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David DuChemins »Sehen und Gestalten« ist ein Buch das ich euch schon länger einmal ans Herz legen wollte, ohne dass ich bislang die Muße gefunden hätte einen entsprechenden Blogpost zu schreiben. Jetzt aber will ich das kurz machen.

Im Untertitel heißt es »David DuChemins etwas andere Fotoschule«. Nun, das weist in meinen Augen in eine etwas falsche Richtung, auch wenn es an sich eigentlich korrekt sein mag. In einer Fotoschule würde man an sich Dinge wie Grundlagen zu Kameratechnik, -ausrüstung und -einstellungen vermuten. Diese sind aber kaum ein Thema. Wer danach sucht muss zu einem anderen Werk greifen (zum Beispiel zu »Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt« aus meiner Feder :)). Vielmehr geht es um das was tatsächlich wichtig ist an der Fotografie: Fotos bewusst zu gestalten.

Der Autor spricht sehr viel von der Vision die man als Fotograf haben muss. Für mich ist Vision ein sehr großes Wort und ich weiß nicht ob mir die Lust am Fotografieren nicht verginge wenn ich permanent darum bemüht sein müsste Visionen zu verfüllen. Aber wenn man von diesem etwas philosophischen Vorbehalt meinerseits gegenüber diesem Anspruch absieht ist das Buch großartig, vor allem wenn man über das Stadium hinaus ist in dem man sich noch mit den technischen Grundlagen herumschlagen muss. Es ist also vor allem eine Empfehlung für alle jene, die mit Brenneite, Blende, Verschlusszeit & Co längst per Du sind. Aber nicht nur! Auch wenn man in Sachen Fototheorie und -praxis noch Novize ist kann man es genauso gut lesen. Es ist nicht nur in einer gut zu lesenden und verständlichen Sprache gehalten, sondern, da es sich vor allem auf Gestaltungsaspekte abseits von Kameraeinstellungen konzentriert, auch ohne großartige Grundkenntnisse nachvollziehbar – Gestaltung lässt sich auch völlig unabhängig von Technik erklären. Das heißt, selbst wenn ihr ausschließlich mit eurem Telefon fotografiert und somit ohnehin nicht an Blende und Brennweite drehen könnt, gibt das Buch gute Anregungen eure Bildgestaltung zu verbessern.

Ich will mich hier nicht lange mit der Beschreibung der Inhalte aufhalten – das könnt ihr ausführlich auf der Website des dpunkt-Verlags in Erfahrung bringen, wo ihr das Inhaltsverzeichnis und ein Demo-Kapitel als PDF runterladen könnt –, sondern beschränke mich kurz und bündig darauf es als klaren Lesetipp für alle zu empfehlen, für die Fotografie mehr ist, als eine tolle Fotoausrüstung durch die Gegend zu tragen.

Alle, die lieber via Amazon bestellen, als über den freundlichen Buchhändler um die Ecke oder den Verlag, und damit leben können, dass ein paar Cents Provision für mich abfallen, finden hier den Link zum Buch beim Online-Händler.

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Grafik und Gestaltung 2.0

Mon, 07. Jul. 14

Gug2

Nun habe auch ich es in Händen: Die vollständig überarbeitete und deutlich gewachsene zweite Auflage von »Grafik und Gestaltung – das umfassende Handbuch«. Gegliedert in die Kapitel Grafikdesign, Wahrnehmung, Form, Farbe, Bild, Schrift, Lesetypografie, Gestaltungsraster, Corporate Design und Druckvorstufe habe ich versucht alles zusammenzufassen und zu beschreiben was der Gestalter wissen muss. In einem Artikel vom April habe ich bereits ein paar Seiten des Buches hier im Blog vorgestellt.

Eine Beschreibung des Buches samt komplettem Inhaltsverzeichnis und kostenloser Leseprobe findet ihr auf der Website des Verlags (Galileo-Design) wo sich das Buch auch bestellen lässt. Wer lieber via Amazon bestellt (oder sich informiert) kann das hier tun. Natürlich geht auch der klassische Weg über den Buchhändler eures Vertrauens: ISBN 978-3-8362-2513-7.

Über Rückmeldungen, Feedback und Verbesserungsvorschläge freue ich mich jederzeit – und natürlich auch über Rezensionen zufriedener Leser.

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Was folgt auf Aperture?

Sun, 06. Jul. 14

Nachdem Apple Aperture einstellt kann der Konzern aus Cupertino endgültig nicht mehr als verlässlicher Lieferant für Software gelten. Zwar haben sich auch andere Konzerne bereits unschön Programmen entledigt und Kunden im Regen stehen lassen, doch die Art in der Apple seine Kunden über Jahre hinweg über die Zukunft ihrer Werkzeuge im Ungewissen lässt ist wohl einzigartig und zeigt, dass hier einfach das Verständnis für die Bedürfnisse der Anwender fehlt. Wer mit professioneller Software arbeiten muss verlangt vor allem Kontinuität – mehr noch als nach Innovation.

Man hört wenig Gutes über Apples Umgang mit Final Cut Pro X, auch wenn sich Stimmen finden, die behaupten nach einer deutlichen Umgewöhnungsphase die Neuerungen im Programm am Ende doch begrüßt zu haben. Aber: Ich will mich nach einem Update nicht vollständig neu in ein Programm einarbeiten müssen. Und ich will schon gar nicht meine zuvor erarbeiteten Projekte nach einem Update abschreiben oder neu aufbauen müssen. Selbst wenn das Programm durch das Update besser wäre als zuvor. Das geht schon gar nicht bei einem RAW-Konverter und Verwaltungstool in dessen Bibliotheken oft Jahre der Arbeit stecken.

Es ist nicht allein Aperture, das Apple verschustert hat. iWorks startete als exzellente Alternative zu Office und Keynote war PowerPoint damals um Welten voraus. Was seither geschehen ist hat mehr mit einem Hauch von Evolution zu tun als mit innovativer Weiterentwicklung. Pages beispielsweise kennt in der aktuellsten Version keine Serienbrieffunktion mehr – Entwicklung nach hinten, könnte man sagen.

Allerdings: Aperture ist für mich noch immer das beste Programm um meine Fotobibliotheken zu verwalten. Die Auswahl an realistischen Alternativen ist nicht besonders groß: Lightroom, Capture One und DxO Optics. Alle drei bieten professionelle RAW-Entwicklung, doch in Sachen Bildverwaltung kann lediglich Lightroom mit Aperture mithalten.

Wie schon oft in den vergangenen Jahren habe ich mir in den letzten Tagen Lightroom wieder einmal in der aktuellsten Version heruntergeladen und angesehen (ab 2008 arbeitete ich für ein knappes Jahr damit und kehrte dann zu Aperture zurück). Und wie jedes Mal habe ich es sehr schnell geschlossen. Ich kann einfach nicht mit dem üppigen, platzverschwenderischen, strikten und unflexiblen Interface arbeiten. Schon gar nicht so lange Adobe keine Möglichkeit anbietet Shortcuts zu individualisieren.

In Aperture kann ich nahezu jede Aktion mit Shortcuts versehen – auch Entwicklungsrezepte. In Capture One kann ich sogar Regler wie Weißabgleich, Belichtung, Sättigung, etc. über Tastaturkürzel ansteuern. So brauche ich oft beim schnellen Entwickeln von Bildern keine Hand von der Tastatur zu nehmen. Das ist Effizienz auf die ich nicht verzichten möchte!

Alle vier Programm bieten professionelle RAW-Entwicklung mit Stärken und Schwächen und am Ende ist es vor allem Geschmacksache ob man die Resultate von Camera Raw (Lightroom), Aperture, Capture One oder DxO Optics bevorzugt – oft ist beim einen Bild das eine Programm besser und beim anderen das andere. Die Unterschiede liegen vor allem in der Verwaltung, wo Aperture und Lightroom die Nase vorn haben, und in der professionellen Qualität der Bedieneroberfläche, da haben Aperture und Capture One die Nase vorne.

Aperture ist zwei Mal Primus: Gute Dateiverwaltung, professionelle Bedienung. Über Jahre hinweg mein Argument bei Aperture zu bleiben! Kein anderes Programm erfüllt sowohl meine Ansprüche an die Verwaltung als auch an die Bedienung. Danke Apple, dass ihr das für mich beste RAW-Programm einstellt.

Werde ich Aperture deshalb jetzt fluchtartig verlassen? Keinesfalls! Vor allem natürlich weil mir die Alternative fehlt. Also abwarten was mit »Photos« kommen wird.

»Photos« ist das Nachfolgeprogramm von Aperture, das Apples Programme zur Bildbearbeitung unter OSX (iPhoto und Aperture) und iOS (Fotos für iOS und iPhoto für iOS) zu einem Programm vereinen soll. Der Verdacht – besser gesagt: die Befürchtung – liegt nahe, dass Photos zwar für iPhoto-User ein Aufstieg sein könnte, für Aperture-User allerdings ein Rückschritt. Und mal ehrlich: Bei aller Freude an der Entwicklungsqualität und der Bedienung von Aperture 3.3+ – bei der stagnierenden Feature-Entwicklung der letzten Jahre ist ein Rückschritt einfach nicht drin!

Offensichtlich bewusst streute das Umfeld von Adobe (Scott Kelby) ein Gerücht wonach Apple mit Adobe gemeinsam an einem Weg arbeiten soll der Aperture-Usern den Umstieg auf Lightroom erleichtern soll. Das signalisiert natürlich Apple wolle seine Aperture-User los werden. Allerdings ist dieses Gerücht nicht richtig und soll wohl lediglich dazu dienen Aperture-User möglichst schnell auf Lightroom umsteigen zu lassen, am besten bevor Apple Photos offiziell präsentiert. Klar: Wer zu Lightroom wechselt wird nicht gleich wieder zu Apple zurück kehren, selbst wenn Photos besser werden sollte als im Moment erwartet.

Ein Tag nach dem ersten Schock über den Tod von Aperture habe ich, nach einem Check der Alternative, beschlossen, bis auf weiteres bei Aperture zu bleiben. Ich erwarte zumindest, dass Photos eine Bildverwaltung liefert die Aperture nicht wesentlich nachsteht. Sollte das neue Programm meine Entwickelten RAWs nicht so übernehmen können, wie ich sie in Aperture entwickelt habe, werde ich die Entwickelten Bilder als TIFF exportieren und mit Photos verwalten. Die Verwaltung wandert dann (aus heutiger Sicht) zu Capture One. Das widerspricht zwar meiner Grundidee RAWs mit dem gleichen Programm entwickeln und verwalten zu können, aber da ich Lightroom nicht mag sehe ich derzeit schlicht keine Alternative.

Vielleicht wird Photos aber doch noch eine Überraschung, den Apple verfolgt mit dem neuen Programm offensichtlich eine ganz neue Philosophie in der Software-Architektur: Photos soll es Drittanbietern erlauben ihre Werkzeuge direkt im Programm zugänglich zu machen (mehr und weiter führende Links darüber hier).

Das heißt Plug-Ins müssen nicht mehr als eigenständiges Programm aufgerufen werden, wodurch man die Umgebung des Basisprogramms verlässt und in einem RAW-Programm TIFFs, JPEGs oder PSD-Dateien produzieren muss, sondern sind direkt integriert. Daraus ergeben sich natürlich phantastische Möglichkeiten, denn die wunderbaren Werkzeuge von Macphun, Topaz, DxO (FilmPack und ViewPoint), Portrait Pro und OnOne-Software ließen sich damit direkt in den RAW-Workflow integrieren. Sollte sich diese Idee so realisieren lassen, wie sie sich darstellt; sollten sich die professionellen Anwender finden die die Flinte noch nicht ins Korn werfen, Apple noch einmal eine Chance geben und abwarten was Photos bringt und es damit versuchen; und sollten sich die Drittanbieter finden die coole Werkzeuge für das neue Konzept entwickeln und anbieten: Dann könnte Photos zu einer neuerlichen bahnbrechende Innovation aus dem Hause Apple werden.

Ich bin skeptisch was die Entwicklung angeht, doch ich will noch kein Urteil und keine Entscheidung fällen bevor ich das neue Produkt gesehen und getestet habe. Nicht zuletzt, weil ich keine Alternative sehe.

Übrigens sollten sich auch Lightroom-User wünschen, dass »Photos« ein Erfolg wird. Konkurrenz wird auch ihnen nützen!

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Was eigentlich schon lange absehbar war ist jetzt offiziell von Apple bestätigt: Aperture wird eingestellt. Die letzten Monate (fast schon Jahre) klammerte man sich nur mehr wegen der Hoffnung an die Aussicht auf Aperture 4, nicht wegen des Glaubens, dass es kommt. Dabei fürchtete ich schon mit der Vorstellung von Aperture 3 vor einigen Jahren, dass das Programm diese Entwicklung nehmen würde – weg von der professionellen Anwendung hin zu einem Aufsteiger-iPhoto. Apertures Nachfolgeprogramm »Photos« wird wohl genau das sein – ein Zwitter zwischen Aperture und iPhoto. Etwas anspruchsvoller als letzteres aber zu wenig professionell für Profifotografen und Semiprofis.

Generell sei gesagt, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass Unternehmen Produkte einstellen. Jedes Unternehmen in dem ich und ihr arbeitet stellt Produkte ein, die in der Unternehmensstrategie keinen Sinn mehr haben oder unrentabel sind. Sich über das Ende von Aperture hämisch freuende Lightroom-User sollten nicht glauben, dass das bei Adobe anders ist. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass Lightroom irgendwann eingestellt wird, aber mit Programmen wie Adobe LiveMotion und GoLive ließ der Konzern seine Kunden auch ordentlich hängen, nicht weniger bei den zugekauften Programmen Freehand und Fontographer und Freunde von Fireworks dürften auch wissen wie man sich vernachlässigt fühlen kann.

Dass Apple Aperture einstellt ist unerfreulich aber zu akzeptieren. Wie Apple dabei vorgegangen ist ist indiskutabel: Treue Anwender Jahre lang im unklaren über die Strategie und im Saft ihrer Hoffnung braten zu lassen zeugt lediglich von Unverständnis der Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden und der Ignoranz mit der sich die Konzerne dem gegenüber verhalten. Ich verstehe die Geheimhaltung um die Entwicklung neuer Produkte und dass Apple den Hype um die Geheimniskrämerei und die Überraschung bei der Vorstellung neuer Produkte nutzen möchte. Doch bei einem Nischenprodukt wie es Aperture ist, ist das einfach nur unnötig und lächerlich. Schon gar nicht wäre es notwendig die Hoffnung auf eine neue Aperture-Version noch durch vage Andeutungen zu schüren, wenn man weiß, dass das Ende längst besiegelt ist, wie das im Falle Aperture geschah.

Allerdings gibt es auch hierfür ein Beispiel, dass das bei anderen Konzernen nicht anders ist: Adobe verkaufte nach der Übernahme von Macromedia ihr Produkt GoLive 9 noch brav weiter an Neukunden, obwohl für jeden Kenner der Branche absehbar war, dass das Produkt nicht weiter entwickelt werden würde. Diese Ignoranz den Kunden gegenüber ist allerdings leider keine Spezialität von Apple oder Adobe sondern schlichter Spiegel unseres Wirtschaftssystems in dem nicht der Kunde oder das Produkt im Mittelpunkt stehen sondern Umsatz und Gewinn.

Noch etwas möchte ich jenen hinter die Ohren schreiben die sich jetzt ob des Niedergangs von Aperture schadenfreuen: Bei Monopolen verliert vor allem der Kunde.

Meine persönliche Konsequenz aus dem Ende von Aperture ist, dass ich mich von der Vorstellung ich könne mit ein und demselben Programm die Entwicklung von RAW wie auch die Verwaltung der entwickelten RAW-Bilder managen verabschiede. Diese Kombination macht einen Wechsel der Anwendungssoftware zur schrecklichen Qual, weil man nach dem Wechsel in der neuen Software alle Bilder neuerlich entwickeln muss. Metainformationen, Schlagworte, Wertungen oft sogar Farbetiketten lassen sich zwar in der Regel von einem Programm zum anderen übernehmen, nicht aber die Entwicklungseinstellungen. Dazu sind die Arten wie die Bilder entwickelt werden in verschiedenen Programmen einfach zu unterschiedlich.

Die Entwicklung von RAWs mit Aperture ist bei mir seit vorgestern zu Ende. Statt dessen werde ich dazu in nächster Zeit wieder Capture One nutzen – das Programm liefert ohnehin nach wie vor die besten Entwicklungsergebnisse von allen RAW-Konvertern. Leider ist es zur Verwaltung umfangreicher Bildbestände nicht die erste Wahl. Deshalb werde ich die entwickelten Bilder als JPEG exportieren und dann in Aperture übernehmen. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass das Nachfolgeprogramm »Photos« in Sachen Verwaltung keinen schwerwiegenden Rückschritt gegenüber Aperture darstellt (zumindest hoffe ich das) und dann würde es das Programm der Wahl zur Verwaltung meiner Bildbibliotheken bleiben.

Ich werde außerdem in der nächsten Zeit wieder einmal einen Blick auf Lightroom werfen, allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mich in diese Richtung bewegen werde. Dazu ist meine Abneigung gegen das strikte und unflexible User-Interface und die Aussicht in absehbarer Zeit in der Cloud zu landen zu groß. Lightroom in der Cloud heißt lebenslänglich an das Abo gebunden zu sein, denn eine Kündigung des Abos würde bedeuten, mit einem Schlag die gesamte Bilder-Bibliothek zu verlieren – nicht die Bilder aber die Bibliothek! Das heißt selbst wenn das Management von Photos Mist wäre und mir keine Alternative als Lightroom übrig bleibt würde ich damit nur mehr entwickelte JPEGs verwalten und mit überschaubarem Aufwand auf eine andere Software umsteigen zu können.

Ich bin vier Mal mit RAWs umgezogen – ich habe keine Lust auf ein fünftes Mal!

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Foto

Olympus OM-D E-M10 auf meinem Foto-Pro-Stativ bei der Aufnahme einer Langzeitbelichtung.

Traue keinem Fan!

Seit ich im Frühjahr 2013 begann mit der OM-D E-M5 zu fotografieren bin ich mehr und mehr zum MFT-Fan mutiert. Das Fotografieren mit dem System macht mir mehr Spaß als mit jedem anderen davor und die Resultate scheinen mir durchschnittlich subjektiv besser als das was mir mit meinen Vollformatkameras gelang, auch wenn das eigentlich sowohl gegen die Logik als auch gegen die Messwerte aus den Laboren ist. Was ich damit sagen will ist: Traue keinem Fan, denn sein Urteil wird immer subjektiv gefärbt sein.

Auf der anderen Seite: Es hat natürlich auch Gründe, weshalb ich zum Fan wurde.

Test der Einsteiger-OM-D

Nun durfte ich einige Tage die OM-D E-M10 ausprobieren – die preiswerteste Kamera der OM-D-Serie. Man bezeichnet sie oft auch als die kleinste OM-D, was allerdings sehr relativ ist. In der Praxis steht sie sowohl in Sachen Volumen als auch in in Sachen Gewicht der E-M5 kaum nach – die E-M10 hat mit Akku und Speicherkarte etwa 396g, die E-M5 etwa 425g.

Die E-M10 ist praktisch relevant also weniger die kleine OM-D als viel mehr die Einsteiger-OM-D. Dass sie nicht wesentlich kleiner als die E-M5 ist, ist kein Schaden. Die E-M5 ist einerseits kompakt genug um mit Pancake oder kompakter Festbrennweite in einer Jackentasche Platz zu finden, aber nicht so klein, dass in Sachen Bedienung zu große Kompromisse gemacht werden müssen.

Wer es kleiner mag findet bei Olympus mit den Pen-Modellen kleinere und leichtere Kameras und bei Panasonic mit der GM1 eine besonders kompakte, die ich in Form der GM1 im Kit mit dem Panasonic Leica 15mm ƒ1.7 für mich ins Auge gefasst habe. Doch die GM1 ist, wie ich im Artikel über sie schrieb, keine Einsteigerkamera sondern eine für Fotografen die recht genau wissen was sie wollen. Die GM1 ist in erster Linie eine kompakte Zweitkamera für ambitionierte Hobby- und Profifotografen. Hätte ich nicht bereits eine OM-D E-M5 und eine OM-D E-M1 und müsste mich zwischen E-M10 und Lumix GM1 entscheiden, wäre es keine Frage zu welcher ich greifen würde: Zur E-M10.

Klein aber nicht zu klein

Der Grund: Zwar schenken sich GM1 und E-M10 in Sachen Funktionen und Abbildungsqualität wenig, doch durch Volumen und Gewicht liegt die E-M10 besser in der Hand. Sie hat viele Bedienelemente die ich mit Direktfunktionen belegen kann und vor allem: Sie hat einen Sucher und ein Klappdisplay. Gerade der fehlende Sucher macht es bei der GM1 im Sonnenschein zum reinen Blindflug Motive einzufangen. Mit dem elektronischen Sucher der E-M10 ist das gar kein Problem.

Es gibt zwei Gründe, dass ich mir als dritte MFT-Kamera die GM1 kaufen werde: 1. weil ich als dritte Kamera bewusst ein möglichst kompaktes Gerät wünsche und 2. weil das Leica 15mm ƒ1.7 auf meiner Wunschliste steht, seit ich davon gelesen habe, dieses sowieso kaufen werde und ich die GM1 durch das Kit-Angebot zum deutlich reduzierten Preis dazu bekomme.

E-M5 oder E-M10?

Besäße ich nicht bereits die E-M5 und hätte die Wahl zwischen ihr und der E-M10 wäre die Entscheidung nicht ganz so einfach. Die E-M10 hat ein billigeres Gehäuse bei dem Plastikhaptik deutlich präsenter ist. Die E-M5 hat mich vor allem wegen ihrer überragenden Haptik für sich eingenommen. Sie ist gut gegen Staub abgedichtet und Spritzwasserfest. Fotografieren im Regen? Kein Problem mit der E-M5 und einem abgedichteten Objektiv! Diesbezüglich wäre ich mit der E-M10 doch bedeutend weniger sorglos.

Auf der andren Seite hat die E-M10 einen integrieren Blitz, wogegen bei den anderen beiden OM-Ds ein Blitz aufgesteckt werden muss. Der ist zwar winzig, doch das Auf- und Einklappen des Blitzes bei der E-M10 hat durchaus seine Vorteile. Zwar weiß, wer mich kennt, dass ich (so gut wie) niemals mit dem Blitz auf der Kamera blitzen würde, doch ich verwende integrierte Blitze oder eben den Aufsteckblitz meiner OM-Ds um andere entfernte Blitze entfesselt (kabellos) zu steuern. Das mache ich in letztere Zeit vor allem regelmäßig in der Makrofotografie. Hierbei wäre der integrierte Blitz der E-M10 nun eben ein deutlicher Vorteil gegenüber den Aufsteckblitzen der anderen beiden OM-Ds.

Andererseits wiederum hat die E-M10 eine etwas simplere Bildstabilisierung. Die 3-Achsen-Bildstabilisierung soll dem 5-Achsensystem der E-M5 kaum nachstehen. Es fehlte mir leider die Zeit diese Behauptung von Olympus zu überprüfen, doch ich bin ein bisschen skeptisch. Die Bildstabilisierung der E-M5 stellt alles was ich davor kannte bei weitem in den Schatten. Ich kann mir vorstellen, dass auch die Stabilisierung der E-M10 die Konkurrenz alt aussehen lässt. Doch ist sie tatsächlich auf Höhe der E-M5 und E-M1? Das ist eine Frage deren Beantwortung ich euch leider schuldig bleiben muss. Allerdings gilt Olympus seit Jahren als Primus bei der Bildstabilisierung und daran, dass auch jene der E-M10 saugut ist hege ich keinen Zweifel.

Die E-M10 ist die perfekte Einsteiger-Systemkamera

Die Olympus OM-D E-M10 ist in meinen Augen die perfekte Einsteiger-Systemkamera. Unter Systemkamera versteht man an sich Modelle mit Wechselobjektiven aber ohne Spiegel. Genau genommen sind aber auch DSLRs Systemkameras und wenn ich behaupte die E-M10 ist die perfekte Wahl für den Einstieg in das Fotografieren mit Wechselobjektiven, dann schließt das Modelle mit und ohne Spiegel ein.

Profis und Semiprofis werden bei bestimmten Aufgabenbereichen mit einer Vollformatkamera sicher eher das finden, was sie brauchen. Doch wer nicht in diese Sphären aufsteigen will findet für den Einstieg in die Fotografie mit Wechselobjektiven derzeit wohl kein attraktiveres Angebot als die E-M10 – nicht um diesen Preis und nicht mit diesem umfangreichen Angebot an (auch preiswerten) Wechselobjektiven.

Die wichtigsten Gründe die für die E-M10 sprechen sind:

1. Sie ist klein und kompakt. Die meisten Leute die eine Spiegelreflex kaufen verlieren nach einiger Zeit wieder die Freude daran und kehren zu Kompaktkamera oder Handy zurück, weil ihnen die DSLR einfach zu groß ist und sie sie nicht gerne mitschleppen. Das gilt umso mehr, wenn man nicht nur ein Objektiv sondern mehrere mitführen will. Das MFT-System hat nur einen Bruchteil des Volumens und des Gewichts eines DSLR-Systems – je nachdem vielleicht etwa die Hälfte bis ein Viertel. Je mehr Objektive man einpacken will, desto mehr spricht die Bilanz für MFT. Wie gesagt: Die OM-D passt mit dem Kit-Pancake-Zoom locker in eine Jackentasche (das Pancake-Zoom konnte ich übrigens leider nicht testen).

2. Während die großen Mitbewerber ihre DSLRs softwareseitig deutlich kastrieren um den Unterschied im Funktionsumfang zu ihren größeren und teureren Schwestern möglichst groß zu halten und ambitionierten Aufsteigern möglichst frühzeitig einen Grund zu einem teureren Modell umzusteigen zu geben, unterscheidet sich die E-M10 im Funktionsumfang praktisch nicht von der Profi-OM-D, der E-M1. Das heißt alles was aus der E-M1 raus zu holen ist, geht auch mit der E-M10 (es mag minimale Einschränkungen geben, ich habe keinen detaillierten Vergleich angestellt). Die Unterschiede zwischen den Modellen liegen in erster Linie am Bedienumfang durch Tasten am Gehäuse, den eingesetzten Materialien und der Verarbeitung. Die größeren Modelle sind solider und robuster, die E-M1 aufgrund des griffigeren und voluminöseren Gehäuses auch effizienter zu bedienen.

Ein Verkäufer bei Foto Hebenstreit, von wo ich auch diesmal die Kamera zur Verfügung gestellt bekommen habe, verriet mir, dass die E-M10 jene Kamera ist, die er derzeit am häufigsten verkauft. Das ist für mich gut nachvollziehbar. Zwar ist beispielsweise aus einer Nikon D7100 theoretisch mehr raus zu holen, doch das nur zu einem deutlich höheren Preis und der Gewissheit, dass man sich damit für eine Ausrüstung entscheidet, die das Drei- oder Vierfache Gewicht und Volumen einer MFT-Ausrüstung bedeutet. Dabei sprechen wir aber von einem qualitativen Mehrwert den nur ein sehr fortgeschrittener Fotograf generieren wird, den der Laie kaum sieht und der nur bei ausgesprochen großen Postern spezieller Motive relevant ist. Wäre die Abbildungsqualität der OM-Ds nicht tadellos, würden nicht zunehmend mehr Profis Gefallen an diesen Geräten finden. Oft sind es eher detailverliebte Semiprofis die sich an theoretischen Unterschieden aufhängen, während Berufsfotografen vor allem auf praktisch relevante Qualität und Arbeitseffizienz achten.

Wenn mich in Zukunft jemand fragen wird: »Welche Kamera soll ich kaufen?«, werde ich mit Sicherheit auch sagen: »Schau dir die E-M10 an.«

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