Sun, 10. Jan. 10
Autor: Markus Kategorien: Grafikdesign Tags: ; ; ; ; Kommentare: 0

Manchmal sieht man tolle Re-Designs. Manchmal werden aber auch grausliche und dilettantische Re-Designs vom Stapel gelassen, wie zum Beispiel hier bei Expedia. Ich meine: Was soll der typografische Rückschritt? E, x, e und a scheinen hier wenig harmonisch nebeneinander zu leben — wirkt fast als wären einzelne Buchstaben aus mindestens drei verschiedenen Schriften zusammengewürfelt.

Und das Logo? Man mag über den typografischen Vorgänger geteilter Meinung sein. Wer comic-hafte, illustrative Logos nicht mag, wird es wohl ablehnen. Aber während das alte Logo doch zumindest professionell gestaltet zu sein scheint, von Jemandem der illustrieren kann und eine Ahnung von Form und Farbe hat, ist das neue Logo doch völlig dilettantisch. Der Verlauf wirkt seltsam, das Flugzeug unförmig und deplatziert und das nicht-ganz-aber-doch-Berühren der Flugzeugspitze am Globus … also ich weiß nicht — mir tut das weh.

Von nett und gekonnt zu kühl und unförmig — irgendwie unnötig. Da konnte wohl jemand gut verkaufen. :\

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Fri, 11. Dec. 09

Als ich eben eine Datei aus meinen Datenarchiven raus gesucht habe, wollte es der Zufall, dass ich über ein Schriftmuster einer Schrift stolperte, an der ich vor zehn Jahren gearbeitet habe. Es müssen hunderte Stunden gewesen sein, die ich in die Schrift investiert habe. Der Light Schnitt der Schrift war fertig und fünf weitere Schnitte bis ExtraFett waren in Arbeit. Die Turbulenzen der damaligen Zeit haben dazu geführt, dass ich (fast) alle Daten der Schriftentwicklung verloren haben. Ein einziges Blatt, das ich im Vorübergehen als Schriftmuster rasch gesetzt habe, ist von der vielen Arbeit übrig geblieben.

Nun ja, ganz stimmt das eigentlich nicht. Viel mehr ist übrig geblieben, denn die vielen Stunden in denen ich die Buchstaben erst skizziert, dann mit Bleistift und Lineal auf Millimeterpapier gezeichnet und später in Illustrator optimiert habe, haben deutliche Spuren in meinem Formalen Empfinden hinterlassen. Die Arbeit an der Schrift war die beste Gestaltungsschule, die ich je besucht habe.

Ich habe die Schrift, längst — ich möchte nicht sagen vergessen — als Episode meines Lebens zu den Akten gelegt. Aber als ich heute auf das Muster gestoßen bin und die Resultate wieder einmal sah, da wurde mir schon etwas weh ums Herz, dass die Daten die dazu geführt haben für alle Zeit verloren sind.

Ja, das gemeine k ist hässlich, und das S hat reichlich Potenzial optimiert zu werden. Aber das a hat absolut seinen Reiz, das e ist mir gut gelungen und das g ist ein Traum — ich liebe dieses g. :’)

Nun ja. Die Skizzen liegen allesamt noch hier in einem Karton und das PDF lässt sich bis zum Abwinken hochaufgelöst in Pixel umrechnen. Vielleicht werde ich das Projekt ja eines Tages wieder aufnehmen und die Schrift noch in diesem Leben fertig stellen.

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Wed, 09. Dec. 09

Im Moment nehme ich gerade mit den Teilnehmern des Epos Werbelehrgangs »Werben & Gestalten« das Thema Form durch und dabei geht es selbstverständlich auch um Proportionen. Nun sind natürlich Dinge wie Goldener Schnitt, Fibonacci-Zahlen, 2:3-, 3:4-, 3:5-Formate und so weiter an sich reichlich trocken und ohne Praxisbeispiele schwer nachvollziehbar. Als ich heute morgen bei graphis.com dieses Poster gesehen habe habe ich mir sofort gedacht, dass da mit solchen Proportionen gestaltet wurde. Es wirkt einfach zu stimmig und harmonisch, als dass das nicht so gewesen sein könnte. Also habe ich es in Illustrator übernommen und nachgemessen.

Ja, tatsächlich: Horizontal ist die Aufteilung der Breite 1:3. Das ergibt 4 Teile (1 Teil Abstand links, 3 Teile für die breite der Scheibe), also ViertelVerhältnis also eine 3:4-Basis.

Die Höhe ist in 5 Teile augeteilt: 3 Teile zur Unterkante der Scheibe, 2 Teile für den Abstand nach unten, also eine FünftelBasis also 3:5.

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Sat, 17. Oct. 09

Die besten Lösungen sind immer die simpelsten.

Quelle: http://logopond.com

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Wed, 07. Oct. 09

Avisierter Veröffentlichungstermin für mein Buch »Grafik und Gestaltung« war ursprünglich September, dann wurde auf Dezember verschoben. Nun wird es Frühjahr 2010. Der Grund: Das Werk ist sehr aufwändig. 600 Seiten fundiertes Basiswissen und Praxistipps brauchen Zeit.

Abgesehen davon, dass ich die Themen nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln kann und alles, wo ich mir nicht sicher bin noch einmal mit Recherchen überprüfe, gibt es das eine oder andere Loch in meinem Know-how das ich stopfen muss. Und dann sind Wissen, und eine auch für Grafikeinsteiger verständliche Erklärung schreiben können nicht immer das gleiche. Einfache, klar verständliche Erklärungen komplexer Zusammenhänge sind eine echte Herausforderung. Vieles davon will mit Grafiken erläutert werden, die zu zeichnen sind.

Vor allem aber verlasse ich mich dabei nicht auf das, was bisher über Design geschrieben wurde. Wer mein Buch über die Nikon D700 kennt, weiss, dass ich versuche ausgetrampelte Erklärungspfade zu verlassen und neue Perspektiven auf ein Thema zu eröffnen, um eine Thematik so verständlich und praxistauglich als möglich zu illustrieren. Deshalb habe ich die Farbenlehren von Küppers und Itten nicht einfach übernommen. Beide haben ihre Theorien in der PräDigitalen Zeit aufgestellt. Für das Design am Computer zwischen RGB und CMYK sind diese Thesen nur mehr bedingt tauglich. Dasselbe gilt für den Umgang mit Schrift und Typografie: Einerseits gibt es eine DIN-Norm zur Klassifizierung von Schriften, die aber für die heutige Schriftenlandschaft längst überholt ist. Und dann gibt es Spezialkonzepte, die sich aufgrund ihrer Komplexität der Praxistauglichkeit gerne entziehen und nur für Experten nachvollziehbar sind. Ich habe versucht auf Basis von H.P. Willbergs Schriftenmatrix ein Konzept vorzulegen, das auch Gestaltern bei der Schriftwahl unter die Arme greift, die keine ausgeprägten Schriftfetischisten oder Typomanen sind.

Das alles brauch so verdammt viel Zeit. Aber es wird. :)

Buch bei Galileo: http://www.galileodesign.de

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Thu, 01. Oct. 09
Autor: Markus Kategorien: Werbung Tags: ; ; ; Kommentare: 0

Ich bin ja äußerst skeptisch, dass Werbung die praktisch ausschließlich auf Typografie und Text baut funktioniert. Aber es gibt sicher auch Ausnahmen die sehr effektiv sind. Diese Anzeige dürfte funktionieren.

Quelle: http://adsoftheworld.com

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Fri, 20. Feb. 09

Wenn es um die Bedeutung der Technik für gelungene Aufnahmen geht, scheiden sich die Geister. Die einen rennen ein Fotografenleben lang besserem und teurerem Equipment nach, die anderen behaupten, dass die Qualität der Kameraausrüstung relativ bedeutuntslos ist. Wie meistens haben beide ein Bisschen recht.

Gute Fotografie besteht aus drei Komponenten:

  1. Inhalt
  2. Gestaltung
  3. Technik

Nur eine gute Bildidee oder ein wirklich interessantes Motiv führen zu einem beachtenswerten Resultat. Der Bildinhalt muss allerdings außergewöhnlich spektakulär sein, um auch ohne eine gute Bildgestaltung noch etwas rüber zu bringen. Das heißt ein gutes Motiv will in der Regel auch gut in Szene gesetzt werden. Einen Ausschnitt und seine Gewichtung und Proportionen zu komponieren, ist von größter Bedeutung für die Bildwirkung und braucht Erfahrung. Der aktuelle Trend banale Alltagsmotive in ungewöhnlichem Licht oder Perspektive neu zu erschließen, zeigt, wie viel mit guter Bildgestaltung möglich ist – da entstehen durchaus immer wieder beeindruckende Ansichten, bei Motiven die eigentlich absolut keine inhaltlichen Qualitäten zu haben scheinen.

Bildinhalt und Gestaltung haben etwa zwei Drittel Anteil an einem gelungenen Foto. Wer das ignoriert, wird niemals wirklich gute Aufnahmen machen. Doch die Bedeutung der Technik zu ignorieren, wäre ein fataler Fehler. Ich habe lange Zeit in intensiver Auseinandersetzung, vor allem mit der Gestaltung von Aufnahmen, mit einem relativen Low-Budget-Equitment gearbeitet: Mit einer Nikon D80 und einem 18–200mm Zoomobjektiv. Relativ Low-Budget bedeutet, dass dafür noch immer circa 1.500 Euro über den Ladentisch gegangen sind.

Absolut: Auch mit den Konstruktionsbedingten Mängeln dieses Allround-Objektivs lassen sich beeindruckende Aufnahmen erzielen, wenn man sich mit Inhalt und Gestaltung auskennt und auseinandersetzt. Dennoch konnte die Qualität meiner Aufnahmen praktisch niemals an jene heranreichen, die ich an den Bildern professioneller Fotografen bewundere. Bilder, wie man sie in Büchern, Zeitschriften und Magazinen abgebildet findet. Das ist natürlich auch frustrierend, weil man das Gefühlt hat, es sei mangelndes Können und Wissen, weshalb man diesen Grad professioneller Abbildungsqualität nicht erreicht.

Seit mir aber der Auftrag zum Schreiben eines Buches über eine professionelle Kamera die Möglichkeit eröffnet hat mit professionellem Equipment zu fotografieren, ist mir bewusst geworden, welche Bedeutung gute Geräte und Optiken für das letzte Quäntchen Abbildungsqualität professioneller Aufnahmen haben. Ein einziges Bild, aufgenommen mit einer Festbrennweite die preislich in der Region von 4.000 Euro liegt, hat mir den Unterschied zwischen der Abbildungsqualität von Amateur-Optiken und professionellen Systemen überdeutlich vor Augen geführt.

Damit möchte ich euch nicht aufrufen, all eure preiswerten Objektive im Altglaskontainer zu versenken. Ganz im Gegenteil: Setzt euch mit Bildgestaltung und Bildinhalt auseinander. Ein Fotograf, der mit diesen beiden Komponenten der Fotografie virtuos umzugehen versteht, wird auch mit der billigsten Kompaktkamera bessere Ergebnisser erzielen, als ein Knipser, der davon keine Ahnung hat mit dem teuersten Equipment. Seid euch aber bewusst, dass das letzte Drittel Qualität professioneller Aufnahmen an der professionellen Ausrüstung liegt. Wenn ihr trotz intensiver Auseinandersetzung mit Fotografie nicht an die Qualität der Profis ran kommt, dann liegt es wahrscheinlich weniger an euren mangelnden Fähigkeiten, als vielmehr an der Einsteiger-Fotoausrüstung.

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Tue, 30. Sep. 08
Autor: Markus Kategorien: News Tags: ; ; ; ; Kommentare: 3

Kai Müllers Weblog stylespion.de über »… Design, Inneneinrichtung, Wohndesign, Möbel …« gehört seit langem zu meinen Alltime-Favorites in der Bloggosphäre. Sein Blog kaimueller.org über Fotografie, Web- und Grafikdesign ist nicht minder interessant. In der Beschreibung zu kaimueller.org steht »Seit Beginn dieses Jahrtausends arbeite ich an Websites – Websites deren Ziel klar definiert ist: Nutzen für den Besucher und Nutzen für den Auftraggeber«, womit er ziemlich genau mein eigenes Design-Verständnis trifft.
Kai lebt und arbeitet in Köln als Webdesigner.

Frage: Hallo Kai. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zum Webdesign gekommen bist, welche Leidenschaft du damit verknüpfst und womit du heute im Wesentlichen dein Einkommen bestreitest?

Kai: Ich verdiene mein Geld  als Web Designer in Festanstellung bei einem Kölner Unternehmen, das auf SEO spezialisiert ist. Weitere Einnahmen generiere ich aus meinem Blog stylespion.de. Hin und wieder arbeite ich an weiteren Projekten, allerdings ist stylespion.de in der Zwischenzeit zu einem sehr arbeitsintensiven “Job” angewachsen, was toll ist, aber leider keine Zeit für weitere Projekte lässt.

Mein Weg bis hierher verlief recht kurvig: Ausbildung zum Speditionskaufmann, Zivildienst, Praktikum in einer Online Redaktion und erster Kontakt mit dem Internet als Arbeitsplatz (2000), Unternehmensgründung, Arbeit als Freelancer und nun Festanstellung. Eine klassische Ausbildung in diesem Bereich besitze ich nicht, ich habe fast keine Erfahrung im Print-Bereich – dafür aber die Erfahrung von wahrscheinlich inzwischen 200 realisierten Websites.

Leidenschaft ist ein schönes Wort, und darauf basiert eigentlich alles, was ich mache. Ich mag schöne Sachen. Egal, ob das Webseiten, Magazine, Wohnungseinrichtung, Musik oder Fotografien sind. Entdecke ich ein neues Gebiet für mich (wie zuletzt die Fotografie), setze ich viel daran es zu erlernen. Ich bin es gewohnt, in Themen autodidaktisch einzutauchen. Über das Netz ist das mittlerweile ein Kinderspiel – vorausgesetzt man hat hat den Willen dazu – und vielleicht auch ein wenig Talent.

Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten, und: Beinhaltet ein Gestaltungprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?

Kai: Ich sehe mich nicht als Kreativen. Das ist mir zu klischeeüberladen. Schwarze Rollkragenpullover? Bei mir Fehlanzeige.

Der weitaus größte Part meiner Arbeit besteht in der Anwendung etablierter Maßnahmen. Selbstverständlich muss man innerhalb des recht engen Korsetts seinen Weg finden, eine Website unique zu gestalten. Doch zuvorderst stehen ganz klar Usability und Accessibility. Eine Website ist dann gut, wenn der Nutzer sich darin zurechtfindet und sich wohl fühlt. Klingt banal, ich weiß.

Frage: Wie gehst du ein Gestaltunsprojekt an? Wie kommst du zu kreativen Lösungen und was machst du, wenn sich die Inspiration einmal nicht bis zur Deadline einstellt?

Kai: Ein neues Projekt entsteht bei mir meistens wie ein Puzzle. Ich habe Elemente, von denen ich weiß, dass ich sie unterbringen will, es gibt weitere Elemente, die es eventuell schaffen könnten. In der Regel werden grobe Layouts von mir nach und nach von allem befreit, was nicht unbedingt da sein muss. Schmuckelemente mag ich nicht so sehr. Und  in letzter Zeit habe ich nach einem groben Skizzieren auch direkt angefangen, den Quelltext zu schreiben, um die Seite danach mit CSS zu gestalten. Das hat eigentlich sehr gut funktioniert und ich werde das weiter ausbauen. Während des Gestaltungsprozesses erlaube ich niemandem auf meinen Monitor zu sehen – ein Tick von mir, und eine Vorsichtsmaßnahme, damit niemand sehen kann, dass meine Layouts bis kurz vor Fertigstellung oft komplett gekippt werden.

Bei ausbleibenden Ideen helfen mir meine Bookmarks weiter. Ein wenig surfen, adaptieren, weiterentwickeln oder reduzieren …

Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?

Kai: Da ich am liebsten mit sehr reduzierten Layouts arbeite, hat die Typografie wohl die größte Rolle in der Gestaltung. Darüber hinaus liebe ich typografische Arbeiten im Print.

Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel?
Kai: Bilder erfüllen für mich zwei wesentliche Zwecke: Stimmung und schnell erfassbare Illustration des Inhaltes. Ich habe viele Quellen, aus denen ich Fotos wähle. In letzter Zeit greife ich auch gerne auf eigene Arbeiten zurück.

Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.
Wie stehst du zu diesem Thema?

Kai: Corporate Design sollte schon sein, aber ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn große Agenturen 100-seitige Styleguides für Websites  präsentieren und Unternehmen dafür viel Geld bezahlen. Ruft man die Website  dann in 3 verschiedenen Browsern auf, sieht man, wie absurd manche Vorgaben sind, da sie oft nicht browserübergreifend umgesetzt werden können. Im Print ist die Lage natürlich etwas anders, klar.

Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«
Kai: Nein. Als Autodidakt bin ich eher der Meinung, dass ein Gestalter mit offenen Augen durch die Welt gehen sollte, und sich an der Praxis orientieren sollte. Das schult das Auge und sorgt für ständig neue Inspiration.
Bücher über Gestaltung im Internet empfinde ich oft bereits bei Erscheinen als veraltet.

Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?
Kai: Schwieriges Thema. Ich würde mich selbst als generalinteressiert bezeichnen. In meinem Feedreader tickern knapp 600 Blogs und Websites. Die Ausrichtung ist unterschiedlich. Webdesign, Webworking, Grafikdesign, Musik, Mode, Fotografie, Einrichtung usw. Inspiration kommt aus allen Ecken – man muss es nur entdecken.

Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?
Kai: Praxis. Ich mag theoretische Ansätze nicht allzu sehr. Klar, man muss die Basics kennen, aber das beste was man tun kann, um gut zu werden ist anwenden, anwenden, anwenden. Wer sich über die Zeit ein gutes Portfolio aufbaut, sollte wenig Probleme haben, einen Job zu finden.

Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?
Kai: Dran bleiben. Sich nicht auf alten Arbeiten ausruhen.

Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?
Kai: Ok, naiv formuliert: Ich freue mich, wenn ich durch meine Beiträge anderen etwas geben kann. Das Internet ist zwar ein kostenloses Medium, doch darf man nicht vergessen, dass all die Inhalte irgendwer, irgendwann erstellt hat. Mir reicht da schon ein kurz eingeworfenes “Danke” als Anerkennung. Der weniger naive Kai sagt: Die Kontakte, die in den zwei Jahren des Bloggens entstanden sind, sind wunderbar. Es ergibt sich vieles, was ohne diese beiden Websites nie zustande gekommen wäre. Und ja, man kann mit Bloggen auch Geld verdienen.

Danke, Kai, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Und Dank auf für deinen Einsatz als Blogger.

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Tue, 23. Sep. 08

Es hat jetzt ein paar Wochen Pause mit meiner Interview-Serie gegeben, weil ich selbst im Urlaub bzw. mit Arbeit übervoll war, und den Kollegen denen ich meine Fragen zugesandt habe, geht es offensichtlich ebenso. Nun aber ist mein fünftes Interview eingetroffen, und ihr könnt es hiermit nachlesen

Trixy Freude ist mir als angenehme, engagierte und aktive Forumsteilnehmerin bei Xing aufgefallen. Sie ist Gesellschafterin der 5gestalten GmbH in Stuttgart und bloggt unter anderem unter blog.5gestalten.de und bei webdesign-und-usability.de

Frage: Hallo Trixy. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zum Webdesign gekommen bist, welche Leidenschaft du damit verknüpfst und womit du heute im Wesentlichen dein Einkommen bestreitest?

Trixy: Ich kam so um 1995 rum zum Internet, das ja damals schon das wahre Web 2.0 war – viele haben ein bisschen rumgebastelt, sich Webseiten gebaut, HTML gelernt, diesen Traum vom Konsumenten zum Produzenten gelebt. Und wie so viele habe ich weitergebastelt, bin irgendwann vom Tabellendesign auf CSS umgestiegen und habe gemerkt, dass ich das leidlich genug kann, um das – nach meinem Studium als Informationsdesignerin – auch Kunden anzubieten. Heute liegt meine Leidenschaft aber eher bei der Web-Evaluation. Webseiten beurteilen kann ich nämlich doch noch besser als bauen :)

Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten, und: Beinhaltet ein Gestaltungprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?

Trixy: Ich bin keine klassische Gestalterin, aber ich habe durchaus viele Ideen, die ich auch mal skizziere, um sie dann von anderen umsetzen zu lassen. Kreativität und Funktionalität halten sich da die Waage, schließlich habe ich als Informationsdesignerin auch immer die Usability im Blick. Keine Frage, dieser ganze kreative Denkprozess ist anstrengend und nervenaufreibend, aber ich würde sagen: Eher Inspiration, Schweiß spielt weniger eine Rolle.

Frage: Wie gehst du ein Gestaltungsprojekt an? Wie kommst du zu kreativen Lösungen und was machst du, wenn sich die Inspiration einmal nicht bis zur Deadline einstellt?

Trixy: Das ist noch nie passiert. Im Gegenteil, gerade die Deadline befördert die Kreativität. Ich kann unter etwas Druck ganz gut arbeiten. Ansonsten versuche ich, mich in den Nutzer zu versetzen, zum Beispiel mit der Personas-Methode, bei der man quasi einen Stellvertreter der anvisierten Nutzerschaft personalisiert und für diesen Stellvertreter konzipiert und gestaltet. Oder ich gehe ganz strukturiert vor, mache mir Notizen, welche Dinge mit dem zu lösenden Problem am meisten zu tun haben könnten, welche anderen Dinge ähnlich sind und so weiter.

Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?

Trixy: Schrift und Typografie sind in jedem Bereich meiner Arbeit wichtig, sowohl in der Gestaltung selbst bei der Auswahl der passenden Schriften, als auch bei der Evaluation. Wenn Kunden wissen möchten, wie sie ihre Produkte verbessern können, erwähne ich immer, dass ein einheitliches Schriftbild, gut gewählte Schriftgrößen, Abstände und so weiter die Text-Verständlichkeit fördern.

Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel?

Trixy: Das ist manchmal ein schwieriges Thema. Die meisten Kunden möchten beispielsweise bei einem Relaunch ihrer Webseite mehr Bildmaterial haben, aber sie haben in der Regel keine Vorstellung davon, woher man diese Bilder bekommt, was das kostet, und dass man eigenes Bildmaterial auch möglichst professionell gestalten sollte und nicht einfach selbst mit der Digitalkamera mal eben seinen Kollegen vor dem Aktenberg fotografiert. Feste Bildagenturen habe ich nicht, aber wir haben Kontakte zu guten Fotografen, die wir dann auch gerne vermitteln.

Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.
Wie stehst du zu diesem Thema?

Trixy: Es ist doch eine unheimlich spannende Aufgabe, ein komplettes, einheitliches Gestaltungsbild für ein Unternehmen zu entwerfen. Ich finde nicht, dass das die Kreativität behindert, und es gibt ja auch unglaublich viele tolle Beispiele für Corporate Designs. Für Informationsdesigner ist es vielleicht auch nicht ganz so schwer, mit CD und CI gut umzugehen; in unserer Ausbildung ist das Wort “Konsistenz” vermutlich das, was wir alle am häufigsten benutzen :)

Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«

Trixy: Eigentlich nicht. Viele dieser Bücher beschäftigen sich oberflächlich mit einer hübschen Optik, erklären aber kaum die Hintergründe. Ich denke aber, jeder Gestalter, gleich welches Medium er gestaltet, sollte ein gutes Buch über Farbgestaltung besitzen.

Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?

Trixy: Ich lese ganz gerne »A List Apart«. Ich verfolge auch diverse Blogs, aber meine Interessen sind da sehr vielfältig, es wäre schwer eins rauszugreifen.

Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?

Trixy:Ich finde es schwierig, von »dem Gestalter« an sich zu sprechen, weil heutzutage alles wahnsinnig spezialisiert ist. Ich denke, man muss sich klar werden, in welcher Richtung die Talente liegen. Ohne Talent wird es nicht völlig gehen, aber es ist auch wichtig, das Handwerk zu lernen. Als Quereinsteiger hat man es sicher auch als Gestalter heute nicht mehr ganz so leicht.

Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?

Trixy: Kreativitätstechniken lernen und anwenden! Wenn einem nichts mehr einfällt, wirken Brainstorming, Mindmapping oder schlichtes Knetgummi Wunder.

Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?

Trixy: Wissen vergrößert sich, wenn man es teilt. Und außerdem bin ich wohl irgendwie sehr mitteilungsbedürftig :)

Vielen, lieben Dank für das Interview, Trixy, und weiterhin ein gutes Händchen beim Evaluieren von Websites – wir User werden es brauchen können.

Anmerkung: Wenn ich mir die letzten vier Interviews anschaue, dann ist das Feedback mit einer Bewertung von ca. 1 nicht eben berauschend. Zwar ist es schwer aus ein bis drei abgegebenen Stimmen Rückschlüsse zu ziehen, aber wir kommen dennoch ins Grübeln ob das Thema vielleicht tatsächlich so am Interesse vorbeit geht. Also lasst uns wissen, wie euch unsere Interviews gefallen und vergebt ein bis drei ehrliche Sternchen hier unten.

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Tue, 19. Aug. 08

Monika GauseDie Kollegen und Kolleginnen schienen so beschäftigt zu sein wie ich. Deshalb konnte ich auch nicht wie geplant an den vergangenen beiden Dienstagen je eines veröffentlichen. In der Zwischenzeit ist aber ein weiteres Interview eingetroffen, und ich bin froh hier Monika Gause vorstellen zu dürfen.

Auf Monika Gause bin ich durch ihr Buch »Adobe Illustrator – das Praxisbuch zum Lernen und Nachschlagen« aufmerksam geworden. Während es zu Photoshop ja viel – auch sehr gute – Literatur auf dem Markt gibt, sind gute Werke zu Illustrator Mangelware. Ich unterstelle jetzt einmal, dass Monikas Buch das beste zum Thema auf dem deutschsprachigen Markt ist, auch wenn ich natürlich nicht alle gelesen habe.

Monika Gause lebt und arbeitet in Hamburg, ist freiberufliche Grafikerin in der Mediawerk Ateliergemeinschaft und veröffentlicht Tutorials unter www.vektorgarten.de

Frage: Hallo Monika. Kannst du unseren Lesern kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zum Gestalten gekommen bist, welche Leidenschaft verbindet dich damit und womit verdienst du heute im Wesentlichen dein Einkommen?

Monika: Eigentlich wollte ich ja Tierärztin werden. Da kamen dann aber zwei Dinge dazwischen: die Erkenntnis, dass das wohl doch nicht das Richtige wäre und die Bekanntschaft mit den typografischen und fotografischen Arbeiten der Bauhaus-Künstler.

Ich habe nach der Schule ein dreivierteljähriges Praktikum in einer großen Werbeagentur gemacht (bezahlt wohlgemerkt) und mich währenddessen nach den Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten umgesehen.
Studiert habe ich dann am Institut für Graphik Design (heute Institute of Design: http://ingd.de) in Hamburg.

Durch meinen Freund und jetzigen Partner bin ich später in eine Klasse der HfbK (Hochschule für bildende Künste http://www.hfbk-hamburg.de/) gekommen. Dort haben wir uns künstlerisch auseinandergesetzt mit den Fähigkeiten des Werkzeugs Computer, wie Vernetzung und Programmierbarkeit.

Anschließend habe ich 10 Jahre lang mit Partnern zusammen Multimedia-Anwendungen gebaut und wollte eigentlich nie wieder Print machen. Das ging dann ganz selbstverständlich in Web-Abwendungen über. In der theoretischen Beschäftigung mit Computern, Animation, und dem Raum als Medium bin ich auch wieder zum Bauhaus gekommen. Irgendwie haben die in den 20ern schon alles gemacht, was wir heute für neu halten.
Inzwischen verdiene ich einen großen Teil meines Einkommens neben Design-Aufträgen mit Unterrichten und dem Schreiben für verschiedene Medien. Das ist eine Arbeit, die ich sehr befriedigend finde und vielseitig ist sie obendrein, da ich viele Anwender mit ganz unterschiedlichen Aufgabenbereichen kennen lerne. Diese Nahtstelle zwischen Kreativität, technischem Verständnis und Software-Grundlagenforschung finde ich sehr spannend.

Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten, und: Beinhaltet ein Gestaltungprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?

Monika: Woher weißt Du, dass ich gerne Joggen gehe, wenn ich nicht mehr weiter komme? ;-)

Inspiration ist ohne Transpiration nicht zu haben. Ideen kommen nicht aus dem luftleeren Raum. Die wirklich guten kommen dann, wenn man sich eigentlich schon länger mit einer Sache beschäftigt. Dann scheint es zwar so, als wäre es im Schlaf passiert, aber die Arbeit hat man ja vorher gemacht.

Und: ja, das Joggen hilft. Schokolade aber auch.

Frage: Welche Bedeutung siehst du in den Gestaltungswerkzeugen wie Photoshop, Illustrator und InDesign für den Gestaltungsprozess? Lassen sich die Grafiker zu sehr von den Verlockungen des Design-by-Buttonklick verführen? Beherrschen die Anwender Ihre Werkzeuge, oder werden sie von den Tools beherrscht?

Monika: Die wirklich guten Leute setzen ihre Werkzeuge punktgenau ein. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Und sie setzen die Medien mediengerecht ein. Natürlich trifft man in Anwenderforen auf jede Menge Leute, die nicht aus noch ein wissen und einen Effekt für die Lösung ihrer Probleme halten. Aber sie stellen sicher nicht den Großteil der professionellen Nutzer oder der Nutzer überhaupt. Ich sehe den Computer auch nicht als eine Verführung – jedenfalls nicht für Leute »vom Fach«. Es gibt ja keine Alternative – wer professionell tätig ist, muss seine Sachen mit dem Computer machen, weil die Weiterverarbeitung es erwartet.

Ausgenommen sind hier höchstens noch Illustratoren.

Frage: Welche Bedeutung haben die Tools für deine eigene Arbeit als Gestalterin? Könntest du ebenso gut mit Illustrator oder Freehand 6 noch arbeiten?

Monika: Mit FreeHand 6 sicher nicht, denn diese Version gab es nicht. Mit Illustrator 6 könnte ich nicht mehr arbeiten, weil mein Rechner sie nicht mehr unterstützt. Aber ich bin sicher, Du meinst, ob mir die Möglichkeiten reichen würden. Das würde ich bedingt mit Ja beantworten, denn Illustrator 6 hatte noch keine Aussehen-Palette. Und auf die könnte ich nun wirklich schwer verzichten.

Ich habe schon immer gerne reduzierte Sachen gemacht – schwarzweiß mit groben handgezeichneten Illustrationen – die dann auf einem Fotokopierer vervielfältigt werden. Bei meinen regelmäßigen Non-Profit-Aufträgen ist auch nur manchmal Geld da für einen 4-Farb-Druck. Da die ganze Welt inzwischen bunt plakatiert ist, fallen schwarzweiß-Sachen häufig ja sogar viel besser auf als farbige. Und: die Reduktion in der Darstellungstechnik macht die Idee umso wichtiger und bringt sie besser zur Geltung.

Frage: Was sind deine wichtigsten Tools?

Monika: Brain 2.0, Apple Mail, Bleistift/Kuli und ein Stapel Papier, Illustrator, Photoshop, Indesign (je CS3), das Web, mediengestalter.info, eine Kanne Tee (schwarz)

Frage: Und wie gehst du den Gestaltungsprozess an? Nach wie vor vom Scribble zum Computer?

Monika: Mal so, mal so. Manche Idee kann (und muss) schnell umgesetzt werden – aber auch da mache ich häufig eine Wacom-Skizze, bevor ich Illus Zeichenstift ansetze. Andere Ideen gehen auch zwischen Papier und Computer hin und her.

Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?

Monika: Eine große. Durch die Typografie bin ich zum Design gekommen und ich mache immer noch gerne reine Typo-Sachen. Dir ist ja sicher die Überlänge des Schrift-Kapitels in meinem Buch aufgefallen. Das liegt sicher nicht daran, dass die Text-Werkzeuge in Illustrator so bedeutsam wären. Das Thema ist mir einfach wichtig und es gibt eine Menge dazu zu sagen, damit Anwender den Hintergrund haben, die Funktionen optimal zu nutzen.

Ich nutze Typografie gerne spielerisch, wenn man mich lässt.

Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel?

Monika: Werden von Kunden geliefert, selbst gemacht (Foto oder Illustration), sxc.hu (für Non-Profit und Wenig-Profit-Projekte)

Bilder haben für mich ebenfalls eine große Bedeutung. Ich bin häufig sehr lange auf der Suche nach einer passenden Bildidee und anschließend nach dem passenden Bild. Manchmal länger als das Layout dauert.
Im Print-Bereich geht es ja noch, Multimedia-Anwendungen sind da viel bilderhungriger. Andererseits kann man bei bildschirmbasierten Medien fast alles verarbeiten.

Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.

Wie stehst du zu diesem Thema?

Monika: Für mich zählen die Grenzen (die sich ja nicht nur aus Design-Richtlinien ergeben) als Merkmal der Kreativität dazu. Je mehr Grenzen gesteckt sind, umso mehr Kreativität muss man entwickeln, damit das Ergebnis der Aufgabe mit allen Anforderungen gerecht wird. Was die Ausbildung der Gestalter angeht – da kenne ich mich nicht gut genug aus (ich unterrichte Kulturwissenschaftler). Ich weiß aber auch nicht, ob so etwas ein geeignetes Thema für ein Studium oder eine Ausbildung ist. Das ist eher etwas, das man am besten von einem erfahrenen guten Kollegen bei der Arbeit lernt. Und ich denke auch, dass man sehr viel Produktions-Erfahrung braucht, um ein umfassendes Corporate-Design zu entwickeln und zu dokumentieren. Dazu reicht nicht das Wissen um die Technik, sondern man muss es gemacht haben.
Wenn es dabei also ein Problem gibt, dann eher das, dass Auftraggeber (oder Chefs) es in die Hände unerfahrener Leute legen, weil sie die Tragweite des ganzen nicht erkennen.

Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«

Monika: Nein. Wenn wir davon ausgehen, dass mit »Gestalter« nur die Leute gemeint sind, die eine Ausbildung oder ein Studium hinter sich haben. Je nach Schwerpunkt, den man sich setzt, gibt es natürlich Bücher, die ich jemandem dringend ans Herz legen würde. Und bestimmt gibt es auch noch Bücher, die ich lesen sollte.

Dazu gehört zum Beispiel Photoshop LAB-Color von Dan Margulis, das ich schon angefangen habe, wobei mir aber ständig etwas dazwischenkommt.

Zwei Design-Bücher, die ich in letzter Zeit interessant fand, waren der Aufsatz »Das hohe Bürogebäude« von Form-follows-function-Sullivan und Wilhelm Braun-Feldweg: »Industrial Design heute« (nur noch antiquarisch erhältlich). Da unser wichtigstes Kommunikationsmittel immer noch die Sprache ist, halte ich auch die Lektüre von Wolf Schneider »Wörter machen Leute« für gut investierte Zeit.

Und als werbender Krimifan braucht man wohl »Mord braucht Reklame« von Dorothy Sayers. Und sei es nur, um festzustellen, dass bereits in den 30ern das einzige Bestreben von Grafikern darin bestand, den Text aus der Anzeige herauszudrängen ;-)

Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?

Monika: Die meisten Anstöße, mich mit Neuem zu beschäftigen, kommen aus dem Gespräch mit Kollegen – dem virtuellen in Foren zumeist. Oder, wenn ich etwas sehe und mich interessiert, wer das gemacht hat und vor allem wie.

Blogs … das sind viele: regelmäßig sehe ich aber nur bei Mordy Goldings rwillustrator.blogspot.com, den Adobe-Bloggern unter blogs.adobe.com und dem Schockwellenreiter vorbei. Und bei Dir. Unregelmäßig bei vielen weiteren. Mein »Haus- und Hofforum« ist mediengestalter.info. Darüberhinaus bin ich bei hilfdirselbst.ch, traum-projekt.com und der XING-Gruppe der Adobe-Anwender aktiv.

Ansporn und Vorbild für meine Herangehensweise geben mir Doc Baumann mit seiner Kombination von künstlerischen Inhalten und technischem Verständnis, Mordy Golding mit seiner Detailkenntnis und dem Abtauchen in die hintersten Hintergründe (von Illustrator) und mein Partner Klaus mit seiner sturen Neugier bei der Problemlösung.

TV-Pflichtprogramm für jeden, der unterrichtet, sollte die Sendung mit der Maus sein: Einstein sagte »Wenn Du es einem 6-jährigen nicht erklären kannst, verstehst Du es wahrscheinlich selbst nicht«.

Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?

Monika: Technik und Theorie kann man sich durch Lesen und Probieren im stillen Kämmerlein aneignen, aber gute Sachen entstehen nur in der Auseinandersetzung mit Anderen. Ein Studium oder eine Ausbildung bietet das: nicht nur die Anleitung und Korrektur durch Ausbilder und Profs, sondern vor allem die Kritik und Nachfragen der Kommilitonen und Kollegen. Man lernt dabei nicht nur, seine Ideen zu verteidigen, sondern auch, sich selbst immer wieder neu zu hinterfragen.

Und vor allem braucht man Kontakte und Netzwerke, welche sich auch ganz natürlich bei Ausbildung oder Studium ergeben.

Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?

Antwort: Probier alles aus. Leg Dich in der Anfangsphase noch nicht fest (auf eine Technik, ein Werkzeug, eine Branche ….) Mach auch Deine eigenen freien Sachen, solange noch die Gelegenheit besteht. Wenn Du erstmal im Job eingebunden bist, hast Du dazu nur noch wenig Zeit.

Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?

Monika: Meine ersten Websites entstanden deswegen, weil ich darüber mein (und unser – als Ateliergemeinschaft) Angebot bekannt gemacht habe. Mein erstes Engagement in Mailinglisten kam durch die Suche nach Kooperationen und Austausch über praktische Probleme zustande.

Beides spielt immer noch eine Rolle, dazu kommt Spaß am Vermitteln, am Schreiben und Formulieren, das Weil-es-so-einfach-ist, der Wunsch, selbst etwas beizutragen (weil ich auch am Netz profitiere). Und mir ist der Kontakt zu meinen Lesern wichtig: Über meine Aktivitäten erreichen mich Kommentare, Anregungen und Fragen von Kollegen, die ich, wenn es geht, in meine Artikel und Bücher aufnehme.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, auch wenn es leider nur virtuell und Zeitversetzt stattfinden konnte. Ich wünsche dir auch mit einen weiteren Publikationen viel Erfolg, und dass sie so gut gelingen, wie die bisherigen.

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