Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 14–24mm ƒ2.8

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Vierzehn Monate sind ins Land gezogen, seit mein Buch über die Nikon D700 veröffentlicht wurde. Schon während ich am Buch schrieb habe ich mir vorgenommen anschließend Artikel über Objektive im Blog zu posten. Dazu gekommen ist es bisher nicht. Zu sehr haben andere Projekte meine Zeit in Beschlag genommen. Aber was lange währt wird endlich gut: Mein erster (völlig subjektiver Blick) auf ein Objektiv.

Subjektiv ist mein Blick allemal, da ich seit jeher mit Nikon fotografiere und mir so der direkte Vergleich zu den Produkten anderer Hersteller fehlt. Da ich kein Händler oder Tester bin ist meine einzige Möglichkeit Objektive zu testen ohnehin meist sie zu kaufen. Subjektiv auch deshalb, weil ich nicht zu den Anwendern gehöre, der seine Objektive anspruchsvollen Labortests unterzieht. Mich interessieren die Resultate in Form von Fotos.

Mit den Resultaten des Nikon AF-S 14—24mm ƒ2.8 (Abbildung oben mit freundlicher Genehmigung durch Nikon Deutschland) bin ich vollauf zufrieden. Ein hervorragendes Objektiv, wie das ganze Nikon-Lineup vom 14—24mm über das 24—70mm bis zum 70—200mmm. Dabei ist der extreme Weitwinkelbereich eines 14—24mm extrem schwer zu beherrschen.

Erstens hat man in meiner direkten Umgebung kaum einmal die Möglichkeit Landschaft zu fotografieren, ohne dass irgendwo störende Objekte wie eine Hochspannungsleitung oder ein hässliches Gebäude das Bild verschandelt. Zweitens sind die meisten Verzerrungen, die durch den extrem weiten Winkel entstehen alles andere als schön und man muss schon sehr bewusst komponieren, damit ein Bild nicht schlicht und einfach hässlich verzerrt wirkt. Wenn man aber die Komposition gemeistert und die Linienführung eines Motivs bewusst und gekonnt in Szene gesetzt hat, dann entwickeln Weitwinkelfotos eine Spannung und Dynamik, die mit anderen Brennweitenbereichen nicht zu erreichen ist.

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Das Nikon 14–24mm ist ein schweres Teil dessen Glas am weitwinkligen Ende (also bei 14mm) schon fast aus der fix verbauten Streulichtblende herausragt. Mehr Blende geht aber aufgrund des weiten Bildwinkels nicht. Der bei manchen Fotografen beliebte UV-Filter um die Frontlinse zu schützen geht auch nicht — ein Gewinde gibt es nicht.

Das somit recht schutzlose Glas des teuren Objektivs, das mit einem Listenpreis von über 2.000 Euro notiert und bei Amazon im Moment ab etwa 1.600 Euro zu haben ist, und das Gewicht von einem Kilo, machen es zu einem etwas umständlichen Begleiter — ich behelfe mir zum Schutz der Frontlinse damit, dass ich das Objektiv wieder auf den 24mm-Anschlag zurückschraube, sobald ich eine Aufnahme gemacht habe, um dadurch das Glas der Frontlinse soweit als möglich hinter der Streulichtblende zu versenken.

Vor ein paar Wochen konnte ich zehn Tage Urlaub auf Madeira verbringen. Bei Reisen gehöre ich zu den Fotografen, die immer fettes Equipment mit schleppen. Diesmal habe ich mich zusammengerissen und beschränkt: D700, 24—70mm ƒ2.8 (wohl meine Lieblingsobjektiv), 70—300mm ƒ4.5—5.6 (nicht besonders Lichtstark, aber bomben Abbildungsqualität — in meinen Augen ein absoluter Preis/Leistungs-Hammer — und deutlich weitere Brennweite als das schwere 70—200mm ƒ2.8) und eben 14—24mm, über das ich heute hier schreiben.

Weil ich ja weiß, wie schwer der Weitwinkelbereich zu beherrschen ist, war ich etwas zerrissen, ob es sinnvoll sei, das schwere Objektiv in die Reisetasche zu packen. Klar: Für ein paar tolle Landschaftsaufnahmen wäre es sicher gut — da macht bei entsprechender Landschaft dem Weitwinkel kein anderer Brennweitenbereich etwas vor. Aber stünde es dafür, das Ding ständig mit sich rum zu schleppen nur um ein paar klassische Postkartenkitsch-Landschaftsaufnahmen einzufangen?

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Ich habe es nicht bereut das Objektiv mit zu schleppen. Ich war sogar äußerst überrascht wie viel Spaß es macht damit zu arbeiten und wie toll, ungewohnt und andersartig die Resultate ausfallen — keineswegs nur bei Landschaft oder besser gesagt, gerade Abseits der Landschaftsfotografie. Man braucht halt den Willen zum Experimentieren und muss sich etwas anstrengen — dann wird ein 14—24mm zu einem phantastischen Arbeitsgerät.

Ein Objektiv mit einem Brennweitenbereich das etwa dem 14—24mm entspricht ist nicht die erste Wahl die man jemandem empfiehlt, der in die Fotografie einsteigt. Zu schwierig im Einsatz und bei der Bildkomposition. Zu extrem und eingeschränkt in der Anwendung. Ab 24mm wird es bedeutend einfacher zu handhaben. Darüber hinaus ist ein Preis von weit über 1.000 Euro ohnehin für die meisten Einsteiger kein Thema.

Ambitionierte Fotografen sollten aber auf die Möglichkeiten des weiten Winkels nicht verzichten und für das AF-S 14—24mm ƒ2.8 dürfte es für Nikons kaum eine Alternative geben. Damit und mit den beiden Geschwistern 24—70mm ƒ2.8 und 70—200mm ƒ2.8 erhält der ambitionierte und investitionsfreudige Fotograf einen Brennweitenbereich von 14—200mm mit erstklassiger Abbildungsqualität und durchgehender Lichtstärke 2.8.

Das ist mein Dreamteam der rundum glücklich und ultimative Qualität Zooms für Nikon-Kameras. Mehr braucht eigentlich nur noch, wer spezielle Anforderungen hat (Makro, Architektur, Tierfotografie, Available Light bei sehr wenig Licht oder Fisheye) oder einfach nicht weiß wohin mit der Kohle.

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