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Schlagwort: Canon

Ist Olympus tot? Fakten, Meinungen, Gerüchte.

Posted in Fotografie & Gedanken

Seit Olympus am 25.6.2020 bekannt gegeben hat, dass man die Imaging-Sparte an Investoren verkaufen wolle, und Presse und Community verkündeten, dass die Marke tot ist, habe ich ausgiebig zum Thema recherchiert und mehrere Blog-Artikel verfasst. Da aber mein Blog im Vergleich zu YouTube keine besonders reichweitenstarke Plattform ist, habe ich beschlossen deren Inhalte als Video aufzunehmen. Das Ergebnis ist knapp über eine Stunde lang und besteht aus drei Teilen:

  1. Teil: Wer ich bin (ab Minute 02:02, ca. 8 Min.)
  2. Teil: Warum ich Olympus liebe (ab Minute 10:40, ca. 25 Min.)
  3. Teil: Fakten, Meinungen und Gerüchte über die Zukunft von Olympus (ab Minute 35:08, ca. 27 Min.)

Aufgrund der nahezu abendfüllenden Länge des Videos habe ich überlegt es in drei einzelnen Teilen anzulegen, aber eigentlich gehören sie zusammen. Wer sich für einen Teil nicht interessiert kann ihn überspringen. Vom ersten Artikel bis zum Hochladen des Videos steckt wohl eine Arbeitswoche hinter dem Ergebnis – ich denke ich habe so gründlich als möglich gearbeitet, für eine Aufgabe die ich aus ehrenamtlichem Engagement betreibe. Weiterlesen

Kauft euch eine Festbrennweite!

Posted in Fotografie

Im Rahmen meiner Fotokurse weise ich auch auf die Vorteile lichtstarker Festbrennweiten hin. Den Einsteiger befremdet natürlich die Vorstellung auf den Luxus des Zoomens verzichten zu müssen. Heranzoomen geht damit nicht! Man muss herangehen.

Im Grunde ist das schon der erste Vorteil einer Festbrennweite: Näher dran sieht einfach oft auch besser aus. Es vermittelt dem Betrachter den Eindruck ganz nah dran, mitten im Geschehen, Hautnah dabei zu sein. Brennweiten von 50mm und weniger vermitteln Authentizität.

Doch das ist nicht das Einzige! Der Komfort von Zoomobjektiven befördert die Faulheit. Erblicken, Kamera zücken, hinzoomen – klick! Reinster Zufall, wenn dadurch eine bemerkenswerte Fotografie zustande kommt.

Wer mit Festbrennweite fotografiert kommt gar nicht darum herum sich bewusster mit der Bildgestaltung auseinander zu setzen. Statt Hinzoomen bewegen einen die Beine näher hin oder weiter weg. Festbrennweiten schaffen Bewusstsein und sind schon deshalb ein Segen, weil sie einen zwingen den fotografischen Prozess zu entschleunigen.

Wer jedoch eine Festbrennweite kauft, kauft sie aus einem anderen Grund: Lichtstärke! Die Blende lässt sich weiter öffnen, wodurch ich weniger Licht zum Fotografieren benötige und die Schärfentiefe geringer gestalten kann. Lichtstarke Festbrennweiten bedeuten Fotografieren in einer anderen Dimension.

After Sunset

Eine andere Welt eröffnen lichtstarke Festbrennweiten weil man damit tiefer in den Abend vordringen kann ohne ein Stativ benützen zu müssen. Mit einer Consumer-Kamera und einem üblichen Standardzoom mit einer Brennweite von 18–55mm und Lichtstärke ƒ3.5–5.6 ist bei 55mm ohne Stativ und ohne Anheben der Empfindlich nach Faustregel spätestens kurz vor Sonnenuntergang Schluss mit unverwackelten Aufnahmen. Eine vergleichbare Festbrennweite und Lichtstärke ƒ2.0 hingegen ermöglicht es bis kurz vor Einbruch der Nacht ohne höhere ISO-Werte und ohne Stativ zu fotografieren. Kein Wunder: Bei ƒ2.0 genügt zur Belichtung 1/8 des Lichts (Umgebungslicht) das bei  ƒ5.6 notwendig ist.

Freistellen

Vom Freistellen spricht man, wenn ein Motiv im Vordergrund vor unscharfem Hintergrund abgebildet ist. Das lässt sich mit einer langen Brennweite erreichen, geht aber noch viel besser mit einer Blende die sich weit öffnen lässt. Das oben genannte Standardzoom erreicht bei 55mm und ƒ5.6 auf eine Distanz von 3m eine Schärfentiefe von 66cm – von flauschiger Weichzeichnung der Elemente dahinter ist da nicht mehr zu träumen.

Eine Festbrennweite mit 55mm und Lichtstärke ƒ1.8 erzielt auf 3m eine Schärfentiefe von knapp 22cm – das ist gerade einmal ein Drittel! Objekte im Vordergrund vor unscharfem Hintergrund freizustellen lässt sich damit natürlich bedeutend leichter erreichen.

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Vom »Freistellen« spricht man wenn ein Hauptmotiv im Vordergrund durch geringe Schärfentiefe vor unscharfem Hintergrund abgebildet wird. Olympus OM-D E-M1; Objektiv: Olympus M.Zuiko 45mm ƒ1.8 | 45mm (90mm KB); ƒ1.8; 1/3200s; ISO200; entfesselt geblitzt

Begeisterung garantiert!

Schon viele Teilnehmer meiner Seminare haben sich bereits während die Kurse liefen meinem Rat folgend eine Festbrennweite gekauft und ich kann mich an keinen einzigen erinnern der nicht vom Fleck weg begeistert gewesen wäre.

Profiqualität zum Schnäppchenpreis

Lichtstarke Festbrennweiten sind oft nicht billig. Doch die meisten Hersteller haben die eine oder andere Linse im Programm die professionelle Abbildungsqualität zum Sparpreis liefert.

Nikon beispielsweise hat gleich zwei unschlagbare Preis/Leistungs-Knüller im Programm. Das wäre zum einen das 50mm ƒ1.8, bei Amazon (Affiliate-Link) zum Hammerpreis von unter 200 Euro zu haben – ein Objektiv, das sowohl an Einsteigermodellen im DX-Format als auch an Vollformatkameras verwendet werden kann. An DX-Kameras ist das 50er ein durchaus ernstzunehmendes und profitaugliches Porträtobjekitv, am Vollformat übernimmt es die Rolle der vielseitig einsetzbaren Normalbrennweite.

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AF-S NIKKOR 50 mm 1:1,8G (© Nikon)

Kaum weniger Interessant: Das 35mm ƒ1.8, aktuell bei Amazon (Affiliate-Link) um 180 Euro zu haben. Das ist zwar nur an DX-Kameras sinnvoll zu nutzen und entspricht dort mit umgerechnet 52,5mm etwa einer Normalbrennweite, es ist aber dadurch vielseitiger einsetzbar.

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AF-S DX NIKKOR 35 mm 1:1,8G (© Nikon)

Während ich die beiden oben genannten Nikkore aus eigener Erfahrung empfehlen kann, habe ich mit Canons Linsen keine Erfahrungen. Ich weiß aber, dass sich Canons 50mm ƒ1.8 kaum geringerer Beliebtheit erfreut wie Nikons 50mm-1.8er Linsen –  bei Amazon (Affiliate-Link) bereits um knappe 120 Euro zu haben.

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Canon EF 50mm f/1.8 STM (© Canon)

Eine besonders exzellente Linse zum Schnäppchenpreis ist das 45mm ƒ1.8 von Olympus. Auf Kleinbild umgerechnet ist es länger als die oben genannten Linsen von Nikon und Canon, denn es entspricht 90mm. Das macht es zwar weniger universell einsetzbar, aber dafür zur umso besseren Porträtbrennweite. Sein Preis bei Amazon (Affiliate-Link) liegt derzeit bei knapp über 250 Euro.

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Olympus M.ZUIKO DIGITAL 45mm 1:1.8

Auch für die anderen Kameramarken werden lichtstarke Festbrennweiten angeboten, sei es von den Herstellern selbst, sei es von Drittherstellern wie Sigma. Da mir beim Angebot für diese Marken aber der Überblick fehlt kann ich keine wirklichen Tipps dazu abgeben. Sachdienliche Hinweise und Tipps als Kommentar von euch, liebe Leser, wären diesbezüglich sicher hilfreich.

Anmerkung: Ich persönlich kaufe meine Ausrüstung weitest gehend beim Fachhändler, auch wenn ich dort manchmal etwas mehr bezahle als bei Bestellungen im Internet. Nur wenn ich mir bei einem Produkt nicht sicher bin und es bei meinem Händler nicht lagernd ist, bevorzuge ich den Weg über Amazon, weil ich die Produkte dort problemlos eintauschen kann. Eintauschen geht zwar bei meinem Fachhändler auch, aber ich möchte nicht, dass der auf irgendwelchen exotischen Bestellungen von mir sitzen bleibt, wenn ich mich gegen den Kauf entscheide.

Wo ihr einkauft werdet ihr selbst entscheiden. Wenn ihr den Weg über Amazon wählt würdet ihr mir einen Gefallen tun, die Bestellung über meine Affiliate-Links hier zu starten. Euch kostet das keinen Cent mehr, doch bei mir bleiben ein paar Euros hängen, je nach Preis des Produkts.

Megapixel ersetzen Zoomobjektive?

Posted in Fotografie

Gestern stellte Sony seine neue spiegellose Systemkamera α7r MkII vor. Mit an Bord: Ein 42,3-Megapixel-Sensor. Eigentlich ein Bisschen mau nachdem Canon ja jetzt 50 Megapixel anbietet.

Es war natürlich  klar, dass das kommen würde – ich schreib bereits vor ein paar Wochen: Das Megapixel-Rennen geht in die zweite Runde, nachdem es in den letzten Jahren wegen das High-ISO-Rennens in die Pause ging.

Allerdings habe ich mir noch gestern vorgenommen das Thema Megapixel die nächste Zeit ruhen zu lassen, schließlich habe ich mich schon oft genug dazu geäußert. Heute las ich dann bei thephoblographer.com einen Artikel mit der Überschrift “How Many Megapixels Do You Need”.

16, stand da im ersten Absatz, was mir sehr gefiel. Ich selbst betrachte ja seit Jahren 18 Megapixel als Maß der Dinge. Weshalb 18? Weil man damit A3 bei 300ppi erreicht.

Ich vermute der Anteil der aufgenommenen Fotos die tatsächlich den Weg auf Formate über A3 finden liegt im niedrigen Promillebereich und zwar bei irgendeiner Zahl mit einer Null vor dem Komma.

16 Megapixel seien also genug für die meisten Fotografen, schreibt der Autor bei thephoblographer.com, und erntet meine volle Zustimmung. Allerdings nur um sie im nächsten Absatz wieder zu verlieren. Denn dort meint er, dass höhere Auflösungen für Fotografen einen Sinn hätten, wenn sie gelegentlich Crops aus den Aufnahmen herausschneiden müssen, weil sie gerade kein ausreichend langes Tele dabei haben.

Damit bedient er einen weit verbreiteten Mythos und so hätte er sich den Schmus mit den »16 Megapixel sind genug« auch sparen und gleich schreiben können: Ein Fotograf kann nie genug Auflösung haben!

Dass man bei Kameras mit hochauflösenden Sensoren zur Not große Bilder auf kleine Ausschnitte zusammenschneiden kann ist eine unter Laien weit verbreitete Ansicht – und offensichtlich nicht nur unter Laien.

Das Problem dabei: Je höher die Auflösung, desto eher macht der Sensor nur Schwächen der Optik und jede geringste Erschütterung und Unruhe der Kamera sichtbar. 20 Megapixel und mehr verlangen nach sehr guten Linsen um die Mehrauflösung auch nutzen können. Ansonsten wird nur die Unschärfe der Objektive höher aufgelöst aufgezeichnet.

Schon vor drei Jahren schrieb ich einen Artikel, in dem ich die 12-Megapixel-DSLR D700 mit der 20-Megapixel-Kompakten RX100 von Sony verglich. Das Beispiel dort belegt, dass ein auf 20 Megapixel aufgeblasenes 12-Megapixel-Bild einer guten Kamera mit (relativ) gutem Objektiv auch nicht unschärfer ist als eine Aufnahme die mit einem kompakten, (relativ) billigen Objektiv mit einer 20-Megapixel-Kamera gemacht wurde.

In einem weiteren Artikel machte ich einen direkten Vergleich und rechnete ein 20-MP-Bild aus der RX100 auf 12 Megapixel hinunter, dann wieder auf 20 Megapixel hoch und verglich es mit dem ursprünglichen Original (in meinem Buch »Die kreative Fotoschule« gibt es so ein Beispiel auch in gedruckter Form). Das Ergebnis: Kein sichtbarer Unterschied!

Das ist ein Bild das ich mit der RX100 aufgenommen habe
Originalausschnitt
Das ist ein 100-%-Ausschnitt aus dem Originalbild
Interpoliert
Das ist ein Ausschnitt aus einem Bild das ich in Photoshop auf 12MP heruntergerechnet und das Resultat dann wieder auf 20MP aufgeblasen habe

Das heißt, dass es in der Praxis kaum einen Unterschied macht, ob man einen Ausschnitt aus einem Bild das mit 36, 42 oder 50 Megapixel aufgenommen wurde herauscroppt oder das Bild mit einer 16 oder 18-Megapixel-Kamera macht und dann digital auf die entsprechende Auflösung hoch interpoliert. Jedenfalls legen das alle Tests die ich bisher in diese Richtung gemacht habe nahe.

Ich bin mir sicher, dass hochauflösende Sensoren bis zu einer gewissen Pixeldichte bei entsprechend präziser Arbeitsweise für bestimmte Motive tatsächlich einen Qualitätsgewinn darstellen – ob das auf 42 oder 50 Megapixel auch noch zutrifft wage ich zu bezweifeln. Beim Einsatz von Objektiven der Mittelklasse oder darunter und bei spontaner Fotografie aus freier Hand jedoch dürfte durch die hohen Auflösungen kaum ein qualitativer Gewinn zu erzielen sein.

Ich frage mich wie viele Fotografen die auf hohe Auflösungen schwören tatsächlich überprüft haben ob die vielen Megapixel tatsächlich etwas bringen; ob sie wirklich einmal verglichen haben ob die Resultate ihrer Megapxielboliden tatsächlich schärfere Bilder ergeben als es Interpolationen von Bildern mit 16 oder 20 Megapixel erreichen würden. Ich glaube ja längst nichts mehr was ich nicht selbst überprüft habe.

Am Ende muss jeder selbst entscheiden wie viel Geld er in Kameras, Objektive, Computer und Festplatten mit hohen Auflösungen investiert nur um einmal im Jahr von einem Bild eine Abzug machen zu lassen der größer ist als A3. Ob er dafür dann wirklich ausreichend präzise gearbeitet hat um das Mehr an Schärfe auf das Papier zu bringen, ob dieselbe Schärfe nicht auch durch Interpolation zu erreichen gewesen wäre und ob der Betrachter des Posters den Unterschied überhaupt wahr nimmt steht auf einem anderen Blatt.

Am Ende bedienen die Kamerahersteller mit ihren hochauflösenden Kameras allerdings nur einen tief verwurzelten Aberglauben der Menschen: Viel hilft viel!

Fotografische Qualität und Ausrüstung

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In den letzten Tagen habe ich die Fujifilm X-T1 und die Olympus OM-D E-M5II einem persönlichen Praxis-Check unterzogen. Im Moment checke ich die Olympus Pen E-PL7. Anschließend soll noch eine Sony α7 folgen und danach … man wird sehen.

Eine Nikon wird es eher nicht werden. Ich habe lange mit Nikon fotografiert, weiß, dass deren Kameras ein exzellentes Handling bieten und Nikon hervorragende Kameras bauen kann. Ich brauche keine D7200 oder D750 zu checken um zu wissen, dass auch sie vorzügliche Kameras sind.

Und Canon? Canon baut halt auch in erster Linie DSLRs und das Thema Spiegelreflexkamera scheint mir für mich irgendwie abgeschlossen.

Akademische Unterschiede

Egal ob man sich für eine Canon, Nikon oder Pentax DSLR entscheidet oder sich doch lieber im aufstrebenden Segment der Spiegelreflexkameras umsieht – man wird keine schlechten Kameras finden. Auch wenn jeder Hersteller und jedes Modell seine besonderen Stärken und kleineren Schwächen haben mag – unterm Strich schenken sich die Produkte in vergleichbaren Preisklassen nicht viel. Ich bin sogar überzeugt davon, dass selbst erfahrene Profis heute einem Fotoabzug bis etwa A3 nicht ansehen, ob eine preiswerte aktuelle Einsteigerkamera zum Einsatz kam oder das derzeitige Top-Modell – sofern ein gutes Objektiv eingesetzt wurde. Unterschiede ergeben sich meist erst unter Extrembedingungen.

In Laboren mögen die Unterschiede der Messwerte gravierend erscheinen, in der Praxis sind sie in erster Linie akademischer Natur.

Ein Beispiel: Sieht man sich dxomark.coms Messresultate für Canons Bildsensoren an findet man kaum ein Modell das beim Dynamikumfang über 12 Lichtwerte kommt. Nikon erreicht mit dem Topmodell etwa 15LW und selbst meine zigarettenschachtelgroße Lumix GM5 liegt trotz kleinem MFT-Sensor mit Canons Kleinbildkameras auf Augenhöhe – meine OM-Ds liegen sogar höher.

Nicht besser sieht es für Canons Linsen aus. Auf den ersten Seiten tummeln sich bei dxomarks Lens-Rating-Liste zunächst viele Zeiss-Objektive, dann Nikkore, ein Bisschen Sony, Sigma und selbst Tamron und Samyang begegnet man bevor man auf das erste Canon stößt.

Ist Canon deswegen für den professionellen Einsatz nicht geeignet? Die Verkaufszahlen sprechen eine andere Sprache. Canon ist nicht nur insgesamt Marktführer für Digitalkameras sondern beherrscht auch den professionellen Markt.

Ich gehen davon aus, dass die meisten Profis wissen was sie tun und sich bewusst für ein System entscheiden. Canon würde den professionellen Markt nicht dominieren, wenn mit deren Ausrüstung keine gleichwertigen Ergebnisse wie mit Nikon (oder anderen Brands) zu erzielen wären. Es ist also davon auszugehen, dass die Unterschiede in den Messergebnissen im Labor so gut wie keine praktische Relevanz haben.

War früher alles schlechter?

Geht es um Bedienkonzepte für Digitalkameras scheint für einige Fotografen früher alles besser gewesen zu sein. Geht es um Abbildungsqualität war – zumindest seit Anbruch des digitalen Zeitalters – früher alles schlechter. Deshalb muss es schon die neueste Kamera mit der größten Auflösung und der besten ISO-Performance sein.

Aber wie übel war es früher wirklich?

Tatsache ist, dass selbst meine Jackentaschentauglichen MFT-Kameras in Sachen Abbildungsqualität meine erste Kleinbildkamera – die Nikon D700 – ganz locker überflügeln. Die Auflösung liegt um ein Viertel höher und trotzdem ist das Rauscherhalten deutlich besser, obwohl der Sensor viel kleiner ist. Dabei war die D700 2008 vor allem in Sachen Bildrauschen ein Meilenstein.

Das heißt die Technik hat sich seit 2008 um Welten weiter entwickelt. Doch wie war das denn 2008? Sahen wir damals auf Plakaten und Inseraten in erster Linie verrauschte, niedrig aufgelöste Bilder? Kann sich überhaupt jemand erinnern, dass das was damals gedruckt wurde eine mindere Qualität hatte als die Abbildungen heute? Ich nicht!

Warum sollte, was 2008 für den professionellen Einsatz geeignet war, 2015 Ramsch sein? Die Bildbearbeiter mögen an ihren Monitoren sehr deutliche Unterschiede zwischen Digitalbildern von damals und heute sehen. Für die allermeisten Ausgabebedingungen jedoch ist dieser Unterschied kaum relevant sondern in erster Linie akademischer Natur.

Das Rennen um die Auflösung geht in die zweite Runde

Nachdem der Wettlauf um die beste ISO-Performane bei Werten über 100.000 irgendwie seinen Reiz verloren zu haben scheint kehren Marketing und Markt offensichtlich zurück zur Auflösung und läuten dort die zweite Runde ein. Fleißig wird diskutiert wie viel Auflösung man denn nun brauche und sinnvoll sei.

Ich habe bereits 2008 behauptet 18 Megapixel seien genug und habe meine Ansicht seither nicht geändert. Genug für mich, muss ich wohl ergänzen – mir ist sehr wohl bewusst, dass es Anforderungen gibt die von höheren Auflösungen profitieren.

Mit 18 Megapixel sind Ausdrucke in A3 (29,7cm × 42cm) bei 300ppi möglich. Wird die Auflösung auf 150ppi reduziert erreicht man 50cm × 70cm, bei 100ppi kommen wir über A0 (84,1cm × 118,9cm).

Akademisch betrachtet sind 300ppi und 100ppi natürlich ein Unterschied, praktisch betrachtet kaum. Großflächenplakate (z.B. 16-Bogen-Plakat: 3,36m × 2,38m) werden üblicherweise mit einer Auflösung von etwa 30ppi produziert – sogar das geht sich mit 18MP ganz locker aus. Schon einmal jemandem aufgefallen, dass diese Plakate unscharf wären?

In meinem Buch »Grafik und Gestaltung« gibt es auf Seite 652 einen Vergleich zwischen einem Foto bei 300ppi, 250ppi, 150ppi, 72ppi und so weiter. Der Unterschied zwischen 72ppi und höheren Auflösungen ist beim Betrachtungsabstand aus dem man ein Buch liest und anschaut deutlich zu sehen. Nicht mehr zu erkennen ist er aus einer Entfernung aus der man eine Wiedergabe von A3 und größer üblicherweise betrachtet. Der Unterschied zwischen 150ppi und 300ppi ist nur bei genauem Hinsehen, aus der Nähe und im Vergleich zu einem 300ppi-Referenzbild nennenswert.

Nun kündigt Canon eine Kamera mit 50MP an und es heißt Nikon und Sony würden diesen Wert bald schon topen. Allerdings las ich, dass es im Moment praktisch gar keine Objektive geben soll die ausreichend Schärfe für Auflösungen jenseits der 33 Megapixel liefern. Nicht immer jedoch deckt sich das was ich so lese mit meiner praktischen Erfahrung. Deshalb mache ich gerne meine eigenen Versuche um die gelesene Theorie mit meiner eigenen Praxis zu vergleichen.

So habe ich beispielsweise eine 40-Megapixel-Aufnahme einer Olympus OM-D E-M5II auf 16 Megapixel hinter- und dann wieder auf 40 Megapixel hoch gerechnet und das Ergebnis mit dem ursprünglichen Original verglichen (Ausschnitte finden sich am Ende des Artikels hier). Unterschiede sind beim genauen Hinsehen auszumachen, doch wohl eher akademischer als praktischer Natur. Das heißt das Ergebnis einer 40-MP-Aufnahme ist nur geringfügig besser als wenn die Auflösung aus 16MP hochinterpoliert wird.

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Ein Vergleich zwischen einer 40MP Originalaufnahme (oben) mit einer Kopie die erst auf 16MP hinunter und dann wieder auf 40MP hochgerechnet wurde (unten). Der Unterschied zwischen Original und aufgeblasener Kopie ist sichtbar, aber ist er praktisch auch relevant?

Nun hätte ich eigentlich den Verdacht, dass die im Verhältnis zu Nikons Top-Objektiven relativ preiswerten Olympus-Linsen einfach nicht die Schärfeleistung für 40MP aufbringen – doch ein Vergleich einer Testaufnahme einer E-M5II-High-Res-Aufnahme mit einer 36-Megapixel-D810-Aufnahme bei dpreview.com legt nahe, dass Olympus die Nikon überflügelt – leider habe ich nicht herausgefunden welche Objektive bei diesem Test zum Einsatz kamen.

Wie auch immer drängt sich mir der Verdacht auf, dass jenseits der 20 Megapixel die Bedeutung der Auflösung immer mehr schwindet weil sie an der Schärfeleistung der Objektive scheitert. Zwar vertreten einige Fotografen die Ansicht, dass bei Bildagenturen in Bälde Auflösungen die in Richtung 50MP tendieren Standardanforderung sein werden, doch schon jetzt ist es so, dass die Anforderungen der Agenturen oft durch schlichte Interpolation erfüllt werden.

Das heißt die Kunden der Bildagenturen bezahlen mehr für einen höher aufgelösten Download, auch wenn sie dasselbe Ergebnis mit einer niedriger aufgelösten Variante um weniger Credits erhalten hätten, das sie anschließend in Photoshop interpolierten. Wir bescheissen uns halt gerne auch mal selbst wenn wir von etwas überzeugt sind, zum Beispiel, dass höhere Auflösungen tatsächlich einen Mehrwert darstellen. Diesbezüglich empfehle ich auch den Artikel “The Great Rosolution Hoax”.

Ich will hier nicht in Abrede stellen, dass man aus mehr als 18 Megapixel Nutzen ziehen kann, wenn man entsprechend präzise arbeitet, Motive fotografiert bei denen hohe Auflösungen von Vorteil sind und regelmäßig entsprechend große Poster ausdruckt. Der Unterschied zwischen einer 12MP-D700, einer 16MP-OM-D und einer 24MP-D600 ist sichtbar – am Bildschirm! Für mich persönlich, der ich kaum einmal Bilder über A3 printe, ergäbe die höhere Auflösung aber keinen Sinn. Die Frage lautet für mich nicht, wie viel Auflösung kann ich haben, sondern wie viel Qualität brauche ich!

Stöbere ich heute in meiner digitalen Fotobibliothek oder sehe meine Bilder auf meinem 27″-digitalen-Bilderrahmen ist kaum ein qualitativer Unterschied zwischen einer Aufnahme einer D700 mit 12MP von 2008, einer Kleinbild-D600 mit 24MP, einer DX-D7100 mit 24MP, einer Lumix-GM5 MFT-Kamera mit 16MP oder einer meiner OM-Ds mit 16MP zu erkennen. Möchte ich wirklich sichtbar qualitativ schlechtere Aufnahmen finden  muss ich schon Bilder meiner Lumix G3 von 2011 oder einer meiner Kompaktkameras ausgraben.

Die Kameratechnik ist heute soweit, dass man selbst mit preiswerten Einsteigerkameras professionelle Abbildungsqualität erreicht, sofern man professionelle Objektive einsetzt. Ausnehmen bilden lediglich Situationen unter extremen Low-Light-Bedingungen bei denen man mit der Empfindlichkeit ans Limit gehen muss.

Die Suche nach der Street- und immer-dabei-Kamera

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Seit vielen Monaten treibt mich die Suche nach einer kompakten immer-dabei-Kamera um. Gewöhnlich fotografiere ich mit der Nikon D700. Ein tolles Arbeitsgerät, aber zum Mitnehmen etwas klobig. Besonders wenn man auch noch entsprechende Objektive anschraubt.

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G’scheiter Brocken, die Nikon D700; Bild: © Nikon GmbH

Kompaktkameras und das Schärfentiefe-Problem

Zuletzt hatte ich gehofft in der Powershot S95 beziehungsweise Powershot G12 die Antwort auf meine Bedürfnisse gefunden zu haben. Die zwei Kleinen von Canon sind klasse Kompaktkameras, deren Qualität kaum etwas zu bemängeln gibt, so lange man berücksichtigt, dass sie nur etwa die Hälfte einer Einsteiger-DSLR mit Objektiv kosten. Wäre da nicht der kleine Sensor!

Das Problem ist weniger das Rauschen, wie wohl Viele vermuten würden, sondern vielmehr der kaum vorhandene Spielraum bei der Schärfentiefe. Blendenvorwahl hin und manuelle Einstellung her. Wenn ich bei 50mm Brennweite, Blende ƒ2.8 und 6m Entfernung bereits eine Schärfentiefe von 1,5m habe, dann lässt sich damit kaum mehr etwas Freistellen oder kreativ mit der Schärfentiefe gestalten. Zum Vergleich: Die Nikon D700 hat mit denselben Einstellungen eine Schärfentiefe von 26cm. (Sollte das jetzt ein spanisches Dorf sein, dann verschafft vielleicht mein Artikel über Sensorformate uns Schärfentiefe mehr Klarheit.)

Was meine immer-dabei-Kamera können soll

Wonach ich konkret suche? Nach einer Kamera für unterwegs mit Eignung zur Street Photography. Das heißt: Klein, leicht, unauffällig und leise. Allerdings mit all den Einstellmöglichkeiten, die man von einer Profi-DSLR gewohnt ist. Bei meiner D700 heißt das zwei Einstellräder, um Blende und Zeit beim Fotografieren im manuellen Modus rasch justieren zu können. Außerdem schätze ich eine AF-On-Taste. Je mehr Einstellungen über Hardware-Knöpfe vorgenommen werden können, desto besser. Menügeführte Einstellungen scheinen mir immer ein Klotz am Bein zu sein.

Dann bin ich es gewöhnt mit meinen DSLRs über den Sucher zu fotografieren. Die Vorstellung, eine Kamera mit mehr oder weniger ausgestreckten Armen vor meinen Kopf zu halten, gefällt mir absolut nicht. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich mir kaum eine Kamerahaltung vorstellen kann, bei der es schwieriger ist die Kamera ruhig zu halten. Wenn schon über Display fotografieren, dann ziehe ich es vor die Kamera vor meine Brust oder meinen Bauch zu halten, wie es mit einem Klappdisplay möglich ist. Überhaupt habe ich mit der Powershot G12 die Qualitäten eines Klappdisplays wieder sehr zu schätzen gelernt – es macht ungewöhnliche Perspektiven einfach einfacher.

Street Photography Enthusiasten werden jetzt anmerken, dass ich mir doch eine Leica M9 kaufen soll, wenn ich eine kompakte, professionelle Kamera mit großem Sensor und Sucher suche. Aber ehrlich: 5000 Euro für eine Zweitkamera will ich mir einfach leisten.

Kompakte mit großem Sensor und fixem Objektiv

Was am Markt bisher so gut wie nicht vorhanden ist, sind Kompaktkameras mit mit Sensoren in einem Format, wie sie in Spiegelreflexkameras verbaut werden. Zwei der wenigen Ausnahmen sind die Fuji X100 und die DP-Serie von Sigma. Leider sind die Geräte hier zu Lande schwer für Tests in die Finger zu bekommen. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mich mit beiden Konzepten nicht so ganz anfreunden kann, auch die Geräte sicherlich hervorragenden Qualitäten haben.

Fuji x100 Fuji Finepix X100; Bild: © Fuji Deutschland
Sigma dpx2 Sigma DP2X; Bild: © Sigma Deutschland

Systemkameras

Interessant sind natürlich die sogenannten Systemkameras. Das sind Kameras, bei denen man die Objektive wechseln kann, die aber nicht über einen optischen Sucher verfügen, wie eine Spiegelreflexkamera. Solche Systeme werden heute im Wesentlichen von Olympus, Panasonic, Sony und Samsung angeboten.

Panasonics G-Modelle

Bei Panasonic findet man derzeit drei Modelle im besonders kompakten Micro FourThirds-Standard. Die G3 ist die Größte im Trio und erinnert im Design an eine SLR. Sie hat auch tatsächlich einen Sucher, der allerdings nicht optisch funktioniert, sondern über ein hochaufgelöstes, elektronisches Display im Inneren. Alternativ kann man allerdings auch über ein Klappdisplay fotografieren, das als Besonderheit Touch-Funktion bietet. Es kann also wie ein Smartphone mit dem Finger am Display bedient werden.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich eine Kamera über ein Touchdisplay trotz menügeführter Bedienung effizient einstellen lässt. Im Gegensatz zu Menüs, durch die man sich über Info-, Funktions-, Set-, Menü-, Kipp- und Drehtasten quälen muss. Leider ist die G3 nicht wirklich wesentlich kompakter als meine kleine DSLR.

Als Alternative bietet Panasonic die Lumix GF2 und die noch kleinere GF3 an. Allerdings haben beide weder einen Sucher, noch ein Klappdisplay und sind über ein paar Steuerungstasten menügeführt zu bedienen. Ohne Touch-Display!

Panasonoc Image DMC GF2k Panasonic Lumix GF2; Bild: © Panasonic Deutschland

Was mit beim Stöbern im Angebot von Panasonic aufgefallen ist: Auf der Panasonic-Homepage merkt man, dass man bei einem Anbieter von Unterhaltungselektronik ist, der auch Kameras im Programm hat. Im Gegensatz zu den Websites von Olympus, Sigma und Nikon, wo man spürt, dass Kamerablut durch die Kabel fließt, fühlt man sich speziell bei Panasonic als Fotograf nicht ganz ernst genommen. So ist es mir zum Beispiel bei einem Objektiv nicht gelungen herauszufinden, was für eine Naheinstellgrenze es hat. Auch nicht nach Herunterladen des Datenblattes. Ähnliches empfindet man übrigens auch, wenn man Sony besucht. Auch hier ist Fotografie ein Thema von vielen.

Sonys NEX-System

Sony hat vor einiger Zeit mit der NEX-Reihe eigene Systemkameras auf den Markt gebracht und sehr erfolgreich eingeführt. Leider ist das Angebot an Objektiven für dieses System noch mehr als überschaubar. Die einzige für mich infrage kommende Brennweite stellt ein 16mm Objektiv (24mm KB) dar. Allerdings haut mich eine Lichtstärke von ƒ2.8 wirklich nicht aus den Socken.

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Sony NEX 5; Bild: © Sony Europe

Limited

Andererseits hat Sonys NEX den Vorteil mit einem Klappdisplay ausgestattet zu sein. Deshalb wollte ich ein solches Gerät schon einmal in die Hand nehmen, bevor ich es als für mich ungeeignet abhake. Allerdings haben meine Versuche die Kamera zu bedienen mein Vorurteil bestätigt, dass menügeführte Kamerabedienung für einen ambitionierten Fotografen keine Lösung ist.

Ich habe versucht der Kamera Einstellungen beizubringen, wie ich sie von einer DSLR her gewohnt bin. Leider bin ich kläglich gescheitert. Natürlich habe ich dazu kein Handbuch in die Hand genommen. Erschließt sich die Bedienung einer Kamera nicht von selbst, sollte man eher die Finger von ihr lassen. Jedenfalls, wenn man schon einige Kameras bedient hat. Als Einsteiger kommt man wohl nicht drumherum, einmal ein Handbuch zu lesen. Aber erfahrenden Fotografen sollte sich die Bedienung einer Kamera intuitiv erschließen. Es ist wie mit einem Auto: Es darf nicht so gestaltet sein, dass jemand der Autofahren kann, nicht damit fahren kann. Licht, Blinker, Scheibenwischer, Gas, Bremse, Warnblinker – alles muss sich an gewohnten Plätzen befinden und klar zu finden sein.

Dass ich eine Nikon bedienen kann ist klar. Schließlich fotografiere ich lange genug mit Nikon und ein Buch über eine Nikon zu schreiben hat auch geholfen. Doch auch mit den kompakten S95 und G12 von Canon bin ich sofort und ohne Blick ins Handbuch klargekommen. Die Menüführung der NEX5 hingegen hat sich mir nicht intuitiv erschlossen. Ich vermute einmal, dass Sony die NEX-Kameras dermaßen darauf getrimmt hat, Laien rasches Point-and-Shoot-Fotografieren zu ermöglichen, dass alles, was der erfahrene Fotograf sucht, aus dem Weg geräumt wurde. Diesen Eindruck hatte ich übrigens auch bei der Lumix GF2.

Samsungs NX100

So wie Panasonic, hat auch Samsung Systemkameras in SLR- und Kompaktkamera-Design im Programm. Die kompakte Variante heißt NX100 und ist mit durchaus interessanten Features ausgestattet, wie dem iFunction-Button. Man drückt eine Taste am Objektiv und kann dann verschiedene Einstellungen über einen Ring am Objektiv verändern. Das klingt sehr interessant und verlockend. Ob es sich in der Praxis bewährt ist natürlich eine andere Frage. Leider ist auch hier die Auswahl an Objektiven überschaubar und deren Lichtstärken hauen einen verwöhnten Nikon-Fotografen auch nicht um.

Olympus’ Pen-Modelle

Frischen Wind bringen nun die vor wenigen Tagen vorgestellten neuen Modelle der Olympus Pen-Serie. Die Olympus Pen-Reihe ist seit mehreren Jahren auf dem Markt. Die Pens lassen sich so bedienen, wie man es als routinierter Fotograf von einer Kamera erwartet. Bisher hat mich allerdings gestört, dass es weder eine Pen mit Sucher gab – außer einem teuren elektronischen Sucher zum Aufstecken, noch eine mit Klappdisplay.

Mit der Pen E-PL3 hat Olympus nun eine Kamera vorgestellt, die das bewährte FourThirds-System nutzt, eine Klappdisplay hat und insgesamt durchaus vielversprechend zu werden scheint.

Mir gefällt an der E-PL3 vor allem das schlichte und schicke Design, das auf Retro verzichtet und äußerst unauffällig daher kommen dürfte. Das Problem von NEX und NX100, ein zu knappes Objektiv-Angebot zu bieten, kann man dem FourThirds-Standard nicht nachsagen. Schließlich passen auch Panasonic-Objektive auf die Olympus FourThirds-Kameras und sogar Sigma bietet bereits Objektive mit FourThirds-Anschluss. Besonders interessant für Street Photography Ambitionierte: Das ebenfalls neu vorgestellte 12mm (24mm KB) ƒ2.0 mit manueller Fokussierung und Schärfentiefeskala.

Schade allerdings, dass die E-PL3 – anders als die E-P3 – keine zwei Einstellräder und auch kein TouchDisplay bietet. Da kommen mir wieder Bedenken bezüglich einer raschen und effizienten Bedienung. Allerdings kann ich es nicht erwarten die Geräte in die Hand zu bekommen und auszuprobieren, wie die Bedienung funktioniert und wie sie sich anfühlen.

Und was machen Nikon und Canon? Derzeit ist nichts von kompakten Systemkameras aus den Häusern der beiden Platzhirschen zu hören. Manche haben den Eindruck hier würden die Marktführer den Trend verschlafen. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass sie ihre Konzepte einfach besonders gut durchdacht entwickeln um Lösungen auf den Markt zu bringen, wie man sie von ihnen erwartet und mit denen auch professionelle Fotografen zufrieden sind.

Die Würfel sind gefallen

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Ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht ob es sich wohl rentieren könnte meine Bücher über Canon PowerShot G12 und S95 sowie über die Nikon D7000 auf eigene Faust zu publizieren. Aber ohne Marketingmaschine wird sich der Aufwand dafür sicher nicht rechnen. Also habe ich den Plan verworfen die beiden Werke zu veröffentlichen. Verstauben sollen sie trotzdem nicht. Ich werde die beiden Skripte im Laufe der kommenden Wochen und Monate filetieren und in Einzelteilen in die Fotoschule onLine einfließen lassen.

Außerdem habe ich bereits vor einigen Tagen damit begonnen Bilder auf Flickr und hier im Blog zu posten, anhand derer ich beschreibe, wie das ›Vier Schritte zum Bild‹-Konzept angewendet wurde um zu den gezeigten Ergebnissen zu kommen.

Weiters werde ich Objektiv-, Ausrüstungs- und Anwendungstipps aus den beiden Büchern nach und nach im Blog publizieren. So haben dann alle, die sich dafür interessieren etwas davon und ich bringe vielleicht wieder etwas mehr Traffic ins Blog.

Kreativ fotografieren mit Canon G12 und S95 und mit Nikon D7000

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Das Bild zählt, nicht die Kamera

Die erste Frage, die ich mir stelle, bevor ich mich entscheide über Etwas zu schreiben, lautet: Interessiert mich das Thema?
Es muss mich fesseln und begeistern. Würde ich ein Produkt schön schreiben, das mich nicht überzeugt, dann wäre das nicht im Sinne des Lesers. Ebenso wenig würde ich dem Leser einen Dienst erweisen, indem ich ein Produkt zerpflücke, für das ich mich nicht erwärmen kann. In der Regel hat er das Produkt ja bereits gekauft, wenn er sich für eines meiner Bücher entscheidet.

Bei der Spiegelreflexkamera Nikon D7000 und den kompakten Schwestern Canon Powershot G12 und S95 fiel mir die Sache mit der Begeisterung nicht schwer. Ich fotografiere seit analoger Zeit mit Spiegelreflexkameras von Nikon und hatte bereits Kompakte von Canon.

Canon und Nikon? Kann man sich für beide begeistern?

Natürlich! Alle Hersteller kochen mit Wasser und weniger gute Geräte mag jeder Hersteller im Sortiment haben. Doch unterm Strich ist es am Ende mehr eine Frage des persönlichen Geschmacks, als dem Vorsprung eines bestimmten Herstellers, die für die Entscheidung für eine Marke oder die andere ausschlaggebend sein sollte. Fragt mich jemand, welche SLR ich kaufen würde: Eine Nikon. Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Fragt mich einer im Moment, welche Kompakte ich nehmen würde: Canon G12 und S95 kann ich uneingeschränkt empfehlen. Aber: Das Beste ist immer zu einem Händler zu gehen, Geräte verschiedener Hersteller in die Hände zu nehmen und vor allem auf den Bauch zu hören. Mit welcher Kamera fühle ich mich wohl? Ich mit Nikon SLR und – als kompakte Alternative dazu – Canon S95. Ein Anderer ist bei Canon daheim, der Zweite bei Sony, der Dritte bei Pentax, Samsung, Olympus, Panasonic, Leica, … Das Bild zählt, nicht die Kamera!

Wie erkläre ich Fotografie?

Als ich im letzten Jahrtausend zu Fotografieren begann, wollte ich natürlich mehr über die Grundlagen der Fotografie wissen. Wie Viele begann meine fotografische Laufbahn mit einer Kompak­tkamera und Urlaubs- und Freizeitbildern. Als ich dann angefangen habe als Grafikdesigner zu arbeiten wuchs auch mein Interesse an der richtigen Fotografie. Meine ersten Erfahrungen mit Spiegelreflex konnte ich mit der analogen Minolta meines Vaters machen. Bald schon wollte ich aber eine eigene Kamera und bin bei Nikon gelandet – und geblieben.

Die erste eigenen Kamera war eine Nikon F-65 mit einem Tamron-Obektiv. Schon beim Kauf ließ ich mir im Fotogeschäft ein Buch über das Modell mit einpacken. Allerdings war ich von dem Werk enttäuscht, da es sich im Grunde genommen um eine etwas lockerer geschriebene Variante eines Kamerahandbuches handelte, die sich auf die Funktionen des Apparats beschränkte, und wenig Hinweise gab, wie man das konkret in der Praxis einsetzt. Dabei waren die Nikon-Handbücher schon damals recht gut. Im Wissen wie man mit der F-65 foto­grafiert hat es mich kaum weiter gebracht.

Also habe ich mich nach Büchern zu den allgemeinen Grund­lagen der Fotografie umgesehen. Unter anderem bin dich dabei dann auf ›Das große Buch der Fotografie – Schritt für Schritt zum gelungen Bild‹ von John Freeman gestoßen. Das Buch hat mir gut gefallen und die Basis für mein heutiges Wissen über Fotografie gebildet. Aber habe ich damit fotografieren gelernt? Nicht wirklich. Der allgemeine Charakter des Buches hat dazu geführt, dass alles mögliche beleuchtet wurde, was mit Fotografie in Zusammenhang steht – so auch Dinge wie Mittel- und Großformatkameras. Darüber, wie ich mit meiner Nikon F-65 gute Bilder mache, habe ich wenig konkretes erfahren.

Dann kam die digitale Fotografie und mit ihr eine Schwemme an Büchern über Fotografie. Das erste Buch, das mich wirklich einen entscheidenden Schritt weiter gebracht hat, war ›Das digitale Fotografie Buch‹ von Scott Kelby. Ich kann es noch immer uneingeschränkt jedem empfehlen, der mit Hilfe prägnanter, praxistauglicher Tipps in der Fotografie vorankommen will, wobei ich diese Empfehlung auf den ersten Band beschränke.

Doch abgesehen davon, dass ich bei Kelby viele nützliche Tricks erfuhr, könnte ich nicht sagen, dass ich damit wirklich fotografieren gelernt habe. Kelbys Konzept ein Fotobuch für die Praxis zu schreiben – nach dem Motto »Du willst das und das? Dann mach das so und so!« – ist großartig, bedingt aber auch, dass er bewusst auf theoretische Hintergründe verzichtet. Wer verstehen will weshalb Kelby das und das so und so macht, muss woanders recherchieren.

Ein sehr gutes Werk für diese Recherche ist ›Der große ­Humboldt Fotolehrgang‹ von Tom! Striewisch. Für dieses Buch gilt, was auch für Kelbys Buch gilt: Un­eingeschränkte Empfehlung! Striewisch versteht nicht nur die Materie, er versteht es auch sie so zu erklären, dass es auch ambitionierte Einsteiger gut verstehen (noch eine Gemeinsamkeit mit Kelby).

Aber hat es mir das Fotografieren beigebracht? Ich würde es mit Pink Floyd zum Ausdruck bringen: »It was another brick in the wall«.

Freemans Grundlagen, Kelbys Praxistipps, Striewisch’ theoretische Erläuterungen und meine eigenen Erfahrungen haben mir gemeinsam geholfen, mein Bild der Fotografie vollständig zu bekommen.

Der letzte Initialzünder in meinem Puzzle war ›Hot Shoe Diaries – groß inszenieren mit kleinen Blitzen‹ von Joe McNally. Auch er versteht es, die komplexen Themen der Fotografie einfach und prägnant auf den Punkt zu bringen. Dieses Buch hat meine ablehnende Haltung gegenüber Systemblitzen und Blitzen außerhalb des Studios eliminiert und mich zu einem Blitz-Fan gemacht.

Nachdem ich das Buch über Nikons Profikamera D700 geschrieben hatte und es von den Lesern mit viel Wohlwollen und lobendem Feedback angenommen wurde, kamen zunehmend Anfragen nach Fotografie-Schulungen auf mich zu. Um einen Workshop über die Grundlagen der Fotografie abhalten zu können – mit dem Ziel, dass die Teilnehmer Fotografie anschließend besser verstehen – habe ich mich hin gesetzt und mir überlegt, wie man Fotografie erklären müsste, dass es für Einsteiger und Amateure ein ganz­heitliches Bild ergibt.

Als Erstes habe ich mich an meinen eigenen Werdegang als Autodidakt erinnert. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich die didaktischen Konzepte, die ich kennen gelernt hatte, über einmal zu vergessen versucht und mich gefragt:

Wie lernt man als Einsteiger und Amateur Fotografie? Weiterlesen

Bücher gecancelt – was nun?

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Es gibt erfreuliche Nachrichten und weniger erfreuliche. Heute habe ich eine weniger Erfreuliche erhalten. In den letzten drei Monaten habe ich an zwei Büchern gearbeitet. Einmal über zwei schnucklige Kompaktkameras von Canon, G12 und S95, und einmal über über die Nikon D7000. Das Buch über G12/S95 ist im Grunde fertig. Das Buch über die Nikon steht zu 75%. Heute hat mir der Verlag mitgeteilt, dass die Veröffentlichung abgeblasen ist.

Was jetzt?

Ich glaube, dass mir zwei tolle Bücher gelungen sind. Es sind keine Kamerabücher im herkömmlichen Sinn – das war mein Buch über die D700 auch schon nicht. Nicht die Technik und die Menüpunkte der Kameras stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage wie man mit ihnen fotografiert. Wie muss ich die Technik einsetzen um bessere Bilder zu machen.

Nun soll das auf Halde gehen. Aber ich habe eigentlich keine Lust drei Monate und dreihundert Stunden Arbeit auf den Papierkorb meines Computers zu ziehen. Schon gar nicht, weil ich das Ergebnis gut gelungen finde. Also denke ich über alternative Publikationswege nach.

Print on Demand? Eine App? Oder ein eBook? Ich werde mich in den nächsten Tagen schlau machen. Für sachdienliche Hinweise und Tipps bin ich überaus dankbar.

Am liebsten würde ich die Bücher als Donation-Ware zur Verfügung stellen. Ich habe das früher schon gemacht. Ein Skript mit hundert Seiten zum Thema Typografie und ein Skript mit etwa 150 Seiten zu InDesign CS2 (gibt es hier noch immer zum Download). Wer wollte, konnte für die Unterlagen via Paypal etwas spenden. Die Unterlagen wurden Tausendfach geladen, aber hängen geblieben sind in mehreren Jahren kaum 100 Euro. Ernüchternd!

Mal sehen, was aus den Skripten zu D7000 und G12/S95 wird. Wäre schade, wenn die Dokumente auf meinem Rechner ungelesen vergammeln würden.

Canon G12 – Alternative zur Spiegelreflex?

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Vor Kurzem habe ich mit meinem neuesten Buch-Projekt begonnen – der ›Fotoschule zur G12/S95‹. Letzte Woche habe ich meinen Eindruck zur S95 in einem Blog-Artikel veröffentlicht. Nun reiche ich den Bericht zur G12 nach.

Die G12 hat für bedeutend mehr Rauschen im Blätterwald der Fachpresse gesorgt, als die kompakte S95. Natürlich! Stellt sie doch das Flaggschiff in Canons Kompaktkamera-Armada dar. Dabei unterscheiden sich die ungleichen Schwestern G12 und S95 in der Praxis geringer, als man es von der Form her vermuten würde.

Vergleicht man die beiden Kameras nach dem Datenblatt, dürften beide denselben Bildsensor mit 10 Megapixel beinhalten und denselben Verarbeitungsprozessor. Zumindest verarbeiten beide RAW schnell genug, dass praktisch keine Wartezeiten entstehen. Auch in der Bildqualität kann ich bisher keine Unterschiede erkennen.

Am kurzen Ende der Brennweite ist die S95 etwas lichtstärker, am langen Ende – also da, wo’s drauf an kommt – hat die G12 die Nase form. Darüber hinaus hat die G12 insgesamt die längere Brennweite; während die S95 bis 105mm reicht (umgerechnet auf Kleinbild), reicht die G12 bis 135mm. Letztere liefert also etwas mehr Potenzial zum Freistellen von Motiven.

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Dank der längeren Brennweite der G12 sind mit 135mm Freisteller (Subjekt der Aufnahme scharf, Hintergrund unscharf) nicht allzu großer Objekte möglich, die mit den 105mm der S95 nicht möglich sind.

Generell will Freistellen mit einer Kamera mit kleinem Bildsensor – wie G12 und S95 – aber mit Vorbehalten betrachtet werden. Kann man kleine Objekte bei langer Brennweite und möglichst offener Blende zumindest noch ein bisschen freistellen, ist es schon bei Portraits praktisch zu vergessen. So lange die Sensoren bei Kompaktkameras so klein bleiben, wie sie bisher sind, werden sie nicht annähernd an die Freistellerqualitäten einer SLR heranreichen. Hatte ich von der Lichtstärke ƒ2.8 noch etwas zusätzliches Freistellungspotenzial erwartet, hat sich schon bei den ersten Bildern herausgestellt, dass diese Hoffnung etwas naiv war. Bei der kurzen Brennweite von 28mm bringt Blende ƒ2.8 nicht viel, und am langen Ende von 135mm ist dann ƒ4.5 auch nicht alle Welt.

Auch die generelle Möglichkeit die Bildwirkung von Aufnahmen großartig beeinflussen zu können, kann man sich weitgehend abschminken. Auf der langen Seite der Brennweite spielt sich der kreative Spielraum zwischen ƒ4.5 und ƒ8.0 ab. Bei der ohnehin schon extrem weiten Schärfentiefe der kleinen Sensoren kann man da eigentlich gar nicht mehr von kreativem Gestaltungsspielraum sprechen. Im Grunde ist der rasche Zugriff auf die Belichtungskorrektur bei G12 wie S95 bedeutsamer, als die Manipulation der Blende.

Dafür lassen sich über die manuelle Steuerung von Blende, Belichtung und Empfindlichkeit jedoch schon Aufnahmen umsetzen, hinter denen man zunächst wohl eher eine SLR vermuten würde, wie verwischtes, fließendes Wasser oder Mitzieher.

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Mitzieher haben mir der G12 überraschend gut geklappt.
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Auch ›fließend Wasser‹ ist für die G12 eigentlich keine Herausforderung.

Augenscheinlichster Unterschied zwischen den Kameras: während die S95, wie für Kompaktkameras üblich, mit einer überschaubaren Anzahl an Dreh- und Drückknöpfen ausgestattet ist, macht die G12 hier einen bedeutend üppigeren Eindruck. Was einen besonderen Reiz auf mich ausgeübt hat: Es gibt einen Hardware-Drehregler für Belichtungskorrektur, und einen für ISO-Werte. Ein Segen, in einer Zeit, in der Kompaktkameras vor allem dadurch ›glänzen‹, dass man sich zum Gros der Funktionen über Menüs hanteln muss. Für einen geübten Fotografen ist das eher hinderlich und verzögert den Einstellungsprozess.

Das wirkt sich in der Praxis auch tatsächlich wie erwartet aus: Das anpassen des ISO-Wertes geht an der G12 bedeutend flotter, als an der S95, wo man dazu ins Menü muss.

Unterm Strich ist es allerdings nicht so hinderlich, da man den ISO-Wert ohnehin nicht laufend ändert.

In der praktischen Anwendung hat die S95 die Nase fast etwas vorne – jedenfalls, wenn es um die Steuerung der Belichtung geht. Der wichtigste Modus für die Belichtungsautomatik stellt für mich – wie wohl für die meisten Fotografen – die Blendenvorwahl (Av) dar. An der S95 stelle ich das am Rad um das Objektiv ein, die G12 hat dazu (im Unterschied zur G11) ein Einstellungsrad unterhalb des Auslösers, wie man es von Spiegelreflexkameras kennt.

Nach dem Auslösen checke ich die Belichtung einer Aufnahme in der Regel anhand des Histogramms am Display. Zeigt das Histogramm eine Unter- oder Überbelichtung an, muss über die Belichtungskorrektur eingegriffen und neuerlich belichtet werden. Bei beiden Kameras geht das flott, allerdings bei der S95 etwas flotter, wenn man die Belichtungskorrektur auf dem hinteren Einstellungsrad liegen hat – der Blick bleibt bei der Veränderung der Einstellung am Display. Bei der G12 muss man umgreifen, um das obere Einstellrad bedienen zu können, und wird auch den Blick vom Display nehmen, um auf das Einstellrad schauen zu können. Allerdings ist das jetzt Erbsenzählerei – die G12 ist nicht wirklich umständlicher zu bedienen als die S95.

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Professionelle Bildvorschau nach der Aufnahme: Histogramme sind wichtiger, als die Anzeige des Bildes selbst. Die G12 kann sogar für Rot, Grün und Blaukanäle separate Histogramme anzeigen.

Unterm Strich lassen sich beide Kameras intuitiv und effizient bedienen und behindern den Fotografen in keinem Moment in der Arbeit.

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Professionelle Einstellmöglichkeiten: Programme für Zeit- und Blendenvorwahl und eine manuelle Belichtungseinstellung. Die Empfindlichkeit lässt sich per Wahlrad einstellen, die Belichtungskorrektur ebenso.

Sehen wir uns weitere Unterschiede von der G12 zur S95 an.

Die G12 hat einen Sucher, der mir – bevor ich die Kamera in der Hand hatte – sehr verlockend erschien. Aber als Nikon-SLR-Fotograf bin ich große und helle Sucher gewöhnt und habe den Sucher sofort wieder ad Akta gelegt. Ich kann damit nicht arbeiten.

Anders das Schwenkdisplay. Wenn es etwas gibt, was für mich ein bitterer Abstrich an der S95 ist, dann ist es das Fehlen eine Schwenkdisplays.

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Für solche Perspektiven ist eine Leiter erforderlich – oder ein Schwenkdisplay.

Ein weiterer Unterschied: Auf der Oberseite der G12 wartet ein Blitzschuh auf einen externen Blitz. Wenn man – wie ich – versucht das Blitzen von einem Blitz, der fix mit der Kamera verbunden ist, nach Möglichkeit tunlichst zu vermeiden, dann kann einen diese Erweiterungsmöglichkeit kaum reizen. Für Unternehmen jedoch, die eine Kamera brauchen um beispielsweise auf Veranstaltungen Fotos machen zu können, und nicht gleich eine Spiegelreflex-Kamera nutzen wollen, stellt das aufsetzen eines zusätzlichen Blitzgeräts einen absoluten Vorteil dar. Erstens sitzt – auch beim direkten Blitzen – der Blitz weiter vom Objektiv entfernt. Zweitens haben externe Blitze mehr Power. Und drittens, lässt sich mit Aufsteckblitzen auch indirekt blitzen, was in der Regel zu deutlich besseren Aufnahmen führt, als wenn der Blitz direkt in Richtung Motiv feuert.

Deutliche Vorteile finden Makrofotografen in der G12 gegenüber der S95 – die G12 fokussiert noch auf einen Mindestabstand von 1cm, die S95 benötigt 5cm.

Mein Fazit | Die G12 ist eine tolle Kamera, die dem ambitionierten Fotografen alle Möglichkeiten bietet, die er auch von einer Spiegelreflexkamera erwarten würde, mit der Einschränkung, dass ein so kleiner Sensor mit den kreativen Möglichkeiten einer SLR mit mittlerem oder großem Sensor einfach nicht mithalten kann.

Als kompakter Begleiter und Zweitkamera zur SLR würde ich in jedem Fall die S95 vorziehen – die G12 ist doch schon relativ groß und alles andere als leicht. Wer jedoch unterhalb einer SLR nach einer Kompaktkamera mit einem Maximum an Möglichkeiten sucht, der sollte schon einen Blick auf die G12 werfen.

Weitere, überwiegend unbearbeitete Aufnahme-Beispiele der G12 habe ich in einer mobileMe-Galerie zusammengestellt.

Welche Kamera ist die richtige?

Posted in Theorie & Technik

Via Twitter hat mich am Wochenende die Frage nach der besten Kamera erreicht. Ich bin Nikon-Fotograf aus absoluter Überzeugung. Deshalb kann ich nichts anderes empfehlen als eine Nikon.

Die drei großen Hersteller – Nikon, Canon und Sony – haben sicher langfristig das größte Potenzial und das größte Angebot an Objektiven – vor allem Canon und Nikon.

Mir fallen viele Argumente pro Nikon ein: Nikon ist bekannt dafür, besonders gute, große, helle Sucher zu bauen, und auch beim Systemblitzen scheint Nikon derzeit die Nase vor allen anderen Herstellern zu haben (vor allem wenn es um entfesseltes Blitzen geht). Die Qualität der Nikon-Objektive steht außer Zweifel (und im Gegensatz zu einem geizigen Mitbewerber 😉 kommen Nikon-Linsen immer MIT Streulichtblende), und, und, und.

Ein Canon-Fan wird aber wohl genau so viele Argumente pro Canon liefern. Alle Hersteller kochen mit Wasser und beinahe jedes Modell hat Vor- und Nachteile. Am Besten ist immer zu überlegen, was möchte ich mit der Kamera machen und welche must-have-Eigenschaften ergeben sich daraus für die Kamera. Bei Street-Photography ist derzeit zum Beispiel die Panasonic G1 neue Micro-Four-Thirds sicher eine Überlegung wert: Klein und kein Spiegel, der Lärm macht. Studio-Fotografen die einen preiswerten Einstieg ins Profi-Segment mit hoher Auflösung suchen und auf hohe ISO-Werte verzichten können, sollten die Sony α900 ansehen. Für alle, die im Gegensatz auf eine gigantische Auflösung verzichten können (man sollte sich ernsthaft überlegen, wie viel Auflösung man braucht und wie viel Auflösung zu viel ist), aber hohe ISO-Werte zu schätzen wissen, für die stellt die D700 (und darüber die D3) eine Revolution dar. Canons D700-Konkurrent 5D Mark II punktet mit fast schon doppelter Auflösung, wirft damit natürlich extrem hohe Datenmengen auf und ist damit auch deutlich langsamer als die D700. Bezüglich Rauschen habe ich von dieser Kamera schon gelesen, dass sie besser als die D700 sein soll, und gehört, dass sie mit der D700 nicht mithalten kann.

Und dann muss einem eine Kamera immer auch vom Feeling und der Bedienung her gut liegen und sympathisch sein. Ein Produkt wie ein Kamerasystem, darf einem nicht nur funktional entgegen kommen, sondern man muss es auch emotional mögen.

Vollformat oder Crop?

Posted in Fotografie

Bei picspack.de fand ich dieser Tage einen Artikel mit dem Titel »Vollformat vs. Crop«. Zur kurzen Erklärung worum es geht: Zu Zeiten der analogen Fotografie – also dem Aufzeichnen der Bilder auf Film – hatte sich für Normalverbraucher-Kameras das sogenannte Kleinbildformat (KB-Format) durchgesetzt: 36x24mm. Das Format der Sensoren in digitalen Spiegelreflexkameras ist in der Regel kleiner, als das Format des Films in analogen Spiegelreflexkameras – bei Nikon 23,6×15,7mm, bei Canon 22,2×14,8.

Welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt soll im Moment nicht Thema dieses Artikels sein. Was mich interessiert: Wird das Vollformat kommen und die kleineren Formate verdrängen? Ich behaupte: Ja.

Dabei halte ich es für müßig die Frage auf Basis der reinen Vernunft beantworten zu wollen. Der Umstieg von den kleineren Sensoren auf das jetzt als Vollformat bezeichnete Kleinbildformat bedeutet, dass die meisten Objektive die wir in den letzten Jahren für digitale SLR-Kameras gekauft haben, für das größere Format bestenfalls noch suboptimal sind. Für die Kamerahersteller natürlich ein Traum! Sie können uns all die teuren Zoom-, Fixbrennweiten- und Makroobjektive, die wir in den letzten Jahren für die kleinen Sensoren gekauft haben, neuerlich verkaufen – diesmal für das Vollformat. Für uns Konsumenten wird das in erster Linie teurer. Ob die Vorteile, die das größere Format mit sich bringt, diese Investitionen rechtfertigen, mag ich bezweifeln.

Nach vernünftigen Maßstäben mag es also sinnvoll sein, das mit der digitalen Spiegelreflexfotografie eingeführte Format zu behalten (ich betone das »mag«, denn es gibt auch genügend Argumente die für die Rückkehr zum Standard 36x24mm sprechen). Dennoch bin ich mir sicher, dass sich das KB-Format in den nächsten ein bis drei Jahren gegenüber den kleineren Formaten durchsetzen wird.

Das wichtigste Argument, welches die Massen des Marktes hin zum KB-Format bewegen wird lautet nämlich: Viel hilft viel.

Zwar wissen wir, dass das Nonsens ist, aber dennoch funktioniert der Markt genau nach diesen Maßstäben. Das haben wir in den vergangenen zwei Jahren sehr schön bei den digitalen Kompaktkameras gesehen. Der Konsument bewertet die Qualität einer Kamera nach der Anzahl der Megapixel. Mehr Megapixel = bessere Kamera. Stimmt aber absolut nicht! Ganz im Gegenteil. Für die kleinen Sensoren von Kompaktkameras sind mehr als sechs Megapixel Gift (siehe www.6mpixel.org). Das weiß der informierte Leser und das wissen die Kamerahersteller.

Dennoch haben Nikon, Canon, Olympus und Konsorten längst keine Kamera mit sechs Megapixel mehr im Programm, sondern bieten sieben, zehn und zwölf Megapixel-Modelle. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten, sondern weil sie auf ihren Modellen mit geringerer Auflösung sitzen bleiben würden. Fuji war der letzte Mohikaner, der noch ein Sechsmegapixelmodell angeboten hat. Aber auch Fuji hatte wohl trotz aller Vorbehalte keine Lust mehr Ladenhüter zu produzieren, und deshalb hat heute auch dieser Hersteller keine Kompaktkamera mit vernünftiger Auflösung mehr im Programm.

Und genau dies wird in den kommenden Monaten auch beim Format der Sensoren passieren. Viel hilft viel. Also sind größere Sensoren auch automatisch besser als weniger große. Noch vor wenigen Wochen (und ich meine wirklich ganz, ganz wenige Wochen) habe ich mit Fachleuten, die im Umfeld von Kameras ihren Lebensunterhalt bestreiten, darüber diskutiert, ob denn das Vollformat nun komme oder nicht. Beide Experten betonten, dass es nicht vernünftig wäre, im Consumer-Bereich (also bei Kameras für Otto-Normalverbraucher) auf KB umzusteigen. Beide meinten, dass das KB-Vollformat eine Domäne der professionellen Boliden bleiben werde.

Das Erscheinen der Nikon D700 straft nun aber diese Ansicht einen Irrtum. Nachdem Canon schon länger mit der 5D eine einigermaßen erschwingliche DSLR mit Vollformat im Programm hat, bedient nun auch der zweite Platzhirsch den Markt mit einer semiprofessionellen Kamera mit Vollbild. Sony wird sicher bald folgen.

Natürlich ist der Einzug des KB-Sensors in der semiprofessionellen Klasse nur der Anfang einer Entwicklung, an dessen Ende »alle« DSLR-Kameras einen Sensor im Format 36x24mm haben werden. Ausnahme könnte am Ende wohl einzig der Four-Thirds-Standard von Olympus und Panasonic sein.

Der Wechsel zurück zum KB-Standard dürfte schmerzhaft werden für alle – mich eingeschlossen –, die in den vergangenen Monaten für das kleinere Format optimierte Objektive gekauft haben. Neue Objektive werden langfristig unumgänglich sein, und für den Bestand der Optiken für die kleineren Sensoren wird der Gebrauchtmarkt wohl keine Spitzenpreise mehr zulassen.

Bleibt zu hoffen, dass sich am Ende wenigstens das KB-Format wieder als Standard über Marken- und Systemgrenzen hinweg etablieren wird, und wir vor allem innerhalb eines Systems wieder Optiken haben, die sowohl auf Einsteiger- wie auch auf Profikameras ihr Bestes geben.