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Monat: Januar 2016

HDR und Langzeit am Bodensee

Posted in Fotogalerie

Nachdem mein Buch über Affinity Photo abgeschlossen ist habe ich wieder etwas mehr Zeit in der Natur zu verbringen und dabei zu fotografieren.

Da man die schärfsten Aufnahmen erzielt wenn die Kamera auf einem Stativ angebracht ist, suchte ich Jahre lang nach einem optimalen Begleiter für unterwegs. Leider kann ich es mir nicht leisten Preise beim Einkauf außer Acht zu lassen und so versuchte ich immer preiswert einzukaufen. Dabei sind über die Jahre 4 Stative zusammen gekommen – Einbein, Gorillapods und billige und leichte Alustative aus meiner Anfanszeit nicht mitgerechnet.

Wer billig kauft, kauft eben doppelt, heißt es. Ziel des jeweils neuen Stativs war es weniger Gewicht mittragen zu müssen und es weniger sperrig am Rucksack anbringen zu können, doch selbst der vorletzte Einkauf, das Rollei CT-5A (Amazon-Affiliate-Link), ist für meinen Geschmack noch zu sperrig und schwer, auch wenn das Stativ ansonsten praktisch und sehr gut ausgestattet und Preis/Leistung sehr OK ist.

Erst mit dem Sirui T-005X Traveller (Amazon-Affiliate-Link) bin ich vollständig zufrieden. Es lässt sich zwar mit einer Maximalhöhe von 1,3m nicht besonders hoch ausziehen, doch da ich ohnehin sehr gerne aus tiefen Perspektiven fotografiere ist das kein Problem für mich. Die Transportabilität hat Vorrang. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass Hürden wie Absperrungen, Zäune oder Mauern durchaus zum Problem werden können. Alles hat eben zwei Seiten.

Sirui

Das Stativ lässt sich sehr kompakt zusammenklappen und ich kann es problemlos in einer der beiden Seitentaschen meiner Kalahari K-21 (Amazon-Affiliate-Link) Fototasche unterbringen.

Kalihari

Die K-21 ist meine zweite Kalahari-Tasche. Zuvor, als ich noch mit Kleinbild-DSLR fotografierte, hatte ich die größere Schwester, die K-22 (Amazon-Affiliate-Link), in Verwendung. Ich mag das unkonventionelle Aussehen der Tasche das so gar nicht an Fototasche erinnert, die riesigen Seitentaschen in denen man locker zwei 0,75lt Getränkeflaschen oder eben eine Flasche und ein Reisestativ unterbringt, sowie dass sie sowohl preiswerter als auch leichter ist als mach vergleichbare Tasche. Manche Leinentasche bringt ja locker ein bis zwei Kilo auf die Waage und ich finde es nicht sinnvoll, das Gewicht das ich mit einer MFT-Ausrüstung einspare an eine Tasche zu verschwenden!

Neben den wirklich opulenten Seitentaschen bietet die K-21 gut Platz für eine Systemkamera oder eine kleine DSLR samt eines angesetzten und eines Zusatzobjektivs, im Falle eines MFT-Systems dürfen es schon zwei der größeren Linsen sein. Von den kompakten MFT-Festbrennweiten sollte die Tasche wohl locker ein halbes Dutzend aufnehmen können.

Üblicherweise hänge ich auf Fotosafari meine Kamera mit angesetztem Objektiv um und kann in der Tasche zwei weitere Objektive transportieren, oft auch mit einer zweiten Kamera – dank MFT eben alles recht unbeschwert und ermüdungsfrei (drei Objektive, zwei Kameras, Stativ, Getränk und trotzdem ein erträgliches Gewicht – ich liebe MFT!). Zuletzt bietet auch die vorne angesetzten Zusatztasche der K-21 noch reichlich Platz für Krimskrams.

Die folgende Aufnahme entstand Mitte der Woche am Bodensee. Es zeigt ein HDR-Bild das ich mit Kamera auf Stativ aufgenommen habe, das aus 5 Belichtungen besteht und mit Aurora HDR vereint wurde. Was ich daran mag, ist, wie weit hinaus Aurora HDR die Steine unter der Wasseroberfläche sichtbar gemacht hat.

Am_See_HDR
Kamera: Olympus OM-D E-M5 | Objektiv: M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 | Brennweite: 12mm (24mm KB) | Blende: ƒ11 | Zeit: Belichtungsreihe mit 5 Belichtungen à ±1LW | ISO: 200 | Fokus: Manuell | Belichtungsmodus: Manuell | Belichtungsmessung: Mittenbetont | Weißabgleich: Manuell | | Selbstauslöser mit 12S Vorlaufzeit | Stativ | Entwicklung: Capture One Pro und Aurora HDR

Die nächste Aufnahme zeigt dasselbe Motiv in einer Langzeitbelichtung. Das Wasser wird dadurch glatter als bei kurzer Verschlusszeit, auch die Wolken werden weicher. So etwas geht während des Tages nur mit einem Graufilter – 15 Sekunden Belichtungszeit bleiben ohne bei Tageslicht unerreichbar. Um Verwackelung durch das Auslösen zu verhindern nutze ich den Selbstauslöser.

Langzeit
Kamera: Olympus OM-D E-M5 | Objektiv: M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 | Brennweite: 12mm (24mm KB) | Blende: ƒ11 | Zeit: 15 S (mit ND1000 Graufilter) | ISO: 200 | Fokus: Manuell | Belichtungsmodus: Manuell | Belichtungsmessung: Mittenbetont | Weißabgleich: Manuell | | Selbstauslöser mit 12S Vorlaufzeit | Stativ | Entwicklung: Capture One Pro

Das letzte Bild zeigt das Motiv in einer Kurzzeitbelichtung (also normale Belichtungszeit ohne Graufilter). Hier zeigt sich im Gegensatz zur Lanzeitbelichtung die bewegte Wasseroberfläche. So ein Bild ließe sich an sich auch aus freier Hand auch fotografieren, doch versierte Landschaftsfotografen wissen, dass maximale Abbildungsschärfe auch bei relativ kurzen Verschlusszeiten nur mit Stativ garantiert ist.

Kurzzeit
Kamera: Olympus OM-D E-M5 | Objektiv: M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 | Brennweite: 12mm (24mm KB) | Blende: ƒ11 | Zeit: 1/200 S | ISO: 200 | Fokus: Manuell | Belichtungsmodus: Manuell Belichtungsmessung: Mittenbetont | Weißabgleich: Manuell | | Selbstauslöser mit 12S Vorlaufzeit | Stativ | Entwicklung: Capture One Pro

Während bei Kleinbidlkameras häufig mit Blende ƒ16 fotografiert wird, versuche ich bei meinen MFT-Kameras ƒ11 nicht zu überschreiten. Bei größeren Blendenwerten nimmt die Detailschärfe aufgrund der sogenannten Beugungsunschärfe ab. Üblicherweise bleibe ich mittlerweile meist bei Blende ƒ8 und nur dann, wenn ich wirklich einen ausgesprochen tiefen Bereich von sehr weit vorne bis hinten scharf abbilden möchte stelle ich auf ƒ11 hoch.

Affinity Photo: Kapitel 7, Beauty-Retusche

Posted in etc.

Nachdem ich im 6. Kapitel meines Buches  »Affinity Photo – Schritt für Schritt zum perfekten Bild« die Grundlagen der Retusche erklärt habe folgt im 7. das Thema Beauty-Retusche.

Kap7_WS1
Der 1. Workshop zeigt den Klassiker und gleichzeitig die Basis aller Beauty-Retuschen, das Entfernen von kleineren Hautunreinheiten. Affinity Photos Werkzeug dafür heißt »Schönheitsfehler entfernen« und zeigt eine interessante Alternativmethode zu den Werkzeugen die ich bislang dafür kannte.
Kap7_WS2
Der 2. Workshop demonstriert wie man Zähne weißer machen kann.
Kap7_WS3
Im 3. Workshop demonstriere ich eine Methode zum neutralisieren von Hautrötungen.
Kap7_WS4
Der 4. Workshop führt als Alternative zum 3. vor, wie man Hautrötungen mit Hilfe des Pinsels übermalen kann.
Kap7_WS5
Dieser Workshop demonstriert wie sich Schatten unter den Augen dezent reduzieren lassen.
Kap7_WS6
Workshop 6 zeigt wie man mit Hilfe sequenzseparierter Retusche Hauttöne glättet ohne die Struktur der Haut zu verlieren, also ohne eine Haut wie Plastik zu erzeugen.
Kap7_WS7
Im 7. Workshop des 7. Kapitels erkläre ich wie man das Rote-Augen-Werkzeug einsetzt und was man tun kann dabei nicht die Farbe der Iris zu verlieren.
Kap7_WS8
Der 8. Workshop erklärt wie man mit Abwedler, Nachbelichter und Schwamm die sogenannte »Dodge & Burn«-Technik ausführt, um Schatten und Lichter zu beeinflussen.
Kap7_WS9
Der letzte Workshop des Kapitels über Beauty-Retusche in Affinity Photo zeigt wie man mit der Liquify Persona beispielsweise den Fall eines Kleides Straffen kann.

affinityphoto-cover

Angaben zum Buch

304 Seiten,  gebunden und komplett in Farbe;
ISBN 978-3-8362-4031-4;
Buch: 34,90; E-Book: 29,90;
Weitere Infos und Demo-Kapitel auf der Website des Verlags;
Affiliate-Link zur Buch-Seite bei Amazon.
Erscheinungstermin: Februar 2016

Fotografie ändert ihr Gesicht

Posted in Fotografie

Zu meinem letzten Artikel, einer ersten »Bildergeschichte« der noch weitere folgen sollen, habe ich einen Kommentar eines freundlichen Lesers bekommen, der mich auf einen Fehler hinwies, und sich ergänzend kritisch zum Thema HDR-Look äußerte. Beim Verfassen der Antwort entschied ich mich daraus einen Artikel zu machen.

Der Look einer Aufnahme ist eine Frage des Geschmacks, der Intention und der fotografischen Philosophie.

Mich persönlich langweilt mittlerweile der Foto-Look der letzten Jahre. Ich will mich nicht mit einer Begrenzung des Kontrastumfangs auf 8 Lichtwerte abfinden, die durch JPEG vorgegeben ist. Meine Kameras weisen einen Kontrastumfang von 12 Lichtwerten auf, würde ich eine aktuelle Nikon-KB-Kamera einsetzen könnten es 14 oder 15 sein.

14 Lichtwerte sollte so in etwa dem Kontrastumfang der menschlichen Wahrnehmung entsprechen, auch wenn unsere Wahrnehmung visuelle Eindrücke generell anders verarbeitet als ein Bildsensor und die angeschlossene Elektronik. Kameras und Menschen werden nie dasselbe sehen!

In dem Moment wo ich das was beim JPEG als Unter- und Überbelichtung aus dem Kontrastumfang hinausfällt restauriere, indem ich meine 12 Lichtwerte auf 8 komprimiere, sehen Bilder zwangsläufig nach HDR aus. Umso mehr, wenn ich dabei darauf achte Strukturen, beispielsweise in Wolken durch Anheben des Mittenkontrasts zu restaurieren, zu betonen. Dabei mache ich aber nur sichtbar, was meine Wahrnehmung vor Ort aufgenommen hat und bei der Aufnahme lediglich absäuft.

Viele Leute empfinden Bilder denen man einen HDR-Look nachsagen kann als »wie gemalt«. Ich empfinde das auch so. Ich vermute aus folgendem Grund: Spätestens seit der Renaissance erreichte Malerei eine praktisch fotografische Abbildungsqualität. Die Lichtführung der großen Meister gilt Fotografen bis heute  als Vorbild. Was die großen Künstler der realistischen Malerei abbildeten war dabei  nicht wie JPEG auf 8 oder chemischer Film auf 10 Lichtwerte begrenzt. Was sie malten war das was die menschliche Wahrnehmung als Kontrastumfang anbietet, also etwa 14 Lichtwerte.

Unter- und Überbelichtung, wie sie in der Landschaftsfotografie bei einem 8-Lichtwerte-Limit oft zwangsläufig der Fall sind, kommt in der menschlichen Wahrnehmung nicht vor. Stattdessen enthielten die Gemälde der Künstler eine Durchzeichnung der Strukturen von den tiefsten Schatten bis in die hellsten Lichter. Genauso wie wir es erreichen, wenn wir mit Hilfe der Bildbearbeitung den hohen Kontrastumfang eines RAWs auf den Kontrastumfang eines JPEGs komprimieren. Dass sich der Bildeindruck dadurch verändert ist zwangsläufig der Fall. Die Bilder sind am Ende in Sachen Kontrastumfang einem Gemälde näher als einer JPEG-Fotografie.

Vergleiche ich das was eine Kamera als JPEG oder als unbearbeitetes RAW ausgibt und das was ich damit machen kann, wenn ich Tiefen und Lichter restauriere, mit dem, was meine Wahrnehmung mir vermittelt, dann ist etwas das wir heute als HDR-Look empfinden mögen oft näher an der Realität wie das, was im JPEG zu unter- und überbelichteten Bereichen ausbricht. Wohl gemerkt: Keines von beidem zeigt die Realität wie wir sie wahrnehmen!

Der Grund, dass wir in den letzten Jahren den Look von auf 8 Lichtwerte begrenzten Digitalaufnahmen als naturgetreue Wiedergabe der Realität empfinden, ist schlicht der, dass wir es gewohnt sind, dass das Meiste was wir fotografisch zu sehen bekommen dieses Limit spiegelt. So wie in den 1970er oder 80er Jahren Aufnahmen den damaligen Stand der Filmtechnik spiegelten. In den jeweiligen Jahrzehnten empfanden wir das was die Filme abbildeten als realitätsgetreu, wobei in den 80ern Bilder aus den 70ern retro wirkten und später Fotos der 80er als antiquiert empfunden wurden und werden. Gerade in den 80ern war uns der fotografische Stil sehr clean und beinahe hyperreal erschienen, doch schon wenige Jahre später wirkten die Aufnahmen künstlich.

Dasselbe gilt übrigens für Kinofilme. Filme deren Wiedergabecharakter wir zu ihrer Zeit als realistisch empfanden vermitteln uns wenige Jahre später einen antiquierten Charakter. Ich bin gespannt ob es uns mit den Filmen von heute in 20 Jahren auch so geht. Ich kann es mir nicht vorstellen, doch ich konnte mir auch in den 80ern nicht vorstellen, dass mir die Filmwiedergabe von damals eines Tages verstaubt vorkommen würde. Als ich in den frühen 80ern »Das Imperium schlägt zurück« zum ersten Mal sah, war der Film technisch gesehen State of the Art. Wenn ich ihn heute sehe wirkt sein Wiedergabecharakter kaum weniger verstaubt als die Odysseus-Filme der 50er Jahre.

Die fotografische Aufnahme- und Wiedergabetechnik ändert und entwickelt sich. Was uns heute als realitätsnahe Abbildung erscheinen mag muss es in 10 Jahren nicht mehr unbedingt. Ein fotografischer Charakter den wir heute als HDR-Look und künstlich empfinden kann in einigen Jahren zur Gewohnheit geworden sein. Die Entwicklung dahin sehe ich. Immer mehr Fotografen scheinen ihre Arbeit nicht mit dem Abdrücken abzuschließen sondern die Ausarbeitung der Bilddaten als Teil ihrer Arbeit zu betrachten und nach Bild-Looks zu suchen, die mit dem was die Kamera ausspuckt wenig zu tun hat. Die Aufnahme selbst ist am Ende ein RAW im wahrsten Sinne des Wortes – ein Rohmaterial aus dem der Fotograf seinen Bild-Look formt. Der Stil der dabei entsteht lässt die Limits der JPEG-Technik hinter sich und erzeugt Bildeindrücke die Gemälden tatsächlich wieder ähnlicher sehen als dem was Bildsensoren sehen.