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Markus Wäger Posts

Adobe ACE Photoshop

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Nachdem ich mich im Frühjahr von Adobe als Experte für InDesign zertifizieren ließ, habe ich mir vorgenommen noch vor Ablauf des Jahres die Prüfung zum ›ACE Photoshop CS2‹ abzulegen. Nachdem die InDesign-Prüfung härter ausgefallen ist als ich erwartet hatte — ich dachte es würde ein Spaziergang für mich alten InDesign-Fuchs — habe ich im Sommer begonnen mich vorzubereiten, indem ich Bücher und Schulungs-DVDs durchgeackert habe und im Programm Ecken erkundete in die ich mich im Arbeitsalltag nicht verirre.

Heute war dann der Tag der Prüfung: zwei Stunden Zeit, 70 Fragen, 74% Mindestanforderung um die Prüfung zu bestehen. Trotz meiner intensiven Vorbereitung hatte ich schwer zu beissen. Auch hier waren die meisten Fragen weit weg von dem womit der brave Grafikdesigner tagein, tagaus handwerkt.

Am Ende habe ich in einer knappen Stunde 82% der Aufgaben gelöst. Wow!

Ja, ich weiss: jetzt sitze ich hier und klopfe mir selbst auf die Schultern und trompete meinen Erfolg ins Internet hinaus. Aber um ehrlich zu sein: ich freu mich wie ein kleines Kind. Gerade weil die Prüfung so schwer war.

🙂

Und nächstes Jahr werde ich meinen ganzen Mut zusammen nehmen und Acrobat prüfen lassen.

Die Summe der Teile

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Der Artikel ›Detail is everything‹ von HD Schellnack hat mich veranlasst einmal mehr über Design nachzudenken.

Tatsächlich ist der gute Designer ein Mensch der sich sehr intensiv mit Details auseinandersetzt. Für den Nicht-Designer mag dies oft schwer nachvollziehbar sein; eine Tatsache die dem leidenschaftlichen Gestalter die Arbeit oft erschwert (ein Gestalter ohne Leidenschaft wird nie ein guter sein, wie auch ein Musiker ohne Herz kaum Mittelklasse erreichen wird). Besonders wenn sein Auftraggeber den Aufwand zur Bearbeitung der Details nicht sieht, oder ein Detail verändert haben möchte, welches dann die Harmonie des Großen und Ganzen stört steht der Designer vor einem Problem.

Ich vergleiche den Designer gerne mit dem Uhrmacher — und Design mit einem Uhrwerk. Jedes Zahnrad, das kleinste Detail, ist unverzichtbar für das Funktionieren der Uhr. Entfernt man nur einen einzigen Stift, zieht man nur eine Schraube zu fest oder passt nur das winzigste Rädchen nicht korrekt ein, ist das Uhrwerk im Eimer. Man kann nicht an einem Rad drehen ohne das Ganze zu verändern (ich bin kein Uhren-Freak, aber wenn Sie einmal in die Nähe von Schaffhausen kommen, empfehle ich Ihnen einen Einblick in die Uhrenmanufaktur von IWC; sehr beeindruckend!)

Im Grunde genommen ist es absurd zu glauben, man könne ästhetische Gestaltung schaffen ohne dabei die Details zu berücksichtigen, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass dies für den Laien pedantisch erscheinen mag (so wie ich, Laie, nicht verstehen konnte weshalb eine mechanische Uhr 3.000, 5.000 oder 10.000 Euro kosten kann, bevor ich Einsicht bei IWC hatte).

Ein weiteres Bild möchte ich Ihnen beschreiben um die Bedeutung der Details im Design zu illustrieren:

Von einer leichten Anhöhe blicken wir auf eine Landschaft, eine wunderschöne; Wälder, Wiesen, ein paar Siedlungen mit ursprünglichem Charme — quasi das perfekte romantische Gemälde, sogar Wolken- und Lichtstimmung könnten nicht besser sein. Nur rechts unten im Tal — auch ein altes Bauernhaus. Daran pickt eine große Satellitenschüssel und gleich daneben ein Sendemast für Mobilnetze. Eine Schande! Nun ja. Wir werden es später in Photoshop aus dem Bild retuschieren.

Das Ganze ist immer die Summe seiner Teile. Stehen die Teile in Harmonie zueinander, dann ist es sogar bedeutend mehr als das.

Untersuchung zur Nutzung von legal erworbenen Schriften

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Ich weiss, dass sicher vielen meiner Leser das Thema leidlich egal sein wird. Da es mir aber nicht egal ist, möchte ich wieder einmal einen Hinweis in diese Richtung geben.

Jürgen Siebert hat in seinem Fontblog eine Untersuchung veröffentlicht, wieviele Nutzer von Schriften wieviele ihrer Schriften lizensieren, also bezahlen, was sie nutzen.

Daraus ist eine lebhafte Diskussion entstanden, die natürlich leider wieder einmal nur von Fachleuten geführt wird.

Ich lade alle die mit Gestaltung und Schrift zu tun haben ein, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, die Diskussion zu verfolgen und sich eine Meinung dazu zu bilden. Ich persönlich glaube ja, dass Schriften nur darum von vielen Nutzern nicht lizensiert werden, weil sie sich mit der Thematik niemals auseinander gesetzt haben und das Dasein und Entstehen von Schriften als Selbstverständlichkeit erachten.

Link: Fontblog

Bitte etwas mehr Durchschuss!

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Über Usabillity, oder zu Deutsch: Benutzerfreundlichkeit, werden viele Worte verloren. Unter Webdesignern und -experten ist es ein besonderes heiß diskutiertes und vehement gefordertes Thema. Aber eines scheint offensichtlich vielen Benutzerfreundlichkeitsexperten zu entgehen, was der Typograf seit Jahrhunderten lernt und weiss: Je länger die Zeile, desto höher der Durchschuss!

Webdesign wird heute, professionell ausgeführt, sehr oft fließend angelegt. Das heisst, dass die Satzbreite (die Länge der Zeilen) sich an die Breite der Browserfenster anpasst. Daraus ergibt sich zwar bei den heute üblichen, breiten Bildschirmen ein Problem ein weiters Problem mit der Lesefreundlichkeit, aber diesen Quark möchte ich im Moment hier nicht breit treten.

Wenn ich nun also sehr (oder eigentlich: zu) breite Zeilen vor Augen habe, dann brauche ich auch einen erhöhten Zeilenabstand (Zeilenabstand = Schriftgröße + Durchschuss). Mit den Standardeinstellungen für den Zeilenabstand kleben die Zeilen zu sehr aneinander, was beim das Auge dabei stört seine Weg in der Zeile zu finden und es erschwert nach dem Ende einer Zeile das Auffinden des Einstieges in die folgende Zeile. Jeder Typograf weiss das. Webdesigner scheinen dies meist nicht zu wissen. Und Benutzerführungsexperten scheinen die Texte der Websites die sie analysieren nicht zu lesen.

Warum Schriften Geld kosten

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Eine Diskussion die vor zwei Wochen bei typografie.info (wieder einmal) lief veranlasst mich zu einem kurzen Artikel zum Thema.

Eine Schrift zu entwickeln ist viel Arbeit. Ich selbst habe schon ein paar Hundert Stunden darauf verwendet Welche zu entwerfen (die beste Übung zur Schulung formalen Empfindens die ich kenne), kann mich deshalb aber noch lange nicht als Schriftdesigner bezeichnen. So wie ich als Designer am Bild interessiert bin und deshalb fotografiere, interessiert mich Schrift als Gestaltungsmedium und deshalb versuche ich mich auch hin und wieder eigenen Schriften zu gestalten; in beidem bleibe ich aber interessierter Laie.

Wir können davon ausgehen, dass eine einfache, professionell gestaltete Schrift mit den wichtigsten vier Schnitten dem Gestalter ein paar Hundert Stunden Arbeit gekostet hat. Nun ist es nur legitim, dass wir, wenn wir jemandes Leistung in Anspruch nehmen, dafür auch etwas bezahlen. 100 Euro für eine preiswerte Kleinfamilie mag nach viel Moos für eine Hand voll Buchstaben klingen, aber die wenigsten Schriften werden so erfolgreich, dass sie dem Gestalter der Typen einen einigermaßen angemessenen Gewinn bescheren. Der überwiegende Teil der Schriften wird in erster Linie mit viel Idealismus und Leidenschaft geschaffen, ebenso wie nur ein Bruchteil all der Bands die sich in den Kellern ihre Finger wund spielen tatsächlich einmal zu Erfolg in Barem kommen.

Jene Schriften nun die man geschenkt im Internet oder fast geschenkt auf dubiosen CDs im Supermarkt erhält, sind entweder minderwertig oder bestenfalls halblegale Kopien der Werke anderer. Es liegt an jedem selbst zu entscheiden ob er damit arbeiten mag, auch wenn kein Richter ist wo der Kläger fehlt. Nun kann man natürlich fragen wozu man denn ein Angebot von tausenden Schriften braucht? weshalb Arial, Verdana und Times nicht ausreichend sind? Ebenso gut kann man selbstverständlich fragen weshalb wir immer wieder neue Lieder brauche, weshalb sich die Mode von Jahr zu Jahr ändern muss und wozu jemand noch ein Buch schreiben soll. Ich vergleiche den allerorts gesichteten Einheitsbrei aus den einfältigen Systemschriften immer gerne mit dem China Maos indem eine Milliarde Chinesen durch eine Einheitsuniform zur gesichtslosen Masse verschmelzen. Charakter oder Individualität kann nicht entstehen wenn alle das gleiche tun und nutzten.

Und die Investition in charakteristische Schriften kann sich durchaus auch bei kleinen Arbeiten rechnen. Eine charakteristische, dem Zeitgeist entsprechende Schrift ist ohne Weiteres in der Lage einem Layout Eigenständigkeit zu verleihen, dem Kunden ein begeistertes »Boa eh! Cool.« zu entlocken und dabei den Aufwand für die Entwicklung um ein, zwei oder drei Stunden zu verkürzen — mit tollen Bildern und starken Fonts wird die Gestaltung zum Kinderspiel.

Mehr über die Thematik finden Sie auch im Artikel ›Warum Schriften Geld kosten‹ bei typografie.info und in der Diskussion ›Schriftpiraterie …‹ am selben Server.

Quellen für Schriften — sogenannte Foundries — finden sich schon ein paar bei meinen Surftipps.

Richtig anführen

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Im Juli habe ich einmal darüber geschrieben wie richtige Anführungszeichen aussehen. Nun hat mich ein Kapitel in Bastian Sicks ›Der Dativ ist dem Genitv sein Tod — Folge 2‹ auf die Idee gebracht das Thema für meinen Weblog noch einmal aufzunehmen, diesmal aber nicht zu beschreiben wie sie gesetzt werden, sondern wann.

Ich möchte hier drei Beispiele von Sick zitieren die recht schön illustrieren wie Anführungszeichen falsch eingesetzt werden können.

1. An der Kasse eines Supermarktes: »Gerne packen wir Ihre ›gekauften Artikel‹ in unserer Geschenkabteilung ein« — ist es ein Hinweis darauf, dass Sie nicht erwarten dürfen, dass jene Artikel die Sie eben haben mitgehen lassen auch noch in Geschenkpapier gehüllt werden?

2. An Bord eines Flugzeugs: »Wir wünschen ihnen einen ›guten Flug‹« — bekommen Sie es da nicht mit der Angst zu tun? will uns die Fluglinie damit sagen, dass der Service eher bescheiden ist oder darauf hinweisen, dass Sie schon einmal anfangen sollten zu beten? Wenigstens erfolgt der Hinweis mit einer Prise Humor!

3. Am Flughafen: »Bitte lassen Sie Ihr ›Gepäck‹ nicht unbeaufsichtigt« — Sicks unverblümte Übersetzung des verunglückten Hinweis’: »Ihre schäbigen Koffer verdienen zwar kaum die Bezeichnung Gepäck, aber lassen Sie sie trotzdem nicht unbeaufsichtigt!«

Werden Anführungszeichen nicht für die Wörtliche Rede verwendet, dienen sie oft dazu Ironie zum Ausdruck zu bringen. Genau genommen gibt es vier Anwendungsmöglichkeiten für Anführungen: 1. wörtliche Rede; 2. Zitate; 3. Namen und Titel von Filmen, Liedern, Büchern, etc.; 4. eben: Ironie.

Da es sich bei den drei Beispielen oben ganz offensichtlich weder um eine wörtliche Rede, noch um ein Zitat noch um einen Namen oder Titel handelt ist der einzig gültige Schluss, dass damit Ironie zum Ausdruck gebracht werden soll.

In Wirklichkeit dürfen wir wohl davon ausgehen, dass eine Betonung erzielt werden sollte. Betonung ist jedoch eine Funktion die Anführungszeichen bis auf weiteres absolut nicht haben, dazu wären eher typografische Mittel angesagt, allen voran Fettschrift oder Unterstreichung, eventuell auch g e s p e r r t , farbig oder GROSSGESCHRIEBEN. Sick schlägt auch kursiv vor, wovon ich eher absehen würde, da auch Kursiven oft Ironie kennzeichnen.

Den lesenswerten Artikel auf den ich mich hier beziehe finden Sie in Bastian Sicks Buch und dieses in meinen Buchtipps.

Alles Verdana, oder was? Über Bildschirmschriften.

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Die Verdana ist ja nun wirklich eine phantastische Schrift. Bildschirmschrift. Auch im Ausdruck mach sie eine durchaus passable Figur. Aber heißt das denn, dass sie uns mit ihrer stämmigen, etwas ungehobelten aber umso stabileren Statur von jedem Plakat her angrinsen muss?

Im Internet uns Screendesign sind wir auf sie angewiesen. Da gibt es wenig Alternativen: M$ Trebuchet, Tahoma und Georgia. Die Arial haben wir ja hoffentlich bald überstanden (was nicht heißen soll, dass die Arial schlecht ist, aber gut eben auch nicht).

Die Tahoma ist die schlanke Schwester der Verdana. Offensichtlich sind etwas üppigere Typen eher gefragt als die schmalen. Deshalb lebt die Tahoma auch ein weitgehend ruhiges und zurückgezogenes Leben. Sie gibt aber selbst neidlos zu, dass ihre Schwester besser lesbar ist — vor allem in kleineren Schriftgraden.

Die Trebuchet ist so rundlich, weiblich und lebendig wie es ihr Name assoziiert (finde ich jedenfalls) und auch irgendwie etwas eigenwillig. Wunderschön und bestens lesbar in kleinen Schriftgraden (am Bildschirm), mit einer überzeugenden, echten Kursive und falschen Gedankenstrichen. Darf man gerne für ›Homepages‹ verwenden, auf Papier jedoch, und vor allem in großen Schriftgraden, stellt sie doch eher eine Zumutung fürs Auge dar. Jedenfalls zeugt sie nicht unbedingt von ästhetischer Kompetenz des Grafikers der ein Logo damit gestaltet.

Die Georgia. Mein Gott! die Georgia. Ich habe mich in den letzten Monaten unsterblich in sie verliebt. Eingesetzt immer dort wo kompetente Designer Screendesign entwickeln, selten auf dilettantisch zusammengeschusterten — auf gut deutsch also ein seltenes Gewächs. Wollen hoffen, dass das so bleibt, dann verleidet Sie einem nicht zu schnell.

Einst war ich der Ansicht, dass Schriften ohne Serifen am Bildschirm grundsätzlich besser zu lesen sind. In den vergangenen Monaten der Arbeit mit der Georgia aber habe ich meine Meinung geändert. Sie erscheint mir die beste, am flüssigsten lesbare Bildschirmtype zu sein. Deshalb schreibe ich mittlerweile was ich rein für den Bildschirm schreibe in Georgia — und das ist nicht wenig.

Zurück zur Verdana. Wie gesagt sind wir am Bildschirm, beim Design von Websites und bei der Gestaltung von offenen Dokumenten (Word, Excel) auf die Hand voll Bildschirmschriften die verbreitet sind angewiesen. Aber wenn wir uns daran eh schon übersatt gesehen haben, müssen wir dann auch noch Werbung, Plakate und Folder mit ihr gestalten? Auch der beste Song wird öde wenn man ihn zum hundertsten mal hört. Es gibt doch tausende von Alternativschriften und nicht alle kosten ein Vermögen. Gerade vor wenigen Tagen habe ich mir die überzeugende ›Milibusfür eine Hand von Dollar gekauft.

Etwas mehr Kreativität bei der Auswahl von Schriften und dafür etwas weniger beim Verzerren und Verschandeln würde die visuelle Belastung der Umwelt drastisch reduzieren.

Richtig anführen

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Noch ein Thema, welches in keinem Leitfaden zur Typografie fehlen darf: die richtigen Anführungszeichen.

In den Jahren der Schreibmaschine gab es eine Art von Anführungszeichen für den Haus- und Bürogebrauch und diese standen oben und gerade: „So“.

Genau genommen handelt es sich dabei gar nicht um Anführungszeichen, sondern um Zollzeichen ( Zoll “ und Fuß ‚ bzw. Minute ‚ und Sekunde “ ). Die Schreibmaschine bot einfach keinen Platz um die Fülle typografischer Zeichen die für korrekten Satz notwendig sind aufzunehmen.

Richtige Anführungszeichen waren Sache richtiger Typografen. Heute kann jeder richtigen Satz erstellen und im Schriftsatz am Computer sind Zollzeichen sowenig Anführungszeichen wie ein X ein U ist. Einem Laien der mal eben einen Brief ans Finanzamt oder ein Gedicht zu Tante Trudis 50er verfasst soll man falsche Zeichen nachsehen. Aber schon dem vom Herrn Sekretär verfassten Geschäftsbrief steht korrekte Typografie gut zu Gesicht. Ein Professioneller in Sachen Grafikdesign sollte die Grundlagen der Typografie ohnehin aus dem Effeff beherrschen.

Für die deutsche Sprache kommen zwei Arten von Anführungen in Frage: die sogenannten „Gänsefüßchen“ und die »französischen Anführungszeichen« – in der Fachwelt auch als ›Giullemets‹ bekannt.

Gänsefüßchen erfreuen sich landläufig und im Laiensatz großer Beliebtheit. Sie werden vorne unten und hinten oben gesetzt und sehen aus wie ›99‹ und ›66‹. Der Nachteil der Gänsefüßchen liegt darin, dass sie dazu neigen kleine Löcher in den Satz zu reissen – er sieht bei vielen Anführungen etwas aus wie Schweizer Käse.

Guillements stehen vorne und hinten auf gleicher Höhe – in Augenhöhe mit den Kleinbuchstaben, könnte man sagen. Sie wirken deshalb von Natur her etwas ausgeglichener. In Deutschland und Österreich zeigen die Guillements jeweils in Richtung des Satzes den sie an- und abführen, also zeigen Sie »vorne mit der Spitze nach rechts und hinten mit der Spitze nach links«. Die Schweizer orientieren sich an der französischen Art die Guillements zu verwenden und setzen sie umgekehrt wie die Deutschen.

Weil Typografen Schöngeister mit einem Hang zum Ausgeglichenen und Ästhetischen sind, ziehen sie die eleganteren Guillements den profanen Gänsefüßchen vor und sind sich dabei der Unterstützung des Dudens gewiss – er erlaubt Gänsefüßchen wie Guillements gleicher Maßen.

Ein Mauerblümchendasein fristen (leider) meist die einfachen ›Anführungszeichen‹ (oder ‚so‘ ). Der Duden weist ihnen gerade noch den Stellenwert einer Anführung in einer Anführung zu, wenn es also in einer wörtlichen Rede heißt »mein Typografielehrer hat gesagt ›Zollzeichen sind keine Anführungszeichen!‹«

Mir persönlich liegen Außenseiter und Underdogs wie Semikolons, Apple und eben einfache Anführungszeichen immer besonders am Herzen. Deshalb folge ich dem Beispiel jener Buchtypografen die sich die lauteren »normalen« Anführungen für die Wörtliche Rede vorbehalten und ›zitierte Überschriften‹, ›Titel‹ und ›Hervorhebungen‹ zwischen die weniger aufdringlichen einfachen Anführungszeichen setzen. Übrigens – wie schon am Beispiel der Schweiz und der Guillements sichtbar geworden ist: andere Länder andere Sitten. English qotes look like “this”.

Frisch gestrichen!

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Kaum ein Buch oder eine Seite über Typografie kommt ohne dieses Thema aus. Dennoch sieht man ›falsche Striche‹ zuhauf und deshalb komme auch ich nicht umhin hier eine Lanze für den richtigen Strich zu brechen.

Der Typograf kennt waagrechte Striche in drei Längen: den kurzen Strich – auch Divis genannt –, den Halbgeviertstrich – besser bekannt als ›Gedankenstrich – und den Geviertstrich.

Das Divis

Das Divis ist der kürzeste der horizontalen Striche. Es ist jenes Zeichen, das Sie erhalten wenn Sie an Ihrer Tastatur die Taste mit dem horizontalen Strich drücken, ob Mac oder Windows: –

Das Divis kennt genau zwei Anwendungsformen:

1. Trennstrich

Als Trennstrich kennzeichnet das Divis die Trennung eines Wortes am Ende einer Zeile. Darüber hinaus kann der Trennstrich bei Aufzählungen innerhalb eines Satzes und einer Zeile auftauchen: z. B. Geviert-, Halbgeviert- und Unterstrich.

2. Bindestrich

Als Bindestrich koppelt das Divis zwei Worte, wie zum Beispiel bei Internet-Auftritt, PDF-Dokument oder E-Mail.

Gedankenstrich

Den Gedankenstrich erhalten Sie am Mac durch Eingabe von Alt und - und unter Windows über ASCII: 0150 (= Eingabe am Zehnerblock bei gedrückter Alt-Taste). Er kennt folgende Funktionen:

1. Gedankenstrich

Wenn Sie – wie hier – in einen Satz einen Gedanken einschieben wollen. Der Gedankenstrich wird im Deutschen mit je einem normalen Wortabstand davor und danach gesetzt. Der Gedankenstrich soll von Word unter Windows soweit ich gehört habe automatisch erkannt und ein eingegebenes Divis durch den längeren Strich ersetzt werden. Da ich sehr oft Word-Dokumente mit falschen – meist zu kurzen – Gedankenstrichen erhalte, gehe ich davon aus, dass Word diesen Job mehr schlecht denn recht erledigt. Vor allem der hintere der Beiden bei einem eingeschobenen Gedanken scheint dabei oft zu kurz zu kommen.

2. Streckenstrich

Den Gedankenstrich setzt man auch als Streckenstrich: Zürich–Innsbruck–Wien. Als Streckenstrich werden keine Leerzeichen davor und danach gesetzt.

3. Bis-Strich

Ebenfalls eingesetzt wird der Gedankenstrich als Bis-Strich, beispielsweise bei »von Montag–Freitag«, »von 21–23 Uhr«, »vom 13.11.–2.12.« oder »1997–2006. Der Bis-Strich wird in der Regel auch ohne Abstand gesetzt. Typografen die Wert auf Qualität legen setzen ihn dennoch mit einem verminderten Wortabstand. Bei längeren Daten sieht es meist besser aus wenn man die Regel bricht und normale Wortabstände versetzt: »13. November – 2. Dezember 2006«.

4. Gegen-Strich

Beispiel: »Halbfinale: Frankreich – Portugal«. Als Gegen-Strich wird der Gedankenstrich mit Leerraum gesetzt.

5. Minus

Auch als Minus-Strich ist einzig- und allein der Gedankenstrich der Richtige. Er hat die selbe Länge wie das + und wird somit sowohl für Rechnungen eingesetzt, wie auch für »–5 °C«.

6. Auslassungs-Strich

Außerdem können Sie den Gedankenstrich auch für die Angabe von Null-Cent-Beträgen im Mengentext verwenden, also Beispielsweise »Euro 150,–« anstatt »Euro 150,00«. In Tabellen ist jedoch der Geviertstrich vorzuziehen. Hässlich hingegen ist diese Variante: »150,–«, und sollte deshalb vermieden werden.

Gedankenstriche, InDesign und Windows

Wer Texte in InDesign auf dem PC setzt braucht auf korrekte Striche nicht zu verzichten: Adobe hat seinem Layoutprogramm die Mac-Tastenbefehle mit eingebaut – Sie können also die hier für den Mac angegebenen Tastaturbefehle anwenden. Ich bedanke mich bei Sebastian Nagel, der so freundlich war meine Angaben in diesem Artikel zu prüfen, zu berichtigen und zu ergänzen.

Geviertstrich

Von geringer Bedeutung für die deutsche Typografie ist der Geviertstrich. Er wird am Mac durch Alt, Shift und - eingegeben, am PC mit ASCII: 0151. Im Englischen ist dies der richtige Gedankenstrich und wird ohne Wortabstände davor und danach versetzt. Im Deutschen kommt er am häufigsten als Auslassungsstrich in Tabellen vor, da er ungefähr die Breite von zwei Nullen hat; also »Euro 150,—«

Grundsätzlich wäre es erlaubt für alle Vorkommen des Halbgeviertstriches stattdessen den Geviertstrich zu verwenden. Allerdings würde dies nicht den Sehgewohnheiten des deutschen Lesers entsprechen.

Nachzuschlagen sind die korrekten horizontalen Striche im Standardwerk für Typografen »Detailtypografie« oder weitestgehend unter »Richtlinien für den Schriftsatz« im »Duden«.

RAW und Photoshop

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RAW ist eine feine Sache: Sie machen eine Aufnahme mit Ihrer SLR-Kamera – die Einstellungen für den Weißabgleich, die Tonwertkorrektur, die Belichtung, Schärfe und so weiter nehmen Sie erst anschließend am Computer vor. Ein Foto das Sie mit der Kamera als JPEG oder TIFF gespeichert haben hat das alles bereits (relativ) unveränderlich gespeichert – ein unterbelichtetes Bild ist ein unterbelichtetes Bild und kann nur mehr in engen Grenzen aufgehellt werden.

Und das schöne an RAW: Sie können die Einstellungen an der RAW-Datei jederzeit wieder rückgängig machen oder nachbearbeiten, ohne dass sich die Qualität des Datenmaterials dabei verändert (und/oder verschlechtert).

Photoshop unterstützt die RAW-Einstellungen allerdings nicht intern. Wenn Sie eine RAW-Datei mit Photoshop öffnen erhalten Sie den RAW-Import-Dialog in dem Sie die Einstellungen vornehmen können und das Bild wird anschließend mit diesen Einstellungen importiert. Die Einstellungen sind jetzt für das Photoshop-Bild übernommen und quasi in die neue Datei einzementiert.

Wenn Sie die ›Möglichkeiten‹ von RAW dennoch behalten und in der Lage sein möchten die Vorzüge dieses Dateiformates jederzeit wieder aufzurufen und zu nutzen, dann gehen Sie wie folgt vor:

Erstellen Sie eine neue Photoshop-Datei und wählen Sie über ›Datei‹ | ›Platzieren‹ Ihr Bild. Photoshop öffnet dann den gewohnten RAW-Import-Filter. Sie nehmen Ihre Einstellungen vor und bestätigen Ihre Eingaben mit ›Öffnen‹. Photoshop platziert das Bild dann als sogenanntes ›SmartObject‹ in einer neuen Ebene. Sie können das Bild danach über die Palette ›Ebnen‹ bearbeiten wie gewohnt.

Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind jetzt zwar etwas eingeschränkt. Sie haben keine Möglichkeit beispielsweise die Einstellungen ›Anpassen‹ aus dem Menü ›Bild‹ anzuwenden (›Tonwertkorrektur‹, ›Farbton/Sättigung‹, etc.) zu verwenden. Ebenso wenig können Sie Filter auf das ›SmartObject‹ anwenden. ›Tonwertkorrektur‹ etc. können Sie jedoch gleichwertig über ›Einstellungsebenen‹ anwenden. Außerdem funktionieren natürlich Ebenenmasken.

Der große Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass Sie über Menü ›Ebene‹ | ›Smart Objekte‹ (was für eine grauenhafte Übersetzung!) | ›Inhalt bearbeiten‹ den RAW-Dialog jederzeit wieder aufrufen können und die RAW-Einstellungen bearbeiten.

Ist JPEG die Anwort auf alle Fragen?

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Die Antwort auf diese Frage lautet: Nein!

JPEG hat den Vorteil, dass mit diesem Dateiformat kleine Datenmengen möglich sind und praktisch ›alle‹ Programme JPEG kennen und lesen können.

Logos sollten aber für die Produktion in 95 von 100 Fällen als EPS verwendet werden (aus den Programmen Illustrator, Freehand oder verwandt – nicht aus Photoshop!). 95 von 100 deshalb weil es auf die Art des Logos ankommt. Ausnahmen bestätigen die Regel lediglich.

😉

Bei Fotos sollten Sie für die Produktion von Drucksachen ebenfalls JPEG meiden und statt dessen besser Bilder als Photoshop (.psd) oder Tiff (.tif) speichern – bei der Arbeit mit InDesign bevorzuge ich ersteres.

Warum kein JPEG?

1. JPEG ist ein Pixelformat. Wird das Bild größer verwendet als es zuletzt eingestellt wurde, dann erscheinen die Pixel als unschönes Mosaik. Bei einem Logo sind die oben genannten Formate besser, weil sie beliebig vergrößert und verkleinert werden können.

2. JPEG erreicht kleine Dateimengen dadurch, dass es ›überflüssige‹ Informationen aus dem Bild löscht und Pixel zusammenfasst. Die dabei verloren gegangenen Bildinformationen sind unwiderruflich gelöscht. Bei einer geringen Komprimierung ist diese ›Reduzierung‹ der Bildinformation für das menschliche Auge nicht, oder kaum, sichtbar. Allerdings wird diese Komprimierung bei jedem ›öffnen und speichern‹ neuerlich vorgenommen und das Bild verliert unnötig an Qualität.

Endlich ein Buch über Schriftgestaltung

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Der »Verlag Hermann Schmidt Mainz« hat unter dem Titel »Designing Type« ein Buch über Schriftgestaltung angekündigt. Nachdem der einschlägig Interessierte schon ganze Regale mit Büchern über das Anwenden von Schrift füllen kann, können wir endlich auch nachlesen wie Schrift entwickelt wird. Es steht zu erwarten, dass das Buch die gewohnte Verlag-Hermann-Schmidt-Qualität hat.