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Monat: April 2012

Welche Kamera kaufen, Teil 7: Spiegelreflex

Posted in Fotografie

Eine kleine Übersicht? Das hätte es werden sollen. Doch mittlerweile hat die kleine Serie fünf Teile, und dabei sind die beiden vorbereitenden Artikel noch gar nicht mitgezählt. Wer von vorne beginnen will, beginnt hier.

Kompakt, Bridge-; System- oder Spiegelreflexkamera?

Das ist die eine Gretchenfrage bei der Entscheidung für ein Kamerasystem. Wer eine kleine Kamera zum bequemen Mitnehmen sucht ist bei Kompaktkamera am besten aufgehoben, muss aber auf das Spiel mit geringer Schärfentiefe – zum Beispiel um Personen in Porträts durch unscharfen Hintergrund freizustellen – verzichten und kann keine Objektive wechseln.

Wem kreative Möglichkeiten und Abbildungsleistungen einer Kompakten zu wenig sind, ergonomisches Handling und effiziente Bedienung wichtig, aber das Wechseln von Objektiven keine Bedingung ist, dem kann man empfehlen sich bei Bridge-Kameras umzusehen. Ein Kamerakonzept, das besonders für Leute die gerne Makro fotografieren, aber keinen absoluten Hight-End-Anspruch haben, perfekt sein kann.

Wer DSLRs zu groß findet, aber dennoch die Option zum Objektivwechsel haben möchte, für den gibt es heute mit Systemkameras eine Option. Die Qualität kann derzeit mit Einsteiger-Spiegelreflex mithalten. Eine Erweiterung der Systeme nach oben in semiprofessionelle Bereiche oder gar in die Profifotografie zeichnet sich derzeit hingegen noch bei keinem System ab. Das liegt weniger an den Kameras – Sony, mit der NEX7 und Olympus mit der OM-D E-M5 (schöner Name, gell?) dürften durchaus gehobenen Ansprüchen gerecht werden – als vielmehr am Angebot der Objektive. Zwar gibt es für fast alle Modelle Adapter um professionelle Optiken aus der Spiegelreflexwelt mit den Systemkameras zu verbinden, doch mir erschließt sich der Sinn nicht ganz, ein riesiges Objektiv an eine winzige Kamera anzuschließen.

Es kommt doch auf die Größe an!

Gewicht und Volumen | Wenn es um Abbildungsleistung und Flexibilität geht, nähme wohl jeder gerne alles was er kriegen kann. Doch für viele sind am Ende Preis, Volumen und Gewicht die Kriterien, die sie zu einem anderen Konzept führen, als zur Spiegelreflex – jenem System, bei dem man kaum Kompromisse bei Qualität und Anpassungsfähigkeit machen muss, so lange man sich nicht an Umfang und Gewicht der Ausrüstung stößt und mit den Preisen leben kann. Es fordern halt auch kompromisslose Entscheidungen ihren Kompromiss; in diesem Fall den Kompromiss tiefer in die Tasche zu greifen und mehr mit sich rum zu tragen.

Sensorformat | Es geht also um die Größe! Und das nicht nur beim Volumen des Kameragehäuses. Neben dessen Größe ist das Format des Aufnahmesensors das zweite wesentliche Kriterium bei der Entscheidung für ein System und ein Modell.

D7000 Cmos 2 rgb

Der Bildsensor ist so etwas wie der Film einer Analogkamera. Er ist das Aufnahmemedium einer Digitalkamera. Hier der Sensor einer Nikon D7000.

Neben der Frage nach der Gehäusegröße und der Sensorgröße werden alle anderen Fragen sekundär! Große Gehäuse sind gut fürs Handling, schlecht zum mitschleppen. Große Aufnahmesensoren erlauben geringe Schärfentiefe und sind gut um Objekte durch unscharfen Hintergrund zu isolieren. Kleine Sensoren erlauben kleinere Gehäuse und haben Vorteile im Makrobereich.

Kompakt- und Birdge-Kameras haben so gut wie immer kleine Aufnahmesensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind, als 8×6mm. Systemkameras haben kleine Sensorformate zwischen 6,16×4,62mm (Pentax Q) und 13,2×8,8mm (Nikon 1), oder mittelgroße Formate, wie 17,3×13mm (Olympus und Panasonic) und 24×16mm (Pentax K-01, Sony NEX und Samsung).

Digitale Spiegelreflexkamera (DSLR)

Spiegelreflexkamera haben allesamt mittelgroße bis große Bildsensoren. Angefangen bei den mittelgroßen Sensorformaten von FourThirds (17,3×13mm; Olympus), Sigma Foveon (20,7×13,8mm), Canon APS-C (22,2×14,8mm) und General APS-C (knapp 24×16mm; Nikon, Sony und Pentax) bis hin zu den großen Sensorformaten Canon APS-H (27,9×18,6mm) und Vollformat (24×36mm).

Keine Frage der Gehäusegröße

Wer sich für die Kategorie Kompakt- oder Systemkamera entscheidet kann zwischen großen und kleinen Modellen in verschiedenen Preisklassen wählen. Bei Spiegelreflexkameras gibt es diese Wahlmöglichkeit so nicht. Hier fällt die Wahl für eine Gehäusegröße parallel zur Wahl der Preisklasse. Preiswerte Einsteigermodelle sind kleiner und leichter. Je höher der Anspruch (und der Preis) ausfällt, desto größer und schwerer werden die Modelle.

Olympus

Definitiv kleiner, als bei der Konkurrenz, sind die FourThirds DSLRs aus dem Hause Olympus. Hier sind auch Modelle erhältlich, die semiprofessionellen und professionellen Ansprüchen gerecht werden und dennoch relativ kompakt ausfallen.

E 5 front with lens XL

Eine schöne Kamera, die Olympus E-5, finde ich. Olympus war Pionier in Sachen LiveView bei DSLR. Die, in die Kamera integrierte Bildstabilisierung, genießt einen guten Ruf. Ebenso Olympus’ Zuiko Objektive.

Doch die kompakten Gehäuse erreicht Olympus nur dadurch, dass man den kleinsten Aufnahmesensor im gesamten Mitbewerberfeld verwendet. Das hat zwar in spezifischen Bereich, wie der Makrofotografie, Vorteile, insgesamt aber wohl deutlich mehr Nachteile: Schlechteres Rauschverhalten und eingeschränkterer Spielraum mit Schärfentiefe. Olympus bezeichnet sein, zusammen mit Panasonic entwickeltes Sensorformat mit 17,3×, als ‘FourThirds’.

FourThirds | Ich persönlich bin nach einem Jahr Erfahrung mit einer Lumix G3 Systemkamera etwas enttäuscht vom FourThirds-Standard. 17,3×13mm ist für viele Situationen einfach zu klein um wirklich schön mit kurzer Schärfentiefe gestalten zu können. Bei viel zu vielen Motiven stößt man an Grenzen, die es einem nicht erlauben durch unscharfen Hintergrund für einen schönen Freisteller zu sorgen. Zu allem Überfluss glänzt das Angebot an verfügbaren Micro-FourThirds–Objektiven nicht unbedingt durch Lichtstärke, was den Spielraum mit Schärfentiefe noch weiter einschränkt. Auch bei Objektiven für den normalen FourThirds Standard – und damit für die Olympus DSLRs – sieht es diesbezüglich nicht viel besser aus.

Ich will die Spiegelreflexkameras von Olympus nicht schlecht schreiben – dazu ist mir die Marke zu sympathisch. In Sachen Qualität und Technik mag man mit der Konkurrenz auch auf Augenhöhe liegen. Wer vor allem Wert auf eine kompakte DSLR legt oder in erster Linie Makro fotografiert, der mag damit eine gute Wahl treffen. Doch wer andere Prioritäten hat wird wohl mit einer anderen Marke glücklicher werden. Und wer vor allem Wert auf Kompaktheit legt, findet bei Systemkameras wahrscheinlich sogar die bessere Alternative.

Crop und Vollformat

Vollformat ist das vom Kleinbildfilm übernommene Format von 36×24mm. Es stellt in der digitalen Spiegelreflexfotografie heute quasi das Maß der Dinge dar. Alles was kleiner als Kleinbild ist, und somit nur einen mehr oder weniger kleinen Ausschnitt aus 36×24mm abdeckt, wird als Crop bezeichnet, was man mit ›Ausschnitt‹, ›Anschnitt‹ oder ›Beschnitt‹ übersetzen kann.

Crop für Einsteiger, Vollformat für Profis | Da der Aufnahmesensor nach wie vor noch zu den kostspieligsten Elementen einer Digitalkamera gehört und gilt, je größer desto teurer, werden Consumer-Kameras in der Regel mit Sensoren in einem Crop-Format ausgestattet und Profi-Kameras meist mit Vollformat-Sensoren. Allerdings gibt es von dieser Regel doch relativ viele Ausnahmen.

Pentax

Grundsätzlich gibt es gar nicht so viele Hersteller, die heute Spiegelreflexkameras bauen und anbieten: Canon, Nikon, Olympus, Pentax, Sigma und Sony. Von diesen sechs Herstellern haben lediglich drei Kameras mit Vollformat im Programm: Canon, Nikon und Sony.

Olympus wurde bereits als Ausnahme genannt, die auch bei Kameras für professionelle Fotografen ihre FourThirds-Sensoren verbauen. Eine andere Ausnahme ist Pentax. Pentax’ DSLR-Programm ist durchgehend mit Bildsensoren im sogenannten APS-C-Format von etwa 24×16 ausgestattet – auch die Modelle für ambitionierte Fotografen.

K 5 front with DA 18 135 WR

Technisch auf Höhe der Zeit: die K-5 von Pentax. Was sie von ihren Mitbewerbern abhebt ist eine Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit, die für diesen Preis bei Mitbewerbern nicht zu finden ist. Somit könnte sie der ideale Begleiter für Outdoor-Fotografen sein.

Pentax gehört zu den seit Jahrzehnten bekannten Herstellern von Spiegelreflexkameras. Sowohl Kameras als auch Objektive aus diesem Hause genießen einen guten Ruf. Wer einfach eine Spiegelreflexkamera mit ein paar Objektiven sucht, dabei Wert auf eine Outdoor-taugliche Abdichtung legt, aber keine Ambitionen hat, dieses System langfristig vielleicht bis in die Oberliga auszubauen, macht mit Pentax sicher keinen Fehler. Man muss sich aber eben auch bewusst sein, dass ein Aufstieg in Klassen, wie sie Canon, Nikon und Sony anbieten, derzeit nicht möglich ist.

Sigma

Ich möchte Pentax nicht als Exoten bezeichnen. Ein DSLR-Anbieter, dem man dieses Etikett vielleicht eher anheften kann, ist Sigma. Sigma ist vor allem bekannt für die Herstellung von Objektiven für die etablierten Kamerahersteller, wie Canon, Nikon, Sony und inzwischen auch für den FourThirds-Standard.

Derzeit hat Sigma zwei Spiegelreflexkameras im Angebot, von der mir persönlich allerdings nur die neue SD1 Merrill tatsächlich interessant erscheint.

SD1m front

Sigma SD1 Merrill. Eine exotische Kamera mit besonderen Eigenschaften.

Sigma hat mit diesem Modell sicher viele Kunden verärgert, vor allem jene, die vor nicht allzulanger Zeit die SD1 um den Einführungspreis von 7000 Euro gekauft haben. Das aktuelle Modell ist nun zu einem Straßenpreis von unter 2000 Euro zu haben. Zwar bietet Sigma den frühen Käufern Warengutscheine um 4000 Euro als Entschädigung an. Befremdlich bleibt es allemal.

Das ändert aber nichts daran, dass die SD1 sicher eine hervorragende Kamera mit absolut professionellem Anspruch ist. Ohne, dass ich eine Sigma DSLR bislang live testen konnte, hört man von vielen Seiten gutes über die exzellente Abbildungsqualität.

Sigma behauptet, die SD1 habe 46 Megapixel Sensorauflösung. Je nachdem, wie man die Auflösung berechnet, ist das auch korrekt. Der Foveon Sensor, im Format von 20,7×13,8mm, trägt diese 46 Megapixel in drei Schichten hintereinander. Das heißt von oben betrachtet liegen 12 Megapixel auf dem Sensor. Doch mal der drei Schichten ergeben sich rechnerisch eben 46 Megapixel. Ich gehe davon aus, dass Sigma damit nicht die Detailschärfe einer Nikon D800 mit 36 Megapixel erreicht, doch laut dem was man hört und liest, erreicht Sigma damit doch detailreichere Abbildungen, als andere Hersteller mit gewöhnlichen Sensoren und 12 Megapixel.

Das Sensorformat der Sigma SD1 liegt zwischen FourThirds und APS-C. Der Sensor ist also bei diesem Profi-Modell kleiner, als bei Pentax, Nikon, Canon und Sony bei Consumer-Modellen. Die Nachteile, die das bezüglich Spiel mit der Schärfentiefe haben könnte, dürfte sich bei Sigma sehr wahrscheinlich gut durch Lichtstarke Objektive ausgleichen lassen, von denen man doch einige im Programm hat. Immerhin besteht ein Angebot von 44 Objektiven für Sigma Kameras.

Sony

Sony spielt im Match um die Marktführerschaft im DSLR-Bereich lediglich die dritte Geige. Vor allem bei ambitionierten Hobby- und Profifotografen mag man bislang nicht so recht Boden gewinnen. Dabei stellt Sony die Aufnahmesensoren unter anderem für Nikon her. Außerdem hat man mit den sogenannten SLT-Modellen ein Konzept im Regal, das es bei keinem anderen Hersteller gibt. Dieses System verbindet die Vorteile von System- und Spiegelreflexkameras. Es verzichtet auf einen mechanischen Spiegel, nutzt einen elektronischen Sucher, erreicht aber dennoch die Auslösegeschwindigkeit von DSLRs. Etwas, was Systemkameras derzeit noch nicht in jeder Situation so ganz zu schaffen scheinen.

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SLT-Kameras von Sony, sind sowas, wie Spiegelreflexkameras ohne Spiegel.

Von allen Herstellern dürfte Sony wohl das breiteste Angebot an DSLR-Kameramodellen im Sortiment haben. Ob das gut ist, wage ich zu bezweifeln, denn es trägt wahrscheinlich nur zur Verwirrung bei.

Crop oder Vollformat?

Wer sich für eine DSLR-Kamera von Sony, Nikon oder Canon entscheidet, muss sich für Crop- oder Vollformat entscheiden. Bei Sony und Nikon heißt das APS-C mit ≈24×16mm für Crop (Vollformat ist immer 36×24mm). Das ist aber gleichzeitig auch eine Entscheidung für eine Preisklasse.

Crop-Kameras | Einseigen kann man in die Welt der Spiegelreflexfotografie ab etwa 400 Euro für ein Kameragehäuse. Meist werden diese Gehäuse im Set mit einem preiswerten Objektiv angeboten und dann darf man ab etwa 500 Euro kalkulieren. Allerdings rate ich immer dazu nicht das billigste Paket mit dem billigsten Objektiv zu nehmen. Diese Billigpakete haben in der Regel Zoomobjektive mit etwa 18–55mm. Legt man 100–150 Euro drauf, bekommt man ein flexibleres Zoom mit etwa 18–105mm oder 18–135mm. Damit dürften die meisten Einsteiger etwas mehr Freude am Fotografieren haben.

Doch nicht nur Modelle für Ein- und Aufsteiger nutzen Aufnahmesensoren, die kleiner sind als Vollbild. Auch Modelle, die sich an Profis richten, sind mit einem solchen kleineren Sensor am Markt (ab hier beschränke ich meine Betrachtungen auf das Sortiment von Canon und Nikon, weil ich darüber eher den Überblick habe, als bei Sony).

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Das Topmodell im Consumer-Segment bei Nikon: Die D7000. Trotz des Crop-Sensors findet sie durchaus auch bei Profis Einsatz.

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Canon EOS 1D Mark IV. Die Profikamera ist zu einem Einstiegspreis von über 4500 Euro auf den Markt gekommen. Sie hat keinen (!) Vollformatsensor, sondern einen sogeannten APS-H mit 27,9×18,6mm. Trotzdem meinen viele Experten, dass Canon mit diesem Modell eine praxistauglichere Kamera liefert, als Nikon mit den neuen Modellen D4 und D800 – letztere beide mit Vollformat.

Wer sich für eine Ein- oder Aufsteigerkamera interessiert und sicher ist, niemals den Aufstieg in die professionelle, oder semiprofessionelle Fotografie, zu unternehmen, der ist mit Kameras mit Crop-Sensor bestens bedient. Anders sieht es aber aus, wenn man mit einer späteren Anschaffung einer Vollformat-Kamera liebäugelt. Denn dann muss man beim Kauf der Objektive beachten, dass diese auch Vollbildtauglich sind.

Objektive, die für kleinere Sensoren konstruiert werden, decken nicht den kompletten Umfang des Vollformats ab. Bei Nikon tragen diese Objektive das Kürzel DX im Namen. Sie lassen sich zwar an Kameras mit Vollbildsensor anbringen, decken dann aber nur eine geringere Auflösung ab, zum Beispiel nur 5 von 12 Megapixel. Ich gehe davon aus, dass das bei Sony und Canon nicht viel anders ist.

Umgekehrt hingegen funktioniert die Kompatibilität ohne Einschränkungen: Ein Objektiv für Vollformat kann an einer Crop-Kamera voll genutzt werden. Wer also eine Crop-Kamera kauft und plant früher oder später aufzusteigen, der sollte darauf achten in erster Linie Objektive einzukaufen, die er auch am Vollbild nutzen kann – sofern er nicht den ganzen Objektivpark später austauschen will.

Muss es unbedingt Vollformat sein? Manchmal gewinne ich den Eindruck, viele Fotografen glaubten, alles unter Vollformat sei eines Profis nicht würdig. Canon sieht das offensichtlich anders, wie der Konzern mit der 1D Mark IV beweist. Ich sehe es ebenfalls anders.

Zwar nutze ich heute eine Nikon D700 mit Vollformatsensor. Aber das liegt vor allem daran, dass ich ein Buch über dieser Kamera geschrieben habe. Wäre das nicht der Fall würde ich mit Sicherheit weiterhin eine Kamera mit Crop-Sensor benutzen – bei Nikon Modelle mit der Bezeichnung DX.

Würde ich gerade jetzt eine Kamera brauchen und ich hätte nicht schon einige Vollformat-Objektive, dann fiele meine Wahl wahrscheinlich auf die D7000 oder D300S.

Natürlich gilt auch bei der Frage APS-C-Crop oder Vollformat, dass das Vollformat mehr Spielraum in der Gestaltung der Schärfentiefe bietet – jedenfalls so lange man nicht Makro fotografiert. Aber das Angebot lichtstarker Objektive ist bei Canon, Nikon und wohl auch Sony dermaßen groß, dass die Frage Crop oder Vollformat diesbezüglich eine zu vernachlässigende Rolle spielt. Auch sind die neuen Sensoren in APS-C mittlerweile so gut, dass das Problem des Bildrauschens ebenfalls zu vernachlässigen ist. Das hat mir jedenfalls die D7000 gezeigt.

Um das letzte Quäntchen an qualitativem Vorsprung von Vollformatsensoren wirklich komplett ausschöpfen zu können – zumal wenn die Auflösung so gigantisch ist, wie bei der Nikon D800 – braucht es auch exzellente Objektive, die für diese hohe Qualität optimiert sind. Da muss man zum Kameragehäuse, die für Vollformat aktuell ab etwa 2000 Euro zu haben ist, in der Regel je Objektiv ab etwa 1000 Euro budgetieren. Preiswertere Optiken im dreistelligen Bereich sind für Vollformat eher die Ausnahme, als die Regel.

Das Angebot an preiswerten Objektiven für Crop-Kameras hingegen ist breit und nur wenige dürften die 1000-Euro-Schallmauer deutlich durchbrechen. Dabei hinkt die Abbildungsqualität, die diese Objektive leisten, den Vollformat-Optiken in dem meisten Fällen gar nicht so sehr hinterher. Vielmehr sind es die verwendeten Materialien und die Qualität der Abdichtung, die den Mehrpreis maßgeblich ausmachen. Wer darauf trotz Crop-Kamera nicht verzichten will, kann zusätzlich auch Vollformat-Objektive voll nutzen. Das heißt Crop-Kamerabesitzer blicken auf ein viel breiteres Angebot an Optiken.

Der Preis der Professionalität | Kameras für anspruchsvolle Amateurfotografen, wie die Nikon D7000 oder die Canon 7D, erreichen heute mit passenden Optiken wohl etwa 90% der Abbildungsqualität professioneller Vollbildausrüstung. Wer damit keine guten Bilder her bringt, sollte fotografieren lernen, nicht mit der Anschaffung einer teureren Kamera liebäugeln. Ob es einen Wert hat das doppelte und dreifache für die letzten zehn Prozent zusätzlicher Abbildungsqualität auf den Ladentisch zu blättern, muss jeder Fotograf mit sich selbst ausmachen.

Ich will damit nicht andeuten, dass die Kamerahersteller für zehn Prozent mehr Qualität 200 und 300 Prozent mehr Geld einstecken. Doch der Mehrwert professioneller Geräte liegt eben nicht in erster Linie in der besseren Abbildungsqualität, sondern vor allem in besseren Materialien, besserer Abdichtung, soliderer Verarbeitung usw. So wird zum Beispiel für die Verschlüsse von Consumer-Kameras in der Regel eine Garantie von 100.000 bis 150.000 Aufnahmen gegeben. Bei professionellen Kameras sollte die Garantie eher bei 300.000 bis 400.000 liegen. Außerdem bieten Profikameras deutlich mehr Funktionen und viele davon müssen nicht wie bei Consumer-Kameras über Menüs aufgerufen werden, sondern es gibt für alle wichtigen Einstellungen am Gehäuse einen Knopf, mit dem man ihn schnell und blind erreichen kann. Mir zum Beispiel würde an Nikons D7000 vor allem ein AF-On-Button fehlen – in allen anderen Belangen wäre mir diese Kamera absolut genug.

Welche Kamera soll es nun sein?

Wer eine Spiegelreflexkamera kauft, kann nicht viel falsch machen. Ich glaube nicht, dass es derzeit ein wirklich schlechtes Gerät auf dem Markt ist, dass sein Geld absolut nicht wert ist. Das unterscheidet Spiegelreflexkameras von Kompaktkameras, wo es zwischen ein paar sehr guten Geräten sicher einige Nieten gibt.

Die Marke ist sekundär | Auf keinen Fall sollte man sich als erstes für eine Marke entscheiden und dann in dessen Regalen nach einem Modell suchen. Wer neu einsteigen will sollte keinen Hersteller ausschließen. Sie kochen alle nur mit Wasser.

Nicht den Preis entscheiden lassen | Auch der Preis sollte nicht das Kernargument sein. Nur in selten Fällen führt der Kauf des billigsten Produkts zur langfristigen Liebe.

Schwierig ist es auch einen Preisvergleich zwischen Modellen verschiedener Hersteller anzustellen. Megapixel und Brennweite des Kit-Zoomobjektivs lassen nur selten Rückschlüsse über die tatsächliche Qualität einer Kamera zu. Und der billigere Preis eines Modells eines Herstellers als beim am ehesten vergleichbaren Modelle eines anderen, rührt vielleicht einfach daher, dass er bessere Materialien verwendet und mehr Detailfunktionen anbietet.

Vorsicht mit Tests und Tipps | Auch der Rat eines Fotografen ist mit Vorsicht zu genießen. Würdet ihr mich fragen, welche Kamera ich kaufen würde, dann kann ich nur sagen: Nikon. Ich habe eine Nikon gekauft und mich bewusst für die Marke entschieden. Was sollte ich also anderes sagen? Und das sollte eigentlich auch für jeden gelten, der sich für Canon, Pentax, Sony oder Olympus entschieden hat. Ich würde mich aber nicht darauf verlassen, dass einer von Ihnen recht mit seiner Entscheidung hatte und alle anderen Deppen sind (wenn dem so wäre, würde ich sagen, die Nikon-Fotografen haben recht 😉 ).

Doch jeder Fotograf hat andere Anforderungen und andere Vorlieben. Und diese Anforderungen führen dazu, sich für die eine oder die andere Marke zu entscheiden.

Lasst euren Bauch entscheiden | Vergesst also am besten all die Tests in Zeitschriften und im Internet. Informiert euch, aber lasst euch nicht zu sehr davon beeinflussen. Geht zu einem Händler, der möglichst viele Kameras von möglichst vielen Herstellern im Geschäft hat und nehmt die Geräte in die Hand. Schaut drauf, wie sich das Gerät in euren Händen anfühlt und ob sich euch die Bedienung einigermaßen Intuitiv erschließt. Vor kurzem sagte jemand zu mir Canon Apparate hätten eine bessere Menüführung. Aber fragt mich mal ob ich mit Canon zurecht komme? Ich bin Nikon gewöhnt! Also finde ich mich auf Anhieb mit praktisch jeder Nikon zurecht.

Wenn ihr schone mit Kompakt- oder Systemkamera fotografiert habt, dann habt ihr gewisse Erfahrungen. Die Bedienung einer Spiegelreflex sollte sich damit grundsätzlich erschließen und für die Grundfunktionen darf es keine großen Hindernisse geben.

Lasst vor allem eure Hand, euer Gefühl und eure Intuition beim Kamerakauf entscheiden. Das ist viel wichtiger, als Fakten auf Datenblättern, Testberichte und das, was Freunde sagen (und das, was ich schreibe). Falsch machen könnt ihr dabei nichts, denn schlechte Modelle gibt es, wie gesagt, derzeit wohl bei keinem Hersteller.

Doch auch wenn ihr euren Bauch entscheiden lässt habt ihr keine Gewährleistung, dass ein bestimmtes Modell oder eine bestimmte Marke doch nicht das richtige für euch ist. Dann muss man die Marke wechseln. Das ist zwar lästig und bedauerlich, aber was man tatsächlich genau braucht, erfährt man leider immer erst, wenn man eine gewisse Zeit mit einem Gerät arbeitet. Durch diese Schule – die manchmal auch teuer sein kann – mussten und müssen wir leider alle durch.

Fazit

Niemand kann euch die Frage »Welche Kamera soll ich kaufen?« konkret mit einem bestimmten Modell beantworten. Wer das tut, ist ein Schelm, hat keine Ahnung, oder hat nicht lange genug nachgedacht.

Bestimmt keinen Fehler macht man mit Canon und Nikon. Die Frage welcher der beiden besser ist, ist so sinnvoll, wie die Frage ob Audi oder BMW besser ist. Geschmacksache!

Hobbyfotografen machen sicher auch mit Sony keinen Fehler. Im professionellen Bereich konnte sich Sony bislang aber noch kaum etablieren. Ob das auch an den Kameras liegt, mag ich nicht beurteilen. Schlecht sind sie sicher nicht.

Als Outdoor-Fotograf bekommt man bei Pentax die am besten abgedichtete Kamera für den kleinsten Preis. Wer nicht plant seine Ausrüstung in die Breite und nach oben stark auszubauen, macht auch hier keinen Fehler. Das Angebot an Kameramodellen und Objektiven ist hier aber deutlich beschränkter, als bei den Platzhirschen Canon und Nikon – mit denen kann aber auch Sony nicht mithalten.

Olympus DSLRs kann ich nach meinen Erfahrungen mit Micro FourThirds Systemkameras nicht mehr so recht empfehlen. Wer doch mit dem Gedanken spielt, sollte sich gut anschauen, ob der die Obektive findet, die seine Anforderungen an ein Spiel mit Schärfentiefe erfüllen und ob das Rauschverhalten ausreichend ist. Lediglich im Bereich Makro ist Olympus heute noch eine ernstzunehmende Option, da die lange Schärfentiefe des relativ kleinen Sensors hier zum Vorteil gegenüber größeren Sensoren wird.

Wer kompromisslose Abbildungsqualität sucht und kein Problem mit einem Exoten hat, für den kann auch Sigma eine Option sein (allerdings glaube ich, dass die Zielgruppe der Sigma SD1 so erfahren ist, dass sie die Erläuterungen dieses Artikels kaum mehr brauchen – die Zielgruppe dieses Artikels ist doch eher der ambitionierte Einsteiger und Aufsteiger). Bei Sigma würde ich mir persönlich etwas Sorgen machen ob Sigma den Markt tatsächlich langfristig mit Kameras bedienen wird. Sollte es einmal keine Sigma DSLR mehr geben bleibt man natürlich auf seinen Objektiven sitzen.

So. Nun hoffe ich, dass meine Artikelserie zur Orientierung beim Kamerakauf nicht zu komplex und auch nicht zu langatmig geworden ist, und dass ich euch – die ihr bis hierher gelesen habt – geholfen habe etwas klarer zu sehen, was für ein Kamerakonzept das passende für euch ist, und dass ihr auch mit den Verweisen zu verschiedenen Herstellern und Modellen etwas anfangen könnt. Hätte ich gewusst, wie viel Arbeit es wird, einen solchen Überblick zu schreiben, hätte ich wohl nicht damit begonnen.

Wenn ihr Feedback oder Ergänzungen dazu habt, bitte ich euch einfach zu kommentieren. Auch eure Erfahrungsberichte (auch mit Links zu euren eigenen Blogs) kann den Lesern helfen sich besser zu orientieren.

Viel Spaß beim Fotografieren!

Welche Kamera kaufen, Teil 6: Systemkameras

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Was bisher geschah

Diesem Artikel gingen bereits ein paar Teile voraus, in denen ich ein paar essenzielle Grundgedanken zum Kamerakauf skizziert, über Megapixel und so philosophiert, Kompaktkameras und etwas exzentrischere Kompaktkameras, sowie Bridge-Kameras vorgestellt habe. Zweck und Ziel der langen Geschichte ist es, dem angehenden Kamerakäufer und -aufsteiger eine Orientierung zu bieten, was es für unterschiedliche Konzepte gibt, wo die Vor- und Nachteile der verschiedenen Konzepte liegen, und bei welchen Herstellern man was für Kameras finden kann.

Meine Kameras | Die Serie ist absolut kein Vergleichstest in irgendeiner Form, sondern soll lediglich eine Basis zum Überblick bilden, auf der sich der Leser dann weiter zu den verschiedenen Marken und Modellen orientieren kann. Ich fotografiere selbst mit einer Nikon D700 – mittlerweile ein Auslaufmodell – und einer Panasonic Lumix G3, über die ich auch schon einmal einen ausführlicheren Artikel geschrieben habe.

Des Weiteren hatte ich über einige Zeit das Vergnügen mit der Canon Powershot S95 (Bericht) und der Canon Powershot G12 (Bericht) arbeiten zu können – dazu gibt es ein unveröffentlichtes Buch, das ich dem interessierten Leser gerne via Anfrage als PDF zusende.

Über diese vier Kameras kann ich aus intensiver, persönlicher Erfahrung berichten. Das heißt, mit 90% der Kameras, die ich in dieser Serie erwähne, habe ich keine persönliche Erfahrung und kann nur das wiedergeben, was ich aus Artikel, Blogs, Zeitschriften und Berichten von Kollegen in Erfahrung gebracht habe. Wer also eine der hier erwähnten Apparate interessant findet, sollte auf jeden Fall noch etwas weiter nach Meinungen und Tests recherchieren.

Systemkameras

Auch wenn man aus Kompaktkameras heute viel herausholen können und Bridge-Kameras sehr gute Qualität liefern – das Maß der Dinge in der Fotografie stellen nach wie vor die sogennannten Spiegelreflexkameras da (abgesehen vom professionellen High-End-Bereich, in dem sogenannte Mittelformatkameras eine große Rolle spielen). Doch seit ein paar Jahren haben diese Modelle kräftige Konkurrenz von den sogenannten Systemkameras bekommen.

Be Evil | Als Systemkameras werden landläufig digitale Fotoapparate bezeichnet, bei denen sich die Objektive – im Gegensatz zur Kompakt- und Bridge-Kamera – wechseln lassen, die aber nicht über einen analogen Sucher verfügen, der den Blick über einen Spiegel durch das Objektiv ermöglichen. Oft wird statt dessen auch von EVIL gesprochen, was für ‘Electronic Viewfinder, Interchangeable Lens’ steht; also ›elektronischer Sucher + Wechselobjektive‹.

Die Stärken von EVIL | Durch Verzicht auf einen mechanischen Spiegel, der den Bildsensor komplett abdecken muss und Platz zum Hochschwingen braucht, lassen sich Systemkameras kompakter bauen, als Spiegelreflexkameras. Manche Modelle sind deshalb kaum größer als eine Kompaktkamera, beherbergen jedoch einen Bildsensor, der das Format der Sensoren gängiger DSLRs für Einsteiger und Semiprofis hat.

Durch den Verzicht auf einen Spiegel entfällt das Geräusch, das dieser beim Hochklappen in der Regel macht und bei DSLRs durch ein deutliches ›Klack‹ zu hören ist. Gleichzeitig entfällt die minimale Erschütterung beim Auslösen und die Kameras können für Extremfällen etwas ruhiger Auslösen. Spiegelreflexkameras für den etwas gehobeneren Anspruch bieten für diese Fälle allerdings eine sogenannte Spiegelvorauslösung an, um beim Fotografieren vom Stativ diese Erschütterung ebenfalls zu vermeiden. Zusätzlich führt das Weglassen des Spiegels auch dazu, dass Systemkameras etwas leiser auslösen, auch wenn die meisten mit einem mechanischen Verschluss ausgestattet sind, der sehr wohl zu vernehmen ist.

Als die besondere Stärke von Systemkameras würde ich aktuell hervorheben, dass die Modelle oft annähernd so handlich sind, wie Kompaktkameras (was allerdings nicht immer ein Vorteil sein muss; siehe ersten Artikel der Serie), aber gleichzeitig die kreativen Vorzüge in der Bildgestaltung einer Spiegelreflexkamera mit mittelgroßem Sensor mitbringen, und auch das einhergehende bessere Qualitäts- und Rauschverhalten.

Nachteile von EVIL | Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Der in meinen Augen am meisten herausstechende Nachteil ist das mangelnde Angebot an qualitativ hochwertigen und lichtstarken Objektiven. Besonders bei den Modellen von Olympus, Panasonic, Nikon und der Q-Serie von Pentax, bieten die doch, im Vergleich zu den meisten Spiegelreflex-Modellen, relativ kleinen Sensoren in Kombination mit relativ lichtschwachen Objektiven nur wenig mehr Spielraum mit Schärfentiefe zu spielen, wie Kompaktkameras. Auf jeden Fall hat man weder das Angebot, noch die kreativen Möglichkeiten, wie bei Spiegelreflex-Systemen von Canon und Nikon.

Marken und Modelle

Panasonic mit Lumix

DMC GX1XEG S HiRes Image Image 1 Europe 1ZoomA1001001A11K03B82208H08004Eigentlich dachte ich ja Olympus wäre der erste Player mit einer EVIL am Markt gewesen. Doch bei meinen Recherchen zu diesem Bericht habe ich gelesen, dass tatsächlich Panasonic eine erste Spiegellose Lumix mit Wechselobjektiven im Handel war.

Wie bereits eingangs erwähnt nutze ich selbst auch eine Lumix, und zwar die G3, als immer-dabei-Kamera. Diese Kamera sieht zwar aus wie eine Spiegelreflex; man würde aber nicht blauen wie kompakt sie ist, bevor man sie nicht in Händen hielt. Kompakt heißt bei der G3 allerdings doch ordentlich größer, als bei einer echten Kompakten.

Technisch betrachtet lässt die G3 kaum Wünsche offen. Fast scheint es schon zu viel der Einstellungsmöglichkeiten zu geben. Sehr positiv auf die Bildgestaltung aus ungewöhnlichen Perspektiven wirkt sich das Klapp- und Dreh-Display aus. Lustig ist auch, dass sich die Kamera via Touch-Display bedienen lässt, also ähnliche wie ein Smart Phone. Diese Art der Bedienung scheint bei Systemkameras zunehmend zum Standard zu werden. Dabei lässt sich bei vielen Modellen einstellen, dass man auf einen Punkt des Motivs am Display tippt, die Kamera auf diesen Punkt scharf stellt und dann gleich auslöst. Allerdings muss ich bei der G3 einschränken, dass die Fokussierung zu langsam läuft, als dass dabei bei nicht ganz ruhigen Motiven so richtig Freude aufkommen könnte.

Die G3 macht beim ersten in die Hand nehmen einen durch und durch soliden Eindruck. Doch bei näherem Hinsehen wirken die Schalter und Drehräder etwas billig und vor allem auch klein und dicht aufeinander. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich mit der G3 rundum zufrieden bin, trotzdem aber keine rechte Liebe aufkommen will. Ich habe einfach das Gefühl der Kamera fehlt die Seele – was nun natürlich das exakte Gegenteil einer objektiven Meinungsäußerung ist.

Die oben abgebildete Lumix DMC-GX1X (vielleicht liegt es auch an diesen hässlichen Namen, dass ich mich nicht so recht in Panasonics Kameras verlieben kann) ist ein kompakteres Modell, das auf den elektronischen Sucher (den ich an der G3 sehr mag) und das Klapp-Display verzichtet. Ich hatte vor längerer Zeit eine ältere Schwester, die DMC-GX1, in der Hand, die recht schick finde und deren Format mich ansprach. Doch irgendwie mochte ich nicht, was ich in der Hand hatte. Es war irgendwie die Haptik der Oberfläche, oder ich weiß nicht was. Auch das wieder eine völlig subjektive Meinung. Nehmt die Kamera ruhig einmal selbst in die Hand, wenn sie euch gefällt. Es könnte euch ja durchaus anders gehen als mir.

Gemeinsam mit der G3 habe ich auch das Standard-Zoomobjektiv Lumix G Vario 14-42 mm F 3,5-5,6 eingekauft. Ein schreckliches Objektiv. Es hat zwar gute Kritiken für die Bildqualität erhalten, macht aber seltsame Geräusche beim Zoomen und fühlt sich an wie eine Dreingabe zu den Ypps-Heft meiner Kindheit. Statt dessen verwende ich von Beginn an das LUMIX G 20mm F1.7. Eine Festbrennweite, die sich ordentlich anfühlt und mit einem angenehm gleitenden, aber mit dem notwendigen Widerstand ausgestatteten Ring zur Einstellung der Schärfe versehen ist. Manuelles Schaustellen macht damit richtig Spaß.

Das Duo G3 und 20mm ƒ1.7 hat mich auf meiner letzten Rundfahrt im Cabrio durch Österreich begleitet. In einem Artikel über die Vorzüge einer Festbrennweite beziehe ich mich alleine auf diese Kombination und zeige einige Bilder.

H PS14042E K HiRes Image Image 1 Europe 1ZoomA1001001A11H11B50106J39481Wer sich für Panasonic oder Olympus mit FourThirds-Sensor entscheidet, entscheidet sich für einen Vorteil, den es sonst nirgends gibt: Er kann jederzeit zwischen Kameras der beiden Hersteller wechseln, ohne seinen Objektivpark erneuern zu müssen. Bei Panasonic gefällt mir besonders dieses Lumix G X Vario PZ 14-42mm F3,5–5,6 Objektiv, ohne, dass ich allerdings etwas über seine optischen Qualitäten sagen könnte. Doch es macht das, was man aktuell von einer Systemkamera erwartet: Es macht das System kompakt.

Die Auswahl an Objektiven ist beim Micro-FourThirds-System, im Verhältnis zu anderen EVIL-Systemen recht groß, da man nicht nur auf Objektive eines Herstellers zurück greifen kann, sondern kompatible Objektive bei zwei Herstellern findet und außerdem auch Sigma und Voigtländer für diesen Objektivanschluss produzieren. Außerdem lassen sich an Micro FourThirds auch Linsen, die für das DSLR-System FourThirds gemacht sind über einen Adapter anschließen.

Olympus Pen und OM-D

E PL3 black front EZ M1442IIR XLWie sieht eine schöne Kamera aus? Richtig! So wie die Olympus Pen E-PL3. Und sie fühlt sich auch gut an. Die Haptik erzeugt bei mir eine Zuneigung, die ich bei der Lumix G3 nie verspürt habe (und wieder: absolut subjektiv).

Leider fehlt ihr der elektronische Sucher. Dieser lässt sich zwar als Zubehör nach ordern, was allerdings einen etwas tieferen Griff ins Portemonnaie erfordert.

Das Klappdisplay verzichtet auf die Touch-Funktion der G3 (und des Schwestermodells Pen E-P3), was ich allerdings verschmerzen könnte. Für meinen Geschmack hat die E-PL3 aber vor allem zu wenig Knöpfe und Räder. Ich vermute, dass sich da die G3 für einen versierten Fotografen vielseitiger und effizienter einsetzen lässt.

PEN OMD front lens flash up XLEine äußerst verlockende Alternative, mit einem sicher äußerst sinnvollen Retro-Bedienkonzept, zeigt uns Olympus mit der neuen OM-D Reihe. Die Kamera ist kompatibel zur Pen-Reihe und verwendet dasselbe Micro FourThirds Anschlusssystem und bietet dadurch Zugriff auf eine breite Palette an Objektiven. Einzig das Problem eines mageren Angebots an wirklich Lichtstarken Objektiven bleibt, das beim relativ kleinen FourThirds Sensor in meinen Augen so dringend notwendig wäre.

Ohne die OM-D live schon in Händen gehalten zu haben: Sie dürfte deutlich kleiner sein, als sie auf Fotos wirkt. Laut dem was ich gesehen habe, ist sie etwa so groß wie die Panasonic Lumix G3 und diese ist kompakt. Verlockend auch, dass das Gehäuse gut gegen Staub und Wasser abgeschirmt sein soll. Man fragt sich derzeit allerdings welche Objektive man wählen soll, die ebenfalls dem Abdichtungsstandard des OM-D Gehäuses entsprechen.

Nokton 25mmf0 95 persp rgbDas lichtstarke Objektiv für Micro FourThids gibt es übrigens doch und es kommt von Voigtländer. Mit einer Offenblende von ƒ0.95 ist es sogar besonders lichtstark und sollte trotz kompaktem Sensorformat ein ausreichendes Spiel mit der Schärfentiefe ermöglichen. Ein zweites soll bereits in Vorbereitung sein. Einzig: Der gewillte Käufer muss auch gewillt sein manuell zu fokussieren, den mit Autofokus ist es nach meinen Informationen Essig. Allerdings gehe ich davon aus, dass das der avisierten Klientel nicht unbedingt ein Dorn im Auge ist.

Sony NEX

Sony nexSony scheint es sehr gut verstanden zu haben sich mit ihren NEX-Modellen auf dem Markt der Systemkameras zu etablieren. Mit der abgebildeten NEX-7 haben sie offensichtlich auch die Herzen der ambitionierten Fotografen erobert. In einem Praxistest bei fotointern.ch ließ man die NEX-7 gar gegen Nikons damaliges Flaggschiff D3x antreten und die kleine Sony soll sich mehr als wacker geschlagen haben. Bei aller Skepsis gegenüber gigantischen Sensorauflösungen, scheint Sony seinen Job durchaus gut zu machen. Und dass Sony Sensoren bauen kann weiß man. Schließlich produzieren sie auch jene von Nikon und Nikon wird kaum jemand höchste Qualität bei Spiegelreflexkameras absprechen können.

Meine eigene persönliche Erfahrung habe ich lediglich in ein paar Minuten mit einer NEX-3 gemacht. Keine großartige Erfahrung, muss ich sagen. Oder anders gesagt: Ich mochte sie nicht.

Das Problem ist, dass Sony die Benennung vieler Einstellungen so gewählt hat, dass ein Einsteiger vielleicht verstehen kann, was damit gemeint sein könnte. Als ambitionierter Fotograf suchst du aber nach etablierten Fachbegriffen und die Sony NEX-3 verstehst du dann ganz einfach nicht. Außerdem … wie soll ich sagen … es fehlt ihr die Seele (Achtung: Subjektiv!)

Was bei Sony sehr schwer zu verstehen ist: Weshalb baut an winzige Bodys, nur um den Fotografen dann riesige Objektive anzubieten. Man müsste meinen, es wäre möglich gute Objektive mit weniger Volumen zu konstruieren. Panasonic zeigt doch schließlich wie’s geht.

Und noch ein Haken an den Objektiven: Wer keinen Adapter für Objektive verwenden will, um Objektive anzuschließen die nicht für NEX-Kameras konzipiert sind, wird nur wenig Qual bei der Wahl haben – das Angebot ist klein bis mager.

Zurück zur NEX-7. Trotz meiner Vorbehalte Sonys NEX-Reihe gegenüber: Wer eine wirklich anspruchsvolle Systemkamera sucht, der sollte sich die NEX-7 wohl ansehen. Und bei Bedarf einen, der Adapter einkaufen, über die sich andere Objektivsysteme koppeln lassen.

Nikon

Nikon 1 J11 Nikkor 10 PancakeLange mussten die Freunde von Nikon (zu denen ich mich ja auch zähle) auf eine Systemkamera ihrer Marke warten. Enttäuscht waren viele über das Ergebnis – ich nehme mich da nicht aus. Nikons Systemkamera-Serie Nikon 1 glänzt vor allem mit einem relativ kleinen Bildsensor – zwar größer, als bei Kompakten üblich, aber kleiner als FourThirds.

Die Nikon 1 Reihe ist für mich deshalb keine Option. Zu wenig Spielraum mit Schärfentiefe und aktuell zu wenig Objektivauswahl. Allerdings entspreche ich auch nicht der deklarierten Zielgruppe der Nikon 1. Deshalb gibt es an den Kameras auch kaum meine geliebten Knöpfe und Räder.

Damit möchte ich die Nikon 1 jetzt aber absolut nicht schlecht reden. Ich hatte bereits beide Nikon 1 Modelle in Händen und fand die Haptik phantastisch. Das gilt gleichermaßen für Gehäuse wie Objektive. Die Kameras haben das, was ich als Seele bezeichnen möchte. Einmal mehr beschleicht mich das Gefühl, dass ein Unternehmen, das auf Kameras konzentriert ist doch etwas mehr Herzblut in die Apparate einfließen lässt, als ein großer Elektronik-Konzern der eben auch Kameras anbietet und vor allem Technik einfließen lässt.

Der Vorteil des kleinen Sensors ist natürlich, dass sich damit noch kleinere Kameras konstruieren lassen. Ich gehe davon aus, dass Nikon – neben allen anderen Herstellern auch – dem Beispiel Pentax’ folgen und spiegellose Kameras anbieten werden, die mit den Objektivanschlüssen der aktuellen Spiegelreflexkameras kompatibel sind. Bei Nikon heißt das Kompatibilität bis in die 1950er Jahre hinein. Da würde es wenig Sinn machen zwei Systeme mit vergleichbar großen Sensoren im Portfolio zu haben mit unterschiedlichen Anschlüssen.

Was ich bei der Nikon 1 weniger verstehe ist, weshalb sie einen eigenen Anschluss für ein eigenes Blitzsystem haben und nicht kompatibel sind, zum Blitzsystem der Nikon DSLRs.

Pantax K und Q

PENTAX Q glasses 2Zum Thema Unverständlich fällt mir als nächstes Pentax’ Q System ein. Wenn man den Sensor der Nikon 1 als klein bezeichnen kann, dann muss man bei Pentax Q wohl von winzig sprechen. Sieht man sich diese Kamera samt Objektiven auf Bildern an hat man nicht den Eindruck es handle sich um Fotoapparate, sondern um Miniaturen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht ganz, was ich davon halten soll.
K01 B Y a0Besser nachvollziehbar ist für mich da schon die neue Pentax K-01. Sie mag zwar zunächst in einer überraschenden Optik daherkommen und irgendwie an eine Mischung aus Baustellen-Werkzeug und Plastikspielzeug erinnern, doch die Ambitionen können ernsthafter wohl nicht sein. Diese Kamera überrascht nicht nur mit ihrem Aussehen, sondern auch mit dem Umstand, dass sie das erste spiegellose Modell eines Systemherstellers ist, das zu Objektiven der etablierten Spiegelreflex-Modelle kompatibel ist. Das bedeutet, man hat ohne zusätzlichen Konnektor die Möglichkeit auf alle Objektive des Pentax Spiegelreflex-Systems zurück zu greifen. Und die Optiken von Pentax genießen bei Gott keinen schlechten Ruf.

Dabei dürfte das Modell kompakter sein, als es die Abbildung links nahe legt.

Fujifilm

FUJIFILM X Pro1 Presse5Größte Wellen in der Welt der Fotoentusiasten hat die Ankündigung der Fuji X-Pro1 geschlagen. Fuji – bekannt für exzellente Bildsensoren und hervorragende Optiken – bringt mit diesem Modell eine Mischung aus Systemkamera und Sucherkamera auf den Markt. Der Sensor hat ein mittleres, sogenanntes APS-C-Format und entspricht damit dem, was aktuell in Spiegelreflex-Kameras für Einsteiger, Aufsteiger und Semi-Pros verbaut wird (etwa selbe Größe wie bei Sony NEX, Pentax K-01 und Samsung, aber größer als FourThirds und Nikon 1).

Den professionellen Anspruch des Systems unterstreicht Fuji nicht nur dadurch, dass zum Verkaufsstart lediglich drei Festbrennweiten (!) auf den Markt kommen, sondern auch durch den Preis. Die Erwartungen sind groß.

Und sonst?

Von Canon ist noch immer nichts über die Einführung eines spiegellosen Systems zu erfahren. Neben den bekannten Herstellern finden sich auch noch Samsung und Ricoh am Markt der Systemkameras – Letztere mit einem besonders innovativen (in meinen Augen auch seltsamen) Ansatz, bei dem der Bildsensor direkt mit dem Objektiv verbaut ist. Man darf gespannt sein was aus diesem System wird, nachdem Ricohs Kamera-Sparte mit der Kamera-Entwicklung von Pentax verschmolzen wurde.

Letzte Worte | Ich habe mir größte Mühe gegeben, den Artikel gut zu recherchieren und meine persönlichen Eindrücke der Systeme zu beschreiben. Besser können das in den meisten Fällen allerdings all jene, die das eine oder andere System ihr Eigen nennen und ihre Praxiserfahrung einbringen können. Sachdienliche Ergänzungen und Beschreibungen würden diesen Artikel und die Serie im Nutzen für die Leser natürlich immens aufwerten. Gerne auch mit Links auf eure Blogs und Websites.

Weiter zum 7. Teil: Spiegelreflexkameras

Welche Kamera kaufen, Teil 5: Bridge-Kameras

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Nicht so viel Technik | Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nicht mehr so viel über Technik zu schreiben. Zwar könnte man meinen es gäbe für Fotografen wirklich nichts Wichtigeres, wenn man in die einschlägigen Foren, Blogs und Fachmagazine blickt. Aber das deckt sich irgendwie nicht mit meiner Einstellung zum Fotografieren. Für mich ist vor allem der Prozess des Fotografierens selbst von Bedeutung. Sicher: Mit einer tollen Ausrüstung macht es mehr Spaß. Aber nur wenn man damit umgehen kann.

Spaß ohne High-end-Technik | Allerdings bilde ich mir ein auch ohne Vollformat-Kamera und Lichtstarke Profiobjektive Freude an der Fotografie haben zu können. Ganz so, wie ich mit meinem Mazda Roadster Freude am Fahren haben kann, auch wenn ich mir sicher bin, dass es mit einem Aston Martin oder Porsche noch mehr Spaß sein könnte. Allerdings nicht der fünf- oder zehnfache Spaß! Deshalb würde ich auch nicht versuchen die fünf- oder zehnfache Kohle zusammenzukratzen und mich ruinieren, nur um ein bisschen mehr Freude am Fahren zu haben. Und so kann ich eben auch mit meiner 500-Euro Systemkamera genauso viel Spaß am Fotografieren haben, wie mit der sündteuren Profiausrüstung.

Und nun bin ich halt doch wieder so tief in der Technik, auch wenn ich behaupte, dass sie Nebensache ist. Andererseits ist sie ja auch Fundament. Denn ohne Technik keine Fotografie. Digitalfotografie schon gar nicht.

Größer als gedacht | Die Idee zu dieser kleinen Übersicht entstand bereits vor Monaten. Schon als ich an »Kreativ fotografieren« über Kamerakonzepte schrieb überlegte ich das Thema in meinem Blog etwas ausführlicher zu behandeln. Dass es aber fünf oder mehr Teile brauchen würde (und es werden nach diesem Artikel mindestens zwei weitere folgen) hätte ich allerdings nicht gedacht, als ich begann an der Übersicht zu schreiben.

Nach einem Artikel über Grundgedanken zum Kamerakauf und ein paar Gedanken zu Megapixel und Einstellrädern habe ich zunächst die gewöhnliche Riege der Kompaktkameras vorgestellt um darauf folgend etwas ungewöhnlichere Kompaktkameras zu zeigen. Nun möchte ich noch einmal eine besondere Klasse der Kameras mit fix montierten Objektiven vorstellen.

Bridge-Kamera

Die Bridge-Kamera soll eine Brücke zwischen Kompaktkamera und Spiegelrefelex-Kamera sein. Sie hat das ausfahrbare, aber fix verbaute Objektiv der Kompakten, und die griffige Form von der Spiegelreflexkamera – um es vereinfacht auszudrücken. Da diese Kameras meist extreme Zoombereiche abdecken, spricht man auch oft von Superzoom. Allerdings gibt es längst auch sehr kompakte Modelle in kleinen, eckigen oder modischen Gehäusen, die nicht im weitesten an Spiegelreflexkameras erinnern und trotzdem super-zoom-Bereiche abdecken. Deshalb bleibe ich doch lieber bei Bridge für dieses Kamerakonzept.

Hochwertiger als Kompakte | Preislich beginnen Bridge-Kameras in der Regel in einer Region, wo Kompaktkameras kaum mehr zu finden sind. Man darf also durchaus noch ein bisschen bessere Abbildungsqualität erwarten.

Ergonomisch geformt | Die Gehäuse sind kleiner und (in der Regel deutlich) leichter als bei Spiegelreflexkameras mit Objektiven. Dennoch haben sie ein gutes Volumen und sind ergonomisch geformt, bieten also durchaus dem Bedienungskomfort einer DSLR. Auch was Einstellräder und Funktionstasten angeht braucht der ambitionierte Fotograf kaum auf etwas zu verzichten.

Flexible Brennweite | Die Brennweitenbereiche der Zoomobjektive braucht man bei Objektiven für SLRs gar nicht erst zu suchen. Bridge-Kameras haben oft die zwei oder dreifache Brennweite der zoomstärksten Wechselobjektive für SLRs. Allerdings auch mit all den qualitativen Einschränkungen und Nachteilen, die damit einher gehen.

Ich persönlich bin ja bekennender nicht-Fan langer Telebrennweiten – meine Liebe gehört dem Weitwinkel. Doch bei den kleinen Bildsensoren kompakter Kameras – und Bridge-Kameas haben in der Regel keine größeren Sensoren als Kompaktkameras – haben lange Brennweiten einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Man kann die lange Brennweite nutzen um mit der dadurch entstehenden kurzen Schärfentiefe den Hintergrund unscharf zu bekommen und damit ein Motiv freizustellen. Auch wenn die Motive dadurch kaum mehr perspektivische Tiefenwirkung entfalten, lassen sich dennoch coole Ergebnisse erzielen.

Guter Reisebegleiter | Bridge-Kameras sind ein guter Tipp für alle, die eine möglichst flexible Kamera wollen, die auch etwas größer sein darf, die aber nicht gleich in eine DSLR-Ausrüstung investieren und sie mit sicher herumtragen wollen. Sie sind gute Reisebegleiter, wenn man etwas anspruchsvoller ist und nicht nur Draufhalten und Abdrücken will.

Makro-Profi | Eine besondere Empfehlung stellt die Bridge-Kamera für Freunde der Makrofotografie dar. Bridge-Kameras erlauben es meist bis auf 1cm an ein Motiv heranzurücken. Wer eine Spiegelreflexkamera nutzt kommt mit den gewöhnlichen Objektiven nur selten näher an ein Motiv als 20cm. Oft sogar nur 50cm oder lange Brennweiten erwarten sogar einen Abstand von einem Meter und mehr. Für eine SLR brauht man spezielle Makro-Objektive, die meist alleine das Preisschild einer ganzen Bridge tragen. Dabei sind Bridge-Kameras komfortabel für die Makrofotografie einsetzbar, bieten von Haus aus große Schärfentiefe – was bei Makro ein großer Vorteil ist – und man erreicht mit ihnen oft eine annähernd professionelle und postertaugliche Abbildungsqualität.

Modelle

FUJIFILM X S1 presse1

Einen besonders guten Ruf hat sich bei den Bridge-Kameras Fuji erarbeitet. Ich glaube auch, dass kaum ein Hersteller mehr Modelle dieser Gattung in seinem Portfolio präsentieren dürfte. Man bekommt also von Fuji Bridge-Kameras in den verschiedensten Ausführungen, bereits ab Preisen unter 200 Euro. Das Spitzenmodell ist aktuell die X-S1, die nicht zuletzt auf Grund ihrer Größe kaum von einer DSLR zu unterscheiden ist. Allerdings liegt der UVP dafür aktuell bei etwa 750 Euro. Eine DSLR plus Objektiv ist schon um weniger Geld zu haben.

Wie bereits in einem vorangegangenen Artikel erwähnt, genießt Fuji einen äußerst guten Ruf sowohl als Hersteller von Objektiven als auch als Entwickler von Bildsensoren. Ich würde also erwarten, dass die X-S1 unterm Strich SLRs in der gleichen Preisklasse kaum nachstehen dürfte.

Der Sensor der X-S1 ist mit 8,8×6,6mm für diese Kameraklasse relativ groß und darüber hinaus mit 12 Megapixel nicht zu üppig mit Pixeln überladen, was für gute Abbildungsqualität und gutes Rauschverhalten sorgen sollte.

In der Supermakro-Einstellung ist es in Weitwinkelstellung bis auf 1cm an ein Motiv heranzugehen.

DMC FZ150EGK HiRes Image Image 1 Europe 1ZoomA1001001A11H23C11702I13270Auch Panasonic hat ein paar Modelle an Bridge-Kameras im Sortiment, wobei Panasonic wieder von Superzoom spricht. Die Modelle, wie zum Beisiel diese Lumix FZ150, lesen sich auf dem Datenblatt durchaus interessant. Der Bildsensor ist hier mit 6,16×4,62mm nicht übermäßig groß und auch Panasonic vermeidet es ihn mit Megapixel zu überfrachten und liefert mit 12 Megapixel eine wohl sinnvolle Dichte.

Nikon P510 schwarz

Die P510 von Nikon bietet ein 42-fach Zoom von 24mm bis 1000mm! Am Klappdisplay dürften Makrofotografen ihre Freude haben und die Schalter und Knöpfe versprechen ergonomisches Fotovergnügen.

197977Sony hat sich vor allem zu Beginn der Digital-Kompaktkamera-Ära dadurch einen Namen gemacht, dass sie Modelle anboten, die sehr schnell auslösen konnten. Ich war mit meinen Sony Cybershot-Modellen recht zufrieden. Die technischen Daten der aktuellen Sony Bridge-Kameras sprechen mich persönlich nicht so besonders an. Zu viel Megapixel für die kleinen Sensoren und zu wenig Weitwinkel am kurzen Ende der super Zooms, zum Beispiel 27–810mm und 18 Megapixel, bei dieser DSC-HX200V.

Wie für den Rest dieser Artikelserie gilt allerdings auch hier, dass das hier keine Testberichte sind, sondern dass ich lediglich einen Ansatzpunkt anbieten möchte, welche verschiedenen Arten an Kamerakonzepten es gibt und bei welchen Herstellern man wo nach den Modellen suchen kann.

Zu den Pionieren unter den Anbietern von Bridge-Kameras gehört Olympus und auch heute gibt es noch mehrere Modelle dieser Klasse, bei Olympus Traveler genannt. Auch Pentax hat ein Modell im Programm das bei ihnen als Crossover bezeichnet wird.

Fazit

Unverdiente Mauerblümchen | Bei Canon fand ich keine Bridge-Kamera im Angebot. Das Segment scheint Canon zu wenig interessant zu sein und ich finde das durchaus OK. Man braucht ja nicht auf jeder Hochzeit zu tanzen. Ein aufmerksamer Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Canon sehr wohl eine Bridge-Kamera im Angebot hat, nämlich die PowerShot SX40S. Ich bin selbst etwas verwundert, wie ich die übersehen konnte, denn selbstverständlich habe ich auf den Websites der Hersteller recherchiert.

Neben und zwischen schicken Kompaktkameras, trendigen Systemkameras und den beliebten Spiegelreflexkameras gehen die Bridge-Kameras meist etwas unter. Unverdient, wie ich meine. Fotografen, denen eine Kompakte nicht reicht und die mit einem Aufstieg zu System- oder Spiegelreflexkamera überlegen, sollten Bridges als Alternative nicht ganz außer acht lassen. Wer ohnehin nicht beabsichtigt mehrere Objektive zu kaufen, braucht nicht unbedingt eine Systemkamera. Bridges sind nicht so groß und schwer wie eine Spiegelreflex-Ausrüstungen. Sie ermöglichen unkompliziert tolle Makro-Einblicke in die Welt des Kleinsten und meist sind sie flexibel genug im Weitwinkel tolle, spannende und dynamische Landschaftsaufnahmen einzufangen und am anderen Ende, im Tele, kann man sogar Spiegelreflex-ähnliche Porträtaufnahmen erreichen.

Weiter zum 6. Teil: Systemkameras

Welche Kamera kaufen, Teil 4: Kompakte Exoten

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Etwas andere Kompaktkameras

Die Kompaktkameras im ersten Teil meiner kleinen Übersicht richten sich an die breite Masse der Fotografen. Daneben – oder besser gesagt: darüber – finden sich noch etwas speziellere Geräte, die sich an besonders anspruchsvolle Fotografen richten.

Zu diesen speziellen Apparaten müsste man auch die Kompakten von Leica zählen, von denen ich euch hier aber kein Exemplar zeigen kann, weil ich keine Bilder für die Presse gefunden habe. Nun muss ich zugeben, dass sich Leica nach meiner bescheidenen Meinung das Prestige ihrer Marke ordentlich bezahlen lässt – ob man einen Mehrwert erhält der dem Mehrpreis der Geräte entspricht mag dahin gestellt bleiben. Allerdings handelt es sich bei dieser Aussage um ein Vorurteil, denn tatsächliche Erfahrungen mit einer Leica habe ich bislang nicht gemacht.

Sigma dp1Zu den ausgefallenen Geräten unter den kompakten Kameras zählt die DP-Serie von Sigma – hier abgebildet die DP1 Merrill. Diese Kamera hat einen Bildsensor mit einem Format von 23,5×15,7mm und ist damit mit einer Spiegelreflexkamera vergleichbar. Beinahe alle anderen Kompakten haben deutlich kleinere Sensoren. Der Fotograf darf dementsprechend eine Bildqualität erwarten, die tatsächlich einer Spiegelreflex entspricht, und nicht nur an diese heranreicht. Das ermöglicht dem Fotografen auch einen entsprechend großen Spielraum bei der Gestaltung der Schärfentiefe. Lichtstarke Objektive komplettieren Geräte die für den professionellen Anspruch entwickelt wurden. Zu diesem Anspruch gehört allerdings auch, dass die Objektive Festbrennweiten sind. Zoomen is also nich, dafür darf man aber kompromisslose Abbildungsqualität erwarten.

Eine weitere Besonderheit stellt ein besonderer Bildsensor da, der ein Sigma-Eigengewächs ist und der sich von anderen Sensoren dadurch unterscheidet, dass nicht ein roter, ein blauer und zwei grüne Pixel nebeneinander im Quadrat angeordnet die Motive vor der Linse digitalisieren, sondern ein roter ein blauer und ein grüner Pixel die hintereinander angeordnet sind. Frag mich niemand, wie das technisch funktioniert. Jedenfalls haben diese ›Foveon‹ genannten Sensoren einen ausgezeichneten Ruf und sollen exzellente Ergebnisse liefern.

Sigma gibt für den Sensor der DP1 Merrill eine Auflösung von 45 Megapixel an, wobei sie so rechnen: 15 Millionen rote + 15 Millionen blaue + 15 grüne Pixel = 45 Millionen Pixel, also 45 Megapixel. Das heißt aber, dass von vorne betrachtet lediglich 15 Megapixel auf dem Sensor angebracht sind und die restlichen 30 dahinter liegen. Im Vergleich: Eine Nikon D800 mit 36 Megapixel hat von vorne betrachtet tatsächlich 36 Millionen Pixel auf der Oberfläche, allerdings nur 9 Millionen blaue, 9 Millionen rote und 18 Millionen grüne. Da sich je vier Pixel (zwei grüne, ein rotes und ein blaues) das Aufnehmen der Farbinformationen teilen müssen, hat Sigma das bessere Verhältnis. Sagt Sigma. Im Grunde ist das reines Marketing und für die Praxis wenig relevant. Für die Praxis ist wichtig, dass der Sigma Sensor in Wirklichkeit 15 Megapixel Bilder generiert und dass deren Qualität höchsten Ansprüchen gerecht werden sollten.

Eine kompromisslose Kamera für kompromisslose Fotografen, die für gute Abbildungsleistungen auf einigen Luxus und viel Schnickschnack zu verzichten bereit sind.

Ricoh gr digitalWeiterere Exoten im Reich der kompakten Kameras sind die »GR Digital«-Kameras von Ricoh. Auch sie sind vor allem sehr ambitionierten Fotografen bekannt und genießen einen guten Ruf. Allerdings sind die Eckdaten nicht ganz so kompromisslos und bemerkenswert, wie es bei Sigmas DP-Kameras der Fall ist.
PowerShot G1 X FRT HORNeben den DP-Modellen von Sigma stellt auch die neue G1X von Canon die seltene Ausnahme einer Kompaktkamera mit dem Sensorformat einer Spiegelreflexkamera dar. Anders als die Sigma ist der Apparat aber weniger kompromisslos und zum Beispiel mit einem, für kompakte Kameras eigentlich üblichen, Zoomobjektiv ausgestattet. Zu erwähnen wäre noch, dass die G1X mit einem – ebenfalls seltenen – optischen Sucher ausgestattet ist. Wenn dieser aber tatsächlich, wie ich gelesen habe, praktisch identisch ist, mit jenem er Canon G12, dann ist seine Praxistauglichkeit wohl eher begrenzt.

Ich habe mir außerdem sagen lassen, dass man die Kamera nur mehr mit gutem Willen als kompakt bezeichnen kann. Dafür soll aber auch die Bildqualität für diese Kameraklasse sehr großes Niveau haben.

Weiter zum 5. Teil: Bridge-Kameras

Welche Kamera kaufen, Teil 3: Kompaktkameras

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Nach dem sich der geneigte Fotograf bewusst geworden ist wo, wie und was er gerne fotografiert beginnt die Suche nach der Kamera, die diese Grundvoraussetzungen als optimalen Kompromiss erfüllt. Ein Kompromiss wird es immer sein. Die eierlegende Wollmilchsau, die in die Jackentasche geht, eine perfekte Ergonomie für alle Aufnahmesituationen bietet, einen großen Sensor für viel kreativen Spielraum im Umgang mit Schärfentiefe hat und gleichzeitig unkompliziert Makroaufnahmen machen lässt, gibt es nicht.

Man muss ich für ein Kamerasystem und eine Kameramarke entscheiden. Wichtiger als die Marke ist aber das System. Spiegelreflexkameras haben andere Eigenschaften als Systemkameras und eine Systemkamera gibt es beispielsweise aktuell von Canon nicht. Also fiele für alle, die sich eine Systemkamera wünschen, Canon als Marke aus.

Grundsätzlich ist die Marke selbst relativ belanglos. Alle Marken haben Stärken und Schwächen. Wer bestimmte Eigenschaften sucht, mag bei einem Systemen eines bestimmten Herstellers besser bedient sein, als beim anderen. Im Großen und Ganzen jedoch kochen alle Hersteller mit Wasser und man findet wohl bei allen bessere und weniger gut gelungene Modelle.

Mit diesem Artikel möchte ich einen Fokus auf die verschiedenen Systeme legen, ihre potenziellen Vor- und Nachteile ansprechen und ein paar Modelle verschiedener Hersteller hervorheben, wobei ich zunächst mit Kompaktkameras beginne.

Auch wenn ich mit Nikon DSLRs arbeite, die Entscheidung für diese Marke bewusst getroffen habe und keinen Grund sähe die Marke zu wechseln, ist das meine subjektive Entscheidung. Fragt man mich, welche Marke ich als DSLR empfehlen würde, muss es natürlich Nikon sein – schließlich ist es die Marke für die ich mich entschieden habe. Aber jeder muss selbst herausfinden was für ihn am besten passt. Und wenn mich einer fragt, welche Kompaktkamera ich empfehle, dann wäre es die Canon Powershot S96 (aktuell S100). Trotz aller Vorlieben bleibt die Marke nur bedingt wichtig und es gibt bedeutend wichtigere Faktoren.

Kompaktkameras

Modische Basismodelle zum Draufhalten und Abdrücken

Kompaktkameras gibt es in schier unübersichtlicher Anzahl von allen Herstellern in allen Farben und Formen. Viele versuchen schick auszusehen, manchen gelingt es. Die Bildsensoren erreichen kaum ein Format 6×4mm. Diese winzigen Aufnahmemedien ermöglichen so gut wie kein kreatives Spiel mit Schärfentiefe und die Anfälligkeit für Bildrauschen ist erhöht wenn die Lichtbedingungen nicht optimal sind und das Umgebungslicht schwach ist.

Lieber weniger Megapixel | Da die Zielgruppe kompakter Kameras vor allem der unerfahrene Fotograf ist und die Marketing-Abteilungen der Hersteller wissen, dass man dieser Klientel möglichst viele Megapixel offerieren muss, um die Modelle zu verkaufen, liegt der Standard für die meisten Geräte bei etwa 16 Megapixel. Leider wirkt sich die Kombination kleinerer Sensor, mehr Megapixel negativ auf die Bildqualität aus (etwas ausführlicher im letzten Artikel erklärt). Ich rate also sich in der Kategorie der kleinen, modischen Kompaktkameras lieber für Geräte mit weniger Megapixel zu entscheiden, also viel lieber 10 statt 16 MP.

Draufhalten und Abdrücken | Die Geräte sind grundsätzlich zum Draufhalten und Abdrücken gedacht. Kreative Einstellungen finden sich, wenn überhaupt, lediglich in den Menüs und ich habe bisher keine Kamera kennengelernt, bei der das Einstellen über Menüs den fotografischen Fluss nicht gebremst hätte.

Wahlräder für Blenden- und Zeitvorwahl und manuelle Belichtungseinstellungen sucht man in dieser Kameraklasse vergebens. Man darf sich aber fragen, welchen Sinn solche Hardware-Steuerelemente in dieser Kameraklasse überhaupt haben, wenn man ohnehin kaum Blendenspielraum und (außer im Makro-Bereich) so gut wie immer annähernd unendliche Schärfentiefe hat – egal welche Blende man vorwählt.

Qualität oft besser als der Ruf | All die beschriebenen Einschränkungen bedeuten jedoch nicht, dass man mit kompakten Kameras keine tollen Aufnahmen machen könnte. Wer zu fotografieren versteht, kann auch im Rahmen enger Einschränkungen gute Fotos machen. Ich habe auch schon umwerfende Bilder aus Handys gesehen – von guten Fotografen gemacht, die verstehen, trotz der bei Handys noch engeren Einschränkungen, das beste aus einem Fotoapparat herauszuholen.

Wer in erster Linie ein Gerät sucht, mit dem man auf Motive zielen und Abdrücken kann, ohne sich mit Blendeneinstellungen, ISO-Werten und Brennweite-Belichtungszeit-Verhältnissen zu befassen und weder Blitz, noch Stativ, noch eine große Kamera mit sich rum schleppen möchte, der ist in dieser Klasse gut bedient und braucht auf tolle Ergebnisse nicht zu verzichten. Sich nicht mit den technischen Aspekten von Fotografie auseinandersetzen zu wollen, bedeutet ja nicht, dass man nicht dennoch bewusst und kreativ fotografieren könnte, auch wenn man ganz ohne technisches Wissen in den kreativen Ausdrucksmöglichkeiten natürlich immer etwas eingeschränkt bleibt.

Brennweite – lieber weniger als mehr | Vor wenigen Jahren reichte die Brennweite der Zoomobjektive kompakter Kameras meist von 35mm bis etwas über 100mm (bezogen auf Kleinbild). Beeindruckende Landschaftsaufnahmen sind mit mit 35mm Weitwinkel kaum zu erzielen – dabei sind es vor allem Landschaften, bei denen kompakte Kameras einigermaßen mit Spiegelreflex-Modellen mithalten können.

Heute liegt der Standard meist bei 28mm+, womit sich durchaus ein netter Panoramablick einfangen lässt. Ich persönlich würde aber auf jeden Fall 24mm+ vorziehen.

Umgekehrt kann ich am langen Ende gut auf mehr Brennweite verzichten. Lange Brennweiten werden meist genutzt um auf große Distanzen zu fotografieren. Dabei ergeben sich meist Probleme durch Blauverschiebung und Störungen in der Atmosphäre, sowie mit der Belichtungszeit oder zu hartem Licht. Ich kann deshalb gut auf lange Brennweiten verzichten. Bewegliche Beine machen besser Aufnahmen als lange Brennweiten.

Allerdings können lange Brennweiten bei kompakten Kameras (und bei allen Kameras mit kleinen Bildsensoren) genutzt werden um Objekte, trotz kleinem Bildsensor, durch geringe Schärfentiefe und somit unscharfen Hintergrund freistellen zu können. Je länger nämlich die Brennweite eingestellt wird, desto kürzer wird die Schärfentiefe. Bei 200mm+ kann man auch mit einer Kamera mit sehr kleinem Sensor den Hintergrund unscharf bekommen; fast so, als hätte man mit einer Spiegelrefexkamera mit offener Blende fotografiert. Man muss sich bei längerer Brennweite halt etwas vom Motiv weg bewegen (wobei wir wieder bei den beweglichen Beinen wären) und damit leben, dass sehr lange Brennweiten immer zu einer etwas flachen Perspektive führen. Aber wie gesagt: Fotografieren heißt immer auch Kompromisse eingehen.

Darüber hinaus kann man sehr lange Brennweiten auch in der Makrofotografie, für die Kompaktkameras ja unkompliziert und gut eingesetzt werden können, gut für tolle Ergebnisse einsetzen.

Kompaktkamera canon ixusCanons IXUS-Serie gehörte schon in analogen Zeiten zu den Klassikern. Die IXUS 510 HS hier scheint mir mit etwa 10 Megapixel sinnvoll und nicht übertrieben hoch aufgelöst. Die Anfangsbrennweite von 28mm wäre für meinen Geschmack etwas zu lang, dafür erreicht sie aber mit 336mm KB am langen Ende ein durchaus beachtliches Tele. Außerdem sind kürzere Brennweiten als 28mm nach wie vor rar bei kompakten Kameras.
Tipp: Wer eine simple Kamera sucht und sich etwas sehr eckigen Look dieser Kamera nicht stört, sollte sich das Gerät einmal etwas genauer ansehen. Mir scheint es jedenfalls einen näheren Blick wert.
Nikon coolpix S9100Meine Erfahrungen mit Nikon Coolpix-Kameras sind durchwegs positiv, auch wenn ich den Eindruck habe, dass Canon bei Kompakten die Nase etwas vorne hat. Die Coolpix S9100 hier ist mit 12 Megapixel nicht sinnlos hoch aufgelöst und deckt mit 25–450mm einen immensen Brennweitenbereich ab.
Tipp: Die zweite (und letzte) Kamera, die mir beim Blick in die Auslagen der Kamerahersteller aufgefallen ist, die mir in der Klasse der einfachen Basismodelle aufgefallen ist und die ich mir persönlich näher ansehen würde.
Sony cybershot tx1Ebenfalls positiv waren meine bisherigen Erfahrungen mit Digitalkameras von Sony. Wie auch in anderen Bereichen besticht Sony durch cooles Design, wie bei der TX1 hier, und Sony-Kameras sehen oft anders aus, als die Geräte der etablierten Kamerahersteller. Kameras mit unter 16 Megapixel sind bei Sony aber leider eine Seltenheit. Bei meinen früheren Sony Modellen störten mich außerdem die teuren Speicherkarten und die teuren, aber sehr rasch entleerten Akus.
Samsung wb750Nicht minder innovativ im Design sind die Kompaktkameras von Samsung. Dabei bestechen die Geräte, die ich bislang in Händen hatte, durch extrem hochwertige Materialhaptik. Die WB750 hier ist im übrigen ein typisches Bespiel dafür, dass die etwas teureren Modelle beim selben Hersteller oft weniger Auflösung haben, als preiswertere.
Olympus vr 330Meine persönlichen Erfahrungen mit Kompakten von Olympus sind gemischt. Ich hatte und habe eine mit absolut herausragender Bildqualität und hatte für ein paar Tage ein Modell, dessen Ergebnisse inakzeptabel für einen Fotoapparat war (bestenfalls auf dem Niveau aktueller Smartphones). Man darf aber davon ausgehen, dass jeder Hersteller seine Highlights und Nieten im Programm hat.
Panasonic lumix DMC FS40EG KEbenfalls gemischt ist meine Erfahrung mit Panasonics Lumix-Kameras; hier die DMC-FS40EG-K (man lasse sich den Namen auf der Zunge zergehen). Vor einigen Jahren hatte ich eine kleine Lumix gekauft, habe sie aber nach einem Wochenende wieder gegen eine andere Kamera eingetauscht, weil mich die Lumix völlig enttäuscht hat. Heute besitze ich eine Lumix G3 und kann nicht viel daran aussetzen. Allerdings finde ich, dass Panasonics Kameras irgendwie die Kamera-Seele fehlt; das ist aber ein sehr subjektives Empfinden und kein Hard-Fact.
Fuji T400 Black FrontFujis Objektive und Sensoren genießen einen hervorragenden Ruf. Persönlich finde ich in ihrem Angebot an kompakten Geräten aber nichts was ich mir persönlich näher ansehen würde. Das soll aber nichts über die generellen Leistungen von Fujis kleinen Geräten sagen. Schließlich kann man nur objektiv über eine Kamera urteilen, nachdem man ausgiebig praktische Erfahrungen damit gemacht hat.
Pentax RZ18 black facePentax ist ein alter Hase auf dem Feld der Kamerahersteller. Die paar Pentax Optio-Modelle die ich bislang in Händen hatte, habe ich aber rasch wieder weg gelegt. Die Materialanmutung roch mir zu sehr nach billigem Plastik. Das muss allerdings nichts über die Qualität der Kameras selbst aussagen. Mir persönlich ist halt eine angenehme Haptik und wertiges Material wichtig.

Kompaktkameras für den sportlichen Einsatz

Wer sportlich unterwegs ist und seiner Kamera harte Stöße, Stürze, Feuchtigkeit oder gar Nässe zumuten möchte oder muss, für den gibt es heute auch bereits ein breiteres Angebot an Kameras. Einige Kameras bieten zusätzlich sogar GPS, was bei diesen Modellen, da ja oft im Outdoor-Sport und auf Reisen Einsatz finden, wohl auch besonders sinnvoll sein mag.

Pentax WG2GPS Orange a2Hätte Batman eine Kamera würde sie wohl so aussehen wie diese Kamera von Pentax. Zumindest wenn sie komplett schwarz wäre. Und tatsächlich habe ich sie schon in ganz schwarz gesehen. Nicht aber auf der Website von Pentax. Schlagfest. Wasserfest. Und mit GPS. Leider hat die WG2 GPS nur 28mm+ Brennweite. 24mm wäre mir sympathischer für eine Kamera mit so klar deklariertem Outdoor-Einsatz.
Nikon AW100 CM frontDie Nkon AW100 ist anhand der technischen Eckdaten vergleichbar mit der Pentax oben. Allerings unglaublich hässlich, im hier abgebildeten H.C.-Look für die Fotos von drei-Biere-bitte-Bestellungen bei den paramillitärischen Paintball-Übungen in den heimischen Wäldern und Bierstuben. Glücklicherweise gibt es das Gerät auch in mattschwarz mit Hammerschlagstruktur, und damit sieht sie richtig cool aus – entwickelt dann eher eine Art Ninja-Ästhetik.
Olympus TG 620 black still 1Eigentlich gebührte es Olympus in der Reihe der toughen Kameras als erstes genannt zu werden, denn soweit ich mich erinnern kann, waren sie in diesem Feld als erstes am Platz.
Panasonic presse 364 905 2Kürzere Brennweiten als 28mm findet man bei Panasonic. Die DMC-FT20EG-K (einen freien Kaffee für alle, die sich den Namen bis morgen merken) beginnt bei 25mm und endet bei 100mm. Andere Modelle gehen von 28mm–128mm. Leider finden sich auch hier nur Pixelmonster mit 14–16 Megapixel.
YELLOW POWERSHOT D20 FRTCanon hat zwar schon jetzt ein wasserfestes Gehäuse am Start, allerdings mit einer Brennweite von 35mm+ (und dem Look eines aufgeblasenen Schweinchens im Taucheranzug. Die neue D20 kommt ab Mai 2012 mit einer Anfangsbrennweite von 28mm. Nicht ganz mein Wunschwert von 24mm+. Dafür finde ich aber die 12 Megapixel smart. Wetten, dass Canon aus diesen 12MP mehr Bildqualität herausholt, als die anderen Kollegen aus 14 und 16?
Tipp: Wer warten kann und nicht auf Biegen und Brechen mehr Weitwinkel, als 28mm, haben muss, sollte bis Mai warten und einen Blick auf diese Kamera werfen. Es könnte sich lohnen.

Kompakte für ambitionierte und anspruchsvolle Fotografen

Kompaktkameras für anspruchsvollere Fotografen zeichnen sich oberflächlich betrachtet dadurch aus, dass sie Wahlräder für Blenden- und Zeitvorwahl, manuelle Belichtungseinstellung und einen schnellen Zugriff auf Belichtungskorrektur ermöglichen. Die Darstellung eines Histogramms nach der Aufnahme muss selbstverständlich sein.

Weniger ist mehr | Interessant ist, wie bereits erwähnt, dass diese Kameras trotz des höheren Preises meist weniger Megapixel haben, als die preiswerteren Basismodelle. Der erfahrende Fotograf weiß, dass er dennoch – oder gerade deshalb – mehr Bildqualität erwarten darf. 16 Megapixel bei kompakten mit winzigen Sensoren darf man ruhig als Marketing-Gag betrachten, der vom Markt allerdings dankbar angenommen wird.

Nicht nur die geringere Auflösung verbessert die Aufnahmeeigenschaften, auch die meist schon etwas größeren Bildsensoren im Bereich von 8×6mm. Zwar reicht das Sensorformat bei Weitem nicht um großartig kreativ mit Blende und Schärfentiefe spielen zu können, aber zumindest das Rauschverhalten entwickelt sich gut bei weniger Auflösung bei größerem Sensorformat.

Das Problem bei kleinen Sensoren und großer Auflösung ist, dass sich Bildrauschen oft auch unter guten Lichtbedingungen in schattigen Bereichen nicht vermeiden lässt. Die Software der Kamera steuert diesem Umstand gegen, dass sie mit aggressiven Rauschreduzierungs-Algorithmen drüber fährt. Das macht aber das Bild noch unschärfer, als es durch das Rauschen ohnehin schon wird. Deshalb wird das Bild anschließend wieder aggressiv nachgeschärft. Werden die Bilder zusätzlich noch durch kräftige JPEG-Komprimierung auf geringe Dateigröße zusammengestaucht, dann fallen die Resultate noch schlechter aus. Ein Bild, das mit 10 Megapixel aufgenommen wurde, nur maßvoll JPEG-komprimiert und in Photoshop auf 16 oder 18 Megapixel aufgeblasen wird, wird mit ziemlicher Sicherheit besser ausfallen, als ein Bild aus einer 16-MP-Kamera, das durch den beschriebenen Rausreduzierungs-Scharfzeichnungs-Komprimierungs-Fleischwolf gejagen wurde.

Raw | Noch besser, und für mich ein absolutes Go-/Nogo-Kriterium, ist es, wenn es die Kamera erblaubt Bilder gleich im Raw-Format zu speichern. Wenn der Bildsensor etwas taugt, kann der Fotograf damit in einem Raw-Entwicklungsprogramm, wie Lightroom, Aperture oder Capture One das Maximum aus den digitalen Negativen herausholen.

Nikon P7100 front lcModelle, wie die Nikon P7100, richten sich an besonders anspruchsvolle Fotografen. Sie bieten schnellen Zugriff auf wichtige Einstellungen über Schalter, woraus man aber nicht schließen darf, dass man die Flexibilität einer Spiegelreflex erreicht. Den Funktionsumfang bezahlt man hier aber dafür mit einem Volumen und Gewicht, dass die Kamera nicht mehr ganz kompakt ausfallen lässt.
Ich hatte vor einiger Zeit das Konkurrenzmodell von Canon, zur P7000 (dem Vorgänger der P7100). Ein durchaus toller Apparat. Allerdings war dessen Hauptargument in meinem Augen – der optische Sucher – so klein, dass er sich für die Praxis als praktisch unbrauchbar herausgestellt hat. Ob das auf die Nikon P7100 ebenfalls zutrifft kann ich nicht sagen. Persönlich stelle ich mir unter eine Kompaktkamera etwas kompakteres vor und würde mich nicht mehr für die Canon Powershot G12 entscheiden.
Canon S100 FRT HOR BLKKompaktkamera-Empfehlung: Es gibt eine schier unüberschaubare Anzahl an Kompaktkameras am Markt. Die meisten werden Durchschnitt sein. Manche sind Stark, haben aber natürlich ihre Schwächen. Die Canon S95 durfte ich über ein paar Wochen testen und die kleine konnte mich echt begeistern. Sie hat dieselben Qualitäten wie Canons Kompakt-Flaggschiff G12, allerdings in einem tatsächlich kompakten Gehäuse. Dabei ist sie komfortabel zu bedienen und gibt dem Fotografen alle wichtigen Einstellungen in schnellen Zugriff. Vor allem gehört sie aber zu den nach wie vor wenigen Modellen, die in einem sehr kleinen und schicken Gehäuse, die Möglichkeit bieten, die Bilder als Raw zu speichern. Und das, was ich aus den Raw-Dateien rausgeholt habe, war um vieles besser, als die JPEG-Dateien, die die Kamera speichert und die auch nicht schlecht sind.
Die Nachfolgerin der S95 ist die links abgebildete S100. Diese hat zwar 12, statt 10 Megapixel, aber ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass es sich Canon für diese Kamera gut überlegt hat, die Auflösung zu erhöhen. Ich würde zumindest keine Verschlechterung erwarten, denn die technische Entwicklung bleibt ja nicht stehen.
X10 28mm front High angle 1Wer es nicht ganz so kompakt haben muss, wie bei der Canon S100, der sollte sich auf jeden Fall die Fuji X10 ansehen. Die Kamera ist im trendigen, aber auch funktional absolut sinnvollen, Retro-Look gehalten. Die Materialanmutung ist edel – man nimmt die Kamera gerne zur Hand. Der Sensor ist mit 8,8×6,6mm für eine Kompakte sehr groß, mit allen günstigen Eigenschaften die damit verbunden sind. Der Einschaltmechanismus ist schlicht Wegs genial. Natürlich können die Bilder in Raw gespeichert werden.
Auch bei den Kollegen der Foto-bloggenden Zunft genießt sie einen recht guten Ruf.
XZ 1 black front XLWer nach einer anspruchsvollen Kompakten sucht und die X10 von Fuji bereits als zu groß empfindet, der sollte neben der S100 von Canon auch die XZ-1 von Olympus in Betracht ziehen. Diese Kamera weißt eine absolut beeindruckende Lichtstärke auf. Lediglich die P310 von Nikon würde mir noch mit derselben Lichtstärke einfallen (die Fuji X10 bringt es zwar nur auf ƒ2.0, statt ƒ1.8 im Weitwinkel, ist aber mit ƒ2.8 im Telebereich insgesamt besser). Gegenüber der Nikon hat die Olmpus allerdings den Vorteil Raw als Dateiformat anzubieten, weshalb die Nikon für mich in dieser Klasse der anspruchsvollen Kompakten auch ausfällt.
Panasonic presse 261 618 5Im schnelllebigen Digitalkameramarkt bereits ein etwas älterer Knabe aber noch immer gut beleumundet ist die Lumix LX5 von Panasonic.

Weiter zum 4. Teil: Kompakte Exoten

Welche Kamera kaufen, Teil 2: Megapixel und so

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Vor kurzem schrieb ich in einem Artikel grundlegende Gedanken zum Kauf einer Kamera zusammen. Geplant war in einem zweiten Teil ein paar Kamerakonzepte, wie Kompaktkamera, Bridge-, System- und Spiegelreflexkamera vorzustellen. Zufällig hat ein geschätzter Kollege am nächsten Tag einen Artikel veröffentlicht, in dem es um dasselbe Thema geht, aber völlig andere Kriterien vorgeschlagen werden. Aufgrund dieses Artikels möchte ich meine Überlegungen noch einmal etwas weiter ausformulieren.

Nach meiner subjektiven Erfahrung sind die wichtigsten Parameter um mit einer Kamera glücklich zu werden, Gewicht und Volumen und die Sensorgröße. Alles Weitere sind Details. Anders gesagt: Diesmal kommt es wirklich auf die Größe an! Wobei größer nicht zwingend besser ist.

Volumen und Gewicht der Kamera entscheiden einerseits über die Ergonomie des Geräts beim Fotografieren, aber auch darüber, ob man die Kamera gerne mitnimmt.

Das Format des Bildsensors entscheidet, wie ich in welchen Situationen mit Schärfentiefe arbeiten kann und wo ich an Grenzen stoße.

Megapixel

Nach meiner Ansicht ein völlig überbewertetes Thema. Das Gros der Fotografen wird mit zehn bis zwölf Megapixel ein Leben lang ein Auslangen finden. Einsteigern würde ich deshalb raten kein besonders großes Gewicht auf möglichst viel Megapixel zu legen. Erst wenn sich aus der Erfahrung der Praxis ergibt, dass man mit der Pixelanzahl seiner Kamera definitiv an sichtbare Grenzen stößt, würde ich den Kauf einen Aufstieg zu einem höher auflösenden Gerät in Betracht ziehen.

Dem Einsteiger sollte zum Beispiel zu denken geben, weshalb professionelle Geräte um mehrere Tausend Euro zum Teil nicht mehr Auflösung (oder sogar weniger) haben, als billige Einsteiter-Kompaktkameras. Interessant ist sogar, dass Kompaktkameras, die sich an anspruchsvolle Fotografen richten (und deutlich teurer sind), meist nur zehn bis zwölf Megapixel auflösen, während 16 Megapixel bei den billigen Geräten quasi Standard sind. Haben die erfahrenen Hasen keine Ahnung oder fallen sie nur nicht auf die Tricks des Marketings herein?

Tatsache ist: Ein ungünstiges Verhältnis von Megapixel zu Sensorgröße ist problematisch und erzeugt sogenanntes Bildrauschen in dunklen Bereichen und wenn die Lichtsituation nicht mehr optimal ist. Auf dem kleinen Bildsensor einer Kompaktkamera finden bei 16 Megapixel nur mehr winzig kleine Pixel Platz. Das ist schlecht. Auf dem großen Sensor einer professionellen Spiegelrefelxkamera im sogenannten Vollformat können 12 Megapixel hingegen vergleichsweise riesig ausfallen. Das ist gut.

Die Auswirkung demonstriert das Foto eines iPhones mit, wie bei fast allen Handys, ganz, ganz kleinem Bildsensor. Betrachtet man das ganze Bild in der verkleinerten Darstellung, dann wirkt die Schärfe für ein Handy absolut beachtlich. Doch wenn man es zu 100% betrachtet, wie im Ausschnitt darunter zu sehen, dann ist das Resultat absolut unbefriedigend. Schlechter wäre das Ergebnis auch nicht, wenn die Kamera nur 4 statt 8 Megapixel hätte und in Photoshop zur höheren Auflösung aufgeblasen worden wäre.

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Bild eines 8 Mepagpixel iPhone 4s im ganzen Ausschnitt, also verkleinert.
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Ausschnitt, aus dem oberen Bild, in 100%, also der tatsächlichen Größe des Bildes.

Dabei ist Apple in Sachen Auflösung ja Musterknabe. Andere Hersteller liefern schon lange vor dem iPhone 4s Geräte mit 10 Mepgapixel und erreichen damit wahrscheinlich auch keine besseren Resultate.

Dieses Problem ist allerdings nicht nur auf Handys beschränkt. Ich habe schon ähnliche lausige Resultate bei Kompaktkameras auf dem Bildschirm gehabt.

Das darf jetzt allerdings auf keinen Fall so verstanden werden, dass eine hohe Bildauflösung per se schlecht oder überflüssig wäre. Es gibt Aufgaben, in denen ist viel Auflösung Pflicht. Zum Beispiel, wenn ich Architektur und Landschaft fotografiere, kleinste Details scharf abgebildet haben möchte, und beabsichtige die Aufnahmen auf großen Postern zu reproduzieren. Dann allerdings muss auch die Ausrüstung und die Arbeitsweise mitspielen.

Nikon empfiehlt für die neu angekündigte D800, mit sagenhaften 36 Megapixel, nur mehr die hochwertigsten Objektive, um die Auflösung voll nutzen zu können. Wir reden von Glas, dass kaum mehr unterhalb von 1000 Euro zu haben ist. Außerdem wird ein Stativ und die Arbeit mit Spiegelvorauslösung und Fernauslöser nahegelegt. Wer diesen Aufwand nicht treiben will, sollte über die Sinnhaftigkeit hoher Auflösungen nachdenken.

Blenden- und Zeitvorwahl und manuelle Einstellung

Wer eine Spiegelreflexkamera kauft kann über die Vorwahl der Blendenöffnung, der Zeit oder mit manueller Einstellung Bilder kreativ gestalten. Die Frage ob die Kamera diese Einstellungen komfortabel und leicht erreichbar zur anbietet, stellt sich bei diesen Geräten allerdings nicht, denn sie sind Standard.

Bei einer kompakten Kamera darf man aber sehr wohl hinterfragen, ob es wirklich einen Nutzen bringt großes Gewicht darauf zu legen. Hier gibt es Geräte die eigene Schalter dafür anbieten und solche, die das nicht tun. Man hat also die Wahl. Doch ob eine solche Funktion bei kompakten Geräten wirklich eine Notwendigkeit ist, ist fraglich.

Zum Einen ist der größte Nutzen von Blendenvorwahl und manueller Belichtungssteuerung, dass ich damit die Schärfentiefe kreativ gestalten kann. Doch mit dem kleinen Bildsensor einer Kompaktkamera ist die Auswirkung auf die Schärfentiefe, ob ich nun Blende 2.0 oder Blende 8.0 verwende, bei den meisten Motiven so gering, dass der Unterschied kaum mehr zu erkennen ist.

Außerdem erlauben Spiegelreflexkameras, je nach Objektiv, einen Spielraum zwischen Blende ƒ2.0 und Blende ƒ32 oder sogar noch mehr. Kompaktkameras sind jedoch meist auch im besten Fall zwischen Blende ƒ2.0 und Blende 8 eingeschränkt. In der Regel sogar eher noch Blende ƒ3.5 und Blende 8. Da ergibt sich wenig Spielraum für kreative Blendenvorwahl.

Fazit

Meine Empfehlung bleibt also für den Einsteiger nach wie vor sich erst einmal Gedanken darüber zu machen, wie, wo und was er fotografieren möchte, wie es im Eingangs erwähnten Artikel dargestellt ist. Es sind für mich die wichtigsten Überlegungen um längerfristig am Fotografieren mit einem Apparat Freude zu haben.

Einen Aufstieg auf ein teureres Gerät mit mehr Funktionen und mehr Leistung würde ich immer erst in Betracht ziehen, wenn man mit dem aktuellen Gerät an tatsächlich sichtbare und in der Praxis tatsächlich behindernde Einschränkungen stößt. Und dann auf das Gerät umsteigen, bei dem man durch visuelle Kontrolle und praktische Erprobung verifizieren kann, dass der neue Apparat diese Einschränkungen behebt. Bessere Kennzahlen und Hörensagen allein ist kein guter Einkaufsratgeber.

Auch wenn ich im Detail vielleicht etwas andere Prioritäten ansetze, als der genannte Kollege, Tom! Striewisch; seinen Artikel möchte ich dem geneigten Leser dennoch nahe legen um sich weitere Anregungen zur Kameraauswahl zu holen.

Weiter zum 3. Teil: Kompaktkameras

Welche Kamera kaufen, Teil 1: Grundfragen

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Die Frage nach der richtigen Kamera stellt sich jedem, für den ›drauf halten und abrücken‹ nicht ausreicht. Die Frage nach der Marke sollte dabei zunächst nebensächlich sein. Vielmehr sollte man nach dem passenden Modell Ausschau halten, ganz egal welcher ›Brand‹ auf dem Gehäuse prangt.

Ausschlaggebend für die Entscheidung ist vor allem wo und wie man welche Motive fotografieren möchte.

Frage 1: Wo

Mit der Frage nach dem ›wo Fotografieren‹ meine ich vor allem, wie einen die Kamera zur ›Location‹ begleiten soll. Begibt man sich speziell zum Zweck des Fotografierens an einen bestimmten Ort und geht es dann ausschließlich um das Fotografieren? Dann darf die Kamera auch ein ordentliches Volumen und Gewicht haben. Man wird vielleicht sogar eine ganze Kameraausrüstung mitschleppen.

Oder fotografiert man eher bei Gelegenheit und Beiläufig wenn sich Motive gerade erbeben? Dann ist natürlich vor allem wichtig, dass die Kamera dabei ist. Dann brauche ich also eine Kamera, die klein genug ist, um in die Jacken- oder Handtasche zu passen.

Natürlich wäre es schön, wenn man aus der kleinsten, schicksten und leichtesten Kamera dasselbe herausholen könnte und wenn sie genauso ergonomisch zu bedienen wäre, wie das bei großen und schwereren Kameras der Fall ist. Doch wer sich für ein möglichst kleines Gerät entscheidet, muss sich bewusst sein: Je kleiner das Gerät, desto mehr muss man mit qualitativen, gestalterischen und ergonomischen Einschränkungen rechnen. Diese Erkenntnis ist wichtig: Nicht nur die Qualität ist (etwas) und die Bedienung (deutlich) eingeschränkt, sondern vor allem auch der gestalterische Spielraum.

Frage 2: Wie

Schicke, kleine Kompaktkameras decken kaum eine Handfläche ab. Zum schnellen draufhalten auf ein Motiv ist mehr Ergonomie nicht unbedingt notwendig. Doch wer ausgedehnt fotografieren will, wird schnell merken, dass diese kleinen Geräte der Hand wenig Griffigkeit anbieten. Man hält sie mit den Fingern und bei längerem Fotografieren eher etwas verkrampft. Verkrampft heißt unruhig. Und unruhig ist für scharfe Fotos eher nicht so optimal.

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Schick und klein, aber ohne Ergomie für lange Foto-Sessions – die Komapktkamera.

Möchte man außerdem kreativ mit einem Fotoapparat arbeiten, ist es am besten für möglichst viele Einstellungen möglichst viele Knöpfe direkt am Gehäuse zu haben. Bedienung über Hardware, sozusagen, und nicht über die Software-Menüs, die sich am Display darstellen lassen. Kamera-Einstellungen über Menüs stören den Fluss des Einstellens und Fotografierens. Doch kleine Kameras haben, sofern sie überhaupt die Möglichkeit bieten wichtige Einstellungen über Knöpfe und Drehräder vorzunehmen, wenig Platz für diese. Sie sind dann meist zu klein und liegen zu dicht aufeinander.

X S1 UP 24mm
Zu groß für die Hand- und viel zu groß für die Jackentasche. Aber ergonomisch geformt für viel Spaß beim langen Fotografieren (Abbildung: Fuji X-S1).

Kameras, die nicht nur für das gelegentliche Schnappschießen gedacht sind, sind deshalb meist größer, so dass sie ein oder zwei Hände gut ausfüllen können – mit zwei Händen hält sich die Kamera einfach besser. Außerdem braucht man für kreativ gestaltendes Fotografieren auch eine Hand fürs Zoomen und Scharfstellen und die andere für Blendeneinstellungen, Zeiteinstellungen, Belichtungskorrekturen, etc.

Die größeren Gehäuse sind auch schwerer. Was als Nachteil für den Transport und ermüdend klingen mag, ist für das Fotografieren ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Denn mehr Gewicht liegt satter in Händen, stabilisiert die Kamera und sorgt somit für mehr unverwackelte und scharfe Bilder.

Auf den größeren Gehäusen lassen sich viele gut ertastbare Schalter und Wählräder bei ausreichendem Abstand unterbringen. Das macht die Arbeit mit diesen Geräten um Welten angenehmer.

Wie gesagt: Fürs draufhalten und abdrücken ist das alles kein Thema. Aber wer ausgiebige Foto-Sessions und -Safaris mit kreativer Bildgestaltung plant, der sollte lieber nicht zur kompaktesten Lösung greifen.

Frage 3: Was

Die dritte Frage ist: Was möchte ich fotografieren? Welche Art von Motiven? Dabei würde ich drei grundlegende Gruppen unterscheiden.

Landschaft und landschaftähnlich

Das klassische Landschaftsbild besteht aus Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Alle drei sollen scharf abgebildet sein – die Schärfe soll also von ganz vorne bis ganz hinten reichen. Man spricht dann von großer Schärfentiefe.

Was für Landschaften gilt, gilt grundsätzlich auch für Orts- und Städteansichten – das meine ich dann mit landschaftsähnlich. Auch wenn ich einen Raum fotografiere, oder eine Party, möchte ich wohl meist von vorne bis hinten alles scharf abgebildet haben.

Die Schärfentiefe hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Abstand zum Motiv, der Brennweite, der sogenannten Blende und vom Format des Bildsensors.

Je kleiner der Bildsensor, desto größer fällt die Schärfentiefe aus.

Für Landschaften und landschaftähnliche Motive, bei denen viel Schärfentiefe von vorne bis hinten gewünscht ist, sind auch Kameras mit sehr kleinen Bildsensoren durchaus gut geeignet. Wenn das Licht geht kann die Kamera und der kleine Aufnahmesensor sogar ein Vorteil sein, weil man die sogenannte Blende offen lassen kann, somit das noch vorhandene Licht besser ausnutzt und trotzdem eine hohe Schärfentiefe erzielt. Bei einer Kamera mit großem Bildsensor hat man die Wahl zwischen offener Blende, die das vorhandene Licht gut ausnutzt, und kurzer Schärfentiefe, oder geschlossener Blende, was zwar die Schärfentiefe erhöht, aber nicht mehr viel Licht zum Sensor lässt und somit längere Belichtungszeiten erfordert.

Kleiner Sensor, großer Sensor

Kleine Kompaktkameras und große Kameras – zum Beispiel Spiegelreflexkameras – unterscheiden sich vor allem auch durch die Größe des Bildsensors. Der Bildsensor ist das Aufnahmemedium. In der analogen Fotografie ist das der Film.

Eine Spiegelreflexkamera hat in fast allen Fällen einen um ein mehrfaches größeren Bildsensor als eine Kompaktkamera. Damit ist nach Stand der Technik vor allem etwas mehr Detailschärfe und weniger störendes sogenanntes Bildrauschen möglich. Größere Sensoren erlauben also insgesamt im Detail etwas mehr Bildqualität (was allerdings, abgesehen von Extrembedingungen, bei einer Wiedergabe unter A4 eher marginal ins Gewicht fällt). Vor allem aber erlauben diese größeren Bildsensoren viel mehr Spielraum zwischen wenig und viel Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe (wie in der nächsten Abbildung weiter unten) ist mit Kompaktkameras schwer zu erreichen (nur durch extrem kurzen Abstand oder extrem lange Brennweite).

Doch da bei Landschaft und landschaftähnlich große Schärfentiefe gewünscht ist, erreichen die kleinen Kompakten bei solchen Motiven dennoch Resultate, die jenen von Spiegelreflexkameras kaum nachstehen. Erst bei sehr großen Ausdrucken und bei sehr genauem Hinsehen wird man die Unterschiede deutlich ausmachen können.

Kompaktkameras sind somit für alle gut geeignet, die gerne Landschaften, Plätze, Gärten und Parks, Orte, Städte und Gassen fotografieren, jedoch auf das letzte Maß an anspruchsvoller Qualität zugunsten des leichten Transports verzichten können. Somit sind Kompaktkameras zum Beipsiel gute Reisekameras. Sie erreichen zwar die Güte ihrer großen Geschwister nicht ganz, doch je größer die Kamera, desto lieber und öfter wird man wohl ohne sie aus dem Haus gehen. Und die Kamera, die daheim im Schrank liegt, macht keine besseren Bilder, sondern gar keine!

Porträt und porträtähnlich

Anders sieht es aus, wenn man gerne Leute porträtiert. Bei einem Porträt geht es vor allem darum eine Person, einen Kopf, ein Gesicht zu zeigen. Alles andere würde bei diesen Aufnahmen nur stören und ablenken. Ein unruhiger, penetranter Hintergrund ist der Tod einer jeden gelungen Aufnahme einer Person. Deshalb hat man für diese Motive gerne eine geringe Schärfentiefe. Bei kurzer Schärfentiefe erscheint nur die Person scharf am Bild und der Hintergrund ist unscharf, lenkt nicht mehr vom Hauptmotiv ab und stört auch nicht mehr.

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Porträt. Die Person ist durch kurze Schärfentiefe vom Hintergrund ›freigestellt‹.

Was für Porträts gilt, lässt sich auf alle Objekte übertragen, die nicht wesentlich größer als eine Person sind und die ich zeigen möchte, ohne, dass ihr Hintergrund sich wichtig macht.

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Porträtähnliche Situation. Das Hauptmotiv ist ebenfalls durch kurze Schärfentiefe vom Hintergrund freigestellt.

Leider ist beim kleinen Sensor einer Kompaktkamera die Schärfentiefe so gut wie immer so groß, dass man kaum in der Lage ist das Hauptmotiv durch Unschärfe vom Hintergrund freizustellen.

Ich bin mir sicher, dass darin der Grund liegt, weshalb so viele Leute das Gefühl haben eine Spiegelreflexkamera würde um Welten bessere Fotos machen, als eine Kompaktkamera. Wenn es um Porträts geht erzeugen sie tatsächlich auch im Automatikbetrieb bessere Aufnahmen, als es in vielen Fällen auch mit den ausgefeiltesten manuellen Einstellungen an einer Kompaktkamera möglich ist.

Doch wie gesagt: Auch wenn das für Porträt und porträtähnlich zutrifft, sind die qualitativen Unterschiede bei Landschaft und landschaftähnlich für den Laien oft gar nicht recht auszumachen.

Klein oder Porträt | Das ist eine ganz wichtige Frage. Möchte ich eine kleine Kamera zum immer-dabei-haben? Oder eine Kamera mit der sich tolle Porträts und Bilder von Menschen machen lassen? Beides geht nicht! (genau genommen gibt es kleine Kameras mit relativ großen Sensoren, die aber die absolute Ausnahme dieser Regel sind und meist in der Preisregion einer Einsteiger-Spiegelreflexkamera liegen).

Für den Wanderer stellt sich diese Frage nicht. Seine Motive werden zu einem großen Teil Landschaften sein. Zwar will er sicher auch ein paar Aufnahmen seiner Begleiter einfangen. Aber diese Art der Porträts geraten dann am gelungensten, wenn die Landschaft, in der gewandert wird, mit einbezogen und ebenfalls scharf abgebildet wird. Das heißt, dass bei diesen Porträts die Schärfentiefe groß sein darf oder sogar soll. Er ist also mit einer kompakten Kamera, die klein genug ist um nicht einmal im Rucksack verschwinden zu müssen und somit schnell zur Hand ist, gut bedient. Für den Wanderer ist eine kompakte Kamera also wohl in den meisten Fällen ein Gewinn. Zumindest, wenn man zu jenen Wanderern gehört, für die das Wandern die Hauptsache und das Fotografieren die Nebensache ist (es gibt ja auch Wanderer, für die das Fotografieren die Hauptsache und das Wandern eher die Nebensache ist). Auf den Städtebummel und auf die Reise lässt sich das natürlich genauso übertragen.

Wer aber den Menschen, Objekte zwischen Blumen- und Menschengröße, oder auch Tiere in den Mittelpunkt seines fotografischen Interesses stellt, wird mit einer Kompaktkamera und ihrem kleinen Bildsensor keine langfristige Freude haben. Hier kommt man um eine Spiegelreflex, oder eine sogenannte Systemkamera mit ausreichend großem Bildsensor einfach nicht herum.

Zu einer Spiegelreflex oder Systemkamera würde ich auch den Mamas und Papas raten, für die der Nachwuchs das liebste Motiv darstellt – die Fotos werden einfach besser und machen wohl ein Leben lang mehr Freude. Natürlich darf man sich hier die Frage stellen, ob man diese doch schon mehr oder weniger großen Geräte dann wirklich immer dabei hat, wenn Bambam oder Pebbles gerade wieder ihre herzigsten Momente an den Tag legen. Aber seien wir mal ehrlich: Welche Kamera hat man immer dabei? Richtig: Das Smartphone. Und die Qualität der Kameras von Smartphones sind heutzutage absolut Schnappschusstauglich. Man macht dann halt die Erinnerungsschnappschüsse mit dem Telefon und die Hammerbilder mit der Großen.

Marko und die Welt des Kleinsten

Eine dritte Gruppe der Motive stellen Makroaufnahmen von winzigen Motiven dar. Der Besitzer einer Spiegelreflexkamera steht hier vor zwei Problemen:

  1. Normale Objektive für Spiegelreflexkameras verlangen einen reltaiv großen Mindestabstand zum Motiv. Das können 20cm, 40cm oder auch 100cm sein. Damit kommt man gar nicht nahe genug an winzige Motive heran um sie formatfüllend abzubilden. Der Spiegelreflex-Makrofotograf muss also in spezielle Makroobjektive investieren und diese kosten meist ein mehrfaches einer normalen Kompaktkamera.
  2. Auf Grund der geringen Schärfentiefe der mittelgroßen bis großen Bildsensoren dieser Kameratypen gerät bei der normalen Automatikeinstellung die Schärfentiefe so kurz, dass es kaum möglich ist, einen Käfer von vorne bis hinten scharf abzubilden. Die Schärfentiefe ist oft sogar so kurz, dass es kaum möglich ist das Facettenauge kleiner Käfer von vorne bis hinten scharf abzubilden und aus freier, unruhiger Hand ist es ein Glücksfall den Punkt maximaler schärfe dorthin zu bekommen, wo er sein soll: auf die Augen.
    Makrofografen mit Spiegelreflexkamera fotografieren deshalb oft mit Blitzen oder Stativen – oder beidem zusammen (der Grund dafür würde für diesen kleinen Leitfaden etwas zu weit führen).

Wer also gerne kleine Blüten, Schmetterlinge, Käfer und andere Winzigkeiten fotografiert, kann mit einer Kompaktkamera und ihrer von Haus aus großen Schärfentiefe viel leichter und bequemer beeindruckende Ergebnisse erzielen. Ich rate deshalb jedem, der Makro liebt und nicht den Aufwand mit Spezialobjektiven, Stativen und Blitzen treiben will, sich für eine Kompaktkamera zu entscheiden. Speziell die sogenannten Birdgekameras bilden hier oft hervorragende Arbeitsgeräte, die auch hohen Ansprüchen gerecht werden.

Die Grundsätzliche Entscheidung

Wer sich auf die Suche nach einer Kamera begibt muss also die Grundsatzentscheidung treffen, zwischen bevorzugten Motiven – landschaftähnlich, porträtähnlich oder Makro – bevorzugter Arbeitsweise – gelegentlich Fotografieren oder ausgedehnte Shootings – und Portabilität – immer dabei oder maximale Qualität und kreative Flexibilität. Wer sowohl ausgedehnte Porträt-Shootings und immer-dabei haben möchte, kommt um die Anschaffung (mindestens) zweier Kameras nicht herum.

Sonstige Kriterien

Natürlich gibt es noch weitere Kriterien. Zum Beispiel wäre die Bedienbarkeit über Hardware-Schalter und -Einstellräder genannt, die bereits angesprochen wurde. In dem Zusammenhang vor allem, wie viele Schalter vorhanden sind, was sich damit bedienen lässt und wie man sie vielleicht mit Individuellen Funktionen belegen kann.

Touch-Display | Neuere Kameras bieten zunehmend die Möglichkeit der Bedienung über ein Touch-Display, also wie bei einem Smartphone. Das ist etwas komfortabler als die Bedienung über kleine Kippschalter und Menüs, bietet zudem ganz neue Möglichkeiten (zum Beispiel mit einem Tipp auf das Display auf einen Punkt scharf zustellen und sogleich auszulösen), kommt aber an echte Schalter, die sich auch blind ertasten lassen, nicht ran.

Wechselobjektive | Ob sich die Objektive wechseln lassen ist natürlich auch ein ganz schwer gewichtiges Kriterium. Allerdings sollte man nicht grundsätzlich dem Schluss verfallen, dass eine Kamera mit der Möglichkeit Objektive zu wechseln grundsätzlich die bessere Entscheidung ist. Wie immer gilt: Es kommt drauf an. Und die Frage nach einem fix verbauten Objektiv, oder mit einem Anschluss für Wechselobjektive würde ich erst als vierten Schritt stellen, nachdem ›wie‹, ›wo‹ und ›was‹ geklärt ist.

Dateiformat | Da ich nicht nur die fotografische Gestaltung, sondern auch die Bildentwicklung, selbst kontrollieren möchte, ist für mich das Speicherformat noch eine ganz wichtige Zusatzfrage. Kompaktkameras bieten mit wenigen Ausnahmen nur das JPEG-Format als Speicherformat an. Wenn man selbst nicht in die Ausarbeitung eingreifen möchte, dann ist das auch perfekt. Doch für die Nachbearbeitung und Optimierung am Computer bietet es viel zu wenig Spielraum. Hier ist das sogenannte Raw-Format einfach besser. Bei Spiegelreflex- und Systemkameras ist das selbstverständlich. Bei Kompaktkameras gibt es diese Option hingegen nur selten.

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24mm

Posted in Theorie & Technik

»Wie viel Zoom braucht der Mensch?« habe ich in einem Artikel, unter dem Titel »40mm«, vor sechs Wochen gefragt und behauptet »gar keines!«

Nicht, dass ich Zooms schlecht finde. Ganz im Gegenteil: Wer mit einer Festbrennweite auf Weg geht, hat keine Möglichkeit die perspektivische Wirkung seiner Bilder zu gestalten. Zwar kann man den Blickwinkel verändern, aber unterschiedliche Brennweiten haben ganz verschiedene Auswirkungen auf Perspektive, Fluchten und Tiefenwirkung. Dennoch hat das Fotografieren mit einer festen Brennweite absolut seinen Reiz. So ist viel Lichtstärke bei Festbrennweiten bedeutend günstiger zu bekommen, als bei Zooms. Und viel Lichtstärke bedeutet nicht nur einen Vorteil bei ungünstigen Lichtverhältnissen, sondern auch mehr Gestaltungsspielraum mit Schärfentiefe und Bokeh.

Bei meiner Urlaubsreise nach La Palma im Frühjahr 2011 fehlte mir noch der Mut ausschließlich mit einer einzigen Festbrennweite zu fliegen. Doch die meiste Zeit blieben meine 24–70mm und 70–300mm Nikkore in der Finka und lediglich eine 24mm ƒ1.8 Festbrennweite von Sigma, mit Makro-Fähigkeit, begleitete mich.

Muss jedes Motiv jederzeit erreichbar sein? | Natürlich gibt es Motive, die sich damit nicht einfangen lassen. Vor allem all jene, die sich in der Ferne befinden und weg laufen oder fliegen, wenn man näher ran will. Manchmal gibt es auch Barrieren zwischen Fotograf und Motiv, die sich nicht so einfach überwinden lassen. Einen Fluss zum Beispiel, oder eine schlichte Absperrung. Aber ist es wirklich wichtig sie alle zu erreichen, so lange man nicht als Berufsfotograf darauf angewiesen ist genau dieses Motiv einzufangen?

Ich meine, was versäume ich schon, wenn ich auf einige Motive verzichte, weil ich nicht auf die passende Brennweite zoomen kann? Natürlich ist es toll ein eigenes tolles Foto eines Löwen, Bären oder von George Clooney zu schießen. Tatsächlich aber versäumen wir in jeder Minute unseres Lebens Millionen und Milliarden toller Motive, weil sie irgendwo auf der Welt statt finden und wir sie mit unseren Zooms nicht erreichen können. Doch mir persönlich geht es beim Fotografieren ums Fotografieren. Wenn ich Kimba, Meister Petz oder George begegne und keine passende Brennweite an der Kamera habe, sie gut abzulichten, ist das schade (jedenfalls bei Kimba und Meister Petz), aber keine Katastrophe. Schließlich sind großartige Bilder von Ihnen dank Internet immer nur einen Klick entfernt.

Oft der bessere Kompromiss | Ich ziehe es vor beim Fotografieren ein Maximum an Komfort bei bestmöglicher Abbildungsqualität zu haben. Und da sind auf Reisen und auf Tour Festbrennweiten einfach der bessere Kompromiss, als schwere Zooms mit guter Abbildungsqualität oder leichte und kompakte Zooms, die aber bei der Abbildungsleistung schwächeln. Und in Sachen Lichtstärke kommen auch die teuersten Zooms mit Festbrennweite nicht mit.

Die nachfolgenden Bilder sind alle mit dem Sigma 24mm ƒ1.8 entstanden. Ich glaube sie zeigen sehr schön, dass man auch mit einer einzigen Brennweite Facettenreich fotografieren kann.

La Palma 11 03 17 11
Gut: Das ist noch nicht mit dem Sigma 24mm ƒ1.8 entstanden, sondern zeigt mich beim Fotografieren mit selbigem.
La Palma 11 03 16 22
La Palma 11 03 16 37
La Palma 11 03 17 31
La Palma 11 03 17 35
La Palma 11 03 17 45
La Palma 11 03 19 27
La Palma 11 03 19 62
La Palma 11 03 19 70
La Palma 11 03 19 87
La Palma 11 03 20 34
La Palma 11 03 20 75
La Palma 11 03 20 89
La Palma 11 03 20 107
La Palma 11 03 20 112
La Palma 11 03 24 61
La Palma 11 03 25 57
La Palma 11 03 25 73
La Palma 11 03 25 93
La Palma 11 03 27 109
Eine Insel, eine Brennweite, viele Gesichter.

Mein Reiseobjektiv: Nikkor 24–85mm

Posted in Fotografie

Nikkor24 85
AF NIKKOR 24–85mm 1:2,8–4D

FourThirds ist nicht genug | Meine letzte Reise unternahm ich mit meiner Panasonic Lumix G3 mit 20mm ƒ1.7 Festbrennweite als einzige Kamera und einziges Objektiv. Nach meiner knapp einjährigen Erfahrung mit der Micro FourThirds-Kamera bin ich ein bisschen enttäuscht von dem Möglichkeiten der recht kleinen Bildsensoren dieses Kamerasystems. In Kombination mit den zumeist relativ lichtschwachen Objektiven, die für das System verfügbar sind, ist das Spiel mit Schärfentiefe doch nur eingeschränkt möglich. Deshalb entschloss ich mich auf meinen diesjährigen Urlaubsflug zur Kanaren-Insel La Palma wieder meine D700 einzupacken.

Doch etwas mehr als Festbrennweite | Letztes Jahr war ich schwer bepackt mit mehreren Linsen nach La Palma geflogen, hatte dann aber in erster Linie eine Sigma 24mm ƒ1.8 Festbrennweite in Verwendung. Dieses Jahr sollte mir ein Zoomobjektiv wieder mehr Gestaltungsfreiraum in Sachen Perspektive geben. Nur: Meine Zooms sind überwiegend große, schwere Profi-Objektive. Am ehesten wäre das 24–70mm ƒ2.8 in Frage gekommen. Ein tolles Objektiv und das Standard-Zoom vieler Profis. Aber das Teil ist ohne ohne Streulichtblende 133mm lang und wiegt 900g. Zusammen mit der Kamera sind das dann fast 2kg im Gepäck. Ich begab mich also auf die Suche nach einem etwas leichteren und kompakteren Objektiv und landete bei drei möglichen Optionen (siehe diesen Artikel).

Der neue Reisebegleiter | Entschieden habe ich mich am Ende für das 24–85mm ƒ2.8–4mm – trotz der widersprüchlichen und teilweise schlechten Berichte darüber. An und für sich ist die Linse nicht mehr ganz ‘State of the Art’. Es verfügt weder über die SWM Innenfokussierung mit der Möglichkeit zur manuellen Nachstellung ohne auf Manuell stellen zu müssen, noch über eine Nikon VR Bildstabilisierung. Dafür ist es aber mit knapp 83mm ein gutes Drittel kürzer und wiegt mit 545g mehr als ein Drittel weniger als das 24–70.

Neben Gewicht und Volumen fand ich den Brennweitenbereich von 24mm bis 85mm interessant. Das sind im Grunde genau die 15mm, die mir beim 24–70mm oft fehlen; zum Beispiel wenn ich Gesichtsporträts machen möchte. Dann ist ƒ2.8 bis ƒ4 doch deutlich lichtstärker, als ƒ3.5 bis ƒ5.6, beim 24–120mm und beim 28–300mm Nikkor – bei letzterem würde ich auch die +4mm Weitwinkel vermissen. ‘Last but not least’ hat auch die Makro-Funktion des 24–85mm seinen Reiz. Es wurde zwar kritisiert, dass das Umstellen auf Makro etwas umständlich sei – immerhin ist der Makro-Modus nicht im ganzen Brennweitenbereich, sondern nur von 35–85mm verfügbar. Man muss also erst das Zoom auf mehr als 35mm stellen und kann erst dann einen Schalter nach Makro bewegen und beim Zurückstellen auf den normalen Modus muss erst wieder aus dem Nahbereich raus fokussiert werden. Doch das klingt viel komplizierter als es ist. Hat man das gecheckt und zwei, drei Mal gemacht, geht es ohne nachdenken ganz automatisch.

Schöne Resultate mit bedenklicher Geometrie | Was mir am Ende zählt sind die Resultate und die finde ich überraschend gut. Dazu ist zu sagen, dass ich kein Pixelzähler bin. Mir zählen die subjektiven Eindrücke, die meine Fotos vermitteln. Ich überprüfe nicht die Schärfeverteilung von der Mitte nach außen über alle Blenden- und Brennweitenbereiche hinweg. Subjektiv löste die Bildwirkung bereits bei der Rückschau am Kamera-Display Begeisterung bei mir aus. Das 24–85mm liefert Resultate mit einer schönen Farbigkeit und einem angenehm weichen Kontrast. Kritisch kann ich lediglich eine seltsam wellenförmige Verzerrung im Weitwinkelbereich anmerken, die sich nur schwer digital korrigieren lässt (wobei ich die Korrektur weder in Nikons Capture NX2 noch mit Hilfe eines Spezialisten, wie DX Optics überprüft habe). Wer also gerne und viel Geometrie und Architektur fotografiert wird mit diesem Objektiv eher wenig Freude haben. Allen anderen kann ich es mit gutem Gewissen empfehlen.

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Was man im Urlaub halt so fotografiert.
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Ein kleines Bisschen ‘Street’.
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Durchaus brauchbarer Makro-Modus. Diese Aufnahmen wären mit einem anderen Standardzoom so wohl nicht möglich gewesen.
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Auch mit Bokeh lässt sich gut spielen und die Resultate gehen in meinen Augen durchaus in Ordnung.
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Weniger berauschend: Die geometrische Verzerrung im Weitwinkelbereich. Die Architektur auf La Palma entspricht zwar nicht immer streng geometrischen Kriterien, aber die Wellenlinie oben am Bild dürfte doch eher durch die Verzerrung des Objektivs so ausgefallen sein.