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Schlagwort: Belichtungszeit

Manuelle Belichtung: Probier’s doch mit Gemütlichkeit

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Die Menüs von Kameras für den ambitionierten Aufsteiger werden von vielen Einsteigern, Amateur- und Hobbyfotografen wie ein tiefer, schwarzer See empfunden – und flößen ihnen oft sogar Ehrfurcht, Respekt oder gar Berührungsangst ein. Dabei braucht man vor dem was sich da in der Tiefe versteckt nicht die geringste Furcht zu haben, plantscht man in der Regel ja doch eher an der Oberfläche – egal ob aus Spaß oder von Berufswegen.

Ihr, liebe Einsteiger und Amateure, würdet es nicht glauben, wie viele Berufsfotografen nur sehr wenig Ahnung von den technischen Untiefen ihrer Werkzeuge haben. Trotzdem können sie exzellente Arbeiten liefern, denn sie beherrschen das was wirklich wichtig ist, und verschwenden keine Zeit an Beigemüse das für ihre tägliche Arbeit nicht relevant ist.

Ich beginne deshalb meine Fotokurse immer mit einer Einleitung, in der ich erkläre was an einer Kamera wirklich wichtig ist: Zoomring, Fokusring, Blendeneinstellung, Zeiteinstellung und Auslöser. Das sind die zentralen Bedienelemente. Hinzu kommt die Einstellung der ISO-Empfindlichkeit und das Wissen darum, wie mit diesen Mitteln Perspektive und Schärfe kreativ gestaltet werden können, worauf bei der Belichtung zu achten ist und Überlegungen zur Bildkomposition. That’s it!

Der Rest dessen was Digitalkameras bieten sind Grundeinstellungen (einmal einstellen und dann vergessen oder gleich so lassen wie ab Werk geliefert), Sonderfunktionen (z.B. für Taucher und Astrofotografen), Dinge die man nutzen kann aber absolut nicht muss (z.B. Belichtungsmesswertspeicherung) Firlefanz (z.B. »kreative« Effekte) und Dinge die mich als Fotograf nicht interessieren (Movie).

Also Konzentration auf das Wesentliche: Brennweite, Fokus, Blende, Zeit.

Digitalkameras sind Schnellfeuerwaffen. Im Serienbildmodus kommst du dir vor wie Rambo. Entsprechend schnell wird geschossen. Die unglaubliche Geschwindigkeit der Elektronik treibt uns an und lässt uns keinen Moment ans Verschnaufen denken. Entsprechend schnell feuern wir durch die Gegend. Unüberlegt. Unbewusst.

Fotografieren mit manuellen Belichtungseinstellungen bremst dich ein. Welche Blendeneinstellung soll ich wählen? Viel oder wenig Schärfentiefe? An welchem Einstellrad muss ich dazu drehen? Und in welche Richtung. Ach ja, schöne Landschaft. Ich glaube Blende 11 ist perfekt.

Würde ich mit Blendenvorwahl arbeiten würde die Elektronik jetzt die Verschlusszeit für mich einstellen. Und schon wird wieder gefeuert, aus vollen Rohren. Aber nein. Ich fotografiere manuell. Nach der Blendeneinstellung ist die Verschlusszeit zu wählen. Dafür kommt das andere Einstellrad zum Einsatz (oder wenn du nur ein Einstellrad hast drückst du die +/–-Taste und drehst an dem einen).

So lange drehen bis die Belichtungsskala ausgeglichen ist. Eine ausgeglichene Belichtungsskala bedeutet Belichtung auf mittlere Helligkeit. Das ist genau das was die Elektronik in den Programmen P, S und A auch macht (oder in P, Tv und Av – je nach Marke). Eigentlich ganz einfach. So simpel ist manuelles Fotografieren! Sagen die Teilnehmer meiner Kurse dann auch immer.

belichtungsskala
Über eine Belichtungsskala verfügt praktisch jede Kamera. Ist sie ausgeglichen – zeigt sie also keinen Ausschlag nach links oder rechts – bedeutet das Belichtung auf mittlere Helligkeit. Das ist dieselbe Einstellung die die Elektronik auch in den automatischen Programmen wählen würde. It’s easy!

Oder sollte ich 1/3 oder 2/3 Lichtwerte unterbelichten? Bei Landschaft meist empfehlenswert. Also noch einmal 2 Klicks in Richtung Minus drehen – die Skala zeigt jetzt einen Ausschlag um zwei kleine Punkte.

Was für eine Verschlusszeit hat sich dadurch ergeben? Ist sie noch kurz genug um sich aus freier Hand halten zu lassen? Geht sich der Kehrwert der Brennweite? Also z.B. bei 100mm 1/100 Sekunde oder bei 35mm 1/35 Sekunde. Diese Regel darf auch beim Fotografieren in A, S oder P nicht vergessen werden; wird sie aber oft, angetrieben vom atemlosen Shooten im Rhythmus der Elektronik.

Fotografieren im manuellen Modus lässt dich deinen eigenen fotografischen Atem spüren. Bringt dich zurück zu deinem Rhythmus. Bringt dich von der elektronischen zurück auf die menschliche Schwingung.

Also ISO-Empfindlichkeit anheben, falls die Zeit fürs Belichten aus freier Hand zu lange geworden ist.

Verschlusszeit als Ausgleich für die Empfindlichkeit reduzieren.

Auslöser halb durchdrücken.

Tief einatmen.

Ausatmen.

Am Endpunkt der Ausatmung den Auslöser durchdrücken.

Passt. Die Aufnahme ist im Kasten.

Also: Nehmt euch ein Beispiel an Balu, dem Bären, und nehmt’s mit Gemütlichkeit.

3.13. Bildstabilisierung

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Normaler Weise lässt aus freier Hand eine Belichtungszeit ­halten, die etwa dem Kehrwert der Brennweite entspricht. Durch Bildstabilisierung lässt sich dieser Wert ausdehnen.

Die Bildstabilisierung findet je nach Hersteller und Modell ­entweder im Objektiv statt oder in der Kamera.

Da die Belichtungszeit umso kürzer sein muss, je länger die Brennweite ist, ist eine solche Unterstützung natürlich umso willkommener, je ­länger die Brennweite ist. Anders gesagt, bei kurzen Brennweiten im Weitwinkelbereich bis hinein in den Bereich der Normalobjektive ist eine Bildstabilisierung nicht unbedingt notwendig, da man ohnehin nicht so oft unter Belichtungszeiten von 1/50 Sekunde kommt. Deshalb bieten auch die meisten Objektive dieser Brennweiten keine Bildstabilisierung an (sofern der Hersteller die Bildstabilisierung nicht ohnehin in die Kamera verlagert hat).

Laut Herstellern und Medien sollen sich mit Bildstabilisierungssystemen bis zu vier Lichtwerte gewinnen lassen. Das heißt, man kann länger aus freier Hand belichten, ohne dass das Bild verwackelt.

Es gibt kritische Stimmen zur Bildstabilisierung. Meine eigenen Erfahrungen damit sind positiv, vor allem bei meinem ­Nikon 70–300 mm 4.5–5.6 Objektiv, bei dem ich Stabilisierung in erster Linie nutze. Die folgenden Abbildung zeigen eine Reihe von Testaufnahmen, die ich mit diesem Objektiv ohne und mit Stabilisierung aufgenommen habe. Die Ergebnisse sprechen für sich. ­Allerdings darf man aus den Ergebnissen ebenso wenig ableiten, dass die Bildstabilisierung aller Nikon Objektive ebenso effektiv arbeitet, noch, dass andere Hersteller weniger effektive Systeme haben. Am besten findet ihr heraus, wie leistungsfähig euer System ist, indem ihr eine ähnliche Testserie aufnehmen.

Motiv Der Originalausschnitt, aus dem die Ausschnitte unten stammen. Alle Ausschnitte sind nicht in tatsächlicher Pixelgröße dargestellt und sind durch die JPEG-Komprimierung unschärfer, als im Original. Trotzdem verdeutlichen die Abbildungen klar, dass Bildstabilisierung extrem effektiv arbeiten kann. Alle Bilder wurden mit einer Nikon DX-Kamera bei 300mm Brennweite aufgenommen, was einer Kleinbild-Brennweite von 450mm entspricht (siehe dazu »Formatfaktor«).
640 Sec ohne Stabilisierung 1/640 Sekunde ohne Bildstabilisierung
640 Sec mit Stabilisierung 1/640 Sekunde mit Bildstabilisierung
320 Sec ohne Stabilisierung 1/320 Sekunde ohne Bildstabilisierung
320 Sec mit Stabilisierung 1/320 Sekunde mit Bildstabilisierung
160 Sec ohne Stabilisierung 1/160 Sekunde ohne Bildstabilisierung
160 Sec mit Stabilisierung 1/160 Sekunde mit Bildstabilisierung
60 Sec mit Stabilisierung 1/60 Sekunde mit Bildstabilisierung

Als Kaufargument für oder gegen ein Objektiv hat Bildstabilisierung für mich eher wenig Gewicht. Wichtiger sind mir Lichtstärke und generelle Abbildungsleistung. Doch wenn eine ­Stabilisierung auch noch mit drin ist – warum nicht!

Ebenso wenig wäre für mich das Argument, dass ein Hersteller die Bildstabilisierung in der Kamera vornimmt, ein Grund, mich für eine Marke zu entscheiden. Zwar hat es den Vorteil, dass mit der ­Stabilisierung in der Kamera mit jedem Objektiv stabilisiert foto­grafiert werden kann. Doch auch hier fallen mir viele Argumente ein, die mir wichtiger sind als dieses.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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3.7. Ohne Verwackeln fotografieren

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Bevor wir uns konkret den Belichtungseinstellungen, der Überprüfung der Belichtung und der Belichtungskorrektur zuwenden, ­müssen wir noch das Problem der Verwackelung ansprechen.

Wenn man mit der Kamera in der Hand fotografiert, wird es ­einem nie gelingen, die Kamera absolut ruhig zu halten. Bei ausgesprochen kurzen Belichtungszeiten, im Rahmen von Hundertstel oder Tausendstel Sekunden ist das kein Problem, da die Verwackelung so gering ausfällt, dass sie im Bild nicht zu erkennen ist. Bei längeren Belichtungszeiten hingegen ist das ein Problem.

Dabei gibt es keinen fixen Wert, ab dem unter allen Bedingungen ab einer bestimmten Zeit die Gefahr zu verwackeln zunimmt. Vielmehr hängt die Zeit, die man relativ sicher aus freier Hand ohne Verwackelung belichten kann, von der Länge der Brennweite ab. Es gilt: Je länger die Brennweite, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, um Verwackelung zu vermeiden.

Verwackeln
Winkel der Verwickelung, lange Brennweite und kurze Brennweite.

Der Grund dafür ist relativ simpel. Man wird die Kamera nicht grundsätzlich mehr oder weniger unruhig halten, wenn man mit kurzer Brennweite ➀ oder langer Brennweite ➁ fotografiert. Allerdings wirkt sich die Stärke der Verwackelung ➂ beim engen Bildausschnitt eines Teles wesentlich deutlicher aus als beim großen Ausschnitt eines Weitwinkels.

Verwackelung Tele Verwackelung Weitwinkel
Verwickelung im engen Ausschnitt eines Teles. Exakt dieselbe Verwickelung, doch im weiten Bildausschnitt der Weitwinkelbrennweite ist sie kaum mehr zu erkennen.

Der Kehrwert der Brennweite markiert die längste Belichtungszeit | Um zu berechnen, wie lang die längste Belichtungszeit ausfallen darf, um aus freier Hand noch relativ sicher ohne deutlich sichtbare Verwackelung belichten zu können, nimmt man als Faustregel einfach den Kehrwert der Brennweite an. Also zum Beispiel bei einer Brennweite von 50mm 1/50 ­Sekunde, bei 100mm 1/100, bei 200mm 1/200 und so weiter. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Brennweite in der Regel auf Kleinbild bezieht. Das heißt, bei einer Kamera mit Kleinbildformat kann die Faustregel 1:1 anwendet werden. Bei einer Kamera mit einem kleineren Sensorformat, muss dabei aber der Formatfaktor berücksichtigen und auf Kleinbild umrechnet werden.

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3.4. Licht- und Blendenwert

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An der Belichtung jedes Fotos sind die vier Faktoren Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit, Blende und Umgebungslicht beteiligt. Ein ­optimal belichtetes Foto gelingt nur dann, wenn ­diese Faktoren gut ausbalanciert sind.

Umgebungslicht

Das Umgebungslicht ist für den Fotografen der Faktor der Belichtung, der am schwierigsten zu beeinflussen ist. Er kann auf die Lichtsituation in der Umgebung eingehen, indem er die Blende ­öffnet oder schließt, die Lichtempfindlichkeit des Sensors erhöht oder verringert, oder die Belichtungszeit verlängert oder verkürzt. Oft wird er an zwei oder allen drei Parametern drehen, um die ­optimale Belichtung zu erreichen. Das Umgebungslicht hat er höchstens im Studio voll unter Kontrolle. Bei Landschaftsaufnahmen ist die einzige Möglichkeit das Umgebungslicht zu beeinflussen, wenn man zu ­einem anderen Zeitpunkt zurück kehrt, sollte das Licht im Moment nicht optimal sein.

Lichtwert als relatives Maß

Dass ein Lichtwert (LW) für eine Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Helligkeit, Lichtmenge, beziehungsweise Belichtung steht, habe ich bereits erwähnt, als ich das Zonensystem vorgestellt habe.

Nehmen wir an, wir fotografieren im Freien, die Dämmerung ist herein gebrochen und die Lichtmenge hat sich seit dem letzten Foto halbiert – das Umgebungslicht hat sich um –1 LW reduziert. Nun können wir auf die veränderte Lichtsituation so reagieren:

  • Die Belichtungszeit auf das Doppelte ausdehnen. Das heißt, Sie heben die Belichtungszeit um +1 LW an.
    Beispiel: Die Belichtungszeit wird von 1/60 Sekunde auf 1/30 ­Sekunde verdoppelt.
  • Die Blendenöffnung verdoppeln. Das heißt, Sie öffnen die Blende um +1 LW.
    Beispiel : Sie öffnen die Blende von vormals ƒ 2.8 auf ƒ 2.0.
  • Die ISO-Empfindlichkeit verdoppeln. Das heißt, die Empfindlichkeit des Bildsensors um +1 LW anheben.
    Beispiel: von ISO100 auf ISO200.

Auf Englisch nennt sich der Lichtwert ‘Exposure Value’ (EV), ­weshalb Sie auf Kameras auf die Abkürzung ›EV‹ stoßen können. In der fotografischen Praxis wird statt von Lichtwert auch oft von ›Blendenstufe‹ gesprochen. Rät Ihnen also ein Kollege – oder lesen Sie das irgendwo – eine Blende höher (heller) zu belichten, will er ­damit sagen, dass Sie eine Einstellung wählen sollten, die die Lichtmenge um einen Lichtwert verdoppelt. Das muss nicht unbedingt heißen, dass Sie tatsächlich die Blende um einen ganzen Schritt ­öffnen müssen. Er meint lediglich, die Belichtung sollte einen Lichtwert heller ausfallen. Ob Sie das erreichen, indem Sie tatsächlich die Blende öffnen, den ISO-Wert erhöhen oder die Belichtungszeit verdoppeln, bleibt bei dieser Aussage in der Regel Ihnen überlassen.

Auf diese Art angewandt ist der Lichtwert ein relativer Wert, bei dem sich ±X auf einen relativen Ausgangswert bezieht.

Viele Kameras – bei DSLR oder Systemkameras praktisch alle – erlauben es, die Einstellungen für Belichtungszeit, Blendenöffnung und ISO-Empfindlichkeit nicht nur in ganzen Schritten zu verdoppeln oder halbieren, sondern ermöglichen Halb- oder Drittelschritte. Das heißt, Sie können, statt nur Blende, Zeit oder ISO um einen ganzen Schritt zu ändern, auch an jedem Parameter ein Drittel drehen, oder einen beliebigen anderen Mix aus zweien wählen.

Falls Ihnen das jetzt erschreckend kompliziert erscheint, bitte ich Sie um etwas Geduld. Sie werden sehen, dass es in der Praxis gar nicht so kompliziert ist.

Lichtwerttabelle: Lichtwert als absolutes Maß

Die Bezeichnung ›Lichtwert‹ steht nicht nur für relative ­Werte um Belichtung zu halbieren oder zu verdoppeln. Lichtwert wird auch als absolutes Maß eingesetzt um die Helligkeit einer Szene zu bezeichnen. Lichtwert 0 ist der Basiswert und bezeichnet eine Szene, bei der eine Kombination von ISO100, Blende ƒ1.0 und 1 Sekunde Belichtungszeit zu einer neutralen, mittleren Helligkeit des Resultats führt.

Lichtwert 0 entspricht etwa der Lichtsituation einer Neumondnacht, LW4 einer beleuchteten Straße bei Nacht oder ­einer Szene im Kerzenlicht, LW8 hellen Innenräumen und Sport­hallen ; LW12 ist typisch für die Zeit kurz Sonnenauf- oder kurz nach Sonnenuntergang beziehungsweise für bedeckte Tage, LW14 spiegelt die normale Tageslichtsituation am helllichten Tag; und mit LW16 darf man rechnen, wenn die Sonne zur Mittagszeit voll vom Firmament knallt.

Aus der Tabelle unten lässt sich ablesen, was für eine Zeit/Blenden-Kombination beim Lichtwert einer bestimmten Lichtsituation zu einem optimal belichteten Ergebnis führt. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass eine perfekte Einstellung aus technischer Sicht nicht immer ein optimales Bild liefert.

Lichtwertabelle
Lichtwerttabelle

Bitte glaubt jetzt nicht, ihr müsstet die Lichtwerttabelle auswendig lernen, um bessere Bilder zu machen. Auch wenn Profifotografen mit Lichtwerten arbeiten, die Sie von Belichtungsmessgeräten ­ablesen, denke ich, dass es für den Hobby- und Amateurfotografen deutlich effizienter ist, das Histogramm zu verstehen und über Belichtungskorrekturen die optimale Belichtung zu ermitteln. Um zu verstehen wie das geht, werde ich euch im nächsten Artikel erklären, was das Histogramm bedeutet.

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2.11. Bewegungsunschärfe

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Unschärfe durch Bewegung kann in Fotos im Wesentlichen zwei Ursachen haben: Entweder die Kamera bewegt sich – zum Beispiel weil sie unruhig gehalten oder erschüttert wird – oder das Motiv bewegt sich.

Unschärfe die durch Vibration, Zittern oder Erschütterung der Kamera zustande kommt, bezeichnet man als Verwackeln – darüber werden wir uns im Kapitel über ›Belichtung‹ ausführlicher unterhalten. Unschärfe, die durch Bewegung des Motivs zustande kommt, bezeichnet man als Bewegungsunschärfe. Bewegungsunschärfe ist ein gutes Mittel, um Aufnahmen mehr Dynamik und Lebendigkeit zu verleihen.

Bewegungsunschärfe versus Einfrieren

Das normale Ziel beim Fotografieren ist das Einfrieren des Motivs. Vom Standpunkt der technischen Umsetzung sollen Fotos vor allem scharf sein. Unschärfen sind unerwünscht.

Eingefroren

Die Landung der Möwe im Wasser ist in einem Sekundenbruchteil eingefroren. Die Belichtungszeit betrug 1/1600 Sekunde.

Bewegungsunscharf

1/200 Sekunde ist deutlich zu ­lange, um die Bewegung der Katze im Sprung einzufrieren.

Bewegungsunschärfe ist grundsätzlich und technisch betrachtet zunächst einmal ein fotografischer Fehler.

Statische Objekte wie Steine, Gebäude oder Felsen werden immer eingefroren auf einer Aufnahme erscheinen. Was sich bewegt hingegen wird in Bewegungsunschärfe abgelichtet, wenn die Belichtungszeit so lange ist, dass das Objekt innerhalb dieser Zeit seine Position verändert. Bei einer Schnecke müsste die Belichtungszeit natürlich immens lange sein. Doch schon das Fotografieren eines Morgenhimmels mit einer Belichtungszeit von wenigen Sekunden kann dazu führen, dass Wolken nicht mehr scharf, sondern bewegt und somit verwischt aufgenommen werden.

Wolken

Aufnahme mit SLR und ­Stativ. Belichtungszeit: 30 Sekunden. Die Bewegung des Wassers ist durch die lange Belichtung zu einer glatten, nebligen Fläche ­verschmolzen. Das Ziehen der Wolken hat zu Bewegungsunschärfe geführt.

Möchten Sie einen Sportler beim Laufen ablichten, einen rennenden Hund, ein galoppierendes Pferd oder einen rasenden Sportwagen, dann muss die Belichtungszeit kurz gehalten werden, um die Bewegung einfrieren zu können. Pauschale Werte für die Belichtungszeit um Bewegung einzufrieren, lassen sich nicht festlegen. Träge dahinziehende Wolken lassen sich in der Regel auch mit einer Belichtungszeit von einer Sekunde, und sogar noch mehr, einfrieren. Bei einem vorüberfahrenden Auto wäre das aber viel zu lang. Für herumtollende Hunde mag 1/500 Sekunde kurz genug sein. Für einen Rennfahrer aber kann eine 1/1000 Sekunde bereits zu lang sein. Zwar liegt man mit 1/1000 Sekunde meist schon auf der relativ sicheren Seite, aber für einen vorbei zischenden Falken oder um den Flügelschlag eines Kolibris einfangen zu können, wird man noch deutlich kürzer belichten müssen.

Einfrieren2

Hier ist das Einfrieren des Flügelschlags der Ente nicht ganz geglückt. Die Lichtsituation und Entfernung zum Motiv verlangte eine Belichtungszeit von 1/250 Sekunde. Eine kürzere Belichtungszeit hätte zu Unterbelichtung geführt.

Hund

Der Hund wurde mit einer Belichtungszeit von 1/2000 Sekunde in seiner Bewegung eingefroren. Schwachpunkt: Die geringe Abblendung auf ƒ1.4 führte zu einer sehr kurzen Schärfentiefe, was den Hund zwar schön vom Hintergrund freistellt, allerdings auch dazu geführt hat, dass Schwanz und Hintern scharf sind, der Kopf aber bereits relativ unscharf. Schöner wäre es ge­wesen, wenn der schärfste Punkt dort liegen würde.

Beim Gros der Aufnahmen wird wohl das Einfrieren von Bewegungen das Ziel sein. Wer kennt sie schließlich nicht, die Bilder die einen in ein Glas Wasser fallenden Eiswürfel zeigen und bei denen jeder aus dem Glas fliegende Tropfen so scharf wie zur Glasskulptur erstarrt abgebildet ist. Solche Bilder benötigen in der Regel viel Licht (Blitz) und extrem kurze Belichtungszeiten. Die Bewegung scheint im Bruchteil einer Sekunde eingefroren zu sein.

Bewegte Motive, die völlig frei von Bewegungsunschärfe abgebildet sind, vermitteln aber oft auch den Eindruck völlig statisch und unbewegt zu sein.

Möchte man tatsächlich dynamische Bewegung vermitteln ist Bewegungsunschärfe das beste Mittel dazu. Ein schönes Beispiel ist die Aufnahme des Roadsters in der Kurve. Diese Aufnahme habe ich mit einem Teleobjektiv vom Beifahrersitz eines vorweg fahrenden Cabrios gemacht. Das abgebildete Fahrzeug hat die Kurve zügig genommen, doch auf dem Bild ist diese Bewegung kaum spürbar. Würde nicht die leichte Neigung des Fahrzeugs und die Körperhaltung der Fahrerin zeigen, dass hier Fliehkräfte im Spiel sind, könnte man auf den ersten Blick fast glauben das Auto stünde in der Kurve. Die gewählte Belichtungszeit hat zwar geholfen den Roadster scharf abzubilden, doch den Eindruck der Bewegung wird dadurch nicht herüber gebracht. Eine längere Belichtungszeit hätte vielleicht in der Serie viele verwackelte Resultate ergeben, aber bei genügend Aufnahmen wären auch genügend Resultate zu erreichen gewesen, bei denen der Wagen scharf, der Hintergrund und die Rotation der Räder jedoch mit einer deutlichen Unschärfe auf das Bild gekommen wäre.

Speedeffekt

Aufnahme eines Sportwagens in voller Fahrt, aufgenommen vom Beifahrersitz eines voran fahrenden Cabrios. Der Hintergrund zeigt etwas Bewegungsunschärfe und auch das Drehen der Räder hat dazu geführt, dass hier Bewegungsunschärfe entsteht. Doch der Effekt ist sehr gering ausgefallen. Beinahe wirkt es als würde der Roadster ganz langsam um die Kurve schleichen.

Speedeffekt bearbeitet

In diesem Bild habe ich den Unschärfeeffekt, der normalerweise durch rasche Bewegung entsteht, mit digitalen Mitteln in Photoshop erzeugt. Die Aufnahme wirkt bedeutend ­dynamischer – hier scheint der Roadster echt mit Speed durch die Kurve zu flitzen.

Bewegungsunschärfe und Belichtungszeit

Ein klassisches Motiv für bewusst eingesetzte Bewegungsunschärfe ist Wasser. Bäche und Wasserfälle zum Beispiel, bei denen die Bewegung erst durch das Verwischen der Fließbewegung richtig spürbar wird. Bei noch relativ kurzen Belichtungszeiten wirkt diese Bewegung oft hektisch und quirlig. Wird die Belichtungszeit verlängert, scheint die Bewegung immer fließender, geschmeidiger und weicher zu werden.

Bewegteswasser

Dieses Bild habe ich mit einer Nikon D80 und Stativ bei 3 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen. Die Bewegung des Wasser verschmilzt zu etwas, das aussieht wie Nebel.

Allerdings sind Belichtungszeiten von mehreren Sekunden für das verwischen von Bewegungen am helllichten Tag meist kaum zu erreichen. Selbst bei kleinster Blendenöffnung ist die Lichtmenge zu intensiv um ausreichend lange Zeiten zu erlauben. Behelfen kann man sich in solchen Fällen mit sogenannten Grau­filtern, die vor das Objektiv geschraubt werden und die die durchgelassene Lichtmenge deutlich reduzieren können – eine Art Sonnenbrille für die Kamera.

Polarisationsfilter | Gute Filter sind teuer, gerade wenn man Objektive mit großem Durchmesser verwendet. Billige Filter um ein paar Euro sind jedoch kaum eine Option, wenn man mit guten Objektiven arbeitet. Landschaftsfotografen kommen um eine Grundausstattung an verschiedenen Grau- und Grauverlaufsfiltern kaum herum. Doch nicht jeder möchte und muss möchte seine Kameraausrüstung um mehrere Hundert Euro um teure Filter erweitern. Einen Filter kann ich jedoch nur wärmstens Empfehlen: Den Polarisaitonsfilter, kurz Polfilter.

Polarisationsfilter

Der Polarisationsfilter besteht aus zwei übereinander liegenden Gläsern, die getönt erscheinen. Durch drehen am Rand des Filters kann man die beiden Gläser zueinander verdrehen.

Polarisationsfilter bestehen aus zwei Gläsern die übereinander liegen und spezielle Eigenschaften haben. Wird einer der Beiden gedreht, so dass er in einem anderen Winkel über dem Anderen zu liegen kommt, verändert sich die Durchlässigkeit von Lichtwellen und man kann aus glatten Oberflächen Spiegelungen entfernen. Als Beispiel habe ich einen klaren UV-Filter herangezogen, zwei Würfel dahinter platziert und eine Gummiente daneben gestellt. Ohne Korrektur mit einem Polarisationsfilter ist das Glas etwas milchig und die Ente spiegelt sich.

Spiegelung

Zwei Würfel durch einen UV-Filter (klares Glas) fotografiert. Die Ente spiegelt sich im Glas.

Für eine zweite Abbildung habe ich so lange am Polarisationsfilter gedreht, bis die Spiegelung verschwunden ist und das Glas völlig klar wurde.

Entspiegelt

Durch Drehen am Polarisations­filter lässt sich die Spiegelung ­entfernen und das Glas wird klarer.

Meist brauche ich diesen Filter, wenn ich Leute im Fond eines Wagens durch die Windschutzscheibe fotografieren will. So wäre die Fahrerin in der Abbildung mit dem Roadster weiter oben ohne Polarisationsfilter nur schemen­haft hinter einem kräftigen Lichtreflex zu erkennen. Außerdem lassen sich mit ihm auch Spiegelungen und Lichtreflexe auf lackierten Oberflächen ausblenden.

Darüber hinaus hat der Polarisationsfilter auch eine deutliche Auswirkung auf blauen Himmel bei strahlendem Wetter. Man kann mit ihm das Blau noch tiefer und satter machen. Allerdings nimmt er auch viel Licht weg und derselbe Effekt lässt sich durch Nachbearbeitung am Computer ebenso erzeugen (im Gegensatz zu Spiegelungen und Reflexe auf Glas und glatten Oberflächen: wann man diese nicht mit einem Polfilter wegfiltert, dann hat man in der Bildbearbeitung kaum eine Chance sie weg zu bekommen).

Die Reduzierung der Lichtstärke durch den Polarisationsfilter schließt wieder den Kreis zum Graufilter. Zwar nimmt ein Polarisationsfilter nicht so viel Licht weg wie ein Graufilter, aber längere Belichtungszeiten lassen sich mit ihm auch erreichen. Deshalb ist es mit ihm durchaus möglich Belichtungszeiten auch unter Tags soweit auszudehnen, dass die Bewegungen von Gewässern verschwimmen können, wie in der Abbildung des Bachs weiter oben. Zumindest wenn das Tageslicht nicht zu kräftig ausfällt.

UV-Filter | Da wir gerade beim Thema sind: Oft wird empfohlen seine Objektive mit einem klaren UV-Filter gegen mechanische Einwirkungen zu schützen. Aber wenn man Geld für gute Objektive mit gutem Glas ausgibt, dann sollte deren Leistung nicht mit einer Fensterscheibe vorne drauf untergraben. Wenn man schon glaubt seine Linsen unbedingt mit einem UV-Filter schützen zu müssen, sollte man wenigstens den Besten nehmen, den man bekommen kann. Doch wie auch bei andere Filter, sind auch für UV-Filter schnell einmal hundert Euro oder sogar noch mehr fällig.

Deutlich besser geschützt sind Objektive in der Regel durch die Streulichtblende. Diese verhindern nicht nur unerwünschte Lichtreflexe und Geisterbilder in den Linsen und somit im Bild, sondern schützen die Frontlinse im Zweifelsfall besser als jede UV-Linse. Für die wichtigsten Objektive habe ich dennoch UV-Filter in meiner Fototasche. Ich setze sie allerdings nur auf, wenn es besonders widrige Bedingungen gibt. Zum Beispiel wenn ich an einem windigen Tag in sandiger Umgebung unterwegs bin. Bläst der Wind stark, dann spürt man oft sogar die Sandkörnchen unangenehm im Gesicht und auf der Haut. Diese Form der Sandstrahlung will ich teuren Linsen nicht zumuten und Streulicht­blenden helfen da nur wenig. Also kommt in diesen Situationen der UV-Filter zum Einsatz.

Fliessendwasser

Es muss nicht immer eine Spiegelreflexkamera sein. Dieses Bild habe ich mit der Kompaktkamera Canon Powershot S95 und Stativ aufgenommen. Die Lage des Bachs im Wald und die hereinbrechende Dämmerung haben geholfen. Unter Tageslichtbedingungen wären ausreichend kurze Belichtungen nicht möglich gewesen. Für Kompaktkameras gibt es kaum Grau- oder Polfilter und während man bei SLRs je nach Objektiv die Blende bis auf ƒ22, ƒ32 oder sogar noch weiter schließen kann um längere Belichtungszeiten zu erzwingen, ist der Spielraum bei Kompakten in der Regel bedeutend geringer. So beträgt zum Beispiel die maximale Abblendung bei der S95 ƒ8.0!

Programmautomatiken tendieren zum Einfrieren

So lange Sie sich auf die Belichtungsautomatik einer Kamera verlassen, wird diese versuchen möglichst scharfe und unverwackelte Bilder zu belichten. Kameras kennen keine ­kreativen Ideen zur Bildgestaltung. Sie haben vor Allem ein Ziel: Bilder aufzunehmen, die vom Standpunkt der technischen Umsetzung als optimal gelungen betrachtet werden können.

Während der kreative Fotograf zuerst die Brennweite für die perspektivische Wirkung wählt, dann mit der Blende die Schärfentiefe bestimmt und anschließend Korrekturen für eine optimale Belichtung vornimmt, steuert die Kamera über die Blende die Belichtung, wobei die Programme die Brennweite mit berücksichtigen (längere Brennweite = kürzere Belichtunszeit).

Schärfentiefe ist in diesem Zusammenhang mit der Programmautomatik für die Belichtung tendenziell ein Zufallsprodukt oder zumindest keine bewusste kreative Entscheidung. Da die Automatik also in der Regel kurze Zeiten bevorzugt, wird das auch meist zum Einfrieren von Bewegungen führen. Möchte man kreativ mit Einfrieren und Bewegungsunschärfen umgehen, kommt um die Arbeit mit manuellen Einstellungen gar nicht herum.

Titel

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
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Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 35,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

2.4. Blende

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Die Blende befindet sich im Objektiv und funktioniert wie ein Ventil, das sich öffnen und schließen lässt. Sie dosiert die Lichtmenge, die zum Objektiv durch­dringen kann. In der Regel besteht sie aus Lamellen, die sich in die Objektivöffnung hinein schieben und damit die Öffnung vergrößern und verkleinern können. Ist die Blende offen, verhält sie sich wie ein geöffnetes Ventil an einem Wasserhahn – es fließt viel Wasser durch und füllt ein Wasserglas rasch. Die offene Blende führt zu einer kurzen Belichtungszeit.

Offene Blende Die offene Blende lässt viel Licht zum Sensor durch.
Wasserventil offen Wird das Ventil an einer Wasserleitung weit geöffnet, füllt sich das Glas sehr viel schneller. Ebenso verkürzt sich die Belichtungszeit bei offener Blende.

Wird die Blende vergrößert und damit die Blendenöffnung reduziert (Abbildung 3.22) – man spricht vom Abblenden –, lässt sich das mit einem Wasserhahn vergleichen, bei dem man das Ventil schließt – es fließt nur mehr wenig Wasser durch die Leitung und dauert länger das Glas zu füllen (Abbildung 3.22). Ebenso dauert es in der Fotografie länger bis ausreichend belichtet worden ist.

Geschlossene Blende Bei geschlossener Blende findet weniger Licht den Weg durch das Objektiv.
Wasserventil geschlossen So wie ein nur leicht geöffnete Wasserleitung ein Wasserglas nur langsam füllt, führt das schließen der Blende zu längerer Belichtungszeit.

Blende und Belichtungszeit

Die Metapher mit Wasserleitung und Wasserglas wird gerne verwendet um die Funktionsweise der Blende zu veranschaulichen. Ich halte sie als Einstieg in das Thema für geeignet. Allerdings hat sie einen Schönheitsfehler: Bei einer Wasserleitung kann ich davon ausgehen, dass der Wasserdruck konstant ist. Möchte ich ein Glas schnell füllen, dann drehe ich das Ventil weit auf, möchte ich mir Zeit beim Einschenken lassen (weshalb auch immer), dann drehe ich das Ventil nur ein Bisschen auf. Im Grunde ist es völlig egal ob wir ein Glas Wasser schnell oder langsam füllen.

Die entscheidenden Unterschiede zwischen der Wasserglas-Metapher und Fotografie:

  1. Der Sensor (das Wasserglas) muss bis zu einer ganz bestimmten Marke belichtet (gefüllt) werden. Fülle ich über die Marke, erhalte ich eine Überbelichtung, fülle ich unter die Marke ist eine Unterbelichtung das Resultat.
  2. Ich muss in der Regel den Sensor (das Glas) möglichst rasch füllen. Längere Belichtungszeiten kann man ohne Stativ nicht halten und ganz lange Belichtungszeiten können das Bild­rauschen erhöhen.
  3. Während bei der Wasserleitung das Wasser konstant in derselben Menge hinter dem Ventil wartet, muss ich mit der Blende das Umgebungslicht kompensieren. Am helllichten Tag muss ich die Blende schließen, damit ich nicht in Sekundenbruchteilen eine Überbelichtung erhalte. In der Dämmerung muss ich die Blende öffnen, damit sich trotz der schwachen Lichtverhältnisse aus­reichend Licht für die korrekte Belichtung sammeln kann.

Generell wird die Blende demnach so eingesetzt: Gibt es starkes Umgebungslicht – zum Beispiel an einem sonnigen Tag – wird das Blendenventil geschlossen. Ist das Umgebungslicht schwach – zum Beispiel im Wald, in einem Raum oder in der Dämmerung – dann wird das Blendenventil geöffnet.

Ich habe die gängige Metapher einmal so abgewandelt, dass sie der Realität der praktischen Fotografie näher kommt. Dabei habe ich die Wasserleitung durch Regen ersetzt und das Ventil durch verschieden große Trichter.

Regnet es heftig, brauch ich einen kleinen Trichter (eine geringe Blendenöffnung), damit das Wasserglas nicht sofort übergeht (damit das Bild nicht überbelichtet ausfällt). Bei leichtem Regen hingegen (also wenn es dämmert oder sonst wenig Licht vorhanden ist) dann nimmt man einen größeren Trichter um das Glas ausreichend schnell voll zu bekommen.

Viel Umgebungslicht Bei kräftigem Regen genügt ein kleiner Trichter um ein Glas in ­Kürze zu füllen. Ebenso führt bei viel Umgebungslicht schon eine kleine Blendenöffnung zu ­einer ­optimalen Belichtungszeit.

Blende gross

Wenig Umgebungslicht Bei schwachem Regen braucht man einen großen Trichter um ­das Glas rasch zu füllen. Genauso muss bei schwachem Umgebungslicht für eine optimale Belichtung die Blende geöffnet werden.

Blende klein

Die Bedeutung der Blende für die Belichtung liegt in der Regel weniger darin, mal für eine kürzere, mal für eine längere Belichtungszeit zu sorgen. Vielmehr geht es darum auf das vorhandene Umgebungslicht reagieren zu können um die kürzest mögliche Zeit für eine optimale Belichtung zu erreichen.

Durch Öffnen und Schließen der Blende kann der ­Fotograf auf die Menge des Umgebungslichts reagieren.

Und weshalb lässt man die Blende dann nicht immer möglichst weit offen? Bei offener Blende haben wir ja immer die kürzest mögliche Belichtungszeit.

Vor allem weil die Blende großen Einfluss auf die Schärfentiefe hat und somit vor Allem auch Mittel zur kreativen Steuerung der Schärfentiefe ist.

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