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1.5. Formatfaktor

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Sache mit den Brennweiten könnte so einfach sein, wären da nicht die verschiedenen Sensorformate. Bildsensoren werden in unterschiedlichen Größen produziert und die Größe des Sensors beeinflusst den Blickwinkel (und natürlich den Preis). Das Problem ist also, dass eine bestimmte Brennweite vor einem bestimmten Sensorformat einen bestimmten Blickwinkel erzeugt, vor einem anderen Sensorformat jedoch einen anderen.

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Die Bildsensor-Einheit einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Die Abbildung unten zeigt einen Auszug an Formaten, die heute bei Digitalkameras üblich sind.

Sensorformate.jpg Ein paar Beispiele von Sensorformaten zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Hassselblad Mittelformatkamera, Leica S2 Spiegelrelfex-Systemkamera, Kleinbild, DX (Nikon, Sony, Pentax), Four Thirds (Olympus und Panasonic) und exemplarisch das Format der Komapaktkameras G12 und S95 von Canon.

Kleinbildformat | In den Tagen der analogen Fotografie (dem Fotografieren mit Film) hatte sich zuletzt das Kleinbildformat für die meisten Kameras durchgesetzt. Filme im Format von 36×24mm passten sowohl in Kompaktkameras, Sucherkameras und Spiegelreflexkameras. Lediglich im professionellen High-End-Bereich waren Mittel- und Großformat mit größeren Filmformaten ›State of the Art‹.

Sensia100.jpg Analoger Film ist noch immer von Herstellern wie Fujifilm beziehbar (Bild: © Fujifilm Europe GmbH)

In den 1990er Jahren verhalf Canon mit seiner Ixus dem etwas bequemeren, aber relativ kleinen APS-Format, zu einem kurzfristigen Durchbruch. Doch das Gros der Aufnahmen wurde wie gesagt auf 36×24mm gebannt.

Als Digitalfotografie zum Thema wurde und erste digitale Kameras auf den Markt kamen, wurden Bildsensoren verbaut die deutlich kleiner waren als die 36×24mm Filme der analogen Kleinbildkameras. Der Grund war vor allem, dass größere Sensoren ungleich teurer zu produzieren waren als kleinere. Deshalb werden in Kompaktkameras bis heute sehr kleine Sensoren verbaut und nur in professionellen Spitzenmodellen sind Sensoren im Kleinbildformat zu finden (in analogen Zeiten war das Abbildungsformat des Films für Kompakt und Spiegelreflex eben identisch).

Mittelformat | Es gibt heute digitale Mittelformatkameras die größere Sensoren nutzen als das Kleinbildformat. Bekannte Hersteller solcher Geräte sind Hasselblad, PhaseOne oder Sinar. Im letzten Jahr ließ Pentax mit einer Mittelformat-Kamera aufhorchen, die als Preisbrecher gehandelt wird. Außerdem sorgte in jüngster Vergangenheit auch die deutsche Edel-Kameraschmiede Leica mit einem Kamerasystem für Interesse, das im Grunde eine Spiegelreflexkamera ist, aber einen größeren Sensor als Kleinbild nutzt.

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Mittelformatkameras, wie dieses Modell von Pentax, nutzen deutlich größere Sensorformate, als das Kleinbildformat (Bild: © Pentax Imaging Systems GmbH)

Sensorformat und seine Auswirkungen

Das Gros der Kameramodelle am Markt arbeitet aber aus Preisgründen mit Sensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als Kleinbild. Mit der Größe des Sensorformats sind nun aber eben Unterschiede in Art der Abbildung und der Abbildungsqualität verbunden. Beeinfluss werden vor allem:

  • Bildrauschen;
  • Blickwinkel und perspektivische Wirkung der Brennweite;
  • Schärfentiefe.

Bildrauschen | Bildrauschen – so bezeichnet man eine körnige Struktur aus unterschiedlich hellen oder farbigen Pixeln – gehört zu den wichtigsten Problemen der Digitalfotografie. Man unterschiedet dabei das sogenannte Helligkeits- oder Luminanzrauschen (wie in der Abbildung unten) vom Farbrauschen, bei dem nicht hellere und dunklere Pixel die Struktur ergeben, sondern bunte in den Farben rot, grün, blau, gelb, cyan und/oder magenta. Rauschen wird vor allem in dunkleren Bildbereichen sichtbar. Ein Grundrauschen ist in jedem Digitalbild normal. Oft fällt es aber so gering aus, dass man es praktisch nicht bemerkt. Doch durch lange Belichtungszeiten oder Anheben der ISO-Empfindlichkeit wird der Effekt verstärkt und es kann unangenehm im Bild hervortreten.

Bildrauschen1 Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man die Belichtungszeit reduzieren indem die Sensorempfindlichkeit erhöht wird.
Bildrauschen2 Leider führt das anheben der Empfindlichkeit durch Erhöhen des ISO-Werts zu kräftigeren Bildrauschen.

Je kleiner der Sensor, desto anfälliger für Rauschen. Wobei es streng genommen vor allem auch von der Auflösung abhängt. Im Grunde geht es gar nicht um die Größe des Sensors, sondern wie viele Pixel auf wie engem Raum wie dicht beieinander liegen. Ein kleiner Sensor mit geringer Auflösung muss nicht unbedingt mehr rauschen verursachen, als ein großer Sensor mit sehr hoher Auflösung.

Je größer die Zahl der Pixel und kleiner das Format des Sensors, desto mehr Rauschen wird produziert.

Brennweite | Der zweite Faktor, der vom Sensorformat beeinflusst wird, ist der Blickwinkel den eine bestimmte Brennweite vor einem Sensor ergibt. Die beiden Abbildungen unten zeigen zwei Aufnahmen die vom Stativ aus mit exakt derselben Distanz und derselben Brennweite von 24mm aufgenommen wurden. Der Bildausschnitt den sie zeigen unterscheidet sich gravierend! Die D7000 mit dem deutliche kleineren Sensor nimmt den Buddha sehr viel naher auf, als die D700 mit ihrem Kleinbildsensor.

Dx Aufnahme aus einer Distanz von etwa zehn Zentimeter mit einem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an einer Nikon D7000 mit einem Sensor im Format 24×16mm.
Fx Aufnahme aus derselben Distanz mit dem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an der Nikon D700 mit einem Sensor im Format von 36×24mm.

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Aufnahme die mit einer Kleinbildkamera und 135mm Brennweite aufgenommen wurde. Nehmen wir an, wir würden von derselben Stelle aus mit einer 10 Megapixel Kamera mit Kleinbild und einer 10 Megapixel Kamera mit einem ein Drittel kleineren APS-C- bzw. DX-Sensor diesen Ort fotografieren, wobei beide Kameras eine Objektiv mit einer KB-Brennweite von 135mm tragen. Dann bildet die Kleinbildkamera einen größeren, die DX-Kamera einen kleineren Bildausschnitt ab – trotz gleicher Brennweite! Die Kamera mit dem kleineren Sensor scheint bei gleicher Brennweite das Motiv also näher heranzuzoomen.

Dxundfx Fx
Dx Oben links Bildausschnitt bei 135mm bei Kleinbild und 24×16mm DX-Sensor in der Montage, oben Resultat der 135mm-Brennweite bei Kleinbildformat und links Resultat bei DX-Format.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man Brennweiten und ihre perspektivische Wirkung und den Bildausschnitt den sie abbilden miteinander vergleichen will. Ein sinnvoller Vergleich ist nur dann möglich, wenn man sie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Der Sensor in der Nikon D7000 ist um den Faktor 1,5 kleiner wie jener in der D700: 24×16mm statt 36×24mm. Der Bildausschnitt den jede beliebige Brennweite an der D7000 erzeugt ist 1,5 mal kleiner beziehungsweise 1,5 mal naher als bei der D700. Um also einen Vergleich der Nikon D7000 mit einem Sensorformat, das man als APS-C bezeichnet, mit der D700, die ein Kleinbildformat hat, anstellen zu können, wird das APS-C auf Kleinbild umgerechnet. Das gilt natürlich für alle anderen Marken und Formate ebenso.

Kleinbild ist der gemeinsame Nenner auf den sich die Fachwelt geeinigt hat – die Abkürzung lautet KB. Spricht man allgemein von Brennweiten, dann beziehen sich die Millimeterangaben immer auf Kleinbild, sofern es nicht dezidiert anders angegeben wird.

Um Brennweiten an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten vergleichen zu können, hat man sich auf Kleinbild (KB) als gemeinsamen Nenner geeinigt.

Formatfaktor | Für jedes Format lässt sich ein Umrechnungsfaktor aufstellen, mit dem sich die Wirkung von Brennweiten im Vergleich zu Kleinbild berechnen lässt. Diesen Umrechnungsfaktor bezeichnet man auch als Formatfaktor oder Crop-Faktor.

Bei Nikon ist das einfach. Nikon hat zwei Formate für Spiegelreflexkameras: Geräte, mit einem Sensor im Format 36×24mm, die bei Nikon die Bezeichnung FX tragen. Und Geräte mit einem Sensor im Format 24×16mm, die bei Nikon DX heißen und einen Umrechnungsfaktor auf Kleinbild von 1,5 haben. Ein 50mm Objektiv an einer Nikon mit kleinerem DX-Sensor entspricht dem Bildausschnitt und der perspektivischen Wirkung von 75mm auf Kleinbild: 50 × 1,5 = 75.

Bei Olympus und Panasonic (Lumix) ist das sogar noch einfacher. Deren sogenannte Four Thirds Sensoren haben ein Format von 17,3×13mm und werden mit dem Umrechnungsfaktor 1:2 berechnet: 50mm an einer Four Thirds Kamera entspricht also rund der Bildwirkung von 100mm an einer Kleinbildkamera.

  • Kleinbild: 36×24mm (1:1 KB-Faktor);
  • APS-H (Canon): 27,9mm×18,6mm (≈1:1,3 KB-Faktor);
  • DX (Nikon, Sony, Pentax): 23,7×15,6mm (≈1:1,5 KB-Faktor);
  • APS-C (Canon): 22,2×15,8mm (≈1:1,6 KB-Faktor);
  • Four-Thirds (Olympus, Panasonic): 17,3×13mm (≈1:2 KB-Faktor);
  • Sensor der Canon PowerShot G12 exemplarisch als ein Sensorformat vieler möglicher bei Kompaktkameras: 7,6×5,7mm (≈1:4,5 KB-Faktor).
Powershot g12 Powershot s95
Auf der Front des Objektivs der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 steht die tatsächliche Brennweite der Optik: 6,1mm bis 30,5mm. Die tatsächliche Brennweite der PowerShot S95 reicht von 6mm bis 22,5mm. Allerdings interessieren uns Fotografen in der Regel nicht die technischen Brennweiten, sondern das Äquivalent der Bildwirkung im Vergleich zur Kleinbildkamera. Der Formatfaktor für G12 und S95 beträgt etwa 4,5. Canon gibt die Brennweiten der G12 auf Kleinbild umgerechnet mit 28–140mm an, für die S95 mit 28–105mm.

Schärfentiefe | Ein dritter Unterschied liegt in der unterschiedlichen Schärfentiefe unterschiedlicher Sensorformate. Wie die beiden folgenden Abbildungen jedoch belegen, fällt der Unterschied zwischen mittleren Sensoren, wie Four Thirds, APS-C, DX und APS-H, und Kleinbild nicht besonders dramatisch aus.

Schaefentiefe1
Aufnahme mit der Kleinbildkamera Nikon D700 und 105 mm Objektiv.
Schaefentiefe2
Aufnahme mit der D7000 mit kleinerem Sensor und demselben Objektiv. Aufgrund des Formatfaktors musst ich die Kamera weiter weg stellen um denselben Bildausschnitt zu erreichen. Das Ergebnis ist, dass bei gleicher Brennweite (und gleicher Blende) eine höhere Schärfentiefe entstanden ist.

Je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe, bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Eklatanter wird der Unterschied in der Schärfentiefewirkung zwischen den sehr kleinen Sensoren bei Kompaktkameras und den mittelgroß bis großen Sensoren in Spiegelreflex- und anderen Systemkameras. Dazu habe ich unter ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ schon einmal zwei Bilder gezeigt.

Für die Auswirkung des Sensorformats auf Bildrauschen, Bildausschnitt und Schärfentiefe gelten folgende Regeln:

  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Neigung Bildrauschen zu erzeugen bei gleicher Empfindlichkeit und gleicher Belichtungszeit.
  • Je kleiner der Sensor, desto enger der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite.
  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Schärfentiefe bei gleicher Brennweite und gleicher Blende.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
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1.4. Brennweite

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Für den Laien und Neueinsteiger bedeuten Brennweiten vor allem Eines: Dinge, die weit weg sind, nah heranholen. Heranzoomen. Und wie so oft Begreift der Volksmund die Materie nach dem Motto »viel hilft viel«. 200mm sind mehr ist als 20mm. Ergo: 200mm sind besser. Richtig?

Falsch! Ich würde sogar sagen: Verkehrt! Und ich würde jederzeit eine Kamera mit ausschließlich 24 mm Brennweite einer Kamera mit ausschließlich 200 mm vorziehen. In der Regel habe ich unterwegs immer meine Nikon D80 dabei. Nicht mehr ganz taufrisch, aber noch immer gut für gute Bilder. Als Objektiv habe ich entweder ein 35mm (entspricht 53mm KB) oder 28mm (entspricht 42mm KB) drauf. Beides sind Festbrennweiten, beide sind klein und leicht, beide liefern eine hervorragende Abbildungsqualität und beide sind nicht besonders teuer (ich habe Sie im Artikel über »Fotografische Genres und die geeignete Kamera« schon einmal kurz vorgestellt; vergleichbare Modelle finden sich auch bei anderen Herstellern).

Was bedeutet Brennweite?

Mit ›Brennweite‹ bezeichnet man den Blickwinkel von Objektiven. Weitwinkelobjektive haben einen weiten Blickwinkel, Teleobjektive einen engen Blickwinkel und ein 50mm-Normalobjektiv soll in etwa dem mittleren Blickwinkel des Menschen entsprechen.

Brennweiten
Blickwinkel verschiedener Brennweiten an einer Kamera mit Kleinbildsensor (Vollformat) im direkten Vergleich.

Ein extremes Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von 14mm (1) erreicht einen Blickwinkel von 114 ° und kann damit einen sehr weiten Bildausschnitt abdecken. Mit einem moderaten Weitwinkel und einer Brennweite von 28mm (2) erreicht man einen noch immer weiten Blickwinkel von etwa 75 °. Das ist noch immer weiter mehr als der Blickwinkel unserer Wahrnehmung. Ein 50mm-Normalobjektiv (3) erfasst einen Blickwinkel von knapp 47°. Das ist entspricht etwa der menschlichen Wahrnehmung. Ein Teleobjektiv mit einer Brennweite von 200mm (4) beschneidet den Bildausschnitt auf einen engen Blickwinkel von etwa 12°. Allerdings gelten diese Angaben nur an einer Kamera mit einem Bildsensor im Kleinbildformat von 36×24mm, was man oft auch Vollformat bezeichnet. Bei jedem anderen Sensorformat ergibt dieselbe Brennweite einen anderen Bildausschnitt! Die folgenden Abbildungen zeigen Aufnahmen mit sechs verschiedenen Brennweiten von exakt demselben Standpunkt aus.

Brennweite 27mm 27mm KB ist eine ­moderate Weitwinkelbrennweite. Kompaktkameras ­haben oft Zoomobjektive die erst bei 35mm beginnen. Beeindruckende Landschaften sind damit mehr einzufangen. Auf kurze Distanz ist die Brennweite mit Vorsicht zu ­genießen, da sie zu deutlichen Verzerrungen neigt – siehe zum Beispiel das Dach im Vordergrund.
Brennweite35mm 35 mm KB ist eine leichte Weitwinkel-Brennweite. Sie ist sehr flexibel einsetzbar und wird oft als Reise- und Reportage-Brennweite eingesetzt. Wer damit Anderes als Landschaft fotografiert muss nahe ran. Dementsprechend vermitteln Bilder von 35mm Objektiven dem Betrachter auch den Eindruck nah dran und mitten im Geschehen zu stecken.
Brennweite 50mm 50mm KB gilt als ›die‹ klassische Normalbrennweite. Ihre Bildwirkung ist der menschlichen Wahrnehmung nahe und sorgt für Fotos mit einer neutralen aber auch authentischen Bildwirkung.
Brennweite 75mm 75mm Kleinbild-Brennweite ist als ­leichte Telebrennweite nicht unbedingt für Landschaftsaufnahmen geeignet. Für Porträts hingegen ist sie durchaus zu empfehlen.
Brennweite 160mm 160mm KB ist eine ­moderate Telebrennweite. Teleobjektive und Telezooms sind notwendig, wenn weit Entferntes nahe heran geholt werden soll.
Brennweite 450mm 450mm KB ist eine sehr ­starke Telbrennweite – man spricht auch vom Super-Tele. Für Vogelkundler und Tierfotografen sind diese langen Brennweite unverzichtbar. Im Alltagsgebrauch sind solch lange Brennweiten nur selten für gute Aufnahmen gut. Aus Gesichtern machen sie Pfannkuchen und auf große Distanzen bilden Sie aufgrund immer vorhandener athmosphärischer Störungen so gut wie immer flaue, matschige Bilder ab.

Stark vereinfacht ausgedrückt bezeichnet die Brennweite den Abstand einer Linse zur Ebene des Aufnahmemediums (Film oder Bildsensor). Dieser Abstand wird in Millimeter angegeben. Die heute verfügbaren Objektive sind aus mehreren Linsen aufgebaut, die unter Anderem die Brennweite mit beeinflussen können. Zwar lässt sich feststellen, dass manche 200mm Objektive tatsächlich eine Baulänge von 200mm aufweisen wenn man sie mit dem Lineal abmisst. Aber es muss nicht so sein.

Grundsätzlich gilt: Je länger die Brennweite, desto enger der Bildausschnitt.

Genau genommen holt das Objektiv nicht wie es scheint Objekt näher heran, sondern erweitert lediglich den Bildausschnitt bei kurzen und verengt den Ausschnitt bei langen Brennweiten.

Das verwirrende Problem dabei: Der Blickwinkel einer Brennweite hängt vom Format des Sensors ab. Die ganz oben angegebenen Grad-Werte für die Blickwinkel gelten ausschließlich für Kameras mit einem Sensor im Format von 36×24mm. Dieses Format wird eben als Kleinbildformat (KB) bezeichnet – manchmal auch als Vollformat. Darum geht es im nächsten Artikel.

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Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
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1.3. Architektur und Perspektive

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In vielen Aufnahmesituationen und fotografischen Genres unterstützen drei Fluchtpunkte eine dynamischere Wirkung und erzeugen spannendere Resultate. Und wenn nicht, dann wirken sie sich zumindest nicht negativ auf die Bildwirkung aus. In der Architekturfotografie wirken sich drei Fluchtpunkte jedoch oft negativ aus und vermitteln eine unprofessionelle Bildwirkung.

leichtstuerzend.jpg Dezent stürzende Linie wirken bei der Abbildung von Gebäuden immer etwas fehlerhaft. Zwar stört es den fotografischen Laien nicht bewusst, da wir solche Ansichten aus unzähligen Aufnahmen gewohnt sind. Doch ansprechende Architekturbilder sehen anders aus. In einer Architekturzeitschrift oder in ›Schöner Wohnen‹ würden wir es aber als laienhaften Stil empfinden.

Ambitionierte Architekturfotografen arbeiten statt dessen oft mit extremen Perspektiven – zum Beispiel durch Weitwinkel aus kurzer Distanz.

spannendeperspektive.jpg Werden stürzende Linien so angelegt, dass sie extrem flüchten, kann das Ergebnis spannend sein. Das Bild stammt übrigens von der Canon Powershot S95 und zeigt wie gut das Rauschverhalten von Kompaktkameras in der Blauen Stunden mittlerweile geworden ist.

Shiften | Meistens strebt der Achritekturfotograf, sofern er nicht gerade Wolkenkratzer und hohe Türme abbilden will, nach einer unverzerrten Darstellung ohne stürzende Linien. Professionelle Architekturfotografen verwenden deshalb oft spezielle Objektive, mit denen sie durch verschieben der Objektivebene – dem sogenannte Shiften – die Optik so beein­flussen können, dass die senkrechten Wände von Gebäuden auch senkrecht aufs Bild kommen. Sie vermeiden damit das Stürzen der Fassaden.

TS-E_24mm_w200_tcm83-624767.jpg Shift- und, wie hier, Tilt-Shift-Objektive sind highend Präzisionsgeräte. Die Tilt-Shift-Objektive von Canon genießen einen hervorragenden Ruf unter Architekturfotografen. Schnäppchen sind sie aber keine. Wer eines möchte, muss schon in Richtung zwei Kilo kalkulieren. (Bild: canon.de)

Korrektur durch Verzerrung

Man kann sich aber mit Tricks auch mit normalen Objektiven behelfen um Architektur ohne stürzende Linien abzulichten. Eine Möglichkeit bietet die Nachbearbeitung in der digitalen Dunkelkammer. Dabei wird das Bild digital so verzerrt, dass stürzende Linien durch diese Verzerrung anschließend senkrecht auf dem Bild stehen.

graf110a.jpg Da wir Gebäude in der Regel eher von unten, aus der ›Froschperspektive‹, sehen und auch so fotografieren, entstehen zum Himmel hin fliehende (stürzende) Linien.
graf110c.jpg In der digitalen Dunkelkammer – der Entwicklung von Fotos am Computer – kann man stürzende Linien relativ einfach und gut korrigieren. Hier zum Beispiel durch ›Frei Transformieren‹ in Photoshop.
graf110b.jpg Das Ergebnis ist zwar kein professionelles Architekturfoto – immerhin wurde es mit einer Kompaktkamera aufgenommen – aber es wirkt schon weniger laienhaft, als vor der Bearbeitung.

Ohne vertikale Verzerrung fotografieren

Die zweite Möglichkeit Architektur ohne stürzende Linien abzulichten sieht so aus: Man achtet darauf, dass sich der Horizont während der Aufnahme vertikal in der Mitte des Bildes befindet. Dadurch ist die Kamera weder nach unten noch nach oben gekippt und die vertikalen Linien des Motivs werden vertikal (und nicht stürzend) aufgenommen. Sobald man die Blickachse durch das Objektiv nach oben oder unten kippt erfahren die Elemente der Motive eine vertikale Verzerrung.

Stuerzend Auch hier hat das Kippen der Kamera, um das Gebäude von unten bis oben komplett in den Bildausschnitt zu bekommen, dazu geführt, dass sich die Fassade nach oben hin zu verjüngen scheint..
Unverzerrt Hier habe ich den ­Effekt bereits bei der Aufnahme gering gehalten, indem ich die vertikale Mitte des Bildausschnitts möglichst nah am Horizont ausgerichtet habe. Der Rest wurde digital am Computer beschnitten und korrigiert.

Ablichten und beschneiden | Wenn ich eine vertikale Ver­zerrung in einem Motiv vermeiden möchte – also speziell in der Architekturfotografie –, dann achte ich darauf, dass die vertikale Mitte des Bildausschnitts in einer Linie mit dem Horizont liegt.

horizontale-Bildachse.jpg
Verläuft die Blickachse absolut waagrecht, entstehen in einem Foto keine stürzenden Linien.

Viele Kameras bieten dazu die Möglichkeit ein Gitternetz einzublenden, um bei der Bildkomposition und -ausrichtung zu helfen. Bei manchen lässt es sich für Live-View am Display einblenden, andere erlauben es elektronisch im Sucher anzuzeigen, bei wieder anderen muss man die Mattscheibe des Suchers tauschen. Ich fotografiere praktisch niemals ohne Gitterlinien, egal ob mit Kompakt über das Display oder mit SLR über den Sucher. Es hilft nicht nur, wenn man im Umfeld von Architektur fotografiert, sondern auch bei Orten und Landschafen die exakte Horizontale zu finden und zu halten. Bei Verrenkungen für ungewöhnliche Perspektiven ist das oft gar nicht so einfach! Und bei Aufnahmen, bei denen exakt Horizontal und Vertikal eher sekundär ist, zum Beispiel bei Porträts, stören die Linien zumindest nicht. Ja sie helfen sogar dort als Gedächtnisstütze über eine asymmetrische Bildkomposition nachzudenken, statt das Hauptmotiv einfach nur in die Mitte zu nehmen.

Nikonsucher Bei den meisten Nikons kann über die Individualfunktionen des Kameramenüs ›Gitterlinien‹ einblenden. Im Display der Nikon D7000 sieht das dann so aus. Wenn eine Kamera die elektronische Anzeige einer solchen Hilfe nicht erlaubt, dann kann alternativ die Mattscheibe im Sucher getauscht werden um eine permanente zur Verfügung zu haben.

Hier habe ich die Gitterlinien genutzt um die Mitte des Bildausschnitts exakt am (vermuteten) Horizont auszurichten.

Villavorbeschnitt Das Ausrichten der Bildmitte am Horizont führt dazu, dass Kamera nicht gekippt wird und der Blickwinkel durch das Objektiv exakt waagrecht verläuft. Dadurch bleiben aufsteigende Linien unverzerrt.

Natürlich führt das oft zwangsläufig dazu, dass man ein horizontal eingemittetes Ergebnis ohne Spannung erhält, bei dem unten (im Vordergrund)oft unattraktive Bereiche mit im Bild sind..

Villanachbeschnitt Doch diese Bereiche werden einfach in der digitalen Dunkelkammer weggeschnitten. Das Resultat ist eine Architekturaufnahme ohne stürzende Linien.

Der Trick gleich beim Fotografieren auch ohne teure Shift-Objektive Architektur ohne stürzende Linien ablichten zu können, besteht also ganz einfach darin, die Blickrichtung durch das Objektiv weder nach oben noch nach unten zu kippen. So kommen unverzerrte Fassaden aufs Bild und unschöne, überflüssige Flächen werden einfach anschließend am Computer beschnitten. Das geht natürlich nicht nur mit Spiegelreflex-, sondern auch mit Kompaktkameras.

Gitternetztdisplay Hier habe ich am Display der Canon PowerShot G12 ebenfalls das Gitternetz genutzt um bei der Aufnahme dieses alten Holzhauses in der Schweiz stürzende Linien zu verhindern. Die PowerShot bietet zwar mit der Dreifachteilung keine vertikale Mittellinie, es hilft aber doch den Horizont auszurichten.
Unverzerrt anschnitt Die Straße im Vordergrund habe ich dann einfach am Computer abgeschnitten. Das Haus steht ohne stürzende Fassade.
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1.2. Alles aus Augenhöhe fotografieren

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Eine wesentliche Überlegung wenn ich etwas fotografiere und nach dem optimalen Blickwinkel suche ist: Wo hat das Objekt seine Augen?
Grundsätzlich lässt sich das Interesse eines Betrachters folgendermaßen auf den Punkt bringen: Was den Menschen am meisten interessiert ist der Mensch. Was den Menschen am Menschen am meisten interessiert ist das Gesicht. Was den Menschen am Gesicht am meisten interessiert sind die Augen.

Augen
Nichts berührt uns mehr als ein Blick. Vor allem wenn er uns direkt in die Augen blickt und nicht an uns vorbei oder zur Seite.

Was können wir daraus ableiten? Wenn Augen im Bild sind müssen sie scharf und deutlich abgebildet sein. Besonders Unschärfe wird bei den Augen des Hauptdarstellers einer Szene so gut wie immer als Fehler empfunden.

Diese Regel darf keinesfalls nur auf menschliche Gesichter angewendet werden. Ganz egal ob man Männer, Frauen, Kinder, Pferde, Hunde, Katzen, Hamster oder Bienen fotografiert – wenn Augen auf dem Bild sind müssen sie scharf sein. Das gilt auch für unbelebte Objekte wie Skulpturen.

Unscharfe augen
Ich finde den Kerl ja phantastisch. Leider liegt der Fokus etwas zu weit vorne. Auf der Nase. Die ­Augen sind unscharf. Liegt der Fokus nur geringfügig vor oder hinter der Stelle, an der er liegen sollte, wird ein Foto immer als misslungen empfunden.

Es gibt aber auch Dinge, die eigentlich kein Gesicht haben, in denen wir aber trotzdem eines sehen. Bei Häusern ist das zum Beispiel relativ häufig der Fall.

Hausmitaugen Ich glaube es fällt nicht schwer hier ein Gesicht zu sehen. Wahrscheinlich fällt es ­sogar schwer das Gesicht nicht zu sehen.

Zwar darf die Regel, dass Augen immer scharf sein müssen, bei Objekten, die ein Gesicht zu haben scheinen, aber nicht wirklich eines haben, lockerer gesehen werden. Doch es schadet nichts bei jedem Motiv die Überlegung mit einzubeziehen: Wo hat das Objekt seine Augen? Und wohin blicken sie?

Das führt uns zur nächsten Überlegung, dass die meisten Motive am besten zur Geltung kommen, wenn man sie aus Augenhöhe fotografiert – also mit diesen Objekten auf Augenhöhe geht.

Blume in augenhoehe Die zarte, verwelkende Blüte und der eiserne, kalte Drahtzaun. Hätte ich die Blume nicht aus Augenhöhe fotografiert wäre die Perspektive langweilig ausgefallen und die ­Betonmauer darunter sichtbar gewesen.
blume.jpg
Gerade bei kleinen Objekten führt das Fotografieren aus Augenhöhe zu ungewöhnlichen Ansichten die ein Foto interessanter machen, als wenn man aus dem gewöhnlichen Blickwinkel eines Erwachsenen fotografiert.

Kinder und Haustiere | Ähnliches gilt für das Ablichten von Kindern und Haustieren (die kleine Klasse Haustiere, wie Hamster, Katzen und Hunde, nicht die, die unseren Kopf überragen können, zum Beispiel Pferde).

Ich amüsiere mich immer etwas über Fotografen, die mit Spiegelreflexkameras und professioneller Ausrüstung durch die Gegend marschieren und Kinder, Tiere und Blumen aus der ­Perspektive heraus ablichten, aus der heraus sie gerade auf diese Motive aufmerksam wurden. Eine bessere Möglichkeit alltägliche und langweilige Fotos zu machen gibt es kaum.

Kleinerhund Ein Hundeleben, immer von oben herab angesehen zu werden.
Hund aufaugenhoehe
Begegnung auf Augenhöhe macht Tierbilder spannender.

Die beiden Abbildungen oben veranschaulichen deutlich um wie viel besser tierische Modelle zur Geltung kommen, wenn man sie nicht aus der langweiligen Durchschnittsmenschenperspektive ablichtet, sondern sich mit ihnen auf Augenhöhe begibt. Gute Fotografie verlangt eben auch Beweglichkeit vom Fotografen.

augenhoehe.jpg Wer mit Kindern auf Augenhöhe geht betrachtet sie auch mit ihren Augen.

Alternativ bietet sich allerdings auch die ungewöhnlichen ­Perspektiven steil von oben herunter an (Abbildung 2.26) – die kleinen Kinder wirken dann wie Zwerge – oder von tief unten hinauf (Abbildung 2.25) – das macht aus den Kindern Riesen. Auf jeden Fall müssen Sie sich bewusst sein: Alltägliche Blickwinkel auf alltägliche Motive erzeugen Allerweltsbilder.

Kinder normalperspektive So sehen wir Erwachsenen Kinder üblicherweise – leicht von oben herab.
Kinder als zwerge
Aus dieser Perspektive sehen Kinder aus wie Zwerge. Die Aufnahme hat bedeutend mehr Witz als die Abbildung oben – das finden auch die Kinder.
Kinder ganz gross Von unten hinauf hingegen werden die Kinder ganz groß – das gefällt ihnen noch mehr.
micky.jpg Noch kleiner als Kinder. Aber auch er sieht interessanter aus, wenn man ihn nicht einfach gewöhnlich von oben herab fotografiert.
auto.jpg
Auch Dinge haben ein Gesicht. Bei Autos wissen wir das seit Disney. Wenn ihr nicht wisst, was alles ein Gesicht hat, dann schaut doch einmal bei »Dinge mit Gesicht« auf FaceBook vorbei.
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Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
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0.4. Fotografische Genres und die geeignete Kamera

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Es gibt viele fotografische Themenbereiche, beziehungsweise Genres. Zum Beispiel Porträtfotografie, Makrofotografie, Landschaftsfotografie, Sportfotografie, Architekturfotografie, Bühnenfotografie, Wildlife-Fotografie, Street Photography, Aktfotografie, Reportagefotografie und, und, und.

Nicht jede Kamera ist für jedes Genre geeignet. Jedes Kamera­konzept hat Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen. Ich halte es für wichtig dieses Thema zu beleuchten, denn die richtige Kamera ist mit ausschlaggebend für das Gelingen von Bildern und damit für die Freude an der Fotografie.

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Kompaktkamera: Fixes Objektiv, in der Regel kleine Bildsensoren. (Bild: canon.de) Sucherkamera: Der Klassiker dieses Baukonzept ist die Leica. Meist lassen sich die Objektive wechseln. Hier bei der Fuji X100 ist das Objektiv fix verbaut. Die Bildsensoren sind mittel bis groß. (Bild: fujifilm.de)
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Systemkamera ohne optischen Sucher, aber mit der Möglichkeit Objektive zu wechseln. (Bild: panasonic.de) Spiegelreflexkamera: Schnell, flexibel und hochwertige Abbildungsqualitäten durch mittlere bis große Bildsensoren, dafür aber auch groß und schwer. (Bild: nikon.de)

Oft schon habe ich in Fotoforen und auf Fotoblogs Kommentare von Fotografen gelesen die eine teure Fotoausrüstung wieder veräußert haben weil sie in bestimmten Situationen an die Grenzen des Kamerakonzepts gestoßen sind. So kann ich mich an einen wanderbegeisterten Fotografen erinnern, der seine Spiegelreflexkamera (Single Lens Reflex (SLR) oder Digital Single Lens Reflex (DSLR)) samt Objektiven verkauft hat, weil es ihm zu mühsam war die schwere Gerätschaft in den Bergen mitzuschleppen. Statt dessen ist er auf eine Kompaktkamera mit kreativen Einstellmöglichkeiten umgestiegen umgestiegen. Eine vernünftige Entscheidung, will ich meinen.

Bei Landschaftsfotografie unter Tageslichtbedingungen – worum es ja einem Natur- und Wanderfreund in erster Linie gehen dürfe – sind die Ergebnisse von Kompaktkameras oft erst beim studieren der Details in der vergrößerten Ansicht am Computer, von den Resultaten von Spiegelreflexkameras zu unterscheiden.

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Zwei Aufnahmen von derselben Position auf dieselbe Landschaft. Einmal SLR, einmal Kompakt. Aber was ist was?

Sogar wenn es darum geht zwischendurch Blumen und Bienen als fotografierte Beute mit nachhause zu nehmen haben Kompaktkameras gegenüber Spiegelreflexkameras eindeutige Vorteile. Ohne spezielles Makroobjektiv sind richtig kleine Fundstücke mit einer DSLR kaum abzulichten – mit einer Kompakten ist das meist kein Problem.

Der größte Vorteil von Kompaktkameras für Wander und Reisefotografen ist allerdings: sie sind klein und leicht. Der Schluss »je größer desto besser« lässt sich auf die Fotografie nicht generell anwenden. Wer sich für ein bestimmtes Genre entscheidet tut gut daran vor dem Einkaufen zu eruieren welches Konzept diesem Thema am besten entgegen kommt. Wer sich für viele Genres interessiert wird nicht darum herum kommen sich früher oder später nach einer Zweit- oder Drittkamera umzusehen.

Betrachten wir uns einmal ein paar Genres und reden wir darüber, was für ein Kamerakonzept ihnen am besten entgegen kommt.

Landschaftsfotografie | Ambitionierte Landschaftsfotografen bevorzugen in der Regel Spiegelreflexkameras, hochwertige Objektive und stabile, meist schwere Stative, um ihre Motive mit dem letzten Quäntchen Schärfe abbilden zu können.

Manfrotto Ich verwende gelegentlich das Stativ Manfrotto 190 XPROB. ­Obschon kein wirkliches Leicht­gewicht dürfte es vielen Landschaftsfotografen dennoch zu leicht und Schwingungsanfällig sein.

Da der Landschaftsfotograf oft vor allem die Weite von Landstrichen einfangen will arbeitet er meist mit Weitwinkelobjektiven.

14-24mm 2.8 Nikkor Weitwinkelobjektiv erster Güte: Das AF-S Nikkor 14–24 mm 1:2,8 G ED. Solch extreme Weitwinkelbrennweiten sind nicht pflegeleicht in der Anwendung. Aber ich liebe das 14–24mm gerade wegen der extremem Perspektiven die es ermöglicht. Ich habe auch bereits einen ausführlichen Artikel darüber gepostet.
Bild: © Nikon GmbH
Mikrobe Es braucht nicht viel, damit ein ­Objekt bei 14mm dermaßen ver­unstaltet abgebildet wird. Oder drastischer Ausgedrückt: Foto­grafiert man mit extremen Weitwinkeln muss man höllisch auf­passen, dass nicht ein Großteil der Aufnahmen verunglückt. Weitwinkel ist in ­meinen Augen am spannendsten aber auch am schwierigsten zu beherrschen.
Kamera: Nikon D700
Objektiv: 14–24 mm 2:2,8

Wer Landschaften fotografiert hat gerne weiches Licht. Das lässt sich bei wolkenlosem Himmel um die Mittagszeit herum kaum er­reichen. Der Landschaftsfotograf sollte für das beste Licht gerne früh aufstehen und auf den Weg gehen. In der Zeit um den Sonnen­aufgang herum zeigt sich Landschaft meist im schönsten Licht. Rund um den Sonnenuntergang – beziehungsweise kurz danach – ist das Licht zwar auch meist weich aber davor relativ gelb- und danach relativ blaustichig.

People- und Porträtfotografie | Auch der People- und Porträt-Fotograf arbeitet in der Regel am liebsten mit einer griffigen Spiegelreflexkamera.

So wie das Weitwinkel zum bevorzugten Objektiv des Landschaftsfotografen gehört, wählt der Porträtfotograf am liebsten leichte Teleobjektive im Brennweitenbereich zwischen 80mm und 120mm. Diese Brennweiten sind am besten geeignet Gesichts­proportionen plastisch und unverzerrt abzubilden.

Portraet24mm Porträt bei 36 mm Kleinbild. Die Gesichtszüge ­scheinen schmal, die Proportionen verzerrt.
Portraet50mm An einer Kleinkamera wären 50mm zu kurz für die harmonische Abbildung von Gesichtszügen. An Consumer-Kameras von Canon, Nikon, Pentax oder auch Olympus und Panasonic ist sie aber durchaus für Nahaufnahmen von Gesichtern geeignet. So ergibt sich an der Nikon D7000 auf Grund des sogenannten Formatfaktors (siehe auch Formatfaktor) ein tatsächlicher Blickwinkel eines leichten Teles mit 75mm Brennweite.
Portraet105mm Das AF-S Micro Nikkor 105mm 1:2,8 G VR gehört an einer Kleinbildkamera zu den perfekten ­Porträt-Objektiven. Hier an der D7000 erzeugt es allerdings einen Blickwinkel der knapp 158mm an Kleinbild entspricht. Das ist zu lang. Die Gesichtszüge erscheinen dadurch runder und flacher. Den fotogenen Gesichtszügen von Vanessa ­schadet das zwar nicht. Doch wer ihr live begegnet empfindet ihre Gesichtszüge anders.
Portraet300mm 300mm an einer Kamera mit mittelgroßem Sensor ergeben den Blickwinkel einer Brennweite von 450mm bei Kleinbild. Das macht einen völlig anderen und irgendwie fremden Menschen aus Vanessa. Immer noch hübsch aber die Kopfform scheint flacher und das Gesicht eckiger geworden zu sein. Vergleicht man die vier Aufnahmen könnte deutlicher kaum werden wie Brennweiten ein Gesicht verändern können.

Brennweiten im leichten Tele-Bereich helfen nicht nur Gesichtszüge mit einer vorteilhaften perspektivischen Wirkung abzubilden sondern unterstützen zusätzlich auch noch die Weichzeichnung des Hintergrundes. Ein durch Unschärfe weichgezeichneter Hintergrund verwischt Details und verhindert, dass der Hintergrund vom Hauptmotiv ablenkt. Bei Kompaktkameras ist das in der Regel etwas schwieriger, da sie eine sehr hohe Schärfentiefe (siehe auch Schärfe) abbilden und somit den Hintergrund scharf auf das Bild bannen.

Scharf Aufnahme mit der Kompaktkamera Canon PowerShot S95 bei maximaler Brennweite von 105mm und größtmöglicher Blendenöffnung ƒ4.9. Sowohl längere Brennweite, als auch offene Blende helfen den Hintergrund weniger scharf abzubilden. Richtig unscharf wird der Hintergrund aber auf diese kurze Distanz bei dieser Brennweite mit dem kleinen Sensor einer Kompaktkamera trotzdem nicht. Kompaktkameras sind keine Porträtkameras!
Nichtsoscharf Aufnahme mit der Canon PowerShot G12 bei 135mm und Blende ƒ4.5. Die Brennweite ist länger und die Blende ein bisschen weiter offen als beim Bild oben. Sowohl die etwas weiter geöffnete Blende als auch – und vor Allem – die längere Brennweite tragen zum weicheren Hintergrund bei.
Unscharf Der Vergleich der Aufnahmen der Kompaktkameras oben mit dem Resultat einer Spiegelreflexkamera hier macht deutlich weshalb Porträtfoto­grafen keine Kompaktkameras nutzen: Der größere Sensor einer Spiegelreflexkamera, egal ob mittelgroße Four-Thirds-, APS-C- oder APS-H-Formate oder das große Kleinbildformat, bietet einfach deutlich mehr Spielraum mit Schärfentiefe zu gestalten und Modelle durch unscharfen Hintergrund freizustellen.

Die oberen drei Abbildungen zeigen, dass ein unscharfer Hintergrund die porträtierte Person besser zur Geltung bringt. Die drei Bilder zeigen aber auch, dass das nur bei einer Kamera mit mittlerem oder großem Sensor vernünftig funktioniert – in der Regel heißt das Spiegelreflex. Kompaktkameras mit kleinen Sensoren bilden bei Porträts die Hintergründe bei Brennweiten, die dem Blickwinkel von 105mm oder 135mm Kleinbild entsprechen und optimal für Porträts sind, viel zu scharf ab.

Spiegelreflexkameras haben darüber hinaus auch den Vorteil durch ihr großes Volumen, die griffige Ergonomie und ihr Gewicht sicher und satt in der Hand zu liegen. Der Blick durch den Sucher hilft zusätzlich Verwackelung zu vermieden, da die Kamera nicht nur in Händen gehalten wird, sondern durch die Auflage vor Nase und Stirn einen dritten Stabilisierungspunkt erhält. Und da man Modelle und Personen, die man Porträtieren muss, nur selten über Wanderungen besucht, stellen Gewicht und Umfang der Ausrüstung in diesem Genre keinen Nachteil dar.

Sucher Beim Fotografieren über den ­Sucher wird die Kamera mit zwei Händen gehalten und am Kopf ­angelehnt. Das mag teilweise zu seltsamen Verrenkungen führen, bietet aber deutlich mehr Stabilität als würde man die Kamera einfach von sich weg halten und mit den Bildausschnitt über das Display bestimmen.

Fazit: Der sport- und wanderbegeisterte Landschaftsfotograf mag Freude mit einer kompakten Kamera haben und tolle Ergebnisse damit erzielen. Wer jedoch Menschen und Porträts eher im Mittelpunkt seiner fotografischen Leidenschaft sieht sollte unbedingt zu einer Spiegelreflexkamera greifen.

Reise- und Reportagefotografie | Spiegelreflexkameras bieten in der Regel hervorragende Bildqualität. Wer von einer Kompaktkamera auf eine SLR umsteigt wird das Gefühlt haben, dass seine Ergebnisse schlagartig besser werden. Nicht bei jedem Motiv. Aber vor allem bei Aufnahmen von Menschen wird er diese Erfahrung machen. Das hat vor allem damit zu tun, dass diese Kameras auch im vollautomatischen Modus, beim Fotografieren von Menschen, Tieren und anderen nahen und nicht zu großen Objekten, eine relativ kurze Schärfentiefe erzeugen und somit freistellen. Das wirkt fast immer besser, als wenn der Hintergrund, wie bei Kompaktkameras, scharf mit aufs Bild kommt.

Darüber hinaus sind Spiegelreflexkameras äußerst flexibel, da sie als Systemkamera die Möglichkeit bieten Objektive zu wechseln und sie somit der Situation und Aufgabe anzupassen. Aber der Preis dafür ist eben die Größe und das Gewicht der Ausrüstung. Reise- und Reportagefotografen ziehen deshalb oft leichteres Equipment vor.

Die erste Möglichkeit zum Abspecken stellt es dar, statt eines professionellen oder semiprofessionellen Modells eine Kamera aus der Einsteiger- oder Mittelklasse zu verwenden. Diese Geräte haben in der Regel bereits sehr gute Abbildungsqualitäten, sind aber kompakter und leichter gebaut.

Die Wechselobjektive bleiben am besten zuhause. Statt dessen darf ein rundum-glücklich-Objektiv mit auf Reise, wie ein 18–200mm-Zoomobjketiv. Die Abbildungsqualität von Zoomlinsen, mit einem so weiten Brennweitenbereich, erreicht zwar im Detail nicht die Exzellenz von Zoomobjektiven mit kleinerem Brennweitenumfang – schon gar nicht von Festbrennweiten. Dafür ist man aber sehr flexibel um je nach Bedarf zwischen Weitwinkel- und Tele-Bereich zu wechseln – ohne das Objektiv zu wechseln! Ein Nachteil jedoch wiederum: Objektive mit einem so weiten Zoombereich sind meist nicht besonders lichtstark. Das heißt ohne Stativ packt man seine Ausrüstung sehr viel früher ein, als Fotografen mit lichtstarken Objektiven.

Telezoom Ein Zoomobjektiv mit außerordentlich breitem Brennweitenbereich: Das Sigma 18-250mm F3,5-6,3 DC OS HSM. Mit 630g deutlich schwerer als manche Kompaktkamera, dabei aber noch nicht wirklich schwer und vor allem äußerst flexibel. (Foto: sigma-foto.de)

Eine radikale Alternative zu Zoomobjektiven stellt für Reise und Reportagefotografen die Festbrennweite dar. Sie ist leicht, bei kurzen Brennweiten nicht besonders teuer und liefert dennoch eine Qualität und Lichtstärke, für die man bei Zoomobjektiven vierstellige Beträge in die Hand nehmen muss. Ich selbst habe bislang an meiner Nikon D80 eine 35mm-Festbrennweite für unterwegs genutzt. Ein Objektiv das ich Nikon-DX-Fotografen uneingeschränkt empfehlen kann.

35mmnikkor Nikon 35mm ƒ1.8 Festbrennweiten-Objektiv. Klein, leicht, kompakt, preiswert und trotzdem sehr gute Abbildungsqualität. (Foto: nikon.de)

Im Angebot für Canon, Pentax und Sony gibt es sicherlich Objektive mit vergleichbaren Brennweiten. Olympus- und Pentaxfotografen können zum wunderbar flachen 25mm Pancake Objektiv greifen, das 50mm Kleinbild entspricht.

EZ 25mm Pancake XL Flacher geht kaum: Das 25mm Pancake Objektiv von Olympus zeigt denselben Bildausschnitt, wie ein 50mm Kleinbildobjketiv. (Foto: olympus.de)

Allerdings ist der Blickwinkel von 53mm (bezogen auf Kleinbild) was für viele Situationen bereits zu eng ist. Deshalb nutze ich seit Kurzem bevorzugt ein Objektiv mit 28mm Festbrennweite. Dieses hat an der D80 den Blickwinkel von 42mm Kleinbild und das ist ein Bereich, der klassischen Reise- und Reportage-Brennweiten sehr nahe ist.

Af 28mm AF Nikkor 28 mm 1:2,8 D. Nicht mehr die jüngste Linse im Nikon-Park, aber dafür recht preiswert. Für Straßenpreise ab etwa 300 Euro darf man professionellste Qualität erwarten. An einer ­Kamera mit DX-Sensor kommt die Brennweite auf 42 mm und ist ­damit vorzüglich als immer-dabei-Linse geeignet. Die mit ƒ2.8 hohe Lichtstärke erlaubt auch bei ­spärlichem Umgebungslicht noch ausreichend kurze Belichtungszeit und gibt Freiraum um mit Schärfentiefe zu spielen.
(Bild: © Nikon GmbH)

Wer jetzt erschreckt zurückschreckt und sich denkt, dass eine einzige, feste Brennweite eine inakzeptable Einschränkung darstellt, der hat wahrscheinlich noch nicht oft mit Festbrennweiten fotografiert. Zwar ist der Verlust an Flexibilität nicht von der Hand zu weisen, doch die Beschränkung auf eine feste Brennweite bringt auch Vorteile: Man kann es sich als Fotograf nicht mehr bequem machen und von der Stelle aus auf den Auslöser drücken, an der einem ein Motiv ins Auge gesprungen ist. Statt dessen muss man sich dem Objektiv nähern und nach der perfekten Perspektive suchen. Die Einschränkung führt dadurch zu einer zwangsweise intensiveren Auseinandersetzung mit dem Motiv und zu interessanteren Ansichten, die man gar nicht gefunden hätte, hätte man einfach nur an es heran gezoomt.

Weitwinkel oder Normalobjektiv haben gegenüber Teleobjektiven klare Vorteile:

  • Es lassen sich mit Ihnen auch mehr oder weniger weite Landschaften einfangen, was mit Brennweiten über 50mm kaum mehr möglich ist.
  • In Städten, Straßen und Gassen ist man flexibler. Man kann an kleine Objekte herantreten und für die Aufnahme ganzer Fassade auch wieder ausreichend auf Distanz gehen. Mit einer langen Brennweite steht man da schnell einmal an der Wand.
  • Dasselbe gilt natürlich auch in Räumen, wie Kneipen, Museen, Schlössern und Kirchen. Ein Weitwinkel kann die Stimmung eines ganzen Raumes einfangen, mit Teleobjektiven können Sie höchstens einzelne Menschen oder kleine Menschengruppen fotografieren.
  • Bilder, die mit Teleobjektiven aus der Distanz geschossen werden, erzeugen beim Betrachter ein Gefühl der Distanz und vermitteln gerne einen voyeuristischen Charakter. Bilder hingegen, die mit 50mm, 35mm, 28mm oder geringer aufgenommen wurden, vermitteln dem Betrachter den Eindruck mitten im Geschehen zu stecken und ganz nah an der Szene dran zu sein. In der Reise- und Reportagefotografie erzeugen Weitwinkelaufnahmen in der Regel authentischere Ansichten.
  • Mit Weitwinkel fotografiert man noch, wenn das Licht für Teleobjektive nicht mehr ausreicht. Lichtstärke ist bei moderatem Weitwinkel bedeutend preiswerter zu bekommen, als bei Teleobjektiven. Ganz abgesehen davon, dass man mit Weitwinkel generell längere Belichtungszeiten aus freier Hand halten kann als bei Telebrennweiten.

Die Art, wie Wanderer und Ausflügler fotografieren, ist in der Regel der Reisefotografie ähnlich. Auch Sie profitieren von leichtem, flexiblem Equipment. Hochwertige Kompaktkameras stellen für sie oft die vernünftigere Alternative zu Spiegelreflexkameras dar. Zwar können SLRs heute noch durch die Bank durch geringeres Rauschen punkten wenn es in die Dämmerung hinein geht. Doch das ist meist die Zeit in der der Wanderer bereits zuhause vor dem Computer sitzt um seine Beute zu sichten. Unter normalen Lichtbedingungen hingegen ist an der Abbildungsleistung von guten Kompaktkameras heute kaum mehr viel auszusetzen. Und wie bereits erwähnt: Mit der Kompaktkamera fotografiert man Landschaft, Hund, Blume und Käfer im Zeitraum von Augenblicken – bei der SLR liegt dazwischen oft der Objektivwechsel.

Makrofotografie | Was bei der Portätfotografie ein Vorteil ist, ist in der Makrofotografie meist ein Nachteil: Geringe Schärfentiefe. Auf kurze Distanz schrumpft bei offener Blende die Schärfentiefe bei SLR oft auf den Bereich eines Millimeters zusammen. Das reicht oft nicht einmal aus um das Facettenauge eines Insekts von vorne bis hinten scharf aufzunehmen und es wird auch schwieriger den schärfsten Bereich exakt auf den gewünschten Bereich – die Augen – zu legen. Die kleinen Sensoren von Kompaktkameras ergeben von Haus aus eine viel höhere Schärfentiefe und das ist beim Ablichten winziger Models ein absoluter Vorteil.

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Diese Aufnahme entstand mit einer Kompaktkamera, mit einem Abstand von kaum mehr als einem Zentimeter zur Ameise. Mit einer SLR wäre ein vergleichbares Ergebnis praktisch nur mit Blitzen möglich gewesen – separaten, nicht dem Blitz auf der Kamera.
Ob die Ameise so lange gewartet hätte?
Makro slr
Makro-Aufnahme mit der SLR Nikon D700 und 105mm Makroobjektiv. Die Schärfentiefe ist sehr gering. Das kann auch reizvoll sein. Hier ist es das nicht. Der schärfste Punkt liegt auf dem oberen Fühler, sollte aber auf den Augen liegen. Den Schärfepunkt exakt zu setzen ist natürlich mit so geringer Schärfentiefe schwierig. Ein Millimeter daneben und schon kann ein Foto misslungen sein.

Das heißt nicht, dass Makrofotografen meist mit Kompaktkameras durch Wälder und Wiesen streifen. Doch mit aktuellen, kompakten Modellen lassen sich durchaus exzellente Ergebnisse erzielen. Die Objektive von Kompaktkameras erlauben es dabei sogar oft auf Distanzen von einem Zentimeter oder noch geringer scharf zu fokussieren. Normale Objektive von SLRs hingegen verlangen meist einen Mindestabstand von zwanzig, vierzig, siebzig oder noch mehr Zentimetern. Der Makrofotograf mit der DSLR ist deshalb gezwungen spezielle Makroobjektive auf seine Kamera zu schrauben um die Welt des Kleinsten zu fotografieren. Mal eben eine Landschaft ablichten, dann ein Eichhörnchen in einigen Metern Entfernung und im nächsten Moment einen Marienkäfer geht eben nicht ohne Wechsel des Objektivs. Natürlich verwenden die meisten ambitionierten Makrofotografen dennoch Spiegelreflexkameras, um das letzte Quäntchen zusätzlicher Qualität aus ihren Aufnahmen heraus zu kitzeln. Dafür sind sie aber dann auch meist mit Stativ, speziellem Makroblitz und zum Teil auch Reflektoren unterwegs.

Street Photography | Was für den Reise- und Reportagefotografen gilt – dass kurze Brennweiten Nähe erzeugen – gilt für den Fotografen auf der Straße genauso, will er das Treiben der Menschen einfangen. Natürlich gibt es auch hier Fotografen, die mit großen SLR-Boliden und langen Telezooms aufkreuzen. Doch je näher der Fotograf an die Leute ran geht, desto spannender, fesselnder und authentischer wirken die Resultate. Dabei muss der Straßenfotograf den Spagat schaffen nah an seine Opfer heranzukommen, muss dabei aber unentdeckt bis er abgedrückt hat. Die Magie eines Augenblicks in dem Menschen miteinander interagieren, in sich versunken sind oder einer interessanten Tätigkeit nachgehen, ist ein scheues Reh das beim Anblick einer Kamera verschwindet noch bevor man den Auslöser durchdrückt.

Wichtige Eigenschaften für eine Kamera für die Streetphotography sind, dass Sie geräuschlos auslösen und unauffällig sind. Während es viele Leute einfach ignorieren, wenn man mit einer Kamera, die an einen kompakten Knipserapparat erinnert, auf sie zielt, haben es die wenigsten gerne wenn das Gerät, in dessen Visier sie sich fühlen, an die Ausrüstung von Paparazzo erinnert.

Höchste Qualität, kompaktes und relativ unauffälliges Aussehen, sowie flüsterleises Auslösen – dafür sind vor allem die Sucherkameras von Leica bekannt. Allerdings liegen diese Geräte meist in preislichen Regionen, die dem Hobbyfotografen den Atem rauben. Doch wer sich für die Street-Fotografie interessiert, muss nicht unbedingt den Betrag eines jungen, gebrauchten Kompaktwagens hinblättern. Bei der Street-Fotografie zählt vor allem Eines: Die Szene. Je interessanter die Szene, desto nebensächlicher die Bildqualität.

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Aufnahme auf der Straße mit der Kompaktkamera Canon G12. Die Aufnahme entstand am Abend und erforderte hohe Empfindlichkeit, was zu Bildrauschen führte. Bewegungsunschärfe, leichte Verwackelung, zu hohe Schärfentiefe – dennoch hat das Bild seinen Reiz, weil es Menschen in Interaktion zeigt.

Wenn wir Menschen in einem faszinierenden, vielleicht emotionalen Moment ablichten, dann ist es fast nebensächlich, ob wir mit einer Leica M9 oder einem Smartphone ausgelöst haben. Die Faszination solcher Bilder liegt überwiegend in der Szene. Unschärfen können die authentische Wirkung unterstreichen und wenn das Bild in Farbe nicht schön aussieht, wandelt man es in der digitalen Dunkelkammer (Photoshop, Lightroom, et cetera) in Schwarzweiß um. Street-Photography-Aufnahmen sehen monochrom ohnehin meist besser aus. Allfälliges Rauschen kleinerer Sensoren kann nach der Schwarzweißentwicklung sogar charmant wirken – nicht umsonst fügen manche Schwarzweißfotografen Ihren Bildern oft mit digitalen Filtern Störungen bei.

In meinen Augen ist die Street-Fotografie das Genre, das die geringste Investition für bemerkenswerte Bilder erfordert. Vielmehr braucht es den Mut an die Leute heranzutreten und Sie, noch bevor man bemerkt wird, abzulichten. Anschließend sollte man ihnen die Aufnahmen zeigen und anbieten ihnen die Bilder zuzusenden. Im Bedarfsfall sollte man sich auch entschuldigen und die Bilder löschen. Ich bin zwar fasziniert von der Street Photography und würde gerne mehr in diese Richtung unternehmen, aber oft zu schüchtern die Leute auf Aufnahmen anzusprechen. Mit dem heimlichen Fotografieren aus dem Hintergrund und ohne die Leute nachträglich zu informieren, dass sie abgelichtet wurden, habe ich hingegen Schwierigkeiten. Ich habe danach immer das Gefühl sie irgendwie beraubt zu haben (ich gebe aber zu, es gelegentlich nicht lassen zu können).

Stock- und Werbe-Fotografie | Mein persönlicher, bildgestalterischer Background findet sich im Grafikdesign und der Werbung. Gute Bilder sind das Um und Auf erfolgreicher visueller Kommunikation. Je professioneller die Bildwirkung, desto professioneller wirken Unternehmensauftritte. Oder umgekehrt: Amateuraufnahmen vermitteln in der Werbung keine Professionalität!

Da ich schon lange bevor ich selbst begann mich eingehender mit Fotografie zu befassen viel mit professionellen Aufnahmen zu tun hatte, ist mein Auge geschult professionelle Arbeiten von Amateuraufnahmen zu unterscheiden – was jetzt aber nicht heißt, dass Amateure keine professionelle Bildwirkung zu Stande bringen. Als ich selbst meine erste Spiegelreflexkamera und später die erste Digitalkamera in die Hand nahm um dem Ideal gut umgesetzter Werbefotografie nach zu eifern, wurde ich mit dem Lauf der Zeit zunehmend frustrierter. Ich erreichte die Qualität der Profis nicht. Obwohl mir klar war wie Brennweite, Blende, Empfindlichkeit und Belichtung zusammenhängen, blieben meiner Ergebnisse auch unter besten Lichtbedingungen hinter der Qualität professioneller Werbefotografie zurück.

Die Kronleuchter gingen mir während eines Fotoworkshops auf. Ich hatte bis dahin mit einer Kamera des gehobenen Einsteigersegments gearbeitet und mit Objektiven die in derselben Liga spielten. Auf diesem Workshop hatte ich die Möglichkeit zum ersten Mal mit einer professionellen Kamera und einem Objektiv der Viertausend-Euro-Klasse zu fotografieren. Ich habe ein einziges Bild gemacht, auf dem Display betrachtet und verstanden, weshalb meine Ergebnisse mit meiner Ausrüstung immer hinter den Resultaten der Profis zurückbleiben würden.

Es heißt oft, dass die Ausrüstung des Fotografen nebensächlich sei. Das stimmt insofern, dass ein guter Fotograf mit der billigsten Kamera bessere Aufnahmen machen wird, als ein Laie oder Einsteiger mit einer Top-Ausrüstung. Doch es gibt auch fotografische Genres in denen man sich ohne entsprechende Ausrüstung die Zähne ausbeissen wird. Dazu gehört in der Regel die Werbefotografie, aber auch der Bereich der professionellen Sportfotografie, wo über die Distanz eines Fußballfelds beeindruckende Bilder unter Flutlicht entstehen sollen, oder auch die Wildlife-Fotografie, bei der der Fotograf im dichten Wald bei dämmrigen Lichtverhältnissen versucht über eine erhebliche Distanz einen scheuen Vogel abzulichten.

Die Kamera für alle Fälle gibt es nicht

Die falsche und nicht zum Thema, das man gerne und primär fotografiert, passende Kamera kann einem die Freude an der Fotografie ordentlich verleiden. Ich habe viele Kameras besessen, habe immer nach der eierlegenden Wollmilchsau gesucht, die für alle Fälle den perfekten Kompromiss darstellt – zumindest das war mir schon früh klar: Wenn man schon auf mehreren Hochzeiten tanzen möchte muss man Kompromisse eingehen. Richtig Freude hatte ich aber mit diesen Kompromissen nie. Heute habe ich eine Profi-DSLR für reine Foto-Shootings, bei denen ich kompromisslose Qualität erwarte, meine Einsteiger-DSLR zum Wandern und Spazieren, eine Kompaktkamera als leichten Begleiter und darüber hinaus ein Smartphone, mit dem ich noch Fotos machen kann, wenn ich keine andere Kamera mit mir rum schleppe.

Man sollte sich nicht mit einem Gerät abmühen, das für das bevorzugtes Genre nicht gut geeignet ist. Entweder man wechselt das Genre oder – besser – die Kamera. Auch wenn sie noch neu ist. Mir scheint es besser ein paar Euro Lehrgeld zu bezahlen als die Freude an der Fotografie zu verlieren.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

0.3. Fotografische Projekte

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Ich glaube nicht, dass man Kreativität in Büchern lernen kann. Auch nicht, dass sich der fotografische Blick durch Lesen schärfen lässt. Ebenso wenig wie das Lesen von Sport-Zeitschriften die Kondition verbessern oder man durch die Lektüre von Harmonielehren zum Musiker wird. Kreativität gedeiht am Besten in der angewandten Praxis. Der Blick schärft sich durch Übung.

1/365-Projekt | Ein guter Weg den fotografischen Blick zu ­schärfen sind Projekte. Viele Fotografen machen sogenannte ›1/365-Projekte‹. ›1/365‹ meint an jedem Tag des Jahres ein Bild zu machen.

Schaufeln Verwackelt und unscharf, aber eine nette Szene aus einer meiner ­jeden-Tag-ein-Foto-Phasen. Man beginnt das Interessante im ­Alltäglichen zu sehen – der Fotografische Blick entwickelt sich.
(Kamera: Nikon D80)

Das mag einfach klingen, wird aber mit jedem Tag zur größeren Herausforderung. Vor Allem wenn man in erster Linie zwischen Büro und Wohnung pendelt. Da kommt es bald vor, dass man am Abend noch durch die Wohnung wieselt und nach einem interessanten Objekt Ausschau hält. Das Interessante dabei: Man findet immer wieder neue Perspektiven auf alltägliche Objekte.

Eismazda
Leider sind meine 1/365-Projekte immer wieder an chronischem Zeitmangel gescheitert. Ein Jahr habe ich es bisher nicht durchgehalten.

Zu meinen liebsten Aufnahmen einer solchen Serie gehört dieses Bild des Logos meines Autos unter einer dicken Eisschicht. Hätte ich damals nicht gerade eine ›1/365-Phase‹ gehabt hätte ich das Motiv vielleicht übersehen oder mir nicht die Zeit genommen die Kamera auszupacken. (Kamera: Nikon D80)

1/52-Projekt | Statt eines 1/365-Projekts ist natürlich auch ein 1/52-Projekt denkbar. Das Konzept dabei kann zum Beispiel vor­sehen, in jeder Woche des Jahres ein interessantes Landschaftsbild aufzunehmen. Keinen Schnappschuss, sondern jede Woche ein perfekt inszeniertes Landschaftsbild. Oder jede Woche einen Menschen porträtieren. Oder auch ein ungewöhnliches Gebäude pro Woche ablichten. Die Möglichkeiten für Themen für eine solche Jahres-Serie sind unbegrenzt. Allerdings sollte man sich bei einem Wochen-Projekt wirklich ein Thema als roten Faden aussuchen, denn jede Woche irgendein Bild zu schießen scheint mir keine große Herausforderung – der Lerneffekt wäre dadurch wohl eher marginal.

Themen-Projekte | Themen-Projekte sind generell eine interessante Option, um Erfahrung zu sammeln. Zieht zum Beispiel das Thema ›Formen‹ heran. Macht eine Fotosafari, bei der ihr nur runde Objekte fotografiert. Dann nur Dreieckige. Danach nur Rechteckige und dann vielleicht Quadratische.

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Türen gehören seit Jahren zu meinen Lieblingsthemen. (Kamera: Nikon D700)

Ignoriert einmal jedes andere Motiv. Gerade in der Beschränkung auf ein einziges, vorgegebenes Thema liegt der Nutzen dieser Aufgabe. Man kann nicht einfach ablichten was einem vor die Linse läuft, sondern muss seine Motive aktiv suchen und sie sich erarbeiten.

Eine andere Themenserie wäre ›Farbe‹: Macht eine Fotosafari in der ihr euch auf Rot beschränken, eine auf Grün, eine auf Blau und so weiter. Wenn ihr einige Farben durch habt, macht mit Komplementärfarben weiter, dann könnt ihr hell-dunkel-Kontraste suchen, et cetera.

Rundundeckig
›Rund und Eckig‹ könnte das Motto eines Projekts heißen, bei dem diese Aufnahme eingefangen ­wurde.
(Kamera: Nikon D80)

Lasst euch inspirieren. Macht eine Safari in der ihr nach Motiven zum Thema Musik suchen, oder nehmt euch vor Orte und Städte in eurer Region zu dokumentieren. Die Grenzen ­möglicher Themen und Serien setzt lediglich euer Einfallsreichtum. Ich bin mir sicher, wenn ihr erst einmal damit begonnen habt euch Themen auszudenken, wird auch die Kreativität mit der Übung wachsen.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

0.2. Drei Grundbestandteile der Fotografie

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Fotografie setzt sich aus drei Grundbestandteilen zusammen, von der die fotografische Umsetzung ein Teil ist. Die drei Elemente sind:

  • Bildinhalt
  • Bildgestaltung
  • Technische Umsetzung
Fahnenmasten Aus dieser Perspektive ist kaum ersichtlich, dass Fahnenmasten abgebildet wurden. Der Bildinhalt des Fotos wirkt fast abstrakt und gibt Rätsel auf. Die Bildgestaltung wurde so gewählt, dass die beiden Leuchttürme im Hintergrund nicht von den Masten verdeckt sind. Die technische Umsetzung entspricht den Möglichkeiten der Canon Powershot G12 – man muss damit leben, dass das Objektiv in Weitwinkelstellung die Masten sichtbar verzerrt (verbiegt).

Ich werde mich hier vorrangig der Bildgestaltung und ihrer technischen Umsetzung widmen. Doch ich möchte auch einige Gedanken und Anregungen zum Bildinhalt los­werden.

Der Bildinhalt

Das Wichtigste für beachtenswerte Bilder ist in der Regel der Bildinhalt (Wenn ich des Öfteren von ›beachtenswert‹ und ›bemerkenswert‹ spreche, dann meine ich das im Sinn von ­Bildern, die es wert sind, dass man sie beachtet und sich merkt). Ein langweiliges Motiv wird auch perfekt komponiert und präzise umgesetzt kaum mehr als ein Gähnen ernten. Ist das Motivs selbst – der Bildinhalt – spannend, dann kann er auch begeistern wenn Umsetzung und Gestaltung zu wünschen übrig lassen.

Verhau Tolles Bild? Nicht wirklich! Die Bildgestaltung lässt zu wünschen übrig und die technische Um­setzung ist mehr Mau als Wow. Dennoch: Das Motiv ist witzig und vermag auch ohne handwerkliche ­Präzision Interesse zu Wecken. Schwarzweiß entwickelt könnte es vielleicht sogar richtig gut aussehen.

Darin liegt auch der Reiz der Lomographie. Dieser Begriff leitet sich von der Fotografie mit einer Kamera der ­russischen Firma Lomo ab. Eine Lomo besticht weniger durch präzise Abbildung als vielmehr durch ihre Macken, die Fotos eher zu einem Zufalls­produkt werden lassen als zu einer bewusst gestalteten und umgesetzten Inszenierung. So zufällig, wie die Ergebnisse ausfallen können, wird die Lomo auch angewendet. Oft wird gar nicht über den Sucher ein Motiv ins Auge gefasst sondern der Fotograf hält eher in Richtung der Szene und überlässt die Bildkomposition damit auch dem Zufall. Der Reiz dieser Form der Fotografie liegt gerade darin durch den Zufall alltägliche Szenen durch ungewöhnliche Umsetzung lebendig einzufangen. Fotografie mit Patina, irgendwie.

Quadcam iPhone App Der Reiz des Zufälligen und nicht Perfekten: Smart Phones gelten als die neuen Lomos. Es geht nicht um handwerkliche Präzision und ­perfekte Gestaltung, sondern ­darum alltägliche Szenen und ungewöhnliche Fundstücke in Form eigenwilliger – weil eben zu­fälliger – Perspektiven einzu­fangen. Dieses Motiv habe ich mit der iPhone App Quadcam aufgenommen, die nach dem Auslösen innert weniger Sekunden mehrere Bilder macht und den Anwender zu zufälligen Perspektiven zwingt.

Inszenierte und geplante Motive

Die Idee zu einem guten Bild entsteht oft im Kopf des Fotografen. Man organisiert dann alles Notwendige um diese Idee in die Tat umzusetzen. Zum Beispiel Requisiten, Leute, die sich als Modell beteiligen und Tiere, die in der Idee eine Rolle spielen. Man packt genau die Ausrüstung ein, die zur Umsetzung der Idee notwendig ist. Die Kamera, das richtige Objektiv, vielleicht ein Stativ und Blitze und Reflektoren. Damit begibt man sich an einen Ort an dem sich die Idee umsetzen lässt.

Inszeniert
Eine inszenierte Szene, die ich vor einigen Jahren mit Freunden und der Nikon D80 in Szene gesetzt habe. Mit am Set: Blitze, Stative, Reflektoren.

Vielleicht begibst du dich zu einer bestimmten Stunde an einen See um die typische Morgenstimmung an diesem Ort einzufangen. Eventuell stellt sich die Szene am ersten Tag nicht so ein wie du sie im Kopf hast. Dann kommst du an einem anderen Tag wieder und wartest neuerlich darauf, dass der Himmel sich so zeigt wie er sein soll. Und wenn es nicht klappt und du genügend Geduld hast (ich hätte es nicht) dann kehrst du wieder und wieder an den Ort zurück. Bis das Bild im Kasten ist.

Feldkirchinblauerstunde
Ein geplantes Motiv: Den Sonnenuntergang von diesem Aussichtspunkt hatte ich bei einer Übernachtung während einer Veranstaltung miterlebt. Dabei ist der Wunsch entstanden, die Szene zu fotografieren. Mit Kamera, passendem Objektiv und Stativ habe ich mich an einem anderen Tag vor Sonnenuntergang wieder an diesen Ort begeben, um dieses Bild einzufangen.

Die Bildidee kann auch sein, dass man ein bestimmtes Waldtier ablichten möchte. Man studiert zuerst in Büchern die Gewohnheiten der Gattung, erkundigt sich bei Förstern, wann, in welcher Region und zu welcher Zeit die besten Chancen bestehen das Tier anzutreffen. Und dann legt man sich auf die Lauer und wartet auf das Modell.

Fotosafaris und Fundstücke

Natürlich entstehen bemerkenswerte Bilder nicht nur durch sorgfältige Planung. Interessanten Fundstücken kann man auf Schritt und Tritt begegnen. Menschen in interessanten, lustigen oder berührenden Situationen können wir täglich beobachten. Es geht nur darum mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und im richtigen Moment den Auslöser zu drücken. Man muss sich aber aktiv darum bemühen, interessante Motive zu entdecken und ihnen gleichzeitig die Chance geben uns einfach zu passieren.

Fundstueck
Witzigen Fundstücken kann man jederzeit und überall begegnen, wie hier diesem aufgehängten Moped vor der Fassade eines Altwaren­händlers den ich ge­legentlich auf meinem Arbeitsweg passiere.

Die Fähigkeit zur Entwicklung kreativer Bildideen fällt den Meisten ebenso wenig in den Schoß wie von Geburt an mit sensiblen Fotografenaugen ausgestattet zu sein. Kreativität ist keine reine Gottesgabe sondern will geschult und geübt werden. Als Grafikdesigner lebe ich davon kreative Konzepte zu entwickeln. Allerdings wäre es eine Lüge zu behaupteten ich mir wäre diese Fähigkeit in die Wiege gelegt worden. Als Referent für Grafik und Gestaltung begegnen mir zwar Leute mit mehr und mit weniger Naturtalent. Jemand der mit Gestaltung beginnt und von Anfang an meisterliche Resultate liefert ist mir bisher aber nicht begegnet. Auch Fotografen, deren Bilder ihr heute bewundern mögt haben meist als Laien und von vorne begonnen. Sie sind erst durch Praxis und Erfahrung Meister geworden.

Dingmitgesicht Seit ich die Facebook-Seite ›Dinge mit Gesicht‹ kenne, halte ich meine Augen für Objekte mit Gesicht offen. Diesen Holzkopf hat meine Frau entdeckt.
Titel Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
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Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 22,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

0.1. Vier Schritte zum Bild

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Möchte man Fotografie ambitioniert be­treiben, steht man plötzlich vor einem Berg theoretischer und technischer Grundlagen und Fragen:

  • Kann ein Zoomobjektiv mehr als entfernte Objekte heran­holen?
  • Mit was für einer Brennweite fotografiert man Gesichter am Besten?
  • Was macht die Blende genau? Wann wähle ich welche Ein­stellung und weshalb stehen kleine Blendenzahlen für große Blendenöffnungen?
  • Mit welcher Automatik zur Belichtung soll man arbeiten? Oder ist es besser alle Einstellungen manuell vorzunehmen?
  • Wenn die Belichtung von Zeit, Blende und ISO-Empfindlichkeit beeinflusst wird – was stelle ich dann wann wie ein?
  • Und wie finde ich überhaupt heraus was die optimale Be­lichtung ist?

Dabei sind das alles mehr oder weniger technische Fragen. Doch lebt gute Fotografie von der Technik alleine? Genügt es eine gute Foto-Ausrüstung zu haben und mit den Einstellungen vertraut zu sein? Oder ist Fotografie mehr als das?

Ich glaube, dass die Technik in der Fotografie eine Nebensache sein sollte. Was zählt, ist das Bild. Das Ergebnis. Die Technik ist lediglich Mittel zum Zweck.

Doch bei aller Überzeugung, dass der Fotograf das Foto macht, nicht die Kamera, bleibt unbestritten, dass in der digitalen Fotografie ohne Technik rein gar nichts geht. Wer sich nicht mit den theoretischen Grundlagen der Fotografie im Allgemeinen und den technischen Möglichkeiten seiner Digitalkamera im Speziellen auseinander setzt, wird immer durch die Grenzen seines Know-hows in seiner kreativen Entfaltung eingeschränkt bleiben.

Reines Wissen darum, was für eine Auswirkung eine be­stimmte Funktion hat, genügt dabei jedoch keinesfalls. Trockenes Grundlagenwissen führt genauso wenig automatisch zu besseren Bildern, wie die neuere, teurere Kamera. Gute Aufnahmen sind in erster Linie eine Frage des Gewusst-wie. Wer allerdings rein bei Fragen, wie »was macht die Blende«, ansetzt zäumt das Pferd von hinten auf. Schließlich stellt sich der Fotograf nicht die Frage »Ich habe hier Blende ƒ1.8 – was könnte ich damit fotografieren?« Vielmehr ist der Ausgangspunkt der Überlegungen das Motiv. Zum Beispiel die Frage wie viel sogenannte Schärfen­tiefe ich mir dafür vorstelle. Dann kommt die Antwort: Mit der Blende. Oder der Brennweite. Oder von beidem ein bisschen.

Vier Schritte – dann: Klick!

Der Weg zum kreativen Bild lässt sich in der Regel auf vier gestalterische Grundüberlegungen reduzieren:

  • Perspektive | Welchen Blickwinkel auf mein Motiv wähle ich? Wie weit entfernt positioniere ich mich und welche Brennweite setze ich ein?
  • Schärfe | Was soll scharf sein? Wo soll der schärfste Punkt liegen und wie tief darf der Bereich davor und dahinter sein der auch noch scharf abgebildet wird?
  • Belichtung | Welche Einstellungen sind notwendig, um zu einer optimalen Belichtung zu gelangen? Wie kann ich Unter- und Überbelichtung verhindern.
  • Komposition | Wie wähle ich den Bildausschnitt des Motivs, so dass das Bild nicht nur abgebildet ist sondern auch harmonisch und spannend wirkt?

Dann: Klick!

Solche Überlegungen unterscheiden das bewusst gestaltende Fotografieren vom einfachen Knipsen von Schnappschüssen. Beim Letzteren zückt man die Kamera und: Klick! Beim Ersteren stehen zwischen Einschalten der Kamera und Durchdrücken des Auslösers meist diese vier Schritte. Nicht bei absolut jeder Aufnahme. Doch als Anhaltspunkt, mit welchen Überlegungen man grundsätzlich beim kreativen Fotografieren ansetzen kann, ist das Konzept bestens geeignet.

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Ein persönlich wertvolles Bild muss keinen künstlerischen Anspruch erfüllen oder technisch brillant in Szene gesetzt sein. Knipsen von Schnappschüssen ist erlaubt und hilft uns später beim Erinnern – und das nur selten weniger gut als perfekt inszenierte Szenen (Dank an Thom für das Foto).

Der fünfte Schritt

Streng genommen braucht es einen fünften Schritt zum perfekten Bild. Und dieser fünfte Schritt ist eigentlich der erste: Bevor ich mich vor einem Subjekt positionieren und über Perspektive, ­Schärfe, Belichtung und Komposition nachdenken kann muss erst einmal ein Bildinhalt gefunden sein – muss die Bildidee stehen.

Auch das Finden des Bildinhalts ist ein kreativer Prozess – gute Motive werden nur selten zufällig eingefangen. In der Regel steht vor der fotografischen Umsetzung ein guter Einfall als Initial­zündung. Oder aber die offenen Augen des Fotografen entdecken ein scheinbar alltägliches, in jedem Fall interessantes Objekt, an dem der normale Passant vielleicht achtlos vorüber ginge.

Wenn ich von ›vier Schritten zum Bild‹ spreche, dann meine ich die vier Schritte die zwischen Bildidee oder Motivauswahl und dem Drücken des Auslösers liegen.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S 24-70 mm 2.8

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Nikons 24–70mm Objektiv, mit durchgehender Lichtstärke ƒ2.8, dürfte wohl zur unverzichtbaren Standardausrüstung vieler Nikon-Fotografen zählen. Im Trio mit dem Nikon 14–24mm ƒ2.8 und dem 70–200mm ƒ2.8 erreicht der investitionsfreudige Fotograf einen Brennweitenbereich von 14–200mm bei durchgehender Lichtstärke 2.8 und exzellenter Bildqualität.

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Seit ich vor ein paar Monaten das 14–24mm bekommen habe, fotografiere ich viel und gerne damit. Doch das 24–70mm bietet natürlich einen viel weiteren Einsatzbereich. Von der Landschaftsaufnahme bis zum Portrait – dieser Brennweitenbereich ist mit dieser Lichtstärke ziemlich universal einsetzbar. Deshalb ist es auch das Objektiv, das ich bei Fotosafaris und Shootings am häufigsten vor meiner großen Kamera habe.

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Natürlich ist das Objektiv weder leicht noch billig. Gutes Glas hat seinen Preis und sein Gewicht. Aber die Abbildungsqualität die sich dadurch erzielen lässt hat schon etwas für sich. Zwar leben gute Aufnahmen vor allem vom Motiv, von der Bildidee und von Komposition und Bildaufteilung. Doch wenn diese Paramater stimmen, dann ist es vor allem das Material und die gekonnt eingesetzte Technik die einer Aufnahme den letzte Schliff verleiht. Mit dem Nikon AF-S 24–70mm ƒ2.8 ist dieser Schliff besonders fein.

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Weitere Bilder mit dem Nikon AF-S 24–70 ƒ2.8

Objektiv betrachtet: Nikon AF-S DX 35mm 1.8

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In meiner Serie über meine Objektivausrüstung möchte ich heute das Nikon AF-S DX 35mm ƒ1.8 vorstellen.

Einmal eine kurze Erklärung das die Buchstabenkürzel zu bedeuten haben: AF steht für Autofocus. Das S heißt, dass ich nach dem automatischen Einstellen die Fokussierung von Hand verstellen kann, ohne, dass das AF-Getriebe Gefahr läuft Schaden zu nehmen. Bei älteren Objektiven ohne diesen S-Zusatz ist das nicht zu empfehlen. Dort sollte man es tunlichst unterlassen am Fokusring zu drehen, nachdem die Kamera fokussiert hat – also so lange man den Auslöser halb durchgedrückt hat.

DX bedeutet, dass das Objektiv für Kameras mit kleinem APS-Sensor ausgelegt ist und auf Kameras mit Kleinbildsensor (der Volksmund spricht vom Vollformatsensor – Nikon nennt es FX)nur einen recht kleinen Bildbereich abdeckt.

Meine Arbeitskamera ist die D700, ihres Zeichens eine FX-Kamera mit Kleinbildsensor, weshalb ich dieses Objektiv daran auch nicht verwende.

Meine immer-dabei-Kamera jedoch ist eine D80 und die hat den kleineren DX-Sensor und auf dieser Kamera ist das 35mm 1.8 mein liebster Begleiter. Zur immer-dabei-D80 also das immer-dabei-35mm. Grandkoses Gespann!

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Das obere Bild entstand in dunkelster Nacht aus freier Hand mit der D80. Bei einer Lichtstärke von 1.8, 35mm und ISO800 lässt sich das machen.

Vor dem AF-S 35mm 1.8 war das AF 50mm 1.8 mein ständiger Begleiter. Ein etwas betagtes Objektiv, das aber noch immer einen sehr guten Ruf genießt, vor allem da es schon ab etwa 100 Euro zu haben ist. Allerdings entsprechen die 50mm dieses Objektivs an der D80 einer Brennweite von 75mm und das ist praktisch ein Tele. Immer mit Tele fotografieren ist schon eine arge Einschränkung. Also habe ich mich entschieden es mit dem neuen 35mm-Objektiv zu versuchen und ich habe es nicht bereut.

Neben der Brennweite war das alte AF 50mm mein einziges Objektiv, das mir nicht erlaubt manuell nachzufokussieren. Das ist lästig, wenn man die Nachfokussiererei erst einmal gewöhnt ist.

Das AF-S 35mm 1.8 bildet schön scharf ab, bei der großen maximalen Blendenöffnung kann man aber auch sehr schöne Unschärfen erzielen und die Schärfentiefe kurz halten, auf was ich halt stehe. Die 35mm Brennweite entsprechen auf Kleinbild umgerechnet knapp der Normalbrennweite von 50mm und das soll so ungefähr der menschlichen Wahrnehmung am nächsten kommen.

Ich kann das Objektiv nur jedem empfehlen, der eine Nikon mit kleinerem Sonsor hat und nach einem guten, Lichtstarken Objektiv mit Festbrennweite Ausschau hält. Und eine Festbrennweite kann ich ohnehin jedem Fotografen empfehlen.

Ein paar Alltagsschnappschüsse, die mit dem AF-S 35mm entstanden sind, habe ich in einer mobileMe-Galerie zusammengestellt.

Richtigstellung: Ein Besucher hat mich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass nicht bei jedem S-Nikkor (also nicht jedes AF-S) manuell nachfokussiert werden kann.