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Markus Wäger Posts

Daniel Scott über New Features & Updates in Adobe CC 2020

Posted in Adobe Illustrator, Adobe InDesign, and Adobe Photoshop

Adobe CC 2020 steht seit einigen Tagen zum Download zur Verfügung. Früher habe ich mir nach Upgrades jeweils bei lynda.com angesehen, was es an Neuerungen gibt. Leider kann ich mich mit der Learning-Plattform nicht mehr so recht anfreunden, seit sie von LinkedIn übernommen wurde. Ist aber euch nicht tragisch, denn in den letzten Jahren hat sich in meinen drei Hauptprogrammen – InDesign, Illustrator und Photoshop – ohnehin nicht besonders viel getan, und die paar Peanuts die den Kunden hingeworfen wurde, ließen sich auch über die What’s-New-Seite von Adobe recht schnell verinnerlichen.

Mit Photoshop CC2020 scheint sich Adobe endlich wieder etwas mehr angetan zu haben. Nach meinem ersten Eindruck würde ich meinen, dass es das nennenswerteste Upgrade seit CS6 ist. Ob es daran liegt, dass Adobe mit Affinity Photo ein Hauch von Gegenwind aufkommen sieht, oder ob es eher daran liegt, dass parallel eine Photoshop-Version für das iPad entwickelt wurde, die den Namen Photoshop auch verdient – wer weiß?

Ich war in den letzten Tagen die ich mir erkältungsbedingt im Bett gegönnt habe (zwischen ein paar Kurstagen) etwas auf YouTube unterwegs – ein paar Videos die ich bemerkenswert fand, habe ich vor ein paar Tagen in einem eigenen Artikel geteilt – und bin dabei zufällig auch über Videos des Adobe Certified Instructors Daniel Scott gestolpert, die mir sehr gut gefallen haben, weshalb ich sie hier teilen möchte. Ich finde seine Art sehr sympathisch und er erklärt sehr klar in einem leicht verständlichen Englisch – nicht so schnell, dass man als Nicht-Native-Speaker nicht mitkommt, aber auch nicht so langsam, dass einem beim Zuhören die Socken einschlafen.

Ich werde bei Gelegenheit selbst noch eigenen Videos über die Neuigkeiten in Photoshop und InDesign aufnehmen – als Service für die Leser meiner Bücher, damit sie sehen, was sich in der neuen Version in Vergleich zu jener der letzten Auflage getan hat. Aber vorher muss ich meine Stimme wieder vollständig auf die Reihe kriegen und Aufarbeiten, was in den Tagen in denen ich Blau machte, liegen geblieben ist.

What’s New in Photoshop CC 2020?

What’s New in InDesign CC 2020?

What’s New in Illustrator CC 2020?

Kreative Bildbearbeitung: Topaz Studio 2

Posted in Digitale Dunkelkammer

Anders als die Anwender von Layout- und Vektorprogrammen steht Fotografen und Bildbearbeitern ein enormes Angebot and Programmen zur Bildentwicklung und -bearbeitung zur Auswahl und künstliche Intelligenz führt in diesem Bereich gerade auch zu einem enormen Entwicklungs-Boost. Selbst Photoshop scheint nach Jahren im Dornröschenschlaf wieder erwacht zu sein und glänzt in der Version CC2020 mit neuen Funktionen, die möglicherweise alle kleinen Häppchen die seit CS6 eingeführt wurden zusammen in den Schatten stellen.

Die texanische Software-Schmiede Topaz Labs hat dieser Tage Topaz Studio 2 veröffentlicht. Das Programm ist weder dazu gedacht Bildbestände zu verwalten, noch RAW-Bilder zu entwickeln noch soll es Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop oder Affinity Photo ersetzen. Vielmehr ist es Ziel des Programms den Anwender rasch zu kreativen Resultaten zu bringen die über die Entwicklung eines fotografisch anmutenden Resultats hinaus gehen. Das ist sicher nicht Jedermanns und -fraus Sache. Mir scheint der Ansatz aber doch interessant genug die Neuigkeit mit euch zu teilen, auch wenn ich selbst noch keine Zeit hatte das Programm herunterzuladen und zu testen.

Zeit für Olympus

Posted in Theorie & Technik

In der vergangenen Woche hat mich eine Erkältung eingeholt. Am Montag, nach einem langen Tag mit Unterricht und Meeting war ich dann streichfertig, hatte Fieber, Kopfschmerzen und was sonst noch so zu einer Erkältung gehört. In Zeiten in denen ich es mir einteilen kann nehme ich mir dann gerne die Freiheit mich unter der Bettdecke zu verkriechen, wenn ich mich krank fühle. So habe ich das dann auch am Dienstag gemacht.

Die Männergrippe hat ja gegenüber der echten Grippe den Vorteil, dass man sich nicht sterbenselend fühlt und – zumindest bei mir ist das so – die Zeit mit Lesen und dem Anschauen von Videos verbringen kann. Deshalb genieße ich das kleine bisschen Kranksein auch immer ein wenig, gibt es mir doch die Muße mich einmal mit Dingen zu befassen, für die ich mir sonst nicht so die Zeit gebe.

So habe ich den Tag mit YouTube begonnen und geschaut, was meine Abonnements in letzter Zeit Sehenswertes gepostet habe und mich u. a. darüber informiert, was es in CC 2020 so Neues gibt – wozu ich später auch noch einmal Videos in einem Artikel teilen werde.

Im Laufe des Vormittags bin ich in die Themen Olympus, MFT und Fotografie geschlittert und habe ein paar Videos gesehen, von denen ich finde, dass sie es Wert sind, hier im Blog geteilt zu werden, und dazu meine Gedanken zu posten.

Die Wahrheit ist: Es kommt drauf an!

Im Internet – und so nicht anders auf YouTube – tummeln sich zu allen Themen Menschen die nicht nur eine Meinung haben, sondern ganz wissen was WAHR ist und was falsch. Mir gehen Wahrheitsverkünder und Meinungsextremisten eher gegen den Strich. Die Wahrheit besteht im Detail aus Fakten, aber sie ist im Ganzen mehr als die Summe der Teile und und zu komplex, um sie eindeutig und ohne Wenn und Aber und Ausnahme zu beantworten. Einfache Antworten auf komplexe Fragen sind selten richtig.

Die richtige Antwort auf alle Fragen lautet: Es kommt drauf an!

Wenn jemand behauptet eine bestimmte Kamera oder ein bestimmtes System sei das einzig Wahre, dann sollte man das Zuhören umgehend einstellen – wer sowas behauptet, dürfte der Objektivität nicht zu sehr verpflichtet sein.

Ich muss in der Lage sein zu unterscheiden, zwischen der Frage, »welche Kamera würdest du kaufen?«, und der Frage, »welche Kamera soll ich kaufen?« Die erste Frage muss ich mit, »eine Olympus«, beantworten – ich nutze ja nichts anderes. Auf die zweite Frage hingegen frage ich, »was möchtest du wie fotografieren?« Bei der Wahl der richtigen Kamera kommt es auf das Einsatzgebiet an.

Jedem ist klar, dass man weder mit einer Kettensäge Laubsägearbeiten ausführen kann, noch mit der Laubsäge einen Baum umlegt. In der Fotografie hingegen dominiert genau diese Ansicht: Nur viel und groß ist gut und richtig.

Die meisten von uns fänden es sicher lächerlich sich bei Autos darüber zu beklagen, dass Kompaktwagen weniger Platz bieten, als Vans und Monster-SUVs. In der Fotografie hingegen ist es gang und gäbe zu kritisieren, dass in kompakten Kamerasystemen kleine Sensoren stecken. Nichts gegen Autos mit Platz! Wer regelmäßig viel transportieren muss, kann schwer darauf verzichten (die Absurdität, dass viele große PKW nur selten mehr als 1,3 Mensch transportieren, ist ein anderes Thema). Für die meisten jedoch – inklusive der Umwelt – ist der Kleinwagen die sinnvollere Alternative.

Praktiker und Theoretiker

In den Debatten der digitalen Fotografie dominiert viel zu sehr die Theorie. Erfolgreiche Foto-Blogger und -Vlogger können jedes physikalische Detail beschreiben, und oft begründen sie damit, weshalb größere Sensoren besser sind als kleine. Ich finde die Theorie interessant aber viel interessanter finde ich die Praxis. Deshalb bevorzuge ich Berichte echter Fotografen gegenüber jenen, die sich vor allem mit dem Testen von Ausrüstung und dem Studium von Theorie befassen. Boris Nienke von Happy Shooting hörte ich einmal sagen, »was ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis? In der Theorie gibt es keinen, in der Praxis schon.« Genau so sehe ich das auch!

Alte Hasen

Auffällig ist, dass viele der Fotografen die auf YouTube positiv, oft begeistert, von ihren Erfahrungen mit MFT-Kameras berichten, alte Hasen sind. Nun kann man natürlich einwenden, dass schon klar ist, dass die Tattergreise eine ausgewachsene Vollformatkamera nicht mehr stemmen können. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die alten Hasen etwas haben, was sich durch das Studium von Theorie nicht ersetzen lässt: Jahrzehnte Erfahrung. Und nahezu alle haben den Großteil dieser Jahrzehnte mit Voll- oder noch größeren Formaten fotografiert.

Die Videos

Das erste Video das ich teilen möchte, stammt vom australischen Fotografen Terry Lane. Ich finde es nicht zuletzt deshalb sehenswert, weil im Laufe des Videos dutzende Aufnahmen zu sehen sind, die mit dutzenden verschiedenen Kameras über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg entstanden. Es zeigt, wie irrelevant die Kamera für gute Fotos ist, auch wenn natürlich unter der Lupe Unterschiede zwischen Kompaktkameras von 2005 und Vollformat von 2018 zu sehen wären.

Ebenfalls sehenswert von Terry Lane ist ein Video indem er über Micro FourThirds und Rauschen spricht. Gerade das letzte Drittel ist jedem zu empfehlen der mit digitaler Fotografie aufgewachsen ist, denn Lane liefert einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung der Empfindlichkeit bei Film.

Passend zum Thema Rauschen empfehle ich als nächstes ein Video von Steve O’Nions, in dem er sich mit Auflösung befasst und dem Vorurteil widerspricht, man könne mit MFT keine großen Prints drucken (dazu habe ich Anfang des Jahres schon einmal einen Artikel mit einem Video geteilt).

Fehlt noch das dritte Argument, das oft gegen MFT vorgebracht wird: Bokeh. In dem folgenden von Denae and Andrew geteilten Video geht es nicht um MFT, sondern um die Frage, ob das viele Geld, das Fotografen gerne in lichtstarke Primes investieren, zu Ergebnissen führt, die vom Betrachter positiver bewertet werden. Die Antwort hat auch mich überrascht: Nein.

Der Sprecher – ich nehme an es handelt sich um Andrew – begründet am Ende ausführlich, weshalb Bokeh allein nicht automatisch zu guten Aufnahmen führt. Fotografie besteht aus deutlich mehr Aspekten. Uns Fotografen mögen seidenweiche Bokehs begeistern, aber für das Auge des durchschnittlichen Betrachters scheint die Detailschärfe des Subjekts von deutlich größerer Bedeutung. Darüber hinaus spielen Bildkomposition, Linienführung, Bildausschnitt, Beleuchtung und Anderes oft eine viel größere Rolle, als die Unschärfe des Hintergrunds.

Natürlich gibt es Motive die von Freistellung profitieren. Doch man macht es sich zu leicht, wenn man sie als Patentrezept für jede Szene einsetzt. Mit Vollformat und einem lichtstarken Tele auf ein Motiv halten, abdrücken und ein Resultat mit seidenweichen Bokeh erzielen kann jeder. Das Subjekt mit dem Hintergrund in eine Beziehung zu setzen und sauber zu komponieren stellt hingegen eine ganz andere Herausforderung dar. Gelingt das bei einem Foto, zeigt es nicht nur ein Subjekt, sondern erzählt eine Geschichte.

Hinzu kommt, dass Smartphones Bokeh mittlerweile exzellent simulieren. Die Zeiten, in denen man sich allein durch den Einsatz teurer Linsen vom Fußvolk abheben konnte, sind vorbei. Der Fotograf wird sich in Zukunft noch mehr anstrengen müssen, um aus der Masse herauszustechen.

Das mobile System

Auffallend ist auch, dass das Gros der Leute die über Micro FourThirds berichten, Fotografen sind, für die Mobilität eine große Rolle spielt. Auffallend, aber nicht überraschend. Mobilität ist der Kern von MFT. Ich kann mich an kein Video eines Studiofotografen erinnern, der erklärt auf MFT umgestiegen zu sein. Mir selbst wäre der Gedanke bis heute nicht gekommen. Wieso sollte ich auf die Vorzüge des Vollformats zugunsten eines kompakten Systems verzichten, wenn Mobilität für mich keine Rolle spielt? Vollformat hat größere Qualitätsreserven als Crop-Sensoren. Aber die Frage, die ich mir als Fotograf stelle, lautet doch nicht, welche Kamera bietet mir die größtmögliche Qualitätsreserve, sondern welches System meine Anforderung am besten erfüllt. Es ist eben wie beim Auto: Geräumige Transporter sind sinnvoll, wenn man den Platz regelmäßig für Transporte nutzt. Ansonsten sind sie nur teurer im Unterhalt und erschweren in der Stadt die Parkplatzsuche.

Ich habe mir meine erste Olympus als kompakte Zweitkamera gekauft. Mit der Zeit habe ich dann entdeckt, dass das System nicht nur für unterwegs gut ist, sondern, dass es ebenso meinen Bedarf im Studio deckt. Also habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft um nur ein System unterhalten zu müssen. Olympus ist nicht besser als Nikon. Es erfüllt nur meine Anforderungen besser.

Der Olympus Ambassador Steve Gosling arbeitet mit zwei Kamerasystemen: Phase One Mittelformatkamera und Olympus MFT. Er hat also Erfahrung mit Sensoren die noch einmal deutlich größer sind, als Vollformat. Im folgenden Video erklärt er, weshalb ihn auf Fototour mit der Phase One immer auch eine OM-D begleitet. Bemerkenswert ist das Video nicht zuletzt auch wegen der tollen Bilder die von ihm gezeigt werden. Zu seinem Ansatz der Bildgestaltung sagt er, dass Linien für ihn oft eine größere Rolle spielen, als das Subjekt.

Im nächsten Video erklärt der Vogelfotograf Tim Boyer weshalb er seine Canon-Ausrüstung verkauft und durch Olympus ersetzt hat.

In diesem Video geht derselbe Fotograf noch etwas tiefer auf die Vorteile die er in der OM-D für sich sieht ein und zeigt auch einige Aufnahmen, auch im Vergleich zu seiner Canon-Ausrüstung.

Jari Peltomäki ist ebenfalls ein Naturfotograf, der sich für Olympus entschieden hat. In diesem Video erklärt er für Olympus, was ihn zum Wechsel bewegte.

Im folgenden Video plaudert der Travel-Fotograf Chris Eyre-Walker mit Jari Peltomäki über das Fotografieren mit Olympus und Fotografie ganz allgemein. Das Gespräch ist nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Fotos die zwischendurch von Peltomäki gezeigt werden sehenswert.

Im letzten Video, das ich in diesem Artikel teilen möchte, gibt Robin Wong sieben Tipps, wie man den maximalen Kontrastumfang aus den kleinen MFT-Sensoren herausholen kann. An MFT wird ja auch immer wieder einmal kritisiert, dass ihr Dynamikumfang überschaubar sei, dabei befinden sich durchaus auch Vollformat-Modelle auf dem Markt, die es nicht besser können. Oder anders gesagt: Die aktuell besten Modelle liegen irgendwo über 14 Lichtwerten. Olympus’ Kameras schaffen knapp 13. Das ist keine Welt.

Mein eigener – derzeit ruhender – YouTube-Kanal findet sich hier. Dort findet sich auch eine Liste mit Videos zu Micro FourThirds.

Adobe InDesign Workshops-Buch: Sehr empfehlenswert!

Posted in Rezension

Bin begeistert vom Buch! Einfach und sachlich erklärt mit praktischen Beispielen zum üben. Mehr als empfehlenswert!

Amazon-Rezension von Anna

★★★★★ 5 von 5 Sternen

Vielen Dank! Rezensionen helfen mir, von meinen Büchern leben zu können und sichern, dass es auch in Zukunft aktualisierte und überarbeitete Neuauflagen geben kann.

Das kurze Leben der Dinge

Posted in Erfahrungsberichte

Einige Jahre gab es im Ort in dem ich wohne eine kleine Schneiderei. Beschädigte Kleidung die wir selbst nicht hätte flicken können und hätten entsorgen müssen, konnte der Schneider tadellos richten und gekostet hat das nie viel. Schade, dass er in Ruhestand gegangen ist.

Ein paar Hundert Meter von meiner Wohnung entfernt gibt es einen Kaffeemaschinen-Service, der Kaffeemaschinen repariert. Diesem verdankt unsere aktuelle Kaffeemaschine nun schon ein jahrelanges Leben. Ein Problem hier in Schwarzach ist das harte Wasser, das jede Maschine schnell verkalken lässt. Meine Erfahrung mit dem Service des Diskounters: Ware wird eingeschickt, der Hersteller meint, dass das Produkt nicht mehr reparierbar ist, oder macht einen Kostenvoranschlag, für den sich auch ein neues Gerät ausgeht, und diese Nachricht kostet dann auch noch etwas zwischen 40 und 80 Euro.

Ich halte zwar die Erzählungen über geplante Obsoleszenz eher für einen Mythos bzw. für eine Verschwörungstheorie, zumindest, wenn sie soweit gehen, dass Geräte so konstruiert werden, dass sie ein paar Tage nach Ablauf der Garantie ihren Geist aufgeben. Ich habe zwei Gründe für diese Theorie: 1. deckt sie sich nicht mit meiner Erfahrung; und 2. frage ich mich, wer so blöd wäre, wenn er bei einem Produkt das erlebt, gleich wieder zur selben Marke zu greifen – die Hersteller würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden.

Keine Zweifel habe ich allerdings daran, dass sich die Hersteller nicht immer für die langlebigsten Komponenten entscheiden. Ein Kunde mit einem Produkt das lebenslang hält, ist zumindest für diesen Produktbereich ein verlorener Kunde. Von daher sehe ich natürlich schon einen Kern Wahrheit in den Theorien über geplante Obsoleszenz.

Spinnen werden nicht alt

Geplanter Obsoleszenz nahe kommt der Umgang mancher Elektronikhersteller mit ihrer Hardware. So habe ich unlängst zum zweiten Mal einen an sich noch funktionsfähigen Datacolor Spyder entsorgt, weil er nicht mehr mit dem neuen Betriebssystem kompatibel ist. Nun, die Datacolor Mutter X-Rite muss sich ja nicht großartig Sorgen machen, dass der Anwender zu einem Mitbewerber wechselt, schließlich gehört einem der Markt ja praktisch alleine.

Nie wieder Samsung!

Der Datacolor-Spinne muss man zumindest eingestehen, dass sie sieben Jahre alt geworden ist. Das entschuldigt war nicht, dass Datacolor den Treiber nicht auf 64 Bit kompiliert, aber es ist ein biblisches Alter, im Vergleich zu meinem Samsung-Drucker. Den habe ich vor etwa zwei Jahren gekauft, war bis gestern auch zufrieden mit ihm, bis ich entdeckte, dass sein Treiber auch nicht mehr mit macOS 10.15 kompatibel ist.

Aktualisierte Treiber sind Fehlanzeige. Samsung hat, wenn ich das richtig verstanden habe, die Betreuung seiner Druckersparte an HP übergeben, und bei HP scheint es wenig Interesse zu geben die Produkte zu pflegen. Wieso auch? Die Geräte wurden ja einst von einem anderen Konzern verkauft. Naja, zumindest weiß ich, dass ich um HP besser auch einen Bogen mache.

Der Farblaserdrucker ist aber nicht das einzige Samsung-Gerät das mir Sorgen bereitet. Mein drei Jahre alter Samsung-Fernsteher schaltet sich seit ein paar Tagen immer wieder spontan ab. Da diese beiden Produkte die einzigen sind, die ich bislang von Samsung habe, wird es wohl keine weiteren mehr vom Koreaner geben. 100% schlechte Erfahrung ist keine gute Basis für lange Freundschaft.

Nächstes Mal doch lieber Epson

Doch auch mit anderen Druckern habe ich so meine Erfahrung gemacht. So musste ich einen funktionierenden Dell SW-Drucker verschenken, weil ebenfalls kein Treiber mehr für ein neues macOS veröffentlicht wurde. Ein Farblaserdrucker von Konica Minolta gab nach zwei Jahren den Geist auf. Zwar fand ich eine Werkstatt die ihn für etwa 200 Euro repariert hat – kaum weniger als das neue Gerät, aber besser als damit Müll zu produzieren –, kurze Zeit später war er jedoch schon wieder kaputt.

Für den nächsten Farblaserdrucker hat mir mittlerweile Epson die besten Karten. Meinen ersten Epson A3-Überformat-Fotodrucker kaufte ich etwa 2000. Der dürfte etwa 10 Jahre gehalten haben – ich sollte hier vielleicht anmerken, dass ich kein Vieldrucker bin. Neben mir steht mein zweiter Epson Stylus der auch schon auf seinen 10. zugehen dürfte und nach wie vor tadellos druckt.

Sorgen mit Olympus

Über Ärger mit Panasonic habe ich ja schon mehrfach berichtet, zuletzt hier. Für den Kommentar, dass ihr als staub- und spritzwasserfest beworbenes 100–400mm Telezoom nur gegen Spritzwasser, nicht aber gegen Staub abgedichtet ist, hat Panasonic 80 Euro in Rechnung gestellt. Ich habe dem Händler gesagt, dass ich die Angelegenheit an den Konsumentenschutz übergebe, wenn der Betrag tatsächlich eingefordert wird.

Doch auch mit Olympus läuft es derzeit nicht ganz sorglos. Letztes Jahr habe ich darüber berichtet, dass Feuchtigkeit in eine E-M1 II eingedrungen ist. Sowohl Händler, als auch Olympus selbst, haben mir mitgeteilt, dass nur ganz wenige der als Spritzwasserfest verkauften Kameras mit absoluter Zuverlässigkeit sintflutartige Regenfälle überstehen. Lediglich bei einer Pentax würde er sich trauen, sie unter fließendem Wasser zu reinigen, und das habe er auch schon gemacht. Auch die Canon 1D soll das aushalten, doch auch als widerstandsfähig verkaufte Nikon-Profimodelle habe er – so der Händler – bei extremem Regen bereits geschrottet. Wie auch immer, mich hat die Reparatur damals nichts gekostet, weil der Händler die Kosten auf sich genommen hat – ein guter Fachhändler ist sein Geld wert!

Grundsätzlich bin ich mit der Qualität und dem Service bei Olympus zufrieden. Kameras sind Gebrauchsprodukte, Verschleiß ist bei häufigem Gebrauch logisch. Auch meine Nikon-Profi-DSLRs wandert allen ein bis zwei Jahre zum Service zur Reinigung und Erneuerung abgenutzter Teile. Bin ich im Sommer unterwegs, mischen sich bei mir Sonnencreme mit relativ stark schwitzenden Händen. Eine toxische Mischung für jedes Material. Um regelmäßigen Service kommt man da nicht herum. Sowohl Nikon als auch Olympus haben den immer tadellos ausgeführt, Olympus ist dabei ein Stück preiswerter als Nikon.

Enttäuschend war aber diesmal der Kommentar des Olympus Service zu meinem MC-14 Telekonverter. Im Frühjahr dieses Jahres ist beim Wechseln des Konverters eine Schraube aus ihm heraus gefallen. Glücklicherweise fand ich sie trotz dem, dass sie in Kies gelandet ist, rasch wieder. Zuhause habe ich sie und alle anderen Schrauben dann ordentlich angezogen. Danach ließ sich der Konverter aber nicht mehr an der Kamera befestigen. Kamera- und Objektivbajonett lassen sich nur verbinden, wenn die Schrauben etwas locker sind. Nach diesem Video und den Kommentaren darunter bin ich wohl nicht der Einzige, der das Problem hat.

Mittlerweile haben sich die Probleme mit dem Konverter verdichtet und so sandte ich es an Olympus. Kommentar: Der Konverter kann nicht mehr repariert werden, er ist zu alt. Auf den Markt gekommen dürfte der Konverter 2014 oder 15 sein. Meiner stammt von 2017. Und das ist zu alt zum Reparieren? Ich habe meinen Händler um eine Stellungnahme von Olympus gebeten, und bin gespannt, was sich tut.

Leider ist das noch nicht alles. Seit dem Frühjahr besitze ich auch den MC-20 Konverter. Vergangene Woche verweigerte dieser komplett die Zusammenarbeit mit einem nagelneuen M.Zuiko 300mm ƒ4. Interessanterweise funktioniert er mit meinem, etwa zwei Jahre alten 300er, nicht jedoch mit dem neuen. Auch diesbezüglich bin ich gespannt auf die Rückmeldung von Olympus. Und natürlich werde ich darüber berichten.

Wie gesagt: Fotoausrüstung ist Gebrauchsmaterial. Werkzeuge nützen sich durch Gebrauch ab. Dass aber funktionsfähige Hardware ausgemustert werden muss, weil der Hersteller die Treiber nicht mehr aktualisiert, ist inakzeptabel. Weder im Sinne des Kundenservice, noch der Nachhaltigkeit. Abdichtung versprechen, aber keine Verantwortung übernehmen, wenn das Versprechen nicht eingehalten wird, ist Betrug am Kunden. Bajonette, die sich nur verbinden lassen, wenn die Schrauben lose sind, wodurch sie mit der Zeit herausfallen ist ein Qualitätsmanko. Fehler macht jeder. Aber man sollte dafür geradestehen und nicht den Kunden zur Kasse bitten.

Das ABC der Farbe: Theorie und Praxis für Grafiker und Fotografen

Posted in Rezension

Ein sehr gutes, lehrreiches Buch! Hat man selten, denn sehr oft wird um den »heißen Brei« viel zu lange herumgeredet und wenig übermittelt. Dem Buch kann ich viel entnehmen – echt was dazugelernt …
Das Geld ist sehr gut angelegt! Daher volle Sterne und 100% Weiterempfehlung!

Amazon-Rezension von Karin Leschik

★★★★★ 5 von 5 Sternen

Vielen Dank! Rezensionen helfen mir, von meinen Büchern leben zu können und sichern, dass es auch in Zukunft aktualisierte und überarbeitete Neuauflagen geben kann.

Luminar 4 und Capture One Pro 20

Posted in Digitale Dunkelkammer

Am 18. November will Skylum Luminar 4 veröffentlichen. Die Werbetrommel für die neuen Funktionen werden ja schon länger gerührt. In den Mittelpunkt rückt Skylum seit Luminar 3 die AI-Funktionen. Diese sollen das Bild analysieren und auf Basis künstlicher Intelligenz für optimale Ergebnisse sorgen.

Ich habe seit der ersten Version von Luminar eine Lizenz und experimentiere gelegentlich damit. Aus den Socken hauen mit die Ergebnisse der AI-Funktionen bislang nicht, allerdings macht das Spiel mit Luminar auf meinem Rechner bislang begrenzten Spaß, da das Programm recht zäh arbeitet – dabei nutze ich seit Herbst ein neues MacBook Pro und dessen Vorgänger war auch noch keine Antiquität. Vor diesem Hintergrund bin ich gespannt, ob es Skylum mit Luminar 4 endlich gelingt eine flüssiges Arbeiten zu ermöglichen, ansonsten dürften wohl die versprochenen Effizienzvorteile durch AI in der zähen Arbeitsgeschwindigkeit versumpfen.

Capture One Pro 20

Überrascht worden bin ich heute auch von der Nachricht, dass Phase One eine neue Version von Capture One in der Pipeline hat. Dass eine neue Version kommt ist an sich keine besondere Überraschung. Capture One veröffentlichte die vergangenen Upgrades im Jahresrhythmus und Version 12 ist jetzt knapp ein Jahr alt. Überraschend ist jedoch dass auf Capture One Pro 12 Capture One Pro 20 folgt. Auf Twitter haben heute einige darüber berichtet, ich bin via 43rumours.com darüber gestolpert und habe die Vorbestellung auch gleich aufgegeben, da es einen Rabatt gab und ich derzeit ohnehin nicht plane zu einem anderen Konverter zu wechseln.

Man darf spekulieren, weshalb Capture One von 12 auf 20 springt. Einige hoffen, dass der Grund dafür ein wirklich großer Schritt nach vorne ist und, dass wir uns auf Funkionen wie Panorama-Stiching, echtes HDR oder eine iPad-Version freuen dürfen. Vielleicht steckt aber auch nicht mehr dahinter, als das 20 ganz einfach für 2020 steht, weil statt der Generation die Jahreszahl zur Auszeichnung der Version verwendet wird.

Mein HDR-Workflow

Posted in Fotografie

Olympus E-M5 II | M.Zuiko 12–100mm ƒ4.0 | 20mm (40mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO1000 | Belichtungsreihe mit 5 Aufnahmen | HDR mit Aurora HDR | Optische Korrektur mit DxO ViewPoint

Heute erreichte mich eine Mail eines Lesers, der sich für meinen HDR-Workflow interessiert. Da der Aufwand zur Erklärung überschaubar ist, möchte ich ihn kurz in einem Beitrag beschreiben.

Der Leser meinte nebenbei auch, dass er HDR bislang skeptisch sah – verstehe ich – aber, dass ihm meine Bilder gefielen – danke! – und er sich deshalb damit auseinandersetzen wollte. Nebenbei erwähnte er noch, dass HDR auch Geschmacksache sein.

Nun, ja und nein! Jeder Person steht es zu ihren persönlichen persönlichen Geschmack zu pflegen. Darüber steht keiner anderen ein Urteil zu.

Neben dem persönlichen Geschmack gibt es allerdings auch ein kollektives Ästhetikempfinden und objektive Kriterien der Bildgestaltung, technischen Umsetzung und Bildausarbeitung, die sich bewerten lassen. Das Problem von HDR ist, dass in der Zeit, als es am populärsten war, viel zu viel überbearbeitete Bilder zu sehen waren. Zu viel Kontrast, zu viel Sättigung, zu viel Schärfung. Das meiste hätte nicht anders ausgesehen, wenn man anstatt einer Belichtungsreihe bei einer Einzelbelichtung alle Regler zum Anschlag geschoben hätte. Gut gemachte HDR-Bilder waren eher die Ausnahme.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich selbst noch ein bisschen damit zu kämpfen habe, es mit Einstellungen zu übertreiben. Die ersten HDR-Aufnahmen die ich vor einigen Monaten mit Aurora HDR erstellt habe, sind mir mittlerweile schon etwas peinlich. Weniger ist mehr! Doch es wird so langsam.

In meinen Augen ist es falsch gedacht, HDR als Technik zur Verfälschung der natürlichen Wirkung zu sehen. Vielmehr ist es eine alternative Ausdrucksform zur gewöhnlichen Farbfotografie. Wie ich bereits in anderen Artikeln ausgeführt habe, zeigt ein Foto ein Motiv weder so wie wir es wahrnehmen, noch so, wie es tatsächlich ist. Das Bild das sich unsere Wahrnehmung von der Realität macht, basiert auf den beschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten der Augen und ist ein Konstrukt des Gehirns. Die Resultate der Digitalfotografie werden durch die Grenzen der Technik bestimmt, beispielsweise was Dynamikumfang und Farbtiefe angeht.

Natürlich kann eine Aufnahme einer Szene mit einem Motivkontrast von 1:1 Million auf einem Bildschirm mit einem Kontrast von 1:1000 nicht adäquat wiedergegeben werden – ganz egal ob ich ein unbearbeitetes JPEG oder ein HDR aus einer Belichtungsreihe davon habe. Beides sind nur Interpretationen der Wirklichkeit, so wie ein Schwarzweiß eine andere Interpretation wäre.

Kameraeinstellungen

Beginnen wir bei den Einstellungen an der Kamera. Ich nutze für meine HDR-Aufnahmen die Olympus E-M5 II, die E-M1 II und die E-M1X. Für die Belichtungsreihe wähle ich BKT mit 5 Belichtungen und einem Belichtungsunterschied von ±1EV. Ursprünglich habe ich mit 7 Belichtungen gearbeitet, dann aber herausgefunden, dass das zu keinen besseren Ergebnissen als 5 Belichtungen führt.

Damit ich alle Aufnahmen durch einmaliges Drücken des Auslösers machen kann, aktiviere ich den Serienbildmodus. Belichtungsmodus ist Blendenvorwahl (A), in der Regel nutze ich außerdem die ISO-Automatik.

Computer-Workflow

Aurora HDR HDR-Einstellungen

Am Computer öffne ich die fünf Bilder der Belichtungsreihe mit Aurora HDR, üblicherweise indem ich sie in Capture One gemeinsam aktiviere und Mittels Rechtsklicks Öffnen mit • Aurora HDR wähle. Die besten Resultate erzielt man nach meiner Erfahrung, wenn man alle Optionen zur Einstellung der HDR-Erstellung aktiviert.

Neue Ebene mit Luminanzmaske

Die von Skylum mitgelieferten Presets ignoriert man am besten. Die meisten davon erzeugen ein Ergebnis das genau dem entspricht, was HDR den schlechten Ruf eingebracht hat. Ich beginne mittlerweile damit, dass ich gleich einmal eine neue Ebene über das Bild lege und ihr eine Luminanzmaske hinzufügen.

Duplizierte Ebene und Tiefeneinstellungen

Nach dem Erstellen der Luminanzmaske dupliziere ich die Ebene, aktiviere aber gleich wieder die zuerst erstellte und kehre die Maske um (das geht am Mac mit CMD+I). Durch das Umkehren der Maske werden von den Einstellungen die ich auf dieser Ebene dann vornehme, nur die Tiefen betroffen. Meist hebe ich als erste Einstellung die Stärke von HDR Smart Strucure an. Der Rest hängt vom Bild ab, und davon, was mir für ein Aussehen vorschwebt. Meist wird man für die Tiefen Schatten und Schwarztöne anheben. Zeichnung in den Tiefen wird manchmal auch besser sichtbar, wenn man Intel. Tonw. nach rechts verschiebt.

Lichter-Ebene bearbeiten

Nach der Einstellung der Tiefen wende ich mich den Lichtern zu, indem ich die zuvor erstelle Kopie ganz oben aktiviere. Auch hier erhöhe ich Smart Structure, meist etwas zurückhaltender als in den Tiefen. Hier erzielt nach durch verschieben von Intel. Tonw. nach links eine Füllung der Lichter – Überbelichtung lässt sich damit teilweise eliminieren. Allerdings komme ich immer mehr davon weg zu versuchen Überbelichtung gänzlich zu beseitigen. Zu viele er Bilder bei denen ich das gemacht habe, scheinen mir nachträglich etwas zu matschig.

Alles weitere hängt vom Bild und der Intention wo man es hin entwickeln möchte ab. Oft lege ich noch eine Eben ohne Maske darüber, um globale Einstellungen sowohl für Lichter als auch Tiefen einzustellen.

Optische Korrekturen mit DxO ViewPoint

Interessanterweise fehlen den Aufnahmen in Aurora HDR oft die optischen Korrekturen. Vor allem Weitwinkelaufnahmen sind oft drastisch verzeichnet und zeigen deutliche Vignettierung in den Ecken. Das korrigiere ich anschließend mit DxO ViewPoint.

Wohin geht die Fotografie?

Posted in Bilder

Olympus E-M5 II | Panasonic Lumix G 20mm ƒ1.7 | 20mm (40mm KB) | ƒ8| 3,2s | ISO200 | Variabler ND-Filter | Capture One

Der Emmebach bildet sich etwa auf Höhe der Götzner Millrütte, wo er von mehreren kleineren Bächen die im Gebiet um die Hohe Kugel entspringen gespeist wird. Dieses Foto entstand dort, wo er in die Örflaschlucht einfließt.

Ich habe auch ältere Aufnahmen von dieser Stelle. Früher war für für solche Langzeitbelichtungen ein Stativ notwendig. Dieses Bild entstand hingegen mit einem variablen ND-Filter und der Olympus OM-D E-M5 II bei einer Verschlusszeit von 3,2 Sekunden aus freier Hand. Auch beim hochaufgelösten Originalbild (16MP) kann man auf 100% einzoomen und findet an der Detailschärfe nichts zu bemängeln. Ich zweifle, dass ein Stativ zu einem nennenswert schärferen Ergebnis geführt hätte. Dabei markiert die E-M5 noch nicht einmal die Spitze dessen, was mit einer MFT-Kamera heute stabilisierbar ist – von Dualstabilisierung mit einem entsprechenden Objektiv ganz zu schweigen.

MFT wird ja regelmäßig tot gesagt, zuletzt von Tony Northrup, einem der einflussreichsten Vlogger zum Thema Fotografie. Der Tod MFTs wäre aber schade. Und das sage ich nicht nur deshalb, weil ich Olympus liebe, sondern weil dem Kameramarkt damit eine echte Alternative verloren ginge.

Natürlich hat jeder Kamerahersteller seine Stärken und Schwächen. Dem einen Fotografen kommt Nikon eher entgegen, der andere findet sich besser mit Canon zurecht und wieder andere werden von Sony am besten bedient. Doch am Ende ist Vollformat Vollformat. Die Unterschiede der Vollformatmodelle verschiedener Hersteller liegen im Detail.

MFT hingegen ist ganz anders. Das System kann zwar nicht in der Top-Liga mitspielen, wenn es um Low-Light-Fotografie geht, Auflösungen wie sie bei Vollformat Usus sind, werden nicht erreicht und Hintergründe werden generell um 2 Blenden schärfer abgebildet, weshalb in manchen Situationen das Bokeh einer Kleinbildkamera nicht zu erreichen ist. Dafür hat man allerdings ein System dessen Volumen und Gewicht man durchschnittlich bei etwa der Hälfe von Vollformat ansetzen kann. Das ermöglicht eine völlig andere Mobilität und Art des Fotografierens. Außerdem ist die Bildstabilisierung eine Klasse für sich.

MFT ist weder besser noch schlechter als Vollformat. Es ist anders.

Ich weiß schon, dass es menschlich ist, wenn Leute glauben das was für sie richtig und wichtig ist, sei das generelle Maß der Dinge, und alles Andere unnütz. Das macht es aber auch nicht richtiger.

Ein Markt, in dem ich nur mehr zwischen Vollformatkameras von Sony, Nikon, Canon, Pentax und Panasonic wählen kann, ist nicht besser – er ist ärmer.

Nun halte ich zwar viel von Vielfalt, dennoch hat es mich überrascht, dass Nikon vor kurzem mit der Z50 eine neue Modellschiene spiegelloser Kameras mit DX-Sensor vorgestellt hat. Tony Northrup hat recht, wenn er argumentiert, dass jedes Kamerasystem vom Hersteller hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung fordert. Ein System besteht ja nicht nur aus einer Kamera – die Objektive sind beinahe wichtiger bedeutender.

Als ich vor einigen Jahren nach einem kompakten, spiegellosen Zweitsystem neben meiner DSLR-Ausrüstung suchte, habe ich mich für MFT und gegen Sony entschieden, weil das Angebot an MFT-Linsen schon recht gut war, während für das Sony-System noch kaum eine nennenswerte Objektiv-Auswahl bestand.

Ich schätze, dass sich der Trend fortsetzt, dass Vollformatsensoren weiter billiger werden. Preiswerte Vollformatkameras eines Herstellers betrachte ich aber als ganz schlechtes Argument für dessen APS-C-Kameras. Das betrifft nicht Hersteller wie Fujifilm. Fujifilm hat kein Vollformat neben der APS-Schiene und die Mittelformatmodelle spielen in jeder Hinsicht in einer anderen Liga.

Sony hat zwar spiegellose Kameras mit APS-C und Vollformat, braucht aber nicht zusätzlich auch noch ein DSLR-System pflegen.

Bei Canon und Nikon sieht es anders aus. Die beiden Hersteller sind noch immer vor Spiegelreflexsystemen abhängig. Canon hat zwar seit einiger Zeit das spiegellose M-System neben DSLR mit Vollformat und APS-C im Programm, aber einen besonders ambitionierten Eindruck hat das bislang wohl nicht vermittelt. Ich wäre nicht überrascht, wenn es eines Tages den Weg gehen würde, den schon Nikons One-System gegangen ist.

Weshalb Nikon mit der Z-DX neben Z-FX, DSLR-DX und DSLR-FX eine vierte Baustelle aufgerissen hat ist mir ehrlich gesagt rätselhaft. Das sind vier Produktschienen die zu pflegen sind. Nehmen wir einmal an, Nikon hätte nicht bereits die Entscheidung getroffen, dass DSLR ein Auslaufmodell ist, wären für diese vier Schienen vier Mal Forschung und Entwicklung notwendig. Das stelle ich mir schwierig vor. Weniger wegen der Kameramodelle, als vielmehr wegen der Objektive. Die optischen Anforderungen dieser Systeme sind dermaßen unterschiedlich, dass sich die Optiken immer nur für eines optimieren lassen. Ob das vor dem Hintergrund schrumpfender Kameramärkte der Weisheit letzter Schluss ist?

Aber das wirft nicht nur Fragen für die Hersteller auf. Auch für den Einsteiger ins Nikon-Universum ist die Frage, zu welcher Kamera greifen, keine leichte. Das wurde mir unlängst klar, als ich zum Thema um Rat gefragt wurde. Wer preiswert einsteigen möchte, wird am ehesten zur DSLR-FX greifen, zur 3000er oder 5000er Reihe. Aber haben DSLR-Kameras mit DX-Sensor bei Nikon überhaupt noch Zukunft? Ich würde nicht darauf wetten!

Wie gesagt: Die Märkte schrumpfen. Nicht, dass ich mir Sorgen mache, dass Fotografie in absehbarer Zeit aussterben wird. Berufsfotografen brauchen professionelles Werkzeug. Und auch ambitionierte Amateure können ihre Digitalkameras noch lange nicht durch Smart Phones ersetzen. Zwar sind die Resultate der kleinen Alleskönner bei vielen Motiven und unter normalen Ausgabebedingungen kaum mehr von Aufnahmen mit echten Kameras zu unterscheiden. Sogar Bokeh wird schon verblüffend realistisch simuliert. Dass man aber in absehbarer Zeit mit dem Telefon scheue Vögelchen einfangen kann, kann ich noch nicht erkennen, von Vögeln im Flug ganz abgesehen.

Und nicht nur mit bestimmten Motiven haben Handys ihre Probleme. Auch die Ergonomie der Geräte ist mit jener einer Kamera nicht vergleichbar. Man kann mit einem Smartphone Bilder machen, aber man kann damit nicht fotografieren.

Bilder machen ist allerdings der Grund, weshalb Menschen in den vergangenen Jahrzehnten Kameras gekauft haben. Ich nehme an, Otto Normalverbraucher hat für die Hersteller in der Vergangenheit eine deutlich größere Rolle gespielt, als der anspruchsvolle Hobby- oder Berufsfotografie. Doch Otto Normalverbraucher braucht heute keine Kamera mehr. In den Händen eines Laien erzielt auch eine Systemkamera nur noch selten automatisch bessere Ergebnisse als das Handy. Oft sogar im Gegenteil, denn in den kleinen Alleskönnern arbeiten Algorithmen, die sowohl die Einschränkungen der winzigen Kameratechnik, als auch die Unbedarftheit des Anwenders ausbügeln.

Der Markt wird also weiter schrumpfen. Für die Hersteller wird es zunehmend enger werden. Ob es vor diesem Hintergrund klug ist sein Produktsortiment immer weiter auszudehnen und immer noch schneller mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen? Früher oder später muss den Kunden doch bewusst werden, dass sie auch mit dem 2020er Modell keine besseren Fotos machen, wie mit dem von 2019. Ich glaube, dass auch ambitionierte Fotografen nicht auf Dauer jedes Jahr das Modell des Vorjahrs durch das neueste ersetzen werden.

Aus diesen Gründen gehe ich davon aus, dass sich der Markt in den nächsten Jahren weiter bereinigen wird. Nicht unwahrscheinlich, dass wir weitere Marken verschwinden sehen werden. Noch wahrscheinlicher allerdings, dass ein paar Hersteller einzelne Systeme fallen lassen werden. Ein zu breites Produktsortiment ist selten gut für eine positive Bilanz.

Alles Neu. Aber warum eigentlich?

Posted in Bilder

Freunde | Olympus E-M1 II | M.Zuiko 12-40mm ƒ2.8 | 27mm (54mm KB) | ƒ8 | 1/400 | ISO200 | Belichtungsreihe mit 5 Belichtungen | Aurora HDR

Das ungleiche Baumpaar im Rheindelta, nahe des Rohrspitzes, fasziniert mich jedes Mal, wenn ich daran vorbei fahre. Unter besonderem Licht entfaltet die Szene einen besonderen Charme. Diese Aufnahme ist eine Belichtungsreihe aus fünf Belichtungen, die ich mit Aurora HDR vereint habe.

Es ist schon beachtlich, was Kameratechnik und Software heute leistet. Dank Bildstabilisierung kann ich die Belichtungsreihe aus freier Hand halten. Was die einzelnen Bildausschnitte dennoch verschoben sind, korrigiert die Software.

Im Sommer habe ich ein vorbeifahrendes Motorboot als Belichtungsreihe aufgenommen. Nicht, dass ich erwartet hätte, dass daraus ein korrektes HDR-Bild wird – ich wollte es nur versuchen. Zu meiner Überraschung hat Aurora das Bild aber doch zu einem tadellosen HDR vereint. Das Programm meistert auch Szenen in denen sich einzelne Elemente deutlich bewegen, ohne dass Geisterbilder zu sehen sind. Fast wie Magie!

Leider lässt sich nicht erkennen, ob in Aurora HDR noch Leben steckt. Die Version 2019 ist zwar 2018 erschienen, steht aber noch immer auf Version 1.0.0. Das macht mir Sorgen, habe ich doch erlebt wie mein primärer RAW-Konverter Aperture über die Jahre hinweg selig entschlafen ist. Andererseits mache ich mir aber vielleicht auch zu früh Sorgen. Schließlich läuft das Programm problemlos. Und brauchen wir wirklich jedes Jahr ein Upgrade?

Von Capture One bin ich es gewohnt, dass die Versionsnummer jedes Jahr eine Nummer höher steigt. Der Preis für die Upgrades ist dabei auch nicht geringer, wie er wäre, wenn ich statt dessen Lightroom mieten würde (nicht, dass ich das wollte). DxO PhotoLab – gerade einmal etwa zwei Jahre alt – ist dieser Tage in der Version 3 erschienen. Ebenfalls in der Pipeline: Luminar 4. Soll im November erscheinen und die dann ein Jahr alte 3er Version ersetzen.

Allerdings ist das sich rasch drehende Rad der Upgrades der Software ein überschaubares Problem. Der Preis von 50 Euro für ein Luminar oder PhotoLab Upgrade dürfte die wenigsten Fotografen in eine existenzielle Krise stürzen. Bedenklicher finde ich die kurzen Produktzyklen bei manchen Kameras. Olympus hat beispielsweise gerade die E-M5 III vorgestellt.

Ja, es stimmt natürlich: Die E-M5 II ist bereits vier Jahre alt. Von atemberaubend kurzen Produktzyklen kann man da nicht sprechen. Ich finde es sogar lobenswert, dass sich Olympus aus der hektischen Neuvorstellungsschlacht etwas heraushält. Markt und Presse scheinen das aber anders zu sehen. So hat beispielsweise dpreview ein Video veröffentlicht, in der das neue Modell zwar nicht schlecht bewertet wird, aber dass es keine wirklich revolutionären Neuerungen mitbringt wurde doch bemängelt.

Ist das wirklich so? Erwarten wir jedes Jahr ein neues Modell das unser aktuelles so richtig alt aussehen lässt? Brauchen wir jedes Jahr eine neue Kamera um endlich wirklich gut fotografieren zu können? Wer von euch hat zuletzt eine Kamera gekauft, die die Qualität seiner Aufnahmen auf eine andere Sphäre gebeamt hat?

Bei mir war das vielleicht die Nikon D700. Diese war allerdings generell ein Meilenstein in der Entwicklung der Digitalfotografie, war sie doch zusammen mit der Nikon D3 die erste Digitalkamera die auch nach Anheben der ISO-Empfindlichkeit noch brauchbare Fotos erzielte. Für mich ersetzte die Vollformat-D700 darüber hinaus die D80 – eine Einsteigerkamera mit kleinerem Sensor.

Die zweite Kamera die maßgeblichen Einfluss auf meine Art zu Fotografieren hatte, war die Olympus OM-D E-M5. Die kompakte Spiegellose hat mir eine ganz neue Leichtigkeit des Fotografierens eröffnet und eine Freude wieder entdecken lassen, die ich nicht mehr kannte (vielleicht auch noch nicht gekannt hatte).

Bleibt noch die E-M1 II zu erwähnen. Waren spiegellose Kameras vor ihr nicht in der Lage sich schnell bewegende Objekte, wie Vögel im Flug, einzufangen, führte sie mich zu diesem Motiv zurück.

Alle anderen Neuen im Laufe der Jahre, haben bestenfalls kleine Verbesserungen gebracht. Noch heute fotografiere ich gelegentlich mit der E-M1 I, inzwischen sechs Jahre alt. Abgesehen davon, dass ich sie nicht für fliegende Vögel einsetzen kann, sind die Ergebnisse ansonsten kaum von meiner neuesten Kamera, der E-M1X, zu unterscheiden.

Aber ist die E-M1X nicht um Einiges besser? Schließlich hat sie doch 20MP statt 16MP.

Das ist schon richtig. Auch das Rauschverhalten hat sich verbessert. Doch für die meisten Aufnahmen sind die Unterschiede kaum relevant. Niemand wird meinen Fotos ansehen, ob sie mit der E-M1 von 2013 oder der E-M1X von 2019 gemacht wurden. Auch nicht ob statt dessen eine Nikon D71000 (APS-C-Sensor) oder D600 (Vollformat) zum Einsatz kam. Die qualitativen Unterschiede sind nur in Ausnahmefällen relevant und diese sind für meine Fotografie wiederum kaum relevant (was nicht heißt, dass es nicht für andere Fotografen mit anderen Anforderungen relevant sein kann).

Höre ich manche Fotografen von der Notwendigkeit neuester Kameratechniken und -entwicklungen sprechen, beschleicht mich stets die Frage, wie es vor Jahren möglich war professionell zu fotografieren. Natürlich wurden damals mit Kameras wie meiner Nikon D700 professionelle Aufnahmen gemacht, deren Technik heute selbst von einfachen MFT-Kameras übertroffen wird. Doch ohne die entsprechenden Details vergleichen zu können, wird niemand erkennen, ob eine Aufnahme auf Basis des letzten Standes der Fototechnik, oder vor einem Jahrzehnt entstanden ist.

Wir sollten etwas durchatmen und entschleunigen. Es gibt manchmal durchaus Gründe ein Modell durch ein neueres zu ersetzen. Oft ist ein neueres Modell aber vor allem eines: Neu. Das gilt bei mir auch für die E-M1X. Sie hat zwar ein paar Gimmicks, die die E-M1 nicht hat. Aber nennenswerten Einfluss auf meine fotografische Praxis haben diese nicht. Auch nicht der nette kleine Joystick. Praktisch macht es kaum einen Unterschied, ob ich mit der einen oder anderen auf den Weg gehe.

Und was passiert mit dem alten Modell wenn das neue ankommt? Darf es verstauben oder verkauft man es für die paar Kröten die man für eine gebrauchte Digitalkamera bekommt? Früher oder später, wahrscheinlich lange bevor sie nicht mehr funktionstüchtig ist, wird sie auf den Müll landen.

Damit bin ich bei einem anderen Thema, das mich seit bewegt: Umwelt. Auch wenn wir die wachsenden Müllberge vor unserer Haustür nicht sehen – in anderen Teilen der Welt machen sie die Menschen krank.

Immer öfter überlege ich mir bei Dingen die mir unter die Augen kommen und mir ein verführerisches »Kauf mich« zu hauchen, ob ich sie wirklich brauche. Ob sie mich wirklich bereichern, ob sie mir einen Mehrwert bringen, einen Nutzen, der mir bislang fehlt. Und so sehe ich auch die E-M5 III und denke mir: 20MP – nett; und besser gegen Umwelteinflüsse abgedichtet – super! Und dann aber auch: Die E-M5 II ist bei mir Handtaschenkamera, die ich viel zu selten einsetze, die kaum einmal Regen ausgesetzt ist, und deren Qualität für die Fotos die ich damit mache, absolut ausreichend ist.

Das ist kein Urteil über die E-M5 III. Ich bin mir sicher, dass sie eine tolle Kamera ist, so wie alle Olympus-Kameras. Wer eine kompakte Kamera mit einem kompakten System sucht, sollte sie sich ansehen. Aber ich glaube ich brauche sie nicht. Vielleicht spende ich ja statt dessen demnächst wieder einmal ein paar Euro für den NABU.

E-Bike-Erfahrungen

Posted in Erfahrungsberichte

Am Bodensee | Olympus E-M1X | Olympus M.Zuiko 9–18mm ƒ4–5.6 | 10mm (20mm KB) | ƒ5.6 | 1s | ISO64 | Live-ND-Filter | Capture One

Die Abbildung oben entstand mit dem Live-ND-Filter der E-M1X. In diesem Modus simuliert die Kamera die Wirkung eines Graufilters. Wenn ich die Methode richtig verstanden habe, nimmt sie in diesem Modus mehrere Belichtungen auf und verrechnet sie zu einer Aufnahme, die dem Effekt einer langen Belichtungszeit ähnelt. Aufnahmen mit einem physischen ND-Filter sehen zwar etwas anders aus, dennoch betrachte ich es als willkommene Erweiterung der Möglichkeiten einer Kamera.

Langzeitbelichtung aus freier Hand

Beachtlich ist, dass man heute Aufnahmen wie diese ohne Stativ machen kann. 1 Sekunde Belichtungszeit wäre vor ein paar Jahren aus freier Hand undenkbar gewesen. Hier profitiert das MFT-System vom kleinen Bildsensor, der sich besser stabilisieren lässt, als größere. 1 Sekunde ist dabei noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange – ich habe schon brauchbare Belichtungen mit 3 Sekunden gehalten und Aufnahmen von Nachthimmeln mit 5 Sekunden gesehen, von denen der Fotograf behauptete, sie Freihand gehalten zu haben.

Der Live-ND-Filter und die phantastische Bildstabilisierung haben mir jedenfalls Lust darauf gemacht, mehr mit Langzeitbelichtungen zu arbeiten. Lust darauf hatte ich ohne immer schon, nur keine ein Stativ mitzuschleppen. Auf jeden Fall habe ich mir einen variablen ND-Filter gekauft um in nächster Zeit einmal damit zu experimentieren.

Klimafreundlich fahren

Nun zum Thema des Titels dieses Artikels: Wie schon in anderen Artikeln berichtet, bin ich seit dem Frühjahr (eigentlich fast schon Sommer) mit dem E-Bike unterwegs. Als Mensch der sich gerne in der Natur aufhält liegt mir diese natürlich besonders am Herzen. Deshalb ist es mir wichtig meinen Verbrauch an Ressourcen gering zu halten, was z.B. bedeutet, dass ich mich bewusst für einen Kleinwagen entschieden habe und versuche diesen so sparsam als möglich zu fahren, u.a. durch Tempo 100 auf der Autobahn. Man hört zwar oft das bringe nichts, aber das ist falsch! Tatsächlich lasse ich an der Tankstelle ein gutes Drittel weniger Geld für Benzin liegen. Die Minute die ich dadurch auf ein paar Dutzend Kilometern liegen lasse, ist mir die mindere Belastung der Natur wert. Und es reduziert sich durch Tempo 100 ja nicht nur der CO2-Ausstoß, sondern auch die Feinstaubbelastung; –11% las ich zuletzt, seien es bei Tempo 100 statt 130 (der erlaubten Höchstgeschwindigkeit in Österreich).

Besser Zwei- als Vierrad

Noch besser ist es natürlich, das Auto gleich ganz stehen zu lassen, und da kommt eben das E-Bike ins Spiel. Seit ich es habe, nutze ich es deutlich öfters, als ich ursprünglich werwartet hatte. Kurze Strecken mache ich kaum mehr mit dem Auto – der Mini steht oft Tage lang. Erledigungen in einem Radius von 10km gehen ganz locker. Dadurch, dass man 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen kann – Besorgungen und Bewegung an der frischen Luft – hat man irgendwie am Ende sogar noch Zeit gespart. Satteltaschen helfen beim Einkauf, der Anhänger bringt Müll zur Sammelstelle und Sperriges vom Baumarkt nachhause.

Und dann ist das E-Bike eben auch ein tolles Gefährt um fotografische Ausflüge zu unternehmen. Der Radius ist deutlich größer als beim rein mit Muskelkraft betriebenen Drahtesel. Immerhin begleiten mich auf Fotosafari in der Regel zwei Kameras, eine davon die für eine MFT-Kamera relativ große E-M1X mit Supertele. Zwar fahre ich wohl etwa 80% der Strecken im Eco-Modus, manchmal auch ganz ohne elektrische Unterstützung, aber in Steigungen, bei Gegenwind und auf den letzten Kilometern nachhause, bin ich sehr dankbar über den Motor.

Unerwartete Schattenseiten

Leider ist die Freude am E-Bike nicht ungetrübt. Dauernd klappert eine Kette oder streift und quietscht irgendetwas an den Pedelecs. Dabei haben wir uns für eine Marke entschieden, von der der Händler behauptete, sie sei der Mercedes unter den E-Bikes.

Meine Frau Andrea musste ihr Bike nach einem halben Jahr und 1600km schon zum zweiten Mal zum Service bringen. Das ist vom Hersteller so vorgegeben. Das hat mich etwas überrascht, hatte ich doch schon einige Fahrräder, bin tausende Kilometer und tausende Höhenmeter damit gefahren, und habe mich niemals großartig um Services gekümmert. Die Räder kamen zur Werkstatt, wenn irgendetwas zu reparieren war. Dabei kostete keines der Räder mehr als ein Viertel unserer neuen E-Modelle.

Ich habe recherchiert. E-Bikes sind schwerer, man fährt mehr Kilometer, durch den Motor wird kräftiger beschleunigt, man bremst häufiger und intensiver, und der Verschleiß ist deshalb höher. Die Empfehlungen für die Services schwanken zwischen 1000km und 5000km. Die meisten empfehlen einen Service pro Jahr. So weit so gut.

Leider laufen unsere E-Bikes trotz aller Inspektionen alles andere als rund. Schon lange bevor die erste Inspektion (nach 600km) anstand, begann die Kette kräftig zu klappern. Ich weiß nicht, ob das bei E-Bikes einfach so ist, ich fand es allerdings für ein Premium-Bike zum Premium-Preis doch recht irritierend. Nach dem Service war das Klappern glücklicherweise weg, doch schon am nächsten Tag gab das Bike beim Fahren dauernd ein Streifgeräusch von sich. Dasselbe beim Bike meiner Frau – dauernd streift, quietscht oder klappert irgendwo irgendetwas.

Bislang habe ich im Verdacht, dass die Probleme von suboptimalen Einstellungen beim Vertragshändler herrühren. Unter dem, was man heute gemeinhin als Customer-Experience bezeichnet, kann ich bei ihm kein positives Fazit ziehen. Das Highlight unter den Negativerfahrungen ist ein Case, das mir ein freundlicher Verkäufer freundlicherweise für das Bike zusammengeschraubt hat, und das mir meine nagelneue E-M1X verkratzt hat. Die Kratzer sind ein optisches Problem, und stören die Funktion der Kamera mit. Sie sind aber auch eine bleibende Erinnerung daran, dass ein Verkäufer aus Schlamperei Schrauben nicht ausreichend angezogen hat, so dass die Köpfe überstanden, was mir den Apparat zerkratzt hat.

Sowas kann natürlich passieren. Jeder macht Fehler. Und die Kratzer sind hässlich, aber ich kann damit leben. Das Problem ist leider, dass das nur eine negative Erfahrung unter vielen anderen ist. Das meiste sind Kleinigkeiten, die für sich nicht der Erwähnung wert wären. In Summe und wegen des Fehlens von Erfahrungen die als positiv hervorzuheben wären, fehlt mir das Vertrauen weiter bei diesem Händler zu bleiben. Und hier beginnt das eigentliche Problem.

An und für sich hege ich große Sympathie für kleine Händler und Unternehmen. Deshalb habe ich mich auch gerne für einen Marke entschieden, die eher nur Eingeweihten bekannt ist – zumindest mir sagte sie zuvor nichts. Damit habe ich mir aber nun leider selbst ins Knie geschossen, denn der kleine Hersteller hat in Vorarlberg nur einen einzigen Vertragspartner. Anders als bei einer großen Marke, die jeder Händler führt, kann ich nicht einfach den Händler wechseln. Ich weiß nicht, ob der den Service mit denselben Möglichkeiten durchführen kann, die der Vertragspartner hat, und ich vermute auch, dass es sich auf Garantie und Gewährleistung negativ auswirkt, wenn Inspektionen von keinem offiziellen Partner durchgeführt werden.

Da ein Hersteller ja wahrscheinlich kaum jeden Vertragspartner gut genug kennen kann, um über dessen Serviceleistungen im Bilde zu sein, habe ich mich entschlossen, ihm zu schreiben und von meiner Erfahrung zu berichten. Das war Vorgestern. Jetzt, mehr als 48 Stunden später, ist noch immer keine Antwort da. Das hinterlässt, vor allem bei einem kleinen Familienunternehmen, einen besonders seltsamen Eindruck, finde ich.

Mein Fazit aus dieser Erfahrung: Es war ein Fehler ein E-Bike von einem kleinen Hersteller zu kaufen, der in meiner Umgebung von nur einem einzigen Händler vertreten wird. Jedenfalls nicht, wenn ich den Händler nicht kenne und noch nicht weiß, ob ich mich auf ihn verlassen kann. Hätte ich mich für eine Marke entschieden, deren Bikes bei jedem Händler an jeder Ecke vertrieben werden, könnte ich das Rad morgen einfach zu einem anderen bringen.

Das ist der Rat, den ich jedem, der mit dem Gedanken spielen ein E-Bike zu kaufen, zu bedenken geben möchte. Es muss ja niemand denselben Fehler, wie ich machen, wenn es nicht sein muss!

Und dann war da noch … Panasonic

Und wenn wir gerade bei schlechtem Service sind: Vor zwei Wochen habe ich darüber berichtet, dass die Reparatur meines Panasonic 100–400mm Zooms, mehr kosten würde, als ein neues Objektiv (in der Linse befindet sich Staub – obwohl Panasonic damit wirbt, dass sie gegen Staub und Wasser abgedichtet ist, ist sie laut Rückmeldung nicht staubdicht).

Gestern habe ich beim Fachhändler nachgehakt, ob das Objektiv schon zurück gekommen ist. Er hat bei Panasonic angerufen und dort hat es geheißen, es sei an diesem Tag auf die Post gegangen – nach zwei Wochen! Amüsanter Weise hatte ich dasselbe Erlebnis mit Panasonic schon einmal.