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Schlagwort: Nikon

Nikon 1 – Überrascht?

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Nikon 1 J11 Nikkor 10 Pancake WH
© Nikon

Wenn ich mir Reaktionen über Nikons neues Kamerasystem mit dem schlichten Namen 1 ansehe, dann scheinen die meisten Beobachter überrascht zu sein und die wenigsten davon positiv.

Nikons neues System baut auf einen Sensor, der mit 13,2×8,8mm deutlich kleiner ist, als das übliche Format für Amateur-Spiegelreflexkameras, 16×24mm (mit dem auch die Systemkameras von Sony und Samsung ausgestattet sind), und das im Profi-Bereich übliche Kleinbildformat (Vollformat), mit 24×36mm. Allerdings ist das Format auf der anderen Seite doch deutlich größer als die größten Bildsensoren, die derzeit in Kompaktkameras verbaut werden – ca. 7,3×5,7mm.

Nun ist natürlich ein kleinerer Sensor technisch und bildgestalterisch ein unbestreitbarer Nachteil. Zum einen verschlechtert sich das Rauschverhalten bei schwachem Umgebungslicht und entsprechend erhöhten ISO-Werten. Viel dramatischer wiegt aber, dass das Spiel mit geringer Schärfentiefe nur eingeschränkt möglich ist, was jedoch wertvoll wertvoll wäre um die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt zu lenken. Wer daran jedoch seine gesamte Kritik am Nikon 1 System aufhängt, denkt zu kurz.

Wer von einer Kamera einen großen Sensor erwartet, muss eine große Kamera in Kauf nehmen. Zwar hat das Nachteile beim Transport, aber ambitionierte Fotografen wissen, dass die Vorteile einer großen, griffigen und satt in der Hand liegenden Kamera für komfortables Fotografieren ohnehin unverzichtbar ist.

Klar ist es möglich Kameragehäuse heute auch mit größeren Sensoren sehr kompakt zu gestalten. Doch von der Größe des Sensors hängt auch die Größe des Objektivs ab und dessen Volumen lässt sich nicht so leicht schrumpfen. Was aber soll ein winziges Kameragehäuse bringen, wenn das Objektiv groß ist?

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© Samsung

Das Ziel aktueller Systemkameras ist vor allem Geräte mit Wechselobjektiven im kleinen Volumen anbieten zu können. Wer eine Kamera mit einem großen Sensor, und dafür angemessene Objektiv nutzen will, ist mit den aktuellen Spiegelreflexmodellen besser bedient. Man muss auch nicht über Cabrios mosern, nur weil man die Vorteile von Kombis schätzt.

Nikons Entscheidung, das neue System mit einem verhältnismäßig kleinen Bildsensor auszustatten, ergibt durchaus einen vernünftigen Sinn, wenn man ein paar Jahre in die Zukunft denkt.

In den letzten Monaten sind immer mehr Kameras mit elektronischen Suchern auf den Markt gekommen. Die aktuellen Modelle haben gegenüber optischen Suchern noch Nachteile. Aber sie haben auch bereits Vorteile. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis die Nachteile durch technische Weiterentwicklung ausgemerzt werden können. Schon wird diskutiert, dass elektronische Sucher in nicht allzu ferner Zukunft die optischen Sucher verdrängen könnten. Das heißt also aus mit Spiegelreflex.

Eine Kamera mit elektronischem Sucher ohne Spiegel ist eine Systemkamera. Wenn also Nikon in einigen Jahren seine semiprofessionellen und professionellen Modelle nur mehr mit elektronischem Sucher ausstatten sollte, dann wäre jede Nikon eine Systemkamera. Das heißt die aktuellen Nikon DX- und FX-Spiegelreflexkameras würden sich linear und fließend zu DX- und FX-Spiegelreflexkameras entwickeln. Welchen Sinn würde es für Nikon (und den Anwender) dann machen, parallel ein zweites System zu fahren, mit den mittelgroßen DX- oder großen FX-Sensoren?

Vor diesem Blick in eine durchaus wahrscheinliche Zukunft beginnt das neue Nikon 1 System plötzlich einen klaren Sinn zu ergeben. Wer einen großen Sensor für seine Arbeit wünscht und braucht, wird weiterhin auf Nikon FX-Modelle setzen können und kann alle Objektive der letzten fünfzig Jahre nutzen. Wer mit etwas weniger auskommt, kann die DX-Reihe mit kleineren Bildsensoren und preiswerteren Objektiven nutzen, kann ebenso alle Objektive seit den 1950er Jahren ansetzen und auch die hochwertigen und teuren FX-Objektive verwenden.

Für jene, die vor allem eine kleine Kamera, zum komfortablen mitnehmen, suchen gibt es nun das neue CX-System der Nikon 1. Zwar kann der Fotograf auch hier mittels Adapter DX- und FX- und alle Objektive der letzen fünfzig Jahre nutzen, aber – he! – das ist eigentlich nur eine mögliche Option, nicht der wirkliche Zweck der Kamera. Der Zweck der Nikon 1 ist es vor allem klein zu sein und diesen Zweck erfüllt das neue System perfekt. So wie ein Cabrio seinen Zweck erfüllt. Wer Ladefläche mit Dach sucht, muss sich halt bei den Kombis umsehen.

Die Suche nach der Street- und immer-dabei-Kamera

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Seit vielen Monaten treibt mich die Suche nach einer kompakten immer-dabei-Kamera um. Gewöhnlich fotografiere ich mit der Nikon D700. Ein tolles Arbeitsgerät, aber zum Mitnehmen etwas klobig. Besonders wenn man auch noch entsprechende Objektive anschraubt.

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G’scheiter Brocken, die Nikon D700; Bild: © Nikon GmbH

Kompaktkameras und das Schärfentiefe-Problem

Zuletzt hatte ich gehofft in der Powershot S95 beziehungsweise Powershot G12 die Antwort auf meine Bedürfnisse gefunden zu haben. Die zwei Kleinen von Canon sind klasse Kompaktkameras, deren Qualität kaum etwas zu bemängeln gibt, so lange man berücksichtigt, dass sie nur etwa die Hälfte einer Einsteiger-DSLR mit Objektiv kosten. Wäre da nicht der kleine Sensor!

Das Problem ist weniger das Rauschen, wie wohl Viele vermuten würden, sondern vielmehr der kaum vorhandene Spielraum bei der Schärfentiefe. Blendenvorwahl hin und manuelle Einstellung her. Wenn ich bei 50mm Brennweite, Blende ƒ2.8 und 6m Entfernung bereits eine Schärfentiefe von 1,5m habe, dann lässt sich damit kaum mehr etwas Freistellen oder kreativ mit der Schärfentiefe gestalten. Zum Vergleich: Die Nikon D700 hat mit denselben Einstellungen eine Schärfentiefe von 26cm. (Sollte das jetzt ein spanisches Dorf sein, dann verschafft vielleicht mein Artikel über Sensorformate uns Schärfentiefe mehr Klarheit.)

Was meine immer-dabei-Kamera können soll

Wonach ich konkret suche? Nach einer Kamera für unterwegs mit Eignung zur Street Photography. Das heißt: Klein, leicht, unauffällig und leise. Allerdings mit all den Einstellmöglichkeiten, die man von einer Profi-DSLR gewohnt ist. Bei meiner D700 heißt das zwei Einstellräder, um Blende und Zeit beim Fotografieren im manuellen Modus rasch justieren zu können. Außerdem schätze ich eine AF-On-Taste. Je mehr Einstellungen über Hardware-Knöpfe vorgenommen werden können, desto besser. Menügeführte Einstellungen scheinen mir immer ein Klotz am Bein zu sein.

Dann bin ich es gewöhnt mit meinen DSLRs über den Sucher zu fotografieren. Die Vorstellung, eine Kamera mit mehr oder weniger ausgestreckten Armen vor meinen Kopf zu halten, gefällt mir absolut nicht. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich mir kaum eine Kamerahaltung vorstellen kann, bei der es schwieriger ist die Kamera ruhig zu halten. Wenn schon über Display fotografieren, dann ziehe ich es vor die Kamera vor meine Brust oder meinen Bauch zu halten, wie es mit einem Klappdisplay möglich ist. Überhaupt habe ich mit der Powershot G12 die Qualitäten eines Klappdisplays wieder sehr zu schätzen gelernt – es macht ungewöhnliche Perspektiven einfach einfacher.

Street Photography Enthusiasten werden jetzt anmerken, dass ich mir doch eine Leica M9 kaufen soll, wenn ich eine kompakte, professionelle Kamera mit großem Sensor und Sucher suche. Aber ehrlich: 5000 Euro für eine Zweitkamera will ich mir einfach leisten.

Kompakte mit großem Sensor und fixem Objektiv

Was am Markt bisher so gut wie nicht vorhanden ist, sind Kompaktkameras mit mit Sensoren in einem Format, wie sie in Spiegelreflexkameras verbaut werden. Zwei der wenigen Ausnahmen sind die Fuji X100 und die DP-Serie von Sigma. Leider sind die Geräte hier zu Lande schwer für Tests in die Finger zu bekommen. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich mit beiden Konzepten nicht so ganz anfreunden kann, auch die Geräte sicherlich hervorragenden Qualitäten haben.

Fuji x100 Fuji Finepix X100; Bild: © Fuji Deutschland
Sigma dpx2 Sigma DP2X; Bild: © Sigma Deutschland

Systemkameras

Interessant sind natürlich die sogenannten Systemkameras. Das sind Kameras, bei denen man die Objektive wechseln kann, die aber nicht über einen optischen Sucher verfügen, wie eine Spiegelreflexkamera. Solche Systeme werden heute im Wesentlichen von Olympus, Panasonic, Sony und Samsung angeboten.

Panasonics G-Modelle

Bei Panasonic findet man derzeit drei Modelle im besonders kompakten Micro FourThirds-Standard. Die G3 ist die Größte im Trio und erinnert im Design an eine SLR. Sie hat auch tatsächlich einen Sucher, der allerdings nicht optisch funktioniert, sondern über ein hochaufgelöstes, elektronisches Display im Inneren. Alternativ kann man allerdings auch über ein Klappdisplay fotografieren, das als Besonderheit Touch-Funktion bietet. Es kann also wie ein Smartphone mit dem Finger am Display bedient werden.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich eine Kamera über ein Touchdisplay trotz menügeführter Bedienung effizient einstellen lässt. Im Gegensatz zu Menüs, durch die man sich über Info-, Funktions-, Set-, Menü-, Kipp- und Drehtasten quälen muss. Leider ist die G3 nicht wirklich wesentlich kompakter als meine kleine DSLR.

Als Alternative bietet Panasonic die Lumix GF2 und die noch kleinere GF3 an. Allerdings haben beide weder einen Sucher, noch ein Klappdisplay und sind über ein paar Steuerungstasten menügeführt zu bedienen. Ohne Touch-Display!

Panasonoc Image DMC GF2k Panasonic Lumix GF2; Bild: © Panasonic Deutschland

Was mit beim Stöbern im Angebot von Panasonic aufgefallen ist: Auf der Panasonic-Homepage merkt man, dass man bei einem Anbieter von Unterhaltungselektronik ist, der auch Kameras im Programm hat. Im Gegensatz zu den Websites von Olympus, Sigma und Nikon, wo man spürt, dass Kamerablut durch die Kabel fließt, fühlt man sich speziell bei Panasonic als Fotograf nicht ganz ernst genommen. So ist es mir zum Beispiel bei einem Objektiv nicht gelungen herauszufinden, was für eine Naheinstellgrenze es hat. Auch nicht nach Herunterladen des Datenblattes. Ähnliches empfindet man übrigens auch, wenn man Sony besucht. Auch hier ist Fotografie ein Thema von vielen.

Sonys NEX-System

Sony hat vor einiger Zeit mit der NEX-Reihe eigene Systemkameras auf den Markt gebracht und sehr erfolgreich eingeführt. Leider ist das Angebot an Objektiven für dieses System noch mehr als überschaubar. Die einzige für mich infrage kommende Brennweite stellt ein 16mm Objektiv (24mm KB) dar. Allerdings haut mich eine Lichtstärke von ƒ2.8 wirklich nicht aus den Socken.

Sony nex 5
Sony NEX 5; Bild: © Sony Europe

Limited

Andererseits hat Sonys NEX den Vorteil mit einem Klappdisplay ausgestattet zu sein. Deshalb wollte ich ein solches Gerät schon einmal in die Hand nehmen, bevor ich es als für mich ungeeignet abhake. Allerdings haben meine Versuche die Kamera zu bedienen mein Vorurteil bestätigt, dass menügeführte Kamerabedienung für einen ambitionierten Fotografen keine Lösung ist.

Ich habe versucht der Kamera Einstellungen beizubringen, wie ich sie von einer DSLR her gewohnt bin. Leider bin ich kläglich gescheitert. Natürlich habe ich dazu kein Handbuch in die Hand genommen. Erschließt sich die Bedienung einer Kamera nicht von selbst, sollte man eher die Finger von ihr lassen. Jedenfalls, wenn man schon einige Kameras bedient hat. Als Einsteiger kommt man wohl nicht drumherum, einmal ein Handbuch zu lesen. Aber erfahrenden Fotografen sollte sich die Bedienung einer Kamera intuitiv erschließen. Es ist wie mit einem Auto: Es darf nicht so gestaltet sein, dass jemand der Autofahren kann, nicht damit fahren kann. Licht, Blinker, Scheibenwischer, Gas, Bremse, Warnblinker – alles muss sich an gewohnten Plätzen befinden und klar zu finden sein.

Dass ich eine Nikon bedienen kann ist klar. Schließlich fotografiere ich lange genug mit Nikon und ein Buch über eine Nikon zu schreiben hat auch geholfen. Doch auch mit den kompakten S95 und G12 von Canon bin ich sofort und ohne Blick ins Handbuch klargekommen. Die Menüführung der NEX5 hingegen hat sich mir nicht intuitiv erschlossen. Ich vermute einmal, dass Sony die NEX-Kameras dermaßen darauf getrimmt hat, Laien rasches Point-and-Shoot-Fotografieren zu ermöglichen, dass alles, was der erfahrene Fotograf sucht, aus dem Weg geräumt wurde. Diesen Eindruck hatte ich übrigens auch bei der Lumix GF2.

Samsungs NX100

So wie Panasonic, hat auch Samsung Systemkameras in SLR- und Kompaktkamera-Design im Programm. Die kompakte Variante heißt NX100 und ist mit durchaus interessanten Features ausgestattet, wie dem iFunction-Button. Man drückt eine Taste am Objektiv und kann dann verschiedene Einstellungen über einen Ring am Objektiv verändern. Das klingt sehr interessant und verlockend. Ob es sich in der Praxis bewährt ist natürlich eine andere Frage. Leider ist auch hier die Auswahl an Objektiven überschaubar und deren Lichtstärken hauen einen verwöhnten Nikon-Fotografen auch nicht um.

Olympus’ Pen-Modelle

Frischen Wind bringen nun die vor wenigen Tagen vorgestellten neuen Modelle der Olympus Pen-Serie. Die Olympus Pen-Reihe ist seit mehreren Jahren auf dem Markt. Die Pens lassen sich so bedienen, wie man es als routinierter Fotograf von einer Kamera erwartet. Bisher hat mich allerdings gestört, dass es weder eine Pen mit Sucher gab – außer einem teuren elektronischen Sucher zum Aufstecken, noch eine mit Klappdisplay.

Mit der Pen E-PL3 hat Olympus nun eine Kamera vorgestellt, die das bewährte FourThirds-System nutzt, eine Klappdisplay hat und insgesamt durchaus vielversprechend zu werden scheint.

Mir gefällt an der E-PL3 vor allem das schlichte und schicke Design, das auf Retro verzichtet und äußerst unauffällig daher kommen dürfte. Das Problem von NEX und NX100, ein zu knappes Objektiv-Angebot zu bieten, kann man dem FourThirds-Standard nicht nachsagen. Schließlich passen auch Panasonic-Objektive auf die Olympus FourThirds-Kameras und sogar Sigma bietet bereits Objektive mit FourThirds-Anschluss. Besonders interessant für Street Photography Ambitionierte: Das ebenfalls neu vorgestellte 12mm (24mm KB) ƒ2.0 mit manueller Fokussierung und Schärfentiefeskala.

Schade allerdings, dass die E-PL3 – anders als die E-P3 – keine zwei Einstellräder und auch kein TouchDisplay bietet. Da kommen mir wieder Bedenken bezüglich einer raschen und effizienten Bedienung. Allerdings kann ich es nicht erwarten die Geräte in die Hand zu bekommen und auszuprobieren, wie die Bedienung funktioniert und wie sie sich anfühlen.

Und was machen Nikon und Canon? Derzeit ist nichts von kompakten Systemkameras aus den Häusern der beiden Platzhirschen zu hören. Manche haben den Eindruck hier würden die Marktführer den Trend verschlafen. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass sie ihre Konzepte einfach besonders gut durchdacht entwickeln um Lösungen auf den Markt zu bringen, wie man sie von ihnen erwartet und mit denen auch professionelle Fotografen zufrieden sind.

Die Würfel sind gefallen

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Ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht ob es sich wohl rentieren könnte meine Bücher über Canon PowerShot G12 und S95 sowie über die Nikon D7000 auf eigene Faust zu publizieren. Aber ohne Marketingmaschine wird sich der Aufwand dafür sicher nicht rechnen. Also habe ich den Plan verworfen die beiden Werke zu veröffentlichen. Verstauben sollen sie trotzdem nicht. Ich werde die beiden Skripte im Laufe der kommenden Wochen und Monate filetieren und in Einzelteilen in die Fotoschule onLine einfließen lassen.

Außerdem habe ich bereits vor einigen Tagen damit begonnen Bilder auf Flickr und hier im Blog zu posten, anhand derer ich beschreibe, wie das ›Vier Schritte zum Bild‹-Konzept angewendet wurde um zu den gezeigten Ergebnissen zu kommen.

Weiters werde ich Objektiv-, Ausrüstungs- und Anwendungstipps aus den beiden Büchern nach und nach im Blog publizieren. So haben dann alle, die sich dafür interessieren etwas davon und ich bringe vielleicht wieder etwas mehr Traffic ins Blog.

Kreativ fotografieren mit Canon G12 und S95 und mit Nikon D7000

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Das Bild zählt, nicht die Kamera

Die erste Frage, die ich mir stelle, bevor ich mich entscheide über Etwas zu schreiben, lautet: Interessiert mich das Thema?
Es muss mich fesseln und begeistern. Würde ich ein Produkt schön schreiben, das mich nicht überzeugt, dann wäre das nicht im Sinne des Lesers. Ebenso wenig würde ich dem Leser einen Dienst erweisen, indem ich ein Produkt zerpflücke, für das ich mich nicht erwärmen kann. In der Regel hat er das Produkt ja bereits gekauft, wenn er sich für eines meiner Bücher entscheidet.

Bei der Spiegelreflexkamera Nikon D7000 und den kompakten Schwestern Canon Powershot G12 und S95 fiel mir die Sache mit der Begeisterung nicht schwer. Ich fotografiere seit analoger Zeit mit Spiegelreflexkameras von Nikon und hatte bereits Kompakte von Canon.

Canon und Nikon? Kann man sich für beide begeistern?

Natürlich! Alle Hersteller kochen mit Wasser und weniger gute Geräte mag jeder Hersteller im Sortiment haben. Doch unterm Strich ist es am Ende mehr eine Frage des persönlichen Geschmacks, als dem Vorsprung eines bestimmten Herstellers, die für die Entscheidung für eine Marke oder die andere ausschlaggebend sein sollte. Fragt mich jemand, welche SLR ich kaufen würde: Eine Nikon. Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Fragt mich einer im Moment, welche Kompakte ich nehmen würde: Canon G12 und S95 kann ich uneingeschränkt empfehlen. Aber: Das Beste ist immer zu einem Händler zu gehen, Geräte verschiedener Hersteller in die Hände zu nehmen und vor allem auf den Bauch zu hören. Mit welcher Kamera fühle ich mich wohl? Ich mit Nikon SLR und – als kompakte Alternative dazu – Canon S95. Ein Anderer ist bei Canon daheim, der Zweite bei Sony, der Dritte bei Pentax, Samsung, Olympus, Panasonic, Leica, … Das Bild zählt, nicht die Kamera!

Wie erkläre ich Fotografie?

Als ich im letzten Jahrtausend zu Fotografieren begann, wollte ich natürlich mehr über die Grundlagen der Fotografie wissen. Wie Viele begann meine fotografische Laufbahn mit einer Kompak­tkamera und Urlaubs- und Freizeitbildern. Als ich dann angefangen habe als Grafikdesigner zu arbeiten wuchs auch mein Interesse an der richtigen Fotografie. Meine ersten Erfahrungen mit Spiegelreflex konnte ich mit der analogen Minolta meines Vaters machen. Bald schon wollte ich aber eine eigene Kamera und bin bei Nikon gelandet – und geblieben.

Die erste eigenen Kamera war eine Nikon F-65 mit einem Tamron-Obektiv. Schon beim Kauf ließ ich mir im Fotogeschäft ein Buch über das Modell mit einpacken. Allerdings war ich von dem Werk enttäuscht, da es sich im Grunde genommen um eine etwas lockerer geschriebene Variante eines Kamerahandbuches handelte, die sich auf die Funktionen des Apparats beschränkte, und wenig Hinweise gab, wie man das konkret in der Praxis einsetzt. Dabei waren die Nikon-Handbücher schon damals recht gut. Im Wissen wie man mit der F-65 foto­grafiert hat es mich kaum weiter gebracht.

Also habe ich mich nach Büchern zu den allgemeinen Grund­lagen der Fotografie umgesehen. Unter anderem bin dich dabei dann auf ›Das große Buch der Fotografie – Schritt für Schritt zum gelungen Bild‹ von John Freeman gestoßen. Das Buch hat mir gut gefallen und die Basis für mein heutiges Wissen über Fotografie gebildet. Aber habe ich damit fotografieren gelernt? Nicht wirklich. Der allgemeine Charakter des Buches hat dazu geführt, dass alles mögliche beleuchtet wurde, was mit Fotografie in Zusammenhang steht – so auch Dinge wie Mittel- und Großformatkameras. Darüber, wie ich mit meiner Nikon F-65 gute Bilder mache, habe ich wenig konkretes erfahren.

Dann kam die digitale Fotografie und mit ihr eine Schwemme an Büchern über Fotografie. Das erste Buch, das mich wirklich einen entscheidenden Schritt weiter gebracht hat, war ›Das digitale Fotografie Buch‹ von Scott Kelby. Ich kann es noch immer uneingeschränkt jedem empfehlen, der mit Hilfe prägnanter, praxistauglicher Tipps in der Fotografie vorankommen will, wobei ich diese Empfehlung auf den ersten Band beschränke.

Doch abgesehen davon, dass ich bei Kelby viele nützliche Tricks erfuhr, könnte ich nicht sagen, dass ich damit wirklich fotografieren gelernt habe. Kelbys Konzept ein Fotobuch für die Praxis zu schreiben – nach dem Motto »Du willst das und das? Dann mach das so und so!« – ist großartig, bedingt aber auch, dass er bewusst auf theoretische Hintergründe verzichtet. Wer verstehen will weshalb Kelby das und das so und so macht, muss woanders recherchieren.

Ein sehr gutes Werk für diese Recherche ist ›Der große ­Humboldt Fotolehrgang‹ von Tom! Striewisch. Für dieses Buch gilt, was auch für Kelbys Buch gilt: Un­eingeschränkte Empfehlung! Striewisch versteht nicht nur die Materie, er versteht es auch sie so zu erklären, dass es auch ambitionierte Einsteiger gut verstehen (noch eine Gemeinsamkeit mit Kelby).

Aber hat es mir das Fotografieren beigebracht? Ich würde es mit Pink Floyd zum Ausdruck bringen: »It was another brick in the wall«.

Freemans Grundlagen, Kelbys Praxistipps, Striewisch’ theoretische Erläuterungen und meine eigenen Erfahrungen haben mir gemeinsam geholfen, mein Bild der Fotografie vollständig zu bekommen.

Der letzte Initialzünder in meinem Puzzle war ›Hot Shoe Diaries – groß inszenieren mit kleinen Blitzen‹ von Joe McNally. Auch er versteht es, die komplexen Themen der Fotografie einfach und prägnant auf den Punkt zu bringen. Dieses Buch hat meine ablehnende Haltung gegenüber Systemblitzen und Blitzen außerhalb des Studios eliminiert und mich zu einem Blitz-Fan gemacht.

Nachdem ich das Buch über Nikons Profikamera D700 geschrieben hatte und es von den Lesern mit viel Wohlwollen und lobendem Feedback angenommen wurde, kamen zunehmend Anfragen nach Fotografie-Schulungen auf mich zu. Um einen Workshop über die Grundlagen der Fotografie abhalten zu können – mit dem Ziel, dass die Teilnehmer Fotografie anschließend besser verstehen – habe ich mich hin gesetzt und mir überlegt, wie man Fotografie erklären müsste, dass es für Einsteiger und Amateure ein ganz­heitliches Bild ergibt.

Als Erstes habe ich mich an meinen eigenen Werdegang als Autodidakt erinnert. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich die didaktischen Konzepte, die ich kennen gelernt hatte, über einmal zu vergessen versucht und mich gefragt: Wie lernt man als Einsteiger und Amateur Fotografie?

Normalerweise lernt man in Workshops und Lehrbüchern über Fotografie die theoretischen und technischen Grundlagen und was sie bewirken. In Praxisbüchern und -Workshops wird zwar sehr wohl vermittelt, wie man in bestimmten Situationen vorgehen sollte, doch die Grundlagen von Theorie und Praxis werden dabei vorausgesetzt.

Aber fotografiert man tatsächlich so? Fragt man sich tat­sächlich: Ich habe hier Blende 8 – was könnte ich damit fotografieren?

Nein! Man hat ein Motiv vor Augen und überlegt sich: Wie kann ich es am besten in Szene setzen? Aus welcher Perspektive und mit welchem Blickwinkel kommt es am besten zur Geltung. Brauche ich viel oder wenig Schärfentiefe? Wie ermittle ich die optimale Belichtung? Und ein oft vergessenes Thema: Wie ­komponiere ich die Aufteilung innerhalb des Bildausschnitts? Drittelregel und Goldener Schnitt sind nicht die Antwort auf alle Fragen.

Basierend auf diesen Überlegungen habe ich ein Konzept entwickelt, wo alle theoretischen und technischen Aspekte bei Umgang und Handling der Kamera vier Schritten zugeordnet werden und das ich in meiner ›Fotoschule OnLine‹ veröffentliche. Der Leser soll nicht nur wissen, was Blende und Brennweite bewirken, sondern auch weshalb er sie in welchen Situationen einsetzen kann. Dabei geht es mir nicht um ein akademisches Lehrkonzept für Profis, sondern darum dem Ein- und Aufsteiger fotografisches Wissen greifbar, bildlich, praxistauglich und unterhaltsam zu vermitteln. Der gelernte Fotograf mag mit meinen Werken wenig Freude haben, denn dazu gehe ich zu oft zu unorthodoxe Wege um Inhalte zu vermitteln. Aber ich hoffe, dass ambitionierte Amateure und Hobbyfotografen umso mehr davon profitieren.

Projekt abgeblasen

In den letzten Wochen habe ich auf Basis der beschriebenen Überlegungen ein Buch über die beiden Kompaktschwestern Canon Powershot G12 und S95 und eines über die Nikon D7000 geschrieben. Nun hat der Verlag die Veröffentlichung abgeblasen. Aber soll ich die beiden Werke wirklich im Papierkorb meines Computers beseitigen?

Ich würde es bedauern, würden die Beiden ungelesen in der Versenkung verschwinden. Davon bin ich zu sehr vom didaktischen Aufbau überzeugt und von der Art, wie das Buch die Inhalte vermittelt. Wer das Buch über die D700 gelesen hat, hat eine Vorstellung in welche Richtung es geht, allerdings glaube ich den Aufbau deutlich verbessert und das Thema durch das neue Konzept viel besser auf den Punkt gebracht zu haben.

Doch wie vertreibt man ein Buch ohne Verlag. Sicher, es gibt Print on Demand, mit dem man als Autor sein Buch selbst verlegen kann. Aber hat dieser Vertriebsweg wirklich Aussicht auf den geringsten Erfolg? Würde ich mehr als zehn, zwanzig oder hunder Bücher verkaufen können?

Bei meinen ersten Recherchen bin ich auf einen Preis von etwa 40 Euro für 200 Seiten Farbe gekommen. Das liegt zwar etwa in der Preisregion der Mitbewerber, aber dort bekommt man für das Geld etwa 400 Seiten, teilweise im sehr hochwertigen Offsetdruck und vor allem mit einem professionelle Lektorat. Ich bilde mir zwar ein schreiben zu können, aber Grammatik und Orthografie sind bei mir nicht unbedingt auf höchstem Niveau. Der Käufer und Leser würde für sein Geld also weniger Papier und mehr Schreibfehler bekommen. Würdet ihr eines der Bücher trotzdem kaufen?

Bücher gecancelt – was nun?

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Es gibt erfreuliche Nachrichten und weniger erfreuliche. Heute habe ich eine weniger Erfreuliche erhalten. In den letzten drei Monaten habe ich an zwei Büchern gearbeitet. Einmal über zwei schnucklige Kompaktkameras von Canon, G12 und S95, und einmal über über die Nikon D7000. Das Buch über G12/S95 ist im Grunde fertig. Das Buch über die Nikon steht zu 75%. Heute hat mir der Verlag mitgeteilt, dass die Veröffentlichung abgeblasen ist.

Was jetzt?

Ich glaube, dass mir zwei tolle Bücher gelungen sind. Es sind keine Kamerabücher im herkömmlichen Sinn – das war mein Buch über die D700 auch schon nicht. Nicht die Technik und die Menüpunkte der Kameras stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage wie man mit ihnen fotografiert. Wie muss ich die Technik einsetzen um bessere Bilder zu machen.

Nun soll das auf Halde gehen. Aber ich habe eigentlich keine Lust drei Monate und dreihundert Stunden Arbeit auf den Papierkorb meines Computers zu ziehen. Schon gar nicht, weil ich das Ergebnis gut gelungen finde. Also denke ich über alternative Publikationswege nach.

Print on Demand? Eine App? Oder ein eBook? Ich werde mich in den nächsten Tagen schlau machen. Für sachdienliche Hinweise und Tipps bin ich überaus dankbar.

Am liebsten würde ich die Bücher als Donation-Ware zur Verfügung stellen. Ich habe das früher schon gemacht. Ein Skript mit hundert Seiten zum Thema Typografie und ein Skript mit etwa 150 Seiten zu InDesign CS2 (gibt es hier noch immer zum Download). Wer wollte, konnte für die Unterlagen via Paypal etwas spenden. Die Unterlagen wurden Tausendfach geladen, aber hängen geblieben sind in mehreren Jahren kaum 100 Euro. Ernüchternd!

Mal sehen, was aus den Skripten zu D7000 und G12/S95 wird. Wäre schade, wenn die Dokumente auf meinem Rechner ungelesen vergammeln würden.

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 24-70 mm 2.8

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Nikons 24–70mm Objektiv, mit durchgehender Lichtstärke ƒ2.8, dürfte wohl zur unverzichtbaren Standardausrüstung vieler Nikon-Fotografen zählen. Im Trio mit dem Nikon 14–24mm ƒ2.8 und dem 70–200mm ƒ2.8 erreicht der investitionsfreudige Fotograf einen Brennweitenbereich von 14–200mm bei durchgehender Lichtstärke 2.8 und exzellenter Bildqualität.

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Seit ich vor ein paar Monaten das 14–24mm bekommen habe, fotografiere ich viel und gerne damit. Doch das 24–70mm bietet natürlich einen viel weiteren Einsatzbereich. Von der Landschaftsaufnahme bis zum Portrait – dieser Brennweitenbereich ist mit dieser Lichtstärke ziemlich universal einsetzbar. Deshalb ist es auch das Objektiv, das ich bei Fotosafaris und Shootings am häufigsten vor meiner großen Kamera habe.

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Natürlich ist das Objektiv weder leicht noch billig. Gutes Glas hat seinen Preis und sein Gewicht. Aber die Abbildungsqualität die sich dadurch erzielen lässt hat schon etwas für sich. Zwar leben gute Aufnahmen vor allem vom Motiv, von der Bildidee und von Komposition und Bildaufteilung. Doch wenn diese Paramater stimmen, dann ist es vor allem das Material und die gekonnt eingesetzte Technik die einer Aufnahme den letzte Schliff verleiht. Mit dem Nikon AF-S 24–70mm ƒ2.8 ist dieser Schliff besonders fein.

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Weitere Bilder mit dem Nikon AF-S 24–70 ƒ2.8

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S DX 35mm 1.8

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In meiner Serie über meine Objektivausrüstung möchte ich heute das Nikon AF-S DX 35mm ƒ1.8 vorstellen.

Einmal eine kurze Erklärung das die Buchstabenkürzel zu bedeuten haben: AF steht für Autofocus. Das S heißt, dass ich nach dem automatischen Einstellen die Fokussierung von Hand verstellen kann, ohne, dass das AF-Getriebe Gefahr läuft Schaden zu nehmen. Bei älteren Objektiven ohne diesen S-Zusatz ist das nicht zu empfehlen. Dort sollte man es tunlichst unterlassen am Fokusring zu drehen, nachdem die Kamera fokussiert hat – also so lange man den Auslöser halb durchgedrückt hat.

DX bedeutet, dass das Objektiv für Kameras mit kleinem APS-Sensor ausgelegt ist und auf Kameras mit Kleinbildsensor (der Volksmund spricht vom Vollformatsensor – Nikon nennt es FX)nur einen recht kleinen Bildbereich abdeckt.

Meine Arbeitskamera ist die D700, ihres Zeichens eine FX-Kamera mit Kleinbildsensor, weshalb ich dieses Objektiv daran auch nicht verwende.

Meine immer-dabei-Kamera jedoch ist eine D80 und die hat den kleineren DX-Sensor und auf dieser Kamera ist das 35mm 1.8 mein liebster Begleiter. Zur immer-dabei-D80 also das immer-dabei-35mm. Grandkoses Gespann!

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Das obere Bild entstand in dunkelster Nacht aus freier Hand mit der D80. Bei einer Lichtstärke von 1.8, 35mm und ISO800 lässt sich das machen.

Vor dem AF-S 35mm 1.8 war das AF 50mm 1.8 mein ständiger Begleiter. Ein etwas betagtes Objektiv, das aber noch immer einen sehr guten Ruf genießt, vor allem da es schon ab etwa 100 Euro zu haben ist. Allerdings entsprechen die 50mm dieses Objektivs an der D80 einer Brennweite von 75mm und das ist praktisch ein Tele. Immer mit Tele fotografieren ist schon eine arge Einschränkung. Also habe ich mich entschieden es mit dem neuen 35mm-Objektiv zu versuchen und ich habe es nicht bereut.

Neben der Brennweite war das alte AF 50mm mein einziges Objektiv, das mir nicht erlaubt manuell nachzufokussieren. Das ist lästig, wenn man die Nachfokussiererei erst einmal gewöhnt ist.

Das AF-S 35mm 1.8 bildet schön scharf ab, bei der großen maximalen Blendenöffnung kann man aber auch sehr schöne Unschärfen erzielen und die Schärfentiefe kurz halten, auf was ich halt stehe. Die 35mm Brennweite entsprechen auf Kleinbild umgerechnet knapp der Normalbrennweite von 50mm und das soll so ungefähr der menschlichen Wahrnehmung am nächsten kommen.

Ich kann das Objektiv nur jedem empfehlen, der eine Nikon mit kleinerem Sonsor hat und nach einem guten, Lichtstarken Objektiv mit Festbrennweite Ausschau hält. Und eine Festbrennweite kann ich ohnehin jedem Fotografen empfehlen.

Ein paar Alltagsschnappschüsse, die mit dem AF-S 35mm entstanden sind, habe ich in einer mobileMe-Galerie zusammengestellt.

Richtigstellung: Ein Besucher hat mich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass nicht bei jedem S-Nikkor (also nicht jedes AF-S) manuell nachfokussiert werden kann.

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 70–300mm ƒ4.5–5.6

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Sagte ich nicht einmal das Objektiv müsse besser als die Kamera sein? Was macht denn eine 500-Euro-Scheben an meiner D700? Antwort: Die Ausnahme der Regel bestätigen.

Das Nikon AF-S 70–300mm ƒ4.5–5.6 ist zwar kein Killerobjektiv in Sachen Lichtstärke, aber es liefert eine für seinen Preis absolut beeindruckende Abbildungsleistung. Neben dem 70–300 besitze ich auch das 70–200mm ƒ2.8 – ein lichtstarkes, überall gepriesenes Ungetüm, mit dem man Passanten unheimlich beeindrucken kann und das in der Tat eine geniale Abbildungsleistung schafft. Es liegt preislich in einer Region von etwa 2000 Euro und kostet damit praktisch das vierfache des 70–300.

Trotz des immensen Preisunterschieds ertappe ich mich immer wieder, dass ich beim Stöbern in meiner Bilddatenbank auf Aufnahmen stoße, bei denen ich mir denke »Wow! Mein teures 70–200 ist einfach ein Hammerobjektiv« und wenn ich dann einen Blick auf die Metadaten zum Bild werfe, dann steht da ganz unverschämt AF-S 70–300!

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Nicht umsonst habe ich letzten Urlaub das schwere 70–200mm ƒ2.8 zuhause gelassen und statt dessen das 70–300 eingepackt. Es ist (viel) leichter und handlicher, bietet 100mm mehr Brennweite und ein bisschen der geringeren Lichtstärke kann man durch die ausgezeichnete Verwackelungsreduzierung wieder wett machen. Darüber hinaus ist das 70–300 eines der preiswertesten FX-Objektive von Nikon, ist also mit Kleinbildsensor kompatibel.

Selbst der Autofokus lässt nichts zu wünschen übrig und arbeitet leise und außerordentlich schnell. Damit habe ich auch schon flotte Flieger auf der Adlerwarte in Bregenz gut ablichten können.

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Lange Rede, kurzer Sinn: Das Nikon AF-S 70–300mm ƒ4.5–5.6 ist für mich einer der heißesten Tipps für alle Nikon-Fotografen, nicht nur für die Preisbewussten und nicht nur für die Besitzer einer Kamera mit Kleinbildsensor.

Mehr Aufnahmen mit dem 70–300mm habe ich in einer mobileMe-Gallerie zusammengestellt und veröffentlicht.

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 14–24mm ƒ2.8

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Vierzehn Monate sind ins Land gezogen, seit mein Buch über die Nikon D700 veröffentlicht wurde. Schon während ich am Buch schrieb habe ich mir vorgenommen anschließend Artikel über Objektive im Blog zu posten. Dazu gekommen ist es bisher nicht. Zu sehr haben andere Projekte meine Zeit in Beschlag genommen. Aber was lange währt wird endlich gut: Mein erster (völlig subjektiver Blick) auf ein Objektiv.

Subjektiv ist mein Blick allemal, da ich seit jeher mit Nikon fotografiere und mir so der direkte Vergleich zu den Produkten anderer Hersteller fehlt. Da ich kein Händler oder Tester bin ist meine einzige Möglichkeit Objektive zu testen ohnehin meist sie zu kaufen. Subjektiv auch deshalb, weil ich nicht zu den Anwendern gehöre, der seine Objektive anspruchsvollen Labortests unterzieht. Mich interessieren die Resultate in Form von Fotos.

Mit den Resultaten des Nikon AF-S 14—24mm ƒ2.8 (Abbildung oben mit freundlicher Genehmigung durch Nikon Deutschland) bin ich vollauf zufrieden. Ein hervorragendes Objektiv, wie das ganze Nikon-Lineup vom 14—24mm über das 24—70mm bis zum 70—200mmm. Dabei ist der extreme Weitwinkelbereich eines 14—24mm extrem schwer zu beherrschen.

Erstens hat man in meiner direkten Umgebung kaum einmal die Möglichkeit Landschaft zu fotografieren, ohne dass irgendwo störende Objekte wie eine Hochspannungsleitung oder ein hässliches Gebäude das Bild verschandelt. Zweitens sind die meisten Verzerrungen, die durch den extrem weiten Winkel entstehen alles andere als schön und man muss schon sehr bewusst komponieren, damit ein Bild nicht schlicht und einfach hässlich verzerrt wirkt. Wenn man aber die Komposition gemeistert und die Linienführung eines Motivs bewusst und gekonnt in Szene gesetzt hat, dann entwickeln Weitwinkelfotos eine Spannung und Dynamik, die mit anderen Brennweitenbereichen nicht zu erreichen ist.

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Das Nikon 14–24mm ist ein schweres Teil dessen Glas am weitwinkligen Ende (also bei 14mm) schon fast aus der fix verbauten Streulichtblende herausragt. Mehr Blende geht aber aufgrund des weiten Bildwinkels nicht. Der bei manchen Fotografen beliebte UV-Filter um die Frontlinse zu schützen geht auch nicht — ein Gewinde gibt es nicht.

Das somit recht schutzlose Glas des teuren Objektivs, das mit einem Listenpreis von über 2.000 Euro notiert und bei Amazon im Moment ab etwa 1.600 Euro zu haben ist, und das Gewicht von einem Kilo, machen es zu einem etwas umständlichen Begleiter — ich behelfe mir zum Schutz der Frontlinse damit, dass ich das Objektiv wieder auf den 24mm-Anschlag zurückschraube, sobald ich eine Aufnahme gemacht habe, um dadurch das Glas der Frontlinse soweit als möglich hinter der Streulichtblende zu versenken.

Vor ein paar Wochen konnte ich zehn Tage Urlaub auf Madeira verbringen. Bei Reisen gehöre ich zu den Fotografen, die immer fettes Equipment mit schleppen. Diesmal habe ich mich zusammengerissen und beschränkt: D700, 24—70mm ƒ2.8 (wohl meine Lieblingsobjektiv), 70—300mm ƒ4.5—5.6 (nicht besonders Lichtstark, aber bomben Abbildungsqualität — in meinen Augen ein absoluter Preis/Leistungs-Hammer — und deutlich weitere Brennweite als das schwere 70—200mm ƒ2.8) und eben 14—24mm, über das ich heute hier schreiben.

Weil ich ja weiß, wie schwer der Weitwinkelbereich zu beherrschen ist, war ich etwas zerrissen, ob es sinnvoll sei, das schwere Objektiv in die Reisetasche zu packen. Klar: Für ein paar tolle Landschaftsaufnahmen wäre es sicher gut — da macht bei entsprechender Landschaft dem Weitwinkel kein anderer Brennweitenbereich etwas vor. Aber stünde es dafür, das Ding ständig mit sich rum zu schleppen nur um ein paar klassische Postkartenkitsch-Landschaftsaufnahmen einzufangen?

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Ich habe es nicht bereut das Objektiv mit zu schleppen. Ich war sogar äußerst überrascht wie viel Spaß es macht damit zu arbeiten und wie toll, ungewohnt und andersartig die Resultate ausfallen — keineswegs nur bei Landschaft oder besser gesagt, gerade Abseits der Landschaftsfotografie. Man braucht halt den Willen zum Experimentieren und muss sich etwas anstrengen — dann wird ein 14—24mm zu einem phantastischen Arbeitsgerät.

Ein Objektiv mit einem Brennweitenbereich das etwa dem 14—24mm entspricht ist nicht die erste Wahl die man jemandem empfiehlt, der in die Fotografie einsteigt. Zu schwierig im Einsatz und bei der Bildkomposition. Zu extrem und eingeschränkt in der Anwendung. Ab 24mm wird es bedeutend einfacher zu handhaben. Darüber hinaus ist ein Preis von weit über 1.000 Euro ohnehin für die meisten Einsteiger kein Thema.

Ambitionierte Fotografen sollten aber auf die Möglichkeiten des weiten Winkels nicht verzichten und für das AF-S 14—24mm ƒ2.8 dürfte es für Nikons kaum eine Alternative geben. Damit und mit den beiden Geschwistern 24—70mm ƒ2.8 und 70—200mm ƒ2.8 erhält der ambitionierte und investitionsfreudige Fotograf einen Brennweitenbereich von 14—200mm mit erstklassiger Abbildungsqualität und durchgehender Lichtstärke 2.8.

Das ist mein Dreamteam der rundum glücklich und ultimative Qualität Zooms für Nikon-Kameras. Mehr braucht eigentlich nur noch, wer spezielle Anforderungen hat (Makro, Architektur, Tierfotografie, Available Light bei sehr wenig Licht oder Fisheye) oder einfach nicht weiß wohin mit der Kohle.

Nikon D700: Zwei Tipps zum Wiedergabe

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Nachdem unser Buch über die Nikon D700 nun schon seit Jahresbeginn am Markt ist und wir in der Zeit auch ausgiebig mit der Kamera weitergearbeitet haben, möchte ich für alle D700-Besitzer und Benutzer zwei Tipps nachlegen.

  1. Was mich immer wieder geärgert hat, an der D700, ist der Multifunktionswähler, der sich nicht nur horizontal und vertikal, sondern auch diagonal benutzen lässt. Beim Blättern durch Aufnahmen bei der Bildwiedergabe gerät man bei der Bedienung der Multifunktionstaste immer wieder unbeabsichtigt auf diagonal, statt horizontal und verrutscht prompt in der Wiedergabedarstellung, statt zum nächsten Bild zu blättern. Ärgerlich?
    Abhilfe schafft die Individualfunktion »f9 Einstellräder«: Schaltet man »Menüs und Wiedergabe« auf »On« kann fortan auch mit dem hinteren Einstellrad durch Bilder geblättert werden. Spart echt Nerven!
  2. Im Buch haben wir empfohlen die Einstellungen für »Wiedergabe« > »Nach dem Löschen« auf »Vorheriges Bild anzeigen« einzustellen. Der Grund ist, dass – zumindest ich – nach einigen Bildern gerne die Aufnahmen checke und dabei gleich ein paar Bilder lösche. Das geschieht dann von der jüngsten Aufnahme hin zu älteren. Dabei ist die Einstellung »Nach dem Löschen vorheriges Bild anzeigen« einfach bequemer.
    Doch in der Praxis kommt es auch oft vor, dass man eine ganze Serie an Bildern von der ersten zur letzten Aufnahme durchblättert und die schwachen Fotos löscht. Dabei wäre natürlich die Einstellung »Nächstes Bild anzeigen« besser. Seit einiger Zeit arbeite ich mit der Einstellung »Letzte Reihenfolge«. Dann erscheint nach dem Löschen beim Vorwärtsblättern das nächste, beim Löschen während des Rückwärtsblättern das vorangegangene. Während des Schreibens hatte ich Bedenken, dass diese Einstellung in der Praxis verwirrend sein könnte, und habe sie nicht empfohlen. In der Praxis habe ich nun aber die Erfahrung gemacht, dass das sehr gut funktioniert.

D700-Buch-Rezension bei photoappar.at

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Vor ein paar Wochen bat ich Ralf-Jürgen Stilz ihm mein D700-Buch zur Rezension senden zu dürfen. Da er selbst eine Nikon D700 besitzt, ist ihm dieses Buch natürlich entgegen gekommen und er ist deshalb natürlich auch besonders prädestiniert, ein Buch über die Kamera zu rezensieren. Gestern hat er seine Rezension veröffentlicht und mir damit eine besondere Freude gemacht. Ich hatte zwar auf eine positive Rezension gehofft, das Feedback fiel aber noch besser aus, als ich es mir gewünscht habe.

»Gerade der mittlere und der letzte Teil des Buches, also »Grundlagen für Fortgeschrittene« und »Voreinstellungen und Funktionen« fand ich besonders interessant. Hier wird nämlich richtig Wissen vermittelt, anschaulich kurz, knapp und präzise. Fast schon zu viel Information, um alles auf einmal aufzunehmen. Deswegen werde ich das Buch immer wieder zur Hand nehmen (müssen).«

Die komplette Rezension könnte ihr beim ohnehin lesenswerten Blog photoappar.at lesen.

Super Zoom! Aber wozu?

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In letzter Zeit sind wieder ordentlich zoomstarke Kompaktkameras, Bridgekameras und Superzooms auf den Markt gekommen. Die Hersteller überbieten sich mit Brennweitenbereichen. Da bringt Nikon eine P90 auf den Markt, die von 28–624mm reicht (umgerechnet auf Kleinbildformat). Olympus bietet sogar mit SP590-UZ ein Modell von 26–676mm an!

Früher fand ich den Gedanken an solche Boliden auch Geil. Mit beinahe 700mm Brennweite, da müsste man doch in der Lage sein die Schuhbändel vom Mann im Mond zu fotografieren. Wer aber wirklich einmal versucht hat mit langer Brennweite eine Vogel in ein paar Dutzend Meter Entfernung auf den Sensor zu bannen, wird wissen, wie schnell ein paar Meter Abstand ein paar Millimeter Brennweite überfordern können – auch wenn es 700mm sind. Gerade wer darauf aus ist, mit langen Rohren kleine Objekte zu jagen, wird seine Brennweitenträume schnell von der banalen Wirklichkeit eingeholt sehen. Aber eigentlich ist die Relativität von Brennweite noch das kleinere Problem an solchen Zoomgiganten. Das Problem ist vielmehr, dass sich mit Kompaktkameras mit langen Brennweiten nur selten gute Aufnahmen erzielen lassen. Das hat mit Atmosphäre und Licht zu tun.

Da ist einmal das Problem, dass man, je länger die Brennweite, desto mehr Licht benötigt. Leider lässt ein Objektiv desto weniger Licht zum Sensor, je länger die Brennweite ist. Das Resultat: Bei den extremen Verlängerungen mit Zoomriesen lassen sich nur unter äußerst hellen Lichtbedingungen einigermaßen unverwackelte Aufnahmen erzielen. Am besten bei strahlenden Sonnenschein. Leider ist strahlender Sonnenschein aufgrund harter Licht-Schatten-Kontraste nicht unbedingt der Freund gelungener Aufnahmen.
Der zweite Feind guter Aufnahmen auf weite Distanzen ist die Atmosphäre. Je größer die Distanz, desto mehr sorgt die Atmosphäre dafür, dass Aufnahmen milchig, flau und kontrastarm werden.

Es gibt sicher Aufnahmesituationen, in denen eine Kompaktkamera mit langer Brennweite gute Ergebnisse erzielen kann. Ich vermute aber, dass hinter dem Trend zu Kameras mit superlanger Brennweite in erster Linie die volkstümliche Weisheit »Viel hilft viel« steckt. Und darüber hinaus Unwissenheit.

Ich vermute, dass viele Käufer von Superzoomkameras von den Resultaten der Geräte enttäuscht sein werden und die Lust am Fotografieren verlieren.

Entgegen dem Trend zum langen Telezoom scheint es aber auch einen Trend zum Weitwinkel bei Kompaktkameras zu geben – eine Entwicklung, der ich viel mehr abgewinnen kann. Weitwinkel werfen viele Probleme von Superzooms gar nicht auf. Man ist oft in der Lage auch mit günstigen Modellen beeindruckende Landschafts- und Städteaufnahmen zu machen, und man bekommt vor allem dort mehr Action aufs Bild, wo Kompaktkameras vor allem daheim sind: Auf Partys und überall wo Leute zusammen kommen.