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Alles wird schneller: Olympus OM-D E-M1 Mark II

Olympus hat 2013 mit der OM-D E-M1 die perfekte Kamera für mich vorgestellt. Zwei Jahre später wurde ich schon gelegentlich gefragt, ob ich sie durch eine Mark II ersetzen würde – lange bevor eine solche offiziell angekündigt wurde. Bis die Mark II tatsächlich vorgestellt wurde war das kein relevantes Thema für mich.

Die E-M1 verschafft mir beim Fotografieren die Leichtigkeit die MFT generell zu Grunde liegt. Sie ist aber groß und griffig genug um sie auch bei ausgedehnten Foto-Sessions effizient einsetzen zu können. Mit der E-M5 – der ersten Olympus die mir MFT und spiegelloses Fotografieren schmackhaft machte – wäre das kein Thema gewesen. Die E-M5 punktet unterwegs mit Kompaktheit, wäre für mich aber keine Alternative zu meiner damaligen D600 gewesen. Erst die E-M1 von 2013 veranlasste mich auf den Gedanken, von Nikon auf Micro FourThirds umzusteigen, was ich nach einigen Wochen mit ihr auch in die Tag umsetzte.

Für einen Fotografen wie mich, der etwa 95% auf Achse fotografiert, kann es in meinen Augen kein besseres System als MFT geben. Mehr als alles andere bestätigte mir das eine 15-tägige Rundfahrt um Island: In meiner Vanguard The Heralder begleiteten mich damals, ein Weitwinkel-, ein Standard- und ein Telezoom (M.Zuiko 9–18mm und M.Zuiko 12–40mm, Lumix 100–300mm) und drei Kameras (E-M5, E-M1 und Lumix GM1). Trotz dreier Apparate samt Linsen, hatte ich wohl weniger Ballast zu tragen, als eine Vielzahl anderer Touristen mit Vollformat und zwei oder drei Wechselobjektiven. Ein bis zwei Stunden Fußmarsch mit der Fototasche um die Schultern waren kein Problem.

Jeden Brennweitenbereich an einer eigenen Kamera zu haben, hat doppelten Vorteil: Man muss nicht ständig Objektive wechseln, läuft also nicht Gefahr, dass Staub und Schmutz in die Kamera gelangen, und man ist in Sekunden schussbereit.

Klar bringt MFT gegenüber APS-C und Kleinbild auch Nachteile mit sich, die man nicht ernsthaft von der Hand weisen kann:

  1. Da wäre einmal die enger gesetzten Grenzen in der Auflösung. Allerdings fand ich mit den 16 Megapixel von E-M5 und E-M1 immer mein Auslangen. Damit erreiche ich bei 300ppi knapp A3, bei 250ppi sogar deutlich darüber (genau genommen gibt es kaum Situationen in denen 300ppi gegenüber 250ppi eine sichtbare Qualitätssteigerung bringt). Mit den 20MP der Pen F und der E-M1 Mark II ist sogar dieses Limit gesprengt und wer unbewegte Motive fotografiert kommt mit Stativ sogar auf 50MP bzw. 80MP.
  2. Während mehr als 16 Megapixel kaum ein Thema ist, das mich berührt, stellt für mich die bessere ISO-Performance schon eher einen bemerkenswerten Nachteil von MFT gegenüber Vollformat dar. Allerdings hat die ISO-Performance heute generell ein so gutes Niveau erreicht, dass ich deswegen nicht das doppelte oder dreifache Gewicht durch die Gegend schleppen möchte.
  3. Noch ein Thema bei dem ich mir mehr wünschen würde, wäre Dynamikumfang. Von den etwa 15 Lichtwerten die Nikons Spitzenmodelle erreichen, kann ich mit MFT nur träumen. Olympus’ und Panasonics Modelle schaffen heute knapp 13LW. Allerdings ist das noch immer ein Wert der manche Canon-Profikameras in den Schatten stellt – Kameras mit denen Fotografen die viel besser sind als ich Aufnahmen machen, die mich wegblasen. Also, was soll’s!
  4. Noch ein Nachteil: Die geringe Schärfentiefe exzellenter Festbrennweite bleibt mit MFT unerreichbar. Selbst mit manuellen ƒ0.95 Objektiven wird man von einem preiswerten (und automatischen) Vollformatlinsen mit Lichtstärke 1.8 ausgestochen. MFT zeichnet bei adäquater Brennweite einfach um 2 Lichtwerte mehr Schärfentiefe auf als Vollformat. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass MFT-Objektive bereits bei Offenblende schärfer zeichnen als andere Linsen mit denen ich schon arbeitete, und das Bokeh scheint mir tendenziell etwas weicher zu sein, was den Nachteil der geringeren Schärfentiefe zwar nicht aufwiegen kann, aber zumindest auch nicht außer Acht gelassen werden sollte.
  5. Spiegellose Systeme litten bislang generell an im Vergleich zu DSLRs langsameren AF-Systemen. Das hat nichts mit der Sensorgröße zu tun, sondern schlicht damit, dass DSLRs für das Scharfstellen einen eigenen Sensor nutzen, der den sogenannten Phasenvergleich erlaubt und eben der Kontrasterkennung spiegelloser Kameras überlegen ist.

Diese Nachteile gilt es zu berücksichtigen und gegen den unbestreitbaren Vorteil von MFT in die Waage zu legen: Das System ist bei weitem das kompakteste und leichteste auf dem Markt. In Verhältnis von Abbildungsqualität zu Gewicht ist es unschlagbar. Zwar baut auch Sony mittlerweile extrem kompakte Kleinbildkameras, doch bei den Objektiven wird Vollformat nicht einmal in die Nähe der Kompaktheit und Leichtigkeit von MFT kommen können.

Der Nachteil der mich bei MFT bislang am meisten schmerzte, war definitiv das behäbigere AF-System: Rasch bewegende Objekte lassen sich kaum einfangen. Vögel im Flug sind selbst für die als schnell geltende E-M1 unerreichbar. Das wurde mir regelmäßig beim Einsatz der Panasonic Telezooms 100–300mm und100–400mm bewusst, mit denen ich meine Liebe für die Vogeljagd entdeckte. Damit lassen sich Vögel praktisch nur ablichten, wenn sie einigermaßen still sitzen.

Zur Fragen ob ich es in Betracht ziehen würde meine E-M1 durch ein Nachfolgemodell zu ersetzen: Nur, wenn das AF-System so gut war, dass es mit meinen früheren Nikons gleichziehen und Vogelflug wieder in Reichweite bringen kann.

Die E-M1 Mark II wurde zwar als Power-House mit sehr schnellem AF angekündigt, doch, dass eine Spiegellose beim Fokussieren mit DSLR gleichgezogen habe, hatte ich in den letzten Jahren zu oft gehört und doch anders erfahren, weshalb ich das nicht ganz ernst nahm. Schnelle Serienbildaufnahmen, zweite Speicherkarte und +4MP alleine jedoch, wären für mich kein Argument gewesen, die mit 2000 Euro nicht ganz billige Mark II in Betracht zu ziehen.

Panasonic G80/G81/G85

Während 2000 Euro für die E-M1II vielen Kommentatoren als zu gilt, kündigte Panasonic im Herbst ein interessantes Modell zum Schnäppchenpreis an, die je nach Markt G80, G81 oder G85 heißt. Sie hat ein griffiges Gehäuse, ist gegen Umwelteinflüsse abgedichtet und in vielen Berichten hatte ich gehört und gelesen, dass ihr AF unglaublich schnell sein soll.  Eine wetterfeste Systemkamera inklusive abgedichtetem Objektiv unter 1000 Euro wäre mir sonst von keinem Hersteller bekannt.

Reizend an der G81: Sie hat je einen dezidierten Hardware-Schalter, um von Einzel- zu Serienbildaufnahme umzuschalten, und einen, um von AF-S zu AF-C oder MF zu wechseln – etwas, das ich bei Olympus vermisse. Was mich nun aber vor allem interessierte: War der Panasonic AF wirklich so gut wie viele behaupteten, und wie gut würde er verglichen mit dem neuen System der E-M1II abschneiden? Wäre die Olympus den doppelten Preis wert?

Der Vergleich dauerte keine fünf Minuten. Beim ultimativen Hardcore-Test, weiße Möwen fliegend am grauen Himmel, konnte ich bei der G81 keinen nennenswerten Gewinn gegenüber meinen bisherigen MFTs feststellen. Der AF der E-M1II hingegen schnappt dermaßen schnell und präzise zu, wie ich es nur von den Nikons die ich früher im Einsatz hatte, kenne. Um faire Bedingungen zu schaffen, habe ich  an beiden Kameras sowohl das 40–150mm von Olympus, als auch das 100–400mm von Panasonic getestet.

Zuletzt auf Facebook einen Rüffel bekommen, weil ich die preislich so unterschiedlichen Kameras verglichen habe. Doch die Frage durchaus gerechtfertigt: Ist der doppelte Preis der E-M1II gegenüber der G81 gerechtfertigt? Für alle die rasante Motive einfangen wollen: Definitiv!

Dass die E-M1 für mich in Frage kommt, die G81 jedoch nicht, soll nicht heißen, dass ich generell von ihr abraten würde. Im Gegenteil: Wer eine handliche aber doch kompakte und leichte Kamera sucht, die ihn bei Wind und Wetter sicher begleitet, sollte einen Blick darauf werfen. Das schöne an MFT ist ja gerade, dass ein System so unterschiedliche Kameras anbietet, wie sie von Olympus und Panasonic stammen.

Der Mehrwert der E-M1II

Mit dem Panasonic Leica Vario-Elmar 100–400mm wird die E-M1II zum Dream-Team für alle die gerne unterwegs sind und scheues Getier ablichten wollen. Ebenso beeindruckend wie die Geschwindigkeit und Präzision mit der der AF zuschnappt, ist die Hartnäckigkeit mit der er sich beim Tracking an Objekte haftet. Ich hatte nicht erwartet, dass die Mark II mit meinen früheren DSLRs von Nikon (D700, D7100 und D600/D610) gleichziehen könnte, doch ich würde mindestens von Gleichwertigkeit ausgehen, wenn sie die genannten Modelle nicht sogar überflügelt.

Im Grunde ist die E-M1II eine waschechte OM-D und verlangt nach einer E-M1 keinerlei Umgewöhnung. Das Gehäuse ist eine Spur höher, was mir den kleinen Finger nicht mehr ins Leere laufen lässt, und wahrscheinlich heißt, dass ich bei ihr wieder auf den Hochformatgriff verzichten kann, was ich bei der E-M1 aus Ergonomiegründen nur selten machte.

Viele wird freuen, dass das Display nun seitlich ausklappbar ist und sich somit auch im Hochformat besser nutzen lässt. Ich war ja bislang immer eher Freund des reinen Hochklappmechanismus, habe mich aber mit der Pen F an das seitlich ausklappende Display gewöhnt, und kann dem mittlerweile durchaus auch einiges abgewinnen, auch wenn es sich nach wie vor fragiler anfühlt.

Ein Detail, das mich zunächst irritiert hat, ist, dass die Öse zum Anbringen eines Gurts oder einer Handschlaufe wegen des zweiten Speicherkartenfachs von der Seite nach oben gewandert ist. Ich erwartete, dass sich das Nachteilig auf das Handling auswirkt, musste das Gegenteil feststellen: Meine Handschlaufe legt sich jetzt wie selbstverständlich von oben her um das Armgelenk und, dass sich der Verschluss störend zwischen Hand und Kamera drängelt scheint jetzt deutlich weniger oft der Fall.

Preiswert?

Stellt sich die Frage ob die Mark II ihren Preis wert ist. Definitiv: Ja!

Die Diskussionen über die Preisgestaltung von MFT-Modellen scheint mir ja immer ein bisschen sonderbar. Kritiker reduzieren eine Kamera auf die Größe des Sensors und stellen fest, dass ein Modell mit halb so großem Bildwandler doch unmöglich gleich viel kosten könne, wie eine Vollformatkamera. Das ist als würde ich den Preis von Wurst anhand der gewogenen Menge beurteilen oder jenen eines Autos anhand der Sitzplätze. Ich habe einen Roadster. Der hat zwei Sitze. Das heißt er bietet 2/5 weniger Plätze als ein PKW. Muss er deshalb günstiger sein als ein Golf?

Mit meinem Roadster hat die E-M1II gemein, dass sie einfach Spaß macht. Mit einer MFT-Kamera und 800mm KB-äquivalenter Brennweite auf die Pirsch nach scheuen Motiven zu gehen, ist eine bedeutend unbeschwertere Angelegenheit als mit vergleichbarem im Vollformat. Der E-M1II Body wiegt 574g, das Panaleica 100–400mm 985g. Das sind zusammen 1559g. Ein Gewicht, das man bei Vollformat schon mit einem Standardzoom kaum halten kann. Ein Nikon D750 Body beispielsweise wiegt 840g. Mit dem Nikkor 24–70mm ƒ2.8 und seinen 1070g kommt man da auf1910g. Von Telezoom ist dabei noch keine Spur. Wer echte 800mm am Vollformat auf den Weg nehmen will, der muss zur Kamera zusätzlich 4000g und mehr schultern.

Man kann eine Kamera nicht auf die Größe des Sensors reduzieren!

Natürlich bietet die Nikon D500, mit der die E-M1II derzeit so häufig verglichen wird, um einen geringfügig höheren Listenpreis einen APS-C-Sensor und erreicht damit bessere Leistungen im High-ISO-Bereich, beim Dynamikumfang und ist etwas höher aufgelöst. Aber sie hat auch eine Serienbildrate von 10 Bildern pro Sekunde (E-M1II bis zu 60 Bilder) und garantiert eine Betriebsbereitschaft bis 0° (E-M1II bis –10°). Eine Kamera ist nicht automatisch mehr Wert, nur weil der Sensor größer ist.

Für MFT entscheidet man sich nicht, wenn man die bestmögliche Bildqualität erreichen will, sondern weil man den idealen Kompromiss zwischen Abbildungsqualität und Transportabilität sucht. Diesbezüglich ist das System bis auf Weiteres definitiv unschlagbar. Nicht selten erfordert Miniaturisierung einen erhöhten Aufwand und führt zu teureren Produkten. Ich weiß nicht, ob das auf Kameras zu übertragen ist, ich halte nur den Schluss, eine kleinere Kamera muss automatisch billiger sein, für Unfug.

Es gibt an der ganzen Debatte noch etwas anderes was ich schräg finde: In einem Artikel über die E-M1II las ich die generelle Kritik daran, dass die Kamerahersteller den sinkenden Absätzen mit teureren Modellen begegnen. Ja, was sollen sie denn tun? Soweit ich mitbekommen habe, schreiben die meisten Marken in der Kamerasparte rote Zahlen. Ist der Versuch Modelle so zu kalkulieren, dass ein Gewinn für sie hängen bleibt den verwerflich?

Ich weiß schon: Viele finden, dass alle zu teuer sind und nur sie selber zu wenig verdienen. Ich persönlich gönne einem Unternehmen allerdings einen Profit, wenn er mir ein gutes Produkt verkauft. Und für ein gutes Produkt bin ich auch bereit einen guten Preis zu bezahlen.

Die E-M1II ist definitiv ein gutes Produkt und ihren Preis absolut wert. Besser als sich von anderen erzählen zu lassen, wie gut sie ist, ist allerdings es selber auszuprobieren – ein Gefühl dafür bekommt man nur, wenn man es selber erfährt.

Der Blick in meine Kameratasche zeigt, was ich an MFT liebe. Eine Pen F mit 7–14mm ƒ2.8, eine E-M1 mit 12–40mm ƒ2.8 und eine E-M1II mit 40–150mm ƒ2.8. Trotz des immensen Brennweitenbereichs bei durchgehender Lichtstärke von ƒ2.8 leicht zu schultern.

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2.9. Fokussierung

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Wahl der Schärfentiefe ist ein kreatives Gestaltungsmittel, das dem Fotografen zur Verfügung steht. Manchmal ist es besser eine kurze Schärfentiefe zu wählen, manchmal besser eine weite. Sehr oft ist es aber auch einfach Geschmacksache für welche von beiden Varianten man sich entscheidet. Manchmal fotografiere ich eine Szene sowohl mit geringer Abblendung (kleine Blendenzahl = offene Blende) für geringe Schärfentiefe und mit starker Abblendung (hohe Blendenzahl = hohe Schärfentiefe). Die beiden Varianten kann ich dann am Computer-Monitor vergleichen und mich für die eine oder andere Variante entscheiden.

Bezogen auf die Fokussierung ist es hingegen meist weniger Geschmacksache auf welchen Punkt scharf gestellt wird. Meist ist ein einziger Punkt in einer Szene der Punkt der scharf sein muss. Fokussiert man auf einen anderen Punkt und der zentrale Punkt ist unscharf, wirkt das Resultat verunglückt. Die nächste Abbildung zeigt eine Testaufnahmen zu einem Nacht-Shooting. Das Bild wirkt unscharf.

Sandranachts
Falsche Fokussierung: Der schärfste Punkt liegt auf den ­Haaren, etwa im Bereich der ­Ohren. ­Korrekt wäre gewesen auf die ­Augen zu fokussieren.

Aber ist dieses Bild wirklich unscharf? Die Haare im Bereich der Ohren sind gestochen scharf. Aber wer interessiert sich für Haare wenn Augen im Bild sind? Der schärfste Punkt müsste auf den Augen liegen. Wären die Augen scharf abgebildet und die Haare unscharf, dann würden wir das Bild als gelungen empfinden. So aber wirkt es verunglückt.

Mehrere Personen fotografieren | Bevor wir uns eingehender mit der Fokussierung befassen, noch ein wichtiger Tipp zur Fotografie von mehreren Personen, die nicht in einer Linie nebeneinander, sondern mit unterschiedlichen Ab­ständen hintereinander, stehen.

Generell setzt man bei Porträts gerne auf offene Blenden um das Modell sauber vom Hintergrund freizustellen (siehe auch ›Freistellen‹) und den Fokus klar auf die Augen zu lenken. Befinden sich jedoch zwei oder mehr Leute nicht direkt nebeneinander sondern hintereinander sind sehr kurze Schärfentiefen mit Vorsicht zu genießen. Sie führen dazu, dass nur mehr die Augen einer Person scharf sind.

Samundlukasunscharf
Dieses Porträt von Sam und Luke habe ich mit Blende ƒ1.8 auf­genommen. Sam ist scharf abgebildet, aber Lukes Augen, wenige Zentimeter dahinter, sind bereits deutlich verschwommen.
Samundlukasscharf
Mit Blende ƒ8 kommen beide ­Personen mit ausreichender ­Schärfe ins Bild (daraus aber nicht den Schluss ziehen, dass für ­solche Aufnahmen immer Blende 8 optimal ist – es kommt auch auf Brennweite und Distanz an – Sensorformat, Abstand, Brennweite und Blende sind immer gemeinsam für die Schärfentiefe verantwortlich; siehe dazu auch noch einmal den letzten Artikel).

Manuelle oder automatische Fokussierung

Manchmal wird das zur Glaubensfrage. Aber nachdem Computer längst Schachweltmeister schlagen und sogar Weltklassefoto­grafen, wie Joe McNally, auf die automatische Blitzlichtsteuerung via i-TTL vertrauen, sollte man diese Suppe nicht zu heiß löffeln. Ich denke beides hat seine Daseinsberechtigung.

Erstens habe ich persönlich immer das Gefühl meine Brille störe mich bei der Beurteilung der Schärfe über den Sucher. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, denn ich bin mir sicher, es gibt viele Fotografen, die Brillenschlangen sind wie ich, und trotzdem manuell fokussieren. Aber ich traue der Sache einfach nicht, wenn ich bei 100 mm Brennweite auf ein oder zwei Meter Distanz bei Blende ƒ2.0 beurteilen soll, ob der Schärfepunkt exakt auf den Augen sitzt oder nicht.

Rasante Motive | Zweitens gibt es Motive, die sind einfach verdammt schnell und das menschliche Reaktionsvermögen kommt mit manuellem Fokussieren schlicht nicht mit. Ich denke dabei an Vögel im Flug.

Street Photography | In der Street Photography hingegen wird oft manuelles Fokussieren bevorzugt und das mit gutem Grund. Auch die schnellsten AF-Objektive brauchen ihre Zeit zum Fokussieren. Vor allem in schattigen Gassen, wenn es dämmert oder gar bei Nachtszenen in der Großstadt. In solchen Situationen hängt die manuelle Fokussierung durch den Fotografen die Geschwindigkeit der AF-Systeme oft locker ab.

Aber widerspricht sich das nicht? Bei Vögeln soll die automatische Fokussierung schneller sein als der Mensch und in Stadt und Straße langsamer?

Nur scheinbar! Autofokussysteme brauchen immer einen Moment bis sie scharf gestellt haben (In dieser Beziehung hat übrigens das Objektiv meist mehr Einfluss auf die ›Fokussiergeschwindigkeit‹ als die Kamera). Der Mensch schafft das in der Regel schneller. Vor allem wenn die Lichtbedingungen nicht optimal sind, also wenn es dunkelt oder trübe ist. Hat ein elektronisches AF-System aber einen Schärfepunkt erst einmal gefunden und auf ihn fokussiert, kann es ihm in der Regel um ein vielfaches besser folgen, als die menschliche Wahrnehmung. Motive die sich schnell bewegen werden deshalb meist so fotografiert: Die Kamera wird auf Serienbildmodus geschaltet, der Fotograf versucht auf den fliegenden Vogel (als Beispiel) zu fokussieren, drückt den Auslöser durch und folgt dem Motiv bei weiterhin gedrücktem Auslöser. Moderne Kameras schaffen zwischen fünf und zehn Aufnahmen in der Sekunde und die Schärfe wird von der Kameraelektronik kontinuierlich nachgeführt – jedenfalls bei entsprechender Einstellung (bei Nikon heißt die Einstellung CF, Continious Focus, bei Canon AI Servo – andere Hersteller mögen unter wieder anderen Namen identische Einstellungen anbieten).

Makro | In der Makrofotografie kommt es oft vor, dass sich die Automatik schwer tut, auf den gewünschten Fokuspunkt scharf zu stellen. Ich erlebe es beim 105mm Macro Nikkor immer wieder, dass die Fokusautomatik zwischen Nahfokussierung und Fernfokussierung hin und her springt und es nicht schafft das Motiv scharf zu stellen – bei anderen Makro-Objektiven ist das meist nicht anders. Auch hier ist die manuelle Fokussierung die bessere Wahl.

Am Ende ist es Teils Geschmacksache, Teils Situationsabhängig, ob man manuell oder automatisch fokussiert.

Bei modernen AF-Objektiven Nikon kann sogar automatisch und manuell kombinieren. Bei Nikon sind es in der Regel AF-S-Objektive, bei denen man nach der automatischen Fokussierung noch einmal über den Einstellring für die Schärfe manuell korrigierend eingreifen kann (AF steht für ›Auto Focus‹, S für ›Ultra Sonic‹, Ultraschall). Auch hier bieten andere Hersteller vergleichbare Produkte.

Das heißt, dass ich zum Beispiel bei meinem AF-S Nikkor 50mm ƒ1.4 manuell fokussieren kann, ohne auf manuelle Fokussierung umzustellen. Beim AF Nikkor 50mm ƒ1,8 – einem älteren und preiswerteren Objektiv – ist das nicht zu empfehlen. Zwar ist es möglich, aber es geht nur gegen den Widerstand des AF-Motors. Wenn man also beim manuellen Fokussieren mittels des Schärferings am Objektiv einen Widerstand spürt, dann sollte man nicht weiter drehen. In so einem Fall lässt sich mit diesem Objektiv nur dann manuell fokussieren, wenn man an Kamera oder Objektiv auch auf manuell umstellt.

Manuell af Fokusschalter zum Umschalten zwischen automatischer und manueller Fokussierung an einer Nikon D7000. (Bild: © Nikon GmbH)

Fokussierung, Messfelder, Sucher und Live-View

Zum Ermitteln der Entfernung zur Fokussierung suchen SLR-Kameras nach erkennbaren Kontrastkanten innerhalb eines kleinen Bildausschnitts. Wenn man mit Hilfe des Suchers fotografiert geschieht das über das ausgewählte AF-Messfeld, das im Sucher angezeigt wird. Bei einer Nikon D7000 sieht das wie in der Abbildung unten aus (2).

Af Feld im Sucher AF-Messfeld im Sucher einer Nikon D7000.

Wenn man mit Live-View arbeitet (was man mit einer Kompaktkamera in der Regel so gut wie immer macht), dann wird auch hier in der Regel am Display ein Rahmen angezeigt, in dem die Kamera versucht die Schärfe zu ermitteln.

AF Messfeld am Display AF-Messfeld am Display einer Canon Powershot S95. Die grüne Farbe signalisiert, dass die Kamera scharf gestellt hat.

Die Position von AF-Messfeldern lässt sich in der Regel verändern.

Multifunktionswaehler D7000 Durch Kippen des Multifunktionswählers lässt sich bei Nikon-Kameras die Position des AF-Messfeldes verschieben. Das gilt sowohl für Live-View als auch für das Messfeld im Sucher.
Multifunktionswaehler G12 Einstellrad einer Canon Powershot G12. Die Bedienung ist im Grunde identisch mit Nikon und auch andere Hersteller nutzen dieselben Konzepte.

Verschiedene Messsysteme | Da Live-View und Sucher in der Regel nicht dieselben Messsysteme nutzen, ergeben sich in der Praxis spürbare Unterschiede bei der Arbeit. So ist zum Beispiel das Messsystem, das bei der Arbeit mit dem Sucher ­arbeitet, bei den meisten SLR-Kameras deutlich flotter, als das Messsystem in Live-View-Modus. Wenn es also rasant zur Sache gehen muss, dann sind Sie mit dem Sucher besser beraten. Auch das ist ein Punkt, bei dem SLRs gegenüber Kompaktkameras punkten können.

Live-View hat allerdings auch Vorteile. Dazu gehört zum Beispiel, dass man die AF-Messfelder bei der Arbeit mit dem Messsystem des Suchers nicht bis in den Randbereich des Bildfeldes verschieben kann. Bei Live-View hingegen lässt sich das Messfeld meist stufenlos bis in die letzte Ecke verschieben.

Ein Problem stellt der eingeschränkte Bewegungsspielraum der AF-Messfelder im Sucher vor allem dar, wenn man Leute vom Scheitel bis zur Sohle porträtieren möchte.

Messfelder im Sucher Selbst aufwändige Messsysteme für den Autofokus bei der Scharfstellung mit dem Sucher, erlauben es nicht die Messfelder bis an den Rand zu verschieben.

Natürlich kann der Fotograf die Kamera schwenken, durch Drücken des Auslösers zum ersten Druckpunkt die Schärfe messen, und dann den Bildausschnitt neu komponieren. Aber bei ganzen Serien von Bildern, wie bei Modell-Shootings, ist das meist etwas aufwändig und erlaubt kaum wirklich rasche Serien. Außerdem führt bei extrem kurzen Schärfentiefen oft schon leichtes Kippen zu einer Verlagerung des Schärfepunktes und dann liegt der Fokus gar nicht mehr exakt dort wo man ihn gemessen hat. Generell sollte man deshalb bei Situationen, wie in der Abbildung oben, nicht mit dem mittleren Fokuspunkt messen und neu komponieren, sondern zumindest das Messfeld nutzen, das dem gewünschten Fokuspunkt – hier den Augen – am nächsten ist.

Manuelle Fokussierung und Fokusindikator

Arbeitet man mit manueller Fokussierung braucht man an Nikon-Kameras auf die Hilfe des Fokusmesssystems nicht zu verzichten. Mit dem Fokusindikator im Sucher wird auch im manuellen Modus angezeigt, ob die Kamera die Scharfstellung für korrekt hält oder nicht. Es geht sogar noch einen Schritt weiter: Der Fokusindikator zeigt sogar nicht nur an ob die Schärfe stimmt, sondern auch ob der Fokus davor oder dahinter liegt, wenn er im Messfeld nicht stimmt.

Fokusindikator Fokus vorne Der Fokusindikator (3) zeigt an ob der Bereich im Fokusmesseld (4) scharf ist oder nicht. Hier zeigt der Fokusindikator an, dass die Schärfe zu weit vorne liegt.
Fokusindikator Fokus hinten Hier zeigt der Fokusindikator (5) an, dass der Fokus zu weit hinten liegt.
Fokusindikator Fokus korrekt Hier zeigt der Fokusindikator (6) an, dass der Bereich im Fokusmessfeld scharf ist.

Da ich selbst mit Nikon fotografiere kann ich nicht sagen in wie fern andere Hersteller vergleichbare Funktionen haben. Ich gehe aber auch hier davon aus, dass bei Canon, Olympus & Co eine identische Möglichkeit zu finden ist. Für sachdienliche Hinweise bin ich – und wahrscheinlich noch viel mehr die Leser dieses Artikels – dankbar.

AF-Sensoren

Lassen wir Live-View wieder außen vor und konzentrieren wir uns auf das, womit die meisten ambitionierten Fotografen arbeiten: Mit dem Sucher.

Die Messfelder, die bei der Arbeit mit dem Sucher eingesetzt werden, trennen sich in der Regel in zwei Gruppen: Einfache AF-Sensoren sind nur für Kontraste in einer bestimmten Richtung sensibel. Das heißt sie sind entweder in der Lage auf Strukturen mit horizontalen Linien scharf zu stellen, oder auf Strukturen die vertikale Linien enthalten. Im Gros der ›Scharfstellsituationen‹ ist das nicht weiter von Bedeutung. Die meisten Punkte, auf die man scharf stellt, beinhalten sowohl vertikal als auch horizontal ausgerichtete Kontraste. Auch diagonale Linien stellen kein Problem dar. Möchte man hingegen mit einem einfachen AF-Sensor, der für horizontale Linien sensibel ist, auf ein Muster aus ausschließlich vertikalen Linien fokussieren, gelingt das der AF-Elektronik nicht. Sie wird ein paarmal in die Ferne und zurück in den Nahbereich scharf stellen und dann W.O. geben.

Kreuzsensoren | Die andere Art der AF-Sensoren sind sogenannte Kreuzsensoren, die sowohl mit horizontalen, wie auch mit vertikalen Strukturen klar kommen. Solche Sensoren sind natürlich besser und es wäre schön, wenn nur solche zum Einsatz kämen. Aber wie üblich ist das Schöne auch das Teurere, weshalb die meisten Kamerahersteller aus einen Mix aus einfachen und Kreuzsensoren setzen. Meist liegen die Kreuzsensoren in der Mitte und die einfachen im Randbereich.

Ob ein Sensor, des AF-Systems (moderne SLRs haben meist 9, 11, 39 oder 51 Messfelder), ein einfacher oder ein Kreuzsensor ist, und wenn er einfach ist, ob er auf horizontal oder vertikal reagiert, lässt sich leicht herausfinden. Man sucht sich einfach ein Motiv, das ausschließlich Linien in einer Richtung zeigt. Die meisten Radiatoren haben Rippen in vertikaler Richtung und erzeugen eine solche Struktur. Mit Kreuzsensoren können Sie scharf stellen, ob sie die Kamera Quer- oder Hochformat halten. Ist ein Sensor nur für horizontale Linien ausgerichtet, kann die Kamera im Hochformat nicht scharf stellen. Ist ein Sensor nur für vertikale Linien ausgerichtet, kann die Kamera im Querformat nicht scharf stellen.

Titel Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
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