Grafik und Gestaltung 2.0

Mon, 07. Jul. 14

Gug2

Nun habe auch ich es in Händen: Die vollständig überarbeitete und deutlich gewachsene zweite Auflage von »Grafik und Gestaltung – das umfassende Handbuch«. Gegliedert in die Kapitel Grafikdesign, Wahrnehmung, Form, Farbe, Bild, Schrift, Lesetypografie, Gestaltungsraster, Corporate Design und Druckvorstufe habe ich versucht alles zusammenzufassen und zu beschreiben was der Gestalter wissen muss. In einem Artikel vom April habe ich bereits ein paar Seiten des Buches hier im Blog vorgestellt.

Eine Beschreibung des Buches samt komplettem Inhaltsverzeichnis und kostenloser Leseprobe findet ihr auf der Website des Verlags (Galileo-Design) wo sich das Buch auch bestellen lässt. Wer lieber via Amazon bestellt (oder sich informiert) kann das hier tun. Natürlich geht auch der klassische Weg über den Buchhändler eures Vertrauens: ISBN 978-3-8362-2513-7.

Über Rückmeldungen, Feedback und Verbesserungsvorschläge freue ich mich jederzeit – und natürlich auch über Rezensionen zufriedener Leser.

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Was folgt auf Aperture?

Sun, 06. Jul. 14

Nachdem Apple Aperture einstellt kann der Konzern aus Cupertino endgültig nicht mehr als verlässlicher Lieferant für Software gelten. Zwar haben sich auch andere Konzerne bereits unschön Programmen entledigt und Kunden im Regen stehen lassen, doch die Art in der Apple seine Kunden über Jahre hinweg über die Zukunft ihrer Werkzeuge im Ungewissen lässt ist wohl einzigartig und zeigt, dass hier einfach das Verständnis für die Bedürfnisse der Anwender fehlt. Wer mit professioneller Software arbeiten muss verlangt vor allem Kontinuität – mehr noch als nach Innovation.

Man hört wenig Gutes über Apples Umgang mit Final Cut Pro X, auch wenn sich Stimmen finden, die behaupten nach einer deutlichen Umgewöhnungsphase die Neuerungen im Programm am Ende doch begrüßt zu haben. Aber: Ich will mich nach einem Update nicht vollständig neu in ein Programm einarbeiten müssen. Und ich will schon gar nicht meine zuvor erarbeiteten Projekte nach einem Update abschreiben oder neu aufbauen müssen. Selbst wenn das Programm durch das Update besser wäre als zuvor. Das geht schon gar nicht bei einem RAW-Konverter und Verwaltungstool in dessen Bibliotheken oft Jahre der Arbeit stecken.

Es ist nicht allein Aperture, das Apple verschustert hat. iWorks startete als exzellente Alternative zu Office und Keynote war PowerPoint damals um Welten voraus. Was seither geschehen ist hat mehr mit einem Hauch von Evolution zu tun als mit innovativer Weiterentwicklung. Pages beispielsweise kennt in der aktuellsten Version keine Serienbrieffunktion mehr – Entwicklung nach hinten, könnte man sagen.

Allerdings: Aperture ist für mich noch immer das beste Programm um meine Fotobibliotheken zu verwalten. Die Auswahl an realistischen Alternativen ist nicht besonders groß: Lightroom, Capture One und DxO Optics. Alle drei bieten professionelle RAW-Entwicklung, doch in Sachen Bildverwaltung kann lediglich Lightroom mit Aperture mithalten.

Wie schon oft in den vergangenen Jahren habe ich mir in den letzten Tagen Lightroom wieder einmal in der aktuellsten Version heruntergeladen und angesehen (ab 2008 arbeitete ich für ein knappes Jahr damit und kehrte dann zu Aperture zurück). Und wie jedes Mal habe ich es sehr schnell geschlossen. Ich kann einfach nicht mit dem üppigen, platzverschwenderischen, strikten und unflexiblen Interface arbeiten. Schon gar nicht so lange Adobe keine Möglichkeit anbietet Shortcuts zu individualisieren.

In Aperture kann ich nahezu jede Aktion mit Shortcuts versehen – auch Entwicklungsrezepte. In Capture One kann ich sogar Regler wie Weißabgleich, Belichtung, Sättigung, etc. über Tastaturkürzel ansteuern. So brauche ich oft beim schnellen Entwickeln von Bildern keine Hand von der Tastatur zu nehmen. Das ist Effizienz auf die ich nicht verzichten möchte!

Alle vier Programm bieten professionelle RAW-Entwicklung mit Stärken und Schwächen und am Ende ist es vor allem Geschmacksache ob man die Resultate von Camera Raw (Lightroom), Aperture, Capture One oder DxO Optics bevorzugt – oft ist beim einen Bild das eine Programm besser und beim anderen das andere. Die Unterschiede liegen vor allem in der Verwaltung, wo Aperture und Lightroom die Nase vorn haben, und in der professionellen Qualität der Bedieneroberfläche, da haben Aperture und Capture One die Nase vorne.

Aperture ist zwei Mal Primus: Gute Dateiverwaltung, professionelle Bedienung. Über Jahre hinweg mein Argument bei Aperture zu bleiben! Kein anderes Programm erfüllt sowohl meine Ansprüche an die Verwaltung als auch an die Bedienung. Danke Apple, dass ihr das für mich beste RAW-Programm einstellt.

Werde ich Aperture deshalb jetzt fluchtartig verlassen? Keinesfalls! Vor allem natürlich weil mir die Alternative fehlt. Also abwarten was mit »Photos« kommen wird.

»Photos« ist das Nachfolgeprogramm von Aperture, das Apples Programme zur Bildbearbeitung unter OSX (iPhoto und Aperture) und iOS (Fotos für iOS und iPhoto für iOS) zu einem Programm vereinen soll. Der Verdacht – besser gesagt: die Befürchtung – liegt nahe, dass Photos zwar für iPhoto-User ein Aufstieg sein könnte, für Aperture-User allerdings ein Rückschritt. Und mal ehrlich: Bei aller Freude an der Entwicklungsqualität und der Bedienung von Aperture 3.3+ – bei der stagnierenden Feature-Entwicklung der letzten Jahre ist ein Rückschritt einfach nicht drin!

Offensichtlich bewusst streute das Umfeld von Adobe (Scott Kelby) ein Gerücht wonach Apple mit Adobe gemeinsam an einem Weg arbeiten soll der Aperture-Usern den Umstieg auf Lightroom erleichtern soll. Das signalisiert natürlich Apple wolle seine Aperture-User los werden. Allerdings ist dieses Gerücht nicht richtig und soll wohl lediglich dazu dienen Aperture-User möglichst schnell auf Lightroom umsteigen zu lassen, am besten bevor Apple Photos offiziell präsentiert. Klar: Wer zu Lightroom wechselt wird nicht gleich wieder zu Apple zurück kehren, selbst wenn Photos besser werden sollte als im Moment erwartet.

Ein Tag nach dem ersten Schock über den Tod von Aperture habe ich, nach einem Check der Alternative, beschlossen, bis auf weiteres bei Aperture zu bleiben. Ich erwarte zumindest, dass Photos eine Bildverwaltung liefert die Aperture nicht wesentlich nachsteht. Sollte das neue Programm meine Entwickelten RAWs nicht so übernehmen können, wie ich sie in Aperture entwickelt habe, werde ich die Entwickelten Bilder als TIFF exportieren und mit Photos verwalten. Die Verwaltung wandert dann (aus heutiger Sicht) zu Capture One. Das widerspricht zwar meiner Grundidee RAWs mit dem gleichen Programm entwickeln und verwalten zu können, aber da ich Lightroom nicht mag sehe ich derzeit schlicht keine Alternative.

Vielleicht wird Photos aber doch noch eine Überraschung, den Apple verfolgt mit dem neuen Programm offensichtlich eine ganz neue Philosophie in der Software-Architektur: Photos soll es Drittanbietern erlauben ihre Werkzeuge direkt im Programm zugänglich zu machen (mehr und weiter führende Links darüber hier).

Das heißt Plug-Ins müssen nicht mehr als eigenständiges Programm aufgerufen werden, wodurch man die Umgebung des Basisprogramms verlässt und in einem RAW-Programm TIFFs, JPEGs oder PSD-Dateien produzieren muss, sondern sind direkt integriert. Daraus ergeben sich natürlich phantastische Möglichkeiten, denn die wunderbaren Werkzeuge von Macphun, Topaz, DxO (FilmPack und ViewPoint), Portrait Pro und OnOne-Software ließen sich damit direkt in den RAW-Workflow integrieren. Sollte sich diese Idee so realisieren lassen, wie sie sich darstellt; sollten sich die professionellen Anwender finden die die Flinte noch nicht ins Korn werfen, Apple noch einmal eine Chance geben und abwarten was Photos bringt und es damit versuchen; und sollten sich die Drittanbieter finden die coole Werkzeuge für das neue Konzept entwickeln und anbieten: Dann könnte Photos zu einer neuerlichen bahnbrechende Innovation aus dem Hause Apple werden.

Ich bin skeptisch was die Entwicklung angeht, doch ich will noch kein Urteil und keine Entscheidung fällen bevor ich das neue Produkt gesehen und getestet habe. Nicht zuletzt, weil ich keine Alternative sehe.

Übrigens sollten sich auch Lightroom-User wünschen, dass »Photos« ein Erfolg wird. Konkurrenz wird auch ihnen nützen!

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Was eigentlich schon lange absehbar war ist jetzt offiziell von Apple bestätigt: Aperture wird eingestellt. Die letzten Monate (fast schon Jahre) klammerte man sich nur mehr wegen der Hoffnung an die Aussicht auf Aperture 4, nicht wegen des Glaubens, dass es kommt. Dabei fürchtete ich schon mit der Vorstellung von Aperture 3 vor einigen Jahren, dass das Programm diese Entwicklung nehmen würde – weg von der professionellen Anwendung hin zu einem Aufsteiger-iPhoto. Apertures Nachfolgeprogramm »Photos« wird wohl genau das sein – ein Zwitter zwischen Aperture und iPhoto. Etwas anspruchsvoller als letzteres aber zu wenig professionell für Profifotografen und Semiprofis.

Generell sei gesagt, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Unternehmen Produkte einstellen. Jedes Unternehmen in dem ich und ihr arbeitet stellt Produkte ein, die in der Unternehmensstrategie keinen Sinn mehr haben oder unrentabel sind. Sich über das Ende von Aperture hämisch freuende Lightroom-User sollten nicht glauben, dass das bei Adobe anders ist. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass Lightroom irgendwann eingestellt wird, aber mit Programmen wie Adobe LiveMotion und GoLive ließ der Konzern seine Kunden auch ordentlich hängen, nicht weniger bei den zugekauften Programmen Freehand und Fontographer und Freunde von Fireworks dürften auch wissen wie man sich vernachlässigt fühlen kann.

Dass Apple Aperture einstellt ist unerfreulich aber zu akzeptieren. Wie Apple dabei vorgegangen ist ist indiskutabel: Treue Anwender Jahre lang im unklaren über die Strategie und im Saft ihrer Hoffnung braten zu lassen zeugt lediglich von Unverständnis der Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden und der Ignoranz mit der sich die Konzerne dem gegenüber verhalten. Ich verstehe die Geheimhaltung um die Entwicklung neuer Produkte und dass Apple den Hype um die Geheimniskrämerei und die Überraschung bei der Vorstellung neuer Produkte nutzen möchte. Doch bei einem Nischenprodukt wie es Aperture ist, ist das einfach nur unnötig und lächerlich. Schon gar nicht wäre es notwendig die Hoffnung auf eine neue Aperture-Version noch durch vage Andeutungen zu schüren, wenn man weiß, dass das Ende längst besiegelt ist, wie das im Falle Aperture geschah.

Allerdings gibt es auch hierfür ein Beispiel, dass das bei anderen Konzernen nicht anders ist: Adobe verkaufte nach der Übernahme von Macromedia ihr Produkt GoLive 9 noch brav weiter an Neukunden, obwohl für jeden Kenner der Branche absehbar war, dass das Produkt nicht weiter entwickelt werden würde. Diese Ignoranz den Kunden gegenüber ist allerdings leider keine Spezialität von Apple oder Adobe sondern schlichter Spiegel unseres Wirtschaftssystems in dem nicht der Kunde oder das Produkt im Mittelpunkt stehen sondern Umsatz und Gewinn.

Noch etwas möchte ich jenen hinter die Ohren schreiben die sich jetzt ob des Niedergangs von Aperture schadenfreuen: Bei Monopolen verliert vor allem der Kunde.

Meine persönliche Konsequenz aus dem Ende von Aperture ist, dass ich mich von der Vorstellung ich könne mit ein und demselben Programm die Entwicklung von RAW wie auch die Verwaltung der entwickelten RAW-Bilder managen verabschiede. Diese Kombination macht einen Wechsel der Anwendungssoftware zur schrecklichen Qual, weil man nach dem Wechsel in der neuen Software alle Bilder neuerlich entwickeln muss. Metainformationen, Schlagworte, Wertungen oft sogar Farbetiketten lassen sich zwar in der Regel von einem Programm zum anderen übernehmen, nicht aber die Entwicklungseinstellungen. Dazu sind die Arten wie die Bilder entwickelt werden in verschiedenen Programmen einfach zu unterschiedlich.

Die Entwicklung von RAWs mit Aperture ist bei mir seit vorgestern zu Ende. Statt dessen werde ich dazu in nächster Zeit wieder Capture One nutzen – das Programm liefert ohnehin nach wie vor die besten Entwicklungsergebnisse von allen RAW-Konvertern. Leider ist es zur Verwaltung umfangreicher Bildbestände nicht die erste Wahl. Deshalb werde ich die entwickelten Bilder als JPEG exportieren und dann in Aperture übernehmen. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass das Nachfolgeprogramm »Photos« in Sachen Verwaltung keinen schwerwiegenden Rückschritt gegenüber Aperture darstellt (zumindest hoffe ich das) und dann würde es das Programm der Wahl zur Verwaltung meiner Bildbibliotheken bleiben.

Ich werde außerdem in der nächsten Zeit wieder einmal einen Blick auf Lightroom werfen, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mich in diese Richtung bewegen werde. Dazu ist meine Abneigung gegen das strikte und unflexible User-Interface und die Aussicht in absehbarer Zeit in der Cloud zu landen zu groß. Lightroom in der Cloud heißt lebenslänglich an das Abo gebunden zu sein, denn eine Kündigung des Abos würde bedeuten, mit einem Schlag die gesamte Bilder-Bibliothek zu verlieren – nicht die Bilder aber die Bibliothek! Das heißt selbst wenn das Management von Photos Mist wäre und mir keine Alternative als Lightroom übrig bleibt würde ich damit nur mehr entwickelte JPEGs verwalten und mit überschaubarem Aufwand auf eine andere Software umsteigen zu können.

Ich bin vier Mal mit RAWs umgezogen – ich habe keine Lust auf ein fünftes Mal!

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Foto

Olympus OM-D E-M10 auf meinem Foto-Pro-Stativ bei der Aufnahme einer Langzeitbelichtung.

Traue keinem Fan!

Seit ich im Frühjahr 2013 begann mit der OM-D E-M5 zu fotografieren bin ich mehr und mehr zum MFT-Fan mutiert. Das Fotografieren mit dem System macht mir mehr Spaß als mit jedem anderen davor und die Resultate scheinen mir durchschnittlich subjektiv besser als das was mir mit meinen Vollformatkameras gelang, auch wenn das eigentlich sowohl gegen die Logik als auch gegen die Messwerte aus den Laboren ist. Was ich damit sagen will ist: Traue keinem Fan, denn sein Urteil wird immer subjektiv gefärbt sein.

Auf der anderen Seite: Es hat natürlich auch Gründe, weshalb ich zum Fan wurde.

Test der Einsteiger-OM-D

Nun durfte ich einige Tage die OM-D E-M10 ausprobieren – die preiswerteste Kamera der OM-D-Serie. Man bezeichnet sie oft auch als die kleinste OM-D, was allerdings sehr relativ ist. In der Praxis steht sie sowohl in Sachen Volumen als auch in in Sachen Gewicht der E-M5 kaum nach – die E-M10 hat mit Akku und Speicherkarte etwa 396g, die E-M5 etwa 425g.

Die E-M10 ist praktisch relevant also weniger die kleine OM-D als viel mehr die Einsteiger-OM-D. Dass sie nicht wesentlich kleiner als die E-M5 ist, ist kein Schaden. Die E-M5 ist einerseits kompakt genug um mit Pancake oder kompakter Festbrennweite in einer Jackentasche Platz zu finden, aber nicht so klein, dass in Sachen Bedienung zu große Kompromisse gemacht werden müssen.

Wer es kleiner mag findet bei Olympus mit den Pen-Modellen kleinere und leichtere Kameras und bei Panasonic mit der GM1 eine besonders kompakte, die ich in Form der GM1 im Kit mit dem Panasonic Leica 15mm ƒ1.7 für mich ins Auge gefasst habe. Doch die GM1 ist, wie ich im Artikel über sie schrieb, keine Einsteigerkamera sondern eine für Fotografen die recht genau wissen was sie wollen. Die GM1 ist in erster Linie eine kompakte Zweitkamera für ambitionierte Hobby- und Profifotografen. Hätte ich nicht bereits eine OM-D E-M5 und eine OM-D E-M1 und müsste mich zwischen E-M10 und Lumix GM1 entscheiden, wäre es keine Frage zu welcher ich greifen würde: Zur E-M10.

Klein aber nicht zu klein

Der Grund: Zwar schenken sich GM1 und E-M10 in Sachen Funktionen und Abbildungsqualität wenig, doch durch Volumen und Gewicht liegt die E-M10 besser in der Hand. Sie hat viele Bedienelemente die ich mit Direktfunktionen belegen kann und vor allem: Sie hat einen Sucher und ein Klappdisplay. Gerade der fehlende Sucher macht es bei der GM1 im Sonnenschein zum reinen Blindflug Motive einzufangen. Mit dem elektronischen Sucher der E-M10 ist das gar kein Problem.

Es gibt zwei Gründe, dass ich mir als dritte MFT-Kamera die GM1 kaufen werde: 1. weil ich als dritte Kamera bewusst ein möglichst kompaktes Gerät wünsche und 2. weil das Leica 15mm ƒ1.7 auf meiner Wunschliste steht, seit ich davon gelesen habe, dieses sowieso kaufen werde und ich die GM1 durch das Kit-Angebot zum deutlich reduzierten Preis dazu bekomme.

E-M5 oder E-M10?

Besäße ich nicht bereits die E-M5 und hätte die Wahl zwischen ihr und der E-M10 wäre die Entscheidung nicht ganz so einfach. Die E-M10 hat ein billigeres Gehäuse bei dem Plastikhaptik deutlich präsenter ist. Die E-M5 hat mich vor allem wegen ihrer überragenden Haptik für sich eingenommen. Sie ist gut gegen Staub abgedichtet und Spritzwasserfest. Fotografieren im Regen? Kein Problem mit der E-M5 und einem abgedichteten Objektiv! Diesbezüglich wäre ich mit der E-M10 doch bedeutend weniger sorglos.

Auf der andren Seite hat die E-M10 einen integrieren Blitz, wogegen bei den anderen beiden OM-Ds ein Blitz aufgesteckt werden muss. Der ist zwar winzig, doch das Auf- und Einklappen des Blitzes bei der E-M10 hat durchaus seine Vorteile. Zwar weiß, wer mich kennt, dass ich (so gut wie) niemals mit dem Blitz auf der Kamera blitzen würde, doch ich verwende integrierte Blitze oder eben den Aufsteckblitz meiner OM-Ds um andere entfernte Blitze entfesselt (kabellos) zu steuern. Das mache ich in letztere Zeit vor allem regelmäßig in der Makrofotografie. Hierbei wäre der integrierte Blitz der E-M10 nun eben ein deutlicher Vorteil gegenüber den Aufsteckblitzen der anderen beiden OM-Ds.

Andererseits wiederum hat die E-M10 eine etwas simplere Bildstabilisierung. Die 3-Achsen-Bildstabilisierung soll dem 5-Achsensystem der E-M5 kaum nachstehen. Es fehlte mir leider die Zeit diese Behauptung von Olympus zu überprüfen, doch ich bin ein bisschen skeptisch. Die Bildstabilisierung der E-M5 stellt alles was ich davor kannte bei weitem in den Schatten. Ich kann mir vorstellen, dass auch die Stabilisierung der E-M10 die Konkurrenz alt aussehen lässt. Doch ist sie tatsächlich auf Höhe der E-M5 und E-M1? Das ist eine Frage deren Beantwortung ich euch leider schuldig bleiben muss. Allerdings gilt Olympus seit Jahren als Primus bei der Bildstabilisierung und daran, dass auch jene der E-M10 saugut ist hege ich keinen Zweifel.

Die E-M10 ist die perfekte Einsteiger-Systemkamera

Die Olympus OM-D E-M10 ist in meinen Augen die perfekte Einsteiger-Systemkamera. Unter Systemkamera versteht man an sich Modelle mit Wechselobjektiven aber ohne Spiegel. Genau genommen sind aber auch DSLRs Systemkameras und wenn ich behaupte die E-M10 ist die perfekte Wahl für den Einstieg in das Fotografieren mit Wechselobjektiven, dann schließt das Modelle mit und ohne Spiegel ein.

Profis und Semiprofis werden bei bestimmten Aufgabenbereichen mit einer Vollformatkamera sicher eher das finden, was sie brauchen. Doch wer nicht in diese Sphären aufsteigen will findet für den Einstieg in die Fotografie mit Wechselobjektiven derzeit wohl kein attraktiveres Angebot als die E-M10 – nicht um diesen Preis und nicht mit diesem umfangreichen Angebot an (auch preiswerten) Wechselobjektiven.

Die wichtigsten Gründe die für die E-M10 sprechen sind:

1. Sie ist klein und kompakt. Die meisten Leute die eine Spiegelreflex kaufen verlieren nach einiger Zeit wieder die Freude daran und kehren zu Kompaktkamera oder Handy zurück, weil ihnen die DSLR einfach zu groß ist und sie sie nicht gerne mitschleppen. Das gilt umso mehr, wenn man nicht nur ein Objektiv sondern mehrere mitführen will. Das MFT-System hat nur einen Bruchteil des Volumens und des Gewichts eines DSLR-Systems – je nachdem vielleicht etwa die Hälfte bis ein Viertel. Je mehr Objektive man einpacken will, desto mehr spricht die Bilanz für MFT. Wie gesagt: Die OM-D passt mit dem Kit-Pancake-Zoom locker in eine Jackentasche (das Pancake-Zoom konnte ich übrigens leider nicht testen).

2. Während die großen Mitbewerber ihre DSLRs softwareseitig deutlich kastrieren um den Unterschied im Funktionsumfang zu ihren größeren und teureren Schwestern möglichst groß zu halten und ambitionierten Aufsteigern möglichst frühzeitig einen Grund zu einem teureren Modell umzusteigen zu geben, unterscheidet sich die E-M10 im Funktionsumfang praktisch nicht von der Profi-OM-D, der E-M1. Das heißt alles was aus der E-M1 raus zu holen ist, geht auch mit der E-M10 (es mag minimale Einschränkungen geben, ich habe keinen detaillierten Vergleich angestellt). Die Unterschiede zwischen den Modellen liegen in erster Linie am Bedienumfang durch Tasten am Gehäuse, den eingesetzten Materialien und der Verarbeitung. Die größeren Modelle sind solider und robuster, die E-M1 aufgrund des griffigeren und voluminöseren Gehäuses auch effizienter zu bedienen.

Ein Verkäufer bei Foto Hebenstreit, von wo ich auch diesmal die Kamera zur Verfügung gestellt bekommen habe, verriet mir, dass die E-M10 jene Kamera ist, die er derzeit am häufigsten verkauft. Das ist für mich gut nachvollziehbar. Zwar ist beispielsweise aus einer Nikon D7100 theoretisch mehr raus zu holen, doch das nur zu einem deutlich höheren Preis und der Gewissheit, dass man sich damit für eine Ausrüstung entscheidet, die das Drei- oder Vierfache Gewicht und Volumen einer MFT-Ausrüstung bedeutet. Dabei sprechen wir aber von einem qualitativen Mehrwert den nur ein sehr fortgeschrittener Fotograf generieren wird, den der Laie kaum sieht und der nur bei ausgesprochen großen Postern spezieller Motive relevant ist. Wäre die Abbildungsqualität der OM-Ds nicht tadellos, würden nicht zunehmend mehr Profis Gefallen an diesen Geräten finden. Oft sind es eher detailverliebte Semiprofis die sich an theoretischen Unterschieden aufhängen, während Berufsfotografen vor allem auf praktisch relevante Qualität und Arbeitseffizienz achten.

Wenn mich in Zukunft jemand fragen wird: »Welche Kamera soll ich kaufen?«, werde ich mit Sicherheit auch sagen: »Schau dir die E-M10 an.«

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Wenn man die Diskussionen in der Fotografie so verfolgt könnte man meinen alles drehe sich vor allem um Größe. Regelmäßige Leser wissen, dass ich da einen anderen Standpunkt vertrete.

Große Bildsensoren haben viel Vorteile – das kann niemand bestreiten. Man muss sich aber immer überlegen was allgemeine theoretische Vorteile sind und wo die praktischen Vorteile für einen persönlich liegen. Und Nachteile! Ich stellte hier bereits öfters die Frage: Wozu bräuchte meine Kamera eine riesige Auflösung wenn ich niemals Poster drucken lasse die diese Auflösung erforderlich machen? Und selbst wenn ich große Poster drucken möchte ist bei den meisten Motiven eine riesige Auflösung noch immer irrelevant – wer schließlich würde beispielsweise bei einem A1-Porträt so nah an das Poster herantreten, dass seine Augen den Unterschied zwischen 100ppi und 300ppi ausmachen könnten?

Es scheint eine Tendenz zu und einen Wunsch nach größeren Sensoren in Kompaktkameras geben. Die Sache hat für mich aber zwei Haken: 1. Je größer der Bildsensor desto größer die Kamera und vor allem die Objektive; 2. Größere Bildsensoren führen dazu, dass Kompaktkameras ihre ausgezeichnete Makrofähigkeit verlieren.

Kompakte als komfortable Makrospezialisten

Wer Makrofotografie nicht mit Aufwand, Makroobjektiven, Makroblitzen und Stativen betreiben will, fotografiert mit Kameras mit einem kleinen Aufnahmesensor viel komfortabler wenige Millimeter große Objekte, als mit einer Systemkamera (also auch DSLR). Ich rate deshalb jedem der ein Bisschen Makro machen möchte sich zu überlegen, ob ein Makroobjektiv für die Systemkamera tatsächlich sinnvoll für ihn ist oder ob er mit einer guten Kompaktkamera nicht deutlich besser beraten ist. Immerhin kostet ein Makroobjektiv in der Regel 500+ währen gute Kompaktkameras bereits zum Straßenpreis von etwa 200 Euro zu haben sind. Die Kompakte kann in vielen Fällen dabei sogar kleiner und leichter sein als das Makroobjektiv und statt das Objektiv zu wechseln zieht man einfach nur die Kompakte aus der Tasche. Und wie gesagt: Wenn man nur geringen Aufwand betreiben möchte lassen sich mit Kompakten leichter bessere Makroaufnahmen erstellen.

Eine Kompakte die diese besondere Makrofähigkeit nicht besitzt wäre für mich keine sinnvolle Kompakte. Seit ich das MFT-System nütze ist schon meine Hauptkamera so klein, dass ich sie in eine Jacken- oder Manteltasche bringe (OM-D E-M5, so lange eine Festbrennweite drauf ist) und sollte ich mich wirklich für eine Lumix GM1 entscheiden wird das System noch einmal kleiner. Da hat für mich die Kompakte eben vor allem auch den Vorteil sie einmal schnell herausziehen und statt eines Makroobjektivs einsetzen zu können.

Kompakte sollten kompakt sein

Außerdem erwarte ich mir von einer Kompaktkamera eben, dass sie kompakt ist. Meine Systemkamera passt mit den meisten Objektiven in meine Jackentasche. Von einer Kompaktkamera erwarte ich, dass sie in die Hemd- oder Hosentasche passt.

Bei den meisten Kompakten die derzeit als State of the Art gehandelt werden trifft beides, was ich von einer Kompakten erwarte, nicht zu. Als ehemaliger Besitzer der Sony RX100 weiß ich aus Erfahrung, dass sie gerade nicht mehr klein genug ist um richtig kompakt zu sein und dass ihre Makrotauglichkeit wenig überzeugend ist. Das sind die Gründe, weshalb ich sie am Ende wieder verkauft habe. Und wegen der sinnlos hohen Auflösung, die bei so einer Kompakten nur überflüssig große Daten erzeugt und ein reiner Marketing-Gag ist, aber im Vergleich zu einer 10-MP-Kompakten Null Detailschärfegewinn bedeutet.

Dasselbe gilt auch für die als Profi-Kompakte positionierten Modelle Canon G12 und Nikon P7800. Diese Kameras versprechen dieselben Möglichkeiten zu bieten wie eine Systemkamera und sind aufgrund ihrer Konstruktion mit vielen Einstellrädchen, Knöpfchen und einem Sucher alles andere als Kompakt. Zwar muss ich diesen beiden zugute halten, dass sie aufgrund des recht kleinen Sensors, den auch sie nutzen, meine geforderte Makrotauglichkeit erfüllen, und dass ein Sucher im Sonnenschein allemal ein Vorteil ist. Allerdings ist ein winziger Sucher, wie ich ihn bisher von solchen Modelle kenne, doch nur eine Notlösung auf die ich heute keinen Wert mehr legen würde, wenn es den Preis des Verlusts der Kompaktheit fordert.

Leere Versprechungen

Das Versprechen, dem auch ich früher erlag, dass man mit so einer Kamera, dadurch, dass sie mit Blendenvorwahl, Zeitvorwahl und manuellen Belichtungseinstellungen sowie mit den dedizierten Rädchen zum Steuern der Belichtungsparameter genauso kreativ gestaltend fotografieren kann wie mit einer Systemkamera, können die Geräte dabei in der Praxis gar nicht halten. Wenn der Fotograf die Belichtungseinstellung nicht einer Kameraautomatik überlassen möchte geht es ihm vor allem um das kreative Steuern der Blende um dadurch die Schärfentiefe zu beeinflussen. Es gibt zwei Gründe, weshalb dieses Ansinnen bei einer Kompakten mit kleinem Sensor in den meisten fotografischen Situationen aussichtslos ist: 1. Die generell große und schon auf kurze Distanzen meist unendliche Schärfentiefe; 2. Der Spielraum zur Blendensteuerung ist selbst bei sehr guten Modellen am langen Ende der Brennweite nur selten besser als ƒ2.8 bis ƒ8, wobei wohl davon ausgegangen muss, dass ab Blende ƒ4 die Detailschärfe schon wieder deutlich abfallen dürfte. Das heißt in der Praxis wird es mit so einer Kompakten relativ Wurst sein ob man manuell belichtet oder das Wählen von Blende und Zeit der Programmautomatik überlässt (von der Belichtungskorrektur einmal abgesehen).

Vergleiche ich eine Lumix G1 Systemkamera mit einer Canon G16 Kompaktkamera, dann gibt mir die G1 aufgrund ihres viel größeren Sensors tatsächlich relevante Gestaltungsmöglichkeiten der Schärfentiefe bei deutlich besserer Bildqualität in einem kleineren und leichteren Gehäuse: Die G1 hat inklusive Standardzoom etwa 280g, die Canon G16 knapp 360g.

Lauter Gründe für mich, weshalb ich nur eine wirklich kompakte Kompaktkamera mit kleinem Sensor kaufen würde.

Ein paar aktuelle Modelle kompakter Kompakten

Eine Kompakte der unteren Preisklasse würde ich mir heute keine mehr kaufen. Aktuelle Smartphones haben bereits eine dermaßen hohe Qualität, dass so ein solcher Apparat nur einen geringen Mehrwert liefern könnte. Einen Seitenhieb gegen Samsung und Sony mit ihren 16-+-MP-Monstern kann ich mir hier jetzt allerdings nicht verkneifen. Das ist reines Marketing und völlig sinnlos. Hier lobe ich mir Apple die in Sachen Sensorauflösung beim iPhone einigermaßen am Boden bleiben und ihre Kunden nicht mit Megapixelködern verarschen oder auch Nokia (jetzt wohl Microsoft), die zumindest mit im Vergleich wirklich sehr großen Sensoren punkten.

Neben Kompaktheit ist RAW-Fähigkeit ein ausschlaggebendes Kriterium, dass eine Kompakte für mich in Frage kommt.

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Olympus XC-10; © Olympus 2013

Mein derzeitiger Kompaktkamera-Favorit ist eindeutig die Olympus XZ-10. Keine andere Kamera kombiniert Kompaktheit und Lichtstärke besser wie sie und ihre Abbildungsqualität ist bestechend. Dabei gehört sie zum preiswertesten unter den anspruchsvollen Kompakten. Hätte ich einen einzigen Wunsch für ihre Nachfolgerin offen wäre das 24mm statt 26mm Weitwinkel. Unterm Strich ist sie aber die erste Kompakte mit der ich dauerhaft zufrieden bin. (Affiliate-Link zur XZ-10 bei Amazon)

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Canon PowerShot S200; © Canon 2014

Seit Jahren empfehle ich die Kompakten der Canon-S-Serie als ideale kompakte Begleiterin – seit ich ein Buch über die S95 schrieb (das dann leider nicht veröffentlicht wurde. Mittlerweile hat die S den Sprung von der 120 zur 200 geschafft. Wer bei Amazon sucht findet von der S noch immer ältere Modelle, wie die S110 um derzeit knapp über 200 Euro oder die S120 um etwa 350 Euro – es muss nicht unbedingt das neueste Modell sein!

Vorteil der S-Modelle gegenüber der XZ-10: Sie haben 24mm Weitwinkel. Nachteil: Sie sind nicht am langen Ende der Brennweite – also dort wo’s eigentlich interessant wäre – deutlich weniger Lichtstark.

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Nikon P340; © Nikon 2014

Die Nikon P340 teilt mit der Canon S, dass sie gegenüber der XZ-10 mit 24mm Weitwinkel glänzt, und den Nachteil, dass Sie am langen ende des Zooms nicht besonders lichtstark ist. Während ich mit der Olympus XZ, der Canon S und der Sony RX persönliche Praxiserfahrung habe, gilt das für die Nikon P340 und die folgenden Kameras nicht. Wäre ich jedoch nicht bereits auf die XZ-10 eingeschworen, würde ich mir diese Modelle durchaus ansehen. Und wie immer gilt: Was für mich perfekt ist muss für andere nicht optimal sein.

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Panasonic Lumix LX7; © Panasonic 2014

Die Lumix LX7 zog ich selbst einmal in Erwägung bevor ich zur XZ-10 gekommen bin. Sie Vereint die Vorzüge eines 24mmm Weitwinkels und guter Lichtstärke am langen Ende der Brennweite, ist dafür aber deutlich größer als die XZ-10.

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Fuji XQ1; © Fujifilm 2014

Wenn man heute an qualitativ hochwertige, clevere, schicke Kameras denkt, kommt man um Fuji nicht herum. Neben der oben abgebildeten XQ1 ist auch die XF1 im Retrodesign einen Blick wert. Auch bei Ihnen muss ich allerdings bemängeln, dass die Lichtstärke mit zunehmender Brennweite deutlich nachlässt.

Ich persönlich bin gespannt womit Olympus die XZ-10 eines Tages ersetzen wird. Da Apple das RAW-Format der XZ-10 nicht unterstützt und es wohl auch nicht mehr nachholen wird, was mich zwingt zur RAW-Entwicklung auf ein anderes Programm als Aperture auszuweichen, könnte der Nachfolger trotz meiner Zufriedenheit mit dem aktuellen Modell durchaus interessant sein. Allerdings weiß ich auch nicht, wie lange ich Aperture noch treu bleibe – Apples Politik bei diesem Produkt ist wirklich nur mehr peinlich.

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