Direkt zum Inhalt

Zeit für Olympus

Posted in Theorie & Technik

In der vergangenen Woche hat mich eine Erkältung eingeholt. Am Montag, nach einem langen Tag mit Unterricht und Meeting war ich dann streichfertig, hatte Fieber, Kopfschmerzen und was sonst noch so zu einer Erkältung gehört. In Zeiten in denen ich es mir einteilen kann nehme ich mir dann gerne die Freiheit mich unter der Bettdecke zu verkriechen, wenn ich mich krank fühle. So habe ich das dann auch am Dienstag gemacht.

Die Männergrippe hat ja gegenüber der echten Grippe den Vorteil, dass man sich nicht sterbenselend fühlt und – zumindest bei mir ist das so – die Zeit mit Lesen und dem Anschauen von Videos verbringen kann. Deshalb genieße ich das kleine bisschen Kranksein auch immer ein wenig, gibt es mir doch die Muße mich einmal mit Dingen zu befassen, für die ich mir sonst nicht so die Zeit gebe.

So habe ich den Tag mit YouTube begonnen und geschaut, was meine Abonnements in letzter Zeit Sehenswertes gepostet habe und mich u. a. darüber informiert, was es in CC 2020 so Neues gibt – wozu ich später auch noch einmal Videos in einem Artikel teilen werde.

Im Laufe des Vormittags bin ich in die Themen Olympus, MFT und Fotografie geschlittert und habe ein paar Videos gesehen, von denen ich finde, dass sie es Wert sind, hier im Blog geteilt zu werden, und dazu meine Gedanken zu posten.

Die Wahrheit ist: Es kommt drauf an!

Im Internet – und so nicht anders auf YouTube – tummeln sich zu allen Themen Menschen die nicht nur eine Meinung haben, sondern ganz wissen was WAHR ist und was falsch. Mir gehen Wahrheitsverkünder und Meinungsextremisten eher gegen den Strich. Die Wahrheit besteht im Detail aus Fakten, aber sie ist im Ganzen mehr als die Summe der Teile und und zu komplex, um sie eindeutig und ohne Wenn und Aber und Ausnahme zu beantworten. Einfache Antworten auf komplexe Fragen sind selten richtig.

Die richtige Antwort auf alle Fragen lautet: Es kommt drauf an!

Wenn jemand behauptet eine bestimmte Kamera oder ein bestimmtes System sei das einzig Wahre, dann sollte man das Zuhören umgehend einstellen – wer sowas behauptet, dürfte der Objektivität nicht zu sehr verpflichtet sein.

Ich muss in der Lage sein zu unterscheiden, zwischen der Frage, »welche Kamera würdest du kaufen?«, und der Frage, »welche Kamera soll ich kaufen?« Die erste Frage muss ich mit, »eine Olympus«, beantworten – ich nutze ja nichts anderes. Auf die zweite Frage hingegen frage ich, »was möchtest du wie fotografieren?« Bei der Wahl der richtigen Kamera kommt es auf das Einsatzgebiet an.

Jedem ist klar, dass man weder mit einer Kettensäge Laubsägearbeiten ausführen kann, noch mit der Laubsäge einen Baum umlegt. In der Fotografie hingegen dominiert genau diese Ansicht: Nur viel und groß ist gut und richtig.

Die meisten von uns fänden es sicher lächerlich sich bei Autos darüber zu beklagen, dass Kompaktwagen weniger Platz bieten, als Vans und Monster-SUVs. In der Fotografie hingegen ist es gang und gäbe zu kritisieren, dass in kompakten Kamerasystemen kleine Sensoren stecken. Nichts gegen Autos mit Platz! Wer regelmäßig viel transportieren muss, kann schwer darauf verzichten (die Absurdität, dass viele große PKW nur selten mehr als 1,3 Mensch transportieren, ist ein anderes Thema). Für die meisten jedoch – inklusive der Umwelt – ist der Kleinwagen die sinnvollere Alternative.

Praktiker und Theoretiker

In den Debatten der digitalen Fotografie dominiert viel zu sehr die Theorie. Erfolgreiche Foto-Blogger und -Vlogger können jedes physikalische Detail beschreiben, und oft begründen sie damit, weshalb größere Sensoren besser sind als kleine. Ich finde die Theorie interessant aber viel interessanter finde ich die Praxis. Deshalb bevorzuge ich Berichte echter Fotografen gegenüber jenen, die sich vor allem mit dem Testen von Ausrüstung und dem Studium von Theorie befassen. Boris Nienke von Happy Shooting hörte ich einmal sagen, »was ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis? In der Theorie gibt es keinen, in der Praxis schon.« Genau so sehe ich das auch!

Alte Hasen

Auffällig ist, dass viele der Fotografen die auf YouTube positiv, oft begeistert, von ihren Erfahrungen mit MFT-Kameras berichten, alte Hasen sind. Nun kann man natürlich einwenden, dass schon klar ist, dass die Tattergreise eine ausgewachsene Vollformatkamera nicht mehr stemmen können. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die alten Hasen etwas haben, was sich durch das Studium von Theorie nicht ersetzen lässt: Jahrzehnte Erfahrung. Und nahezu alle haben den Großteil dieser Jahrzehnte mit Voll- oder noch größeren Formaten fotografiert.

Die Videos

Das erste Video das ich teilen möchte, stammt vom australischen Fotografen Terry Lane. Ich finde es nicht zuletzt deshalb sehenswert, weil im Laufe des Videos dutzende Aufnahmen zu sehen sind, die mit dutzenden verschiedenen Kameras über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg entstanden. Es zeigt, wie irrelevant die Kamera für gute Fotos ist, auch wenn natürlich unter der Lupe Unterschiede zwischen Kompaktkameras von 2005 und Vollformat von 2018 zu sehen wären.

Ebenfalls sehenswert von Terry Lane ist ein Video indem er über Micro FourThirds und Rauschen spricht. Gerade das letzte Drittel ist jedem zu empfehlen der mit digitaler Fotografie aufgewachsen ist, denn Lane liefert einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung der Empfindlichkeit bei Film.

Passend zum Thema Rauschen empfehle ich als nächstes ein Video von Steve O’Nions, in dem er sich mit Auflösung befasst und dem Vorurteil widerspricht, man könne mit MFT keine großen Prints drucken (dazu habe ich Anfang des Jahres schon einmal einen Artikel mit einem Video geteilt).

Fehlt noch das dritte Argument, das oft gegen MFT vorgebracht wird: Bokeh. In dem folgenden von Denae and Andrew geteilten Video geht es nicht um MFT, sondern um die Frage, ob das viele Geld, das Fotografen gerne in lichtstarke Primes investieren, zu Ergebnissen führt, die vom Betrachter positiver bewertet werden. Die Antwort hat auch mich überrascht: Nein.

Der Sprecher – ich nehme an es handelt sich um Andrew – begründet am Ende ausführlich, weshalb Bokeh allein nicht automatisch zu guten Aufnahmen führt. Fotografie besteht aus deutlich mehr Aspekten. Uns Fotografen mögen seidenweiche Bokehs begeistern, aber für das Auge des durchschnittlichen Betrachters scheint die Detailschärfe des Subjekts von deutlich größerer Bedeutung. Darüber hinaus spielen Bildkomposition, Linienführung, Bildausschnitt, Beleuchtung und Anderes oft eine viel größere Rolle, als die Unschärfe des Hintergrunds.

Natürlich gibt es Motive die von Freistellung profitieren. Doch man macht es sich zu leicht, wenn man sie als Patentrezept für jede Szene einsetzt. Mit Vollformat und einem lichtstarken Tele auf ein Motiv halten, abdrücken und ein Resultat mit seidenweichen Bokeh erzielen kann jeder. Das Subjekt mit dem Hintergrund in eine Beziehung zu setzen und sauber zu komponieren stellt hingegen eine ganz andere Herausforderung dar. Gelingt das bei einem Foto, zeigt es nicht nur ein Subjekt, sondern erzählt eine Geschichte.

Hinzu kommt, dass Smartphones Bokeh mittlerweile exzellent simulieren. Die Zeiten, in denen man sich allein durch den Einsatz teurer Linsen vom Fußvolk abheben konnte, sind vorbei. Der Fotograf wird sich in Zukunft noch mehr anstrengen müssen, um aus der Masse herauszustechen.

Das mobile System

Auffallend ist auch, dass das Gros der Leute die über Micro FourThirds berichten, Fotografen sind, für die Mobilität eine große Rolle spielt. Auffallend, aber nicht überraschend. Mobilität ist der Kern von MFT. Ich kann mich an kein Video eines Studiofotografen erinnern, der erklärt auf MFT umgestiegen zu sein. Mir selbst wäre der Gedanke bis heute nicht gekommen. Wieso sollte ich auf die Vorzüge des Vollformats zugunsten eines kompakten Systems verzichten, wenn Mobilität für mich keine Rolle spielt? Vollformat hat größere Qualitätsreserven als Crop-Sensoren. Aber die Frage, die ich mir als Fotograf stelle, lautet doch nicht, welche Kamera bietet mir die größtmögliche Qualitätsreserve, sondern welches System meine Anforderung am besten erfüllt. Es ist eben wie beim Auto: Geräumige Transporter sind sinnvoll, wenn man den Platz regelmäßig für Transporte nutzt. Ansonsten sind sie nur teurer im Unterhalt und erschweren in der Stadt die Parkplatzsuche.

Ich habe mir meine erste Olympus als kompakte Zweitkamera gekauft. Mit der Zeit habe ich dann entdeckt, dass das System nicht nur für unterwegs gut ist, sondern, dass es ebenso meinen Bedarf im Studio deckt. Also habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft um nur ein System unterhalten zu müssen. Olympus ist nicht besser als Nikon. Es erfüllt nur meine Anforderungen besser.

Der Olympus Ambassador Steve Gosling arbeitet mit zwei Kamerasystemen: Phase One Mittelformatkamera und Olympus MFT. Er hat also Erfahrung mit Sensoren die noch einmal deutlich größer sind, als Vollformat. Im folgenden Video erklärt er, weshalb ihn auf Fototour mit der Phase One immer auch eine OM-D begleitet. Bemerkenswert ist das Video nicht zuletzt auch wegen der tollen Bilder die von ihm gezeigt werden. Zu seinem Ansatz der Bildgestaltung sagt er, dass Linien für ihn oft eine größere Rolle spielen, als das Subjekt.

Im nächsten Video erklärt der Vogelfotograf Tim Boyer weshalb er seine Canon-Ausrüstung verkauft und durch Olympus ersetzt hat.

In diesem Video geht derselbe Fotograf noch etwas tiefer auf die Vorteile die er in der OM-D für sich sieht ein und zeigt auch einige Aufnahmen, auch im Vergleich zu seiner Canon-Ausrüstung.

Jari Peltomäki ist ebenfalls ein Naturfotograf, der sich für Olympus entschieden hat. In diesem Video erklärt er für Olympus, was ihn zum Wechsel bewegte.

Im folgenden Video plaudert der Travel-Fotograf Chris Eyre-Walker mit Jari Peltomäki über das Fotografieren mit Olympus und Fotografie ganz allgemein. Das Gespräch ist nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Fotos die zwischendurch von Peltomäki gezeigt werden sehenswert.

Im letzten Video, das ich in diesem Artikel teilen möchte, gibt Robin Wong sieben Tipps, wie man den maximalen Kontrastumfang aus den kleinen MFT-Sensoren herausholen kann. An MFT wird ja auch immer wieder einmal kritisiert, dass ihr Dynamikumfang überschaubar sei, dabei befinden sich durchaus auch Vollformat-Modelle auf dem Markt, die es nicht besser können. Oder anders gesagt: Die aktuell besten Modelle liegen irgendwo über 14 Lichtwerten. Olympus’ Kameras schaffen knapp 13. Das ist keine Welt.

Mein eigener – derzeit ruhender – YouTube-Kanal findet sich hier. Dort findet sich auch eine Liste mit Videos zu Micro FourThirds.

3 Comments

  1. Chr. Nentwig

    Guten Tag, Ihr Kommentar ist goldrichtig. Ich selber benutze seit Jahrzehnten Pentax Reflexkameras, die letzte die ich habe ist die Pentax K5 II . In meinen Augen eine extrem gute Kamera, die steht noch bei Sturzregen auf dem Stativ, da haben andere Amateure schon längst eingepackt. Bei -10° funzt sie genausogut. Und trotzdem: Wenn ich sehe, wie in der Familie super tolle Aufnahmen mit meiner Enkelin zustandekommen, die richtig hohen Qualitätansprüchen genügen, dann begeistern mich diese Smartphoneaufnahmen immer wieder. Da komme ich mit meinem schweren Klotz nicht mit, weil ich sie garnicht mithabe.
    Also, der Zweck bestimmt das technische Modell und nicht irgendwelche Prestigegedanken.
    Gruß
    Christian Nentwig

    10. November 2019
    |Reply
  2. Matt

    dane für den Bericht, wie gesagt, es gibt kein Richtig oder Falsch.
    You tube und das Internet sind eine gute Sache, viel Information, nicht immer einfach relavante und wichtige Inhalte zu entdecken.
    Influencer erhalten Macht und kreieren Trends.

    Ich habe Canon FF und MFT.
    Jedes System hat seine Berechtigung.

    Danke für die Links und den sachlichen Ansatz.

    Matt

    8. November 2019
    |Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.