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Monat: November 2013

Auf zu neuen Systemwelten

Posted in Fotografie

Foto am 28 11 13 um 07 22 3

Jetzt hat es mich also auch erwischt. Ich habe immer mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wenn jemand seine ganze Fotoausrüstung verscherbelt hat um zu einem anderen System zu wechseln. Und jetzt wechsle ich selbst von Nikon zu Olympus.

Nun erfolgt der Wechsel nicht, weil ich mit Nikon unzufrieden bin. Für viele stellt die Marke ja eine Glaubensfrage dar. Ich jedoch habe schon immer mit Kameras von Canon, Nikon, Sony, Panasonic und Olympus fotografiert und stehe Pentax, Samsung & Co positiv gegenüber, obwohl ich zugeben muss, dass es Marken gibt die mir besonders sympathisch sind – Fuji zum Beispiel beobachte ich mit viel Interesse – und andere, die ich nicht so mag – Sony ist zwar der innovativste Konzern und ich habe immer ein besseres Gefühl wenn meine Kameras Sensoren von Sony enthalten, aber es gibt auch Vieles was mir dort gar nicht gefällt.

Nikon hat tolle Produkte und wenn man auf Testseiten wie DxO oder dpreview.com schaut, dann ist Nikon dort durchaus dominant. Wären Labortestergebnisse und beste Leistungsdaten ausschlaggebend, würde ich Nikon nicht verlassen. Würde ich primär stationär – im Studio oder an Locations arbeiten, die gut mit dem Auto erreichbar sind – wäre eine Abkehr von Nikon kein Thema.

Aber ich bin ein mobiler Fotograf. Und das Gefühl, das mir eine Kamera gibt, ist mir wichtiger, als Leistungsdaten und Laborergebnisse. Hier hat bei mir Olympus gegen Nikon gewonnen. Das Micro-Four-Thirds-System ist unheimlich kompakt und leicht. Four Thirds hätte mich nie gewinnen können, denn das System war nicht wesentlich kompakter als DSLRs mit DX- oder Vollformatsensor. Aber MFT verdient das »Micro« im Namen absolut. Auf meinem letzten Urlaub in Frankreich begleitete mich die OM-D E-M1 mit drei Festbrennweiten (wobei das 12mm – 24mm KB – auch gereicht hätte) in einer Tasche, die gerade einmal knapp für eine D600 mit einem kompakten Objektiv angesetzt gereicht hätte – dabei hätte die OM-D noch Platz für ein oder zwei weitere Objektive gelassen. Trotz der kompakten Maße und des geringen Gewichts stehen die Ergebnisse der OM-D einer Nikon Vollformat mit sehr guten Objektiven kaum nach (in der Praxis eigentlich gar nicht, ich nehme aber an, dass man in Labors beim Pixelzählen durchaus Unterschiede feststellen könnte).

In Sachen Bedienung hat mir die OM-D seit ich sie gekauft habe mehr Spaß gemacht als irgendeine andere Kamera vor ihr. Sie liegt gut in der Hand, fühlt sich solide an und ist schnell. Ich mag auch elektronische Sucher, was nicht heißt, dass ich Leute, die ihn (bislang) ablehnen (oder auch langfristig ablehnen werden), nicht auch verstehen kann. Es ist einfach auch eine Geschmacksache und ich halte das Gefühl, das einem ein System gibt, für viel entscheidender, als Kennzahlen.

OM-D und MFT fühlen sich für mich verdammt gut an, aber Gefühle sind subjektiv und bei jedem anders. Deshalb finde ich Grabenkämpfe, welches System nun das beste ist, so sinnlos. Man kann Pros und Kontras gegeneinander abwägen, aber weshalb muss es am Schluss ein Siegersystem geben? Jeder Hersteller baut gute Kameras, jeder hat bessere und weniger gelungene Modelle im Angebot, jedes System hat Stärken und Schwächen. Gott sei Dank sind sie nicht alle gleich, so dass jeder das Passende für sich finden kann.

Auch wenn ich Nikon wohlwollend verlasse, hat es schon auch Auslöser gegeben, die meine Liebe zur Marke etwas getrübt haben. Zum Beispiel das Staubproblem der D600, das inoffiziell zwar nicht abgestritten wird, offiziell aber nie richtig zugegeben wurde, und mit dem Nikon seine Kunden im Regen stehen ließ. Nach einem Jahr macht Nikon die D600 mit der D610 zur alten Kamera und kommt den D600-Käufern keinen Schritt entgegen. Zwar hat mein Fachhändler meinen Sensor kostenlos gereinigt, aber auf seine Kappe, nicht gedeckt und bezahlt von Nikon. Olympus, die Four Thirds jetzt einstellen – was für FT-Systembesitzer ev. auch nur bedingt schön ist –, schenkt diesen Käufern zumindest den Adapterring, mit dem sich FT-Objektive mit MFT-Kameras nutzen lassen.

Die D600 ist eine tolle Kamera, die mich zunächst auch sehr begeistert hat. Bis ich die D7100 bekommen habe, um über sie zu schreiben. Lassen wir die Labortests noch einmal außen vor, bei denen die Vollformat-D600 über die DX-D7100 siegt, dann ist die D7100 die bessere Kamera – selbst wenn sie den gleichen Preiszettel hätte wie die D600. Sie ist in weiten Teilen identisch, hat aber das bessere AF-System, deckt damit das Bildfeld um Welten besser ab, erlaubt kürzere Verschlusszeiten und bietet sonst noch einige kleinere Vorteile – sie muss sich nur in Sachen Vollformatsensor und Wasserwaage für die Blickachse gegenüber der D600/D610 geschlagen geben.

Die D7100 ist in meinen Augen in Sachen Preis/Leistung die aktuell beste (Nikon)-Spiegelreflexkamera. Trotzdem blieb allerdings am Ende die D600 für mich die passendere, weil ich schon komplett mit Objektiven für Vollformat ausgerüstet und Weitwinkel-Fan bin (wer Weitwinkel bevorzugt, hat mit DX auch etwas das Nachsehen). Staubproblem und Leistung der D7100 im Vergleich zur doppelt so teuren D600 haben meine Freude an meiner D600 getrübt. Dem stand und steht die Portabilität und die Freude am OM-D-/MFT-System gegenüber, was mich im Laufe des Herbstes bewog mich zu einem Umstieg auf Olympus durchzuringen.

Allerdings war vorher noch die OM-D E-M1 erforderlich, denn die E-M5 ist zwar eine tolle, kleine Begleiterin, aber zu klein um ausgedehnte Foto-Sessions effizient zu bewerkstelligen. Die E-M1 liegt ideal in der Hand und ist gerade groß genug um sich effizient bedienen zu lassen. Obwohl sie besser in der Hand liegt, als jede andere Kamera die ich bislang in Händen hatte, will ich jedoch nicht abstreiten, dass eine Kamera im Format von D7100, D600 oder größer, sich besser bedienen lässt – ein kleiner Body, wie bei der OM-D ist einfach sehr eng, um alle Knöpfe und Räder gut erreichbar zu gestalten. Auch wenn ich glaube, dass es in Zukunft auch MFT-Kameras geben wird, die noch größer sind als die E-M1 und in Sachen Bedienung gar keinen Nachteil gegenüber Vollformat mehr haben, müsste ich mich dann doch fragen, ob ich wirklich den Nachteil der größeren Schärfentiefe von MFT in Kauf nehmen möchte, wenn ich nicht dafür den Vorteil des kompakteren Systems genießen kann.

MFT ist in meinen Augen eine gute Option für mobile Fotografen. Wer jedoch lieber im Studio oder an gut erreichbaren Locations stationär fotografiert, der wird sicher auch langfristig bei Vollformat (egal ob Nikon, Canon oder Sony) besser aufgehoben sein. Für mich jedoch ist die OM-D zur perfekten Kamera geworden.

Bewusst fotografieren

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Brennweite wählen. Blickwinkel einnehmen. Blende einstellen. Belichtungszeit einstellen. ISO anheben? Fokuspunkt avisieren. Fokussieren. Auslösen.

Da braucht man Jahre lange Übung damit sich das verinnerlicht und man alle Einstellungen blind vornehmen kann und dann soll ich ein Retrogerät kaufen das mich dazu zwingt Einstellung mit Blick auf die Kamera anhand von auf Einstellrädchen aufgedruckten Zahlen vorzunehmen? Für mich klingt das nicht vernünftig.

Motive sind oft flüchtig. Nicht nur wenn es sich um Tiere handelt. Ein Gesichtsausdruck ist oft ebenso schnell dahin wie eine spezielle Lichtstimmung, eine Szene auf einer Straße oder ein Eichhörnchen. Meist verstreicht schon durch das Auspacken und Einschalten der Kamera zu viel Zeit um den Augenblick noch zu erhaschen. Um jede Sekunde des Blickens auf Einstellungsskalen ist es schade.

Ich versuche bewusst bewusst zu fotografieren. Doch oft lenkt mich das Nachdenken über Einstellungen zu sehr vom Wesentlichen – vom Motiv – ab. Mit dem Resultat, dass dem Modell ein Ast aus dem Ohr wächst oder neben der Blume eine Kippe liegt die mit einem Handgriff zu entfernen gewesen wäre. Der Gedanke, dass mich seltsam platzierte Rädchen zu bewussterem Fotografieren führen könnten scheint mir ein abwegig. Und Rädchen für zentrale Aufnahmeeinstellungen links vom Sucher – also auf der Seite der Hand die ich am Zoom- und Fokussierring habe – finde ich nur hinderlich.

Zunächst bewege ich mich um mein Motiv und versuche herauszufinden aus welchem Blickwinkel Vorder- und Hintergrund am besten miteinander interagieren. Dann stellt sich die Frage welche Perspektive das Objekt am besten zur Geltung bringt. Weitwinkel für dramatische Fluchten oder Tele für flache Bildwirkung und kurze Schärfentiefe? Je nach Entscheidung muss ich mich nähern oder entfernen.

Soll der Hintergrund mitspielen dürfen oder möchte ich ihn durch Unschärfe ausblenden? Die Antwort führt zur Entscheidung für eine Blendeneinstellung – also am entsprechenden Einstellrad drehen (oder am Blendenring des Objektivs).

Da ich meist manuelle Belichtungseinstellungen wähle muss ich nun die Verschlusszeit einstellen – dazu wird das andere Einstellrad gedreht.

Belichtungsskala, Histogramm und Belichtungswarnung helfen bei der Einstellung – die Möglichkeit all das schon vor dem Auslösen im elektronischen Sucher meiner spiegellosen Systemkamera zu sehen ist ein Segen.

Was ergibt sich für eine Verschlusszeit? Kann ich diese bei der gewählten Brennweite aus freier Hand noch halten? Wenn nicht: ISO-Empfindlichkeit anpassen.

Auf welchen Punkt soll fokussiert werden? Ich entscheide mich für eine Art des Fokussierens, stelle scharf und löse aus.

Ich glaube nicht, dass mir eine Kamera helfen kann noch bewusster zu fotografieren. Eine Kamera soll es mir vielmehr ermöglichen all diese Prozesse fließend, intuitiv und ergonomisch zu gestalten, so dass ich möglichst wenig darüber nachdenken muss und so viel Aufmerksamkeit wie möglich für das Motiv zur Verfügung habe.

Nur noch einmal 5 Cent zur Retrodebatte.

In 6 Schritten zur Retrokamera

Posted in etc.

Da Retrokameras im Moment dermaßen beliebt sind möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, damit jeder seine Digitale in wenigen Schritten zur Retro umfunktionieren kann, um zu einer entschleunigten Arbeitsweise wie damals zu gelangen.

  1. Festbrennweite rauf. 35mm oder 50mm.
  2. ISO100 einstellen. Aber nicht schummeln und bei Bedarf auf ISO800 oder ISO6400 hochdrehen. Niemand hatte zu analogen Zeiten einen zweiten, dritten oder vierten Film dabei, um ihn bei Bedarf mal schnell zu wechseln. Wer authentisches Feeling will stellt die Empfindlichkeit seiner Digitalen ein bevor er auf den Weg geht.
  3. Manuell Fokussieren. Fokussierhilfen sind allerdings erlaubt, denn das gab es analog auch schon.
  4. Manuelle Belichtungseinstellung. Und nicht auf die Belichtungsanzeige im Sucher schielen – sowas gab’s damals nicht! Wenn schon denn schon: Handbelichtungsmesser. Sonst halt: Belichtungstabellen auswendig lernen.
  5. Histogramm ausschalten (Belichtungswarnungen natürlich auch).
  6. Bildkontrolle abschalten. Gesichtet wird zuhause.

So, fertig ist eure digitale Analogkamera, auch wenn sie vielleicht nicht ganz so hip aussieht, wie die aktuellen Retromodelle beim Händler. Wer nicht die Konsequenz hat das durchzuziehen, dem hilft auch eine neue Alte nicht, denn die lassen sich in ihren auf alt getrimmten Gehäusen immer einstellen und bedienen wie das, was sie sind: Digitale Hochleistungsgeräte. Sie zwingen euch nicht zu bewussterer Fotografie, denn das würden ihnen die Kunden sehr übel nehmen.

Fotografie – ein Akt der Sinne

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Ich fotografiere aus Leidenschaft. Ich fotografiere auch beruflich. Doch da mein Beruf nicht darin besteht Aufnahmen für Aufträge anzufertigen, sondern Inhalte für Foto-Workshops und Fotobücher vorzubereiten, kann ich fotografieren was und wie ich will. Ich liebe diese Autonomie!

Ergonomie der Geräte | Die Ergonomie meiner Arbeitsgeräte ist mir wichtig. Ich war einst Mountainbiker. Als solcher habe ich immer die harten Kerle bewundert die mit schweren, ganglosen Waffenrädern Pässe erklommen haben. Der Anspruch den ein solches Gerät an Kraft und Ausdauer stellt ist ungleich höher, als bei einem gewichtsgetuneten 21-Gang-Bike. Trotz der Bewunderung beneidete ich die Kollegen nicht um ihre klassischen Drahtesel, sondern zog mein Einigermaßen-Hight-End-Bike vor. Es macht das Leben im wahrsten Sinne leichter. Wer will kann das jetzt ruhig als weiteren Kommentar zur Nikon Df verstehen (wie gesagt: das ist nichts gegen Waffenräder und Holländer, nur wären die nichts für mich).

Trotz aller Begeisterung für ergonomische Geräte ist Ergonomie nicht das Einzige was zählt, zumal ich eben nicht direkt auftragsbezogen arbeite und der Leitsatz, dass Zeit Geld ist für mich diesbezüglich nur bedingt gilt. Ich kann es mir leisten in Ruhe zu fotografieren. Vielleicht sollte ich ehrlicherweise schreiben »ich könnte es mir leisten«, denn oft bin ich in mir zu wenig ruhig und rund und zu hektisch um da in einen sanften Flow zu kommen. Zwar gehe ich wenn ich fotografiere schon dermaßen in der Tätigkeit auf, dass man das als Flow bezeichnen kann, doch ist mein Flow kein ruhiger Fluss sondern eher ein schnell fließender Strom. That’s me.

Fotografie konzentriert den Blick | Fotografie ist eine sinnliche Tätigkeit. Natürlich eine Tätigkeit des Sehsinns. Bin ich fotografisch unterwegs konzentriert sich mein ganzes Bewusstsein auf das was ich sehe und wie ich das mit den Möglichkeiten meiner Kamera optimal einfangen kann. Vielleicht konzentriert sich mein Bewusstesin oft ein bisschen zu sehr auf Letzteres, denn Verschlusszeit, Blendeneinstellung, Fokussierung, Empfindlichkeit – das alles will überlegt, bedacht und eingestellt werden. Wenn da einer davon spricht, dass er sich eine Kamera wünscht, die diesen Prozess einfacher macht, dann frage ich mich wie das gehen soll. Natürlich kann man all diese Parameter der Kamera überlassen. Doch wo bleibt da dann der kreative Prozess? Will ich wirklich die Hälfte der Regie einer Elektronik überlassen und mich selbst rein auf Anweisungen an Modelle und Wahl des Bildausschnitts beschränken? Will ich wirklich eine Elektronik als Co-Regisseur an meiner Seite, der mir wichtige Entscheidungen abnimmt? Wer von einer Kamera »back to the roots« und mehr Einfachheit verlangt sollte überlegen, wie so eine Vereinfachung einer an sich recht komplexen Materie überhaupt gehen soll. Ich bin skeptisch, wenn jemand verspricht komplexe Dinge watscheneinfach lösen zu können. Genau genommen hat weglassen der Einstellung und delegieren an die Kamera ja auch überhaupt nichts mehr mit Back to the roots zu tun.

Fotografieren ist ein Akt des Sehens. Mit der Kamera unterwegs zu sein hilft mir, mich mehr mit dem zu befassen, was mich umgibt, und nicht zu sehr von gedanklichen Spaziergänge über Dieses und Jenes vom Hier und Jetzt ablenken zu lassen. Manch einer mag belächeln, wenn ich an einem neuen Ort aus dem Auto oder dem Bus steige mich umsehe und sofort meine Kamera zücke, wie der Klassiker unter den japanischen Touristen. Fragt mich jemand wie denn mein gerade beendeter Urlaub war sage ich selbst oft scherzhaft »Ich muss erst die Fotos sichten. Dann kann ich es dir sagen.«

Tatsächlich aber komme ich mit der Kamera in der Hand erst richtig mit Augen und Gedanken in einem Urlaubsort an. Ohne Kamera kehrt mein Kopf immer wieder nachhause zurück und beschäftigt sich mit Dingen die vor einem Urlaub wichtig waren oder danach wichtig sind nach. Und natürlich auch viel zu viel zu Dingen die eigentlich unwichtig sind. Das gilt auch für den Wochenendausflug, die Wanderung oder eine kurze Fotosession oder -safari. Urlaub und Ausflüge sollten nicht Fotografie alleine sein. Aber für mich ist es eine Bereicherung wenn sie dabei ist.

Haptik | Fotografieren ist ein Akt des Sehens. Aber nicht nur! Haptik und Akustik sind für mich von leidenschaftlicher Fotografie nicht zu trennen. Riechen und Schmecken bleiben beim Fotografieren außen vor. Ich rieche nicht an meinen Motiven (und habe auch schon in Gegenden fotografiert an denen ich froh war, dass der Geruch nicht mit aufgezeichnet wird) und lecke auch nicht daran – ebenso wenig rieche oder lecke ich an meiner Kamera (muss aber gestehen, dass ich froh bin, dass Kameras und Objektive nicht riechen).

Als visuell sensibler Mensch ist mir nicht nur das Aussehen meiner Motive wichtig, sondern auch die Optik – das Design – meiner Geräte. Ein Gerät kann noch so tolle Funktionen und Leistungsdaten haben, wenn es hässlich ist mag ich es nicht. Das gilt für Autos, für Handys, für Kameras und Objektive und für Software. Ich mag auch nicht mit hässlicher Software arbeiten, ganz gleich wie gut sie ist. Hässlichkeit stört mein sinnliches Empfinden.

Ich kann nur mit einer Kamera arbeiten, die gut designt ist, deren Anblick ich freut. OK. Das ist bei den gängigen DSLR-Kameras ein bisschen schwierig. Die Geräte sind dermaßen auf Funktion und Ergonomie getrimmt, dass man so ein Gehäuse jetzt nicht wirklich nach rein ästhetischen Gesichtspunkten als formvollendet betrachten kann. Aber dennoch gibt es Geräte die den Spagat zwischen Funktion und Ästhetik besser meistern und andere, die einen eher verunglückten Eindruck vermitteln. Gutes Design bedeutet genau diesen goldenen Punkt des Kompromisses zwischen Form und Funktion zu finden.

Produktdesign ist eine große Herausforderung für den Designer. Grafikdesign – und auch Fotografie – sind diesbezüglich simpel gestrickt. Denn jeder Betrachter wird das Design oder die Fotografie zu jeder Zeit gleich sehen, sehen wir einmal von den Auswirkungen des Umgebungslichts ab. Jeder Betrachter sieht das Design oder das Motiv aus dem Blickwinkel aus dem es der Designer oder Fotograf erstellt hat. Das ist bei Produktdesign anders. Da gibt es nicht nur ein vorne. Da gibt es auch ein oben, unten, links, rechts, hingen und alles in allen möglichen Winkeln von Diagonal. Gutes Produktdesign besticht aus jedem Blickwinkel. Nicht nur von vorne oder von oben (wer das jetzt als Seitenhieb auf die Df verstehen will darf das ruhig tun). Für gutes Design muss zwar jedes Detail gelungen sein, doch das Designobjekt an sich ist nur dann gelungen, wenn alle Teile ein harmonisches Ganzes bilden. Dann ist das Ganze mehr als die Summe der Teile.

Geschmack ist Subjektiv | Nun kann man natürlich einwenden, Gutes Design sei am Ende doch immer Geschmacksache. Ja und nein. Was dir, lieber Leser, gefällt, ist allein deine Sache. Lass dir da von niemandem rein reden. Es darf dir genauso wenig jemand vorschreiben was dir an Design zu gefallen hat, wie was dich an Fotos begeistern darf. Geschmack ist rein subjektiv und eine Privatsache. Doch es gibt auch objektive Kriterien über die sich Design beurteilen lassen. Jeder Fotograf weiß, dass es gute Fotografien gibt und lausige. Auch wenn es legitim ist, dass das lausige Bild irgendjemandem aus irgendeinem Grund etwas sagt oder bedeutet, ist nicht jedes Foto ein potenzielles Ausstellungsexponat. Weshalb sollte das mit Design anders sein?

Gutes Design ist Objektiv | Was subjektiv gefällt, muss jeder für sich entscheiden. Doch man muss auch erkennen, dass nicht alles, was einem persönlich subjektiv gefällt, objektiv gut ist.

Look and Feel | Eine Kamera muss allerdings nicht nur gut aussehen. Sie muss sich auch gut anfühlen. Fotografiert wird mit der Kamera in der Hand. Das kann ich nur mit Leidenschaft, wenn die Materialen der Ausrüstung sich gut anfühlen.

Ich hatte bisher keine Kamera in der Hand die sich für mich so gut anfühlte, wie die OM-D E-M5. Mag man über ihr Design sagen was man will – ich mag ihre Optik, ich finde sie schöner als alle DSLRs die ich kenne, doch ich will sie nicht mit der ästhetischen Qualität einer Leica M vergleichen –, die Haptik ist einzigartig.

Die erste Überraschung, als ich die E-M5 zum ersten Mal live sah, war, wie klein sie ist – sie sieht auf Fotos viel größer aus. Die zweite Überraschung, wie schwer sie trotz ihres kleinen Gehäuses ist. Und das ist es, was ich an ihr liebe. Sie fühlt sich an, wie ein solider Block aus Metall – als wäre darin alles massiv. Im Vergleich zu ihr vermitteln mir viele manche Bodys den Eindruck als müsste man eine lose Schraube im inneren herumpurzeln hören wenn man ihn schüttelt.

Authentisches Material | Alles an der E-M5 wirkt authentisch. Ich mag keine verlogenen Materialien. Plastik, das so tut als wäre es Holz, oder Plastik, das tut, als wäre es Chrom (bei den Olympus-Objektiven gibt es das leider – man muss damit leben).

Billig wirkende Objektive | Was ich weniger liebe ist die Haptik mancher Micro-FourThirds-Objektive. Das 12–50mm ƒ3.5–6.3 ist so eines. Man kann ihm vielleicht zu Gute halten, dass das Plastik daran ehrlich nach Plastik aussieht, aber leider nach billigem Plastik. An einer haptisch so gelungenen Kamera wie der OM-D ist das ein absoluter Stilbruch. Hier freue ich mich schon auf die Arbeit mit den Voighländer-Linsen – reinstes Heavy Metal! Wirklich schlimm war das 12–42mm-Standardobjektiv, das zu meiner Lumix G3 mitgeliefert wurde. Ich nannte es »das Mikey-Mouse-Objektiv«. Es fühlte sich an wie etwas, das man als Gimmik bei einem Yps-Heft mitbekommen hat. Und es klang auch so. Wenn man am Zoomrad drehte hörte man schabendes Plastik. Das geht einfach nicht für ein System, das man ernst nehmen soll! Bei Nikon habe ich vergleichbares nicht bei der billigsten Linse erlebt. Das soll nichts über die Abbildungsleistung dieser Optiken aussagen – die mag ja gut sein. Aber ein Objektiv muss sich einfach auch gut anfühlen.

Akustik | Womit wir beim dritten Sinn wären. Auch die Ohren sind beteiligt wenn ich fotografiere. Eine Kamera muss nicht nur gut aussehen und sich gut anfühlen, sie darf auch nicht grauslich klingen. Sie kann leise sein, aber was sie von sich gibt, muss gut klingen. Ein künstlich generiertes Shutter-Geräusch finde ich abstoßend. Knarzendes Plastik ebenso.

Als Designer ist mir Funktion ebenso wichtig wie Design. Doch Funktion alleine ist es nicht. Design ist ebenso wichtig wie Funktion. Zu Design gehört neben dem Look, auch die Haptik und die Akustik. Fotografieren macht mir nur mit Geräten Spaß, die Funktion und Design optimal verbinden. Am Ende fotografiere ich lieber mit einer Ausrüstung, die beim Pixelzählen vielleicht nicht den goldenen Blumentopf gewinnt, die jedoch sowohl meine Augen, als auch meine Hände, als auch meine Ohren erfreuen kann.

Kleiner Nikon-Df-Nachtrag

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Diese Antwort auf einen Kommentar zu meinem kritischen Nikon-Df-Artikel möchte ich als Artikel wiedergeben.

Am Ende zählt natürlich immer was subjektiv gefällt. Für mich persönlich stellt sich die Frage ob ich mich »von einer Kamera« zwingen lassen muss bewusster zu Fotografieren, ob es nicht besser wäre sich selbst dazu zu disziplinieren. Wobei wirklich zwingen wird einen die Df nicht, denn sie hat vorne und hinten ein Rad über die man sie wie jede moderne Profi-DSLR bedienen kann, wenn auch wohl mit weniger Ergonomie.

Ich bin von Herz und Blut Designer und als Designer haben für mich Funktion und Ästhetik oberste Priorität. Beides ist hier nicht optimal gelungen. Ich bin mir sicher, dass die Zeit zeigen wird, dass die Df ein vorübergehendes Produkt ist, und dass sich die Unmengen an Rädchen und Knöpfchen nicht durchsetzen werden. Mir scheint es sogar etwas Paradox den Wunsch nach einer Rückkehr zu mehr Einfachheit mit solch einem Rädchen-und-Knöpfchen-Monster zu bedienen.

So sehr ich die Art wie Fuji und Olympus den Retro-Gedanken ins 21. Jahrhundert übertragen haben schätze, so sehr sieht mir die Df nach einem Me-to-Gerät aus. Will man wirklich zurück zu den Basics und bewusstem Umgang mit der Fotografie – warum dann nicht gleich Analog fotografieren? Da fallen die ganzen elektronischen Spielereien wie AF und elektronische Belichtungsmessung dann endgültig weg und jede unbedacht gemachte Aufnahme schmerzt, weil sie kostet.

Warum die Df ästhetisch nicht sauber gelöst ist zeigt übrigens eine kleine Photoshop-Bastelarbeit, die ich bei Steve Huff in einem Artikel zu ihr gefunden habe.

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Links original Fatboy-Df – Mitte und rechts: So würde eine gelungene Df aussehen, der ich auch etwas mehr abgewinnen könnte.

Nikon Df – ein Vorurteil

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Nikon Df; © Nikon 2013

Ich mag mich ja normalerweise nicht an Spekulationen über ein Produkt beteiligen, bevor ich es in der Hand hatte oder, im Falle des Designs, ich mir etwas Zeit gelassen habe mich an Neues zu gewöhnen – eine Meinung muss sich bilden. Normalerweise verurteile ich Vorverurteilungen von Produkten bevor sie den Markt erreicht haben. Aber machen wir einmal eine Ausnahme. Vor allem deshalb, weil ich mir in meinem Vorurteil sicher bin.

Erstens sei gesagt, dass ich – entgegen dem aktuell grassierenden Retrotrend – nicht alles schick finde was in alten Tagen gebaut wurde. Manche Produkte waren schick, doch lausiges Design gab es gestern wie heute. Das soll nicht heißen, dass ich die vermeintlichen Väter und Mütter mit klingenden Nikon-F-Namen misslungen finde – im Gegenteil! Ich will nur sagen, dass nicht alles was heute nach damals aussieht gelungen ist.

Nikon macht mit der Df den Fehler den Pentax mit der MX1 beging: Manche Bauteile sehen aus als wäre jemand auf ein verschollenes Lager aus den 50er, 60er oder 70er Jahren gestoßen und hätte lediglich den Staub abgeblasen um sie im neuen Produkt zu verbauen. Anderen Teil sieht man jedoch klar an, dass sie einem elektronischen Plastik-Baukastensystem anno 2013 entsprungen sind.

Bei der MX1 ist es vor allem das Objektiv das so gar nicht mit dem klassisch gestalteten Body harmonieren will. Schlimmer noch bei der Dƒ, wo der Rücken seinen 2000er+ Jahrgang unmöglich verheimlichen kann. Ich möchte nicht wissen, wie die Designer des Produkts darunter gelitten haben hier die Vorgaben der Konzernleiter, Controller und Marketingexperten zu erfüllen. Das Ganze ist ein bisschen wie ein Schloss mit modernen Lärm-und-Wärmedämm-Plastikfenstern oder ein Jaguar-Oldtimer mit Alufelgen.

Olympus und Fuji haben es besser gemacht, denn sie haben zwar die Formensprache früherer Zeiten aufgenommen aber sie zeitgemäß interpretierten und ihr Design durchgängig und stringent angelegt. Im Sinne dieser beiden Unternehmen, die in Sachen Retro Pionierarbeit geleistet haben, finde ich den grassierenden Retrotrend bedauerlich, denn ist etwas erst einmal so heiß und trendy wie Retro im Moment, steht es kurz vor dem Verglühen. Das wiederum fände ich schade, denn ich bin durchaus Freund von Neuinterpretationen klassischer Vorbilder so lange sie so gut gemacht sind wie es Fuji und Olympus machen.

Nikon hat die Df im Segment Consumer positioniert und ich vermute, dass das wohlwissend war. Im Preis spiegelt sich die Positionierung in diesem Segment zwar nicht – immerhin gibt es bereits für weniger Geld eine Profi-D800 –, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Profi auf Dauer mit der Bedienung der Df glücklich werden können.

Alle modernen professionellen Spiegelreflexkameras haben ein Design mit zwei Einstellrädern, idealer Weise eines hinten, für den Daumen gut erreichbar, und eines vorne, nur Millimeter vom Auslöser entfernt. Software – heute in jeder Kamera essenziell, in den 70er Jahren jedoch noch nicht wirklich ein Thema – ermöglicht es, diese Räder frei zu belegen und somit die Kamera an die Arbeitsweise des Fotografen anzupassen. Dass das durchgehend bei praktisch allen Kameras der Fall ist lässt darauf schließen, dass sich das bewährt hat und gar nicht so blöd ist.

Das Layout der Df mit den vielen beschrifteten Rädern und Schaltern links und rechts des Suchers legt nahe, dass eine Individualisierung bei ihr nicht angedacht ist. Bei all meinen Kameras brauche ich den Blick nicht vom Sucher oder Display zu nehmen, wenn ich an Einstellrädern eine Option ändere, denn die Einstellungen werden dort angezeigt (gab es in den 70ern wohl auch noch nicht). Ich nehme an, dass das bei der Df auch so sein wird. Aber wozu dann die dezidiert beschrifteten Rädchen auf der Kamera?

Dass die Rädchen beschriftet sind muss natürlich kein Problem sein. Vielleicht lassen sie sich ja trotzdem individualisieren und man kann auf das Rad das mit Verschlusszeiten beschriftet ist die ISO-Empfindlichkeit legen ( 😉 ). Gravierender finde ich, dass die Kamera eine zweihändige Bedienung voraussetzt und das scheint mir nicht wirklich dazu geeignet den Spaß am Fotografieren zu erhöhen.

Trotz 2749 Dollar wird die Df von Profis wohl kaum gekauft werden, denn Profis brauchen effiziente Arbeitsmaschinen und das kann sie wohl kaum leisten.

Was ich an Nikon mag, ist, dass ich immer den Eindruck hatte man baue Fotoapparate für Fotografen. Nikon hat sich beispielsweise weniger als andere Hersteller am sinnlosen Megapixelrennen beteiligt und statt dessen als erster kompetent an der ISO-Schraube gedreht (bei im Vergleich zum Mitbewerber geringer Auflösung). Auch mit der Nikon 1 ist Nikon in meinen Augen einen sinnvolleren Weg gegangen, als Canon, Sony, Pentax und all die anderen, mit ihren APS-C-Systemkameras. Der Markt nimmt aber sinnvolle Produkte nicht immer an und hat am liebsten »viel« – also den größeren APS-C-Sensor statt 1″.

Die Df scheint mir weniger ein Fotoapparat für Fotografen als vielmehr ein Spielzeug für Liebhaber trendigen Retro-Designs. Das ist in meinen Augen nicht sinnvoll, aber Unternehmen müssen ja vorrangig Produkte verkaufen und nicht sinnvolle Produkte erzeugen. Und es spricht ja auch nichts dagegen, wenn sich jemand am, in meinen Augen etwas misslungenen, Retro-Look erfreuen kann. Also will ich Nikon den Erfolg gönnen, so er ihnen mit der Df beschieden ist. Ich hoffe zwar in einiger Zeit einmal ein Exemplar für ein paar Tage in die Hände zu bekommen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das viel an meinem Vorurteil ändern wird.