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Schlagwort: Olympus

Der Weg über die Sony RX100 zur Olympus OM-D

Posted in Theorie & Technik

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Seit 2008 fotografiere ich nun mit einer digitalen Spiegelreflexkamera im Kleinbildformat, zuerst mit der Nikon D700, jetzt mit der Nikon D600. Kameras die mit entsprechenden Objektiven beeindruckende Resultate liefern, aber aufgrund von Volumen und Gewicht keine idealen Wander- und Reisebegleiter sind. Auch in der Street Photography sind sie suboptimal – du siehst damit aus wie ein Paparazzo. Ich glaube jeder, der so eine Kamera hat, stellt ihr früher oder später eine kompakte Zweitkamera für den Alltag zur Seite.

Die erste kompakte Begleiterin für den Alltag, mit der ich wirklich zufrieden war, war die Canon S95. Sie ist klein und verdient damit auch wirklich die Bezeichnung Kompaktkamera – sie passt ganz locker in eine Jackettasche, ohne es auszubeulen. Dabei liefert sie sehr gute Abbildungsqualität, kann RAW aufnehmen und bietet alle Einstellmöglichkeiten, die man sich als ambitionierter Fotograf wünscht, in schnellem Zugriff. Bis heute sind die Modelle S95, S100 und S110 meine Empfehlung, wenn mich jemand nach einer Kompaktkamera fragt.

Abgelöst wurde die S95 bei mir von der Olympus XZ-1. Leider machte mich die in Foren, Magazinen und von Juroren so hoch gelobte Kamera absolut nicht glücklich. Zwar ist die Lichtstärke des Objektivs beeindruckend und erlaubt das Freistellen von Personen in Porträts – was von kaum einer anderen Kompaktkamera vergleichbar erreicht wird. Auf der Schattenseite liegt aber ein Objektivdeckel der lieber abfällt als hält, ein Moduswählrad das sich viel zu leicht verstellen lässt und immer falsch eingestellt ist, wenn man die Kamera aus der Tasche zieht, und dass sich für die Ansicht nach der Aufnahme kein Histogramm einstellen lässt.

Ich habe die XZ-1 mittlerweile wieder verkauft und hoffe, dass der Käufer damit glücklicher wird, als ich es war. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Prüfer, Tester und Juroren von Digitalkameras Ihre Eindrücke wohl eher aus dem Labor und von Datenblättern haben, als vom Praxiseinsatz.

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Zur einzigen Kompaktkamera, die mich, neben der Canon S95, bislang vollständig zufrieden stellen konnte, wurde letzten Sommer die Sony RX100. Sie besticht zunächst einmal durch ihr schlichtes, klares Design – eine Eigenschaft, die sie mit Canon S95/S100/S110 und Olympus XZ-1 teilt. Nimmt man sie allerdings zur Hand, hebt sie sich sogleich von den beiden anderen ab. Sie fühlt sich schwerer, metallischer und wertiger an. Ich liebe den Eindruck, den echte Materialien dem Tastsinn vermitteln. Deshalb ist mir ein iPhone aus Glas und Metall auch lieber, als ein Plastik-Handy.

Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass viele Leute – vor allem Frauen – leichte Geräte bevorzugen. Ich persönlich kann mit Plastikbombern überhaupt nicht. Besonders ekelhaft finde ich Oberflächen aus Plastik in Chrom- oder Metall-Look. Natürlich findet sich auch an der Oberfläche der RX100 Kunststoff. Dennoch findet genug Heavy Metal Einsatz um das Gefühl zu vermitteln, dass es sich hier um ein echtes Stück Hardware handelt.

Wichtiger ist natürlich was im Gehäuse steckt. Bei der RX100 ist vor allem der für eine Kompaktkamera relativ große Bildsensor hervorzuheben. Trotzdem, dass er mit 20MP in meinen Augen mit Auflösung völlig überladen ist (mir wären so etwa 12MP deutlich lieber), ist die Bildqualität tadellos und das Rauschverhalten beeindruckend gut. Deshalb habe ich einen Artikel über sie auch mit »Best Compact in the World« überschrieben.

Auch nach mehreren Monaten freue ich mich noch immer die Kleine in die Hand zu nehmen und mit ihr zu fotografieren. Ich glaube es ist für eine Kamera gar nicht so leicht mich auf Dauer zufrieden zu stellen. Doch die RX100 gibt mir keinerlei Anlass über eine mögliche Alternative auch nur nachzudenken.

Wenn ihr mich fragt, ob es auch etwas zu bekriteln gibt: Ja. Die Chromatische Aberration kann in extremen Kontrasten gelegentlich einmal etwas abenteuerlich ausfallen. Und die Brennweite beginnt am kurzen Ende bei 28mm Kleinbild – das kann die S110 mit 24mm heute besser. Was ich in einem früheren Artikel noch kritisch angemerkt habe, dass sich die Verriegelung des Batteriefachdeckels sehr leicht öffnen lässt, hat sich in der Praxis als unproblematisch herausgestellt.

Ist die RX100 nun die Kompakte, die ich jedem empfehle? Nein! Die meisten Leute, die eine Kompakte suchen, werden wohl keine 600 Euro ausgeben wollen – um dieses Geld (oder weniger) kaufen sich viele eine Einsteiger-DSLR mit Kit-Objektiv. Deshalb hört man von mir meist »Canon S110« wenn ich nach »Kompaktkamera?« gefragt werde.

Natürlich kann die RX100 nicht mit der Qualität meiner D600 mithalten – schließlich kostet die DSLR auch ohne Objektive mehr als das Dreifache. Für Schnappschüsse im Alltag ist das Belanglos. Geht es aber auf Urlaubsreise, sind mir die Möglichkeiten einer Kompakten zu eingeschränkt und es ist mir die Lücke in Sachen Detailqualität zu groß, wenn die fotografischen Bedingungen eines Motivs zu sehr vom optimalen Standard abweichen. Aus diesem Grund will ich nicht auf ein Zwischending, zwischen Nikon-KB-DSLR und Sony-Kompaktkamera verzichten. Als solches Zwischending habe ich mir 2011 die Lumix G3 gekauft – das war noch vor der RX100.

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Die Lumix G3 ist eine solide kleine Kamera und eine gute Option für alle, die mehr wollen, als eine Kompakte bieten kann, denen aber eine Spiegelreflex zu groß ist. Ich habe gemeinsam mit ihr und der ausgezeichneten Panasonic-20mm-ƒ1.7-Festbrennweite im Herbst 2012 eine zweiwöchige Rundfahrt durch Österreich bestritten und war mit den Ergebnissen durchaus zufrieden, habe allerdings oft auch gemerkt, dass ich nicht das erreiche, was mit meiner Nikon DSLR möglich gewesen wäre.

Der Einzug der Sony RX100 in meinen Kamerapark hat dann die G3 endgültig in Frage gestellt. Zwar hat die G3 durchaus einige Vorteile gegenüber der RX100 – zum Beispiel eben eine lichtstarke Festbrennweite und ein Klappdisplay – in Sachen Abbildungsqualität schneidet der Bildsensor der RX100 allerdings besser ab, als jener der G3 (das darf nicht wundern: die RX100 kostet aktuell mehr als die G3 mit Kit-Objektiv). Die Vorzüge der Lumix waren mir nicht mehr groß genug, um sie, statt der RX100, einzupacken. Also musste sie ersetzt werden.

Die Recherche nach einem neuen Zwischending haben mir dann gezeigt, wie wenig ausgereift der Markt an Systemkameras noch immer ist.

Nikons Systemkameras schieden gleich einmal aus. Zwar ist die J-Serie durchaus schick (was ich von der S nur eingeschränkt und der V gar nicht sagen würde) und die Kameras fühlen sich wirklich gut und wertig an. Aber sie sind doch eher für den unbedarften Fotografen konzipiert, dem Kompaktkamera nicht mehr reicht und der Objektive wechseln möchte. Für diese Zielgruppe finde ich die Nikon 1 eine absolut zu beachtende Option. Wenn man allerdings, wie ich, direkten Zugriff auf Belichtungsmodi, ISO, Schärfe etc. haben möchte, dann ist das System uninteressant.

Bei den Lumix-Modellen, auf die ich von der G3 her aufsteigen hätte können, habe ich Probleme mit der Optik – ich finde sie schlicht hässlich. Mein Zwischending sollte auch ein bisschen Schick aussehen, und nicht wie eine verkleinerte DSLR, die aufgeblasen wurde.

Olympus OM-D E-M1

Die Olympus OM-D spukte mir im Kopf herum, seit das erste Bild von ihr an die Öffentlichkeit sickerte. Dass sie einen klaren Aufstieg gegenüber der G3 darstellt steht außer Zweifel. Nur machte ich bereits mehrfach negative Erfahrungen mit Olympus. Meine erste DSLR hätte eine Olympus werden sollen. Doch aufgrund von Mängeln in der Benutzerführung bin ich bei Nikon gelandet. Später habe ich mir eine Olympus-Kompakte gekauft, weil es eines der ersten Kompaktmodelle mit 24mm Weitwinkel war. Doch die Bildqualität war dermaßen grottenschlecht, dass ich sie nach einem Wochenende eingetauscht habe – auch hier machte dann Nikon das Rennen. Und dann war da natürlich auch noch die RZ-1, die mich ebenfalls enttäuschte. Wären da nicht meine positiven Eindrücke aus analoger Zeit und meine Erfahrung mit der Olympus-SP-350-Kompaktkamera von 2006 gewesen, hätte die Marke bei mir wohl schon jegliche Sympathie verspielt. Das verbleibende bisschen Sympathie und die Begeisterung, mit der viele über die OM-D berichteten reichten aus, die OM-D als Kandidatin im Auge zu behalten.

Die einzige ernsthafte zweite Alternative sah ich in einer Sony NEX. Zunächst einmal die NEX-7 und NEX-6. Der Vergleich beim Fachhändler und die Berichte, die ich über die Kameras recherchiert hatte, ließen am Ende die NEX-6 zur Kandidatin werden.

Meine Eindrücke der Geräte im Vergleich: Zunächst einmal ist die OM-D viel kleiner, als sie auf Bildern aussieht. Kein Foto vermittelt einen brauchbaren Eindruck davon, wie klein das Gerät ist. Dass Fotos diesbezüglich ganz schrecklich trügen, hatte ich schon öfters bemerkt. Die Olympus Pen E-PL3 ist in Natura größer, als sie auf Bildern aussieht. Dasselbe gilt für die Fuji X-PRO1. Umgekehrt ist die G3 in Natura kleiner, als sie auf Bildern rüber kommt. Und wie klein Pentax’ Q-Modelle sind kann man sich unmöglich vorstellen, bevor man nicht eine physikalisch vor Augen hatte.

Auch das 12–50mm-Kit-Objektiv der OM-D entpuppt sich in Real als überraschend kleiner, als man es nach Fotos erwartet hätte. Diese Überraschung wiederholt sich mit jedem Zubehörteil. So musste ich zum Beispiel lachen, als ich ein 45mm-ƒ1.8-Objektiv aus seiner Verpackung schälte, weil es so klein und niedlich aussieht.

So sehr man über das Volumen überrascht ist, wenn man die Geräte vor Augen hat, so sehr ist man als nächstes vom Gewicht überrascht, wenn man die OM-D in die Hand nimmt. Sie ist außerordentlich schwer und vermittelt einen robusten und wertigen Eindruck. Wie gesagt: Ich mag das!

Die OM-D wirkt dabei nicht nur wertig, sie sieht auch unheimlich schick aus, hebt sich optisch von allem anderen ab, was auf dem Markt ist, und vermag zu begeistern. Kaum jemand der nicht von ihr angetan ist wenn er sie live sieht.

Doch das schicke Gehäuse zeigt auch gleich einmal etliche Schwächen. So liegt es zum Beispiel alles andere als gut in der Hand. Ein Griff für die Finger ist mehr angedeutet, als physikalisch vorhanden. Hier punkten die Sony NEX-Modelle mit ihren ausgeprägten Girffen. Allerdings sei gleich einmal angemerkt, dass die Sony-Modelle in Sachen Haptik der OM-D das Wasser nicht reichen können. Im Vergleich wirken sie wie aus billigem Plastik gefertigt.

Zwei Einstellräder an der Oberseite sind das, was man sich wünscht. Die NEX-6 bietet das so nicht. Die Position des hinteren Rades ist allerdings etwas fragwürdig ausgefallen. Zwar lassen sich beide Räder exzellent bedienen, wenn man mit Live-View arbeitet, nimmt man jedoch den Sucher ans Auge, wird es kritischer. Ich kann nur mit dem linken Auge am Sucher arbeiten. Doch mit dem Sucher am linken Auge muss man den Daumen schon ziemlich verrenken um das hintere Einstellrad zu erreichen.

Bei den Tasten für Bildwiedergabe und FN1 fragt man sich ob diese nicht größer hätten ausfallen dürfen. An die schwammige Bedienung der Tasten gewöhnt man sich rasch – das dürfte wohl der wetterfesten Abdichtung geschuldet sein. Doch das Volumen der Tasten hätte sich sicher auch anders realisieren lassen.

Etwas schwammig finde ich auch das Bedienkonzept der OM-D. Natürlich ist man als Nikon-User das Bedienkonzept von Nikon gewöhnt. Doch Canon-Kompaktkameras, Sony-Kameras und auch meine Lumix erschlossen sich mir immer recht intuitiv. Von der OM-D kann ich das nicht behaupten. Ich scheiterte bereits daran Live-View zu aktivieren, ohne, dass der Händler Google bemühte. Es stellte sich heraus, dass der Knopf zum Umschalten seitlich am Sucher versteckt ist – so, dass er unsichtbar ist, wenn man die Kamera im rechten Winkel von hinten anschaut. Gut: Etwas ähnliches kenne ich auch vom Knopf um die AF-Modi bei manchen Nikon-DSLRs zu wechseln – dieser ist im Kippschalter für den AF/MF-Wechsel versteckt.

Die OM-D scheint eine Kamera, die polarisiert. Sie hat sogar mich polarisiert. Sie zeigt so viel Licht und Schatten, dass ich mich beim ersten Besuch beim Fachhändler nicht zu ihr durchringen konnte. Beim Vergleich OM-D mit NEX-6 hätte die Sony das Rennen gemacht.

Das NEX-System hat in meinen Augen aber ein großes Problem: Die Kameras wären toll, wenn man keine Objektiv bräuchte. Natürlich gibt es Standard-Zooms mit denen der Hobby-Fotograf zufrieden ist. Ich zweifle aber daran, dass man damit aus den Sensoren herausholt, was in ihnen steckt. Dazu braucht es Premium-Linsen. Und damit wird es dann schwierig.

Sony baut extrem kleine Bodys für das NEX-System. Aber die Objektive sind kaum kleiner als jene, für eine DSLR. Ich habe eine (teure) DSLR (mit teuren Objektiven). Wenn ich maximale Qualität erreichen will, dann gehe ich mit ihr auf den Weg. Meine Systemkamera soll in Sachen Abbildungsqualität möglichst nahe an die DSLR-Ausrüstung heran kommen, aber viel kompakter sein. Und da ist bei NEX der Ofen aus. Die Objektive sind entweder nicht hochwertig, nicht lichtstark, nicht kompakt, nicht billig oder haben eine Brennweite, mit der ich nichts anfangen kann. Oder es ist ein Mix aus allen diesen Eigenschaften.

Ich konnte kein einziges Objektiv entdecken, das mich für das NEX-System wirklich gereizt hätte. Das kompakt, lichtstark und leistbar in einem ist. Deshalb kam eine NEX am Ende dann doch nicht in Frage. Olympus ist in Sachen Objektive deutlich besser aufgestellt, da auch Objektive von Panasonic kompatibel sind.

Samsung hat im Grunde dasselbe Problem, wie Sony: Ich sehe kein interessantes Objektiv-Angebot. Pentax baut seltsame Systemkameras. Zu klein oder zu groß. Und Fuji X-Pro? Die X-Pro1 ist mir zu groß und hat ein Problem mit der RAW-Entwicklung. Sie gibt zwar wunderbare JPEGs aus, soweit ich gesehen habe. Aber wenn man RAW entwickeln will, ist man mit einem Modell mit klassischem Bayer-Matrix-Sensor besser bedient (trotzdem habe ich die X-E1 kurz in die Hände genommen und war bitter enttäuscht: sie ist relativ groß, aber leicht und vermittelt den Eindruck eines billigen Plastik-Produkts).

Ich habe meinen Fachhändler zweimal wieder verlassen, ohne dass ich mich für ein Modell entscheiden konnte. Ich konnte mich für kein Modell richtig begeistern. Rationell betrachtet musste es die OM-D werden, wenn ich tatsächlich ein Modell zwischen D600 und RX100 wollte. Eine Alternative sah ich nicht. Doch aufgrund der fehlenden Begeisterung fürchtete ich, dass ich mich nicht mit ihr anfreunden könnte.

Nach einer Nacht darüberschlafen habe ich die OM-D dann doch gekauft und zwar den Body alleine mit einem 45mm-ƒ1.8-Objektiv. Dieses ist wie beschrieben schön kompakt, lichtstark, hat vorzügliche Abbildungsleistungen, ein schönes Bokeh und ist mit etwa 300 Euro recht preiswert. Außerdem werde ich mein 20mm-Panasonic-ƒ1.7 weiter verwenden – ein Objektiv, das ich sehr schätze. Anschließend fehlt dann nur noch eine 12mm Festbrennweite.

Die Begeisterung für die OM-D ist in der praktischen Anwendung dann doch recht schnell gekommen. Hat man sich an das Bedienkonzept gewöhnt lässt es sich schnell und effizient mir ihr arbeiten. Das Klapp-Display erleichtert ungewöhnliche Perspektiven. Es ist ein Touch-Display. Allerdings ist es nicht das System des G3-Displays, das auf Druck reagiert und zuweilen etwas zäh auslöst, sondern eines, wie beim iPhone. Das fühlt sich spontaner an.

Ich glaube es war dprevie.com, die es etwas ironisch fanden, dass sich das OM-D-Display mit Handschuhen nicht bedienen lasse, wo sie doch durch ihre Spritzwasserabdichtung für die Arbeit bei frostigen Wetterbedingungen prädestiniert sei. Es ist eben wie beim iPhone: Es braucht die Berührung der Haut, oder aber eines Handschuhs, der an den spitzen mit einer speziellen Oberfläche versehen ist. Die G3 reagiert auf Druck und ist somit auch mit Handschuhen auslösbar. Theoretisch! Praktisch kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das G3-Display mit Handschuhen wirklich effizient bedienen lässt. Schon mit den Fingern führt das Auslösen über das Display immer zu einer merklichen Verzögerung, weil du erst den Druck ausüben musst. Bei der OM-D ist das eine Berührung und – »Zack!« – ausg’löst is! Mit Handschuhen wird die Schwammige Bedienung der G3 sicher noch schwammiger.

Die OM-D über das Display auszulösen ist eine echte Freude. Du hast wirklich die Aufnahme in dem Augenblick an dem Punkt scharf auf den du gerade mit dem Finger getippt hast. Die OM-D ist nämlich wirklich schnell. Bei allem Schatten ist das der Punkt, der begeistern kann. Mit guten Objektiven erzielt sie sehr spontan Aufnahmen in beachtlicher Abbildungsqualität. Nach den ersten beiden Tagen der Anwendung ist es zwar noch etwas früh ein Resume zu ziehen, aber ich habe den Eindruck, dass sie wirklich eine kompakte Systemkamera ist, die in Sachen Qualität der D600 das Wasser reichen kann. Eine Kamera, mit der ich auf Reisen die DSLR nicht vermissen werde.

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Die Suche nach der Street- und immer-dabei-Kamera

Posted in Fotografie

Seit vielen Monaten treibt mich die Suche nach einer kompakten immer-dabei-Kamera um. Gewöhnlich fotografiere ich mit der Nikon D700. Ein tolles Arbeitsgerät, aber zum Mitnehmen etwas klobig. Besonders wenn man auch noch entsprechende Objektive anschraubt.

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G’scheiter Brocken, die Nikon D700; Bild: © Nikon GmbH

Kompaktkameras und das Schärfentiefe-Problem

Zuletzt hatte ich gehofft in der Powershot S95 beziehungsweise Powershot G12 die Antwort auf meine Bedürfnisse gefunden zu haben. Die zwei Kleinen von Canon sind klasse Kompaktkameras, deren Qualität kaum etwas zu bemängeln gibt, so lange man berücksichtigt, dass sie nur etwa die Hälfte einer Einsteiger-DSLR mit Objektiv kosten. Wäre da nicht der kleine Sensor!

Das Problem ist weniger das Rauschen, wie wohl Viele vermuten würden, sondern vielmehr der kaum vorhandene Spielraum bei der Schärfentiefe. Blendenvorwahl hin und manuelle Einstellung her. Wenn ich bei 50mm Brennweite, Blende ƒ2.8 und 6m Entfernung bereits eine Schärfentiefe von 1,5m habe, dann lässt sich damit kaum mehr etwas Freistellen oder kreativ mit der Schärfentiefe gestalten. Zum Vergleich: Die Nikon D700 hat mit denselben Einstellungen eine Schärfentiefe von 26cm. (Sollte das jetzt ein spanisches Dorf sein, dann verschafft vielleicht mein Artikel über Sensorformate uns Schärfentiefe mehr Klarheit.)

Was meine immer-dabei-Kamera können soll

Wonach ich konkret suche? Nach einer Kamera für unterwegs mit Eignung zur Street Photography. Das heißt: Klein, leicht, unauffällig und leise. Allerdings mit all den Einstellmöglichkeiten, die man von einer Profi-DSLR gewohnt ist. Bei meiner D700 heißt das zwei Einstellräder, um Blende und Zeit beim Fotografieren im manuellen Modus rasch justieren zu können. Außerdem schätze ich eine AF-On-Taste. Je mehr Einstellungen über Hardware-Knöpfe vorgenommen werden können, desto besser. Menügeführte Einstellungen scheinen mir immer ein Klotz am Bein zu sein.

Dann bin ich es gewöhnt mit meinen DSLRs über den Sucher zu fotografieren. Die Vorstellung, eine Kamera mit mehr oder weniger ausgestreckten Armen vor meinen Kopf zu halten, gefällt mir absolut nicht. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich mir kaum eine Kamerahaltung vorstellen kann, bei der es schwieriger ist die Kamera ruhig zu halten. Wenn schon über Display fotografieren, dann ziehe ich es vor die Kamera vor meine Brust oder meinen Bauch zu halten, wie es mit einem Klappdisplay möglich ist. Überhaupt habe ich mit der Powershot G12 die Qualitäten eines Klappdisplays wieder sehr zu schätzen gelernt – es macht ungewöhnliche Perspektiven einfach einfacher.

Street Photography Enthusiasten werden jetzt anmerken, dass ich mir doch eine Leica M9 kaufen soll, wenn ich eine kompakte, professionelle Kamera mit großem Sensor und Sucher suche. Aber ehrlich: 5000 Euro für eine Zweitkamera will ich mir einfach leisten.

Kompakte mit großem Sensor und fixem Objektiv

Was am Markt bisher so gut wie nicht vorhanden ist, sind Kompaktkameras mit mit Sensoren in einem Format, wie sie in Spiegelreflexkameras verbaut werden. Zwei der wenigen Ausnahmen sind die Fuji X100 und die DP-Serie von Sigma. Leider sind die Geräte hier zu Lande schwer für Tests in die Finger zu bekommen. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich mit beiden Konzepten nicht so ganz anfreunden kann, auch die Geräte sicherlich hervorragenden Qualitäten haben.

Fuji x100 Fuji Finepix X100; Bild: © Fuji Deutschland
Sigma dpx2 Sigma DP2X; Bild: © Sigma Deutschland

Systemkameras

Interessant sind natürlich die sogenannten Systemkameras. Das sind Kameras, bei denen man die Objektive wechseln kann, die aber nicht über einen optischen Sucher verfügen, wie eine Spiegelreflexkamera. Solche Systeme werden heute im Wesentlichen von Olympus, Panasonic, Sony und Samsung angeboten.

Panasonics G-Modelle

Bei Panasonic findet man derzeit drei Modelle im besonders kompakten Micro FourThirds-Standard. Die G3 ist die Größte im Trio und erinnert im Design an eine SLR. Sie hat auch tatsächlich einen Sucher, der allerdings nicht optisch funktioniert, sondern über ein hochaufgelöstes, elektronisches Display im Inneren. Alternativ kann man allerdings auch über ein Klappdisplay fotografieren, das als Besonderheit Touch-Funktion bietet. Es kann also wie ein Smartphone mit dem Finger am Display bedient werden.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich eine Kamera über ein Touchdisplay trotz menügeführter Bedienung effizient einstellen lässt. Im Gegensatz zu Menüs, durch die man sich über Info-, Funktions-, Set-, Menü-, Kipp- und Drehtasten quälen muss. Leider ist die G3 nicht wirklich wesentlich kompakter als meine kleine DSLR.

Als Alternative bietet Panasonic die Lumix GF2 und die noch kleinere GF3 an. Allerdings haben beide weder einen Sucher, noch ein Klappdisplay und sind über ein paar Steuerungstasten menügeführt zu bedienen. Ohne Touch-Display!

Panasonoc Image DMC GF2k Panasonic Lumix GF2; Bild: © Panasonic Deutschland

Was mit beim Stöbern im Angebot von Panasonic aufgefallen ist: Auf der Panasonic-Homepage merkt man, dass man bei einem Anbieter von Unterhaltungselektronik ist, der auch Kameras im Programm hat. Im Gegensatz zu den Websites von Olympus, Sigma und Nikon, wo man spürt, dass Kamerablut durch die Kabel fließt, fühlt man sich speziell bei Panasonic als Fotograf nicht ganz ernst genommen. So ist es mir zum Beispiel bei einem Objektiv nicht gelungen herauszufinden, was für eine Naheinstellgrenze es hat. Auch nicht nach Herunterladen des Datenblattes. Ähnliches empfindet man übrigens auch, wenn man Sony besucht. Auch hier ist Fotografie ein Thema von vielen.

Sonys NEX-System

Sony hat vor einiger Zeit mit der NEX-Reihe eigene Systemkameras auf den Markt gebracht und sehr erfolgreich eingeführt. Leider ist das Angebot an Objektiven für dieses System noch mehr als überschaubar. Die einzige für mich infrage kommende Brennweite stellt ein 16mm Objektiv (24mm KB) dar. Allerdings haut mich eine Lichtstärke von ƒ2.8 wirklich nicht aus den Socken.

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Sony NEX 5; Bild: © Sony Europe

Limited

Andererseits hat Sonys NEX den Vorteil mit einem Klappdisplay ausgestattet zu sein. Deshalb wollte ich ein solches Gerät schon einmal in die Hand nehmen, bevor ich es als für mich ungeeignet abhake. Allerdings haben meine Versuche die Kamera zu bedienen mein Vorurteil bestätigt, dass menügeführte Kamerabedienung für einen ambitionierten Fotografen keine Lösung ist.

Ich habe versucht der Kamera Einstellungen beizubringen, wie ich sie von einer DSLR her gewohnt bin. Leider bin ich kläglich gescheitert. Natürlich habe ich dazu kein Handbuch in die Hand genommen. Erschließt sich die Bedienung einer Kamera nicht von selbst, sollte man eher die Finger von ihr lassen. Jedenfalls, wenn man schon einige Kameras bedient hat. Als Einsteiger kommt man wohl nicht drumherum, einmal ein Handbuch zu lesen. Aber erfahrenden Fotografen sollte sich die Bedienung einer Kamera intuitiv erschließen. Es ist wie mit einem Auto: Es darf nicht so gestaltet sein, dass jemand der Autofahren kann, nicht damit fahren kann. Licht, Blinker, Scheibenwischer, Gas, Bremse, Warnblinker – alles muss sich an gewohnten Plätzen befinden und klar zu finden sein.

Dass ich eine Nikon bedienen kann ist klar. Schließlich fotografiere ich lange genug mit Nikon und ein Buch über eine Nikon zu schreiben hat auch geholfen. Doch auch mit den kompakten S95 und G12 von Canon bin ich sofort und ohne Blick ins Handbuch klargekommen. Die Menüführung der NEX5 hingegen hat sich mir nicht intuitiv erschlossen. Ich vermute einmal, dass Sony die NEX-Kameras dermaßen darauf getrimmt hat, Laien rasches Point-and-Shoot-Fotografieren zu ermöglichen, dass alles, was der erfahrene Fotograf sucht, aus dem Weg geräumt wurde. Diesen Eindruck hatte ich übrigens auch bei der Lumix GF2.

Samsungs NX100

So wie Panasonic, hat auch Samsung Systemkameras in SLR- und Kompaktkamera-Design im Programm. Die kompakte Variante heißt NX100 und ist mit durchaus interessanten Features ausgestattet, wie dem iFunction-Button. Man drückt eine Taste am Objektiv und kann dann verschiedene Einstellungen über einen Ring am Objektiv verändern. Das klingt sehr interessant und verlockend. Ob es sich in der Praxis bewährt ist natürlich eine andere Frage. Leider ist auch hier die Auswahl an Objektiven überschaubar und deren Lichtstärken hauen einen verwöhnten Nikon-Fotografen auch nicht um.

Olympus’ Pen-Modelle

Frischen Wind bringen nun die vor wenigen Tagen vorgestellten neuen Modelle der Olympus Pen-Serie. Die Olympus Pen-Reihe ist seit mehreren Jahren auf dem Markt. Die Pens lassen sich so bedienen, wie man es als routinierter Fotograf von einer Kamera erwartet. Bisher hat mich allerdings gestört, dass es weder eine Pen mit Sucher gab – außer einem teuren elektronischen Sucher zum Aufstecken, noch eine mit Klappdisplay.

Mit der Pen E-PL3 hat Olympus nun eine Kamera vorgestellt, die das bewährte FourThirds-System nutzt, eine Klappdisplay hat und insgesamt durchaus vielversprechend zu werden scheint.

Mir gefällt an der E-PL3 vor allem das schlichte und schicke Design, das auf Retro verzichtet und äußerst unauffällig daher kommen dürfte. Das Problem von NEX und NX100, ein zu knappes Objektiv-Angebot zu bieten, kann man dem FourThirds-Standard nicht nachsagen. Schließlich passen auch Panasonic-Objektive auf die Olympus FourThirds-Kameras und sogar Sigma bietet bereits Objektive mit FourThirds-Anschluss. Besonders interessant für Street Photography Ambitionierte: Das ebenfalls neu vorgestellte 12mm (24mm KB) ƒ2.0 mit manueller Fokussierung und Schärfentiefeskala.

Schade allerdings, dass die E-PL3 – anders als die E-P3 – keine zwei Einstellräder und auch kein TouchDisplay bietet. Da kommen mir wieder Bedenken bezüglich einer raschen und effizienten Bedienung. Allerdings kann ich es nicht erwarten die Geräte in die Hand zu bekommen und auszuprobieren, wie die Bedienung funktioniert und wie sie sich anfühlen.

Und was machen Nikon und Canon? Derzeit ist nichts von kompakten Systemkameras aus den Häusern der beiden Platzhirschen zu hören. Manche haben den Eindruck hier würden die Marktführer den Trend verschlafen. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass sie ihre Konzepte einfach besonders gut durchdacht entwickeln um Lösungen auf den Markt zu bringen, wie man sie von ihnen erwartet und mit denen auch professionelle Fotografen zufrieden sind.

Super Zoom! Aber wozu?

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In letzter Zeit sind wieder ordentlich zoomstarke Kompaktkameras, Bridgekameras und Superzooms auf den Markt gekommen. Die Hersteller überbieten sich mit Brennweitenbereichen. Da bringt Nikon eine P90 auf den Markt, die von 28–624mm reicht (umgerechnet auf Kleinbildformat). Olympus bietet sogar mit SP590-UZ ein Modell von 26–676mm an!

Früher fand ich den Gedanken an solche Boliden auch Geil. Mit beinahe 700mm Brennweite, da müsste man doch in der Lage sein die Schuhbändel vom Mann im Mond zu fotografieren. Wer aber wirklich einmal versucht hat mit langer Brennweite eine Vogel in ein paar Dutzend Meter Entfernung auf den Sensor zu bannen, wird wissen, wie schnell ein paar Meter Abstand ein paar Millimeter Brennweite überfordern können – auch wenn es 700mm sind. Gerade wer darauf aus ist, mit langen Rohren kleine Objekte zu jagen, wird seine Brennweitenträume schnell von der banalen Wirklichkeit eingeholt sehen. Aber eigentlich ist die Relativität von Brennweite noch das kleinere Problem an solchen Zoomgiganten. Das Problem ist vielmehr, dass sich mit Kompaktkameras mit langen Brennweiten nur selten gute Aufnahmen erzielen lassen. Das hat mit Atmosphäre und Licht zu tun.

Da ist einmal das Problem, dass man, je länger die Brennweite, desto mehr Licht benötigt. Leider lässt ein Objektiv desto weniger Licht zum Sensor, je länger die Brennweite ist. Das Resultat: Bei den extremen Verlängerungen mit Zoomriesen lassen sich nur unter äußerst hellen Lichtbedingungen einigermaßen unverwackelte Aufnahmen erzielen. Am besten bei strahlenden Sonnenschein. Leider ist strahlender Sonnenschein aufgrund harter Licht-Schatten-Kontraste nicht unbedingt der Freund gelungener Aufnahmen.
Der zweite Feind guter Aufnahmen auf weite Distanzen ist die Atmosphäre. Je größer die Distanz, desto mehr sorgt die Atmosphäre dafür, dass Aufnahmen milchig, flau und kontrastarm werden.

Es gibt sicher Aufnahmesituationen, in denen eine Kompaktkamera mit langer Brennweite gute Ergebnisse erzielen kann. Ich vermute aber, dass hinter dem Trend zu Kameras mit superlanger Brennweite in erster Linie die volkstümliche Weisheit »Viel hilft viel« steckt. Und darüber hinaus Unwissenheit.

Ich vermute, dass viele Käufer von Superzoomkameras von den Resultaten der Geräte enttäuscht sein werden und die Lust am Fotografieren verlieren.

Entgegen dem Trend zum langen Telezoom scheint es aber auch einen Trend zum Weitwinkel bei Kompaktkameras zu geben – eine Entwicklung, der ich viel mehr abgewinnen kann. Weitwinkel werfen viele Probleme von Superzooms gar nicht auf. Man ist oft in der Lage auch mit günstigen Modellen beeindruckende Landschafts- und Städteaufnahmen zu machen, und man bekommt vor allem dort mehr Action aufs Bild, wo Kompaktkameras vor allem daheim sind: Auf Partys und überall wo Leute zusammen kommen.

Vollformat oder Crop?

Posted in Fotografie

Bei picspack.de fand ich dieser Tage einen Artikel mit dem Titel »Vollformat vs. Crop«. Zur kurzen Erklärung worum es geht: Zu Zeiten der analogen Fotografie – also dem Aufzeichnen der Bilder auf Film – hatte sich für Normalverbraucher-Kameras das sogenannte Kleinbildformat (KB-Format) durchgesetzt: 36x24mm. Das Format der Sensoren in digitalen Spiegelreflexkameras ist in der Regel kleiner, als das Format des Films in analogen Spiegelreflexkameras – bei Nikon 23,6×15,7mm, bei Canon 22,2×14,8.

Welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt soll im Moment nicht Thema dieses Artikels sein. Was mich interessiert: Wird das Vollformat kommen und die kleineren Formate verdrängen? Ich behaupte: Ja.

Dabei halte ich es für müßig die Frage auf Basis der reinen Vernunft beantworten zu wollen. Der Umstieg von den kleineren Sensoren auf das jetzt als Vollformat bezeichnete Kleinbildformat bedeutet, dass die meisten Objektive die wir in den letzten Jahren für digitale SLR-Kameras gekauft haben, für das größere Format bestenfalls noch suboptimal sind. Für die Kamerahersteller natürlich ein Traum! Sie können uns all die teuren Zoom-, Fixbrennweiten- und Makroobjektive, die wir in den letzten Jahren für die kleinen Sensoren gekauft haben, neuerlich verkaufen – diesmal für das Vollformat. Für uns Konsumenten wird das in erster Linie teurer. Ob die Vorteile, die das größere Format mit sich bringt, diese Investitionen rechtfertigen, mag ich bezweifeln.

Nach vernünftigen Maßstäben mag es also sinnvoll sein, das mit der digitalen Spiegelreflexfotografie eingeführte Format zu behalten (ich betone das »mag«, denn es gibt auch genügend Argumente die für die Rückkehr zum Standard 36x24mm sprechen). Dennoch bin ich mir sicher, dass sich das KB-Format in den nächsten ein bis drei Jahren gegenüber den kleineren Formaten durchsetzen wird.

Das wichtigste Argument, welches die Massen des Marktes hin zum KB-Format bewegen wird lautet nämlich: Viel hilft viel.

Zwar wissen wir, dass das Nonsens ist, aber dennoch funktioniert der Markt genau nach diesen Maßstäben. Das haben wir in den vergangenen zwei Jahren sehr schön bei den digitalen Kompaktkameras gesehen. Der Konsument bewertet die Qualität einer Kamera nach der Anzahl der Megapixel. Mehr Megapixel = bessere Kamera. Stimmt aber absolut nicht! Ganz im Gegenteil. Für die kleinen Sensoren von Kompaktkameras sind mehr als sechs Megapixel Gift (siehe www.6mpixel.org). Das weiß der informierte Leser und das wissen die Kamerahersteller.

Dennoch haben Nikon, Canon, Olympus und Konsorten längst keine Kamera mit sechs Megapixel mehr im Programm, sondern bieten sieben, zehn und zwölf Megapixel-Modelle. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten, sondern weil sie auf ihren Modellen mit geringerer Auflösung sitzen bleiben würden. Fuji war der letzte Mohikaner, der noch ein Sechsmegapixelmodell angeboten hat. Aber auch Fuji hatte wohl trotz aller Vorbehalte keine Lust mehr Ladenhüter zu produzieren, und deshalb hat heute auch dieser Hersteller keine Kompaktkamera mit vernünftiger Auflösung mehr im Programm.

Und genau dies wird in den kommenden Monaten auch beim Format der Sensoren passieren. Viel hilft viel. Also sind größere Sensoren auch automatisch besser als weniger große. Noch vor wenigen Wochen (und ich meine wirklich ganz, ganz wenige Wochen) habe ich mit Fachleuten, die im Umfeld von Kameras ihren Lebensunterhalt bestreiten, darüber diskutiert, ob denn das Vollformat nun komme oder nicht. Beide Experten betonten, dass es nicht vernünftig wäre, im Consumer-Bereich (also bei Kameras für Otto-Normalverbraucher) auf KB umzusteigen. Beide meinten, dass das KB-Vollformat eine Domäne der professionellen Boliden bleiben werde.

Das Erscheinen der Nikon D700 straft nun aber diese Ansicht einen Irrtum. Nachdem Canon schon länger mit der 5D eine einigermaßen erschwingliche DSLR mit Vollformat im Programm hat, bedient nun auch der zweite Platzhirsch den Markt mit einer semiprofessionellen Kamera mit Vollbild. Sony wird sicher bald folgen.

Natürlich ist der Einzug des KB-Sensors in der semiprofessionellen Klasse nur der Anfang einer Entwicklung, an dessen Ende »alle« DSLR-Kameras einen Sensor im Format 36x24mm haben werden. Ausnahme könnte am Ende wohl einzig der Four-Thirds-Standard von Olympus und Panasonic sein.

Der Wechsel zurück zum KB-Standard dürfte schmerzhaft werden für alle – mich eingeschlossen –, die in den vergangenen Monaten für das kleinere Format optimierte Objektive gekauft haben. Neue Objektive werden langfristig unumgänglich sein, und für den Bestand der Optiken für die kleineren Sensoren wird der Gebrauchtmarkt wohl keine Spitzenpreise mehr zulassen.

Bleibt zu hoffen, dass sich am Ende wenigstens das KB-Format wieder als Standard über Marken- und Systemgrenzen hinweg etablieren wird, und wir vor allem innerhalb eines Systems wieder Optiken haben, die sowohl auf Einsteiger- wie auch auf Profikameras ihr Bestes geben.