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Markus Wäger Posts

Bokeh und Schärfentiefe sind nicht dasselbe!

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Olympus E-M1 (Mk1) | Voigtlaender 42,5 ƒ0,95 Nokton | 1/250s | ISO200 | Kabellose Systemblitze | Exposure X

Diskussionen über Kamerasysteme drehen ich beinahe ausschließlich um vier Faktoren: Auflösung, High-ISO-Performance, Dynamikumfang und »Bokeh«. Dabei hat ein Kamerasystem dutzende Eigenschaften – und ich meine damit wirklich viele Dutzend! Ob es Zufall ist, dass ausgerechnet Eigenschaften im Zentrum der Debatten stehen, mit denen sich die vermeintliche Überlegenheit von Vollformat belegen lässt?

Ich vermute, viele Fotografen halten diese vier Aspekte deshalb für von so zentraler Bedeutung, weil viele Fotografen behaupten, dass sie das sind. Ich glaube aber, dass es nicht möglich ist herauszufinden, was für einen persönlich von echter Bedeutung ist, wenn man sich darauf verlässt, was andere als bedeutend proklamieren. Man kann nur selbst herausfinden, was für einen das Optimale ist. Das birgt natürlich das Risiko, etwas zu kaufen, das sich in der Praxis nicht bewährt. Ich habe schon Unmengen an fotografischem Zubehör gekauft, das meinen praktischen Anforderungen nicht gerecht wurde. Allerdings ist die Qualität von Kameras und Objektiven heute quer über alle bekannten Marken hinweg dermaßen hoch und die Technik so weit entwickelt, dass die Wahrscheinlichkeit ein für den eigenen Anspruch völlig ungeeignetes System zu erwischen ausgesprochen gering ist.

Über Auflösung habe ich schon viel, über Rauschverhalten einiges gepostet – ich denke dem Thema Dynamikumfang werde ich mich demnächst einmal zuwenden. Heute möchte ich mich einem Missverständnis bzw. einer Missinterpretation von Bokeh widmen.

»Bokeh« kommt aus dem Japanischen, und steht für die Qualität der Unschärfe einer Aufnahme. Praktisch quer durch die ganze Blogo- und Vlogosphäre wird Bokeh mit geringer Schärfentiefe gleichgesetzt. Doch das entspricht nicht der eigentlichen Bedeutung des Wortes. Eine Kamera-Objektiv-Kombination kann zu einer ausgesprochen geringen Schärfentiefe führen und gleichzeitig ein unschönes Bokeh erzeugen.

Selbst fasziniert von geringer Schärfentiefe habe ich mir zu meiner zweiten OM-D – der E-M1 – ein manuelles Voigtlaender 45mm ƒ0.95 Nokton gekauft. Bei Porträts vor dem einfarbigen Hintergrund des Studios hat das zu absolut wunderbaren Aufnahmen geführt – ich liebe jedenfalls den Charakter des Porträts oben. Vor unruhigem Hintergrund hingegen erzeugte diese Linse ein Bokeh mit dem ich mich überhaupt nicht anfreunden konnte.

Olympus E-M1 (Mk1) | Voigtlaender 42,5 ƒ0,95 Nokton | 1/2500s | ISO200 | Capture One Pro

Unten ist ein 100%-Ausschnitt aus dem Foto oben zu sehen. In den kontrastreichen Details im Unschärfebereich zeigen sich pinke und sattgrüne Farben, die da nicht hin gehören. Das Objektiv erzeugt zwar eine sehr geringe Schärfentiefe (vergleichbar mit ƒ1.8 bei Vollformat) aber das Bokeh ist definitiv nicht schön.

Ein Objektiv mit dem ich einige Zeit besonders gerne fotografierte, war das Sigma 24mm ƒ1.8 (an der Nikon D700). ƒ1.8 ist eine enorme Lichtstärke für ein 24mm Weitwinkel und ermöglicht Aufnahmen mit ganz speziellem Charakter. In den meisten Fällen erhielt ich damit ein schönes Bokeh. In der speziellen Situation unten jedoch wirkt das Bokeh harsch und hart.

Nikon D700 | Sigma 24mm ƒ1.8 | 24.mm | ƒ2 | 1/40s | ISO200

Es ist eine Tatsache, dass das MFT-System bei vergleichbarer Brennweite und selber Blende eine um zwei Blendenstufen größere Schärfentiefe abbildet, als Vollformat. Das heißt aber nicht, dass man behaupten kann, Vollformatobjektive hätten ein um zwei Stufen schöneres oder besseres Bokeh. Die Qualität von Bokeh lässt sich zwar subjektiv beurteilen, aber nicht objektiv messen!

Die Schärfentiefe von MFT ist unter vergleichbaren Bedingungen zwar geringer als mit größeren Formaten. Nach meinem Dafürhalten liefern sie aber oft eine besonders weiche und attraktive Weichzeichnung. Als ich zum ersten Mal mit der E-M1 fotografierte hatte ich ein geliehenes 12–50mm ƒ3.5–6.3 im Einsatz. Was mich dabei überrascht hat, war das attraktive Bokeh, das es in Porträtsituationen abgebildet hat, obwohl doch ƒ6.3 bei 100mm KB alles andere als berauschend klingt.

Rückblickend und mit der Erfahrung von heute betrachtet sehe ich zwar, dass der Hintergrund keine besonders ausgeprägte Unschärfe zeigt, allerdings doch ausreicht, um ein Subjekt vom Hintergrund hervorzuheben. Ich wage auch zu behaupten, dass weniger und dafür weiche Unschärfe besser für den Charakter einer Aufnahme ist, als starke jedoch unruhige Weichzeichnung. Dass Betrachter die selbst nicht fotografieren (und nicht von Bokeh besessen sind) etwas detailliertere Hintergründe sogar bevorzugen, gegenüber völliger Auflösung jeglicher Struktur in Unschärfe, legt ein Video nahe, das ich hier geteilt habe.

Ich möchte damit den Faktor Bokeh nicht klein reden. Ich habe schon einige Aufnahmen gesehen, von denen ich sicher bin, dass sie so mit meinem MFT-System nicht zu machen gewesen wären. Ich hatte einmal das Vergnügen mit einem Nikkor 200mm ƒ2.0 zu fotografieren. Das ist ein umwerfendes Objektiv mit dem sich ganze Personen von Kopf bis Fuß vom Hintergrund freistellen lassen – ich habe nichts, womit ich das annähernd erreichen könnte. Das Objektiv liefert gleichzeitig extrem geringe Schärfentiefe und ein ausgesprochen angenehmes cremiges Bokeh. Aber es hat knapp 3kg und kostet knapp 7000 Euro. Um in so etwas zu investieren braucht man gute Gründe und um es mit sich herumzuschleppen bräuchte man starke Schultern und Rückenmuskulatur.

Selbstverständlich gibt es auch für wenig Geld Vollformatlinsen mit schönem Bokeh – für das DX Nikkor 35mm ƒ1.8 (155 Euro bei Amazon) oder das Nikkor 50mm ƒ1.8 (149 Euro bei Amazon) kann ich das aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich kann aber ebenso aus eigener Erfahrung betätigen, dass mich die etwas geringere Schärfentiefe fotografisch nicht in irgendeiner weise einschränkt und ich nicht im mindesten den Eindruck habe, dass meine MFT-Aufnahmen schlechter wären, als meine Vollformatfotos. Nicht zuletzt, weil Bokeh nicht dasselbe ist, wie geringe Schärfentiefe. Und weil Schärfentiefe nur ein Faktor von vielen ist.

Nachtrag: Was in der Diskussion übrigens meist unter den Tisch fällt, ist, dass mehr Schärfentiefe nicht grundsätzlich nachteilig ist. Bei Makro und Gruppenaufnahmen unter Low-light-Bedingungen ist es ein Vorteil. Wenn diese beiden Themen in der eigenen fotografischen Arbeit eine wesentliche Rolle spielen, kann man sogar mit Fug und Recht behaupten, dass kleinere Sensoren in Sachen Schärfentiefe besser sind.

Video: James Popsys über Bildrauschen (und zwei weitere Videos)

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Was James Popsys in diesem Video über Bildrauschen sagt, deckt sich im Wesentlichen mit dem, wie ich darüber denke. Bei den allermeisten von mir eingefangenen Motiven bei denen es – weshalb auch immer – zu Bildraschen gekommen ist, stört es mich nicht, oder es unterstützt sogar die Stimmung der Aufnahme. Manchmal füge ich Bildern die zu clean wirken Rauschen hinzu, was sich dann »Grain« (Korn) nennt, so wie es auch Popsys erwähnt. In meinen Augen ist der Unterschied zwischen Rauschen und Korn eher akademischer Natur – einem Laien lässt er sich wohl kaum einleuchtend erklären.

Natürlich gibt es Motive bei denen Rauschen die Qualität nicht nur theoretisch mindert – ich schreibe hier theoretisch, weil jegliches Rauschen die Detailschärfe und damit die Abbildungsqualität mindert, aber gute Fotos nicht wegen ihrer Abbildungsqualität gute Fotos gut. Ein gutes Foto zeigt in interessantes Motiv fotografisch gekonnt eingefangen. Detailschärfe und Rauschfreiheit sind im Verhältnis zu diesen beiden Faktoren von geringer Bedeutung. Solchen Details wird in der fotografischen Diskussion viel zu viel Bedeutung beigemessen. Rauschverhalten, Auflösung, Dynamikumfang, Schärfentiefe sind Faktoren der Fotografie. Natürlich! Aber eben nur vier von vielen. Bildstabilisierung, Ergonomie, Benutzerführung, Bedienkonzept, Transportabilität, Serienbildgeschwindigkeit, Eigenschaften von Sucher und Display, Fokussierung, Sonderfunktionen (HDR, Fokusstacking, Live-Langzeitbelichtung), Abdichtung gegen Umwelteinflüsse, Verarbeitungsgeschwindigkeit und viele weitere Aspekte spielen eine Rolle für den Wert und den Nutzen einer Kamera für einen bestimmten Fotografen.

Ich weiß natürlich aus eigener Erfahrung, dass gerade wenn man Tiere fotografiert jegliches Rauschen ein Störfaktor ist. Der flauschige Pelz eines Eichhörnchens und die feinen Details im Gefieder eines Vogels leiden darunter. Zumindest theoretisch. Theoretisch, weil man die Qualitätsminderung in der Vergrößerung am Monitor definitiv erkennen kann. Die Frage ist allerdings, ob dieser Unterschied auch praktisch und ohne Lupe in einem Ausdruck zu erkennen ist. Oder ob man es an einem Monitor oder Fernseher bei Wiedergabe des gesamten Bildes noch erkennen kann, wenn man sich beispielsweise eine Diashow ansieht.

Das bringt mich zurück auf das Video von James Popsys und die Stelle, an der ich dachte, das ich es teilen muss. Ab Minute 7:09 sagt er in etwa: »Wenn du unsicher bist, ob ein Bild gut ist oder nicht, dann frag dich, ob du immer noch glücklich damit wärst, wenn du es mit ISO6400 geschossen hättest. Wenn die Antwort ja ist, dann hast du ein großartiges Foto gemacht. Wenn die Antwort nein ist, hast du ein Foto das nett ist, weil es wenig Rauschen enthält, was etwas komplett anderes ist, als ein gutes Foto.«

Als ich diesen Beitrag zu schreiben begann, fielen mir noch zwei weitere Videos ein, die ich dieser Tage sah, die ich an sich teilenswert fand und auf die ich zunächst via Link verweisen wollte. Aber anstelle eines Links kann ich sie natürlich genauso gut einbetten, weshalb sich unten noch zwei weitere Videos finden. Im ersten erzählt noch einmal Popsys, dass es beim Fotografieren nicht darum gehen sollte Punkte zu sammeln, wie man es (beispielsweise) beim Golf tut. Wer dauernd mit dem Anspruch mit großartigen Bildern nachhause zu kommen vor die Tür geht, wird enttäuscht werden. Oft rückt man aus und kommt nicht mit einem einzigen wirklich guten Foto nachhause.

Man sollte nicht mit der Erwartung bei jeder Fotosession ein Album voller galeriereifer Kunstwerke zu ernten fotografieren. Vor allem, wenn man nicht darauf angewiesen mit seinen Fotos den Lebensunterhalt zu verdienen, sollte es um die Leidenschaft des Tuns gehen (Nebenbemerkung: auch Berufsfotografen werden selten beauftragt Kunstwerke zu kreieren, sonder eher Produkte, Portraits oder Events abzulichten). Wer die Fotografie sowohl ohne Bezahlung als auch ohne Leidenschaft ausübt, am Prozess des Fotografierens an sich keine Freude hat, und nur ausrückt, um später großartige Fotos herzeigen zu können, ist in meinen Augen selbst schuld. Er (oder sie) sollte die Zeit besser mit Beschäftigungen verbringen, die ihm tatsächlich Spaß machen (ganz abgesehen davon, dass es ohne Leidenschaft ohnehin noch schwieriger sein dürfte bemerkenswerte Fotos einzufangen). Popsys sagt dasselbe, was auch ich immer wieder über Fotografie sage: Der Weg sollte das Ziel sein.

Ergänzend zum Video oben finde ich das folgende von Jamie Windsor sehenswert.

Ich persönlich sehe meine alten Bilder nicht ganz so kritisch, wie Jamie Windsor. Manche davon finde ich noch immer gut und mit vielen bin ich zumindest deshalb zufrieden, weil ich sie für gut für meinen damaligen Stand des Wissens und Könnens halte. Diese etwas unkritischere Haltung gegenüber dem, was ich gestern fotografierte, könnte natürlich daran liegen, dass ich erst gar nicht mit dem Anspruch Kunst zu kreieren fotografiere. Es geht mir eben viel mehr um den Prozess des Fotografierens an sich geht. Etwas überspitzt könnte man sagen, dass es fast schon ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass dabei immer wieder auch Bilder hängen bleiben, die ich noch später gerne sehe, weil sie entweder gut gelungen oder mit einer Erinnerung verbunden sind.

Seit ich das Video oben sah und mir dachte, das sollte ich doch schnell teilen, sind 1,5 Stunden vergangen. So geht es mir oft, wenn ich denke ich könnte noch schnell einen Post für meinen Blog schreiben. Und dabei wollte ich heute doch zum Fotografieren ausrücken. Nun, vielleicht nach dem Mittagessen.

Langzeit und HDR Freihand

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Olympus E-M5 II | M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0–5.6 | 14mm (28mm KB) | ƒ5.6 | BKT 1/3s–5s | ISO1600 | Belichtungen mit Aurora HDR zu HDR-Bild vereint

Ich schrieb kürzlich, dass ich das Spielerische in der Fotografie zurückgewinnen möchte. Das heißt Augen offen halten und neugierig für alles zu sein, es bedeutet für mich aber auch mit der Technik zu spielen.

Parallel beschäftige ich mich auch intensiv mit der Frage ob man mit MFT professionell fotografieren kann. Für mich selbst ist das zwar kein Thema, da ich der Ansicht bin, dass ich es kann. Das entnehme ich unter anderem dem Feedback auf die Bilder in meiner kreativen Fotoschule, die überwiegend von MFT-Kameras stammen. Aber da das leidige Thema in Blogs, Vlogs und Foren endlos zu Tode gekaut wird lässt mich nicht unberührt.

Das Thema Auflösung habe ich ausreichend untersucht und da ich regelmäßig Fotos in A3+ drucke, am Flur der Wohnung aufhänge und niemand würde sagen können, welche Aufnahme mit Vollformat und welche MFT entstanden ist, ist das Thema für mich gegessen. Was mich jetzt mehr interessiert ist die oft geäußerte Kritik an der Low-light-performance von MFT. Deswegen bin ich schon vor ein paar Tagen während des Tages in unsere Pfarrkirche hinein, um ein paar Testaufnahmen zu machen, und gestern habe ich ein paar nach Sonnenuntergang von außen eingefangen.

Um es möglichst sportlich zu nehmen, habe ich die etwas ältere, geringer aufgelöste und mit einfacherer Bildstabilisierung ausgestattete Olympus E-M5 II gewählt. Die Aufnahme oben ist ein HDR-Bild aus einer Belichtungsreihe mit fünf Aufnahmen von 1/3s bis 5s – insgesamt dürfte die Aufnahme der Reihe etwa 10s gedauert haben.

Um die Kamera etwas zu stabilisieren, habe ich sie auf einem Pfosten aufgesetzt, der allerdings keinen stabilen Halt bot. Bei solchen Aufnahmen habe ich immer das Gefühl, dass ich die Aufnahme verwackle, weil ich sie nicht stabil genug halten kann, wenn ich versuche sie locker zu halten, und wenn ich sie fester in den Griff nehme verkrampfe ich etwas und verwackle deshalb.

Nicht alle Belichtungen und Belichtungsreihen die ich aufgenommen habe, sind ausreichend scharf ausgefallen, aber eine (von drei oder vier Reihen) war gut genug um mit Aurora HDR ein HDR-Bild daraus zu generieren. Die Details der Aufnahmen sind etwas unscharf, was bei der langen Verschlusszeit aber nicht verwundern darf. An die Wand hängen würde ich das Bild jedenfalls nicht. Allerdings schaffen heute ohnehin nur wenige Fotos den Weg auf Papier und für die Wiedergabe am Bildschirm halte ich das Resultat für nicht schlecht. Vom Bildrauschen her ist die Aufnahme nicht als clean, aber ohne Details unter die Lupe zu nehmen ist es unauffällig. Bei der Kombination aus Dunkelheit, langer Verschlusszeit und hoher ISO-Empfindlichkeit würde kaum eine Kamera absolut rauschfreie Aufnahmen liefern. Aufwändige oder besonders kräftige Rauschreduzierung habe ich keine angewendet.

Die Aufnahme unten ist eine einzige Belichtung, bei der ich Schatten und Lichter in Capture One Pro 20 verbessert habe. Die Detailschärfe ist tadellos, das Rauschen auch hier keine große Angelegenheit.

Olympus E-M5MarkII | M.Zuiko 9–18mm ƒ4.0-5.6 | 11mm (22mm KB) | ƒ5.6 | 0,6s | ISO1600 | Capture One Pro

Kein Moment ist wie der andere

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Forstweg am Rheinholz | Olympus E-M1MarkII | M.Zuiko 12–100mm ƒ4 | 25mm (50mm KB) | ƒ5.6 | 1/30s | ISO800 | Software: Exposure X5

Vorgestern schrieb ich, dass ich versuche das Spielerische in der Fotografie zurückzugewinnen. Ich bin zu fokussiert und zu fixiert auf wenige Themen geworden. Ich gehe nicht mehr mit der Neugier eines Anfängers durch die Welt, der sich bei allem was er sieht die Frage stellt: Wie sieht das wohl durch das Auge der Kamera aufgenommen aus? Mit der Zeit habe ich mir immer öfter gesagt, ach, das habe ich doch schon dutzende Male fotografiert, und habe es gelassen es noch ein weiteres Mal abzulichten. Dabei ist kein Sonnenuntergang wie ein anderer, kein Mensch wie ein anderer, keine Blume wie eine andere, jeder Vogel, jedes Wild, jede Katze ist einzigartig. Auch derselbe Weg sieht zweimal gleich aus. Sogar dasselbe starre Objekt lässt sich immer wieder neu entdecken.

Dieser Gedanke kam mir, nachdem ich heute über dieses Video gestolpert bin. Ich habe es auch als Ergänzung an das Ende des Artikels »Fotografen und Techniker« gestellt, da es gut dazu passt.

Ich glaube nicht, dass die Fotografen deren Namen große Namen in der Fotografie geworden sind, das geplant hatten, als sie die Fotografie zu entdecken begannen. Ich glaube, die meisten der großen Künstler in der Fotografie haben ihre Kunstwerke primär durch spielerischen Umgang und Neugier geschaffen. Neues zu entdecken kann man nicht planen. Man kann es suchen. Aber finden lässt sich nur, wovon zumindest eine Ahnung vorhanden ist.

Ich zweifle nicht daran, dass bei vielen großen Künstlern ein gewisses Marketinggeschick Anteil am Erfolg hatte. Doch im Schaffensprozess der Kunst an sich, kann der Anspruch stets einzigartige Kunst zu machen nur zu Verkrampfung führen – das Gegenteil dessen, was für einen freien und lockeren Umgang mit einer Thematik notwendig ist. Ich denke, die Fotografen die die Fotografie wirklich revolutionierten, haben einfach ihr Ding gemacht, ohne zu überlegen, ob das jetzt große Kunst ist oder nicht. Sie werden neue Wege gesucht habe, versucht zu machen, was noch niemand gemacht hat. Aber eben mehr um das Erkunden neuer Wege willen, als auf Basis einer Planung eines Tages in die Geschichte der Kunst einzugehen.

Das ist natürlich nicht nur in der Fotografie so. Auch in der Musik kann ich mich an keine Revolution erinnern, von der ich wüsste, dass sie von den Protagonisten geplant worden wäre. Kommerzieller Erfolg lässt sich planen. Doch die künstlerischen Innovationen kamen stets von Leuten, die einfach ihr Ding durchgezogen haben.

Leicht unterwegs

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Vor einiger Zeit wurde mir bewusst, dass mir in der Fotografie die Leichtigkeit und das Spielerische verloren gegangen ist. Wenn ich zum Fotografieren ausrücke, dann praktisch nur mehr mit zwei Kameras, einem Supertele, einem Standardzoom, Tragesystem für die Ausrüstung und Rucksack auf dem Buckel.

Ich erinnere mich gut an meine erste Zeit mit der Olympus OM-D E-M5 und den Spaß den mir die kleine Kamera machte. Sie gilt als die erste wirklich gute spiegellose Systemkamera. Und nicht nur deshalb ist sie in meinen Augen der bedeutendste Meilenstein im Kameradesign seit Luigi Collani in den 1980er Jahren für Canon eine Kamera mit organischer Form gestaltet hat. Olympus hatte bereits mit der ersten Pen den Retro-Trend losgetreten. Schon damit ist es Olympus’ Designern gelungen nicht einfach neue Technik in altes Design zu packen. Vielmehr haben sie die klassischen Designs neu interpretiert. Das gelingt niemandem so gut wie Olympus (Leica ist ein anderes Thema). Und mit der OM-D E-M5 gelant es ihnen besonders gut. Ich war damals zwar überzeugter Nikon-User, doch in das Design der E-M5 verliebte ich mich bereits als ich nur einen Ausschnitt des Body auf einer Gerüchteseite sah. Der Ausschnitt findet sich am Ende eines Artikels von 2012.

Wenn ich mich recht erinnere hatte ich für meine E-M5 in der ersten Zeit nur ein 20mm Panncake von Panasonic und ein 45mm ƒ1.8 M.Zuiko. Ich liebte die Kamera. Sie erinnerte mich an die analogen Spiegelreflexkameras meines Vaters in den 70er Jahren. Nicht die Form allein. Auch die Haptik hat mehr mit deren Metallgehäuse gemein, als mit den Plastikbombern die Kameras seit den 80ern sind. Eine Yashica FX-1 (1975) oder Olympus OM-1 (1972) Spiegelreflexkamera haben recht genau dieselben Maße. Kameras waren damals nicht so fett, wie sie ab den 90ern und noch vielmehr digital geworden sind.

Klappdisplay, elektronischer Sucher, Vergrößerung bei manueller Fokussierung, Auslösen per Touch und ein AF der sich, im Vergleich zur Lumix G3 die ich davor hatte, extrem bissig anfühlte, ließen mich Fotografie ganz neu entdecken.

Das war 2013. Nachdem ich die E-M1 getestet habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft und bin auf Olympus umgestiegen. Leider ist mir der Grund weshalb ich den Wechsel gemacht habe – die Leichtigkeit die mir das System vermittelte – über die Jahre abhanden gekommen. Ich spreche jetzt nicht von Gewicht. Ich meine Leichtigkeit im Sinn von mühelos. Die E-M5 machte Fotografie für mich zu dem Kinderspiel, das sie einmal war als ich damit angefangen habe.

Wenn ich meine Enkelinnen beobachte, sehe ich, was mir verloren gegangen ist. Sie – vor allem die Jüngere – betrachten die Welt voller Neugier. Jeder Kieselstein kann sie faszinieren und fesseln. Und danach der nächste Kiesel daneben. Sie sehen auf einem Meter mehr Faszinierendes, als wir oft bei einem ganzen Spaziergang durch unsere Stadt.

Ich möchte diese Leichtigkeit zurück holen. Nicht die der Kinder – das wäre etwas vermessen. Aber die Leichtigkeit die ich verspürte als Fotografie für mich neu war und die ich 2013 mit der E-M5 wieder entdeckte. Deshalb habe ich mich heute entschlossen mit leichter Gerätschaft auf den Weg zu gehen. Natürlich mit einer Festbrennweite. Einen Moment überlegte ich die E-M1 II mit einem 25mm ƒ1.2 zu nehmen. Dann entschied ich mich aber doch anders und wählte kleinere E-M5 II mit der winzigen 15mm ƒ1.7 Lumix-Linse.

Wenn man kein Kind im Vorschulalter mehr ist, ist unser Ort leider wirklich keine Goldgrube für Entdeckungen. Ein Abstecher in die Pfarrkirche der Gemeinde war schon geplant. In Kirchen herrscht meist Low-light und da mir das Thema High-ISO heute schon untergekommen ist, lockte es mich für ein paar Aufnahmen dahin.

Danach machte ich einen Abstecher in den Wald um ein paar Aufnahmen des Bachs dort in Langzeit einzufangen. Einen variablen ND-Filter dafür hatte ich dabei. Für die Fotos stieg ich ins Bachbett und folgte ihm einige Meter um mehrere Aufnahmen zu machen. Ich möchte nicht von Wunder sprechen, aber etwas Glück war wohl dabei, dass ich nicht mit dem Fuß in den Bach getreten oder ganz hinein gefallen bin. Die Bilder aus dem Bachbett habe ich anschließend überwiegend wieder entsorgt. Zwar waren mir trotz mehrerer Sekunden Verschlusszeit aus freier Hand ein paar scharfe Langzeitbelichtungen gelungen. Aber Detailschärfe allein macht halt noch kein herzeigbares Foto.

Begeistert hat mich anschließend auch die Entwicklung der Aufnahme in Capture One Pro 20. Mit dem neuen HDR-Tool lässt sich wirklich deutlich mehr aus Tiefen und Lichtern herausholen als bisher. Dabei habe ich bei mehreren Aufnahmen die Schattenaufhellung an den Anschlag geschoben, ohne dass nennenswertes Rauschen sichtbar geworden wäre. Das sieht vielversprechend aus.

Meine Ausrüstung heute: Olympus OM-D E-M1 II, variabler ND-Filter, Tasche von Tenba, Handschlaufe von Peak Design
Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica DG Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (15mm KB) | ƒ8 | 1/80 | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15.0mm (30mm KB) | ƒ1.8 | 1/1250s | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ1.7 | 1/640s | ISO200 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf einer Belichtung. Lichter und Schatten wurden mit der neuen HDR-Funktion in Capture One Pro 20 verbessert. Rauschen ist trotz ISO1600 praktisch kein Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 1/20s | ISO1600 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf 5 Belichtungen die mit Aurora HDR zu einem HDR-Bild vereint wurden. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass hier die Facettenfenster Zeichnung enthalten, die in der Einzelbelichtung untergehen. Die fünf Aufnahmen entstanden ohne Stativ aus freier Hand. Auch hier wurden die Schatten extrem angehoben. Auch hier ist Rauschen kein nennenswertes Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s–1/80s | ISO200–ISO800 | Aurora HDR und DxO ViewPoiint
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO250 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO500 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO400 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO320 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 2,5s | ISO200 | Capture One Pro 20

Video: Robin Wong über Low-light-Fotografie mit MFT

Posted in Theorie & Technik

»You can’t shoot on high ISO with MFT«, heißt es meist. Dass das schwierig ist glaub(t)e ich (bislang) auch. Dieses Video von Robin Wong und die Bilder die er darin zeigt lässt mich noch einmal gründlich darüber nachdenken. Ich habe keinen Zweifel, dass dieselben Aufnahmen mit einer Kamera mit größerem Sensor bei 100-%-Vergleichen cleaner wären. Doch wer behauptet, er sehe den Bildern im Video an, dass sie mit MFT statt mit Vollformat gemacht wurden, flunkert. Natürlich verschleiert ein Video Qualitätsmängel ein bisschen. Doch diese Aufnahmen wirken so clean, dass ich sie wohl selbst davon ausgegangen wäre, dass sie eher mit APS-C oder Vollformat gemacht wurden, als mit MFT, wäre ich in anderem Kontext darüber gestolpert. Gerade die deutlich bessere Rauschreduzierung von Capture One Pro 20 könnte ein weiteres hinzu tun, dass auch MFT in Zukunft unter Low-light-Situationen noch besser nutzbar ist.

Was haltet ihr, liebe Leser davon, dass ich inzwischen immer wieder Videos teile? Mir selbst kam irgendwann der Gedanke, dass Videos die ich interessant finde, vielleicht auch andere interessant finden, und die beste Möglichkeit interessantes zu teilen ist für einen Blogger natürlich sein Blog. Leider weiß ich nicht, ob da gelegentlich auch für euch Interessantes dabei ist, auch deshalb, weil die meisten Videos die ich teile englisch sind. Teilen hat natürlich wenig Sinn, wenn eigentlich niemand etwas geteilt haben möchte (wobei bei diesen Artikeln der Aufwand natürlich überschaubar ist). Es ist sogar kontraproduktiv, wenn es Abonnenten meines Blogs eher nervt. Statistiken, um herauszufinden, was beliebt ist und was auf wenig Interesse stößt, nutze ich wegen des Datenschutzes schon lange nicht mehr. Wenn ihr also eine Meinung dazu habt, hinterlasst sie bitte in einem Kommentar.

Weshalb ich Captcha in die Kommentare eingebaut habe

Posted in etc.

Vor wenigen Wochen las ich in einem Kommentar ich würde manche Kommentare unterschlagen, was wohl unterstellte, dass ich Meinungen lösche die mir nicht gefallen. Tatsächlich habe ich das noch nie gemacht. Ich würde es natürlich tun, wenn ein Kommentar beispielsweise beleidigend wäre, aber nicht weil ich eine formulierte Ansicht nicht teile. Da noch weitere Leser anmerkten, dass ihnen das auch schon passiert sei, habe ich begonnen die Sache im Auge zu behalten und meinen Spam-Ordner täglich zu checken. Tatsächlich fand sich daran jeweils zwischen ein paar Hundert Spam-Kommentaren ein echter.

In der Zwischenzeit nutze ich einen anderen Spam-Filter in dessen Spam-Ordner ich seither keinen echten Kommentar mehr fand. Allerdings ist es bei Ein- bis Zweihundert Spam-Einträgen täglich etwas mühsam zu überprüfen, dass nicht doch einmal ein Kommentar unter die Räder kommt. Deshalb habe ich zusätzlich ein Captcha vor das Absenden eines Kommentars gesandt und seither hatte ich nur mehr einen Hand voll Spam-Einträge.

Wie denkt ihr darüber? Lieber riskieren, dass gelegentlich ein Kommentar im Spam-Filter versandet, oder ist Captcha für euch akzeptabel, wenn es sicher stellt, dass eure Kommentare auch wirklich durchkommen?

Video: Thomas Fitzgerald’s First Look on Capture One Pro 20

Posted in Video-Empfehlungen

Vor einigen Tagen hat Phase One Capture One Pro 20 veröffentlicht und heute früh stolperte ich beim Check meiner News-Seiten auf 43rumours.com über einen Artikel mit ein paar Videos die die Neuerung beschreiben. Dieses hier hat mir darunter am besten gefallen und ich dachte das könnte auch für einige Leser meines Blogs interessant sein, weshalb ich es hiermit teile.

Warum ich meine Mission für wichtig halte

Posted in Bilder & Gedanken

Sumpfmeise | Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420mm (840mm KB) |ƒ5.6 |1/250s | ISO1600 | Capture One Pro

Auf meinen vor wenigen Stunden geteilten Post über »Fotografen und Techniker« erhielt ich einen Kommentar der mir interessant genug schien, ihn als zusätzlichen Post zu veröffentlichen. Darin schrieb der freundliche Leser unter Anderem: »Es macht daher in meinen Augen keinen Sinn sich darüber zu échauffieren, was andere selbsternannte Fachleute zu Mft schreiben, posten etc. Es gilt noch immer der Satz: Das beste System ist das, mit welchem ich gut klar komme, und welches meine Anforderungen erfüllt. Alles andere ist Stimmungsmache. Da muß aber jeder seine eigene Erfahrung machen.«

Dem stimme ich grundsätzlich zu. Am liebsten würde ich über die Leute die ich kritisiere einfach nur den Kopf schütteln oder die Achseln zucken. Die Artikel die ich ihnen entgegen setze benötigen ja nicht nur Zeit zum Lesen – sie erfordern noch viel mehr Zeit sie zu schreiben. Leider wissen wir alle, dass der Kameramarkt dramatisch schrumpft. Überleben werden die, denen es gelingt sich anzupassen und gesundzuschrumpfen. Hoffen wir, dass am Ende mehr als zwei oder drei Marken übrig bleiben.

Für Olympus hoffe ich, dass der Mutterkonzern seine Imaging-Tochter lange genug durchfüttert, bis sich die Branche konsolidiert hat und die verbleibenden Marken wieder mit Gewinn arbeiten können. Wir wissen aber auch alle, dass weder für Olympus eine Gewissheit gibt in einigen Jahren noch am Markt zu sein, wie auch für einige andere Marken. Und ich weiß auch, dass ich allein dadurch, dass ich das schreibe, ein zufällig vorbeikommender Interessent an MFT vorbei kommen, das lesen und denken könnte, oh, wenn sogar ein ›Fan‹ nicht so recht an die Zukunft des Systems glaubt, dann greife ich vielleicht besser zu Sony oder Canon.

Dabei werden meine Artikel am Kameramarkt wenig Schaden anrichten. Anders sieht es da schon aus, wenn ein YouTube-Kanal 1,5 Millionen Abonnenten hat und in der Community als eine Art Instanz in Sachen Fototechnik und -theorie gilt. Wenn der eine Marke für tot erklärt, wird sich das durchaus in den Umsätzen abbilden. Wir wissen ja auch, dass es zum Überleben eines Produkts nicht immer ausreicht gut und nützlich zu sein. Die Geschichte kennt genügend Beispiele in denen sogar ein besseres gegen ein minderwertigeres Produkt den kürzeren gezogen hat.

Natürlich sollen die Leute ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Aber wer neu in der Fotografie ist oder wenig Interesse an technischen Daten und Theorie hat, sucht meist nach Orientierung. Dabei verlässt man sich natürlich gerne auf Leute, denen man zutraut, etwas davon zu verstehen. Sind da dann nur mehr die Tech-Freaks am Wort, die die Qualität einer Kamera allein an Megapixel, Bildern pro Sekunde, Auflösung des elektronischen Suchers, Pixel-Peeping und Photonen pro Mikromillimeter Photodiode bemessen, während die Praktiker schweigen, wird aus subjektiven Meinungen so etwas wie allgemeine Wahrheit.

Ich vermute die meisten Fotografen verlassen sich bei dem, was sie über Fotografie als Fakten annehmen, im Großen und Ganzen auf das, was Leute sagen und schreiben, die sich – vermeintlich oder nicht – tiefer als sie in Technik und Theorie eingearbeitet haben. Die wenigsten haben Interesse daran alles selbst zu überprüfen und zu vergleichen, ob das, was theoretisch richtig sein mag, für sie praktisch überhaupt relevant ist.

Ich habe mit meinem ersten Buch über eine Kamera gelernt, nicht alles zu glauben und abzuschreiben, was in Fachbüchern, -magazinen und Foren zu lesen ist. Es gibt eine paar Fehler in dem Buch, die daher rühren, dass ich den Quellen meiner Recherchen vertraut habe. Natürlich muss ich mich noch immer auf meine Recherchen verlassen. Wenn ich über Farbe schreibe und es um Physik geht, dann kann ich das nicht selbst untersuchen. Doch soweit als möglich habe ich alles, was ich über Fotografie weiß und vertrete in der Zwischenzeit selbst getestet.

Ein Beispiel: Theoretiker behaupten, Bokeh sei ausschließlich Resultat von Blende und Abbildung abhängig und die Brennweite haben keinen Einfluss darauf. Das widerspricht natürlich jeder fotografischen Erfahrung, aber manch Leute vertrauen mehr in die Theorie als in die Praxis. Ich wollte es genau wissen und habe es selbst getestet. In diesem Artikel beschreibe ich, weshalb es zwar theoretisch richtig ist, praktisch jedoch falsch.

Wenn eine kleine Tech-Geek-Community die Meinunghegemonie in der Fotografie überlassen bekommt, werden sich alle Fotografen die wenig Interesse an eigenen Studien und Tests haben an deren Ergebnissen orientieren. Ich betrachte es deshalb ein bisschen als meine Mission dieser Tech-lastigen Sichtweise eine differenziertere und mehr an der fotografischen Praxis orientierte Sichtweise entgegen zu setzen.

Die Geeks haben zwar (meist) nicht unrecht mit dem was sie zu berichten haben. Sie haben nur unrecht, wenn sie behaupten sie seien objektiv, sie wüssten die Wahrheit und jede andere Ansicht sei Unwahr oder sogar »LÜGE« – um zum Abschluss noch ein Wort zu verwenden, das Tony Northrup so gerne verwendet.