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Capture One: Kontrastumfang, Kontrast und Mittenkontrast

In diesem Workshop geht es um den Klarheit- und den Struktur-Regler im Klarheit-Werkzeug. Zunächst erkläre ich aber was Kontrast generell ist und wie unsere Wahrnehmung Kontrast aufnimmt und verarbeitet.

3.6. Unter- und Überbelichtung am Histogramm erkennen

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

In der Abbildung unten sieht man noch einmal ein Histogramm. Darunter habe ich das Zonensystem 90° gedreht platziert. Zone 0 steht für reines Schwarz ohne die geringste Zeichnung. Das ist Unterbelichtung. Zone 10 ist reines Weiß ohne Zeichnung – sprich: Überbelichtung.

Histogramm und Zonensystem
Histogramm und Zonensystem

Aus dem Histogramm lassen sich Unter- und Überbelichtung ganz einfach ablesen. Läuft das Tonwertgebirge ins linke Ende des Histogrammfeldes ➀ bedeutet das, dass unterbelichtete ­Bereiche im Bild sind. Je größer die Anhäufung, desto größere Bereiche sind unter­belichtet. Eine Anhäufung am rechten Ende ➁ sagt uns, dass Bildbereiche überbelichtet ausgefallen sind.

Optimaler Kontrastumfang | Die folgende Abbildung zeigt ein Motiv mit beinahe optimalen Lichtbedingungen, praktisch optimal belichtet. Das Histogramm reicht von ganz links bis ganz rechts. Das heißt, dass das Bild von ganz dunklen zu ganz hellen Tonwerten reicht. Der Tonwertumfang des Digitalbildes wird in voller Breite genützt – das Bild ist Kontrastreich. Mit so einer Vorlage bleiben auch für die Nachbe­arbeitung am Computer alle Wege offen.

Optimal belichtet Das Histogramm zeigt: Dieses Bild ist optimal belichtet.

Histogramm eines unterbelichteten Bildes | Die nächste Abbildung zeigt ein unterbelichtetes Ergebnis – das Tonwertgebirge hat am ­linken Ende des Histogrammfeldes einen großen ›Haufen‹ ge­bildet. Wenn der Fotograf eine Aufnahme in der Bildrückschau prüft, und das Histogramm sieht so aus, dann sollte er mittels einer Belichtungskorrektur eingreifen und eine neuerliche Aufnahme machen.

Unterbelichtet Das Histogramm zeigt links einen Haufen und ist angeschnitten: Unterbelichtung!

Histogramm eines überbelichteten Bildes | Das folgende Beispiel ist hoffnungslos überbelichtet – der große Haufen türmt sich am weißen Ende des Histogrammfeldes auf. Auch hier sind ein Eingriff über eine Belichtungskorrektur und eine zweite Aufnahme notwendig.

Ueberbelichtet Anhäufung und angeschnittenes Tonwertgebirge auf der rechten Seite: Überbelichtung!

Zu großer Kontrastumfang

Die beiden vorangegangenen Motive konnte ich auf Grund der Lichtverhältnisse durch eine Belichtungskorrektur dann doch noch relativ gut ­belichtet einfangen. Anders sieht es mit der folgenden Szene aus.

Zu viel Kontrast
Schwierige Lichtsituation: Helle Lichter im Hintergrund und dunkle Schatten in den Ecken im Vordergrund.

Bei diesem Motiv haben wir es mit tiefen Schatten im Vordergrund und sehr hellen Lichtern im Hintergrund zu tun. Der Kontrastumfang der Szene ist deutlich höher als der Kontrastumfang, der für das Digitalbild aufgenommen werden kann. Das Tonwertgebirge des Histogramms ist sowohl am schwarzen Ende als auch am weißen Ende des Histogrammfeldes angeschnitten.

Histogramm zeigt zu viel Kontrast Histogramm links und rechts angeschnitten: Die Szene beinhaltet mehr Kontrast zwischen hell und dunkel, als der Bildsensor aufzeichnen kann.

Mit Belichtungskorrektur ist hier nicht gleichzeitig weder Über- noch Unterbelichtung zu er­reichen. Würde man dunkler belichten, um der Überbelichtung zu entgehen, würden sich die unterbelichteten Bereiche ausdehnen. Würde man heller belichten, um der Unterbelichtung entgegen zu wirken, ­dehnen sich die überbelichteten Bereiche aus. Die Frage nach der technisch optimalen Belichtung stellt sich hier nicht mehr, sondern lediglich: Bei welcher Einstellung sieht es besser aus? Keine Unterbelichtung, dafür große, überbelichtete Bereiche? Keine Überbelichtung, dafür große, unterbelichtete Schatten? Oder ein bisschen von Beidem?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Man muss von Bild zu Bild entscheiden. Doch Unterbelichtung fällt meist weniger negativ auf, als Überbelichtung.

Das menschliche Wahrnehmungssystem in der Lage ist, etwa zehn Lichtwerte von Schwarz bis Weiß auf einmal zu unterscheiden – eine Digitalkamera etwa zehn bis zwölf. Die Natur jedoch umfasst etwa zwanzig Lichtwerte.

Glücklicher Weise ist der Kontrastumfang der meisten Szenen nicht wesentlich größer als zehn Lichtwerte. So lange die hellsten Bereiche in einem Bild nicht mehr als zehn Mal heller sind als die dunkelsten, haben wir kein Problem, sowohl die Lichter der Szene als auch die Schatten in einer Belichtung einzufangen. ­Problematischer wird es jedoch mit Szenen, in denen der Unterschied zwischen ganz dunkel und ganz hell deutlich mehr als das Zehn­fache beträgt.

Mehr als zehn Lichtwerte | Eine Vollmondnacht repräsentiert eine solche Problemszene. Der Mond ist Reflektor des Sonnenlichts und ist hell erleuchtet. Der Nachthimmel hingegen ist rabenschwarz.

Vollmondnacht Histogramm
Eine Vollmondnacht weist einen hohen Kontrastumfang auf.

Unserer Wahrnehmung nach ist die Szene etwa so, wie in der Abbildung oben. Zwar sind wir nicht in der Lage den natürlichen Kontrast­umfang von mehr als zehn Lichtwerten mit einem einzigen Blick auf­zunehmen, doch unsere Wahrnehmung baut sich die ­Ein­drücke einfach aus mehreren Blicken zusammen. Deshalb scheint es, als könnten wir sowohl die helle Topographie des Mondes als auch das Muster der Wolken am Himmel zugleich wahrnehmen.

In der Fotografie ist es nicht möglich mit einer einzigen Belichtung Szenen von Schwarz bis Weiß zu erfassen, die den Kontrast­umfang des Bildsensors (die Anzahl an Lichtwerten) überschreiten. Die Konsequenz ist, dass wir uns entscheiden müssen, ob wir die dunklen Bereiche korrekt belichten wollen oder die hellen oder einen Bereich da­zwischen. Letzteres hat natürlich zur Folge, dass wir sowohl im Dunkeln Unterbelichtung, als auch im Hellen Überbelichtung in Kauf nehmen müssen.

Entscheiden wir uns, die dunklen Bereiche korrekt zu belichten, können wir zwar den Wolkenhimmel gut belichtet einfangen, der helle Bereich jedoch, der den Kontrastumfang des ­Sensors überschreitet, muss abgeschnitten werden. Deshalb erscheint der Mond nur mehr als weiße Scheibe (überbelichtet).

Belichtung auf dunkle Bereiche
Auf die dunklen Bereiche belichtet.

Entscheiden wir uns, den Mond korrekt zu belichten, können wir die Struktur im Mond abbilden, doch die dunklen Be­reiche des Wolkenhimmels fallen aus dem Kontrastumfang des Sensors und werden abgeschnitten – sie erscheinen im Bild als schwarze Flächen ohne Kontrast (unterbelichtet).

Belichtung auf helle Bereiche
Auf die hellen Bereiche belichtet.

Kein Kraut gegen zu hohen Kontrastumfang | Leider gibt es kein Mittel gegen zu hohen Kontrastumfang. Der Fotograf versucht deshalb in der Regel Situationen zu meiden, in denen der Kontrast zu hoch ausfällt. Weitaus häufiger als in der Vollmondnacht tritt das Problem unter direktem Sonnenlicht auf. Direkt unter der Sonne ist der Kontrastumfang von Licht zu Schatten sehr hoch und sorgt für harte Kontraste. Unter bedecktem Himmel, mit einer Wolke vor der Sonne oder im Schatten, verringert sich der Kontrast hingegen, sorgt für weicheres Licht und sanftere Kontraste.

In der Sonne Zu hoher Kontrastumfang entsteht auch bei direktem Sonnenlicht.
Im Schatten Deshalb wenn möglich lieber im Schatten fotografieren.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
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3.2. Das Zonensystem

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Das Zonensystem unterteilt den Verlauf der Tonwerte von Schwarz bis Weiß in elf Zonen. Der Schritt von einer Zone zur benachbarten entspricht einer Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Helligkeit. In der Fotografie bezeichnet man einen Wert, der die Helligkeit verdoppelt oder ­halbiert, als Lichtwert (LW).

Zonensystem
Zonensystem
  1. Zone 0 | Absolutes Schwarz; Unterbelichtung ohne geringste Zeichnung. ­Solche Flächen sind praktisch frei von Information, und es lässt sich auch durch Nachbearbeitung keine Struktur wiederherstellen.
  2. Zone 1 | Optisch schwarzer Tonwert, geringe Spuren von Zeichnung, allerdings für das menschliche Auge nicht zu erkennen. Durch Entwicklung lässt sich diese Zeichnung jedoch sichtbar machen.
  3. Zone 2 | Beinahe schwarzer Tonwert, mit für das menschliche Auge erkennbarer Zeichnung . Beispiel : Gefieder eines Raben.
  4. Zone 3 | Dunkler Tonwert mit deutlich sichtbarer Zeichnung. Beispiel : im Schatten liegende Wälder, frisch asphaltierte Straße.
  5. Zone 4 | Tendenziell dunkler Tonwert mit klaren, erkennbaren Details. Beispiel : beschattete Haut, dunkler Stein.
  6. Zone 5 | Mittlerer Tonwert. Beispiel : südländischer Hautton, verwittertes Holz, mittelgrauer Stein, Schotter und Kies.
  7. Zone 6 | Tendenziell heller Tonwert. Beispiel : trockener Fels, heller Stein und trockener Sand, Schnee im Schatten, Handinnenfläche bei praktisch allen Menschen.
  8. Zone 7 | Heller Tonwert mit deutlicher Zeichnung. Beispiel : weißgraues Haar, Gefieder einer Hausgans, verwitterter Kalkanstrich.
  9. Zone 8 | Sehr heller Tonwert. Beispiel : Sonnen beschienener Schnee, in dem noch die Schneekristalle zu erkennen sind.
  10. Zone 9 | Beinahe Weiß ohne erkennbare Zeichnung. In der Bildbearbeitung am Computer lässt sich aus diesen Flächen wieder Farbe und Zeichnung sichtbar machen.
  11. Zone 10 | Reines Weiß; Überbelichtung. Aus Flächen der Zone 10 lässt sich auch mittels Nachbearbeitung keine Farbe oder Zeichnung restaurieren.

Natürlich sind Angaben wie ›dunkler Stein‹ und ›Felsen‹ sehr ­relativ. Die Beispiele können jedoch helfen sich eine ungefähre Vorstellung der genannten Tonwerte zu machen. Tonwert bezieht sich dabei nicht nur auf Grautöne, sondern auf den Helligkeitswert jedes beliebigen Farbtons. Das kann man auch in Abbildung unten sehen, wo ich neun der elf Zonen in einem Bild gekennzeichnet habe.

Zonen im Bild
Mehrere Zonen in einem Bild

Kontrastumfang

Der Kontrastumfang unserer natürlichen Umwelt umfasst etwa zwanzig Schritte der Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Helligkeit (= 20 Lichtwerte beziehungsweise 21 Zonen) vom tiefsten Schwarz ➀ einer Höhle tief unter der Erde bis zum blendenden Weiß ➁ der Sonne. Das menschliche Auge hingegen kann lediglich zehn Lichtwerte (11 Zonen) auf einmal wahrnehmen ➂.

Zonen Licht und Wahrnehmung ➀–➁ Kontrast der natürlichen Umwelt vom absoluten Schwarz bis zu reinem Weiß;
➂ Kontrastumfang der menschlichen Wahrnehmung;
➅ Menschliche Wahrnehmung an helle Umgebung angepasst;
➆ Menschliche Wahrnehmung an dunkle Umgebung angepasst;
➇ Kontrastumfang einer Digitalkamera und einer Raw-Datei;
➈ Kontrastumfang einer JPEG-Datei;
➉ Kontrastumfang des Vierfarbendrucks;

Das heißt, bei mittlerer Helligkeit sehen wir Schwarz, was messtechnisch nur ein dunklerer Tonwert ist ➃, und Weiß, was tatsächlich nur einem hellen Tonwert entspricht ➄. Ist unser ­Sehsystem gefordert dunklere Tonwerte zu erkennen, muss sich die ­Pupille erweitern, um den Lichteinfall zu drosseln, wodurch sich ­unser Kontrast­umfang in den dunklen Bereich verschiebt ➅. Um­gekehrt muss sich die ­Pupille verengen, um hellere Bereiche wahrnehmen zu können, und den Kontrastumfang in den hellen Bereich verschieben ➆.

Analoger Schwarzweiß-Negativfilm entspricht etwa dem Kontrast­umfang der menschlichen Wahrnehmung ➂. Digitalkameras sollen zehn bis zwölf Lichtwerte erreichen können ➇. Im JPEG-­Format stehen Ihnen etwa acht Lichtwerte zur Verfügung ➈. Fotografieren Sie hingegen im RAW-Format, dann können Sie, je nach Entwicklungssoftware, einen guten Teil des größeren Kontrastumfangs der Kamera ➇ nutzen, und Informationen, die in den Schatten unsichtbar sind, lassen sich in der Nachbearbeitung am Computer wieder sichtbar machen, die durch JPEG nicht aufgezeichnet würden. Noch kleiner ist der ­Kontrastumfang im Vierfarbendruck, wo er auf etwa fünf Lichtwerte sinkt ➉.

Nehmen wir an, Sie fotografieren eine Landschaftsaufnahme mit der Sonne direkt im Bildausschnitt und einem Tunnel, dem Sie geradewegs tief in den Schlund blicken können. Ihr Motiv beinhaltet also sowohl das dunkle Ende des natürlichen Kontrastumfangs ➀, als auch das helle ➁. Die Kamera kann aber bestenfalls zwölf der zwanzig Lichtwerte mit einer einzigen Aufnahme aufzeichnen. Wenn Sie eine mittlere Einstellung wählen, dann wird alles, was dunkler als der Kontrastumfang des Bildsensors ist, unterbelichtet und schwarz, und alles, was heller als der Kontrastumfang ist, überbelichtet und weiß.

Aber was hilft dieses Zonensystem nun konkret in der Praxis? Gibt es an Ihrer ­Kamera einen ein Schalter, um die richtige Zone einzustellen? Ja und nein. Zwar findet sich so Schalter an keiner mir bekannten ­Kamera, doch die Automatik Ihrer ­Kamera zielt bei den Belichtungseinstellungen in der Regel auf mittlere Helligkeit ab, also Zone 5. Und damit werden wir uns im nächsten Artikel befassen.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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