere Service auch damit zusammenhängt, dass ich seit Jahren treuer Kunde bin, ihn häufig weiter empfehle und ich bereits eine fünfstellige Summe bei ihm ausgegeben habe. Natürlich habe ich nicht immer denselben Preis, den ich bei Geizhals oder -kragen irgendwo im Internet finden könnte. Aber das ist mir der Service wert. Und bei allem, was für mich da schon an Kulanz herausgekommen ist, kann ich mir sogar vorstellen, dass mich mein Einkauf bei ihm unterm Strich billiger gekommen ist.

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Das kurze Leben der Dinge

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Einige Jahre gab es im Ort in dem ich wohne eine kleine Schneiderei. Beschädigte Kleidung die wir selbst nicht hätte flicken können und hätten entsorgen müssen, konnte der Schneider tadellos richten und gekostet hat das nie viel. Schade, dass er in Ruhestand gegangen ist.

Ein paar Hundert Meter von meiner Wohnung entfernt gibt es einen Kaffeemaschinen-Service, der Kaffeemaschinen repariert. Diesem verdankt unsere aktuelle Kaffeemaschine nun schon ein jahrelanges Leben. Ein Problem hier in Schwarzach ist das harte Wasser, das jede Maschine schnell verkalken lässt. Meine Erfahrung mit dem Service des Diskounters: Ware wird eingeschickt, der Hersteller meint, dass das Produkt nicht mehr reparierbar ist, oder macht einen Kostenvoranschlag, für den sich auch ein neues Gerät ausgeht, und diese Nachricht kostet dann auch noch etwas zwischen 40 und 80 Euro.

Ich halte zwar die Erzählungen über geplante Obsoleszenz eher für einen Mythos bzw. für eine Verschwörungstheorie, zumindest, wenn sie soweit gehen, dass Geräte so konstruiert werden, dass sie ein paar Tage nach Ablauf der Garantie ihren Geist aufgeben. Ich habe zwei Gründe für diese Theorie: 1. deckt sie sich nicht mit meiner Erfahrung; und 2. frage ich mich, wer so blöd wäre, wenn er bei einem Produkt das erlebt, gleich wieder zur selben Marke zu greifen – die Hersteller würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden.

Keine Zweifel habe ich allerdings daran, dass sich die Hersteller nicht immer für die langlebigsten Komponenten entscheiden. Ein Kunde mit einem Produkt das lebenslang hält, ist zumindest für diesen Produktbereich ein verlorener Kunde. Von daher sehe ich natürlich schon einen Kern Wahrheit in den Theorien über geplante Obsoleszenz.

Spinnen werden nicht alt

Geplanter Obsoleszenz nahe kommt der Umgang mancher Elektronikhersteller mit ihrer Hardware. So habe ich unlängst zum zweiten Mal einen an sich noch funktionsfähigen Datacolor Spyder entsorgt, weil er nicht mehr mit dem neuen Betriebssystem kompatibel ist. Nun, die Datacolor Mutter X-Rite muss sich ja nicht großartig Sorgen machen, dass der Anwender zu einem Mitbewerber wechselt, schließlich gehört einem der Markt ja praktisch alleine.

Nie wieder Samsung!

Der Datacolor-Spinne muss man zumindest eingestehen, dass sie sieben Jahre alt geworden ist. Das entschuldigt war nicht, dass Datacolor den Treiber nicht auf 64 Bit kompiliert, aber es ist ein biblisches Alter, im Vergleich zu meinem Samsung-Drucker. Den habe ich vor etwa zwei Jahren gekauft, war bis gestern auch zufrieden mit ihm, bis ich entdeckte, dass sein Treiber auch nicht mehr mit macOS 10.15 kompatibel ist.

Aktualisierte Treiber sind Fehlanzeige. Samsung hat, wenn ich das richtig verstanden habe, die Betreuung seiner Druckersparte an HP übergeben, und bei HP scheint es wenig Interesse zu geben die Produkte zu pflegen. Wieso auch? Die Geräte wurden ja einst von einem anderen Konzern verkauft. Naja, zumindest weiß ich, dass ich um HP besser auch einen Bogen mache.

Der Farblaserdrucker ist aber nicht das einzige Samsung-Gerät das mir Sorgen bereitet. Mein drei Jahre alter Samsung-Fernsteher schaltet sich seit ein paar Tagen immer wieder spontan ab. Da diese beiden Produkte die einzigen sind, die ich bislang von Samsung habe, wird es wohl keine weiteren mehr vom Koreaner geben. 100% schlechte Erfahrung ist keine gute Basis für lange Freundschaft.

Nächstes Mal doch lieber Epson

Doch auch mit anderen Druckern habe ich so meine Erfahrung gemacht. So musste ich einen funktionierenden Dell SW-Drucker verschenken, weil ebenfalls kein Treiber mehr für ein neues macOS veröffentlicht wurde. Ein Farblaserdrucker von Konica Minolta gab nach zwei Jahren den Geist auf. Zwar fand ich eine Werkstatt die ihn für etwa 200 Euro repariert hat – kaum weniger als das neue Gerät, aber besser als damit Müll zu produzieren –, kurze Zeit später war er jedoch schon wieder kaputt.

Für den nächsten Farblaserdrucker hat mir mittlerweile Epson die besten Karten. Meinen ersten Epson A3-Überformat-Fotodrucker kaufte ich etwa 2000. Der dürfte etwa 10 Jahre gehalten haben – ich sollte hier vielleicht anmerken, dass ich kein Vieldrucker bin. Neben mir steht mein zweiter Epson Stylus der auch schon auf seinen 10. zugehen dürfte und nach wie vor tadellos druckt.

Sorgen mit Olympus

Über Ärger mit Panasonic habe ich ja schon mehrfach berichtet, zuletzt hier. Für den Kommentar, dass ihr als staub- und spritzwasserfest beworbenes 100–400mm Telezoom nur gegen Spritzwasser, nicht aber gegen Staub abgedichtet ist, hat Panasonic 80 Euro in Rechnung gestellt. Ich habe dem Händler gesagt, dass ich die Angelegenheit an den Konsumentenschutz übergebe, wenn der Betrag tatsächlich eingefordert wird.

Doch auch mit Olympus läuft es derzeit nicht ganz sorglos. Letztes Jahr habe ich darüber berichtet, dass Feuchtigkeit in eine E-M1 II eingedrungen ist. Sowohl Händler, als auch Olympus selbst, haben mir mitgeteilt, dass nur ganz wenige der als Spritzwasserfest verkauften Kameras mit absoluter Zuverlässigkeit sintflutartige Regenfälle überstehen. Lediglich bei einer Pentax würde er sich trauen, sie unter fließendem Wasser zu reinigen, und das habe er auch schon gemacht. Auch die Canon 1D soll das aushalten, doch auch als widerstandsfähig verkaufte Nikon-Profimodelle habe er – so der Händler – bei extremem Regen bereits geschrottet. Wie auch immer, mich hat die Reparatur damals nichts gekostet, weil der Händler die Kosten auf sich genommen hat – ein guter Fachhändler ist sein Geld wert!

Grundsätzlich bin ich mit der Qualität und dem Service bei Olympus zufrieden. Kameras sind Gebrauchsprodukte, Verschleiß ist bei häufigem Gebrauch logisch. Auch meine Nikon-Profi-DSLRs wandert allen ein bis zwei Jahre zum Service zur Reinigung und Erneuerung abgenutzter Teile. Bin ich im Sommer unterwegs, mischen sich bei mir Sonnencreme mit relativ stark schwitzenden Händen. Eine toxische Mischung für jedes Material. Um regelmäßigen Service kommt man da nicht herum. Sowohl Nikon als auch Olympus haben den immer tadellos ausgeführt, Olympus ist dabei ein Stück preiswerter als Nikon.

Enttäuschend war aber diesmal der Kommentar des Olympus Service zu meinem MC-14 Telekonverter. Im Frühjahr dieses Jahres ist beim Wechseln des Konverters eine Schraube aus ihm heraus gefallen. Glücklicherweise fand ich sie trotz dem, dass sie in Kies gelandet ist, rasch wieder. Zuhause habe ich sie und alle anderen Schrauben dann ordentlich angezogen. Danach ließ sich der Konverter aber nicht mehr an der Kamera befestigen. Kamera- und Objektivbajonett lassen sich nur verbinden, wenn die Schrauben etwas locker sind. Nach diesem Video und den Kommentaren darunter bin ich wohl nicht der Einzige, der das Problem hat.

Mittlerweile haben sich die Probleme mit dem Konverter verdichtet und so sandte ich es an Olympus. Kommentar: Der Konverter kann nicht mehr repariert werden, er ist zu alt. Auf den Markt gekommen dürfte der Konverter 2014 oder 15 sein. Meiner stammt von 2017. Und das ist zu alt zum Reparieren? Ich habe meinen Händler um eine Stellungnahme von Olympus gebeten, und bin gespannt, was sich tut.

Leider ist das noch nicht alles. Seit dem Frühjahr besitze ich auch den MC-20 Konverter. Vergangene Woche verweigerte dieser komplett die Zusammenarbeit mit einem nagelneuen M.Zuiko 300mm ƒ4. Interessanterweise funktioniert er mit meinem, etwa zwei Jahre alten 300er, nicht jedoch mit dem neuen. Auch diesbezüglich bin ich gespannt auf die Rückmeldung von Olympus. Und natürlich werde ich darüber berichten.

Wie gesagt: Fotoausrüstung ist Gebrauchsmaterial. Werkzeuge nützen sich durch Gebrauch ab. Dass aber funktionsfähige Hardware ausgemustert werden muss, weil der Hersteller die Treiber nicht mehr aktualisiert, ist inakzeptabel. Weder im Sinne des Kundenservice, noch der Nachhaltigkeit. Abdichtung versprechen, aber keine Verantwortung übernehmen, wenn das Versprechen nicht eingehalten wird, ist Betrug am Kunden. Bajonette, die sich nur verbinden lassen, wenn die Schrauben lose sind, wodurch sie mit der Zeit herausfallen ist ein Qualitätsmanko. Fehler macht jeder. Aber man sollte dafür geradestehen und nicht den Kunden zur Kasse bitten.

Panasonics gegen Staub abgedichtete Objektive sind nicht gegen Staub abgedichtet

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Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass ich darüber berichtete, wie ich nach einem Aufenthalt an der Nordsee mit Sand im Tubus meines Panasonic Leica 100–400mm Objektivs nachhause kam. Bemerkbar machte sich das durch ein unschönes Kratzen beim Drehen an Zoom- und Fokusring. Natürlich ist mir klar, dass ein Aufenthalt an einem windigen Sandstrand eine Herausforderung für ein Objektiv darstellt, ebenso wie das Fotografieren im Regen. Aber genau aus diesem Grund investiere ich auch einmal das Doppelte in Equipment das verspricht solchen Bedingungen zu widerstehen. Zumindest meine Olympus-Objektive, die derselben Situation ausgesetzt waren, haben das auch anstandslos getan.

In der Annahme, es könne für einen Hersteller kein Problem sein ein Objektiv zu zerlegen und zu reinigen, übergab ich es an meinen Fachhändler und der an Panasonic. Ein paar Wochen später erfuhr ich, dass eine Reinigung dem Preis eines neuen Objektivs entsprochen hätte. Wie es sein kann, dass in ein Objektiv Sand eindringt, das laut Panasonic gegen Staub abgedichtet ist, hat der Hersteller nicht verraten.

Vor einigen Wochen entdeckte ich nun, dass mittlerweile ein mit freiem Auge sichtbares Staubteilchen im inneren des Objektivs an der Frontlinse haftet. Wieder übergab ich es an den Händler und der wieder an Panasonic.

Jetzt sollte die Reparatur gleich mehr kosten als ein neues Objektiv, und Panasonic begründete, dass das Objektiv zwar gegen Spritzwasser abgedichtet sei, nicht aber gegen Staub. Das ist interessant, denn auf Panasonics Website ist unmissverständlich zu lesen, dass das Zoom gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet sein soll.

Man kann sich aussuchen, ob man von leerer Versprechung oder doch besser gleich von Lüge sprechen soll.

Wenn ein Objektiv nach einem Nachmittagsaufenthalt an einem Badestrand bereits irreparablen Schaden davon trägt, ist wohl klar, dass so ein Equipment völlig unbrauchbar ist, wenn Leute – von Berufs wegen oder aus Leidenschaft – strapaziöse Expeditionen auf sich nehmen oder beispielsweise als Reporter in Krisengebiete reisen.

Ich bin kein reiner Schönwetterfotograf. Unwirtliche Witterungsbedingungen können bezaubernde Szenen schaffen – Szenen die einem entgehen, wenn man nur bei Sonnenschein vor die Tür geht. Dadurch sind solche Motive rarer als Fotos von Schönwetterlandschaften und Sonnenuntergängen, was sie wiederum besonders reizend macht. Und auch, wenn man bei Sonnenschein loszieht, kommt es immer wieder vor, dass man von Regen oder Sturm überrascht wird.

Der Mehrwert einer zuverlässigen Abdichtung gegenüber widrigen Witterungsbedingungen ist mir einen Mehrpreis absolut wert – auch einen deutlichen. Allerdings erwarte ich, dass das Objektiv auch hält, was der Hersteller verspricht. Und sollte der Schadensfall doch einmal eintreten wäre zumindest Kulanz angezeigt. Wozu sonst sollte man Geld für abgedichtete Gehäuse ausgeben, wenn man diese in der Praxis genauso penibel gegen Umwelteinflüsse schützen muss, wie deutlich billigere Linsen. Gerade Panasonics 100–400 ist nicht gerade dafür berühmt seinen Preis durch optische Exzellenz zu rechtfertigen – am langen Ende der Brennweite ist es kaum besser als halb so teure MFT-Zooms die bis 300mm reichen. Umso mehr wäre es angebracht, dass zumindest die Abdichtung die Investition rechtfertigt.

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Regen, Sand, Olympus und Panasonic

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Regelmäßige wie gelegentliche Leser meines Blogs werden wissen, weshalb ich mit MFT fotografiere: Ich bin viel draußen unterwegs und möchte nicht unter der Last voller Formate leiden.

Olympus

Aus demselben Grund – dem Fotografieren in der Natur – entscheide ich mich überwiegend für Ausrüstung die den Elementen Stand halten. Zahlreiche Videos, Berichte sowie das Marketing von Olympus und Panasonic haben mir das Gefühl gegeben, mit entsprechendem Material dieser Hersteller auf der sicheren Seite zu sein. Umso erstaunter stellte ich vor einiger Zeit fest, dass nach einem Tag an dem ich von heftigem Regen überfallen worden war, der Sucher meiner E-M1 innen angelaufen war. Die Kamera selbst ließ sich zwar in den Betriebsmodus versetzen aber nicht mehr bedienen.

Nach einigen Stunden kam die Bedienbarkeit weitgehend zurück, nur von den Funktionstasten reagierte keine einzige mehr. Frustriert, weil mitten auf einer dreiwöchigen Rundfahrt durch den Norden und Osten Deutschlands, rief ich Olympus Deutschland an – ich bin zwar Kunde in Österreich, befand mich aber eben gerade in Schleswig Holstein –, und erkundigte mich, wie das bei einer Kamera die behauptet gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet zu sein möglich ist.

Die ausgesprochen freundliche Dame am Telefon versicherte mir ihr Bedauern, erklärte mir aber, dass es unter Intensivregen bei jeder Kamera zum Eindringen von Feuchtigkeit in den Body kommen könne. Obwohl sie mir ebenfalls zusicherte, man werde bei Olympus einen kulanten Weg finden mit der Sache umzugehen – woran ich nicht zweifle, da Olympus sich bisher in jeder Sache immer kulant gezeigt hatte –, war ich doch sehr enttäuscht, hatte ich doch bisher erwartet mich bei jedem Wetter auf mein Equipment verlassen zu können.

Ich rief als nächstes bei meinem Händler an, um seine Meinung einzuholen. Er bestätigte mir, dass es tatsächlich auch bei abgedichteten Kameras kaum Modelle gebe, die unter Sturzregen der schon beinahe einem Bad nahe kommt vollständig gegen das Eindringen von Feuchtigkeit gesichert seien. Die einzigen bei denen er beschwören würde, dass sie auch unter dem Wasserschlauch auf jeden Fall halten, seien die Spitzenmodelle von Canon und einzelne von Pentax, wie die K-1.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, was es bringt bei einem guten Fachhändler eingekauft zu haben: Er bot mir umgehend an mir eine Kamera nach Deutschland zu schicken, was ich allerdings doch ablehnte, da ich noch zwei weitere Kameras dabei hatte und die E-M1 in allen wesentlichen Funktionen bedienen konnte.

Nach meiner Rückkehr nach Vorarlberg brachte ich die Kamera zum Händler, der bereits mit Olympus über das Problem gesprochen hatte und sie für mich einsandte. Kaum zwei Wochen später – auch das wie gewohnt – war die Kamera wieder da. Durch Garantie gedeckt ist die Sache nicht, aber mein Händler fand mit dem Vertrieb einen Modus durch den nicht ich die Kosten zu tragen hatte.

Auch wenn ich wie gesagt enttäuscht darüber bin, dass ich in Zukunft nicht mehr ohne Bedenken weiter fotografieren kann, wenn der Regen heftig wird, möchte ich noch einmal betonen, dass Olympus’ Service hier in Österreich absolut mustergültig arbeitet. Niemals musste ich länger als zwei Wochen auf eine eingesandte Kamera warten, die Preise waren immer deutlich unter dem was ich von Nikon her kannte, und vieles wurde ohne Berechnung übernommen, auch wenn es an sich nicht durch Garantie gedeckt war. So geht Service!

Viewfinder-Sunburn-Problem

Ein gutes Beispiel dafür ist Olympus Umgang als die Kamera meiner Frau vom sogenannten Sunburn-Problem betroffen war. Die Geschichte geht so:

Eines Tages, meine Frau und ich waren gerade an einem beinahe sommerlichen Frühlingstag unterwegs, und wie auch ich trug sie eine E-M5 II in einem PeakDesign Clip am Gurt ihres Rucksacks – Sucher nach oben. Mitten während des Ausflugs zeigte sie mir, dass sich in ihrem Sucher Schleier gebildeten hatten die wie Blendenflecken aussahen. Nur im Sucher, nicht am Display, nicht auf den Fotos.

Wir schickten ihre Kamera an Olympus, sie bekam meine E-M1 (Mk I) und siehe da: Während des folgenden Ausflugs zeigte sich bei dieser dasselbe Problem. Auch diese Kamera wanderte via Händler zum Olympus-Support. Ich drückte ihr meine E-M5 II in die Hand.

Mir war ein Verdacht gekommen, dass es sich dabei wohl um keinen Zufall handeln konnte, und ich begann zu recherchieren. Dabei stieß ich auch rasch auf ein Problem das als EVF-Sunburn bekannt ist. Leider fand ich das erst heraus, als mit der zweiten E-M5 II unsere dritte Kamera davon betroffen war.

Das Problem entsteht, wenn jemand den Dioptrinausgleich des Suchers auf Anschlag stellt, und kräftige Sonnenstrahlen in einem ungünstigen Winkel auf das Display des elektronischen Suchers gebündelt werden. Durch die Kombination aus Dioptrineinstellung, Tragen der Kamera im Clip am Rucksackgurt bei sonnigem Wetter, waren wir offensichtlich in der Lage EVFs reihenweise zu killen.

Laut Olympus könne dieses Problem jede Kamera mit elektronischem Sucher und Dioptrinausgleich betreffen und man stünde auch immer für eine kostenlose Reparatur gerade, auch Jahre nach Ablauf der Garantie.

Auf meiner Suche hatte ich allerdings nur Berichte über Olympus-Kameras gefunden, die von dem Problem betroffen waren. Eine Ursache könnte sein, dass andere Hersteller einen so extremen Ausgleich der Diotrineinstellung der das Problem auslösen könnte, erst gar nicht erlauben. Eine andere Erklärung wäre aber auch, dass die Mitbewerber durch Anbringen eines Infrarot-Filters Schäden verhindern. Ich fand nämlich für das Problem bei Olympus eine Beschreibung zu einer Lösung, bei der ein Stück Infrarot-Filterfolie vor dem Eingang des EVF das Problem behebt. Wie ich erfahren habe, hat Olympus auch bei meinen Kameras einen solchen Filter angebracht – ein wöchentlich ausgefallener Viewfinder hätte uns am Ende wohl beiden keine Freude bereitet.

Panasonic

Das war jetzt der für mich angenehmere Teil des Berichts. Kommen wir zum Unangenehmen:

Auf der Rundreise durch Deutschland hatte der Zoomring meines Panasonic Lumix G Leica Vario-Elmar 100–400mm ƒ4.0–6.3 Sand eingesammelt. Wir waren ein paar Stunden am Meer unterwegs, es war windig, Sand war unterwegs. Sand ist schrecklich! Wer fotografiert weiß das. In solchen Situationen habe ich immer einen UV-Filter vor der Linse um sie nicht sandstrahlen zu lassen.

Während sich bei meinen Olympus Linsen lediglich Sand unter den Streulichtblenden vergrub, wurde er unter dem Zoomring des Telezooms zum Problem. Zoomen ohne zu hören und zu spüren wie unter dem Ring die Sandkörner schleifen und sperren ist nicht mehr möglich. Kein Problem, dachte ich. Das kann ja für den Service nicht schwer zu reinigen sein. Dachte ich!

Ich gestehe, ich hatte wegen der Sache bereits einen Albtraum. Ich träumte, dass die Reparatur viele Hundert Euro kostete, und dass ich meinen Händler bat, meine eben erst gekauften Panasonic G9 zurück zu nehmen.

Der Albtraum hat eine Ursache: Seit ich von Panasonic Objektive bestelle, bin ich es gewohnt Monate darauf warten zu müssen. Immer. Bei jedem, das mein Händler nicht vorrätig hat. Ich vermute die Produkte werden auf Kamelen von Japan nach Österreich getragen. Bei Kameras nicht viel anders.

Vor einem Jahr etwa habe ich zwei Panasonic G81 gekauft. Nach einigen Dutzend Bildern stellte ich bei einer fest, dass es Staub auf dem Sensor gab. Da dieser bereits auf Bild 9 sichtbar war (ein älteres Bild existierte nicht mehr), war relativ naheliegend, dass der Fleck wahrscheinlich aus der Produktion stammte. Die Kamera wurde eingeschickt, ich wartete Wochen auf eine Nachricht, dann hieß es die Kamera komme in der Folgewoche, als ich Ende dieser beim Händler erschien war sich aber noch immer nicht da. Als er bei Panasonic anrief, hieß es, ja die liege da irgendwo rum und man würde sie umgehend verschicken.

Leute, kauft bei einem guten Händler ein! Es lohnt sich! Er nahm die beiden G81 zurück und ich statt dessen eine Olympus E-M1 II und eine E-M5 II.

Diese Erfahrung, und ein paar andere Details, ließen in mir nicht viel zurück, das ich als Vertrauen bezeichnen würde. Deshalb ging ich auch mit etwas Spannung zum Händler, nachdem es hieß, ich könne das 100–400mm wieder abholen. Überraschung: Es war ohne Service zurück gekommen. Der Preis hätte nämlich praktisch dem Neupreis entsprochen: 1400 Euro!

Die Realität hatte meine Albträume übertroffen – ich glaube darin war von 700 Euro die Rede. Und das um Sand aus einem Zoomring zu reinigen! Was sind das für Konstruktionen, Panasonic? Wo es 1400 Euro kostet um Sand unter einem Zoomring herauszubringen!

Dabei hatte es Panasonic auch noch geschafft doppelt so lang für nichts zu brauchen, wie Olympus um meine wasserbeschädigte E-M1 II zu reparieren. Und noch etwas sei angemerkt: Es ist noch nicht lange her, dass ich auf der Frontlinse meines geliebten M.Zuiko 300mm ƒ4 einen Kratzer fand. Das Objektiv wurde an Olympus geschickt und kam gewohnt umgehend repariert zurück. Preis: Etwa 200 Euro!

Will jemand eine Panasonic G9 kaufen?

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Lumix 20mm ƒ1.7 – starkes Pancake

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Meinen ersten realen Kontakt mit einer MFT-Linse hatte ich mit dem Panasonic Lumix G 20mm ƒ1.7 (Panasonic | Amazon). Ich fotografierte damals noch mit Vollformat. Freunde hatten mich gebeten einen Foto-Workshop mit ihnen zu machen und eine Fotografin hatte eine Pen mit diesem Objektiv dabei. Ich wusste natürlich, dass der kleine Sensor der MFT-Kamera für vergleichsweise große Schärfentiefe sorgt, und war von der Qualität des Bokehs ihrer Aufnahmen umso mehr überrascht, selbst bei einer Ablichtung einiger Kinder von Kopf bis Fuß.

2011 habe ich dann mit der Lumix G3 eine erste MFT-Kamera gekauft, als kompakten dritten Apparat neben einer Nikon D700 und Nikon D80, und mit ihm die erste Generation des Lumix 20mm G 20mm ƒ1.7.

Seither habe ich meine MFT-Ausrüstung auf über ein Dutzend Objektive aufgerüstet und das 20mm ƒ1.7 kommt nicht mehr so häufig zum Einsatz. Hergeben würde ich es trotzdem auf keinen Fall, denn die Detailschärfe des Objektivs ist exzellente (siehe auch dxomark.com-Lens-Database – die DXO-Bewertung fällt für das 20er an einer E-M1 ii nur geringfügig niedriger aus als für Nikons DX-35mm-1.8 an einer D500).

Das Bokeh ist schön weich und die Lichtstärke gut. Darüber hinaus stammt es aus einer Zeit als sich Olympus und Panasonic noch mühten das kompakte MFT-System mit flachen Pancake-Objektiven besonders kompakt auszustatten. Der Preis von etwa 300 Euro scheint mir deshalb durchaus angemessen.

Zugegeben ist 40mm eine für Fotografen etwas seltsame Brennweite. Traditionell erwarten wir von Festbrennweiten, dass sie 24mm, 28mm, 35mm und 50mm KB haben. Olympus kommt dem mit 12mm (≈24mm KB), 17mm (≈35mm KB) und 25mm (≈50mm KB) entgegen. Panasonic geht da mit einem 15mm und dem 20mm etwas eigene Wege.

Auch bei der Lichtstärke wirken 1.7 heute etwas eigenartig, sind wir doch gewohnt, dass die Schritte 1.4, 1.8, 2.0 verlaufen.

Die 40mm KB sind der klassischen Reportage-Brennweite von 35mm noch relativ nahe – man befindet sich irgendwo zwischen diesem moderaten Weitwinkel und der flexiblen Normalbrennweite von 50mm KB. Wer damit nicht fotografieren kann, kann nicht fotografieren. Bis in die 1980er Jahre hinein gab es kaum eine andere Möglichkeit als mit Festbrennweite zu arbeiten und 35mm gehörte zu den Standards.

2011 fuhr ich zwei Wochen mit dem Roadster durch Österreich und hatte nichts anderes als die Lumix G3 und das 20mm ƒ1.7 dabei (ich berichtete hier).

Aufgerüstet habe ich das Objektiv mit einer aufschraubbaren Aluminium-Streulichtblende von JCC (Amazon), die ihm bei einem Sturz wahrscheinlich einmal das Leben gerettet hat. Heute schütze ich die Frontlinse zusätzlich durch einen Hoya Pro1 UV-Filter (Amazon). Als Polfilter nutze ich einen Hoya Pro1 PL-C (Amazon), für  Lanzeitbelichtungen einen Haida Pro II Variabler Graufilter (Amazon – zur Zeit als ich den Artikel schreibe leider nirgends verfügbar).

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Warum die Olympus OM-D E-M1 optimal für mich ist

Posted in Theorie & Technik

Vor einigen Tagen habe ich einen ausgiebigen und interessierten Blick auf die Panasonic Lumix G9 geworfen. Wie berichtet reizten mich das LCD-Display an der Oberseite sowie dedizierte Schalter für AF-Modus und Serienbild. Gerade die Schalter zum Umschalten von Einzel- auf Serienbild sowie für AF-Modus/MF meinte ich bei Olympus immer zu vermissen. Ich habe dazu gelernt.

Nun sollte man wissen wie ich fotografiere um zu verstehen wie ich zu meinen Bewertungen komme. Ich bin vor Jahren von Vollformat auf MFT umgestiegen weil ich primär auf Achse fotografiere. Seit Langem begleiten mich dabei zwei Kameras: In der Regel eine mit Weitwinkelzoom und eine mit Standard- oder Telezoom. Inklusive Getränkeflasche und was sonst noch so mit muss, drücken Vollformat DSLRs dabei ganz schön auf die Schultern (um rasch reagieren zu können hänge ich beide Kameras um und transportiere keine im Rucksack). Das MFT-System stellt diesbezüglich eine deutliche Erleichterung dar.

Natürlich bieten größere Gehäuse mehr Platz für Bedienelemente, doch wenn ich Volumen und Gewicht dagegen auf die Waage lege, wiegt für mich der Vorteil eines kompakteren Bodys einfach mehr. Ohnehin bieten Kameras wie die E-M1 und G9 mehr Bedienelemente bzw. Funktionstasten als ich bauche.

Meine Kameras sind heute so konfiguriert, dass ich am vorderen Einstellrad die Blende einstelle und am hinteren die Belichtungskorrektur bzw. Zeit. Die üblicherweise zur Belichtungskorrektur voreingestellte Taste nutze ich nicht (und ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb das bei den meisten Kameras Standard ist). Daneben nutze ich eine Funktionstaste um die Empfindlichkeit zu justieren, eine um das AF-Feld zu aktivieren – das Verschiebend des Feldes nehme ich dann über vorderes/hinteres Einstellrad vor – und eine Taste um das AF-Feld wieder auf Home (Mitte) zu schicken, wobei ich Letzteres nur belegt habe weil ich genügend FN-Tasten habe, nicht weil ich es als Notwendigkeit empfinde. Alle anderen Einstellungen wechsle ich über zwei speziell konfigurierte Benutztermodi (C1 und C2).

Mit der E-M1 II bin ich in der Regel auf Vogeljagd. Sitzt oder steht ein Vogel nutze ich Einzelautofokus, ein Messfeld und Einzelbild. Für Vögel im Flug nutze ich kontinuierlichen AF, neun Messfelder und Serienbild mit sieben Aufnahmen die Sekunde. Mittels dieser beiden Konfigurationen kann ich in einem einzigen Augenblick die Konfiguration der Kamera wechseln um auf Motive zu reagieren – sitzende Vögel warten nicht, bis sie geschossen wurde, fliegende schon gar nicht. Erst nach dem Test der G9 wurde mir der Vorteil von Olympus’ Verzicht auf dedizierte Bedienelemente zum Wechseln des AF-Modus sowie Wechseln zwischen Einzelbild/Serienbild bewusst: Das Wechseln Mittels des Costumer-Modus ist bei allem das über Hardware gesteuert wird nicht möglich, zumindest wenn sich Hard- und Software-Einstellung nicht widersprechen soll.

Mit zwei Kameras umhängend ist der Gewichts- und Volumensunterschied zwischen E-M1 II und G9 für mich keineswegs irrelevant, schließlich bin ich so durchaus auch mehrere Stunden auf Achse. Hinzu kommt, dass mir die Olympus mit ihrem Tiefen Griff deutlich besser, sicherer und bequemer in Händen liegt, als der breite aber im Vergleich flache Griff der Panasonic – mit dem M.Zuiko 300mm ƒ4 Pro an der Kamera ein deutlicher Unterschied.

Nun möchte ich mit diesem Bericht keinesfalls die G9 schlecht schreiben. Wie im Bericht über sie zusammengefasst halte ich sie für eine exzellente Kamera und auf Augenhöhe mit der E-M1 II – es ist reine Geschmacksache ob man die eine oder andere besser findet. Für meinen Geschmack wiegen einfach LCD-Display und andere Bedienelemente den Vorteil des für mich optimal geformten E-M1-Bodys nicht auf und der riesige elektronische Sucher ist zwar beeindruckend, doch praktisch konnte ich keinen Vorteil gegenüber dem E-M1-Sucher feststellen.

Die einzigen beiden Dinge die mir an der G9 tatsächlich besser gefallen haben als an meiner E-M1 ist der Joystick zur Auswahl des AF-Messfelds sowie die Möglichkeit mit der ISO-Empfindlichkeit gleichzeitig auch das Maximum für Auto-ISO ändern zu können.

Dem gegenüber haben meine Recherchen ergeben, dass die E-M1 bei der Fokussierung die Nase vorne haben dürfte. Sämtliche Tests die ich gelesen und angesehen habe ziehen das Fazit, dass die G9 diesbezüglich bestenfalls auf Augenhöhe mit Olympus’ Flaggschiff steht, die meisten ordnen sie etwas dahinter ein. Und soweit ich mitbekommen habe auch nur dann, wenn Panasonic-Objektive eingesetzt werden. Panasonics Depth from Defocus Technik arbeitet nich mit Linsen von anderen Herstellern. Schlechte Karten bei mir, da ich überwiegend Olympus-Objektive im Einsatz habe. Hinzu kommt, dass die meisten Kommentatoren das Verhalten der Kamera beim Einsatz von DFD als Gewöhnungsbedürftig bis »it can drive you crazy« beschreiben.

Fazit also nach meinem Text der G9: Die E-M1 ist die ideale Kamera für mich. FÜR MICH.

Alles wird schneller: Olympus OM-D E-M1 Mark II

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Olympus hat 2013 mit der OM-D E-M1 die perfekte Kamera für mich vorgestellt. Zwei Jahre später wurde ich schon gelegentlich gefragt, ob ich sie durch eine Mark II ersetzen würde – lange bevor eine solche offiziell angekündigt wurde. Bis die Mark II tatsächlich vorgestellt wurde war das kein relevantes Thema für mich.

Die E-M1 verschafft mir beim Fotografieren die Leichtigkeit die MFT generell zu Grunde liegt. Sie ist aber groß und griffig genug um sie auch bei ausgedehnten Foto-Sessions effizient einsetzen zu können. Mit der E-M5 – der ersten Olympus die mir MFT und spiegelloses Fotografieren schmackhaft machte – wäre das kein Thema gewesen. Die E-M5 punktet unterwegs mit Kompaktheit, wäre für mich aber keine Alternative zu meiner damaligen D600 gewesen. Erst die E-M1 von 2013 veranlasste mich auf den Gedanken, von Nikon auf Micro FourThirds umzusteigen, was ich nach einigen Wochen mit ihr auch in die Tag umsetzte.

Für einen Fotografen wie mich, der etwa 95% auf Achse fotografiert, kann es in meinen Augen kein besseres System als MFT geben. Mehr als alles andere bestätigte mir das eine 15-tägige Rundfahrt um Island: In meiner Vanguard The Heralder begleiteten mich damals, ein Weitwinkel-, ein Standard- und ein Telezoom (M.Zuiko 9–18mm und M.Zuiko 12–40mm, Lumix 100–300mm) und drei Kameras (E-M5, E-M1 und Lumix GM1). Trotz dreier Apparate samt Linsen, hatte ich wohl weniger Ballast zu tragen, als eine Vielzahl anderer Touristen mit Vollformat und zwei oder drei Wechselobjektiven. Ein bis zwei Stunden Fußmarsch mit der Fototasche um die Schultern waren kein Problem.

Jeden Brennweitenbereich an einer eigenen Kamera zu haben, hat doppelten Vorteil: Man muss nicht ständig Objektive wechseln, läuft also nicht Gefahr, dass Staub und Schmutz in die Kamera gelangen, und man ist in Sekunden schussbereit.

Klar bringt MFT gegenüber APS-C und Kleinbild auch Nachteile mit sich, die man nicht ernsthaft von der Hand weisen kann:

  1. Da wäre einmal die enger gesetzten Grenzen in der Auflösung. Allerdings fand ich mit den 16 Megapixel von E-M5 und E-M1 immer mein Auslangen. Damit erreiche ich bei 300ppi knapp A3, bei 250ppi sogar deutlich darüber (genau genommen gibt es kaum Situationen in denen 300ppi gegenüber 250ppi eine sichtbare Qualitätssteigerung bringt). Mit den 20MP der Pen F und der E-M1 Mark II ist sogar dieses Limit gesprengt und wer unbewegte Motive fotografiert kommt mit Stativ sogar auf 50MP bzw. 80MP.
  2. Während mehr als 16 Megapixel kaum ein Thema ist, das mich berührt, stellt für mich die bessere ISO-Performance schon eher einen bemerkenswerten Nachteil von MFT gegenüber Vollformat dar. Allerdings hat die ISO-Performance heute generell ein so gutes Niveau erreicht, dass ich deswegen nicht das doppelte oder dreifache Gewicht durch die Gegend schleppen möchte.
  3. Noch ein Thema bei dem ich mir mehr wünschen würde, wäre Dynamikumfang. Von den etwa 15 Lichtwerten die Nikons Spitzenmodelle erreichen, kann ich mit MFT nur träumen. Olympus’ und Panasonics Modelle schaffen heute knapp 13LW. Allerdings ist das noch immer ein Wert der manche Canon-Profikameras in den Schatten stellt – Kameras mit denen Fotografen die viel besser sind als ich Aufnahmen machen, die mich wegblasen. Also, was soll’s!
  4. Noch ein Nachteil: Die geringe Schärfentiefe exzellenter Festbrennweite bleibt mit MFT unerreichbar. Selbst mit manuellen ƒ0.95 Objektiven wird man von einem preiswerten (und automatischen) Vollformatlinsen mit Lichtstärke 1.8 ausgestochen. MFT zeichnet bei adäquater Brennweite einfach um 2 Lichtwerte mehr Schärfentiefe auf als Vollformat. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass MFT-Objektive bereits bei Offenblende schärfer zeichnen als andere Linsen mit denen ich schon arbeitete, und das Bokeh scheint mir tendenziell etwas weicher zu sein, was den Nachteil der geringeren Schärfentiefe zwar nicht aufwiegen kann, aber zumindest auch nicht außer Acht gelassen werden sollte.
  5. Spiegellose Systeme litten bislang generell an im Vergleich zu DSLRs langsameren AF-Systemen. Das hat nichts mit der Sensorgröße zu tun, sondern schlicht damit, dass DSLRs für das Scharfstellen einen eigenen Sensor nutzen, der den sogenannten Phasenvergleich erlaubt und eben der Kontrasterkennung spiegelloser Kameras überlegen ist.

Diese Nachteile gilt es zu berücksichtigen und gegen den unbestreitbaren Vorteil von MFT in die Waage zu legen: Das System ist bei weitem das kompakteste und leichteste auf dem Markt. In Verhältnis von Abbildungsqualität zu Gewicht ist es unschlagbar. Zwar baut auch Sony mittlerweile extrem kompakte Kleinbildkameras, doch bei den Objektiven wird Vollformat nicht einmal in die Nähe der Kompaktheit und Leichtigkeit von MFT kommen können.

Der Nachteil der mich bei MFT bislang am meisten schmerzte, war definitiv das behäbigere AF-System: Rasch bewegende Objekte lassen sich kaum einfangen. Vögel im Flug sind selbst für die als schnell geltende E-M1 unerreichbar. Das wurde mir regelmäßig beim Einsatz der Panasonic Telezooms 100–300mm und100–400mm bewusst, mit denen ich meine Liebe für die Vogeljagd entdeckte. Damit lassen sich Vögel praktisch nur ablichten, wenn sie einigermaßen still sitzen.

Zur Fragen ob ich es in Betracht ziehen würde meine E-M1 durch ein Nachfolgemodell zu ersetzen: Nur, wenn das AF-System so gut war, dass es mit meinen früheren Nikons gleichziehen und Vogelflug wieder in Reichweite bringen kann.

Die E-M1 Mark II wurde zwar als Power-House mit sehr schnellem AF angekündigt, doch, dass eine Spiegellose beim Fokussieren mit DSLR gleichgezogen habe, hatte ich in den letzten Jahren zu oft gehört und doch anders erfahren, weshalb ich das nicht ganz ernst nahm. Schnelle Serienbildaufnahmen, zweite Speicherkarte und +4MP alleine jedoch, wären für mich kein Argument gewesen, die mit 2000 Euro nicht ganz billige Mark II in Betracht zu ziehen.

Panasonic G80/G81/G85

Während 2000 Euro für die E-M1II vielen Kommentatoren als zu gilt, kündigte Panasonic im Herbst ein interessantes Modell zum Schnäppchenpreis an, die je nach Markt G80, G81 oder G85 heißt. Sie hat ein griffiges Gehäuse, ist gegen Umwelteinflüsse abgedichtet und in vielen Berichten hatte ich gehört und gelesen, dass ihr AF unglaublich schnell sein soll.  Eine wetterfeste Systemkamera inklusive abgedichtetem Objektiv unter 1000 Euro wäre mir sonst von keinem Hersteller bekannt.

Reizend an der G81: Sie hat je einen dezidierten Hardware-Schalter, um von Einzel- zu Serienbildaufnahme umzuschalten, und einen, um von AF-S zu AF-C oder MF zu wechseln – etwas, das ich bei Olympus vermisse. Was mich nun aber vor allem interessierte: War der Panasonic AF wirklich so gut wie viele behaupteten, und wie gut würde er verglichen mit dem neuen System der E-M1II abschneiden? Wäre die Olympus den doppelten Preis wert?

Der Vergleich dauerte keine fünf Minuten. Beim ultimativen Hardcore-Test, weiße Möwen fliegend am grauen Himmel, konnte ich bei der G81 keinen nennenswerten Gewinn gegenüber meinen bisherigen MFTs feststellen. Der AF der E-M1II hingegen schnappt dermaßen schnell und präzise zu, wie ich es nur von den Nikons die ich früher im Einsatz hatte, kenne. Um faire Bedingungen zu schaffen, habe ich  an beiden Kameras sowohl das 40–150mm von Olympus, als auch das 100–400mm von Panasonic getestet.

Zuletzt auf Facebook einen Rüffel bekommen, weil ich die preislich so unterschiedlichen Kameras verglichen habe. Doch die Frage durchaus gerechtfertigt: Ist der doppelte Preis der E-M1II gegenüber der G81 gerechtfertigt? Für alle die rasante Motive einfangen wollen: Definitiv!

Dass die E-M1 für mich in Frage kommt, die G81 jedoch nicht, soll nicht heißen, dass ich generell von ihr abraten würde. Im Gegenteil: Wer eine handliche aber doch kompakte und leichte Kamera sucht, die ihn bei Wind und Wetter sicher begleitet, sollte einen Blick darauf werfen. Das schöne an MFT ist ja gerade, dass ein System so unterschiedliche Kameras anbietet, wie sie von Olympus und Panasonic stammen.

Der Mehrwert der E-M1II

Mit dem Panasonic Leica Vario-Elmar 100–400mm wird die E-M1II zum Dream-Team für alle die gerne unterwegs sind und scheues Getier ablichten wollen. Ebenso beeindruckend wie die Geschwindigkeit und Präzision mit der der AF zuschnappt, ist die Hartnäckigkeit mit der er sich beim Tracking an Objekte haftet. Ich hatte nicht erwartet, dass die Mark II mit meinen früheren DSLRs von Nikon (D700, D7100 und D600/D610) gleichziehen könnte, doch ich würde mindestens von Gleichwertigkeit ausgehen, wenn sie die genannten Modelle nicht sogar überflügelt.

Im Grunde ist die E-M1II eine waschechte OM-D und verlangt nach einer E-M1 keinerlei Umgewöhnung. Das Gehäuse ist eine Spur höher, was mir den kleinen Finger nicht mehr ins Leere laufen lässt, und wahrscheinlich heißt, dass ich bei ihr wieder auf den Hochformatgriff verzichten kann, was ich bei der E-M1 aus Ergonomiegründen nur selten machte.

Viele wird freuen, dass das Display nun seitlich ausklappbar ist und sich somit auch im Hochformat besser nutzen lässt. Ich war ja bislang immer eher Freund des reinen Hochklappmechanismus, habe mich aber mit der Pen F an das seitlich ausklappende Display gewöhnt, und kann dem mittlerweile durchaus auch einiges abgewinnen, auch wenn es sich nach wie vor fragiler anfühlt.

Ein Detail, das mich zunächst irritiert hat, ist, dass die Öse zum Anbringen eines Gurts oder einer Handschlaufe wegen des zweiten Speicherkartenfachs von der Seite nach oben gewandert ist. Ich erwartete, dass sich das Nachteilig auf das Handling auswirkt, musste das Gegenteil feststellen: Meine Handschlaufe legt sich jetzt wie selbstverständlich von oben her um das Armgelenk und, dass sich der Verschluss störend zwischen Hand und Kamera drängelt scheint jetzt deutlich weniger oft der Fall.

Preiswert?

Stellt sich die Frage ob die Mark II ihren Preis wert ist. Definitiv: Ja!

Die Diskussionen über die Preisgestaltung von MFT-Modellen scheint mir ja immer ein bisschen sonderbar. Kritiker reduzieren eine Kamera auf die Größe des Sensors und stellen fest, dass ein Modell mit halb so großem Bildwandler doch unmöglich gleich viel kosten könne, wie eine Vollformatkamera. Das ist als würde ich den Preis von Wurst anhand der gewogenen Menge beurteilen oder jenen eines Autos anhand der Sitzplätze. Ich habe einen Roadster. Der hat zwei Sitze. Das heißt er bietet 2/5 weniger Plätze als ein PKW. Muss er deshalb günstiger sein als ein Golf?

Mit meinem Roadster hat die E-M1II gemein, dass sie einfach Spaß macht. Mit einer MFT-Kamera und 800mm KB-äquivalenter Brennweite auf die Pirsch nach scheuen Motiven zu gehen, ist eine bedeutend unbeschwertere Angelegenheit als mit vergleichbarem im Vollformat. Der E-M1II Body wiegt 574g, das Panaleica 100–400mm 985g. Das sind zusammen 1559g. Ein Gewicht, das man bei Vollformat schon mit einem Standardzoom kaum halten kann. Ein Nikon D750 Body beispielsweise wiegt 840g. Mit dem Nikkor 24–70mm ƒ2.8 und seinen 1070g kommt man da auf1910g. Von Telezoom ist dabei noch keine Spur. Wer echte 800mm am Vollformat auf den Weg nehmen will, der muss zur Kamera zusätzlich 4000g und mehr schultern.

Man kann eine Kamera nicht auf die Größe des Sensors reduzieren!

Natürlich bietet die Nikon D500, mit der die E-M1II derzeit so häufig verglichen wird, um einen geringfügig höheren Listenpreis einen APS-C-Sensor und erreicht damit bessere Leistungen im High-ISO-Bereich, beim Dynamikumfang und ist etwas höher aufgelöst. Aber sie hat auch eine Serienbildrate von 10 Bildern pro Sekunde (E-M1II bis zu 60 Bilder) und garantiert eine Betriebsbereitschaft bis 0° (E-M1II bis –10°). Eine Kamera ist nicht automatisch mehr Wert, nur weil der Sensor größer ist.

Für MFT entscheidet man sich nicht, wenn man die bestmögliche Bildqualität erreichen will, sondern weil man den idealen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Transportabilität sucht. Diesbezüglich ist das System bis auf Weiteres definitiv unschlagbar. Nicht selten erfordert Miniaturisierung einen erhöhten Aufwand und führt zu teureren Produkten. Ich weiß nicht, ob das auf Kameras zu übertragen ist, ich halte nur den Schluss, eine kleinere Kamera muss automatisch billiger sein, für Unfug.

Es gibt an der ganzen Debatte noch etwas anderes was ich schräg finde: In einem Artikel über die E-M1II las ich die generelle Kritik daran, dass die Kamerahersteller den sinkenden Absätzen mit teureren Modellen begegnen. Ja, was sollen sie denn tun? Soweit ich mitbekommen habe, schreiben die meisten Marken in der Kamerasparte rote Zahlen. Ist der Versuch Modelle so zu kalkulieren, dass ein Gewinn für sie hängen bleibt den verwerflich?

Ich weiß schon: Viele finden, dass alle zu teuer sind und nur sie selber zu wenig verdienen. Ich persönlich gönne einem Unternehmen allerdings einen Profit, wenn er mir ein gutes Produkt verkauft. Und für ein gutes Produkt bin ich auch bereit einen guten Preis zu bezahlen.

Die E-M1II ist definitiv ein gutes Produkt und ihren Preis absolut wert. Besser als sich von anderen erzählen zu lassen, wie gut sie ist, ist allerdings es selber auszuprobieren – ein Gefühl dafür bekommt man nur, wenn man es selber erfährt.

Der Blick in meine Kameratasche zeigt, was ich an MFT liebe. Eine Pen F mit 7–14mm ƒ2.8, eine E-M1 mit 12–40mm ƒ2.8 und eine E-M1II mit 40–150mm ƒ2.8. Trotz des immensen Brennweitenbereichs bei durchgehender Lichtstärke von ƒ2.8 leicht zu schultern.

Der Kern von MFT ist Kompaktheit

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Micro FourThirds hat auch zur diesjährigen photokina ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. Sowohl Panasonic als auch Olympus haben neue MFT-Kameramodelle und -Objektive angekündigt. Und wieder fragen Kommentatoren, weshalb Olympus nicht endlich ein Voll- oder Mittelformatsystem lanciert?

Wer solche Fragen stellt, hat den Kern von MFT nicht verstanden. Beim System von Olympus und Panasonic dreht sich alles um Kompaktheit! Kein anderes kann vergleichbare Transportabilität bei gleichzeitiger Erfüllung professioneller Ansprüche bieten. Zwar sind die Gehäuse von Sonys APS-C-Kameras auch kaum größer, doch spätestens wenn es darum geht auch Objektive einzubeziehen ist MFT klar im Vorteil.

Natürlich bieten größere Sensoren mehr Reserven in Sachen Schärfentiefe (Bokeh), High-ISO und Auflösung. Aber wie viel ISO und Auflösung brauchen wir denn überhaupt?

Folgt man der Kritik mancher Experten müsste man glauben, dass Fotos auf professionellem Niveau vor wenigen Jahren noch unmöglich waren. Vor einer Dekade waren mehr als 12 Megapixel selbst in der Profiklasse eher Ausnahme als Regel, und bereits geringes Anheben der Empfindlichkeit führte zu Rauschen wie die Sau. Die Profimodelle von damals steckt heute jede Einsteigerkamera in die Tasche.

Gespiegelt sehe ich die enorme technologische Entwicklung der letzten Jahre in der Qualität dessen was uns täglich auf Postern, Plakaten, in Anzeigen, Inseraten und im Internet begegnet nicht. Die Ästhetik mag sich geändert haben, doch qualitativ lässt sich kein relevanter Unterschied ausmachen. Professionelle Aufnahmen waren vor zehn Jahren so bestechend wie heute. Man muss Aufnahmen schon am Monitor in der 100-%-Ansicht unter die Lupe nehmen, um markante Unterschiede zu identifizieren.

Es ist keine Frage: Voll- und Mittelformat schlagen MFT qualitativ um Längen. Allerdings erst in den Bereichen wo MFT an seine Grenzen stößt. Doch um jenseits dieser Grenzen aus einer Kamera herauszuholen was in ihr steckt, genügt es nicht sie draufzuhalten und abzudrücken! Um den Mehrwert leistungsfähigerer Sensoren zu nutzen muss man neben der fotografischen Kompetenz auch den Willen aufbringen aufwändiger zu arbeiten.

Die Kernkompetenz von MFT findet sich nicht in der hochpräzisen Arbeit, sondern in spontaner Leichtigkeit. Das System kann einen unbeschwert auf allen Wegen begleiten, ist stets zur Hand und ist auch nach Stunden nicht ermüdend – weder beim Transport noch bei der Fotosession. In gewisser Weise ist MFT das System zum draufhalten und abdrücken.

Weshalb sollten Panasonic und Olympus auf Voll- oder Mittelformatsysteme umstellen? Letzteres kann sich ohnehin kaum jemand leisten. Und Vollformat? Gibt es  nicht genug davon!? Nikon hat es, Canon hat es, Pentax ebenso, und Sony und Leica bieten es spiegellos.

Noch größer ist die Auswahl bei APS-C. Neben Canon, Nikon, Sony und Pentax findet man hier auch von Fuji erfolgreiche und eigenständige Modelle.

Selbst im Mittelformat ist die Auswahl groß: Zu Phase One, Hasselblad, Pentax und Leica gesellt sich nun auch Fuji. Finden sich in diesem Nischenmarkt nicht schon genug Systeme?

Panasonic und Olympus teilen sich gemeinsam ein einzigartiges System, das sich von Voll- und Mittelformat völlig unterscheidet und auch noch zu APS-C einen sinnvollen Kontrast bildet. Dabei sind die beiden Marken unterschiedlich genug echte Alternativen zueinander zu bilden und den unterschiedlichen Typen von Fotografen für die das kompakte System in Frage kommt gerecht zu werden.

Ein Umstieg der beiden auf Systeme mit größeren Sensoren wäre ein Verlust für den Fotomarkt, denn eine besonders kompaktes System ginge dadurch verloren. Ein zweites System parallel zu MFT zu entwickeln und zu pflegen würde wohl die Ressourcen spalten und weder einem neuen System noch MFT nutzen.

MFT ist gut wie es ist und wie es sich entwickelt und wir alle sollten froh sein es zu haben.

Ich schätze die Innovationen von Sony und Fuji sowie die Kameras von Nikon aus eigener Erfahrung. Ich respektiere und bewundere Leute die mit Mittelformat fotografische Kunstwerke gestalten. Dasselbe gilt für die Künstler die mit Leica die Straßen heimsuchen und uns berührende Impressionen aus dem Leben der Menschen einfangen. Trotzdem bin ich ein anderer Fotograf und arbeite am liebsten mit MFT, weil mir das System Leichtigkeit, Spontanität und Freude vermittelt.

Natürlich beginnt MFT an seine technischen Grenzen zu stoßen. Zwar gibt es noch Potenzial bei Rauschverhalten und Dynamikumfang. Doch in Sachen Auflösung sehe ich nicht mehr viel Raum nach oben. Jenseits der 20 Megapixel wird die Beugungsunschärfe sehr wahrscheinlich ein unüberwindliches Hindernis darstellen, sofern die Programmierer keine Wunderwaffe dagegen erfinden. Olympus regelt nicht umsonst bei seinen Kamera im hochauflösenden Modus bei Blende ƒ8 ab. Bei 40 Megapixel nimmt der kleine Sensor über ƒ8 nur mehr Matsch auf.

Ein Drama ist die Grenze der Auflösungsfähigkeit allerdings nicht.

Mit 20 Megapixel erreicht der Fotograf ganz locker A3 bei 300ppi Auflösung. Höhere Druckauflösungen als 300ppi sind zwar möglich, bringen aber nicht mehr viel, da auch unsere Augen Grenzen im Auflösungsvermögen haben. Schärfere Details in der Wiedergabe würden also quasi in der Unschärfe unserer Augen untergehen.

Natürlich muss man mit 20MP Abstriche bei der Auflösung bei Wiedergaben über A3 machen. Doch noch bei A1 (immerhin 594×841mm) ergibt sich damit eine Auflösung von 150ppi. Wer jetzt glaubt, dass die Hälfte der empfohlenen Auflösung eine absolute Katastrophe sein muss, sollte sich einmal einen Druck eines 150-ppi-Bildes genau ansehen. Sehr genau! Denn man muss schon sehr nahe hingehen und sehr genau hinsehen, den Qualitätsmangel der geringen Auflösung zu erkennen. Aus der Distanz aus der ein A1-Poster normalerweise betrachtet wird ist die Frage ob 300ppi oder 150ppi völlig irrelevant.

Um noch einmal früher zu zitieren: Kann sich jemand erinnern vor zehn Jahren unscharfe Großflächenplakate gesehen zu haben? Damals hatten selbst professionelle Digitalkameras wie gesagt oft nur 12MP. Für ein 16-Bogen-Plakat musste diese Auflösung auf 336×238cm aufgeblasen werden. Bei 12MP ergibt sich dann eine Auflösung von 30ppi. Ist jemals jemandem aufgefallen, dass diese Plakate damals nur mit 30ppi gedruckt wurden?

Genau genommen werden sie auch heute noch mit 30ppi gedruckt, denn die Druckraster dieser Plakate sind so grob, dass mehr als 30ppi gar nichts bringen würde. Trotzdem sehen wir keinen Qualitätsmangel, da wir die Plakate aus so großer Distanz betrachten, dass unsere Augen die grobe Auflösung nicht erfassen.

Natürlich ist eine MFT-Kamera kein Arbeitsgerät für einen Werbefotografen der Motive für Plakatwände von drei und mehr Metern Breite aufnimmt. Natürlich gibt es Motive die von der präziseren Detailschärfe von Voll- und Mittelformatkameras auch bei Postern unter Plakatwandformat profitieren. Doch diese Präzision erreicht man nicht mehr indem an aus freier Hand fotografiert.

Hochauflösende Aufnahmen wirken beim Fotografieren aus freier Hand wie eine Lupe für das Zittern unserer Hände. Wer glaubt Bildstabilisierung könne das kompensieren irrt! Bildstabilisierung ermöglicht aus freier Hand bei deutlich längeren Verschlusszeiten relativ scharfe Aufnahmen. Sie ist aber gleichzeitig keine gute Zutat für absolut scharfe Aufnahmen.

Wer maximale Detailschärfe aus einem Bildsensor heraus kitzeln möchte, stellt seine Kamera am besten auf ein massives Stativ und die Bildstabilisierung ab. Nutzt man dann auch noch Spiegelvor- und Fernauslösung steht bestechend scharfen Aufnahmen nichts mehr im Wege.

Doch genau das ist nicht die Arbeitsweise für eine Kamera die auf Kompaktheit und Leichtigkeit getrimmt ist. Wer ein schweres Stativ mit zur Location schleppt hat nur mehr wenig Grund bei der Kamera und den Objektiven Gramm zu zählen.

Die Lupenwirkung der Auflösung für Verwackelung der Kamera ist übrigens auch der Grund weshalb die Sache mit dem Crop aus dem Bild schneiden wenn die Brennweite wieder einmal nicht reicht nicht so recht funktioniert, denn einen scharfen Crop gibt es nur bei einer scharfen Aufnahme. Leider werden umso mehr Aufnahmen nicht so 100% scharf ausfallen je höher die Auflösung ist.

Es gibt Mittelformatkamerasysteme mit denen sich bei fachgerechter Anwendung und dem notwendigen Aufwand Kunstwerke gestalten lassen die mit anderen Kameras unerreichbar sind. Vollformatkameras bieten Spitzenleistungen ohne, dass für sie der Preis eines Mittelklassewagens zu bezahlen ist – sie sind gut und dennoch nicht übergroß. Und es gibt kompakte Systeme wie MFT, die dadurch glänzen, dass sie auch ohne krummen Rücken professionelle Qualität bieten, auch wenn ihre Grenzen etwas enger gesteckt sind.

Freuen wir uns über die Auswahl, und dass jeder Fotograf findet, was am besten zu ihm passt, und hören wir auf Dinge zu kritisieren die außerhalb unseres individuellen Horizonts liegen. Dinge sind nicht deshalb schlecht, nur weil sie nicht das Richtige für uns sind!

MFT ist quicklebendig!

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So lange es MFT gibt wird die Plattform in regelmäßigen Abständen totgesagt. Dass das System tatsächlich quicklebendig ist hat der gestrige Tag im Vorprogramm der photokina einmal mehr bewiesen.

Panasonic hat mit der GH5 die Nachfolgerin seines Top-Modells und mit der G81 eine spritzwasserfeste Semipro-Kamera angekündigt. Olympus ergänzt die Pen-Serie um die kompakte E-PL8 (Amazon-Affiliate-Link) und stellt das neue Flaggschiff OM-D E-M1 Mk2 vor.

Das Duo Panasonic und Olympus ergänzt sich perfekt. Während Panasonic in der Regel etwas voluminösere aber leichtere MFT-Kameras mit stark funktionaler Ausrichtung baut und in Sachen Video die meisten anderen Kamerahersteller in den Sack steckt, platziert sich Olympus mit meist kompakteren Modellen die verhältnismässig schwerer sind und dadurch massiver wirken als Fotografen-zentrierte Marke mit stylisheren Modellen.

Doch ein System lebt nicht nur von Kameras. Wer seine Wahl ohne Blick auf die angebotenen Linsen macht, macht seine Rechnung ohne den Wirt. MFT ist dabei kaum eine schlechtere Wahl als die Systeme der seit Jahrzehnten etablierten Systeme.

Olympus hat gerade gestern angekündigt sein 19 Objektive umfassendes Angebot um ein preiswertes Makro (Amazon-Affiliate-Link) und zwei Pro-Objektive (25mm ƒ1.2 (Amazon-Affiliate-Link) und 12–100mm ƒ4 (Amazon-Affiliate-Link)) zu erweitern. Panasonics Objektivangebot umfasst sogar schon 27 Linsen zu denen sich bald schon drei weitere gesellen sollen: ein 12-60mm Standardzoom, ein Super-Weitwinkel mit 8-18mm und ein Telezoom mit 50-200mm – alle mit Lichtstärke 2.8–4.0. Solchen Fleiß würden die Hersteller kaum an den Tag legen wenn sie nicht an eine langfristige Zukunft ihrer Systeme glaubten.

 

Sony a7RII vs. Olympus Pen-F

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So sehr ich mein MFT-System liebe, bin ich natürlich trotzdem neugierig wie sich meine Ausrüstung im Vergleich zu den Mitbewerbern schlägt. Deshalb habe ich beispielsweise letztes Jahr meine OM-D E-M1 gegen eine Nikon D810 antreten lassen und ein paar absurde Tests ausgeführt. Für meinen heutigen Test habe ich mir eine Sony a7RII besorgt und gegen meine Pen-F in Stellung gebracht.

Anders als die E-M1 löst die Pen-F mit 20MP auf und erlaubt durch Sensor-Shifting Auflösungen von 50MP bzw. 80MP. Zwar ist Sensor-Shifting bislang nur mit Stativ und bewegungslosen Motiven einsetzbar aber die Qualität von Linsen kann man damit dennoch recht gut prüfen, weshalb ich vor Kurzem alle meine Linsen einer Test unterzog.

An der a7RII kam das FE 50mm ƒ1.8 zum Einsatz, bei der Pen-F das 12–40mm ƒ2.8. Damit habe ich mit Stativ und Selbstauslöser meinen üblichen Text-Chart mit verschiedenen Blendeneinstellungen abfotografiert.

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Die obere der drei Aufnahmen zeigt jeweils das Ergebnis der Sony (JPEG-Aufnahme), in der Mitte Pen-F bei 50MP (JPEG-Aufnahme) und unten Pen-F bei 80MP (RAW-Aufnahme).

Sony-a7rII_1-8
Blende ƒ1.8: Da es bei Olympus’ 12–40mm erst bei ƒ2.8 losgeht keine Vergleichsbilder der Pen-F. Der Vollständigkeit halber möchte ich das Resultat der Sony trotzdem zeigen. Überrascht hat mich, dass das doch ziemlich preiswerte Sony 50er bereits bei Offenblende kaum etwas zu wünschen übrig lässt.
Sony-a7rII_2-8
Olympus-PenF_50MP_2-8
Olympus-PenF_80MP_2-8
Blende ƒ2.8: Die Pen-F holt mit dem 12–40mm ƒ2.8 sichtbar mehr aus der Aufnahme heraus. Ob der Unterschied in der Praxis relevant wäre scheint mir aber fraglich. Sehr wahrscheinlich hätte eines von Sonys Top-Objektiven mehr als das preiswerte 50mm ƒ1.8 aus der Aufnahme herausgeholt, aber ich musste hier mit dem arbeiten was ich zur Verfügung gestellt bekommen habe.
Sony-a7rII_4-0
Olympus-PenF_50MP_4-0
Olympus-PenF_80MP_4-0
Blende ƒ4.0: Kaum ein Unterschied zu den Aufnahmen mit ƒ2.8. Beide Objektive scheinen bereits bei offener Blende eine sehr gute Schärfe zu erreichen. Der Unterschied der Helligkeit und des Weißabgleichs rührt daher, dass ich mit Tageslicht aufgenommen habe und ziehende Wolken für wechselnde Lichtverhältnisse sorgten.
Sony-a7rII_5-6
Olympus-PenF_50MP_5-6
Olympus-PenF_80MP_5-6
Blende ƒ5.6: Das Sony scheint noch immer genauso scharf wie bei ƒ4, was auch kaum anders zu erwarten ist. Bei den Olympus-Aufnahmen hingegen scheint sich bei ƒ5.6 bei diesen großen Auflösungen bereits die Beugungsunschärfe etwas bemerkbar zu machen. Es zeigt, dass die Möglichkeiten MFT-Sesnoren mit Auflösung aufzupumpen begrenzt sind.
Sony-a7rII_8-0
Olympus-PenF_50MP_8-0
Olympus-PenF_80MP_8-0
Blende ƒ8.0: Bei Sony ist die Detailschärfe noch ziemlich auf Augenhöhe mit den Aufnahmen bei größerer Blenderöffnung. Bei der Pen hingegen zeigt sich, dass die Linien jenseits der 8er Markierung kaum mehr, jenseits der 9er gar nicht mehr zu unterscheiden sind. Der Grund dafür dürfte die Beugungsunschärfe sein. Das erklärt auch weshalb Olympus die Blendeneinstellung bei hochauflösenden Aufnahmen bei ƒ8 abriegelt.
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Sony-a7rII_16
Sony-a7rII_22
Der Vollständigkeit halber noch die Ergebnisse der Sony bei ƒ11, ƒ16 und ƒ22. Bei ƒ11 (oben) kündigt sich an, was bei der Pen bereits bei ƒ5.6 zu sehen ist: Beugungsunschärfe trübt das Schärferesultat bereits ein bisschen. Bei einer so hohen Auflösung wie 42MP erreicht man halt auch mit Kleinbild die Grenzen früher als man das mit 16MP oder 24MP erwarten darf. Mittelformatkameras dürften hier noch keine Schwächen zeigen – aber das heißt jetzt Fahrräder mit Rennmaschinen zu vergleichen. Bei ƒ16 taucht das Resultat unter die Pen bei ƒ8, was mich überrascht, was allerdings auch daran liegen könnte, dass ich mein bestes Olympus-Zoom gegen einer preiswerte Sony Festbrennweite antreten ließ. Die untere Abbildung verdeutlicht, dass die Ergebnisse mit ƒ22 bei Vollformat auch nicht besser sind als bei einem vergleichbaren Wert von ƒ11 bei MFT.

Super Tele: Panasonic/Leica Vario-Elmar 100–400mm

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Panasonic Lumix G Leica DG Vario-Elmar 100–400 mm / F4-6.3 ASPH. / Power O.I.S. (Abbildung: Panasonic)

Ich habe mich bislang nicht unbedingt als großer Freund besonders langer Brennweiten geoutet, was nicht zuletzt daran liegt, dass ich eher selten da nach Motiven jage wo Brennweite Trumpf sind. Trotzdem gibt es auch für einen Weitwinkel-Fan gelegentlich Situationen in denen ein normales Tele nicht ausreicht. Außerdem hat man als ambitionierter Fotograf irgendwie das Gefühl nicht ganz komplett zu sein wenn sich im Objektivpark nicht auch ein Supertele befindet.

Für MFT-Fotografen sind Brennweitengiganten glücklicherweise etwas preiswerter zu haben wie bei Systemen mit größeren Bildsensoren, schließlich führt der kleine Sensor auch zu etwas, das oft als »Brennweitenverlängerung« bezeichnet wird. Olympus’ 75–300mm ist bereits für knapp unter, Panasonics 100–300mm für knapp über 500 Euro zu haben – am langen Ende des Zooms weisen beide beachtliche 600mm kleinbildäquivalente Brennweite auf.

Ich hatte mich für Panasonics Superzoom entschieden und war von der Abbildungsqualität von Beginn an beeindruckt. Aus Neugier habe ich letzten Herbst auch Olympus’ Supertelezoom getestet, es mit Panasonics 100–300mm verglichen und einen Bericht dazu verfasst. Fazit: Die beiden schenken sich wenig.

Trotzdem, dass ich Panasonics 100–300mm schätze, hatte ich es eher selten im Einsatz, denn gefährliche oder scheue Tiere stehen nicht an vorderster Stelle meines Abschussplans, und für Motive die nicht beissen oder fliehen sind so lange Rohre keine Notwendigkeit.

Im vergangenen Winter wuchs allerdings der Wunsch und die Lust im Frühjahr mit der Kamera auf Vogeljagd zu gehen, was das Panasonic-Superzoom nun vermehrt zum Einsatz brachte Leider machte der vermehrte Einsatz ein Problem augenscheinlich: Der Fokusring läuft zwar weich, er sperrt sich aber ein bisschen dagegen in Bewegung versetzt zu werden – um die Schärfe einzustellen muss immer etwas Reibungswiderstand überwunden werden. Bei Brennweiten ab 200mm KB erschwert das allerdings das Finetuning der Fokussierung. Der Spaß am Fotografieren kann einem durchaus vergehen, wenn dauernd das Motiv von dannen hüpft, während man noch die Fokussierung zu optimieren versucht oder wenn das Gros der Aufnahmen den Schärfepunkt nicht an der richtigen Stelle hat.

Bis Ende 2015 sah es bei MFT mit hochwertigen Superteles noch übel aus, was sich mit 2016 aber ändert. Olympus hat eine 300mm-ƒ4-Pro-Festbrennweite auf den Markt gebracht und Panasonic ein höherwertiges, spritzwassergeschütztes Superzoom mit Leica-Label und einem Brennweitenbereich von 100–400mm.

Nun ist die Begeisterung der Fachpresse für Olympus’ lichtstarkes 300mm Objektiv groß, doch es ist mit einem Preisschilf von 2500 Euro nicht eben ein Schnäppchen. Demgegenüber ist Panasonics 100–400mm-Zoom um 1500 Euro (Amazon-Affiliate-Link) dann doch preiswert.

Seit einigen Tagen habe ich die Möglichkeit Panasonics neues Superzoom zu testen. Ich war gespannt wie sehr sich die 100mm mehr (200mm KB mehr) in der Praxis auswirken. Und, ja: Es wirkt sich absolut aus – mehr als ich erwartet hatte. Es sind die entscheidenden Millimeter die mir bislang fehlten Robin & Co einigermaßen formatfüllend abzulichten.

Neben der längeren Brennweite und der flexibleren Einsetzbarkeit aufgrund des Zooms bietet das Panasonic gegenüber Olympus’ Supertele auch den Vorteil etwas kompakter und leichter zu sein. Spritzwasserfest und staubdicht ist das Pana dennoch und leicht ist die Linse – zumindest nach MFT-Maßstäben – trotzdem nicht. Vielmehr vermittelt es den Eindruck aus solidem Metall gefertigt und für Profis konstruiert worden zu sein. Lediglich die vorschiebbare, fix verbaute Ministrulichtblende auf die sich eine zweite Streulichtblende aufschrauben lässt ohne dabei arretierbar zu sein lässt mich etwas ratlos zurück – allerdings ist das am Ende nur ein Detail.

Nachdem ich das Objektiv nun auf zwei Ausflügen eingesetzt habe bin ich schwer begeistert. Ich würde sagen ich werde gerade vom Supertele-Skeptiker zum Supertele-Fan bekehrt. Endlich gelingt es mir ausreichend nahe an kleine Piepmatze heranzukommen vernünftige Aufnahmen von ihnen zu schießen. Dabei ist die Kompaktheit es MFT-Systems einmal mehr ein riesiger Vorteil: Vergleichbare Brennweite für APS-C oder Kleinbild sind in der Regel mehr als die Hälfte länger und bringen das zwei- bis dreifache Gewicht auf die Waage. Tatsächlich ist das 100–400mm nur unwesentlich länger als beispielsweise Nikons Standardzoom 24–70mm ƒ2.8 und sogar etwas leichter. Entsprechend komfortabel lässt es sich einsetzen.

Beeindruckt hat mich die Bildstabilisierung. Obwohl die In-Body-Stabilisierung von Olympus bekanntermaßen exzellent ist, bevorzuge ich bereits beim 100–300mm Panasonics Stabilisierung im Objektiv. Das ist beim 100–400mm nicht anders. Was sie tatsächlich leistet muss man im Grunde selber sehen um eine Vorstellung davon zu haben. Bei 800mm Kleinbild entsteht eine enorme Hebelwirkung für die geringste Unruhe beim Halten der Kamera – ohne Stativ scheint ruhiges Halten unmöglich. Umso verblüffender wie stabil das Bild im Sucher urplötzlich wird wenn durch halbes Drücken des Auslösers die Bildstabilisierung aktiv wird.

Das 100–400mm ist wirklich ein Objektiv das man mit Freude einsetzt. Und die Freude hört beim Fotografieren nicht auf. Auch die Abbildungsqualität enttäuscht nicht. Das Bokeh ist ebenso wunderbar cremig und die fokussierten Bereiche knackscharf – jedenfalls so lange die ISO-Empfindichkeit nicht zu hoch klettern oder die Verschlusszeit für die Brennweite doch zu lang wird, doch dafür kann das Objektiv nichts. Durch Einsatz eines Einbein- oder gleich eines normalen Stativs ist natürlich noch mehr raus zu holen als aus freier Hand – trotz überzeugender Bildstabilisierung.

Neben der Möglichkeit Fernes ganz nah heran zu holen glänzt das Objektiv auch durch exzellente Freistellungsqualitäten: Fokussiert auf die Naheinstellgrenze von 1,3m ergibt sich bei 400mm und ƒ6.3 ist eine Schärfentiefe von gerade einmal 1,4mm zu erzielen – selbst auf 500m fällt die Schärfentiefe noch nicht unendlich aus (sie beträgt dann 323m).

Aufgrund der für ein Supertele recht geringen Naheinstellgrenze erzielt das 100–400mm einen Abbildungsmaßstab von 1:2 und kann dementsprechend durchaus noch als Makroobjektiv durchgehen – es gibt Objektive die sich Makro auf die Hülle schreiben und das nicht erreichen.

Clevere Details am Rande: Am Objektiv befindet sich ein Schalter mittels dem man von Full–Infinity (1,3m bis unendlich) auf 5m–Infinity (5m bis unendlich) umschalten kann, was die Fokussierung beschleunigen soll. Der Ring für die Stativschelle ist fix montiert, nur der Fuß mit dem das Objektiv montiert wird, wird angeschraubt. Im Ring sind die Schalter für Bildstabilisierung und Full/5m–Infitity integriert – der Ring lässt sich trotzdem leicht drehen, so dass man bequem vom Quer- ins Hochformat wechseln kann.

Nachtrag: Mittlerweile habe ich meine Objektive einer einfachen Testreihe unterzogen. Für das 100–400mm Tele hat sich herausgestellt, dass es, so wie ein Leser angemerkt hat, am langen Ende der Brennweite bei 400mm tatsächlich nicht sonderlich scharf zeichnet. Weiters habe ich den Eindruck erhalten, dass es im Brennweitenbereich des 100–300mm auch keine besseren Ergebnisse erzielt.

Dies bestätigt für mich, dass das 100–300mm für seinen Preis sehr scharf abbilden kann. Ich persönlich ziehe dennoch das 100–400mm vor. Die Gründe sind:

  1. Die zusätzlichen 100mm scheinen mir von Vorteil auch wenn die Schärfe bei 400mm zu wünschen übrig lässt (allerdings wäre hier noch ein Test interessant, ob bei einer hochinterpollierten 300mm-Aufnahme nicht gleichwertige Resultate zu erzielen wären, den ich bislang nicht gemacht habe).
  2. Die Fokussierung scheint mir vor allem auf große Distanzen deutlich treffsicherer. Mit dem 100–300mm erzielte ich auf große Entfernungen oft Resultate die mir deutlich unschärfer erschienen als sei hätten sein dürfen; als auf kurze Distanz fokussiert. Generell scheint das 100–400mm mit AF deutlich präziser und schneller zu fokussieren als das 100–300mm.
  3. Das 100–300mm stellte für mich ein Problem bei manueller Fokussierung dar, da der Fokusring meist einen Reibungswiderstand bietet der überwunden werden muss um manuell scharfstellen zu können, was das Scharfstellen zum Geduldspiel macht und meist länger dauert als ein Vogel auf einem Platz zu sitzen bereit ist. Fokus- und Zoomring scheinen nach dem was ich im Internet las manchen Besitzern schwergängig, doch sie laufen sauber, weich und ohne Reibungswiderstand.
  4. Die Bildstabilisierung scheint mir (noch) besser (was allerdings ein wirklich subjektiver Eindruck sein kann).
  5. Die Abdichtung des Objektivs macht es möglich auch bei schlechten Witterungsverhältnissen auf den Weg zu gehen.

Nun wird darüber spekuliert, ob Olympus’ 300mm ƒ4 nicht die bessere Wahl ist. Zu seinem deutlich höheren Preis würde ich das annehmen und Olympus behauptet es sei das schärfste Objektiv das sie je gebaut haben. Allerdings ist es voluminöser und schwerer und eben eine Festbrennweite. Es ist ein Objektiv mit dem man ganz anders arbeitet – es ist ein ganz anderes Objektiv. Das 100–400mm Panasonic ist trotz seines immensen Brennweitenumfangs ein Objektiv das man gut auf ausdauernden Fotosafari mitnehmen und mit dem man gut aus freier Hand fotografieren kann. Das Zoom macht es flexibel genug auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Olympus’ 300mm ƒ4 ist eher ein Objektiv für geduldige Fotografen die sich an einem Platz niederlassen und auf ihr Motiv in einer bestimmten Entfernung warten.

Geht es rein um ein Verhältnis von Schärfe zu Preis ist das 100–300mm die deutlich bessere Wahl. Ob die Vorteile des 100–400mm den empfindlichen Mehrpreis rechtfertigen muss jeder für sich entscheiden.

Ein Leser schrieb er überlege mit Panasonics 100–300mm oder 100–400mm ein Olympus 75–300mm ersetzen. Nach meiner Erfahrung die ich in einem Bericht geteilt habe halte ich das nicht für sinnvoll, da sich jedenfalls 100–300mm und 75–300mm in der Praxis nicht viel schenken und auch dxomark.com wertet die beiden Linsen etwa gleich.

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Panasonic 100–300 oder Olympus 75–300

Posted in Fotografie

Eigentlich bin ich kein deklarierter Fan langer Telebrennweiten. In der Tat könnte ich gut auf alles über 120mm verzichten. Aber warum sollte man?

Preiswert, wenn auch nicht unbedingt professionell

Als MFT-User ist es besonders leicht an extrem lange Brennweiten zu kommen oder zumindest budgetär nicht besonders schmerzhaft, wobei nicht unter den Tisch fallen soll, dass es für Fotografen mit professionellen Ansprüchen bislang kein MFT-Supertele gibt (allerdings ist von Olympus ein 300mm ƒ4 angekündigt). Aufgrund des Formatfaktors von 2 ergibt ein 300mm Tele an einer Kamera von Olympus oder Panasonic den Bildausschnitt eines 600mm Superteles an einer Vollformatkamera.

Panasonics Supertelezoom

Im Juni 2014 stockte ich meinen MFT-Objektivpark durch das Lumix G 100–300mm ƒ4.0–5.6 (629,– bei Panasonic, 479,– bei Amazon) auf. Zu einer Konkurrenz für meine Lieblingslinsen ist es seither zwar nicht geworden, was auch keineswegs zu erwarten war, doch missen möchte ich es auch nicht mehr. Immerhin hat es dazu geführt, dass sich das lange Tele bei mir rehabilitieren konnte. Und zu einem Preis von grob gesagt 500 Euro ist es im Verhältnis ja wirklich eine recht überschaubare Investition.

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Nicht nur das Bokeh des 100–300mm Lumix Objektivs finde ich überzeugend (im oberen Gesamtausschnitt gut zu sehen), auch die Schärfe kann sich durchaus sehen lassen (im unteren 100-%-Ausschnitt nachzuprüfen). Natürlich wirkt der 100-%-Ausschnitt nicht »rattenscharf«. Allerdings setzte ich das Objektiv nur selten so ein, wie man es sollte – nämlich mit einem Stativ, zumindest einem Einbein. Die Wiedergabe hier auf der Website erfolgt allerdings als komprimiertes JPEG und in etwa der vierfachen Größe einer Druckwiedergabe bei 300ppi, was dem tatsächlichen Schärfeeindruck nicht wirklich angemessen entspricht.
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Natürlich kommt man meist nur im Tierpark so nahe an ein Reh ran. Trotzdem: Mit einem »moderaten« Tele läuft hier wenig. Für diese Aufnahme stand das Zoom bei 258mm, also über 500mm Kleinbild. Die Unschärfe der Detailaufnahme würde ich einem Mix aus Verwackelung durch 1/250 S Verschlusszeit und hoher ISO-Empfindlichkeit von 1600 zuschreiben. Der Gesamtausschnitt ist dennoch überzeugend. Und wie gesagt: Einen 300ppi Ausdruck muss man sich etwa viermal kleiner als den Tatsächliche-Pixel-Ausschnitt vorstellen.
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Scheu wie Vögel nun einmal sind ist es auch mit 600mm Kleinbild nicht einfach brauchbare Schnappschüsse von ihnen einzufangen – ich bewundere diesbezüglich die Geduld von Wildtierfotografen.
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Der 100-%-Ausschnitt unten vermittelt durchaus einen Eindruck davon was aus dem Objektiv an Details rauszuholen ist, wenn die Aufnahmebedingungen stimmen. Mit Stativ ist sicher och mehr drin.
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Der gemeine Sperling, oder wie man bei uns sagt »Spatz«, ist ja wirklich kein besonders exotisches Motiv. Ich mag aber die kleinen Proleten – und für eine witzige Aufnahme sind sie immer wieder gut. Ausreichend Brennweite ist dennoch nur selten verzichtbar.
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Street Photography ist an sich Domäne normaler Brennweiten. Aber wenn man ein schüchterner Zeitgenosse wie ich ist, betätigt man sich trotzdem lieber als Heckenschütze aus dem Hinterhalt.
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Gefährliche Raubtiere sollte man ebenfalls nur mit langen Teleobjektiven aus sicherer Entfernung aufnehmen (falls ihr nicht glaubt, dass dieser Hund ein Berserker ist – ihr hättet ihn sehen sollen, wenn sich eine Wespe ins Führerhaus verirrte!)
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Ein Blick vom Dach.
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Man kann mit langen Brennweiten natürlich auch gut freistellen.
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Das geringe Ansehen langer Brennweiten rührt bei mir daher, dass ihre perspektivischen Auswirkungen eher bescheiden sind. Bei 200mm oder 300mm Brennweite (KB) ist die Perspektive »einfach nur Flach«. Das Panasonic 100–300mm hat mich allerdings gelehrt, dass bei Brennweiten die in Richtung 600mm KB gehen eine dermaßen extreme Verdichtung geschieht, dass der Reiz in meinen Augen wieder drastisch zunimmt.
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Bei dieser Aufnahme treffen sich perspektivische Verdichtung des Hintergrunds mit einer durchaus brauchbaren Freistellung der Hauptprotagonisten.
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Was hier recht dicht aufeinander zu liegen scheint, liegt tatsächlich in viel größerem Abstand auseinander. Die Aufnahme wirkt auf den Besucher des Strandes ausgesprochen überraschend, nimmt man die Distanzen vor Ort doch vollständig anders wahr. Das extreme Tele schafft hier somit eine deutlich bemerkenswertere Wirkung als die von mir so geschätzten Weitwinkel.
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Die Verdichtung der Tiefe hat dieses Frachtschiff hier an der Küste von Pas-Nord-de-Calais sehr nahe an den Stand geholt.
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Zu einer regelrecht surrealen Wirkung führte hier die »Landschaftsaufnahme« aus großer Distanz. Die Hafenkräne im Hintergrund befinden sich tatsächlich in einer Entfernung von mehreren Kilometern zum Badestrand.
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Wer schon einmal probiert hat mit einer »normalen« Brennweite den Mond zu fotografieren, kennt das Problem: Selbst bei relativ langen Brennweiten wird er meist nur zum kleinen Punkt am Himmel. Durch die extreme perspektivische Verdichtung bei 600mm KB jedoch konnte ich ihn nah an meine Frau, die hier an einem Strand in Holland sitzt, heranbringen.

Ich habe also in den vergangenen Monaten Panasonics Supertele mehr und mehr zu schätzen gelernt, vor allem auch durch die zuletzt abgebildeten Aufnahmen dieses Sommers von der französischen und holländischen Nordseeküste.

Olympus’ Supertele

Nun gibt es allerdings als Gegenstück zu Panasonics 100–300mm auch ein Supertele aus dem Hause Olympus, nämlich das M.Zuiko 75-300mm 1:4.8-6.7 II (599,– bei Olympus, knapp 420 bei Amazon), und ich begann mich zu fragen, ob dieses nicht die bessere Alternative zu meinem Panasonic sein könnte. Dabei ist es nicht nur der Verdacht, »das Andere« könnte besser sein als »das Eigene«. Tatsächlich zeigt Panasonics 100–300mm auch klare Schwächen.

Schwächen des Panasonic-Telezooms

So ist die Fokussierung teilweise schon recht schwierig und selbst segelnde Vögel sind oft kaum besser scharf zu bekommen wie pfeilschnelle Flieger. Natürlich weiß ich, dass die Kontrasterkennung spiegelloser Kameras diesbezüglich noch deutlich hinter der Phasenerkennung von DSLRs zurück hängt – dass Spiegellose diesen Nachteil mittlerweile abgebaut hätten, ist nach meiner Erfahrung schlicht und einfach nicht wahr. Dennoch fragst du dich bei jedem missglückten Versuch ob es mit einem anderen Objektiv an der Kamera nicht doch ein bisschen besser ginge (was eigentlich in dieser Beziehung ein bisschen dämlich von mir ist, schließlich geht es mit dem exzellenten 40–150-mm-2.8-Profiobjektiv von Olympus auch nicht viel besser).

Ein zweiter Punkt ist der, dass ich bei meiner Reise durch Belgien, Frankreich und Holland häufig meine E-M5 mit 12–40mm und die E-M1 mit 100–300mm umhängen hatte. Das Loch zwischen 40mm und 100mm ist in der Praxis gewaltig und ich argwöhnte, dass es mit einem 75–300mm eine geringere Einschränkung geben könnte (ich weiß, das ist jetzt eine seltsame Anmerkung von Jemandem der sich brüstet schon mehrfach mit einer einzigen Festbrennweite auf Reisen gegangen zu sein).

Vergleich

Um herauszufinden und zu berichten wie sich für mich das 75–300mm im Vergleich zum 100–300mm schlagen würde bat ich meinen freundlichen Fachhändler, Foto Hebenstreit, wieder einmal um ein Testobjektiv.

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Links Panasonics Lumix G Vario 100–300mm ƒ4.0–5.6 OIS, rechts Olympus M.Zuiko Digital ED 75–300mm 1:4.8–6.7 II

Pro Pana: Etwas lichtstärker

Dem Kenner fällt als erstes auf, dass Olympus’ Supertele schlechtere Zahlen bei der Lichtstärke ausweist. Allerdings kann man bei 5.6 bzw. 6.7 nicht mehr unbedingt von Lichtstärke sprechen, sondern sollte eher den Begriff »Lichtschwäche« verwenden. Dem ist allerdings entgegen zu halten, dass ƒ5.6 bei 600mm KB so schlecht gar nicht ist. Trotzdem: Der Unterschied von 5.6 zu 6.7 macht den Braten auch nicht mehr fett.

Olympus: Kompakter und leichter aber ohne Streulichtblende

Wohlwollend ist mir beim Auspacken sofort aufgefallen, dass Olympus’ Supertele kompakter und leichter ist als Panasonics, und zwar mehr, als es auf der Aufnahme oben scheint. Weniger wohlwollend nahm ich zur Kenntnis, dass Olympus wie so oft mit der Streulichtblende geizt – ein wichtiges Zubehörteil, das bei Panasonic selbstverständlich dabei ist.

Vergleichbarer Materialeindruck

Bei Haptik und Verarbeitungsqualität würde ich die beiden Objektive als gleichwertig einstufen, auch wenn sie sich jeweils unterschiedlich anfühlen. Zoom- und Fokusring laufen sauber und geräuschlos, der Fokusring beim Panasonic deutlich schwerer, wobei ich nicht sagen könnte ob ich das jetzt besser oder schlechter finde.

Olympus: Traurige Objektivdeckel

Besser finde ich beim Panasonic den Objektivdeckel. Er lässt sich sowohl durch Entriegelungen an den Seiten als auch innen (vorne) öffnen. Beim Olympus lässt er sich, wie bei den meisten Olympus-Linsen unterhalb der Pro-Klasse, nur durch seitliche Riegel öffnen und die sind praktisch unerreichbar, wenn eine Streulichtblende auf dem Objektiv sitzt – wohl kein Problem wenn man keine Streulichtblende hat, wird sich Olympus denken.

Hardwareseitig geht für mich unterm Strich trotzdem das Olympus als Sieger über die Ziellinie und zwar weil es vor allem dort punktet, wo der große Vorteil von MFT liegt: Bei Volumen und Gewicht.

Fokussierung: Vergleichbar mäßig

Fokussieren ist wie gesagt bei 600mm KB nicht ganz so einfach und geht oft bei weitem nicht so fix wie man es mit Brennweiten von weniger als 200mm KB gewähnt ist. Oft kommt man um manuelles Fokussieren oder zumindest einen prüfenden Blick mit Hilfe der Fokuslupe (Vergrößerung der Vorschau) nicht herum. Bei 600mm und mehrfacher Vergrößerung des Bildausschnitts wird das Zielen auf einen bestimmten Punkt jedoch zur wackeligen Angelegenheit – die Hebelwirkung dieser langen Brennweite ist enorm! Der Bildausschnitt im Sucher schießt nur so herum und es ist ebenso schwer zu beurteilen worauf man im Moment überhaupt zielt wie ob die Schärfe einigermaßen passt (mit ein Grund, weshalb sich zumindest ein Einbeinstativ empfiehlt).

Panasonics Objektiv-Stabilisierung im Vorteil

Bildstabilisierung ist in diesen Situationen ein Segen und, was soll ich sagen, mit dem 100–300mm ziehe ich Panasonics Stabilisierung im Objektiv Olympus’ Stabilisierung des Sensors gegenüber vor. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass Olympus‘ Fünf-Achsen-Bildstabilisierung das derzeit beste System am Markt ist, wenn es um die Stabilisierung einer Aufnahme geht, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Objektivstabilisierung des Panasonics für die Vorschau einen deutlich besseren Job leistet. Das gilt auch und vor allem, wenn ich das Panasonic bei 300mm und Objektivstabilisierung mit dem Olympus bei 300mm und Sensorstabilisierung vergleiche. Ein deutlicher Pluspunkt für das Panasonic.

Unter den Praxisbedingungen unter denen ich die Objektive verglich hatte ich manchmal den Eindruck, dass das Olympus schneller fokussiert, manchmal schien mir das Panasonic im Vorteil. Ich würde deshalb das Fazit ziehen, dass sich die beiden nicht viel schenken. Den erhofften Vorteil beim Olympus konnte ich nicht feststellen.

Sehr gute Qualität in Anbetracht des günstigen Preises bei beiden

In Sachen Farbe und Kontrast ist der Unterschied der Abbildungen so gering, dass es sich optisch praktisch nicht unterscheiden lässt, mit welchem der beiden Objektive ein Foto gemacht wurde. Auch was die Detailschärfe und das Bokeh angeht kann ich nur wenig Unterschied feststellen, wobei ich dem Olympus einen winzigen Schärfevorteil zuschreiben würde. Das deckt sich auch mit den Messergebenissen von dxomark.com.

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Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Olympus 75–300mm bei 300mm, ƒ6.7, 1/400 S und ISO320.
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Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Panasonic 100–300mm bei 300mm, ƒ5.6, 1/400 S und ISO320. Der Fokuspunkt liegt bei den Vergleichsmotiven oben und hier nicht exakt an derselben Stelle, weshalb ich für die 1:1-Ansicht jeweils einen Bereich maximaler Schärfe heraussuchte.
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Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Olympus 75–300mm bei 300mm, ƒ6.7, 1/320 S und ISO500.
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Vollständiger Bildausschnitt und Tatsächliche-Pixel-Ansicht einer Aufnahme des Panasonic 100–300mm bei 300mm, ƒ5.6, 1/320 S und ISO400. Bei diesem Motiv verdichtete sich für mich der Eindruck, dass das Olympus einen Hauch schärfer zeichnet.

Fazit

Als Fazit würde ich festhalten, dass hier sowohl Panasonic als auch Olympus für ihren Preis exzellente Telezooms gelungen sind, auch wenn sie sich natürlich in keiner Weise mit anspruchsvollen Superteles aus der APS-C- und Vollformatliga vergleichen lassen.

Vor dem Test hatte ich in Betracht gezogen eventuell das Panasonic gegen das Olympus auszutauschen, doch da mir die beiden als unterm Strich gleichwertig erscheinen, mit einzelnen Vorteilen auf beiden Seiten, schiene mir das nicht wirklich sinnvoll.

Aber: Hätte ich bislang noch keines von beiden würde ich vielleicht eher dem Olympus den Vorzug geben und zwar weil es kleiner und leichter ist und ich die 25mm zusätzlicher Brennweite am kurzen Ende als Vorteil erschienen. Ich vermute aber, dass ich dann immer das Gefühl haben würde das Panasonic wäre vielleicht doch die cleverere Wahl gewesen, zumindest immer dann wenn die Vorschau im Sucher wieder unruhig wackelt und herum schießt.

Sollte Olympus das 75–300mm allerdings eines Tages durch Staub- und Wetterfestigkeit aufwerten, so wie es mit dem 14–150mm geschah, müsste ich dieses Fazit noch einmal überdenken und könnte mich möglicherweise doch noch entscheiden das Pana zu verkaufen und zum Oly zu wechseln.