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Schlagwort: Fotografie

Fotografen, Gründe und Argumente pro Micro FourThirds (MFT)

Posted in Theorie & Technik

Am 7. Dezember 2019 veröffentlichte ich einen Artikel mit dem Titel »Fotografen und Techniker«. Darin habe ich einige YouTube-Kanäle von Fotografen vorgestellt die mit MFT auf professionellem Niveau fotografieren. Seither habe ich diesem Artikel zwei weitere Videos hinzugefügt. Dabei ist mir in den Sinn gekommen, dass der Post insgesamt eine gute Sammlung ist, um Interessierten zu zeigen, dass man mit MFT professionell fotografieren kann und welche Gründe dafür sprechen – wobei nicht ausgespart wird, dass MFT natürlich auch Nachteile und Schwächen hat. Alles hat zwei Seiten, alles ist relativ!

»Fotografen und Techniker« dürfte leider keine ideale Überschrift sein, damit der Artikel von Interessierten gefunden wird. Ich überlegte dann kurz den Titel zu ändern, finde es aber besser, wenn ich die dort bereits geteilten Videos samt meiner Anmerkungen in einen neuen Artikel übernehme. Die seit Veröffentlichung neu hinzugekommenen Videos habe ich hier an den Beginn gestellt, dasselbe werde ich mit allen machen, die zukünftig hinzukommen.

BTW: Alles was ich hier schreibe und an Videos zusammentrage, richtet sich nicht gegen Vollformat. Die meisten Argumente lassen sich übrigens auch problemlos auf Kameras mit APS-C-Sensoren übertragen – ich denke dabei vor allem an Fujifilm, die voll darauf setzen und kein Vollformat anbieten. APS-C ist quasi der goldene Mittelweg zwischen Vollformat und MFT, was aber natürlich auch heißt, dass man die besonderen Vorteile von Vollformat auf der einen und MFT auf der anderen Seite immer nur halb erreicht.

Mike Kuna

Nachtrag 2.1.2020: Bei der Auswahl der Videos für diesen Artikel achte ich an und für sich darauf, dass sie von Fotografen stammen deren Arbeiten zeigen, dass sie fotografieren können und nicht nur über technische Aspekte sprechen. In den meisten Videos sind solche Arbeiten zu sehen, bei einigen habe ich mir anhand der Homepage einen Eindruck verschafft. Auf YouTube führe ich eine umfangreichere Liste mit MFT-Videos. Von Mike Kuna habe ich keine Fotos gesehen. Allerdings bringt der die Vor- und Nachteile von MFT, Vollformat wie auch APS-C dermaßen sachlich auf den Punkt, dass ich finde, dass es in diese Sammlung gehört.

Derek Forss

Nachtrag 31.12.19: Derek Forss fotografiert offensichtlich gerne in alten Gemäuern unter schwierigen Lichtbedingungen mit tiefen Schatten. Die im Video gezeigten Aufnahmen zeigen, dass das kein Problem für MFT ist.

Mark Lindström

Nachtrag 30.12.2019: Mark Lindström ist Fotograf. Die Aufnahmen die im Video zu sehen sind belegen, dass er fotografieren kann und nicht nur über Technik redet. Sein Handwerk analog erlernt, fotografiert er seit 2006 Digital – mit Vollformatkameras von Canon. Seit zwei Jahren nutzt er parallel zum Vollformat das MFT-System als transportablere Alternative. Seine Vergleiche beziehen sich nicht nur auf EOS-Spiegelreflexkameras, sondern ebenso auf das neue spiegellose R-System von Canon. Was er sagt ist im Wesentlichen genau das, was ich gerade versuche in einem schriftlichen Artikel zusammenzufassen: Keine Kamera ist perfekt für jede Aufgabe, jeden Fotografen, Jederzeit. Er beschreibt die Vorteile von MFT, nicht ohne außer Acht zu lassen, was Vollformat besser kann. Er nutzt noch immer Vollformat für die Aufgaben, für die es die besseren Eigenschaften mit sich bringt. Aber er sagt auch, dass mittlerweile etwa 80% seiner Aufnahmen mit MFT entstehen, und dass er viele davon wahrscheinlich nicht machen hätte können, wenn er auf ein Vollforamtsystem angewiesen gewesen wäre.

Andy Rouse

Nachtrag 22.12.2019: In diesem Interview für Professional Photo Magazin spricht der Tierfotograf Andy Rouse über Tierfotografie und weshalb er mit MFT fotografiert. Die gezeigten Bilder dürften außer Frage stellen, dass er weiß, wovon er spricht, wenn er über Fotografie spricht.

Joseph Ellis

Nachtrag 13.12.2019: Joseph Ellist ist Hochzeitsfotograf in Dallas und begeisterter Olympus-Fotograf. In seinem Kanal finden sich viele nützliche Tipps, gerade zur praktischen Arbeit mit einer OM-D. Neben OM-D-Modellen arbeitet er parallel auch mit einer Phase One Mittelformatkamera mit 100MP Auflösung. Wenn er über Sensorgröße, Auflösung und Details spricht, weiß er, worüber er redet, da er beide Systeme für seine professionelle Arbeit einsetzt. In diesem Video spricht er darüber wie relativ der Qualitätsunterschied zwischen einer 16MP MFT-Kamera und 100MP Mittelformat ist, wenn davon ein großformatiger Print erstellt wird.

Robin Wong

Nachtrag 12.12.2019: Robin Wong lebt und fotografiert auf Malaysia. Er hat sehr gute An- und Einsichten zu Fotografie und ihm zuzuhören finde ich immer inspirierend. Zu Beginn dieses Videos stellt er klar, dass in seinem Kanal keine Kamera und keine Marke ge-bashed wird – dass er für MFT aber nie gegen ein anderes System spricht. Das deckt sich mit dem, was ich in meinem Blog versuche. Dass ich MFT liebe, heißt nicht im geringsten, dass ich irgendein anderes System oder eine andere Marke ablehne. Robin Wong sagt, er liebt alle Kameras und alle Marken.

Wong erklärt in diesem Video, warum er davon ausgeht, dass Olympus niemals ein Vollformatsystem herausbringen wird: Olympus versteht sich als Alternative für Fotografen, die viel unterwegs sind und deshalb ein kompaktes und leichtes System bevorzugen.

Er rät, wenn man primär Landschaft und Architektur fotografiert und für großformatige Prints maximale Auflösung benötigt: Go full-frameI Wenn man überwiegend unter sehr schwachem Licht fotografiert, vielleicht weil Astrofotografie ein Kernthema darstellt: Go full-frame! Wenn der Lebensunterhalt davon abhängt, dass man für seine Klienten Motive mit geringster Schärfentiefe von Hintergründen freistellen kann: Go full-frame!

Für den überwältigenden Teil der Fotografen stellen diese Bedingungen jedoch eher kein ausschlaggebendes Argument dar (in Bokeh sind, wie das Video in diesem Artikel nahelegt, vor allem Fotografen vernarrt, während für normale Betrachter dabei sogar eher weniger mehr zu sein scheint). Für all diese ist MFT eine Option. Sie wird umso interessanter, je mehr Transportabilität und leichtes Handling von Bedeutung sind.

Es stimmt zwar, dass es mittlerweile spiegellose Vollformatkameras gibt die auch nicht nennenswert größer sind als die meisten MFT-Kameras sind (wobei die kleinsten MFT-Modelle selbstverständlich kleiner sind, als die kleinsten APS-C- oder Vollformatkameras). Doch Physik und Optik haben am Ende doch ein Wörtchen mitzureden, so dass die Linsen für einen größeren Sensor immer größer (und schwerer) ausfallen müssen, als für einen kleineren. Natürlich gibt es zu spiegellosen Vollformatkameras auch relativ kompakte und leichte Linsen. Doch wäre etwas undiffernziert die leichtesten Vollformat- mit den schwersten MFT-Linsen zu vergleichen – es gibt meist eine MFT-Alternative die bedeutend kleiner und leichter ist. Der Gewichtsvorteil von MFT ist ein Fakt, ebenso wie die Stärken von Vollformat bei Auflösung, High-ISO und Schärfentiefe Fakt sind.

MFT ist natürlich nicht für Jedermann und jede Frau das Richtige. Aber wie Aki Murata von Olympus in einem Interview so schön sagt: »Full-frame isn’t for everybody.« Olympus legte wie gesagt immer schon – bereits in analoger Zeit – viel Wert darauf, die kompaktesten und leichtesten Kameras anzubieten. Eine OM-D E-M5 hat etwa das Volumen einer analogen OM Kleinbildkamera der 70er Jahre. Damit zu fotografieren macht einfach Spaß.

Auf den MFT-kritischen Kanälen höre ich viel über High-ISO-Performance, Auflösung, Bokeh, bis hin zur Anzahl der Photonen die auf einen Mikrometer Sensor fallen (kein Scherz!). Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass auf diesen Kanälen häufig das Wort »Spaß« fallen würde, wenn über eine Kamera oder ein System berichtet wird. Sicher weiß ich hingegen, dass dieser Begriff bei Leuten die sich für MFT entschieden haben auffallend oft fällt.

Natürlich hatte ich mit meiner Vollformatkamera auch Freude am Fotografieren. Aber als ich zum ersten Mal mit einer Olympus E-M5 fotografierte, hat der Spaß noch einmal eine ganz andere Qualität erhalten. Das ist natürlich subjektiv! Ich habe keinen Zweifel daran, dass (hoffentlich) alle die mit APS-C- oder Vollformat (oder auch Mittelformat) fotografieren Freude an der Arbeit mit ihrer Ausrüstung haben. Mir fällt nur auf, dass der Faktor »Spaß« bei MFT auffallend häufig genannt wird, während das bei Vollformat kaum ein Faktor von Bedeutung zu sein scheint, und vielmehr High-ISO, Auflösung, Dynamikumfang, Bokeh und Photonen im Vordergrund stehen. Dabei beweisen viele der unten folgenden Videos, dass man mit MFT sehr wohl große Prints anfertigen, beeindruckende Landschaftsaufnahmen erstellen und bei wenig Licht professionelle Ergebnisse erzielen kann.

Wenn jemand sagt er oder sie könne (oder wolle) aus diesem und jenem Grund nicht mit MFT fotografieren, dann gibt es daran nicht das geringste auszusetzen. Wenn jemand sagt, man könne nicht mit MFT fotografieren, dann gibt es daran zwar auch nichts auszusetzen, ich würde aber raten er oder sie solle einfach fotografieren lernen. Viele der Videos unten zeigen, dass man kann und das Internet ist voller Bilder die es ebenso beweisen. Und jene die eine große Kamera benötigen um von ihren Kunden ernst genommen zu werden … ihr könnt euch den Rest denken. Das dürfte allerdings wohl in erster Linie ein Männerproblem sein.

Oddbjørn Austevik

Nachtrag 10.12.19: Man könne mit Aufnahmen einer MFT-Kamera keine großen Print machen, heißt es. Eine sehr relative Aussage, schließlich ist alles relativ – ich jedenfalls behaupte das, unter anderem in diesem Artikel. Dass man sehr wohl großformatige Bilder aus MFT-Aufnahmen erstellen kann, habe ich auch schon mit früheren Videos geteilt, unter anderem in meinem Artikel »Zeit für Olympus«. In meinem Artikel »Auflösung und Druckformat« finden sich ein paar Tabellen mit Richtwerten wie groß sich Bilder bei welchen Auflösungen und welchen Betrachtungsabständen drucken lassen.

Es gibt Motive bei denen tatsächlich davon auszugehen ist, dass der Betrachter bis auf die Lesedistanz von etwa 45cm – der Betrachtungsabstand, bei dem eine Auflösung von 300ppi relevant ist – an ein Bild herangehen um Details in Augenschein zu nehmen. Das sind aber seltene Ausnahmen. Der überwältigende Anteil der Motive wird aus umso größerer Entfernung betrachtet, je größer das Format ist. Anders lassen sich Bilder gar nicht erfassen. Wer würde sich schon im Kino freiwillig in die erste Reihe setzen?

Bei Prints im Format A1 kann man von einem Betrachtungsabstand von 2m ausgehen, wofür 60ppi ausreichend sind, bei A0 geht man von 3m aus, wofür 45ppi ausreichen sind. Wer nicht glaubt, dass bei größeren Abständen geringe Auflösungen keinen Unterschied mehr machen, soll sich einfach fragen ob ihm oder ihr schon einmal aufgefallen ist, dass Großflächenplakate üblicherweise mit einer Auflösung von 30ppi gedruckt werden. Mehr würde dabei gar nichts bringen, denn die Auflösung des Druckrasters ist zu gering mehr Auflösung des Digitalbildes zu transportieren. Betrachtet man diese Poster aus 45cm Distanz, sieht man vor allem riesige Rasterpunkte. Diese Rasterpunkte sind aber schon ab wenigen Metern Abstand nicht mehr zu erkennen, da das Auflösungsvermögen der Augen dafür nicht ausreichend ist.

Das Video unten zeigt eindrücklich, wie große Prints mit 16MP- und 20MP-Kameras und mit MFT möglich sind. Zwar zeigt der Fotograf auch ein paar Detailaufnahmen in denen Störungen und Pixel zu identifizieren sind. Aber wer sich daran stößt, setzt sich im Kino wahrscheinlich auch in die erste Reihe um möglichst feine Details erkennen zu können. Er wird dann halt von der Handlung an sich nichts mitbekommen. Ich habe das notgedrungen ein einziges mal gemacht und am Ende kam ich mir vor wie ein Krebs, der seine Augen in zwei verschiedene Richtungen zur gleichen Zeit drehen kann.

Ben Aqua

Nachtrag 10.12.19: Ich gehe davon aus, dass das Gros der Leute die behauptet man könne mit MFT nicht vernünftig fotografieren, das aus Hörensagen tun und sich niemals selbst ausreichend mit dem System befasst haben, um das aus eigener Erfahrung bestätigen zu können. In meinen Augen sind solche Meinungsbekundungen irrelevant, da sie eben nichts anderes als nachgeplapperte Vorurteile sind.

Wirklich interessant finde ich an Urteilen über ein System vor allem jene, die von Leuten getroffen werden, die die Systeme wirklich aus längerer Praxis kennen. Ich selbst lehne mich bei dem Thema nur deshalb aus dem Fenster, weil ich mehrere Jahre mit Vollformat fotografiert habe, Bücher über Vollformatkameras geschrieben habe und, nachdem ich mir eine MFT ohne Absicht Vollformat zu ersetzen zugelegt hatte, entdeckte, dass ich damit meine Art der Fotografie genau so gut betreiben kann, bei weniger Gewicht und mehr Spaß.

Alle Fotografen, die ich weiter oben vorgestellt habe, und noch viele mehr, über die ich auf YouTube stolperte, wissen worüber sie reden, wenn sie MFT mit Vollformat oder APS-C vergleichen, weil sie mit den größeren Sensoren arbeiteten bevor sie auf das kompaktere System umgestiegen sind. Natürlich finden sich ebenso Videos von Leuten die erklären, weshalb sie den umgekehrten Weg gegangen sind. Dabei werten die Wenigsten die einen Wechsel vorgenommen haben das System das sie verließen ab. Die meisten sagen einfach, es war nicht mehr das richtige Werkzeug für mich, das neue passt mir besser. Ben Aqua nennt das Video unten zwar »Why I ditched full frame«, aber er relativiert das auch, dass es etwas hart formuliert sein und, dass er viel Spaß mit seiner Canon hatte. Im weiteren führt der dann Gründe an, weshalb das Lumix-G-System für ihn das bessere Werkzeug ist.

Gavin Hoey

Gavin Hoey lernte ich auf dem Kanal von Adorama kennen, als ich mich vor einigen Jahren intensiver mit entfesselten Blitzen befasste. Damals fotografierte er mit einer Canon Vollformatkamera.

Seit einigen Jahren sehe ich Hoey nur mehr mit einer OM-D E-M5. Was mir an ihm gefällt, ist, dass er mit wenig Aufwand tolle Aufnahmen inszeniert und, dass er es zu beschreiben versteht, so dass es jeder nachmachen kann. Irgendwann sah ich auch einmal ein Video von ihm indem gleich mehrere beeindruckende Bilder von ihm in Serie zu sehen waren, aber das habe ich auf die Schnelle leider nicht mehr gefunden. Deshalb habe ich dieses ausgesucht.

Steve Huff

Steve Huff liebt alle Kameras und Marken – Olympus ebenso wie Leica. Er betreibt auch einen beliebten Blog unter stevehuffphoto.com. Ich habe den Eindruck als reise er Jahr ein Jahr aus in Sachen Fotografie die Welt. Steve Huff ist Tester aber er scheint dabei Fotograf geblieben zu sein. Man sieht seinen Aufnahmen den fotografischen Blick an. Ich habe Bilder anderer Vlogger gesehen, die auf derselben Produktvorstellungsveranstaltung für die E-M5 III waren, aber Huffs Aufnahmen sind um Welten besser. Seine Erfahrungsberichte sind sehr viel praxisbezogener, als die vieler anderer Foto-Blogger. Bei aller Liebe zu Kameras und ihren Hersteller ist er immer auch kritisch. Vor einigen Jahren hörte ihn erzählen, dass im Fuji keine Testmodelle mehr zur Verfügung stellte, weil er sie immer sehr kritisch kommentierte. Er hat sich die Modelle dann selbst gekauft um sie testen zu können (man muss gut verdienen als erfolgreicher Foto-Blogger – wenn ich das nur auch von mir sagen könnte!) Irgendwann sah ich dann ein Video über eine neuere Fuji von ihm, indem er sich sehr angetan vom Modell zeige und erklärte, dass viele der Punkte die er an früheren Modellen kritisierte, jetzt behoben seien.

Steve Goslin

Das folgende Video von Steve Goslin habe ich bereits einmal geteilt, weil er zwei Systeme nutzt: Eine Phase One Mittelformatkamera und eine OM-D E-M5. Seine Aufnahmen zeigen, dass er ein exzellenter Fotograf ist. Als Anwender einer Phase One sollte er in Sachen Bildqualität und Auflösung verwöhnt sein. Dass er daneben mit MFT fotografiert darf man ruhig als Beleg nehmen, dass das System für Profis nicht unbrauchbar ist. Hobby- und Amateurfotografen die das so sehen, sollten vielleicht einen Moment darüber nachdenken – hauptberufliche Tester dürfen das natürlich auch.

James Popsys

Auf den britischen Inseln scheinen aus irgendeinem Grund sehr sympathische Vlogger zu wachsen. Einer der sympathischten jungen Leute die ich auf YouTube bislang überhaupt gesehen habe, ist Matt Gould – er schießt Vögel mit Vollformat und soll deshalb nur beiläufig erwähnt werden (wer Vogelfotografie mag, sollte in seinem Kanal vorbei schauen). Nicht weniger gerne schaue ich Jamges Popsys zu. Ein Besuch auf seiner Site zeigt, dass er Fotograf ist und fotografieren kann. Er kam von einem größeren System (ich glaube APS-C) zu MFT. In diesem Video erklärt er, weshalb Vollformat nicht das richtige Werkzeug für ihn ist und er bei Lumix G bleiben wird.

Joe Edelman

Joe Edelman kann nicht nur wahnsinnig schnell sprechen – er kann auch herausragend fotografieren. In diesem Video erklärt er die Produktion eines Fotos für ein 14,6m langes Großflächenplakat, das mit einer OM_D E-M1 II entstand.

Chris Eyre-Walker

Noch einer der Fotografieren kann und es mit MFT tut. Auch hier kann man sich auf seiner Site davon überzeugen. Dieses Video, indem er in 24 Stunden 24 Fotos in ganz Belgien macht, stammt aus seine YouTube-Kanal. Es hat mich selbst daran erinnert, dass ich in letzter Zeit nur mehr mit auch für MFT-Verhältnisse schwerem Gerät unterwegs bin, und dabei aussehe wie ein dicht bepackter Esel. Die Leichtigkeit, die ich entdeckt habe, als ich zum ersten Mal mit einer OM-D E-M5 auf den Weg ging, habe ich über die Jahre hinweg wieder verloren. Ich habe mir vorgenommen, sie nach Möglichkeit wiederzuentdecken.

Das sind nur einige Videos und Kanäle exzellenter Fotografen die mit MFT arbeiten die ich über die Jahre hinweg gesehen habe und die ich für diesen Artikel wieder fand, weil ich sie in einer Liste gespeichert habe oder den Vloggern folge. Natürlich schaue ich ebenso Videos von exzellenten Fotografen an, die mit anderen Systemen arbeiten und deren Bilder nicht minder beeindruckend sind. Was echte Fotografen verbindet – egal ob sie mit kleinen oder großen Sensoren arbeiten – ist, dass es ihnen um die Fotografie geht. Viele davon zeigen sich auch begeistert von ihrem Werkzeug und erklären warum. Aber von kaum einem dieser teilweise über lange Jahre erfahrenen Anwender vernimmt man, dass sie sich abfällig über andere Systeme äußern. Sie erwähnen vielleicht, weshalb ihr System ideal für sie ist. Es gilt die Devise, get the right tool for the right job! Systeme für rubbish oder dead zu erklären tun in erster Linie Leute, denen es mehr um die Technik als um die Fotografie geht.

Mein HDR-Workflow

Posted in Fotografie

Olympus E-M5 II | M.Zuiko 12–100mm ƒ4.0 | 20mm (40mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO1000 | Belichtungsreihe mit 5 Aufnahmen | HDR mit Aurora HDR | Optische Korrektur mit DxO ViewPoint

Heute erreichte mich eine Mail eines Lesers, der sich für meinen HDR-Workflow interessiert. Da der Aufwand zur Erklärung überschaubar ist, möchte ich ihn kurz in einem Beitrag beschreiben.

Der Leser meinte nebenbei auch, dass er HDR bislang skeptisch sah – verstehe ich – aber, dass ihm meine Bilder gefielen – danke! – und er sich deshalb damit auseinandersetzen wollte. Nebenbei erwähnte er noch, dass HDR auch Geschmacksache sein.

Nun, ja und nein! Jeder Person steht es zu ihren persönlichen persönlichen Geschmack zu pflegen. Darüber steht keiner anderen ein Urteil zu.

Neben dem persönlichen Geschmack gibt es allerdings auch ein kollektives Ästhetikempfinden und objektive Kriterien der Bildgestaltung, technischen Umsetzung und Bildausarbeitung, die sich bewerten lassen. Das Problem von HDR ist, dass in der Zeit, als es am populärsten war, viel zu viel überbearbeitete Bilder zu sehen waren. Zu viel Kontrast, zu viel Sättigung, zu viel Schärfung. Das meiste hätte nicht anders ausgesehen, wenn man anstatt einer Belichtungsreihe bei einer Einzelbelichtung alle Regler zum Anschlag geschoben hätte. Gut gemachte HDR-Bilder waren eher die Ausnahme.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich selbst noch ein bisschen damit zu kämpfen habe, es mit Einstellungen zu übertreiben. Die ersten HDR-Aufnahmen die ich vor einigen Monaten mit Aurora HDR erstellt habe, sind mir mittlerweile schon etwas peinlich. Weniger ist mehr! Doch es wird so langsam.

In meinen Augen ist es falsch gedacht, HDR als Technik zur Verfälschung der natürlichen Wirkung zu sehen. Vielmehr ist es eine alternative Ausdrucksform zur gewöhnlichen Farbfotografie. Wie ich bereits in anderen Artikeln ausgeführt habe, zeigt ein Foto ein Motiv weder so wie wir es wahrnehmen, noch so, wie es tatsächlich ist. Das Bild das sich unsere Wahrnehmung von der Realität macht, basiert auf den beschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten der Augen und ist ein Konstrukt des Gehirns. Die Resultate der Digitalfotografie werden durch die Grenzen der Technik bestimmt, beispielsweise was Dynamikumfang und Farbtiefe angeht.

Natürlich kann eine Aufnahme einer Szene mit einem Motivkontrast von 1:1 Million auf einem Bildschirm mit einem Kontrast von 1:1000 nicht adäquat wiedergegeben werden – ganz egal ob ich ein unbearbeitetes JPEG oder ein HDR aus einer Belichtungsreihe davon habe. Beides sind nur Interpretationen der Wirklichkeit, so wie ein Schwarzweiß eine andere Interpretation wäre.

Kameraeinstellungen

Beginnen wir bei den Einstellungen an der Kamera. Ich nutze für meine HDR-Aufnahmen die Olympus E-M5 II, die E-M1 II und die E-M1X. Für die Belichtungsreihe wähle ich BKT mit 5 Belichtungen und einem Belichtungsunterschied von ±1EV. Ursprünglich habe ich mit 7 Belichtungen gearbeitet, dann aber herausgefunden, dass das zu keinen besseren Ergebnissen als 5 Belichtungen führt.

Damit ich alle Aufnahmen durch einmaliges Drücken des Auslösers machen kann, aktiviere ich den Serienbildmodus. Belichtungsmodus ist Blendenvorwahl (A), in der Regel nutze ich außerdem die ISO-Automatik.

Computer-Workflow

Aurora HDR HDR-Einstellungen

Am Computer öffne ich die fünf Bilder der Belichtungsreihe mit Aurora HDR, üblicherweise indem ich sie in Capture One gemeinsam aktiviere und Mittels Rechtsklicks Öffnen mit • Aurora HDR wähle. Die besten Resultate erzielt man nach meiner Erfahrung, wenn man alle Optionen zur Einstellung der HDR-Erstellung aktiviert.

Neue Ebene mit Luminanzmaske

Die von Skylum mitgelieferten Presets ignoriert man am besten. Die meisten davon erzeugen ein Ergebnis das genau dem entspricht, was HDR den schlechten Ruf eingebracht hat. Ich beginne mittlerweile damit, dass ich gleich einmal eine neue Ebene über das Bild lege und ihr eine Luminanzmaske hinzufügen.

Duplizierte Ebene und Tiefeneinstellungen

Nach dem Erstellen der Luminanzmaske dupliziere ich die Ebene, aktiviere aber gleich wieder die zuerst erstellte und kehre die Maske um (das geht am Mac mit CMD+I). Durch das Umkehren der Maske werden von den Einstellungen die ich auf dieser Ebene dann vornehme, nur die Tiefen betroffen. Meist hebe ich als erste Einstellung die Stärke von HDR Smart Strucure an. Der Rest hängt vom Bild ab, und davon, was mir für ein Aussehen vorschwebt. Meist wird man für die Tiefen Schatten und Schwarztöne anheben. Zeichnung in den Tiefen wird manchmal auch besser sichtbar, wenn man Intel. Tonw. nach rechts verschiebt.

Lichter-Ebene bearbeiten

Nach der Einstellung der Tiefen wende ich mich den Lichtern zu, indem ich die zuvor erstelle Kopie ganz oben aktiviere. Auch hier erhöhe ich Smart Structure, meist etwas zurückhaltender als in den Tiefen. Hier erzielt nach durch verschieben von Intel. Tonw. nach links eine Füllung der Lichter – Überbelichtung lässt sich damit teilweise eliminieren. Allerdings komme ich immer mehr davon weg zu versuchen Überbelichtung gänzlich zu beseitigen. Zu viele er Bilder bei denen ich das gemacht habe, scheinen mir nachträglich etwas zu matschig.

Alles weitere hängt vom Bild und der Intention wo man es hin entwickeln möchte ab. Oft lege ich noch eine Eben ohne Maske darüber, um globale Einstellungen sowohl für Lichter als auch Tiefen einzustellen.

Optische Korrekturen mit DxO ViewPoint

Interessanterweise fehlen den Aufnahmen in Aurora HDR oft die optischen Korrekturen. Vor allem Weitwinkelaufnahmen sind oft drastisch verzeichnet und zeigen deutliche Vignettierung in den Ecken. Das korrigiere ich anschließend mit DxO ViewPoint.

Eichelhäherherbst

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 | 300mm (600mm KB) | ƒ4.5 | 1/1600s | ISO500 | Capture One
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 | 300mm (600mm KB) | ƒ4.5 | 1/1600s | ISO400 | Capture One

Auf Wikipedia ist zu lesen, »der Eichelhäher ist ein Sinngvogel aus der Familie der Rabenvögel«. Ich persönlich habe noch nie einen singen gehört. Was man von ihm meist hört ist sein heiserer Schrei. Meist vernimmt man ihn schon aus der Ferne und was man von ihm in der Regel zu sehen bekommt, ist sein Abflug. Weil sein Ruf auch andere Tiere darauf aufmerksam macht, dass etwas möglicherweise Bedrohliches im Anmarsch ist, nennt man Eichelhäher auch die »Polizei des Waldes«.

Während man seiner Stimme seine Zugehörigkeit zu den Krähenvögeln durchaus anhört, lässt sein wunderschön gezeichnetes Gefieder kaum darauf schließen.

Im Herbst vor zwei Jahren wimmelte es hier in Vorarlberg von Eichelhähern. Auf sämtlichen Ried- und Forstwegen sah man sie Eicheln und Nüsse aufpicken – der Name Eichelhäher kommt nicht von ungefähr –, auf Schritt und Tritt schossen sie mit Eicheln im Schnabel vorbei. Letzten Herbst hingegeben ist uns – ebenso wie vor drei Jahren – kaum einer begegnet. Dieses Jahr scheint eher wieder ein »Eichelhäherjahr« zu sein.

In den vergangenen Jahren hat sich mein Interesse in der Fotografie von People immer mehr zu Natur, Tier und Landschaft verlagert. Ich liebe es mit der Kamera durch die Natur zu streifen und die Impressionen um mich herum einzufangen. Dabei ist für mich vor allem der Weg das Ziel – im übertragenen wie auch im wortwörtlichen Sinn.

Seit meiner Kindheit verbringe ich gerne Zeit in den Bergen und in der Natur, bevorzugt abseits ausgetretener Touristenpfade – die schönsten Touren sind für mich immer die, auf denen mir wenige Menschen begegnen. Glücklicherweise kann ich diese Leidenschaft mit meiner Frau teilen. Sie wiederum hat bei mir das Interesse an Vögeln und Schmetterlingen geweckt – ihre Fotos veröffentlicht sie unter anderem bei 500px.

Wer schon öfter hier gelesen hat, weiß wahrscheinlich, dass es meine Anforderung Fotografie mit Mobilität zu verbinden war, die mich zu MFT geführt hat. In der Regel sind Andrea und ich mit jeweils zwei Kameras unterwegs. Einmal mit Supertele um Vögel, Insekten und Wildtiere ablichten zu können. Die andere Kamera trägt üblicherweise ein Weitwinkelzoom, meist ein M.Zuiko 12–40 oder ein M.Zuiko 12–100, um Landschaftsimpressionen abzulichten.

Nun kommt man leider zu Fuß allein nicht besonders weit und auf jedem Ausflug dieselbe Landschaft abzubilden ist auf die Dauer dann doch etwas eintönig. Nicht zuletzt erschöpft sich dabei auch der Artenreichtum an Tieren, denen man dabei begegnet. Öffentliche Verkehrsmittel sind nur bedingt eine Alternative, sind die Ziele die sich damit erreichen lassen ja auch beschränkt und den Ausgangspunkt einer Wanderung schon früh zu erreichen ist meist schwierig. Außerdem macht es auch keinen Spaß die trotz MFT nicht gerade federleichte Ausrüstung auch noch lange durch Züge und Busse zu schleppen, zumal wenn diese überfüllt sind.

Der PKW wiederum ist in Zeiten der nahenden Klimakatastrophe allerdings auch ein zunehmend fragwürdigeres Beförderungsmittel. Ich kann mir zwar weder beruflich noch privat vorstellen in absehbarer Zeit darauf verzichten, dennoch ist es mir wichtig seinen Einsatz so weit als möglich zu reduzieren (und wenn, dann verbrauchsoptimiert zu fahren). Eine gute Alternative haben wir uns in diesem Frühjahr mit zwei E-Bikes angeschafft. Damit erzielen wir einen Aktionsradius von 20–30km. Ursprünglich war angedacht, dass wir damit die zuvor per Auto erforderlichen Fahrten in die Riedlandschaften, zu den Baggersehen der Umgebung und an den Bodensee ersetzen, sie abstellen und zu Fuß weiter ausschweifen. Schnell hat sich aber herausgestellt, dass sich mit dem Rad komplette Fototouren machen lassen.

Die Kamera mit Weitwinkel habe ich dabei in der Regel mittels eines Peak-Design-Capture-Clips am Rucksack oder Gürtel befestigt, die E-M1X mit Supertele befindet sich in einem Case auf dem Gepäckträger des Fahrrads. Daraus lässt sich die Kamera ausreichend schnell befreien, um rasch einen Vogel, einen Schmetterling oder ein Reh in der Umgebung zu erwischen.

KTM-Case auf meinem E-Bike
KTM-Case offen mit Olympus E-M1X mit M.Zuiko 300mm ƒ4 Pro

Fotografie, Wahrnehmung, HDR

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Alphütte auf der Seraalpe
Seraalpe | Olympus E-M1 MarkII | M.Zuiko 12-100mm ƒ4.0 | 12mm (24mm KB) | ƒ8 | 1/640s | ISO200 | HDR-Bild aus 7 Belichtungen, vereint mit Aurora HDR, korrigiert mit DxO ViewPoint

Auf meine letzten Blogartikel habe ich einen Kommentar bekommen, dass meine HDRs nicht aussehen, wie ein reguläres Foto. Während des Schreibens einer Antwort kam mir der Gedanke, dass diese eigentlich für einen ganzen Artikel taugt, finde ich doch, dass sie wohl für viele einschlägig interessierte Leser interessant sein könnte – schließlich wird ja nicht jeder die Kommentare zu den Artikeln lesen.

Natürlich fallen Aufnahmen im prallen Sonnenlicht nicht so aus, wie die Aufnahmen die ich im genannten Artikel gepostet habe. An sonnigen Tagen kann der Motivkontrast bis zu 20LW betragen, das ist ein Kontrastverhältnis von 1:1 Million. Unsere Wahrnehmung schafft davon mit Hilfe der Tricksereien unseres Gehirns etwa 14LW (1:10.000) – die Augen selbst erreichen nur ein Kontrastverhältnis von 1:100. Ein JPEG oder ein Monitor erreicht gerade einmal 8LW (1:1000) – Angaben die bei Fernsehern das Kontrastverhältnis im mehrfachen Millionenbereich angeben, haben mehr mit Tricksereien – bei Bildschirmen technischer Natur – zu tun und mit Marketing, als mit einem Kontrastumfang der tatsächliche in den sechsstelligen Bereich geht.

In der Fotografie führt ein Motivkontrast der den Dynamikumfang eines 8-Bit-JPEGs überschreitet zu Unter- und/oder Überbelichtung. Beides – sowohl Unter- als auch Überbelichtung – kommt in unserer Wahrnehmung nicht vor. Als Äquivalent zu fotografischer Überbelichtung (strukturloses Weiß), lässt sich in der Wahrnehmung höchstens die Blendung betrachten, beispielsweise wenn man auf ein sonnenbeschienenes Schneefeld blickt. Sie brauchen aber nur einmal den Blick auf eine blendend weiße Fläche mit dem Blick auf einen überbelichteten Bereich in einer Fotografie zu vergleichen um herauszufinden, dass das zwei nicht miteinander vergleichbare Dinge sind.

Auch wenn wir in RAW fotografieren, müssen wir die 10LW bis 14LW des Sensors komprimieren, um die dunkelsten und hellsten Bereiche im 1:1000-Kontrastumfang eines Monitors sichtbar zu machen – in Lightroom heißt das Schatten und Schwarz aufhellen, Lichter und Weiß abdunkeln. Bei kräftiger Komprimierung des Dynamikumfangs der Aufnahme sieht das Resultat dann einem HDR aus mehreren Belichtungen nicht unähnlich. Anders geht es aber nicht, möchten wir in einem Foto Zeichnung in Lichtern und Schatten sichtbar machen, die unsere Augen vor Ort mühelos erkennen konnten.

Valiseraalpe
Valiseraalpe | Olympus OM-D E-M1X | M.Zuiko 9-18mm ƒ4.0-5.6 | 9mm (18mm KB) | ƒ8 | 1/640s | ISO200 | Belichtungsreihe aus 5 Belichtungen, vereint mit Aurora HDR, korrigiert mit DxO ViewPoint
Einzelbelichtung der HDR-Aufnahme oben. Im Himmel enthalten einige Bereiche kaum oder gar keine Bildinformation mehr und sind überbelichtet, in den Bäumen sind viel Bereiche unterbelichtet und Schwarz.

Die Gegenlichtaufnahme mit dem Kreuz beispielsweise zeigt bei 8 Bit einen ausgefressenen, in vielen Bereichen zeichnungsfreien weißen Himmel. Andere Bereich wiederum, z.B. in den Schatten der Bäume, fallen unterbelichtet schwarz aus. Tatsächlich jedoch war der Himmel für die menschliche Wahrnehmung blau wahrzunehmen, so wie es im HDR-Bild zu sehen ist. Natürlich sah der Himmel in meinen Augen nicht exakt so aus, wie in der abgebildeten HDR-Aufnahme. Allerdings noch viel weniger so, wie in der Einzelbelichtung.

Selbstverständlich ist das HDR auch nur eine Interpretation der Realität im Rahmen der technischen und physikalischen Möglichkeiten der digitalen Fotograftechnik, nicht anders als eine normale 8-Bit-Aufnahme der Szene eine Interpretation ist. Das trifft allerdings auf unsere Wahrnehmung nicht minder zu.

Ich würde auf jeden Fall behaupten, dass das HDR bei so einer Szene meiner Wahrnehmung näher kommt, als es eine reguläre 8-Bit-Einzelbelichtung tun kann. Schließlich konnte ich vor Ort das Blau des Himmels und die Struktur der Wolken ebenso erkennen, wie die Details im Schatten der Bäume, was eben bei einer regulären Aufnahme nicht der Fall ist.

Mir geht es in der Fotografie heute darum Aufnahmen zu erstellen die Szenen so gut als möglich so zeigen, wie ich sie erlebt habe, und nicht so, wie es den technisch-physikalischen Beschränkungen einer 8-Bit-Einzelbelichtung entspricht.

Bin ich mit den Resultaten vollauf zufrieden? Nein. Auch mit dieser Technik bekomme ich oft noch ausgefressene Überbelichtung und rein schwarze Unterbelichtung. Aber es entwickelt sich und ich kann in den Aufnahmen Details und Strukturen sichtbar machen, die vor Ort problemlos zu sehen waren, und nicht von Unter- und Überbelichtung verschluckt sind.

Schloss Schönbühel in HDR

Posted in Bilder & Gedanken, and Theorie & Technik

Schloss Schönbühel
Schloss Schönbühel | Olympus OM-D E-M5 MarkII | M.Zuiko 25mm ƒ1.2 | 25 mm (50mm KB) | ƒ5.6 | 1/800s | ISO200 | Aurora HDR und DxO ViewPoint

Schloss Schönbühel liegt in der Gemeinde Schönbühel-Aggsbach in Niederösterreich in der Wachau an der Donau. Seine Ursprünge liegen im 12. Jahrhundert und in einer leicht zu verteidigenden Festung. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Mehr darüber findet sich auf Wikipedia.

Die Aufnahme oben ist ein HDR aus einer Belichtungsreihe aus fünf Belichtungen. Die Angaben zur Belichtungszeit beziehen sich auf die mittlere Belichtung.

Wie ich zu HDR kam

Im vergangenen Jahr machte ich einen Ausflug in die Drohnenfotografie. Leider erfuhr ich erst als ich mich nach dem Kauf, wo man in Österreich Drohnen fliegen lassen darf, dass es einer Bewilligung der Austro Control bedarf, möchte man Drohnen zum Fotografieren fliegen lassen. Laut meinen Recherchen sollte die Gebühr für die Bewilligung jährlich über 200 Euro betragen, was bei nicht gewerblicher Nutzung wohl für die Wenigsten ein Thema sein dürfte.

Rückblickend finde ich diese strenge Regelung gar nicht so verkehrt, schließlich gibt es immer genug Idioten die nicht ausreichend Verantwortungsbewusstsein besitzen ihre Drohen von Naturschutzgebieten, wilden Tieren und aus dem Luftraum des bemannten Luftverkehrs fern zu halten – immer wieder liest man von gefährlichen Situationen die für Hubschrauber und Flugzeuge durch Drohnen entstehen. Etwas sauer bin ich allerdings, dass auch bewilligungspflichtige Drohnen ohne den geringsten Hinweis in Fotogeschäften und Elektronikmärkten vertrieben werden.

Das Abenteuer Drohne führte auch dazu, dass ich begann mich intensiver mit HDR zu befassen, um ein Optimum aus den JPEGs der Drohnenkamera herauszuholen.

MFT und Aurora HDR – ein Dream-Team!

Im Merz dieses Jahres begann ich mit HDR aus meinen Systemkameras zu experimentieren. Bislang hat sich mein Interesse an HDR vor allem deshalb in Grenzen gehalten, weil ich nicht der Typ Fotograf bin der gerne mit Stativen auf den Weg geht. Lieber fotografiere ich spontan aus freier Hand. Das ist nicht nur Bequemlichkeit, sondern liegt auch daran, dass die meisten meiner Fotos auf Achse entstehen. Oft bin ich Stunden lang unterwegs, meist zu Fuß, seit diesem Jahr auch mit dem E-Bike. In beiden Fällen ist ein Stativ kein besonders bequemer Begleiter.

MFT-Kameras verfügen bekanntlich über eine exzellente Bildstabilisierung und so testete ich, ob es möglich ist brauchbare HDR-Bilder aus Belichtungsreihen aus freier Hand zu erzeugen. Das hängt allerdings nicht nur von der Qualität der Bildstabilisierung ab, sondern auch von der Präzision der automatischen Ausrichtung der HDR-Software.

Photoshop als HDR-Software kam von Beginn an nicht in Frage, da dessen HDR-Funktion lausig ist. Affinity Photo weist zwar eine bessere HDR-Funktion auf und meine Drohnen-HDRs entstanden damit, so richtig glücklich war ich mit dessen Resultaten allerdings auch nicht. In weiterer Folge testete ich so ziemlich alles, was für den Mac an HDR-Software verfügbar ist. Tatsächlich überzeugt hat mich nur Aurora HDR von Skylum.

Es liegen Welten zwischen Aurora HDR und allen anderen Programmen mit denen ich es versuchte. Nicht nur die Qualität wird von keiner anderen Software erreicht. Auch die Funktionen und Einstellmöglichkeiten sind viel umfangreicher als bei allen Mitbewerbern. Das Interface ist ansprechend gestaltet, auch wenn es dem Trend entsprechend zu dunkel ist und auch noch einen dezenten Farbstich aufweist. Besonders beeindruckend ist aber vor allem die automatische Ausrichtung und das Deghosting. Die Aufnahme oben ist von einem Fahrenden Ausflugsschiff entstanden. Dennoch ist das Resultat, wie auch alle anderen Aufnahmen die ich während der Flussfahrt machte, tadellos. An sich erstellte ich diese Belichtungsreihen in der Annahme, dass die Erstellung von HDR-Aufnahmen wegen der Bewegung scheitern würde. Doch selbst ein rasch vorbei fahrendes Motorboot wurde tadellos vereint. Personen die sich während der Aufnahme bewegen, stellen für Aurora HDR ebenfalls kein Problem dar – man erhält eine Person die tadellos ins HDR-Bild passt. Es ist fast wie Magie!

Im Moment kämpfe ich noch mit mir selbst und damit, es mit den Einstellungen nicht zu übertreibe. Ein HDR ist kein normales Foto. Sein Eindruck ist anders. Wenn dem nicht so wäre, bräuchte man keine HDRs zu erstellen.

Betrachter empfinden oft HDR vermittle einen gemalten Eindruck. Ich finde diese Assoziation heute sehr passend. Eine Kamera sieht nicht wie wir, sondern wie eine Kamera. Was sie aufnimmt und ein Foto wiedergibt, ist nicht die Realität, sondern eine Interpretation der Kamera von der Realität. Technische und physikalische Einschränkungen lassen es gar nicht zu, dass die Kamera die Realität ohne Abweichungen abbildet. Bei unserer Wahrnehmung ist es dasselbe, nur dass die Einschränkungen nicht technischer, sondern biologischer Natur sind. Es würde zu weit führen hier in die Tiefe zu gehen – detaillierter gehe ich darauf in meiner Fotoschule, in »das ABC der Farbe« und in meinem kommenden Buch »das ABC des Designs« ein.

Während eine Kamera eine Szene ganz anders aufnimmt, als wir sie wahrnehmen, malt ein Maler sie so wie er sie wahrnimmt, und somit (wahrscheinlich) auch so, wie wir sie wahrnehmen. Deshalb bin ich heute davon überzeugt, dass ein Bild das aussieht wie ein Gemälde eher der menschlichen Wahrnehmung nahekommt, als ein Foto das die Szene mit den Einschränkungen der fotografischen Aufnahme- und Wiedergabetechniken zeigt.

Perlmuttfalter

Posted in Bilder & Gedanken

Perlmuttfalter
Perlmuttfalter | Olympus OM-D E-M1 MarkII | M.Zuiko 40-150mm ƒ2.8 + MC-20 | 300mm (600mm KB) | ƒ5.6 | 1/250s | ISO400 | Capture One Pro
Perluttfalter
Perlmuttfalter | Olympus OM-D E-M1 MarkII | M.Zuiko 40-150mm ƒ2.8 + MC-20 | 300mm (600mm KB) | ƒ5.6 | 1/250s | ISO250 | Capture One Pro

Perlmuttfalter gibt es viele Arten. Mir fehlt die Fachkunde diesen hier genauer bestimmen zu können. Sie alle gehören zur Gruppe der Edelfalter (Wikipedia). Wunderschöne Schmetterlinge, denen man hier in Vorarlberg glücklicherweise noch oft begegnen kann.

Olympus OM-D E-M1X

Posted in Erfahrungsberichte

Die E-M1X (Olympus) ist ein Monster von einer MFT-Kamera. Für MFT entscheidet man sich primär, weil man mit einem kompakten und handlichen System fotografieren will. Deshalb habe ich mich für MFT entschieden. Die E-M1X liegt zwar ausgesprochen gut in Händen und ist somit handlich, aber sie ist weder kompakt noch leicht. Sie wirkt nur unwesentlich weniger als eine Nikon D850, wobei sie bei diesem Gewicht den Hochformatgriff integriert hat, die D850 hat das nicht.

Was also spricht dafür, so eine riesige und schwere Kamera mit vergleichsweise winzigem Sensor zu kaufen?

Zunächst einmal sind voluminöse Bodys von Vorteil, wenn man mit langen und schweren Teleobjektiven arbeitet. So führt die E-M1X in Kombination mit dem M.Zuiko 300mm ƒ4 Pro zu einer durchaus noch ausgewogeneren Ergonomie, als die an E-M1 II. Noch deutlicher wird das beim für nächstes Jahr angekündigten 150–400mm ƒ4.5 Superzoom. Mit dem darin integrierten 1,25-Telekonverter wird damit auf Kleinbild hochgerechnet ein 375–1000mm Zoom. Kombiniert man dazu noch den 2-fach-Telekonverter, landen wir bei 750–2000mm. Damit macht nicht nur das voluminöse Gehäuse Sinn, sondern auch die darin enthaltene Rechenpower zweier Prozessoren. Diese wird die Kamera dann sicher brachen können, soll bei 2000mm und ƒ11 noch annehmbar scharf gestellt werden können. Wie das funktionieren soll – darauf bin ich bereits gespannt.

Wenn es gut funktioniert, erhält man natürlich ein einzigartiges System: 2000mm Brennweite in noch immer handlicher Form mit der marktführenden Bildstabilisierung von Olympus! Ich gestehe, das bringt mich zum Sabbern.

Was auch reizend ist, an der E-M1X: Der Joystick zur Messfeldauswahl – gleich zwei Mal; einmal in Querformat-, einmal in Hochformatposition. Der Joystick war einer der Gründer, der mich zur Lumix G9 verleitet hat – ich bin froh ihn jetzt auch bei Olympus zu sehen.

Auch schön: Die Möglichkeit die Akkus in der Kamera via USB zu laden. Zum Laden nutze ich Solar Powerbanks (Diese beiden: Amazon-Affiliate-Link | Amazon-Affiliate-Link), die ich mit einem zusätzlichen Solarpanel (Amazon-Affiliate-Link) lade – also zumindest vom Frühjahr bis Herbst mit Sonnenenergie.

Es sind allerdings andere Dinge, die die E-M1X zu einer besonderen Kamera machen. Eines davon ist der Handheld-High-Res-Modus.

50MP-High-Res-Aufnahme: ƒ8 | 1/400s | ISO100 | 12mm MFT

Die Abbildung oben zeigt eine Aufnahme, die aus freier Hand im High-Res-Modus entstand, unten ein 1:1-Ausschnitt. Nicht gestochen scharf, wobei die Frage offen bleibt, ob eine Kamera mit einem Sensor mit 50MP echter Auflösung aus freier Hand ein deutlich besseres Resultat erzielt hätte.

1:1-Ausschnitt aus der Aufnahme oben

Zu den Vorzügen von MFT-Kameras gehört die exzellente Bildstabilisierung. Auch schon mit einer E-M1 II (und ich vermute mit allen aktuellen Olympus-Modellen) lässt sich der Mond des Nachts mit einer entsprechend langen Brennweite gut und scharf abbilden. Doch als der erste Vollmond nach dem ich die E-M1X erhalten hatte aufging, interessierte mich, ob das auch im High-Res-Modus aus freier Hand klappt.

Unbeschnittenes Bild des Mondes im High-Res-Modus aufgenommen

Die Abbildung oben zeigt das unbeschnittene Resultat mit 50MP, aufgenommen mit M.Zuiko 300mm und 1,4-fach-Telekonverter, 840mm KB, ƒ5.6, 1/1600s, ISO200. Die Abbildung unten zeigt den Zuschnitt auf den Mond. Die Aufnahme hat noch immer 8MP, was etwa einen praktisch hochauflösenden Ausdruck auf A4 erlaubt.

Zuschnitt der Aufnahme oben: ≈ 8MP
1:1-Ausschnitt

Nun ist im 1:1-Ausschnitt nicht zu übersehen, dass das Resultat nicht absolut scharf ist. Tatsächlich ist sie nicht besser, als bei einer Aufnahme, die im normalen Modus erstellt und dann auf die Auflösung des High-Res-Bildes hoch interpoliert wird. Das ist allerdings generell ein Problem hochauflösender Kameras: Je höher die Auflösung, desto eher macht sich die unvermeidliche Verwackelung des Freihandfotografierens im Resultat bemerkbar. Dennoch zeigt das Beispiel sehr schön, was bei Olympus mittlerweile technisch möglich ist – es spricht Bände über die Qualität von Olympus’ Sensorstabilisierung.

Um herauszufinden wie groß das praktische Potenzial des High-Res-Modus der kleinen MFT-Sensoren tatsächlich ist, werde ich noch einige Tests machen und Erfahrungen sammeln müssen, wobei es am Ende eher die Neugier ist, zu erfahren, was mein System theoretisch leisten könnte, ohne dass ich es praktisch tatsächlich bräuchte – in der Regel finde ich mit den 20MP der Kameras mein Auslangen.

Eine andere Eigenschaft, die die E-M1X neben dem Handheld-High-Res-Modus einzigartig macht, ist der Live-ND-Modus. Damit wird elektronisch die Wirkung eines ND-Filters simuliert, was auch unter Tags Langzeitbelichtungen möglich macht. Ich konnte bislang erst einmal kurz mit der Funktion experimentieren und habe dabei versehentlich nur ND3 statt des Maximalwerts ND5 eingestellt. Als Resultat bin ich bei ƒ11 und 1/8 Sekunde gelandet – ND5 hätte dementsprechend 1/2s ermöglicht und durch Abblenden auf ƒ22 wären 2s möglich geworden. Und wie immer gilt: Alles aus freier Hand!

Verwischtes Wasser durch verzögerte Belichtung mit Live-ND-Filter

Natürlich lässt sich mit einer wirklich hochauflösenden Kamera mit Stativ und präziser Arbeit mehr aus den Motiven herausholen. Allerdings wird der Unterschied erst wirklich relevant, wenn man bei der Ausgabe an die Grenzen geht. Demgegenüber erlaubt das System ein unkompliziertes Handling, eine Flexibilität und eine Leichtigkeit in der Fotografie, die man anderswo nicht findet. Nicht umsonst hört man dauernd Fotografen die von anderen Systemen auf MFT wechselten, sagen, dass sie eine Freude an der Fotografie wiederentdeckt haben, die sie davor so nicht mehr hatten.

Einmal mehr leistet Olympus auch Pionierarbeit durch die Integration künstlicher Intelligenz in eine Kamera, wobei die darauf basierende AI-Motivverfolgung von Flugzeugen, Zügen und Autos derzeit für mich nicht relevant sind, da diese Objekte nicht zu den für mich relevanten Motiven gehören. Ich hoffe aber, dass mit der Zeit auch Tiere zu den erkannten Objekten kommen.

Gut ist die Fokussierung schon jetzt. Die Abbildung unten zeigt eine Aufnahme eines hektischen Starenschwarms vor unruhigem Hintergrund. Keine leichte Aufgabe für ein AF-System. In wie fern allerdings die E-M1X der E-M1 II überlegen ist, vermag ich derzeit nicht zu sagen.

Fazit? Kurz und bündig: Die E-M1X mag eine spezielle Kamera sein, aber gerade das macht sie so attraktiv für mich, sie macht Spaß und ist für mich jeden Euro wert.

M.Zuiko 300mm ƒ4 + 1,4-×-Telekonverter | ƒ5.6 | 1/1600s | ISO320
M.Zuiko 300mm ƒ4 + 1,4-×-Telekonverter | ƒ5.6 | 1/1600s | ISO250
M.Zuiko 300mm ƒ4 + 1,4-×-Telekonverter | ƒ5.6 | 1/400s | ISO3200
M.Zuiko 300mm ƒ4 + 1,4-×-Telekonverter | ƒ6.3 | 1/1600s | ISO200