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Schlagwort: bildwirkung

1.6. Brennweiten, Fluchtpunkte und Bilddynamik

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Wir haben uns Eingangs zu diesem Kapitel über die Grundlagen der Perspektive unterhalten. Ich habe dabei skizziert, wie sich die perspektivische Wirkung eines Motivs verändert, wenn die Position zu ihm verändert wird. Ob man ein Objekt aus der Frontalansicht oder einer diagonalen Ansicht ablichtet hat Auswirkungen auf die Bildwirkung und führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Eine rührt zu eher statischen Ergebnissen, das Andere wirkt eher spannender und dynamischer.

Position und Brennweite sind die beiden Parameter, mit denen sich die perspektivische Wirkung von Aufnahmen gestalten lässt. Durch die Distanz zum Hauptdarsteller des Motivs und die Wahl der Brennweite wird aktiv beeinflusst wie die Betrachter eine Aufnahme empfinden werden.

Werfen wir nun einen Blick auf den grundsätzlichen Unterschied in der perspektivischen Wirkung der wichtigsten Objektiv­arten – Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv.

Normalobjektiv

Die Abbildung unten soll die Wirkung eines Normalobjektivs mit einer Brennweite von 50mm illustrieren. Ich habe die Perspektive in dieser und den folgenden Illustrationen etwas übertrieben zur Darstellung gebracht, um die Unterschiede in den Charakteristiken zu betonen.

Perspektive normal Normalperspektive: Perspektivische ­Wirkung, Fluchten und Proportionen fallen in der Regel deutlich aber nicht übertrieben aus).

Spricht jemand von Normalobjektiv, dann ist in der Regel von 50mm Brennweite die Rede. Auch wenn von Standardobjektiv die Rede ist, ist oft 50mm gemeint. Wie schon früher angedeutet, ist der Blickwinkel dieser Brennweite sehr nah an der Wahrnehmung des Menschen. Somit ist so ein Objektiv für alle möglichen Einsatzzwecke gut geeignet und vor allem wenn es darum geht, einen natürlichen und authentischen Eindruck zu vermitteln.

Die Normalbrennweite erzeugt eine natürliche, authentische Perspektive.

Normalobjektiv und Porträt | Mit Vorsicht zu genießen ist das Normalobjektiv bei Gesichtsporträts. Man sollte Gesichtern damit beim Porträtieren nicht zu nahe kommen, denn sie neigen dazu die Gesichtsproportionen zu verzerren.

portrait-gesicht-50mm.jpg Nahaufnahmen von Gesichtern mit 50mm Brennweite – wie hier – fallen oft wenig schmeichelhaft aus.

Portaitfotografen verwenden in der Regel Brenn­weiten zwischen 80mm und 120mm, die Gesichtszüge harmonischer abbilden können. Ein paar Beispiele die die Wirkung von Brennweiten auf Gesichtszüge demonstrieren habe ich bereits unter ›People- und Porträtfotografie‹ im Artikel ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ gezeigt.

Anders sieht es aus wenn man mit dem 50mm beim Porträt dem Modell nicht zu sehr auf den Pelz rückt. Bei einem Porträt ab Brust, Bauch oder Oberschenkeln kommt es zu keinen unschönen Verzerrungen der Gesichtszüge.

portrait-oberkoerper-50mm.jpg Dieses Porträt stammt ebenfalls von einem 50mm Objektiv. Da die Distanz hier größer ist, wird die Perspektive und damit die Physiognomie des Gesichts weniger verzerrt.

Die beiden vorangegangenen Abbildung sind mit der Kompaktkamera S95 entstanden. Für Porträts aufgrund der hohen Schärfentiefe kein optimales Gerät. Dass die 50mm-Brennweite für Gesichtsporträts nicht optimal, für Oberkörperporträts jedoch gut geeignet ist, zeigen die beiden Fotos aber allemal.

Weitwinkel

Im Vergleich zur Brennweite eines Normalobjektivs erzeugt ein Weitwinkel eine Perspektive, in der die Fluchtpunkte deutlich näher am Objekt liegen. Es entstehen deutlich stärker geneigte und dadurch ­dynamischere Linien.

Perspektive weitwinkel Beim Weitwinkelobjektiv rücken die Fluchtpunkte näher zusammen. Das führt zu ausgeprägt fliehenden Linien – vor allem auf kurze und mittlere Distanz.

Der Nachteil: Auf manche Motive – wie Gesichter – kann das verheerende Auswirkungen haben. Das kennen wir schon ein bisschen vom Normalobjektiv. Beim Weitwinkel fällt der Effekt allerdings bei Weitem extremer aus. Je kürzer die Brennweite, desto extremer zu Verzerrung.

Weitweinkelverzerrung 21mm Brennweite aus kürzester Distanz. So etwas halten auch die edelsten Gesichtsproportionen nicht aus. Die Gefahr für verunstaltete Menschen ist extrem groß. Bei solchen Ergebnissen ist es kein Wunder, dass manche Leute die Kamera scheuen wie der Teufel das Weihwasser!

Während beim Normalobjektiv und bei Brennweiten um die 50mm Porträts noch immer gelingen, wenn man Oberkörper oder Beine mit in den Bildausschnitt nimmt, ist das Weitwinkel generell gefährlich für menschliche Proportionen. Nicht nur bei Nahaufnahmen kommt es zu deutlichen Verzerrungen, sondern ebenso in den Randbereichen auf etwas größere Distanz.

Andreaweitwinkel Meine zweifellos bessere Hälfte, hier schonungslos vom Weitwinkel gequetscht, gezogen und deformiert.

Doch auch wenn Weitwinkel mit Sicherheit die anspruchsvollste Brennweite ist – vor Allem wenn wir den Dingen nahe kommen –, so übt es in meinen Augen auch den größten Reiz aus. Vor allem für beeindruckende Landschafts- und Architekturaufnahmen gehören Weitwinkel zur Pflicht.

Weitwinkel Landschaft
Eine ziemlich klassische Weitwinkelaufnahme.
Weitwinkelverzerrt
Kritisch wird es wie bereits weiter oben beschrieben, wenn Menschen das Weitwinkel kreuzen. Dieses Bild ist nicht digital verzerrt worden, sondern die Deformation der Protagonisten ist rein auf das Weitwinkel zurück zu führen.

Allerdings schließt das nicht aus, dass Weitwinkel für das Ablichten völlig ungeeignet ist. Richtig eingesetzt lassen sich damit witzige, freche und überraschende Porträts gestalten.

Amelie Eines meiner liebsten Beispiele eines Porträts mit Weitwinkel: ›Die Fabelhafte Welt der Amelie‹. Ohne wäre Audrea Tautous kecker Blick hier nur halb so frech.
weitwinkelportrait.jpg
Auch der Blick mit Weitwinkel von oben hinab eröffnet eine witzige Perspektive für ein Porträt, hier, passend zum öden Treppenhaus, betont kühl entwickelt.
Grossehaende
Typisch Weitwinkel: Was nah ist wirkt ganz nah und riesig groß. Schon dicht dahinter wirken die Dinge viel kleiner.
Grossefuesse Und noch einmal Weitwinkel: Hier mit riesigen Schuhen und endlos langen Beinen.

Die Eigenschaft von Weitwinkel die Dinge von Nah bis Fern in die Länge zu ziehen wird auch gerne von Fashion- und Beauty-Fotografen genutzt, um den Models Beine zu machen. Fotografiert man Menschen aus kürzerer Distanz mit Weitwinkel aus einer tiefen Perspektive scheinen die Beine länger als sie sind (über das, was den Models in der digitalen Dunkelkammer an Schönheitsoperationen widerfährt bewahren wir Schweigen).

Denise weitwinkel 36mm + kurze Distanz + tiefe Perspektive = lange Beine.

Wer mit Weitwinkel fotografiert und nicht gerade eine Landschaft als Motiv gewählt hat, muss in der Regel nahe an sein Motiv ran. Betrachter des Resultats spüren das. Weitwinkelaufnahmen vermitteln das Gefühlt mitten im Geschehen zu stecken und die Protagonisten fast schon greifen zu können. Deshalb sind sie auch sehr beleibt bei Reise- und Reportagefotografen. Während Normalobjektive eher noch zur trockenen, sachlichen Authentizität neigen, erzeugen Weitwinkel schon vom Grundcharakter her mehr Spannung und Leben.

Weitwinkelobjektive ­können Nähe vermitteln und dramatische Perspektiven erzeugen.

Mitten drin
Man spürt die Nähe von Kamera zum Motiv: Hier 28mm Weitwinkel mit der Kompaktkamera PowerShot G12.

Teleobjektiv

Je weiter man in den Bereich der Telebrennweite vorrückt, desto weiter rücken die Fluchtpunkte auseinander und desto mehr nähern sich die horizontalen und vertikalen Linien auch in der Abbildung der Horizontalen und Vertikalen.

Perspektive tele Bei der Tele-Perspektive rücken die Fluchtpunkte weit auseinander. Die Resultate wirken flacher und sachlicher.

Zwar klingt es im ersten Moment verlockend die Dinge so horizontal und vertikal abbilden zu können, wie sie in der Realität sind. Doch den Resultaten einer solchen Wiedergabe fehlt oft Tiefe und Dynamik. Aufnahmen mit Teleobjektiv wirken oft flach, sachlich und trocken. Während Weitwinkel-Bilder Nähe vermitteln und Normalobjektiv-Bilder eine natürliche Bildwirkung erzeugen, vermitteln Teleobjektive den Eindruck der Distanz.

Distanz Die Distanz, aus der Aufnahmen mit Teleobjektiven entstehen, ist auch für den Betrachter eines Fotos spürbar.

Wir Menschen sind Seh-Wesen und nehmen 80% unserer Umwelt über das Sehen wahr. Auch wenn wir nicht von Geburt an dazu in der Lage sind Fotos zu interpretieren und zu analysieren, ob sie mit Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv aufgenommen wurden. Intuitiv spürt jeder von uns von Natur aus, ob ein Bild aus kurzer, mittlerer oder weiter Distanz aufgenommen wurde. Gerade wenn man mit Weitwinkel Menschen aufnimmt, vermitteln die Aufnahmen oft eine gewisse Ungestörtheit und Intimität aber gerade deswegen eben auch ein bisschen etwas Voyeuristisches.

Teleobjektive erzeugen sachlich distanzierte ­Anmutung.

Auch wenn der rein bildgestalterische Wert langer Telebrennweiten nicht an leichte Teles (für Porträts), Normalobjektiven (Allround) und Weitwinkeln (Landschaft, Reise, Reportage, Action) herankommt, soll das ihre Bedeutung nicht herabwürdigen. Überall dort, wo entfernte Motive abzulichten möchte, denen man sich nicht ohne Weiteres annähern kann, sind sie wichtig. Ob es um scheue oder wilde Tiere geht, oder um Sportler auf Straßen und Feldern. Wo das Hingehen unmöglich ist ist das Tele unverzichtbar!

Murmelbaer Murmeltiere sind nicht überall in den Alpen völlig scheu. Aber auch wenn Sie sich nicht gleich beim entfernten Auftauchen eines Menschen unsichtbar machen – nah ran und mit Weitwinkel fotografieren erlauben sie meist nicht. Scheue Tiere schießt man nur mit Tele.
perspektive-weitwinkel-stern.jpg perspektive-tele-stern.jpg
Diese beiden Aufnahmen ein und desselben Holzsterns stellen noch einmal die beiden Extreme Weitwinkel und Tele gegenüber. Das linke Bild habe ich aus sehr kurzer Distanz mit 28mm Weitwinkel aufgenommen. Das rechte entstand aus deutlich größerer Entfernung mit 100mm Tele (beides mit dem Zoomobjektiv der Canon PowerShot G12). Während der Stern in der Weitwinkeloptik sehr nah wirkt und extrem fliehende Linien nach hinten zeigt, vermittelt die Tele-Aufnahme den Eindruck deutlich größerer Distanz und die nach hinten fliehenden Linien scheinen schon fast parallel zu verlafen.
Perspektive stark Perspektive schwach Perspaktive keine
Dieses Denkmal steht auf einem Sockel mit einer Höhe von etwa 1,70 Meter. Die linke Aufnahme entstand aus einem tiefen Blickwinkel bei 27mm (KB). Der Soldat richtet sich dramatisch und bedrohlich vor dem Betrachter auf. Bei 105mm (KB; Mitte) und wesentliche größerer Distanz fällt der Blickwinkel naturgemäß ziemlich flach aus. Während man beim Linken Bild die Statur der Statue deutlich zum Himmel hin fliehen sieht, was der Aufnahme die Dramatik verleiht, ist hier von Flucht und Perspektive kaum mehr etwas zu spüren. Bei 300mm Brennweite (rechts) aus großer Distanz ist jegliche Bedrohung aus der Aufnahme gewichen. Der Soldat wirkt in sich gekehrt und geknickt. Er scheint uns, den Betrachter, gar nicht zu bemerken. Wir beobachten ihn aus der Distanz.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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1.5. Formatfaktor

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Sache mit den Brennweiten könnte so einfach sein, wären da nicht die verschiedenen Sensorformate. Bildsensoren werden in unterschiedlichen Größen produziert und die Größe des Sensors beeinflusst den Blickwinkel (und natürlich den Preis). Das Problem ist also, dass eine bestimmte Brennweite vor einem bestimmten Sensorformat einen bestimmten Blickwinkel erzeugt, vor einem anderen Sensorformat jedoch einen anderen.

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Die Bildsensor-Einheit einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Die Abbildung unten zeigt einen Auszug an Formaten, die heute bei Digitalkameras üblich sind.

Sensorformate.jpg Ein paar Beispiele von Sensorformaten zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Hassselblad Mittelformatkamera, Leica S2 Spiegelrelfex-Systemkamera, Kleinbild, DX (Nikon, Sony, Pentax), Four Thirds (Olympus und Panasonic) und exemplarisch das Format der Komapaktkameras G12 und S95 von Canon.

Kleinbildformat | In den Tagen der analogen Fotografie (dem Fotografieren mit Film) hatte sich zuletzt das Kleinbildformat für die meisten Kameras durchgesetzt. Filme im Format von 36×24mm passten sowohl in Kompaktkameras, Sucherkameras und Spiegelreflexkameras. Lediglich im professionellen High-End-Bereich waren Mittel- und Großformat mit größeren Filmformaten ›State of the Art‹.

Sensia100.jpg Analoger Film ist noch immer von Herstellern wie Fujifilm beziehbar (Bild: © Fujifilm Europe GmbH)

In den 1990er Jahren verhalf Canon mit seiner Ixus dem etwas bequemeren, aber relativ kleinen APS-Format, zu einem kurzfristigen Durchbruch. Doch das Gros der Aufnahmen wurde wie gesagt auf 36×24mm gebannt.

Als Digitalfotografie zum Thema wurde und erste digitale Kameras auf den Markt kamen, wurden Bildsensoren verbaut die deutlich kleiner waren als die 36×24mm Filme der analogen Kleinbildkameras. Der Grund war vor allem, dass größere Sensoren ungleich teurer zu produzieren waren als kleinere. Deshalb werden in Kompaktkameras bis heute sehr kleine Sensoren verbaut und nur in professionellen Spitzenmodellen sind Sensoren im Kleinbildformat zu finden (in analogen Zeiten war das Abbildungsformat des Films für Kompakt und Spiegelreflex eben identisch).

Mittelformat | Es gibt heute digitale Mittelformatkameras die größere Sensoren nutzen als das Kleinbildformat. Bekannte Hersteller solcher Geräte sind Hasselblad, PhaseOne oder Sinar. Im letzten Jahr ließ Pentax mit einer Mittelformat-Kamera aufhorchen, die als Preisbrecher gehandelt wird. Außerdem sorgte in jüngster Vergangenheit auch die deutsche Edel-Kameraschmiede Leica mit einem Kamerasystem für Interesse, das im Grunde eine Spiegelreflexkamera ist, aber einen größeren Sensor als Kleinbild nutzt.

645D_cross.jpg
Mittelformatkameras, wie dieses Modell von Pentax, nutzen deutlich größere Sensorformate, als das Kleinbildformat (Bild: © Pentax Imaging Systems GmbH)

Sensorformat und seine Auswirkungen

Das Gros der Kameramodelle am Markt arbeitet aber aus Preisgründen mit Sensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als Kleinbild. Mit der Größe des Sensorformats sind nun aber eben Unterschiede in Art der Abbildung und der Abbildungsqualität verbunden. Beeinfluss werden vor allem:

  • Bildrauschen;
  • Blickwinkel und perspektivische Wirkung der Brennweite;
  • Schärfentiefe.

Bildrauschen | Bildrauschen – so bezeichnet man eine körnige Struktur aus unterschiedlich hellen oder farbigen Pixeln – gehört zu den wichtigsten Problemen der Digitalfotografie. Man unterschiedet dabei das sogenannte Helligkeits- oder Luminanzrauschen (wie in der Abbildung unten) vom Farbrauschen, bei dem nicht hellere und dunklere Pixel die Struktur ergeben, sondern bunte in den Farben rot, grün, blau, gelb, cyan und/oder magenta. Rauschen wird vor allem in dunkleren Bildbereichen sichtbar. Ein Grundrauschen ist in jedem Digitalbild normal. Oft fällt es aber so gering aus, dass man es praktisch nicht bemerkt. Doch durch lange Belichtungszeiten oder Anheben der ISO-Empfindlichkeit wird der Effekt verstärkt und es kann unangenehm im Bild hervortreten.

Bildrauschen1 Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man die Belichtungszeit reduzieren indem die Sensorempfindlichkeit erhöht wird.
Bildrauschen2 Leider führt das anheben der Empfindlichkeit durch Erhöhen des ISO-Werts zu kräftigeren Bildrauschen.

Je kleiner der Sensor, desto anfälliger für Rauschen. Wobei es streng genommen vor allem auch von der Auflösung abhängt. Im Grunde geht es gar nicht um die Größe des Sensors, sondern wie viele Pixel auf wie engem Raum wie dicht beieinander liegen. Ein kleiner Sensor mit geringer Auflösung muss nicht unbedingt mehr rauschen verursachen, als ein großer Sensor mit sehr hoher Auflösung.

Je größer die Zahl der Pixel und kleiner das Format des Sensors, desto mehr Rauschen wird produziert.

Brennweite | Der zweite Faktor, der vom Sensorformat beeinflusst wird, ist der Blickwinkel den eine bestimmte Brennweite vor einem Sensor ergibt. Die beiden Abbildungen unten zeigen zwei Aufnahmen die vom Stativ aus mit exakt derselben Distanz und derselben Brennweite von 24mm aufgenommen wurden. Der Bildausschnitt den sie zeigen unterscheidet sich gravierend! Die D7000 mit dem deutliche kleineren Sensor nimmt den Buddha sehr viel naher auf, als die D700 mit ihrem Kleinbildsensor.

Dx Aufnahme aus einer Distanz von etwa zehn Zentimeter mit einem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an einer Nikon D7000 mit einem Sensor im Format 24×16mm.
Fx Aufnahme aus derselben Distanz mit dem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an der Nikon D700 mit einem Sensor im Format von 36×24mm.

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Aufnahme die mit einer Kleinbildkamera und 135mm Brennweite aufgenommen wurde. Nehmen wir an, wir würden von derselben Stelle aus mit einer 10 Megapixel Kamera mit Kleinbild und einer 10 Megapixel Kamera mit einem ein Drittel kleineren APS-C- bzw. DX-Sensor diesen Ort fotografieren, wobei beide Kameras eine Objektiv mit einer KB-Brennweite von 135mm tragen. Dann bildet die Kleinbildkamera einen größeren, die DX-Kamera einen kleineren Bildausschnitt ab – trotz gleicher Brennweite! Die Kamera mit dem kleineren Sensor scheint bei gleicher Brennweite das Motiv also näher heranzuzoomen.

Dxundfx Fx
Dx Oben links Bildausschnitt bei 135mm bei Kleinbild und 24×16mm DX-Sensor in der Montage, oben Resultat der 135mm-Brennweite bei Kleinbildformat und links Resultat bei DX-Format.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man Brennweiten und ihre perspektivische Wirkung und den Bildausschnitt den sie abbilden miteinander vergleichen will. Ein sinnvoller Vergleich ist nur dann möglich, wenn man sie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Der Sensor in der Nikon D7000 ist um den Faktor 1,5 kleiner wie jener in der D700: 24×16mm statt 36×24mm. Der Bildausschnitt den jede beliebige Brennweite an der D7000 erzeugt ist 1,5 mal kleiner beziehungsweise 1,5 mal naher als bei der D700. Um also einen Vergleich der Nikon D7000 mit einem Sensorformat, das man als APS-C bezeichnet, mit der D700, die ein Kleinbildformat hat, anstellen zu können, wird das APS-C auf Kleinbild umgerechnet. Das gilt natürlich für alle anderen Marken und Formate ebenso.

Kleinbild ist der gemeinsame Nenner auf den sich die Fachwelt geeinigt hat – die Abkürzung lautet KB. Spricht man allgemein von Brennweiten, dann beziehen sich die Millimeterangaben immer auf Kleinbild, sofern es nicht dezidiert anders angegeben wird.

Um Brennweiten an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten vergleichen zu können, hat man sich auf Kleinbild (KB) als gemeinsamen Nenner geeinigt.

Formatfaktor | Für jedes Format lässt sich ein Umrechnungsfaktor aufstellen, mit dem sich die Wirkung von Brennweiten im Vergleich zu Kleinbild berechnen lässt. Diesen Umrechnungsfaktor bezeichnet man auch als Formatfaktor oder Crop-Faktor.

Bei Nikon ist das einfach. Nikon hat zwei Formate für Spiegelreflexkameras: Geräte, mit einem Sensor im Format 36×24mm, die bei Nikon die Bezeichnung FX tragen. Und Geräte mit einem Sensor im Format 24×16mm, die bei Nikon DX heißen und einen Umrechnungsfaktor auf Kleinbild von 1,5 haben. Ein 50mm Objektiv an einer Nikon mit kleinerem DX-Sensor entspricht dem Bildausschnitt und der perspektivischen Wirkung von 75mm auf Kleinbild: 50 × 1,5 = 75.

Bei Olympus und Panasonic (Lumix) ist das sogar noch einfacher. Deren sogenannte Four Thirds Sensoren haben ein Format von 17,3×13mm und werden mit dem Umrechnungsfaktor 1:2 berechnet: 50mm an einer Four Thirds Kamera entspricht also rund der Bildwirkung von 100mm an einer Kleinbildkamera.

  • Kleinbild: 36×24mm (1:1 KB-Faktor);
  • APS-H (Canon): 27,9mm×18,6mm (≈1:1,3 KB-Faktor);
  • DX (Nikon, Sony, Pentax): 23,7×15,6mm (≈1:1,5 KB-Faktor);
  • APS-C (Canon): 22,2×15,8mm (≈1:1,6 KB-Faktor);
  • Four-Thirds (Olympus, Panasonic): 17,3×13mm (≈1:2 KB-Faktor);
  • Sensor der Canon PowerShot G12 exemplarisch als ein Sensorformat vieler möglicher bei Kompaktkameras: 7,6×5,7mm (≈1:4,5 KB-Faktor).
Powershot g12 Powershot s95
Auf der Front des Objektivs der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 steht die tatsächliche Brennweite der Optik: 6,1mm bis 30,5mm. Die tatsächliche Brennweite der PowerShot S95 reicht von 6mm bis 22,5mm. Allerdings interessieren uns Fotografen in der Regel nicht die technischen Brennweiten, sondern das Äquivalent der Bildwirkung im Vergleich zur Kleinbildkamera. Der Formatfaktor für G12 und S95 beträgt etwa 4,5. Canon gibt die Brennweiten der G12 auf Kleinbild umgerechnet mit 28–140mm an, für die S95 mit 28–105mm.

Schärfentiefe | Ein dritter Unterschied liegt in der unterschiedlichen Schärfentiefe unterschiedlicher Sensorformate. Wie die beiden folgenden Abbildungen jedoch belegen, fällt der Unterschied zwischen mittleren Sensoren, wie Four Thirds, APS-C, DX und APS-H, und Kleinbild nicht besonders dramatisch aus.

Schaefentiefe1
Aufnahme mit der Kleinbildkamera Nikon D700 und 105 mm Objektiv.
Schaefentiefe2
Aufnahme mit der D7000 mit kleinerem Sensor und demselben Objektiv. Aufgrund des Formatfaktors musst ich die Kamera weiter weg stellen um denselben Bildausschnitt zu erreichen. Das Ergebnis ist, dass bei gleicher Brennweite (und gleicher Blende) eine höhere Schärfentiefe entstanden ist.

Je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe, bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Eklatanter wird der Unterschied in der Schärfentiefewirkung zwischen den sehr kleinen Sensoren bei Kompaktkameras und den mittelgroß bis großen Sensoren in Spiegelreflex- und anderen Systemkameras. Dazu habe ich unter ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ schon einmal zwei Bilder gezeigt.

Für die Auswirkung des Sensorformats auf Bildrauschen, Bildausschnitt und Schärfentiefe gelten folgende Regeln:

  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Neigung Bildrauschen zu erzeugen bei gleicher Empfindlichkeit und gleicher Belichtungszeit.
  • Je kleiner der Sensor, desto enger der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite.
  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Schärfentiefe bei gleicher Brennweite und gleicher Blende.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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