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Welche Kamera soll ich kaufen?

Das ist eine Frage die mir dauernd gestellt wird und die ich hier auch schon mehrfach beantwortet habe. Doch da die Zeit verrinnt und laufend neue Modelle auf den Markt drängen müssen sich meine Antworten ändern. Heute beantworte ich die Frage mal etwas konkreter als sonst, wobei wie immer gilt: Die richtige Antwort auf alle Fragen lautet »es kommt drauf an!«

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Nikon D7100 © Nikon GmbH

Ihr wollt eine Spiegelreflexkamera und mit einem professionellen Teil im Studio und on Location richtig arbeiten? Dann kauft eine Nikon D7100. Ja, ich weiß: Die D7100 hat kein Vollformat. Aber vergesst endlich das verdammte Vollformat! Ein Auto ist nicht besser nur weil es 300 statt 200 PS hat. Ein guter Wagen ist die Summe seiner Teile, und die Pferdestärken sind nur ein Zahnrädchen im Uhrwerk einer geilen Karre. Mit der Kamera ist es dasselbe und die D7100 ist die leibhaftige Lotus Elise unter den Spiegelreflexkameras. Die hat zwar nur lausige 134 PS doch der Ferrari-Fahrer wird sie abseits von Autobahn und schnurgerader Landstraße kaum aus dem Rückspiegel kriegen. Die Summe der Teile der D7100 (D7100 bei Amazon) macht dieses Gerät extrem scharf und absolut profitauglich – und das zum Preis einer Consumer-Kamera!

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Olympus XZ-10; © Olympus

Ihr hättet lieber eine kleine aber feine Kompaktkamera die in der Hemdtasche Platz hat und in der Handtasche kaum welchen wegnimmt? Dann ist die Olympus XZ-10 genau das Richtige. Die Kleine ist mit einem aktuellen Straßenpreis von 250 Euro echt preiswert, schick, ohne sich wichtig zu machen, hat eine phantastische Linse mit einer Lichtstärke, mit der sich durchaus Freisteller realisieren lassen (unscharfer Hintergrund), bringt tolle Makroqualitäten mit, hat Touchscreen und löst hurtig aus, hat mit 26mm einen (gerade noch) annehmbaren Weitwinkel und ist auch sonst in jeder Beziehung ein Schnuckelchen und eine fotografische Wonne. Ich gehe ohne die XZ-10 (Olympus XZ-10 bei Amazon) nicht mehr aus dem Haus!

PS: Nein, die Sony RX100 ist nicht besser, sonst hätte ich sie nicht durch die XZ-10 ersetzt!

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Olympus OM-D E-M5; © Olympus

Keine Kompaktkamera befriedigt euren Qualitätsanspruch, aber die Kamera soll trotzdem kompakt sein, zur Not auch in der Jackentasche Platz finden? Die OM-D E-M5 ist der Wolf im Kaninchenpelz. Keine Kamera hat mir bislang mehr Spaß gemacht! Wenn ich noch einmal die Metapher vom Sportwagen strapazieren darf, dann ist sie der Turbo-Mini und Porscheschreck. Mit einer der hervorragenden M.Zuiko-Festbrennweiten von Olympus oder aus der Lumix-G-Reihe von Panasonic macht man damit den Vollformatkamerafotografen mächtig Konkurrenz. Und Platz findet sie überall, die E-M5 (Olympus E-M5 bei Amazon).

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Olympus OM-D E-M1; © Olympus

Wenn ihr tickt wie ich und sowohl unterwegs, als auch im Studio fotografiert, dann ist die E-M5 nicht die geeignete Wahl. Selbst für zarte Hände ist sie dafür zu klein. Doch Olympus hat mit der E-M1 die perfekte Kamera nachgereicht, für alle, die auf beiden Hochzeiten tanzen wollen – auf der Polarexpedition und beim Beauty-Shooting im Studio. Die OM-D E-M1 liegt traumhaft in der Hand und bereitet die wahre Freude am Fotografieren. Und – wenn ihr mich fragt – ist sie die reinste Retrokamera mit digitalem Aufnahmesensor. Vielmehr, als an digitaler Technik vollgefressene, fett gewordene Magnesiumgehäuse mit im Stil der 60er gestalteten und unergonomisch platzierten Metallrädchen, vermittelt ihre Handlichkeit und ihr Gewicht das wahrhaft unbeschwerte Fotofeeling analoger Zeiten. Zwar braucht die E-M1 wohl einen Militärparka, will man sie mal eben in den Sack stecken, doch dafür ist sie die perfekte Arbeitsmaschine für alle die gerne auf Achse sind (Olmpus OM-D E-M1 mit dem phantastischen 12–40mm ƒ2.8 bei Amazon).

Am Ende gilt natürlich wie immer: Geht zum Fachhändler – zu dem, mit den vielen Marken im Regal –, nehmt alle Kameras in die Hand, und schaut, was sich für euch gut anfühlt (auch wenn es dann eine vollgefressene Me-too-Retro-Kamera ist – mir soll’s recht sein 😉 ). Aber wenn ihr mich fragt was ich kaufen würde: Das sind meine vier heißesten Tipps!

OM-D E-M1 – die perfekte Kamera

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Olympus OM-D E-M5; © Olympus Corporation

E-M5 • Seit Februar fotografiere ich nun mit der OM-D E-M5. Nach langem überlegen und checken aller verfügbaren Systeme von Fuji, über Nikon, Panasonic und Samsung bis Sony habe ich mich für die Olympus-MFT als kompaktes Zweitsystem neben Nikon-Vollformat, entschieden. Als ich ab Frühjahr dann auch dazu kam ausgiebig mit ihr zu Fotografieren hatte ich von Anfang an besonderen Spaß an der Arbeit mit ihr. Niemals zuvor hat mir manuell fokussieren mehr Spaß gemacht und die Vorzüge elektronischer Sucher, wie zum Beispiel die Bildkontrolle nach der Aufnahme samt Histogramm direkt im Sucher, hatte mich schon bei der Lumix G3 vom Mäusekino überzeugt.

Außerdem haute mich die Abbildungsqualität des M.Zuiko 45mm ƒ1.8 förmlich um. Ich hätte nicht erwartet, dass eine recht preiswerte MFT-Linse an mein geliebtes 85mm-ƒ1.8-Porträt-Nikkor heranreichen würde. Zwar erreicht das Nikon-85er in den Labors von DxO-Mark einen phänomenalen Wert von 35 während das Olympus-45er nur mit 20 glänzen kann (was allerdings auch ein überdurchschnittlicher Wert ist), bei den praktischen Ergebnissen jedoch gefällt mir vor allem das Bokeh des M.Zuike besser als jenes des Nikon.

Zwei Wochen Roadster-Urlaub mit der OM-D E-M5 in Frankreich haben schließlich dazu geführt, dass sie meine Erst- und die D600 zur Zweitkamera wurde, was ja ursprünglich umgekehrt gedacht war. Die OM-D reiste in einer kleinen Kameratasche, in die sich die D600 mit einem kompakten Objektiv gerade einmal hineinzwängen hätte lassen, mit drei Festbrennweiten mit und es wäre locker noch Platz für ein oder zwei weitere Objektive gewesen. Mit der OM-D zu reisen ist im wahrsten Sinn des Wortes weit aus weniger beschwerlich als mit einer Vollformat – ohne dabei nennenswerte Abstriche in der Bildqualität machen zu müssen. Heute noch zu glauben eine gute Systemkamera liefere praxisrelevant mindere Qualität als eine Vollformatkamera kommt mir vor wie darüber zu philosophieren ob ein Auto nun mit 300 oder 350 PS ausreichend motorisiert sei.

Nach allem was ich lese und höre überzeugen sowohl Fujis als auch Sonys als auch Panasonics Systemkameras bei der Abbildungsqualität absolut – bei der OM-D weiß ich, dass sie überzeugt. So wie ein guter Autofahrer mit 300 PS einem Durchschnittslenker mit 1000 um die Ohren fahren kann, zählt auch beim Fotografieren der Fotograf viel mehr als die Kamera.

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Olympus OM-D E-M1; © Olympus Corporation

E-M1 • Als Olympus die große Schwester zur E-M5 vorstellte tauchte bei mir die Frage auf ob ich mit ihr eventuell mein Vollformatsystem sollte. Nicht weil ich mit Nikon nicht zufrieden wäre, sondern weil ich überwiegend unterwegs fotografiere und dabei hat das MFT-System einfach den immensen Vorteil viel geringeren Volumens und vor allem geringeren Gewichts. Nun habe ich die E-M1 ein paar Wochen in Verwendung und möchte meinen bisherigen Eindruck schildern.

Gehäuse • Mein erster Eindruck war, dass die E-M1 nicht ganz so wertig ist wie die E-M5. Das mag so scheinen, weil die E-M5 – im Verhältnis zu Vollformat eine leichte Kamera – relativ zu ihrem Volumen betrachtet überraschend schwer ist. Steve Huff – bekannter Blogger in Sachen Fotografie – wertet allerdings die E-M1 auf Augenhöhe mit den Top-Kameras in Sachen Qualitätsanmutung, beispielsweise der Nikon D800.

Schon die E-M5 nehme ich außerordentlich gerne zur Hand. Sie fühlt sich in meinen Händen besser an als jede andere Kamera. Ich mag das Design. Es ist eine absolut gelungene moderne Interpretation klassischen Kameradesigns der 1970er Jahre. Das ist auch Fuji mit ihren X-Kameras gelungen, Nikon bei der Df jedoch nicht. Natürlich ist es Jedermanns und -fraus subjektive Angelegenheit das Design der Df zu mögen – individueller Geschmack ist immer einer persönliche Sache, den sich niemand vorschreiben lassen muss. Doch das Mischen von Elementen, die 1:1 den 1960er bzw. 70er Jahren entlehnt sind, mit solchen, die aus einem Baukasten der 2010er Jahre stammen, ist aus Designperspektive ein absolutes No-Go. Betrachtet man die OM-D (oder Fujis X-Kameras), dann lässt sich unschwer erkennen, dass sich das Retrodesign zwar an Klassiker anlehnt, doch diese konsequent neu interpretiert. Die Df zeigt diese Neuinterpretation der Elemente nicht, darum wirken die Knöpfe, die ebenso gut von einer D5300 oder D4 stammen könnten, und das Display so deplatziert. Während sich die OM-D für mich sowohl im Volumen als auch im Gewicht genauso anfühlt wie ich es von den SLRs meines Vaters aus den 70ern in Erinnerung habe. Die Df hingegen scheint weder in Sachen Volumen (sie ist voluminöser) noch in Sachen Gewicht (moderner Leichtbau) den klassischen Vorbildern zu entsprechen. Dieter Rahms, Jahrhunderdesigner bei Braun, postulierte einst »Design ist konsequent bis ins letzte Detail«.

Ganz so ansprechend wie das Design der E-M5 finde ich das der E-M1 nicht. Der deutlich herausgearbeitete Griff mag einigen designaffinen Menschen unangenehm ins Auge stechen. Die E-M1 ist nicht als ästhetisches Glanzstück konzipiert das in einer Vitrine glänzen soll, sondern als Arbeitsgerät. Man muss sich bei der Bewertung von Designs immer bewusst sein, dass wirklich gute Gestaltung oft ein Kompromiss aus Funktion und Ästhetik sein muss. Ich kenne keine schöne digitale Spiegelreflexkamera, auch wenn ich immer fand, dass Nikon seine Geräte ansprechender gestaltet als andere. Doch seit den 1990er Jahren sind die Formen der Apparate zunehmend ergonomischer und funktionaler geworden, wodurch sie ästhetisch an Eleganz eingebüßt haben. Wie ich finde das aus gutem Grund, denn mit einem Arbeitsgerät soll man effizient arbeiten können – hier geht mir Funktion vor Eleganz, auch wenn eine Kamera deshalb nicht hässlich sein muss (was manche Geräte leider tatsächlich sind).

Aus Sicht des puren Designs sehe ich die Leica M als perfekte Kamera – ein durchwegs schmuckes Stück. Allein: Ich mag die Haptik nicht! Natürlich oute ich mich jetzt als Banause. Tatsächlich sehe ich keinen Grund Leica zu kritisieren, ich kann nur sagen, dass sie mir persönlich nicht liegt. Genauso wenig würde ich irgendjemandem von der Nikon Df abraten. Ich bringe nur meine Ansicht zum Design des Apparats zum Ausdruck – das kann jeder auch anders sehen. Wenn ihr die Df mögt: Freut mich. Wenn ihr die Sony A7 mögt: Habt Spaß damit! Ich liebe die OM-D.

Die OM-D E-M1 ist die schönste ergonomisch geformte Kamera, aber sie ist kein Schmuckstück, wie manche Fuji-X-Modelle oder die Lumix GX7, trotzdem fühle ich mich bei der OM-D eher zuhause. Sie liegt mir besser in Händen als jede andere Kamera, derer ich bisher habhaft wurde. Tiefe und Griff sind perfekt für meine Hand gebaut. Seit ich sie in Händen hatte kommt mir jede DSLR fett vor. Allerdings brauche ich für dieses perfekte Gefühl den Hochformatgriff, denn aufgrund des niedrigen Gehäuses greift mein kleiner Finger sonst ins Leere.

Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Das kompakte Gehäuse hat gegenüber einer Vollformatkamera (und auch einer DX, wie der D7100) Nachteile in der Bedienung. Die Tasten sind kleiner und liegen dichter beieinander. Die Bedienelemente lassen sich an Nikons anspruchsvolleren Modellen besser ertasten. Die Position der AE-L/AF-L-Taste ist im Vergleich zu Nikons zu vergessen. Zwar lässt sich beinahe jede beliebige Funktion auf beliebige Tasten legen, doch egal wie ich sie lege, es fällt mir an der OM-D schwerer bestimmte Tasten spontan zu finden (zum Teil natürlich auch dem anderen Layout einer Olympus und noch mangelnder Gewöhnung geschuldet).

Wer primär ausgiebige Sessions fotografiert und dahin nicht meilenweit wandern muss, ist mit einer DSLR sicher besser bedient als mit einer E-M1. Die OM-D ist keine Studiokameras!

Autofokus • Neben der etwas minderen Effizienz für ausgedehnte Shootings hat die OM-D gegenüber DSLR einen zweiten Nachteil: Wer gerne rasende Motive fotografiert wird mit DSLR mehr Treffer landen und glücklicher werden. Im normalen Fotoalltag vermittelt die OM-D zwar den Eindruck rasend schnell zu sein, sie arbeitet in jeder Beziehung flüssig und fokussiert nicht merklich langsamer als eine gute moderne DSLR, manchmal habe ich den Eindruck präziser als meine Nikons (was aber auch an der geringeren Auflösung gegenüber einer D600 oder D7100 liegen kann). Auslösen per Tippen aufs Touchdisplay fühlt sich unheimlich snappy an – Tipp, Klack, im Kasten. Nicht die geringste Verzögerung ist zu spüren. Die OM-D hat auch keine Probleme mit normal schnellen Motiven. Doch bei einem Versuch Möwen im Flug mit ihr einzufangen scheiterte sie mit jeder Linse und jeder Einstellung.

Abgesehen von diesem Test mit rasend schnellen Vögeln hatte ich in einem halben Jahr des Fotografierens mit der OM-D E-M5 nicht ein einziges Mal das Gefühl, weniger gut Fokussieren zu können, als mit meinen Nikons, und die E-M1 sollte da noch ein bisschen was an Präzision drauflegen (wobei ich in der Praxis keinen Unterschied feststellen kann). Tatsächlich sprechen wir beim Versuch Möwen im Flug zu erwischen von einer Extremsituation, denn die Vögel fliegen so rasant und nah an einem vorbei, dass man es kaum einmal schafft ihnen mit dem Sucher zu folgen – egal ob optischer Sucher an einer DSLR oder elektronischer Sucher an der OM-D. So eine Extremsituation ergibt sich für den normalen Fotografen doch eher selten, weshalb man sich überlegen muss, wie viel Gewicht man dieser Schwäche beimisst. Wer allerdings häufig außerordentlich schnelle Motive einfangen möchte, sie es rasante Sportarten oder eben kaum zu verfolgende Tiere, der ist mit DSLR sicher noch immer besser bedient.

Sucher • Der elektronische Sucher der E-M1 ist anerkanntermaßen der beste elektronische Sucher der derzeit zu finden ist und der zweitgrößte Sucher überhaupt im Bereich digitaler System- und Spiegelreflexkameras (bis Vollformat). Ich habe mich wie gesagt bestens mit elektronischen Suchern angefreundet und vermisse den optischen nicht – ganz im Gegenteil. Aber auch das ist Geschmacksache. Ich kann nur neuerlich betonen, dass ich das Gefühl, das einem eine Kamera und ein System vermittelt, wichtiger ist, als Leistungszahlen und Labormesswerte. Ich bin überzeugt, dass man bessere Fotos macht wenn Fotografieren Spaß macht und mehr Spaß macht Fotografieren wenn man die Ausrüstung liebt.

Display • Mit ein Grund für meine Entscheidung für die OM-D E-M5 war das Klappdisplay. Fuji hatte damals kein X-Modell mit Klappdisplay. Panasonic hatte zwar welche, aber die seitlich ausklappenden. Mir persönlich sind die seitlich ausklappenden allerdings nicht sympathisch. Mir erscheinen diese Systeme filigran und zerbrechlich. Ein Rempler, einmal stolpern, und ab das Ding – jedenfalls vermitteln sie mir den Eindruck. Da scheint mir das einfache Klappsystem, das man jetzt an der Lumix GX7, an den Fujis, an den Sonys und eben auch an der OM-D findet, robuster.

Bei der Kritik an den einfachen Klappsystemen (die nur oben und unten können), dass man mit ihnen keine Hochformataufnahmen machen könne, frage ich mich manchmal, ob die Kritiker schon einmal versucht haben mit der seitlichen Klappe Hochformat zu fotografieren: Aus tiefen Perspektiven verdeckt die Kamera bei etwas steilerem Blickwinkeln die Sicht aufs Display und das Einrichten des Bildausschnitts kommt mir immer vor als würde ich über einen Spiegel agieren müssen. Aber vielleicht bin ich in letztere Angelegenheit einfach nur zu ungeschickt – ich kann auch nicht mit dem Auto via Spiegel rückwärts fahren oder mit einem Anhänger zurücksetzen. Also vielleicht ist auch das Geschmacksache.

Die Touch-Funktion ergänzt das Klappdisplay optimal. Wenn ich mit nach oben geklappten Display arbeite fotografiere ich meist nur via Display-Touch. Das geht einfach deutlich besser von der Hand. Etwas auf das ich nicht mehr verzichten möchte. Allerdings nur, wenn es auch tatsächlich so direkt reagiert, wie bei der OM-D. Ich hatte das bei der Lumux G3 auch schon, wo allerdings erstens das Display auf Druck (nicht auf Berührung) reagierte und deshalb oft etwas verzögert oder bei zu wenig Druck gar nicht und zweitens die Fokussierung zu langsam auslöste, um irgendetwas, was sich bewegt erwischen zu können. Auch wenn ich weiter oben schrieb, dass die OM-D bei extrem schnellen Motiven nicht nachkommt, so möchte ich noch einmal unterstreichen, dass sie kein Problem mit Bewegung an sich hat.

Kabellos blitzen • Ein weiterer Punkt will überlegt sein, wenn man sich für eine OM-D entscheidet: Kabellos Blitzen. Als ich vor einigen Wochen ins Auge fasste eventuell von Nikon zu Olympus umzusteigen, betraf meine größte Sorge diesen Punkt. Ich fotografiere seit Jahren mit kabellos ausgelösten Blitzen. Nikon ist bekanntermaßen Branchenprimus, wenn es um Blitztechnik geht, und das Nikon Creative Lighting System funktionert recht gut. Trotzdem versagt dieses System, das auf Lichtsignale vom Steuer- zu den Ferngesteuerten Blitzen baut, wenn keine Sichtverbindung zwischen den Blitzen besteht, oder kräftiges Sonnenlicht die Lichtsignale überlagert. Wegen der Probleme mit Sichtkontakt und Sonnenlicht plante ich zuletzt von CLS auf ein Funksystem umzusteigen. Nur: Funksysteme, die Steuersignale unterstützen, gibt es nur für Canon und Nikon. Funk ohne Steuersignale bedeutet aber für jede Änderung einer Einstellung den Marsch zum Blitz anzutreten. Bei drei bis vier Blitzen die ich frei im Raum verteile und dem Fehlen eines Einstelllichts, das zumindest eine Vorstellung verschafft, wie die Resultate aussehen werden, habe ich nicht vor mich und meine Modelle damit herumzuplagen.

Meine ersten Shootings im Studio haben mir nun den Eindruck gegeben, dass Olympus’ kabelloses RC-Blitzsystem etwa so zuverlässig arbeitet, wie das CLS von Nikon. Benutzerführung und Vorgang zum Einstellen scheint mir bei Olympus deutlich besser gelungen. Es hat mich auch erstaunt, wie gut das Auslösen von drei Gruppen mit dem winzigen Blitz im Lieferumfang der OM-Ds funktioniert (Nikons machen mit dem eingebauten Blitz zwei Gruppen). Andererseits scheint mir das Olympus-System etwas kurzsichtiger zu sein, als Nikons CLS. Im Studio hatte ich niemals große Mühe mit dem Steuerblitz auf der Kamera die Slave-Geräte zu erreichen, beim Olympus-System hingegen musste ich teilweise etwas herumdoktern um Sichtkontakt zu erreichen. Das macht mir etwas Sorgen fürs Rausgehen. Als Optimist setze ich nun einfach meine Hoffnung auf den Erfolg des MFT-Systems und darauf, dass in absehbarer Zeit ein Anbieter mit einem TTL-Funksystem für Olympus und Panasonich auftreten wird.

Objektive • Ich denke es sind vor allem Objektive die ein System interessant machen. Und das MFT-System hat hervorragende Linsen zu bieten (was keinesfalls heißen soll, dass Nikkore schlechter wären). Das 12mm ƒ2.0 ist eine großartige (kleine) Weitwinkellinse – mit 24mm KB eine meiner liebsten Brennweiten. Das Lumix 20mm ƒ1.7 ist fast ein bisschen etwas, wie eine lebende Legende (allerdings muss man 40mm KB echt mögen). Das 45mm ƒ1.8 ersetzt mit das 85mm ƒ1.8 von Nikon schmerzlos. Geiler als beide zusammen jedoch ist das Voigtländer 42,5mm ƒ0.95, auch wenn mit manueller Blende und Fokussierung. Das Setobjektiv der E-M1, das 12–40mm ƒ2.8 ist vergleichbar mit Nikons 24–70mm, gefällt mir aber sowohl vom etwas längeren Brennweitenbereich als auch von der Bildwirkung (Bokeh) besser (auch beim Bokeh ist Qualität mehr Wert als Quantität – die Schärfentiefe des Olympus-Zooms entspricht einer Lichtstärke von ƒ4.0 bei Kleinbild).

Fazit • Alles hat zwei Seiten. MFT im Allgemeinen, und die OM-D im Speziellen, hat Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen. Ich habe eine Schwäche für die OM-D entwickelt und hatte noch nie so viel Spaß beim Fotografieren, egal ob im Studio oder unterwegs. Ich verlasse ein gutes System (Nikon) weil ich mich mit der OM-D noch wohler fühle. Wäre ich Studiofotograf würde ich das ebenso wenig machen, wie wenn rasanter Sport oder Vögel mein Kernanliegen wären. Doch jedes Mal wenn ich meine Fototasche packe oder hebe liebe ich MFT aufs Neue.

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Alle Bilder sind JPEGs out of the Camera.

Auf zu neuen Systemwelten

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Jetzt hat es mich also auch erwischt. Ich habe immer mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wenn jemand seine ganze Fotoausrüstung verscherbelt hat um zu einem anderen System zu wechseln. Und jetzt wechsle ich selbst von Nikon zu Olympus.

Nun erfolgt der Wechsel nicht, weil ich mit Nikon unzufrieden bin. Für viele stellt die Marke ja eine Glaubensfrage dar. Ich jedoch habe schon immer mit Kameras von Canon, Nikon, Sony, Panasonic und Olympus fotografiert und stehe Pentax, Samsung & Co positiv gegenüber, obwohl ich zugeben muss, dass es Marken gibt die mir besonders sympathisch sind – Fuji zum Beispiel beobachte ich mit viel Interesse – und andere, die ich nicht so mag – Sony ist zwar der innovativste Konzern und ich habe immer ein besseres Gefühl wenn meine Kameras Sensoren von Sony enthalten, aber es gibt auch Vieles was mir dort gar nicht gefällt.

Nikon hat tolle Produkte und wenn man auf Testseiten wie DxO oder dpreview.com schaut, dann ist Nikon dort durchaus dominant. Wären Labortestergebnisse und beste Leistungsdaten ausschlaggebend, würde ich Nikon nicht verlassen. Würde ich primär stationär – im Studio oder an Locations arbeiten, die gut mit dem Auto erreichbar sind – wäre eine Abkehr von Nikon kein Thema.

Aber ich bin ein mobiler Fotograf. Und das Gefühl, das mir eine Kamera gibt, ist mir wichtiger, als Leistungsdaten und Laborergebnisse. Hier hat bei mir Olympus gegen Nikon gewonnen. Das Micro-Four-Thirds-System ist unheimlich kompakt und leicht. Four Thirds hätte mich nie gewinnen können, denn das System war nicht wesentlich kompakter als DSLRs mit DX- oder Vollformatsensor. Aber MFT verdient das »Micro« im Namen absolut. Auf meinem letzten Urlaub in Frankreich begleitete mich die OM-D E-M1 mit drei Festbrennweiten (wobei das 12mm – 24mm KB – auch gereicht hätte) in einer Tasche, die gerade einmal knapp für eine D600 mit einem kompakten Objektiv angesetzt gereicht hätte – dabei hätte die OM-D noch Platz für ein oder zwei weitere Objektive gelassen. Trotz der kompakten Maße und des geringen Gewichts stehen die Ergebnisse der OM-D einer Nikon Vollformat mit sehr guten Objektiven kaum nach (in der Praxis eigentlich gar nicht, ich nehme aber an, dass man in Labors beim Pixelzählen durchaus Unterschiede feststellen könnte).

In Sachen Bedienung hat mir die OM-D seit ich sie gekauft habe mehr Spaß gemacht als irgendeine andere Kamera vor ihr. Sie liegt gut in der Hand, fühlt sich solide an und ist schnell. Ich mag auch elektronische Sucher, was nicht heißt, dass ich Leute, die ihn (bislang) ablehnen (oder auch langfristig ablehnen werden), nicht auch verstehen kann. Es ist einfach auch eine Geschmacksache und ich halte das Gefühl, das einem ein System gibt, für viel entscheidender, als Kennzahlen.

OM-D und MFT fühlen sich für mich verdammt gut an, aber Gefühle sind subjektiv und bei jedem anders. Deshalb finde ich Grabenkämpfe, welches System nun das beste ist, so sinnlos. Man kann Pros und Kontras gegeneinander abwägen, aber weshalb muss es am Schluss ein Siegersystem geben? Jeder Hersteller baut gute Kameras, jeder hat bessere und weniger gelungene Modelle im Angebot, jedes System hat Stärken und Schwächen. Gott sei Dank sind sie nicht alle gleich, so dass jeder das Passende für sich finden kann.

Auch wenn ich Nikon wohlwollend verlasse, hat es schon auch Auslöser gegeben, die meine Liebe zur Marke etwas getrübt haben. Zum Beispiel das Staubproblem der D600, das inoffiziell zwar nicht abgestritten wird, offiziell aber nie richtig zugegeben wurde, und mit dem Nikon seine Kunden im Regen stehen ließ. Nach einem Jahr macht Nikon die D600 mit der D610 zur alten Kamera und kommt den D600-Käufern keinen Schritt entgegen. Zwar hat mein Fachhändler meinen Sensor kostenlos gereinigt, aber auf seine Kappe, nicht gedeckt und bezahlt von Nikon. Olympus, die Four Thirds jetzt einstellen – was für FT-Systembesitzer ev. auch nur bedingt schön ist –, schenkt diesen Käufern zumindest den Adapterring, mit dem sich FT-Objektive mit MFT-Kameras nutzen lassen.

Die D600 ist eine tolle Kamera, die mich zunächst auch sehr begeistert hat. Bis ich die D7100 bekommen habe, um über sie zu schreiben. Lassen wir die Labortests noch einmal außen vor, bei denen die Vollformat-D600 über die DX-D7100 siegt, dann ist die D7100 die bessere Kamera – selbst wenn sie den gleichen Preiszettel hätte wie die D600. Sie ist in weiten Teilen identisch, hat aber das bessere AF-System, deckt damit das Bildfeld um Welten besser ab, erlaubt kürzere Verschlusszeiten und bietet sonst noch einige kleinere Vorteile – sie muss sich nur in Sachen Vollformatsensor und Wasserwaage für die Blickachse gegenüber der D600/D610 geschlagen geben.

Die D7100 ist in meinen Augen in Sachen Preis/Leistung die aktuell beste (Nikon)-Spiegelreflexkamera. Trotzdem blieb allerdings am Ende die D600 für mich die passendere, weil ich schon komplett mit Objektiven für Vollformat ausgerüstet und Weitwinkel-Fan bin (wer Weitwinkel bevorzugt, hat mit DX auch etwas das Nachsehen). Staubproblem und Leistung der D7100 im Vergleich zur doppelt so teuren D600 haben meine Freude an meiner D600 getrübt. Dem stand und steht die Portabilität und die Freude am OM-D-/MFT-System gegenüber, was mich im Laufe des Herbstes bewog mich zu einem Umstieg auf Olympus durchzuringen.

Allerdings war vorher noch die OM-D E-M1 erforderlich, denn die E-M5 ist zwar eine tolle, kleine Begleiterin, aber zu klein um ausgedehnte Foto-Sessions effizient zu bewerkstelligen. Die E-M1 liegt ideal in der Hand und ist gerade groß genug um sich effizient bedienen zu lassen. Obwohl sie besser in der Hand liegt, als jede andere Kamera die ich bislang in Händen hatte, will ich jedoch nicht abstreiten, dass eine Kamera im Format von D7100, D600 oder größer, sich besser bedienen lässt – ein kleiner Body, wie bei der OM-D ist einfach sehr eng, um alle Knöpfe und Räder gut erreichbar zu gestalten. Auch wenn ich glaube, dass es in Zukunft auch MFT-Kameras geben wird, die noch größer sind als die E-M1 und in Sachen Bedienung gar keinen Nachteil gegenüber Vollformat mehr haben, müsste ich mich dann doch fragen, ob ich wirklich den Nachteil der größeren Schärfentiefe von MFT in Kauf nehmen möchte, wenn ich nicht dafür den Vorteil des kompakteren Systems genießen kann.

MFT ist in meinen Augen eine gute Option für mobile Fotografen. Wer jedoch lieber im Studio oder an gut erreichbaren Locations stationär fotografiert, der wird sicher auch langfristig bei Vollformat (egal ob Nikon, Canon oder Sony) besser aufgehoben sein. Für mich jedoch ist die OM-D zur perfekten Kamera geworden.

Bewusst fotografieren

Brennweite wählen. Blickwinkel einnehmen. Blende einstellen. Belichtungszeit einstellen. ISO anheben? Fokuspunkt avisieren. Fokussieren. Auslösen.

Da braucht man Jahre lange Übung damit sich das verinnerlicht und man alle Einstellungen blind vornehmen kann und dann soll ich ein Retrogerät kaufen das mich dazu zwingt Einstellung mit Blick auf die Kamera anhand von auf Einstellrädchen aufgedruckten Zahlen vorzunehmen? Für mich klingt das nicht vernünftig.

Motive sind oft flüchtig. Nicht nur wenn es sich um Tiere handelt. Ein Gesichtsausdruck ist oft ebenso schnell dahin wie eine spezielle Lichtstimmung, eine Szene auf einer Straße oder ein Eichhörnchen. Meist verstreicht schon durch das Auspacken und Einschalten der Kamera zu viel Zeit um den Augenblick noch zu erhaschen. Um jede Sekunde des Blickens auf Einstellungsskalen ist es schade.

Ich versuche bewusst bewusst zu fotografieren. Doch oft lenkt mich das Nachdenken über Einstellungen zu sehr vom Wesentlichen – vom Motiv – ab. Mit dem Resultat, dass dem Modell ein Ast aus dem Ohr wächst oder neben der Blume eine Kippe liegt die mit einem Handgriff zu entfernen gewesen wäre. Der Gedanke, dass mich seltsam platzierte Rädchen zu bewussterem Fotografieren führen könnten scheint mir ein abwegig. Und Rädchen für zentrale Aufnahmeeinstellungen links vom Sucher – also auf der Seite der Hand die ich am Zoom- und Fokussierring habe – finde ich nur hinderlich.

Zunächst bewege ich mich um mein Motiv und versuche herauszufinden aus welchem Blickwinkel Vorder- und Hintergrund am besten miteinander interagieren. Dann stellt sich die Frage welche Perspektive das Objekt am besten zur Geltung bringt. Weitwinkel für dramatische Fluchten oder Tele für flache Bildwirkung und kurze Schärfentiefe? Je nach Entscheidung muss ich mich nähern oder entfernen.

Soll der Hintergrund mitspielen dürfen oder möchte ich ihn durch Unschärfe ausblenden? Die Antwort führt zur Entscheidung für eine Blendeneinstellung – also am entsprechenden Einstellrad drehen (oder am Blendenring des Objektivs).

Da ich meist manuelle Belichtungseinstellungen wähle muss ich nun die Verschlusszeit einstellen – dazu wird das andere Einstellrad gedreht.

Belichtungsskala, Histogramm und Belichtungswarnung helfen bei der Einstellung – die Möglichkeit all das schon vor dem Auslösen im elektronischen Sucher meiner spiegellosen Systemkamera zu sehen ist ein Segen.

Was ergibt sich für eine Verschlusszeit? Kann ich diese bei der gewählten Brennweite aus freier Hand noch halten? Wenn nicht: ISO-Empfindlichkeit anpassen.

Auf welchen Punkt soll fokussiert werden? Ich entscheide mich für eine Art des Fokussierens, stelle scharf und löse aus.

Ich glaube nicht, dass mir eine Kamera helfen kann noch bewusster zu fotografieren. Eine Kamera soll es mir vielmehr ermöglichen all diese Prozesse fließend, intuitiv und ergonomisch zu gestalten, so dass ich möglichst wenig darüber nachdenken muss und so viel Aufmerksamkeit wie möglich für das Motiv zur Verfügung habe.

Nur noch einmal 5 Cent zur Retrodebatte.

Fotografie – ein Akt der Sinne

Ich fotografiere aus Leidenschaft. Ich fotografiere auch beruflich. Doch da mein Beruf nicht darin besteht Aufnahmen für Aufträge anzufertigen, sondern Inhalte für Foto-Workshops und Fotobücher vorzubereiten, kann ich fotografieren was und wie ich will. Ich liebe diese Autonomie!

Ergonomie der Geräte | Die Ergonomie meiner Arbeitsgeräte ist mir wichtig. Ich war einst Mountainbiker. Als solcher habe ich immer die harten Kerle bewundert die mit schweren, ganglosen Waffenrädern Pässe erklommen haben. Der Anspruch den ein solches Gerät an Kraft und Ausdauer stellt ist ungleich höher, als bei einem gewichtsgetuneten 21-Gang-Bike. Trotz der Bewunderung beneidete ich die Kollegen nicht um ihre klassischen Drahtesel, sondern zog mein Einigermaßen-Hight-End-Bike vor. Es macht das Leben im wahrsten Sinne leichter. Wer will kann das jetzt ruhig als weiteren Kommentar zur Nikon Df verstehen (wie gesagt: das ist nichts gegen Waffenräder und Holländer, nur wären die nichts für mich).

Trotz aller Begeisterung für ergonomische Geräte ist Ergonomie nicht das Einzige was zählt, zumal ich eben nicht direkt auftragsbezogen arbeite und der Leitsatz, dass Zeit Geld ist für mich diesbezüglich nur bedingt gilt. Ich kann es mir leisten in Ruhe zu fotografieren. Vielleicht sollte ich ehrlicherweise schreiben »ich könnte es mir leisten«, denn oft bin ich in mir zu wenig ruhig und rund und zu hektisch um da in einen sanften Flow zu kommen. Zwar gehe ich wenn ich fotografiere schon dermaßen in der Tätigkeit auf, dass man das als Flow bezeichnen kann, doch ist mein Flow kein ruhiger Fluss sondern eher ein schnell fließender Strom. That’s me.

Fotografie konzentriert den Blick | Fotografie ist eine sinnliche Tätigkeit. Natürlich eine Tätigkeit des Sehsinns. Bin ich fotografisch unterwegs konzentriert sich mein ganzes Bewusstsein auf das was ich sehe und wie ich das mit den Möglichkeiten meiner Kamera optimal einfangen kann. Vielleicht konzentriert sich mein Bewusstesin oft ein bisschen zu sehr auf Letzteres, denn Verschlusszeit, Blendeneinstellung, Fokussierung, Empfindlichkeit – das alles will überlegt, bedacht und eingestellt werden. Wenn da einer davon spricht, dass er sich eine Kamera wünscht, die diesen Prozess einfacher macht, dann frage ich mich wie das gehen soll. Natürlich kann man all diese Parameter der Kamera überlassen. Doch wo bleibt da dann der kreative Prozess? Will ich wirklich die Hälfte der Regie einer Elektronik überlassen und mich selbst rein auf Anweisungen an Modelle und Wahl des Bildausschnitts beschränken? Will ich wirklich eine Elektronik als Co-Regisseur an meiner Seite, der mir wichtige Entscheidungen abnimmt? Wer von einer Kamera »back to the roots« und mehr Einfachheit verlangt sollte überlegen, wie so eine Vereinfachung einer an sich recht komplexen Materie überhaupt gehen soll. Ich bin skeptisch, wenn jemand verspricht komplexe Dinge watscheneinfach lösen zu können. Genau genommen hat weglassen der Einstellung und delegieren an die Kamera ja auch überhaupt nichts mehr mit Back to the roots zu tun.

Fotografieren ist ein Akt des Sehens. Mit der Kamera unterwegs zu sein hilft mir, mich mehr mit dem zu befassen, was mich umgibt, und nicht zu sehr von gedanklichen Spaziergänge über Dieses und Jenes vom Hier und Jetzt ablenken zu lassen. Manch einer mag belächeln, wenn ich an einem neuen Ort aus dem Auto oder dem Bus steige mich umsehe und sofort meine Kamera zücke, wie der Klassiker unter den japanischen Touristen. Fragt mich jemand wie denn mein gerade beendeter Urlaub war sage ich selbst oft scherzhaft »Ich muss erst die Fotos sichten. Dann kann ich es dir sagen.«

Tatsächlich aber komme ich mit der Kamera in der Hand erst richtig mit Augen und Gedanken in einem Urlaubsort an. Ohne Kamera kehrt mein Kopf immer wieder nachhause zurück und beschäftigt sich mit Dingen die vor einem Urlaub wichtig waren oder danach wichtig sind nach. Und natürlich auch viel zu viel zu Dingen die eigentlich unwichtig sind. Das gilt auch für den Wochenendausflug, die Wanderung oder eine kurze Fotosession oder -safari. Urlaub und Ausflüge sollten nicht Fotografie alleine sein. Aber für mich ist es eine Bereicherung wenn sie dabei ist.

Haptik | Fotografieren ist ein Akt des Sehens. Aber nicht nur! Haptik und Akustik sind für mich von leidenschaftlicher Fotografie nicht zu trennen. Riechen und Schmecken bleiben beim Fotografieren außen vor. Ich rieche nicht an meinen Motiven (und habe auch schon in Gegenden fotografiert an denen ich froh war, dass der Geruch nicht mit aufgezeichnet wird) und lecke auch nicht daran – ebenso wenig rieche oder lecke ich an meiner Kamera (muss aber gestehen, dass ich froh bin, dass Kameras und Objektive nicht riechen).

Als visuell sensibler Mensch ist mir nicht nur das Aussehen meiner Motive wichtig, sondern auch die Optik – das Design – meiner Geräte. Ein Gerät kann noch so tolle Funktionen und Leistungsdaten haben, wenn es hässlich ist mag ich es nicht. Das gilt für Autos, für Handys, für Kameras und Objektive und für Software. Ich mag auch nicht mit hässlicher Software arbeiten, ganz gleich wie gut sie ist. Hässlichkeit stört mein sinnliches Empfinden.

Ich kann nur mit einer Kamera arbeiten, die gut designt ist, deren Anblick ich freut. OK. Das ist bei den gängigen DSLR-Kameras ein bisschen schwierig. Die Geräte sind dermaßen auf Funktion und Ergonomie getrimmt, dass man so ein Gehäuse jetzt nicht wirklich nach rein ästhetischen Gesichtspunkten als formvollendet betrachten kann. Aber dennoch gibt es Geräte die den Spagat zwischen Funktion und Ästhetik besser meistern und andere, die einen eher verunglückten Eindruck vermitteln. Gutes Design bedeutet genau diesen goldenen Punkt des Kompromisses zwischen Form und Funktion zu finden.

Produktdesign ist eine große Herausforderung für den Designer. Grafikdesign – und auch Fotografie – sind diesbezüglich simpel gestrickt. Denn jeder Betrachter wird das Design oder die Fotografie zu jeder Zeit gleich sehen, sehen wir einmal von den Auswirkungen des Umgebungslichts ab. Jeder Betrachter sieht das Design oder das Motiv aus dem Blickwinkel aus dem es der Designer oder Fotograf erstellt hat. Das ist bei Produktdesign anders. Da gibt es nicht nur ein vorne. Da gibt es auch ein oben, unten, links, rechts, hingen und alles in allen möglichen Winkeln von Diagonal. Gutes Produktdesign besticht aus jedem Blickwinkel. Nicht nur von vorne oder von oben (wer das jetzt als Seitenhieb auf die Df verstehen will darf das ruhig tun). Für gutes Design muss zwar jedes Detail gelungen sein, doch das Designobjekt an sich ist nur dann gelungen, wenn alle Teile ein harmonisches Ganzes bilden. Dann ist das Ganze mehr als die Summe der Teile.

Geschmack ist Subjektiv | Nun kann man natürlich einwenden, Gutes Design sei am Ende doch immer Geschmacksache. Ja und nein. Was dir, lieber Leser, gefällt, ist allein deine Sache. Lass dir da von niemandem rein reden. Es darf dir genauso wenig jemand vorschreiben was dir an Design zu gefallen hat, wie was dich an Fotos begeistern darf. Geschmack ist rein subjektiv und eine Privatsache. Doch es gibt auch objektive Kriterien über die sich Design beurteilen lassen. Jeder Fotograf weiß, dass es gute Fotografien gibt und lausige. Auch wenn es legitim ist, dass das lausige Bild irgendjemandem aus irgendeinem Grund etwas sagt oder bedeutet, ist nicht jedes Foto ein potenzielles Ausstellungsexponat. Weshalb sollte das mit Design anders sein?

Gutes Design ist Objektiv | Was subjektiv gefällt, muss jeder für sich entscheiden. Doch man muss auch erkennen, dass nicht alles, was einem persönlich subjektiv gefällt, objektiv gut ist.

Look and Feel | Eine Kamera muss allerdings nicht nur gut aussehen. Sie muss sich auch gut anfühlen. Fotografiert wird mit der Kamera in der Hand. Das kann ich nur mit Leidenschaft, wenn die Materialen der Ausrüstung sich gut anfühlen.

Ich hatte bisher keine Kamera in der Hand die sich für mich so gut anfühlte, wie die OM-D E-M5. Mag man über ihr Design sagen was man will – ich mag ihre Optik, ich finde sie schöner als alle DSLRs die ich kenne, doch ich will sie nicht mit der ästhetischen Qualität einer Leica M vergleichen –, die Haptik ist einzigartig.

Die erste Überraschung, als ich die E-M5 zum ersten Mal live sah, war, wie klein sie ist – sie sieht auf Fotos viel größer aus. Die zweite Überraschung, wie schwer sie trotz ihres kleinen Gehäuses ist. Und das ist es, was ich an ihr liebe. Sie fühlt sich an, wie ein solider Block aus Metall – als wäre darin alles massiv. Im Vergleich zu ihr vermitteln mir viele manche Bodys den Eindruck als müsste man eine lose Schraube im inneren herumpurzeln hören wenn man ihn schüttelt.

Authentisches Material | Alles an der E-M5 wirkt authentisch. Ich mag keine verlogenen Materialien. Plastik, das so tut als wäre es Holz, oder Plastik, das tut, als wäre es Chrom (bei den Olympus-Objektiven gibt es das leider – man muss damit leben).

Billig wirkende Objektive | Was ich weniger liebe ist die Haptik mancher Micro-FourThirds-Objektive. Das 12–50mm ƒ3.5–6.3 ist so eines. Man kann ihm vielleicht zu Gute halten, dass das Plastik daran ehrlich nach Plastik aussieht, aber leider nach billigem Plastik. An einer haptisch so gelungenen Kamera wie der OM-D ist das ein absoluter Stilbruch. Hier freue ich mich schon auf die Arbeit mit den Voighländer-Linsen – reinstes Heavy Metal! Wirklich schlimm war das 12–42mm-Standardobjektiv, das zu meiner Lumix G3 mitgeliefert wurde. Ich nannte es »das Mikey-Mouse-Objektiv«. Es fühlte sich an wie etwas, das man als Gimmik bei einem Yps-Heft mitbekommen hat. Und es klang auch so. Wenn man am Zoomrad drehte hörte man schabendes Plastik. Das geht einfach nicht für ein System, das man ernst nehmen soll! Bei Nikon habe ich vergleichbares nicht bei der billigsten Linse erlebt. Das soll nichts über die Abbildungsleistung dieser Optiken aussagen – die mag ja gut sein. Aber ein Objektiv muss sich einfach auch gut anfühlen.

Akustik | Womit wir beim dritten Sinn wären. Auch die Ohren sind beteiligt wenn ich fotografiere. Eine Kamera muss nicht nur gut aussehen und sich gut anfühlen, sie darf auch nicht grauslich klingen. Sie kann leise sein, aber was sie von sich gibt, muss gut klingen. Ein künstlich generiertes Shutter-Geräusch finde ich abstoßend. Knarzendes Plastik ebenso.

Als Designer ist mir Funktion ebenso wichtig wie Design. Doch Funktion alleine ist es nicht. Design ist ebenso wichtig wie Funktion. Zu Design gehört neben dem Look, auch die Haptik und die Akustik. Fotografieren macht mir nur mit Geräten Spaß, die Funktion und Design optimal verbinden. Am Ende fotografiere ich lieber mit einer Ausrüstung, die beim Pixelzählen vielleicht nicht den goldenen Blumentopf gewinnt, die jedoch sowohl meine Augen, als auch meine Hände, als auch meine Ohren erfreuen kann.

Nikon Df – ein Vorurteil

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Nikon Df; © Nikon 2013

Ich mag mich ja normalerweise nicht an Spekulationen über ein Produkt beteiligen, bevor ich es in der Hand hatte oder, im Falle des Designs, ich mir etwas Zeit gelassen habe mich an Neues zu gewöhnen – eine Meinung muss sich bilden. Normalerweise verurteile ich Vorverurteilungen von Produkten bevor sie den Markt erreicht haben. Aber machen wir einmal eine Ausnahme. Vor allem deshalb, weil ich mir in meinem Vorurteil sicher bin.

Erstens sei gesagt, dass ich – entgegen dem aktuell grassierenden Retrotrend – nicht alles schick finde was in alten Tagen gebaut wurde. Manche Produkte waren schick, doch lausiges Design gab es gestern wie heute. Das soll nicht heißen, dass ich die vermeintlichen Väter und Mütter mit klingenden Nikon-F-Namen misslungen finde – im Gegenteil! Ich will nur sagen, dass nicht alles was heute nach damals aussieht gelungen ist.

Nikon macht mit der Df den Fehler den Pentax mit der MX1 beging: Manche Bauteile sehen aus als wäre jemand auf ein verschollenes Lager aus den 50er, 60er oder 70er Jahren gestoßen und hätte lediglich den Staub abgeblasen um sie im neuen Produkt zu verbauen. Anderen Teil sieht man jedoch klar an, dass sie einem elektronischen Plastik-Baukastensystem anno 2013 entsprungen sind.

Bei der MX1 ist es vor allem das Objektiv das so gar nicht mit dem klassisch gestalteten Body harmonieren will. Schlimmer noch bei der Dƒ, wo der Rücken seinen 2000er+ Jahrgang unmöglich verheimlichen kann. Ich möchte nicht wissen, wie die Designer des Produkts darunter gelitten haben hier die Vorgaben der Konzernleiter, Controller und Marketingexperten zu erfüllen. Das Ganze ist ein bisschen wie ein Schloss mit modernen Lärm-und-Wärmedämm-Plastikfenstern oder ein Jaguar-Oldtimer mit Alufelgen.

Olympus und Fuji haben es besser gemacht, denn sie haben zwar die Formensprache früherer Zeiten aufgenommen aber sie zeitgemäß interpretierten und ihr Design durchgängig und stringent angelegt. Im Sinne dieser beiden Unternehmen, die in Sachen Retro Pionierarbeit geleistet haben, finde ich den grassierenden Retrotrend bedauerlich, denn ist etwas erst einmal so heiß und trendy wie Retro im Moment, steht es kurz vor dem Verglühen. Das wiederum fände ich schade, denn ich bin durchaus Freund von Neuinterpretationen klassischer Vorbilder so lange sie so gut gemacht sind wie es Fuji und Olympus machen.

Nikon hat die Df im Segment Consumer positioniert und ich vermute, dass das wohlwissend war. Im Preis spiegelt sich die Positionierung in diesem Segment zwar nicht – immerhin gibt es bereits für weniger Geld eine Profi-D800 –, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass viele Profi auf Dauer mit der Bedienung der Df glücklich werden können.

Alle modernen professionellen Spiegelreflexkameras haben ein Design mit zwei Einstellrädern, idealer Weise eines hinten, für den Daumen gut erreichbar, und eines vorne, nur Millimeter vom Auslöser entfernt. Software – heute in jeder Kamera essenziell, in den 70er Jahren jedoch noch nicht wirklich ein Thema – ermöglicht es, diese Räder frei zu belegen und somit die Kamera an die Arbeitsweise des Fotografen anzupassen. Dass das durchgehend bei praktisch allen Kameras der Fall ist lässt darauf schließen, dass sich das bewährt hat und gar nicht so blöd ist.

Das Layout der Df mit den vielen beschrifteten Rädern und Schaltern links und rechts des Suchers legt nahe, dass eine Individualisierung bei ihr nicht angedacht ist. Bei all meinen Kameras brauche ich den Blick nicht vom Sucher oder Display zu nehmen, wenn ich an Einstellrädern eine Option ändere, denn die Einstellungen werden dort angezeigt (gab es in den 70ern wohl auch noch nicht). Ich nehme an, dass das bei der Df auch so sein wird. Aber wozu dann die dezidiert beschrifteten Rädchen auf der Kamera?

Dass die Rädchen beschriftet sind muss natürlich kein Problem sein. Vielleicht lassen sie sich ja trotzdem individualisieren und man kann auf das Rad das mit Verschlusszeiten beschriftet ist die ISO-Empfindlichkeit legen ( 😉 ). Gravierender finde ich, dass die Kamera eine zweihändige Bedienung voraussetzt und das scheint mir nicht wirklich dazu geeignet den Spaß am Fotografieren zu erhöhen.

Trotz 2749 Dollar wird die Df von Profis wohl kaum gekauft werden, denn Profis brauchen effiziente Arbeitsmaschinen und das kann sie wohl kaum leisten.

Was ich an Nikon mag, ist, dass ich immer den Eindruck hatte man baue Fotoapparate für Fotografen. Nikon hat sich beispielsweise weniger als andere Hersteller am sinnlosen Megapixelrennen beteiligt und statt dessen als erster kompetent an der ISO-Schraube gedreht (bei im Vergleich zum Mitbewerber geringer Auflösung). Auch mit der Nikon 1 ist Nikon in meinen Augen einen sinnvolleren Weg gegangen, als Canon, Sony, Pentax und all die anderen, mit ihren APS-C-Systemkameras. Der Markt nimmt aber sinnvolle Produkte nicht immer an und hat am liebsten »viel« – also den größeren APS-C-Sensor statt 1″.

Die Df scheint mir weniger ein Fotoapparat für Fotografen als vielmehr ein Spielzeug für Liebhaber trendigen Retro-Designs. Das ist in meinen Augen nicht sinnvoll, aber Unternehmen müssen ja vorrangig Produkte verkaufen und nicht sinnvolle Produkte erzeugen. Und es spricht ja auch nichts dagegen, wenn sich jemand am, in meinen Augen etwas misslungenen, Retro-Look erfreuen kann. Also will ich Nikon den Erfolg gönnen, so er ihnen mit der Df beschieden ist. Ich hoffe zwar in einiger Zeit einmal ein Exemplar für ein paar Tage in die Hände zu bekommen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das viel an meinem Vorurteil ändern wird.

Fotografie ist Leidenschaft

Immer schneller drehen sich die Karusselle der Entwicklungen, ziehen schwindelerregend schnell an uns vorbei. Gerade nahmen wir eine Neuheit wahr, schon ist sie Schnee von gestern. Kaum jemand der nicht beklagt alles habe einen ungesunden Drive angenommen. Kaum jemand der sich nicht etwas Entschleunigung wünscht; etwas Wiederentdeckung der Langsamkeit; etwas simplify your life (abgesehen vielleicht von den U20ern, für die ein Jahr noch eine Ewigkeit ist).

Trotzdem fragen viele im nächsten Atemzug nach dem ausstehenden Update der Lieblingssoftware, dem neuesten Modell des Smart Phones, dem Nachfolgemodell der eben erst gekauften Kamera.

Gerade in der Fotografie befremdet mich die Fokussierung auf technische Kennzahlen, Leistungsdaten und Featurismus. Bedeutet Fotografie denn nicht mehr als, wie viele Linienpaare ein Objektiv auflösen kann, Rauscharmut bei High-ISO, Megapixel auf Vollformatsensoren, detailscharfe Hautporen in der 100-%-Ansicht, Schärfentiefen im Zehntel-Millimeter-Bereich und so weiter? War Fotografie nicht einmal eine Kunst? Ging es nicht einmal vor allem um das Bild?

Wie viel Prozent trägt die Exzellenz des Equipments zu exzellenten Fotografien bei? Steht die Zeit die wir uns in Magazinen, Foren und Debatten mit Ausrüstung befassen in angemessenem Verhältnis zu ihrer Bedeutung für bemerkenswerte Aufnahmen? Verlieren wir nicht zu viel Zeit an die Theorie – Zeit die wir besser mit angewandter Fotografie verbringen würden –, ganz abgesehen von der Zeit die wir arbeiten müssen um uns das Equipment leisten zu können? Macht die Kamera mit den scheinbar besten Kennzahlen in unseren Händen wirklich dermaßen bessere Aufnahmen?

Ich verstehe mich nicht als Künstler. Ich bin nur jemand der Spaß am Fotografieren hat. Trotzdem bin ich zu ambitioniert und erfahren, um mit jeder beliebigen Ausrüstung arbeiten zu können. Was nach dem Auslösen aus der Kamera raus kommt und nach der Entwicklung aus dem Computer muss passen! Es muss meine Anforderungen erfüllen. Doch Linienpaare, Megapixel, Detailschärfe, Schärfentiefe und all die anderen Details sind nur … Details!

Kennzahlen und Feature-Umfang einer Kamera oder einer Software sagen so viel über das Gerät oder das Programm aus, wie eine Beschreibung von Körpergröße, Gewicht und Augenfarbe über die Fähigkeiten eines Menschen.

Auch ein Musiker mag sich nach Kennzahlen und Eigenschaften eines potenziellen Instruments erkundigen. Doch wenn er es in Händen hält wird lediglich zählen wie es sich für ihn anfühlt und anhört.

Genauso geht es mir auch mit der Fotoausrüstung. Natürlich erkundige ich mich zunächst anhand von Daten über einen potenziellen Ausrüstungsgegenstand. Entscheidend ist aber das subjektive Gefühl das mir das Ding in Händen vermittelt. Testcharts zu fotografieren finde ich dabei so aufschlussreich, wie ich es als Musiker fände die Schwingungen eines Instruments zu messen. Ein Instrument muss keine schönen Schwingungskurven zeichnen können sondern den Ohren gefallen. Eine Kamera muss keine Labortests bestehen sondern meinen Augen gefallen.

Eine Kamera muss sich gut anfühlen. Sie ist mein Instrument und ich muss sie vor allem lieben um gerne mit ihr zu fotografieren. Liebe hat nichts Fakten zu tun, ist nicht rationell und oft nicht zu begründen. Fotografie ist Leidenschaft. Und Spaß. Und Subjektiv. Daten sind da nebensächlich so lange das Instrument gut klingt.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass Daten, Techniken und große Zahlen wichtiger geworden sind als alles andere. Es ist OK wenn sich jemand vor allem an der Technik freuen kann. Warum auch nicht, wenn es Spaß macht immer mit den neuesten Gadgets zu spielen? Aber es ist nicht Fotografie! Oder zumindest nur am Rande.

Kreativ fotografieren mit Nikon D600

Wenn es still wird in meinem Blog arbeite ich meist an einem Buch. Ok. Es ist seit längerer Zeit immer still in meinem Blog. Ich arbeite mittlerweile sehr oft an einem Buch. Mein aktuelles Projekt heißt »Kreativ fotografieren mit der Nikon D600« und ist mittlerweile offiziell angekündigt. Es wird noch einige Zeit dauern bis es verfügbar ist – der Veröffentlichungstermin steht auf 27. Februar 2013. Damit wird es lange nicht das erste Buch zur D600 am Markt sein, aber ich hoffe das beste. 🙂

Das Buch folgt meinem 4-Schritte-Konzept zur kreativen Fotografie. Ich wollte kein »Buch zur Kamera« schreiben, wie sie normalerweise angeboten werden. Nikon hat mustergültige Handbücher und ich verstehe nicht, weshalb sich jemand ein Kamera-Buch kauft, das eigentlich nur die Funktionen auf andere Art, mit einigen Ergänzungen und mit mehr oder weniger schönen Bildern dazu kauft.

Ich kenne die Probleme von Autodidakten aus meinen Schulungen und vor allem auch aus eigener Erfahrung. Wer eine D600 kauft kennt sich aus in der Fotografie, hat aber in den meisten Fällen keine fotografische Ausbildung und entsprechend immer noch Lücken im technischen, theoretischen und praktischen Verständnis der Thematik. Das größte Problem stellt für viele dar, ihr gesammeltes technisches und theoretisches Wissen in einen sinnvollen Zusammenhang mit der praktischen Anwendung zu bringen. An dieser Stelle setze ich mit meinem Buch an.

»Kreativ fotografieren mit Nikon D600« ist als kreative Fotoschule für ambitionierte Autodidakten gedacht, mit der sie ihr fotografisches Know-how anhand ihrer Kamera weiterentwickeln können. Es geht nicht auf jede Funktion der Kamera ein, sondern erklärt alle Funktionen, wie ich sie nutze, vor dem Hintergrund der kreativen Bildgestaltung, also des praktischen Einsatzes.

Die Vorbereitung zu diesem Buch braucht Zeit. Ich habe in den letzten Wochen vor allem sehr viel mit der D600 fotografiert, denn nur so lernt man eine Kamera mit all ihren Vorzügen, und auch Schwächen (von denen die D600 aber wirklich wenige hat), ausreichend kennen, um ihre Details und ihre praktische Anwendung auch wirklich kompetent beschreiben zu können. Dabei sind natürlich auch tolle Bilder entstanden. Ich freue mich schon sehr auf das fertige Buch und bin gespannt, wie ihr es annehmen und was ihr dazu sagen werdet.

Welche Kamera kaufen, Teil 1: Grundfragen

Die Frage nach der richtigen Kamera stellt sich jedem, für den ›drauf halten und abrücken‹ nicht ausreicht. Die Frage nach der Marke sollte dabei zunächst nebensächlich sein. Vielmehr sollte man nach dem passenden Modell Ausschau halten, ganz egal welcher ›Brand‹ auf dem Gehäuse prangt.

Ausschlaggebend für die Entscheidung ist vor allem wo und wie man welche Motive fotografieren möchte.

Frage 1: Wo

Mit der Frage nach dem ›wo Fotografieren‹ meine ich vor allem, wie einen die Kamera zur ›Location‹ begleiten soll. Begibt man sich speziell zum Zweck des Fotografierens an einen bestimmten Ort und geht es dann ausschließlich um das Fotografieren? Dann darf die Kamera auch ein ordentliches Volumen und Gewicht haben. Man wird vielleicht sogar eine ganze Kameraausrüstung mitschleppen.

Oder fotografiert man eher bei Gelegenheit und Beiläufig wenn sich Motive gerade erbeben? Dann ist natürlich vor allem wichtig, dass die Kamera dabei ist. Dann brauche ich also eine Kamera, die klein genug ist, um in die Jacken- oder Handtasche zu passen.

Natürlich wäre es schön, wenn man aus der kleinsten, schicksten und leichtesten Kamera dasselbe herausholen könnte und wenn sie genauso ergonomisch zu bedienen wäre, wie das bei großen und schwereren Kameras der Fall ist. Doch wer sich für ein möglichst kleines Gerät entscheidet, muss sich bewusst sein: Je kleiner das Gerät, desto mehr muss man mit qualitativen, gestalterischen und ergonomischen Einschränkungen rechnen. Diese Erkenntnis ist wichtig: Nicht nur die Qualität ist (etwas) und die Bedienung (deutlich) eingeschränkt, sondern vor allem auch der gestalterische Spielraum.

Frage 2: Wie

Schicke, kleine Kompaktkameras decken kaum eine Handfläche ab. Zum schnellen draufhalten auf ein Motiv ist mehr Ergonomie nicht unbedingt notwendig. Doch wer ausgedehnt fotografieren will, wird schnell merken, dass diese kleinen Geräte der Hand wenig Griffigkeit anbieten. Man hält sie mit den Fingern und bei längerem Fotografieren eher etwas verkrampft. Verkrampft heißt unruhig. Und unruhig ist für scharfe Fotos eher nicht so optimal.

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Schick und klein, aber ohne Ergomie für lange Foto-Sessions – die Komapktkamera.

Möchte man außerdem kreativ mit einem Fotoapparat arbeiten, ist es am besten für möglichst viele Einstellungen möglichst viele Knöpfe direkt am Gehäuse zu haben. Bedienung über Hardware, sozusagen, und nicht über die Software-Menüs, die sich am Display darstellen lassen. Kamera-Einstellungen über Menüs stören den Fluss des Einstellens und Fotografierens. Doch kleine Kameras haben, sofern sie überhaupt die Möglichkeit bieten wichtige Einstellungen über Knöpfe und Drehräder vorzunehmen, wenig Platz für diese. Sie sind dann meist zu klein und liegen zu dicht aufeinander.

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Zu groß für die Hand- und viel zu groß für die Jackentasche. Aber ergonomisch geformt für viel Spaß beim langen Fotografieren (Abbildung: Fuji X-S1).

Kameras, die nicht nur für das gelegentliche Schnappschießen gedacht sind, sind deshalb meist größer, so dass sie ein oder zwei Hände gut ausfüllen können – mit zwei Händen hält sich die Kamera einfach besser. Außerdem braucht man für kreativ gestaltendes Fotografieren auch eine Hand fürs Zoomen und Scharfstellen und die andere für Blendeneinstellungen, Zeiteinstellungen, Belichtungskorrekturen, etc.

Die größeren Gehäuse sind auch schwerer. Was als Nachteil für den Transport und ermüdend klingen mag, ist für das Fotografieren ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Denn mehr Gewicht liegt satter in Händen, stabilisiert die Kamera und sorgt somit für mehr unverwackelte und scharfe Bilder.

Auf den größeren Gehäusen lassen sich viele gut ertastbare Schalter und Wählräder bei ausreichendem Abstand unterbringen. Das macht die Arbeit mit diesen Geräten um Welten angenehmer.

Wie gesagt: Fürs draufhalten und abdrücken ist das alles kein Thema. Aber wer ausgiebige Foto-Sessions und -Safaris mit kreativer Bildgestaltung plant, der sollte lieber nicht zur kompaktesten Lösung greifen.

Frage 3: Was

Die dritte Frage ist: Was möchte ich fotografieren? Welche Art von Motiven? Dabei würde ich drei grundlegende Gruppen unterscheiden.

Landschaft und landschaftähnlich

Das klassische Landschaftsbild besteht aus Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Alle drei sollen scharf abgebildet sein – die Schärfe soll also von ganz vorne bis ganz hinten reichen. Man spricht dann von großer Schärfentiefe.

Was für Landschaften gilt, gilt grundsätzlich auch für Orts- und Städteansichten – das meine ich dann mit landschaftsähnlich. Auch wenn ich einen Raum fotografiere, oder eine Party, möchte ich wohl meist von vorne bis hinten alles scharf abgebildet haben.

Die Schärfentiefe hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Abstand zum Motiv, der Brennweite, der sogenannten Blende und vom Format des Bildsensors.

Je kleiner der Bildsensor, desto größer fällt die Schärfentiefe aus.

Für Landschaften und landschaftähnliche Motive, bei denen viel Schärfentiefe von vorne bis hinten gewünscht ist, sind auch Kameras mit sehr kleinen Bildsensoren durchaus gut geeignet. Wenn das Licht geht kann die Kamera und der kleine Aufnahmesensor sogar ein Vorteil sein, weil man die sogenannte Blende offen lassen kann, somit das noch vorhandene Licht besser ausnutzt und trotzdem eine hohe Schärfentiefe erzielt. Bei einer Kamera mit großem Bildsensor hat man die Wahl zwischen offener Blende, die das vorhandene Licht gut ausnutzt, und kurzer Schärfentiefe, oder geschlossener Blende, was zwar die Schärfentiefe erhöht, aber nicht mehr viel Licht zum Sensor lässt und somit längere Belichtungszeiten erfordert.

Kleiner Sensor, großer Sensor

Kleine Kompaktkameras und große Kameras – zum Beispiel Spiegelreflexkameras – unterscheiden sich vor allem auch durch die Größe des Bildsensors. Der Bildsensor ist das Aufnahmemedium. In der analogen Fotografie ist das der Film.

Eine Spiegelreflexkamera hat in fast allen Fällen einen um ein mehrfaches größeren Bildsensor als eine Kompaktkamera. Damit ist nach Stand der Technik vor allem etwas mehr Detailschärfe und weniger störendes sogenanntes Bildrauschen möglich. Größere Sensoren erlauben also insgesamt im Detail etwas mehr Bildqualität (was allerdings, abgesehen von Extrembedingungen, bei einer Wiedergabe unter A4 eher marginal ins Gewicht fällt). Vor allem aber erlauben diese größeren Bildsensoren viel mehr Spielraum zwischen wenig und viel Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe (wie in der nächsten Abbildung weiter unten) ist mit Kompaktkameras schwer zu erreichen (nur durch extrem kurzen Abstand oder extrem lange Brennweite).

Doch da bei Landschaft und landschaftähnlich große Schärfentiefe gewünscht ist, erreichen die kleinen Kompakten bei solchen Motiven dennoch Resultate, die jenen von Spiegelreflexkameras kaum nachstehen. Erst bei sehr großen Ausdrucken und bei sehr genauem Hinsehen wird man die Unterschiede deutlich ausmachen können.

Kompaktkameras sind somit für alle gut geeignet, die gerne Landschaften, Plätze, Gärten und Parks, Orte, Städte und Gassen fotografieren, jedoch auf das letzte Maß an anspruchsvoller Qualität zugunsten des leichten Transports verzichten können. Somit sind Kompaktkameras zum Beipsiel gute Reisekameras. Sie erreichen zwar die Güte ihrer großen Geschwister nicht ganz, doch je größer die Kamera, desto lieber und öfter wird man wohl ohne sie aus dem Haus gehen. Und die Kamera, die daheim im Schrank liegt, macht keine besseren Bilder, sondern gar keine!

Porträt und porträtähnlich

Anders sieht es aus, wenn man gerne Leute porträtiert. Bei einem Porträt geht es vor allem darum eine Person, einen Kopf, ein Gesicht zu zeigen. Alles andere würde bei diesen Aufnahmen nur stören und ablenken. Ein unruhiger, penetranter Hintergrund ist der Tod einer jeden gelungen Aufnahme einer Person. Deshalb hat man für diese Motive gerne eine geringe Schärfentiefe. Bei kurzer Schärfentiefe erscheint nur die Person scharf am Bild und der Hintergrund ist unscharf, lenkt nicht mehr vom Hauptmotiv ab und stört auch nicht mehr.

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Porträt. Die Person ist durch kurze Schärfentiefe vom Hintergrund ›freigestellt‹.

Was für Porträts gilt, lässt sich auf alle Objekte übertragen, die nicht wesentlich größer als eine Person sind und die ich zeigen möchte, ohne, dass ihr Hintergrund sich wichtig macht.

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Porträtähnliche Situation. Das Hauptmotiv ist ebenfalls durch kurze Schärfentiefe vom Hintergrund freigestellt.

Leider ist beim kleinen Sensor einer Kompaktkamera die Schärfentiefe so gut wie immer so groß, dass man kaum in der Lage ist das Hauptmotiv durch Unschärfe vom Hintergrund freizustellen.

Ich bin mir sicher, dass darin der Grund liegt, weshalb so viele Leute das Gefühl haben eine Spiegelreflexkamera würde um Welten bessere Fotos machen, als eine Kompaktkamera. Wenn es um Porträts geht erzeugen sie tatsächlich auch im Automatikbetrieb bessere Aufnahmen, als es in vielen Fällen auch mit den ausgefeiltesten manuellen Einstellungen an einer Kompaktkamera möglich ist.

Doch wie gesagt: Auch wenn das für Porträt und porträtähnlich zutrifft, sind die qualitativen Unterschiede bei Landschaft und landschaftähnlich für den Laien oft gar nicht recht auszumachen.

Klein oder Porträt | Das ist eine ganz wichtige Frage. Möchte ich eine kleine Kamera zum immer-dabei-haben? Oder eine Kamera mit der sich tolle Porträts und Bilder von Menschen machen lassen? Beides geht nicht! (genau genommen gibt es kleine Kameras mit relativ großen Sensoren, die aber die absolute Ausnahme dieser Regel sind und meist in der Preisregion einer Einsteiger-Spiegelreflexkamera liegen).

Für den Wanderer stellt sich diese Frage nicht. Seine Motive werden zu einem großen Teil Landschaften sein. Zwar will er sicher auch ein paar Aufnahmen seiner Begleiter einfangen. Aber diese Art der Porträts geraten dann am gelungensten, wenn die Landschaft, in der gewandert wird, mit einbezogen und ebenfalls scharf abgebildet wird. Das heißt, dass bei diesen Porträts die Schärfentiefe groß sein darf oder sogar soll. Er ist also mit einer kompakten Kamera, die klein genug ist um nicht einmal im Rucksack verschwinden zu müssen und somit schnell zur Hand ist, gut bedient. Für den Wanderer ist eine kompakte Kamera also wohl in den meisten Fällen ein Gewinn. Zumindest, wenn man zu jenen Wanderern gehört, für die das Wandern die Hauptsache und das Fotografieren die Nebensache ist (es gibt ja auch Wanderer, für die das Fotografieren die Hauptsache und das Wandern eher die Nebensache ist). Auf den Städtebummel und auf die Reise lässt sich das natürlich genauso übertragen.

Wer aber den Menschen, Objekte zwischen Blumen- und Menschengröße, oder auch Tiere in den Mittelpunkt seines fotografischen Interesses stellt, wird mit einer Kompaktkamera und ihrem kleinen Bildsensor keine langfristige Freude haben. Hier kommt man um eine Spiegelreflex, oder eine sogenannte Systemkamera mit ausreichend großem Bildsensor einfach nicht herum.

Zu einer Spiegelreflex oder Systemkamera würde ich auch den Mamas und Papas raten, für die der Nachwuchs das liebste Motiv darstellt – die Fotos werden einfach besser und machen wohl ein Leben lang mehr Freude. Natürlich darf man sich hier die Frage stellen, ob man diese doch schon mehr oder weniger großen Geräte dann wirklich immer dabei hat, wenn Bambam oder Pebbles gerade wieder ihre herzigsten Momente an den Tag legen. Aber seien wir mal ehrlich: Welche Kamera hat man immer dabei? Richtig: Das Smartphone. Und die Qualität der Kameras von Smartphones sind heutzutage absolut Schnappschusstauglich. Man macht dann halt die Erinnerungsschnappschüsse mit dem Telefon und die Hammerbilder mit der Großen.

Marko und die Welt des Kleinsten

Eine dritte Gruppe der Motive stellen Makroaufnahmen von winzigen Motiven dar. Der Besitzer einer Spiegelreflexkamera steht hier vor zwei Problemen:

  1. Normale Objektive für Spiegelreflexkameras verlangen einen reltaiv großen Mindestabstand zum Motiv. Das können 20cm, 40cm oder auch 100cm sein. Damit kommt man gar nicht nahe genug an winzige Motive heran um sie formatfüllend abzubilden. Der Spiegelreflex-Makrofotograf muss also in spezielle Makroobjektive investieren und diese kosten meist ein mehrfaches einer normalen Kompaktkamera.
  2. Auf Grund der geringen Schärfentiefe der mittelgroßen bis großen Bildsensoren dieser Kameratypen gerät bei der normalen Automatikeinstellung die Schärfentiefe so kurz, dass es kaum möglich ist, einen Käfer von vorne bis hinten scharf abzubilden. Die Schärfentiefe ist oft sogar so kurz, dass es kaum möglich ist das Facettenauge kleiner Käfer von vorne bis hinten scharf abzubilden und aus freier, unruhiger Hand ist es ein Glücksfall den Punkt maximaler schärfe dorthin zu bekommen, wo er sein soll: auf die Augen.
    Makrofografen mit Spiegelreflexkamera fotografieren deshalb oft mit Blitzen oder Stativen – oder beidem zusammen (der Grund dafür würde für diesen kleinen Leitfaden etwas zu weit führen).

Wer also gerne kleine Blüten, Schmetterlinge, Käfer und andere Winzigkeiten fotografiert, kann mit einer Kompaktkamera und ihrer von Haus aus großen Schärfentiefe viel leichter und bequemer beeindruckende Ergebnisse erzielen. Ich rate deshalb jedem, der Makro liebt und nicht den Aufwand mit Spezialobjektiven, Stativen und Blitzen treiben will, sich für eine Kompaktkamera zu entscheiden. Speziell die sogenannten Birdgekameras bilden hier oft hervorragende Arbeitsgeräte, die auch hohen Ansprüchen gerecht werden.

Die Grundsätzliche Entscheidung

Wer sich auf die Suche nach einer Kamera begibt muss also die Grundsatzentscheidung treffen, zwischen bevorzugten Motiven – landschaftähnlich, porträtähnlich oder Makro – bevorzugter Arbeitsweise – gelegentlich Fotografieren oder ausgedehnte Shootings – und Portabilität – immer dabei oder maximale Qualität und kreative Flexibilität. Wer sowohl ausgedehnte Porträt-Shootings und immer-dabei haben möchte, kommt um die Anschaffung (mindestens) zweier Kameras nicht herum.

Sonstige Kriterien

Natürlich gibt es noch weitere Kriterien. Zum Beispiel wäre die Bedienbarkeit über Hardware-Schalter und -Einstellräder genannt, die bereits angesprochen wurde. In dem Zusammenhang vor allem, wie viele Schalter vorhanden sind, was sich damit bedienen lässt und wie man sie vielleicht mit Individuellen Funktionen belegen kann.

Touch-Display | Neuere Kameras bieten zunehmend die Möglichkeit der Bedienung über ein Touch-Display, also wie bei einem Smartphone. Das ist etwas komfortabler als die Bedienung über kleine Kippschalter und Menüs, bietet zudem ganz neue Möglichkeiten (zum Beispiel mit einem Tipp auf das Display auf einen Punkt scharf zustellen und sogleich auszulösen), kommt aber an echte Schalter, die sich auch blind ertasten lassen, nicht ran.

Wechselobjektive | Ob sich die Objektive wechseln lassen ist natürlich auch ein ganz schwer gewichtiges Kriterium. Allerdings sollte man nicht grundsätzlich dem Schluss verfallen, dass eine Kamera mit der Möglichkeit Objektive zu wechseln grundsätzlich die bessere Entscheidung ist. Wie immer gilt: Es kommt drauf an. Und die Frage nach einem fix verbauten Objektiv, oder mit einem Anschluss für Wechselobjektive würde ich erst als vierten Schritt stellen, nachdem ›wie‹, ›wo‹ und ›was‹ geklärt ist.

Dateiformat | Da ich nicht nur die fotografische Gestaltung, sondern auch die Bildentwicklung, selbst kontrollieren möchte, ist für mich das Speicherformat noch eine ganz wichtige Zusatzfrage. Kompaktkameras bieten mit wenigen Ausnahmen nur das JPEG-Format als Speicherformat an. Wenn man selbst nicht in die Ausarbeitung eingreifen möchte, dann ist das auch perfekt. Doch für die Nachbearbeitung und Optimierung am Computer bietet es viel zu wenig Spielraum. Hier ist das sogenannte Raw-Format einfach besser. Bei Spiegelreflex- und Systemkameras ist das selbstverständlich. Bei Kompaktkameras gibt es diese Option hingegen nur selten.

Weiter zu Teil 2: Megapixel und so

40mm

Wie viel Zoom braucht der Mensch? Gar keines. Behaupte ich. Die Betonung liegt aber auf ›braucht‹. Dass ich keines brauche, heißt nicht, dass ich Zooms nicht schätze. Doch es geht auch sehr gut. Das wussten schon unsere Väter. Denn als die fotografierten gab es noch kaum Zooms. Zumindest als mein Vater fotografierte. Eure Väter, liebe Leser, mögen ja Teils in meinem Alter.

Auf jeden Fall liebe ich meine Festbrennweiten. 24mm von Sigma, 28mm von Nikon, 35mm von Nikon, 40mm (KB) von Panasonic, 50mm von Nikon und 105mm. Von Nikon. Nur das neue 85mm ƒ1.8 harrt noch auf der Wunschliste. Übrigens auch von Nikon.

Weniger Ballast, mehr Herausforderung | Vor Jahren bin ich mit 14–24mm, 24–70mm, 70–200mm und 70–300mm auf Reisen gegangen. Würde ich heute nicht wieder machen. Für die letzten beiden Urlaubsreisen – nach La Palma und quer durch Österreich – habe ich jeweils nur eine (!) einzige Festbrennweite eingepackt. Habe ich es bereut? Keineswegs! Rücken und Schultern waren froh. Hat es weniger Spaß gemacht? Im Gegenteil! Verschiedenste Motive mit einer einzigen Brennweite ansprechend einzufangen ist eine größere Herausforderung, als wenn man die Perspektive mit flexibler Brennweite aktiv kreativ gestalten kann. Diese Flexibilität ist natürlich durchaus ein Vorteil von Zooms. Es heißt aber nicht, dass man mit Festbrennweiten keine bemerkenswerten Ergebnisse erzielen kann. Es kostet nur oft etwas mehr Anstrengung. Und gerade dieser erhöhte Herausforderung mag es sein, dass man trotz der eingeschränkteren Möglichkeiten doch oft bessere Treffer erzielt, als in der Komfortzone des Zooms. Einmal ganz abgesehen davon, dass das Preis-Qualitäts-Verhältnis bei Festbrennweiten oft besser ist.

Mit der Festbrennweite quer durch Österreich

Neben meiner Leidenschaft für Fotografie und Design habe ich auch eine für offenes Fahren. Regelmäßig fahren ich und meine Frau in meinem kleinen japanischen Reiskocher Straßen und Pässe in der näheren und weiteren Region ab. Auf meine letzte Reise kreuz und quer durch Österreich habe ich lediglich meine Zweitkamera mitgenommen, die Panasonic Lumix G3, mit einem 20mm ƒ1.7 Festbrennweiten-Objektiv mitgenommen. Umgerechnet auf Kleinbild entspricht dieses 20mm-Objektiv 40mm und ist somit irgendwo zwischen leichtem 35mm Weitwinkel und 50mm Normalobjektiv zu sehen. Ein bisschen eng, für einen Weitwinkelfreund wie mich, aber doch gut zu gebrauchen. Die folgenden Bilder stammen allesamt von dieser Reise und sind somit mit demselben Objektiv und derselben Brennweite entstanden.

40mm 14 Meine Kamera für Unterwegs. Die G3 mag mir zwar nicht so recht ans Herz wachsen – sie vermittelt mir nicht das Gefühl eine Seele zu haben – aber sie ist dennoch eine praktische Kamera mit guten Eigenschaften in einem recht kompakten Gehäuse. Besonders mit dem 20mm ƒ1.7 kann man die G3 gut einsetzen.
40mm 02
Es kommt auf die Perspektive an. Enten sind zwar keine aufregenden Motive und auch das Licht ist hier eigentlich recht langweilig, aber der Blick aus Entenaugenhöe auf die Vögel, das Schilf und die tiroler Berge dahinter macht das Motiv dennoch durchaus interessant.
40mm 03
Auch Schmetterlinge sind jetzt nicht so die spannenden Motive, zumal es sich um Exemplare handelt, die in unseren Landen über alle Wiesen, Auen und Wälder flattern. Dennoch mache ich das kleine ‘catch me if you can’-Spiel, zu dem einen die Mistviecher immer einladen. Setzen sich erst vor deiner Nase auf eine Blume und kaum hast du die Kamera eingeschaltet, machen sie schon wieder den Flattermann.
Schmetterlinge sind groß genug um sie trotz eines Minestabstands von 20cm, beim Panasonic 20mm ƒ1.7, einigermaßen formatfüllend einfangen zu können und nach dem Urlaub sagen zu können »Schau mal, ich hab da auch ein Makro.«
40mm 04
Besonders weite Panoramen muss man mit 40mm Kleinbild natürlich nicht einfangen wollen – dafür ist der Ausschnitt viel zu eng. Aber ein bisschen Landschaft geht immer. Die Bäume und Äste im Vordergrund geben dem Bild etwas tiefe und verhindern, dass das Bild von Bergen und Felsen zu flach wirkt. Vor allem der halb angeschnittene Baum rechts tut der Gesamtkomposition recht gut. Der leicht durchzogene Himmel ist interessanter, als wenn er mit flächigem Blau angemalt wäre.
40mm 05
Wege gehören, neben Türen und Fenstern (‘yes, I like windows’), zu meinem liebsten Motiven. Dieses Bild zeigt, dass sich auch mit 40mm schön mit perspektivischer Tiefe arbeiten lässt. Und auch hier garnieren die Wölkchen schön den Himmel.
40mm 06
Passend zu meinem Sarkasmus und meinem Faible für schwarzen Humor fasziniert mich das Schwindende und Verfallende. Die Bildentwicklung in schwachen Farbtönen kommt dem Motiv entgegen.
40mm 25
Und noch eine Leidenschaft: Street Photography. Allerdings hier von der Street durch das offene Fenster in die Küche eines Restaurants fotografiert. Frag mich aber jetzt niemand wie weit ich dabei die Grenze des Legalen schon überschritten habe.
40mm 07
Grünes Licht. Nichts weiter.
40mm 01 Urlaub und Abendrot. Gehört irgendwie zusammen. Auch wenn dieses Abendrot ein Morgenrot ist.
40mm 08
Das empfundene Blau in der Realität vor Art habe ich trotz aller Nachbearbeitung nicht zustanden gebracht. Leider sind Bildschirme nicht in der Lage alle in der Natur vorkommenden Farben in ihrer tatsächlichen Leuchtkraft wieder zu geben. Schön finde ich es allemal.
40mm 09
Schrieb ich nicht eben weiter oben, dass ich Fenster liebe? Besonders wenn sie von so einem dezenten Lichtstrahl gestreift sind wie hier.
40mm 10 Eine Tür. Licht. Diagonale Linien. Dynamik. Eines meiner liebsten Bilder der Österreichrundfahrt 2011.
40mm 15 Noch ein stiller Favorit der Reise, aufgenommen in einer Kirche in der Wachau.
40mm 11
Dieses Bild hat den Titel »Das schnelle Paket« erhalten. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich es sehe. Kann mich voll identifizieren, mit dem kleinen Penner. Übrigens einmal mehr ein klassisches Beispiel für das ›Vier Schritte zum Bild‹-Konzept: Perspektive (Augenhöhe), Schärfe (geringe Schärfentiefe zum Freistellen), Belichtung (etwas dunkler eingestellt) und Komposition (asymmetrisch, was der Bildinhalt zulässt). Und gut is.
40mm 12 Die tatsächlichen Wahrzeichen aller Touristenorte sind eigentlich die Andenken-Läden. Hier einmal einer der einen wirklich zum Eintreten einladen könnte.
40mm 13 Kein gutes Foto, aber ein witziges Bild, wie ich finde, der grinsende Schädel.
40mm 16 Kirchenbesuche gehören bei Städte- und Orte Touren irgendwie dazu. Wobei es hier wieder einmal das Licht war, das mich zur Aufnahme bewegt hat.
40mm 17 Warum ich auch mit solchen Aufnahmen immer wieder heimkehre, weiß ich eigentlich auch nicht. Wahrscheinlich weil man das halt so macht und weil es nichts kostet.
40mm 20
Schön bunt und schön tief. Letzteres trotz 40mm Brennweite.
40mm 21
Anderes Wetter, andere Region, andere Stimmung. Und immer dieselbe Brennweite. Die Entwicklung der Bilder soll die Stimmung vor Ort unterstreichen. In Farbe wären die Aufnahmen dieser Höhentour völlig langweilig und nur trostlos geworden.
40mm 22
Trotz dem nicht allzu großen Sensor der Panasonic G3 und der mit 40mm auch relativ kurzen Brennweite, lässt sich bie Offenblende ƒ1.7 doch ein bisschen mit Schärfentiefe spielen.
40mm 23
Noch ein Motiv aus Licht und Farbe.

Der Weg ist mein Ziel | Wie gesagt: Alle Bilder sind mit demselben Objektiv bei derselben Brennweite entstanden. Ich kann mich an keine Situation erinnern, an der mir ein Zoom tatsächlich abgegangen wäre. Hätte ich ein anderes Objektiv – vielleicht auch ein Zoom – dabei gehabt, hätte ich sicher anders fotografiert. Doch bei meinen Foto-Touren geht es mir nicht darum bestimmte Dinge auf bestimmte Art einzufangen. Ich weiß ja noch gar nicht was auf mich zukommt. Es geht mir vielmehr darum raus zu gehen und zu schauen welche Motive mir passieren. Und dabei fange ich die ein, die ich mit meinem aktuellen Objektiv gerade erreichen kann. Man kann also sagen ich konzentriere mich auf die Motive, die zum Objekti passen.

Etwas anderes ist es, wenn ich ein Shooting mit einer Person vereinbare, ein bestimmtes Gebäude oder eine Landschaft von einem bestimmten Standpunkt aus ablichten möchte. Dann muss ich die Ausrüstung einpacken, die zum Motiv passen.

Ob so oder so: Was mir zählt ist die Freude an der Fotografie und die Aktive Auseinandersetzung mit Motiven. Das hat so ein Hauch von Flow; von Einswerden mit Motiv und Kamera. Die fertigen Aufnahmen sind mehr so etwas wie ein angenehmer Nebeneffekt. Natürlich freue ich mich, wenn die Resultate gut werden; wenn ich sie wieder sehe und sie Erinnerungen an die Zeit der Entstehung auslösen. Deshalb laufen meine Fotoalben auch als Bildschirmschoner auf meinem Wohnzimmmer-Mac.

Zurück zur Reise und zur 40mm-Brennweite: Ein paar Situationen hat es gegeben, in denen mir der Blickwinkel deutlich zu eng war. In diesen Situationen habe ich einfach mehrere Aufnahmen der Szene gemacht und die Einzelbilder von Photomerge in Photoshop zu einer Gesamtansicht zusammen bauen lassen. Das Programm ist mittlerweile so gut, dass man auch aus freier Hand und ohne Stativ fotografieren kann und trotzdem herzeigenswerte Urlaubsaufnahmen erhält.

40mm 24 Dieses Bild besteht aus beinahe einem Dutzend Einzelaufnahmen neben- und übereinander, die Photoshops Photomerge zu einem Ganzen zusammengebaut hat. Ich hätte während der Aufnahme nicht gedacht, dass es tatsächlich gelingt.
40mm 18
Auch hier war es mir nicht möglich weit genug vom Schloss weg zu kommen, um es mit dem Blickwinkel der 40mm Brennweite einzufangen. Photoshop hat diese Ansicht aus drei Einzelbildern zusammen gesetzt, die ich im Hochformat aufgenommen habe.
40mm 19
Und noch ein Photomerge-Panorama.