Direkt zum Inhalt

Monat: Mai 2016

Gestaltung ist keine Geschmacksache

Posted in Fotografie, and Grafik

Dass Laien denken Gestaltung sei Geschmacksache ist für mich nachvollziehbar. Schwerer nachvollziehen kann ich es wenn Profis diese Position vertreten, schließlich stellt das ihre ganze Profession in Frage oder genauer gesagt: Es negiert, dass es so etwas wie qualitative Unterschiede und somit Professionalität in der Gestaltung überhaupt geben kann.

Wenn gut ist was (irgendjemandem) gefällt brauche ich nur etwas x-Beliebiges zu gestalten und es Kraft meines Geschmacks als gelungen zu adeln. Die Frage des qualitativen Unterschied stellt sich erst, wenn ich anerkenne, dass es diese Unterschiede gibt. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass Gestaltung minder- oder höherwertiger sein kann.

Ohne zumindest relativ objektive Kriterien was gute Gestaltung ist und was eine gestalterische Fehlleistung darstellt kann ich keinen gestalterischen Diskurs mehr führen. Der Versuch sich gestalterisch zu entwickeln führt zwangsläufig ins Leere, wenn das was ich nach Jahren der Erfahrung gestalte, keine besseren Ergebnisse erzielt, als das was ich als absoluter Novize – früher sprach man vom Dilletanten – geschaffen habe.

Ich finde, dass meine gestalterischen Arbeiten – egal ob als Grafikdesigner oder als Fotograf – heute um Welten besser sind als das was ich vor Jahren und Jahrzehnten produzierte. Besser sein kann es aber nur, wenn es qualitative Unterschiede in der Gestaltung gibt und das bedeutet, dass Gestaltung keine reine Geschmacksache ist!

Natürlich steht es niemandem zu den Geschmack eines Individuums zu verurteilen. Was mir persönlich gefällt ist absolut und ausschließlich meine persönliche Privatsache! Wenn ich gerne grüne Gummistiefel zu beigen Cordhosen und Frackjacke trage ist das ausschließlich meine Sache, einen Style-Wettbewerb könnte ich damit aber niemals gewinnen, weder in der Vergangenheit noch in einer irgendwie absehbaren Zukunft.

Wenn ich mein Apfelkompott mit Champignons und Senf esse ist das meine Sache, doch ich darf mich nicht wundern, wenn ich das Freunden zum Essen serviere und anschließend nie wieder jemand meinen Einladungen zum Dinner folgen will.

Wenn ich »Modern Talking« als Krone abendländischen Musikschaffens betrachte steht es niemandem zu mir diese Meinung zu verbieten, doch mich persönlich wundert nicht, dass die belanglosen Ergüsse dieses deutschen Duos in den Playlists der Pop-Sender schon unmittelbar nachdem sie aus den Charts verschwanden keine Rolle mehr spielten.

Natürlich gibt es unterschiedliche Gestaltungsrichtungen und -ansätze, so wie es unterschiedliche Musikrichtungen gibt. Der Eine mag Klassik mögen und bei Pop Ohrensausen bekommen. Der Andere mag mit Jazz liebäugeln und mit Rock nichts anfangen können. Doch wer wollte bestreiten, dass es in jeder einzelnen Richtung anspruchsvollere und handwerklich besser ausgeführte Musik gibt, sowie Werke beziehungsweise Interpretationen die eher von Dilettantismus zeugen. Ich weiß wovon ich schreiben, ich habe Jahre lang dilettantisch den Bass gezupft – die einzigen die unsere Musik wirklich mochten waren unsere persönlichen Freunde (und ein paar Betrunkene).

Auslöser mich dieses Themas anzunehmen ist eine Debatte auf einer Facebook-Seite mit Thema Fotografie. Dort wurde ein Bild eingestellt das man wirklich nur als dilettantisch bezeichnen kann. Sofern dieses Bild mit seiner völlig überzogenen Bearbeitung tatsächlich der Ernst seines Schöpfers ist, sollte man ihm raten sich einem anderen Hobby anstatt der Fotografie zuzuwenden. Ich glaube zwar, dass Gestaltung etwas ist das fast jeder lernen kann, aber dennoch gibt es Leute denen größeres gestalterisches Geschick gegeben ist und solche mit weniger Talent. Und es gibt eben auch Leute die gar kein Händchen für Gestaltung haben.

Um es noch einmal auf Musik und mich persönlich zurück zu bringen: Ich bin kein musikalisches Naturtalent. Ich habe über die Jahre des Musizierens gelernt beim Mitsingen Töne einigermaßen adäquat zu treffen, bin aber hilflos wenn ich frei singen muss. Als Instrumentalist kommt hinzu, dass meine motorischen Fähigkeiten es niemals zulassen werden ein Instrument virtuos zu beherrschen. Als wäre dem nicht schon genug fehlt mir die Fähigkeit beim Spielen die erforderliche Konzentration aufrecht zu erhalten. Es war für mich einfach sinnvoll das Musizieren bleiben zu lassen und mich Beschäftigungen zuzuwenden die eher meinen Begabungen entsprechen. Zwar spräche nichts dagegen weiter für mich selbst im heimischen Kämmerlein den Bass zu zupfen wenn mir das Freude bereiten würde, doch eine nennenswerte Souveränität für öffentliche Auftritte werde ich niemals erreichen.

Nun braucht man nicht jedem der Freude an einer Tätigkeit hat ins Gesicht sagen, dass ihm jegliches Talent fehlt, auch wenn es offensichtlich ist. Ich darf mich aber auch nicht wundern, dass ich ausgepfiffen werde, wenn ich mich auf eine Bühne stelle und Musik zum Besten zu geben versuche ohne einen einzigen Ton zu treffen. Geschmacksache hört da auf, wo ich meinen privaten Bereich verlasse und mich mit meinen Werken an eine Öffentlichkeit wende.

Wenn ich aus dem Badezimmer heraus trete und nicht mehr nur aus reiner Lust am Singen für mich alleine Gassenhauer schmettere, sondern ein Publikum für meine Darbietung beglücke, sollte ich in der Lage sein den Hörgewohnheiten und den Geschmacksvorstellungen einer Öffentlichkeit zu entsprechen.

Natürlich unterscheiden sich die Vorstellung dessen was gute Musik und gute Gestaltung ist je nach zeitlicher Epoche und Kulturkreis. Doch in einer bestimmten Zeit und vor einem bestimmten kulturellen Hintergrund (der üblicherweise noch einmal in Subkulturen untergliedert ist) gibt es doch immer recht klare Vorstellungen davon was gefällt und was ein no-go ist. Die wirklich exzellenten Werke schaffen es sogar ihre Zeit zu überdauern und über ihren Kulturkreis hinaus zu wirken und zu dauerhaften internationalen Klassikern zu werden.

Ich finde es absurd zu behaupten es gäbe keine qualitativen Unterschiede zwischen Mozart und Helene Fischer, zwischen Dürer und dem was ein angehender Hobbymaler vor dem ersten Kurs an der Volkshochschule fabriziert. Wer könnte das ernsthaft behaupten?

Akzeptiere ich generell, dass es so etwas wie qualitative Unterschiede im kreativen Schaffen gibt, muss ich zwangsläufig auch akzeptieren, dass es gelungene und verunglückte Werke gibt und die Behauptung, dass am Ende alles Geschmacksache ist, ist somit widerlegt.

Wäre Gestaltung tatsächlich reine Geschmacksache, bräuchten wir wie gesagt weder Bild- bzw. Designbesprechungen, wir bräuchten keine Ausbildung zur Gestaltung, schon gar keine Unis und Fachhochschulen und wir bräuchten auch keine Wettbewerbe.

Ich teile zwar die Ablehnung von Gestaltungswettbewerben mit Woody Allens Ablehnung gegenüber Filmwettbewerben, und seine Ansicht, dass man nicht Dürer gegen Kandinsky, Rembrandt gegen Picasso, Dali gegen Chagall antreten lassen und einen davon als den besten küren kann, aber ich bin sehr wohl der absoluten Überzeugung, dass all die genannten auf einem deutlich höheren Niveau arbeiten als ich es jemals könnte. Und auch das habe ich in meinem Leben gelernt: Ich mag ein Talent zum Zeichnen und Malen haben, doch zum bildenden Künstler hätte es niemals gereicht.

Pen-F: Mein Fazit

Posted in Fotografie

Vor knapp zwei Monaten habe ich meine ersten Eindrücke zur Pen-F in einem Artikel zusammengefasst. Daran  hat sich an und für sich nicht viel geändert, allerdings kann ich einige Ergänzungen hinzufügen.

Meine besten Kameras

Es wäre absurd zu behaupten Olympus baue DIE besten Kameras. Geht es um Spitzenwerte im High-ISO-Bereich oder immense Auflösungen sind Kleinbildkameras natürlich besser und wenn es darum geht bei sich rasend schnell bewegenden Motiven blitzschnell zuzuschnappen werden spiegellose Systemkameras nach wie vor von DSLRs ausgestochen.

Dennoch will ich behaupten, dass Olympus die besten Kameras FÜR MICH baut. Olympus’ Kamera-Bodys gehören zweifellos zu den schicksten am Markt. Für viele Fotografen mag das nicht von Bedeutung sein und ich respektiere diese Position, doch für mich ist es ein wichtiger Aspekt und manchmal wundere ich mich, dass Fotografen die ja auch Gestalter sind so Emotionslos über die Gestaltung ihrer Werkzeuge denken können.

Dabei besticht Olympus nicht nur bei der Form, sondern auch bei der Haptik. Man mag darüber streiten können ob man Fujis Retro-Interpretationen gegenüber denen von Olympus vorzieht oder ob man sich eher zu Sonys etwas innovativeren Design-Ansätzen hingezogen fühlt. Außer Frage steht für mich aber, dass kein anderer Kamerahersteller Olympus bei der Haptik das Wasser reichen kann, abgesehen natürlich von Modellen die preislich in einer komplett anderen Liga spielen.

Am Ende verhält es sich mit einem Kamerasystem wie mit Schuhen: Es geht nicht darum DAS BESTE Produkt zu finden sondern das PASSENDSTE Paar. Was nutzen schon die besten Kritiken, Spitzenleistungen im Labor, Auszeichnungen und makellose Qualität wenn sie beim Laufen ständig drücken und Blasen verursachen. So wie jeder Fuß anders ist, ist auch jeder Fotograf anders.

Wie ich bereits im ersten Artikel über die Pen-F geschrieben habe wäre sie nicht meine erste Wahl wenn ich mich für eine einzige Kamera entscheiden müsste. Müsste ich mich auf ein Modell beschränken, wäre die E-M5 II mein Favorit, wenn ich sparsam kalkulieren müsste die E-M10.

Die Kamera mit der ich generell am liebsten arbeite ist die E-M1. Ihre Haptik und Ergonomie sind für eine relativ kompakte Kamera perfekt und sie liegt auch mit den heftigsten MFT-Linsen wie Olympus’ 40–150mm oder Panasonics 100–400mm noch hervorragend in Händen. Dennoch würde ich bei einer Beschränkung auf eine Kamera einer E-M5 den Vorzug geben, weil sie eher einen Kompromiss aus Griffigkeit und Kompaktheit darstellt.

Glücklicherweise sind das für mich reine Gedankenspiele, denn ich habe das Glück mich mit mehreren Bodys ausstatten zu können und je nach Aufgabe den passenden zu wählen.

Ideale Begleiterin

Die Pen-F ist eine Straßen-, Reportage-, Reise- bzw. Immer-dabei-Kamera. Sie ist schick, kompakt, relativ unauffällig und somit eine exzellente Begleiterin, ich finde aber nicht, dass sie wirklich gut in Händen liegt – die OM-D-Modelle haben diesbezüglich einfach die Nase vorn. Allerdings ist das auch gar nicht der Anspruch der F. Vielmehr soll sie eben gut aussehen und gut einzustecken sein. Verschiedene Modelle im Angebot zu haben hat ja für einen Hersteller nur einen Sinn wenn sie Unterschiedliches leisten.

Wer gerne mit Zooms vielleicht sogar langen Teleozooms arbeitet sollte sich den Griff zur F zweimal überlegen. Schon mit dem 12–40mm-Pro-Zoom von Olympus fühlt sich die Gewichtung nicht mehr stimmig an. Natürlich verliert sie mit Zooms auch ihre Kernkompetenzen: Sie ist nicht mehr so kompakt und nicht mehr so schick.

Wer zur F greift sollte gerne mit Festbrennweiten fotografieren. Vor allem Olympus’ 12mm ƒ2.0, 17mm ƒ1.8, 25mm ƒ1.8 und 45mm ƒ1.8 sind perfekte Partner, und natürlich das exzellente 75mm ƒ1.8, das aber so etwa die maximale Größe hat die noch gut mit der F harmoniert.

Ich nutze in letzter Zeit als Objektiv für den Alltag primär Panasonics 30mm ƒ2.8 Macro, da es mir die Möglichkeit gibt auch Winzigkeiten einzufangen – die meisten Bilder unten sind damit entstanden. In Sachen Größe harmoniert dieses Objektiv gut mit der F, nicht jedoch bei der Form – Panasonic folgt einer anderen Formensprache als Olympus. Am Ende ist mir natürlich die Funktion von Kamera und Objektiv wichtiger als das schicke Design, weshalb ich darüber hinweg sehen. Es ist nur eben so, wenn ich bei gleicher Funktionalität zwischen einem schicken und einem langweiligen oder hässlichen Design wählen muss, ist es keine Frage wofür ich mich entscheide.

Creative Dial – nichts für mich

Ich war gespannt wie sich die Einstellungsmöglichkeiten in der Kamera und speziell das Creative Dial für mich in der Praxis bewähren. Es macht wirklich Spaß damit zu arbeiten, denn man muss sich während der Aufnahme noch mehr mit dem Bild auseinandersetzen. Zu Entscheidungen über Schärfentiefe, Belichtung und Belichtungskorrektur gesellen sich speziellere Fragen der Bildkorrektur. Das ist eine feine Sache, wenn man auf Bildentwicklung in der digitalen Dunkelkammer verzichtet. Doch es ist keine Frage, dass man mit RAW und individueller Entwicklung in einem guten RAW-Converter weit aus mehr und bessere Möglichkeiten hat. Schon deshalb weil ein 27-Zoll-Monitor in einem gut beleuchteten Raum um Welten besser funktioniert als ein elektronischer Schaukasten hinter einem augengroßen Loch unter der prallen Sonne.

So habe ich nach einigen Versuchen das Thema Creative Dial für mich ad Acta gelegt. Schade, denn das prägnante Einstellrad an der Front wird so mit zum reinen Zierelement.

_PEN0245_3-Sterne

_PEN0244_3-Sterne

_PEN0300_4-Sterne

_PEN0351_4-Sterne

SPEN0369_2-Sterne

_PEN0387_4-Sterne

_PEN0391_4-Sterne

_PEN0407_3-Sterne

_PEN0520_4-Sterne

_PEN0503_4-Sterne

_PEN0474_4-Sterne

_PEN0431_4-Sterne

_4210012_3-Sterne

_PEN0043_5-Sterne