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Die Zukunft der Kamerasysteme. Ein Blick in die Kristallkugel.

Posted in Fotografie & Gedanken

Viel wurde in diesem Jahr spekuliert, über die Zukunft von Olympus und MFT. Im Juli habe ich eigene Spekulationen in die Diskussion eingebracht, weil mir ein Gegengewicht zur Flut der negativen »Prognosen« – oft kaum durch Fakten gedeckt und manchmal als »Verkündigung der WAHRHEIT« etikettiert – wichtig erschien.

Nachdem mittlerweile klar ist, dass JIP plant das Geschäft ernsthaft und international weiter zu führen – auch wenn das offensichtlich noch nicht alle glauben wollen –, und dass die Produkte auch weiterhin das Label »Olympus« tragen werden, nehme ich diesen Faden hier noch einmal auf und erzähle auf Basis dessen, was ich so vom Kameramarkt mitbekomme, was für eine Entwicklung ich mittelfristig für die derzeit am Kameramarkt befindlichen Systeme für wahrscheinlich halte.

Ob ich damit richtig oder daneben liege wird die Zukunft zeigen.

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7 Comments

  1. O.G.

    Die Kameraindustrie hat sich doch mit Überproduktionen jährlich erscheinender neuer Kameragehäuse, fehlenden Objektivlinien, insbesondere bei APS-C von Canon, Nikon und Sony ihr eigenes Grab geschaufelt.
    Fuji hat z.B. ein gut ausgebautes System aber den Umsatz/Gewinn generiert wohl die Instax Sparte. Auch hier fragt man sich wie lange solch ein Hype anhält. Kennt noch jemand die Leica Sofort? Gibt es die noch?

    Zusätzlich die Fixierung nicht mehr aufs Bild und dessen Aussage sondern eine ständige Technisierung auf selbiges. Fotografie als Spektakel. Auflösung, Schärfe, Kameragehäuse wie Maschinengewehre mit 15 Bildern/sec und fragwürdige als einziges Stilmittel geltende Stile in der Fotografie wie selektive Schärfe/Freistellung und Bokeh.
    Angebtrieben natürlich dadurch, über die Sprachrohre ihrer Influenzer und Fotoforen, absurde lichtstarke Objektive und Kameragehäuse verkaufen zu können.
    Vermutlich wollte man dadurch die Technik Nerds unter den fotografierenden ansprechen bzw. Technik begeisterte im allgemeinen mit ausreichendem Spielzeug versorgen.

    Aber irgendwann wird auch das langweilig wenn man immer den gleichen Mainstream herunterknippst, an Bokehwettberwerben teilnimmt, ellenlange Technikdiskussionen in Foren, ganz schlimm fand ich die geschaffenen Playgrounds von Olympus, und man wendet sich einem anderen Hobby zu.

    Interessant, dass es gefühlt 98% Männer sind die über sowas Quatschen. Ich habe noch nie einen weiblichen fotografen kennengelernt für den diese Technikverliebtheit ihr Schaffen bestimmt hat. Da ging es meistens nur ums Bild.

    Nur eine Minderheit ist in der Amateurfotografie daran interessiert, die Kamera auf das eigene
    Leben, die eigene Lebensumgebung zu richten, auf das, was ihre persönliche Realität ausmacht oder die anderer.
    Bilder die sagen „so ist es“ und später sagen können „so war es gewesen“.
    Dafür braucht es nur einen Apparat bei dem sie Zeit/Blende einstellen können und ein bis zwei Objektive.
    Damit lässt sich aus Sicht der Kameraindustrie nicht viel Geld machen. Jedenfalls reicht es nicht für alle am Markt.
    Der Fotografie würde es aber gut tun.

    23. Oktober 2020
    |Reply
    • Dem kann ich nur zustimmen und nichts hinzufügen. Einzig: Ich kann mich an überhaupt keinen User in den ganzen Debatten erinnern, den ich als weiblich hätte identifizieren können.

      23. Oktober 2020
      |Reply
      • O.G.

        Sehen Sie Herr Waeger, dass ist der Berweis.
        Während die Herren noch über belangloses sich die Köpfe heiß reden, geht Frau fotografieren ;-).

        23. Oktober 2020
      • Ich habe nie etwa Anderes behauptet, sondern immer genau das. 🙂

        23. Oktober 2020
  2. David Wischmann

    Hallo Herr Waeger,

    Von einer etwas anderen Perspektive aus betrachtet hat David Hockney schon vor 15 Jahren festgestellt, dass die Fotografie am Ende sei. Siehe sein Spiegelinterview https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/interview-mit-david-hockney-die-fotografie-ist-am-ende-a-389005.html

    Immerhin hatte Hockney da die Fotografie bereits intensivst ausgelotet und mit fantastischen, z.T. technisch extrem aufwändigen Werken bereichert und kannte das Metier.

    Man mag mit Hockneys Sicht und seiner Begründung nicht übereinstimmen. Immerhin spricht aber doch Vieles dafür, dass die rein reproduktive Fotografie den Kameramarkt nicht mehr beleben wird, nachdem Smartphones dies müheloser schaffen bei voller Integration in Kommunikationsnetzwerke und Zugriff auf alle nur denkbaren Weiterbearbeitungsmöglichkeiten.

    Von den sogenannten Profis allein werden nicht alle heutigen Anbieter (über) leben können. Auch mag man sich fragen, wie viel Innovation noch in einen Markt fließen wird, der ein paar hunderttausend oder ein paar Milionen Einheiten gross ist. Werden Sony und Co. hierfür noch umfangreiche, teure Entwicklungsarbeit leisten? Die aktuellen Trends in der Sensortechnik weisen in ganz andere Richtungen.

    Die kreative Fotografie indes braucht dies Alles nicht wirklich. Es ist schön zu sehen, wenn junge Fotokünstler mit überschaubarer Kameratechnik in neue Foto-Kreativbereiche vordringen, die uns berühren und die Fantasie anregen. Qie bei uns in den Hamburger Deichtorhallen immer wieder zu sehen. Lieber öfter eine Fotoausstellung besuchen als technische Datenblätter und DXO Charts studieren.

    20. Oktober 2020
    |Reply
    • Danke. Das ist ein sehr interessanter Kommentar, den ich überlege als Artikel aufzunehmen.
      Meiner Ansicht nach ist es ein generelles Problem der Kunst, dass im 20. Jhd. praktisch alles ausgelotet wurde. Ich beobachte die Musikszene zwar nicht mehr so, wie bis in die 90er, aber ich kann mich nicht erinnern seit den späten 90ern etwas gehört zu haben, das nicht bekannte Muster wiederholte. Wir werden keinen Buddy Hollie, keine Beatles, keine Sex Pistols, keine Kraftwerk, keinen Grand Master Flash, keine Beasty Boys und keine Nirvana mehr sehen. Ich vermute, in der bildenden Kunst ist das nicht anders. Und wohl auch in der Fotografie.
      Auf der anderen Seite hieß es von der Typografie auch zu allen Zeiten, sie sei inzwischen tot. David Carson veröffentlichte in den 90ern das viel beachtete Buch »The End of Print«. Gedruckt wurde seither mehr als je zuvor (nicht umbedingt zum Vorteil der Ökologie) und typografisch betrachtet ist heute Vieles besser als zur Zeit als ich damit begonnen habe, auch wenn man auch hier primär Vergangenes neu aufbereitet.
      Ich persönlich hatte nie das Bedürfnis fotografisch Herausragendes machen zu müssen. Jede Landschaft ist an jedem Tag, jede Person, jeder Schmetterling, ist einzigartig. Deshalb ist auch jedes Foto davon einzigartig.
      Für mich ist Fotografie etwas, das ich gerne tue – fotografieren bringt mich in einen Flow. Ich kann das nicht mit einem Handy. Ich brauche dazu eine Kamera die sich anfühlt wie eine Kamera und bedienen lässt wie eine Kamera. Das ist wertungsfrei. Ich kenne Andere die gerne mit dem Handy fotografieren und damit mehr als Schnappschüsse aufnehmen.
      Tatsächlich hat es seit der ersten DSLR enorme Innovationen gegeben die die digitale Fotografie immens vorangebracht haben. Aber in meinen Augen sind die Systeme auch hier sehr weit ausgereizt. Ich wüsste nicht, was mir an meinen OM-Ds noch abgehen sollte. Ein großer Teil dessen, was uns der Markt als Innovationen verkaufen will, ist praktisch kaum relevant. Ja, ich teste gerade eine Fuji X-T3 und deren Sucher ist so brillant, dass er den meiner Olympus-Kameras alt aussehen lässt. Aber könnte ich damit etwas machen, was ich mit meinen aktuellen Kameras nicht machen könnte, würde er meine Fotografie in irgendeiner Weise verbessern, könnte ich damit nur das Geringste tiefer in meinen fotografischen Flow eintauchen? Sicher nicht!
      Ich vergleiche gerade MFT-Kameras mit APS-C und Vollformat. Olympus wird vorgeworfen Oldtimer als Sensoren zu verbauen. Doch wenn ich deren Rauschverhalten mit dem einer A7R IV (mit 61MP eine recht ähnliche Pixeldichte wie die 20MP-Olympus-Kameras), dann sehe ich keinen relevanten Unterschied. Noch weniger kann ich den viel beschworenen Dynamikumfang neuer APS-C und Vollformatkameras im Vergleich zu den MFTs in der Praxis sichtbar machen. Das heißt auch, dass man ihn wohl ebensowenig im Vergleich zwischen APS-C und Vollformat oder bei Kameras mit gleich großen Sensoren, für die jedoch ein unterschiedlich großer Dynamikumfang angegeben wird, sichtbar machen könnte.
      Die Industrie braucht natürlich die vermeintliche Innovation, weil das Wirtschaftssystem ohne Wachstum nicht funktioniert. Deshalb wurden vor wenigen Jahren 3D-Fernsehen von Fernsehindustrie und Medien als das große neue Ding angepriesen. Wer spricht heute noch davon?
      Ich bin der Überzeugung, dass Fotografie und Kameras Bestand haben werden (jedenfalls, wenn nicht viel Bedeutenderes zusammenbricht, als der Kameramarkt). Nicht nur im professionellen Bereich. Auch wenn es heute e-Bikes gibt und sie für den Alltag den klassischen Drahtesel zunehmend ersetzen werden, wird rein durch Muskelkraft betriebenes Radfahren nicht aussterben. Wer den Sport Radfahren liebt, wird keinen Motor wollen. Vinyl ist nicht mehr Kern des Musikgeschäfts, hat aber mittlerweile die CDs wieder aus vielen Märkten verdrängt.

      21. Oktober 2020
      |Reply
  3. Lieber Markus Waeger,

    auch ich habe mir erlaubt, einen Blick in die Kristallkugel zu werfen. Was ich dort gesehen habe ist ein Kameramarkt, in dem auf Sicht gefahren wird. Es ist sicherlich so, daß der über Jahre anhaltende Kampf der Giganten Nikon und Canon ein Ende gefunden hat. Das hängt damit zusammen, daß die beiden Kontrahenten viel zu lange auf das ehemalige Zugpferd DSLR gesetzt haben, und nun ein wenig ins Hintertreffen geraten sind.

    Die Zukunft gehört ganz eindeutig der DSLM. Aber auch hier ist nicht alles rosig. Die Auswahl an lichtstärkeren Objektiven bei Canon und Nikon DSLMs ist doch etwas eingeschränkt. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, daß die Spiegelreflexkamera so sang- und klanglos verschwinden wird. Das wird eher ein Tod auf Raten werden.
    Da waren Olympus, Panasonic, Sony und Fujifilm einfach besser aufgestellt.
    Aber die Krise bei Olympus zeigt auch ganz deutlich, daß diese Hersteller die teuren Entwicklungen nicht mehr hereingespielt bekommen. Es sei denn, man entschließt sich zur Anhebung der Preise.

    Was aber bedeutet diese Anhebung der Preise? Ganz sicher kleinere Verkaufszahlen, bei steigenden Preisen. Das wird ein Nullsummenspiel werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Hersteller das Hauptproblem der hohen Entwicklungskosten so in den Griff bekommen werden.
    In einer Zeit, in der die jüngeren Verbraucher weniger Geld zur Verfügung haben, weil die Löhne nicht angemessen steigen ist das der falsche Weg. Und auch die Rentner bekommen immer weniger ausbezahlt.

    Die Zukunft wird in meinen Augen nicht durch die Fotosensoren entschieden werden. Der Fotosensor einer Mft-Kamera ist für 80% der Kamerakäufer sicherlich vollkommen ausreichend. Und APS-C auch. Entscheident wird sein, was kostet das Objektiv zur Kamera.
    Wenn der kleinere Fotosensor eine größere Offenblende benötigt, um genug Licht auf den Sensor fallen zu lassen, und das adäquate Objektiv dann auch mal das Doppelte des Preises eines APS-C Objektives kostet wird es eng.
    Vielleicht entschließt sich JIP ja dazu, die Fertigung von Objektiven aus Vietnam abzuziehen, und in ein kostengünstigeres Land zu gehen. Oder aber die Fertigung so zu verschlanken, daß die Preise angeglichen werden können. Da bin ich einer anderen Meinung als Sie.
    Mercedes Benz lebt auch nicht durch die hohen Verkaufspreise der S-Klasse, sondern von den Käufern der C- und E-Klasse, die die Gewinne einfahren. Nur mußten hierzu die Kostenstrukturen angepaßt werden.

    Und mit längeren Laufzeiten der Kameramodelle sollten die Hersteller dann auch wieder in die Gewinnzone kommen. Durch konsequentes Weiterentwickeln der Kameratechnik und durch regelmäßige Updates der Software sollten jahrelange Freude aufkommen.
    Meine ganz unmaßgebliche Meinung.

    19. Oktober 2020
    |Reply

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