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Schlagwort: digitalfotografie

Welche Kamera soll ich kaufen?

Posted in Theorie & Technik

Die richtige Antwort auf diese Frage ist dieselbe, wie auf die meisten Fragen: Es kommt drauf an!

Freude an maximaler Abbildungsqualität

Ist es dir wichtig unter allen Bedingungen nicht nur praktisch sondern auch theoretisch die ultimative Abbildungsqualität zu erzielen, bist du mit einer Vollformatkamera auf dem richtigen Weg. Besser wäre natürlich gleich eine Mittelformatkamera, allerdings liegen deren Preise samt Objektiven dann in der Liga von Mittelklasse PKWs.

Mit einer guten Vollformatkamera lassen sich auch unter ungünstigen Lichtbedingungen vergleichsweise rauscharme Aufnahmen erzielen. Für Landschafts- und Architekturaufnahmen bietet Vollformat meist deutlich mehr Auflösung, als Systeme mit kleineren Sensoren. Das ist ein Plus das sich durchaus bemerkbar macht, wenn man regelmäßig Prints in A2 und größer anfertigen lässt. Man muss dazu allerdings mit entsprechend exzellenten Objektiven, geschlossner Blende, optimaler Fokussierung (Hyperfokale Distanz) und Stativ arbeiten. Im Studio lässt sich alternativ die kurze Belichtungsphase die durch Blitze entsteht nutzen, um das Potenzial von Auflösungen jenseits der 30 MP auszuschöpfen.

Mit Vollformatkameras entsteht darüber hinaus bei vergleichbarer Distanz, Brennweite und Blendeneinstellung eine geringere Schärfentiefe. Vollformat ermöglicht Bokehs, die mit kleineren Sensoren schwer bis gar nicht zu erzielen sind. Schon gar nicht, wenn man keine 10.000 Euro in eine Linse investiere möchte, was bei State-of-the-Art-Vollformatlinsen von Leica schon einmal der Fall sein kann. Für MFT existieren Linsen in dieser Preisklasse erst gar nicht.

Freude am Fotografieren

Wenn es mehr um die Freude am Fotografieren geht, ist für mich MFT das perfekte System. Die Kameras von Panasonic und Olympus sind im Vergleich deutlich leichter und handlicher, als APS-C- oder Vollformatsysteme. Zwar sind bieten auch Canon, Nikon und Sony mittlerweile spiegellose Vollformatkameras an die kaum größer sind als reguläre MFT-Modelle. Doch die größeren Sensoren verlangen zwangsläufig nach größeren Optiken. Werden die handlichen Bodys dann mit notwendigerweise voluminösen und schweren Vollformat-Teleobjektiven kombiniert, ergibt sich eine äußerst unausgewogene Balance und ein eher kontraproduktives Handling. Nicht umsonst hat Olympus gerade für alle die mit langen Brennweiten arbeiten das MFT-Monster E-M1X auf den Markt gebracht, die nur geringfügig leichter ist als eine Nikon D850.

Die Kompaktheit von MFT ergibt sich nicht durch die Größe der Kameras. Kompakt ist das im Volumen des Systems der Optiken wegen. Erst wenn man diese zur Fotoausrüstung hinzurechnet – und wie könnte man das nicht tun! –, reduziert sich das Gewicht des Equipments schnell auf ein Drittel von Vollformat oder weniger.

Die Stärke des MFT-Systems liegt beim Fotografieren auf Achse. Im Studio macht das kleine System in meinen Augen wenig Sinn. Weshalb auf die zusätzliche Auflösung und das weitere Bokeh verzichten, wenn Gewicht keine Rolle spielt? Und überhaupt: Mit den gerade auf den Markt gekommenen Spiegellosen von Canon, Nikon und Sony kombiniert mit einer Festbrennweite oder einem Standardzoom ist auch Vollformat nicht nennenswert schwerer als MFT. Ich würde niemandem MFT empfehlen, der auf Studiofotografie aus ist. Das wäre fast ein bisschen absurd. Nicht völlig, aber ein bisschen!

Nein, MFT ist das System für unterwegs. Je länger die Brennweite wird, desto mehr fallen die Vorzüge im wahrsten Sinne des Wortes ins Gewicht. Meine 300mm Festbrennweite von Olympus – immerhin 600mm kleinbildäquivalent – ist leichter und nur geringfügig länger als Nikons 70–200mm ƒ2.8 Telezoom. Ein dem Olympus-Supertele vergleichbares Nikon-Objekitv ist doppelt so lang und drei Mal so schwer.

Keine Frage: Das Nikon-Tele ermöglicht Aufnahmen, die mit meinem Olympus unerreichbar sind, was man anhand des 5-fachen Preises allerdings auch erwarten darf. Aus freier Hand wird man die Qualität des Super-Nikkors allerdings kaum nutzen können, denn bei bei 5kg inklusive Kamera braucht man wahrscheinlich einen enormen Bizeps das Teil verwackelungsfrei zu stemmen. Auch das reduziert das Gewicht eines MFT-Systems: Man kann viel öfter auf das Stativ verzichten, was selbst bei einem lichten Stativ 1kg weniger Transportgewicht bedeutet.

Nicht nur das geringere Gewicht und die geringere Auflösung erlaubt es eher, auf ein Stativ zu verzichten. Auch die Bildstabilisierung ist bei MFT im Vergleich zu Vollformat aus einer anderen Welt. Mit Vollformat bislang unerreichbare Belichtungszeiten von 1s und mehr, gehen mit aktuellen Kameras von Panasonic und Olympus problemlos. Kleinere Sensoren lassen sich schlicht leichter stabilisieren. Sogar Belichtungsreihen mache ich in Mittlerweile ohne Stativ und baue die 7 Belichtungen dann am Computer zu HDR-Bildern zusammen.

HDR-Aufnahme aus 7 Belichtungen aus freier Hand

Zwar ist der Nutzen des Handheld-Sensor-Shiftings, mit dem die E-M1X nun 50MP aus freier Hand erlaubt, überschaubar. Nach meinen bisherigen Versuchen wird damit auch keine feinere Detailzeichnung erzielt als mit den regulären 50MP – dass sich extrem hohe Auflösungen nur mit Stativ nutzen lassen gilt eben auch für MFT. Doch, dass Langzeitbelichtungen aus freier Hand möglich sind – was die E-M1X jetzt mit einem virtuellen ND-Filter unterstützt –, ist auch so eine Möglichkeit der exzellenten Bildstabilisierung, die das Fotografieren einfach leichter macht.

2,5s Verschlusszeit mit E-M5 II aus freier Hand
1/8s mit Life-ND-Filter der E-M1X aus freier Hand

Die Krone der Abbildungsqualität gehört Vollformat, wenn nicht Mittelformat – keine Frage! Bei MFT steht die Leichtigkeit und Freude des Fotografierens im Mittelpunkt. Nicht umsonst höre ich immer wieder Fotografen, die den Systemwechsel von Vollformat auf MFT gemacht haben, sagen, dass ihnen das System die Freude am Fotografieren wieder gebracht hat. Ich kann das nur bestätigen. Genau das habe ich empfunden, als ich begann mit der OM-D E-M5 zu fotografieren. Nein, es ist nicht so, dass ich mit meinen Nikons keine Freude hatte. Absolut nicht. Nur die sprichwörtliche Leichtigkeit des MFT-Systems ermöglicht eine Leichtigkeit des Fotografierens, die einfach (noch) mehr Spaß macht.

Und, seien wir doch ehrlich: In Zeiten, in denen darüber diskutiert wird, wie lange es noch dauert, bis Smartphones der Fotografie mit Systemkameras endgültig den Gar ausmachen, ist die Sache mit der Qualität ohnehin sehr relativ. In vielen Situationen erreichen die Handys mit ihren winzigen Sensoren eine Abbildungsqualität, die unter den üblichen Ausgabebedingungen nicht von echten Kameras zu unterscheiden ist – egal ob man ihnen MFT oder Vollformat gegenüber stellt.

In meiner Foto-Bibliothek, die aktuell etwa 50.000 Bilder umfasst, kann ich jedenfalls bei kaum einem Bild anhand der Abbildungsqualität treffsicher bestimmen, ob die Aufnahme mit einer Nikon Vollformat- oder einer meiner MFT-Kameras entstand – jedenfalls nicht, seit der E-M5 (ein paar Jahre davor hatte ich eine Panasonic G3 – deren Abbildungsqualität war noch sichtbar minder, als das meiner damaligen Nikon D700).

Noch einmal: Die qualitativen Unterschiede zwischen Vollformat und MFT sind Fakt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Ebenso Fakt ist allerdings, dass sie erst unter besonderen Bedingungen und/oder bei Prints über A2 wirklich relevant werden. Ansonsten muss man die Unterschiede mit der Lupe am Monitor suchen.

Es gibt allerdings einen Punkt, der bezüglich MFT noch einer Warnung bedarf: Abgesehen von den Spitzenmodellen von Panasonic und Olympus, erreicht die Mittel- und Einstiegsklasse der beiden Hersteller in Sachen Fokussierung noch nicht die Geschwindigkeit, die bei DSLR selbstverständlich ist. Wer preiswert mit einer Systemkamera Vögel im Flug oder sehr schnelle Sportarten fotografieren will, der ist bislang mit einer Einsteiger-DSLR definitiv besser bedient.

Der Weg der Mitte

Keine Frage: Ich bin MFT-Fan. Doch ebenso, wie ich Vollformat seine Vorzüge zugestehen kann, sehe ich, dass es zwischen den beiden Extremen noch einen Weg der Mitte gibt: APS-C.

Nun bin ich allerdings etwas skeptisch über die Zukunft von APS-C bei Canon, Sony und Nikon. Früher machten diese Systeme mit kleineren Sensoren bei Einsteigerkameras durchaus Sinn, da der Sensor einer der wesentlichen Preistreiber der Kamera war. Vollformat zum Einsteigerpreis war schlicht nicht möglich. Doch die Zeiten ändern sich. Vollformatkameras werden immer billiger. Canon und Nikon mussten für ihre spiegellosen Kameras ein neues Bajonett einfügen. Ich bin gespannt, ob Nikon für diesen Anschluss in Zukunft auch DX-Kameras und (neue) DX-Objektive vorstellen wird. Ich habe meine Zweifel. Und bei Canon mag es ähnlich sein.

Anders sieht es mit Fujifilm aus. Fuji hat kein Vollformatsystem, sondern setzt auf APS-C und Mittelformat. Mit der Konsequenz nicht mit einem Bajonett zwei Sensorformate bedienen zu wollen, können Sie einen goldenen Mittelweg zwischen Vollformat und MFT gehen. Man verbindet den Vorteil der gegenüber MFT größeren Sensoren, mit jenem, der gegenüber Vollformat kompakter konstruierbaren Objektive. Da man damit auch sehr erfolgreich unterwegs ist, würde ich davon ausgehen, dass APS-C bei Fuji eine langfristige Zukunft hat, was ich bei APS-C bei Nikon und Canon bezweifle.

Zwei Jahre OM-D und MFT

Posted in Erfahrungsberichte

Im vorangegangenen Artikel habe ich beschrieben wie ich von Nikon zu Olympus gekommen bin. Nun möchte ich meine Eindrücke und Ansichten über MFT und die OM-Ds zusammenfassen.

Die beste Kamera gibt es nicht

Fragt man mich wer die besten Kamerasysteme baut müsste ich wohl antworten »Nikon«. Sollte die Nikon D7100 und in ihrer Nachfolge die D7200 nicht die im Verhältnis Preis zu Funktion/Qualität beste Kamera am Markt sein, so spielt sie doch sicherlich ganz vorne mit. Nummer 1 des Kameramarktes ist aber Canon und die Profis die sich für diese Marke entschieden haben sind sicher keine Deppen – sie hatten sicher gute Gründe Canon zu wählen.

Alle Kamerahersteller kochen mit demselben Wasser. Jede Marke hat Stärken und Schwächen, jedes System Vor- und Nachteile. Die beste Kamera die für alle Fotografen ideal passt gibt es nicht. Vielmehr wird der Einsatzbereich und die subjektiven Sympathien jedes einzelnen Anwenders darüber entscheiden was er für sich selbst als ideale Kamera erachtet.

Für mich baut Olympus mit den OM-Ds die besten Kameras. Fragt mich jemand was für eine Kamera ich kaufen würde: »eine OM-D«. Logisch. Ich habe zwei davon! Fragt mich jemand was für eine Kamera er kaufen soll sage ich: »Es kommt drauf an!«

Es kommt vor allem darauf an wie man was fotografieren und wie man es darstellen beziehungsweise ausgeben möchte. Die eierlegende Wollmilchsau in Sachen Kamera wird es niemals geben. Statt dessen finde ich wir sollten die Vielfalt loben und uns darüber freuen, dass die unterschiedlichen Systeme praktisch für jeden das passende Angebot liefern dürften.

Kleinliches Geplänkel im Sinne von »mein’s ist besser als dein’s«, halte ich für verzichtbar – ebenso wie die Grabenkämpfe Mac versus Windows, Android versus iOS oder eben auch Canon versus Nikon.

Trotzdem wird dieser Artikel Vergleiche zwischen Nikon und Olympus enthalten, schließlich bin ich von Nikon auf Olympus umgestiegen und der Leser soll erfahren welche Vor- und Nachteile der System ich sehe.

Gewicht und Volumen

Jedes System hat Stärken und Schwächen schrieb ich. Die größte Stärke des MFT-Systems ist zweifellos das geringe Volumen. Zwar bauen heute auch andere Hersteller Systeme mit kleinen Kameragehäusen doch wer Objektive nicht mit in seine Kalkulation einbezieht macht die Rechnung ohne den Wirt.

Das heißt im Umkehrschluss natürlich, dass bei Fotografen für die Mobilität keine große Bedeutung hat das stärkste Argument pro MFT wegfällt. Gesellen sich zu geringem Bedarf die Ausrüstung weit zu schleppen noch riesige Hände dürften zumindest Olympus’ Kameras nicht mehr in die engere Wahl kommen.

Die neue Leichtigkeit

Für mich bedeutet das geringe Volumen und relativ geringe Gewicht die Erfahrung einer ganz neuen Leichtigkeit des Fotografierens. Dabei ist geringes Gewicht wirklich relativ zu betrachten. Nimmt man eine E-M1 mit 12–40mm ƒ2.8 in die Hand fühlt sie sich überraschend schwer an. Sie liegt satt in der Hand und vermittelt den Eindruck erstklassiger Materialqualität. Kaum eine Kamera die sich mehr wie ein Block soliden Metalls anfühlt als die E-M1- und E-M5-Modelle – eine Ausnahme mögen die in einer ganz anderen Preisklasse spielenden Leicas sein.

Erst wenn man das tatsächliche Gewicht der OM-D (inklusive 12–40mm 879g) mit einer D610 samt 24–79mm Objektiv vergleicht (1750g – die D610 alleine wiegt 850g) wird einem bewusst, dass man an ein Leichtgewicht in Händen hält. Selbst eine Sony α7S bringt mit 24–70mm 1463g auf die Waage.

Es ist die ausgewogene Balance aus hochwertiger Haptik, solidem Gewicht bei sich perfekt in die Hände schiegendem Volumen das die OM-D E-M1 die Fotografieren für mich mehr den je zu einem Flow werden lässt. Es fällt schwer diese emotionale Qualität in Worte zu fassen – im Deutschen scheint mir das Wort Leichtigkeit am passendsten, doch näher kommen für mich die englischen Begriffe smooth und easy.

Abstriche bei der Ergonomie

Kompakte Gehäuse haben allerdings nicht nur Vorteile. Die E-M5 – die Mark II ebenso wie die Mark I – sind als kompakte Begleiter konzipiert. Für stundenlange Fotosessions scheinen sie mir kaum geeignet.

Die E-M1 liegt mit ihrem wulstigen Griff schon deutlich besser in der Hand, doch der Body allein ist mir noch immer zu klein – da die Kamera verhältnismäßig niedrig ist greift mein kleiner Finger ins leere und das vermittelt das Gefühl den Apparat nicht sicher in Händen zu haben. Montiere ich hingegen den optionalen Hochformatgriff liegt sie mir besser in Händen als jede andere Kamera mit der ich bislang gearbeitet habe – Spiegelreflexkameras empfinde ich seither als klobig.

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 Mit dem optionalen Hochformatgriff liegt die E-M1 perfekt in der Hand.

Allerdings löst ein Hochformatgriff nicht das Problem, dass auf einem kompakten Gehäuse schlicht und einfach weniger Platz ist als auf einem voluminösen. Auf einer D7100 oder D600 fallen die Bedienelemente größer aus, sind besser zu ertasten und haben meist einen deutlicheren Druckpunkt. Darüber hinaus liegen die Tasten an den OM-Ds auch noch dichter beieinander was es schwerer macht die gerade benötigte Taste sofort zu finden und immer wieder dazu führt, dass man die falsche drückt.

Schulter-, Rücken und Konditionsschonend

Nun, konditionsschonend muss man vielleicht nicht nur als Vorteil betrachten, doch der Rücken und die Schultern danken einem ein MFT-System. Wer MFT packt, packt nicht selten zwei Drittel oder drei Viertel weniger Gewicht und Volumen ein als das was bei einer Kleinbild-DSLR zu erwarten wäre.

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Kaum zu glauben, aber der Fotograf trägt eine E-M1, eine E-M5, eine Lumix G1, ein 12–40mm Objektiv, ein 9–18mm Objektiv, ein 100–300mm Objektiv, eine 45mm Festbrennweite, eine 12mm Festbrennweite und eine 20mm Festbrennweite – nebst anderen Dingen die sich in der Fototasche befinden.

Elektronischer Sucher

Nicht jeder mag elektronische Sucher – ich liebe sie. Bereits vor der Aufnahme kann ich mir Histogramm und Belichtungswarnung anzeigen lassen, Änderungen von Zeit oder Blende wirken sich auf die Helligkeit des Sucherbildes aus und nach der Aufnahme wird die Bildrückschau im Sucher angezeigt – das Nehmen der Kamera von den Augen um auf das Display zu schielen entfällt. Sogar Menüs lassen sich über das Sucherbild einstellen.

Natürlich hat es seinen Preis, wenn sich eine Kamera nur via elektronischer Anzeigen bedienen lässt. Der Akku ist schneller geleert als bei einer DSLR mit der man sehr sparsam arbeiten kann wenn man die automatische Bildrückschau auch deaktiviert.

Klappbares Touch-Display

Klappbare Displays habe ich immer geschätzt und bei meinen Nikons immer vermisst – wie oft bin ich auf dem dreckigen Boden herumgerobbt um bei einer interessanten Perspektive noch durch den Sucher schauen zu können. Vor allem das rein nach oben klappbare Display der E-M1 und E-M5 Mark I hat es mir angetan – für das nach außen klappende Display der E-M5 Mark II kann ich mich hingegen noch nicht so begeistern.

Gefallen finde ich auch am Touch-Display. Wer es noch nie versucht hat mag es für Spielerei halten. Doch es hat durchaus seinen Vorteil in manchen Situationen den Fokuspunkt per Fingertip bestimmen zu können und gleichzeitig auszulösen. In den meisten Fällen schappt der AF auch augenblicklich und perfekt sitzend zu.

Schärfentiefe

Das größte Thema in Sachen pro und contra MFT stellt in der Regel die größere Schärfentiefe der kleineren Sensoren dar. ƒ1.4 bei MFT entspricht in Sachen Schärfentiefe ƒ2.8 bei Kleinbild. 1.4 versus 2.8 – das ist natürlich ein deutlicher Unterschied und er ist nicht von der Hand zu weisen.

Freisteller die sich bei einer APS-C-Kamera auch mit Standardobjektiven geringer Lichtstärke gut realisieren lassen sind nicht unbedingt die Stärke von MFT. Wer stark weichgezeichnete Hintergründe wünscht muss bei Zoomobjektiven tiefer in die Tasche greifen oder eine Festbrennweite einsetzen – ein vergleichbares zerfließen der Hintergrundfarben wie es mit lichtstarken Objektiven an Kleinbild möglich ist bleibt einem im selben Ausmaß verschlossen. Selbst das 42,5mm ƒ1.2 Objektiv von Panasonic entspricht nur etwa 2.5 bei 85mm KB und ist damit weit entfernt von dem was ein 85mm ƒ1.4 Kleinbildobjektiv an geringer Schärfentiefe zu Stande bringt.

Geringe Schärfentiefe ist nicht immer besser

Unter den Tisch fällt meist, dass größere Schärfentiefe auch Vorteile haben kann wie zum Beispiel in der Makrofotografie. Ebenfalls profitiert von der größeren Schärfentiefe wer bei Events unter gedämpftem Licht ohne Blitz fotografiert. Das Problem ist bekannt: Fotografiert man mit Offenblende ist die Schärfentiefe so gering, dass bei mehreren Personen die nicht exakt auf einer Ebene von der Linse entfernt stehen oft nur eine scharf auf der Aufnahme landet. Der Spielraum mit MFT ist hier doch größer.

Allerdings möchte ich nicht verschweigen, dass der größere Spielraum einer Kleinbildkamera bei der ISO-Empfindlichkeit den Nachteil wahrscheinlich wieder auszugleichen vermag.

Volle Detailschärfe ab Offenblende

Ein bekanntes Problem ist auch, dass die meisten Objektive bei Offenblende noch nicht die volle Detailschärfe und den maximalen Kontrast erreichen. Selbst bei guten Kleinbildobjektiven ist es oft notwendig um ein oder zwei Blenden abzublenden. Bei meinen Tests von MFT-Objektiven konnte ich dieses Problem nicht feststellen – ein nennenswerter Unterschied zwischen maximaler und verkleinerter Blendenöffnung war mit freiem Auge nicht zu erkennen.

Bokeh

Während Detailschärfe objektiv messbar ist kann die Beurteilung von Bokeh nur subjektiv ausfallen. Mein subjektiver Eindruck ist, dass die Bokehs meiner MFT-Linsen in der Regel sanfter und attraktiver ausfallen als ich das von den meisten Nikon-Objektiven gewohnt bin.

Zugegeben: Ich besaß nur wenige der edlen ƒ1.4 Objektive. Mag sein, dass meine MFT-Linsen im Vergleich dazu alt aussehen würden. Doch neben dem 85mm ƒ1.8 – mein bevorzugtes Porträtobjektiv unter meinen ehemaligen Nikon-Linsen – kann sich das Olympus 45mm ƒ1.8 durchaus sehen lassen und staubt am Ende noch die Auszeichnung für den Preisknüaller ab.

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Mit dem M.Zuiko 75mm ƒ1.8 lässt sich ein wunderbar cremiges Bokeh erzielen.

Auflösung

Wer nach hoher Auflösung sucht, sucht bei Olympus und Panasonic an der falschen Stelle. Für leidenschaftliche Landschafts- und Architekturfotografen sowie alle die häufig große Poster drucken wollen bieten andere Hersteller bessere Apparate an. Bei MFT ist derzeit bei 16 Megapixel Schluss. Bei Nikon sind 24 Megapixel längst Standard, 36 Megapixel auch für Amateure erreichbar und von Canon wurde gerade 50 Megapixel angekündigt.

Wer allerdings megaviel Megapixel will sollte auch megapräzise fotografieren. Andauernd locker aus der Hand nach der Kehrwert-der-Brennweite-Regel zu belichten produziert damit keine detailreicheren Bilder, sondern nur größere Daten die die Festplatten verstopfen und nach Investitionen in neuere Computer schreien. Feinstes Glas ist ebenso angesagt wie öfter mit Stativ und Blitz arbeiten.

Für mich lautet die Frage nicht wie viel Megapixel kann ich bekommen, sondern wie viel Megapixel brauche ich. Schon in Zeiten als ich noch mit der 12-MP-D700 fotografierte behauptete ich immer 18MP sind genug (für mich). Damit lassen sich A3-Ausdrucke bei 300ppi erzielen. Mehr ist für meine üblichen Anforderungen nicht notwendig.

Pixelshift

Nicht unerwähnt bleiben soll natürlich auch, dass Olympus mit der neuen Pixelshift-Funktion der E-M5 Mark II die Karten neu gemischt hat. Dabei wird der Sensor während der Aufnahme mehrmals so verschoben, dass sich eine Auflösung von 40 Megapixel ergibt. Laut Vergleichen mit einer D800 bei dpreview ist das wieder erwarten keine reine Spielerei sondern erzielt Ergebnisse, die sich mit Nikons-Vollformat-Megapixelmonster durchaus messen können.

16 Megapixel für den Alltag zu nutzen aber 40 zur Verfügung zu haben wenn man sie wirklich einmal braucht ist eine interessante Option, auch wenn das im Moment nur bei unbewegten Motiven und mit Stativ funktioniert. Laut Olympus arbeite man aber schon fleißig daran die Technik so weit zu bringen, dass man sie auch ohne Stativ aus freier Hand einsetzen kann.

Rauschen

Keine Frage ist, dass Rauschen bei MFT schneller Thema wird als bei APS-C oder Kleinbild und ich verstehe, dass es Motive gibt bei denen das kleinste Rauschen stört. Solche Motive kommen auch mir manchmal unter doch in der Regel kann ich mit ein Bisschen Rauschen leben.

Tatsächlich finde ich eine feine Struktur bei vielen Aufnahmen sogar charmant weshalb ich häufig in der Nachbearbeitung digitales Korn hinzufüge. Natürlich ist es umso besser weniger eine Kamera zum Rauschen neigt. Doch bei der Qualität die moderne Kameras heute sogar bei Werten von ISO6400 und darüber noch erreichen kann ich damit leben, dass meine kompakten Begleiter nicht in der vordersten Liga mitspielen.

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Wer hätte in analogen Zeiten geglaubt, dass so eine Aufnahme ohne Stativ aus freier Hand gemacht wurde?

Kontrastumfang

Nikon-Fotografen schätzen Ihre Apparate vor allem auch wegen des hervorragenden Kontrastumfangs der Sensoren. Olympus kann da bei Weitem nicht mithalten. Vergleicht man die OM-Ds jedoch mit dem was bei dxomark.com im Durchschnitt für Canons Kameras an Dynamikumfang angegeben wird stehen die OM-Ds allerdings gar nicht so schlecht da.

Fokussierung

Als Olympus die E-M5 vorstellte hieß es, die Zeiten in denen spiegellose Kameras langsamer fokussierten als DSLRs seien Geschichte. Im normalen fotografischen Alltag möchte ich dem gerne zustimmen und bei den allermeisten Motiven kann ich keinen Unterschied zwischen meinen MFT-Kameras und meinen früheren Nikons feststellen.

Anders sieht es aber aus wenn sich die Motive so schnell bewegen wie Vögel im Flug. Gelang es mir mit meinen Nikons mühelos Dutzende Treffer zu landen wenn ich am Bodensee Möwen bei der Flugshow folgte, produziere ich mit meinen MFTs praktisch nur Fehlschüsse.

Lesern die beabsichtigen häufig Motive zu fotografieren die so schnell unterwegs sind, dass man ihnen mit der Kamera kaum folgen kann würde ich eher zu einer DSLR raten.

Funkstille

Was mich am längsten überlegen ließ ob ich wirklich von Nikon auf Olympus umsteigen soll war der Umstand, dass nur für Canon und Nikon Funk-TTL-Systeme für kabelloses Blitzen zur Verfügung stehen.

Zwar bieten auch Olympus und Panasonic ein System für kabelloses Blitzen das ebenso komfortabel zu benutzen ist wie jenes von Nikon, doch nach meiner Erfahrung reagiert es etwas weniger zuverlässig und Outdoors ist es generell schwierig damit zu arbeiten, im Sonnenlicht geht in der Regel gar nichts mehr.

Bei meinem Nikon-System stand ich wegen der Schwierigkeiten kurz davor mir ein Funksystem von Pocket Wizzard oder Pixelking zuzulegen. Beim Umstieg auf Olympus setzte ich auf die Hoffnung, dass diese mit zunehmendem Erfolg von MFT auch dessen Blitzsystem unterstützen würden – bislang eine vergebliche Hoffnung.

Glücklicherweise fand ich mittlerweile eine Lösung von Aokatec die ich bereits in einem kurzen Bericht beschrieb. Nach mehreren Fotosessions kann ich bestätigen, dass es absolut zuverlässig funktioniert.

Beispiellose Bildstabilisierung

Branchenprimus ist Olympus wenn es um Bildstabilisierung geht. Schon häufiger habe ich Aufnahmen von bis zu einer Sekunde aus freier Hand gemacht und brauchbare Ergebnisse erzielt. Die Aufnahme unten wurde versehentlich mit einer Belichtungszeit von 4 Sekunden aufgenommen – das kleine Versehen demonstriert eindrucksvoll was Olympus’ 5-Achsen-Bildstabilisierung zu leisten in der Lage ist.

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Bei einer Belichtungszeit von 4 (vier!) Sekunden aus freier Hand aufgenommen. Verrauscht aufgrund von ISO1600 und starker Dunkelheit, doch die Verwackelung ist fast schon zu vernachlässigen.

Die OM-D ist meine ideale Kamera

Olympus’ OM-Ds sind für mich die idealen Kameras und ich kann sie jedem nur wärmstens empfehlen. Am Ende hängt die Zufriedenheit mit einem System aber immer mit der Art zu Fotografieren ab und was für mich perfekt sitzt muss bei anderen noch lange nicht passen. Ich habe versucht sowohl die Stärken als auch die Schwächen des Systems herauszustreichen. Dass das Fazit am Ende positiv ist war klar, denn sonst wäre ich ja kein zufriedener OM-D-Fotograf. Tatsächlich kann man mich sogar durchaus als OM-D-Fan bezeichnen.

Ein Plädoyer für kompakte Kompaktkameras

Posted in Fotografie

Wenn man die Diskussionen in der Fotografie so verfolgt könnte man meinen alles drehe sich vor allem um Größe. Regelmäßige Leser wissen, dass ich da einen anderen Standpunkt vertrete.

Große Bildsensoren haben viel Vorteile – das kann niemand bestreiten. Man muss sich aber immer überlegen was allgemeine theoretische Vorteile sind und wo die praktischen Vorteile für einen persönlich liegen. Und Nachteile! Ich stellte hier bereits öfters die Frage: Wozu bräuchte meine Kamera eine riesige Auflösung wenn ich niemals Poster drucken lasse die diese Auflösung erforderlich machen? Und selbst wenn ich große Poster drucken möchte ist bei den meisten Motiven eine riesige Auflösung noch immer irrelevant – wer schließlich würde beispielsweise bei einem A1-Porträt so nah an das Poster herantreten, dass seine Augen den Unterschied zwischen 100ppi und 300ppi ausmachen könnten?

Es scheint eine Tendenz zu und einen Wunsch nach größeren Sensoren in Kompaktkameras geben. Die Sache hat für mich aber zwei Haken: 1. Je größer der Bildsensor desto größer die Kamera und vor allem die Objektive; 2. Größere Bildsensoren führen dazu, dass Kompaktkameras ihre ausgezeichnete Makrofähigkeit verlieren.

Kompakte als komfortable Makrospezialisten

Wer Makrofotografie nicht mit Aufwand, Makroobjektiven, Makroblitzen und Stativen betreiben will, fotografiert mit Kameras mit einem kleinen Aufnahmesensor viel komfortabler wenige Millimeter große Objekte, als mit einer Systemkamera (also auch DSLR). Ich rate deshalb jedem der ein Bisschen Makro machen möchte sich zu überlegen, ob ein Makroobjektiv für die Systemkamera tatsächlich sinnvoll für ihn ist oder ob er mit einer guten Kompaktkamera nicht deutlich besser beraten ist. Immerhin kostet ein Makroobjektiv in der Regel 500+ währen gute Kompaktkameras bereits zum Straßenpreis von etwa 200 Euro zu haben sind. Die Kompakte kann in vielen Fällen dabei sogar kleiner und leichter sein als das Makroobjektiv und statt das Objektiv zu wechseln zieht man einfach nur die Kompakte aus der Tasche. Und wie gesagt: Wenn man nur geringen Aufwand betreiben möchte lassen sich mit Kompakten leichter bessere Makroaufnahmen erstellen.

Eine Kompakte die diese besondere Makrofähigkeit nicht besitzt wäre für mich keine sinnvolle Kompakte. Seit ich das MFT-System nütze ist schon meine Hauptkamera so klein, dass ich sie in eine Jacken- oder Manteltasche bringe (OM-D E-M5, so lange eine Festbrennweite drauf ist) und sollte ich mich wirklich für eine Lumix GM1 entscheiden wird das System noch einmal kleiner. Da hat für mich die Kompakte eben vor allem auch den Vorteil sie einmal schnell herausziehen und statt eines Makroobjektivs einsetzen zu können.

Kompakte sollten kompakt sein

Außerdem erwarte ich mir von einer Kompaktkamera eben, dass sie kompakt ist. Meine Systemkamera passt mit den meisten Objektiven in meine Jackentasche. Von einer Kompaktkamera erwarte ich, dass sie in die Hemd- oder Hosentasche passt.

Bei den meisten Kompakten die derzeit als State of the Art gehandelt werden trifft beides, was ich von einer Kompakten erwarte, nicht zu. Als ehemaliger Besitzer der Sony RX100 weiß ich aus Erfahrung, dass sie gerade nicht mehr klein genug ist um richtig kompakt zu sein und dass ihre Makrotauglichkeit wenig überzeugend ist. Das sind die Gründe, weshalb ich sie am Ende wieder verkauft habe. Und wegen der sinnlos hohen Auflösung, die bei so einer Kompakten nur überflüssig große Daten erzeugt und ein reiner Marketing-Gag ist, aber im Vergleich zu einer 10-MP-Kompakten Null Detailschärfegewinn bedeutet.

Dasselbe gilt auch für die als Profi-Kompakte positionierten Modelle Canon G12 und Nikon P7800. Diese Kameras versprechen dieselben Möglichkeiten zu bieten wie eine Systemkamera und sind aufgrund ihrer Konstruktion mit vielen Einstellrädchen, Knöpfchen und einem Sucher alles andere als Kompakt. Zwar muss ich diesen beiden zugute halten, dass sie aufgrund des recht kleinen Sensors, den auch sie nutzen, meine geforderte Makrotauglichkeit erfüllen, und dass ein Sucher im Sonnenschein allemal ein Vorteil ist. Allerdings ist ein winziger Sucher, wie ich ihn bisher von solchen Modelle kenne, doch nur eine Notlösung auf die ich heute keinen Wert mehr legen würde, wenn es den Preis des Verlusts der Kompaktheit fordert.

Leere Versprechungen

Das Versprechen, dem auch ich früher erlag, dass man mit so einer Kamera, dadurch, dass sie mit Blendenvorwahl, Zeitvorwahl und manuellen Belichtungseinstellungen sowie mit den dedizierten Rädchen zum Steuern der Belichtungsparameter genauso kreativ gestaltend fotografieren kann wie mit einer Systemkamera, können die Geräte dabei in der Praxis gar nicht halten. Wenn der Fotograf die Belichtungseinstellung nicht einer Kameraautomatik überlassen möchte geht es ihm vor allem um das kreative Steuern der Blende um dadurch die Schärfentiefe zu beeinflussen. Es gibt zwei Gründe, weshalb dieses Ansinnen bei einer Kompakten mit kleinem Sensor in den meisten fotografischen Situationen aussichtslos ist: 1. Die generell große und schon auf kurze Distanzen meist unendliche Schärfentiefe; 2. Der Spielraum zur Blendensteuerung ist selbst bei sehr guten Modellen am langen Ende der Brennweite nur selten besser als ƒ2.8 bis ƒ8, wobei wohl davon ausgegangen muss, dass ab Blende ƒ4 die Detailschärfe schon wieder deutlich abfallen dürfte. Das heißt in der Praxis wird es mit so einer Kompakten relativ Wurst sein ob man manuell belichtet oder das Wählen von Blende und Zeit der Programmautomatik überlässt (von der Belichtungskorrektur einmal abgesehen).

Vergleiche ich eine Lumix G1 Systemkamera mit einer Canon G16 Kompaktkamera, dann gibt mir die G1 aufgrund ihres viel größeren Sensors tatsächlich relevante Gestaltungsmöglichkeiten der Schärfentiefe bei deutlich besserer Bildqualität in einem kleineren und leichteren Gehäuse: Die G1 hat inklusive Standardzoom etwa 280g, die Canon G16 knapp 360g.

Lauter Gründe für mich, weshalb ich nur eine wirklich kompakte Kompaktkamera mit kleinem Sensor kaufen würde.

Ein paar aktuelle Modelle kompakter Kompakten

Eine Kompakte der unteren Preisklasse würde ich mir heute keine mehr kaufen. Aktuelle Smartphones haben bereits eine dermaßen hohe Qualität, dass so ein solcher Apparat nur einen geringen Mehrwert liefern könnte. Einen Seitenhieb gegen Samsung und Sony mit ihren 16-+-MP-Monstern kann ich mir hier jetzt allerdings nicht verkneifen. Das ist reines Marketing und völlig sinnlos. Hier lobe ich mir Apple die in Sachen Sensorauflösung beim iPhone einigermaßen am Boden bleiben und ihre Kunden nicht mit Megapixelködern verarschen oder auch Nokia (jetzt wohl Microsoft), die zumindest mit im Vergleich wirklich sehr großen Sensoren punkten.

Neben Kompaktheit ist RAW-Fähigkeit ein ausschlaggebendes Kriterium, dass eine Kompakte für mich in Frage kommt.

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Olympus XC-10; © Olympus 2013

Mein derzeitiger Kompaktkamera-Favorit ist eindeutig die Olympus XZ-10. Keine andere Kamera kombiniert Kompaktheit und Lichtstärke besser wie sie und ihre Abbildungsqualität ist bestechend. Dabei gehört sie zum preiswertesten unter den anspruchsvollen Kompakten. Hätte ich einen einzigen Wunsch für ihre Nachfolgerin offen wäre das 24mm statt 26mm Weitwinkel. Unterm Strich ist sie aber die erste Kompakte mit der ich dauerhaft zufrieden bin. (Affiliate-Link zur XZ-10 bei Amazon)

PowerShot S200 BLACK FRT
Canon PowerShot S200; © Canon 2014

Seit Jahren empfehle ich die Kompakten der Canon-S-Serie als ideale kompakte Begleiterin – seit ich ein Buch über die S95 schrieb (das dann leider nicht veröffentlicht wurde. Mittlerweile hat die S den Sprung von der 120 zur 200 geschafft. Wer bei Amazon sucht findet von der S noch immer ältere Modelle, wie die S110 um derzeit knapp über 200 Euro oder die S120 um etwa 350 Euro – es muss nicht unbedingt das neueste Modell sein!

Vorteil der S-Modelle gegenüber der XZ-10: Sie haben 24mm Weitwinkel. Nachteil: Sie sind nicht am langen Ende der Brennweite – also dort wo’s eigentlich interessant wäre – deutlich weniger Lichtstark.

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Nikon P340; © Nikon 2014

Die Nikon P340 teilt mit der Canon S, dass sie gegenüber der XZ-10 mit 24mm Weitwinkel glänzt, und den Nachteil, dass Sie am langen ende des Zooms nicht besonders lichtstark ist. Während ich mit der Olympus XZ, der Canon S und der Sony RX persönliche Praxiserfahrung habe, gilt das für die Nikon P340 und die folgenden Kameras nicht. Wäre ich jedoch nicht bereits auf die XZ-10 eingeschworen, würde ich mir diese Modelle durchaus ansehen. Und wie immer gilt: Was für mich perfekt ist muss für andere nicht optimal sein.

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Panasonic Lumix LX7; © Panasonic 2014

Die Lumix LX7 zog ich selbst einmal in Erwägung bevor ich zur XZ-10 gekommen bin. Sie Vereint die Vorzüge eines 24mmm Weitwinkels und guter Lichtstärke am langen Ende der Brennweite, ist dafür aber deutlich größer als die XZ-10.

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Fuji XQ1; © Fujifilm 2014

Wenn man heute an qualitativ hochwertige, clevere, schicke Kameras denkt, kommt man um Fuji nicht herum. Neben der oben abgebildeten XQ1 ist auch die XF1 im Retrodesign einen Blick wert. Auch bei Ihnen muss ich allerdings bemängeln, dass die Lichtstärke mit zunehmender Brennweite deutlich nachlässt.

Ich persönlich bin gespannt womit Olympus die XZ-10 eines Tages ersetzen wird. Da Apple das RAW-Format der XZ-10 nicht unterstützt und es wohl auch nicht mehr nachholen wird, was mich zwingt zur RAW-Entwicklung auf ein anderes Programm als Aperture auszuweichen, könnte der Nachfolger trotz meiner Zufriedenheit mit dem aktuellen Modell durchaus interessant sein. Allerdings weiß ich auch nicht, wie lange ich Aperture noch treu bleibe – Apples Politik bei diesem Produkt ist wirklich nur mehr peinlich.

1.5. Formatfaktor

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Sache mit den Brennweiten könnte so einfach sein, wären da nicht die verschiedenen Sensorformate. Bildsensoren werden in unterschiedlichen Größen produziert und die Größe des Sensors beeinflusst den Blickwinkel (und natürlich den Preis). Das Problem ist also, dass eine bestimmte Brennweite vor einem bestimmten Sensorformat einen bestimmten Blickwinkel erzeugt, vor einem anderen Sensorformat jedoch einen anderen.

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Die Bildsensor-Einheit einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Die Abbildung unten zeigt einen Auszug an Formaten, die heute bei Digitalkameras üblich sind.

Sensorformate.jpg Ein paar Beispiele von Sensorformaten zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Hassselblad Mittelformatkamera, Leica S2 Spiegelrelfex-Systemkamera, Kleinbild, DX (Nikon, Sony, Pentax), Four Thirds (Olympus und Panasonic) und exemplarisch das Format der Komapaktkameras G12 und S95 von Canon.

Kleinbildformat | In den Tagen der analogen Fotografie (dem Fotografieren mit Film) hatte sich zuletzt das Kleinbildformat für die meisten Kameras durchgesetzt. Filme im Format von 36×24mm passten sowohl in Kompaktkameras, Sucherkameras und Spiegelreflexkameras. Lediglich im professionellen High-End-Bereich waren Mittel- und Großformat mit größeren Filmformaten ›State of the Art‹.

Sensia100.jpg Analoger Film ist noch immer von Herstellern wie Fujifilm beziehbar (Bild: © Fujifilm Europe GmbH)

In den 1990er Jahren verhalf Canon mit seiner Ixus dem etwas bequemeren, aber relativ kleinen APS-Format, zu einem kurzfristigen Durchbruch. Doch das Gros der Aufnahmen wurde wie gesagt auf 36×24mm gebannt.

Als Digitalfotografie zum Thema wurde und erste digitale Kameras auf den Markt kamen, wurden Bildsensoren verbaut die deutlich kleiner waren als die 36×24mm Filme der analogen Kleinbildkameras. Der Grund war vor allem, dass größere Sensoren ungleich teurer zu produzieren waren als kleinere. Deshalb werden in Kompaktkameras bis heute sehr kleine Sensoren verbaut und nur in professionellen Spitzenmodellen sind Sensoren im Kleinbildformat zu finden (in analogen Zeiten war das Abbildungsformat des Films für Kompakt und Spiegelreflex eben identisch).

Mittelformat | Es gibt heute digitale Mittelformatkameras die größere Sensoren nutzen als das Kleinbildformat. Bekannte Hersteller solcher Geräte sind Hasselblad, PhaseOne oder Sinar. Im letzten Jahr ließ Pentax mit einer Mittelformat-Kamera aufhorchen, die als Preisbrecher gehandelt wird. Außerdem sorgte in jüngster Vergangenheit auch die deutsche Edel-Kameraschmiede Leica mit einem Kamerasystem für Interesse, das im Grunde eine Spiegelreflexkamera ist, aber einen größeren Sensor als Kleinbild nutzt.

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Mittelformatkameras, wie dieses Modell von Pentax, nutzen deutlich größere Sensorformate, als das Kleinbildformat (Bild: © Pentax Imaging Systems GmbH)

Sensorformat und seine Auswirkungen

Das Gros der Kameramodelle am Markt arbeitet aber aus Preisgründen mit Sensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als Kleinbild. Mit der Größe des Sensorformats sind nun aber eben Unterschiede in Art der Abbildung und der Abbildungsqualität verbunden. Beeinfluss werden vor allem:

  • Bildrauschen;
  • Blickwinkel und perspektivische Wirkung der Brennweite;
  • Schärfentiefe.

Bildrauschen | Bildrauschen – so bezeichnet man eine körnige Struktur aus unterschiedlich hellen oder farbigen Pixeln – gehört zu den wichtigsten Problemen der Digitalfotografie. Man unterschiedet dabei das sogenannte Helligkeits- oder Luminanzrauschen (wie in der Abbildung unten) vom Farbrauschen, bei dem nicht hellere und dunklere Pixel die Struktur ergeben, sondern bunte in den Farben rot, grün, blau, gelb, cyan und/oder magenta. Rauschen wird vor allem in dunkleren Bildbereichen sichtbar. Ein Grundrauschen ist in jedem Digitalbild normal. Oft fällt es aber so gering aus, dass man es praktisch nicht bemerkt. Doch durch lange Belichtungszeiten oder Anheben der ISO-Empfindlichkeit wird der Effekt verstärkt und es kann unangenehm im Bild hervortreten.

Bildrauschen1 Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man die Belichtungszeit reduzieren indem die Sensorempfindlichkeit erhöht wird.
Bildrauschen2 Leider führt das anheben der Empfindlichkeit durch Erhöhen des ISO-Werts zu kräftigeren Bildrauschen.

Je kleiner der Sensor, desto anfälliger für Rauschen. Wobei es streng genommen vor allem auch von der Auflösung abhängt. Im Grunde geht es gar nicht um die Größe des Sensors, sondern wie viele Pixel auf wie engem Raum wie dicht beieinander liegen. Ein kleiner Sensor mit geringer Auflösung muss nicht unbedingt mehr rauschen verursachen, als ein großer Sensor mit sehr hoher Auflösung.

Je größer die Zahl der Pixel und kleiner das Format des Sensors, desto mehr Rauschen wird produziert.

Brennweite | Der zweite Faktor, der vom Sensorformat beeinflusst wird, ist der Blickwinkel den eine bestimmte Brennweite vor einem Sensor ergibt. Die beiden Abbildungen unten zeigen zwei Aufnahmen die vom Stativ aus mit exakt derselben Distanz und derselben Brennweite von 24mm aufgenommen wurden. Der Bildausschnitt den sie zeigen unterscheidet sich gravierend! Die D7000 mit dem deutliche kleineren Sensor nimmt den Buddha sehr viel naher auf, als die D700 mit ihrem Kleinbildsensor.

Dx Aufnahme aus einer Distanz von etwa zehn Zentimeter mit einem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an einer Nikon D7000 mit einem Sensor im Format 24×16mm.
Fx Aufnahme aus derselben Distanz mit dem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an der Nikon D700 mit einem Sensor im Format von 36×24mm.

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Aufnahme die mit einer Kleinbildkamera und 135mm Brennweite aufgenommen wurde. Nehmen wir an, wir würden von derselben Stelle aus mit einer 10 Megapixel Kamera mit Kleinbild und einer 10 Megapixel Kamera mit einem ein Drittel kleineren APS-C- bzw. DX-Sensor diesen Ort fotografieren, wobei beide Kameras eine Objektiv mit einer KB-Brennweite von 135mm tragen. Dann bildet die Kleinbildkamera einen größeren, die DX-Kamera einen kleineren Bildausschnitt ab – trotz gleicher Brennweite! Die Kamera mit dem kleineren Sensor scheint bei gleicher Brennweite das Motiv also näher heranzuzoomen.

Dxundfx Fx
Dx Oben links Bildausschnitt bei 135mm bei Kleinbild und 24×16mm DX-Sensor in der Montage, oben Resultat der 135mm-Brennweite bei Kleinbildformat und links Resultat bei DX-Format.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man Brennweiten und ihre perspektivische Wirkung und den Bildausschnitt den sie abbilden miteinander vergleichen will. Ein sinnvoller Vergleich ist nur dann möglich, wenn man sie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Der Sensor in der Nikon D7000 ist um den Faktor 1,5 kleiner wie jener in der D700: 24×16mm statt 36×24mm. Der Bildausschnitt den jede beliebige Brennweite an der D7000 erzeugt ist 1,5 mal kleiner beziehungsweise 1,5 mal naher als bei der D700. Um also einen Vergleich der Nikon D7000 mit einem Sensorformat, das man als APS-C bezeichnet, mit der D700, die ein Kleinbildformat hat, anstellen zu können, wird das APS-C auf Kleinbild umgerechnet. Das gilt natürlich für alle anderen Marken und Formate ebenso.

Kleinbild ist der gemeinsame Nenner auf den sich die Fachwelt geeinigt hat – die Abkürzung lautet KB. Spricht man allgemein von Brennweiten, dann beziehen sich die Millimeterangaben immer auf Kleinbild, sofern es nicht dezidiert anders angegeben wird.

Um Brennweiten an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten vergleichen zu können, hat man sich auf Kleinbild (KB) als gemeinsamen Nenner geeinigt.

Formatfaktor | Für jedes Format lässt sich ein Umrechnungsfaktor aufstellen, mit dem sich die Wirkung von Brennweiten im Vergleich zu Kleinbild berechnen lässt. Diesen Umrechnungsfaktor bezeichnet man auch als Formatfaktor oder Crop-Faktor.

Bei Nikon ist das einfach. Nikon hat zwei Formate für Spiegelreflexkameras: Geräte, mit einem Sensor im Format 36×24mm, die bei Nikon die Bezeichnung FX tragen. Und Geräte mit einem Sensor im Format 24×16mm, die bei Nikon DX heißen und einen Umrechnungsfaktor auf Kleinbild von 1,5 haben. Ein 50mm Objektiv an einer Nikon mit kleinerem DX-Sensor entspricht dem Bildausschnitt und der perspektivischen Wirkung von 75mm auf Kleinbild: 50 × 1,5 = 75.

Bei Olympus und Panasonic (Lumix) ist das sogar noch einfacher. Deren sogenannte Four Thirds Sensoren haben ein Format von 17,3×13mm und werden mit dem Umrechnungsfaktor 1:2 berechnet: 50mm an einer Four Thirds Kamera entspricht also rund der Bildwirkung von 100mm an einer Kleinbildkamera.

  • Kleinbild: 36×24mm (1:1 KB-Faktor);
  • APS-H (Canon): 27,9mm×18,6mm (≈1:1,3 KB-Faktor);
  • DX (Nikon, Sony, Pentax): 23,7×15,6mm (≈1:1,5 KB-Faktor);
  • APS-C (Canon): 22,2×15,8mm (≈1:1,6 KB-Faktor);
  • Four-Thirds (Olympus, Panasonic): 17,3×13mm (≈1:2 KB-Faktor);
  • Sensor der Canon PowerShot G12 exemplarisch als ein Sensorformat vieler möglicher bei Kompaktkameras: 7,6×5,7mm (≈1:4,5 KB-Faktor).
Powershot g12 Powershot s95
Auf der Front des Objektivs der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 steht die tatsächliche Brennweite der Optik: 6,1mm bis 30,5mm. Die tatsächliche Brennweite der PowerShot S95 reicht von 6mm bis 22,5mm. Allerdings interessieren uns Fotografen in der Regel nicht die technischen Brennweiten, sondern das Äquivalent der Bildwirkung im Vergleich zur Kleinbildkamera. Der Formatfaktor für G12 und S95 beträgt etwa 4,5. Canon gibt die Brennweiten der G12 auf Kleinbild umgerechnet mit 28–140mm an, für die S95 mit 28–105mm.

Schärfentiefe | Ein dritter Unterschied liegt in der unterschiedlichen Schärfentiefe unterschiedlicher Sensorformate. Wie die beiden folgenden Abbildungen jedoch belegen, fällt der Unterschied zwischen mittleren Sensoren, wie Four Thirds, APS-C, DX und APS-H, und Kleinbild nicht besonders dramatisch aus.

Schaefentiefe1
Aufnahme mit der Kleinbildkamera Nikon D700 und 105 mm Objektiv.
Schaefentiefe2
Aufnahme mit der D7000 mit kleinerem Sensor und demselben Objektiv. Aufgrund des Formatfaktors musst ich die Kamera weiter weg stellen um denselben Bildausschnitt zu erreichen. Das Ergebnis ist, dass bei gleicher Brennweite (und gleicher Blende) eine höhere Schärfentiefe entstanden ist.

Je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe, bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Eklatanter wird der Unterschied in der Schärfentiefewirkung zwischen den sehr kleinen Sensoren bei Kompaktkameras und den mittelgroß bis großen Sensoren in Spiegelreflex- und anderen Systemkameras. Dazu habe ich unter ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ schon einmal zwei Bilder gezeigt.

Für die Auswirkung des Sensorformats auf Bildrauschen, Bildausschnitt und Schärfentiefe gelten folgende Regeln:

  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Neigung Bildrauschen zu erzeugen bei gleicher Empfindlichkeit und gleicher Belichtungszeit.
  • Je kleiner der Sensor, desto enger der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite.
  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Schärfentiefe bei gleicher Brennweite und gleicher Blende.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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