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MFT-Superteleobjektive im Schärfetest

Posted in Erfahrungsberichte

Bachstelze | Olympus OM-D E-M1 III | M.Zuiko 100-400mm ƒ5.0–6.3 | 400mm (800mm KB) | ƒ6.3 | 1/1600s | ISO1600 | ProCapture-Modus | Capture One Pro | Topaz DeNoise AI

Seit Anfang September bin ich mit dem Olympus M-Zuiko 100–400mm ƒ5.0–6.3 unterwegs und habe es mit dem Panasonic 100–400mm ƒ4.0–6.3, dem Olympus 40–150mm ƒ2.8 mit 2-fach-Konverter, dem Olympus 300mm ƒ4 mit 1,4-fach-Konverter, einer Sony A7R IV mit Sigma 100–400mm ƒ5.0-6.3 und einer Sony A7 III mit demselben Telezoom verglichen – die Berichte über den Vergleich mit den Sony Vollformatkameras folgen.

Die Untersuchungen fanden im Wildpark in meinem Wohnort statt, am Luchs-, Wildkatzen-, Wolfs- und Murmeltiergehege. Fazit der Praxistests: Die Qualität der Ergebnisse ist vergleichbar. Keine der Optiken hat die anderen in die Tasche gesteckt. Mit allen sind trotz ungünstiger Lichtverhältnisse und entsprechend hoher ISO-Werte ansprechende Aufnahmen zu erzielen.

Allerdings spiegeln die Tests im Tierpark zwar die Realitäten in denen wir Tierfotografen Fotos aufnehmen, aber jedes Anheben der ISO-Empfindlichkeit zermatscht natürlich etwas die Detailschärfe, wodurch Unterschiede in der Abbildungsleistung der Optiken im Rauschen untergehen.

Um ein besseres Bild der Detailschärfe der Optiken zu gewinnen habe ich mit den Linsen meinen Testchart fotografiert und zwar jeweils mit normaler Auflösung von 20MP und im hochauflösenden Modus mit 80MP. Der hochauflösende Modus vergrößert die Schwächen und sollte somit ein genaueres Bild liefern. Ich zeige hier dennoch beide Varianten, da für die Praxis ja vor allem die Standardauflösung relevant ist. Ihr könnt die Bilder anklicken und in einem weiteren Klick vergrößern, um euch ein eigenes Bildzu machen, und ihr könnt die Bilder auch herunterladen. Die Aufnahmen entstanden jeweils bei Offenblende.

M.Zuiko 100-400mm ƒ5.0–6.3

M.Zuiko 100–400mm | Brennweite: 100mm (200mm KB) | 80-MP-Aufnahme
M.Zuiko 100–400mm | Brennweite: 100mm (200mm KB) | 20-MP-Aufnahme

Die Abbildungsleistung des 100–400 am kurzen Ende der Brennweite ist exzellent. Es liegt auf Augenhöhe mit dem 40–150mm bei 40mm und dem 300mm ƒ4 Pro bei – nun ja – 300mm, wobei eine etwas schärfevermindernde Wirkung der Telekonverter angenommen werden darf.

M.Zuiko 100–400mm | Brennweite: 400mm (800mm KB) | 80-MP-Aufnahme
M.Zuiko 100–400mm | Brennweite: 400mm (800mm KB) | 20-MP-Aufnahme

Unschärfer wird es naturgemäß am langen Ende der Brennweite. Das gilt aber nicht nur für das 100–400, sondern ebenso für das 40–150, das 300er und das Panasonic 100–400mm. Das 40–150mm mit Konverter zeichnet eine Spur schärfer ab, das 300er mit Konverter noch etwas detailreicher. Allerdings sind die Unterschiede so gering, dass es mich nicht wundert, dass bei meinen Praxistests anhand realer Motive kaum klare Unterschiede auszumachen waren.

Es ist anzunehmen, dass die Unterschiede gerade bei 300mm bzw. 400mm auch dadurch etwas verwaschen werden, dass ich keine Testaufnahmen wie ein professionelles Labor machen kann. Wer es ganz genau wissen will, muss woanders schauen – wenn jemand dazu interessante Quellen findet freue ich mich – und sicher auch andere Leser– über einen Link.

Panasonic 100–400mm ƒ4.0–6.3

Panasonic 100–400mm | Brennweite: 100mm (200mm KB) | 80-MP-Aufnahme
Panasonic 100–400mm | Brennweite: 100mm (200mm KB) | 20-MP-Aufnahme

Das Panasonic 100–400mm war für mich eine Überraschung, und zwar weil es am kurzen Ende des Zooms bei 100mm ausgesprochen unscharf zeichnet. Allerdings zeigt sich der dramatische Unterschied zu den anderen drei Linsen vor allem in der hochauflösenden Aufnahme bei 80MP. Mit der Standardauflösung von 20MP sind die Unterschiede dann doch eher überschaubar und wer fotografiert schon mit einem Supertele auf Stativ im hochauflösenden Modus? Wie in einem älteren Artikel berichtet ergibt der Freihand-hochauflösende Modus nur größere Dateien aber keine detailreicheren Bilder.

Wer das theoretisch Beste sucht, mag mit dem Panaleica 100–400mm vielleicht nicht ganz glücklich werden (wobei der wahrscheinlich eh nicht mit MFT fotografiert), wem hingegen etwas praktisch Gutes genügt, wird mit diesem Superzoom seine Freude haben – bei meiner Frau ist das jedenfalls bei jedem Ausflug und dem anschließenden Bildersichten der Fall.

Panasonic 100–400mm | Brennweite: 400mm (800mm KB) | 80-MP-Aufnahme
Panaonic 100–400mm | Brennweite: 400mm (800mm KB) | 20-MP-Aufnahme

Auch das Resultat am langen Ende des Zooms hat mich bei Panasonics 100–400mm überrascht. Nach dem Kauf meines ersten Panaleica Supertelezooms (das wurde wegen Staub von Panasonic ersetzt) habe ich einen Vergleichstest mit dem deutlich billigeren Panasonic 100–300mm angestellt und am langen Ende des Zooms keine wesentlichen Unterschiede festgestellt, weshalb ich die Abbildungsqualität des 100–400 danach als mäßig eingestuft habe.

Bei diesem neuen Vergleichstest mit den drei Objektiven von Olympus zeigt sich, dass das Panaleica 100–400 den anderen Probanden kaum nachsteht, weitgehend mit dem Olympus-Rivalen auf Augenhöhe abbildet und die Unterschiede zu 40-150 und 300 mit Konvertern erst im hochauflösenden Modus ein bisschen auszumachen sind. Das bestätigt meine Erfahrungen nach meinen Ausflügen mit Andrea, dass nämlich ihre mit dem Panaleica 100–400mm gemachten Aufnahmen kaum weniger detailreich und präzise wirken, wie meine mit der 300er Festbrennweite gemachten.

Olympus 40–150mm ƒ2.8 mit 2-fach-Konverter

M.Zuiko 40–150mm mit 2-fach-Telekonverter | Brennweite: 80mm (160mm KB) | 80-MP-Aufnahme
M.Zuiko 40–150mm mit 2-fach-Telekonverter | Brennweite: 80mm (160mm KB) | 20-MP-Aufnahme
M.Zuiko 40–150mm mit 2-fach-Telekonverter | Brennweite: 300mm (600mm KB) | 80-MP-Aufnahme
M.Zuiko 40–150mm mit 2-fach-Telekonverter | Brennweite: 300mm (600mm KB) | 20-MP-Aufnahme

Im 80-MP-Modus zeigt sich, dass das Pro-Zoom bei 80mm MFT (160mm KB) einen Hauch schärfer zeichnet bzw. geringfügig kontrastreicher abbildet, als das 100–400mm bei 100mm, wobei die Unterschiede wieder so gering sind, dass schwer zu sagen ist, welche Rolle die für absolut zuverlässige Vergleiche suboptimalen Testbedingungen spielen. Da ich jedoch meine Motive in der Regel nicht im Labor fotografiere, sind mir diese Differenzen einerlei – bei 20MP sind sie definitiv weitgehend irrelevant.

Am langen Ende der Brennweite fallen die Unterschiede etwas deutlicher aus. Durch dieses Plus an Detailschärfe glaube ich – ohne es getestet zu haben –, dass das 40–150 mit Konverter einen Teil der – wenn nicht die gesamte – kürzere Brennweite durch Interpolation wettmachen kann. Das gilt im Übrigen auch, wenn das 300mm ƒ4 Pro ohne Telekonverter zum Einsatz kommt.

Was heißt das für Interessenten am 100–400mm Telezoom von Olympus? Wer das 40–150mm und den 2-fach-Konverter bereits besitzt, wird mit dem neuen Zoom kaum Aufnahmen erzielen, die mit dem Pro+Konverter nicht möglich sind. Wer den Konverter noch nicht hat, kommt mit weniger als dem halben Preis in etwa den Zoombereich des 100–400mm. Vorteil des 40–150mm: Es ist ohne Konverter ein exzellentes Porträt-Objektiv und wird von mir bevorzugt eingesetzt, wenn ich mit den Enkeln unterwegs bin, ist also auch für alle Arten von Events gut geeignet. Wer nicht in erster Linie auf die Jagd nach Tierfotos geht, ist damit wohl besser bedient.

Wer das 40–150mm hingegen noch nicht besitzt und primär an der Fotografie von Tieren interessiert ist, der bekommt mit dem 100–400mm von Olympus ein sehr gutes Zoom für ein Drittel weniger, als das 40–150 + Konverter.

Olympus 300mm ƒ4 mit 1,4-fach-Konverter

M.Zuiko 300mm + 1,4-fach-Telekonverter | Brennweite: 420mm (840mm KB) | 80-MP-Aufnahme
M.Zuiko 300mm + 1,4-fach-Telekonverter | Brennweite: 420mm (840mm KB) | 20-MP-Aufnahme

Kommen wir zuletzt noch zum 300mm ƒ4 Pro. Wie zu erwarten zeichnet es von all diesen Objektiven am schärfsten, wobei der Unterschied bei angesetztem 1,4-fach-Konverter zum 40–150mm mit 2-fach-Konverter eher philosophischer Natur ist. In der Praxis sind bei 20MP die Unterschiede zwischen allen verglichenen Linsen relativ. Es gibt schon gelegentlich einmal eine Aufnahme bei denen Andrea und ich den Eindruck haben, dass mein 300er etwas schärfer abbildet, als ihr Panaleica 100–400mm. Als professioneller Fotograf wird man diesbezüglich vielleicht keine Kompromisse machen wollen, und zur Pro Festbrennweite greifen. Ob man sich das als Amateur auch leisten wird, wird wahrscheinlich vor allem vom Geldbeutel abhängen. Notwendigkeit sehe ich keine.

Es ist mit der Fotografie nach meiner bescheidenen Ansicht ja ein bisschen, wie mit der Homöopathie: Man muss nur fest daran glauben, dass eine bestimmte Ausrüstung bessere Aufnahmen macht, als andere, dann tut sie es auch.

Das 300mm ƒ4 Pro war lange Zeit meine absolut bevorzugte Linse in der Tierfotografie. Ich nutze es sowohl mit und ohne 1,4-fach-Konverter. Den 2-fach-Konverter habe ich daran hingegen kaum im Einsatz – das ist mir dann zu lang.

Irgendwann habe ich entdeckt, dass auch das 40–150mm mit 2-fach-Telekonverter eine exzellente Kombination ist, um auf die Jagd nach wilden Tieren zu gehen. Dennoch begleitet mich wohl zu etwa 80% das 300er. Für meinen Einsatz sehe ich in einem Zoom keinen großen Vorteil, denn egal ob Reh, Spatz, Storch oder Schmetterling: Ich komme selten so nah hin, dass ich auszoomen möchte. Nur wenn ich den 2-fach-Konverter an das 300er schraube habe ich zu oft einen zu engen Bildausschnitt.

Im Tierpark entdeckte ich allerdings eine andere Realität, als in der Wildnis. In dieser Situation ist ein Zoom die deutlich bessere Wahl, als eine Festbrennweite.

Ich beziehe meine Beurteilung hier generell auf die Detailschärfe im Zentrum des Bildfeldes. Die Ecken habe ich erst gar nicht untersucht, da ich den Blickwinkel kaum ausreichend exakt einrichten kann. Auch hier gilt: Wer es genau und objektiv wissen will, schaut bei den Seiten vorbei, die entsprechende Labortests veröffentlichen. Mir persönlich ist die Detailschärfe in den Ecken ohnehin eher Nebensache, da der Kern meiner Motive wohl nie in diesen Bereichen platziert ist. Ausgesprochene Architektur- und Landschaftsfotografen mögen das anders beurteilen. Aber die fotografieren auch nicht mit Supertele.

Links:

Anmerkung:

  1. Meine Tests von Kameras und Ausrüstung sind eigentlich eher Erfahrungsberichte. Ich suche nicht danach, was an den Produkten gut und was schlecht ist, sondern arbeite damit und berichte, was mir positiv auffällt, und was für mich eher kontraproduktiv ist. Mich interessiert nicht, was theoretisch technisch gerade State of the Art wäre, sondern lediglich ob sich etwas in der Praxis praktisch bewährt. Wenn beispielsweise ein Sucher für mich in der Praxis gut funktioniert, ist mir egal, wie groß oder hoch aufgelöst er ist. Generell lege ich den Fokus eher darauf, was mir an dem Produkt gefällt, als das Haar in der Suppe zu suchen.
  2. Die perfekte Kamera für alles und alle gibt es nicht! Es gibt nur the right tool for the job – die richtige Kamera für die Aufgabe. Schlechte Apparate leistet sich kein Hersteller.
  3. Ein gutes Foto ist primär ein interessantes Motiv, gekonnt gestaltet fotografiert. Perfekte Detailschärfe und Absenz von Rauschen spielt dabei eine vernachlässigbare Nebenrolle. Ich kann mit Rauschen besser leben, als mit langweiligen schlecht gestalteten Bildern.
  4. Alles, was ich schreibe ist subjektiv, und jeder soll seine eigene subjektive Meinung haben.
  5. Foto-Hebenstreit unterstützt mich seit Jahren mit Ausrüstung für meine Tests und Versuche – ohne ihn wären einige hier gepostete Artikel nicht möglich gewesen. Deshalb verlinke ich die besprochenen Produkte auch gerne und provisionsfrei mit dem Hebenstreit-Online-Shop (sofern dort verfügbar). Wer lieber über Amazon bestellt bekommt auch den Link dahin geliefert und ich, falls ihr etwas bestellt, ein paar Cents oder – wenn es etwas Größeres ist – ein paar Euro.

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