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Smartphone oder Systemkamera: Für wen ist was die bessere Wahl?

Posted in Fotografie & Gedanken

Dies ist ein ergänzender Artikel zu meinem Video »iPhone oder Kamera? Machen ­Smartphones Systemkameras über­flüssig?« Auf meinem YouTube-Kanal habe ich folgenden Kommentar zum Video bekommen:

»Ich habe eine andere Fragestellung. Bei welchem Anwender macht das Smartphone die Systemkamera (eher) überflüssig? Jemand, der z.B. eine Olympus OMD EM10 mit günstigem Kit-Objektiv benutzt, steigt wahrscheinlich schneller auf ein Smartphone um als jemand , der eine OMD EM1 mit hochwertigen und/oder speziellen Objektiven benutzt. Derjenige wird wahrscheinlich nie umsteigen, aber seine Ausstattung mit einem guten Foto-Smartphone ergänzen.«

Die Frage scheint mir so interessant, dass ich die Antwort hier als Artikel veröffentliche.

Die Unterschiede zwischen einer Einsteigerkamera (E-M10) und einem Topmodell (E-M1) sind deutlich geringer, als die Unterschiede von der Einsteigerkamera zum Smartphone. Topmodelle sind robuster und aufgrund leistungsfähigerer Prozessoren schneller, unterscheiden sich aber in der reinen Bildqualität meist kaum von den Kameras der unteren Preisklasse.

Was die Systemkamera (bislang) besser kann:

  1. Bokeh: Das Resultat des Porträtmodus des iPhones ist manchmal beeindruckend, oft »naja« und manchmal im wahrsten Sinne des Wortes lächerlich. Hinzu kommt, dass der Modus nur in einem recht beschränkten Entfernungsbereich arbeitet. Eine Systemkamera ist diesbezüglich überlegen, auch mit eher preiswerten Objektiven.
  2. RAW: Echte RAWs aus Smartphones werden wohl noch länger Resultate zeigen, die der JPEG-Entwicklung im Phone weit unterlegen sind, da die rohen Daten der Sensoren noch nicht die ganzen Softwaretricks und -kniffe enthalten, die Smartphone-Fotografie überhaupt erst auf das Niveau gebracht habe, auf der wir sie heute sehen. Apples ProRAW scheint mir bislang ein Placebo und für die Praxis kaum Vorteile zu bringen. Möglicherweise wird sich das zukünftig ändern, aber wer, wenn nötig, durch eigenhändige Entwicklung das Beste aus seinen Aufnahmen heraus kitzeln möchte, ist mit einer Systemkamera besser bedient.
  3. Telefotografie: Ein Smartphone mit Supertele wäre mir bislang nicht bekannt. Von den verfügbaren Tele-Vorsatzlinsen würde ich keine Wunder erwarten. Doch selbst wenn Technik und Optik in Smartphones das auf die Reihe kriegen, kann ich mir immer noch nicht vorstellen, wie sich 600mm KB mit einem Gerät in der Form einer Tafel Schokolade sinnvoll nutzen lassen sollen. Wer schon einmal mit so langen Brennweiten aus freier Hand fotografiert hat, wird wissen, wovon ich rede.
  4. Makrofotografie: Ein Blümchen, eine Biene oder einen Hirschkäfer kann man mit dem Smartphone eher formatfüllend abbilden, als mit einem Standardobjektiv an einer Systemkamera, vor allem, wenn das System Vollformat hat. Schmetterlinge werden einen aber mit dem Smartphone in der Regel nicht nahe genug an sich heran lassen. Marienkäfer sind zu klein, um mit einem Smartphone groß abgelichtet werden zu können. Eine Systemkamera mit Makroobjektiv lässt einen weiter in den Makrokosmos vordringen und ermöglicht eine genauere Kontrolle über Belichtung und Fokuspunkt. Damit sind Aufnahmen möglich, von denen man mit Smartphone nicht träumen kann.
  5. Die Art des Fotografierens: Systemkameras ermöglichen eine ganz andere Art des fotografischen Prozesses. Während Fotoapparate in der Regel auf Benutzerfreundlichkeit und Ergonomie hin optimierte Geräte spezifisch für die Aufgabe des Fotografierens sind, und sich jeder und jede den Apparat aussuchen kann, der ihm bzw. ihr am besten liegt, ist ein Smartphone die bereits zitierte Tafel Schokolade mit kaum einer Hand voll Tasten. Ich vermute, dass nahezu alle ambitionierten Fotografen meist über den Sucher fotografieren – man darf davon ausgehen, dass das nicht ohne Grund so ist. Smartphones haben keine Sucher.

Wenn einem das alles nicht wichtig ist, dann ist das Smartphone höchstwahrscheinlich der bessere Fotoapparat für einen.

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