Neu in Affinity Photo 1.5: Tone Mapping Persona

In einer Serie aus 9 Episoden möchte ich den Lesern meines Affinity-Photo-1.4-Buches die neuen Funktionen von Affinity Photo 1.5 näher bringen. In der ersten Episode der kleinen Reihe stelle ich die Tone Mapping Persona vor.

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Das ABC der Farbe

Das ABC der Farbe – Theorie und Praxis für Grafiker und Fotografen

Mit »Das ABC der Farbe« war es mir ein Anliegen ein Buch zu schreiben, das Farbe speziell an den Bedürfnissen und Anforderungen von Fotografen und Mediengestaltern orientiert beleuchtet, und, wie der Untertitel sagt, eine für die Praxis dieser Berufsgruppen wichtige Farbenlehre beschreibt.

Auf gut 190 Doppelseiten werden 172 Begriffe bzw. Themen rund um Farbe erklärt und illustriert. Dabei wird das Buch zwar unter anderem von einem alphabetischen Inhaltsverzeichnis angeführt, baut jedoch Schritt für Schritt einen Begriff auf den anderen auf. Ziel ist, dass der Gestalter nicht nur weiß sondern auch versteht was er tut.

Der Inhalt gliedert sich in sieben Kapitel.

Kapitel 1: Licht

Themen: Licht, Weiß, Reines Weiß und absolutes Schwarz, Schattierung, Helligkeit, Lichter, Mitten und Schatten, Graustufen, Lineare und logarithmische Kontraste, Kontrast, Kontrastverhältnis, Lichtwert, Unter ­und Überbelichtung, Kontrastumfang, Kontrastumfang in der Fotografie, Kontrastumfang am Monitor, Kontrastumfang beim Beamer, Kontrastumfang im Druck, 18 ­% ­Graukarte

Kapitel 2: Farbe

Themen: Farbe, Grundfarben, Lichtwellen, Farbspektrum, Leuchtkörper und Farbfilter, Lichtfarben, Körperfarben, Additive Farbmischung, Subtraktive Farbmischung, Primärfarben, Sekundärfarben, Tertiärfarben, Unbunte Farben, Neutrales Grau, Gegenfarben, Spektral- und Mischfarben, Farbeigenschaften, Buntton, Sättigung, Helligkeit, Farbtemperatur

Kapitel 3: Farbwahrnehmung

Themen: Farbwahrnehmung, Auge, Zapfen, Stäbchen, Visuelle Wahrnehmung, Farbe und Auflösungsvermögen, Rasterdruck, Pixel, Auflösungsvermögen der Augen, Optische Illusionen und Phänomene, Hell-Dunkel-Täuschungen, Sukzessivkontrast, Simultankontrast, Bewegungsillusionen, Flächenillusionen, Helligkeit weckt Interesse, Tiefenwirkung von Farben, Interferenz-Effekte, Farbenblindheit

Kapitel 4: Farben und Wirkung

Themen: Farben und Wirkung, Rot, Orange, Gelb, Gelbgrün, Grün, Blaugrün, Cyan, Mittelblau, Blau (Violettblau), Violett, Magenta, Purpur und Rosarot, Braun, Grau, Weiß, Schwarz

Kapitel 5: Farbsysteme

Themen: Farbsysteme, Farbkreise, Newton, Goethe, Itten, Küppers, Hering, Munsell, Farbmodell, Farbumfang, CMYK-Farbmodell, CMYK-Farbraum, RGB-Farbmodell, RGB-Farbraum, HSB, HSV, Buntton, Sättigung, Helligkeit, HSB/HSL in der Praxis, Hex-Farbe, L*a*b*, Lab-Farbmodell, Referenzfarbraum L*a*b*, Referenzsysteme, Prozessfarben, Euroskala, HLC, Volltonfarben, Pantone, HKS, RAL, NCS

Kapitel 6: Farbgestaltung

Themen: 24-teiliger Farbkreis + Weiß, 24-teiliger Farbkreis + Schwarz, 24-teiliger Farbkreis + Grau, Farbkontraste, Hell/Dunkel-Kontrast, Buntkontrast, Komplementärkontrast, Kalt/Warm-Kontrast, Sättigungskontrast, Bunt/Unbunt-Kontrast, Flächenkontrast, Farbharmonien, Harmonischer Dreiklang, Komplementäre Farbharmonie, Komplementärer Dreiklang, Analoge Farbharmonie, Monochromatische Farbharmonie, Programme und Online-Hilfen

Kapitel 7: Farbe in der Praxis

Themen: Farbe in der Praxis, Kanäle, Graustufen, RGB-Kanäle, CMYK-Kanäle, Lab-Kanäle, Duplex, Volltonkanäle, Farbtiefe, Digitale Dunkelkammer, Digitales Negativ, RAW, RAW-Konverter, Bildentwicklung, Bildbearbeitung, Histogramm, Tonwertumfang, Tonwertkorrektur, Tonwertspreizung, Farbkorrektur, Farbwerte, Grund- und Gegenfarben, Neutrales Grau, Weißabgleich, Richtige Farben, Farben editieren, Farbmanagement, Farbräume, Farbprofile, Standard-Profile, sRGB 352, Adobe RGB, Kamerafarbraum, Gestrichenes Papier, Ungestrichenes Papier, In Profil konvertieren, Rendering Intent, Medienneutrales Publizieren, Color Management Workflow, Farbverbindliches Arbeiten, Kalibrierung, Farbmanagement in den Programmen, Arbeitsfarbräume, Proof

Angaben zum Buch

Rheinwerk-Verlag 2017, 400 Seiten, gebunden, komplett in Farbe,  großes 21-×-24-Format
ISBN 978-3-8362-4501-2
Buch: 39,90; E-Book: 35,90; Buch/E-Book-Bundle: 44,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

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Alles wird schneller: Olympus OM-D E-M1 Mark II

Olympus hat 2013 mit der OM-D E-M1 die perfekte Kamera für mich vorgestellt. Zwei Jahre später wurde ich schon gelegentlich gefragt, ob ich sie durch eine Mark II ersetzen würde – lange bevor eine solche offiziell angekündigt wurde. Bis die Mark II tatsächlich vorgestellt wurde war das kein relevantes Thema für mich.

Die E-M1 verschafft mir beim Fotografieren die Leichtigkeit die MFT generell zu Grunde liegt. Sie ist aber groß und griffig genug um sie auch bei ausgedehnten Foto-Sessions effizient einsetzen zu können. Mit der E-M5 – der ersten Olympus die mir MFT und spiegelloses Fotografieren schmackhaft machte – wäre das kein Thema gewesen. Die E-M5 punktet unterwegs mit Kompaktheit, wäre für mich aber keine Alternative zu meiner damaligen D600 gewesen. Erst die E-M1 von 2013 veranlasste mich auf den Gedanken, von Nikon auf Micro FourThirds umzusteigen, was ich nach einigen Wochen mit ihr auch in die Tag umsetzte.

Für einen Fotografen wie mich, der etwa 95% auf Achse fotografiert, kann es in meinen Augen kein besseres System als MFT geben. Mehr als alles andere bestätigte mir das eine 15-tägige Rundfahrt um Island: In meiner Vanguard The Heralder begleiteten mich damals, ein Weitwinkel-, ein Standard- und ein Telezoom (M.Zuiko 9–18mm und M.Zuiko 12–40mm, Lumix 100–300mm) und drei Kameras (E-M5, E-M1 und Lumix GM1). Trotz dreier Apparate samt Linsen, hatte ich wohl weniger Ballast zu tragen, als eine Vielzahl anderer Touristen mit Vollformat und zwei oder drei Wechselobjektiven. Ein bis zwei Stunden Fußmarsch mit der Fototasche um die Schultern waren kein Problem.

Jeden Brennweitenbereich an einer eigenen Kamera zu haben, hat doppelten Vorteil: Man muss nicht ständig Objektive wechseln, läuft also nicht Gefahr, dass Staub und Schmutz in die Kamera gelangen, und man ist in Sekunden schussbereit.

Klar bringt MFT gegenüber APS-C und Kleinbild auch Nachteile mit sich, die man nicht ernsthaft von der Hand weisen kann:

  1. Da wäre einmal die enger gesetzten Grenzen in der Auflösung. Allerdings fand ich mit den 16 Megapixel von E-M5 und E-M1 immer mein Auslangen. Damit erreiche ich bei 300ppi knapp A3, bei 250ppi sogar deutlich darüber (genau genommen gibt es kaum Situationen in denen 300ppi gegenüber 250ppi eine sichtbare Qualitätssteigerung bringt). Mit den 20MP der Pen F und der E-M1 Mark II ist sogar dieses Limit gesprengt und wer unbewegte Motive fotografiert kommt mit Stativ sogar auf 50MP bzw. 80MP.
  2. Während mehr als 16 Megapixel kaum ein Thema ist, das mich berührt, stellt für mich die bessere ISO-Performance schon eher einen bemerkenswerten Nachteil von MFT gegenüber Vollformat dar. Allerdings hat die ISO-Performance heute generell ein so gutes Niveau erreicht, dass ich deswegen nicht das doppelte oder dreifache Gewicht durch die Gegend schleppen möchte.
  3. Noch ein Thema bei dem ich mir mehr wünschen würde, wäre Dynamikumfang. Von den etwa 15 Lichtwerten die Nikons Spitzenmodelle erreichen, kann ich mit MFT nur träumen. Olympus’ und Panasonics Modelle schaffen heute knapp 13LW. Allerdings ist das noch immer ein Wert der manche Canon-Profikameras in den Schatten stellt – Kameras mit denen Fotografen die viel besser sind als ich Aufnahmen machen, die mich wegblasen. Also, was soll’s!
  4. Noch ein Nachteil: Die geringe Schärfentiefe exzellenter Festbrennweite bleibt mit MFT unerreichbar. Selbst mit manuellen ƒ0.95 Objektiven wird man von einem preiswerten (und automatischen) Vollformatlinsen mit Lichtstärke 1.8 ausgestochen. MFT zeichnet bei adäquater Brennweite einfach um 2 Lichtwerte mehr Schärfentiefe auf als Vollformat. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass MFT-Objektive bereits bei Offenblende schärfer zeichnen als andere Linsen mit denen ich schon arbeitete, und das Bokeh scheint mir tendenziell etwas weicher zu sein, was den Nachteil der geringeren Schärfentiefe zwar nicht aufwiegen kann, aber zumindest auch nicht außer Acht gelassen werden sollte.
  5. Spiegellose Systeme litten bislang generell an im Vergleich zu DSLRs langsameren AF-Systemen. Das hat nichts mit der Sensorgröße zu tun, sondern schlicht damit, dass DSLRs für das Scharfstellen einen eigenen Sensor nutzen, der den sogenannten Phasenvergleich erlaubt und eben der Kontrasterkennung spiegelloser Kameras überlegen ist.

Diese Nachteile gilt es zu berücksichtigen und gegen den unbestreitbaren Vorteil von MFT in die Waage zu legen: Das System ist bei weitem das kompakteste und leichteste auf dem Markt. In Verhältnis von Abbildungsqualität zu Gewicht ist es unschlagbar. Zwar baut auch Sony mittlerweile extrem kompakte Kleinbildkameras, doch bei den Objektiven wird Vollformat nicht einmal in die Nähe der Kompaktheit und Leichtigkeit von MFT kommen können.

Der Nachteil der mich bei MFT bislang am meisten schmerzte, war definitiv das behäbigere AF-System: Rasch bewegende Objekte lassen sich kaum einfangen. Vögel im Flug sind selbst für die als schnell geltende E-M1 unerreichbar. Das wurde mir regelmäßig beim Einsatz der Panasonic Telezooms 100–300mm und100–400mm bewusst, mit denen ich meine Liebe für die Vogeljagd entdeckte. Damit lassen sich Vögel praktisch nur ablichten, wenn sie einigermaßen still sitzen.

Zur Fragen ob ich es in Betracht ziehen würde meine E-M1 durch ein Nachfolgemodell zu ersetzen: Nur, wenn das AF-System so gut war, dass es mit meinen früheren Nikons gleichziehen und Vogelflug wieder in Reichweite bringen kann.

Die E-M1 Mark II wurde zwar als Power-House mit sehr schnellem AF angekündigt, doch, dass eine Spiegellose beim Fokussieren mit DSLR gleichgezogen habe, hatte ich in den letzten Jahren zu oft gehört und doch anders erfahren, weshalb ich das nicht ganz ernst nahm. Schnelle Serienbildaufnahmen, zweite Speicherkarte und +4MP alleine jedoch, wären für mich kein Argument gewesen, die mit 2000 Euro nicht ganz billige Mark II in Betracht zu ziehen.

Panasonic G80/G81/G85

Während 2000 Euro für die E-M1II vielen Kommentatoren als zu gilt, kündigte Panasonic im Herbst ein interessantes Modell zum Schnäppchenpreis an, die je nach Markt G80, G81 oder G85 heißt. Sie hat ein griffiges Gehäuse, ist gegen Umwelteinflüsse abgedichtet und in vielen Berichten hatte ich gehört und gelesen, dass ihr AF unglaublich schnell sein soll.  Eine wetterfeste Systemkamera inklusive abgedichtetem Objektiv unter 1000 Euro wäre mir sonst von keinem Hersteller bekannt.

Reizend an der G81: Sie hat je einen dezidierten Hardware-Schalter, um von Einzel- zu Serienbildaufnahme umzuschalten, und einen, um von AF-S zu AF-C oder MF zu wechseln – etwas, das ich bei Olympus vermisse. Was mich nun aber vor allem interessierte: War der Panasonic AF wirklich so gut wie viele behaupteten, und wie gut würde er verglichen mit dem neuen System der E-M1II abschneiden? Wäre die Olympus den doppelten Preis wert?

Der Vergleich dauerte keine fünf Minuten. Beim ultimativen Hardcore-Test, weiße Möwen fliegend am grauen Himmel, konnte ich bei der G81 keinen nennenswerten Gewinn gegenüber meinen bisherigen MFTs feststellen. Der AF der E-M1II hingegen schnappt dermaßen schnell und präzise zu, wie ich es nur von den Nikons die ich früher im Einsatz hatte, kenne. Um faire Bedingungen zu schaffen, habe ich  an beiden Kameras sowohl das 40–150mm von Olympus, als auch das 100–400mm von Panasonic getestet.

Zuletzt auf Facebook einen Rüffel bekommen, weil ich die preislich so unterschiedlichen Kameras verglichen habe. Doch die Frage durchaus gerechtfertigt: Ist der doppelte Preis der E-M1II gegenüber der G81 gerechtfertigt? Für alle die rasante Motive einfangen wollen: Definitiv!

Dass die E-M1 für mich in Frage kommt, die G81 jedoch nicht, soll nicht heißen, dass ich generell von ihr abraten würde. Im Gegenteil: Wer eine handliche aber doch kompakte und leichte Kamera sucht, die ihn bei Wind und Wetter sicher begleitet, sollte einen Blick darauf werfen. Das schöne an MFT ist ja gerade, dass ein System so unterschiedliche Kameras anbietet, wie sie von Olympus und Panasonic stammen.

Der Mehrwert der E-M1II

Mit dem Panasonic Leica Vario-Elmar 100–400mm wird die E-M1II zum Dream-Team für alle die gerne unterwegs sind und scheues Getier ablichten wollen. Ebenso beeindruckend wie die Geschwindigkeit und Präzision mit der der AF zuschnappt, ist die Hartnäckigkeit mit der er sich beim Tracking an Objekte haftet. Ich hatte nicht erwartet, dass die Mark II mit meinen früheren DSLRs von Nikon (D700, D7100 und D600/D610) gleichziehen könnte, doch ich würde mindestens von Gleichwertigkeit ausgehen, wenn sie die genannten Modelle nicht sogar überflügelt.

Im Grunde ist die E-M1II eine waschechte OM-D und verlangt nach einer E-M1 keinerlei Umgewöhnung. Das Gehäuse ist eine Spur höher, was mir den kleinen Finger nicht mehr ins Leere laufen lässt, und wahrscheinlich heißt, dass ich bei ihr wieder auf den Hochformatgriff verzichten kann, was ich bei der E-M1 aus Ergonomiegründen nur selten machte.

Viele wird freuen, dass das Display nun seitlich ausklappbar ist und sich somit auch im Hochformat besser nutzen lässt. Ich war ja bislang immer eher Freund des reinen Hochklappmechanismus, habe mich aber mit der Pen F an das seitlich ausklappende Display gewöhnt, und kann dem mittlerweile durchaus auch einiges abgewinnen, auch wenn es sich nach wie vor fragiler anfühlt.

Ein Detail, das mich zunächst irritiert hat, ist, dass die Öse zum Anbringen eines Gurts oder einer Handschlaufe wegen des zweiten Speicherkartenfachs von der Seite nach oben gewandert ist. Ich erwartete, dass sich das Nachteilig auf das Handling auswirkt, musste das Gegenteil feststellen: Meine Handschlaufe legt sich jetzt wie selbstverständlich von oben her um das Armgelenk und, dass sich der Verschluss störend zwischen Hand und Kamera drängelt scheint jetzt deutlich weniger oft der Fall.

Preiswert?

Stellt sich die Frage ob die Mark II ihren Preis wert ist. Definitiv: Ja!

Die Diskussionen über die Preisgestaltung von MFT-Modellen scheint mir ja immer ein bisschen sonderbar. Kritiker reduzieren eine Kamera auf die Größe des Sensors und stellen fest, dass ein Modell mit halb so großem Bildwandler doch unmöglich gleich viel kosten könne, wie eine Vollformatkamera. Das ist als würde ich den Preis von Wurst anhand der gewogenen Menge beurteilen oder jenen eines Autos anhand der Sitzplätze. Ich habe einen Roadster. Der hat zwei Sitze. Das heißt er bietet 2/5 weniger Plätze als ein PKW. Muss er deshalb günstiger sein als ein Golf?

Mit meinem Roadster hat die E-M1II gemein, dass sie einfach Spaß macht. Mit einer MFT-Kamera und 800mm KB-äquivalenter Brennweite auf die Pirsch nach scheuen Motiven zu gehen, ist eine bedeutend unbeschwertere Angelegenheit als mit vergleichbarem im Vollformat. Der E-M1II Body wiegt 574g, das Panaleica 100–400mm 985g. Das sind zusammen 1559g. Ein Gewicht, das man bei Vollformat schon mit einem Standardzoom kaum halten kann. Ein Nikon D750 Body beispielsweise wiegt 840g. Mit dem Nikkor 24–70mm ƒ2.8 und seinen 1070g kommt man da auf1910g. Von Telezoom ist dabei noch keine Spur. Wer echte 800mm am Vollformat auf den Weg nehmen will, der muss zur Kamera zusätzlich 4000g und mehr schultern.

Man kann eine Kamera nicht auf die Größe des Sensors reduzieren!

Natürlich bietet die Nikon D500, mit der die E-M1II derzeit so häufig verglichen wird, um einen geringfügig höheren Listenpreis einen APS-C-Sensor und erreicht damit bessere Leistungen im High-ISO-Bereich, beim Dynamikumfang und ist etwas höher aufgelöst. Aber sie hat auch eine Serienbildrate von 10 Bildern pro Sekunde (E-M1II bis zu 60 Bilder) und garantiert eine Betriebsbereitschaft bis 0° (E-M1II bis –10°). Eine Kamera ist nicht automatisch mehr Wert, nur weil der Sensor größer ist.

Für MFT entscheidet man sich nicht, wenn man die bestmögliche Bildqualität erreichen will, sondern weil man den idealen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Transportabilität sucht. Diesbezüglich ist das System bis auf Weiteres definitiv unschlagbar. Nicht selten erfordert Miniaturisierung einen erhöhten Aufwand und führt zu teureren Produkten. Ich weiß nicht, ob das auf Kameras zu übertragen ist, ich halte nur den Schluss, eine kleinere Kamera muss automatisch billiger sein, für Unfug.

Es gibt an der ganzen Debatte noch etwas anderes was ich schräg finde: In einem Artikel über die E-M1II las ich die generelle Kritik daran, dass die Kamerahersteller den sinkenden Absätzen mit teureren Modellen begegnen. Ja, was sollen sie denn tun? Soweit ich mitbekommen habe, schreiben die meisten Marken in der Kamerasparte rote Zahlen. Ist der Versuch Modelle so zu kalkulieren, dass ein Gewinn für sie hängen bleibt den verwerflich?

Ich weiß schon: Viele finden, dass alle zu teuer sind und nur sie selber zu wenig verdienen. Ich persönlich gönne einem Unternehmen allerdings einen Profit, wenn er mir ein gutes Produkt verkauft. Und für ein gutes Produkt bin ich auch bereit einen guten Preis zu bezahlen.

Die E-M1II ist definitiv ein gutes Produkt und ihren Preis absolut wert. Besser als sich von anderen erzählen zu lassen, wie gut sie ist, ist allerdings es selber auszuprobieren – ein Gefühl dafür bekommt man nur, wenn man es selber erfährt.

Der Blick in meine Kameratasche zeigt, was ich an MFT liebe. Eine Pen F mit 7–14mm ƒ2.8, eine E-M1 mit 12–40mm ƒ2.8 und eine E-M1II mit 40–150mm ƒ2.8. Trotz des immensen Brennweitenbereichs bei durchgehender Lichtstärke von ƒ2.8 leicht zu schultern.

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Dankbar für 2016

2016 geht dahin und viele sind froh, dass wir das Jahr bald hinter uns haben. Ich kann nicht behaupten, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Nichtsdestotrotz bin ich dankbar für jeden guten Tag den ich hier verbringen darf – auch für die Tage 2016.

Das Leben ist ein Geschenk. Ich frage mich nicht woher es kommt, welchem Zweck es dient, nicht weshalb es manchmal mühevoll ist und warum es eines Tages endet. Meine Dankbarkeit ist ohne Wenn und Aber!

Ich sehe allen Grund zur Dankbarkeit. Dankbar hier und jetzt geboren zu sein. Das Gros der Menschen hat nicht das Glück in einem der reichsten Länder der Welt zu leben. Überall sind Menschen hilflos Krieg, Krankheit und Hunger ausgeliefert.

Nicht weniger Segen ist auch die Zeit in der ich lebe. Wer hier und heute krank wird, genießt eine medizinische Versorgung die früher weder König noch Kaiser erfuhren. Ich bin zwar mit guter Gesundheit gesegnet, nur beim Zahnfleisch kämpfe ich seit meiner Jugend mit Problemen. In einer anderen Epoche hätte ich meine Zähne wohl bereits verloren. Bei der Vorstellung, dass es bei den schrecklichsten Zahnschmerzen die ich kennengelernt habe keine Linderung geben, und solche Beschwerden gar chronisch werden könnten, steigt der blanke Horror in mir auf. Ein Horror vor dem einen früher keine Krone schützte.

Es gibt einiges in meinem Leben auf das ich stolz bin, doch stolz auf meine Herkunft, ist mir fremd und bleibt mir unverständlich. Es ist keine persönliche Leistung in einem bestimmten Land, mit einem bestimmten Geschlecht, einer bestimmten Hautfarbe und in einer bevorzugten Schicht geboren zu werden. Weder körperliche noch geistige Gesundheit sind etwas für oder gegen das man sich entscheiden könnte und ich glaube auch nicht, dass die sexuelle Orientierung eine willentliche Entscheidung ist.

Für mich sind die ganzen Voraussetzungen in die ich in mein Leben starten durfte, schlicht ein unfassbares Geschenk.  Ein Glück, neben dem jeder Lottogewinn unbedeutend ist. Ein Glück für das ich tiefe Dankbarkeit empfinde.

So lange ich ein warmes Dach über dem Kopf und ausreichend zu essen habe, liebe Menschen um mich sind und ich einigermaßen bei Gesundheit bin, betrachte ich mich als glücklich. Ich habe zwar einen Roadster und eine tolle Fotoausrüstung und beides bereitet mir viel Freude, nebst all den anderen und manchmal etwas sinnlosen Dingen die ich mir leiste, und ich muss beim Einkaufen nicht besonders auf die Preise achten. Doch am Ende ist das Luxus.

Grundlage meines Glücks sind Gesundheit, ein paar gute Menschen um mich, das warme Dach, der volle Kühlschrank und die Aufgaben für die ich brenne. Auch ohne Roadster und Systemkamera kann ich Andrea bei der Hand nehmen und in den Wald oder ins Ried hinaus gehen, die Natur und das Leben genießen. Vielmehr als einen Roadster und eine Kamera brauche ich dafür Frieden und eine intakte Natur.

Das führt mich zu dem, was ich  mir für 2017 und erhoffe: Gesundheit, Andrea an meiner Seite, Frieden und eine lebendige Natur. Hier und überall und für alle Menschen.

Das wünsche ich mir und das wünsche ich euch!

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Aus Freude am Fotografieren

Gelegentlich werden meine Erfahrungsberichte zu meiner fotografischen Ausrüstung mit Kommentaren beantwortet und oft lese und höre ich, dass man mit diesem Objektiv und jener Kamera ja doch weit mehr herausholen könne als mit den von mir beschriebenen Apparaten und Optiken. Ich machen keinen Hehl daraus, dass ich weiß, dass APS-C, Kleinbild oder Mittelformat unter gewissen Umständen einen Qualitätsvorsprung gegenüber MFT erzielt. Aber das Ziel meiner Fotografiererei ist nicht möglichst viel Detailschärfe, möglichst wenig Rauschen oder möglichst geringe Schärfentiefe. Vielmehr geht es mir um die Freude am Fotografieren und ich hoffe gelegentlich auch einmal ein gutes Bild zu erzielen.

Schärfe, Rauschen und Schärfentiefe sind drei Aspekte der Fotografie, aber sie alleine ergeben keine guten Fotos. Gute Bilder leben vielmehr von interessanten Szenen, gutem Licht, interessanten Perspektiven, ausgewogener Komposition und oft trägt auch eine gekonnte Ausarbeitung mehr zu einem atemberaubenden Ergebnis bei, als Detailschärfe, Rauscharmut oder Freistellung.

Ehrlich gesagt dürfte ich für bemerkenswerte Aufnahmen auch nicht so bequem sein, müsste mein Leben mehr nach der Fotografie ausrichten. Leider bin ich zu faul um mich um vier Uhr früh aus den Federn zu schälen um noch vor Sonnenaufgang in der Wildnis zu stehen und den goldenen Moment abzuwarten. Wäre ich das, könnten mir 40MP und mehr inklusive State-of-the-Art-Objektive sicher etwas bringen, zumindest wenn ich Interesse daran hätte Poster im Format von A2 und größer zu drucken.

Ich weiß auch, dass ich viel bessere Aufnahmen von Tieren erzielen könnte, wenn ich die Geduld hätte auf einem Baum oder in einem Versteck Stunden lang anzusitzen und zu hoffen, dass sich Wild vor meine Linse verirrt. Natürlich würde ich dann Wert darauf legen im entscheidenden Moment über ein AF-System zu verfügen, das das Tier möglichst treffsicher aufs Korn nimmt und weshalb sollte ich dann auf einen Sensor verzichten der mit möglichst wenig Rauschen überzeugen kann. Zur Perfektion würde dann auch ein hochwertiges Tele gehören, auch wenn die Teile ein kleines Vermögen kosten.

Wäre ich mehr als Gelegenheits-Studiofotograf hätte ich wohl nie einen Grund gesehen meine Nikon-Vollformat-Ausrüstung zu verkaufen und auf MFT umzusatteln. Nikons Kameras und Objektive erzielen hervorragende Qualität, die Kameras liegen gut in der Hand und ihr üppiges Volumen bietet ausreichend Platz für alle Bedienelemente. Bei den kleinen MFT-Bodys fällt das alles etwas fuzzeliger aus – ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand professionelle Studioarbeit damit betreiben möchte.

Manchmal sehne ich mich auch nach meinen Nikons zurück, nämlich wenn ich versuche endlich wieder einmal einen Vogel im Flug so cool einzufangen wie ich das von ihnen gewohnt war. Ich sehe zwar immer wieder tolle Vogelflugaufnahmen die Andere mit MFT gemacht haben, aber selbst gelingen mir solche Bilder nur mehr selten. Mittlerweile ist mir bewusst geworden, dass das nicht nur an den noch immer vorhandenen Schwächen der AF-Systeme spiegelloser Kameras liegt, sondern dass die Verzögerung elektronischer Sucher gegenüber optischen Suchern ihren Teil dazu beitragen.

Wollte ich als Landschaftsfotograf perfekte Aufnahmen erzielen, hätte die Bereitschaft meine Tagesplanung nach den optimalen fotografischen Bedingungen auszurichten, und würde ich damit Poster deutlich über A3 drucken wollen, würde ich eine Vollformatkamera nutzen. Hätte ich die Geduld still im Wald zu sitzen und auf Tiere zu warten, hätte ich eine Vollformat-DSLR mit entsprechend hochwertigen Teles. Wäre ich Studiofotograf hätte ich eine Vollformatkamera. Wäre ich Sportfotograf oder wären fliegende Vögel von zentralem Interesse für mich hätte ich eine DSLR.

Doch all das trifft nicht auf mich zu. Ich richte mein Leben nicht nach der Fotografie aus. Fotografie ist etwas das mein Leben begleitet. Ich gehe nicht auf einen Berg um zu fotografieren. Ich gehe ins Gebirge um in der Natur zu sein. Fotografie hilft mir dabei intensiver mit meiner Umgebung in Kontakt zu kommen und es bereitet mir einfach Freude festzuhalten was mir begegnet.

Bei allen Vorteilen die größere Systeme haben: Wenn es um den optimalen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Volumen/Gewicht der Ausrüstung geht ist MFT der unschlagbare goldenen Mittelweg.

Eine Pen-F oder eine vergleichbar kompakte MFT-Kamera samt Festbrennweite belastet als Begleiter nicht mehr als jede Kompakte,  erzielt aber deutlich bessere Resultate. Selbst die immer wieder hochgelobte Sony RX100 konnte absolut nicht mit den Ergebnissen meiner Olympus OM-D E-M5 mithalten.

Doch MFT punktet für mich nicht nur als alltäglicher Begleiter. Auch bei reinen Fotoausflügen ist die Handlichkeit des Systems eine echte Wohltag. Eine E-M1 mit 12–40mm drückt einfach deutlich weniger auf die Schultern als eine Vollformat mit 24–70mm – auch Stundenlange Walks gehen weitgehend ermüdungsfrei. Nicht selten, dass mich zwei oder drei Kameras begleiten. Wo andere an ihrer Kamera das Objektiv wechseln, greife ich einfach nur zur anderen Kamera – und trage trotzdem weniger Kilo.

Noch viel mehr als alle rationalen Gründe zählt für mich aber, dass mir das Fotografieren mit MFT einfach mehr Spaß macht, als mit jeder anderen Kamera davor. Diese Freude am Fotografieren ist ein irrationales Gefühl, aber es ist vorhanden. Es ist eine Erfahrung die ich niemals bewusst gewählt habe sondern die mir einfach passiert ist.

Ich kaufte vor Jahren eine Olympus OM-D E-M5 als Zweitkamera – missmutig, weil ich eigentlich keine Olympus mehr wollte, doch bei der einzigen Alternative für ein kompaktes Zweitsystem – der Sony NEX – war das Objektivangebot damals noch zu gering und die Linsen waren doch deutlich größer. Über mehrere Wochen hinweg hatte ich die OM-D kaum in Händen und fotografierte meist mit meinen Nikons. Erst nach und nach bemerkte ich, dass mir das Fotografieren mit ihr, wenn ich sie schon einmal einsetzte, besonderen Spaß machte. Gleichzeitig viel mir auf, dass die Aufnahmen in keinster Weise schlechter wirkten als beispielsweise mit einer D7200 oder D610 – jedenfalls so lange man nicht begann an Bildschirmen einzuzoomen und Pixel zu zählen. Ich entdeckte, dass ihre Qualität für meine Art zu fotografieren und Fotos wiederzugeben absolut ausreichend war.

Es war keine bewusste Entscheidung für MFT sondern das System nahm mich mit der Zeit mehr und mehr für sich ein. Es ist nun etwa drei Jahre her da ich den Switch von Vollformat zu MFT machte und ich habe es nie bereut. Das heißt aber nicht, dass ich jemals versuchen würde irgendjemandem MFT aufzudrängen. Das richtige System hängt von der Art des Fotografierens, von den Ansprüchen an die Wiedergabe und von der Persönlichkeit und den Vorlieben des Fotografen ab. Da muss jeder seine eigenen Prioritäten setzen und seine eigene Entscheidung treffen.

Berufsfotografen müssen natürlich ein System wählen, das die Ansprüche ihrer Auftraggeber an Detailschärfe und Auflösung erfüllt. Leute die einfach nur Künstler sind und Hobby-Fotografen müssen diesbezüglich weniger Kompromisse eingehen. Sie können ihre Entscheidung für ein System rein nach ihren Vorlieben treffen und sich für das entscheiden was ihnen Spaß macht.

Wenn sie zur Freude an der Fotografie die maximal erreichbare Schärfeleistung brauchen ist das iO. Wenn es ihnen Freude bereitet in größten Auflösungen feinste Details zu erkennen ist das iO. Wenn geringe Schärfentiefe oberste Priorität für sie hat ist das iO. Für mich hat die Leichtigkeit des Systems wesentliche Priorität.

Bilder von mir gibt es bei 500px und Instagram zu sehen.

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Photoshop CC WS23: Kurven und Farbkorrekturen

In diesem Workshop zeige ich wie ein Bild mit Hilfe des Histogramms analysiert und inklusive von Gradationskurven korrigiert. Es geht darum Farbkorrekturen vorzunehmen und den Kontrast zu verbessern.

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Illustrator CC WS22: Kurven zeichnen

Besondere Mühe bereitet es Illustrator-Einsteigern in der Regel mit dem Zeichenstift Kurven zu zeichnen. Dabei ist dieses Werkzeug eines der wichtigsten Tools in Illustrator, kommt es doch überall zum Einsatz, wo sich Grafiken nicht einfach auf Basis geometrischer Formen konstruieren lassen. In diesem Workshop zeige ich wie es geht und gebe ein paar Tipps worauf man beim Anlegen der Kurven achten sollte.

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Photoshop CC WS22: Helligkeit und Kurve

In diesem Workshop geht es um Helligkeits- und Kontrastanpassungen mit Hilfe von Gradationskurven und Histogrammen.

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Fotografische Theorie und Praxis

Mein Artikel über »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« scheint für etwas Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff gesorgt zu haben. Das merke ich nicht nur an Nachrichten die mich direkt erreichen, sondern auch an dem was in Foren darüber diskutiert wird, wenn ich eingehenden Links folge.

Was mich überrascht, ist, wie sehr manche Leute an der Theorie festhalten, auch wenn die Praxis etwas anderes zu sagen scheint. Sehen wir uns dazu noch einmal zwei Beispiele aus dem oben genannten Artikel an.

Der Fotograf weiß, dass er über die Brennweite Perspektive und Tiefenstaffelung gestalten kann. Der Theoretiker widerspricht und behauptet, dass das falsch ist. Die Brennweite habe keinen Einfluss auf die Tiefenstaffelung, dass man mit ihr die Tiefenwirkung verdichten könne sei Unsinn.

Damit hat er zunächst einmal recht: Eine längere Brennweite verengt lediglich den Bildausschnitt und ändert nichts an Perspektive und Tiefenwirkung. Verkürzt man die Brennweite erhält man einen weiteren Ausschnitt, auch das bei gleicher Perspektive und Dichte. Die Theorie erweist sich auch in der Praxis als korrekt – das kann jeder überprüfen (und ich kann nur empfehlen Theorie zu überprüfen, bevor man für sie auf die Barrikaden steigt).

Der Praktiker aber weiß, dass Perspektive aus dem Zusammenspiel von Brennweite und Distanz entsteht. Wenn ich die Distanz vergrößere und Brennweite verlängere, dann verdichtet sich die Perspektive für jeden sichtbar. Die folgenden Abbildungen zeigen das deutlich.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 0,5m
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 1,5m

Der Denkfehler vieler Theoretiker scheint mir, dass sie theoretisch korrekte Merksätze generalisieren. Tatsächlich sind Merksätze in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ändert sich der Kontext, hat das meist auch Auswirkungen auf das Resultat.

Die Aussage, »die Veränderung der Brennweite hat keinen Einfluss auf die Perspektive«, ist korrekt, so lange ich alle anderen Parameter (Distanz und Sensorformat) unverändert lasse. Die Aussage, »die Brennweite hat keinesfalls Einfluss auf die Perspektive«, ist falsch. Ändere ich zusammen mit der Brennweite auch die Distanz (und/oder das Aufnahmeformat), ändert sich die Perspektive. Das belegen die Abbildungen oben und jeder Fotograf wird das wissen und in der Praxis gezielt nutzen.

Nun wurde nicht nur meine Aussage zur Tiefenstaffelung bekritelt, sondern auch meine Schlüsse zur Schärfentiefe.

Die Theorie besagt, dass die Schärfentiefe nicht von der Brennweite, sondern lediglich von Abbildungsmaßstab und Blende abhänge. Dieser Merksatz war Auslöser für den angesprochenen Artikel. Nehmen wir ihn wörtlich, würde das heißen, dass eine längere Brennweite nicht zu einem unschärferen Hintergrund führt. Jeder Fotograf weiß jedoch aus der Praxis, dass man mit Tele deutlich besser freistellen kann als mit Weitwinkel – wer das noch nie erlebt hat fotografiere einmal mit einem Nikon 200mm ƒ2.0!

Ein Selbstversuch belegt: Wird ein Objekt bei jeweils unterschiedlicher Brennweite und Distanz im selben Abbildungsmaßstab fotografiert, ist die Unschärfe der Elemente im Hintergrund praktisch identisch.

Allerdings wird das nur bei genauer Analyse der Aufnahme deutlich, denn die größere Entfernung bei längerer Brennweite führt dazu, dass der Hintergrund näher rückt. Die Verdichtung der Tiefenstaffelung vergrößert den Hintergrund. Analog zum Hintergrund wird die Unschärfe mit vergrößert. Obwohl sie im Verhältnis zu den Elementen des Hintergrunds gleich ist wie bei kurzer Brennweite, wird sie durch die Vergrößerung auch größer wiedergegeben. Anders gesagt: Im Verhältnis zu den Elementen auf einer Ebene im Hintergrund ist die Unschärfe unverändert, im Verhältnis zum Element im Vordergrund jedoch ist sie größer. Und das ist eben der Effekt den man meint, wenn man behauptet man könne mit längeren Brennweite besser freistellen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Sensorformat. Tatsächlich ändert auch das Sensorformat lediglich den Bildausschnitt. Doch im Kontext der verschiedenen Parameter die in der Fotografie zusammenspielen ergibt sich der praktische Effekt, dass ich umso größere Schärfentiefe erhalte, je kleiner der Sensor ist. Absurderweise scheinen manchmal genau die zu widersprechen, dass das Sensorformat Einfluss auf die Schärfentiefe haben, die auf Vollformat schwören, weil man damit mehr Bokeh erhalte (noch einmal: ich weiß um die theoretischen Hintergründe und Zusammenhänge, doch was für mich zählt sind die praktischen Auswirkungen).

Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man versucht theoretische Grundsätze 1:1 auf die Praxis zu übertragen: Theorie baut oft auf idealen Bedingungen auf. Ideale Bedingungen kommen in der Praxis meist nicht vor. Man braucht diese idealen Annahmen aber um eine Basis für eine Theorie zu schaffen – ein Beispiel bietet der sogenannte schwarze Körper an der sich die Farbtemperatur Kelvin orientiert (diesen Körper gibt es nicht, er ist ein theoretisches Konstrukt). Manchmal sind ideale Bedingungen auch Annahmen die etwas vereinfachen, weil die Realität zu komplex ist um sie theoretisch zu erfassen.

Ich kann nur noch einmal den Rat wiederholen, theoretische Grundlagen im Selbststudium in der Praxis zu überprüfen – vor allem bevor man versucht andere zu bekehren. Es hilft nicht nur Fehlschlüssen auf die Spur zu kommen und zu verstehen was die Theorie für die Praxis bedeutet, sondern auch die praktische Relevanz theoretischer Grundlagen zu erforschen.

Eine gute Basis für fundiertes theoretisches Wissen bildet ein PDF das von Carl Zeiss verbreitet wird. Darin werden die Zusammenhänge von Schärfentiefe, Abbildungsmaßstab, Brennweite, etc. vom Experten sehr ausführlich erklärt und zwar so, dass auch ein optisches Greenhorn wie ich es versteht.

Nicht, dass ich das unbedingt jedem empfehlen möchte der einfach nur fotografieren will.

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Leser-Rezension Grafik und Gestaltung: Die Bibel für Gestalter und Grafiker

Leserrezension zu »Grafik und Gestaltung« via Amazon:

»… Gefallen hat mir auch besonders, dass das Buch alles aber nur keine trockene Lektüre ist. Hier wird einem das Thema Gestaltung wirklich nahegebracht. Das in geballter, kompetenter Aufmachung. Wie gesagt, wer sich auch nur ansatzweise mit dem Thema beschäftigt und tiefer in die Materie einsteigen will, kommt um diese Gestaltungs-Bibel nicht herum. Besser kann Hintergrundwissen zur Grafikgestaltung nicht erklärt werden. Volle 5 Sterne.«

Die komplette Rezension ist hier nachzulesen.

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