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Autor: Markus Waeger

Langzeit und HDR Freihand

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M5 II | M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0–5.6 | 14mm (28mm KB) | ƒ5.6 | BKT 1/3s–5s | ISO1600 | Belichtungen mit Aurora HDR zu HDR-Bild vereint

Ich schrieb kürzlich, dass ich das Spielerische in der Fotografie zurückgewinnen möchte. Das heißt Augen offen halten und neugierig für alles zu sein, es bedeutet für mich aber auch mit der Technik zu spielen.

Parallel beschäftige ich mich auch intensiv mit der Frage ob man mit MFT professionell fotografieren kann. Für mich selbst ist das zwar kein Thema, da ich der Ansicht bin, dass ich es kann. Das entnehme ich unter anderem dem Feedback auf die Bilder in meiner kreativen Fotoschule, die überwiegend von MFT-Kameras stammen. Aber da das leidige Thema in Blogs, Vlogs und Foren endlos zu Tode gekaut wird lässt mich nicht unberührt.

Das Thema Auflösung habe ich ausreichend untersucht und da ich regelmäßig Fotos in A3+ drucke, am Flur der Wohnung aufhänge und niemand würde sagen können, welche Aufnahme mit Vollformat und welche MFT entstanden ist, ist das Thema für mich gegessen. Was mich jetzt mehr interessiert ist die oft geäußerte Kritik an der Low-light-performance von MFT. Deswegen bin ich schon vor ein paar Tagen während des Tages in unsere Pfarrkirche hinein, um ein paar Testaufnahmen zu machen, und gestern habe ich ein paar nach Sonnenuntergang von außen eingefangen.

Um es möglichst sportlich zu nehmen, habe ich die etwas ältere, geringer aufgelöste und mit einfacherer Bildstabilisierung ausgestattete Olympus E-M5 II gewählt. Die Aufnahme oben ist ein HDR-Bild aus einer Belichtungsreihe mit fünf Aufnahmen von 1/3s bis 5s – insgesamt dürfte die Aufnahme der Reihe etwa 10s gedauert haben.

Um die Kamera etwas zu stabilisieren, habe ich sie auf einem Pfosten aufgesetzt, der allerdings keinen stabilen Halt bot. Bei solchen Aufnahmen habe ich immer das Gefühl, dass ich die Aufnahme verwackle, weil ich sie nicht stabil genug halten kann, wenn ich versuche sie locker zu halten, und wenn ich sie fester in den Griff nehme verkrampfe ich etwas und verwackle deshalb.

Nicht alle Belichtungen und Belichtungsreihen die ich aufgenommen habe, sind ausreichend scharf ausgefallen, aber eine (von drei oder vier Reihen) war gut genug um mit Aurora HDR ein HDR-Bild daraus zu generieren. Die Details der Aufnahmen sind etwas unscharf, was bei der langen Verschlusszeit aber nicht verwundern darf. An die Wand hängen würde ich das Bild jedenfalls nicht. Allerdings schaffen heute ohnehin nur wenige Fotos den Weg auf Papier und für die Wiedergabe am Bildschirm halte ich das Resultat für nicht schlecht. Vom Bildrauschen her ist die Aufnahme nicht als clean, aber ohne Details unter die Lupe zu nehmen ist es unauffällig. Bei der Kombination aus Dunkelheit, langer Verschlusszeit und hoher ISO-Empfindlichkeit würde kaum eine Kamera absolut rauschfreie Aufnahmen liefern. Aufwändige oder besonders kräftige Rauschreduzierung habe ich keine angewendet.

Die Aufnahme unten ist eine einzige Belichtung, bei der ich Schatten und Lichter in Capture One Pro 20 verbessert habe. Die Detailschärfe ist tadellos, das Rauschen auch hier keine große Angelegenheit.

Olympus E-M5MarkII | M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0-5.6 | 11mm (22mm KB) | ƒ5.6 | 0,6s | ISO1600 | Capture One Pro

Fotografen, Gründe und Argumente pro Micro FourThirds (MFT)

Posted in Theorie & Technik

Am 7. Dezember 2019 veröffentlichte ich einen Artikel mit dem Titel »Fotografen und Techniker«. Darin habe ich einige YouTube-Kanäle von Fotografen vorgestellt die mit MFT auf professionellem Niveau fotografieren. Seither habe ich diesem Artikel zwei weitere Videos hinzugefügt. Dabei ist mir in den Sinn gekommen, dass der Post insgesamt eine gute Sammlung ist, um Interessierten zu zeigen, dass man mit MFT professionell fotografieren kann und welche Gründe dafür sprechen – wobei nicht ausgespart wird, dass MFT natürlich auch Nachteile und Schwächen hat. Alles hat zwei Seiten, alles ist relativ!

»Fotografen und Techniker« dürfte leider keine ideale Überschrift sein, damit der Artikel von Interessierten gefunden wird. Ich überlegte dann kurz den Titel zu ändern, finde es aber besser, wenn ich die dort bereits geteilten Videos samt meiner Anmerkungen in einen neuen Artikel übernehme. Die seit Veröffentlichung neu hinzugekommenen Videos habe ich hier an den Beginn gestellt, dasselbe werde ich mit allen machen, die zukünftig hinzukommen.

Joseph Ellis

Nachtrag 13.12.2019: Joseph Ellist ist Hochzeitsfotograf in Dallas und begeisterter Olympus-Fotograf. In seinem Kanal finden sich viele nützliche Tipps, gerade zur praktischen Arbeit mit einer OM-D. Neben OM-D-Modellen arbeitet er parallel auch mit einer Phase One Mittelformatkamera mit 100MP Auflösung. Wenn er über Sensorgröße, Auflösung und Details spricht, weiß er, worüber er redet, da er beide Systeme für seine professionelle Arbeit einsetzt. In diesem Video spricht er darüber wie relativ der Qualitätsunterschied zwischen einer 16MP MFT-Kamera und 100MP Mittelformat ist, wenn davon ein großformatiger Print erstellt wird.

Robin Wong

Nachtrag 12.12.2019: Robin Wong lebt und fotografiert auf Malaysia. Er hat sehr gute An- und Einsichten zu Fotografie und ihm zuzuhören finde ich immer inspirierend. Zu Beginn dieses Videos stellt er klar, dass in seinem Kanal keine Kamera und keine Marke ge-bashed wird – dass er für MFT aber nie gegen ein anderes System spricht. Das deckt sich mit dem, was ich in meinem Blog versuche. Dass ich MFT liebe, heißt nicht im geringsten, dass ich irgendein anderes System oder eine andere Marke ablehne. Robin Wong sagt, er liebt alle Kameras und alle Marken.

Wong erklärt in diesem Video, warum er davon ausgeht, dass Olympus niemals ein Vollformatsystem herausbringen wird: Olympus versteht sich als Alternative für Fotografen, die viel unterwegs sind und deshalb ein kompaktes und leichtes System bevorzugen.

Er rät, wenn man primär Landschaft und Architektur fotografiert und für großformatige Prints maximale Auflösung benötigt: Go full-frameI Wenn man überwiegend unter sehr schwachem Licht fotografiert, vielleicht weil Astrofotografie ein Kernthema darstellt: Go full-frame! Wenn der Lebensunterhalt davon abhängt, dass man für seine Klienten Motive mit geringster Schärfentiefe von Hintergründen freistellen kann: Go full-frame!

Für den überwältigenden Teil der Fotografen stellen diese Bedingungen jedoch eher kein ausschlaggebendes Argument dar (in Bokeh sind, wie das Video in diesem Artikel nahelegt, vor allem Fotografen vernarrt, während für normale Betrachter dabei sogar eher weniger mehr zu sein scheint). Für all diese ist MFT eine Option. Sie wird umso interessanter, je mehr Transportabilität und leichtes Handling von Bedeutung sind.

Es stimmt zwar, dass es mittlerweile spiegellose Vollformatkameras gibt die auch nicht nennenswert größer sind als die meisten MFT-Kameras sind (wobei die kleinsten MFT-Modelle selbstverständlich kleiner sind, als die kleinsten APS-C- oder Vollformatkameras). Doch Physik und Optik haben am Ende doch ein Wörtchen mitzureden, so dass die Linsen für einen größeren Sensor immer größer (und schwerer) ausfallen müssen, als für einen kleineren. Natürlich gibt es zu spiegellosen Vollformatkameras auch relativ kompakte und leichte Linsen. Doch wäre etwas undiffernziert die leichtesten Vollformat- mit den schwersten MFT-Linsen zu vergleichen – es gibt meist eine MFT-Alternative die bedeutend kleiner und leichter ist. Der Gewichtsvorteil von MFT ist ein Fakt, ebenso wie die Stärken von Vollformat bei Auflösung, High-ISO und Schärfentiefe Fakt sind.

MFT ist natürlich nicht für Jedermann und jede Frau das Richtige. Aber wie Aki Murata von Olympus in einem Interview so schön sagt: »Full-frame isn’t for everybody.« Olympus legte wie gesagt immer schon – bereits in analoger Zeit – viel Wert darauf, die kompaktesten und leichtesten Kameras anzubieten. Eine OM-D E-M5 hat etwa das Volumen einer analogen OM Kleinbildkamera der 70er Jahre. Damit zu fotografieren macht einfach Spaß.

Auf den MFT-kritischen Kanälen höre ich viel über High-ISO-Performance, Auflösung, Bokeh, bis hin zur Anzahl der Photonen die auf einen Mikrometer Sensor fallen (kein Scherz!). Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass auf diesen Kanälen häufig das Wort »Spaß« fallen würde, wenn über eine Kamera oder ein System berichtet wird. Sicher weiß ich hingegen, dass dieser Begriff bei Leuten die sich für MFT entschieden haben auffallend oft fällt.

Natürlich hatte ich mit meiner Vollformatkamera auch Freude am Fotografieren. Aber als ich zum ersten Mal mit einer Olympus E-M5 fotografierte, hat der Spaß noch einmal eine ganz andere Qualität erhalten. Das ist natürlich subjektiv! Ich habe keinen Zweifel daran, dass (hoffentlich) alle die mit APS-C- oder Vollformat (oder auch Mittelformat) fotografieren Freude an der Arbeit mit ihrer Ausrüstung haben. Mir fällt nur auf, dass der Faktor »Spaß« bei MFT auffallend häufig genannt wird, während das bei Vollformat kaum ein Faktor von Bedeutung zu sein scheint, und vielmehr High-ISO, Auflösung, Dynamikumfang, Bokeh und Photonen im Vordergrund stehen. Dabei beweisen viele der unten folgenden Videos, dass man mit MFT sehr wohl große Prints anfertigen, beeindruckende Landschaftsaufnahmen erstellen und bei wenig Licht professionelle Ergebnisse erzielen kann.

Wenn jemand sagt er oder sie könne (oder wolle) aus diesem und jenem Grund nicht mit MFT fotografieren, dann gibt es daran nicht das geringste auszusetzen. Wenn jemand sagt, man könne nicht mit MFT fotografieren, dann gibt es daran zwar auch nichts auszusetzen, ich würde aber raten er oder sie solle einfach fotografieren lernen. Viele der Videos unten zeigen, dass man kann und das Internet ist voller Bilder die es ebenso beweisen. Und jene die eine große Kamera benötigen um von ihren Kunden ernst genommen zu werden … ihr könnt euch den Rest denken. Das dürfte allerdings wohl in erster Linie ein Männerproblem sein.

Oddbjørn Austevik

Nachtrag 10.12.19: Man könne mit Aufnahmen einer MFT-Kamera keine großen Print machen, heißt es. Eine sehr relative Aussage, schließlich ist alles relativ – ich jedenfalls behaupte das, unter anderem in diesem Artikel. Dass man sehr wohl großformatige Bilder aus MFT-Aufnahmen erstellen kann, habe ich auch schon mit früheren Videos geteilt, unter anderem in meinem Artikel »Zeit für Olympus«. In meinem Artikel »Auflösung und Druckformat« finden sich ein paar Tabellen mit Richtwerten wie groß sich Bilder bei welchen Auflösungen und welchen Betrachtungsabständen drucken lassen.

Es gibt Motive bei denen tatsächlich davon auszugehen ist, dass der Betrachter bis auf die Lesedistanz von etwa 45cm – der Betrachtungsabstand, bei dem eine Auflösung von 300ppi relevant ist – an ein Bild herangehen um Details in Augenschein zu nehmen. Das sind aber seltene Ausnahmen. Der überwältigende Anteil der Motive wird aus umso größerer Entfernung betrachtet, je größer das Format ist. Anders lassen sich Bilder gar nicht erfassen. Wer würde sich schon im Kino freiwillig in die erste Reihe setzen?

Bei Prints im Format A1 kann man von einem Betrachtungsabstand von 2m ausgehen, wofür 60ppi ausreichend sind, bei A0 geht man von 3m aus, wofür 45ppi ausreichen sind. Wer nicht glaubt, dass bei größeren Abständen geringe Auflösungen keinen Unterschied mehr machen, soll sich einfach fragen ob ihm oder ihr schon einmal aufgefallen ist, dass Großflächenplakate üblicherweise mit einer Auflösung von 30ppi gedruckt werden. Mehr würde dabei gar nichts bringen, denn die Auflösung des Druckrasters ist zu gering mehr Auflösung des Digitalbildes zu transportieren. Betrachtet man diese Poster aus 45cm Distanz, sieht man vor allem riesige Rasterpunkte. Diese Rasterpunkte sind aber schon ab wenigen Metern Abstand nicht mehr zu erkennen, da das Auflösungsvermögen der Augen dafür nicht ausreichend ist.

Das Video unten zeigt eindrücklich, wie große Prints mit 16MP- und 20MP-Kameras und mit MFT möglich sind. Zwar zeigt der Fotograf auch ein paar Detailaufnahmen in denen Störungen und Pixel zu identifizieren sind. Aber wer sich daran stößt, setzt sich im Kino wahrscheinlich auch in die erste Reihe um möglichst feine Details erkennen zu können. Er wird dann halt von der Handlung an sich nichts mitbekommen. Ich habe das notgedrungen ein einziges mal gemacht und am Ende kam ich mir vor wie ein Krebs, der seine Augen in zwei verschiedene Richtungen zur gleichen Zeit drehen kann.

Ben Aqua

Nachtrag 10.12.19: Ich gehe davon aus, dass das Gros der Leute die behauptet man könne mit MFT nicht vernünftig fotografieren, das aus Hörensagen tun und sich niemals selbst ausreichend mit dem System befasst haben, um das aus eigener Erfahrung bestätigen zu können. In meinen Augen sind solche Meinungsbekundungen irrelevant, da sie eben nichts anderes als nachgeplapperte Vorurteile sind.

Wirklich interessant finde ich an Urteilen über ein System vor allem jene, die von Leuten getroffen werden, die die Systeme wirklich aus längerer Praxis kennen. Ich selbst lehne mich bei dem Thema nur deshalb aus dem Fenster, weil ich mehrere Jahre mit Vollformat fotografiert habe, Bücher über Vollformatkameras geschrieben habe und, nachdem ich mir eine MFT ohne Absicht Vollformat zu ersetzen zugelegt hatte, entdeckte, dass ich damit meine Art der Fotografie genau so gut betreiben kann, bei weniger Gewicht und mehr Spaß.

Alle Fotografen, die ich weiter oben vorgestellt habe, und noch viele mehr, über die ich auf YouTube stolperte, wissen worüber sie reden, wenn sie MFT mit Vollformat oder APS-C vergleichen, weil sie mit den größeren Sensoren arbeiteten bevor sie auf das kompaktere System umgestiegen sind. Natürlich finden sich ebenso Videos von Leuten die erklären, weshalb sie den umgekehrten Weg gegangen sind. Dabei werten die Wenigsten die einen Wechsel vorgenommen haben das System das sie verließen ab. Die meisten sagen einfach, es war nicht mehr das richtige Werkzeug für mich, das neue passt mir besser. Ben Aqua nennt das Video unten zwar »Why I ditched full frame«, aber er relativiert das auch, dass es etwas hart formuliert sein und, dass er viel Spaß mit seiner Canon hatte. Im weiteren führt der dann Gründe an, weshalb das Lumix-G-System für ihn das bessere Werkzeug ist.

Gavin Hoey

Gavin Hoey lernte ich auf dem Kanal von Adorama kennen, als ich mich vor einigen Jahren intensiver mit entfesselten Blitzen befasste. Damals fotografierte er mit einer Canon Vollformatkamera.

Seit einigen Jahren sehe ich Hoey nur mehr mit einer OM-D E-M5. Was mir an ihm gefällt, ist, dass er mit wenig Aufwand tolle Aufnahmen inszeniert und, dass er es zu beschreiben versteht, so dass es jeder nachmachen kann. Irgendwann sah ich auch einmal ein Video von ihm indem gleich mehrere beeindruckende Bilder von ihm in Serie zu sehen waren, aber das habe ich auf die Schnelle leider nicht mehr gefunden. Deshalb habe ich dieses ausgesucht.

Steve Huff

Steve Huff liebt alle Kameras und Marken – Olympus ebenso wie Leica. Er betreibt auch einen beliebten Blog unter stevehuffphoto.com. Ich habe den Eindruck als reise er Jahr ein Jahr aus in Sachen Fotografie die Welt. Steve Huff ist Tester aber er scheint dabei Fotograf geblieben zu sein. Man sieht seinen Aufnahmen den fotografischen Blick an. Ich habe Bilder anderer Vlogger gesehen, die auf derselben Produktvorstellungsveranstaltung für die E-M5 III waren, aber Huffs Aufnahmen sind um Welten besser. Seine Erfahrungsberichte sind sehr viel praxisbezogener, als die vieler anderer Foto-Blogger. Bei aller Liebe zu Kameras und ihren Hersteller ist er immer auch kritisch. Vor einigen Jahren hörte ihn erzählen, dass im Fuji keine Testmodelle mehr zur Verfügung stellte, weil er sie immer sehr kritisch kommentierte. Er hat sich die Modelle dann selbst gekauft um sie testen zu können (man muss gut verdienen als erfolgreicher Foto-Blogger – wenn ich das nur auch von mir sagen könnte!) Irgendwann sah ich dann ein Video über eine neuere Fuji von ihm, indem er sich sehr angetan vom Modell zeige und erklärte, dass viele der Punkte die er an früheren Modellen kritisierte, jetzt behoben seien.

Steve Goslin

Das folgende Video von Steve Goslin habe ich bereits einmal geteilt, weil er zwei Systeme nutzt: Eine Phase One Mittelformatkamera und eine OM-D E-M5. Seine Aufnahmen zeigen, dass er ein exzellenter Fotograf ist. Als Anwender einer Phase One sollte er in Sachen Bildqualität und Auflösung verwöhnt sein. Dass er daneben mit MFT fotografiert darf man ruhig als Beleg nehmen, dass das System für Profis nicht unbrauchbar ist. Hobby- und Amateurfotografen die das so sehen, sollten vielleicht einen Moment darüber nachdenken – hauptberufliche Tester dürfen das natürlich auch.

James Popsys

Auf den britischen Inseln scheinen aus irgendeinem Grund sehr sympathische Vlogger zu wachsen. Einer der sympathischten jungen Leute die ich auf YouTube bislang überhaupt gesehen habe, ist Matt Gould – er schießt Vögel mit Vollformat und soll deshalb nur beiläufig erwähnt werden (wer Vogelfotografie mag, sollte in seinem Kanal vorbei schauen). Nicht weniger gerne schaue ich Jamges Popsys zu. Ein Besuch auf seiner Site zeigt, dass er Fotograf ist und fotografieren kann. Er kam von einem größeren System (ich glaube APS-C) zu MFT. In diesem Video erklärt er, weshalb Vollformat nicht das richtige Werkzeug für ihn ist und er bei Lumix G bleiben wird.

Joe Edelman

Joe Edelman kann nicht nur wahnsinnig schnell sprechen – er kann auch herausragend fotografieren. In diesem Video erklärt er die Produktion eines Fotos für ein 14,6m langes Großflächenplakat, das mit einer OM_D E-M1 II entstand.

Chris Eyre-Walker

Noch einer der Fotografieren kann und es mit MFT tut. Auch hier kann man sich auf seiner Site davon überzeugen. Dieses Video, indem er in 24 Stunden 24 Fotos in ganz Belgien macht, stammt aus seine YouTube-Kanal. Es hat mich selbst daran erinnert, dass ich in letzter Zeit nur mehr mit auch für MFT-Verhältnisse schwerem Gerät unterwegs bin, und dabei aussehe wie ein dicht bepackter Esel. Die Leichtigkeit, die ich entdeckt habe, als ich zum ersten Mal mit einer OM-D E-M5 auf den Weg ging, habe ich über die Jahre hinweg wieder verloren. Ich habe mir vorgenommen, sie nach Möglichkeit wiederzuentdecken.

Das sind nur einige Videos und Kanäle exzellenter Fotografen die mit MFT arbeiten die ich über die Jahre hinweg gesehen habe und die ich für diesen Artikel wieder fand, weil ich sie in einer Liste gespeichert habe oder den Vloggern folge. Natürlich schaue ich ebenso Videos von exzellenten Fotografen an, die mit anderen Systemen arbeiten und deren Bilder nicht minder beeindruckend sind. Was echte Fotografen verbindet – egal ob sie mit kleinen oder großen Sensoren arbeiten – ist, dass es ihnen um die Fotografie geht. Viele davon zeigen sich auch begeistert von ihrem Werkzeug und erklären warum. Aber von kaum einem dieser teilweise über lange Jahre erfahrenen Anwender vernimmt man, dass sie sich abfällig über andere Systeme äußern. Sie erwähnen vielleicht, weshalb ihr System ideal für sie ist. Es gilt die Devise, get the right tool for the right job! Systeme für rubbish oder dead zu erklären tun in erster Linie Leute, denen es mehr um die Technik als um die Fotografie geht.

Kein Moment ist wie der andere

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Forstweg am Rheinholz | Olympus E-M1MarkII | M.Zuiko 12–100mm ƒ4 | 25mm (50mm KB) | ƒ5.6 | 1/30s | ISO800 | Software: Exposure X5

Vorgestern schrieb ich, dass ich versuche das Spielerische in der Fotografie zurückzugewinnen. Ich bin zu fokussiert und zu fixiert auf wenige Themen geworden. Ich gehe nicht mehr mit der Neugier eines Anfängers durch die Welt, der sich bei allem was er sieht die Frage stellt: Wie sieht das wohl durch das Auge der Kamera aufgenommen aus? Mit der Zeit habe ich mir immer öfter gesagt, ach, das habe ich doch schon dutzende Male fotografiert, und habe es gelassen es noch ein weiteres Mal abzulichten. Dabei ist kein Sonnenuntergang wie ein anderer, kein Mensch wie ein anderer, keine Blume wie eine andere, jeder Vogel, jedes Wild, jede Katze ist einzigartig. Auch derselbe Weg sieht zweimal gleich aus. Sogar dasselbe starre Objekt lässt sich immer wieder neu entdecken.

Dieser Gedanke kam mir, nachdem ich heute über dieses Video gestolpert bin. Ich habe es auch als Ergänzung an das Ende des Artikels »Fotografen und Techniker« gestellt, da es gut dazu passt.

Ich glaube nicht, dass die Fotografen deren Namen große Namen in der Fotografie geworden sind, das geplant hatten, als sie die Fotografie zu entdecken begannen. Ich glaube, die meisten der großen Künstler in der Fotografie haben ihre Kunstwerke primär durch spielerischen Umgang und Neugier geschaffen. Neues zu entdecken kann man nicht planen. Man kann es suchen. Aber finden lässt sich nur, wovon zumindest eine Ahnung vorhanden ist.

Ich zweifle nicht daran, dass bei vielen großen Künstlern ein gewisses Marketinggeschick Anteil am Erfolg hatte. Doch im Schaffensprozess der Kunst an sich, kann der Anspruch stets einzigartige Kunst zu machen nur zu Verkrampfung führen – das Gegenteil dessen, was für einen freien und lockeren Umgang mit einer Thematik notwendig ist. Ich denke, die Fotografen die die Fotografie wirklich revolutionierten, haben einfach ihr Ding gemacht, ohne zu überlegen, ob das jetzt große Kunst ist oder nicht. Sie werden neue Wege gesucht habe, versucht zu machen, was noch niemand gemacht hat. Aber eben mehr um das Erkunden neuer Wege willen, als auf Basis einer Planung eines Tages in die Geschichte der Kunst einzugehen.

Das ist natürlich nicht nur in der Fotografie so. Auch in der Musik kann ich mich an keine Revolution erinnern, von der ich wüsste, dass sie von den Protagonisten geplant worden wäre. Kommerzieller Erfolg lässt sich planen. Doch die künstlerischen Innovationen kamen stets von Leuten, die einfach ihr Ding durchgezogen haben.

Leicht unterwegs

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Vor einiger Zeit wurde mir bewusst, dass mir in der Fotografie die Leichtigkeit und das Spielerische verloren gegangen ist. Wenn ich zum Fotografieren ausrücke, dann praktisch nur mehr mit zwei Kameras, einem Supertele, einem Standardzoom, Tragesystem für die Ausrüstung und Rucksack auf dem Buckel.

Ich erinnere mich gut an meine erste Zeit mit der Olympus OM-D E-M5 und den Spaß den mir die kleine Kamera machte. Sie gilt als die erste wirklich gute spiegellose Systemkamera. Und nicht nur deshalb ist sie in meinen Augen der bedeutendste Meilenstein im Kameradesign seit Luigi Collani in den 1980er Jahren für Canon eine Kamera mit organischer Form gestaltet hat. Olympus hatte bereits mit der ersten Pen den Retro-Trend losgetreten. Schon damit ist es Olympus’ Designern gelungen nicht einfach neue Technik in altes Design zu packen. Vielmehr haben sie die klassischen Designs neu interpretiert. Das gelingt niemandem so gut wie Olympus (Leica ist ein anderes Thema). Und mit der OM-D E-M5 gelant es ihnen besonders gut. Ich war damals zwar überzeugter Nikon-User, doch in das Design der E-M5 verliebte ich mich bereits als ich nur einen Ausschnitt des Body auf einer Gerüchteseite sah. Der Ausschnitt findet sich am Ende eines Artikels von 2012.

Wenn ich mich recht erinnere hatte ich für meine E-M5 in der ersten Zeit nur ein 20mm Panncake von Panasonic und ein 45mm ƒ1.8 M.Zuiko. Ich liebte die Kamera. Sie erinnerte mich an die analogen Spiegelreflexkameras meines Vaters in den 70er Jahren. Nicht die Form allein. Auch die Haptik hat mehr mit deren Metallgehäuse gemein, als mit den Plastikbombern die Kameras seit den 80ern sind. Eine Yashica FX-1 (1975) oder Olympus OM-1 (1972) Spiegelreflexkamera haben recht genau dieselben Maße. Kameras waren damals nicht so fett, wie sie ab den 90ern und noch vielmehr digital geworden sind.

Klappdisplay, elektronischer Sucher, Vergrößerung bei manueller Fokussierung, Auslösen per Touch und ein AF der sich, im Vergleich zur Lumix G3 die ich davor hatte, extrem bissig anfühlte, ließen mich Fotografie ganz neu entdecken.

Das war 2013. Nachdem ich die E-M1 getestet habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft und bin auf Olympus umgestiegen. Leider ist mir der Grund weshalb ich den Wechsel gemacht habe – die Leichtigkeit die mir das System vermittelte – über die Jahre abhanden gekommen. Ich spreche jetzt nicht von Gewicht. Ich meine Leichtigkeit im Sinn von mühelos. Die E-M5 machte Fotografie für mich zu dem Kinderspiel, das sie einmal war als ich damit angefangen habe.

Wenn ich meine Enkelinnen beobachte, sehe ich, was mir verloren gegangen ist. Sie – vor allem die Jüngere – betrachten die Welt voller Neugier. Jeder Kieselstein kann sie faszinieren und fesseln. Und danach der nächste Kiesel daneben. Sie sehen auf einem Meter mehr Faszinierendes, als wir oft bei einem ganzen Spaziergang durch unsere Stadt.

Ich möchte diese Leichtigkeit zurück holen. Nicht die der Kinder – das wäre etwas vermessen. Aber die Leichtigkeit die ich verspürte als Fotografie für mich neu war und die ich 2013 mit der E-M5 wieder entdeckte. Deshalb habe ich mich heute entschlossen mit leichter Gerätschaft auf den Weg zu gehen. Natürlich mit einer Festbrennweite. Einen Moment überlegte ich die E-M1 II mit einem 25mm ƒ1.2 zu nehmen. Dann entschied ich mich aber doch anders und wählte kleinere E-M5 II mit der winzigen 15mm ƒ1.7 Lumix-Linse.

Wenn man kein Kind im Vorschulalter mehr ist, ist unser Ort leider wirklich keine Goldgrube für Entdeckungen. Ein Abstecher in die Pfarrkirche der Gemeinde war schon geplant. In Kirchen herrscht meist Low-light und da mir das Thema High-ISO heute schon untergekommen ist, lockte es mich für ein paar Aufnahmen dahin.

Danach machte ich einen Abstecher in den Wald um ein paar Aufnahmen des Bachs dort in Langzeit einzufangen. Einen variablen ND-Filter dafür hatte ich dabei. Für die Fotos stieg ich ins Bachbett und folgte ihm einige Meter um mehrere Aufnahmen zu machen. Ich möchte nicht von Wunder sprechen, aber etwas Glück war wohl dabei, dass ich nicht mit dem Fuß in den Bach getreten oder ganz hinein gefallen bin. Die Bilder aus dem Bachbett habe ich anschließend überwiegend wieder entsorgt. Zwar waren mir trotz mehrerer Sekunden Verschlusszeit aus freier Hand ein paar scharfe Langzeitbelichtungen gelungen. Aber Detailschärfe allein macht halt noch kein herzeigbares Foto.

Begeistert hat mich anschließend auch die Entwicklung der Aufnahme in Capture One Pro 20. Mit dem neuen HDR-Tool lässt sich wirklich deutlich mehr aus Tiefen und Lichtern herausholen als bisher. Dabei habe ich bei mehreren Aufnahmen die Schattenaufhellung an den Anschlag geschoben, ohne dass nennenswertes Rauschen sichtbar geworden wäre. Das sieht vielversprechend aus.

Meine Ausrüstung heute: Olympus OM-D E-M1 II, variabler ND-Filter, Tasche von Tenba, Handschlaufe von Peak Design
Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica DG Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (15mm KB) | ƒ8 | 1/80 | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15.0mm (30mm KB) | ƒ1.8 | 1/1250s | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ1.7 | 1/640s | ISO200 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf einer Belichtung. Lichter und Schatten wurden mit der neuen HDR-Funktion in Capture One Pro 20 verbessert. Rauschen ist trotz ISO1600 praktisch kein Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 1/20s | ISO1600 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf 5 Belichtungen die mit Aurora HDR zu einem HDR-Bild vereint wurden. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass hier die Facettenfenster Zeichnung enthalten, die in der Einzelbelichtung untergehen. Die fünf Aufnahmen entstanden ohne Stativ aus freier Hand. Auch hier wurden die Schatten extrem angehoben. Auch hier ist Rauschen kein nennenswertes Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s–1/80s | ISO200–ISO800 | Aurora HDR und DxO ViewPoiint
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO250 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO500 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO400 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO320 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 2,5s | ISO200 | Capture One Pro 20

Video: Robin Wong über Low-light-Fotografie mit MFT

Posted in Theorie & Technik

»You can’t shoot on high ISO with MFT«, heißt es meist. Dass das schwierig ist glaub(t)e ich (bislang) auch. Dieses Video von Robin Wong und die Bilder die er darin zeigt lässt mich noch einmal gründlich darüber nachdenken. Ich habe keinen Zweifel, dass dieselben Aufnahmen mit einer Kamera mit größerem Sensor bei 100-%-Vergleichen cleaner wären. Doch wer behauptet, er sehe den Bildern im Video an, dass sie mit MFT statt mit Vollformat gemacht wurden, flunkert. Natürlich verschleiert ein Video Qualitätsmängel ein bisschen. Doch diese Aufnahmen wirken so clean, dass ich sie wohl selbst davon ausgegangen wäre, dass sie eher mit APS-C oder Vollformat gemacht wurden, als mit MFT, wäre ich in anderem Kontext darüber gestolpert. Gerade die deutlich bessere Rauschreduzierung von Capture One Pro 20 könnte ein weiteres hinzu tun, dass auch MFT in Zukunft unter Low-light-Situationen noch besser nutzbar ist.

Was haltet ihr, liebe Leser davon, dass ich inzwischen immer wieder Videos teile? Mir selbst kam irgendwann der Gedanke, dass Videos die ich interessant finde, vielleicht auch andere interessant finden, und die beste Möglichkeit interessantes zu teilen ist für einen Blogger natürlich sein Blog. Leider weiß ich nicht, ob da gelegentlich auch für euch Interessantes dabei ist, auch deshalb, weil die meisten Videos die ich teile englisch sind. Teilen hat natürlich wenig Sinn, wenn eigentlich niemand etwas geteilt haben möchte (wobei bei diesen Artikeln der Aufwand natürlich überschaubar ist). Es ist sogar kontraproduktiv, wenn es Abonnenten meines Blogs eher nervt. Statistiken, um herauszufinden, was beliebt ist und was auf wenig Interesse stößt, nutze ich wegen des Datenschutzes schon lange nicht mehr. Wenn ihr also eine Meinung dazu habt, hinterlasst sie bitte in einem Kommentar.

Weshalb ich Captcha in die Kommentare eingebaut habe

Posted in etc.

Vor wenigen Wochen las ich in einem Kommentar ich würde manche Kommentare unterschlagen, was wohl unterstellte, dass ich Meinungen lösche die mir nicht gefallen. Tatsächlich habe ich das noch nie gemacht. Ich würde es natürlich tun, wenn ein Kommentar beispielsweise beleidigend wäre, aber nicht weil ich eine formulierte Ansicht nicht teile. Da noch weitere Leser anmerkten, dass ihnen das auch schon passiert sei, habe ich begonnen die Sache im Auge zu behalten und meinen Spam-Ordner täglich zu checken. Tatsächlich fand sich daran jeweils zwischen ein paar Hundert Spam-Kommentaren ein echter.

In der Zwischenzeit nutze ich einen anderen Spam-Filter in dessen Spam-Ordner ich seither keinen echten Kommentar mehr fand. Allerdings ist es bei Ein- bis Zweihundert Spam-Einträgen täglich etwas mühsam zu überprüfen, dass nicht doch einmal ein Kommentar unter die Räder kommt. Deshalb habe ich zusätzlich ein Captcha vor das Absenden eines Kommentars gesandt und seither hatte ich nur mehr einen Hand voll Spam-Einträge.

Wie denkt ihr darüber? Lieber riskieren, dass gelegentlich ein Kommentar im Spam-Filter versandet, oder ist Captcha für euch akzeptabel, wenn es sicher stellt, dass eure Kommentare auch wirklich durchkommen?

Video: Thomas Fitzgerald’s First Look on Capture One Pro 20

Posted in Digitale Dunkelkammer

Vor einigen Tagen hat Phase One Capture One Pro 20 veröffentlicht und heute früh stolperte ich beim Check meiner News-Seiten auf 43rumours.com über einen Artikel mit ein paar Videos die die Neuerung beschreiben. Dieses hier hat mir darunter am besten gefallen und ich dachte das könnte auch für einige Leser meines Blogs interessant sein, weshalb ich es hiermit teile.

Warum ich meine Mission für wichtig halte

Posted in Bilder & Gedanken

Sumpfmeise | Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420mm (840mm KB) |ƒ5.6 |1/250s | ISO1600 | Capture One Pro

Auf meinen vor wenigen Stunden geteilten Post über »Fotografen und Techniker« erhielt ich einen Kommentar der mir interessant genug schien, ihn als zusätzlichen Post zu veröffentlichen. Darin schrieb der freundliche Leser unter Anderem: »Es macht daher in meinen Augen keinen Sinn sich darüber zu échauffieren, was andere selbsternannte Fachleute zu Mft schreiben, posten etc. Es gilt noch immer der Satz: Das beste System ist das, mit welchem ich gut klar komme, und welches meine Anforderungen erfüllt. Alles andere ist Stimmungsmache. Da muß aber jeder seine eigene Erfahrung machen.«

Dem stimme ich grundsätzlich zu. Am liebsten würde ich über die Leute die ich kritisiere einfach nur den Kopf schütteln oder die Achseln zucken. Die Artikel die ich ihnen entgegen setze benötigen ja nicht nur Zeit zum Lesen – sie erfordern noch viel mehr Zeit sie zu schreiben. Leider wissen wir alle, dass der Kameramarkt dramatisch schrumpft. Überleben werden die, denen es gelingt sich anzupassen und gesundzuschrumpfen. Hoffen wir, dass am Ende mehr als zwei oder drei Marken übrig bleiben.

Für Olympus hoffe ich, dass der Mutterkonzern seine Imaging-Tochter lange genug durchfüttert, bis sich die Branche konsolidiert hat und die verbleibenden Marken wieder mit Gewinn arbeiten können. Wir wissen aber auch alle, dass weder für Olympus eine Gewissheit gibt in einigen Jahren noch am Markt zu sein, wie auch für einige andere Marken. Und ich weiß auch, dass ich allein dadurch, dass ich das schreibe, ein zufällig vorbeikommender Interessent an MFT vorbei kommen, das lesen und denken könnte, oh, wenn sogar ein ›Fan‹ nicht so recht an die Zukunft des Systems glaubt, dann greife ich vielleicht besser zu Sony oder Canon.

Dabei werden meine Artikel am Kameramarkt wenig Schaden anrichten. Anders sieht es da schon aus, wenn ein YouTube-Kanal 1,5 Millionen Abonnenten hat und in der Community als eine Art Instanz in Sachen Fototechnik und -theorie gilt. Wenn der eine Marke für tot erklärt, wird sich das durchaus in den Umsätzen abbilden. Wir wissen ja auch, dass es zum Überleben eines Produkts nicht immer ausreicht gut und nützlich zu sein. Die Geschichte kennt genügend Beispiele in denen sogar ein besseres gegen ein minderwertigeres Produkt den kürzeren gezogen hat.

Natürlich sollen die Leute ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Aber wer neu in der Fotografie ist oder wenig Interesse an technischen Daten und Theorie hat, sucht meist nach Orientierung. Dabei verlässt man sich natürlich gerne auf Leute, denen man zutraut, etwas davon zu verstehen. Sind da dann nur mehr die Tech-Freaks am Wort, die die Qualität einer Kamera allein an Megapixel, Bildern pro Sekunde, Auflösung des elektronischen Suchers, Pixel-Peeping und Photonen pro Mikromillimeter Photodiode bemessen, während die Praktiker schweigen, wird aus subjektiven Meinungen so etwas wie allgemeine Wahrheit.

Ich vermute die meisten Fotografen verlassen sich bei dem, was sie über Fotografie als Fakten annehmen, im Großen und Ganzen auf das, was Leute sagen und schreiben, die sich – vermeintlich oder nicht – tiefer als sie in Technik und Theorie eingearbeitet haben. Die wenigsten haben Interesse daran alles selbst zu überprüfen und zu vergleichen, ob das, was theoretisch richtig sein mag, für sie praktisch überhaupt relevant ist.

Ich habe mit meinem ersten Buch über eine Kamera gelernt, nicht alles zu glauben und abzuschreiben, was in Fachbüchern, -magazinen und Foren zu lesen ist. Es gibt eine paar Fehler in dem Buch, die daher rühren, dass ich den Quellen meiner Recherchen vertraut habe. Natürlich muss ich mich noch immer auf meine Recherchen verlassen. Wenn ich über Farbe schreibe und es um Physik geht, dann kann ich das nicht selbst untersuchen. Doch soweit als möglich habe ich alles, was ich über Fotografie weiß und vertrete in der Zwischenzeit selbst getestet.

Ein Beispiel: Theoretiker behaupten, Bokeh sei ausschließlich Resultat von Blende und Abbildung abhängig und die Brennweite haben keinen Einfluss darauf. Das widerspricht natürlich jeder fotografischen Erfahrung, aber manch Leute vertrauen mehr in die Theorie als in die Praxis. Ich wollte es genau wissen und habe es selbst getestet. In diesem Artikel beschreibe ich, weshalb es zwar theoretisch richtig ist, praktisch jedoch falsch.

Wenn eine kleine Tech-Geek-Community die Meinunghegemonie in der Fotografie überlassen bekommt, werden sich alle Fotografen die wenig Interesse an eigenen Studien und Tests haben an deren Ergebnissen orientieren. Ich betrachte es deshalb ein bisschen als meine Mission dieser Tech-lastigen Sichtweise eine differenziertere und mehr an der fotografischen Praxis orientierte Sichtweise entgegen zu setzen.

Die Geeks haben zwar (meist) nicht unrecht mit dem was sie zu berichten haben. Sie haben nur unrecht, wenn sie behaupten sie seien objektiv, sie wüssten die Wahrheit und jede andere Ansicht sei Unwahr oder sogar »LÜGE« – um zum Abschluss noch ein Wort zu verwenden, das Tony Northrup so gerne verwendet.

Fotografen und Techniker

Posted in Bilder & Gedanken

Zaunkönig | Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | 5.6 | 1/40s | ISO1600 | Capture One Pro

Ursprünglich waren Blogs Internet-Tagebücher. Mein Internet-Tagebuch befasst sich mit Fotografie und Gestaltung. Der Schwerpunkt hat sich über die Jahre hinweg vom Grafikdesign zur Fotografie verlagert hat. Das heißt nicht, dass Design eines Tages wieder mehr zurückkehren kann. Grafikdesign, Typografie Fotografie sind gehören zu meinen größten Leidenschaften. Für was ich daneben brenne, ist, Dinge zu erforschen, zu verstehen und Anderen zu vermitteln. Deshalb bin ich Fachbuchautor und Referent. Wenig ist für mich befriedigenden, als wenn es mir gelingt eine komplexe Sache so zu erklären, dass sie auch für Nicht-Experten greifbar wird. Schön, dass ich meine Begeisterung für das Erklären mit meiner Leidenschaft für Fotografie und Gestaltung verbinden konnte um davon zu leben.

Wie in einem Tagebuch üblich, befasse ich mich im Blog mit Dingen die mich bewegen (zumindest wenn es die Zeit zulässt – derzeit allerdings eigentlich gar nicht der Fall, aber ich fühle mich halt gerade ziemlich bewegt). Als MFT-Enthusiast beschäftigt mich – besser gesagt, nervt mich –, was permanent von vielen Seiten über das System verbreitet wird. Regelmäßige Leser wissen das und haben es zuletzt wohl auch mehr als oft genug gelesen. Doch ich gehe davon aus, dass das Gros der Besucher nur einmal auf einer themenbezogenen Suche vorbei kommt und lediglich einen Artikel liest. Deshalb kann ich hier – anders als ein einem Buch – nicht so recht auf Wiederholungen verzichten. Ich hoffe, dass die Abonnenten des Blogs dennoch immer wieder interessante Gedanken in und zwischen den Zeilen finden.

Leider fehlt mir die Hoffnung, dass das MFT-Bashing sobald aufhören wird. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir Freunde des Systems nicht locker lassen eine Gegendarstellung zu liefern. Wenn man zulässt, dass nur mehr Unsinn verbreitet wird, wird der Unsinn früher oder später als Tatsache wahrgenommen. Selbstverständlich haben viele Argumente gegen MFT Hand und Fuß und sind kein Unsinn. Unsinn ist allerdings subjektive Anforderungen und Vorlieben als objektive generelle Wahrheit zu präsentieren und die Dinge einseitig zu betrachten.

Das Internet bietet großartige Möglichkeiten sich mit einer Sache zu befassen. Ich nutze es nahezu täglich für irgendeine Recherche, mittlerweile schätze ich dafür auch YouTube sehr und habe ja auch selbst einen derzeit etwas ungepflegten Kanal. Wer nach »Fotografie« sucht, findet Videos ohne Ende. Portale, wie dpreview.com und große Fachhändler wie Adorama veröffentlichen Videos, selbständige Vlogger haben eigene Kanäle und manche enorme Gefolgschaften. Allerdings dominieren in vielen dieser Kanäle die Techniker und Tester. Sie interessieren sich für die Features einer Kamera, suchen nach der großen Innovation jedes neuen Produkts, testen ob die Kamera schneller als das Vorgängermodell sowie die Modelle der Mitbewerber ist und manche können die Vorgänge beim Fotografieren bis ins kleinste physikalische Detail beschreiben. Der Praxisbezug fehlt da zu oft. Sie bekommen ein Produkt in die Hand, verwenden es ein paar Tage und geben ihr Urteil ab. Langzeittests sind eher die Ausnahme. Es ist aber nicht nur in der Fotografie so, dass sich die Qualität und der praktische Nutzen eines Produkts für einen persönlich erst nach einiger Zeit herausstellt.

Ich habe auch einmal versucht Produkte (kurz) zu testen und hier im Blog meine Eindrücke zu beschreiben. Mein Schlüsselerlebnis und das Ende dieses Vorhabens war ein Test einer Lumix – ich glaube es war eine Vorgängerin der GX9. Mein Erfahrungsbericht kam einem Verriss gleich. Ich wurde mit der Kamera einfach nicht warm. Doch parallel zu meinem Video stolperte ich über Erfahrungsberichte anderer Fotografen die sich begeistert zeigten und auch der eine oder andere Kommentar wies in diese Richtung. Das machte mir bewusst, wie subjektiv meine Bewertung war und ich nahm das Video vom Netz.

Was mir an tecknik-, theorie- und testlastigen Blogs auffällt, ist, dass die Bilder der Tester und Vlogger nur selten umwerfend sind. Zwar sieht man manchmal, dass die Leute ihr Handwerk verstehen, aber umwerfende Bilder sehe ich da selten. Ich überprüfe natürlich nicht, was diese Leute außerhalb ihrer Blogs ausstellen, aber wenn sie dort bemerkenswerte Fine-Art zeigen sollten sie ein bisschen was davon auch im Vlog sehen lassen – mir würde es helfen sie ernster zu nehmen. Oft sieht man sogar – das ist in Print-Magazinen nicht anders –, wenn über ein Objektiv oder eine Kamera berichtet wird, Beispielfotos die nichts anderes sind als schnelle Schnappschüsse. Ich denke mir dann oft, dass es mir persönlich peinlich wäre solche Aufnahmen von mir zu veröffentlichen.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich halte mich nicht für einen großartigen Fotografen. Ich glaube mein Talent liegt eher darin Dinge zu erforschen und didaktische Konzepte zu entwickeln, die das Verstehen erleichtern und das in einer verständlichen Sprache rüber zu bringen – zumindest entnehme ich das vielen Feedbacks zu meinen Büchern und Seminaren.

Für jemanden, dessen Augenmerk vor allem auf der Technik, der fotografischen Theorie, optimalen Testergebnissen im Labor und den Kennzahlen von Datenblättern liegt, kann MFT natürlich nicht lieben. Fotografen denen es jedoch mehr um Fotografie als um Technik geht sehen das – das ist zumindest mein Eindruck – etwas anders. In der Vloggosphäre der MFT-Freunde auf YouTube kommen umwerfende Fotos viel häufiger vor, als in der Community der Tech-Freaks. Das ist zumindest mein Eindruck. Ich behaupte nicht, dass dieser Eindruck objektiv ist. Ich möchte allerdings ein paar Videos und Vlogger vorstellen, die mir diesen Eindruck vermittelt haben.

Gavin Hoey

Gavin Hoey lernte ich auf dem Kanal von Adorama kennen, als ich mich vor einigen Jahren intensiver mit entfesselten Blitzen befasste. Damals fotografierte er mit einer Canon Vollformatkamera.

Seit einigen Jahren sehe ich Hoey nur mehr mit einer OM-D E-M5. Was mir an ihm gefällt, ist, dass er mit wenig Aufwand tolle Aufnahmen inszeniert und, dass er es zu beschreiben versteht, so dass es jeder nachmachen kann. Irgendwann sah ich auch einmal ein Video von ihm indem gleich mehrere beeindruckende Bilder von ihm in Serie zu sehen waren, aber das habe ich auf die Schnelle leider nicht mehr gefunden. Deshalb habe ich dieses ausgesucht.

Steve Huff

Steve Huff liebt alle Kameras und Marken – Olympus ebenso wie Leica. Er betreibt auch einen beliebten Blog unter stevehuffphoto.com. Ich habe den Eindruck als reise er Jahr ein Jahr aus in Sachen Fotografie die Welt. Steve Huff ist Tester aber er scheint dabei Fotograf geblieben zu sein. Man sieht seinen Aufnahmen den fotografischen Blick an. Ich habe Bilder anderer Vlogger gesehen, die auf derselben Produktvorstellungsveranstaltung für die E-M5 III waren, aber Huffs Aufnahmen sind um Welten besser. Seine Erfahrungsberichte sind sehr viel praxisbezogener, als die vieler anderer Foto-Blogger. Bei aller Liebe zu Kameras und ihren Hersteller ist er immer auch kritisch. Vor einigen Jahren hörte ihn erzählen, dass im Fuji keine Testmodelle mehr zur Verfügung stellte, weil er sie immer sehr kritisch kommentierte. Er hat sich die Modelle dann selbst gekauft um sie testen zu können (man muss gut verdienen als erfolgreicher Foto-Blogger – wenn ich das nur auch von mir sagen könnte!) Irgendwann sah ich dann ein Video über eine neuere Fuji von ihm, indem er sich sehr angetan vom Modell zeige und erklärte, dass viele der Punkte die er an früheren Modellen kritisierte, jetzt behoben seien.

Steve Goslin

Das folgende Video von Steve Goslin habe ich bereits einmal geteilt, weil er zwei Systeme nutzt: Eine Phase One Mittelformatkamera und eine OM-D E-M5. Seine Aufnahmen zeigen, dass er ein exzellenter Fotograf ist. Als Anwender einer Phase One sollte er in Sachen Bildqualität und Auflösung verwöhnt sein. Dass er daneben mit MFT fotografiert darf man ruhig als Beleg nehmen, dass das System für Profis nicht unbrauchbar ist. Hobby- und Amateurfotografen die das so sehen, sollten vielleicht einen Moment darüber nachdenken – hauptberufliche Tester dürfen das natürlich auch.

James Popsys

Auf den britischen Inseln scheinen aus irgendeinem Grund sehr sympathische Vlogger zu wachsen. Einer der sympathischten jungen Leute die ich auf YouTube bislang überhaupt gesehen habe, ist Matt Gould – er schießt Vögel mit Vollformat und soll deshalb nur beiläufig erwähnt werden (wer Vogelfotografie mag, sollte in seinem Kanal vorbei schauen). Nicht weniger gerne schaue ich Jamges Popsys zu. Ein Besuch auf seiner Site zeigt, dass er Fotograf ist und fotografieren kann. Er kam von einem größeren System (ich glaube APS-C) zu MFT. In diesem Video erklärt er, weshalb Vollformat nicht das richtige Werkzeug für ihn ist und er bei Lumix G bleiben wird.

Joe Edelman

Joe Edelman kann nicht nur wahnsinnig schnell sprechen – er kann auch herausragend fotografieren. In diesem Video erklärt er die Produktion eines Fotos für ein 14,6m langes Großflächenplakat, das mit einer OM_D E-M1 II entstand.

Chris Eyre-Walker

Noch einer der Fotografieren kann und es mit MFT tut. Auch hier kann man sich auf seiner Site davon überzeugen. Dieses Video, indem er in 24 Stunden 24 Fotos in ganz Belgien macht, stammt aus seine YouTube-Kanal. Es hat mich selbst daran erinnert, dass ich in letzter Zeit nur mehr mit auch für MFT-Verhältnisse schwerem Gerät unterwegs bin, und dabei aussehe wie ein dicht bepackter Esel. Die Leichtigkeit, die ich entdeckt habe, als ich zum ersten Mal mit einer OM-D E-M5 auf den Weg ging, habe ich über die Jahre hinweg wieder verloren. Ich habe mir vorgenommen, sie nach Möglichkeit wiederzuentdecken.

Das sind nur einige Videos und Kanäle exzellenter Fotografen die mit MFT arbeiten die ich über die Jahre hinweg gesehen habe und die ich für diesen Artikel wieder fand, weil ich sie in einer Liste gespeichert habe oder den Vloggern folge. Natürlich schaue ich ebenso Videos von exzellenten Fotografen an, die mit anderen Systemen arbeiten und deren Bilder nicht minder beeindruckend sind. Was echte Fotografen verbindet – egal ob sie mit kleinen oder großen Sensoren arbeiten – ist, dass es ihnen um die Fotografie geht. Viele davon zeigen sich auch begeistert von ihrem Werkzeug und erklären warum. Aber von kaum einem dieser teilweise über lange Jahre erfahrenen Anwender vernimmt man, dass sie sich abfällig über andere Systeme äußern. Sie erwähnen vielleicht, weshalb ihr System ideal für sie ist. Es gilt die Devise, get the right tool for the right job! Systeme für rubbish oder dead zu erklären tun in erster Linie Leute, denen es mehr um die Technik als um die Fotografie geht.

Ben Aqua

Dieses Video füge ich am 10.12.19 nachträglich diesem Artikel hinzu, da es ihn ergänzt und hier besser aufgehoben ist, als in einem eigenen Post. Ich gehe davon aus, dass das Gros der Leute die behauptet man könne mit MFT nicht vernünftig fotografieren, das aus Hörensagen tun und sich niemals selbst ausreichend mit dem System befasst haben, um das aus eigener Erfahrung bestätigen zu können. In meinen Augen sind solche Meinungsbekundungen irrelevant, da sie eben nichts anderes als nachgeplapperte Vorurteile sind.

Wirklich interessant finde ich an Urteilen über ein System vor allem jene, die von Leuten getroffen werden, die die Systeme wirklich aus längerer Praxis kennen. Ich selbst lehne mich bei dem Thema nur deshalb aus dem Fenster, weil ich mehrere Jahre mit Vollformat fotografiert habe, Bücher über Vollformatkameras geschrieben habe und, nachdem ich mir eine MFT ohne Absicht Vollformat zu ersetzen zugelegt hatte, entdeckte, dass ich damit meine Art der Fotografie genau so gut betreiben kann, bei weniger Gewicht und mehr Spaß.

Alle Fotografen, die ich weiter oben vorgestellt habe, und noch viele mehr, über die ich auf YouTube stolperte, wissen worüber sie reden, wenn sie MFT mit Vollformat oder APS-C vergleichen, weil sie mit den größeren Sensoren arbeiteten bevor sie auf das kompaktere System umgestiegen sind. Natürlich finden sich ebenso Videos von Leuten die erklären, weshalb sie den umgekehrten Weg gegangen sind. Dabei werten die Wenigsten die einen Wechsel vorgenommen haben das System das sie verließen ab. Die meisten sagen einfach, es war nicht mehr das richtige Werkzeug für mich, das neue passt mir besser. Ben Aqua nennt das Video unten zwar »Why I ditched full frame«, aber er relativiert das auch, dass es etwas hart formuliert sein und, dass er viel Spaß mit seiner Canon hatte. Im weiteren führt der dann Gründe an, weshalb das Lumix-G-System für ihn das bessere Werkzeug ist.

Oddbjørn Austevik

Nachtrag 10.12.19: Man könne mit Aufnahmen einer MFT-Kamera keine großen Print machen, heißt es. Eine sehr relative Aussage, schließlich ist alles relativ – ich jedenfalls behaupte das, unter anderem in diesem Artikel. Dass man sehr wohl großformatige Bilder aus MFT-Aufnahmen erstellen kann, habe ich auch schon mit früheren Videos geteilt, unter anderem in meinem Artikel »Zeit für Olympus«. In meinem Artikel »Auflösung und Druckformat« finden sich ein paar Tabellen mit Richtwerten wie groß sich Bilder bei welchen Auflösungen und welchen Betrachtungsabständen drucken lassen.

Es gibt Motive bei denen tatsächlich davon auszugehen ist, dass der Betrachter bis auf die Lesedistanz von etwa 45cm – der Betrachtungsabstand, bei dem eine Auflösung von 300ppi relevant ist – an ein Bild herangehen um Details in Augenschein zu nehmen. Das sind aber seltene Ausnahmen. Der überwältigende Anteil der Motive wird aus umso größerer Entfernung betrachtet, je größer das Format ist. Anders lassen sich Bilder gar nicht erfassen. Wer würde sich schon im Kino freiwillig in die erste Reihe setzen?

Bei Prints im Format A1 kann man von einem Betrachtungsabstand von 2m ausgehen, wofür 60ppi ausreichend sind, bei A0 geht man von 3m aus, wofür 45ppi ausreichen sind. Wer nicht glaubt, dass bei größeren Abständen geringe Auflösungen keinen Unterschied mehr machen, soll sich einfach fragen ob ihm oder ihr schon einmal aufgefallen ist, dass Großflächenplakate üblicherweise mit einer Auflösung von 30ppi gedruckt werden. Mehr würde dabei gar nichts bringen, denn die Auflösung des Druckrasters ist zu gering mehr Auflösung des Digitalbildes zu transportieren. Betrachtet man diese Poster aus 45cm Distanz, sieht man vor allem riesige Rasterpunkte. Diese Rasterpunkte sind aber schon ab wenigen Metern Abstand nicht mehr zu erkennen, da das Auflösungsvermögen der Augen dafür nicht ausreichend ist.

Das Video unten zeigt eindrücklich, wie große Prints mit 16MP- und 20MP-Kameras und mit MFT möglich sind. Zwar zeigt der Fotograf auch ein paar Detailaufnahmen in denen Störungen und Pixel zu identifizieren sind. Aber wer sich daran stößt, setzt sich im Kino wahrscheinlich auch in die erste Reihe um möglichst feine Details erkennen zu können. Er wird dann halt von der Handlung an sich nichts mitbekommen. Ich habe das notgedrungen ein einziges mal gemacht und am Ende kam ich mir vor wie ein Krebs, der seine Augen in zwei verschiedene Richtungen zur gleichen Zeit drehen kann.

Worum es bei meiner Kritik an Panasonic geht

Posted in Erfahrungsberichte

Meine Serie über meine Erfahrungen mit dem Panasonic-Kundenservice (hier in Österreich) umfasst ja mittlerweile schon mehrere Kapitel und es werden wohl noch mehr. Gestern hat sich Panasonic Deutschland bei mir gemeldet und vielleicht kommt ja doch endlich Bewegung in die Sache.

Meine Kritik richtet sich an sich nicht gegen das Lumix-G-System. Auf Seiten der Kamera kommt mir eine OM-D zwar mehr entgegen als die Modelle von Panasonic aber ich liebte die GM1, habe mir viele Modelle genauer angesehen und würde auch zwei G81 besitzen, wenn nicht eine davon schon von Beginn an Staub am Sensor gehabt hätte und Panasonic Wochen benötigte die Sache zu bearbeiten und zur Art der Bearbeitung geschwiegen hat. Ich erwarte bei einem Produkt das von Beginn an schadhaft ist einen Austausch, keine Sensorreinigung.

Probleme mit Produkten kommen immer wieder vor. Ich hatte die Nikon D600 das ein massives Problem mit Staub auf dem Sensor hatte, weshalb die Kunden sie dann auch gegen eine D610 tauschen konnten. Mir fallen Schrauben aus deinem Olympus-Telekonverter und das gepriesene M.Zuiko 17mm ƒ1.8 ist bekannt dafür, dass zahlreiche Montagsmodelle unterwegs sind. Meines zeichnete nur Matsch auf. Ich hatte mit Nikon niemals Probleme in einer Service-Angelegenheit und bei Olympus bin ich nicht über jede Handhabung glücklich, aber unterm Strich will ich mich auch darüber nicht beschweren.

Dass sich Sand unter den Zoomring des Panaleica 100–400mm schlich ist eine Sache. Ich hätte mich nie beschwert, wenn die Reinigung einen niedrigen dreistelligen Betrag gekostet hätte. Aber der Voranschlag in der Höhe des neuen Produkts legt nahe, dass man es schlicht ausgetauscht hätte. Produkte zu entsorgen anstatt zu reparieren ist in meinen Augen keine Lösung in einer Zeit, in der man an sich Ressourcen sparen und sie möglichst lange nutzen sollte. Und dass man ein Produkt als abgedichtet gegen Staub bewirbt aber in einem Reparaturfeedback anmerkt es sei nicht dagegen abgedichtet ist auch inakzeptabel, auch wenn der Konsumentenschutz offensichtlich nichts dagegen hat.