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Kategorie: Theorie & Technik

Zeit für Olympus

Posted in Theorie & Technik

In der vergangenen Woche hat mich eine Erkältung eingeholt. Am Montag, nach einem langen Tag mit Unterricht und Meeting war ich dann streichfertig, hatte Fieber, Kopfschmerzen und was sonst noch so zu einer Erkältung gehört. In Zeiten in denen ich es mir einteilen kann nehme ich mir dann gerne die Freiheit mich unter der Bettdecke zu verkriechen, wenn ich mich krank fühle. So habe ich das dann auch am Dienstag gemacht.

Die Männergrippe hat ja gegenüber der echten Grippe den Vorteil, dass man sich nicht sterbenselend fühlt und – zumindest bei mir ist das so – die Zeit mit Lesen und dem Anschauen von Videos verbringen kann. Deshalb genieße ich das kleine bisschen Kranksein auch immer ein wenig, gibt es mir doch die Muße mich einmal mit Dingen zu befassen, für die ich mir sonst nicht so die Zeit gebe.

So habe ich den Tag mit YouTube begonnen und geschaut, was meine Abonnements in letzter Zeit Sehenswertes gepostet habe und mich u. a. darüber informiert, was es in CC 2020 so Neues gibt – wozu ich später auch noch einmal Videos in einem Artikel teilen werde.

Im Laufe des Vormittags bin ich in die Themen Olympus, MFT und Fotografie geschlittert und habe ein paar Videos gesehen, von denen ich finde, dass sie es Wert sind, hier im Blog geteilt zu werden, und dazu meine Gedanken zu posten.

Die Wahrheit ist: Es kommt drauf an!

Im Internet – und so nicht anders auf YouTube – tummeln sich zu allen Themen Menschen die nicht nur eine Meinung haben, sondern ganz wissen was WAHR ist und was falsch. Mir gehen Wahrheitsverkünder und Meinungsextremisten eher gegen den Strich. Die Wahrheit besteht im Detail aus Fakten, aber sie ist im Ganzen mehr als die Summe der Teile und und zu komplex, um sie eindeutig und ohne Wenn und Aber und Ausnahme zu beantworten. Einfache Antworten auf komplexe Fragen sind selten richtig.

Die richtige Antwort auf alle Fragen lautet: Es kommt drauf an!

Wenn jemand behauptet eine bestimmte Kamera oder ein bestimmtes System sei das einzig Wahre, dann sollte man das Zuhören umgehend einstellen – wer sowas behauptet, dürfte der Objektivität nicht zu sehr verpflichtet sein.

Ich muss in der Lage sein zu unterscheiden, zwischen der Frage, »welche Kamera würdest du kaufen?«, und der Frage, »welche Kamera soll ich kaufen?« Die erste Frage muss ich mit, »eine Olympus«, beantworten – ich nutze ja nichts anderes. Auf die zweite Frage hingegen frage ich, »was möchtest du wie fotografieren?« Bei der Wahl der richtigen Kamera kommt es auf das Einsatzgebiet an.

Jedem ist klar, dass man weder mit einer Kettensäge Laubsägearbeiten ausführen kann, noch mit der Laubsäge einen Baum umlegt. In der Fotografie hingegen dominiert genau diese Ansicht: Nur viel und groß ist gut und richtig.

Die meisten von uns fänden es sicher lächerlich sich bei Autos darüber zu beklagen, dass Kompaktwagen weniger Platz bieten, als Vans und Monster-SUVs. In der Fotografie hingegen ist es gang und gäbe zu kritisieren, dass in kompakten Kamerasystemen kleine Sensoren stecken. Nichts gegen Autos mit Platz! Wer regelmäßig viel transportieren muss, kann schwer darauf verzichten (die Absurdität, dass viele große PKW nur selten mehr als 1,3 Mensch transportieren, ist ein anderes Thema). Für die meisten jedoch – inklusive der Umwelt – ist der Kleinwagen die sinnvollere Alternative.

Praktiker und Theoretiker

In den Debatten der digitalen Fotografie dominiert viel zu sehr die Theorie. Erfolgreiche Foto-Blogger und -Vlogger können jedes physikalische Detail beschreiben, und oft begründen sie damit, weshalb größere Sensoren besser sind als kleine. Ich finde die Theorie interessant aber viel interessanter finde ich die Praxis. Deshalb bevorzuge ich Berichte echter Fotografen gegenüber jenen, die sich vor allem mit dem Testen von Ausrüstung und dem Studium von Theorie befassen. Boris Nienke von Happy Shooting hörte ich einmal sagen, »was ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis? In der Theorie gibt es keinen, in der Praxis schon.« Genau so sehe ich das auch!

Alte Hasen

Auffällig ist, dass viele der Fotografen die auf YouTube positiv, oft begeistert, von ihren Erfahrungen mit MFT-Kameras berichten, alte Hasen sind. Nun kann man natürlich einwenden, dass schon klar ist, dass die Tattergreise eine ausgewachsene Vollformatkamera nicht mehr stemmen können. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die alten Hasen etwas haben, was sich durch das Studium von Theorie nicht ersetzen lässt: Jahrzehnte Erfahrung. Und nahezu alle haben den Großteil dieser Jahrzehnte mit Voll- oder noch größeren Formaten fotografiert.

Die Videos

Das erste Video das ich teilen möchte, stammt vom australischen Fotografen Terry Lane. Ich finde es nicht zuletzt deshalb sehenswert, weil im Laufe des Videos dutzende Aufnahmen zu sehen sind, die mit dutzenden verschiedenen Kameras über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg entstanden. Es zeigt, wie irrelevant die Kamera für gute Fotos ist, auch wenn natürlich unter der Lupe Unterschiede zwischen Kompaktkameras von 2005 und Vollformat von 2018 zu sehen wären.

Ebenfalls sehenswert von Terry Lane ist ein Video indem er über Micro FourThirds und Rauschen spricht. Gerade das letzte Drittel ist jedem zu empfehlen der mit digitaler Fotografie aufgewachsen ist, denn Lane liefert einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung der Empfindlichkeit bei Film.

Passend zum Thema Rauschen empfehle ich als nächstes ein Video von Steve O’Nions, in dem er sich mit Auflösung befasst und dem Vorurteil widerspricht, man könne mit MFT keine großen Prints drucken (dazu habe ich Anfang des Jahres schon einmal einen Artikel mit einem Video geteilt).

Fehlt noch das dritte Argument, das oft gegen MFT vorgebracht wird: Bokeh. In dem folgenden von Denae and Andrew geteilten Video geht es nicht um MFT, sondern um die Frage, ob das viele Geld, das Fotografen gerne in lichtstarke Primes investieren, zu Ergebnissen führt, die vom Betrachter positiver bewertet werden. Die Antwort hat auch mich überrascht: Nein.

Der Sprecher – ich nehme an es handelt sich um Andrew – begründet am Ende ausführlich, weshalb Bokeh allein nicht automatisch zu guten Aufnahmen führt. Fotografie besteht aus deutlich mehr Aspekten. Uns Fotografen mögen seidenweiche Bokehs begeistern, aber für das Auge des durchschnittlichen Betrachters scheint die Detailschärfe des Subjekts von deutlich größerer Bedeutung. Darüber hinaus spielen Bildkomposition, Linienführung, Bildausschnitt, Beleuchtung und Anderes oft eine viel größere Rolle, als die Unschärfe des Hintergrunds.

Natürlich gibt es Motive die von Freistellung profitieren. Doch man macht es sich zu leicht, wenn man sie als Patentrezept für jede Szene einsetzt. Mit Vollformat und einem lichtstarken Tele auf ein Motiv halten, abdrücken und ein Resultat mit seidenweichen Bokeh erzielen kann jeder. Das Subjekt mit dem Hintergrund in eine Beziehung zu setzen und sauber zu komponieren stellt hingegen eine ganz andere Herausforderung dar. Gelingt das bei einem Foto, zeigt es nicht nur ein Subjekt, sondern erzählt eine Geschichte.

Hinzu kommt, dass Smartphones Bokeh mittlerweile exzellent simulieren. Die Zeiten, in denen man sich allein durch den Einsatz teurer Linsen vom Fußvolk abheben konnte, sind vorbei. Der Fotograf wird sich in Zukunft noch mehr anstrengen müssen, um aus der Masse herauszustechen.

Das mobile System

Auffallend ist auch, dass das Gros der Leute die über Micro FourThirds berichten, Fotografen sind, für die Mobilität eine große Rolle spielt. Auffallend, aber nicht überraschend. Mobilität ist der Kern von MFT. Ich kann mich an kein Video eines Studiofotografen erinnern, der erklärt auf MFT umgestiegen zu sein. Mir selbst wäre der Gedanke bis heute nicht gekommen. Wieso sollte ich auf die Vorzüge des Vollformats zugunsten eines kompakten Systems verzichten, wenn Mobilität für mich keine Rolle spielt? Vollformat hat größere Qualitätsreserven als Crop-Sensoren. Aber die Frage, die ich mir als Fotograf stelle, lautet doch nicht, welche Kamera bietet mir die größtmögliche Qualitätsreserve, sondern welches System meine Anforderung am besten erfüllt. Es ist eben wie beim Auto: Geräumige Transporter sind sinnvoll, wenn man den Platz regelmäßig für Transporte nutzt. Ansonsten sind sie nur teurer im Unterhalt und erschweren in der Stadt die Parkplatzsuche.

Ich habe mir meine erste Olympus als kompakte Zweitkamera gekauft. Mit der Zeit habe ich dann entdeckt, dass das System nicht nur für unterwegs gut ist, sondern, dass es ebenso meinen Bedarf im Studio deckt. Also habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft um nur ein System unterhalten zu müssen. Olympus ist nicht besser als Nikon. Es erfüllt nur meine Anforderungen besser.

Der Olympus Ambassador Steve Gosling arbeitet mit zwei Kamerasystemen: Phase One Mittelformatkamera und Olympus MFT. Er hat also Erfahrung mit Sensoren die noch einmal deutlich größer sind, als Vollformat. Im folgenden Video erklärt er, weshalb ihn auf Fototour mit der Phase One immer auch eine OM-D begleitet. Bemerkenswert ist das Video nicht zuletzt auch wegen der tollen Bilder die von ihm gezeigt werden. Zu seinem Ansatz der Bildgestaltung sagt er, dass Linien für ihn oft eine größere Rolle spielen, als das Subjekt.

Im nächsten Video erklärt der Vogelfotograf Tim Boyer weshalb er seine Canon-Ausrüstung verkauft und durch Olympus ersetzt hat.

In diesem Video geht derselbe Fotograf noch etwas tiefer auf die Vorteile die er in der OM-D für sich sieht ein und zeigt auch einige Aufnahmen, auch im Vergleich zu seiner Canon-Ausrüstung.

Jari Peltomäki ist ebenfalls ein Naturfotograf, der sich für Olympus entschieden hat. In diesem Video erklärt er für Olympus, was ihn zum Wechsel bewegte.

Im folgenden Video plaudert der Travel-Fotograf Chris Eyre-Walker mit Jari Peltomäki über das Fotografieren mit Olympus und Fotografie ganz allgemein. Das Gespräch ist nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Fotos die zwischendurch von Peltomäki gezeigt werden sehenswert.

Im letzten Video, das ich in diesem Artikel teilen möchte, gibt Robin Wong sieben Tipps, wie man den maximalen Kontrastumfang aus den kleinen MFT-Sensoren herausholen kann. An MFT wird ja auch immer wieder einmal kritisiert, dass ihr Dynamikumfang überschaubar sei, dabei befinden sich durchaus auch Vollformat-Modelle auf dem Markt, die es nicht besser können. Oder anders gesagt: Die aktuell besten Modelle liegen irgendwo über 14 Lichtwerten. Olympus’ Kameras schaffen knapp 13. Das ist keine Welt.

Mein eigener – derzeit ruhender – YouTube-Kanal findet sich hier. Dort findet sich auch eine Liste mit Videos zu Micro FourThirds.

Panasonics gegen Staub abgedichtete Objektive sind nicht gegen Staub abgedichtet

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Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass ich darüber berichtete, wie ich nach einem Aufenthalt an der Nordsee mit Sand im Tubus meines Panasonic Leica 100–400mm Objektivs nachhause kam. Bemerkbar machte sich das durch ein unschönes Kratzen beim Drehen an Zoom- und Fokusring. Natürlich ist mir klar, dass ein Aufenthalt an einem windigen Sandstrand eine Herausforderung für ein Objektiv darstellt, ebenso wie das Fotografieren im Regen. Aber genau aus diesem Grund investiere ich auch einmal das Doppelte in Equipment das verspricht solchen Bedingungen zu widerstehen. Zumindest meine Olympus-Objektive, die derselben Situation ausgesetzt waren, haben das auch anstandslos getan.

In der Annahme, es könne für einen Hersteller kein Problem sein ein Objektiv zu zerlegen und zu reinigen, übergab ich es an meinen Fachhändler und der an Panasonic. Ein paar Wochen später erfuhr ich, dass eine Reinigung dem Preis eines neuen Objektivs entsprochen hätte. Wie es sein kann, dass in ein Objektiv Sand eindringt, das laut Panasonic gegen Staub abgedichtet ist, hat der Hersteller nicht verraten.

Vor einigen Wochen entdeckte ich nun, dass mittlerweile ein mit freiem Auge sichtbares Staubteilchen im inneren des Objektivs an der Frontlinse haftet. Wieder übergab ich es an den Händler und der wieder an Panasonic.

Jetzt sollte die Reparatur gleich mehr kosten als ein neues Objektiv, und Panasonic begründete, dass das Objektiv zwar gegen Spritzwasser abgedichtet sei, nicht aber gegen Staub. Das ist interessant, denn auf Panasonics Website ist unmissverständlich zu lesen, dass das Zoom gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet sein soll.

Man kann sich aussuchen, ob man von leerer Versprechung oder doch besser gleich von Lüge sprechen soll.

Wenn ein Objektiv nach einem Nachmittagsaufenthalt an einem Badestrand bereits irreparablen Schaden davon trägt, ist wohl klar, dass so ein Equipment völlig unbrauchbar ist, wenn Leute – von Berufs wegen oder aus Leidenschaft – strapaziöse Expeditionen auf sich nehmen oder beispielsweise als Reporter in Krisengebiete reisen.

Ich bin kein reiner Schönwetterfotograf. Unwirtliche Witterungsbedingungen können bezaubernde Szenen schaffen – Szenen die einem entgehen, wenn man nur bei Sonnenschein vor die Tür geht. Dadurch sind solche Motive rarer als Fotos von Schönwetterlandschaften und Sonnenuntergängen, was sie wiederum besonders reizend macht. Und auch, wenn man bei Sonnenschein loszieht, kommt es immer wieder vor, dass man von Regen oder Sturm überrascht wird.

Der Mehrwert einer zuverlässigen Abdichtung gegenüber widrigen Witterungsbedingungen ist mir einen Mehrpreis absolut wert – auch einen deutlichen. Allerdings erwarte ich, dass das Objektiv auch hält, was der Hersteller verspricht. Und sollte der Schadensfall doch einmal eintreten wäre zumindest Kulanz angezeigt. Wozu sonst sollte man Geld für abgedichtete Gehäuse ausgeben, wenn man diese in der Praxis genauso penibel gegen Umwelteinflüsse schützen muss, wie deutlich billigere Linsen. Gerade Panasonics 100–400 ist nicht gerade dafür berühmt seinen Preis durch optische Exzellenz zu rechtfertigen – am langen Ende der Brennweite ist es kaum besser als halb so teure MFT-Zooms die bis 300mm reichen. Umso mehr wäre es angebracht, dass zumindest die Abdichtung die Investition rechtfertigt.

Fotografie, Wahrnehmung, HDR

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Alphütte auf der Seraalpe
Seraalpe | Olympus E-M1 MarkII | M.Zuiko 12-100mm ƒ4.0 | 12mm (24mm KB) | ƒ8 | 1/640s | ISO200 | HDR-Bild aus 7 Belichtungen, vereint mit Aurora HDR, korrigiert mit DxO ViewPoint

Auf meine letzten Blogartikel habe ich einen Kommentar bekommen, dass meine HDRs nicht aussehen, wie ein reguläres Foto. Während des Schreibens einer Antwort kam mir der Gedanke, dass diese eigentlich für einen ganzen Artikel taugt, finde ich doch, dass sie wohl für viele einschlägig interessierte Leser interessant sein könnte – schließlich wird ja nicht jeder die Kommentare zu den Artikeln lesen.

Natürlich fallen Aufnahmen im prallen Sonnenlicht nicht so aus, wie die Aufnahmen die ich im genannten Artikel gepostet habe. An sonnigen Tagen kann der Motivkontrast bis zu 20LW betragen, das ist ein Kontrastverhältnis von 1:1 Million. Unsere Wahrnehmung schafft davon mit Hilfe der Tricksereien unseres Gehirns etwa 14LW (1:10.000) – die Augen selbst erreichen nur ein Kontrastverhältnis von 1:100. Ein JPEG oder ein Monitor erreicht gerade einmal 8LW (1:1000) – Angaben die bei Fernsehern das Kontrastverhältnis im mehrfachen Millionenbereich angeben, haben mehr mit Tricksereien – bei Bildschirmen technischer Natur – zu tun und mit Marketing, als mit einem Kontrastumfang der tatsächliche in den sechsstelligen Bereich geht.

In der Fotografie führt ein Motivkontrast der den Dynamikumfang eines 8-Bit-JPEGs überschreitet zu Unter- und/oder Überbelichtung. Beides – sowohl Unter- als auch Überbelichtung – kommt in unserer Wahrnehmung nicht vor. Als Äquivalent zu fotografischer Überbelichtung (strukturloses Weiß), lässt sich in der Wahrnehmung höchstens die Blendung betrachten, beispielsweise wenn man auf ein sonnenbeschienenes Schneefeld blickt. Sie brauchen aber nur einmal den Blick auf eine blendend weiße Fläche mit dem Blick auf einen überbelichteten Bereich in einer Fotografie zu vergleichen um herauszufinden, dass das zwei nicht miteinander vergleichbare Dinge sind.

Auch wenn wir in RAW fotografieren, müssen wir die 10LW bis 14LW des Sensors komprimieren, um die dunkelsten und hellsten Bereiche im 1:1000-Kontrastumfang eines Monitors sichtbar zu machen – in Lightroom heißt das Schatten und Schwarz aufhellen, Lichter und Weiß abdunkeln. Bei kräftiger Komprimierung des Dynamikumfangs der Aufnahme sieht das Resultat dann einem HDR aus mehreren Belichtungen nicht unähnlich. Anders geht es aber nicht, möchten wir in einem Foto Zeichnung in Lichtern und Schatten sichtbar machen, die unsere Augen vor Ort mühelos erkennen konnten.

Valiseraalpe
Valiseraalpe | Olympus OM-D E-M1X | M.Zuiko 9-18mm ƒ4.0-5.6 | 9mm (18mm KB) | ƒ8 | 1/640s | ISO200 | Belichtungsreihe aus 5 Belichtungen, vereint mit Aurora HDR, korrigiert mit DxO ViewPoint
Einzelbelichtung der HDR-Aufnahme oben. Im Himmel enthalten einige Bereiche kaum oder gar keine Bildinformation mehr und sind überbelichtet, in den Bäumen sind viel Bereiche unterbelichtet und Schwarz.

Die Gegenlichtaufnahme mit dem Kreuz beispielsweise zeigt bei 8 Bit einen ausgefressenen, in vielen Bereichen zeichnungsfreien weißen Himmel. Andere Bereich wiederum, z.B. in den Schatten der Bäume, fallen unterbelichtet schwarz aus. Tatsächlich jedoch war der Himmel für die menschliche Wahrnehmung blau wahrzunehmen, so wie es im HDR-Bild zu sehen ist. Natürlich sah der Himmel in meinen Augen nicht exakt so aus, wie in der abgebildeten HDR-Aufnahme. Allerdings noch viel weniger so, wie in der Einzelbelichtung.

Selbstverständlich ist das HDR auch nur eine Interpretation der Realität im Rahmen der technischen und physikalischen Möglichkeiten der digitalen Fotograftechnik, nicht anders als eine normale 8-Bit-Aufnahme der Szene eine Interpretation ist. Das trifft allerdings auf unsere Wahrnehmung nicht minder zu.

Ich würde auf jeden Fall behaupten, dass das HDR bei so einer Szene meiner Wahrnehmung näher kommt, als es eine reguläre 8-Bit-Einzelbelichtung tun kann. Schließlich konnte ich vor Ort das Blau des Himmels und die Struktur der Wolken ebenso erkennen, wie die Details im Schatten der Bäume, was eben bei einer regulären Aufnahme nicht der Fall ist.

Mir geht es in der Fotografie heute darum Aufnahmen zu erstellen die Szenen so gut als möglich so zeigen, wie ich sie erlebt habe, und nicht so, wie es den technisch-physikalischen Beschränkungen einer 8-Bit-Einzelbelichtung entspricht.

Bin ich mit den Resultaten vollauf zufrieden? Nein. Auch mit dieser Technik bekomme ich oft noch ausgefressene Überbelichtung und rein schwarze Unterbelichtung. Aber es entwickelt sich und ich kann in den Aufnahmen Details und Strukturen sichtbar machen, die vor Ort problemlos zu sehen waren, und nicht von Unter- und Überbelichtung verschluckt sind.

Schloss Schönbühel in HDR

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Schloss Schönbühel
Schloss Schönbühel | Olympus OM-D E-M5 MarkII | M.Zuiko 25mm ƒ1.2 | 25 mm (50mm KB) | ƒ5.6 | 1/800s | ISO200 | Aurora HDR und DxO ViewPoint

Schloss Schönbühel liegt in der Gemeinde Schönbühel-Aggsbach in Niederösterreich in der Wachau an der Donau. Seine Ursprünge liegen im 12. Jahrhundert und in einer leicht zu verteidigenden Festung. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Mehr darüber findet sich auf Wikipedia.

Die Aufnahme oben ist ein HDR aus einer Belichtungsreihe aus fünf Belichtungen. Die Angaben zur Belichtungszeit beziehen sich auf die mittlere Belichtung.

Wie ich zu HDR kam

Im vergangenen Jahr machte ich einen Ausflug in die Drohnenfotografie. Leider erfuhr ich erst als ich mich nach dem Kauf, wo man in Österreich Drohnen fliegen lassen darf, dass es einer Bewilligung der Austro Control bedarf, möchte man Drohnen zum Fotografieren fliegen lassen. Laut meinen Recherchen sollte die Gebühr für die Bewilligung jährlich über 200 Euro betragen, was bei nicht gewerblicher Nutzung wohl für die Wenigsten ein Thema sein dürfte.

Rückblickend finde ich diese strenge Regelung gar nicht so verkehrt, schließlich gibt es immer genug Idioten die nicht ausreichend Verantwortungsbewusstsein besitzen ihre Drohen von Naturschutzgebieten, wilden Tieren und aus dem Luftraum des bemannten Luftverkehrs fern zu halten – immer wieder liest man von gefährlichen Situationen die für Hubschrauber und Flugzeuge durch Drohnen entstehen. Etwas sauer bin ich allerdings, dass auch bewilligungspflichtige Drohnen ohne den geringsten Hinweis in Fotogeschäften und Elektronikmärkten vertrieben werden.

Das Abenteuer Drohne führte auch dazu, dass ich begann mich intensiver mit HDR zu befassen, um ein Optimum aus den JPEGs der Drohnenkamera herauszuholen.

MFT und Aurora HDR – ein Dream-Team!

Im Merz dieses Jahres begann ich mit HDR aus meinen Systemkameras zu experimentieren. Bislang hat sich mein Interesse an HDR vor allem deshalb in Grenzen gehalten, weil ich nicht der Typ Fotograf bin der gerne mit Stativen auf den Weg geht. Lieber fotografiere ich spontan aus freier Hand. Das ist nicht nur Bequemlichkeit, sondern liegt auch daran, dass die meisten meiner Fotos auf Achse entstehen. Oft bin ich Stunden lang unterwegs, meist zu Fuß, seit diesem Jahr auch mit dem E-Bike. In beiden Fällen ist ein Stativ kein besonders bequemer Begleiter.

MFT-Kameras verfügen bekanntlich über eine exzellente Bildstabilisierung und so testete ich, ob es möglich ist brauchbare HDR-Bilder aus Belichtungsreihen aus freier Hand zu erzeugen. Das hängt allerdings nicht nur von der Qualität der Bildstabilisierung ab, sondern auch von der Präzision der automatischen Ausrichtung der HDR-Software.

Photoshop als HDR-Software kam von Beginn an nicht in Frage, da dessen HDR-Funktion lausig ist. Affinity Photo weist zwar eine bessere HDR-Funktion auf und meine Drohnen-HDRs entstanden damit, so richtig glücklich war ich mit dessen Resultaten allerdings auch nicht. In weiterer Folge testete ich so ziemlich alles, was für den Mac an HDR-Software verfügbar ist. Tatsächlich überzeugt hat mich nur Aurora HDR von Skylum.

Es liegen Welten zwischen Aurora HDR und allen anderen Programmen mit denen ich es versuchte. Nicht nur die Qualität wird von keiner anderen Software erreicht. Auch die Funktionen und Einstellmöglichkeiten sind viel umfangreicher als bei allen Mitbewerbern. Das Interface ist ansprechend gestaltet, auch wenn es dem Trend entsprechend zu dunkel ist und auch noch einen dezenten Farbstich aufweist. Besonders beeindruckend ist aber vor allem die automatische Ausrichtung und das Deghosting. Die Aufnahme oben ist von einem Fahrenden Ausflugsschiff entstanden. Dennoch ist das Resultat, wie auch alle anderen Aufnahmen die ich während der Flussfahrt machte, tadellos. An sich erstellte ich diese Belichtungsreihen in der Annahme, dass die Erstellung von HDR-Aufnahmen wegen der Bewegung scheitern würde. Doch selbst ein rasch vorbei fahrendes Motorboot wurde tadellos vereint. Personen die sich während der Aufnahme bewegen, stellen für Aurora HDR ebenfalls kein Problem dar – man erhält eine Person die tadellos ins HDR-Bild passt. Es ist fast wie Magie!

Im Moment kämpfe ich noch mit mir selbst und damit, es mit den Einstellungen nicht zu übertreibe. Ein HDR ist kein normales Foto. Sein Eindruck ist anders. Wenn dem nicht so wäre, bräuchte man keine HDRs zu erstellen.

Betrachter empfinden oft HDR vermittle einen gemalten Eindruck. Ich finde diese Assoziation heute sehr passend. Eine Kamera sieht nicht wie wir, sondern wie eine Kamera. Was sie aufnimmt und ein Foto wiedergibt, ist nicht die Realität, sondern eine Interpretation der Kamera von der Realität. Technische und physikalische Einschränkungen lassen es gar nicht zu, dass die Kamera die Realität ohne Abweichungen abbildet. Bei unserer Wahrnehmung ist es dasselbe, nur dass die Einschränkungen nicht technischer, sondern biologischer Natur sind. Es würde zu weit führen hier in die Tiefe zu gehen – detaillierter gehe ich darauf in meiner Fotoschule, in »das ABC der Farbe« und in meinem kommenden Buch »das ABC des Designs« ein.

Während eine Kamera eine Szene ganz anders aufnimmt, als wir sie wahrnehmen, malt ein Maler sie so wie er sie wahrnimmt, und somit (wahrscheinlich) auch so, wie wir sie wahrnehmen. Deshalb bin ich heute davon überzeugt, dass ein Bild das aussieht wie ein Gemälde eher der menschlichen Wahrnehmung nahekommt, als ein Foto das die Szene mit den Einschränkungen der fotografischen Aufnahme- und Wiedergabetechniken zeigt.

Welche Kamera soll ich kaufen?

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Die richtige Antwort auf diese Frage ist dieselbe, wie auf die meisten Fragen: Es kommt drauf an!

Freude an maximaler Abbildungsqualität

Ist es dir wichtig unter allen Bedingungen nicht nur praktisch sondern auch theoretisch die ultimative Abbildungsqualität zu erzielen, bist du mit einer Vollformatkamera auf dem richtigen Weg. Besser wäre natürlich gleich eine Mittelformatkamera, allerdings liegen deren Preise samt Objektiven dann in der Liga von Mittelklasse PKWs.

Mit einer guten Vollformatkamera lassen sich auch unter ungünstigen Lichtbedingungen vergleichsweise rauscharme Aufnahmen erzielen. Für Landschafts- und Architekturaufnahmen bietet Vollformat meist deutlich mehr Auflösung, als Systeme mit kleineren Sensoren. Das ist ein Plus das sich durchaus bemerkbar macht, wenn man regelmäßig Prints in A2 und größer anfertigen lässt. Man muss dazu allerdings mit entsprechend exzellenten Objektiven, geschlossner Blende, optimaler Fokussierung (Hyperfokale Distanz) und Stativ arbeiten. Im Studio lässt sich alternativ die kurze Belichtungsphase die durch Blitze entsteht nutzen, um das Potenzial von Auflösungen jenseits der 30 MP auszuschöpfen.

Mit Vollformatkameras entsteht darüber hinaus bei vergleichbarer Distanz, Brennweite und Blendeneinstellung eine geringere Schärfentiefe. Vollformat ermöglicht Bokehs, die mit kleineren Sensoren schwer bis gar nicht zu erzielen sind. Schon gar nicht, wenn man keine 10.000 Euro in eine Linse investiere möchte, was bei State-of-the-Art-Vollformatlinsen von Leica schon einmal der Fall sein kann. Für MFT existieren Linsen in dieser Preisklasse erst gar nicht.

Freude am Fotografieren

Wenn es mehr um die Freude am Fotografieren geht, ist für mich MFT das perfekte System. Die Kameras von Panasonic und Olympus sind im Vergleich deutlich leichter und handlicher, als APS-C- oder Vollformatsysteme. Zwar sind bieten auch Canon, Nikon und Sony mittlerweile spiegellose Vollformatkameras an die kaum größer sind als reguläre MFT-Modelle. Doch die größeren Sensoren verlangen zwangsläufig nach größeren Optiken. Werden die handlichen Bodys dann mit notwendigerweise voluminösen und schweren Vollformat-Teleobjektiven kombiniert, ergibt sich eine äußerst unausgewogene Balance und ein eher kontraproduktives Handling. Nicht umsonst hat Olympus gerade für alle die mit langen Brennweiten arbeiten das MFT-Monster E-M1X auf den Markt gebracht, die nur geringfügig leichter ist als eine Nikon D850.

Die Kompaktheit von MFT ergibt sich nicht durch die Größe der Kameras. Kompakt ist das im Volumen des Systems der Optiken wegen. Erst wenn man diese zur Fotoausrüstung hinzurechnet – und wie könnte man das nicht tun! –, reduziert sich das Gewicht des Equipments schnell auf ein Drittel von Vollformat oder weniger.

Die Stärke des MFT-Systems liegt beim Fotografieren auf Achse. Im Studio macht das kleine System in meinen Augen wenig Sinn. Weshalb auf die zusätzliche Auflösung und das weitere Bokeh verzichten, wenn Gewicht keine Rolle spielt? Und überhaupt: Mit den gerade auf den Markt gekommenen Spiegellosen von Canon, Nikon und Sony kombiniert mit einer Festbrennweite oder einem Standardzoom ist auch Vollformat nicht nennenswert schwerer als MFT. Ich würde niemandem MFT empfehlen, der auf Studiofotografie aus ist. Das wäre fast ein bisschen absurd. Nicht völlig, aber ein bisschen!

Nein, MFT ist das System für unterwegs. Je länger die Brennweite wird, desto mehr fallen die Vorzüge im wahrsten Sinne des Wortes ins Gewicht. Meine 300mm Festbrennweite von Olympus – immerhin 600mm kleinbildäquivalent – ist leichter und nur geringfügig länger als Nikons 70–200mm ƒ2.8 Telezoom. Ein dem Olympus-Supertele vergleichbares Nikon-Objekitv ist doppelt so lang und drei Mal so schwer.

Keine Frage: Das Nikon-Tele ermöglicht Aufnahmen, die mit meinem Olympus unerreichbar sind, was man anhand des 5-fachen Preises allerdings auch erwarten darf. Aus freier Hand wird man die Qualität des Super-Nikkors allerdings kaum nutzen können, denn bei bei 5kg inklusive Kamera braucht man wahrscheinlich einen enormen Bizeps das Teil verwackelungsfrei zu stemmen. Auch das reduziert das Gewicht eines MFT-Systems: Man kann viel öfter auf das Stativ verzichten, was selbst bei einem lichten Stativ 1kg weniger Transportgewicht bedeutet.

Nicht nur das geringere Gewicht und die geringere Auflösung erlaubt es eher, auf ein Stativ zu verzichten. Auch die Bildstabilisierung ist bei MFT im Vergleich zu Vollformat aus einer anderen Welt. Mit Vollformat bislang unerreichbare Belichtungszeiten von 1s und mehr, gehen mit aktuellen Kameras von Panasonic und Olympus problemlos. Kleinere Sensoren lassen sich schlicht leichter stabilisieren. Sogar Belichtungsreihen mache ich in Mittlerweile ohne Stativ und baue die 7 Belichtungen dann am Computer zu HDR-Bildern zusammen.

HDR-Aufnahme aus 7 Belichtungen aus freier Hand

Zwar ist der Nutzen des Handheld-Sensor-Shiftings, mit dem die E-M1X nun 50MP aus freier Hand erlaubt, überschaubar. Nach meinen bisherigen Versuchen wird damit auch keine feinere Detailzeichnung erzielt als mit den regulären 50MP – dass sich extrem hohe Auflösungen nur mit Stativ nutzen lassen gilt eben auch für MFT. Doch, dass Langzeitbelichtungen aus freier Hand möglich sind – was die E-M1X jetzt mit einem virtuellen ND-Filter unterstützt –, ist auch so eine Möglichkeit der exzellenten Bildstabilisierung, die das Fotografieren einfach leichter macht.

2,5s Verschlusszeit mit E-M5 II aus freier Hand
1/8s mit Life-ND-Filter der E-M1X aus freier Hand

Die Krone der Abbildungsqualität gehört Vollformat, wenn nicht Mittelformat – keine Frage! Bei MFT steht die Leichtigkeit und Freude des Fotografierens im Mittelpunkt. Nicht umsonst höre ich immer wieder Fotografen, die den Systemwechsel von Vollformat auf MFT gemacht haben, sagen, dass ihnen das System die Freude am Fotografieren wieder gebracht hat. Ich kann das nur bestätigen. Genau das habe ich empfunden, als ich begann mit der OM-D E-M5 zu fotografieren. Nein, es ist nicht so, dass ich mit meinen Nikons keine Freude hatte. Absolut nicht. Nur die sprichwörtliche Leichtigkeit des MFT-Systems ermöglicht eine Leichtigkeit des Fotografierens, die einfach (noch) mehr Spaß macht.

Und, seien wir doch ehrlich: In Zeiten, in denen darüber diskutiert wird, wie lange es noch dauert, bis Smartphones der Fotografie mit Systemkameras endgültig den Gar ausmachen, ist die Sache mit der Qualität ohnehin sehr relativ. In vielen Situationen erreichen die Handys mit ihren winzigen Sensoren eine Abbildungsqualität, die unter den üblichen Ausgabebedingungen nicht von echten Kameras zu unterscheiden ist – egal ob man ihnen MFT oder Vollformat gegenüber stellt.

In meiner Foto-Bibliothek, die aktuell etwa 50.000 Bilder umfasst, kann ich jedenfalls bei kaum einem Bild anhand der Abbildungsqualität treffsicher bestimmen, ob die Aufnahme mit einer Nikon Vollformat- oder einer meiner MFT-Kameras entstand – jedenfalls nicht, seit der E-M5 (ein paar Jahre davor hatte ich eine Panasonic G3 – deren Abbildungsqualität war noch sichtbar minder, als das meiner damaligen Nikon D700).

Noch einmal: Die qualitativen Unterschiede zwischen Vollformat und MFT sind Fakt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Ebenso Fakt ist allerdings, dass sie erst unter besonderen Bedingungen und/oder bei Prints über A2 wirklich relevant werden. Ansonsten muss man die Unterschiede mit der Lupe am Monitor suchen.

Es gibt allerdings einen Punkt, der bezüglich MFT noch einer Warnung bedarf: Abgesehen von den Spitzenmodellen von Panasonic und Olympus, erreicht die Mittel- und Einstiegsklasse der beiden Hersteller in Sachen Fokussierung noch nicht die Geschwindigkeit, die bei DSLR selbstverständlich ist. Wer preiswert mit einer Systemkamera Vögel im Flug oder sehr schnelle Sportarten fotografieren will, der ist bislang mit einer Einsteiger-DSLR definitiv besser bedient.

Der Weg der Mitte

Keine Frage: Ich bin MFT-Fan. Doch ebenso, wie ich Vollformat seine Vorzüge zugestehen kann, sehe ich, dass es zwischen den beiden Extremen noch einen Weg der Mitte gibt: APS-C.

Nun bin ich allerdings etwas skeptisch über die Zukunft von APS-C bei Canon, Sony und Nikon. Früher machten diese Systeme mit kleineren Sensoren bei Einsteigerkameras durchaus Sinn, da der Sensor einer der wesentlichen Preistreiber der Kamera war. Vollformat zum Einsteigerpreis war schlicht nicht möglich. Doch die Zeiten ändern sich. Vollformatkameras werden immer billiger. Canon und Nikon mussten für ihre spiegellosen Kameras ein neues Bajonett einfügen. Ich bin gespannt, ob Nikon für diesen Anschluss in Zukunft auch DX-Kameras und (neue) DX-Objektive vorstellen wird. Ich habe meine Zweifel. Und bei Canon mag es ähnlich sein.

Anders sieht es mit Fujifilm aus. Fuji hat kein Vollformatsystem, sondern setzt auf APS-C und Mittelformat. Mit der Konsequenz nicht mit einem Bajonett zwei Sensorformate bedienen zu wollen, können Sie einen goldenen Mittelweg zwischen Vollformat und MFT gehen. Man verbindet den Vorteil der gegenüber MFT größeren Sensoren, mit jenem, der gegenüber Vollformat kompakter konstruierbaren Objektive. Da man damit auch sehr erfolgreich unterwegs ist, würde ich davon ausgehen, dass APS-C bei Fuji eine langfristige Zukunft hat, was ich bei APS-C bei Nikon und Canon bezweifle.

Bokeh wird überbewertet

Posted in Theorie & Technik

Vor ein paar Jahren habe ich auf einer Facebook-Seite gepostet, dass ich Bokeh für überbewertet halte, und dass man es sich mit lichtstarken Prime Lenses einfach und bequem machen kann: Blende aufreißen, draufhalten, abdrücken. Die geringe Schärfentiefe löst das Subjekt aus der Umgebung und damit gleichzeitig alle gestalterischen und kompositorischen Probleme.

Es hat schon was, wenn man ein Subjekt vor einem quirligen Hintergrund freistellen kann um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das zu lenken, was man ihm zeigen möchte. Für Bokeh sensibilisierte Augen werden wahrscheinlich regelmäßig Ahs und Ohs von sich geben, wenn sie in Kinoproduktionen ganze Personen aus dem Hintergrund herausgelöst sehen. Als Fotograf muss mein einiges investieren um einen vergleichbaren Effekt zu erzielen. Das 200mm ƒ2 von Nikon kann das. Es kostet aber auch knapp 7000 Euro.

Das Video unten hat mich an meine Aussage von damals erinnert. Der Fotograf der es präsentiert zeigt die Ergebnisse einer kleinen Erhebung, die er zum Thema Bokeh machte. Das auch für mich etwas überraschende Ergebnis: Unbedarfte Betrachter finden Aufnahmen mit ausgeprägter Unschärfe in der Regel weniger attraktiv, als Bilder mit etwas detaillierteren Hintergründen. Bokeh scheint vor allem einen zu interessieren: Den Fotografen selbst. Und der Präsentator des Videos teilt offensichtlich meine Ansicht, dass man es sich mit reichlich Bokeh sehr bequem machen kann, und dass Komposition und Bildgestaltung eine ganz andere Herausforderung darstellen, wenn man Subjekt mit Umfeld in Beziehung setzen muss.

Das freut natürlich den MFT-Fotografen, bekommen wir doch immer wieder zu hören, dass man mit unsrem System nicht arbeiten könne, weil man kein ausreichendes Bokeh erhalte. Ich persönlich denke ja, dass das Ausmaß der Unschärfe alleine kein Maßstab für die Qualität des Bokehs ist. Viel wichtiger finde ich, wie weich – wie cremig – es ausfällt. Ich hatte an meinen Nikon-Vollformatkameras lichtstarke Optiken im Einsatz, die ein recht harsches Bokeh erzeugten. Meine MFT-Objektive bilden unter vergleichbaren Bedingungen zwar etwas mehr Details ab, haben aber allesamt ein recht weiches Bokeh.

Ich bin zwar wegen des Gewichts des Systems von Vollformat auf MFT umgestiegen. Ausschlaggebend war aber, dass ich entdeckte, dass ich mit dem Olympus 45mm ƒ1.8 genauso attraktive Porträts erzielte, wie mit Nikons 85mm ƒ1.8. Erst diese Erkenntnis löste die Frage auf, weshalb ich eigentlich eine so große und schwere Ausrüstung mit mir herumschleppe.

Bitte nicht falsch verstehen: Das Oly 45er machte keine schöneren Aufnahmen als das Nikon 85er. Sie sind aber auch nicht schlechter. Dabei kostet die Oly-Linse gerade einmal die Hälfte.

Und dann kommt noch etwas dazu: Es ist eine bekannte Weisheit, dass Objektive erst bei mehr oder weniger starker Abblendung ideale Schärfeleistung und Kontrast erzielen. Ich habe das mit einigen Nikon-Linsen getestet und bestätigt gefunden. Ich habe außerdem auch mit all meinen Olympus- und Panasonic-Objektiven getestet, mit dem Ergebnis, dass viele bereits bei Offenblende eine nahezu optimale Detailzeichnung erreichen, und bei denjenigen, bei denen das nicht der Fall ist, bereits durch geringes Abblenden ihr Optimum erreichen.

Wie immer gilt: Ich halte MFT nicht für besser als andere Systeme. Größere Sensoren haben definitiv Vorteile. Ich will nur jenen entgegen treten, die die Nachteile des Systems größer darstellen als sie sind, und dann meist noch gleichzeitig die Vorteile klein reden. Jedes System hat Vor- und Nachteile und je unterschiedlicher die Systeme sind, die uns angeboten werden, desto größer die Chance, dass jeder das findet, was für ihn optimal ist.

Auflösung und Druckformat

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Wiederkehrend stößt man in der Fotografie auf die Frage, wie viel Auflösung eine Kamera denn eigentlich haben muss. Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, es kann niemals genug sein. Aber stimmt das? Wie viel Auflösung benötigt der Fotograf?

Die Antwort lautet wie immer: Es kommt drauf an! Es gibt tatsächlich Anwendungen in der Fotografie, für die die Auflösung kaum einmal zu viel sein kann. Das ist allerdings eher die seltene Ausnahme von der Regel! Tatsächlich haben Kameras heute in der Regel für das Gros der Anwender und die meisten Aufgaben mehr als genug Auflösung. Ich würde behaupten für 99,9% der Aufgaben von 99,9% der Aufgaben. Mindestens!

Und was ist mit den restlichen <99,9%? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Ebenso wie die Frage, ob es Sinn macht, einen LWK statt eines PKWs anzuschaffen, weil man möglicherweise irgendwann einmal etwas transportieren muss, mit dem der Kombi überfordert ist. Für mich persönlich ist weniger mehr. Deshalb fotografiere ich mit MFT und fahre eine Zweisitzer. Beides möchte ich nicht gegen Schwereres tauschen. Keinesfalls!

Heißt das, dass ich deshalb Abstriche bei der Qualität machen muss?

Nein! Denn mein Zweisitzer hat ein Dach aus Stoff, und mehr Lebensqualität als offen über ruhige Land- und Passstraßen zu fahren, kann mich mir nur schwer vorstellen.

Ja, ich weiß: Es geht hier um Fotografie. Aber die Antwort ist weitgehend dieselbe: Weniger ist mehr. Ich behaupte seit Jahren, dass 18 Megapixel (MP) genug für mich sind. Das war auch so, als ich mit Vollformat fotografiert und mit der Nikon D7100 und D600 24MP erreicht habe. Eigentlich zu viel des Guten.

4K Video kommt mit knapp 9MP aus (Wikipedia über UHD). Das heißt, mit 18MP erfüllt man den Bedarf doppelt.

Für Drucke und Fotoabzüge wird üblicherweise eine Ausgabeauflösung von 300ppi empfohlen. Bei der Ausgabe eines Digital­bildes mit 300ppi entspricht ein Pixel etwa 0,08 mm. Das ist so klein, dass die Augen die Pixel bei einem für Fotoabzüge, Foto­alben, Bücher, Folder, Broschüren oder Magazine üblichen Be­trachtungs­abstand von 30cm nicht mehr einzeln erfassen ­können.

Für Abzüge im Format von 9cm × 13cm sind bei 300 ppi etwa 1,6 MP erforderlich, das sind 1053px × 1535px (px = Pixel). Für A4 sind 8,7MP notwendig, für A2 34,8MP und für A1 müsste eine Kamera 140MP auflösen. Mittelformat­kameras er­reichen heute 150 MP, wofür das Budget eines Mittel­klassewagens zu kalku­lieren ist. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie viel Megapixel bei verschiedenen Standardgrößen erforderlich sind um mit 300ppi drucken zu können.

Format Maße Megapixel Bildgröße in Pixel
Fotoabzug 90 mm × 130 mm 1,6 MP 1053 × 1535
Fotoabzug 130 mm × 180 mm 3,3 MP 1535 × 2126
A4 210 mm × 297 mm 8,7 MP 2480 × 3508
A3 297 mm × 420 mm 17,4 MP 3508 × 4961
A2 420 mm × 594 mm 34,8 MP 4961 × 7016
A1 594 mm × 841 mm 70,0 MP 7016 × 9933
A0 841 mm × 1189 mm 140,0 MP 9933 × 14043

Wie gesagt: Da ich in der Praxis nicht über A3 drucke, sind 18MP genug für mich. Das heißt allerdings nicht, dass ich damit nicht größer drucken könnte. Tatsächlich ließen sich mit den Auflösungen meiner Kameras auch Großflächenplakate ohne den geringsten Qualitätsunterschied zu Aufnahmen die mit Pixelmonstern erstellt wurden drucken.

Aufnahme einer Seite eines Grundlagenexkurses über Auflösung aus meinem Buch »Adobe InDesign – Schritt für Schritt zum perfekten Layout«.

Die Abbildung oben zeigt eine Seite aus meinem Buch »Adobe InDesign – Schritt für Schritt zum perfekten Layout« – ähnliche Seiten gibt es auch in meinen Photoshop- und Affinity-Photo-Workshop-Büchern, sowie in meiner kreativen Fotoschule. Die Abbildungen geben dasselbe Bild in unterschiedlichen Auflösungen wieder. Sie veranschaulichen den Zusammenhang zwischen Auflösung und Detailschärfe im Druck. Die Wiedergaben zeigen, dass kein sichtbarer Qualitätsunterschied zwischen 300ppi und 250ppi besteht. Selbst bei der Hälfte der empfohlenen Druckauflösung von 300ppi – bei 150ppi – sticht ein Qualitätsmangel nicht unmittelbar ins Auge. Man muss das Bild schon genau betrachten und näher als die beim Leben üblichen 30cm an das Bild herangehen um den Unterschied in der Detailschärfe zur 300ppi-Abbildung zu erkennen.

Eindeutig sichtbar ist der Qualitätsmangel erst bei einer weiteren Halbierung der Auflösung. Bei 72ppi ist die pixelige Struktur der Bildauflösung deutlich zu sehen. Allerdings auch nur aus dem üblichen Betrachtungsabstand von 30cm. Schon aus einer Distanz von 1m muss man wohl im wahrsten Sinne des Wortes über ein Adlerauge verfügen, um die Pixel noch immer ausmachen zu können.

Ich habe diese Beispiele schon vielfach mit Teilnehmern meiner Kurse betrachtet und besprochen. Ab einer Entfernung von 2m kann selbst bei einer Auflösung von 30ppi kaum mehr jemand einen Qualitätsmangel feststellen.

1m gilt als üblicher Betrachtungsabstand für A2-Poster, ­weshalb dafür 90ppi ausreichen. Bei Großflächen­plakaten mit 252cm × 356cm und größer nimmt man Betrachtungsabstände von 5m und mehr an. Sie werden meist mit etwa 30ppi gedruckt. Dafür genügen 12,5MP. Mehr Auflösung würde bei solchen Plakaten auch gar nichts bringen, da die Druckraster so grob sind, dass feinere Auf­lösungen verloren gehen. Bei ­Postern, die meist ebenso fein gerastert gedruckt werden wie ­Bücher und Broschüren, ­haben ­Reserven allerdings den Vorteil, dass auch ein Betrachter, der den angenommenen Abstand unter­schreitet, feine Details zu ­sehen bekommt. Ich persönlich würde allerdings kein Vermögen ausgeben, nur um für ­solche Ausnahmefälle mit Details glänzen zu können.

Die folgende Tabelle zeigt, was für Betrachtungsabstände für verschieden große Poster und Plakate angenommen werden, und was für Auflösungen dafür erforderlich sind.

Format Abstand Auflösung Megapixel
A2 1m 90ppi ≈ 2,2MP
A1 2m 60ppi ≈ 2,8MP
A0 3m 45ppi ≈ 3,2MP
Plakat 252cm × 356cm 5m 30ppi ≈ 12,5MP

Wer beim Ausdruck 300ppi keines­falls unterschreiten möchte, erreicht mit 18MP knapp A3, mit 36MP etwa A2 und mit 50MP 50cm × 75cm. Bei einer Auflösung von 250ppi geht es jeweils auch etwas größer, ohne dass irgendjemand selbst aus nächster Nähe einen relevanten Unterschied wird erkennen können.

MP ≈ Format bei 300ppi
18MP 297mm × 420mm
24MP 340mm × 500mm
36MP 400mm × 600mm
50MP 500mm × 750mm

Das Beitragsbild oben über dem Artikel, zeigt zwei Bilder die bei mir Zuhause in Wechselrahmen an der Wand hängen. Ich tausche die Aufnahmen in den Rahmen seit Jahren regelmäßig aus. Es befanden sich bereits Bilder von 12MP-, 16MP-, 20MP- und 24MP-Kameras darin. Ich glaube nicht, dass jemals jemand einen Qualitätsunterschied ausmachen konnte – mir jedenfalls ist niemals ein relevanter Unterschied aufgefallen.

Der Inhalt dieses Artikels basiert auf einem Grundlagenexkurs aus meinem Buch »Die kreative Fotoschule«, das am 22.2.2019 erscheint.

Vollformat vs. Micro FourThirds

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Die Vorstellung der Olympus OM-D E-M1X hat die Diskussionen über die Bildqualität von Micro FourThirds, und ob sie professionellen Ansprüchen gerecht wird, wieder einmal kräftig hochkochen lassen. Als leidenschaftlicher Tierfotograf der auch bei Regen hinaus möchte, finde ich das neue Modell durchaus attraktiv. Das Preisschild von 3000 Euro schreckt mich wenig, hatten doch meine Vollformatkameras stets deutlich über 2000 Euro gekostet, ohne dabei die Möglichkeiten von Olympus’ neuem Flaggschiff zu bieten.

Ich finde es ja interessant, dass manche Foto-Blogger und YouTuber Systeme, die nicht ihren eigenen Vorlieben entsprechen, madig zu machen. Selbstverständlich ist es legitim State-of-the-Art-Rauschverhalten und geringste Schärfentiefe für sich zur höchsten Priorität zu erklären. Aber deshalb sind Fotografen die andere Prioritäten wählen weder unprofessionell noch Idioten. Offener und toleranter schienen MFT-Fotografen allerdings zu sein, zumindest könnte ich mich nicht erinnern schon einmal von einem MFT-Fan gehört zu haben, dass er Vollformat schlecht redet. Wir MFT-Freunde kennen die Limits unseres Systems, aber wir kennen auch seine Vorzüge und wir erlauben uns andere Prioritäten zu haben als der Mainstream.

Dabei ist es nicht einmal so, wie mancher Vollformat-Fan es darstellt, dass MFT ein etwas kompakteres System mit viel schlechtere Abbildungsqualität ist. Nein, ist es ein viel kompakteres System – jedenfalls wenn wir davon ausgehen, dass zur Kamera Objektive gehören –, das etwas früher an die Grenzen der Abbildungsqualität stößt. Grenzen, die nur unter bestimmten Situationen relevant und die für die meisten Fotografen irrelevant sind.

Ich habe 2015 einen Vergleichstest mit einer OM-D E-M1 (16MP) und einer Nikon D810 (36MP) mit einer der angeblich schärfsten Vollformatlinsen gemacht. Ja, die Vergleichsaufnahmen zeigten Unterschiede. Unterschiede, die man auch erkennt, wenn man die Bilder sehr groß wiedergibt und genau in Augenschein nimmt.

Das unten eingebettete Video zeigt einen ähnlichen, noch etwas eindrücklicheren Vergleichstest. Ein Fotograf macht Aufnahmen mit einer Vollformat-DSLR und einer E-M1 II, lässt je zwei Aufnahmen einen Meter groß printen und fragt den erfahrenen Drucker, welche der Aufnahmen mit welcher Kamera entstand. Trefferquote: 50:50. Also so gut wie gewürfelt.

Nachdem gestern mein neues Buch – meine komplett überarbeitete »kreative Fotoschule« (Verlag | Amazon-Affiliate-Link) – in Druck gegangen ist, war endlich wieder Platz für etwas Anderes als Schreiben. Ich nutzte die Zeit mich über die E-M1X und in Folge über die Diskussionen zu Leben und Sterben von MFT zu informieren.

Was mir immer wieder auffällt, ist, dass MFT-Gegner Qualitätsfetischisten sind – Pixelpeeper möchte ich behaupten. MFT-Fotografen haben offensichtlich andere Prioritäten. Immer wieder höre ich Sätze, wie »MFT hat mir die Freude am Fotografieren zurückgebracht« oder »noch nie hat mir Fotografieren so viel Spaß gemacht«. Letzterer Satz war auch von mir zu hören, als ich begann mit der Olympus OM-D E-M5 zu fotografieren.

Ich hatte mir die E-M5 2013 als kompakte Zweitkamera neben der Nikon D600 zugelegt. Nichts lag mir damals ferner, als der Gedanke, mit ihr meine Vollformatkamera zu ersetzen. Allerdings machte ich nicht nur die Erfahrung, dass Fotografieren mit der E-M5 mehr Spaß macht – und ich liebe Spaß! –, sondern auch, dass ihre Aufnahmen für meinen Bedarf – Ausgabe bis maximal A3+ – nicht weniger gut aussehen, als die Ergebnisse der D600. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich ein Bild aufgenommen hatte, es mir am Display der Kamera ansah und mir dachte, weshalb schleppe ich eigentlich diese Vollformatmonster durch die Gegend, wenn dieser Zwerg solche Ergebnisse liefert.

Damals fotografierte ich noch deutlich mehr Porträts als heute, zuletzt bevorzugt mit der D600 und einem Nikkor 85mm ƒ1.8 (LP 629 Euro). Die E-M5 wäre mir zu kompakt gewesen um Foto-Sessions damit zu fotografieren. Doch als die E-M1 erschien versuchte es mit ihr und einem M.Zuiko 45mm ƒ1.8 (LP 329 Euro | Amazon-Affiliate-Link). Ich kann nicht im Geringsten erkennen, in welcher Beziehung die Resultate der D600 besser gewesen sein sollten, wie die der MFT-Kamera.

Ja, Vollformat liefert geringere Schärfentiefe. Aber wer sich wirklich mit Bokeh befasst, sollte wissen, dass seine Qualität nicht allein an der Schärfentiefe hängt. Es hängt – in meinen Augen noch viel mehr – daran, ob es weich oder harsch ausfällt. Und nach den Erfahrungen die ich mit verschiedensten Linsen von Nikon, Sigma, Olympus und Panasonic machte, habe ich den Eindruck gewonnen, dass MFT-Objektive samtigere Bokehs liefern, jedenfalls so lange man Objektive verleiht, die preislich nicht völlig unterschiedlichen Welten entstammen.

Die meisten MFT-Fotografen, die auf YouTube oder in Blogs berichten, sind denselben Weg gegangen wie ich: Sie haben mit Vollformat fotografiert und irgendwann den Wechsel zu MFT gemacht. Ich denke, die meisten von uns haben gemein, dass wir keine Idioten sind, die keine Ahnung von Bildqualität haben, sondern wir haben uns genau überlegt, was wir tun, und weshalb. Ich für meinen Teil, habe wohl schon Pixel analysiert, da waren viele, die meinen MFT würde ihren Qualitätsansprüchen nicht gerecht, noch nicht einmal geboren.

Wer glaubt, in der Fotografie drehe sich alles um rauschfreie Aufnahmen mit geringster Schärfentiefe, soll seine Finger von MFT lassen und sich eine Vollformatkamera zulegen, oder besser gleich Mittelformat.

Alle anderen, für die in der Fotografie Freude und Spaß daran im Vordergrund steht: Schaut euch die verschiedenen MFT-Modelle an!

Micro FourThirds ist tot!

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In einem heute Vormittag veröffentlichten Artikel, schrieb ich, dass mir manche Debatten zu MFT Sorgen bereiten. Das oben eingebettete Video, in dem Tony Northrup den baldigen Tod von Micro FourThirds ankündigt, gehört in diese Kategorie an Beiträgen. Das Problem ist, dass, wenn solche Prophezeiungen greifen – gerade, wenn sie von populären Bloggern oder YouTubern wie Northrup kommen –, die Gefahr besteht, dass sie zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden.

Als Neueinsteiger in eine Fotografie, die über das Knipsen mit Smartphones hinaus geht, oder als Aufsteiger von von der Basiskamera zum komplexen System, plagt einen wohl vor allem die Frage nach der Wahl des richtigen Systems. Niemand möchte in eines investieren, das in zwei oder drei Jahren sein End of Life erreicht. Singen aber viele Stimmen das Lied vom Tod, werden sich wahrscheinlich einige potenzielle Käufer von MFT abschrecken lassen.

Tony Northrup ist ein absolut kompetenter Fotograf, und ich kann ihm nicht unterstellen, völlig einseitig über MFT zu berichten. Dennoch ist seine Argumentation teilweise etwas paradox, behauptet er doch einerseits, dass sein Handy annähernd die Qualität von MFT erreicht, beklagt aber gleichzeitig, dass MFT nicht mit der Qualität einer Kamera mit größerem Sensor mithalten kann. Handys erreichen heute zwar tatsächlich herausragende Qualität, und wer unkompliziert fotografieren will, keine extrem langen Brennweiten braucht und bei der Ausgabe nicht wesentlich über normale Fotoabzüge hinaus geht, ist damit perfekt bedient. Doch der Vergleich mit der Qualität die ein MFT-Sensor mit einer guten Linse bringen kann, ist doch etwas weit her geholt. Auch wenn MFT qualitativ zwischen Telefon und Kleinbild liegt, ist es deutlich näher am Vollformat als das Smartphone an ihm.

Northrup führt auch ins Feld, dass spiegellose Vollformatkameras heute auch nicht mehr größer sind als viele MFT-Modelle. Das ist zwar korrekt, wenn sich eine kurze Festbrennweite oder ein Standardzoom an der Kamera befindet. Es verliert aber zunehmend an Gewicht, wenn die Brennweiten länger oder die Objektive mehr werden.

Es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass er mit seinem 600mm Nikkor ƒ4 qualitativ bessere Aufnahmen mit feinerem Bokeh erzielt, als mit einem Olympus 300mm ƒ4. Es wäre auch absurd wenn dem nicht so wäre, kostet es doch laut Liste 14.000 Euro, während das Olympus bei 2600 liegt!

Dabei ist die Frage kann und/oder will ich mir eine Linse zum Preis eines Kleinwagens leisten gar nicht die einzige die sich stellt. Die Frage ist doch auch, wie ich fotografieren will. Das 600-mm-Nikkor ist kaum ohne Stativ einzusetzen. Wer damit arbeitet, muss sinnvollerweise ansitzen. Das muss man mögen, oder gut dafür bezahlt werden. Ich bin lieber flexibel und mobil unterwegs. Das Olympus 300er ermöglicht eine Arbeitsweise, die mit dem Nikkor-Äquivalent undenkbar wäre. Mit einem 1,3-kg-Objektiv lassen sich Motive einfangen, für die Nikons knapp-4-kg-Monster einfach zu flüchtig sind.

Ich für meinen Teil liebe es mit zwei oder drei Kamera vergleichsweise unbeschwert stundenlang durch die Landschaft streifen zu können und unkompliziert sowie flexibel alles mögliche Fotografieren zu können. Ich möchte keine inklusive Stativ drei- bis viermal so schwere Ausrüstung durch die Gegend schleppen und vor jede Aufnahme einen Aufbau der Ausrüstung stellen. Dass das bedeutet, dass ich in Sachen Bokeh und Abbildungsqualität nicht am höchsten Limit des derzeit machbaren aufnehme, nehme ich dafür gerne in Kauf. Für allem, weil der Unterschied bei 90% der Aufnahmen bei den für mich relevanten Ausgabebedingungen schlicht völlig irrelevant ist.

Gerade für Leute, für die der Spaß am Fotografieren, und nicht bedingungslose Abbildungsqualität im Mittelpunkt steht, und die Ihre Ausrüstung nicht als Investition in ihre Business verbuchen und von der Steuer abziehen können, bieten Olympus und Panasonic mit MFT eine hervorragende Option.

Umgekehrt heißt das aber auch nicht, dass mit MFT keine professionellen Resultate zu erzielen wären. Es gibt durchaus auch Profis, gerade im Bereich der Naturfotografie, die mit dem System arbeiten und deren Aufnahmen in anspruchsvollen Magazinen abgedruckt werden. Ich möchte jenen sehen, der sich traut, anhand dieser Prints zu beurteilen, ob dabei jeweils eine Vollformat- oder eine MFT-Kamera zum Einsatz kam.

Eine Diskussion die sich in Sachen MFT vs. Vollformat rein auf Bildrauschen, Bokeh, Gewicht und Volumen konzentriert, unterschlägt im Übrigen auch zu viele andere Aspekte. Olympus gehört zu den innovativsten Unternehmen der Kamerabranche. Man hatte als erstes LiveView an einer Systemkamera, war führend bei Sensorreinigung, hat zusammen mit Panasonic spiegellose Systemkameras erfunden, liegt seit jeher bei Bildstabilisierung an der Spitze, lediglich gelegentlich von Panasonic in Bedrängnis gebracht, man hatte als erster Pixel-Shift und dann wieder als erster Pixel-Shift-handheld am Start, man hat mit Live-Bulb and Live-Composite einzigartige Funktionen an Bord und legt jetzt mit Live-ND eine weitere Innovation nach. Auch mit der Neuen AI-Objekterkennung geht Olympus als Erster neue Wege.

Ja, die Olympus OM-D E-M1X kostet mit 3000 Euro einen ordentlichen Batzen Geld. Doch auch hier greift der simple Schluss, dass man bei anderen Herstellern für dasselbe Geld bessere Bildqualität bekommt etwas zu kurz. Denn die Abbildungsqualität allein ist nicht das einzige Kriterium das eine Kamera ausmacht. Soweit ich weiß, nutzen alle Hersteller oft dieselben Sensoren in preislich sehr unterschiedliche positionierten Modellen. Was die teureren von den preiswerteren abhebt, sind meist vor allem schnellere Prozessoren, manchmal bessere AF-System, fast immer ein hochwertigeres Gehäuse. Die E-M1X dürfte in Sachen Abdichtung locker mit Nikons D5 – Listenpreis knapp 7000 Euro – mithalten können, ich hoffe sogar auf Niveau der Canon 1D liegen – mit 6000 Euro auch nicht schlecht dotiert. Auch bei den garantierten Auslösungen dürfte die E-M1X den genannten Modellen wohl kaum nachstehen – zur Hälfte des Preises!

Northrup führt aus, dass Panasonics Einstieg ins Vollformat den Tod von MFT herbeiführen könnte – dass Panasonic MFT mit der Zeit auslaufen lassen könnte. Ich stelle mir die umgekehrte Frage, nämlich, ob Panasonic mit dem Einstieg ins Vollformat nicht ein Abenteuer mit fragwürdigem Ausgang startet.

Der Markt für Digitalkameras wird auf allen Seiten enger. Die Marktführer Canon, Nikon und Sony bieten ihren bisherigen Kunden jetzt allesamt spiegellose Vollformatkameras. Per Adapter sind diese kompatibel zu einem System mit dutzenden hervorragenden Linsen. Viele Fotografen besitzen welche und weitere Linsen gibt es nicht nur neu, sondern auch auf dem Gebrauchtmarkt. Wie viel Raum ist da für einen Neueinsteiger? Ob es da genügt Leica an der Seite zu haben?

Wäre es nicht möglich, dass Panasonic mit dem neuen Vollformat flopt und am Ende bei MFT bleibt? Wäre es wirklich der Tod des Systems, wenn Panasonic aus MFT ausstiege? Wieso sollte Olympus sich nicht auch alleine mit MFT behaupten? Canon, Nikon, Sony und Pentax pflegen ebenfalls jeweils alleine ihr System. Ich würde nicht ausschließen, dass Olympus Umsatz profitieren könnte, wenn Panasonic das Bündnis verließe.

Was die Zukunft bringt, wissen wir alle nicht. Canon hatte vor einiger Zeit Umsatzprobleme und Nikon steckte (steckt?) in der Krise. Auch Sonys Aktien wurden schon einmal als Ramsch gehandelt. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Auch MFT. Auch Vollformat. Seien wir froh, dass es die unterschiedlichsten Systeme gibt.

No Future, MFT?

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Mit Olympus’ Vorstellung der OM-D E-M1X wird wieder einmal eifrig der Sinn von MFT diskutiert und wer speziell mit diesem Modell erreicht werden soll, ist es doch für Olympus-Verhältnisse ein Monster das das Ansinnen von MFT ein kompaktes System zu sein konterkariert.

Olympus OM-D E-M1X; © Olympus 2019

Einerseits bereiten mir die Debatten über die Abbildungsqualitäten von MFT immer Bauchschmerzen, da es die Weiterentwicklung und den Fortbestand des Systems gefährden würde, würde die Ansicht, dass damit keine brauchbaren Aufnahmen zu erzielen sind, breiter Konsens. Andererseits finde ich die Debatte auch etwas lächerlich, diskutiert doch dieselbe Community parallel, ob Handys nicht in ein paar Jahren Systemkameras den Rang komplett streitig machen könnten.

Es stimmt schon: Die E-M1X ist für MFT-Verhältnisse ein Monster. Allerdings ist sie auch kaum dafür gedacht mit kompakten Pancake-Objektiven eingesetzt zu werden. In Kombination mit einem Objektiv wie dem 300mm ƒ4 Pro macht ein dermaßen überdimensionierter Body aber durchaus Sinn, hat doch die reguläre E-M1 ein Mindestvolumen um lange Telebrennweiten komfortabel zu halten. Noch vielmehr wird das der Fall sein, wenn Olympus nächstes Jahr mit dem 150–400mm ƒ4.5 auf den Markt kommt.

Olympus 150–400mm ƒ4.5 Pro; © Olympus 2019

Natürlich erzielt man mit Vollformat unter vergleichbaren Bedingungen weichere Bokehs und somit schönere Freisteller. Natürlich sind die Bilder bei Kleinbild sauberer, sobald die Empfindlichkeit angehoben werden muss. Natürlich haben größere Sensoren Vorteile. Aber selbstverständlich stehen diesen auch Vorteile entgegen, mit denen nur MFT aufwarten kann.

Es mag schon sein, dass einige spiegellose Vollformatkameras kompakter sind als die E-M1X. Das heißt aber auch, dass die Balance zwischen Objektiv und Kamera leidet, wenn lange Brennweiten eingesetzt werden, denn auch wenn man die Kameras miniaturisieren kann, bei den Optiken wird das wohl kaum möglich werden.

Und der Volumens- und Gewichtsvorteil zeigt sich nicht nur während des Transports, sondern erleichtert auch das Fotografieren mit Superteleobjektiven und macht den Fotografen flexibler, schneller und wendiger. Dabei ist die Stabilisierung so gut, dass sich Belichtungen von 2s und mehr aus freier Hand ausgehen. Ich habe bereits mit der E-M1 II Aufnahmen weich fließender Gewässer aus freier Hand aufgenommen, die mit anderen Systemen ohne Stativ unmöglich gewesen wären.

MFT ist in meinen Augen noch immer das beste System für alle, die mit der Kamera auf den Weg gehen und für die die Freude am Fotografieren wichtig ist, als die unter allen Bedingungen bestmögliche Abbildungsqualität für Poster und in der Vergrößerung am Computerbildschirm zu erzielen. Wer die Priorität bei letzterem hat müsste in aller Konsequenz dann ohnehin über Mittelformat nachdenken. Viel Spaß damit!

Ich für meinen Teil freue ich mich schon, die E-M1X zu testen.

UV-Filter Schärfetest

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Vor knapp einem Monat habe ich im Artikel »Drei Meinungen über Fotografie die ich in letzter Zeit änderte« berichtet, dass ich vor kurzem einen Kratzer in meinem geliebten M.Zuiko 300mm ƒ4.0 entdeckte und daraufhin beschloss sämtliche Objektive mit UV-Filtern auszustatten. Nebenbei sei verraten, dass Olympus mir ein Happy End bescherte, indem es das Objektiv einwandfrei reparierte, und das zu einem Preis von 250 Euro – deutlich weniger als ich erwartet bzw. befürchtet hatte.

Nach einiger Recherche entschied ich mich für Hoya UV Pro1 Digital-Filter (Amazon Affiliate Link). Nun hatte ich bereits nach der Bestellung eines ersten Filters einen Test durchgeführt und praktisch keinen nennenswerten Unterschied der Detailschärfe mit oder ohne Filter erkennen können.

Ich wollte es aber noch etwas genauer wissen und habe mich deshalb von einem von Roger Cicala durchgeführten Filtertest zu einem eigenen Aufbau inspirieren lassen. Cicala hat zum Einen 50 UV-Filter übereinander geschraubt um die Auswirkungen von so viel Glas auf die Abbildungsqualität zu demonstrieren, und zum Anderen Testaufnahmen mit einmal fünf hochwertigen Filtern übereinander und einmal fünf billigen Filtern übereinander gemacht.

Das clevere an diesem Testaufbau ist, dass sich eine Reduzierung der Detailschärfe die mit einem Filter kaum zu erkennen ist, bei fünf Filtern natürlich verfünffacht und entsprechend deutlicher ausfällt.

Als Objektiv für den Test habe ich das Panaleica 15mm ƒ1.7 (Panasonic | Amazon) gewählt. Dieses gehört laut dxomark.com zu den  besten MFT-Linsen, und mit 46 Millimeter hat es einen Filterdurchmesser für den ich die meisten UV-Filter habe. Also habe ich die vier Filter übereinander geschraubt und der Reihe nach je eine Aufnahme mit vier Filtern, drei, zwei, einem und ohne gemacht. Genutzt habe ich dabei den High-Res-Modus der Pen-F, das heißt die Bilder sind mit 50 Megapixel aufgelöst.

Was mich überrascht hat, ist, dass auch zwischen den Aufnahmen ohne und mit vier Filtern nur geringe Unterschiede zu erkennen sind, und das eben bei einer Auflösung von 50MP. Ich darf wohl daraus ableiten, dass bei den 16MP bis 20MP meiner MFT-Kameras mit einem einzigen Filter überhaupt kein Schärfeverlust zu erwarten ist. Das sagt natürlich noch nichts über eine verstärkte Neigung zu Geisterbildern oder Blendenflecken aus, doch zumindest diesbezüglich muss ich demnach nichts befürchten.

Die Abbildungen unten zeigen 1500 Pixel breite und 1000 Pixel hohe 100-%-Ausschnitte der vier Testaufnahmen. Hier sind die Originale zum Herunterladen: ZIP-Archiv mit 111MB.

Aufnahme ohne UV-Filter
Aufnahme ohne UV-Filter

Aufnahme mit einem UV-Filter
Aufnahme mit einem UV-Filter

Aufnahme mit zwei UV-Filtern
Aufnahme mit zwei UV-Filtern

Aufnahme mit drei UV-Filtern
Aufnahme mit drei UV-Filtern

Aufnahme mit vier UV-Filtern
Aufnahme mit vier UV-Filtern

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