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MFT oder Vollformat? Lightroom oder Alternative?

Posted in Theorie & Technik

Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Mail mit zwei Fragen, die mir interessant genug scheinen, als Blog-Artikel beantwortet zu werden.

Ich habe eine OM-D EM 10 mit einigen Objektive. Ich bin Hobbyfotograf, habe mehrerer VHS-Kurse besucht und bin mit manchen Bildern auch echt zufrieden. Aber eben mit vielen auch nicht. Wenn die Bilder nicht gut sind, überlege ich, ob es doch eine Vollformat-Kamera sein muss, v.a. unter Low-Light-Bedingungen. Oder lohnt sich ein Upgrade auf die neue OM D EM 5 Mark III? Oder kann ich bei meiner EM 10 bleiben und muss einfach mehr Geduld beweisen und viel mehr ausprobieren?
Ein anderer Punkt ist die Bearbeitung. Ich verwende Lightroom 6, das Programm stürzt aber oft ab bzw. importiert nicht sämtliche Bilder von der Speicherkarte. Hast du denn einen Tipp für ein gutes Bildbearbeitungsprogramm? Luminar soll auch gut sein oder muss ich auf die teure Creative Cloud-Version von Lightroom wechseln (immerhin 12€/Monat)?

Ich bin zwar kein Fan von Lightroom und nutzte selbst primär Capture One Pro, aber preislich ist das Lightroom-Abo durchaus interessant. Um man 12 Euro im Monat bekommt man nicht nur einen RAW-Konverter, sondern zusätzlich Photoshop. Capture One dürfte eher teurer, wenn man die jährlichen kostenpflichtigen Upgrades mitmacht. Benötigt man zusätzlich ein Bildbearbeitungsprogramm, muss zusätzlich investiert werden (sofern man sein Glück nicht bei den kostenlosen Angeboten findet). Affinity Photo ist zwar durchaus ein preiswertes und potentes Programm, doch der Preisvorteil dürfte beim Adobe Foto-Abo liegen.

Luminar oder DxO PhotoLab sind durchaus preiswertere Alternativen zu Capture One – und es gibt noch einige andere. Luminar plus Affinity Photo kostet in Erstanschaffung ca. 144 Euro – lustigerweise ziemlich exakt, was das Adobe Foto-Abo im Jahr kostet. Danach dürfte die Kombi zwar auch mit kommenden Upgrades günstiger sein, wie Adobes Abo. Aber ob es den Braten wirklich fett macht?

Mir persönlich ist die Art, wie ich mit einem Programmen zurecht komme und damit arbeiten kann, wichtiger als eine Preisdifferenz in dieser Größenordnung. Da wird aber jeder selbst ausprobieren und eine Entscheidung treffen müssen. Natürlich gilt es dabei auch abzuwägen, ob man mit einem Abo leben kann, oder ob einem der Kauf einer Lizenz lieber ist. Überlegt sein will die Entscheidung beim RAW-Konverter allerdings gut. Ein Umstieg ist meist zeitaufwändig und schmerzhaft.

Zur Kamera: Dass Vollformat Vorteile gegenüber kleineren Sensoren hat ist nicht zu bestreiten. Allerdings hat gerade auch MFT Vorteile gegenüber Vollformat wie auch APS-C. Das Qualitätspotenzial des Vollformats ist definitiv größer. Wenn das Volumen und Gewicht eher belanglos sind, dann sehe ich keinen Grund ein System mit einem kleineren Sensor zu wählen.

Andererseits sind die Qualitätsunterschiede doch überschaubar, vor allem, wenn man es versteht die Kamera richtig einzusetzen. Bei 99% aller Aufnahmen wird kaum ein Betrachter sagen können, ob eine Vollformat-, MFT- oder APS-C-Kamera zum Einsatz gekommen ist. Dem gegenüber finde ich den Gewichtsvorteil deutlich relevanter. Das Volumen, um das man bei größeren Sensoren einfach nicht herum kommt, fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Gewicht.

Wichtig ist aber vor allem, dass man sich mit seiner Kamera wohl fühlt. Wenn du am MFT-System zweifelst, steig auf ein System mit einem größeren Sensor um. Und sei es nur um am Ende herauszufinden, dass MFT doch das Richtige für dich ist und du nach dem Vergleich die Sicherheit hast. Möglicherweise ist aber eine Kamera mit größeren Sensoren tatsächlich besser für dich und die Ergebnisse machen dich glücklicher. So oder so: Wenn du es dir irgendwie leisten kannst, wird sich die Erfahrung lohnen. Fotografie soll Spaß und nicht unglücklich machen. Man kommt oft einfach nicht ein selber Ausprobieren herum, auch wenn es seinen Preis hat.

Natürlich wird die E-M5 III Vorzüge gegenüber der E-M10 II haben. Es ist das anspruchsvollere Modell und die neuere Generation. Ob die Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser für dich relevant ist, kannst du nur selbst beantworten. Für mich ist es das. Ich habe schon mehrfach im Regen fotografiert. Es verlangt allerdings auch nach abgedichteten Linsen, und das trifft fast nur auf die Pro-Modelle zu. Ob so ein Upgrade tatsächlich sinnvoll ist, scheint mir aber etwas fraglich, wenn du insgesamt am System zweifelst.

Vielleicht einfach einmal eine Kamera mit APS-C oder Vollformat leihen oder mieten. Dann kannst du Testen, um wie viel besser die Resultate ausfallen. Vor allem, wenn du mit dem Leihgerät und deiner OM-D parallel fotografierst.

3 Comments

  1. Felix

    Bei den Bildbearbeitungsprogrammen würde ich auf jeden Fall die freien Alternativen erwähnen: Darktable und RawTherapee sind durchaus ähnlich mächtig wie Lightroom & Co aber sind OpenSource und kostenlos. Bevor viel Geld und Übung in eines der Bezahl-Programme gesteckt wird, würde ich die kostenlosen wenigstens einmal ausprobieren. Ich bin seit etwa 2 Jahren mit darktable sehr zufrieden, auch wenn es durchaus viel zu lernen gibt…

    In den Fällen, wo der Fragesteller nicht mit der Bildqualität zufrieden ist, würde ich empfehlen immer zuerst zu fragen: WESHALB bin ich mit dem Bild nicht zufrieden? Und wenn diese Frage beantwortet ist, wäre die nächste Frage: Was hätte ich in der Aufnahme-Situation besser machen können, damit mir das Bild jetzt besser gefällt? Wenn diese Frage regelmäßig damit beantwortet wird, dass das Bild viel zu verrauscht ist oder die Freistellung nicht ausreicht dann KANN eine Antwort sein es mal mit einer Vollformat Kamera zu versuchen. Vielleicht hilft aber schon ein Lichtstärkeres Objektiv, eine längere Brennweite, ein Stativ oder eine andere Änderung der Aufnahmetechnik.

    6. Februar 2020
    |Reply
    • Danke für den Input.

      Ich konnte mich bei meinen Tests mit den Open-Source-Varianten zwar nicht anfreunden aber das ist natürlich auch Geschmacksache und will getestet werden. Hier sind die Links:
      https://www.darktable.org
      https://rawtherapee.com

      Der Grund für verrauschte Bilder ist meist schlicht eine falsche Belichtungseinstellung. Muss man Bilder in der digitalen Dunkelkammer kräftig aufhellen ist Rauschen unvermeidlich. Geht man zur Belichtung an die Grenzen der Helligkeit, bevor wichtige Bildbereich ein Überbelichtung ausbrechen, ist Rauschen auch mit MFT nur selten ein nennenswertes Problem. Man muss als MFT-Fotograf diesbezüglich halt etwas penibler arbeiten, als mit Vollformat, und mehr an der Belichtungskorrektur drehen.

      6. Februar 2020
      |Reply
  2. Moin,
    ich würde mich immer wieder für die Adobe Cloud entscheiden, letztlich muss jeder aber so „arbeiten“ wie es ihm behebt. Ich habe immer noch einen Blog Beitrag auf Halde, der mein „warum“ ausdrückt. Man bekommt mit der Cloud ja noch viel mehr.

    LG
    Timo

    4. Februar 2020
    |Reply

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