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Markus Wäger Posts

Welche Kamera ist die richtige?

Posted in Theorie & Technik

Via Twitter hat mich am Wochenende die Frage nach der besten Kamera erreicht. Ich bin Nikon-Fotograf aus absoluter Überzeugung. Deshalb kann ich nichts anderes empfehlen als eine Nikon.

Die drei großen Hersteller – Nikon, Canon und Sony – haben sicher langfristig das größte Potenzial und das größte Angebot an Objektiven – vor allem Canon und Nikon.

Mir fallen viele Argumente pro Nikon ein: Nikon ist bekannt dafür, besonders gute, große, helle Sucher zu bauen, und auch beim Systemblitzen scheint Nikon derzeit die Nase vor allen anderen Herstellern zu haben (vor allem wenn es um entfesseltes Blitzen geht). Die Qualität der Nikon-Objektive steht außer Zweifel (und im Gegensatz zu einem geizigen Mitbewerber 😉 kommen Nikon-Linsen immer MIT Streulichtblende), und, und, und.

Ein Canon-Fan wird aber wohl genau so viele Argumente pro Canon liefern. Alle Hersteller kochen mit Wasser und beinahe jedes Modell hat Vor- und Nachteile. Am Besten ist immer zu überlegen, was möchte ich mit der Kamera machen und welche must-have-Eigenschaften ergeben sich daraus für die Kamera. Bei Street-Photography ist derzeit zum Beispiel die Panasonic G1 neue Micro-Four-Thirds sicher eine Überlegung wert: Klein und kein Spiegel, der Lärm macht. Studio-Fotografen die einen preiswerten Einstieg ins Profi-Segment mit hoher Auflösung suchen und auf hohe ISO-Werte verzichten können, sollten die Sony α900 ansehen. Für alle, die im Gegensatz auf eine gigantische Auflösung verzichten können (man sollte sich ernsthaft überlegen, wie viel Auflösung man braucht und wie viel Auflösung zu viel ist), aber hohe ISO-Werte zu schätzen wissen, für die stellt die D700 (und darüber die D3) eine Revolution dar. Canons D700-Konkurrent 5D Mark II punktet mit fast schon doppelter Auflösung, wirft damit natürlich extrem hohe Datenmengen auf und ist damit auch deutlich langsamer als die D700. Bezüglich Rauschen habe ich von dieser Kamera schon gelesen, dass sie besser als die D700 sein soll, und gehört, dass sie mit der D700 nicht mithalten kann.

Und dann muss einem eine Kamera immer auch vom Feeling und der Bedienung her gut liegen und sympathisch sein. Ein Produkt wie ein Kamerasystem, darf einem nicht nur funktional entgegen kommen, sondern man muss es auch emotional mögen.

Nikon D700 – Das Buch zur Kamera ist da

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Nikon D700 Das Buch zur Kamera

Heute Mittag war’s soweit: Ich konnte endlich das erste Exemplar meines Nikon D700 Buches in Händen halten. Leider habe ich jetzt keine Zeit hier meine Kamera auf ein Stativ zu bauen, und deshalb habe ich einfach schnell mit iSight ein Foto von mir und meinem jüngsten Baby gemacht, und das ganze in Photoshop etwas gepimpt.

Interessenten können das Buch in Deutschland bei Buch & Video bestellen (versandkostenfrei innerhalb Deutschlands), für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Amazon, und natürlich im Buchhandel, ISBN 978-3925334917.

Mir macht das Schreiben eines solchen Buches verdammt viel Spaß, aber es ist eine unheimliche Hackn (österreichisch für viel Arbeit 🙂 ). Jetzt hoffe ich natürlich auf reißenden Absatz, damit sich der Aufwand auch einigermaßen lohnen wird. Wenn einer von euch das Buch liest und so gut findet, wie ich hoffe, dass es ist, dann kann er mir einen riesigen Stein in den Garten schmeißen, indem er seine Meinung durch eine Rezension bei Amazon (und den anderen üblichen verdächtigen) weiterverbreitet. Das könnte für dieses Buch besonders wichtig werden, denn wie es scheint, werden Bücher des Verlages derzeit gezielt durch extrem schlechte Rezensionen diskreditiert. Es steht wohl zu befürchten, dass diese Form des unlauteren Wettbewerbs auch mein Buch wieder treffen wird.

Ich habe ja leider letztes Jahr bereits bei meinem Photoshop-Buch und InDesign-Training damit Erfahrung sammeln dürfen (mehr darüber ist über die Links unten zu erfahren).

Bitte aber meinen Aufruf nicht missverstehen: Ich möchte nicht, dass jetzt jemand eine Rezension schreibt, der das Buch gar nicht gelesen hat, nur um mir einen Gefallen zu tun. Das wäre dann sicher gut gemeint, aber ich halte nichts vom Schummeln und möchte mich nicht auf das Niveau von Mitbewerbern herablassen, die glauben ihre Werke durch manipulierte Rezensionen puschen, und Mitbewerber durch ebenso falsche Rezensionen schlecht machen zu müssen. Ich hoffe, dass mir möglichst viel Leute, die vom Buch angetan sind, helfen, das Buch besser zu verkaufen. Und gute Rezensionen bei Amazon helfen echt! Das gilt natürlich auch für meine Photoshop-Werke. 🙂

Links zu den Artikeln zu den Ereignissen bei Amazon im letzten Jahr:

Nikon D700 – Das Buch zur Kamera

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Noch ist es nicht ganz fertig. Die letzten Korrekturen stehen noch aus und dann muss es erst gedruckt werden. Bei Amazon kann es aber bereits vorbestellt werden: »Nikon D700 – Das Buch zur Kamera«.

Ursprünglich hätte das Werk eine Gemeinschaftsproduktion zwischen mir und Pascal werden sollen. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass mich die Kamera so sehr fasziniert hat, dass ich das Projekt sehr stark an mich gezogen habe. Es hat sich auch herausgestellt, dass das gemeinsame Schreiben gar nicht so einfach ist, wie vorgestellt. Wahrscheinlich bin ich auch nicht der geeignete Team-Player dafür. Ich habe doch gerne alles unter eigener Kontrolle.

Auch wenn am Ende aus dem geplanten 50:50-Projekt ein 80:20-Projekt geworden ist, hat Pascal großen Anteil am Resultat. Wir haben viele Fotoshootings und Tests gemeinsam durchgeführt, mit Ausnahme des letzten Kapitels, war er immer der erste, der ein Kapitel las und seinen Input gegeben hat, und wir haben viele Themen gemeinsam diskutiert.

Zum Buch: Es war mir wichtig, dass es keine Zweitausgabe des Handbuchs der D700 wird, sondern ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Im ersten Kapitel erkläre ich einiges zur Technik, zum Sensor, zum Autofokus-System usw. Das zweite Kapitel heißt »Grundlagen für Fortgeschrittene«. Natürlich sind die D700-Anwender nicht an Fotobasics interessiert. Doch wer kein mit allen Wassern gewaschener Vollprofi ist, hat sehr oft Löcher in seinem Know-how. Ich erkläre was es mit Farben und Tonwerten auf sich hat, was ein Tonwertumfang ist und wie er sich auf Aufnahmen auswirkt, wie man die Histogramme während des Fotografierens für optimal belichtete Aufnahmen nutzt, was das Zonensystem mit dieser optimalen Belichtung zu tun hat, und weshalb der Fotograf gelegentlich gegensteuern muss. Im dritten Kapitel erkläre ich alle wichtigen Einstellungen an und über die Menüs der Kamera: Von Voreinstellungen zum Sichten und
Beurteilen, über Einstellungen für richtig belichtete Aufnahmen, Einstellungen für scharfe Aufnahmen und LiveView. Zum Abschluss des Kapitels beschreibe ich in einem längeren Kapitel das Fotografieren mit System Blitzen bis hin zur Arbeit mit dem Nikon Advanced Wireless Lighting. Das letzte Kapitel gibt dem Leser über ca. 60 Seiten hinweg einen Einblick in die digitale Dunkelkammer. Ich stelle kurz Programme wie Nikon Capture NX2, Adobe Photoshop und Photoshop Lightroom, Apple Aperture etc. vor. Nachfolgend beschreibe ich die Grundlagen der Arbeit in der digitalen Dunkelkammer, die wichtigsten Möglichkeiten und vor allem den Umgang mit Raw-Dateien, bei Nikon NEF.

Das Buch kann selbstverständlich auch über den Buchhändler um die Ecke bestellt werden. ISBN 978-3-925334-91-7

Falls einer von euch, liebe Leser, das Buch liest, freue ich mich über Feedback von euch.

Nachdem dieses Projekt praktisch abgeschlossen ist, arbeite ich bereits mit Vollgas an »Photoshop CS4 – Die Workshops«.

markuswaeger.com wird 40ig!

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Nein, damit feiern wir nicht 40ig Jahre bloggen ohne Pause und auch nicht den 40igsten Platz in irgend einer nichtssagenden Bestenliste. Nein unser lieber Gründer Markus Wäger wird heute tatsächlich schon 40ig! Kaum zu glauben, aber da sieht man mal wie die Zeit vergeht. Eben noch habe ich, sein Neffe, seine Legokiste durchwühlt um auch so coole Piratenschiffe und Rennautos zu bauen und zwei Jahrzehnte später sehe ich immernoch zu ihm auf und Versuche nun in Sachen Fotografie nachzueifern 🙂

Markus wird heute, so hat er mir verraten, keine Party oder dergleichen veranstalten. Brav wird gearbeitet und am Abend gibt es dann noch einen Photoshop Kurs. Damit ihn aber auch trotz der vielen Arbeit die ganzen Glückwünsche erreichen nutzt doch die Kommentarfunktion und lasst sie anstelle der Tischbombe platzen 🙂

Markus von mir, alles liebe zum Geburtstag! Danke, dass du mich im Schlepptau hast und mir dein Wissen bei bringst. Geniesse den Tag und hab Spass!

Sigma 120–400 vs. Nikkor 70–300

Posted in Fotografie

Meine Verfolger bei Twitter und Besucher unseres Weblogs mit dem wachsamen Blick in die linke Seitenleiste konnten am Sonntag, den 28. September live mit verfolgen, wie ich am Pfänder in Vorarlberg die Leistungsfähigkeit zweier Objektive getestet habe – zumindest konntet ihr mitlesen (gut, ihr hattet hoffentlich besseres zu tun 😉 ).

Beim Foto-Shooting kamen zum Einsatz: Nikon D700, Nikon D80, Nikkor 70–300mm, und das noch sehr frische Sigma 120–400mm, das uns freundlicherweise von Sigma-Deutschland zur Verfügung gestellt wurde. Grundsätzlich hätte ich Sigmas Freundlichkeit hier auch mit einem positiven Feedback belohnt, aber wir wollen ja objektiv bleiben. Während sich das Nikkor beim Fotografieren pfeilschneller Greifvögel wacker geschlagen hat, habe ich mit dem Sigma-Objektiv lediglich ein paar Versuche gestartet. Leider kam der recht träge Autofokus mit dem Scharfstellen auf die fliegenden Vögel nicht mit. Zwar musste bei auf mich zuschießenden Falken – wie nicht anders zu erwarten – auch der AF des Nikon-Objektivs passen, aber in Situationen, in denen das Subjekt nicht mit Hochgeschwindigkeit direkt auf mich zuraste, schaffte dieses Objektiv eine beachtliche Trefferquote.

Bei Ausstattung und Feeling lässt das, mit knapp 900 Euro Listenpreis sehr preiswerte Sigma nichts zu wünschen übrig. Das Objektiv kommt wie bei Sigma gewohnt, in einer widerstandsfähigen Tasche daher, die Streulichtblende muss nicht extra gekauft werden, und mit Bildstabilisierung in zwei Stufen, sowie einer Verriegelung gegen ungwolltes Ausfahren des Zooms (was ich mir bei Nikon auch öfters wünschen würde) lässt sich von dieser Seite an Preis/Leisung nicht mosern.

Grundsätzlich hat sich mir nach diesem Shooting auch die Frage gestellt, in wie fern eine so große Brennweite – an meiner D80 immerhin 600mm umgerechnet auf KB – für die gestellte Aufnahme überhaupt richtig gewählt ist. Es muss schon ein außerordenltich klarer Tag sein, um bei Distanzen, die damit möglich werden, keine athmosphärisch getrübten Bilder heraus schauen. Die 300mm des Nikon-Objektivs waren für diesen Einsatz eigentlich absolut ausreichend – ohne Brennweitenverlängerung.

Dass das Sigma-Objektiv bei diesem Test versagt hat, sagt für mich aber noch nichts über die Qualität des Objektivs aus. Es mag für die Aufgabe pfeilschnelle Vögel zu fotografieren zwar nicht geeinet sein, aber wir werden es wohl in Bälde in einer gemächlicheren Situation testen, und uns ansehen, was es am KB-Sensor der D700 und dem DX-Sensor der D80 zu leisten in der Lage ist.

Allen, die die Leistungsfähigkeit ihrer AF-Systeme testen wollen, kann ich übrigens den Besuch der Adlerwarte am Pfänder nur empfehlen. Die flinken Räuber stellen höchste Anfoderungen an AF und Fotograf, und ganz nebenbei fallen bei passender Witterung auch noch sehr schöne Bilder ab. Für dieses Jahr ist es aber leider zu spät, denn von heute an ist Winterpause.

Im Interview: Stylespion Kai Müller

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Kai Müllers Weblog stylespion.de über »… Design, Inneneinrichtung, Wohndesign, Möbel …« gehört seit langem zu meinen Alltime-Favorites in der Bloggosphäre. Sein Blog kaimueller.org über Fotografie, Web- und Grafikdesign ist nicht minder interessant. In der Beschreibung zu kaimueller.org steht »Seit Beginn dieses Jahrtausends arbeite ich an Websites – Websites deren Ziel klar definiert ist: Nutzen für den Besucher und Nutzen für den Auftraggeber«, womit er ziemlich genau mein eigenes Design-Verständnis trifft.
Kai lebt und arbeitet in Köln als Webdesigner.

Frage: Hallo Kai. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zum Webdesign gekommen bist, welche Leidenschaft du damit verknüpfst und womit du heute im Wesentlichen dein Einkommen bestreitest?

Kai: Ich verdiene mein Geld  als Web Designer in Festanstellung bei einem Kölner Unternehmen, das auf SEO spezialisiert ist. Weitere Einnahmen generiere ich aus meinem Blog stylespion.de. Hin und wieder arbeite ich an weiteren Projekten, allerdings ist stylespion.de in der Zwischenzeit zu einem sehr arbeitsintensiven “Job” angewachsen, was toll ist, aber leider keine Zeit für weitere Projekte lässt.

Mein Weg bis hierher verlief recht kurvig: Ausbildung zum Speditionskaufmann, Zivildienst, Praktikum in einer Online Redaktion und erster Kontakt mit dem Internet als Arbeitsplatz (2000), Unternehmensgründung, Arbeit als Freelancer und nun Festanstellung. Eine klassische Ausbildung in diesem Bereich besitze ich nicht, ich habe fast keine Erfahrung im Print-Bereich – dafür aber die Erfahrung von wahrscheinlich inzwischen 200 realisierten Websites.

Leidenschaft ist ein schönes Wort, und darauf basiert eigentlich alles, was ich mache. Ich mag schöne Sachen. Egal, ob das Webseiten, Magazine, Wohnungseinrichtung, Musik oder Fotografien sind. Entdecke ich ein neues Gebiet für mich (wie zuletzt die Fotografie), setze ich viel daran es zu erlernen. Ich bin es gewohnt, in Themen autodidaktisch einzutauchen. Über das Netz ist das mittlerweile ein Kinderspiel – vorausgesetzt man hat hat den Willen dazu – und vielleicht auch ein wenig Talent.

Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten, und: Beinhaltet ein Gestaltungprozess für dich mehr Inspiration oder Transpiration?

Kai: Ich sehe mich nicht als Kreativen. Das ist mir zu klischeeüberladen. Schwarze Rollkragenpullover? Bei mir Fehlanzeige.

Der weitaus größte Part meiner Arbeit besteht in der Anwendung etablierter Maßnahmen. Selbstverständlich muss man innerhalb des recht engen Korsetts seinen Weg finden, eine Website unique zu gestalten. Doch zuvorderst stehen ganz klar Usability und Accessibility. Eine Website ist dann gut, wenn der Nutzer sich darin zurechtfindet und sich wohl fühlt. Klingt banal, ich weiß.

Frage: Wie gehst du ein Gestaltunsprojekt an? Wie kommst du zu kreativen Lösungen und was machst du, wenn sich die Inspiration einmal nicht bis zur Deadline einstellt?

Kai: Ein neues Projekt entsteht bei mir meistens wie ein Puzzle. Ich habe Elemente, von denen ich weiß, dass ich sie unterbringen will, es gibt weitere Elemente, die es eventuell schaffen könnten. In der Regel werden grobe Layouts von mir nach und nach von allem befreit, was nicht unbedingt da sein muss. Schmuckelemente mag ich nicht so sehr. Und  in letzter Zeit habe ich nach einem groben Skizzieren auch direkt angefangen, den Quelltext zu schreiben, um die Seite danach mit CSS zu gestalten. Das hat eigentlich sehr gut funktioniert und ich werde das weiter ausbauen. Während des Gestaltungsprozesses erlaube ich niemandem auf meinen Monitor zu sehen – ein Tick von mir, und eine Vorsichtsmaßnahme, damit niemand sehen kann, dass meine Layouts bis kurz vor Fertigstellung oft komplett gekippt werden.

Bei ausbleibenden Ideen helfen mir meine Bookmarks weiter. Ein wenig surfen, adaptieren, weiterentwickeln oder reduzieren …

Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?

Kai: Da ich am liebsten mit sehr reduzierten Layouts arbeite, hat die Typografie wohl die größte Rolle in der Gestaltung. Darüber hinaus liebe ich typografische Arbeiten im Print.

Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel?
Kai: Bilder erfüllen für mich zwei wesentliche Zwecke: Stimmung und schnell erfassbare Illustration des Inhaltes. Ich habe viele Quellen, aus denen ich Fotos wähle. In letzter Zeit greife ich auch gerne auf eigene Arbeiten zurück.

Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.
Wie stehst du zu diesem Thema?

Kai: Corporate Design sollte schon sein, aber ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn große Agenturen 100-seitige Styleguides für Websites  präsentieren und Unternehmen dafür viel Geld bezahlen. Ruft man die Website  dann in 3 verschiedenen Browsern auf, sieht man, wie absurd manche Vorgaben sind, da sie oft nicht browserübergreifend umgesetzt werden können. Im Print ist die Lage natürlich etwas anders, klar.

Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«
Kai: Nein. Als Autodidakt bin ich eher der Meinung, dass ein Gestalter mit offenen Augen durch die Welt gehen sollte, und sich an der Praxis orientieren sollte. Das schult das Auge und sorgt für ständig neue Inspiration.
Bücher über Gestaltung im Internet empfinde ich oft bereits bei Erscheinen als veraltet.

Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?
Kai: Schwieriges Thema. Ich würde mich selbst als generalinteressiert bezeichnen. In meinem Feedreader tickern knapp 600 Blogs und Websites. Die Ausrichtung ist unterschiedlich. Webdesign, Webworking, Grafikdesign, Musik, Mode, Fotografie, Einrichtung usw. Inspiration kommt aus allen Ecken – man muss es nur entdecken.

Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?
Kai: Praxis. Ich mag theoretische Ansätze nicht allzu sehr. Klar, man muss die Basics kennen, aber das beste was man tun kann, um gut zu werden ist anwenden, anwenden, anwenden. Wer sich über die Zeit ein gutes Portfolio aufbaut, sollte wenig Probleme haben, einen Job zu finden.

Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?
Kai: Dran bleiben. Sich nicht auf alten Arbeiten ausruhen.

Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?
Kai: Ok, naiv formuliert: Ich freue mich, wenn ich durch meine Beiträge anderen etwas geben kann. Das Internet ist zwar ein kostenloses Medium, doch darf man nicht vergessen, dass all die Inhalte irgendwer, irgendwann erstellt hat. Mir reicht da schon ein kurz eingeworfenes “Danke” als Anerkennung. Der weniger naive Kai sagt: Die Kontakte, die in den zwei Jahren des Bloggens entstanden sind, sind wunderbar. Es ergibt sich vieles, was ohne diese beiden Websites nie zustande gekommen wäre. Und ja, man kann mit Bloggen auch Geld verdienen.

Danke, Kai, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Und Dank auf für deinen Einsatz als Blogger.

Museo Sans released

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Exlibris hat wieder eine Schrift veröffentlicht, in Namen und Form ganz offensichtlich eine Schwester der coolen Museo. Die Museo Sans ist eine sehr gut ausgebaute lineare Groteskschrift die Jos Buivenga in zehn Schnitten gestaltet hat. Bisher hat ja Jos Buivenga eine ganze Reihe an sehr gut gezeichneten und absolut professionell ausgebauten Schriften kostenlos auf seiner Website zum Download und zur Nutzung verteilt. Bei der Museo waren von fünf Schnitten drei frei, zwei zu sehr moderaten Preisen lizensierbar. Von den zehn Schnitten der neuen Museo Sans stehen nun zwei zum kostenlosen Download zur Verfügung, acht müssen lizensiert werden, wobei ein Preis von 99 $ bzw. derzeit 79,20 $ nach wie vor ein sehr faires Angebot ist.

Der Weg ist das Ziel …

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… oder, um es mit Hape Kerkeling zu sagen: »Ich bin dann mal weg«. Zwei Wochen Cabrio-Tour durch Europa. Wollen mal hoffen, dass uns der gute Petrus gnädig ist und es viele geschenkte Open-Air-Tage gibt.

Das ist doch grad eine gute Gelegenheit zu tun, was ich schon lange auch einmal machen wollte, nämlich euch, liebe Leser, einmal die drei Eckpfeiler meiner Lebensphilosophie vorzustellen. Auch, damit meine Rubrik »das Wort zum Sonntag« wieder einmal einen Eintrag erhält.

  1. Der Weg ist das Ziel.
  2. Der Weg eröffnet sich beim gehen.
  3. Wer kein Ziel hat, kann es auch nicht verfehlen.

Diesen drei Weisheiten werde ich in den kommenden zwei Urlaubswochen in besonderem Maße frönen. 🙂

Top of the Blogs im August

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Im Mai habe ich schon einmal »Meine Blog-Top-Ten« veröffentlicht. Charts aber sind nichts für die Ewigkeit, sondern sind laufend in Bewegung. Man findet neue Blogs, verliert das Interesse an bestehenden Anlaufstellen – und dann kommt noch dazu, dass sich das Interesse auch immer mal wieder verschiebt. Ein paar von meinen lieben Lesern werden mit Enttäuschung festgestellt haben, dass in den letzten Wochen die Themen rund um Design und Typo etwas aus dem Mittelpunkt dieser Website geraten ist. Das heißt nicht, dass mein Interesse daran erloschen ist, hat aber drei gute Gründe:

  1. Ich habe enorm viel zu tun, und kaum noch Freizeit, geschweige denn Zeit mich angemessen um mein Weblog zu kümmern (wenn Pascal nicht wäre …)
  2. Ich halte nach wie vor in vielen Design- und Typoblogs-Ausschau nach interessanten News für euch, aber die Nachrichten über Innovationen, heisse Tutorials und coole Freefonts halten sich derzeit in Grenzen
  3. Pascal und ich arbeiten jetzt an einem gemeinsamen Buch-Projekt und dabei geht es um Fotografie. Es ist noch zu früh, um mehr zu verraten, aber der Auftrag bestimmt natürlich auch den Fokus meiner täglichen Recherchen

Das heißt aber nicht, dass das Thema aus der Welt ist: Zum Jahreswechsel stehen zwei neue Publikationen zu Software-Anwendungen an und von Frühjahr bis Herbst werde ich daran arbeiten mein Baby zur Welt zu bringen: Ein ehrgeiziges Buch-Projekt, das Grafikdesign als Ganzes erschlagen soll. 🙂

Hier also jetzt meine aktuellen Top-Ten:

  1. fokussiert.com
    Leser können Bilder abgeben, die dann von Profis bewertet und kommentiert werden; sehr interessant!
  2. www.designtagebuch.de
    Nach wie vor einer meiner liebsten Blogs mit täglich aktuellen Beispielen aus der Welt der Gestaltung; regelmäßige Leser konnten hier vor kurzem ein Interview mit der Person dahinter lesen: Achim Schaffarinna
  3. blog.reduxo.de
    Hier treffen sich Werbung, Gestaltung und Unterhaltung; schnell besucht und gut amüsiert; wo kriegt der Daniel nur immer die tollen Beispiele her?
  4. www.typeneu.com
    Das tägliche Muss für alle Typo-Fans!
  5. www.hoemmerich.com
    Interessante Beispiele und News zu Gestaltung; Martin Hömmerich war mein erster Interview-Partner
  6. www.fscklog.com
    Die perfekte Ergänzung zu macnews.de für alle Apple-Fans
  7. stylespion.de
    Der Name ist Programm: Schöne Beispiele zu allem was mit visuellem Stil zusammenhängt
  8. www.studio5555.de
    Hat auch mit Stil zu tun und ist auch sehenswert
  9. www.typoblog.ch
    Dürfte öfters aktualisiert werden, aber wenn was kommt, dann ist es interessant; Aktuell: der Hinweis auf die sehr schöne Aaux Next bei TypeTrust, jetzt im Sonderangebot um 200 Dollar je Schriftfamilie (jeweils 18 Schnitte!) – da ist es mir wieder einmal schwer gefallen, nicht gleich zu zuschlagen
  10. www.fontwerk.com
    Schade, dass Ivo derzeit nicht mehr Zeit hat, auf Fontwerk Artikel zu schreiben, sonst wäre das Fontwerk sicher weiter vorne; aber wer zwei Blogs betreibt (www.zoomfeed.de) und auch arbeiten möchte, hat’s eben nicht leicht

In den kommenden Wochen kann ich euch hoffentlich noch ein paar Interessante Interviews liefern, mit Leuten die hinter diesen und anderen Blogs stehen. Die beiden bereits veröffentlichten waren ja schon sehr viel versprechend. Ich bin schon gespannt auf die Antworten die die Kollegen auf meine Fragen geben werden.

Im Interview: Achim Schaffrinna

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Achim Schaffrinna schreibt das designtagebuch.de – seit vielen Monaten die unangefochtene Nr. 1 meiner Blogparade. In diesem Weblog stellt er beinahe täglich Re-Designs vor – in erster Linie Logos, aber auch Internet-Auftritte. Eine Informations- und Inspirationsquelle, wie mir sonst für diesen Bereich eigentlich kaum eine zweite einfällt.

Achim spart nicht mit Kritik, bleibt dabei aber stets sachlich. Missgunst oder gar Neid – wie er bei Gestaltern ja leider doch oft und gerne zu finden ist – dürfte ihm niemand unterstellen können. Gerade deshalb gehört sein Weblog längst zu den wichtigsten und meist besuchten Weblogs in der deutschen Gestaltungs-Weblogsphäre. Achim lebt und arbeitet – nach einer neun Monate dauernden Weltreise – heute in Hannover.

Achim

Frage: Hallo Achim. Kannst du kurz deinen Werdegang beschreiben – wie du zur Gestaltung gekommen bist, welche Leidenschaft du damit verknüpfst und womit du heute im Wesentlichen dein Einkommen bestreitest?

Achim: Gestaltung begann bei mir maßgeblich mit Airbrush. Als Jugendlicher habe ich mir mit der Gestaltung von T-Shirts, Einladungskarten und Schildern ein Taschengeld verdient. Eigentlich wollte ich damals Innenarchitektur studieren, bis mich ein Kunde mal gefragt hat, ob Grafikdesign für mich nicht die bessere Wahl sei. Die Frage brachte Einiges ins Rollen. Bei einem einjährigen Praktikum in einem kleinen Designbüro, habe ich dann herausgefunden, was ich mein Leben lang machen möchte. Ich zog dann 1994 zwecks Studiums aus dem Rheinland nach Hannover. Wo ich bis Anfang 1999 “Designinformatik”, so hieß der Studiengang tatsächlich, studierte. An der FH Hannover habe ich in den 5 Jahren eine unglaublich wertvolle Sensibilisierung für Farben und Formen erfahren. Nach den Vorlesungen und an den Wochenenden arbeitete ich zudem freiberuflich für zahlreiche Agenturen in Hannover und gestaltete für ein Plattenlabel alles, was sie benötigten. Seit Oktober 2000 arbeite ich bei der Agentur Cybay New Media, wo ich heute den Bereich Design leite, was auch den letzten Teil Deiner Frage beantwortet. Noch mal kurz zur angesprochenen Leidenschaft. Während meiner Weltreise habe ich festgestellt, dass ein Leben ohne kreatives Arbeiten für mich ein Stück weit unausgefüllt ist. Trotz der Freiheit jeden Tag tun und lassen zu können wonach einem ist, verspürte ich mit Fortdauer der Tour ein innere Unruhe, die daraus resultierte, dass meine Kreativität nicht ausgelebt werden konnte. Es gibt wohl zwei Dinge, die ich nicht abstellen bzw. in mir unterdrücken kann. Fernweh und die Leidenschaft für das Gestalten.

Frage: Gestaltung lebt im Spannungsfeld zwischen Kreativität und Funktionalität. Wo liegen bei dir die Prioritäten?

Achim: Gerade bei den digitalen Medien ist Funktionalität unablässlich. Nutzer dürfen erwarten, dass ein Webauftritt die für sie relevanten Informationen leicht zugänglich bereithält. Ist dies nicht gegeben, werden sie eine alternative Adresse ansteuern. Bei jedem meiner Projekte schlüpfe ich selbst in die Rolle des Nutzers, um das Design in Bezug auf seine »Führungsqualitäten« zu hinterfragen. Gleichzeitig ist das Design eine entscheidende Komponente innerhalb eines Markenauftritts, um sich vom Mitbewerber deutlich sichtbar zu unterscheiden. Ein gutes Corporate Design sollte im Idealfall sowohl gangbare Wege aufzeigen und notwendige Grenzen ziehen, aber auf der anderen Seite den unterschiedlichen Medienadaptionen möglichst viel Freiraum einräumen. Wahrlich ein Spagat. Über die Jahre hat sich mein Schwerpunkt deutlich in Richtung Design für digitale Medien verlagert, wo ich mich heute sehr sehr wohl fühle. Mich fasziniert die Dynamik in Web und die Aufgabe Design und Funktion unter einen Hut zu bekommen jedes Mal aufs Neue.

Frage: Wie gehst du ein Gestaltunsprojekt an? Wie kommst du zu kreativen Lösungen und was machst du, wenn sich die Inspiration einmal nicht bis zur Deadline einstellt?

Achim: Stressig und hektisch gehts bei mir nicht zu. Ich gehe eigentlich sehr besonnen und gut sortiert an eine Aufgabe. Selbst an Stellen, wo es mal hakt überwiegt bei mir immer die Zuversicht, dass am Ende etwas Gescheites dabei rum kommt. Vor der Gestaltung beginne ich mit der Sondierung der Mitbewerber. Eine Recherche, sofern sie nicht schon während der Konzeption erfolgte, ist meist der erste Schritt. Das gilt für die Entwicklung einer CD-Linie ebenso wie für das Design von Webanwendungen. Aufgrund vielfältiger Vorgaben, Anforderungen und Ziele kanalisiert sich das Design dann meist in eine entscheidende Richtung. Diese wird dann ausgearbeitet. Ich glaube ein Entwurf sollte immer auch ein Stück weit eine Empfehlung für das gemeinsam verfolgte Ziel sein, weshalb ich eher davon absehe den Kunden mit zu vielen unterschiedlichen Varianten zu verwirren, die zwar alle recht unterschiedlich sein können, bei denen aber dann später offenkundig würde, dass sie eine konzeptionelle Tiefe vermissen lassen. Diese, meist aus Zeitknappheit, geborenen Pseudoentwürfe können später ein Projekt arg bedrängen. Zugegeben gelingt es nicht immer einen Neukunden, davon zu überzeugen, dass ein gut durchdachter Entwurf mehr kann, als drei eben mal auf die Schnelle skizzierten, gewollt unterschiedlichen Lösungsansätze. Sicherlich sollte man aber immer auch berücksichtigen, dass Kunden anders ticken, als Kreative. Deswegen muss ein Entwurf trotz aller Empfehlung offen genug sein, die nicht erfüllten Wünsche aus Kundensicht noch mit aufzunehmen. Klingt nach einer Gratwanderung. Ist aber aus meiner Sicht weniger schwindelerregend, als es sich anhört.

Frage: Welche Bedeutung hat Schrift und Typografie für deine Arbeit?

Achim: Da mein Schwerpunkt in den, durch technischen Restriktionen bestimmten digitalen Medien liegt, ist die Bedeutung sicherlich nicht so groß, wie bei Kreativen der Print-Branche. Im Mittelpunkt stehen eher die Auseinandersetzung mit Systemschriften, sowie die verschiedenen Techniken zur Einbindung von Hausschriften per Image- und Flash-Replacement (sIFR). Nichtsdestoweniger schätze ich eine gute Typo sehr. Typografie ist eine DER Säulen innerhalb einer CD-Linie. Ich bewundere die Schriftengestalter für ihre Arbeiten, allerdings wäre es mir persönlich zu nüchtern sich alleine mit der Konstruktion von Buchstaben zu beschäftigen. Bei der Logogestaltung wähle ich eher Schriften, die über einer sachliche Anmutung verfügen.

Frage: Und welche Bedeutung haben Bilder für dich? Woher beziehst du sie in der Regel? Ich nehme an – wenn ich dein Kunden-Portfolio so ansehe –, dass du eher fotografieren lassen kannst, anstatt dich bei klassischen oder gar lizenzfreien Agenturen bedienen zu müssen.

Achim: Bilder geben einem Projekt erst die notwendige Würze. Sie brennen sich schneller in die Köpfe der Menschen ein, als jedes Wort. Sie transportieren zwischen den Zeilen die Unternehmenskultur und sprechen unsere rechte Gehirnhälfte an, die sich um die Emotionen kümmert. Ich bin immer sehr glücklich, wenn Kunden bereits einen »Haus- und Hof-Fotografen« mitbringen. Ein Empfehlung spreche ich stets in Richtung Fotos vom Fotografen aus. Man sieht es dem Projekt später einfach an. Das Geld ist immer gut angelegt und für den Preis einer überteuerten Bilder-CD bekommt man locker auch 50-60 originäre Bilder vom Fotografen. Hier ist dann auch ausgeschlossen, dass man die erworbenen Bilder auf einer anderen Website entdeckt, was ich aus Kundensicht immer eher etwas peinlich fände. Anbieter bei denen ich schon einmal Bilder im Auftrag des Kunden erworben habe, sind PantherMedia, GettyImages, iStockphoto und Fotolia.

Frage: Ich bin der Ansicht, dass das Thema »Corporate Design« (bei kleineren Unternehmen ein stringentes Erscheinungsbild) in der Ausbildung von Gestaltern recht stiefmütterlich behandelt wird. In der späteren Berufspraxis wird es dann oft vernachlässigt, nicht verstanden um nicht zu sagen: ignoriert. Natürlich verengt es den Rahmen, in dem Kreativität statt finden kann. Doch ein guter Gestalter sollte in der Lage sein, auch unter klar abgegrenzten Rahmenbedingungen gute Lösungen zu erarbeiten.
Wie stehst du zu diesem Thema?

Achim: Das hängt vermutlich mit der Komplexität der Aufgabe zusammen. Tatsächlich war es auch zu meiner Studienzeit so, dass die Ausarbeitung einer kompletten CD-Linie erst im Diplom von Einigen angegangen wurde. Die Kombination Logo + Geschäftsausstattung ist sicherlich häufig angefragt gewesen, auch dank einiger Wettbewerbe, allerdings ist es damit ja nicht getan. Mein Studium war sehr vielschichtig. Fotografie, Messedesign, Kommunikationsdesign, Editorialdesign, Corporate Design, Kalligraphie, Animation, Webdesign, etc. Ich glaube die Erfahrungen, die man in jeder Disziplin gemacht hat, helfen einem später die ersten Aufträge anzugehen. Ich persönlich habe rückblickend vor allem Vorlesungen zum Thema CI/Branding/Marke vermisst. Beim gestalten einer CD-Linie geht es doch in erster Linie darum, die Unternehmensidentiät zu visualisieren. Um dies zu können, muss man sich aber zunächst einmal mit Kern der Marke oder dem, wofür das Unternehmen steht auseinandersetzen. Als Student hätte ich mir gewünscht, dass nicht nur die Disziplin Gestaltung auf dem Programm gestanden hätte, sondern auch Designberatung, bei der Kreative und Kunde gemeinsam Leitlinien entwickeln, die dann wiederum Auswirkungen auf ein Corporate Design haben. Oftmals ist es doch so, dass Kreative eine Aufgabe auf den Tisch bekommen, die sie dann umsetzen dürfen.

Frage: Gibt es ein Buch für dich, von dem du sagst: »Das muss jeder Gestalter gelesen haben!«

Achim: Wer Webdesign erstellt, sollte ein Vorstellung davon haben was Usability ist. An Jakob Nielsens Theorien / Standardwerken kommt man nicht vorbei, selbst wenn sich immer wieder Dinge ändern, was er selbst betont. Statt sich mit den eigenen Lieblingsfarben zu beschäftigen halte ich es für wichtiger sich mit den Bedürfnissen der Surfer auseinander zu setzen, dem eigentlichen Nutzen (Utility). Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Aspekten, die es Wert sind mehr als einen Gedanken daran zu verschwenden. Themen wie Farbenlehre, Informationsarchitektur (Integrierte Informationsarchitektur, Hendrik Arndt), Corporate Identity und auch die Markenführung (Brand Future, Achim Feige) sind allesamt überaus spannend.

Frage: Hast du noch weitere Informationstipps? Zeitschriften? Websites? Blogs? Oder: Wie informierst du dich und was sind deine Lern- und Inspirationsquellen?

Achim: Ehrlich gesagt würde ich Dir gerne mal über die Schulter schauen, wenn Du mit Photoshop arbeitest. Ich bin sicher, auch wenn ich fast 10 Jahre damit arbeite gibt es eine Menge, was ich noch dazu lernen könnte. Es ist einfach unglaublich komplex. Ansonsten stecke ich meine Nase berufs- und passionsbedingt täglich in unzählige Webauftritte. Wie war das damals noch mit der Inspiration, bevor es das Internet gab? Es ist mit Abstand die größte Inspirations- und Informationsquelle. Wenn ich ein Logo auf den Weg bringe nutze ich es außerdem zur Vorabrecherche. »Los Logos« und ähnliche Büchersammlungen helfen zudem dabei eine grobe Richtung einzuschlagen. Ich schaue mir wie gesagt vor einem Projekt immer die Lösungen der Mitbewerber und der Konkurrenz an, um auszuschließen und einzugrenzen.

Frage: Was würdest du Neueinsteigern raten, die Gestalter werden möchten: Wie wird man Gestalter und wie schafft man den Einstieg in die Branche?

Achim: Alles, was aus dem Kunstunterricht stammt zur Seite legen und eine Mappe eigens für die Bewerbung an einer Hochschule NEU anlegen. Zeichnungen aus der 12. Klasse interessieren keinen. Eine erste Anlaufstelle für Anwärter eines Designstudiengangs ist Precore.net. Hier zeigen Studenten ihre Mappen, mit denen sie erfolgreich die Aufnahme geschafft haben, so dass man einen guten Eindruck erhält, welche Leistung notwendig ist, um an einer Hochschule aufgenommen zu werden. Einrichtungen wie die VHS bieten zudem spezielle Mappenvorbereitungskurse an. Diese gehen über mehrere Monate und bereiten einen auf das Studium schon recht gut vor. Nach einem mehrjährigen Studium kann man sich schließlich in eine Agentur oder in die Selbstständigkeit wagen. Ohne solch eine Sensibilisierung für Farben und Formen geht man meiner Ansicht nach immer auf recht dünnem Eis, was aber nicht heißt, dass auch Ausnahmetalente ohne ein Studium erfolgreich sein können.

Frage: Gibt es sonst noch einen besonderen Rat oder Tipp, den du allen aufstrebenden Gestaltern mit auf den Weg geben möchtest?

Achim: Sich immer wieder Fragen stellen. Gutes Design ist meiner Meinung nach die Kunst des Weglassens. Muss diese Linie sein? Oder bekommt man eine Strukturierung auch nur mit Hilfe der Typografie hin? Außerdem lohnt es sich, mit dem, was man gestaltet tatsächlich zu beschäftigen und es nicht nur links oder rechts zu positionieren. Wie steht es um die Begrifflichkeit? Soll die Überschrift wirklich so bleiben? Ein Gestalter, der neben den Farben auch die Sprache selbst im Blick hat, kann für das Gesamtergebnis nur von Vorteil sein. So zumindest meine Interpretation von »Kommunikationsdesigner«.

Frage: Aus persönlichem Interesse: Ich bin über deine Aktivitäten im Internet auf dich aufmerksam geworden. Weshalb engagierst du dich auf diese Weise?

Achim: Vermutlich ist der Beweggrund nicht unähnlich mit dem vieler anderer Blogger. Know-how vermitteln, Diskussionen anstoßen und sich daran beteiligen, nicht nur Konsument sein sondern auch Produzent. Nach über 10.000 Kommentaren, die meine Artikel in gerade einmal 2 Jahren erhalten haben, bin ich zudem davon überzeugt, dass es viel Diskussionsbedarf zu Designthemen im deutschsprachigen Raum gibt. Das freut mich sehr. Ich will meinen Teil dazu beisteuern, dass dies auch weiterhin so bleibt.

10.000 Kommentare!? Wow! Ich habe in derselben Zeit gerade mal etwas über 500 empfangen dürfen. Gratulation zu dem tollen Erfolg und auch weiterhin alles Gute – beruflich, für dein Weblog und natürlich vor allem auch privat. Ich bedanke mich für das tolle Interview.

Put my hands on it: Nikon D700

Posted in etc.

Beim Foto-Workshop der Nikonschool auf der bregenzer Seebühne habe ich eine erste Gelegenheit mit der brandneuen Nikon D700 drei Tage lang zu Fotografieren. Die Ergebnisse werden irgendwann in den nächsten Tagen auf Flickr zu sehen sein.

Zunächst einmal kann ich sagen, dass die Kamera verdammt gut in der Hand liegt. Ich hatte sie mir irgendwie klobiger, größer, bolidiger vorgestellt. Stattdessen wirkt sie angenehm kompakt und liegt dabei doch satt in der Hand. Eine Umstellung, für mich als D80-Anwender, war natürlich der Umfang der Funktionen und Menüeinstellungen. Wenn man an einer Bühne fotografiert und sein Gerät blind beherrschen sollte, dann ist es ein echtes Handikap plötzlich mit einem anderen Gerät, als dem gewohnten, arbeiten zu müssen. Allerdings lässt sich die Kamera, abgesehen von den umfangreicheren Einstellungsmöglichkeiten, genau wie die D80 bedienen – und die logische Bedienung ist etwas, was ich an meiner Nikon besonders schätze. Die Ergonomie der D700 ist übrigens noch einmal einen ordentlichen Schuh besser, als bei der D80. Bei den kleinen Tasten auf der D80 muss ich auch nach zwei Jahren der Bedienung immer wieder die richtige ertasten, wenn ich beispielsweise eine Belichtungskorrektur einstellen möchte. Bei der D700 finden die Finger schon nach der ersten Minute alle wichtigen Tasten wie von selbst.

Die Ergebnisse meines ersten Shootings bei der Fotoprobe der Oper Tosca sind für mich auf jeden Fall umwerfend. Man muss hier aber der Wahrheit die Ehre geben: Für die tollen Ergebnisse ist nicht nur die Kamera verantwortlich, sondern sicher auch das tolle Nikkor 200mm 1:2G Objektiv. Danke schon einmal jetzt an die Firma Nikon für die tolle Veranstaltung.

Vollformat oder Crop?

Posted in Fotografie

Bei picspack.de fand ich dieser Tage einen Artikel mit dem Titel »Vollformat vs. Crop«. Zur kurzen Erklärung worum es geht: Zu Zeiten der analogen Fotografie – also dem Aufzeichnen der Bilder auf Film – hatte sich für Normalverbraucher-Kameras das sogenannte Kleinbildformat (KB-Format) durchgesetzt: 36x24mm. Das Format der Sensoren in digitalen Spiegelreflexkameras ist in der Regel kleiner, als das Format des Films in analogen Spiegelreflexkameras – bei Nikon 23,6×15,7mm, bei Canon 22,2×14,8.

Welche Vor- und Nachteile das mit sich bringt soll im Moment nicht Thema dieses Artikels sein. Was mich interessiert: Wird das Vollformat kommen und die kleineren Formate verdrängen? Ich behaupte: Ja.

Dabei halte ich es für müßig die Frage auf Basis der reinen Vernunft beantworten zu wollen. Der Umstieg von den kleineren Sensoren auf das jetzt als Vollformat bezeichnete Kleinbildformat bedeutet, dass die meisten Objektive die wir in den letzten Jahren für digitale SLR-Kameras gekauft haben, für das größere Format bestenfalls noch suboptimal sind. Für die Kamerahersteller natürlich ein Traum! Sie können uns all die teuren Zoom-, Fixbrennweiten- und Makroobjektive, die wir in den letzten Jahren für die kleinen Sensoren gekauft haben, neuerlich verkaufen – diesmal für das Vollformat. Für uns Konsumenten wird das in erster Linie teurer. Ob die Vorteile, die das größere Format mit sich bringt, diese Investitionen rechtfertigen, mag ich bezweifeln.

Nach vernünftigen Maßstäben mag es also sinnvoll sein, das mit der digitalen Spiegelreflexfotografie eingeführte Format zu behalten (ich betone das »mag«, denn es gibt auch genügend Argumente die für die Rückkehr zum Standard 36x24mm sprechen). Dennoch bin ich mir sicher, dass sich das KB-Format in den nächsten ein bis drei Jahren gegenüber den kleineren Formaten durchsetzen wird.

Das wichtigste Argument, welches die Massen des Marktes hin zum KB-Format bewegen wird lautet nämlich: Viel hilft viel.

Zwar wissen wir, dass das Nonsens ist, aber dennoch funktioniert der Markt genau nach diesen Maßstäben. Das haben wir in den vergangenen zwei Jahren sehr schön bei den digitalen Kompaktkameras gesehen. Der Konsument bewertet die Qualität einer Kamera nach der Anzahl der Megapixel. Mehr Megapixel = bessere Kamera. Stimmt aber absolut nicht! Ganz im Gegenteil. Für die kleinen Sensoren von Kompaktkameras sind mehr als sechs Megapixel Gift (siehe www.6mpixel.org). Das weiß der informierte Leser und das wissen die Kamerahersteller.

Dennoch haben Nikon, Canon, Olympus und Konsorten längst keine Kamera mit sechs Megapixel mehr im Programm, sondern bieten sieben, zehn und zwölf Megapixel-Modelle. Nicht, weil sie es nicht besser wüssten, sondern weil sie auf ihren Modellen mit geringerer Auflösung sitzen bleiben würden. Fuji war der letzte Mohikaner, der noch ein Sechsmegapixelmodell angeboten hat. Aber auch Fuji hatte wohl trotz aller Vorbehalte keine Lust mehr Ladenhüter zu produzieren, und deshalb hat heute auch dieser Hersteller keine Kompaktkamera mit vernünftiger Auflösung mehr im Programm.

Und genau dies wird in den kommenden Monaten auch beim Format der Sensoren passieren. Viel hilft viel. Also sind größere Sensoren auch automatisch besser als weniger große. Noch vor wenigen Wochen (und ich meine wirklich ganz, ganz wenige Wochen) habe ich mit Fachleuten, die im Umfeld von Kameras ihren Lebensunterhalt bestreiten, darüber diskutiert, ob denn das Vollformat nun komme oder nicht. Beide Experten betonten, dass es nicht vernünftig wäre, im Consumer-Bereich (also bei Kameras für Otto-Normalverbraucher) auf KB umzusteigen. Beide meinten, dass das KB-Vollformat eine Domäne der professionellen Boliden bleiben werde.

Das Erscheinen der Nikon D700 straft nun aber diese Ansicht einen Irrtum. Nachdem Canon schon länger mit der 5D eine einigermaßen erschwingliche DSLR mit Vollformat im Programm hat, bedient nun auch der zweite Platzhirsch den Markt mit einer semiprofessionellen Kamera mit Vollbild. Sony wird sicher bald folgen.

Natürlich ist der Einzug des KB-Sensors in der semiprofessionellen Klasse nur der Anfang einer Entwicklung, an dessen Ende »alle« DSLR-Kameras einen Sensor im Format 36x24mm haben werden. Ausnahme könnte am Ende wohl einzig der Four-Thirds-Standard von Olympus und Panasonic sein.

Der Wechsel zurück zum KB-Standard dürfte schmerzhaft werden für alle – mich eingeschlossen –, die in den vergangenen Monaten für das kleinere Format optimierte Objektive gekauft haben. Neue Objektive werden langfristig unumgänglich sein, und für den Bestand der Optiken für die kleineren Sensoren wird der Gebrauchtmarkt wohl keine Spitzenpreise mehr zulassen.

Bleibt zu hoffen, dass sich am Ende wenigstens das KB-Format wieder als Standard über Marken- und Systemgrenzen hinweg etablieren wird, und wir vor allem innerhalb eines Systems wieder Optiken haben, die sowohl auf Einsteiger- wie auch auf Profikameras ihr Bestes geben.