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Monat: Dezember 2019

MFT, APS-C, Vollformat oder gleich Mittelformat? Wie viel Sensor braucht der Mensch?

Posted in Theorie & Technik

Liegt das fotografische Glück in erster Linie darin möglichst feine Details möglichst rauscharm aufnehmen und am Bildschirm in der Vergrößerung zu bewundern, ist größer definitiv besser. Zieht man auch andere Aspekte in Betracht wird das Bild differenzierter.

Mit diesem Artikel versuche ich ein differenziertes Bild zu zeichnen. Natürlich spiegelt er meine subjektive Sichtweise. Jede Sichtweise ist subjektiv! Wo jemand behauptet seine Sichtweise sei die objektive sollte man schleunigst abschalten.

Meine Meinung ist geprägt von meiner Erfahrung mit Micro FourThirds, vor dem Hintergrund jahrelanger Arbeit mit APS-C und Vollformat. Es geht nicht darum irgendjemandem MFT zu verkaufen oder Vollformat auszureden. Es geht darum, dass ein Kamerasystem mehr ist, als Auflösung, Rauschverhalten und Dynamikumfang. Das sind drei von vielen Aspekten die eine Kamera zu dem machen, was sie ist. Praktisch haben diese drei Faktoren – das ist zumindest meine Überzeugung – für die überwältigende Mehrheit der Fotografen, Motive und Ausgabebedingungen bei weitem nicht die Bedeutung, zu der sie von Technik-Freaks aufgeblasen werden.

Ich beziehe mich hier in erster Linie auf Vollformat und MFT, weil sie in Sachen Sensorgröße die relevanten Pole bilden. Doch was es dazu zu sagen gibt, gilt natürlich ebenso für APS-C. APS-C ist quasi der goldene Mittelweg zwischen Vollformat und MFT, was selbstverständlich auch bedeutet, dass man die besonderen Stärken und Schwächen der anderen Sensorformate immer nur halb teilt.

Auflösung

Theoretisch kann man nicht genug Auflösung haben. Praktisch jedoch ist alles, was über das hinausgeht, was man braucht, überflüssig. Und bringt Nachteilen mit sich. Für mich sind 18MP (Megapixel) genug. Damit erreiche ich A3 bei 300ppi. Größere Formate drucke ich nicht. Mehr Pixel pro Inch würden nicht mehr bringen – das Auge kann feinere Details nicht unterscheiden. Wie viel Megapixel man für welche Ausgabebedingung braucht habe ich in »Auflösung und Druckformat« beschrieben.

Viele sehen den Vorteil einer großen Sensorauflösung darin, dass beim Zuschneiden von Aufnahmen auf kleine Ausschnitte mehr Auflösung übrig bleibt. Übersehen wird dabei, dass sich höhere Auflösung wie eine Lupe auf jede Art der Unschärfe auswirkt. Mir fiel das praktisch so richtig auf, als ich vor Jahren von einer 12MP (Vollformat)-Kamera auf eine mit 24MP umstieg. Verschlusszeiten die ich zuvor problemlos vollständig scharf aus freier Hand halten konnte, zeigten plötzlich Unschärfen in den Details. Winzige Fehlfokussierungen – beispielsweise wenn bei Offenblende auf eine Wimper statt auf Pupille und Iris fokussiert wurde – ließen Aufnahmen misslungen wirken. Croppen von Bildern vergrößert diese Schwächen.

Je höher die Auflösung, desto präziser muss fotografiert werden. Stative und Blitze sind häufiger notwendig. Bildstabilisierung wird zwar immer effektiver und man erzielt damit bei Verschlusszeiten die vor Jahren unmöglich aus freier Hand zu halten gewesen werden relativ scharfe Aufnahmen. Ich zweifle aber daran, dass sie einen Sensor genauso ruhig halten kann wie ein Stativ, um absolut scharfe Bilder zu garantieren.

Detailschärfe

Doch nicht nur die Unruhe der Kamera wird mit mehr Auflösung feiner festgehalten. Auch optische Schwächen der Optiken. Das heißt, man braucht exzellente Schärfeleistung, um hoher Auflösung ausreichend feine Details zu liefern. Nach meiner Erfahrung leisten heute zwar auch preiswerte Optiken überraschend scharfe Erbebnisse, allerdings meist mit deutlichem Schärfeabfall zu den Rändern und Ecken hin. Wer kompromisslose Qualität erwartet kommt nicht um die Investition in adäquate und teure Optiken herum. Ein hochaufgelöster Sensor ohne angemessene Objektive ist wie ein Porsche mit Wurstreifen.

Hinzu kommt, dass Vollformatobjektive selten ab Offenblende mit maximalem Kontrast und Detailschärfe abbilden, schon gar nicht in den konsumentenfreundlichen Preisklassen. Bestleistungen werden erst durch Abblenden erreicht. Kleinere Sensoren sind diesbezüglich offensichtlich im Vorteil. Zumindest bei meinen MFT-Linsen haben meine Tests ergeben, dass sie durchwegs bereits ab Offenblende praktisch dieselbe Schärfe und denselben Kontrast liefern, wie unter Abblendung.

Auf der anderen Seite verliert man durch die sogenannte Beugungsunschärfe auch mit kleinen Blendenöffnungen Schärfe. Nach Faustregel wird bei Vollformat der Verlust ab Blende ƒ22 sichtbar, bei APS-C etwa ab Blende ƒ16 und bei MFT ab Blende ƒ11. Abhängig ist das natürlich von der Auflösung! Je höher die Auflösung, desto früher tritt Beugungsunschärfe zutage. Olympus wird schon gewusst haben, weshalb man die Blendeneinstellung für hochauflösende Aufnahmen mit 50MP und 80MP auf ƒ8 limitiert.

Brennweitenverlängerung

Kleinere Sensoren croppen von Natur aus Ausschnitte aus Motiven heraus – man spricht nicht umsonst vom »Crop-Faktor«. Diese sogenannte Brennweitenverlängerung bringt den Fotografen näher ans Motiv. Sie wird deshalb oft als Vorteil kleinerer Sensoren genannt. Vergessen wird dabei meist, dass der Vollformatfotograf seine Brennweitenverlängerung durch Zuschnitt am Computer erreichen kann – er hat ja meist mehr Auflösung zur Verfügung. Die kleineren Sensoren haben zwar den Vorteil der effizienteren Bildstabilisierung für den Ausschnitt den sie aufnehmen, doch Vollformat kann das durch das bessere Rauschverhalten wieder etwas ausgleichen.

Rechenleistung und Speicherplatz

Wer, wie ich, nicht über A3 druckt hat mit mehr als 18MP kaum einen nennenswerten Vorteil. Natürlich gibt es die Ausnahmen, in denen mehr tatsächlich mehr ist. Man muss aber auch abwägen, zwischen der Häufigkeit in der dieser Fall tatsächlich eintritt auf der einen Seite, und dem, was man dafür bereit ist in Computerleistung und Speicherplatz zu investieren auf der anderen.

Mit 20MP bis 25MP sollten die allermeisten Fotografen – Profis ebenso wie Amateure – ausreichend Auflösung für nahezu alle Aufnahmesituationen und Ausgabebedingungen finden. Ich hänge Ausdrucke in A3+ an die Wand und in meinen Büchern setze ich meine Aufnahmen manchmal Doppelseitig ein (also auch etwa A3). Die Auflösungen der gedruckten Bilder liegen zwischen 16MP (MFT-Sensor) und 24MP (Vollformat). Ich würde die Bilder nicht drucken, wenn ich die Qualität für unzureichend erachten würde. Gerade die Aufnahmen in meiner Fotoschule wurden häufig gelobt. Niemals hat sie jemand aufgrund mangelnder Qualität kritisiert.

Dynamikumfang

Der »Dynamikumfang« ist entscheidend dafür, wie groß die Differenz zwischen hellstem Weiß und tiefstem Schwarz ist, den ein Bildsensor aufzunehmen in der Lage ist. Für natürliche Szenen nimmt man einen maximalen »Motivkontrast« von 1.000.000:1 an. Der hellste Bereich – beispielsweise ein sonnenbeschienenes Schneefeld – ist eine Million Mal heller als der dunkelste – der lichtlose Abgrund in den Löchern eines Gullydeckels. Zum Vergleich: Im Vierfarbendruck auf Papier steht zur Wiedergabe eines Motivs (also auch einer Szene mit Schneefeld und Löchern im Gullydeckel) lediglich ein »Kontrastumfang« von 100:1 zur Verfügung.

Die menschliche Wahrnehmung verarbeitet einen Kontrast von etwa 10.000:1 (etwa 13,5LW; LW = Lichtwert = Blendenwert). MFT-Sensoren erreichen derzeit knapp 13LW Dynamikumfang, das entspricht einem Kontrast von 8.000:1. APS-C-Sensoren liegen zwischen 13LW und 14LW – 8.000:1 bis 16.000:1. Sensoren von Voll- und Mittelformatkameras erreichen nahezu 15LW, das entspricht 32.000:1.

Theoretisch klingt 32.000:1 immens besser als 8.000:1. Die praktische Auswirkung spiegelt sich allerdings eher in der Differenz zwischen 13 und 15 Lichtwerten (etwa 15%), als in den Zahlen des Kontrastverhältnisses (300%). Der Vorteil des höheren Kontrastumfangs: Wenn man in RAW fotografiert, lassen sich mit 15LW ±2LW mehr an Unter- oder Überbelichtung sichtbar machen, als wenn der Sensor nur 13LW verarbeitet.

In der Praxis ist allerdings zu bedenken, dass sich weder 13LW noch 15LW an Bildschirmen ausgeben lassen. Gute Bildschirme erreichen einen Kontrastumfang von etwa 1000:1. Apple verspricht zwar gerade 1.000.000:1 – Hersteller von Fernsehern geben schon länger Millionen an –, aber man darf davon ausgehen, dass das eher marketingtechnisch geschickt interpretierte Zahlen sind, als dass wir auf diesen Bildschirmen tatsächlich gleichzeitig das blendende Weiß eines sonnenbeschienenen Schneefelds, sowie das lichtlose Schwarz eines Lochs im Deckel eines Gullys sehen werden. Ich denke auch nicht, dass wir jemals Bildschirme haben werden die das leisten. Wozu auch? Wer will am Bildschirm schon geblendet werden?

Gehen wir also davon aus, dass 1000:1 noch lange Zeit ein üblicher Kontrast von Monitoren bleibt. Das entspricht 8LW. 8LW ist das, was man mit jeder Kamera erhält, wenn man im JPEG-Format fotografiert. Alles, was über diesen Kontrastumfang hinausgeht, verliert man an Unter- und/oder Überbelichtung. Bei 13LW gehen 5LW verloren, bei 15LW sind es 7LW. Im RAW-Konverter kann man diese Lichtwerte außerhalb des JPEG-/Monitor-Kontrastumfangs quasi in ihn hinein verschieben, so dass in Unter- und Überbelichtung Zeichnung sichtbar wird. Das heißt aber nicht, dass wir am Monitor plötzlich einen Kontrast von 8000:1 oder 32.000:1 vor uns haben. Wir haben lediglich den großen Kontrastumfang in den kleinen hineingequetscht.

Das Resultat der Komprimierung des Kontrastumfangs fällt üblicherweise umso surrealer aus, je stärker komprimiert wird – ich verweise dazu auf den Artikel »Fotografie, Wahrnehmung, HDR«. Die Bilder dort sind zwar HDR-Bilder aus mehreren Belichtungen. Doch die Restaurierung von Tiefen und Lichtern einer RAW-Aufnahme im RAW-Konverter macht im Prinzip dasselbe mit denselben nicht wie richtige Fotos aussehenden Resultaten.

Als Beispiel zwei Aufnahmen mit hohem Motivkontrast und stark komprimierten Kontrastumfang. Das erste Bild zeigt eine Aufnahme die mit der E-M5 II entstand. dxomark.com gibt für ihren Sensor einen Kontrastumfang von 12,4 Lichtwerten an, bei der für die Aufnahme eingestellten ISO-Empfindlichkeit dürfte er merklich geringer gewesen sein. Trotz Lichter- und Schattenkorrektur im RAW-Konverter sind die Fenster völlig überbelichtet. Wenn man an so einem Tag an dieser Stelle steht, sieht man die Gläser farbig, nicht weiß.

Schwarzacher Pfarrkirche | Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 1/20s | ISO1600 | Capture One Pro 20

Die folgende Aufnahme entstand beim selben Besuch, besteht allerdings aus fünf Belichtungen und wurde mit Aurora HDR zu einem Bild vereint. Durch die Belichtungsreihe konnte ich den Kontrastumfang von 12,4LW um 2LW erweitern und habe so vor allem in den Fenstern mehr Zeichnungen und die Farbe sichtbar gemacht. Das Resultat wirkt aber nicht mehr so, wie Fotos gewöhnlich aussehen. Hätte ich dasselbe mit einem RAW einer Kamera mit einem Dynamikumfang von 14,4LW erstellt und den Kontrast ebenso stark komprimiert, sollte das Resultat nicht viel anders aussehen.

Schwarzacher Pfarrkirche, HDR aus fünf Belichtungen | Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO200 | Aurora HDR

Ich persönlich mag den HDR-Look, sofern er einigermaßen moderat angewendet wird (was mir selbst nicht immer zufriedenstellend gelingt). Ich bin auch der Ansicht, dass er dem, wie wir Motive wahrnehmen, näher kommt, als ein Foto mit Unter- und/oder Überbelichtung. Es gibt in unserer Wahrnehmung kein Äquivalent zu fotografischer Unter- oder Überbelichtung. Eine 1:1 Abbildung einer Szene mit einem Kontrast von 1.000.000:1 ist weder in unserer Wahrnehmung mit 10.000:1 möglich, noch mittels eines Monitors mit einem Kontrast von 1000:1.

Ja, ein höherer Kontrastumfang hat Vorteile und – anders als viel Auflösung – keine Nachteile. Wer Wert darauf legt, ist mit größeren Sensoren besser bedient (allerdings glänzt in dieser Beziehung bislang nicht jeder Vollformatsensor). Ob der Unterschied für die eigene Fotografie tatsächlich dermaßen Relevant ist, dass man dem Dynamikumfang bei der Entscheidung für ein Kamerasystem entscheidende Bedeutung beimisst, muss jeder für sich entscheiden. Für das Gros der Fotografen wird es keinen relevanten Unterschied machen, ob der Sensor 13LW oder 15LW leistet.

Bildrauschen

Beim Bildrauschen scheiden sich die Geister besonders. Ja, größere Sensoren haben ein besseres Rauschverhalten. Aber wieder stellt sich mir die Frage der praktischen Relevanz. Ich folgte lange Zeit auch der landläufigen Überzeugung MFT-Sensoren seien für Low-light-Aufnahmen oder gar Astro-Fotografie ungeeignet. Mittlerweile habe ich aber so viele Videos gesehen und Berichte gelesen, von Fotografen die genau das mit MFT machen und großartige Resultate erzielen, dass ich mich auch hier frage, ob der Unterschied praktisch tatsächlich von großer Relevanz ist. Noch einmal: Dass größere Sensoren diesbezüglich unter die Lupe genommen bessere Resultate liefern ist keine Frage. Die Frage ist, wie relevant ist es für Fotos als Ganzes?

Vor einigen Jahren habe ich beinahe parallel Bücher über die Nikon D7100 (APS-C) und die D600 (Vollformat) geschrieben und die beiden Kameras parallel nebeneinander auch in denselben Sessions eingesetzt. Die Unterschiede waren mehr als überschaubar.

Allerdings habe ich Rauschverhalten – anders wie andere Dinge – niemals mit eigenen Tests untersucht. Das Fazit des vorangegangen Absatzes ist subjektiv. Ich berufe mich dabei nicht auf eine möglichst objektive Untersuchung der Details – dabei hätten sich sicher Unterschiede gezeigt. Es war einfach der globale Eindruck der Aufnahmen als Ganzes kaum zu unterscheiden. Und zählt das nicht vielmehr, als Details unter der Lupe?

Ich vermute, es trifft auf nahezu alle zu, die beim Thema fotografische Qualität mit diskutieren, dass sie sich mehr auf ihre subjektive Erfahrungen berufen, als auf selbständig erarbeitete Vergleichstests. Eine objektive Meinung kann man sich nur bilden, wenn man unter den identischen Bedingungen das gleiche Motiv mit verschiedenen Kameras ablichtet. Das kann ein spezialisiertes Labor besser, als man selbst.

dpreview.com bietet für die von ihnen getesteten Kameras eine gute Möglichkeit ein und dasselbe Motiv unter strengen Laborbedingungen mit ISO-Empfindlichkeiten von tief bis hoch aufgenommen in der Vergrößerung genau unter die Lupe zu nehmen und mit den identischen Einstellungen aller anderen getesteten Kameras zu vergleichen (beispielsweise auf dieser Seite über die Bildqualität der E-M5 III). Natürlich sind Unterschiede zwischen Vollformat und MFT umso sichtbarer, je höher ISO eingestellt ist. Um das jedoch deutlich sichtbar zu machen, muss man eine Vergrößerung wählen, in der Fotos in der Praxis einfach nicht betrachtet werden, was wieder die tatsächliche praktische Relevanz aufwirft. Vergleicht man statt MFT und Vollformat, MFT mit APS-C oder APS-C mit Vollformat, relativieren sich die Unterschiede noch deutlicher und man muss oft schon sehr genau hinschauen.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass alle Testaufnahmen mit Blende ƒ5.6 durchgeführt werden. In der Praxis dient die Blende meist zur Gestaltung der Schärfentiefe. MFT hat diesbezüglich einen Vorteil um 2 Blendenstufen. Das heißt, dass man für die Schärfentiefe von ƒ5.6 mit MFT ƒ11 beim Vollformat einstellen muss. Um die kleinere Blendenöffnung auszugleichen ist ein um zwei Schritte höherer ISO-Wert erforderlich. Wie sich das auf das Rauschen im Bild auswirkt, wird sichtbar, wenn man beispielsweise MFT bei ISO6400 mit Vollformat bei ISO25.000 vergleicht – plötzlich sind die MFT-Beispiele rauschärmer.

Natürlich lässt sich das nicht auf jede fotografische Situation umlegen. Bei Motiven, bei denen die Schärfentiefe gering sein darf oder soll, ist das Rauschverhalten größerer Sensoren unter Low-light-Bedingungen im Vorteil. Aber das deswegen unerwähnt zu lassen, heißt nur die halbe Wahrheit zu erzählen.

Der Unterschied relativiert sich in der Praxis wenn, wenn man den Schwächen der kleineren Sensoren entsprechend einstellt und fotografiert. Wer bei der Aufnahme eher hell belichtet und es vermeidet am Computer kräftig aufzuhellen, wird auch mit kleineren Sensoren wenig wirkliche Probleme mit Rauschen haben.

Bokeh

Größere Sensoren liefern ein schöneres Bokeh, heißt es. In »Bokeh und Schärfentiefe sind nicht dasselbe« habe ich erklärt, weshalb das nicht richtig ist. Größere Sensoren ergeben bei vergleichbaren Einstellungen geringere Schärfentiefe, aber das muss nicht heißen, dass das Bokeh deshalb auch ruhig und weich ist. Manche Objektive erzeugen ein harsches Bokeh. Dass die Möglichkeit Motive mittels Schärfentiefe vom Hintergrund freizustellen mit meiner MFT-Ausrüstung begrenzter ist, weiß ich aus der Praxis. Manches lässt sich mit MFT einfach nicht machen. Allerdings ist das Bokeh bei MFT zwar weniger unscharf, doch ich habe den Eindruck, dass es dafür oft sanfter und cremiger ausfällt. Mehr Schärfentiefe zwar, aber ein schöneres Bokeh. Das ist eine absolut subjektive Ansicht. Aber jede Wertung von Bokeh ist subjektiv. Es gibt keine Objektive Messung für die Qualität von Bokeh. Natürlich gibt es Vollformatlinsen die ein Bokeh erzeugen, das den Enthusiasten wegbeamt. Doch wegbeamen dürften die meisten auch die Preiszettel die daran hängen.

Hinzukommt, dass von Bokeh vor allem Fotografen gefesselt zu sein scheinen. Unter »Bokeh wird überbewertet« habe ich ein Video eines Fotografen geteilt, der untersuchte, wie Bokeh auf Betrachter wirkt, die selbst keine Fotografen sind. Das überraschende Ergebnis: Sie bevorzugen meist detailliertere Hintergründe. Bokeh scheint ein Fetisch von Fotografen zu sein.

Geringere Schärfentiefe hat übrigens nicht nur Vorteile. Die größere Schärfentiefe kleinerer Sensoren ist bei der Makrofotografie ein Vorteil. Oder, wenn unter Low-light-Situationen möglichst viel Schärfentiefe erwünscht ist. Wenn man mehrere Personen fotografiert, die in unterschiedlichen Entfernungen stehen, muss man die Blende schließen, um alle Personen im Bereich der Schärfentiefe zu erfassen. Unter Low-light-Bedingungen ein Problem, denn an sich sollte man des schwachen Lichts wegen die Blende weit öffnen. Ein Vorteil für den kleineren Sensor, der bei gleicher Blendeneinstellung mehr Schärfentiefe abbildet. Allerdings soll auch hier nicht unter den Tisch fallen, dass Vollformat das durch das bessere Rauschverhalten wieder etwas ausgleichen kann.

Transportabilität

Fotografiert man häufig unterwegs ist Gewicht ein wichtiger Aspekte bei der Wahl des Systems. Kleinere Sensoren ermöglichen kompaktere Systeme. Die aktuellen spiegellosen Vollformatkameras sind zwar auch kaum größer als professionelle MFT-Kameras, was allerdings daran liegt, dass diese MFT-Modelle ausreichend Volumen haben müssen, um für ausgedehnte Arbeiten gut in der Hand zu liegen und ausreichend Platz für gut zu bedienende Einstellungselemente zu bieten. MFT ermöglicht aber gleichzeitig Kameras in der Größe einer Zigarettenschachtel – mit Vollformat undenkbar, da schon der Durchmesser des Bajonetts größer ist. Es gibt MFT-Modelle die man samt Objektiv locker in eine Jackentasche stecken kann – für Vollformat müsste die Jacke dazu schon erstaunlich große Taschen mitbringen.

Entscheidend für Volumen und Gewicht eines Systems sind allerdings die Objektive, nicht die Gehäuse. Und zu kompakte Gehäuse sind bei etwas schweren Objektiven kontraproduktiv, da die Balance nicht mehr stimmt. Ein Vollformatsensor ist viermal so groß wie ein MFT-Sensor. Logisch, dass MFT deutlich kleinere Objektive erlaubt. Diejenigen, die meinen sie müssten das widerlegen, vergleichen meist die kompaktesten Vollformatobjektive mit den größten MFT-Linsen. Tatsächlich gibt es MFT-Objektive deren Filterdurchmesser deutlich geringer ist, als die Diagonale des Vollformats.

Das Gewicht ist allerdings nicht nur beim Transport ein gewichtiger Faktor, sondern auch in der praktischen Arbeit. Ich kenne keine MFT-Kamera-Objektiv-Kombination mit der es nicht möglich wäre auch längere Zeit weitgehend ermüdungsfrei zu arbeiten. Bei Vollformat hingegen wird die Arbeit umso muskelzehrender, je länger die Brennweite ist. Nicht umsonst sieht man Vollformatfotografen mit sehr langen Brennweiten meist an ein Stativ gefesselt. Das schränkt natürlich auch die Schnelligkeit und Flexibilität mit der man fotografieren kann ein.

Das geringere Volumen schlägt sich häufig auch im Preis der Objektive nieder – optisches Glas ist teuer! Auch ein Aspekt!

Bildstabilisierung

Kleinere Sensoren lassen sich besser stabilisieren. Da ein Vollformatsensor die doppelten Seitenlängen eines MFT-Sensors hat, gehe ich davon aus, dass er mindestens doppelt so viel Platz bräuchte um vergleichbar stabilisiert zu werden. Olympus und Panasonic verfügen derzeit über die mit Abstand beste Bildstabilisierung. Sie lässt Verschlusszeiten aus freier Hand zu, an die mit Vollformat nicht zu denken ist. Natürlich kann sie nur die Unruhe des Haltens der Kamera ausgleichen. Bewegt sich das Motiv, ist die bessere ISO-Performance des größeren Sensors von Vorteil, die natürlich auch einen Teil der minderen Stabilisierung auszugleichen in der Lage ist.

Bedienung

Ein zentraler Aspekt bei der Wahl einer Kamera sollte die Bedienung sein. Ich besaß kurzzeitig eine Lumix G9. Ich finde sie eine tolle Kamera. Ich stellte aber rasch fest, dass ich mit ihr wegen der Bedienung mittels beschrifteter Knöpfe und Schalter nicht so arbeiten konnte, wie ich es von meinen OM-Ds gewohnt bin und sie sich für meine Art die Kamera einzusetzen nicht so gut eignet. In diesem Artikel gehe ich näher darauf ein. Auch mit der Pen-F konnte ich mich wegen des fest definierten Reglers für die Belichtungskorrektur nie voll anfreunden. Und aus demselben Grund könnte ich mir nicht vorstellen zu Fujifilm zu wechseln, so sehr mir gefällt, was die machen. Damit will ich jedoch nicht sagen, dass fix definierte und beschriftete Bedienelemente per se die schlechtere Lösung sind. Viele Fotografen schätzen genau das.

Handling und Haptik

Kaum weniger wichtig als die Bedienung ist, wie sich eine Kamera anfühlt. Sie muss gut in der Hand liegen und ich muss die Haptik mögen. Ich hatte immer ein Problem mit Kameras mit Plastik-Haptik. Kunststoff ist als Gehäusematerial für Kameras nicht schlecht. Es gibt ausgesprochen robuste Kunststoffe, sie sind leicht und nicht so anfällig für Kratzer wie beschichtete Metalle. Es fühlt sich für mich aber einfach nicht gut an.

Noch wichtiger ist, wie die Kamera in der Hand liegt. Besonders, wenn man ausgiebig und mit etwas größeren Objektiven damit arbeitet. Ich hatte noch nie eine Kamera die mir besser in Händen lag, als die E-M1 II. Auch das ist subjektiv. Ich kritisierte einst an einer Lumix, dass ihr mehr breit als tiefer Handgriff nicht gut in Händen liege. Ein Leser kommentierte, dass er finde, sie liege perfekt in Händen. Dasselbe wiederholte sich bei meinem Vergleich zwischen Lumix G9 und E-M1 II. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Hände, unterschiedliche Meinungen. Man muss eine Kamera in die Hand nehmen und schauen, wie sie sich anfühlt.

Autofokus, Serienbildgeschwindigkeit etc.

Je nach Motiv spielen auch Präzision und Geschwindigkeit des Autofokus und die Serienbildgeschwindigkeit eine Rolle. Diese ist allerdings nicht abhängig von der Sensorgröße. Die maximale Geschwindigkeit mit der sich Bilder in Serie aufnehmen lassen, ist für die meisten Fotografen irrelevant. Von einem schnellen und präzisen Fokus hingegen profitiert sicher jeder Fotograf, vor allem, wenn der AF nicht nur unter guten Lichtbedingungen rasch zuschnappt.

Meine 2015 auf den Markt gekommene E-M5 II ist noch nicht in der Lage für Vögel im Flug ausreichend schnell zu fokussieren. Dieses Motiv wurde mir erst mit der E-M1 II zugänglich. Es mag sein, dass es schon wieder Modelle gibt, die noch präziser scharfstellen – von Sonys neuem AF-System hört man Sagenhaftes. Aber ob das ausschlaggebend für die Entscheidung für ein System oder gar einen Systemwechsel sein sollte? Nächstes Jahr hat vielleicht schon wieder ein Anderer die Nase vorn. Wirkliche Schwächen scheint sich diesbezüglich jedenfalls kein Hersteller mehr zu erlauben.

Funktionen

Alle Hersteller kochen mit Wasser, die Grundfunktionen sind bei allen Kameras weitgehend dieselben. Die Modelle haben jedoch einen unterschiedlichen Funktionsumfang. Was ich bei Nikon kritisiert habe, war, dass sie den Funktionsumfang von Einsteigerkameras beschränkt haben, indem sie die Software zurück kastrierten – wohl um den Unterschied zu den teureren Modellen künstlich groß zu halten.

Bei Olympus ist das nicht der Fall: Die preiswerteste Modellreihe hat softwareseitig dieselben Funktionen, wie die teuren Modelle. Der Unterschied liegt in der Hardware (Elektronik, Robustheit, Abdichtung, etc.). Auch Panasonic liefert schon bei preiswerten Modellen einen großen Funktionsumfang. Wie das bei anderen Herstellern und bei den neuen spiegellosen Nikon-Modellen aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Von Olympus weiß ich, dass sie einzigartige Funktionen bieten, wie beispielsweise Live-Bulb, Live-Composite und Live-ND zur Langzeitbelichtung, Pro Capture um Aufnahmen einzufangen, bevor man den Auslöser drückt, Perspektivenkorrektur in der Kamera oder Fokus-Bracketing (nicht alles das gibt es nur bei Olympus). Solche Spezialitäten können für manche Fotografen durchaus interessant sein und stellen ein Kriterium bei der Wahl einer Kamera dar, das unter Umständen die Bedeutung von Auflösung, Rauschverhalten oder Dynamikumfang überwiegen können.

Video

Dazu kann ich als Fotograf der nicht filmt nicht viel sagen. Soweit ich es verfolge sind Canon und Panasonic sehr gut darin, Olympus und Nikon scheinen eher hinterher zu hinken. Panasonics MFT-Kameras scheinen bei Vloggern äußerst beliebt. Wer an Video denkt, muss natürlich auch diesen Aspekt bedenken.

DSLR oder Spiegellos?

Dieses Thema scheint mir in den aktuellen Debatten über Kamerasysteme bemerkenswert unterbelichtet. Dabei halte ich es für eine der wichtigsten Fragen, der man sich stellen sollte, wenn man in die Fotografie mit Systemkamera einsteigen möchte. Natürlich stellt sie sich nur mehr bei Nikon und Canon – kein anderer Hersteller hat noch beides. Aber das sind neben Sony die größten Player. Hat DSLR überhaupt noch eine Zukunft? Wenn ich mir die Entwicklung so ansehe habe ich Zweifel.

Nikon und Canon: APS-C oder Vollformat?

Auch das ist eine Frage, die ich mir stelle. Nikon und Canon haben aktuell jeweils vier Systeme: APS-C und Vollformat DSLR und APS-C und Vollformat spiegellos. Ich stelle es mir schwierig vor in Zeiten der Krise rasch ein vollständiges Objektivangebot für die beiden spiegellosen Systeme aus dem Boden zu stampfen und das an Interesse verlierende DSLR-System weiter zu pflegen. Ein Argument gegen MFT lautet häufig, dass Vollformat laufend billiger wird und der kleine Sensor (preislich) bald keine Berechtigung mehr hat. Aber was bedeutet das für die APS-C-Modelle dieser Hersteller? Ich frage mich, ob diese nicht rascher obsolet werden, als das MFT-System dessen Eigenschaften sich viel deutlicher von Vollformat unterscheiden.

Ich stelle damit nicht Fujifilms APS-C-System in Frage. Fuji hat kein Vollformat, sondern konzentriert sich auf APS-C und Mittelformat. In meinen Augen eine sinnvolle Strategie. Aber APS-C und Vollformat vom selben Hersteller leuchtet mir nicht ein, wenn die Preise für Kleinbildkameras tatsächlich weiter fallen.

Wohlgemerkt: Ich sage weder, dass die DSLR-Systeme von Canon und Nikon bald eingestellt werden, noch dass die APS-C-Spiegellosen dieser Marken ein kurzes Dasein fristen werden. Ich habe keine Kristallkugel! Ich stelle nur Fragen, von denen ich glaube, dass sie bedenkenswert sind.

Preisfrage

In der Bewertung der Preise einer Kamera scheinen Manche sehr simpel zu rechnen: Eine MFT-Kamera mit einem Viertel so großen Sensor wie Vollformat darf nur ein Viertel kosten. Das ist Unsinn! Eine Kamera ist keine Wurst, deren Qualität und Preis sich an der Menge Dekagramm bemessen lässt – das ist auch bei Wurst Blödsinn. Ein kleinerer Sensor ist billiger in der Herstellung – das ist richtig. Aber der Sensor ist nur ein Bauteil von vielen. Sowohl Qualität und Verarbeitung des Gehäuses, als auch die ganze Elektronik die sich darin befindet, tragen zum Preis bei. 3000 Euro für eine MFT-Kamera deren Elektronik und Gehäuse mit einem 6000-Euro-Vollformatmodell vergleichbar sind, scheinen mir auch dann angemessen, wenn der Sensor nur ein Viertel misst.

Und jetzt? MFT, APS-C oder Vollformat?

Kompliziert? Jedenfalls zu komplex, als dass man die Frage einfach auf größer ist besser reduzieren könnte. Meine Erläuterungen sollen zeigen, dass eine Kamera mehr ist, als Sensorgröße. Dass die Themen Auflösung, Rauschverhalten, Dynamikumfang und Bokeh viel zu aufgeblasen sind, und in der Praxis für die meisten Fotografen, in den meisten Situationen und für die meisten Ausgabebedingungen schlicht irrelevant sind. Alle Hersteller kochen mit Wasser, bei keinem wird man eine schlechte Kamera finden. Kameras im selben Preissegment deren Einführung nicht allzu weit auseinander liegt, werden unterm Stich vergleichbares leisten. Jede Einsteigerkamera liefert heute bessere Resultate als vor zehn Jahren professionelle Topmodelle – und möchte ernsthaft jemand behaupten, dass man vor zehn Jahren nicht professionell fotografieren konnte? Wer nicht in der Lage ist mit jeder derzeit auf dem Markt befindlichen Kamera professionelle Resultate zu erzielen, kann nicht fotografieren!

Wofür also soll man sich entscheiden? Wer nicht plant seine Kamera durch die Gegend zu schleppen und es sich leisten kann und will, hat wenig Grund auf die unbestreitbaren Vorteile des Vollformats zu verzichten. Wer sich hingegen gerne von seiner Kamera begleiten lässt und keinen Blick auf die MFT-Modelle wirkt, ist selbst schuld. APS-C liegt wie gesagt dazwischen.

Tatsächlich zählt, wie sich eine Kamera für einen anfühlt, ob sie gut in Händen liegt, ob man die Haptik mag und ob man sich bei der Bedienung gleich irgendwie zuhause fühlt. Wenn man eine Kamera in die Hand nimmt und das Gefühl hat, die will ich haben, dann ist das auch meist die richtige. Egal ob da ein MFT-, APS-C- oder Vollformatsensor drin steckt. Wer das Bauchgefühl beim Kauf eines Systems übergeht, wird es wahrscheinlich bereuen. Das gilt natürlich auch dann, wenn der Bauch einem sagt, dass man möglichst viel Auflösung mit möglichst guter High-ISO-Performance und dem bestmöglichen Dynamikumfang haben muss. Wenn sich jemand an maximaler Qualität in der Vergrößerung freut, dann ist daran nichts auszusetzen. Kritisch betrachte ich es nur, wenn Leute ihren persönlichen Glauben zur Religion für alle erklären wollen.

Natürlich ist auch das eine Vereinfachung. Auch Liebe auf den ersten Blick ist keine Garantie dafür, dass man mit einer Kamera oder einem System dauerhaft glücklich wird. Datenblätter, Testberichte und Ratschläge von Freunden sind es aber noch viel weniger, auch nicht lange und ausschweifende Blog-Artikel. Man muss es ausprobieren und riskieren sich falsch zu entscheiden. Nur die Zeit, die Praxis und die Erfahrung werden zeigen, ob man sich richtig entschieden hat. Vielleicht wechselt man dann das Sensorformat. In welcher Richtung auch immer.

Ich bin nicht allein mit meiner Ansicht, dass man auch mit kleinen Sensoren großartige Fotos machen kann. Wer auch andere Stimmen zu diesem Thema hören möchte, findet unter »Fotografen, Gründe und Argumente pro Micro FourThirds (MFT)« eine Sammlung an Videos von Fotografen die dasselbe behaupten.

Catalina mag Tethered Shooting nicht

Posted in Digitale Dunkelkammer

Nicht nur der Olympus Camera Updater ist unter Mac OS 10.15 schwer dazu zu bringen mit Olympus’ Server zu kommunizieren, auch Olympus Capture versteht unter dem aktuellen Betriebssystem nicht mehr so recht mit den angeschlossenen Kameras. Funktionierte Tethered Shooting bei mir mit dieser Software bislang immer reibungslos, geht im Moment gar nichts.

Zunächst habe ich Olympus Schlamperei bei der Aktualisierung ihrer Software unterstellt. Aber der MFT-Hersteller scheint mit dem Problem nicht allein dazustehen. Bereits vor zwei Wochen erhielt ich eine Nachricht von Phase One, dass Tethered Shooting mit Capture One Pro unter 10.15.2 nicht funktionieren würde. Eine kurze Recherche ergab, dass anscheinend auch Anwender von Canons Tethered-Shooting-Lösung über Probleme klagen.

Es ist sicher nicht einfach die Weiterentwicklung der Leistung und Sicherheit eines Betriebssystems mit der reibungslosen Kompatibilität mit den Anwendungsprogrammen unter einen Hut zu bringen. Manchmal fragt man sich aber schon, ob sich die Anwendungsprogrammierer ausreichend auf bevorstehende Upgrades vorbereiten und, wie viel Rücksicht die Betriebssystemhersteller auf die Entwickler der Anwendungsprogramme nehmen. Vom Anwender zu verlangen, dass er die Probleme behebt, scheint mir keine ganz optimale Lösung zu sein.

Olympus antwortet

Posted in etc.

Ich schrieb gestern einen Artikel mit dem Titel »Olympus antwortet nicht«. Darin ging es um ein paar Probleme, die ich mit Produkten von Olympus habe und vor allem darum, dass man sich nicht mehr meldet, wenn die ersten Ideen zur Problemlösung nicht helfen. So war das im Frühjahr geschehen – allerdings wegen einer Kleinigkeit, weshalb ich mich nicht weiter darum bemühte. Auf eine vor zehn Tagen übermittelte Nachricht blieb dann bisher wieder eine Antwort aus, was mich vorgestern zum besagten Artikel veranlasst. Heute nun hat sich Olympus doch gemeldet, weshalb ich besagten Artikel aus dem Blog gelöscht habe. Man mag die Verzögerung kritisieren, ich muss mich selbstkritisch allerdings auch fragen, ob ich nicht ein paar Tage mehr mit Schreiben des Artikels hätte warten können.

Ein Problem ist nun behoben. Nach dem Betriebssystem-Upgrade auf Mac OS 10.15 Catalina ließ sich Olympus’ Camera-Update-Programm nicht mehr starten. Diese Funktion ist nun in Olympus Workspace integriert (in meinen Augen als Capture-One-Anwender eine suboptimale Lösung), konnte aber bisher keine Verbindung zum Olympus-Server aufbauen. Der Grund ist, dass das Mac-Betriebssystem das Programm zur Kommunikation unterdrückt. Damit es funktioniert, muss nach einer Neuinstallation des Programms und vor dem Neustart des Betriebssystems in den Systemeinstellungen des Mac, unter Sicherheit • Allgemein • Apps von Olympus erlauben aktiviert werden. Und sogar das führte erst zu einem Erfolg, nachdem ich meinen Benutzer-Library-Ordner nach allem das »Olympus« enthält durchsucht, und es gelöscht habe.

Ich kann nicht beurteilen, ob die Verantwortung für dieses Installationsdesaster eher bei Olympus oder bei Apple zu suchen ist, aber zumindest kann ich nicht erkennen, dass man sich bei Olympus besonders große Mühe gegeben hat, die betroffenen Anwender auf die Probleme hinzuweisen und durch den Installationsprozess zu führen.

Lumix G Leica Vario Elmar 100–400mm – Panasonic reagiert

Posted in Erfahrungsberichte

Seit letztem Herbst habe ich mich in mehreren Artikeln dem Umgang von Panasonic mit Problemen mit einem als staub- und spritzwasserfest beworbenen Objektiv gewidmet (leider nicht die einzige zweifelhafte Erfahrung mit Panasonics Kundenservice). Vor einigen Tagen hat sich dann Panasonic Deutschland (wovon Panasonic Österreich ein Ableger ist) endlich bei mir gemeldet. Ob das Dank der Intervention eines befreundeten Fotografen mit Kontakt nach Hamburg gesehen ist, oder ob es durch das Multimedia-Team von Panasonic, die ich via Twitter auf meine Artikel aufmerksam gemacht habe, geschehen ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls hat sich ein Mitarbeiter telefonisch gemeldet. In einem freundlichen Gespräch hat er mir mitgeteilt, dass man meine Angelegenheit zum Anlass nehme die Abläufe im Kundenservice zu überprüfen und womöglich zu verbessern, und dass mein Objektiv von Panasonic durch ein neues ersetzt wird.

Somit hat die Angelegenheit für mich für den Moment ein Happy End. In Zukunft werde ich wohl darauf achten, dass das Objektiv trotz der versprochenen Abdichtung gegen Staub, irgendwie verpackt ist, wenn ich mich damit in Sand und Wind begebe. Ich hoffe jedoch, dass die Sache etwas mehr bewegt, als nur den Austausch meines Objektivs. Gute Produkte sollten auch mit einem guten Service einhergehen. Und wenn meine Probleme – wie z.B. in einem Kommentar – Einzelfälle darstellen, dann sollte ein Unternehmen doch in der Lage sein kulant damit umzugehen.

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Bokeh und Schärfentiefe sind nicht dasselbe!

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Olympus E-M1 (Mk1) | Voigtlaender 42,5 ƒ0,95 Nokton | 1/250s | ISO200 | Kabellose Systemblitze | Exposure X

Diskussionen über Kamerasysteme drehen ich beinahe ausschließlich um vier Faktoren: Auflösung, High-ISO-Performance, Dynamikumfang und »Bokeh«. Dabei hat ein Kamerasystem dutzende Eigenschaften – und ich meine damit wirklich viele Dutzend! Ob es Zufall ist, dass ausgerechnet Eigenschaften im Zentrum der Debatten stehen, mit denen sich die vermeintliche Überlegenheit von Vollformat belegen lässt?

Ich vermute, viele Fotografen halten diese vier Aspekte deshalb für von so zentraler Bedeutung, weil viele Fotografen behaupten, dass sie das sind. Ich glaube aber, dass es nicht möglich ist herauszufinden, was für einen persönlich von echter Bedeutung ist, wenn man sich darauf verlässt, was andere als bedeutend proklamieren. Man kann nur selbst herausfinden, was für einen das Optimale ist. Das birgt natürlich das Risiko, etwas zu kaufen, das sich in der Praxis nicht bewährt. Ich habe schon Unmengen an fotografischem Zubehör gekauft, das meinen praktischen Anforderungen nicht gerecht wurde. Allerdings ist die Qualität von Kameras und Objektiven heute quer über alle bekannten Marken hinweg dermaßen hoch und die Technik so weit entwickelt, dass die Wahrscheinlichkeit ein für den eigenen Anspruch völlig ungeeignetes System zu erwischen ausgesprochen gering ist.

Über Auflösung habe ich schon viel, über Rauschverhalten einiges gepostet – ich denke dem Thema Dynamikumfang werde ich mich demnächst einmal zuwenden. Heute möchte ich mich einem Missverständnis bzw. einer Missinterpretation von Bokeh widmen.

»Bokeh« kommt aus dem Japanischen, und steht für die Qualität der Unschärfe einer Aufnahme. Praktisch quer durch die ganze Blogo- und Vlogosphäre wird Bokeh mit geringer Schärfentiefe gleichgesetzt. Doch das entspricht nicht der eigentlichen Bedeutung des Wortes. Eine Kamera-Objektiv-Kombination kann zu einer ausgesprochen geringen Schärfentiefe führen und gleichzeitig ein unschönes Bokeh erzeugen.

Selbst fasziniert von geringer Schärfentiefe habe ich mir zu meiner zweiten OM-D – der E-M1 – ein manuelles Voigtlaender 45mm ƒ0.95 Nokton gekauft. Bei Porträts vor dem einfarbigen Hintergrund des Studios hat das zu absolut wunderbaren Aufnahmen geführt – ich liebe jedenfalls den Charakter des Porträts oben. Vor unruhigem Hintergrund hingegen erzeugte diese Linse ein Bokeh mit dem ich mich überhaupt nicht anfreunden konnte.

Olympus E-M1 (Mk1) | Voigtlaender 42,5 ƒ0,95 Nokton | 1/2500s | ISO200 | Capture One Pro

Unten ist ein 100%-Ausschnitt aus dem Foto oben zu sehen. In den kontrastreichen Details im Unschärfebereich zeigen sich pinke und sattgrüne Farben, die da nicht hin gehören. Das Objektiv erzeugt zwar eine sehr geringe Schärfentiefe (vergleichbar mit ƒ1.8 bei Vollformat) aber das Bokeh ist definitiv nicht schön.

Ein Objektiv mit dem ich einige Zeit besonders gerne fotografierte, war das Sigma 24mm ƒ1.8 (an der Nikon D700). ƒ1.8 ist eine enorme Lichtstärke für ein 24mm Weitwinkel und ermöglicht Aufnahmen mit ganz speziellem Charakter. In den meisten Fällen erhielt ich damit ein schönes Bokeh. In der speziellen Situation unten jedoch wirkt das Bokeh harsch und hart.

Nikon D700 | Sigma 24mm ƒ1.8 | 24.mm | ƒ2 | 1/40s | ISO200

Es ist eine Tatsache, dass das MFT-System bei vergleichbarer Brennweite und selber Blende eine um zwei Blendenstufen größere Schärfentiefe abbildet, als Vollformat. Das heißt aber nicht, dass man behaupten kann, Vollformatobjektive hätten ein um zwei Stufen schöneres oder besseres Bokeh. Die Qualität von Bokeh lässt sich zwar subjektiv beurteilen, aber nicht objektiv messen!

Die Schärfentiefe von MFT ist unter vergleichbaren Bedingungen zwar geringer als mit größeren Formaten. Nach meinem Dafürhalten liefern sie aber oft eine besonders weiche und attraktive Weichzeichnung. Als ich zum ersten Mal mit der E-M1 fotografierte hatte ich ein geliehenes 12–50mm ƒ3.5–6.3 im Einsatz. Was mich dabei überrascht hat, war das attraktive Bokeh, das es in Porträtsituationen abgebildet hat, obwohl doch ƒ6.3 bei 100mm KB alles andere als berauschend klingt.

Rückblickend und mit der Erfahrung von heute betrachtet sehe ich zwar, dass der Hintergrund keine besonders ausgeprägte Unschärfe zeigt, allerdings doch ausreicht, um ein Subjekt vom Hintergrund hervorzuheben. Ich wage auch zu behaupten, dass weniger und dafür weiche Unschärfe besser für den Charakter einer Aufnahme ist, als starke jedoch unruhige Weichzeichnung. Dass Betrachter die selbst nicht fotografieren (und nicht von Bokeh besessen sind) etwas detailliertere Hintergründe sogar bevorzugen, gegenüber völliger Auflösung jeglicher Struktur in Unschärfe, legt ein Video nahe, das ich hier geteilt habe.

Ich möchte damit den Faktor Bokeh nicht klein reden. Ich habe schon einige Aufnahmen gesehen, von denen ich sicher bin, dass sie so mit meinem MFT-System nicht zu machen gewesen wären. Ich hatte einmal das Vergnügen mit einem Nikkor 200mm ƒ2.0 zu fotografieren. Das ist ein umwerfendes Objektiv mit dem sich ganze Personen von Kopf bis Fuß vom Hintergrund freistellen lassen – ich habe nichts, womit ich das annähernd erreichen könnte. Das Objektiv liefert gleichzeitig extrem geringe Schärfentiefe und ein ausgesprochen angenehmes cremiges Bokeh. Aber es hat knapp 3kg und kostet knapp 7000 Euro. Um in so etwas zu investieren braucht man gute Gründe und um es mit sich herumzuschleppen bräuchte man starke Schultern und Rückenmuskulatur.

Selbstverständlich gibt es auch für wenig Geld Vollformatlinsen mit schönem Bokeh – für das DX Nikkor 35mm ƒ1.8 (155 Euro bei Amazon) oder das Nikkor 50mm ƒ1.8 (149 Euro bei Amazon) kann ich das aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich kann aber ebenso aus eigener Erfahrung betätigen, dass mich die etwas geringere Schärfentiefe fotografisch nicht in irgendeiner weise einschränkt und ich nicht im mindesten den Eindruck habe, dass meine MFT-Aufnahmen schlechter wären, als meine Vollformatfotos. Nicht zuletzt, weil Bokeh nicht dasselbe ist, wie geringe Schärfentiefe. Und weil Schärfentiefe nur ein Faktor von vielen ist.

Nachtrag: Was in der Diskussion übrigens meist unter den Tisch fällt, ist, dass mehr Schärfentiefe nicht grundsätzlich nachteilig ist. Bei Makro und Gruppenaufnahmen unter Low-light-Bedingungen ist es ein Vorteil. Wenn diese beiden Themen in der eigenen fotografischen Arbeit eine wesentliche Rolle spielen, kann man sogar mit Fug und Recht behaupten, dass kleinere Sensoren in Sachen Schärfentiefe besser sind.

Video: James Popsys über Bildrauschen (und zwei weitere Videos)

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Was James Popsys in diesem Video über Bildrauschen sagt, deckt sich im Wesentlichen mit dem, wie ich darüber denke. Bei den allermeisten von mir eingefangenen Motiven bei denen es – weshalb auch immer – zu Bildraschen gekommen ist, stört es mich nicht, oder es unterstützt sogar die Stimmung der Aufnahme. Manchmal füge ich Bildern die zu clean wirken Rauschen hinzu, was sich dann »Grain« (Korn) nennt, so wie es auch Popsys erwähnt. In meinen Augen ist der Unterschied zwischen Rauschen und Korn eher akademischer Natur – einem Laien lässt er sich wohl kaum einleuchtend erklären.

Natürlich gibt es Motive bei denen Rauschen die Qualität nicht nur theoretisch mindert – ich schreibe hier theoretisch, weil jegliches Rauschen die Detailschärfe und damit die Abbildungsqualität mindert, aber gute Fotos nicht wegen ihrer Abbildungsqualität gute Fotos gut. Ein gutes Foto zeigt in interessantes Motiv fotografisch gekonnt eingefangen. Detailschärfe und Rauschfreiheit sind im Verhältnis zu diesen beiden Faktoren von geringer Bedeutung. Solchen Details wird in der fotografischen Diskussion viel zu viel Bedeutung beigemessen. Rauschverhalten, Auflösung, Dynamikumfang, Schärfentiefe sind Faktoren der Fotografie. Natürlich! Aber eben nur vier von vielen. Bildstabilisierung, Ergonomie, Benutzerführung, Bedienkonzept, Transportabilität, Serienbildgeschwindigkeit, Eigenschaften von Sucher und Display, Fokussierung, Sonderfunktionen (HDR, Fokusstacking, Live-Langzeitbelichtung), Abdichtung gegen Umwelteinflüsse, Verarbeitungsgeschwindigkeit und viele weitere Aspekte spielen eine Rolle für den Wert und den Nutzen einer Kamera für einen bestimmten Fotografen.

Ich weiß natürlich aus eigener Erfahrung, dass gerade wenn man Tiere fotografiert jegliches Rauschen ein Störfaktor ist. Der flauschige Pelz eines Eichhörnchens und die feinen Details im Gefieder eines Vogels leiden darunter. Zumindest theoretisch. Theoretisch, weil man die Qualitätsminderung in der Vergrößerung am Monitor definitiv erkennen kann. Die Frage ist allerdings, ob dieser Unterschied auch praktisch und ohne Lupe in einem Ausdruck zu erkennen ist. Oder ob man es an einem Monitor oder Fernseher bei Wiedergabe des gesamten Bildes noch erkennen kann, wenn man sich beispielsweise eine Diashow ansieht.

Das bringt mich zurück auf das Video von James Popsys und die Stelle, an der ich dachte, das ich es teilen muss. Ab Minute 7:09 sagt er in etwa: »Wenn du unsicher bist, ob ein Bild gut ist oder nicht, dann frag dich, ob du immer noch glücklich damit wärst, wenn du es mit ISO6400 geschossen hättest. Wenn die Antwort ja ist, dann hast du ein großartiges Foto gemacht. Wenn die Antwort nein ist, hast du ein Foto das nett ist, weil es wenig Rauschen enthält, was etwas komplett anderes ist, als ein gutes Foto.«

Als ich diesen Beitrag zu schreiben begann, fielen mir noch zwei weitere Videos ein, die ich dieser Tage sah, die ich an sich teilenswert fand und auf die ich zunächst via Link verweisen wollte. Aber anstelle eines Links kann ich sie natürlich genauso gut einbetten, weshalb sich unten noch zwei weitere Videos finden. Im ersten erzählt noch einmal Popsys, dass es beim Fotografieren nicht darum gehen sollte Punkte zu sammeln, wie man es (beispielsweise) beim Golf tut. Wer dauernd mit dem Anspruch mit großartigen Bildern nachhause zu kommen vor die Tür geht, wird enttäuscht werden. Oft rückt man aus und kommt nicht mit einem einzigen wirklich guten Foto nachhause.

Man sollte nicht mit der Erwartung bei jeder Fotosession ein Album voller galeriereifer Kunstwerke zu ernten fotografieren. Vor allem, wenn man nicht darauf angewiesen mit seinen Fotos den Lebensunterhalt zu verdienen, sollte es um die Leidenschaft des Tuns gehen (Nebenbemerkung: auch Berufsfotografen werden selten beauftragt Kunstwerke zu kreieren, sonder eher Produkte, Portraits oder Events abzulichten). Wer die Fotografie sowohl ohne Bezahlung als auch ohne Leidenschaft ausübt, am Prozess des Fotografierens an sich keine Freude hat, und nur ausrückt, um später großartige Fotos herzeigen zu können, ist in meinen Augen selbst schuld. Er (oder sie) sollte die Zeit besser mit Beschäftigungen verbringen, die ihm tatsächlich Spaß machen (ganz abgesehen davon, dass es ohne Leidenschaft ohnehin noch schwieriger sein dürfte bemerkenswerte Fotos einzufangen). Popsys sagt dasselbe, was auch ich immer wieder über Fotografie sage: Der Weg sollte das Ziel sein.

Ergänzend zum Video oben finde ich das folgende von Jamie Windsor sehenswert.

Ich persönlich sehe meine alten Bilder nicht ganz so kritisch, wie Jamie Windsor. Manche davon finde ich noch immer gut und mit vielen bin ich zumindest deshalb zufrieden, weil ich sie für gut für meinen damaligen Stand des Wissens und Könnens halte. Diese etwas unkritischere Haltung gegenüber dem, was ich gestern fotografierte, könnte natürlich daran liegen, dass ich erst gar nicht mit dem Anspruch Kunst zu kreieren fotografiere. Es geht mir eben viel mehr um den Prozess des Fotografierens an sich geht. Etwas überspitzt könnte man sagen, dass es fast schon ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass dabei immer wieder auch Bilder hängen bleiben, die ich noch später gerne sehe, weil sie entweder gut gelungen oder mit einer Erinnerung verbunden sind.

Seit ich das Video oben sah und mir dachte, das sollte ich doch schnell teilen, sind 1,5 Stunden vergangen. So geht es mir oft, wenn ich denke ich könnte noch schnell einen Post für meinen Blog schreiben. Und dabei wollte ich heute doch zum Fotografieren ausrücken. Nun, vielleicht nach dem Mittagessen.

Langzeit und HDR Freihand

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Olympus E-M5 II | M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0–5.6 | 14mm (28mm KB) | ƒ5.6 | BKT 1/3s–5s | ISO1600 | Belichtungen mit Aurora HDR zu HDR-Bild vereint

Ich schrieb kürzlich, dass ich das Spielerische in der Fotografie zurückgewinnen möchte. Das heißt Augen offen halten und neugierig für alles zu sein, es bedeutet für mich aber auch mit der Technik zu spielen.

Parallel beschäftige ich mich auch intensiv mit der Frage ob man mit MFT professionell fotografieren kann. Für mich selbst ist das zwar kein Thema, da ich der Ansicht bin, dass ich es kann. Das entnehme ich unter anderem dem Feedback auf die Bilder in meiner kreativen Fotoschule, die überwiegend von MFT-Kameras stammen. Aber da das leidige Thema in Blogs, Vlogs und Foren endlos zu Tode gekaut wird lässt mich nicht unberührt.

Das Thema Auflösung habe ich ausreichend untersucht und da ich regelmäßig Fotos in A3+ drucke, am Flur der Wohnung aufhänge und niemand würde sagen können, welche Aufnahme mit Vollformat und welche MFT entstanden ist, ist das Thema für mich gegessen. Was mich jetzt mehr interessiert ist die oft geäußerte Kritik an der Low-light-performance von MFT. Deswegen bin ich schon vor ein paar Tagen während des Tages in unsere Pfarrkirche hinein, um ein paar Testaufnahmen zu machen, und gestern habe ich ein paar nach Sonnenuntergang von außen eingefangen.

Um es möglichst sportlich zu nehmen, habe ich die etwas ältere, geringer aufgelöste und mit einfacherer Bildstabilisierung ausgestattete Olympus E-M5 II gewählt. Die Aufnahme oben ist ein HDR-Bild aus einer Belichtungsreihe mit fünf Aufnahmen von 1/3s bis 5s – insgesamt dürfte die Aufnahme der Reihe etwa 10s gedauert haben.

Um die Kamera etwas zu stabilisieren, habe ich sie auf einem Pfosten aufgesetzt, der allerdings keinen stabilen Halt bot. Bei solchen Aufnahmen habe ich immer das Gefühl, dass ich die Aufnahme verwackle, weil ich sie nicht stabil genug halten kann, wenn ich versuche sie locker zu halten, und wenn ich sie fester in den Griff nehme verkrampfe ich etwas und verwackle deshalb.

Nicht alle Belichtungen und Belichtungsreihen die ich aufgenommen habe, sind ausreichend scharf ausgefallen, aber eine (von drei oder vier Reihen) war gut genug um mit Aurora HDR ein HDR-Bild daraus zu generieren. Die Details der Aufnahmen sind etwas unscharf, was bei der langen Verschlusszeit aber nicht verwundern darf. An die Wand hängen würde ich das Bild jedenfalls nicht. Allerdings schaffen heute ohnehin nur wenige Fotos den Weg auf Papier und für die Wiedergabe am Bildschirm halte ich das Resultat für nicht schlecht. Vom Bildrauschen her ist die Aufnahme nicht als clean, aber ohne Details unter die Lupe zu nehmen ist es unauffällig. Bei der Kombination aus Dunkelheit, langer Verschlusszeit und hoher ISO-Empfindlichkeit würde kaum eine Kamera absolut rauschfreie Aufnahmen liefern. Aufwändige oder besonders kräftige Rauschreduzierung habe ich keine angewendet.

Die Aufnahme unten ist eine einzige Belichtung, bei der ich Schatten und Lichter in Capture One Pro 20 verbessert habe. Die Detailschärfe ist tadellos, das Rauschen auch hier keine große Angelegenheit.

Olympus E-M5MarkII | M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0-5.6 | 11mm (22mm KB) | ƒ5.6 | 0,6s | ISO1600 | Capture One Pro

Kein Moment ist wie der andere

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Forstweg am Rheinholz | Olympus E-M1MarkII | M.Zuiko 12–100mm ƒ4 | 25mm (50mm KB) | ƒ5.6 | 1/30s | ISO800 | Software: Exposure X5

Vorgestern schrieb ich, dass ich versuche das Spielerische in der Fotografie zurückzugewinnen. Ich bin zu fokussiert und zu fixiert auf wenige Themen geworden. Ich gehe nicht mehr mit der Neugier eines Anfängers durch die Welt, der sich bei allem was er sieht die Frage stellt: Wie sieht das wohl durch das Auge der Kamera aufgenommen aus? Mit der Zeit habe ich mir immer öfter gesagt, ach, das habe ich doch schon dutzende Male fotografiert, und habe es gelassen es noch ein weiteres Mal abzulichten. Dabei ist kein Sonnenuntergang wie ein anderer, kein Mensch wie ein anderer, keine Blume wie eine andere, jeder Vogel, jedes Wild, jede Katze ist einzigartig. Auch derselbe Weg sieht zweimal gleich aus. Sogar dasselbe starre Objekt lässt sich immer wieder neu entdecken.

Dieser Gedanke kam mir, nachdem ich heute über dieses Video gestolpert bin. Ich habe es auch als Ergänzung an das Ende des Artikels »Fotografen und Techniker« gestellt, da es gut dazu passt.

Ich glaube nicht, dass die Fotografen deren Namen große Namen in der Fotografie geworden sind, das geplant hatten, als sie die Fotografie zu entdecken begannen. Ich glaube, die meisten der großen Künstler in der Fotografie haben ihre Kunstwerke primär durch spielerischen Umgang und Neugier geschaffen. Neues zu entdecken kann man nicht planen. Man kann es suchen. Aber finden lässt sich nur, wovon zumindest eine Ahnung vorhanden ist.

Ich zweifle nicht daran, dass bei vielen großen Künstlern ein gewisses Marketinggeschick Anteil am Erfolg hatte. Doch im Schaffensprozess der Kunst an sich, kann der Anspruch stets einzigartige Kunst zu machen nur zu Verkrampfung führen – das Gegenteil dessen, was für einen freien und lockeren Umgang mit einer Thematik notwendig ist. Ich denke, die Fotografen die die Fotografie wirklich revolutionierten, haben einfach ihr Ding gemacht, ohne zu überlegen, ob das jetzt große Kunst ist oder nicht. Sie werden neue Wege gesucht habe, versucht zu machen, was noch niemand gemacht hat. Aber eben mehr um das Erkunden neuer Wege willen, als auf Basis einer Planung eines Tages in die Geschichte der Kunst einzugehen.

Das ist natürlich nicht nur in der Fotografie so. Auch in der Musik kann ich mich an keine Revolution erinnern, von der ich wüsste, dass sie von den Protagonisten geplant worden wäre. Kommerzieller Erfolg lässt sich planen. Doch die künstlerischen Innovationen kamen stets von Leuten, die einfach ihr Ding durchgezogen haben.

Leicht unterwegs

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Vor einiger Zeit wurde mir bewusst, dass mir in der Fotografie die Leichtigkeit und das Spielerische verloren gegangen ist. Wenn ich zum Fotografieren ausrücke, dann praktisch nur mehr mit zwei Kameras, einem Supertele, einem Standardzoom, Tragesystem für die Ausrüstung und Rucksack auf dem Buckel.

Ich erinnere mich gut an meine erste Zeit mit der Olympus OM-D E-M5 und den Spaß den mir die kleine Kamera machte. Sie gilt als die erste wirklich gute spiegellose Systemkamera. Und nicht nur deshalb ist sie in meinen Augen der bedeutendste Meilenstein im Kameradesign seit Luigi Collani in den 1980er Jahren für Canon eine Kamera mit organischer Form gestaltet hat. Olympus hatte bereits mit der ersten Pen den Retro-Trend losgetreten. Schon damit ist es Olympus’ Designern gelungen nicht einfach neue Technik in altes Design zu packen. Vielmehr haben sie die klassischen Designs neu interpretiert. Das gelingt niemandem so gut wie Olympus (Leica ist ein anderes Thema). Und mit der OM-D E-M5 gelant es ihnen besonders gut. Ich war damals zwar überzeugter Nikon-User, doch in das Design der E-M5 verliebte ich mich bereits als ich nur einen Ausschnitt des Body auf einer Gerüchteseite sah. Der Ausschnitt findet sich am Ende eines Artikels von 2012.

Wenn ich mich recht erinnere hatte ich für meine E-M5 in der ersten Zeit nur ein 20mm Panncake von Panasonic und ein 45mm ƒ1.8 M.Zuiko. Ich liebte die Kamera. Sie erinnerte mich an die analogen Spiegelreflexkameras meines Vaters in den 70er Jahren. Nicht die Form allein. Auch die Haptik hat mehr mit deren Metallgehäuse gemein, als mit den Plastikbombern die Kameras seit den 80ern sind. Eine Yashica FX-1 (1975) oder Olympus OM-1 (1972) Spiegelreflexkamera haben recht genau dieselben Maße. Kameras waren damals nicht so fett, wie sie ab den 90ern und noch vielmehr digital geworden sind.

Klappdisplay, elektronischer Sucher, Vergrößerung bei manueller Fokussierung, Auslösen per Touch und ein AF der sich, im Vergleich zur Lumix G3 die ich davor hatte, extrem bissig anfühlte, ließen mich Fotografie ganz neu entdecken.

Das war 2013. Nachdem ich die E-M1 getestet habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft und bin auf Olympus umgestiegen. Leider ist mir der Grund weshalb ich den Wechsel gemacht habe – die Leichtigkeit die mir das System vermittelte – über die Jahre abhanden gekommen. Ich spreche jetzt nicht von Gewicht. Ich meine Leichtigkeit im Sinn von mühelos. Die E-M5 machte Fotografie für mich zu dem Kinderspiel, das sie einmal war als ich damit angefangen habe.

Wenn ich meine Enkelinnen beobachte, sehe ich, was mir verloren gegangen ist. Sie – vor allem die Jüngere – betrachten die Welt voller Neugier. Jeder Kieselstein kann sie faszinieren und fesseln. Und danach der nächste Kiesel daneben. Sie sehen auf einem Meter mehr Faszinierendes, als wir oft bei einem ganzen Spaziergang durch unsere Stadt.

Ich möchte diese Leichtigkeit zurück holen. Nicht die der Kinder – das wäre etwas vermessen. Aber die Leichtigkeit die ich verspürte als Fotografie für mich neu war und die ich 2013 mit der E-M5 wieder entdeckte. Deshalb habe ich mich heute entschlossen mit leichter Gerätschaft auf den Weg zu gehen. Natürlich mit einer Festbrennweite. Einen Moment überlegte ich die E-M1 II mit einem 25mm ƒ1.2 zu nehmen. Dann entschied ich mich aber doch anders und wählte kleinere E-M5 II mit der winzigen 15mm ƒ1.7 Lumix-Linse.

Wenn man kein Kind im Vorschulalter mehr ist, ist unser Ort leider wirklich keine Goldgrube für Entdeckungen. Ein Abstecher in die Pfarrkirche der Gemeinde war schon geplant. In Kirchen herrscht meist Low-light und da mir das Thema High-ISO heute schon untergekommen ist, lockte es mich für ein paar Aufnahmen dahin.

Danach machte ich einen Abstecher in den Wald um ein paar Aufnahmen des Bachs dort in Langzeit einzufangen. Einen variablen ND-Filter dafür hatte ich dabei. Für die Fotos stieg ich ins Bachbett und folgte ihm einige Meter um mehrere Aufnahmen zu machen. Ich möchte nicht von Wunder sprechen, aber etwas Glück war wohl dabei, dass ich nicht mit dem Fuß in den Bach getreten oder ganz hinein gefallen bin. Die Bilder aus dem Bachbett habe ich anschließend überwiegend wieder entsorgt. Zwar waren mir trotz mehrerer Sekunden Verschlusszeit aus freier Hand ein paar scharfe Langzeitbelichtungen gelungen. Aber Detailschärfe allein macht halt noch kein herzeigbares Foto.

Begeistert hat mich anschließend auch die Entwicklung der Aufnahme in Capture One Pro 20. Mit dem neuen HDR-Tool lässt sich wirklich deutlich mehr aus Tiefen und Lichtern herausholen als bisher. Dabei habe ich bei mehreren Aufnahmen die Schattenaufhellung an den Anschlag geschoben, ohne dass nennenswertes Rauschen sichtbar geworden wäre. Das sieht vielversprechend aus.

Meine Ausrüstung heute: Olympus OM-D E-M1 II, variabler ND-Filter, Tasche von Tenba, Handschlaufe von Peak Design
Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica DG Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (15mm KB) | ƒ8 | 1/80 | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15.0mm (30mm KB) | ƒ1.8 | 1/1250s | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ1.7 | 1/640s | ISO200 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf einer Belichtung. Lichter und Schatten wurden mit der neuen HDR-Funktion in Capture One Pro 20 verbessert. Rauschen ist trotz ISO1600 praktisch kein Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 1/20s | ISO1600 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf 5 Belichtungen die mit Aurora HDR zu einem HDR-Bild vereint wurden. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass hier die Facettenfenster Zeichnung enthalten, die in der Einzelbelichtung untergehen. Die fünf Aufnahmen entstanden ohne Stativ aus freier Hand. Auch hier wurden die Schatten extrem angehoben. Auch hier ist Rauschen kein nennenswertes Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s–1/80s | ISO200–ISO800 | Aurora HDR und DxO ViewPoiint
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO250 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO500 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO400 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO320 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 2,5s | ISO200 | Capture One Pro 20