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Affinity Photo iPad: Schwarzweiß

Hier zeige ich wie sich ein Bild in Affinity Photo am iPad schwarzweiß entwickeln lässt und was man an Filtern darüber legen kann, um es analoger erscheinen zu lassen.

Filter-Klassiker für lau

Die legendären Nik-Filter sind jetzt noch günstiger – nämlich gratis!

Die Nik-Filter-Collection ist eine Sammlung an Plugins für Photoshop, Photoshop Elements und Lightroom, unter anderem um Bilder Schwarzweiß, mit Farbeffekten oder im analogen Look zu entwickeln. Besonders das Schwarzweiß-Entwicklungs-Tool »Silver Efex Pro« erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit bei Fotografen.

Ich selbst konnte mich nie so recht durchringen die Collection zu kaufen da ich für analoge Looks und Schwarzweiß Exposure von Alien Skin bevorzuge. Doch jetzt da die Software gratis ist habe ich sie mir nun doch geholt und freue mich damit zu arbeiten. Ich gehe zwar aus, dass Google die Software nur deshalb verschenkt weil das Produkt nicht weiter unterstützt wird. Aber einige Jahre werden die Programme sicher noch laufen und bis dahin kann man den geschenkten Gaul ja nutzen.

Fujifilm X-T1 Praxis-Check – 2. Teil

Bereits im 1. Teil meines Erfahrungsberichts über die X-T1 habe ich beschrieben, dass ich ihrem Bedienkonzept skeptisch gegenüber stehe. Am Ende des 1. Teils schloss ich aber doch mit dem Fazit, dass fotografieren mit der X-T1 Spaß macht.

Digital- ist keine Analogfotografie

Ab den 1980er Jahren ersetzte in Fotoapparaten zunehmend Elektronik mechanische Funktionen. Ich habe zwar noch in den 70ern gelegentlich mit mechanischen Apparaten meines Vaters fotografiert – genau genommen habe ich scharfgestellt und abgedrückt, um die Belichtungseinstellungen kümmerte sich Papa – doch meine fotografische Entwicklung fand mit Kameras statt die bereits überwiegend elektronisch gesteuert wurden.

Abgesehen davon, dass die Empfindlichkeit damals nicht durch ein Einstellrad sondern das Wechseln des Filmes geändert wurde, unterschieden sich meine eigenen analogen Apparate nicht großartig von der Art wie Digitalkameras heute bedient werden.

Ich habe mich daran gewöhnt mit zwei Einstellrädern, die ich mit Daumen und Zeigefinder der rechten Hand bediene, Blende, Zeit, ISO, Belichtungskorrektur und mehr zu steuern, während die linke bei Bedarf das Einstellen des Zooms und der Fokussierung übernimmt. Überwacht werden die Auswirkungen der Einstellungen mit einem Blick in den Sucher oder auf das Display. Auf Einstellräder aufgedruckte Skalen haben für mich keinen praktischen Wert.

Damit wiederhole ich, was ich bereits im 1. Teil angemerkt habe. Sympathisch war mir die X-T1 trotz des Kritikpunkts. Sie weist eine tolle Haptik auf, ist kaum größer als meine OM-Ds, liegt gut in Händen und vermittelt dieselbe Leichtigkeit des Fotografierens die ich auch an den OM-Ds liebe.

Feine Linsen

Das 18–55mm-Kitobjektiv fühlt sich gut an, das Einstellen der Blende am Objektiv macht Spaß, Fokus- und Zoomring laufen sauber und weich, wobei die Gelegenheiten bei denen man versehentlich am falschen Ring dreht bei drei Ringen größer ist als mit zwei, vor allem wenn man nicht nur mit einem Objektiv arbeitet sondern mit verschiedenen und bei jedem Modell eine andere Anordnung der Ringe gewählt wird.

Dass es Fuji es ernst meint und eine anspruchsvolle und professionelle Zielgruppe im Visier hat zeigt sich am feinen Objektivangebot. Allerdings hat das die Kehrseite, dass billige Schnäppchen wie das 35mm ƒ1.8 und 50mm ƒ1.8 bei Nikon oder das 45mm ƒ1.8 bei MFT kaum existieren – ein Grund weshalb ich Einsteigern nicht unbedingt empfehle sich bei Fuji umzusehen.

Dafür ist aber eben das, was es an Glas gibt lichtstark und wie man hört und liest vom Feinsten und wer Ansprüche stellt sollte sie bei Fuji erfüllt finden. Das 18–55mm ƒ2.8–4 macht mir auf jeden Fall einen guten Eindruck, liefert scharfe Details und ein schönes Bokeh.

Eine coole Kappe

Fuji kann offensichtlich auch praktische Objektivdeckel gestalten. Die Kappe des Kitobjektivs hat die Riegel innen (vorne) und sie sind ausgesprochen ausgeprägt – der Deckel lässt sich gut abnehmen und aufsetzen.

Objektivdeckel bei Olympus sind eher das Gegenteil von praktisch. Deren Entriegelung befindet sich meist seitlich und wer sie wie ich auch bei montierter Streulichtblende aufsetzen möchte darf sich anschließend ärgern wenn er die Kappe wieder von der Linse klezeln will.

Zwar hat das M.Zuiko 12–40mm ƒ2.8 auch eine Kappe die innen entriegelt wird, doch die ist mittlerweile berüchtigt sich nach einiger Zeit in ihre Bestandteile aufzulösen (was ich allerdings nachhaltig mit Superkleber repariert habe).

Lupe und Wasserwaage

Besonders gut gefiel mir die Wasserwaage, die eine schlichte Linie ist die sich in der Mitte über den ganzen Bildausschnitt erstreckt. Einfach ist oft am besten. Nachteilig ist allerdings, dass sie nur seitliche Neigung anzeigt.

Noch viel besser gefiel mir die Lupe fürs manuelle Fokussieren. Eine solche Vergrößerung des Bereichs auf den man scharfstellen möchte brachte mir mit der OM-D E-M5 das manuelle Fokussieren zum ersten Mal wieder näher, seit ich keine Kamera mehr mit Schnittbildindikator im Sucher habe.

Bei der X-T1 finde ich diese Lupe allerdings noch praktischer gelöst als bei anderen Kameras – die Vergrößerung lässt sich als separaten Ausschnitt neben dem Gesamtbildausschnitt anzeigen. Anders als bei Lösungen, bei denen einfach nur der vergrößerte Ausschnitt zu sehen ist oder der vergrößerte Ausschnitt über dem Gesamtausschnitt liegt, kann mit Fujis Lösung gleichzeitig die Detailschärfe in der Vergrößerung und die Bildkomposition im Gesamtausschnitt beurteilt werden. Falls ihr euch nicht vorstellen könnt wie das aussieht – im folgenden Review von Digitalreview ist es zu sehen.

Fokussierung braucht Zeit

Soweit ich mitbekommen habe ist ein etwas langsamer Autofokus ein bekanntes Problem von Fuji – das war mir bekannt. Dass der Unterschied zu dem was ich von Olympus und Panasonic gewohnt bin jedoch dermaßen eklatant ist hat mich überrascht.

Fotografiert man unter Tageslicht beziehungsweise in hellen Räumen statische Motive bemerkt man zwar keinen Unterschied zu anderen Systemen, doch meine ersten Aufnahmen machte ich von einem Kleinkind in einem nicht ganz hellen Raum. Ich sollte vielleicht »versuchte ich zu machen« schreiben, denn  so lange das Kind in Bewegung war gelang mir kein einziger Treffer. Mit meinen MFTs geschweige denn mit einer Nikon hätte ich in derselben Situation nicht die kleinste Verzögerung der Fokussierung erwartet.

KO durch umständliche Anwendung

Effiziente und intuitive Bedienung ist immer auch eine subjektive Empfindung. Ich hörte schon häufig von einer schlechten Menüführung bei Nikon, Olympus steht sogar besonders im Ruf undurchschaubare Menüs zu gestalten. Ich kann mich allerdings nicht erinnern Schwierigkeiten gehabt zu haben mich an die Benutzerführung bei Nikon zu gewöhnen und ich hatte auch keine Probleme mich bei meiner ersten Olympus zurecht zu finden.

Ich will nicht behaupten, dass ich mit der Menüführung bei der X-T1 Schwierigkeiten hatte oder, dass ich etwas nicht fand wonach ich suchte, trotzdem empfand ich die Bedienung als umständlich. Möchte man beispielsweise Einstellungen über das Quickmenü verändern muss die Funktion via Vier-Wege-Wippe ausgewählt und dann über das weiter oben befindliche Einstellrad verändert werden. Bei meinen OM-Ds kann ich die Funktion mit dem hinteren Einstellrad anspringen und die Änderung dann mit dem vorderen vornehmen – das empfinde ich als deutlich flüssiger und effizienter.

Was mir den Spaß am Fotografieren mit der X-T1 aber letztendlich tatsächlich verleidete war das was ich Anfangs kritisierte: Die umständliche Steuerung über fünf bis sechs Einstellräder.

Umständliche Belichtungseinstellungen

Habe ich die Kamera vor Augen, den Blick im Sucher und möchte Parameter wie die Belichtungszeit oder Empfindlichkeit ändern, dann muss ich einen Knopf auf einem Einstellrad – Empfindlichkeit links, Zeit rechts – gedrückt halten und das Rad drehen. Das geht mit der Kamera vor den Augen nur mit Verrenkungen. So kann und will ich nicht arbeiten! Ich sehe einfach keinen Nutzen im Bedienkonzept der Kamera sondern nur Nachteile.

Umständliche Einstellung des Belichtungsmodus

Ein zweites Beispiel wo das Bedienkonzept aus der Mitte des letzten Jahrhunderts die Benutzung verkompliziert; Mit wenigen Ausnahmen haben heute alle Kameras ein Einstellrad für den Belichtungsmodus über das sich Programm, Zeit- oder Blendenautomatik oder manuelle Belichtungseinstellung einstellen lässt.

Ich nutze praktisch ausschließlich manuelle Belichtungseinstellungen und Blendenvorwahl. Alle meine bisherigen Kameras ließen sich so konfigurieren, dass Wahl des Modus M Zeit, Blende und ISO manuell steuern kann und im Modus A (Blendenvorwahl) die Blende vorwähle, während Zeit und ISO automatisch eingestellt werden – auf P kann ich alles der Automatik überlassen.

Ein vergleichbares Umstellen von M auf P verlangt bei der X-T1, dass der Blendenring am Objektiv auf A gestellt wird (bzw. ein entsprechender Schalter), dass ISO auf A gestellt wird und dass Zeit auf A gestellt wird. 1:3 für für das Belichtungsmoduswahlrad gegen das Räderwerk der X-T1 – wobei bei diesem Match weniger mehr ist.

Wider Erwarten eine enttäuschende Bilanz

Trotz aller Sympathie für Fuji und die X-T1hat sich am Ende meines Praxis-Checks herausgestellt, dass wir beide nicht füreinander geschaffen sind. Weniger als zuvor verstehe ich, was viele Fotografen an der X-T1 so begeistert. Aber ich muss ja nicht alles verstehen. Verschiedene Fotografen haben nun einmal unterschiedliche Vorlieben und Anforderungen. Sieht man vom Autofokus ab gibt es qualitativ sicher wenig an Fujis X-Kameras zu beanstanden – der Rest ist halt Geschmacksache.

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Trotz aller Kritik der Bedienung und der Fokussierung: Die Ergebnisse wären durchaus zufriedenstellend.

Hinweis | Abschließend möchte ich mich noch einmal bei Foto Hebenstreit bedanken, dass er mir die Kamera für einige Tage zur Verfügung stellte.

Mein Eindruck der Fujifilm X-T1 – Teil 1

Obwohl mir meine Olympus OM-Ds ans Herz gewachsen sind verfolge ich mit Interesse was sich am Kameramarkt auch abseits von MFT tut. Meine besondere Aufmerksamkeit und Sympathie zieht dabei  Fujifilm auf sich, seit die X100 vorgestellt wurde.

Nachdem Fuji mit einigen Kameras im leicaesken Messsucherstil viel Begeisterung bei Fotografen die wie ich viel auf Achse sind ausgelöst hat, folgte mit der X-T1 ein Modell das eher den Stil klassischer Spiegelreflexkameras aufnimmt.

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Die Fujifilm X-T1 nimmt das Design klassischer Spiegelreflexkameras auf – vulgo »Retro-Design« –, hat also mehr Ecken und Kanten als das von Luigi Colani geprägte ergonomische Design das Spiegelreflexkameraformen seit den 1980er Jahren prägte.

Um den Apparat nicht nur aus der Ferne zu beurteilen bat ich meinen freundlichen Fachhändler mir ein Modell zur Verfügung zu stellen. Der Deal lautet: Ich bekomme Kameras zum Testen und rühre dafür ein bisschen die Werbetrommel, was ich hiermit auch gerne mache.

Freundlicher Fachhändler

Wenn ihr in Vorarlberg und Umgebung zuhause und auf der Suche nach einer Kamera seid schaut bei Foto Hebenstreit in Feldkirch rein. Vor allem wer noch nicht weiß welches Modell welcher Marke es werden soll findet in der Region wohl keine bessere Adresse in der Region – Canon, Nikon, Sony, Pentax, Olympus, Panasonic und Leica sind hier friedlich vereint.

Die Beratung ist stets freundlich und rasch auch freundschaftlich, man kann an der Ausrüstung herumspielen und ausprobieren, ohne, dass ein Verkäufer als Wachhund jeden Handgriff argwöhnisch beobachtet. Und wenn du dich beim ersten Besuch noch nicht für ein Modell entschieden hast kannst du den Laden verlassen ohne das Gefühl mit zu bekommen, dass du gerade verflucht wirst weil du vielleicht etwas Zeit mitgenommen aber keine Kohle dagelassen hast.

Alles subjektiv

Wer auf der Suche nach einem objektiven Bericht über die X-T1 ist wird in diesem Artikel kaum fündig werden. Ausführliche Angaben über Ausstattung und Funktionen von Kameras sowie objektive Messwerte aus Labortests finden sich bei digitalkamera.de, dpreview.com und dxomark.com (wobei sich dxomark offensichtlich nicht sehr engagiert wenn es um das Testen von Fujifilm-Ausrüstung geht). Ich möchte lediglich meinen subjektiven Eindruck beschreiben wie sich eine Kamera für mich und in meinen Händen anfühlt.

Eine Kamera ist mehr als die Summe ihrer Teile. Vergleicht man die Messergebnisse von Labortests verschiedener Kameramodelle derselben Preisklassen mögen die Unterschiede am Datenblatt oft eklatant aussehen, in wiefern sie aber praktisch relevant sind steht auf einem anderen Blatt.

Viel wichtiger als objektive Zahlen ist wie sich eine Kamera subjektiv anfühlt – ob sie zu mir, meiner Arbeitsweise und meinen Motiven kompatibel ist, ob ich sie intuitiv bedienen kann und ob der Look and Feel meinem Geschmack entgegen kommt.

Design-Betrachtungen

Look and Feel der X-T1 kommen meinem Geschmack durchaus entgegen, auch wenn ich finde, dass die OM-Ds noch ein Stück besser gelungen sind. Das Seitenverhältnis Breite zu Höhe wirkt bei der X-T1 etwas plumper und sie wirkt pummeliger als die E-M5 – um es im Fotografen-Jargon auszudrücken: die Proportionen der OM-D sind näher am Goldenen Schnitt beziehungsweise der Drittelregel.

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Die X-T1 wirkt im Vergleich mit der OM-D E-M5 etwas plumper.

Allerdings hat die größere Höhe der X-T1 ergonomische Vorteile: Während mein kleiner Finger bei der OM-D E-M1 ins leere greift und ich einen Hochformatgriff brauche damit sie mir sicheren Halt vermittelt, ist das bei der X-T1 nicht der Fall.

Den vom SLR-Pentaprisma abgeleiteten Aufbau empfinde ich bei der X-T1 etwas zu wuchtig – bei der OM-D wirken die Proportionen auch diesbezüglich stimmiger und die ausgeprägtere Neigung der Seiten lässt ihn bei ihr stromlinienförmiger erscheinen.

Der Wulst zum Halten der Kamera ist keine Augenweide, macht ergonomisch aber Sinn. Dieser ist bei der OM-D E-M5 Mark II besonders zurückhaltend und elegant gestaltet, so dass er sich dort perfekt ins Design einfügt, nur bietet er deutlich weniger Halt als der Griff der X-T1. Den Preis eines etwas aufgesetzt wirkenden und nicht unbedingt attraktiven Handgriffs bezahlt man allerdings auch bei der OM-D E-M1 für die bessere Ergonomie.

Überraschend war für mich, dass die X-T1 neben die E-M5 gelegt nicht wirklich nennenswert größer wirkt. Inklusive des oben abgebildeten 12–40mm ist die E-M5 sogar etwas voluminöser und schwerer als die X-T1 mit dem 18–55mm Standardzoom.

Klassisches SLR-Design

Ebenso wie die OM-Ds nimmt sich das Design der X-T1 klassische Spiegelreflexkameras zum Vorbild – man bezeichnet das heute als Retro. Retro und Vintage haben sich in den letzten Jahren als fester Trend etabliert und wie bei allen Trends gibt es jene die unbedingt dabei sein müssen und jene die jede Mode verteufeln.

Wer Neuinterpretationen von Klassikern verurteilt hat wahrscheinlich von Designgeschichte wenig Ahnung. Bereits die Renaissance orientierte sich an der Kunst der Antike und der Klassizismus hat seinen Namen daher, dass die Architektur des alten Roms als Vorbild herangezogen wurde. Die »Arts and Crafts«-Bewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts orientierte sich an der Renaissance und die Popart der 1960er Jahre vermischte sich in den frühen 70ern aus der Hippie-Bewegung heraus mit einer Wiederbelebung des Jugendstils.

Retro und Vintage sind also nicht wirklich eine Erfindung des Marketings des 21. Jahrhunderts. Gut gemacht können moderne Interpretationen klassischer Vorbilder durchaus zu einer eigenständigen Design-Ikone werden – der Mini macht’s vor.

Anachronistisches Räderwerk

Wie gesagt: Das Design der X-T1 spricht mich durchaus an und zu ihrem Erscheinungsbild gehört auch das üppige Werk der Einstellungsrädchen. Funktional betrachtet schient mir das Bedienkonzept allerdings ein Bisschen anachronistisch und die Beschriftungen sind für mich reines Zierwerk.

Einstellräder mit Skalen und Werten zu versehen stammt aus einer Zeit als Kameras noch rein mechanische Wunderwerke waren. Damals gab es keine elektronischen Anzeigen und Displays die Einstellungen anzeigten – wären die Werte nicht aufgedruckt gewesen hätte sich eine Kamera kaum bedienen lassen.

Heute kann ich auf analoge Beschriftungen durchaus verzichten, denn was ich über irgendwelche Rädchen einstelle sehe ich im elektronischen Sucher oder am Display angezeigt. Oft interessieren mich aber Histogramme und Überbelichtungswarnungen bedeutend mehr als ob die Verschlusszeit nun auf 1/250 s oder 1/1000 s steht.

Rädchen die keine Skalen aufgedruckt haben haben gegenüber bedruckten einen Vorteil: Man kann sie individuell mit Funktionen versehen. Bei Olympus ist beispielsweise üblich, dass nach Werkseinstellung am vorderen Einstellrad die Verschlusszeit liegt und am hinteren die Blende. Ich bevorzuge es genau umgekehrt.

Natürlich spricht wohl nichts dagegen trotz Beschriftung die Belegung zu verändern – seltsam empfände ich das aber schon.

Mein Arbeitsweise sieht in der Regel so aus, dass ich mit einem Einstellrad die Blende steuere, mit dem anderen die Verschlusszeit (in M) oder Belichtungskorrektur (in A) und bei Bedarf eine Zusatztaste drücke um die Empfindlichkeit zu beeinflussen – diesbezüglich gibt es keinen Unterschied zwischen meinen früheren Nikon- und den aktuellen Olympus-Modellen. Die X-T1 verlangt eine andere Arbeitsweise.

Interessant wird es wenn ich beginne Rädchen zu zählen. Bei Nikon und Olympus komme ich mit drei Einstellrädern zurecht: Ein Einstellrad für den Belichtungsmodus (also ob P, A, S oder M) und zwei Einstellräder um die wichtigsten Belichtungsparameter einzustellen.

Bei der X-T1 zähle ich sechs: Ein Rad für die Blende am Objektiv, ein Rad für die Empfindlichkeit, ein Rad für die Belichtungskorrektur, ein Rad für die Verschlusszeit, ein vorderes Einstellrad (das für die Drittelschritte bei der Verschlusszeit benötigt wird, die sich auf dem Verschlusszeit-Einstellrad offensichtlich nicht ausgegangen sind) und ein hinteres Einstellrad (dessen Sinn sich mir im Moment nur bedingt erschließt – es ist offensichtlich dazu gedacht im Quick-Menü Einstellungen vorzunehmen).

Die Bedienung dieses komplexen Rädchenwerks scheint mir nicht besonders effizient zu sein, vor allem, dass ich um Drittelzeitwerte zu ändern zwei Räder bedienen muss befremdet mich ein Bisschen.

Generell sind die Einstellräder eher von der schwergängigen Sorte. Da schon das absichtliche Einstellen (zum Beispiel der Belichtungskorrektur) durchaus Kraftaufwand erfordert, würde ich ein versehentliches eher ausschließen. Trotzdem sind Zeit und Empfindlichkeit zusätzlich mit einer Taste geschützt, was eine flüssige Bedienung auch nicht unbedingt erleichtert. Und warum ist überhaupt nur Zeit und Empfindlichkeit durch eine Taste geschützt, Belichtungskorrektur aber nicht?

Leichtgängig ist übrigens der Ring für die Blende am Objektiv – gegen ein versehentliches Verstellen ist der aber wiederum nicht geschützt.

Während ich bei Olympus und Nikon die Steuerung der Einstellungen im Wesentlichen mit einer Hand erledigen kann muss ich bei der X-T1 die linke Hand zum Einstellen dazu nehmen. Zwar ist es auch bei den Nikons üblich, dass für ISO eine Taste zur linken Hand gedrückt werden muss, die liegt aber in der Nähe des Daumens links und nicht oberhalb. Erschwert wird die Änderung des Werts eben zusätzlich dadurch, dass man nicht nur drehen sondern auch einen Knopf zur Entriegelung drücken muss.

Anders und doch lustig

Das klingt jetzt alles nicht unbedingt nach Begeisterung für die X-T1, doch es spiegelt meine generelle Skepsis an einem Bedienkonzept, das sich an mechanischen Analogkameras orientiert. Eine Digitalkamera ist keine Analogkamera, bietet andere Möglichkeiten – immerhin bedeutet analog das Ändern der Empfindlichkeit einen Filmwechsel – und lässt sich anders bedienen. Ich teile nicht die Ansicht, dass früher alles besser war.

Andererseits gibt es doch genügend Fotografen die diesbezüglich anders ticken als ich, von denen nicht wenige sehr viel erfahrenere Fotografen sind als ich. Ob man Kameras mit diesem ans Analoge angelehnten Bedienkoknzept bevorzugt oder wie ich jenes das in den letzten Jahren an Systemkameras dominierte ist somit am Ende auch Geschmacksache. Auch hier gilt, dass das eine nicht generell besser sein muss als das andere – es ist nur anders. Und ich finde halt Vielfalt immer besser als Einfalt. So kann jeder finden was er sucht.

Trotz meiner Vorbehalte in Sachen Bedieneffizienz ist die X-T1 eine Kamera die Spaß macht – vielleicht auch deshalb weil sie den Fotofluss etwas hemmt und somit möglicherweise ein bewussteres Fotografieren fördert. Über die Erfahrungen mit der Kamera im praktischen Einsatz werde ich in den nächsten Tagen noch berichten: Link.