Di, 22. Jul. 08

von Markus

Vor einiger Zeit kam mir die Idee, in diesem Weblog einmal andere Stimmen, als die meine – und neuerdings Pascals – zu Wort kommen zu lassen. Genauer definiert entstand der Gedanke ein paar Blogger, bei denen ich besonders gerne vorbei schaue, zu interviewen. Aus dem Gedanken wurde ein Wunsch und diesen Wunsch habe ich dann den bloggenden Kollegen mitgeteilt. Das Feedback zu meiner Anfrage war beinahe durchgehend positiv, und ich freue mich mit Martin Hömmerich den ersten Gesprächspartner präsentieren zu dürfen.

Die Interviews fanden nicht live statt, sondern wurden über den Austausch eines Textdokuments erstellt. Das ist einfach zu organisieren (bei meinem derzeit chronischen Zeitmangel ein wichtiger Faktor – und für meine Interview-Partner dürfte dasselbe gelten), und hat den Vorteil, dass meine Leser gut durchdachte Antworten präsentiert bekommen.

Ich plane jeweils Dienstags ein Interview zu veröffentlichen und hoffe bald genug Material für die kommenden Wochen zu erhalten.

Martin hat mir mitgeteilt, dass es interessant für ihn war die Fragen zu beantworten, und dass ihm das auch Spaß gemacht hat. Für mich waren seine Antworten äußerst interessant. Nun hoffe ich, dass auch ihr für euch interessantes in den Antworten findet und Spaß am Lesen habt.

Über Martin Hömmerich

Martin Hömmerich ist Gründer und Geschäftsführer von »THAVIS | Agentur für interaktive Produktpräsentation«. Der Diplom-Ingenieur (Photo- und Medientechnik) lebt und arbeitet in Köln.
Martin bloggt seit langem unter hoemmerich.com über »Agenturleben, Grafik, Design, Fotografie & Werbung«. Auch auf ihn bin ich natürlich über sein Weblog aufmerksam geworden – seit vielen Monaten fixer Bestandteil meiner Feed-Sammlung.

Frage: Hallo Martin. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zu Fotografie und Gestaltung gekommen bist, welche Leidenschaft du damit verbindest und womit du heute im Wesentlichen dein Einkommen bestreitest?

Martin: In mir schlagen seit ich denken kann zwei Herzen: Naturwissenschaftler und Gestalter. Während meiner Schulzeit habe ich die Chance eines kreativen Nebenjobs in einer Agentur wahrgenommen und nachmittags Broschüren und Internetseiten gestaltet, abends dann die Hausaufgaben gemacht. Da war ich gerade mal 17 Jahre alt.
Warum ich mich nach dem Abitur für ein Informatikstudium entschieden habe kann ich nicht sagen – jedenfalls habe ich schnell gemerkt, dass das ein Holzweg für mich ist und mir einen sowohl technischen als auch kreativen Studiengang gesucht (Photoingenieurwesen, www.fh-koeln.de). Während dieser Zeit war ich nebenbei Junior-Art-Direktor einer Full-Service Werbeagentur und habe mich immer mehr Richtung Corporate Design und Webdesign vorgearbeitet. Da man während des Studiums eine fotografische Ausbildung erhält, durfte ich für die Werbeagentur auf Kongressen und Messen in der ganzen Welt fotografieren. Das war ein Traum. Noch heute denke ich gerne an diese Zeit zurück, auch wenn ich oft nur vier Stunden vor Klausuren schlafen konnte.
Nach einer Diplomarbeit bei Nokia in Düsseldorf habe ich mich letzten Endes für eine selbstständige Tätigkeit entschieden und bin zunächst mit einer One-Man-Show gestartet – was ich nicht anbieten konnte habe ich mit Freelancern auf die Beine gestellt – und bot vorwiegend Corporate Design, Internetauftritte und Fotografie an. Nach nur einem Jahr habe ich das große Glück gehabt, dass ein von mir mitgestaltetes Projekt – ein Flashmodul zur 360°Produktpräsentation – so erfolgreich wurde, dass ich mit zwei befreundeten Agenturen beschlossen habe, eine neue Agentur in Köln zu gründen, die sich nur mit dem Thema der interaktiven Produktpräsentation beschäftigt.
Als kleine Weisheit zu diesem Werdegang möchte ich sagen (wenn ich mir das erlauben darf), dass es in meinen Augen nie wichtig ist, was andere Menschen erwarten, sondern nur der eigene Wille zählt, das zu tun, was Erfüllung, Selbstverwirklichung und Freude bedeutet. Wenn sich dann die richtigen Wegbereiter und ein wenig Glück finden, ist der Rest Nebensache.

Frage: Gestaltung ist ja kein rein kreativer Prozess, sondern es gibt immer auch das Konzeptionelle und Organisatorische. Wie siehst du das als Fotograf: Beinhaltet ein Gestaltungsprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?

Martin: Inspiration ist oft wunderbar – man sieht etwas und hat sofort neue Ideen für aktuelle Projekte. Man denkt oft, dass viele Agenturen nur nach diesem Prinzip zu arbeiten scheinen: Ist bei Youtube ein Video populär, in dem man vor lauter Ball werfender Menschen den „moonwalkenden Bären“ nicht sieht, kommt eine Autowerbung, in der man vor lauter Auto andere Dinge übersieht.
Inspiration bedeutet eine Idee zu transportieren, aber so geschickt, dass etwas Neues entsteht. Vor vollkommen neuen Ideen habe ich große Ehrfurcht, denn ich werde nur noch selten wirklich überrascht. So selten, dass mir gerade nicht einmal ein Beispiel einfällt. Für mich ist es schon bemerkenswert, wenn jemand technisch perfekt und sauber arbeitet, so dass etwas entsteht, das mir und den Kunden gefällt. Bin ich als Gestalter tätig, verlasse ich mich meist auf das was ich kann, hole mir zwar technische aber selten kreative Inspiration – man hat über die Jahre sicherlich auch einen eigenen Stil entwickelt. Ich könnte das am besten mit „bekannten Pfaden“ beschreiben, die man schon oft erfolgreich mit Kunden beschritten hat und wegen denen man auch engagiert wurde.

Frage: Wie gehst du ein Gestaltungsprojekt an? Wie kommst du zu kreativen Lösungen und was machst du, wenn sich die Inspiration einmal nicht bis zur Deadline einstellt?

Martin: Früher habe ich oft diese Erfahrung gemacht, dass die Eingebung sich einfach nicht einstellen wollte – wir haben damals Logos und Designs vorwiegend für die Pharmaindustrie entwickelt. Von mir als Jüngstem in der Kette wurden oft kreative Neuschöpfungen erwartet, wenn Altbewährtes in Runde 1 vom Kunden abgeschmettert wurde. Das waren schlaflose Nächte vor der Google Bildersuche, verzweifeltes Nachschlagen in Stock-Katalogen und scheinbar endlose Gespräche mit Art-Direktor und Agenturchef. Irgendwann zündet dann ein Funke im Brainstorming – von da an geht alles recht schnell.
Heute bieten wir meist bekannte und bewährte Lösungen an und sind eher technisch kreativ, trotzdem helfen mir die Erfahrungen von früher. Meist hilft nur ein kurzzeitiges Abschalten und die Konzentration auf etwas Neues: Gemeinsames Essen, Spaziergänge oder ein spannender Film. Drüber Schlafen ist meines Erachtens auch ganz wichtig und fehlt unserer Branche leider sehr. Ein ausgeruhter Kopf schafft mehr.

Frage: Manche Fotografen behaupten ja, dass heute in der Fotografie viel zu viel über Technik gesprochen wird, und dass viele Fotobegeisterte den Gestaltungsaspekt völlig aus dem Auge verloren haben – wenn sie ihn überhaupt jemals im Auge hatten. Ich persönlich glaube ja, dass man zunächst einmal den Umgang mit der Technik und die theoretisch/praktischen Grundlagen in Fleisch und Blut bekommen muss, bevor man sich ungehindert und frei der reinen Gestaltung von Bildern widmen kann.
Wie stehst du dazu?

Martin: Es ist wie mit dem Schach spielen: Die Züge der Spielfiguren kennt man schnell, aber ein Kasparov ist man deshalb noch lange nicht. Nicht umsonst gibt es bei Fotografen Tagesgagen von 400–120.000 Euro (wobei ich Letzteres extrem unsympathisch finde, aber das ist eine andere Diskussion).
Ich selbst habe noch mit einer Nikon FT3 angefangen, da war ich in der 4. Klasse und habe mein gesamtes Erspartes auf einmal ausgegeben – trotzdem weiß ich heute trotz jahrelanger Erfahrung, dass ich in manchen Bereichen besser nicht fotografiere, in anderen dafür schon.
Der Aspekt Technik ist vielleicht überbewertet – keine Frage – doch trifft das mehr auf den internen Bereich einer Agentur zu. Nach außen ist es als Agentur durchaus wichtig, auf dem „neuesten Stand“ zu sein. Kunden fühlen sich einfach wohler, wenn sie eine professionelle Ausstattung sehen, die den Gegenwert eines Mittelklassewagens hat und sich die Diskussion auch einmal um die neue Kamera und das Objektiv dreht – das schafft Vertrauen. Mir ist das wichtig. Natürlich könnte man auch mit dem Vorgängermodell vergleichbar produzieren.

Frage: Verrätst du uns etwas über dein Equipment und mit welcher Ausrüstung du gerne arbeitest?

Martin: Zur Fotografie: In der Agentur fotografiere ich mit einer 1DMarkIII und den Objektiven der L-Serie von Canon. Zu Hause nur noch selten mit einer EOS 20D.

In der Gestaltung nutze ich die gesamte Creative Suite von Adobe – Photoshop habe ich seit den ersten Versionen nutzen dürfen (damals noch auf einem Apple Performa 460). Heute arbeite ich auf Latitude-Notebooks der Firma Dell. Ohne Grafiktablett.

Frage: Wie stehst du zu klassischen Bildagenturen und Royalty-Free-Anbietern?

Martin: Deren Dienstleistungen stehe ich sehr aufgeschlossen gegenüber. Dazu muss man sagen, dass der Spruch „Was nichts kostet ist auch nichts“ in diesem Segment heute nicht mehr unbedingt zutrifft.

Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Fotodesigner gelesen haben!«

Martin: „Wie gewinne ich Freunde“ von Dale Carnegie. Kein Scherz. Und den Knigge können sich einige auch unters Kopfkissen legen. Was den meisten heute fehlt ist nicht mehr die fachliche Kompetenz.

Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?

Martin: Ich lese eigentlich nur noch im Netz, sofern die Zeit vorhanden ist. Zeitschriften lese ich eher unterwegs, z.B. wenn ich auf einen Termin warte. Wir leben in einer Zeit, in der uns das Internet Zugang zu den Gedanken so vieler interessanter Menschen verschafft – wir müssen es nur zu nutzen wissen.

Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Fotodesigner werden möchten: Wie wird man das und wie schafft man den Einstieg in die Branche?

Martin: Generell ist wie ich finde ein gestalterisches/fotografisch ausgerichtetes Studium empfehlenswert. Nebenbei lassen sich Erfahrungen in Form von Praktika oder Nebenjobs sammeln. Hier ist ganz wichtig, dass man selbst tätig wird und nicht nur Vorgekautes schluckt – der eigene Wille sich selbst etwas beizubringen und zu lernen muss vorhanden sein.

Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?

Martin: Mache das wonach Dir ist. Lass Dich nicht abbringen, wenn die Zeiten mal widrig sind. Fange klein an und bleibe bescheiden. Alle kochen nur mit Wasser – es ist die Erfahrung die uns langsam wachsen lässt.

Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?

Martin: Schon früh habe ich gemerkt, dass ich nur dann zufrieden bin, wenn ich meine Mitmenschen begeistern kann. Daher habe ich auch meinen Beruf so gewählt – ich hatte, wie man so sagt, keine Wahl. Unsere/Meine Arbeit begeistert Menschen.

Das Weblog zeigt in erster Linie nicht meine Arbeiten, sondern etwas, das ich bei meiner täglichen Lektüre gefunden habe. Wenn ich es schaffe jemandem Neues zu zeigen, sie/ihn damit zu begeistern, dann habe ich viel erreicht.

Auf die Frage warum ich blogge, habe ich einmal geantwortet: „Weil ich meine Gedanken zu Themen, die mich interessieren nicht nur sortieren, sondern auch publizieren und danach mit anderen diskutieren kann, was dazu führt, dass ich manche Dinge neu interpretiere und meine Einstellung korrigiere.“

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast, weiterhin viel Erfolg mit Thavis und ausreichend Zeit für dein Weblog.

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Mo, 19. Mai. 08

von Markus

Dieses Buch ist echt der Hammer, und ein Muss für jeden Gestalter. Zwar heißt das Buch »Das Foto«, aber die Gestaltungsgrundlagen, die Mante hier erklärt, haben Allgemeingültigkeit für jeden Gestalter.

Mante erklärt Form, Fläche, Goldener Schnitt, Proportionen, Linie, Punkt, Farbe und Kontraste – alles an Beispielen der Fotografie, aber es geht nur ganz selten um Fototechnik. Es geht fast immer um die reine Bildgestaltung und deren Regeln lassen sich fast immer 1:1 auf andere Gestaltungsdisziplinen übertragen.

Wer also das Gestalten jenseits von Button-Klicks in Photoshop und InDesign erlernen will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Auch den alten Hasen. Auch wenn man selbst noch nie eine Kamera in der Hand hatte, wird man doch außerordentlich vom Wissen in diesem Buch profitieren – der Einsteiger wie der Profi. Und da ohnehin fast jeder Grafikdesigner – auch der nicht fotografierende – praktisch täglich mit Bildern und Fotos zu tun hat, ist ein zusätzlicher Grund, sich das Buch zu besorgen und mit Hingabe zu verschlingen.

Nachtrag: Von vielen Seiten wurde negativ angemerkt, dass diese hervorragende Buch über Gestaltung alles andere als hervorragend gestaltet ist. Diesem Einwand muss ich leider zustimmen. Dass die Rotis hier als Grundschrift eingesetzt wurde, und als Überschriften dann die Frutiger hinzugekommen ist, mag dem typophilen Leser die Freude am Buch trüben. Die Typografie ist ansonsten aber sauber ausgeführt, und trotz der Schriftwahl lässt es sich gut und flüssig lesen.

Weniger gut und flüssig hingegen ist die Platzierung der Bilder. Die Grafiken und Fotos sind in sehr vielen Fällen nicht auf der Seite, auf der sie im Text besprochen werden. Permanent muss man quer blättern um die genannten Beispiele vor Augen bekommen zu können. Einen Grund dafür, weshalb die Bilder nicht passend auf die Seite des Textes platziert wurden, habe ich nur selten Entdeckt. Ganz im Gegenteil: Es gibt Illustrationen die auf der folgenden Doppelseite besprochen werden, während dort dann eine identisch große Grafik steht, die auf der Doppelseite zuvor ein Thema war.

Inhaltlich bleibt das Buch eine Empfehlung, trotz dieser formalen Schwächen.

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Fr, 08. Feb. 08

von Markus

Kabeleins-Logo

Gesehen bei Corporate Identity Protal, dann diskutiert im Fontblog, und schließlich zerrissen im Design Tagebuch – das neue Logo von Kabeleins hat’s nicht leicht. Allerdings scheint Kritik nicht unangebracht, denn die Macher müssen sich doch die Frage gefallen lassen, wozu die Änderung des Erscheinungsbildes notwendig war. Gibt es eine neue Philosophie, die damit kommuniziert werden soll? Will sich der Sender neu Positionieren? Wäre dann eine kompetentere Umsetzung nicht angebracht gewesen?

Hier einige Kritikpunkte:

  1. Die Schrift möchte signalisieren, dass man hier am Puls der Zeit ist, aber dieser Puls schlug vor einigen Jahren;
  2. Die Strichstärken der Schrift sollen geometisch und Linear wirken, vermitteln aber in erster Linie eine gewisse Unruhe – gerade das k wirkt wie ein Fremdkörper;
  3. Die Schrift ist im Übrigen bei geringer Darstellungsgröße kritisch;
  4. »kabel« wirkt etwas umzingelt von »echt« und »eins« – Ersteres wird durch das dunkle Grau betont (ein Grau, das sich etwas zurück nimmt, und nicht mit dem Orange konkurriert, wäre sicher die bessere Wahl gewesen), letzteres wird durch die fettere Strichstärke hervorgehoben; es stellt sich die Frage, weshalb die eins überhaupt betont wurde (oder gibt es Mitbewerber, die Kabel im Namen tragen, von denen man sich durch Betonung der eins abheben müsste?) – sie ist ja ohnehin in der Bildmarke recht deutlich zu erkennen; »echt kabeleins« hätte ebenso funktioniert;
  5. Die geschwungene »Eins« des Logos mag zwar ästhetisch verbesserungswürdig gewesen sein, aber dieselbe deformierte Ziffer in einen Kasten zu sperren, ist eher das Gegenteil einer Verbesserung;
  6. Last but not least, stellt sich auch die Frage, welche Evolution der Claim darstellen soll – gibt es Kabeleins auch unecht? Will man sich von Fälschungen distanzieren? Was soll uns dieses echt den sagen?
    »… es ist Zeit hier prägnanter zu werden”, teilt uns Kabeleins-Chef Guido Bolten laut Dedalus PR mit; mich würde aber interessieren, was an »echt« prägnant sein soll;
    ja, »good times«, das habe ich verstanden;
    aber echt ist weder neu noch prägnant (von »Echt Köllnisch Wasser«, »Echt Erzgebirge«, »Echt Steirisch«, »Echt Müller«, »Echt Hirschhorn« bis zu »Echt Eppelt Fotostudio«) waren offensichtlich andere längst so kreativ);
    im Grunde beißt sich das konservative Versprechen der Echtheit sogar mit der erzwungenen Moderne (Stichwort: Trendy), das die Schrift rüber zubringen versucht.

Echt interessieren würde mich, aus welcher Notwendigkeit heraus dieses Re-Design in Angriff genommen wurde, und weshalb das neue Logo und der neue Claim erreichen sollten, was das alte nicht zu erreichen in der Lage war.

Um dem Ganzen aber doch etwas positives abzugewinnen: zumindest waren ein paar Leute beschäftigt, und das ist gut für das Bruttosozialprodukt. 8-)

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Do, 31. Jan. 08

von Markus

Ueberschriften

Gerade lese ich ein Buch. Sein Inhalt ist kein Thema für mein Weblog, wohl aber die Gestaltung der Überschriften.

Überschriften in Büchern haben meistens verschiedene Ebenen. In wissenschaftlichen bzw. Fachbüchern wird die Ebene der Überschrift innerhalb der Inhaltsstruktur oft mit Zahlen angegeben:

1. Überschrift

1.1 Überschrift

1.2 Überschrift

1.2.1 Und so weiter

In solchen Fällen, ist eine zusätzliche, grafische Unterscheidung der Überschriftenebene nicht notwendig, wenn nicht gar kontraproduktiv. Verzichtet man auf eine Nummerierung, dann sollte die Wertigkeit der Überschrift in der Überschriftenhirarchie mit typografischen Mitteln deutlich hervorgehoben werden.

In besagtem Buch wurden zwei Überschriftenebenen wie es sich gehört, durch unterschiedliche Gestaltung grafisch eindeutig getrennt, nur wurden die Attribute für die Gestaltung dieser beiden Überschriftenebenen so gewählt, dass unklar blieb, welche Überschrift weiter oben in der Hierarchie steht – welche also eine Unterüberschrift der anderen ist.

Die eine Überschrift wurde zwar mit einer Fetten, anstatt der leichteren Kursiven gesetzt, dafür wurde Letztere um so Vieles größer gesetzt, dass sich optisch ein Gleichstand der Gewichtung ergab (siehe das mit Blindtext nachgesetzte Beispiel oben). Mir blieb bis am Ende unklar, welche Variante denn nun der anderen übergeordnet war.

In diesem Fall war es zwar für das Verständnis des Buches nicht von Bedeutung, und hat lediglich mich als Typograf etwas irritiert, aber der Gestalter des Werkes sollte sich die Frage gefallen lassen, weshalb er zwei Überschriften unterschiedlich auszeichnet, wenn unklar ist, was die Auszeichnung aussagen will.

Ein paar Tipps zur Gestaltung von Überschriften und Überschriftenebenen:

  1. Die Überschriftenhierarchie sollte aus der Gestaltung klar hervorgehen; der Unterschied zwischen 11 Punkt und 12 Punkt ist unklar und wird wohl von kaum einem Leser überhaupt wahrgenommen, also deutliche und auf den ersten Blick erkennbare Unterschiede wählen;
  2. Andererseits ist es unnötig, die Betonung zu übertreiben: Eine übergeordnete Überschrift muss nicht größer, fetter, bunter, in Versalien UND einer anderen Schrift sein – oft reicht schon ein deutlich verändertes Attribut (z.B. einfach nur deutlich größer), um das höhere Gewicht zum Ausdruck zu bringen;
  3. Es spricht nichts dagegen eine Zwischenüberschrift in einer fetten, und die Hauptüberschrift in einer ganz leichten Schrift zu setzen, wenn die übergeordnete so viel größer ist, dass die größere Bedeutung klar hervorkommt;
  4. Überschriften niemals im Blocksatz setzen;
  5. Trennungen in Überschriften nur, wo notwendig;
  6. Überschriften optisch, wie inhaltlich schön umbrechen.
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Fr, 07. Dez. 07

von Markus

zengarden_tmb.jpg

Vielleicht haben Sie in den vergangenen Tagen schon einmal meine Website besucht. Ein paar Wochen war alles ganz Blau hier.

Nachdem ich WordPress installiert hatte, um mein Weblog weiterhin zu betreiben, habe ich mich für das phantastische iTheme von n.design studio als Oberfläche entschieden. Allerdings wurde diese Thema schon von zigtausend WordPress-Usern geladen, und dementsprechend einzigartig wirkt so ein Design von der Stange dann. Ganz abgesehen davon, dass Blau ohnehin nicht meine Farbe ist, war also auch deshalb klar, dass ich meiner Site eigene Kleider schneidern würde. Und da kommt nun eben CSS ins Spiel. Die Programmierung, die für die Funktionen der Website notwendig sind, kann ich nicht selbst übernehmen, aber die Gestaltung der Oberfläche lässt sich mit CSS beinahe beliebig verändern.

Was mit CSS möglich ist, zeigt am eindrücklichsten die Website css Zen Garden. Was man da vorfindet ist eine einzige Internetseite. Für diese kann jeder ein Stylesheet schreiben und über die Site veröffentlichen. Sie, als Besucher, können sich durch all die unterschiedlichen Kleider, die die Designer im Laufe der Jahre für die Seite geschneidert haben, anzeigen lassen, indem Sie das Aussehen jeweils mit einem Klick auf ein Design verändern. Sie werden staunen, auf welch ausgefallene, clevere, schöne, schaurige, üppige, spartanische … Art, die Webdesigner die Gestalt des Inhalts immer wieder neu erfunden haben.

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