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Neu in CS5: Smarterer Bereichsreparatur-Pinsel

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Das Content Aware Füllen habe ich ja bereits vorgestellt und dabei war wohl nicht zu übersehen, dass mich die Funktion nicht wirklich überzeugt.

Bisher weniger laut angekündigt hat diese Technologie wohl auch auf das Bereichsreparatur-Pinsel-Werkzeug abgefärbt (wer verbricht eigentlich solchen Namen). Für dieses Werkzeug lässt sich nun als Arbeits-Option über die Werkzeugeinstellungen Content-Aware aktivieren (scheint standardmäßig voreingestellt zu sein), was die Leistung des Werkzeugs tatsächlich deutlich verbessert, was in den beiden Screenshots unten zu sehen ist.

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Neu in CS5: Content Aware Fill in Photoshop

Eines, der Features, die im Vorfeld zu Photoshop CS5 am meisten Aufmerksamkeit erregt haben, ist das inhaltsbewahrende Füllen (oder wie das auf deutsch heißen wird). Damit lässt sich ein Bereich auswählen, die Löschen-Taste drücken und das ausgewählte Objekt verschwindet und der Bereich innerhalb der Auswahl wird mit derselben Struktur gefüllt, wie im Umfeld zu sehen ist.

In niedrig aufgelösten und deutlich komprimierten Demonstrationsvideos sieht so eine Technologie immer unheimlich beeindruckend aus. In der Praxis machen diese Technologien aber vor allem einen Haufen Mist. Das war schon bei ›der‹ großen Innovation von Photoshop CS4 so: »Skalieren (Inhalt bewahren)«.

Auch diese Funktion löste wohl bei Allen bei der ersten Begegnung beeindrucktes Staunen aus. Aber hat das jemand mal in der Praxis brauchen können? Ich habe es in der vergangenen 15 Monaten einmal eingesetzt und das Resultat war lausig. Obwohl die Aufgabe denkbar einfach gewesen wäre, entstand eine hässliche und unnatürliche Struktur, die zwar nicht besonders auffällig war doch im Druck sicher zu erkennen gewesen wäre. Also musste ich mit Stempeln und Störungen nachbessern. Mit altbewährten Techniken wäre das besser gegangen, allerdings braucht man für diese Techniken natürlich mehr Erfahrung und Kreativität in der Anwendung der Möglichkeiten.

Die neue Funktion scheint mir nicht viel anders zu sein: Sieht auf den ersten Blick beeindruckend aus, bei näherem Hinsehen hinterlässt es aber oft kein Resultat, das professionellen Ansprüchen gerecht wird. Ich habe bereits einige Tests durchgeführt und kann keinen Vorteil der neuen Technik gegenüber den bisherigen Möglichkeiten mit Stempel, Ausbessern-Werkzeug und den beiden Bereichsreparaturpinsel-Werkzeugen feststellen. Innovationen sehen anders aus. Aber der Profi hat eh längst bemerkt, dass es weniger die groß angekündigten, scheinbar spektakulären Weiterentwicklungen von Photoshop sind, die ein Upgrade für ihn rechtfertigen, sondern meist eher die kleinen Detailänderungen.

Die Abbildung unten zeigt einen Test mit einem Bild, das ich bereits im Photoshop CS3 Workshop-Buch eingesetzt habe und das ich noch immer gerne in Seminaren verwende um das Ausbessern-Werkzeug zu erklären.

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Ich habe Auswahlen um die drei Objekte gemacht die ich entfernen möchte und die Löschen-Taste (Backspace) gedrückt und mich für Content-Aware-Löschen entschieden. Das Resultat ist unten zu sehen (im Screenshot natürlich nicht wirklich angemessen wiedergegeben).

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Überrascht war ich vom Resultat links, wo ich die Hütte entfernt habe. Da hätte ich mit einem bedeutend schlechteren Ergebnis gerechnet, doch wenn man nicht genau hinsieht (in meiner hochaufgelösten Vorlage), dann ist das Resultat kaum zu sehen. Schlechter sieht es mit der Heumaschine und dem Pfosten aus. Dort hat Photoshop die Struktur der Wiese vorne in den hinteren Bereich darüber erweitert und das ist auffällig und inakzeptabel. Mit dem Ausbessern-Werkzeug geht das besser, weil ich damit die Definition des Quell- und Zielbereichs nicht der dummen Software überlasse (jede Software ist dumm). Länger dauert es mit dem Ausbessern-Werkzeug auch nicht.

Content-Aware füllen ist sicher kein Grund, weshalb man unbedingt auf CS5 upgraden muss. Es wird aber andere Dinge geben, die das Arbeiten mit der neuen Version angenehmer machen. Außerdem dreht sich das Upgrade-Hamsterrad ohnehin von selbst und wir werden nicht gefragt ob wir mitlaufen wollen, denn wenn wir aussteigen, dann verlieren wir den Anschluss. Und aufgrund der geänderten Upgrade-Preispolitik bei Adobe spart man auch praktisch eine Kohle mehr, wenn man eine Version überspringt. Schade eigentlich. Ich habe das Adobe immer angerechnet, es als Ansporn für den Konzern betrachtet, mit jeder Version Neuerungen zu bringen, für die der Kunde gerne bezahlt und für mich waren sei den Upgrade-Preis auch immer Wert.

Gast-Tutorial von Robert Kneschke zu Photoshop

 

Vor Kurzem hat mir Blogger und Fotoproduzent Robert Kneschke angeboten, ein Tutorial für markuswaeger.com zu schreiben. Da ich Roberts Blog schon lange abonniert habe und von der Qualität seiner Artikel überzeugt bin, habe ich mich sehr über das Angebot gefreut und natürlich angenommen. Unten findet ihr die Beschreibung auch als Screencast.

Augen-Retusche in Photoshop

Bei der Stockfotografie ist es wichtig, dass Menschen gut aussehen. Die Gesichtsretusche gehört deshalb zu den Standardaufgaben eines Fotografen.

Vor allem die Retusche der Augen ist wichtig, da diese stark beeinflussen, wie sehr ein Gesicht strahlt.

In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich die Augen mit Photoshop bearbeite. Ich nutze Photoshop CS3, aber auch mit CS2 und CS4 sind die beschriebenen Aktionen verfügbar. Für viele Ergebnisse gibt es auch andere Herangehensweisen, die ebenso sinnvoll sein können.

Zur Arbeit nutze ich ein Grafiktablett. Das ist keine zwingende Voraussetzung, aber jedem zu empfehlen, der regelmäßig Retuschearbeiten macht. Zum einen beschleunigt ein Grafiktablett den Arbeitsablauf, da mehrere Funktionen, die mit der Maus nacheinander eingestellt werden müssten, wie Pinseldruck oder Pinselgröße, mit dem Grafikstift zusammen beeinflusst werden können. Außerdem werden Auswahlen genauer, da mit dem Stift wie auf Papier »nachgezeichnet« werden kann.

Kommen wir zu den einzelnen Abläufen einer Augenretusche:

1. Die Augenbrauen

Augenbrauen sehen dann schön aus, wenn sie gut konturiert und, vor allem bei Frauen, nicht zu dick sind. Ich nutze hier zuerst das Ausbessern-Werkzeug, um einzelne Häärchen an den Rändern und zwischen beiden Brauen zu entfernen.

Danach kommt der Kopierstempel zum Einsatz mit ca. 40–60% Deckkraft, um bei Bedarf die Augenbrauen dünner werden zu lassen. Die Pinselränder sind mit 0% sehr weich, manchmal ist es aber sinnvoll, die Ränder härter zu setzen (40–50%), um einen ausgefransten Look zu vermeiden.

2. Die Augenringe

Das Entfernen der Augenringe ist einfach, erzielt aber einen deutlich jüngeren und frischen Look im Gesicht. Ich nutze wieder den Kopierstempel mit relativ großem Radius (meist ungefähr so groß wie die Iris) und geringer Deckkraft (30–45%), um die die Augenringe mit hellerer Wangenhaut zu ersetzen.

Hier wird ein großer Vorteil des Grafiktabletts sichtbar. Damit kann ich je nach Druck des Stifts die Deckkraft des Kopierstempels vergrößern und so die Ränder leicht auslaufen lassen, damit keine harten Übergänge zu sehen sind.

Ein Wort zur Warnung: Die meisten Models finden es sehr gut, wenn ihre Augenringe wie von Zauberhand verschwinden. Instinktiv wirkt es aber seltsam, Personen ganz ohne Augenringe zu sehen. Wir nehmen das Gesicht dann als »künstlich« wahr, wie meist die Frauen auf Titelbildern von Fernsehzeitschriften. Um das zu vermeiden, sollten immer ganz leichte Augenringe gelassen werden.

3. Die Falten

Bei den Fältchen unter und neben den Augen (Krähenfüße) gilt ähnliches wie für die Augenringe. Die Falten sollten höchstens verkürzt und aufgehellt werden.

Dazu nutze ich ebenfalls den Kopierstempel mit kleinerem Radius und geringer Deckkraft. Vor allem die Falten, die beim Lachen entstehen, sollten mindestens andeutungsweise erkennbar bleiben.

4. Das Weiß der Augen

Um das Weiß der Augen heller zu machen, nutzen viele Kollegen den Abwedler. Das funktioniert gut. Ich hingegen mache aber eine Auswahl des Augenweiß. Den Vorteil erkläre ich später.

Je nachdem, was einfacher ist, markiere ich das Weiß links und rechts von der Pupille separat mit dem Auswahlwerkzeug. Oder ich markiere das ganze Weiß inklusive der Pupille und mache dann mit dem Kreis-Auswahlwerkzeug eine negative Auswahl, um sie wieder auszuschneiden. Dadurch wird der Rand um die Pupillen schön rund und gleichmäßig.

Wenn ich das Weiß von beiden Augen markiert habe (Um mehrere Auswahlen zu machen, wird die Umschalt-Taste gedrückt gehalten), erstelle ich eine Tonwertkorrektur als Ebenenmaske. Meist ziehe ich die den rechten Weiß-Regler von 255 auf ca. 250 und den mittleren Grau-Regler von 1,00 auf ca. 1,15.

Bei einigen Personen sind dicke rote Äderchen in den Augen zu sehen. Die werden entweder mit dem Kopierstempel entfernt. Da das oft aber an den Rändern schnell „gestempelt“ aussieht, nutze ich oft nur den »Entsättigen-Schwamm«, um das kräftige Rot abzumildern.

5. Die Pupille

Das Schwarz in der Pupille verstärke ich mit einem Abwedler-Werkzeug. Der Kreisumfang wird ungefähr der Pupillengröße angepasst, mit 0% Randdichte und ca. 10% Belichtung.

6. Die Iris

Die bunte Iris ist für die Farbe der Augen verantwortlich. Hier greife ich selten ein, meist nur bei Menschen mit brauner Iris, die oft dunkel aussieht und sich dadurch kaum von der Pupille abhebt. Diese helle ich dann mit dem Abwedle-Werkzeug auf

Wer die Augenfarbe verstärken will, kann dafür den Sättigen-Schwamm nehmen und mit einer Pinselgröße, die ungefähr der Breite der Iris entspricht, einmal den Kreis nachfahren.

7. Kontaktlinsen

Bei Models, die Kontaktlinsen tragen, ist oft der Rand der Linsen zu sehen, der wie ein dunkler Halbring auf beiden Seiten der Iris liegt. Um diesen zu entfernen, nehme ich den Kopierstempel, markiere vorsichtig diesen Halbkreis und ziehe ihn auf die weiße Augenfläche daneben, um den Rand damit zu ersetzen.

Das Ganze noch einmal – nur schneller

In der Stockfotografie geht es auch um Schnelligkeit. In der Regel müssen zig bis hunderte Fotos von einem Model bearbeitet werden, die während einer Fotosession entstanden sind.

Um sich die immer gleichen Retuscheschritte zu ersparen und damit Zeit zu gewinnen, nutze ich gerne Aktionen. Das sind im Vorfeld gespeicherte Handlungsabläufe, die auf Knopfdruck wiederholt werden.

Ich habe bei mir die Tasten F4 bis F8 mit Retuscheschritten belegt, die ich auch in dieser Reihenfolge abarbeite. Im Bereich der Augen ist das der Schritt 4, um die Augen zu weißen.

Ich brauche nur das Augenweiß zu markieren, drücke F6 und meine gespeicherte Aktion läuft ab. Diese besteht im Grunde nur aus dem Befehl »Ebenenmaske mit Tonwertkorrektur erstellen« mit den oben beschriebenen Werten.

Das ist auch der Vorteil der Markierungsmethode: Mit dem Abwedler-Werkzeug wäre so eine Automatisierung nicht möglich. Den (Um)weg über die Ebenenmaske wähle ich, falls bei einigen Fotos aufgrund der Lichtsituation die Werte keinen glaubwürdigen Look erzeugen. Mit einem Klick auf die Ebenenmaske kann ich im Nachhinein schnell die Werte individuell verschieben. Erst vor dem Abspeichern reduziere ich alle Ebenen auf die Hintergrundebene.

Robert Kneschke
(www.robertkneschke.de)