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Monat: Dezember 2015

Wieso manche Fotografen »fremde« Systeme schlechtreden

Posted in Fotografie

Ich habe wieder einmal ein Mail erhalten dessen Antwort mir für einen Artikel interessant zu sein scheint:

»Wieso gibt es eigentlich immer soviel Unmut über die diverse Kameramodelle, obwohl Viele gerne damit fotografieren? Man ist regelrecht überfordert, wenn man die Beiträge zu den MFT-Kameras liest. Gerne würde ich die OM-D E M5 kaufen, aber man rät mir von verschiedenen Seiten davon ab. Das hohe Rauschverhalten gibt hier wohl den Ausschlag.«

Das Schlechtreden anderer Systeme dient nach meiner Meinung bei den meisten Fotografen in erster Linie dazu sich das eigene System schönzureden – sich selbst zu bestätigen, dass man die besten Wahl getroffen hat. Meist wird dabei auf Basis von Nicht- und Halbwissen argumentiert, Argumente die das eigene System besser aussehen lassen werden in den Vordergrund gerückt, Nachteile des eigenen Systems ausgeblendet und ignoriert.

Leute die sich wirklich mit der Technik auskennen haben meist einen differenzierteren Blick und werden wohl nur selten von einem System als Ganzes abraten, auch wenn Kritik an Details immer angebracht ist und es sehr wohl Modelle gibt die tatsächlich keine Kaufempfehlung wert sind.

Jedes System, jede Marke hat Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen. Das System das in jeder Beziehung das beste ist gibt es nicht. Ich habe den Vergleich schon oft strapaziert: Ein Geländewagen und ein Sportwagen sind für zwei verschiedene Einsatzzwecke gedacht – da ist nicht das eine Konzept besser als das andere!

Geht es um die Qualität muss jeder selbst entscheiden ob MFT für die eigenen Anforderungen ausreichend ist. Dass ein Kleinbildsensor mehr zu leisten in der Lage ist steht außer Frage, auch in Sachen Rauschverhalten. Allerdings sind die Unterschiede, abgesehen von extremen Anforderungen, eher theoretischer Natur – im Labor messbar, in der Praxis nicht sichtbar.

Eine Einsteigerkamera wie die Olympus Pen E-PL7 um knapp 350 Euro steckt heute eine Nikon D700, die vor wenigen Jahren Maßstäbe in professioneller Abbildungsqualität setzte, sowohl bei der Auflösung als auch beim Rauschen ganz locker in die Tasche. Wieso soll plötzlich inakzeptabel sein was vor wenigen Jahren das professionelle Maß der Dinge war?

Natürlich leistet eine Kleinbildkamera bei Auflösung und Rauschen mehr als eine MFT-Kamera. Doch wenn maximal erreichbare Abbildungsqualität und Auflösung tatsächlich das alleinige Kriterium für den Kauf einer Kamera ist, dann muss ich in letzter Konsequenz wohl zu einer Phase One Mittelformat oder einer Leica S greifen.

Alle Systeme haben Vor- und Nachteile. Es gilt Prioritäten zu setzen und zu definieren welche Eigenschaften für einen selbst wichtig sind. Wenn es ausschließlich Auflösung und Rauschfreiheit ist – sei’s drum. Es spricht nichts dagegen Spaß am Pixelzählen zu haben. Für mich lautet die Frage aber nicht wie viel Qualität kann ich erreichen, sondern wie viel brauche ich! Und wenn ich da alle Pros und Contras untereinander schreibe und einen Strich unter die Gleichung mache, dann ergibt sich für mich MFT als das ideale System. Es wäre aber kompletter Unsinn meine Gleichung auf irgendeinen anderen Fotografen übertragen zu wollen. Also einfach Ohren zuklappen wenn Leute versuchen genau das zu tun.

Zu den Details der Vor- und Nachteile von MFT habe ich schon einige Artikel geschrieben – eine Suchabfrage findet alles was es auf meiner Seite rund um MFT zu lesen gibt.

Affinity Photo: Tonwertkorrektur mit Gradationskurven

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Gradationskurven sind das wichtigste Werkzeug, wenn es um Helligkeit, Kontrast und Farbkorrekturen geht. Auch wenn Affinity Photo in diesem Bereich noch einiges an Entwicklugnspotenzial hat um mit Arbeitstechniken die Photoshop möglich macht mithalten zu können, lassen sich alle notwendigen Techniken und Arbeitsweisen ausführen. Was noch fehlt ist einiges an Effizienz und Arbeitskomfort.

DNG – nicht ohne Grund!

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2013 schrieb ich unter dem Titel »DNG zerstört  RAW« einen kritischen Artikel über den weit verbreiteten Adobe-Standard. Diesem möchte ich eine Ergänzung und Aktualisierung nachreichen:

Adobe hat mittlerweile die Option »In nicht lineares DNG konvertieren« aus seinen Produkten entfernt – zumindest in Adobe Camera Raw findet sie sich nicht mehr. Ich hoffe, dass das beschriebene Problem damit der Vergangenheit angehört und es nicht im Untergrund weiterhin sein Unwesen treibt.

Interssanterweise reagieren viele Leute sehr gereizt und angriffig wenn DNG kritisiert wird. Bei einer Antwort auf die Frage weshalb überhaupt DNG nutzen bleiben die meisten Vage. Das Argument, die NEFs, CR2s, ARWs, ORFs und wie sie alle heißen könnten eines Tages von vielen Programmen nicht mehr unterstützt werden, bleibt Fadenscheinig, wenn weshalb sollte eine Software ein Format das es heute kennt in Zukunft ignorieren? Und bliebe nicht dann auch noch Zeit zur Konvertierung? Ließe sich die DNG-Konvertierung, sollte der unwahrscheinliche Fall tatsächlich einmal eintreten, nicht relativ leicht mittels Batch-Automatisierung nachholen?

Manche beschreiben den Vorteil DNG-Dateien seien kleiner als NEFs. Stellt sich die Frage wie Adobe erreicht, dass die DNG-RAWs kleiner sind als die nativen Originale – schließlich arbeiten ja auch die Kamerahersteller daran, dass ihre RAWs möglichst wenig Speicherplatz verbrauchen. Wird da nicht doch etwas abgezwackt? Man weiß es einfach nicht!

Manche raten dann, dass man die RAW-Originale auf jeden Fall archivieren müsse. Aber wie passt das damit zusammen, dass man DNG doch nützt weil sie weniger Speicher belegen?

Klar ist: Es gibt Situationen in denen DNG nützlich ist. Klar ist auch: Es gibt Hersteller die von vornherein mit DNG arbeiten und dann spricht natürlich nichts gegen den Einsatz des Formats. Für Leica ist DNG eben das was für Nikon NEF ist. Aber einfach alle herstellerspezifischen RAW-Formate nach DNG konvertieren? Das würde ich mir gut überlegen und ohne klaren Grund keinesfalls mehr machen. Dass Adobe sagt man solle ist für mich dabei kein ausreichender Grund.