Fotografieren mit Olympus’ Schnappschuss-Fokus

Olympus’ bewirbt seine Objektive M.Zuiko 12mm ƒ2.0 und M.Zuiko 17mm ƒ1.8 unter Anderem mit dem Schlagwort »Schnappschuss-Fokus«. Klingt super – aber was ist das?

Entfernungs- und Schärfentiefeskala

Zum Umschalten von automatischer auf manuelle Fokussierung werden bei diesen Objektiven die Fokusringe Richtung Kamera gezogen. In manueller Stellung geben die Ringe eine zweiteilige Skala frei. Diese dient sowohl zur Entfernungseinstellung als auch als Schärfentiefeskala (oder Tiefenschärfeskala – wie man will).

Die obere Hälfte der Skala zeigt ein paar Blendenwerte und in der Mitte eine rote Markierung. Die untere Skala zeigt einige Entfernungen – Meter in Schwarz, Fuß (ft) in Rot – 1 Fuß sind knapp über 30cm.

Entfernungseinstellung

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Wird  am Olympus M.Zuiko 12mm ƒ2.0 der Fokusring so eingestellt, dass sich 0.2m unter der roten Markierung befindet, beträgt der Abstand zum Punkt maximaler Schärfe (Fokuspunkt) 20cm – von der Ebene des Bildsensors aus gemessen, nicht von der Frontlinse.
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Die 3 unter der roten Markierung sollte auf 3m fokussieren – theoretisch!
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Steht der Fokusring auf ∞ sollte alles ab einer gewissen Distanz bis unendlich scharf sein – allerdings müsste man dazu wissen wie groß diese Distanz ist. Leider finden sich aber keine Angaben dazu in welcher Entfernung ∞ beim 12mm ƒ2.0 liegt.

Wüsste man in welcher Entfernung ∞ beim 12mm ƒ2.0 liegt bräuchte man das Objektiv nur auf ∞ zu stellen und wüsste, dass alles ab dieser Distanz bis unendlich scharf abgebildet wird. Theoretisch ließe sich die Entfernung von ∞ mit Tests ermitteln. Praktisch würde das aber nichts bringen, weil die Skala aufgrund der kleinen Baugröße des Objektivs und des Umstands, dass die Schärfe nicht direkt mechanisch sondern vom AF-Moter geändert wird viel zu wenig präzise ist um Nutzen daraus zu ziehen.

Bei 0.2-m-Einstellung funktioniert das Fokussieren per Skala noch ganz gut, bei 1ft (30cm) ist es akzeptabel, bei 0.5m beginnt es kritisch zu werden – jedenfalls bei Offenblende. Bei geschlossener Blende lässt es sich aufgrund der größeren Schärfentiefe eher mit der Skala arbeiten – eine Fehlfokussierung einiger Zentimeter ist bei Blendenöffnungen von ƒ5.6 und kleiner bei 12mm MFT kaum relevant.

Schärfentiefeskala (Schnappschuss-Fokus)

Der Nutzen der Entfernungsskala hält sich also in Grenzen. Anders sieht es mit der Schärfentiefeskala aus.

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Dreht man den Fokusring so, dass rechts ∞ unter 5.6 steht kann man links unter 5.6 ablesen, dass die Schärfentiefe bei dieser Stellung von 5ft (1,5m) bis unendlich reicht. Es wird also ALLES (!) ab einer Distanz von 1,5m scharf aufgenommen.
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Dreht man den Fokusring so, dass ∞ unter 11 steht reicht die Schärfentiefe von 2ft (60cm) bis unendlich reicht.

Das dürfte wohl gemeint sein, wenn Olympus von Schmappschuss-Fokus spricht: Man stellt die Kamera auf eine bestimmte Blende ein – in der Regel eine mittlere bis kleine Blendenöffnung, nehmen wir an ƒ11 –, stellt den Fokusring so, dass sich ∞ unter 11 befindet und kann munter ohne zu fokussieren drauf los fotografieren: Alles was weiter von der Kamera entfernt ist als 60cm landet scharf auf der Aufnahme.

Ein cooles Feature für Street-Fotografen und alle die schneller abdrücken wollen als Mensch oder Kamera fokussieren kann. Und mit ein Grund weshalb ich mein Panasonic 15mm ƒ1.7 bald durch das Olympus 17mm ƒ1.8 ersetzen möchte.

Zum Abschluss ein paar Fotos die ich am vergangenen schönen Wochenende in Bregenz am Bodensee mit der Olympus Pen E-PL7 aufgenommen habe – alle mit 12mm ƒ2.0 bei Blende ƒ11 auf entsprechender Schnappschuss-Fokus-Einstellung des Objektivs. Alles scharf!

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Fotografie verstehen

»Wer eine Kamera versteht kann eine Kamera bedienen. Wer Fotografie versteht kann fotografieren.«

Fotografische Qualität und Ausrüstung

In den letzten Tagen habe ich die Fujifilm X-T1 und die Olympus OM-D E-M5II einem persönlichen Praxis-Check unterzogen. Im Moment checke ich die Olympus Pen E-PL7. Anschließend soll noch eine Sony α7 folgen und danach … man wird sehen.

Eine Nikon wird es eher nicht werden. Ich habe lange mit Nikon fotografiert, weiß, dass deren Kameras ein exzellentes Handling bieten und Nikon hervorragende Kameras bauen kann. Ich brauche keine D7200 oder D750 zu checken um zu wissen, dass auch sie vorzügliche Kameras sind.

Und Canon? Canon baut halt auch in erster Linie DSLRs und das Thema Spiegelreflexkamera scheint mir für mich irgendwie abgeschlossen.

Akademische Unterschiede

Egal ob man sich für eine Canon, Nikon oder Pentax DSLR entscheidet oder sich doch lieber im aufstrebenden Segment der Spiegelreflexkameras umsieht – man wird keine schlechten Kameras finden. Auch wenn jeder Hersteller und jedes Modell seine besonderen Stärken und kleineren Schwächen haben mag – unterm Strich schenken sich die Produkte in vergleichbaren Preisklassen nicht viel. Ich bin sogar überzeugt davon, dass selbst erfahrene Profis heute einem Fotoabzug bis etwa A3 nicht ansehen, ob eine preiswerte aktuelle Einsteigerkamera zum Einsatz kam oder das derzeitige Top-Modell – sofern ein gutes Objektiv eingesetzt wurde. Unterschiede ergeben sich meist erst unter Extrembedingungen.

In Laboren mögen die Unterschiede der Messwerte gravierend erscheinen, in der Praxis sind sie in erster Linie akademischer Natur.

Ein Beispiel: Sieht man sich dxomark.coms Messresultate für Canons Bildsensoren an findet man kaum ein Modell das beim Dynamikumfang über 12 Lichtwerte kommt. Nikon erreicht mit dem Topmodell etwa 15LW und selbst meine zigarettenschachtelgroße Lumix GM5 liegt trotz kleinem MFT-Sensor mit Canons Kleinbildkameras auf Augenhöhe – meine OM-Ds liegen sogar höher.

Nicht besser sieht es für Canons Linsen aus. Auf den ersten Seiten tummeln sich bei dxomarks Lens-Rating-Liste zunächst viele Zeiss-Objektive, dann Nikkore, ein Bisschen Sony, Sigma und selbst Tamron und Samyang begegnet man bevor man auf das erste Canon stößt.

Ist Canon deswegen für den professionellen Einsatz nicht geeignet? Die Verkaufszahlen sprechen eine andere Sprache. Canon ist nicht nur insgesamt Marktführer für Digitalkameras sondern beherrscht auch den professionellen Markt.

Ich gehen davon aus, dass die meisten Profis wissen was sie tun und sich bewusst für ein System entscheiden. Canon würde den professionellen Markt nicht dominieren, wenn mit deren Ausrüstung keine gleichwertigen Ergebnisse wie mit Nikon (oder anderen Brands) zu erzielen wären. Es ist also davon auszugehen, dass die Unterschiede in den Messergebnissen im Labor so gut wie keine praktische Relevanz haben.

War früher alles schlechter?

Geht es um Bedienkonzepte für Digitalkameras scheint für einige Fotografen früher alles besser gewesen zu sein. Geht es um Abbildungsqualität war – zumindest seit Anbruch des digitalen Zeitalters – früher alles schlechter. Deshalb muss es schon die neueste Kamera mit der größten Auflösung und der besten ISO-Performance sein.

Aber wie übel war es früher wirklich?

Tatsache ist, dass selbst meine Jackentaschentauglichen MFT-Kameras in Sachen Abbildungsqualität meine erste Kleinbildkamera – die Nikon D700 – ganz locker überflügeln. Die Auflösung liegt um ein Viertel höher und trotzdem ist das Rauscherhalten deutlich besser, obwohl der Sensor viel kleiner ist. Dabei war die D700 2008 vor allem in Sachen Bildrauschen ein Meilenstein.

Das heißt die Technik hat sich seit 2008 um Welten weiter entwickelt. Doch wie war das denn 2008? Sahen wir damals auf Plakaten und Inseraten in erster Linie verrauschte, niedrig aufgelöste Bilder? Kann sich überhaupt jemand erinnern, dass das was damals gedruckt wurde eine mindere Qualität hatte als die Abbildungen heute? Ich nicht!

Warum sollte, was 2008 für den professionellen Einsatz geeignet war, 2015 Ramsch sein? Die Bildbearbeiter mögen an ihren Monitoren sehr deutliche Unterschiede zwischen Digitalbildern von damals und heute sehen. Für die allermeisten Ausgabebedingungen jedoch ist dieser Unterschied kaum relevant sondern in erster Linie akademischer Natur.

Das Rennen um die Auflösung geht in die zweite Runde

Nachdem der Wettlauf um die beste ISO-Performane bei Werten über 100.000 irgendwie seinen Reiz verloren zu haben scheint kehren Marketing und Markt offensichtlich zurück zur Auflösung und läuten dort die zweite Runde ein. Fleißig wird diskutiert wie viel Auflösung man denn nun brauche und sinnvoll sei.

Ich habe bereits 2008 behauptet 18 Megapixel seien genug und habe meine Ansicht seither nicht geändert. Genug für mich, muss ich wohl ergänzen – mir ist sehr wohl bewusst, dass es Anforderungen gibt die von höheren Auflösungen profitieren.

Mit 18 Megapixel sind Ausdrucke in A3 (29,7cm × 42cm) bei 300ppi möglich. Wird die Auflösung auf 150ppi reduziert erreicht man 50cm × 70cm, bei 100ppi kommen wir über A0 (84,1cm × 118,9cm).

Akademisch betrachtet sind 300ppi und 100ppi natürlich ein Unterschied, praktisch betrachtet kaum. Großflächenplakate (z.B. 16-Bogen-Plakat: 3,36m × 2,38m) werden üblicherweise mit einer Auflösung von etwa 30ppi produziert – sogar das geht sich mit 18MP ganz locker aus. Schon einmal jemandem aufgefallen, dass diese Plakate unscharf wären?

In meinem Buch »Grafik und Gestaltung« gibt es auf Seite 652 einen Vergleich zwischen einem Foto bei 300ppi, 250ppi, 150ppi, 72ppi und so weiter. Der Unterschied zwischen 72ppi und höheren Auflösungen ist beim Betrachtungsabstand aus dem man ein Buch liest und anschaut deutlich zu sehen. Nicht mehr zu erkennen ist er aus einer Entfernung aus der man eine Wiedergabe von A3 und größer üblicherweise betrachtet. Der Unterschied zwischen 150ppi und 300ppi ist nur bei genauem Hinsehen, aus der Nähe und im Vergleich zu einem 300ppi-Referenzbild nennenswert.

Nun kündigt Canon eine Kamera mit 50MP an und es heißt Nikon und Sony würden diesen Wert bald schon topen. Allerdings las ich, dass es im Moment praktisch gar keine Objektive geben soll die ausreichend Schärfe für Auflösungen jenseits der 33 Megapixel liefern. Nicht immer jedoch deckt sich das was ich so lese mit meiner praktischen Erfahrung. Deshalb mache ich gerne meine eigenen Versuche um die gelesene Theorie mit meiner eigenen Praxis zu vergleichen.

So habe ich beispielsweise eine 40-Megapixel-Aufnahme einer Olympus OM-D E-M5II auf 16 Megapixel hinter- und dann wieder auf 40 Megapixel hoch gerechnet und das Ergebnis mit dem ursprünglichen Original verglichen (Ausschnitte finden sich am Ende des Artikels hier). Unterschiede sind beim genauen Hinsehen auszumachen, doch wohl eher akademischer als praktischer Natur. Das heißt das Ergebnis einer 40-MP-Aufnahme ist nur geringfügig besser als wenn die Auflösung aus 16MP hochinterpoliert wird.

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Ein Vergleich zwischen einer 40MP Originalaufnahme (oben) mit einer Kopie die erst auf 16MP hinunter und dann wieder auf 40MP hochgerechnet wurde (unten). Der Unterschied zwischen Original und aufgeblasener Kopie ist sichtbar, aber ist er praktisch auch relevant?

Nun hätte ich eigentlich den Verdacht, dass die im Verhältnis zu Nikons Top-Objektiven relativ preiswerten Olympus-Linsen einfach nicht die Schärfeleistung für 40MP aufbringen – doch ein Vergleich einer Testaufnahme einer E-M5II-High-Res-Aufnahme mit einer 36-Megapixel-D810-Aufnahme bei dpreview.com legt nahe, dass Olympus die Nikon überflügelt – leider habe ich nicht herausgefunden welche Objektive bei diesem Test zum Einsatz kamen.

Wie auch immer drängt sich mir der Verdacht auf, dass jenseits der 20 Megapixel die Bedeutung der Auflösung immer mehr schwindet weil sie an der Schärfeleistung der Objektive scheitert. Zwar vertreten einige Fotografen die Ansicht, dass bei Bildagenturen in Bälde Auflösungen die in Richtung 50MP tendieren Standardanforderung sein werden, doch schon jetzt ist es so, dass die Anforderungen der Agenturen oft durch schlichte Interpolation erfüllt werden.

Das heißt die Kunden der Bildagenturen bezahlen mehr für einen höher aufgelösten Download, auch wenn sie dasselbe Ergebnis mit einer niedriger aufgelösten Variante um weniger Credits erhalten hätten, das sie anschließend in Photoshop interpolierten. Wir bescheissen uns halt gerne auch mal selbst wenn wir von etwas überzeugt sind, zum Beispiel, dass höhere Auflösungen tatsächlich einen Mehrwert darstellen. Diesbezüglich empfehle ich auch den Artikel “The Great Rosolution Hoax”.

Ich will hier nicht in Abrede stellen, dass man aus mehr als 18 Megapixel Nutzen ziehen kann, wenn man entsprechend präzise arbeitet, Motive fotografiert bei denen hohe Auflösungen von Vorteil sind und regelmäßig entsprechend große Poster ausdruckt. Der Unterschied zwischen einer 12MP-D700, einer 16MP-OM-D und einer 24MP-D600 ist sichtbar – am Bildschirm! Für mich persönlich, der ich kaum einmal Bilder über A3 printe, ergäbe die höhere Auflösung aber keinen Sinn. Die Frage lautet für mich nicht, wie viel Auflösung kann ich haben, sondern wie viel Qualität brauche ich!

Stöbere ich heute in meiner digitalen Fotobibliothek oder sehe meine Bilder auf meinem 27″-digitalen-Bilderrahmen ist kaum ein qualitativer Unterschied zwischen einer Aufnahme einer D700 mit 12MP von 2008, einer Kleinbild-D600 mit 24MP, einer DX-D7100 mit 24MP, einer Lumix-GM5 MFT-Kamera mit 16MP oder einer meiner OM-Ds mit 16MP zu erkennen. Möchte ich wirklich sichtbar qualitativ schlechtere Aufnahmen finden  muss ich schon Bilder meiner Lumix G3 von 2011 oder einer meiner Kompaktkameras ausgraben.

Die Kameratechnik ist heute soweit, dass man selbst mit preiswerten Einsteigerkameras professionelle Abbildungsqualität erreicht, sofern man professionelle Objektive einsetzt. Ausnehmen bilden lediglich Situationen unter extremen Low-Light-Bedingungen bei denen man mit der Empfindlichkeit ans Limit gehen muss.

Fujifilm X-T1 Praxis-Check – 2. Teil

Bereits im 1. Teil meines Erfahrungsberichts über die X-T1 habe ich beschrieben, dass ich ihrem Bedienkonzept skeptisch gegenüber stehe. Am Ende des 1. Teils schloss ich aber doch mit dem Fazit, dass fotografieren mit der X-T1 Spaß macht.

Digital- ist keine Analogfotografie

Ab den 1980er Jahren ersetzte in Fotoapparaten zunehmend Elektronik mechanische Funktionen. Ich habe zwar noch in den 70ern gelegentlich mit mechanischen Apparaten meines Vaters fotografiert – genau genommen habe ich scharfgestellt und abgedrückt, um die Belichtungseinstellungen kümmerte sich Papa – doch meine fotografische Entwicklung fand mit Kameras statt die bereits überwiegend elektronisch gesteuert wurden.

Abgesehen davon, dass die Empfindlichkeit damals nicht durch ein Einstellrad sondern das Wechseln des Filmes geändert wurde, unterschieden sich meine eigenen analogen Apparate nicht großartig von der Art wie Digitalkameras heute bedient werden.

Ich habe mich daran gewöhnt mit zwei Einstellrädern, die ich mit Daumen und Zeigefinder der rechten Hand bediene, Blende, Zeit, ISO, Belichtungskorrektur und mehr zu steuern, während die linke bei Bedarf das Einstellen des Zooms und der Fokussierung übernimmt. Überwacht werden die Auswirkungen der Einstellungen mit einem Blick in den Sucher oder auf das Display. Auf Einstellräder aufgedruckte Skalen haben für mich keinen praktischen Wert.

Damit wiederhole ich, was ich bereits im 1. Teil angemerkt habe. Sympathisch war mir die X-T1 trotz des Kritikpunkts. Sie weist eine tolle Haptik auf, ist kaum größer als meine OM-Ds, liegt gut in Händen und vermittelt dieselbe Leichtigkeit des Fotografierens die ich auch an den OM-Ds liebe.

Feine Linsen

Das 18–55mm-Kitobjektiv fühlt sich gut an, das Einstellen der Blende am Objektiv macht Spaß, Fokus- und Zoomring laufen sauber und weich, wobei die Gelegenheiten bei denen man versehentlich am falschen Ring dreht bei drei Ringen größer ist als mit zwei, vor allem wenn man nicht nur mit einem Objektiv arbeitet sondern mit verschiedenen und bei jedem Modell eine andere Anordnung der Ringe gewählt wird.

Dass es Fuji es ernst meint und eine anspruchsvolle und professionelle Zielgruppe im Visier hat zeigt sich am feinen Objektivangebot. Allerdings hat das die Kehrseite, dass billige Schnäppchen wie das 35mm ƒ1.8 und 50mm ƒ1.8 bei Nikon oder das 45mm ƒ1.8 bei MFT kaum existieren – ein Grund weshalb ich Einsteigern nicht unbedingt empfehle sich bei Fuji umzusehen.

Dafür ist aber eben das, was es an Glas gibt lichtstark und wie man hört und liest vom Feinsten und wer Ansprüche stellt sollte sie bei Fuji erfüllt finden. Das 18–55mm ƒ2.8–4 macht mir auf jeden Fall einen guten Eindruck, liefert scharfe Details und ein schönes Bokeh.

Eine coole Kappe

Fuji kann offensichtlich auch praktische Objektivdeckel gestalten. Die Kappe des Kitobjektivs hat die Riegel innen (vorne) und sie sind ausgesprochen ausgeprägt – der Deckel lässt sich gut abnehmen und aufsetzen.

Objektivdeckel bei Olympus sind eher das Gegenteil von praktisch. Deren Entriegelung befindet sich meist seitlich und wer sie wie ich auch bei montierter Streulichtblende aufsetzen möchte darf sich anschließend ärgern wenn er die Kappe wieder von der Linse klezeln will.

Zwar hat das M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 auch eine Kappe die innen entriegelt wird, doch die ist mittlerweile berüchtigt sich nach einiger Zeit in ihre Bestandteile aufzulösen (was ich allerdings nachhaltig mit Superkleber repariert habe).

Lupe und Wasserwaage

Besonders gut gefiel mir die Wasserwaage, die eine schlichte Linie ist die sich in der Mitte über den ganzen Bildausschnitt erstreckt. Einfach ist oft am besten. Nachteilig ist allerdings, dass sie nur seitliche Neigung anzeigt.

Noch viel besser gefiel mir die Lupe fürs manuelle Fokussieren. Eine solche Vergrößerung des Bereichs auf den man scharfstellen möchte brachte mir mit der OM-D E-M5 das manuelle Fokussieren zum ersten Mal wieder näher, seit ich keine Kamera mehr mit Schnittbildindikator im Sucher habe.

Bei der X-T1 finde ich diese Lupe allerdings noch praktischer gelöst als bei anderen Kameras – die Vergrößerung lässt sich als separaten Ausschnitt neben dem Gesamtbildausschnitt anzeigen. Anders als bei Lösungen, bei denen einfach nur der vergrößerte Ausschnitt zu sehen ist oder der vergrößerte Ausschnitt über dem Gesamtausschnitt liegt, kann mit Fujis Lösung gleichzeitig die Detailschärfe in der Vergrößerung und die Bildkomposition im Gesamtausschnitt beurteilt werden. Falls ihr euch nicht vorstellen könnt wie das aussieht – im folgenden Review von Digitalreview ist es zu sehen.

Fokussierung braucht Zeit

Soweit ich mitbekommen habe ist ein etwas langsamer Autofokus ein bekanntes Problem von Fuji – das war mir bekannt. Dass der Unterschied zu dem was ich von Olympus und Panasonic gewohnt bin jedoch dermaßen eklatant ist hat mich überrascht.

Fotografiert man unter Tageslicht beziehungsweise in hellen Räumen statische Motive bemerkt man zwar keinen Unterschied zu anderen Systemen, doch meine ersten Aufnahmen machte ich von einem Kleinkind in einem nicht ganz hellen Raum. Ich sollte vielleicht »versuchte ich zu machen« schreiben, denn  so lange das Kind in Bewegung war gelang mir kein einziger Treffer. Mit meinen MFTs geschweige denn mit einer Nikon hätte ich in derselben Situation nicht die kleinste Verzögerung der Fokussierung erwartet.

KO durch umständliche Anwendung

Effiziente und intuitive Bedienung ist immer auch eine subjektive Empfindung. Ich hörte schon häufig von einer schlechten Menüführung bei Nikon, Olympus steht sogar besonders im Ruf undurchschaubare Menüs zu gestalten. Ich kann mich allerdings nicht erinnern Schwierigkeiten gehabt zu haben mich an die Benutzerführung bei Nikon zu gewöhnen und ich hatte auch keine Probleme mich bei meiner ersten Olympus zurecht zu finden.

Ich will nicht behaupten, dass ich mit der Menüführung bei der X-T1 Schwierigkeiten hatte oder, dass ich etwas nicht fand wonach ich suchte, trotzdem empfand ich die Bedienung als umständlich. Möchte man beispielsweise Einstellungen über das Quickmenü verändern muss die Funktion via Vier-Wege-Wippe ausgewählt und dann über das weiter oben befindliche Einstellrad verändert werden. Bei meinen OM-Ds kann ich die Funktion mit dem hinteren Einstellrad anspringen und die Änderung dann mit dem vorderen vornehmen – das empfinde ich als deutlich flüssiger und effizienter.

Was mir den Spaß am Fotografieren mit der X-T1 aber letztendlich tatsächlich verleidete war das was ich Anfangs kritisierte: Die umständliche Steuerung über fünf bis sechs Einstellräder.

Umständliche Belichtungseinstellungen

Habe ich die Kamera vor Augen, den Blick im Sucher und möchte Parameter wie die Belichtungszeit oder Empfindlichkeit ändern, dann muss ich einen Knopf auf einem Einstellrad – Empfindlichkeit links, Zeit rechts – gedrückt halten und das Rad drehen. Das geht mit der Kamera vor den Augen nur mit Verrenkungen. So kann und will ich nicht arbeiten! Ich sehe einfach keinen Nutzen im Bedienkonzept der Kamera sondern nur Nachteile.

Umständliche Einstellung des Belichtungsmodus

Ein zweites Beispiel wo das Bedienkonzept aus der Mitte des letzten Jahrhunderts die Benutzung verkompliziert; Mit wenigen Ausnahmen haben heute alle Kameras ein Einstellrad für den Belichtungsmodus über das sich Programm, Zeit- oder Blendenautomatik oder manuelle Belichtungseinstellung einstellen lässt.

Ich nutze praktisch ausschließlich manuelle Belichtungseinstellungen und Blendenvorwahl. Alle meine bisherigen Kameras ließen sich so konfigurieren, dass Wahl des Modus M Zeit, Blende und ISO manuell steuern kann und im Modus A (Blendenvorwahl) die Blende vorwähle, während Zeit und ISO automatisch eingestellt werden – auf P kann ich alles der Automatik überlassen.

Ein vergleichbares Umstellen von M auf P verlangt bei der X-T1, dass der Blendenring am Objektiv auf A gestellt wird (bzw. ein entsprechender Schalter), dass ISO auf A gestellt wird und dass Zeit auf A gestellt wird. 1:3 für für das Belichtungsmoduswahlrad gegen das Räderwerk der X-T1 – wobei bei diesem Match weniger mehr ist.

Wider Erwarten eine enttäuschende Bilanz

Trotz aller Sympathie für Fuji und die X-T1hat sich am Ende meines Praxis-Checks herausgestellt, dass wir beide nicht füreinander geschaffen sind. Weniger als zuvor verstehe ich, was viele Fotografen an der X-T1 so begeistert. Aber ich muss ja nicht alles verstehen. Verschiedene Fotografen haben nun einmal unterschiedliche Vorlieben und Anforderungen. Sieht man vom Autofokus ab gibt es qualitativ sicher wenig an Fujis X-Kameras zu beanstanden – der Rest ist halt Geschmacksache.

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Trotz aller Kritik der Bedienung und der Fokussierung: Die Ergebnisse wären durchaus zufriedenstellend.

Hinweis | Abschließend möchte ich mich noch einmal bei Foto Hebenstreit bedanken, dass er mir die Kamera für einige Tage zur Verfügung stellte.