Wie viel Kamera braucht man?

Tue, 22. Nov. 11

Vor etwas mehr als einer Woche habe ich schon einmal gefragt, wie viel Kamera der Mensch braucht. Zu diesem Artikel habe ich in meinem Parallel-Blog eine Galerie von Beispiel-Bildern aus meinen Flickr-Favoriten zusammen gestellt.

Diesmal habe ich meine Favoriten bei 500px durchforstet und Bilder von Kameras zusammengestellt, die mehr oder weniger deutlich unter 1000 Euro liegen. Dabei sind Aufsteiger-Kameras, wie die Nikon D90 und Canon 550D. Bilder von Kameras die sich bereits an Semi-Profis richten, wie die Nikon D7000 und Canon 60D etc. habe ich schon nicht mehr aufgenommen. Mit von der Partie sind absolute Einsteiger-DSLRs, die für deutlich unter 500 Euro zu haben sind. Sogar ein Bild einer Kompaktkamera aus dem Jahr 2004 mit 4 Megapixel ist dabei.

Wie viel Kamera braucht man also? Als Freizeit- und Hobby-Fotograf.

Mann wahrscheinlich viel. Wir lassen uns ja leicht verführen. Von Technik. Und wir verlieren den Glauben nicht, dass es doch auf die Größe ankommt. Aber, liebe weibliche Leser, ihr solltet euch nicht von der vermeintlichen technischen Kompetenz männlicher Kollegen beeinflussen lassen. Gute Fotografie lebt nach wie vor zu 45% von guten Ideen und Motiven und zu 45% von kreativer Bildgestaltung (nebenbei bemerkt: Ich habe ein Buch über »Kreativ fotografieren« geschrieben ;) ) Die restlichen 10% ist vor allem für professionelle Auftragsfotografen wichtig, und für Leute, die vor allem an Technik und Pixel-Zählerei interessiert sind.

Bitte nicht falsch verstehen: Professionellere Kameras machen Spaß und eine gute Ausrüstung kann genauso Freude bereiten, wie luxuriöse Uhren, Kleider, Schuhe oder Autos. Aber man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass billige Uhren die Zeit genauso anzeigen, preiswerte Kleider wärmen und billige Schuhen die Sohlen schützen und man keinen Bentley braucht, um von A nach B zu kommen.

Manch einer scheint Wünsche nach Kameras zu hegen, die gar kein Können mehr vom Fotografen verlangen. Kameras, die es erlauben die Schärfentiefe nachträglich am Computer zu bestimmen, und neueste Entwicklungen, die die ästhetische Qualität in Bildern erkennen und beeinflussen sollen, erscheinen als Heilsversprechen.

Wie langweilig! Wo bitte wäre denn der Spaß an der Fotografie, wenn es keine Herausforderung mehr wäre, tolle Bilder zu erstellen.

Aber einerlei: Ich glaube ohnehin nicht daran, dass sich in den nächsten Jahren viel tun wird. Ich glaube nicht, dass Kameras, die es erlauben die Schärfentiefe und den Schärfepunkt von Bildern im Nachhinein am Computer zu bestimmen, den Qualitätsanspruch ambitionierter Fotografen erfüllen werden.

Ich glaube auch nicht, dass ein Ästhetikprogramm die Qualität von Aufnahmen wesentlich verbessern kann. Jedenfalls nicht, so lange man das Programm in die Kamera einbaut. Man müsste es in das Hirn des Dilettanten integrieren, damit es funktioniert. Denn wenn der Licht nicht versteht, und bei unmöglicher Lichtsituation die Kamera auf ein Motiv hält, und sich nicht bewegt, um die Perspektive kreativ zu gestalten, kann sich die Kamera noch so viel Mühe geben – das Ergebnis wird dasselbe bleiben: Garbage in, Garbage out.

Die einzige Möglichkeit tolle Bilder aus den Händen von Leuten, die gar keine Ahnung von Fotografie haben, zu bekommen, wäre, wenn die Kamera einfach ein anderes Motiv ausgibt, als das, worauf der Fotograf zielt. Oder per Google eine Aufnahme aus dem Internet sucht, die dasselbe Motiv zeigt, aber von jemandem aufgenommen wurde, der das fotografische Handwerk versteht.

Das wäre doch noch ein Geschäftsmodell: Eine Kamera, die aus dem Internet tolle Aufnahmen von Motiven sucht und ausgibt, auf die man das Gerät gerade richtet. Und der Fotograf erhält ein paar Cent Tantiemen für jede Aufnahme die ein Tourist in Salzburg, Paris oder Florenz herunterlädt.

Aber ich schweife etwas zu weit ab.

Aber, werden ein paar (wohl männliche Leser) einwerfen: Es gibt ja diese Entwicklungen. Gerade kam eine Kamera auf den Markt, die es erlaubt Schärfepunkt und Schärfentiefe im Nachhinein zu bestimmen. Und Xerox arbeite an einem Programm, das in der Lage ist die ästhetische Qualität von Aufnahmen zu bestimmen. Adobe soll an einer Software arbeiten, die aus verwackelten Bildern gestochen scharfe macht.

Nun, ich habe in den letzten Jahren als Bildbearbeiter und Fotograf genug Heilsversprechen gesehen, die bei weitem nicht gehalten haben, was sie bei der Präsentation versprachen. So erfüllen zum Beispiel in Photoshop weder »Inhaltsbewahrendes Skalieren«, noch »Inhaltsensitives Löschen«, noch »Bereichsreperatur-Pinsel-«, »Reparatur-Pinsel-« und »Ausbessern-Werkzeug« die Anforderungen professioneller Bildbearbeitung. Nur wenn es mal schnell gehen muss und nicht so genau ist, sind die Ergebnisse in der Regel akzeptabel.

Und egal welche Software was für einen Algorithmus zum Entfernen und reduzieren von Rauschen verwendet – am Ende ist immer auch die Schärfe reduziert.

Meine Erfahrung mit diesen Technologien ist die: Sieht man das Ganze in einer Präsentation auf Leinwand oder YouTube, dann ist das »boah« und »wow« und »…«. Aber in der Praxis am heimischen Bildschirm in der tatsächliche-Pixel-Ansicht kommt man schnell wieder auf dem Boden der Wirklichkeit an.

Welcher ambitionierte Fotograf nutzt an seiner Kamera schon Smile-Detection? Manuelle Belichtungseinstellung funktioniert noch immer am sichersten, wenn es nicht gerade auf Zehntel-Sekunden ankommt. In vielen Situationen ist auch das manuelle Scharfstellen noch immer nicht durch Auto Fokus zu ersetzen. Und ich nehme an, dass mehr ambitionierte Fotografen die simple mittenbetonte Messung zur Ermittlung der Belichtung einsetzen, als die hochkomplexe Mehrfeldmessung.

Kreativität, Können und Erfahrung können durch Technik und Software nicht ersetzt werden. Weder durch die teuerste, noch durch die neueste. Zwar bringen viele Innovationen in manchen Situationen einen Hauch mehr Luxus und Effizienz in der Anwendung. Viel mehr steckt aber nicht dahinter.

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Anti-Aliasing

Mon, 09. Nov. 09

Smashing Magazine hat einen umfangreichen Artikel über Anti-Aliasing veröffentlicht. Anti-Aliasing ist eine Technoligie die auch nicht für den Bildschirm optimierte Schriften am Bildschirm gut lesbar macht. Für Grafikdesigner ist Anti-Aliasing praktisch unverzichtbar.

Artikel: The Ails Of Typographic Anti-Aliasing (englisch)

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»Erst wenn die Technik zur selbstverständlichen Nebensache geworden ist, wähnt man sich unter Profis.«

Von Unbekannt

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