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Monat: Oktober 2013

Was bringt Aperture 4?

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Nachdem ich gestern über die Bedeutung von Bildbearbeitungssoftware und die immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen philosophiert habe, möchte ich heute einen Blick in die Kristallkugel riskieren. Einerseits liest man Unmengen an Kommentaren von Anwendern die von Aperture enttäuscht sind und dem Produkt den Rücken kehren. Dazwischen finden sich Vereinzelte die beschwören ein Upgrade stehe unmittelbar bevor und würde die Welt erleuchten.

Ich habe gestern deutlich gemacht, dass ich bis auf weiteres kein Programm sehe, das mir besser geeignet scheint meine Bilder zu entwickeln und zu verwalten. Die Vorteile, die Mitbewerber haben, wiegen die Nachteile, die die Programme für mich mit sich brächten einfach bei weitem nicht auf. Aperture ist weiterhin großartig, ich sehe nicht, dass das Schiff sinkt, weshalb ich auch keinen Grund sehe es zu verlassen. Ich glaube auf der anderen Seite aber auch nicht, dass Aperture 4 das Rad der Raw-Entwicklung neu erfinden wird. Aperture 3 preschte zwar in manchen Dingen an den Mitbewerbern vorbei, blieb auf der anderen Seite aber auch einiges schuldig.

Einfach mit den Erwartungen am Boden bleiben, aber nicht in Panik verfallen. Ich weiß von einigen Fotografen, die noch immer mit Photoshop CS3 arbeiten und ganz tolle Arbeit damit leisten (und ich weiß keinen zwingenden Grund, weshalb man unbedingt eine neuere Version haben muss). Ob die Programme nun Adobe Camera Raw, Photoshop, Aperture, Lightroom, Capture One oder DxO Optics heißen. Sie alle leisten vernünftige Arbeit und sind für ambitionierte Fotografen geeignet. Die Qualität die damit zu erzielen ist hängt weniger am Werkzeug, als vielmehr am Benutzer. Die genannten Programme ermöglichen alle gute Resultate – und lausige!

Also ruhig durchatmen und machen, was zählt: Fotografieren und Bilder entwickeln. Das geht auch mit dem letzten Schrei mitzubrüllen.

Wo bleibt Aperture 4?

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  • Olympus E-PL3: Juni 2011;
    Nachfolgemodell E-PL5: September 2012.
  • Nikon D600 September 2012;
    Nachfolgemodell D610: Oktober 2013.
  • Nikon D5200: Oktober 2012;
    Nachfolgemodell D5300: November 2013.
  • Sony RX100: Juni 2012;
    RX100 II: Juni 2013.
  • Photoshop CS6: Mai 2012;
    Photoshop CC: Juni 2013.
  • Lightroom 4: März 2012;
    Lightroom 5: Juni 2013.

Das erste mal, dass mich ein kurzer Produktlebenszyklus nervte, war nach dem Kauf der Sony Cyber-Shot T1. Kaum hatte ich das noch junge Modell gekauft, wurde es schon vom Nachfolgemodell zum alten gemacht. Natürlich sind in den vergangenen Jahren gerade bei der noch recht neuen Technik der Digitalkameras enorme Fortschritte gemacht worden. Doch weshalb dreht sich das Produktekarussell nun, wo das Niveau bereits sehr hoch ist, immer noch schneller? Mir geht das immer mehr auf den Zeiger – in allen Bereichen.

Mein Auto habe ich jetzt seit sechs Jahren und ich habe noch immer Freude am Fahren damit. Facelifts gab es bereits. Aber weshalb sollte ich es austauschen, wenn es mir noch Spaß macht?

Mein iPhone ist noch immer ein iPhone 4, ich bin noch immer zufrieden damit, es ist noch immer ausreichend schnell und ich wüsste nicht was mir daran abgehen sollte. Ich sehe momentan keinen Grund es durch ein neueres oder anderes Gerät zu ersetzen.

Und was hat das mit Aperture zu tun? Gar nicht so wenig, denn Apple Aperture scheint eine Art Relikt eines Produkts zu sein, das nicht jährlich durch ein Nachfolgemodell ersetzt wird.

Das heißt nicht, dass es nicht gepflegt wird – seit Aperture 3 veröffentlicht wurde hat es 23 kleinere und größere Updates erfahren. Doch das große Upgrade auf Aperture 4 lässt weiter auf sich warten. Ich hatte gehofft, dass es bei der Veranstaltung am 22. Oktober etwas Neues zu hören gibt, wurde aber leider enttäuscht. Allerdings würde ich daraus nicht schließen, dass die nächste Aperture-Version nicht unmittelbar bevorsteht – schon das letzte große Upgrade war kurze Zeit nach einer Keynote plötzlich und völlig unerwartet veröffentlicht worden.

Ich bewundere Apples Coolness trotz der wohl nicht unerheblichen Massen ambitionierter Fotografen die das Schiff Richtung Adobe verlassen keinerlei Anzeichen von Stress erkennen zu lassen, ja ich mag es, dass es hier ein Produkt gibt das sich den sich immer schneller drehenden Produktzyklen nicht anschließt, auch wenn es mich andererseits nervt, dass du als Aperture-User keine Ahnung hast wie es um die Zukunft des Programms aussieht und ob es überhaupt noch eine Zukunft hat.

Keine Frage: Es gibt Dinge die gehören endlich nachgerüstet. Eine verbesserte und automatische Linsenkorrektur auf Basis von Linsenprofilen zum Beispiel und eine Korrektur für stürzende Linien. Dinge die alle nennenswerten Mitbewerber längst beherrschen. Allerdings gehen mir diese Dinge bei weitem nicht so sehr ab, als dass ich derzeit noch einmal von Aperture weg gehen würde. Schon zweimal bin ich weg nur um nach wenigen Monaten zurück zu kehren.

Trotz fehlender Linsenkorrekturen und endloser Ungewissheit über die Zukunft des Programms liebe ich die Arbeit damit noch immer. Ich mag die Oberfläche, ich mag die Workflows die das Programm ermöglicht, ich will nicht darauf verzichten nahezu alles mit eigenen Shortcuts versehen zu können, und ich mag auch die gute Performance und Stabilität die das Programm heute auf meinen Macs an den Tag legt (das war aber wirklich auch schon anders). Daneben sind dann fehlende Linsenkorrekturen doch eher nur Peanuts für mich. Das Gesamtkonzept zählt, nicht ein Feature hier und eines da.

Ich habe die Mitbewerber im Auge. Mit Adobe Camera Raw arbeite ich seit Jahren parallel zu Aperture (also kann ich auch die Qualität von Aperture und Lightroom vergleichen). Aktuell schenken sich die Programme nicht viel (und ich entwickle regelmäßig die gleichen Bilder in beiden Programmen). Gerade eben habe ich auch einen Vergleich mit mehreren Dutzend automatisch entwickelten Bildern aus Aperture und dem nagelneuen DxO Optics Pro 9 gemacht, nur um festzustellen, dass die Ergebnisse zwar anders, aber nicht besser sind (mir haben sie sogar weniger gut gefallen, trotz der guten Linsenkorrekturen und des hervorragenden Entrausch-Algorithmus).

Aperture ist noch immer ein sehr gutes Produkt auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern – mit Stärken und Schwächen. Ich wundere mich ein bisschen über Anwender die glauben Aperture verlassen zu müssen, weil sich die Uhren der Updates anderswo deutlich schneller drehen. Am Ende heißt das doch auch, dass man mehr bezahlt, wenn die Upgrades jährlich anstehen, statt alle drei Jahre einmal.

Ich will niemanden von Aperture überzeugen. Ich will nur sagen, dass es auch bei Software wichtig ist, dass man sich damit wohl fühlt. Das ist nicht anders, als bei der Kamera und dem Kamerasystem. Software ist wie eine Kamera ein Instrument – sie hilft dem Fotografen durch gute Bildentwicklung Bilder zum klingen zu bringen. Dass ein gutes Werkzeug gute Qualität erzeugen können muss ist selbstverständlich. Doch jeder Fotograf ist anders, hat andere Vorlieben und Vorstellungen und entwickelt andere Workflows.

Bei mir steht in der Mitte des Workflows Aperture, ergänzt von Photoshop, das ich wiederum mit Topaz-, OnOne-, Anthropics- und DxO-Plugins ergänze. Andere bevorzugen Lightroom, andere Capture One, andere DxO Optics und noch einmal andere arbeiten mit Bridge und Camera Raw. Letzteres ist mir völlig schleierhaft – aber wie gesagt: Wir sind alle anders und gerade unterschiedliche Werkzeuge und Arbeitsweisen führen zu unterschiedlichen Resultaten.

Auch bei Software führt reine Konzentration auf Featurismus und Pixelzählerei nicht zu besseren Resultaten. Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile. Und ein Produkt ist nicht deshalb schlecht, weil andere in derselben Zeit dreimal zur Kasse bitten. Wobei auch die paar Euros für die Upgrades nicht zählen, wenn man mit dem Produkt ansonsten glücklich ist und gut arbeiten kann. Konzentriert euch auf die Arbeit mit euren Werkzeugen, arbeitet womit ihr euch wohl fühlt, und verschwendet nicht zu viel Zeit immer auf die Tools der Mitbeweber zu schielen (es reicht wenn ich das mache 😉 ).

Fotografie ist Leidenschaft

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Immer schneller drehen sich die Karusselle der Entwicklungen, ziehen schwindelerregend schnell an uns vorbei. Gerade nahmen wir eine Neuheit wahr, schon ist sie Schnee von gestern. Kaum jemand der nicht beklagt alles habe einen ungesunden Drive angenommen. Kaum jemand der sich nicht etwas Entschleunigung wünscht; etwas Wiederentdeckung der Langsamkeit; etwas simplify your life (abgesehen vielleicht von den U20ern, für die ein Jahr noch eine Ewigkeit ist).

Trotzdem fragen viele im nächsten Atemzug nach dem ausstehenden Update der Lieblingssoftware, dem neuesten Modell des Smart Phones, dem Nachfolgemodell der eben erst gekauften Kamera.

Gerade in der Fotografie befremdet mich die Fokussierung auf technische Kennzahlen, Leistungsdaten und Featurismus. Bedeutet Fotografie denn nicht mehr als, wie viele Linienpaare ein Objektiv auflösen kann, Rauscharmut bei High-ISO, Megapixel auf Vollformatsensoren, detailscharfe Hautporen in der 100-%-Ansicht, Schärfentiefen im Zehntel-Millimeter-Bereich und so weiter? War Fotografie nicht einmal eine Kunst? Ging es nicht einmal vor allem um das Bild?

Wie viel Prozent trägt die Exzellenz des Equipments zu exzellenten Fotografien bei? Steht die Zeit die wir uns in Magazinen, Foren und Debatten mit Ausrüstung befassen in angemessenem Verhältnis zu ihrer Bedeutung für bemerkenswerte Aufnahmen? Verlieren wir nicht zu viel Zeit an die Theorie – Zeit die wir besser mit angewandter Fotografie verbringen würden –, ganz abgesehen von der Zeit die wir arbeiten müssen um uns das Equipment leisten zu können? Macht die Kamera mit den scheinbar besten Kennzahlen in unseren Händen wirklich dermaßen bessere Aufnahmen?

Ich verstehe mich nicht als Künstler. Ich bin nur jemand der Spaß am Fotografieren hat. Trotzdem bin ich zu ambitioniert und erfahren, um mit jeder beliebigen Ausrüstung arbeiten zu können. Was nach dem Auslösen aus der Kamera raus kommt und nach der Entwicklung aus dem Computer muss passen! Es muss meine Anforderungen erfüllen. Doch Linienpaare, Megapixel, Detailschärfe, Schärfentiefe und all die anderen Details sind nur … Details!

Kennzahlen und Feature-Umfang einer Kamera oder einer Software sagen so viel über das Gerät oder das Programm aus, wie eine Beschreibung von Körpergröße, Gewicht und Augenfarbe über die Fähigkeiten eines Menschen.

Auch ein Musiker mag sich nach Kennzahlen und Eigenschaften eines potenziellen Instruments erkundigen. Doch wenn er es in Händen hält wird lediglich zählen wie es sich für ihn anfühlt und anhört.

Genauso geht es mir auch mit der Fotoausrüstung. Natürlich erkundige ich mich zunächst anhand von Daten über einen potenziellen Ausrüstungsgegenstand. Entscheidend ist aber das subjektive Gefühl das mir das Ding in Händen vermittelt. Testcharts zu fotografieren finde ich dabei so aufschlussreich, wie ich es als Musiker fände die Schwingungen eines Instruments zu messen. Ein Instrument muss keine schönen Schwingungskurven zeichnen können sondern den Ohren gefallen. Eine Kamera muss keine Labortests bestehen sondern meinen Augen gefallen.

Eine Kamera muss sich gut anfühlen. Sie ist mein Instrument und ich muss sie vor allem lieben um gerne mit ihr zu fotografieren. Liebe hat nichts Fakten zu tun, ist nicht rationell und oft nicht zu begründen. Fotografie ist Leidenschaft. Und Spaß. Und Subjektiv. Daten sind da nebensächlich so lange das Instrument gut klingt.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass Daten, Techniken und große Zahlen wichtiger geworden sind als alles andere. Es ist OK wenn sich jemand vor allem an der Technik freuen kann. Warum auch nicht, wenn es Spaß macht immer mit den neuesten Gadgets zu spielen? Aber es ist nicht Fotografie! Oder zumindest nur am Rande.

Erster Eindruck OM-D E-M1

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Olympus OM-D E-M1; © Olympus

“First time in touch“ kam ich gestern mit Olympus’ neuem Spitezenmodell, der OM-D E-M1. Erster Spontaneindruck wie bereits bei der E-M5: Die Kamera ist viel kleiner als sie auf Bildern aussieht. Ich bin schon gespannt, wie sie sich mit Hochformatgriff bei ausgedehnten Shootngs bewährt. Die Positionierung von Tastern und Rädern ist im Vergleich zur E-M1 überarbeitet und sollte ein paar Schwächen glatt bügeln. Gespannt bin ich übrigens auch schon über die Arbeit mit dem Voigtländer 42,5mm ƒ0,95 Objektiv.

Anmerkung am Rande: Die E-M1 wird die E-M5 NICHT wie meist kolportiert ersetzen, sondern bleibt als Modell der Mittelklasse erhalten. Die E-M1 ist das Topmodell. Im Laufe des kommenden Jahres soll dann unter der E-M5 noch eine OM-D dazukommen.

Jenseits von Photoshop – Perfect Photo Suite 8

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Es wäre müßig OnOne Perfect Photo Suite mit Adobe Photoshop vergleichen zu wollen. Photoshop kennt weit und breit in Sachen Funktionsumfang keine Konkurrenz. Das Programm ist so weit wie der Pazifik und so tief wie der Marianengraben. Entsprechend tief tauchen und lang forschen muss, wer damit zurecht kommen will.

Wer jedoch auf Text, 3D-, Licht- und Schatteneffekte, Malpinsel und Zeichenstifte, Formebenen, Kunstfilter, Verflüssigeneffekte verzichten kann – sprich: all den Kram, der für den Grafiker und Illustrator täglich Brot ist, der mit Foto-Entwicklung jedoch nicht viel zu tun hat –, der sollte durchaus einmal einen Blick auf eine Alternative wie Perfect Photo Suite werfen.

Perfect Photo Suite von OnOne Software ist eine Filtersammlung, mit spezialisierten Werkzeugen zur Schwarzweißentwicklung, Fotoeffekten, Portraitretusche, Kontrast- und Farboptimierung und Maskierung, die sich langsam zu einer vollwertigen Bildentwicklungsumgebung auswächst. Während man bei Photoshop ohne ausgiebiges Studium kaum Herzeigbares erreicht, macht es die Perfect Photo Suite dem Einsteiger leicht. Die einzelnen Bereiche basieren auf Sammlungen fertiger Rezepte die der Anwender lediglich zu klicken braucht.

Nicht alles davon erfreut das Auge des erfahrenen Fotografen, doch manche Presets erlauben es mit wenigen Klicks zu beachtlichen Resultaten zu gelangen. Ohne viel Aufwand kann man damit die Wirkung vieler Aufnahmen verbessern, muss allerdings nicht bei den vorgefertigten Gerichten stehen bleiben. Die Preset-Rezepte justieren lediglich die Zahlreichen Schalthebel des Programms bei von Experten eingestellten Werten, die vom Anwender jederzeit modifiziert und geändert werden können. Ein Konzept, das nicht nur den Einstieg zum Kinderspiel macht, sondern auch dem Experten effiziente Wege zu neuen Resultaten liefert.

Auch wer nicht nur durch reines Lerning-by-doing vorankommen will, wird von OnOne gut bedient, denn auf Youtube liefert der Anbieter unzählige Aufzeichnungen von Webinaren – Onlineworkshops, an denen man sich natürlich auch live beteiligen kann.

Vor einigen Wochen hat OnOne die Perfect Photo Suite 8 angekündigt, die seit einigen Tagen auch als Beta-Test-Version bereit steht.

Die Beste für unterwegs

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Ich habe heute bei Amazon eine Rezension zur XZ-10 geschrieben, die ich auch hier im Blog wiedergeben möchte.

Als Autor von Büchern über Kameras (Nikon D600, Nikon D7100) setzte ich mich von Berufs wegen intensiv mit meinen Kameras auseinander. Meine DSLR ist eine Nikon Vollformat, für Reisen und Ausflöge habe ich eine Olympus OM-D E-M5. Oft ist aber auch die Olympus-Systemkamera noch zu groß und man hat gerne was für die Jackentasche. Außerdem ist für mich auf Reisen die OM-D mit Festbrennweite + einer kleinen Kompakten mit Weitwinkelzoom die Ideallösung.

Zuletzt begleitete mich als Kompakte eine Sony RX100. Häufige Fragen nach einer Empfehlung für eine Kompakte beantwortete ich jedoch stets mit Canon S95/S100/S110/S120, da diese deutlich preiswerter zu haben ist als die kleine Sony (650 Euro für die RX100 ist dem Gros der Leute doch deutlich zu viel).

Nun lautet meine Empfehlung Olympus XZ-10.

Die Gründe:

  • KOMPAKT: Die Kamera ist wirklich Kompakt (die entscheidenden Millimeter kleiner als eine RX100).
  • WEITWINKEL: Mit 26mm (KB) Weitwinkel hat sie oft entscheidende zwei Millimeter mehr als die meisten anderen Kompakte bei 28mm.
  • AUSREICHEND, ABER NICHT ZU VIEL TELE: Mit 130mm Tele hat die XZ-10 mehr Brennweite als viele Kompakte für Anspruchsvolle, z.B. die RX100, ohne die optischen Probleme, die eine Super-Zoom-Kamera mitbringen würde.
  • LICHTSTÄRKE: In Sachen Lichtstärke lässt sie die meisten anderen Kompakten hinter sich. Zwar können ƒ1.8 (oder besser) auch andere Apparate, doch am langen Ende, wo Lichtstärke besonders wichtig ist, hat die XZ-10 noch immer ƒ2.7 – andere fallen auf Werte von ƒ4 und schlechter ab. Das ermöglicht nicht nur Fotografie bei schwachen Lichtverhältnissen ohne Blitz, wenn andere schon einpacken können, sondern auch ein brauchbares Freistellen von Personen und Objekten vor störendem Hintergrund. Möglichkeiten der Blendenvorwahl oder manuellen Belichtungssteuerung haben eigentlich ohnehin nur mit so einem lichtstarken Objektiv einen Sinn – wer bei Telestellung des Zooms nur mehr zwischen Blendeneinstellungen von ƒ5.7 bis ƒ8.0 wählen kann, könnte genauso gut auf manuelle Einstellungen verzichten und vollautomatisch belichten.
  • OBJEKTIV: Das hervorragende Zuiko-Zoom ist nicht nur sehr Lichtstark sondern bildet auch sehr scharf bei vergleichsweise moderater Verzeichnung ab. Das ist sicher auch ein Verdienst des nicht sonderlicht großen Bildsensors: Wer größere Sensoren in ein vergleichbar großes Gehäuse verbaut muss mehr Kompromisse bei der Konstruktion des Zoomobjektivs eingehen. Preis der größeren Sensoren sind dann halt Randabschattungen und deutliche Verzerrung (bei JPEG in der Regel automatisch schöngerechnet).
  • MEGAPIXEL: Im Gegensatz zu Sony versucht Olympus nicht mit sinnlos hohen Bildauflösungen zu klotzen. Die RX100 von Sony verstopft zwar Festplatten mit riesigen Dateien, allerdings ohne einen Nutzen. Zum Test habe ich einmal ein RX100-20-Megapixel-Bild in Photoshop auf 10 Megapixel hinunter gerechnet und anschließend wieder auf 20 Megapixel hinauf, mit dem Resultat, dass die Abbildungsqualität des Originals nicht von dem zweifach neuberechneten Ergebnis unterschieden werden kann (hier gibt es das Beispiel dazu zu sehen). Wie kann das sein? Ganz einfach: Kompakte Kameras, die weniger kosten als ein brauchbares Zoomobjektiv für DSLR alleine und darüber hinaus deutlich kleiner sind als diese, erreichen mit ihren Optiken niemals die Detailschärfe die für 20 Megapixel erforderlich wäre. Hohe Auflösungen bei kleinen Kameras sind reines Marketing ohne konkreten Nutzen! Die Olympus XZ-10 ist mit 12 Megapixeln sinnvoll und ausreichend konzipiert. Wer mehr Auflösung braucht rechne mit Photoshop hoch und hat dann auch kein schlechteres Resultat als bei der genannten RX100.
  • MARKO: Makro war eine eindeutige Schwäche der RX100. Die XZ-10 hingegen glänzt in diesem Bereich. Makro ist ein Bereich, in dem Kompakte mit kleinen Sensoren komfortabler einzusetzen sind, als System- und Spiegelreflexkameras. Deshalb gehe ich auch gerne mit OM-D-System- UND Kompaktkamera auf den Weg.
  • TOUCH-DISPLAY: Schön auch das Touch-Display mit dem man per Fingertipp durchaus flott auslösen kann. Wäre natürlich noch netter, wenn sich das Display klappen ließe, doch das ginge auf Kosten der Kompaktheit. Hier muss jeder seine Prioritäten abwägen.
  • UNTER- UND ÜBERBELICHTUNGSWARNUNG: Unter- und Überbelichtungswarnungen kennen die meisten ambitionierten Fotografen – dabei werden Unter- und Überbelichtete Bereiche farblich gekennzeichnet. NACH der Aufnahme bei der Wiedergabe. Mit der XZ-10 habe ich zum ersten mal an einer Kamera ein Option entdeckt Unter- und Überbelichtungswarnungen bereits vor der Aufnahme in Live-View anzeigen zu lassen und ich liebe es. Später hat mir ein Leser meines Blogs verraten, dass meine OM-D das auch kann.
  • ZUSCHALTBARER ND-FILTER: Manchmal ist es während des Tages zu hell um bei offener Blende ohne Überbelichtung fotografieren zu können. In so einem Fall ist der zuschaltbare ND-Filter eine willkommene Option (ein ND-Filter ist eine Art »Sonnenbrille« für die Kamera).
  • KEINE MANUELLE FOKUSSIERUNG: Was mich zunächst etwas zögern ließ die XZ-10 zu bestellen, ist der Umstand, dass sie keine manuelle Fokussierung erlaubt. Allerdings geht es mir in der Praxis absolut nicht ab. Am Ende ist eine Kompakte ohnehin immer nur ein Schnappschussapparat für mich.

Rundum ist die Olympus XZ-10 eine absolut empfehlenswerte Kompakte zu einem vergleichsweise moderaten Preis.

Gegenwart und Zukunft der Bildentwicklung

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Bildentwicklung? Was ist denn das?

Landläufig spricht man von Bildbearbeitung, ein Begriff der mir allerdings für reine Kontrast- und Farbanpassungen nicht besonders gefällt. Unter Bildbearbeitung verstehe ich über diese Anpassungen hinaus auch Retuschen, Montagen und Bildverfremdung. Man könnte auch von Bildverarbeitung sprechen, doch diese Bezeichnung röche für mich zu sehr nach automatischer Verarbeitung durch Maschinen und Software. Bildentwicklung ist am korrektesten – Digitalbilder müssen ebenso entwickelt werden wie analoge Aufnahmen. Mit Bildverfremdung hat das wenig zu tun!

Natürlich ist ein Titel wie »Gegenwart und Zukunft der Bildbearbeitung« oder eben auch »Gegenwart und Zukunft der Bildentwicklung« etwas hochtrabend – schließlich bin ich nicht der EDV-Experte der die Möglichkeiten neuerster Software-Techniken ausreichend kennt, als dass ich sagen könnte was da in Zukunft auf uns zukommt. Dieser Artikel beschreibt viel mehr in welche Richtung sich Bildentwicklung bei mir momentan bewegt.

Photoshop CC

Wer meinen Blog schon etwas länger verfolgt weiß, dass ich Adobes Creative Cloud äußerst kritisch gegenüber stehe. In Artikeln, wie »Pro und Contra Adobe Creative Cloud«, habe ich meine Kritikpunkte aufgelistet und zum Ausdruck gebracht. Dafür habe ich Zustimmung erhalten, aber auch viel Kritik eingefahren, unter anderem, dass ich nur schwarzmale und rumsudere. Auf meine Bitte meinen Contra-CC-Argumenten doch Pro-CC-Argumente gegenüber zu stellen – ich hätte diese auch gerne veröffentlicht und würde es auch jetzt jederzeit nachtragen – folgte nicht viel mehr als »Für einen Teil der Anwender ist die Cloud günstiger, als die Kaufmodelle zuvor; Es gibt keine Alternativen; Bei Microsoft ist alles viel Schlimmer; Wer Apple als positives Beispiel anführt hat unrecht«, wovon ich einzig den Preisvorteil, den User haben, die alle (oder die meisten) CC-Programme haben müssen (wollen?), als stichhaltig nachvollziehen kann. Das heißt, mein Standpunkt zur Creative Cloud hat sich nicht geändert und ich bleibe dabei, dass ich es für leichtsinnig halte mit einem Monopolisten einen Vertrage einzugehen, wie er für die Creative Cloud notwendig ist. Aber das ist im Moment Schnee von gestern, heute nicht zu ändern und in ein paar Jahren wird sich gezeigt haben, ob meine Befürchtungen begründet oder paranoid waren.

Photoshop-Alternativen

Meine Verdrossenheit über Adobes CC-Politik hat mich nach Alternativen zu Photoshop (und InDesign und Illustrator) suchen lassen, mit der absehbaren Bestätigung: Es gibt keine, die professionelle Ansprüche erfüllen. Allerdings ist das kein Grund Photoshop CC haben zu müssen. Ich arbeite weiterhin gut mit CS6 und auch für Leute, die CS5 oder CS4 nutzen, sehe ich keine Notwendigkeit ein Upgrade zu machen – sogar CS3 hat im Grunde alles, was man braucht, sofern es auf aktuellen Betriebssystemversionen noch läuft.

Obwohl ich auf der Suche nach einer Photoshop-Alternative wie gesagt nicht fündig geworden bin, hat sie zu Entdeckungen geführt, die meine Arbeitsweise grundlegend verändert haben – sogar meinen Blickwinkel auf die Bildentwicklung allgemein.

Die beiden Hersteller Topaz Labs und OnOne Software bieten Bündel an Bildentwicklungs-Plugins für Aperture, Lightroom, Photoshop und andere Programme an. Bis dahin war mein Interesse an Plugins relativ gering, da ich (dachte) mit den Werkzeugen von Photoshop ohnehin alles umsetzen zu können, was ich im Kopf hatte, was ja auch stimmte. Die Tests dieser Plugins haben mir allerdings eine völlig neue Arbeitsweise eröffnet, über die ich viel spielerischer an die Bildentwicklung herangehe.

Habe ich zuvor mit Photoshop umgesetzt, was mir im Kopf vorschwebte, spiele ich in den Plugins von Topaz und OnOne mit den Presets herum bis mich ein Resultat anspricht und feile dann an den Einstellungen an den Details. Das führt nicht nur zu neuen, irgendwie zufälligen Ergebnissen – wenn man immer nur umsetzt, was man selbst im Kopf hat, bewegt man sich stets in der Suppe seiner Erfahrung; der Zufall kann da einen neuen Aspekt einbringen, auf den man selbst nicht kommen würde –, sondern die Plugins ermöglichen viele Ergebnisse auch deutlich schneller, als der Alleskönner Photosop.

OnOne bietet mit der Perfect Photo Suite – gerade in der Version 8 angekündigt, mit der OnOne offensichtlich seine Chance sieht, unzufriedene Adobe-Kunden mit einer kompletten Bildbearbeitungsalternative anzusprechen – eine Umgebung an, über die sich sämtliche Plugins auch als Stand-alone-Programme, ohne Photoshop, Lightroom oder Aperture nutzen lassen.

Ebenso bietet Topaz eine Stand-alone-Umgebung mit dem Namen PhotoFXLab an, die es möglich macht auf andere Programme zu verzichten, allerdings zur Bildbearbeitung nicht so ausgefeilt ist, wie die angekündigte Perfect Photo Suite 8 – allerdings sei erwähnt, dass mir die Resultate der TopazLabs-Plugins meist besser gefallen.

Ich habe beide Umgebungen getestet, Topaz PhotoFXLab und Perfect Photo Suite 7, und bin sehr schnell zu Photoshop als Basisprogramm für die Bildentwicklung (nach der Grobentwicklung in Aperture) zurück gekehrt. Das liegt sicher auch daran, dass ich Photoshop souverän und in der Tiefe beherrsche und das Adobe-Werkzeug in Sachen Umfang PhotoFXLab und Perfect Photo Suite weit überlegen ist. Allerdings fungiert Photoshop dabei nur mehr zur Ebenenverwaltung und Maskierung – die Entwicklung von Kontrast und Farbigkeit geschieht nun zu etwa 95% über die Plugins von Topaz und OnOne. Würde ich Google nicht ablehnen und wären mir die Alien-Skin-Filter nicht etwas teuer, könnte ich jederzeit um weitere Plugins aus diesen Häusern erweitern, was die Ausdrucksvielfalt weiter ausdehnen könnte. Photoshop ist dabei in erster Linie Hub. Selbst die Gesichtsretusche erledige ich mittlerweile über ein Plugin, nämlich mit Portrait Pro.

Ein neuer Blick auf die Bildästhetik

Schon die Arbeit mit Aperture hat mir in den letzten Jahren etwas näher gebracht, was ich als HDR-Ästhetik bezeichnen möchte. Die Arbeit mit den Plugins hat diese Richtung weiter verstärkt. Lange Zeit hatte ich angestrebt meinen Bildern einen möglichst natürlichen Look zu verleihen. HDR habe ich wegen des künstlich empfundenen Looks, des Unfugs, den viele Amateure damit treiben, und vor allem, weil HDR versucht etwas für das menschliche Auge sichtbar zu machen, was es gar nicht erfassen und kein Monitor darstellen kann.

Eine Digitalkamera kann einen sogenannten Dynamikumfang von etwa zehn bis zwölf Lichtwerten aufnehmen. Vereinfacht ausgedrückt kann die hellste Fläche eines Fotos etwa zehn bis zwölf mal heller sein als die dunkelste – alles was darüber hinaus geht wird überbelichtet. Die Leistung des menschlichen Auges liegt ebenso in diesem Bereich, deshalb werden wir zunächst geblendet, wenn wir aus einem dunklen Raum in einen sonnigen Garten schreiten, oder sehen zunächst gar nichts, wenn wir nachts das Licht ausschalten.

Bei der Natur geht man davon aus, dass eine absolut weiße Fläche etwa zwanzig Mal so hell ist, wie absolutes Schwarz (absolutes Schwarz ist 0 Licht). HDR möchte Szenen einfangen, deren Dynamikumfang nicht nur zehn, oder zwölf Lichtwerte beträgt (damit werden die meisten Kameras, Monitore und das menschliche Auge einigermaßen fertig), sondern vielleicht 14 oder 16 oder mehr. Dazu werden bei echtem HDR mehrere Belichtungen aufgenommen, zum Beispiel eine, die die dunklen Bereiche ausreichend belichtet, eine, die für die mittleren Bereiche optimal ist, und eine, die auch die hellsten noch ohne Überbelichtung mitnimmt. Diese Belichtungen werden dann am Computer zu einem Bild zusammengefügt. Ein Bild, das zwar theoretisch den Kontrastumfang der realen Szene beinhaltet, aber von keinem Monitor dargestellt werden könnte, und selbst wenn es diesen Monitor gäbe, vom menschlichen Auge nicht zu erfassen wäre. Damit der ganze Kontrastumfang dann doch dargestellt werden kann, muss er soweit komprimiert werden, dass er im Kontrastumfang von Monitoren Platz hat. Ergo: das Resultat ist am Ende etwas, was in Natura niemals so ausgesehen hat.

In der Praxis bedeutet das, dass alle HDR-Bilder die ich bislang sah, entweder so aussahen, dass ich mich fragte weshalb man dafür mehrere Belichtungen braucht – es hätte mit einer kaum anders ausgesehen –, oder dass ich das Resultat als zu künstlich empfand, was allerdings per se nicht schlecht ist.

Gut gemachte HDR-Bilder sind vor durch ihre ungewohnte Ästhetik, die Art wie Licht und Schatten und Kontraste wirken, zu erkennen (die schlecht gemachten daran, dass sie zu viele Kontraste haben, zu unruhig und übersättigt sind). Das ist eine Ästhetik, die mich beeindruckte, als sie neu war, die ich aber alsbald, nachdem ich immer mehr HDR-Bilder sah, abzulehnen begann.

In der Zwischenzeit habe ich meine Meinung geändert. Mir wurde klar, was ich ohnehin schon lange wusste: Ein Foto ist niemals eine realistische Abbildung einer Szene, sondern immer nur eine Interpretation. Es gibt viele Gründe weshalb das so ist, dazu gehört der Unterschied des Farbumfangs zwischen Natur und Kamera, der Unterschied zwischen Kontrastumfang von Natur und Kamera und der Unterschied wie unsere Wahrnehmung eine Szene aufnimmt und wie sie die Kamera aufnimmt. Letzteres Bedeutet, dass unsere Augen eine Szene in sehr kleinen Ausschnitten in Sekundenbruchteilen abtasten, sich das Auge in jedem Augenblick dem gerade abgetasteten Bereich anpasst und das Gesamtbild dann in der Wahrnehmung aus vielen unterschiedlich belichteten Einzelteilen zusammen gebaut wird. Die Kamera hingegen nimmt eine Szene mit einer Belichtung in einem Augenblick auf. Und so sehen wir das Foto dann auch.

Mir wurde bewusst, dass das, was wir an einem Foto als natürlich empfunden haben, nicht wirklich eine natürliche Darstellung ist, sondern lediglich das, was wir in den letzten Jahrzehnten als natürliche fotografische Abbildung erlernt haben, weil 99% der Fotos, die uns begegneten, diese Ästhetik hatten. Die HDR-Ästhetik weicht davon ab und wird deshalb von mir und wohl vielen anderen als unnatürlich empfunden. Tatsächlich jedoch ist sowohl die klassische Fotoästhetik, als auch die HDR-Ästhetik immer nur eine Interpretation der realen Szene und deshalb sehe ich das eine heute nicht mehr anders als das andere.

Mit Plugins lässt sich eine HDR-Ästhetik sehr leicht erreichen, ohne, dass mehrere Belichtungen notwendig sind. Durch das Spiel mit Ihnen hat sich dieser Stil nun auch deutlich in meine Fotografie eingeschlichen. Die Suche nach Alternativen zu Photoshop hat also dazu geführt, dass sich mein Stil verändert hat, und dass meine Bildentwicklung effizienter geworden ist.

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Oben von Apple Aperture automatisch entwickelte Aufnahmen ohne zusätzliche Einstellung (so ähnlich würde auch das JPEG aus der Kamera aussehen), darunter meine Entwicklung mit Topaz-Plugins und Photoshop-Ebenen. Die Realität stellen beide gleich wenig dar. Was euch besser gefällt, überlasse ich – natürlich – auch.

Ein paar weitere Beispiele mit mehr oder weniger deutlicher HDR-Ästhetik.

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Darf man um Rezensionen bitten?

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Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel mit dem Titel »Vielleicht sieht das jemand anders« zu einer negativen Leser-Rezension veröffentlicht und angemerkt, dass Amazon natürlich noch viel Platz für andere Meinungen bietet. Dazu habe ich folgenden, natürlich legitimen, Kommentar erhalten:

»Hast du solche Aufrufe wirklich nötig? Falls ja – eigentlich schade. Meiner Meinung nach haben diejenigen die nach Rezensionen, ich erwähne jetzt ausdrücklich nicht ›positiven‹ und ›betteln‹, fragen ein ernsthaftes Problem.«

Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren. Schön wäre es, wenn die Rezensionen bei Amazon & Co einfach ausschließlich durch echte zufriedene und unzufriedene Leser zustande kämen. Leider liegt es in der Natur vieler Menschen Dinge in ihrem Sinne zu manipulieren, wo immer sich eine Möglichkeit bietet. Nicht alle. Vielleicht nicht mal viele. Aber wo wenige damit beginnen, kommen die unter Druck, die eigentlich nichts davon halten bzw. es ablehnen.

Ich bin bereits mit meinem ersten Werk Opfer eines Autorenduos geworden, die meine Werke, und die vieler Kollegen, durch ausgesprochen negative Rezensionen verunglimpft haben (Manipulation bei Amazon und Amazon Krimi – Fortsetzung). Die Sache kam damals bis in die Tagespresse und führte dazu, dass Amazon seine Bedingungen für Rezensionen änderte. Leider nicht soweit, dass man ein Produkt gekauft haben muss um es rezensieren zu können, aber zumindest doch soweit, dass man nur mehr als registrierter Kunde rezensieren kann. Da mir das Thema nicht egal ist und es mir wichtig ist immer mit offenen Karten zu spielen (ja, ich weiß, dass das oft dumm ist) möchte ich meine Antwort auf den Kommentar in diesem Artikel wiedergeben:

»Es ist eine gute Frage ob ich das nötig habe – ich frage es mich selbst auch. Ich bin generell nicht glücklich damit. Am liebsten wäre mir Rezensionen einfach laufen zu lassen. Mir ist es zuwider zu versuchen Einfluss zu nehmen und um Rezensionen zu betteln. Tatsache ist leider, dass alle Verlage dutzende Rezensionen neuer Werke versenden und mehr oder weniger offen um positive Rezensionen bitten. Ich habe auch schon mit einem Verlagsleiter darüber diskutiert und die Vorgehensweise bedenklich gefunden. Man muss aber auch anerkennen, dass die Praxis einfach so ist und entweder du machst mit oder du kannst schauen wo du bleibst.

Ich vergleiche aufmerksam, wie sich die Rezensionen bei mir und meinen Mitbewerbern entwickeln und manchmal frage ich mich, woher es rührt, dass manche es schaffen innerhalb von Tagen ein halbes Dutzend Rezensionen und mehr zusammen zu bekommen, während es bei mir viele Monate dauert bis ich auch nur auf ein Dutzend komme. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sind meine Bücher einfach schlechter oder es wird mancherorts deutlich aktiver nachgeholfen. Im Moment möchte ich mir noch den Glauben bewahren, dass es kein Qualitätsmangel meiner Werke ist und dann bleibt die zweite Möglichkeit, dass der eine oder andere weniger Skrupel hat Freunde und Bekannte um Lob zu bitten – ich habe auch schon Werke gesehen, bei denen ganz offensichtlich war, dass Kollegen und Bekannte rezensiert haben. Allerdings möchte ich mich nicht der Meinung anschließen 80% der Rezensionen seien gefälscht – das scheint mir dann doch etwas  paranoid.

Bei meinen eigenen Büchern halte ich 100% für echt. Ein paar davon sind von Leuten, die Rezensionsexemplare erhalten haben, deren Urteil ich aber für aufrichtig halte. Einige von Bekannten, die mir gesagt oder geschrieben haben, dass ihnen mein Werk gefallen hat und die ich dann bat, das doch, falls möglich, bei Amazon zu posten. Manchmal schreiben mich auch Fremde mit Lob und Fragen via Mail an. Auch da weise ich darauf hin, dass man lobende Meinung bei Amazon posten kann. Für ebenso authentisch, wie die positiven Rezensionen, halte ich übrigens auch alle negativen die sich bei mir finden (glücklicherweise nicht viele). Man kann es nicht allen recht machen und es ist legitim, dass manche mit deinem Werk nichts anfangen können. Manche Kritikpunkte kann ich nachvollziehen, manche nicht. Aber das ist iO.

Man verdient mit Fachbüchern leider nicht so viel Geld, dass es egal wäre, ob man ein paar Bücher mehr oder weniger verkauft. Positive Rezensionen helfen ein Buchprojekt rentabel zu machen und eine negative kann viele positive zunichte machen. Fehlen die Positiven, wird es schwierig. Also bitte ich gelegentlich darum, Leser, die meine Bücher mögen, ihre Ansicht Kund zu tun. Ist das wirklich verwerflich?

Allerdings hast du recht: Ich habe wirklich manchmal das Gefühl ich bettele um Rezensionen und das gefällt mir eigentlich gar nicht. Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Bringen tun solche Aufrufe sowieso nichts – das habe ich mittlerweile gelernt. Bedauern würde ich es aber schon, müsste ich aufhören zu schreiben. Vor allem wenn der Grund wäre, dass es Mitbewerber gibt die weniger Skrupel haben gute Rezensionen aktiver anzustoßen. :\«