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Proportion und Komposition

Kimberly Elam: Proportion und Komposition

Kennen Sie das? Design soll letzten Endes ja einfach nur Geschmacksache sein.

Grundsätzlich muss ich jedem Recht geben, der dabei von seinem eigenen Geschmack spricht. Subjektiv hat jeder von uns einen anderen Geschmack. Nun ist es aber normalerweise nicht Sache des Designers, den Geschmack eines Einzelnen zu treffen. Vielmehr sollte er eine breite Masse ansprechen können, zumindest aber eine klar umgrenzte Zielgruppe. Der professionelle Gestalter verlässt sich dabei nicht ausschließlich auf seine Intuition, sondern er hat die Regeln und Erkenntnisse der Gestaltungsgeschichte studiert, und bedient sich bewährten Konstruktionsmustern.

Im wesentlichen arbeitet der Gestalter mit Achsen und Proportionen, woraus sich wiederum Rhythmus, Kontrast und Harmonie ergeben. Eine der bekanntesten Proportionsrezepte ist der goldene Schnitt. Zuerst haben wohl die griechischen Architekten und Bildhauer mit diesem Verhältnis gearbeitet, später die Römer, die Mönche in mittelalterlichen Schreibstuben, die Meister der Setzereien ebenso wie große Künstler – besonders da Vinci und Dürer haben sich um die Definition harmonischer Proportionen verdient gemacht – bis hin zu den Grafikern, Fotografen und Produktdesigner in jüngster Zeit, die mit ansprechendem Design besondere Erfolge gefeiert haben.

In diesem Buch werden zahlreiche Gestaltungs-Klassiker analysiert und es wird demonstriert, wo sich in den Werken Achsen und Proportionen finden lassen.

Einblicke in Konsumentengehirne

Hans-Georg Häusel: »Brain View – Warum Kunden Kaufen«

Dieses Buch empfahl mir mein guter Freund, und bald Master of the Univers, Georg aus der melker [Sterngasse]. Ich muss gestehen, dass ich die Lektüre ob des reisserischen Titels zunächst mit großer Skepsis anging. Wollte uns da wieder wer verramschen, er wisse, welchen Knopf die Werbung drücken müsse, um Kunden zum Spuren zu bringen? Ich habe wohl an die fünfzig Seiten lesen müssen, um meine Skepsis abzubauen.

Sicher wurde der Untertitel »Warum Kunden kaufen« nicht unbedacht gewählt. Jemand, der erforscht, warum Kunden kaufen, wird wahrscheinlich auch wissen, wie man ein Buch nennen muss, damit Kunden es kaufen. Und welcher Unternehmern könnte schon nein sagen, wenn da einer daher kommt, und erklärt, warum Kunden kaufen.

Hans-Georg Häusel schließt das Resümee des Buches aber ganz bewusst mit der Feststellung, dass die Hirnforschung weit davon entfernt ist, zu verstehen, was in den Kunden vorgeht. Man kann lediglich feststellen, dass unter bestimmten Umständen etwas in bestimmten Gehirnregionen passiert. Und man kann feststellen, dass es bestimmte Marken schaffen, das Gehirn in jenen Bereichen zu aktivieren, in denen es auch bei ganz offensichtlichen Genüssen aktiv wird.

Ich konnte als Grafikdesigner viel aus diesem Werk lernen. Z.B., dass das Gehirn einfache Strukturen komplexen Angeboten vorzieht, und es gerne ordentlich hat – eine Bestätigung des Designer-Leitspruches »Reduziere alles auf das Wesentlichste« und ein gutes Argument, für das nächste Kundengespräch, bei dem einmal mehr verlangt wird, hier noch was dazu zu geben, dort noch was zu ergänzen und am Ende das letzte bisschen Weissraum zu nutzen. Nun kann ich also sagen und belegen, dass die Gehirnforschung hinter mir steht. 🙂

Wer also sollte dieses Buch lesen?

  • Grafiker und Designer
  • Werber
  • Marketer
  • Unternehmer
  • Verkäufer
  • Konsumenten
  • Frauen
  • Männer

Eigentlich alle!