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Schlagwort: Sensorformat

APS-C oder MFT?

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Als ich dieser Tage den Gedanken von Tony Northrop und anderen Bloggern und Vloggern folgte, die über eine Ende von MFT schwadronieren, stand ich plötzlich vor der Frage nach der Zukunft von APS-C.

Sofern die einseitige Betrachtung einiger Vollformat-Fans nicht soweit zu einem Mainstream anschwillt, dass Einsteiger das Format meiden und ihm dadurch eine wichtige Basis wegbricht, glaube ich, dass es auch langfristig einen Markt für ein kleines, kompaktes, leistungsfähiges und innovatives Alternativsystem geben wird.

Weshalb die Propheten der MFT-Apokalypse einen Ausstieg von Panasonic zwangsläufig als Ende des Systems sehen, ist mir nicht ganz schlüssig. Einmal abgesehen davon, dass mir Panasonic auf Grund meiner Erfahrungen ohnehin nicht als Anbieter von MFT-Produkten abgehen würde, sehe ich nicht, weshalb Olympus nicht auch alleine mit dem System überleben sollte. Nikon pflegt ein eigenes System, Canon tut es, Sony ebenso, Fujifilm, Leica und Pentax. Meines Eindrucks nach, würde ich mir am ehesten um Pentax sorgen. Für Olympus sähe ich sogar eher eine Chance, wenn sie am Markt des kompaktesten Kamerasystems keinen Mitbewerber mehr hätten. Ich glaube viel mehr, dass Panasonic mit dem neuen S-System zu viel riskiert, und dass es floppen wird.

Aber was ist mit APS-C? Ich gehe davon aus, dass Fujifilm bei diesem System bleiben und kein Vollformatsystem vorstellen wird, bietet man doch jenen, denen das Format zu klein ist, Mittelformat – ohnehin die ultimative Wahl für alle, die meinen, gute Fotografie hänge ausschließlich vom Format des Sensors ab.

Aber was wird aus den APS-C- und DX-Systemen von Canon und Nikon? Die beiden großen Marken sind jetzt mit Vollformat in den Markt der Spiegellosen eingestiegen. Ich gehe einmal davon aus, dass die Kosten zur Herstellung von Bildsensoren weiter sinken werden, und es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich Vollformat auch in Einsteigermodellen rechnet. Welchen Sinn sollte es da beispielsweise für Nikon machen, neben Vollformat eine zweite Linie aufzubauen die kompatibel zum derzeitigen DX-Format ist?

Canon hat zwar derzeit ein spiegelloses System mit APS-C-Sensoren. Allerdings scheint das nicht so der Renner, als dass ich viel darauf wetten würde, dass es langfristig neben einem Vollformatsystem überleben wird. Auch bei Sony stellt sich die Frage, ob es langfristig Kameras mit APS-C-Sensoren für dafür gerechnete Linsen geben wird. Es macht irgendwie keinen Sinn, wenn der Anschluss Vollformat erlaubt, und die Herstellungskosten keine kleineren Sensoren mehr für preiswerte Kameras notwendig machen.

Vor diesen Überlegungen stellt sich mir eher die Frage, ob es in fünf oder zehn Jahren noch neue Kameras und Objektive in APS-C und DX für Canon, Nikon und Sony geben wird, als ob MFT dann noch lebt. Sollte man Einsteiger, die kein Geld in ein System ohne Zukunft investieren möchten, deshalb nicht vielleicht vielmehr davor warnen?

Vollformat vs. Micro FourThirds in Sachen Bildqualität

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Die Vorstellung der Olympus OM-D E-M1X hat die Diskussionen über die Bildqualität von Micro FourThirds, und ob sie professionellen Ansprüchen gerecht wird, wieder einmal kräftig hochkochen lassen. Als leidenschaftlicher Tierfotograf der auch bei Regen hinaus möchte, finde ich das neue Modell durchaus attraktiv. Das Preisschild von 3000 Euro schreckt mich wenig, hatten doch meine Vollformatkameras stets deutlich über 2000 Euro gekostet, ohne dabei die Möglichkeiten von Olympus’ neuem Flaggschiff zu bieten.

Ich finde es ja interessant, dass manche Foto-Blogger und YouTuber Systeme, die nicht ihren eigenen Vorlieben entsprechen, madig zu machen. Selbstverständlich ist es legitim State-of-the-Art-Rauschverhalten und geringste Schärfentiefe für sich zur höchsten Priorität zu erklären. Aber deshalb sind Fotografen die andere Prioritäten wählen weder unprofessionell noch Idioten. Offener und toleranter schienen MFT-Fotografen allerdings zu sein, zumindest könnte ich mich nicht erinnern schon einmal von einem MFT-Fan gehört zu haben, dass er Vollformat schlecht redet. Wir MFT-Freunde kennen die Limits unseres Systems, aber wir kennen auch seine Vorzüge und wir erlauben uns andere Prioritäten zu haben als der Mainstream.

Dabei ist es nicht einmal so, wie mancher Vollformat-Fan es darstellt, dass MFT ein etwas kompakteres System mit viel schlechtere Abbildungsqualität ist. Nein, ist es ein viel kompakteres System – jedenfalls wenn wir davon ausgehen, dass zur Kamera Objektive gehören –, das etwas früher an die Grenzen der Abbildungsqualität stößt. Grenzen, die nur unter bestimmten Situationen relevant und die für die meisten Fotografen irrelevant sind.

Ich habe 2015 einen Vergleichstest mit einer OM-D E-M1 (16MP) und einer Nikon D810 (36MP) mit einer der angeblich schärfsten Vollformatlinsen gemacht. Ja, die Vergleichsaufnahmen zeigten Unterschiede. Unterschiede, die man auch erkennt, wenn man die Bilder sehr groß wiedergibt und genau in Augenschein nimmt.

Das unten eingebettete Video zeigt einen ähnlichen, noch etwas eindrücklicheren Vergleichstest. Ein Fotograf macht Aufnahmen mit einer Vollformat-DSLR und einer E-M1 II, lässt je zwei Aufnahmen einen Meter groß printen und fragt den erfahrenen Drucker, welche der Aufnahmen mit welcher Kamera entstand. Trefferquote: 50:50. Also so gut wie gewürfelt.

Nachdem gestern mein neues Buch – meine komplett überarbeitete »kreative Fotoschule« (Verlag | Amazon-Affiliate-Link) – in Druck gegangen ist, war endlich wieder Platz für etwas Anderes als Schreiben. Ich nutzte die Zeit mich über die E-M1X und in Folge über die Diskussionen zu Leben und Sterben von MFT zu informieren.

Was mir immer wieder auffällt, ist, dass MFT-Gegner Qualitätsfetischisten sind – Pixelpeeper möchte ich behaupten. MFT-Fotografen haben offensichtlich andere Prioritäten. Immer wieder höre ich Sätze, wie »MFT hat mir die Freude am Fotografieren zurückgebracht« oder »noch nie hat mir Fotografieren so viel Spaß gemacht«. Letzterer Satz war auch von mir zu hören, als ich begann mit der Olympus OM-D E-M5 zu fotografieren.

Ich hatte mir die E-M5 2013 als kompakte Zweitkamera neben der Nikon D600 zugelegt. Nichts lag mir damals ferner, als der Gedanke, mit ihr meine Vollformatkamera zu ersetzen. Allerdings machte ich nicht nur die Erfahrung, dass Fotografieren mit der E-M5 mehr Spaß macht – und ich liebe Spaß! –, sondern auch, dass ihre Aufnahmen für meinen Bedarf – Ausgabe bis maximal A3+ – nicht weniger gut aussehen, als die Ergebnisse der D600. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich ein Bild aufgenommen hatte, es mir am Display der Kamera ansah und mir dachte, weshalb schleppe ich eigentlich diese Vollformatmonster durch die Gegend, wenn dieser Zwerg solche Ergebnisse liefert.

Damals fotografierte ich noch deutlich mehr Porträts als heute, zuletzt bevorzugt mit der D600 und einem Nikkor 85mm ƒ1.8 (LP 629 Euro). Die E-M5 wäre mir zu kompakt gewesen um Foto-Sessions damit zu fotografieren. Doch als die E-M1 erschien versuchte es mit ihr und einem M.Zuiko 45mm ƒ1.8 (LP 329 Euro | Amazon-Affiliate-Link). Ich kann nicht im Geringsten erkennen, in welcher Beziehung die Resultate der D600 besser gewesen sein sollten, wie die der MFT-Kamera.

Ja, Vollformat liefert geringere Schärfentiefe. Aber wer sich wirklich mit Bokeh befasst, sollte wissen, dass seine Qualität nicht allein an der Schärfentiefe hängt. Es hängt – in meinen Augen noch viel mehr – daran, ob es weich oder harsch ausfällt. Und nach den Erfahrungen die ich mit verschiedensten Linsen von Nikon, Sigma, Olympus und Panasonic machte, habe ich den Eindruck gewonnen, dass MFT-Objektive samtigere Bokehs liefern, jedenfalls so lange man Objektive verleiht, die preislich nicht völlig unterschiedlichen Welten entstammen.

Die meisten MFT-Fotografen, die auf YouTube oder in Blogs berichten, sind denselben Weg gegangen wie ich: Sie haben mit Vollformat fotografiert und irgendwann den Wechsel zu MFT gemacht. Ich denke, die meisten von uns haben gemein, dass wir keine Idioten sind, die keine Ahnung von Bildqualität haben, sondern wir haben uns genau überlegt, was wir tun, und weshalb. Ich für meinen Teil, habe wohl schon Pixel analysiert, da waren viele, die meinen MFT würde ihren Qualitätsansprüchen nicht gerecht, noch nicht einmal geboren.

Wer glaubt, in der Fotografie drehe sich alles um rauschfreie Aufnahmen mit geringster Schärfentiefe, soll seine Finger von MFT lassen und sich eine Vollformatkamera zulegen, oder besser gleich Mittelformat.

Alle anderen, für die in der Fotografie Freude und Spaß daran im Vordergrund steht: Schaut euch die verschiedenen MFT-Modelle an!

Mehr über Vollformat vs. MFT: MFT, APS-C, Vollformat oder gleich Mittelformat? Wie viel Sensor braucht der Mensch?

Micro FourThirds ist tot!

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In einem heute Vormittag veröffentlichten Artikel, schrieb ich, dass mir manche Debatten zu MFT Sorgen bereiten. Das oben eingebettete Video, in dem Tony Northrup den baldigen Tod von Micro FourThirds ankündigt, gehört in diese Kategorie an Beiträgen. Das Problem ist, dass, wenn solche Prophezeiungen greifen – gerade, wenn sie von populären Bloggern oder YouTubern wie Northrup kommen –, die Gefahr besteht, dass sie zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden.

Als Neueinsteiger in eine Fotografie, die über das Knipsen mit Smartphones hinaus geht, oder als Aufsteiger von von der Basiskamera zum komplexen System, plagt einen wohl vor allem die Frage nach der Wahl des richtigen Systems. Niemand möchte in eines investieren, das in zwei oder drei Jahren sein End of Life erreicht. Singen aber viele Stimmen das Lied vom Tod, werden sich wahrscheinlich einige potenzielle Käufer von MFT abschrecken lassen.

Tony Northrup ist ein absolut kompetenter Fotograf, und ich kann ihm nicht unterstellen, völlig einseitig über MFT zu berichten. Dennoch ist seine Argumentation teilweise etwas paradox, behauptet er doch einerseits, dass sein Handy annähernd die Qualität von MFT erreicht, beklagt aber gleichzeitig, dass MFT nicht mit der Qualität einer Kamera mit größerem Sensor mithalten kann. Handys erreichen heute zwar tatsächlich herausragende Qualität, und wer unkompliziert fotografieren will, keine extrem langen Brennweiten braucht und bei der Ausgabe nicht wesentlich über normale Fotoabzüge hinaus geht, ist damit perfekt bedient. Doch der Vergleich mit der Qualität die ein MFT-Sensor mit einer guten Linse bringen kann, ist doch etwas weit her geholt. Auch wenn MFT qualitativ zwischen Telefon und Kleinbild liegt, ist es deutlich näher am Vollformat als das Smartphone an ihm.

Northrup führt auch ins Feld, dass spiegellose Vollformatkameras heute auch nicht mehr größer sind als viele MFT-Modelle. Das ist zwar korrekt, wenn sich eine kurze Festbrennweite oder ein Standardzoom an der Kamera befindet. Es verliert aber zunehmend an Gewicht, wenn die Brennweiten länger oder die Objektive mehr werden.

Es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass er mit seinem 600mm Nikkor ƒ4 qualitativ bessere Aufnahmen mit feinerem Bokeh erzielt, als mit einem Olympus 300mm ƒ4. Es wäre auch absurd wenn dem nicht so wäre, kostet es doch laut Liste 14.000 Euro, während das Olympus bei 2600 liegt!

Dabei ist die Frage kann und/oder will ich mir eine Linse zum Preis eines Kleinwagens leisten gar nicht die einzige die sich stellt. Die Frage ist doch auch, wie ich fotografieren will. Das 600-mm-Nikkor ist kaum ohne Stativ einzusetzen. Wer damit arbeitet, muss sinnvollerweise ansitzen. Das muss man mögen, oder gut dafür bezahlt werden. Ich bin lieber flexibel und mobil unterwegs. Das Olympus 300er ermöglicht eine Arbeitsweise, die mit dem Nikkor-Äquivalent undenkbar wäre. Mit einem 1,3-kg-Objektiv lassen sich Motive einfangen, für die Nikons knapp-4-kg-Monster einfach zu flüchtig sind.

Ich für meinen Teil liebe es mit zwei oder drei Kamera vergleichsweise unbeschwert stundenlang durch die Landschaft streifen zu können und unkompliziert sowie flexibel alles mögliche Fotografieren zu können. Ich möchte keine inklusive Stativ drei- bis viermal so schwere Ausrüstung durch die Gegend schleppen und vor jede Aufnahme einen Aufbau der Ausrüstung stellen. Dass das bedeutet, dass ich in Sachen Bokeh und Abbildungsqualität nicht am höchsten Limit des derzeit machbaren aufnehme, nehme ich dafür gerne in Kauf. Für allem, weil der Unterschied bei 90% der Aufnahmen bei den für mich relevanten Ausgabebedingungen schlicht völlig irrelevant ist.

Gerade für Leute, für die der Spaß am Fotografieren, und nicht bedingungslose Abbildungsqualität im Mittelpunkt steht, und die Ihre Ausrüstung nicht als Investition in ihre Business verbuchen und von der Steuer abziehen können, bieten Olympus und Panasonic mit MFT eine hervorragende Option.

Umgekehrt heißt das aber auch nicht, dass mit MFT keine professionellen Resultate zu erzielen wären. Es gibt durchaus auch Profis, gerade im Bereich der Naturfotografie, die mit dem System arbeiten und deren Aufnahmen in anspruchsvollen Magazinen abgedruckt werden. Ich möchte jenen sehen, der sich traut, anhand dieser Prints zu beurteilen, ob dabei jeweils eine Vollformat- oder eine MFT-Kamera zum Einsatz kam.

Eine Diskussion die sich in Sachen MFT vs. Vollformat rein auf Bildrauschen, Bokeh, Gewicht und Volumen konzentriert, unterschlägt im Übrigen auch zu viele andere Aspekte. Olympus gehört zu den innovativsten Unternehmen der Kamerabranche. Man hatte als erstes LiveView an einer Systemkamera, war führend bei Sensorreinigung, hat zusammen mit Panasonic spiegellose Systemkameras erfunden, liegt seit jeher bei Bildstabilisierung an der Spitze, lediglich gelegentlich von Panasonic in Bedrängnis gebracht, man hatte als erster Pixel-Shift und dann wieder als erster Pixel-Shift-handheld am Start, man hat mit Live-Bulb and Live-Composite einzigartige Funktionen an Bord und legt jetzt mit Live-ND eine weitere Innovation nach. Auch mit der Neuen AI-Objekterkennung geht Olympus als Erster neue Wege.

Ja, die Olympus OM-D E-M1X kostet mit 3000 Euro einen ordentlichen Batzen Geld. Doch auch hier greift der simple Schluss, dass man bei anderen Herstellern für dasselbe Geld bessere Bildqualität bekommt etwas zu kurz. Denn die Abbildungsqualität allein ist nicht das einzige Kriterium das eine Kamera ausmacht. Soweit ich weiß, nutzen alle Hersteller oft dieselben Sensoren in preislich sehr unterschiedliche positionierten Modellen. Was die teureren von den preiswerteren abhebt, sind meist vor allem schnellere Prozessoren, manchmal bessere AF-System, fast immer ein hochwertigeres Gehäuse. Die E-M1X dürfte in Sachen Abdichtung locker mit Nikons D5 – Listenpreis knapp 7000 Euro – mithalten können, ich hoffe sogar auf Niveau der Canon 1D liegen – mit 6000 Euro auch nicht schlecht dotiert. Auch bei den garantierten Auslösungen dürfte die E-M1X den genannten Modellen wohl kaum nachstehen – zur Hälfte des Preises!

Northrup führt aus, dass Panasonics Einstieg ins Vollformat den Tod von MFT herbeiführen könnte – dass Panasonic MFT mit der Zeit auslaufen lassen könnte. Ich stelle mir die umgekehrte Frage, nämlich, ob Panasonic mit dem Einstieg ins Vollformat nicht ein Abenteuer mit fragwürdigem Ausgang startet.

Der Markt für Digitalkameras wird auf allen Seiten enger. Die Marktführer Canon, Nikon und Sony bieten ihren bisherigen Kunden jetzt allesamt spiegellose Vollformatkameras. Per Adapter sind diese kompatibel zu einem System mit dutzenden hervorragenden Linsen. Viele Fotografen besitzen welche und weitere Linsen gibt es nicht nur neu, sondern auch auf dem Gebrauchtmarkt. Wie viel Raum ist da für einen Neueinsteiger? Ob es da genügt Leica an der Seite zu haben?

Wäre es nicht möglich, dass Panasonic mit dem neuen Vollformat flopt und am Ende bei MFT bleibt? Wäre es wirklich der Tod des Systems, wenn Panasonic aus MFT ausstiege? Wieso sollte Olympus sich nicht auch alleine mit MFT behaupten? Canon, Nikon, Sony und Pentax pflegen ebenfalls jeweils alleine ihr System. Ich würde nicht ausschließen, dass Olympus Umsatz profitieren könnte, wenn Panasonic das Bündnis verließe.

Was die Zukunft bringt, wissen wir alle nicht. Canon hatte vor einiger Zeit Umsatzprobleme und Nikon steckte (steckt?) in der Krise. Auch Sonys Aktien wurden schon einmal als Ramsch gehandelt. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Auch MFT. Auch Vollformat. Seien wir froh, dass es die unterschiedlichsten Systeme gibt.

No Future, MFT?

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Mit Olympus’ Vorstellung der OM-D E-M1X wird wieder einmal eifrig der Sinn von MFT diskutiert und wer speziell mit diesem Modell erreicht werden soll, ist es doch für Olympus-Verhältnisse ein Monster das das Ansinnen von MFT ein kompaktes System zu sein konterkariert.

Olympus OM-D E-M1X; © Olympus 2019

Einerseits bereiten mir die Debatten über die Abbildungsqualitäten von MFT immer Bauchschmerzen, da es die Weiterentwicklung und den Fortbestand des Systems gefährden würde, würde die Ansicht, dass damit keine brauchbaren Aufnahmen zu erzielen sind, breiter Konsens. Andererseits finde ich die Debatte auch etwas lächerlich, diskutiert doch dieselbe Community parallel, ob Handys nicht in ein paar Jahren Systemkameras den Rang komplett streitig machen könnten.

Es stimmt schon: Die E-M1X ist für MFT-Verhältnisse ein Monster. Allerdings ist sie auch kaum dafür gedacht mit kompakten Pancake-Objektiven eingesetzt zu werden. In Kombination mit einem Objektiv wie dem 300mm ƒ4 Pro macht ein dermaßen überdimensionierter Body aber durchaus Sinn, hat doch die reguläre E-M1 ein Mindestvolumen um lange Telebrennweiten komfortabel zu halten. Noch vielmehr wird das der Fall sein, wenn Olympus nächstes Jahr mit dem 150–400mm ƒ4.5 auf den Markt kommt.

Olympus 150–400mm ƒ4.5 Pro; © Olympus 2019

Natürlich erzielt man mit Vollformat unter vergleichbaren Bedingungen weichere Bokehs und somit schönere Freisteller. Natürlich sind die Bilder bei Kleinbild sauberer, sobald die Empfindlichkeit angehoben werden muss. Natürlich haben größere Sensoren Vorteile. Aber selbstverständlich stehen diesen auch Vorteile entgegen, mit denen nur MFT aufwarten kann.

Es mag schon sein, dass einige spiegellose Vollformatkameras kompakter sind als die E-M1X. Das heißt aber auch, dass die Balance zwischen Objektiv und Kamera leidet, wenn lange Brennweiten eingesetzt werden, denn auch wenn man die Kameras miniaturisieren kann, bei den Optiken wird das wohl kaum möglich werden.

Und der Volumens- und Gewichtsvorteil zeigt sich nicht nur während des Transports, sondern erleichtert auch das Fotografieren mit Superteleobjektiven und macht den Fotografen flexibler, schneller und wendiger. Dabei ist die Stabilisierung so gut, dass sich Belichtungen von 2s und mehr aus freier Hand ausgehen. Ich habe bereits mit der E-M1 II Aufnahmen weich fließender Gewässer aus freier Hand aufgenommen, die mit anderen Systemen ohne Stativ unmöglich gewesen wären.

MFT ist in meinen Augen noch immer das beste System für alle, die mit der Kamera auf den Weg gehen und für die die Freude am Fotografieren wichtig ist, als die unter allen Bedingungen bestmögliche Abbildungsqualität für Poster und in der Vergrößerung am Computerbildschirm zu erzielen. Wer die Priorität bei letzterem hat müsste in aller Konsequenz dann ohnehin über Mittelformat nachdenken. Viel Spaß damit!

Ich für meinen Teil freue ich mich schon, die E-M1X zu testen.

Fotografische Theorie und Praxis

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Mein Artikel über »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« scheint für etwas Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff gesorgt zu haben. Das merke ich nicht nur an Nachrichten die mich direkt erreichen, sondern auch an dem was in Foren darüber diskutiert wird, wenn ich eingehenden Links folge.

Was mich überrascht, ist, wie sehr manche Leute an der Theorie festhalten, auch wenn die Praxis etwas anderes zu sagen scheint. Sehen wir uns dazu noch einmal zwei Beispiele aus dem oben genannten Artikel an.

Der Fotograf weiß, dass er über die Brennweite Perspektive und Tiefenstaffelung gestalten kann. Der Theoretiker widerspricht und behauptet, dass das falsch ist. Die Brennweite habe keinen Einfluss auf die Tiefenstaffelung, dass man mit ihr die Tiefenwirkung verdichten könne sei Unsinn.

Damit hat er zunächst einmal recht: Eine längere Brennweite verengt lediglich den Bildausschnitt und ändert nichts an Perspektive und Tiefenwirkung. Verkürzt man die Brennweite erhält man einen weiteren Ausschnitt, auch das bei gleicher Perspektive und Dichte. Die Theorie erweist sich auch in der Praxis als korrekt – das kann jeder überprüfen (und ich kann nur empfehlen Theorie zu überprüfen, bevor man für sie auf die Barrikaden steigt).

Der Praktiker aber weiß, dass Perspektive aus dem Zusammenspiel von Brennweite und Distanz entsteht. Wenn ich die Distanz vergrößere und Brennweite verlängere, dann verdichtet sich die Perspektive für jeden sichtbar. Die folgenden Abbildungen zeigen das deutlich.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 0,5m
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 1,5m

Der Denkfehler vieler Theoretiker scheint mir, dass sie theoretisch korrekte Merksätze generalisieren. Tatsächlich sind Merksätze in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ändert sich der Kontext, hat das meist auch Auswirkungen auf das Resultat.

Die Aussage, »die Veränderung der Brennweite hat keinen Einfluss auf die Perspektive«, ist korrekt, so lange ich alle anderen Parameter (Distanz und Sensorformat) unverändert lasse. Die Aussage, »die Brennweite hat keinesfalls Einfluss auf die Perspektive«, ist falsch. Ändere ich zusammen mit der Brennweite auch die Distanz (und/oder das Aufnahmeformat), ändert sich die Perspektive. Das belegen die Abbildungen oben und jeder Fotograf wird das wissen und in der Praxis gezielt nutzen.

Nun wurde nicht nur meine Aussage zur Tiefenstaffelung bekritelt, sondern auch meine Schlüsse zur Schärfentiefe.

Die Theorie besagt, dass die Schärfentiefe nicht von der Brennweite, sondern lediglich von Abbildungsmaßstab und Blende abhänge. Dieser Merksatz war Auslöser für den angesprochenen Artikel. Nehmen wir ihn wörtlich, würde das heißen, dass eine längere Brennweite nicht zu einem unschärferen Hintergrund führt. Jeder Fotograf weiß jedoch aus der Praxis, dass man mit Tele deutlich besser freistellen kann als mit Weitwinkel – wer das noch nie erlebt hat fotografiere einmal mit einem Nikon 200mm ƒ2.0!

Ein Selbstversuch belegt: Wird ein Objekt bei jeweils unterschiedlicher Brennweite und Distanz im selben Abbildungsmaßstab fotografiert, ist die Unschärfe der Elemente im Hintergrund praktisch identisch.

Allerdings wird das nur bei genauer Analyse der Aufnahme deutlich, denn die größere Entfernung bei längerer Brennweite führt dazu, dass der Hintergrund näher rückt. Die Verdichtung der Tiefenstaffelung vergrößert den Hintergrund. Analog zum Hintergrund wird die Unschärfe mit vergrößert. Obwohl sie im Verhältnis zu den Elementen des Hintergrunds gleich ist wie bei kurzer Brennweite, wird sie durch die Vergrößerung auch größer wiedergegeben. Anders gesagt: Im Verhältnis zu den Elementen auf einer Ebene im Hintergrund ist die Unschärfe unverändert, im Verhältnis zum Element im Vordergrund jedoch ist sie größer. Und das ist eben der Effekt den man meint, wenn man behauptet man könne mit längeren Brennweite besser freistellen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Sensorformat. Tatsächlich ändert auch das Sensorformat lediglich den Bildausschnitt. Doch im Kontext der verschiedenen Parameter die in der Fotografie zusammenspielen ergibt sich der praktische Effekt, dass ich umso größere Schärfentiefe erhalte, je kleiner der Sensor ist. Absurderweise scheinen manchmal genau die zu widersprechen, dass das Sensorformat Einfluss auf die Schärfentiefe haben, die auf Vollformat schwören, weil man damit mehr Bokeh erhalte (noch einmal: ich weiß um die theoretischen Hintergründe und Zusammenhänge, doch was für mich zählt sind die praktischen Auswirkungen).

Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man versucht theoretische Grundsätze 1:1 auf die Praxis zu übertragen: Theorie baut oft auf idealen Bedingungen auf. Ideale Bedingungen kommen in der Praxis meist nicht vor. Man braucht diese idealen Annahmen aber um eine Basis für eine Theorie zu schaffen – ein Beispiel bietet der sogenannte schwarze Körper an der sich die Farbtemperatur Kelvin orientiert (diesen Körper gibt es nicht, er ist ein theoretisches Konstrukt). Manchmal sind ideale Bedingungen auch Annahmen die etwas vereinfachen, weil die Realität zu komplex ist um sie theoretisch zu erfassen.

Ich kann nur noch einmal den Rat wiederholen, theoretische Grundlagen im Selbststudium in der Praxis zu überprüfen – vor allem bevor man versucht andere zu bekehren. Es hilft nicht nur Fehlschlüssen auf die Spur zu kommen und zu verstehen was die Theorie für die Praxis bedeutet, sondern auch die praktische Relevanz theoretischer Grundlagen zu erforschen.

Eine gute Basis für fundiertes theoretisches Wissen bildet ein PDF das von Carl Zeiss verbreitet wird. Darin werden die Zusammenhänge von Schärfentiefe, Abbildungsmaßstab, Brennweite, etc. vom Experten sehr ausführlich erklärt und zwar so, dass auch ein optisches Greenhorn wie ich es versteht.

Nicht, dass ich das unbedingt jedem empfehlen möchte der einfach nur fotografieren will.

Über Schärfentiefe und Bokeh

Posted in Fotografie

Die meisten Rückmeldungen zu meinem Blog und seinen Artikeln sind positiv und wohlwollend. Gelegentlich gibt es Kritik und manchmal ist sie gerechtfertigt. Auch wenn ich mich bemühe gründlich zu recherchieren bevor ich Betrachtungen und Behauptungen verbreite, unterliege ich schon einmal Fehlschlüssen, Irrtümern, Vorurteilen oder sitze falschen Behauptungen anderswo auf. Auf einen Fehler hingewiesen zu werden ist mir nicht unbedingt angenehm aber willkommen – das letzte was ich möchte ist an falschen Ansichten festhalten.

Natürlich ist nicht jede Kritik fundiert und gerechtfertigt und Manchen gelingt es nicht Kritik höflich zu formulieren. So erreichte mich beispielsweise dieser Tage das Mail eines »Kollegen« der sich über meinen Artikel »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« ausließ und ihn mehr oder weniger durchwegs als Unsinn bezeichnete.

Es ist nicht sinnvoll hier auf die in meinen Augen etwas wirren Behauptungen zu Schärfentiefe und Bokeh einzugehen, doch ein Anlass einmal meine Position zu Theorie und Praxis in der Fotografie zu definieren: Mein Interesse gilt allein der Praxis. Die Theorie interessiert mich soweit, wie sie für die Praxis relevant ist. In der Theorie gibt es Konstruktionen die in der Praxis niemals auftreten.

Natürlich muss sich jeder Fotograf bis zu einem gewissen Punkt mit theoretischen Themen befassen und für mich als Autor und Trainer gilt das umso mehr. Allerdings ist mir wichtig, dass ich mein Wissen so vermittle, dass es verständlich bleibt, auch wenn ich dazu Vereinfachungen und Abkürzungen verwenden muss, die dem Theoretiker die Haare zu Berge stehen lassen.

Viele Theoretiker scheinen dermaßen in der Theorie verhaftet zu sein, dass sie den Blick für die praktische Relevanz oft verlieren. Außerdem kenne ich nur wenige, denen es gelingt ihr Wissen so zu vermitteln, dass sie von Leuten mit weniger Expertise verstanden werden. Oft habe ich das Gefühl, dass manch Experte aus Eigendefinition selbst nicht versteht was er von sich gibt, bei einigen Kommentaren die mich bis heute erreicht haben war das mehr als offensichtlich – eine Diskussion ist dann meist vergebene Liebesmüh.

Den Besuchern meines Blogs sei gesagt, dass sie an der richtigen Stelle sind, wenn sie einfache Erklärungen für die Praxis suchen. Wer vor allem an theoretischen Aspekten interessier ist, für den bin ich sicher nicht die richtige Anlaufstelle.

Ein Verständnis der optischen Phänomene die hinter meinem Artikel über Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab  stehen findet sich in einem PDF das bei Carl Zeiss veröffentlicht wurde – wer an optischer Theorie interessiert ist, dem sei die Lektüre empfohlen. Interessant ist das PDF vor allem »… für diejenigen, die Freude haben an der Schönheit mathematischer Zusammenhänge …« haben – um eine Passage daraus zu zitieren (wobei sich die Anzahl mathematischer Formeln glücklicherweise in Grenzen hält). Allen anderen empfehle ich sich mehr an der Praxis zu orientieren und sie vor allem zu üben.

Persönlich habe ich mir übrigens angewöhnt Theorien nicht einfach zu übernehmen, sondern sie anhand praktischer Versuche zu überprüfen. Eine Theorie die ich durch praktische Selbstversuche nicht bestätigt sehe verwerfe ich – nicht als falsch, sondern als irrelevant!

3.8. Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Ziehen wir zum Einstieg in die praktischen Einstellungen zur Belichtung einmal ein Zwischenfazit. Wir haben bereits Eingangs ­definiert, dass die wesentlichen Faktoren der Belichtung das vorhandene Umgebungslicht, die Blendenöffnung, die Empfindlichkeit des Bildsensors und die Belichtungszeit sind.

Das Umgebungslicht ist ein Faktor, der sich oft nicht aus­reichend kontrollieren lässt, so lange man die Lichtsituation nicht mit Blitzen beeinflussen oder zu einem anderen Zeitpunkt an den Ort zurück­kehren möchte.

Nutzen wir die Blende um nach dem System der ›Vier Schritte‹ die Schärfentiefe kreativ zu beeinflussen, können wir die Blendenöffnung nicht mehr nutzen, um auf die Intensität des Umgebungslichts zu reagieren. Es bleiben dem Fotografen also zwei Stellschrauben, um eine optimale Belichtung zu erzielen: Die ISO-Empfindlichkeit und die Dauer der Belichtung. Beides unterliegt Einschränkungen. So lässt sich die Belichtungszeit nicht beliebig ausdehnen, so lange man aus freier Hand, und nicht mit einem ­Stativ fotografieren möchte. Sie sollte kürzer sein als der Kehrwert der Blende. Bleibt im Moment die ISO-Empfindlichkeit.

ISO-Empfindlichkeit des Bildsensors

Als wir uns zuerst über die Blende unterhalten haben, habe ich Ihnen die bekannte ›Wasserglas-Metapher‹ vorgestellt und anschließend meine Variation davon, die ›Regen und Trichter‹-Metapher, erklärt. Die Wasserglas-Metapher erklärt den Zusammenhang zwischen Blendenöffnung und Belichtungszeit. Die Regen und Trichter Metapher bringt Zeit und Blendenöffnung in Verbindung mit dem Umgebungslicht. Was uns nun als vierte ­Dimension zu Licht, Blende und Zeit als Stellschraube noch fehlt, ist die ISO-Empfindlichkeit.

Als flexible Variable ist die ISO-Empfindlichkeit noch relativ jung. In der analogen Fotografie lässt sich die ISO-Empfindlichkeit ­lediglich ändern, indem man den Film wechselt. Erst die Einführung von Bildsensoren als Aufnahmemedium macht es möglich, den ISO-Wert durch eine Einstellung der Kamera zu ändern.

Zu Beginn der Digitalfotografie war der erreichbare Spielraum noch gering. Ausgehend von einem Basiswert von ISO100, bei dem die meisten Digitalkameras eine optimale Abbildungsleistung er­reichen, stieg das so genannte Bildrauschen durch Anheben der Empfindlichkeit sprunghaft an. Werte ab und jenseits von ISO800 führten auch bei hochwertigen Kameras zu absolut inakzeptablen Störungen in den Aufnahmen. Deshalb musste es heißen: Die ISO-Empfindlichkeit sollte so gering wie möglich eingestellt werden.

Mittlerweile geben sich Kameras mit mittleren und großen Bildsensoren bereits bis in den Bereich von ISO800 und darüber hinaus kaum mehr Schwächen im Rauschverhalten, und sogar Kompaktkameras liefern bei ISO 800 durchaus akzeptable Resultate.

Um zu illustrieren, was die ISO-Empfindlichkeit ist, habe ich noch einmal eine Metapher mit Wasserglas und Regen heran gezogen. Allerdings lasse ich den Trichter als Stellvertreter für die Blendenöffnung weg.

Viel Umgebungslicht | Bei dichtem Regen kann ich auch mit ­einem Glas mit schmalem Durchmesser in kurzer Zeit genug Wasser ­sammeln, um es rasch zu füllen. Genau so kann ich bei ausreichendem Umgebungslicht mein Sammelbecken (der Bildsensor) rasch bis zur optimalen Belichtung füllen.

Viel Licht Viel Regen. Das Glas füllt sich trotz geringer Aufnahmefähigkeit (schmaler Form) rasch.

Ist die Niederschlagsmenge hingegen gering, dauert es viel länger, bis das Glas mit einem kleinen Durchmesser ausreichend voll ist.

Wenig Licht Bei geringem Regen dauert es natürlich länger das Glas voll zu bekommen.

Genau so dauert es bei geringem Umgebungslicht ­länger, bis der Sensor mit genug Licht für eine ausreichende Belichtung ­gefüllt ist.
Nun kann man aber durch Erhöhung der Empfindlichkeit die Fähigkeit des Sensors erhöhen Licht auszubeuten. Das ist etwa so, als würde man den Durchmesser des Wasserglases erhöhen und gleichzeitig die Höhe reduzieren. Das Volumen bleibt identisch, aber der Regen sammelt sich schneller, und das Glas ist schneller voll.

Wenig Licht mehr ISO Erweitert man die Aufnahmefähigkeit des Glases – in der Metapher, indem man den Durchmesser bei gleichbleibendem Volumen erweitert – kommt man ebenfalls wieder rasch zur gewünschten Füllmenge.

Sensorformat, Lichtausbeute und Rauschverhalten | Das Problem dabei: Je mehr man die Lichtausbeute des Bildsensors unter Strom stellt, um auch bei schwachem Umgebungslicht kurze Belichtungszeiten zu erreichen, desto mehr entstehen ­Störungen, die sich im Bild als Rauschen bemerkbar machen – man spricht vom Bildrauschen.

Größere Bildsensoren, wie Sie in System- und Spiegelreflexkameras in der Regel verbaut werden, haben bei gleich viel lichtempfindlichen Punkten (Sensorpixel) eine größere Fläche pro Pixel zur Verfügung. Sie können Licht effizienter einsammeln und liegen nicht so dicht neben ihren Nachbarn. Sie stören sich dadurch von Grund auf weniger gegenseitig was zu weniger Rauschen führt. Vereinfacht ausgedrückt.

Ein Pixel auf einem Bildsensor mit 12 Millionen Pixeln (12 Megapixel) auf einem Kleinbild-Sensor, im ­Format 36×24 mm, ist um ein vielfaches größer als ein Pixel auf einem Minisensor, im Format 7,3×5,7 mm, in einer Kompaktkamera mit 12 Megapixel. Das heißt auch, je größer der Sensor, desto größer die Sensorpixel, desto besser die Lichtausbeute und desto geringer das Bildrauschen.

Bildrauschen

Als Rauschen bezeichnet man eine körnige Struktur aus helleren und dunkleren Pixeln in Digitalbildern. Minimales Rauschen wird jedes Digitalbild aufweisen. Man kann es unter guten Bedingungen für die Belichtung allerdings so gering halten, dass es nicht zu erkennen ist. Wie stark eine Kamera dazu neigt unter bestimmten Bedingungen Rauschen zu produzieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Sensorformat | Zum Ersten, wie eben erwähnt, von der Größe des Sensors. Je kleiner der Bildsensor, desto anfälliger ist er für Bild­rauschen.

Belichtungszeit | Zum Zweiten von der Belichtungszeit: Je länger belichtet wird, desto mehr Rauschen entsteht. Das liegt vor allem daran, dass sich die Sensoren bei der Belichtung erhitzen und mehr Wärmet mehr Störungen produzier.

Helligkeit | Drittens zeigt sich das Rauschen vor allem in dunklen Bildbereichen und Schatten. Das heißt, bei Motiven mit großen und sehr dunklen Bereichen wird das Rauschen eher zum Problem als bei so genannten High-key-Bildern.

Qualität des Bildsensors | Last but not least: Die Qualität des ­Sensors. Hochwertigere (und leider auch teurere) Kameras be­inhalten bessere Sensoren und sollten weniger zum Rauschen neigen.

Rauschen im Bild |Die letzten Abbildungen unten zeigen eine Aufnahme, die mit einer Kompaktkamera bei ISO800 aufgenommen worden ist und einen vergrößerten Ausschnitt daraus. Ich persönlich finde, dass Rauschen manchen Bildern durchaus ­einen intimen Charme verleihen kann. Umso mehr, wenn die Bilder schwarzweiß entwickelt werden.

Bild
Diese Aufnahme zeigt, dass moderne Kompaktkameras heute in der Lage sind auch bei ISO800 noch gute Fotos zu produzieren.
Bildrauschen In der Vergrößerung ist das Rauschen allerdings deutlich zu erkennen. Neben der körnigen Struktur als die Rauschen zu sehen ist, hat es auch die negative Auswirkung Schärfe zu reduzieren.
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»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
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2.3. Sensorformat und Schärfentiefe

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Über das Sensorformat habe ich bereits ausführlicher im Artikel ›Formatfaktor‹ geschrieben. Bereits dort habe ich vorweg genommen, dass das Format des Sensors nicht nur die Perspektive beeinflusst, sondern auch die Schärfentiefe. Je geringer das Sensorformat, desto höher die Schärfentiefe bei vergleichbarer Brennweite und Blende.

Je geringer das Sensorformat, desto größer die Schärfentiefe.

Bezogen auf die Makrofotografie kann das ein Nachteil von SLR-Kameras gegenüber Kompaktkameras sein. Die folgenden Abbildung zeigt eine Aufnahme mit einer digitalen Kompaktkamera. Die technische Qualität der Aufnahme ist nicht brillant, aber die Biene ist sauber von oben bis unten und von vorne nach hinten ab­gelichtet worden. Eine ähnliche Aufnahme mit SLR-Kamera benötigt zunächst einmal ein spezielles Makro-Objektiv. Normale Objektive für SLRs erfordern einen Mindestabstand von einigen Zentimetern bis zu einem Meter um scharf stellen zu können.

Bienescharf So eine detailreiche Abbildung ­eines Insekts stellt für die meisten Kompaktkameras kein Problem dar. Dank der winzigen Bildsensoren fällt die Schärfentiefe selbst auf kürzeste Distanz und bei offener Blende extrem hoch aus. Hier war eine Sony T1 bei Brennweite 6,7mm (38mm KB) und Blende ƒ5.6.

Hat man doch ein Objektiv, mit dem man nahe genug an ein Makro-Motiv herankommen kann, dann muss man meist mit relativ weit geöffneter Blende fotografieren, damit die Belichtungszeit lang genug ausfällt um unverwackelt und ohne Bewegungsunschärfe fotografieren zu können. Durch die offene Blende wird aber die Schärfentiefe gering und man bringt keine durchgehend scharfe Darstellung des kleinen Hauptdarstellers mehr zustande.

Biene unscharf Schnappschuss mit der Nikon D80 und Sigma 17–70mm F2.8–4.5 DC Macro bei 70mm Brennweite (105 mm KB) und Blende ƒ4.5. Der Fokus sitzt etwas zu weit vorne – auf der Blüte, statt auf den Augen. Die Schärfentiefe fällt kurz und entsprechend reduzierten Details aus. Bessere Makroaufnahmen sind mit SLR mit Aufwand verbunden.

Ambitionierte Makrofotografen, die Ihre Motive nicht in einer Wolke an Unschärfe versinken lassen wollen, fotografieren deshalb oft mit speziellen Makroblitzen und kleiner Blendenöffnung und erreichen dadurch (verhältnismäßig) hohe Schärfentiefe und dennoch ausreichend kurze Belichtungszeiten.

Kaefermakro Makroaufnahme mit der Nikon D700 und dem AF-S VR Micro-­Nikkor 105 mm 1:2.8 G IF-ED bei Blende ƒ18 bei ISO 800 (damit der Hintergrund nicht zu dunkel ausfällt) unter Zuhilfenahme eines Makro-Blitzes. Die Abblendung auf ƒ18 führt zu hoher Schärfentiefe und detailreicher Abbildung des Marienkäfers von vorne bis hinten.
SB R200 Makrofotografen setzen oft spezielle Makroblitze ein. Meist ist das ein Aufsatz, der vorne am Filtergewinde des Objektivs befestigt wird. Solche Blitze sind übrigens auch gut für Porträts geeignet und setzen schöne Glanzpunkte in die Augen.

Kompaktkameras haben fast immer relativ kleine Bildsensoren. Das heißt sie neigen dazu, eine sehr weite Schärfentiefe abzubilden. Während die automatisch hohe Schärfentiefe dieser Apparate bei Makroaufnahmen durchaus ein Vorteil sein kann, ist es bei Porträts fast immer ein Nachteil. Während man mit mittelgroßen und großen Sensorformaten von SLRs und anderen Systemkameras Hintergründe vollständig verschwimmen lassen und damit störende Elemente praktisch unkenntlich machen kann, bieten die kleinen Sensoren diese Möglichkeit kaum.

Grosser sensor
Es liegt vor allem an den größeren Sensoren der SLRs, dass man mit ihnen ganz locker ein Ergebnis erzielt, bei dem der Hintergrund völlig unscharf und flauschig weich ist und nicht mehr vom Modell ablenkt.
Hier im Gegensatz dazu eine Aufnahme mit Kompaktkamera: Auch bei 105 mm Brennweite und kürzester Distanz werden die Gebäude im Hintergrund scharf genug abgebildet, um störend zu wirken. Bei ­dieser Aufnahme könnte man ­zumindest einwenden, dass der Blick ins Dorf zur Bildaussage ›­Modell blickt ins Dorf‹ führen könnte.

Um mit einer Kompaktkamera trotzdem ansprechende Porträts zu verwirklichen, gilt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Den Hintergrund sorgfältig aussuchen. Grundsätzlich gilt, je ruhiger, desto besser. Aber Achtung! Eine weiß getünchte Wand ist zwar auch ruhig, wirkt aber wahrscheinlich so steril und sachlich, dass das Porträt dadurch trotzdem verunglückt ausfallen könnte.
  • Helle Hintergründe sollten eher gemieden werden, da Helligkeit mehr Aufmerksamkeit anzieht, als dunkle Bereiche.
  • Längere Brennweiten sind besser, da sie zu geringerer Schärfentiefe führen als kurze Brennweiten. Allerdings bleibt dabei zu beachten, dass sehr lange Brennweiten nicht unbedingt die perfekten Porträt-Brennweiten sind (siehe auch ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹).
  • Blende so weit als möglich öffnen.
Kleiner sensor
Die Fähigkeit Hintergründe durch Unschärfe quasi auszublenden fehlt fast allen Kompaktkameras. Mit sorgfältig gewähltem Hintergrund und langer Brennweite sind ansprechende Porträts dennoch möglich.
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1.5. Formatfaktor

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Sache mit den Brennweiten könnte so einfach sein, wären da nicht die verschiedenen Sensorformate. Bildsensoren werden in unterschiedlichen Größen produziert und die Größe des Sensors beeinflusst den Blickwinkel (und natürlich den Preis). Das Problem ist also, dass eine bestimmte Brennweite vor einem bestimmten Sensorformat einen bestimmten Blickwinkel erzeugt, vor einem anderen Sensorformat jedoch einen anderen.

D7000_sensor_unit_1_rgb.jpg
Die Bildsensor-Einheit einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Die Abbildung unten zeigt einen Auszug an Formaten, die heute bei Digitalkameras üblich sind.

Sensorformate.jpg Ein paar Beispiele von Sensorformaten zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Hassselblad Mittelformatkamera, Leica S2 Spiegelrelfex-Systemkamera, Kleinbild, DX (Nikon, Sony, Pentax), Four Thirds (Olympus und Panasonic) und exemplarisch das Format der Komapaktkameras G12 und S95 von Canon.

Kleinbildformat | In den Tagen der analogen Fotografie (dem Fotografieren mit Film) hatte sich zuletzt das Kleinbildformat für die meisten Kameras durchgesetzt. Filme im Format von 36×24mm passten sowohl in Kompaktkameras, Sucherkameras und Spiegelreflexkameras. Lediglich im professionellen High-End-Bereich waren Mittel- und Großformat mit größeren Filmformaten ›State of the Art‹.

Sensia100.jpg Analoger Film ist noch immer von Herstellern wie Fujifilm beziehbar (Bild: © Fujifilm Europe GmbH)

In den 1990er Jahren verhalf Canon mit seiner Ixus dem etwas bequemeren, aber relativ kleinen APS-Format, zu einem kurzfristigen Durchbruch. Doch das Gros der Aufnahmen wurde wie gesagt auf 36×24mm gebannt.

Als Digitalfotografie zum Thema wurde und erste digitale Kameras auf den Markt kamen, wurden Bildsensoren verbaut die deutlich kleiner waren als die 36×24mm Filme der analogen Kleinbildkameras. Der Grund war vor allem, dass größere Sensoren ungleich teurer zu produzieren waren als kleinere. Deshalb werden in Kompaktkameras bis heute sehr kleine Sensoren verbaut und nur in professionellen Spitzenmodellen sind Sensoren im Kleinbildformat zu finden (in analogen Zeiten war das Abbildungsformat des Films für Kompakt und Spiegelreflex eben identisch).

Mittelformat | Es gibt heute digitale Mittelformatkameras die größere Sensoren nutzen als das Kleinbildformat. Bekannte Hersteller solcher Geräte sind Hasselblad, PhaseOne oder Sinar. Im letzten Jahr ließ Pentax mit einer Mittelformat-Kamera aufhorchen, die als Preisbrecher gehandelt wird. Außerdem sorgte in jüngster Vergangenheit auch die deutsche Edel-Kameraschmiede Leica mit einem Kamerasystem für Interesse, das im Grunde eine Spiegelreflexkamera ist, aber einen größeren Sensor als Kleinbild nutzt.

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Mittelformatkameras, wie dieses Modell von Pentax, nutzen deutlich größere Sensorformate, als das Kleinbildformat (Bild: © Pentax Imaging Systems GmbH)

Sensorformat und seine Auswirkungen

Das Gros der Kameramodelle am Markt arbeitet aber aus Preisgründen mit Sensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als Kleinbild. Mit der Größe des Sensorformats sind nun aber eben Unterschiede in Art der Abbildung und der Abbildungsqualität verbunden. Beeinfluss werden vor allem:

  • Bildrauschen;
  • Blickwinkel und perspektivische Wirkung der Brennweite;
  • Schärfentiefe.

Bildrauschen | Bildrauschen – so bezeichnet man eine körnige Struktur aus unterschiedlich hellen oder farbigen Pixeln – gehört zu den wichtigsten Problemen der Digitalfotografie. Man unterschiedet dabei das sogenannte Helligkeits- oder Luminanzrauschen (wie in der Abbildung unten) vom Farbrauschen, bei dem nicht hellere und dunklere Pixel die Struktur ergeben, sondern bunte in den Farben rot, grün, blau, gelb, cyan und/oder magenta. Rauschen wird vor allem in dunkleren Bildbereichen sichtbar. Ein Grundrauschen ist in jedem Digitalbild normal. Oft fällt es aber so gering aus, dass man es praktisch nicht bemerkt. Doch durch lange Belichtungszeiten oder Anheben der ISO-Empfindlichkeit wird der Effekt verstärkt und es kann unangenehm im Bild hervortreten.

Bildrauschen1 Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man die Belichtungszeit reduzieren indem die Sensorempfindlichkeit erhöht wird.
Bildrauschen2 Leider führt das anheben der Empfindlichkeit durch Erhöhen des ISO-Werts zu kräftigeren Bildrauschen.

Je kleiner der Sensor, desto anfälliger für Rauschen. Wobei es streng genommen vor allem auch von der Auflösung abhängt. Im Grunde geht es gar nicht um die Größe des Sensors, sondern wie viele Pixel auf wie engem Raum wie dicht beieinander liegen. Ein kleiner Sensor mit geringer Auflösung muss nicht unbedingt mehr rauschen verursachen, als ein großer Sensor mit sehr hoher Auflösung.

Je größer die Zahl der Pixel und kleiner das Format des Sensors, desto mehr Rauschen wird produziert.

Brennweite | Der zweite Faktor, der vom Sensorformat beeinflusst wird, ist der Blickwinkel den eine bestimmte Brennweite vor einem Sensor ergibt. Die beiden Abbildungen unten zeigen zwei Aufnahmen die vom Stativ aus mit exakt derselben Distanz und derselben Brennweite von 24mm aufgenommen wurden. Der Bildausschnitt den sie zeigen unterscheidet sich gravierend! Die D7000 mit dem deutliche kleineren Sensor nimmt den Buddha sehr viel naher auf, als die D700 mit ihrem Kleinbildsensor.

Dx Aufnahme aus einer Distanz von etwa zehn Zentimeter mit einem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an einer Nikon D7000 mit einem Sensor im Format 24×16mm.
Fx Aufnahme aus derselben Distanz mit dem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an der Nikon D700 mit einem Sensor im Format von 36×24mm.

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Aufnahme die mit einer Kleinbildkamera und 135mm Brennweite aufgenommen wurde. Nehmen wir an, wir würden von derselben Stelle aus mit einer 10 Megapixel Kamera mit Kleinbild und einer 10 Megapixel Kamera mit einem ein Drittel kleineren APS-C- bzw. DX-Sensor diesen Ort fotografieren, wobei beide Kameras eine Objektiv mit einer KB-Brennweite von 135mm tragen. Dann bildet die Kleinbildkamera einen größeren, die DX-Kamera einen kleineren Bildausschnitt ab – trotz gleicher Brennweite! Die Kamera mit dem kleineren Sensor scheint bei gleicher Brennweite das Motiv also näher heranzuzoomen.

Dxundfx Fx
Dx Oben links Bildausschnitt bei 135mm bei Kleinbild und 24×16mm DX-Sensor in der Montage, oben Resultat der 135mm-Brennweite bei Kleinbildformat und links Resultat bei DX-Format.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man Brennweiten und ihre perspektivische Wirkung und den Bildausschnitt den sie abbilden miteinander vergleichen will. Ein sinnvoller Vergleich ist nur dann möglich, wenn man sie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Der Sensor in der Nikon D7000 ist um den Faktor 1,5 kleiner wie jener in der D700: 24×16mm statt 36×24mm. Der Bildausschnitt den jede beliebige Brennweite an der D7000 erzeugt ist 1,5 mal kleiner beziehungsweise 1,5 mal naher als bei der D700. Um also einen Vergleich der Nikon D7000 mit einem Sensorformat, das man als APS-C bezeichnet, mit der D700, die ein Kleinbildformat hat, anstellen zu können, wird das APS-C auf Kleinbild umgerechnet. Das gilt natürlich für alle anderen Marken und Formate ebenso.

Kleinbild ist der gemeinsame Nenner auf den sich die Fachwelt geeinigt hat – die Abkürzung lautet KB. Spricht man allgemein von Brennweiten, dann beziehen sich die Millimeterangaben immer auf Kleinbild, sofern es nicht dezidiert anders angegeben wird.

Um Brennweiten an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten vergleichen zu können, hat man sich auf Kleinbild (KB) als gemeinsamen Nenner geeinigt.

Formatfaktor | Für jedes Format lässt sich ein Umrechnungsfaktor aufstellen, mit dem sich die Wirkung von Brennweiten im Vergleich zu Kleinbild berechnen lässt. Diesen Umrechnungsfaktor bezeichnet man auch als Formatfaktor oder Crop-Faktor.

Bei Nikon ist das einfach. Nikon hat zwei Formate für Spiegelreflexkameras: Geräte, mit einem Sensor im Format 36×24mm, die bei Nikon die Bezeichnung FX tragen. Und Geräte mit einem Sensor im Format 24×16mm, die bei Nikon DX heißen und einen Umrechnungsfaktor auf Kleinbild von 1,5 haben. Ein 50mm Objektiv an einer Nikon mit kleinerem DX-Sensor entspricht dem Bildausschnitt und der perspektivischen Wirkung von 75mm auf Kleinbild: 50 × 1,5 = 75.

Bei Olympus und Panasonic (Lumix) ist das sogar noch einfacher. Deren sogenannte Four Thirds Sensoren haben ein Format von 17,3×13mm und werden mit dem Umrechnungsfaktor 1:2 berechnet: 50mm an einer Four Thirds Kamera entspricht also rund der Bildwirkung von 100mm an einer Kleinbildkamera.

  • Kleinbild: 36×24mm (1:1 KB-Faktor);
  • APS-H (Canon): 27,9mm×18,6mm (≈1:1,3 KB-Faktor);
  • DX (Nikon, Sony, Pentax): 23,7×15,6mm (≈1:1,5 KB-Faktor);
  • APS-C (Canon): 22,2×15,8mm (≈1:1,6 KB-Faktor);
  • Four-Thirds (Olympus, Panasonic): 17,3×13mm (≈1:2 KB-Faktor);
  • Sensor der Canon PowerShot G12 exemplarisch als ein Sensorformat vieler möglicher bei Kompaktkameras: 7,6×5,7mm (≈1:4,5 KB-Faktor).
Powershot g12 Powershot s95
Auf der Front des Objektivs der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 steht die tatsächliche Brennweite der Optik: 6,1mm bis 30,5mm. Die tatsächliche Brennweite der PowerShot S95 reicht von 6mm bis 22,5mm. Allerdings interessieren uns Fotografen in der Regel nicht die technischen Brennweiten, sondern das Äquivalent der Bildwirkung im Vergleich zur Kleinbildkamera. Der Formatfaktor für G12 und S95 beträgt etwa 4,5. Canon gibt die Brennweiten der G12 auf Kleinbild umgerechnet mit 28–140mm an, für die S95 mit 28–105mm.

Schärfentiefe | Ein dritter Unterschied liegt in der unterschiedlichen Schärfentiefe unterschiedlicher Sensorformate. Wie die beiden folgenden Abbildungen jedoch belegen, fällt der Unterschied zwischen mittleren Sensoren, wie Four Thirds, APS-C, DX und APS-H, und Kleinbild nicht besonders dramatisch aus.

Schaefentiefe1
Aufnahme mit der Kleinbildkamera Nikon D700 und 105 mm Objektiv.
Schaefentiefe2
Aufnahme mit der D7000 mit kleinerem Sensor und demselben Objektiv. Aufgrund des Formatfaktors musst ich die Kamera weiter weg stellen um denselben Bildausschnitt zu erreichen. Das Ergebnis ist, dass bei gleicher Brennweite (und gleicher Blende) eine höhere Schärfentiefe entstanden ist.

Je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe, bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Eklatanter wird der Unterschied in der Schärfentiefewirkung zwischen den sehr kleinen Sensoren bei Kompaktkameras und den mittelgroß bis großen Sensoren in Spiegelreflex- und anderen Systemkameras. Dazu habe ich unter ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ schon einmal zwei Bilder gezeigt.

Für die Auswirkung des Sensorformats auf Bildrauschen, Bildausschnitt und Schärfentiefe gelten folgende Regeln:

  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Neigung Bildrauschen zu erzeugen bei gleicher Empfindlichkeit und gleicher Belichtungszeit.
  • Je kleiner der Sensor, desto enger der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite.
  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Schärfentiefe bei gleicher Brennweite und gleicher Blende.
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