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Fotografische Theorie und Praxis

Mein Artikel über »Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab« scheint für etwas Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff gesorgt zu haben. Das merke ich nicht nur an Nachrichten die mich direkt erreichen, sondern auch an dem was in Foren darüber diskutiert wird, wenn ich eingehenden Links folge.

Was mich überrascht, ist, wie sehr manche Leute an der Theorie festhalten, auch wenn die Praxis etwas anderes zu sagen scheint. Sehen wir uns dazu noch einmal zwei Beispiele aus dem oben genannten Artikel an.

Der Fotograf weiß, dass er über die Brennweite Perspektive und Tiefenstaffelung gestalten kann. Der Theoretiker widerspricht und behauptet, dass das falsch ist. Die Brennweite habe keinen Einfluss auf die Tiefenstaffelung, dass man mit ihr die Tiefenwirkung verdichten könne sei Unsinn.

Damit hat er zunächst einmal recht: Eine längere Brennweite verengt lediglich den Bildausschnitt und ändert nichts an Perspektive und Tiefenwirkung. Verkürzt man die Brennweite erhält man einen weiteren Ausschnitt, auch das bei gleicher Perspektive und Dichte. Die Theorie erweist sich auch in der Praxis als korrekt – das kann jeder überprüfen (und ich kann nur empfehlen Theorie zu überprüfen, bevor man für sie auf die Barrikaden steigt).

Der Praktiker aber weiß, dass Perspektive aus dem Zusammenspiel von Brennweite und Distanz entsteht. Wenn ich die Distanz vergrößere und Brennweite verlängere, dann verdichtet sich die Perspektive für jeden sichtbar. Die folgenden Abbildungen zeigen das deutlich.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 0,5m
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6, Abstand ca. 1,5m

Der Denkfehler vieler Theoretiker scheint mir, dass sie theoretisch korrekte Merksätze generalisieren. Tatsächlich sind Merksätze in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ändert sich der Kontext, hat das meist auch Auswirkungen auf das Resultat.

Die Aussage, »die Veränderung der Brennweite hat keinen Einfluss auf die Perspektive«, ist korrekt, so lange ich alle anderen Parameter (Distanz und Sensorformat) unverändert lasse. Die Aussage, »die Brennweite hat keinesfalls Einfluss auf die Perspektive«, ist falsch. Ändere ich zusammen mit der Brennweite auch die Distanz (und/oder das Aufnahmeformat), ändert sich die Perspektive. Das belegen die Abbildungen oben und jeder Fotograf wird das wissen und in der Praxis gezielt nutzen.

Nun wurde nicht nur meine Aussage zur Tiefenstaffelung bekritelt, sondern auch meine Schlüsse zur Schärfentiefe.

Die Theorie besagt, dass die Schärfentiefe nicht von der Brennweite, sondern lediglich von Abbildungsmaßstab und Blende abhänge. Dieser Merksatz war Auslöser für den angesprochenen Artikel. Nehmen wir ihn wörtlich, würde das heißen, dass eine längere Brennweite nicht zu einem unschärferen Hintergrund führt. Jeder Fotograf weiß jedoch aus der Praxis, dass man mit Tele deutlich besser freistellen kann als mit Weitwinkel – wer das noch nie erlebt hat fotografiere einmal mit einem Nikon 200mm ƒ2.0!

Ein Selbstversuch belegt: Wird ein Objekt bei jeweils unterschiedlicher Brennweite und Distanz im selben Abbildungsmaßstab fotografiert, ist die Unschärfe der Elemente im Hintergrund praktisch identisch.

Allerdings wird das nur bei genauer Analyse der Aufnahme deutlich, denn die größere Entfernung bei längerer Brennweite führt dazu, dass der Hintergrund näher rückt. Die Verdichtung der Tiefenstaffelung vergrößert den Hintergrund. Analog zum Hintergrund wird die Unschärfe mit vergrößert. Obwohl sie im Verhältnis zu den Elementen des Hintergrunds gleich ist wie bei kurzer Brennweite, wird sie durch die Vergrößerung auch größer wiedergegeben. Anders gesagt: Im Verhältnis zu den Elementen auf einer Ebene im Hintergrund ist die Unschärfe unverändert, im Verhältnis zum Element im Vordergrund jedoch ist sie größer. Und das ist eben der Effekt den man meint, wenn man behauptet man könne mit längeren Brennweite besser freistellen.

Dasselbe gilt übrigens auch für das Sensorformat. Tatsächlich ändert auch das Sensorformat lediglich den Bildausschnitt. Doch im Kontext der verschiedenen Parameter die in der Fotografie zusammenspielen ergibt sich der praktische Effekt, dass ich umso größere Schärfentiefe erhalte, je kleiner der Sensor ist. Absurderweise scheinen manchmal genau die zu widersprechen, dass das Sensorformat Einfluss auf die Schärfentiefe haben, die auf Vollformat schwören, weil man damit mehr Bokeh erhalte (noch einmal: ich weiß um die theoretischen Hintergründe und Zusammenhänge, doch was für mich zählt sind die praktischen Auswirkungen).

Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man versucht theoretische Grundsätze 1:1 auf die Praxis zu übertragen: Theorie baut oft auf idealen Bedingungen auf. Ideale Bedingungen kommen in der Praxis meist nicht vor. Man braucht diese idealen Annahmen aber um eine Basis für eine Theorie zu schaffen – ein Beispiel bietet der sogenannte schwarze Körper an der sich die Farbtemperatur Kelvin orientiert (diesen Körper gibt es nicht, er ist ein theoretisches Konstrukt). Manchmal sind ideale Bedingungen auch Annahmen die etwas vereinfachen, weil die Realität zu komplex ist um sie theoretisch zu erfassen.

Ich kann nur noch einmal den Rat wiederholen, theoretische Grundlagen im Selbststudium in der Praxis zu überprüfen – vor allem bevor man versucht andere zu bekehren. Es hilft nicht nur Fehlschlüssen auf die Spur zu kommen und zu verstehen was die Theorie für die Praxis bedeutet, sondern auch die praktische Relevanz theoretischer Grundlagen zu erforschen.

Eine gute Basis für fundiertes theoretisches Wissen bildet ein PDF das von Carl Zeiss verbreitet wird. Darin werden die Zusammenhänge von Schärfentiefe, Abbildungsmaßstab, Brennweite, etc. vom Experten sehr ausführlich erklärt und zwar so, dass auch ein optisches Greenhorn wie ich es versteht.

Nicht, dass ich das unbedingt jedem empfehlen möchte der einfach nur fotografieren will.

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Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab

An verschiedenen Stellen in meinem Blog steht zu lesen, dass die Brennweite die Schärfentiefe beeinflusst: Je länger die Brennweite desto geringer die Schärfentiefe. Nicht zum ersten Mal wurde ich vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die Brennweite keinen Einfluss auf die Schärfentiefe habe sondern lediglich Abbildungsmaßstab und Blende dazu beitrügen.

Die Anmerkung ist theoretisch so richtig wie praktisch falsch. Um den Denkfehler zu demonstrieren habe ich mir von meinem freundlichen Fachhändler ein Objektiv mit großem Brennweitenumfang ausgeborgt – einmal mehr gilt mein Dank Foto Hebenstreit für die Unterstützung. Natürlich hätte ich auch zwei meiner Objektive nehmen können, doch ich wollte verhindern, dass mir jemand vorwerfen kann die verschiedenen Linsen hätten die Ergebnisse verfälscht.

Im ersten Aufbau habe ich einen Textmarker etwa einen halben Meter vor meinem Bücherregal aufgehängt, und dann einmal bei 14mm aus geringer und einmal bei 150mm aus größerer Distanz abgelichtet.

weitwinkel
Brennweite 14mm (28mm KB), Blende ƒ5.6
tele
Brennweite 150mm (300mm KB), Blende ƒ5.6

Ich kann mir nicht helfen, doch bei der Aufnahme mit langer Brennweite wirkt die Schärfentiefe bedeutend geringer als bei jener mit kurzer Brennweite.

Theoretisch stimmt es zwar, dass die Schärfe des Hintergrunds bei beiden Aufnahmen praktisch gleich ist. Doch während das Weitwinkel den Hintergrund in die Tiefe rücken lässt und einen bedeutend größeren Ausschnitt abbildet, während mit Tele der Hintergrund an das fokussierte Objekt heranrückt und größer abgebildet wird, ist der praktische Effekt jener einer geringeren Schärfentiefe.

Um das zu verdeutlichen habe ich in den beiden Aufnahmen einen etwa gleichen Ausschnitt markiert und auf ihn zugeschnitten und dann auf die gleiche Größe gebracht. Der Vergleich der beiden Aufnahmen zeigt, dass die Unschärfe des Hintergrunds tatsächlich identisch ist.

weitwinkel-ausschnitt
Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme
tele-ausschnitt
Ausschnitt aus der Teleaufnahme

Wie ihr seht ist der Unterschied in der Unschärfe des Hintergrunds marginal, und dass überhaupt ein Unterschied sichtbar ist liegt an der mangelnden Präzision meines Versuchsaufbaus. Dennoch zeigt sich: Die Theorie, dass die Schärfe des Hintergrunds bei identischem Abbildungsmaßstabs des fokussierten Objekts im Vordergrund korrekt ist.

Praktisch jedoch führt die Verdichtung durch das Tele dazu, dass der Hintergrund näher rückt und seine Elemente mitsamt ihrer Unschärfe vergrößert abgebildet werden.

Der Ausschnitt aus der Weitwinkelaufnahme ist eine 1:1 Abbildung und hat eine Höhe und Breie von 474 Pixel. Der Ausschnitt aus der Teleaufnahme hingegen ist eine Verkleinerung – ich habe ihn auf die gleiche Größe wie den Weitwinkelausschnitt hinunter gerechnet. Vor dem Hinunterrechnen hatte er eine Höhe und Breite von 1554 Pixel. Das heißt die effektive Unschärfe war mehr als drei Mal so hoch wie bei der Weitwinkelaufnahme.

Theoretisch ist es also richtig, dass die Unschärfe der Elemente im Hintergrund identisch ist. Praktisch jedoch ist die Unschärfe durch die Verdichtung längerer Brennweiten größer – und das noch nicht einmal theoretisch sondern tatsächlich effektiv, sichtbar und nachvollziehbar.

Hier noch die zweite Versuchsanordnung. Der Grund für das hohe Rauschen aller Bilder ist übrigens, dass ich den Versuch zwischendurch einmal bei available light machte und deshalb einen hohen ISO-Wert wählen musste.

weitwinkel2
Brennweite 14mm (28mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus geringer Distanz
tele2
Brennweite 150mm (300mm KB) bei Blende ƒ5.6 aus großer Distanz

Ich kann nur raten sich in der Fotografie nicht zu sehr auf die Theorie zu versteifen, sondern sich vor allem um die Praxis zu kümmern. Die Schärfentiefe sei unabhängig von der Brennweite kann man doch nur behaupten, wenn man das irgendwo gelesen, aber nie die Wirkung von unterschiedlichen Brennweiten auf die Schärfentiefe verglichen hat. Oder drastisch ausgedrückt: Der Einfluss der Brennweite auf die Schärfentiefe kann einem als praktizierender Fotograf doch nicht entgehen!

Nachtrag: All jenen die mehr über die theoretischen Grundlagen und Hintergründe von Schärfentiefe und Abbildungsmaßstab erfahren wollen empfehle ich ein ein PDF das bei Carl Zeiss heruntergeladen werden kann.

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Schärfentiefe – die Zusammenhänge, schnell aber anschaulich

Das Video oben von Filmmaker IQ erklärt aus welchen Variablen sich Schärfentiefe zusammensetzt und wie sie zusammenhängen. Das Ganze ist sehr flott erklärt, und dass es für uns (zumindest mich) in einer Fremdsprache vorgetragen wird macht es nicht einfacher den komplexen Beschreibungen zu folgen, obwohl ich mit der Materie im Großen und Ganzen vertraut bin. Sehr schön aber, wie die optischen Grundlagen mit einfachsten Mitteln – einem Licht und einer Lupe – erklärt werden.

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2.2. Schärfentiefe, Brennweite und Distanz

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Schärfentiefe und Brennweite

Ausschlaggebend für die Tiefe der Schärfentiefe (der Bereich zwischen Nah- und Fernpunkt, der als scharf empfunden wird) sind Brennweite, Distanz, Blende und Sensorformat.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren wie sich das Reduzieren der Brennweite auf die Schärfentiefe auswirkt. Je kürzer die Brennweite desto größer fällt die Schärfentiefe aus – bei ansonsten gleichen Einstellungen und Distanz. Umgekehrt heißt das natürlich auch, dass sich die Schärfentiefe reduziert, wenn man längere Brennweiten einsetzt.

Schaerfentiefe160mm
Mit Brennweite 160mm (KB) auf eine Entfernung von 4m beträgt die Schärfen­tiefe 32cm.
Schaerfentiefe75mm
Verkürzt man die Brennweite auf 75mm (KB), hält aber die Distanz von 4m, erhöht sich die Schärfen­tiefe auf 146cm.
Schaerfenteiefe30mm
Verkürzt man die Brennweite noch weiter auf 30mm (KB) und belässt die Entfernung weiterhin unverändert bei 4m erhöht sich die Schärfen­tiefe weiter auf unendlich. Das heißt auf diese Distanz wird alles was sich dahinter befindet als scharf empfunden.
Kurze Brennweite weite Scharfentiefe 75mm Brennweite bei relativ weit geöffneter Blende auf eine Distanz von etwas mehr als 3m. Der Hintergrund ist unscharf, doch noch immer deutlich zu erkennen und störend und ablenkend.
Lange Brennweite kurze Scharfentiefe 158mm Brennweite bei vergleichbarer Blendeneinstellung und nur geringfügig kürzerer Distanz (Der Bildausschnitt wird durch die längere Brennweite natürlich bedeutend enger): Die Schärfentiefe ist sehr viel geringer und der Hintergrund stark weichgezeichnet. Das Modell ist schön freigestellt.

Je länger die Brennweite, desto geringer die Schärfen­tiefe.

Schärfentiefe und Distanz

Wie so oft in der Fotografie wird beim Thema Schärfentiefe wieder einmal deutlich, dass es schwer fällt für das Fotografieren ganz einfache Faustregeln aufzustellen. Abgesehen davon, dass bei der Schärfentiefe auch das Sensorformat eine Rolle spielt (siehe Formatfaktor), ist, neben der gewählten Blende, auch die Distanz ein wichtiger Faktor dafür, wie Tief der scharfe Bereich ausfällt.

Die folgenden Beispiele illustrieren, wie sich eine mittlere Distanz, im Verhältnis zu einer extrem kurzen, auswirken kann. Je geringer die Distanz zum Fokuspunkt , desto kürzer fällt die Schärfentiefe aus.

Schaerfentiefe auf mittlere Distanz
Während man mit einer Kleinbildkamera bei einer Distanz von 4m, Brennweite 105 mm und Blende ƒ5.6 eine Schärfentiefe von 25cm erhält und somit ein Gesicht von der Nasenspitze bis hinter die Ohren scharf abbilden kann …
Schaerfentiefe auf kurze Distanz
… erhält man mit exakt derselben Brennweite und Einstellung für die Blende auf eine Distanz von 20cm nur mehr eine hauchdünne Schärfentiefe von 0,3mm – meist noch nicht einmal genug um das Facettenauges eines Käfers von vorne bis hinten scharf abzubilden.
Viel Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von knapp einem halben Meter. Die Schärfentiefe ist hoch, der Hintergrund scharf abgebildet und ­äußerst störend.
Wenig Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von ­wenigen Zentimetern. Trotz identischer Einstellung aller Parameter, wie für die Aufnahme oben, sind die Blätter nur wenige Zentimeter hinter dem Blütenkelch bereits sehr unscharf (die beiden Aufnahmen stammen von den Kompaktkameras Canon PowerShot G12 und S95).

Je kürzer die Distanz, desto geringer die Schärfentiefe.

Einmal mehr ist es für den kreativen Fotografen wichtig, über einen theoretischen Zusammenhang für die Praxis Bescheid zu wissen. Während der Fotograf bei einem Porträt bewusst eine offene Blende wählt um sein Modell vom Hintergrund zu trennen und die Aufmerksamkeit durch den Fokuspunkt selektiv auf die Augen lenkt, muss der Makrofotograf beim Ablichten eines Käfers die Blende bis auf eine kleine Öffnung schließen, damit die Schärfentiefe nicht geringer ausfällt, als das Facettenauge des winzigen Tiers in die Tiefe reicht.

Hyperfokale Entfernung

Besonders für Landschaftsfotografen ist das Thema der Hyperfokalen Entfernung (Hyperfokale Distanz) interessant. In diesem Genre ist das letzte Quäntchen Schärfe für die meisten Fotografen Pflicht. Deshalb fotografiert der Landschaftsfotograf auch nicht mit offener Blende aus freier Hand – auch wenn das Licht das zulassen würde – sondern stellt seine Kamera auf ein möglichst schweres, stabiles Stativ um die Blende unabhängig von den Einschränkungen der Belichtungszeit, die er mit freier Hand berücksichtigen müsste, einstellen zu können.

Bei seinen Einstellungen achtet er sehr oft auf die Hyperfokale Entfernung. Vereinfacht ausgedrückt ist das die Distanz, ab der bei einer bestimmten Brennweite und Blende alles was dahinter liegt scharf abgebildet ist – ab der die Schärfen­tiefe unendlich ausfällt.

Das Thema ist äußerst spröde und umständlich zu erklären und erfordert vom Leser noch mehr, wenn er es verstehen will. Mir ist spontan keine Erklärung und Illustration eingefallen, von der ich erwarten würde, dass sie ohne viel Hirnschmal zu verstehen ist. Da es mir hier zu tief in ein bestimmtes Genre führen würde, möchte ich uns diese schwere Kost ersparen. Wer jedoch in der Landschaftsfotografie seine Leidenschaft gefunden hat, auf maximale Abbildungsqualität aus ist und tatsächlich mit SLR, Stativ und hochwertigem Objektiv auf Motivjagd geht, sollte einmal nach den Begriffen Hyperfokale Distanz oder Hyperfokale Entfernung googeln.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

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1.7. Brennweite und Bildausschnitt

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Mit den drei Grafiken des letzten Abschnitts (Brennweite, Fluchtpunkt und Bilddynamik) habe ich die perspektivische Wirkung von Brennweiten Illustriert, jedoch einen wichtigen Faktor ausgeklammert: Aus einer einzigen Position lässt sich mit unterschiedlichen Brennweiten nicht derselbe Bildausschnitt aufnehmen. Das heißt, wenn ich einen Würfel einigermaßen formatfüllend mit Normalobjektiv fotografiere, dann muss ich mich für ein ebenfalls formatfüllendes Bild mit Weitwinkel näher hin und für ein formatfüllendes Bild mit Teleobjektiv weiter weg bewegen.

Fotografiert man aus derselben Position mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht! Lediglich der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite). Entgegen der landläufig unter Fotoamateuren verbreiteten Ansicht kann man die Perspektive durch ändern der Brennweite alleine nicht beeinflussen. Die Brennweite alleine verändert lediglich die Größe des Bildausschnitts vor den Augen des Fotografen (oder vor der Linse vor dem Sucher). Um mit Hilfe der Brennweite die perspektivische Wirkung zu beeinflussen, muss der Fotograf zusätzlich die Distanz zum Motiv ändern. Zusammen ergeben Brennweite und Distanz ein enorm wichtiges Gestaltungsmittel für den kreativen Fotografen. Hier befinden wir uns an einem der Kernpunkte kreativer Fotografie.

Brennweiten und Bildausschnitte
Fotografiert man von derselben Position aus mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht, nur der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite).

Brennweite + Distanz = perspektivische Wirkung

Anders gesagt hat der Fotograf zur perspektivischen Gestaltung seiner Bilder zwei Werkzeuge, die er einsetzen muss: Die Brennweite und seine Beine.

Die Abbildung oben illustriert sehr deutlich, dass sich durch unterschiedliche Brennweiten an der Anordnung, der Perspektive und der Dichte des Bildes rein gar nichts ändert und eben nur ein anderer Ausschnitt abgebildet wird.

Die gerne getätigte Aussage man könne mit der Brennweite – speziell mit Hilfe von Zoomobjektiven – die perspektivische Wirkung von Bildern verdichten und Objekte im Hintergrund näher an die Objekte im Vordergrund heranrücken lassen, ist ein Missverständnis. Es beruht wohl darauf, dass die Aussage verschweigt, dass sich die perspektivische Wirkung nur dann wirklich ändert, wenn der Fotograf nicht nur die Brennweite verändert, sondern auch seine Distanz zum Motiv.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren welche bildgestalterischen Auswirkungen es auf die visuelle Nähe des Hintergrunds hat, wenn Sie eine Person mit 28mm, 50mm und 200mm aus unterschiedlichen Distanzen jeweils so fotografieren, dass sie die Höhe des Bildausschnitts beinahe füllt.

Brennweite 50mm Distanz spacer.gif Brennweite 50mm Bildwirkung
Formatfüllende Abbildung einer Person aus mittlerer Distanz und Brennweite 50mm … … und der Bildausschnitt, wie er abgelichtet wird.
Brennweite 28mm Distanz spacer.gif Brennweite 28mm Bildwirkung
Möchte man die Person mit 28mm formatfüllend ablichten muss man ihr dazu bedeutend näher kommen. Die perspektivische Wirkung und die Größenverhältnisse der Objekte in Vorder- und Hintergrund ändern sich dadurch dramatisch.
spacer.gif
Brennweite 200mm Distanz
Um mit einem starken Teleobjektiv mit 200mm Brennweite die Person noch immer formatfüllend in den Bildausschnitt zu bekommen muss man sich ordentlich weit von ihr entfernen.
Brennweite 200mm Bildwirkung Neuerlich ändert sich die perspektivische Wirkung und die Größenverhälnisse von Objekten im Vorder- und Hintergrund drastisch. Tatsächlich scheint das Haus hinter der Person viel näher herangetreten zu sein. Wichtig dabei ist, dass sich eine Veränderung der Dichte einer Szene und der perspektivischen Wirkung nur durch verändern der Brennweite und der Distanz erzielen lässt.

Mit einem Weitwinkelobjektiv müssen Sie nahe an ein Motiv herantreten um es formatfüllend ablichten zu können. Durch den weiten Winkel des Blickfeldes scheinen die Objekte dahinter weiter in den Hintergrund zu treten.

Mit einem Normalobjektiv müssen Sie sich im Verhältnis zum Weitwinkelobjektiv weiter von der Person entfernen, um Sie noch immer ganz in der Bildhöhe des Bildausschnitts unterbringen zu können.

Noch sehr viel weiter müssen Sie sich mit einem Teleobjektiv vom Hauptmotiv wegbewegen, um es noch immer ganz in den Bildausschnitt zu bekommen.

Das Verändern der Brennweite alleine hat keine Auswirkung auf die Tiefenwirkung eines Bildes – es verkleinert lediglich den Ausschnitt. Der kreative Prozess dahinter ist in etwa so anspruchsvoll, wie das Beschneiden eines fertigen Bildes in der digitalen Dunkelkammer.

Wenn Sie jedoch Brennweite + Distanz gemeinsam verändern – Weitwinkel und näher ran versus Tele und weiter weg – dann beeinflussen Sie einen der wichtigsten, bildgestaltenden Parameter in der Fotografie überhaupt.

Entgegen der landläufigen Ansicht, Zoom sei (nur) dazu da entfernte Objekte näher an die Kamera heran zu bekommen, begreifen wir die bildgestalterische Qualität der Brennweite nun neu.

Die letzten Abbildungen Kapitels sollen abschließend die perspektivische Auswirkung verschiedener Brennweiten auf ein Motiv aus zwei Würfeln illustrieren. Es wird deutlich, wie sehr ein Weitwinkelobjektiv das Gefühl der Nähe, die dynamische Wirkung und die räumliche Tiefe der Abbildung verstärkt, während mit zunehmend längerer Brennweite die Abbildungen sachlicher und flacher wirken.
Es ist noch einmal zu unterstreichen, dass diese unterschiedlichen Bildwirkungen und das formatfüllende Wiedergeben der Würfen nur dadurch möglich sind, indem der Abstand von Aufnahme zu Aufnahme variiert wird. Der Abstand zu den Würfeln bei der 200mm Abbildung (etwa 2m) ist ein Vielfaches der Distanz, die für die Bildwirkung bei 14mm notwendig war (kaum 10cm).

Brennweite14mm Brennweite 14mm – Perspektive eines extremes Weitwinkel
Brennweite28mm Brennweite 28mm – Perspektive eines moderates Weitwinkel
Brennweite50mm Brennweite 50mm – Perspektive eines Normalobjektivs
Brennweite105mm Brennweite 105mm – Perspektive eines leichten Teleobjektivs
Brennweite200mm Brennweite 200mm – Perspektive eines starken Teleobjektiv

Überlassen Sie die perspektivische Wirkung der Motive nicht dem Zufall, indem Sie von da aus fotografieren, von wo aus Ihnen die Szene gerade ins Auge gesprungen ist. Nutzen Sie die Beweglichkeit Ihrer Beine und die Variabilität moderner Zoomobjektive. Gehen Sie um Ihr Motiv herum und entscheiden Sie, ob eine frontale oder eine diagonale Perspektive besser ist. Wo hat das Objekt das Sie ablichten wollen die Augen? Gehen Sie mit ihm auf Augenhöhe. Setzen Sie die Brennweite bewusst bildgestaltend ein. Beziehen Sie dabei auch mit ein, ob ein Blickwinkel von unten oder von oben besser wäre.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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