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Schlagwort: Schärfentiefe

2.2. Schärfentiefe, Brennweite und Distanz

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Schärfentiefe und Brennweite

Ausschlaggebend für die Tiefe der Schärfentiefe (der Bereich zwischen Nah- und Fernpunkt, der als scharf empfunden wird) sind Brennweite, Distanz, Blende und Sensorformat.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren wie sich das Reduzieren der Brennweite auf die Schärfentiefe auswirkt. Je kürzer die Brennweite desto größer fällt die Schärfentiefe aus – bei ansonsten gleichen Einstellungen und Distanz. Umgekehrt heißt das natürlich auch, dass sich die Schärfentiefe reduziert, wenn man längere Brennweiten einsetzt.

Schaerfentiefe160mm
Mit Brennweite 160mm (KB) auf eine Entfernung von 4m beträgt die Schärfen­tiefe 32cm.
Schaerfentiefe75mm
Verkürzt man die Brennweite auf 75mm (KB), hält aber die Distanz von 4m, erhöht sich die Schärfen­tiefe auf 146cm.
Schaerfenteiefe30mm
Verkürzt man die Brennweite noch weiter auf 30mm (KB) und belässt die Entfernung weiterhin unverändert bei 4m erhöht sich die Schärfen­tiefe weiter auf unendlich. Das heißt auf diese Distanz wird alles was sich dahinter befindet als scharf empfunden.
Kurze Brennweite weite Scharfentiefe 75mm Brennweite bei relativ weit geöffneter Blende auf eine Distanz von etwas mehr als 3m. Der Hintergrund ist unscharf, doch noch immer deutlich zu erkennen und störend und ablenkend.
Lange Brennweite kurze Scharfentiefe 158mm Brennweite bei vergleichbarer Blendeneinstellung und nur geringfügig kürzerer Distanz (Der Bildausschnitt wird durch die längere Brennweite natürlich bedeutend enger): Die Schärfentiefe ist sehr viel geringer und der Hintergrund stark weichgezeichnet. Das Modell ist schön freigestellt.

Je länger die Brennweite, desto geringer die Schärfen­tiefe.

Schärfentiefe und Distanz

Wie so oft in der Fotografie wird beim Thema Schärfentiefe wieder einmal deutlich, dass es schwer fällt für das Fotografieren ganz einfache Faustregeln aufzustellen. Abgesehen davon, dass bei der Schärfentiefe auch das Sensorformat eine Rolle spielt (siehe Formatfaktor), ist, neben der gewählten Blende, auch die Distanz ein wichtiger Faktor dafür, wie Tief der scharfe Bereich ausfällt.

Die folgenden Beispiele illustrieren, wie sich eine mittlere Distanz, im Verhältnis zu einer extrem kurzen, auswirken kann. Je geringer die Distanz zum Fokuspunkt , desto kürzer fällt die Schärfentiefe aus.

Schaerfentiefe auf mittlere Distanz
Während man mit einer Kleinbildkamera bei einer Distanz von 4m, Brennweite 105 mm und Blende ƒ5.6 eine Schärfentiefe von 25cm erhält und somit ein Gesicht von der Nasenspitze bis hinter die Ohren scharf abbilden kann …
Schaerfentiefe auf kurze Distanz
… erhält man mit exakt derselben Brennweite und Einstellung für die Blende auf eine Distanz von 20cm nur mehr eine hauchdünne Schärfentiefe von 0,3mm – meist noch nicht einmal genug um das Facettenauges eines Käfers von vorne bis hinten scharf abzubilden.
Viel Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von knapp einem halben Meter. Die Schärfentiefe ist hoch, der Hintergrund scharf abgebildet und ­äußerst störend.
Wenig Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von ­wenigen Zentimetern. Trotz identischer Einstellung aller Parameter, wie für die Aufnahme oben, sind die Blätter nur wenige Zentimeter hinter dem Blütenkelch bereits sehr unscharf (die beiden Aufnahmen stammen von den Kompaktkameras Canon PowerShot G12 und S95).

Je kürzer die Distanz, desto geringer die Schärfentiefe.

Einmal mehr ist es für den kreativen Fotografen wichtig, über einen theoretischen Zusammenhang für die Praxis Bescheid zu wissen. Während der Fotograf bei einem Porträt bewusst eine offene Blende wählt um sein Modell vom Hintergrund zu trennen und die Aufmerksamkeit durch den Fokuspunkt selektiv auf die Augen lenkt, muss der Makrofotograf beim Ablichten eines Käfers die Blende bis auf eine kleine Öffnung schließen, damit die Schärfentiefe nicht geringer ausfällt, als das Facettenauge des winzigen Tiers in die Tiefe reicht.

Hyperfokale Entfernung

Besonders für Landschaftsfotografen ist das Thema der Hyperfokalen Entfernung (Hyperfokale Distanz) interessant. In diesem Genre ist das letzte Quäntchen Schärfe für die meisten Fotografen Pflicht. Deshalb fotografiert der Landschaftsfotograf auch nicht mit offener Blende aus freier Hand – auch wenn das Licht das zulassen würde – sondern stellt seine Kamera auf ein möglichst schweres, stabiles Stativ um die Blende unabhängig von den Einschränkungen der Belichtungszeit, die er mit freier Hand berücksichtigen müsste, einstellen zu können.

Bei seinen Einstellungen achtet er sehr oft auf die Hyperfokale Entfernung. Vereinfacht ausgedrückt ist das die Distanz, ab der bei einer bestimmten Brennweite und Blende alles was dahinter liegt scharf abgebildet ist – ab der die Schärfen­tiefe unendlich ausfällt.

Das Thema ist äußerst spröde und umständlich zu erklären und erfordert vom Leser noch mehr, wenn er es verstehen will. Mir ist spontan keine Erklärung und Illustration eingefallen, von der ich erwarten würde, dass sie ohne viel Hirnschmal zu verstehen ist. Da es mir hier zu tief in ein bestimmtes Genre führen würde, möchte ich uns diese schwere Kost ersparen. Wer jedoch in der Landschaftsfotografie seine Leidenschaft gefunden hat, auf maximale Abbildungsqualität aus ist und tatsächlich mit SLR, Stativ und hochwertigem Objektiv auf Motivjagd geht, sollte einmal nach den Begriffen Hyperfokale Distanz oder Hyperfokale Entfernung googeln.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
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2.1. Schärfentiefe

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Hatten wir das Thema Brennweite nicht gerade im Abschnitt über Perspektive? Und hieß es da nicht, Brennweite und Distanz gehören zu den wichtigsten Werkzeugen um die Wirkung einer Aufnahme zu gestalten?

Genau! Die perspektivische Wirkung, die durch Variieren des Blickwinkels, bewusster Wahl der Brennweite und angemessener Distanz beeinflusst wird, ist durch andere Gestaltungsparameter kaum mehr zu topen.

Doch Brennweite und Distanz sind nicht nur ausschlaggebend für die Perspektive, sondern beeinflussen auch die Schärfe maßgeblich – in Form der Schärfentiefe. Wenn es etwas gibt, das die Bedeutung der Perspektive für die Bildwirkung noch topen kann, dann ist das die Schärfentiefe.

Es gibt zahlreiche Kriterien, die für gute Fotos zusammen­wirken müssen. Unsere Betrachtungen konzentrieren sich hier auf jene Kriterien, die sich direkt mit der Kamera beeinflussen lassen – und den Objektiven. Wir haben vier Hauptkriterien identifiziert: Perspektive, Schärfe, Belichtung und Komposition. Während die Belichtung praktisch den geringsten kreativen Spielraum bietet – eine optimale Belichtung ist eine optimale Belichtung – bieten Perspektive und Schärfe großen Gestaltungsspielraum.

Während man zum Ändern der perspektivischen Wirkung das Objektiv wechseln muss, sofern man kein Zoomobjektiv hat, lässt sich die Schärfentiefe mit Hilfe der Blende praktisch bei jedem Objektiv beeinflussen. Grund genug also, sich mit der Schärfentiefe ausreichend zu befassen.

Schärfentiefe

Neben der Perspektive ist die Schärfentiefe ein ganz essenzielles, bildgestalterisches Mittel. Man kann die Frage nach der Schärfentiefe mit einem einfachen ›entweder/oder‹ auf den Punkt bringen: Will ich den Hintergrund scharf oder unscharf?

Tatsächlich scharf können mit einer Kamera immer nur Bildbereiche in einem ganz bestimmten Abstand zum Sensor abgebildet werden. Das ist exakt der Bereich, auf den fokussiert – also scharf gestellt – wird. Bereits der Bereich unmittelbar davor und direkt dahinter wird schon nicht mehr ganz scharf abgebildet.

Doch auch wenn theoretisch gesprochen immer nur ein ganz dünnes Scheibchen in der Tiefe vor der Kamera gestochen scharf abgebildet wird, so wird in der Regel ein bedeutend größerer Bereich direkt vor und hinter dem fokussierten (schärfsten) Punkt noch immer als scharf empfunden. Mit abnehmender Distanz zur Kamera auf der einen Seite und zunehmender Entfernung auf der anderen Seite jedoch fällt die Unschärfe immer deutlicher aus.

Nahpunkt und Fernpunkt |Auf dem Weg in die Richtung des Fotografen gibt es einen Punkt, ab dem dann die Abbildung von einem Betrachter nicht mehr als scharf empfunden wird, sondern als unscharf. Diesen Punkt bezeichnet man als Nahpunkt. Vom fokussierten Punkt weiter weg in der Ferne gibt es ebenso einen Punkt, ab der die Schärfe so gering wird, dass ein Betrachter sie als unscharf empfindet. Diesen Punkt bezeichnet man als Fernpunkt. Der Bereich zwischen Nahpunkt und Fernpunkt ist die sogenannte Schärfentiefe.

Zwar ist der Übergang vom scharfen zum unscharfen Bereich fließend, dennoch lässt sich ein relativer Knackpunkt zwischen dem was als scharf und dem was als unscharf wahrgenommen wird berechnen und festlegen.

Freistellen | Über Distanz und Brennweite beeinflussen Sie die perspektivische Wirkung eines Bildes. Mit der Schärfentiefe haben Sie einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Aufmerksamkeit des Betrachters. Durch steuern der Schärfentiefe können Sie Objekte vor einem Hintergrund herausheben, oder mit dem Hintergrund verschmelzen lassen. So arbeitet der Fotograf gerne mit einer kurzen Schärfentiefe um den Hintergrund einer Person unscharf zu bekommen, damit sich alle Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Modell lenkt – man spricht vom Freistellen.

Geringeschwaerfentiefe
Diese Illustration stellt dar, wie man sich kurze Schärfentiefe ­vorstellen muss, könnte man sie von der Seite sichtbar machen.
Freigestellt
Mit kurzer Schärfentiefe lässt sich der Hintergrund hinter dem Hauptdarsteller eines Motivs unscharf abbilden. Das hat den großen Vorteil, dass ein beispielsweise unruhiger Hintergrund sich nicht mehr wichtig macht und nicht vom Hauptmotiv ablenken kann.
Freisteller
Kurze Schärfentiefen durch offene Blenden sind vor allem bei Porträts ein gutes Mittel um das Modell vom Hintergrund freizustellen.

Die kleine Serie unten zeigt wie gut es funktioniert mit Hilfe selektiver Schärfe die Aufmerksamkeit zu lenken. Obschon sich der rote Kegel auf Grund seiner aktiven Farbe in den Vordergrund drängt, so fällt die Hauptaufmerksamkeit doch immer auf jenen Kegel, der gerade am Schärfsten abgebildet ist.

Kegel1 spacer.gif Kegel2
Kegel3 spacer.gif Kegel4
Schärfentiefe eignet sich vorzüglich dazu die Aufmerksamkeit des Betrachters auf ein bestimmtes Objekt oder einen bestimmten Punkt zu lenken.

Nutzen Sie die Möglichkeit der selektiven Schärfe auf bestimmten Bereichen und der Unschärfe für unwichtige Bildelemente um in Ihren Bildern auch inhaltlich eine klaren Fokus zu setzen. Es ist Teil Ihrer kreativen Freiheit in der Fotografie. Setzen Sie sie bewusst ein.

Anders sieht es hingegen meist in der Landschaftsfotografie aus. Vor allem dann, wenn man nach dem Konzept Vordergrund–Mittelgrund–Hintergrund gestaltet entscheidet man sich für eine große Schärfentiefe, damit sowohl Nähe als auch Mitte als Ferne möglichst scharf auf das Bild kommen.

Hoheschaerfentiefe
Diese Illustration visualisiert eine hohe Schärfentiefe. Der Fotograf fokussiert auf das Modell, der ­Bereich davor und dahinter verliert an Schärfe, aber nur gering.
Hintergrundscharf
Bei hoher Schärfentiefe sind die Bereich hinter de fokussierten ­Objekt scharf abgebildet – das ist wichtig, wenn man zum Beispiel eine Landschaft mit ins Bild ­bringen will. Oft stört es aber auch, wie bei der Abbildung von Personen, weil sich der Hintergrund wichtig macht und vom ­Modell ablenkt.
Landschaft
Bei dieser Aufnahme sollte das Schilf vorne links (Vordergrund), der gefrorene Teich (Mittelgrund) und die Bäume hinten (Hintergrund) möglichst scharf auf das Bild. Dazu habe ich Blende ƒ13 eingestellt.

Darum geht es in diesem Kapitel im Wesentlichen: Welche Mittel kann ich einsetzen um die Schärfentiefe in einer Aufnahme kreativ zu beeinflussen? Habe ich ein Motiv, das ich vom Hintergrund freistellen möchte? Möchte ich die Aufmerksamkeit mit selektiver Schärfe lenken? Oder sollte ein möglichst weiter Bereich von ganz nah bis weit entfernt so scharf als möglich abgebildet werden.

Vielschaerfentiefe spacer.gif Wenigschaerfentiefe
Zweimal derselbe Wasserspeier mit unterschiedlicher Schärfentiefe.
Titel Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
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1.5. Formatfaktor

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Die Sache mit den Brennweiten könnte so einfach sein, wären da nicht die verschiedenen Sensorformate. Bildsensoren werden in unterschiedlichen Größen produziert und die Größe des Sensors beeinflusst den Blickwinkel (und natürlich den Preis). Das Problem ist also, dass eine bestimmte Brennweite vor einem bestimmten Sensorformat einen bestimmten Blickwinkel erzeugt, vor einem anderen Sensorformat jedoch einen anderen.

D7000_sensor_unit_1_rgb.jpg
Die Bildsensor-Einheit einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Die Abbildung unten zeigt einen Auszug an Formaten, die heute bei Digitalkameras üblich sind.

Sensorformate.jpg Ein paar Beispiele von Sensorformaten zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Hassselblad Mittelformatkamera, Leica S2 Spiegelrelfex-Systemkamera, Kleinbild, DX (Nikon, Sony, Pentax), Four Thirds (Olympus und Panasonic) und exemplarisch das Format der Komapaktkameras G12 und S95 von Canon.

Kleinbildformat | In den Tagen der analogen Fotografie (dem Fotografieren mit Film) hatte sich zuletzt das Kleinbildformat für die meisten Kameras durchgesetzt. Filme im Format von 36×24mm passten sowohl in Kompaktkameras, Sucherkameras und Spiegelreflexkameras. Lediglich im professionellen High-End-Bereich waren Mittel- und Großformat mit größeren Filmformaten ›State of the Art‹.

Sensia100.jpg Analoger Film ist noch immer von Herstellern wie Fujifilm beziehbar (Bild: © Fujifilm Europe GmbH)

In den 1990er Jahren verhalf Canon mit seiner Ixus dem etwas bequemeren, aber relativ kleinen APS-Format, zu einem kurzfristigen Durchbruch. Doch das Gros der Aufnahmen wurde wie gesagt auf 36×24mm gebannt.

Als Digitalfotografie zum Thema wurde und erste digitale Kameras auf den Markt kamen, wurden Bildsensoren verbaut die deutlich kleiner waren als die 36×24mm Filme der analogen Kleinbildkameras. Der Grund war vor allem, dass größere Sensoren ungleich teurer zu produzieren waren als kleinere. Deshalb werden in Kompaktkameras bis heute sehr kleine Sensoren verbaut und nur in professionellen Spitzenmodellen sind Sensoren im Kleinbildformat zu finden (in analogen Zeiten war das Abbildungsformat des Films für Kompakt und Spiegelreflex eben identisch).

Mittelformat | Es gibt heute digitale Mittelformatkameras die größere Sensoren nutzen als das Kleinbildformat. Bekannte Hersteller solcher Geräte sind Hasselblad, PhaseOne oder Sinar. Im letzten Jahr ließ Pentax mit einer Mittelformat-Kamera aufhorchen, die als Preisbrecher gehandelt wird. Außerdem sorgte in jüngster Vergangenheit auch die deutsche Edel-Kameraschmiede Leica mit einem Kamerasystem für Interesse, das im Grunde eine Spiegelreflexkamera ist, aber einen größeren Sensor als Kleinbild nutzt.

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Mittelformatkameras, wie dieses Modell von Pentax, nutzen deutlich größere Sensorformate, als das Kleinbildformat (Bild: © Pentax Imaging Systems GmbH)

Sensorformat und seine Auswirkungen

Das Gros der Kameramodelle am Markt arbeitet aber aus Preisgründen mit Sensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als Kleinbild. Mit der Größe des Sensorformats sind nun aber eben Unterschiede in Art der Abbildung und der Abbildungsqualität verbunden. Beeinfluss werden vor allem:

  • Bildrauschen;
  • Blickwinkel und perspektivische Wirkung der Brennweite;
  • Schärfentiefe.

Bildrauschen | Bildrauschen – so bezeichnet man eine körnige Struktur aus unterschiedlich hellen oder farbigen Pixeln – gehört zu den wichtigsten Problemen der Digitalfotografie. Man unterschiedet dabei das sogenannte Helligkeits- oder Luminanzrauschen (wie in der Abbildung unten) vom Farbrauschen, bei dem nicht hellere und dunklere Pixel die Struktur ergeben, sondern bunte in den Farben rot, grün, blau, gelb, cyan und/oder magenta. Rauschen wird vor allem in dunkleren Bildbereichen sichtbar. Ein Grundrauschen ist in jedem Digitalbild normal. Oft fällt es aber so gering aus, dass man es praktisch nicht bemerkt. Doch durch lange Belichtungszeiten oder Anheben der ISO-Empfindlichkeit wird der Effekt verstärkt und es kann unangenehm im Bild hervortreten.

Bildrauschen1 Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man die Belichtungszeit reduzieren indem die Sensorempfindlichkeit erhöht wird.
Bildrauschen2 Leider führt das anheben der Empfindlichkeit durch Erhöhen des ISO-Werts zu kräftigeren Bildrauschen.

Je kleiner der Sensor, desto anfälliger für Rauschen. Wobei es streng genommen vor allem auch von der Auflösung abhängt. Im Grunde geht es gar nicht um die Größe des Sensors, sondern wie viele Pixel auf wie engem Raum wie dicht beieinander liegen. Ein kleiner Sensor mit geringer Auflösung muss nicht unbedingt mehr rauschen verursachen, als ein großer Sensor mit sehr hoher Auflösung.

Je größer die Zahl der Pixel und kleiner das Format des Sensors, desto mehr Rauschen wird produziert.

Brennweite | Der zweite Faktor, der vom Sensorformat beeinflusst wird, ist der Blickwinkel den eine bestimmte Brennweite vor einem Sensor ergibt. Die beiden Abbildungen unten zeigen zwei Aufnahmen die vom Stativ aus mit exakt derselben Distanz und derselben Brennweite von 24mm aufgenommen wurden. Der Bildausschnitt den sie zeigen unterscheidet sich gravierend! Die D7000 mit dem deutliche kleineren Sensor nimmt den Buddha sehr viel naher auf, als die D700 mit ihrem Kleinbildsensor.

Dx Aufnahme aus einer Distanz von etwa zehn Zentimeter mit einem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an einer Nikon D7000 mit einem Sensor im Format 24×16mm.
Fx Aufnahme aus derselben Distanz mit dem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an der Nikon D700 mit einem Sensor im Format von 36×24mm.

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Aufnahme die mit einer Kleinbildkamera und 135mm Brennweite aufgenommen wurde. Nehmen wir an, wir würden von derselben Stelle aus mit einer 10 Megapixel Kamera mit Kleinbild und einer 10 Megapixel Kamera mit einem ein Drittel kleineren APS-C- bzw. DX-Sensor diesen Ort fotografieren, wobei beide Kameras eine Objektiv mit einer KB-Brennweite von 135mm tragen. Dann bildet die Kleinbildkamera einen größeren, die DX-Kamera einen kleineren Bildausschnitt ab – trotz gleicher Brennweite! Die Kamera mit dem kleineren Sensor scheint bei gleicher Brennweite das Motiv also näher heranzuzoomen.

Dxundfx Fx
Dx Oben links Bildausschnitt bei 135mm bei Kleinbild und 24×16mm DX-Sensor in der Montage, oben Resultat der 135mm-Brennweite bei Kleinbildformat und links Resultat bei DX-Format.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man Brennweiten und ihre perspektivische Wirkung und den Bildausschnitt den sie abbilden miteinander vergleichen will. Ein sinnvoller Vergleich ist nur dann möglich, wenn man sie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Der Sensor in der Nikon D7000 ist um den Faktor 1,5 kleiner wie jener in der D700: 24×16mm statt 36×24mm. Der Bildausschnitt den jede beliebige Brennweite an der D7000 erzeugt ist 1,5 mal kleiner beziehungsweise 1,5 mal naher als bei der D700. Um also einen Vergleich der Nikon D7000 mit einem Sensorformat, das man als APS-C bezeichnet, mit der D700, die ein Kleinbildformat hat, anstellen zu können, wird das APS-C auf Kleinbild umgerechnet. Das gilt natürlich für alle anderen Marken und Formate ebenso.

Kleinbild ist der gemeinsame Nenner auf den sich die Fachwelt geeinigt hat – die Abkürzung lautet KB. Spricht man allgemein von Brennweiten, dann beziehen sich die Millimeterangaben immer auf Kleinbild, sofern es nicht dezidiert anders angegeben wird.

Um Brennweiten an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten vergleichen zu können, hat man sich auf Kleinbild (KB) als gemeinsamen Nenner geeinigt.

Formatfaktor | Für jedes Format lässt sich ein Umrechnungsfaktor aufstellen, mit dem sich die Wirkung von Brennweiten im Vergleich zu Kleinbild berechnen lässt. Diesen Umrechnungsfaktor bezeichnet man auch als Formatfaktor oder Crop-Faktor.

Bei Nikon ist das einfach. Nikon hat zwei Formate für Spiegelreflexkameras: Geräte, mit einem Sensor im Format 36×24mm, die bei Nikon die Bezeichnung FX tragen. Und Geräte mit einem Sensor im Format 24×16mm, die bei Nikon DX heißen und einen Umrechnungsfaktor auf Kleinbild von 1,5 haben. Ein 50mm Objektiv an einer Nikon mit kleinerem DX-Sensor entspricht dem Bildausschnitt und der perspektivischen Wirkung von 75mm auf Kleinbild: 50 × 1,5 = 75.

Bei Olympus und Panasonic (Lumix) ist das sogar noch einfacher. Deren sogenannte Four Thirds Sensoren haben ein Format von 17,3×13mm und werden mit dem Umrechnungsfaktor 1:2 berechnet: 50mm an einer Four Thirds Kamera entspricht also rund der Bildwirkung von 100mm an einer Kleinbildkamera.

  • Kleinbild: 36×24mm (1:1 KB-Faktor);
  • APS-H (Canon): 27,9mm×18,6mm (≈1:1,3 KB-Faktor);
  • DX (Nikon, Sony, Pentax): 23,7×15,6mm (≈1:1,5 KB-Faktor);
  • APS-C (Canon): 22,2×15,8mm (≈1:1,6 KB-Faktor);
  • Four-Thirds (Olympus, Panasonic): 17,3×13mm (≈1:2 KB-Faktor);
  • Sensor der Canon PowerShot G12 exemplarisch als ein Sensorformat vieler möglicher bei Kompaktkameras: 7,6×5,7mm (≈1:4,5 KB-Faktor).
Powershot g12 Powershot s95
Auf der Front des Objektivs der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 steht die tatsächliche Brennweite der Optik: 6,1mm bis 30,5mm. Die tatsächliche Brennweite der PowerShot S95 reicht von 6mm bis 22,5mm. Allerdings interessieren uns Fotografen in der Regel nicht die technischen Brennweiten, sondern das Äquivalent der Bildwirkung im Vergleich zur Kleinbildkamera. Der Formatfaktor für G12 und S95 beträgt etwa 4,5. Canon gibt die Brennweiten der G12 auf Kleinbild umgerechnet mit 28–140mm an, für die S95 mit 28–105mm.

Schärfentiefe | Ein dritter Unterschied liegt in der unterschiedlichen Schärfentiefe unterschiedlicher Sensorformate. Wie die beiden folgenden Abbildungen jedoch belegen, fällt der Unterschied zwischen mittleren Sensoren, wie Four Thirds, APS-C, DX und APS-H, und Kleinbild nicht besonders dramatisch aus.

Schaefentiefe1
Aufnahme mit der Kleinbildkamera Nikon D700 und 105 mm Objektiv.
Schaefentiefe2
Aufnahme mit der D7000 mit kleinerem Sensor und demselben Objektiv. Aufgrund des Formatfaktors musst ich die Kamera weiter weg stellen um denselben Bildausschnitt zu erreichen. Das Ergebnis ist, dass bei gleicher Brennweite (und gleicher Blende) eine höhere Schärfentiefe entstanden ist.

Je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe, bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Eklatanter wird der Unterschied in der Schärfentiefewirkung zwischen den sehr kleinen Sensoren bei Kompaktkameras und den mittelgroß bis großen Sensoren in Spiegelreflex- und anderen Systemkameras. Dazu habe ich unter ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ schon einmal zwei Bilder gezeigt.

Für die Auswirkung des Sensorformats auf Bildrauschen, Bildausschnitt und Schärfentiefe gelten folgende Regeln:

  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Neigung Bildrauschen zu erzeugen bei gleicher Empfindlichkeit und gleicher Belichtungszeit.
  • Je kleiner der Sensor, desto enger der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite.
  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Schärfentiefe bei gleicher Brennweite und gleicher Blende.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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