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Kategorie: Theorie & Technik

Fotografen, Gründe und Argumente pro Micro FourThirds (MFT)

Posted in Theorie & Technik

Am 7. Dezember 2019 veröffentlichte ich einen Artikel mit dem Titel »Fotografen und Techniker«. Darin habe ich einige YouTube-Kanäle von Fotografen vorgestellt die mit MFT auf professionellem Niveau fotografieren. Seither habe ich diesem Artikel zwei weitere Videos hinzugefügt. Dabei ist mir in den Sinn gekommen, dass der Post insgesamt eine gute Sammlung ist, um Interessierten zu zeigen, dass man mit MFT professionell fotografieren kann und welche Gründe dafür sprechen – wobei nicht ausgespart wird, dass MFT natürlich auch Nachteile und Schwächen hat. Alles hat zwei Seiten, alles ist relativ!

»Fotografen und Techniker« dürfte leider keine ideale Überschrift sein, damit der Artikel von Interessierten gefunden wird. Ich überlegte dann kurz den Titel zu ändern, finde es aber besser, wenn ich die dort bereits geteilten Videos samt meiner Anmerkungen in einen neuen Artikel übernehme. Die seit Veröffentlichung neu hinzugekommenen Videos habe ich hier an den Beginn gestellt, dasselbe werde ich mit allen machen, die zukünftig hinzukommen.

BTW: Alles was ich hier schreibe und an Videos zusammentrage, richtet sich nicht gegen Vollformat. Die meisten Argumente lassen sich übrigens auch problemlos auf Kameras mit APS-C-Sensoren übertragen – ich denke dabei vor allem an Fujifilm, die voll darauf setzen und kein Vollformat anbieten. APS-C ist quasi der goldene Mittelweg zwischen Vollformat und MFT, was aber natürlich auch heißt, dass man die besonderen Vorteile von Vollformat auf der einen und MFT auf der anderen Seite immer nur halb erreicht.

Mike Kuna

Nachtrag 2.1.2020: Bei der Auswahl der Videos für diesen Artikel achte ich an und für sich darauf, dass sie von Fotografen stammen deren Arbeiten zeigen, dass sie fotografieren können und nicht nur über technische Aspekte sprechen. In den meisten Videos sind solche Arbeiten zu sehen, bei einigen habe ich mir anhand der Homepage einen Eindruck verschafft. Auf YouTube führe ich eine umfangreichere Liste mit MFT-Videos. Von Mike Kuna habe ich keine Fotos gesehen. Allerdings bringt der die Vor- und Nachteile von MFT, Vollformat wie auch APS-C dermaßen sachlich auf den Punkt, dass ich finde, dass es in diese Sammlung gehört.

Derek Forss

Nachtrag 31.12.19: Derek Forss fotografiert offensichtlich gerne in alten Gemäuern unter schwierigen Lichtbedingungen mit tiefen Schatten. Die im Video gezeigten Aufnahmen zeigen, dass das kein Problem für MFT ist.

Mark Lindström

Nachtrag 30.12.2019: Mark Lindström ist Fotograf. Die Aufnahmen die im Video zu sehen sind belegen, dass er fotografieren kann und nicht nur über Technik redet. Sein Handwerk analog erlernt, fotografiert er seit 2006 Digital – mit Vollformatkameras von Canon. Seit zwei Jahren nutzt er parallel zum Vollformat das MFT-System als transportablere Alternative. Seine Vergleiche beziehen sich nicht nur auf EOS-Spiegelreflexkameras, sondern ebenso auf das neue spiegellose R-System von Canon. Was er sagt ist im Wesentlichen genau das, was ich gerade versuche in einem schriftlichen Artikel zusammenzufassen: Keine Kamera ist perfekt für jede Aufgabe, jeden Fotografen, Jederzeit. Er beschreibt die Vorteile von MFT, nicht ohne außer Acht zu lassen, was Vollformat besser kann. Er nutzt noch immer Vollformat für die Aufgaben, für die es die besseren Eigenschaften mit sich bringt. Aber er sagt auch, dass mittlerweile etwa 80% seiner Aufnahmen mit MFT entstehen, und dass er viele davon wahrscheinlich nicht machen hätte können, wenn er auf ein Vollforamtsystem angewiesen gewesen wäre.

Andy Rouse

Nachtrag 22.12.2019: In diesem Interview für Professional Photo Magazin spricht der Tierfotograf Andy Rouse über Tierfotografie und weshalb er mit MFT fotografiert. Die gezeigten Bilder dürften außer Frage stellen, dass er weiß, wovon er spricht, wenn er über Fotografie spricht.

Joseph Ellis

Nachtrag 13.12.2019: Joseph Ellist ist Hochzeitsfotograf in Dallas und begeisterter Olympus-Fotograf. In seinem Kanal finden sich viele nützliche Tipps, gerade zur praktischen Arbeit mit einer OM-D. Neben OM-D-Modellen arbeitet er parallel auch mit einer Phase One Mittelformatkamera mit 100MP Auflösung. Wenn er über Sensorgröße, Auflösung und Details spricht, weiß er, worüber er redet, da er beide Systeme für seine professionelle Arbeit einsetzt. In diesem Video spricht er darüber wie relativ der Qualitätsunterschied zwischen einer 16MP MFT-Kamera und 100MP Mittelformat ist, wenn davon ein großformatiger Print erstellt wird.

Robin Wong

Nachtrag 12.12.2019: Robin Wong lebt und fotografiert auf Malaysia. Er hat sehr gute An- und Einsichten zu Fotografie und ihm zuzuhören finde ich immer inspirierend. Zu Beginn dieses Videos stellt er klar, dass in seinem Kanal keine Kamera und keine Marke ge-bashed wird – dass er für MFT aber nie gegen ein anderes System spricht. Das deckt sich mit dem, was ich in meinem Blog versuche. Dass ich MFT liebe, heißt nicht im geringsten, dass ich irgendein anderes System oder eine andere Marke ablehne. Robin Wong sagt, er liebt alle Kameras und alle Marken.

Wong erklärt in diesem Video, warum er davon ausgeht, dass Olympus niemals ein Vollformatsystem herausbringen wird: Olympus versteht sich als Alternative für Fotografen, die viel unterwegs sind und deshalb ein kompaktes und leichtes System bevorzugen.

Er rät, wenn man primär Landschaft und Architektur fotografiert und für großformatige Prints maximale Auflösung benötigt: Go full-frameI Wenn man überwiegend unter sehr schwachem Licht fotografiert, vielleicht weil Astrofotografie ein Kernthema darstellt: Go full-frame! Wenn der Lebensunterhalt davon abhängt, dass man für seine Klienten Motive mit geringster Schärfentiefe von Hintergründen freistellen kann: Go full-frame!

Für den überwältigenden Teil der Fotografen stellen diese Bedingungen jedoch eher kein ausschlaggebendes Argument dar (in Bokeh sind, wie das Video in diesem Artikel nahelegt, vor allem Fotografen vernarrt, während für normale Betrachter dabei sogar eher weniger mehr zu sein scheint). Für all diese ist MFT eine Option. Sie wird umso interessanter, je mehr Transportabilität und leichtes Handling von Bedeutung sind.

Es stimmt zwar, dass es mittlerweile spiegellose Vollformatkameras gibt die auch nicht nennenswert größer sind als die meisten MFT-Kameras sind (wobei die kleinsten MFT-Modelle selbstverständlich kleiner sind, als die kleinsten APS-C- oder Vollformatkameras). Doch Physik und Optik haben am Ende doch ein Wörtchen mitzureden, so dass die Linsen für einen größeren Sensor immer größer (und schwerer) ausfallen müssen, als für einen kleineren. Natürlich gibt es zu spiegellosen Vollformatkameras auch relativ kompakte und leichte Linsen. Doch wäre etwas undiffernziert die leichtesten Vollformat- mit den schwersten MFT-Linsen zu vergleichen – es gibt meist eine MFT-Alternative die bedeutend kleiner und leichter ist. Der Gewichtsvorteil von MFT ist ein Fakt, ebenso wie die Stärken von Vollformat bei Auflösung, High-ISO und Schärfentiefe Fakt sind.

MFT ist natürlich nicht für Jedermann und jede Frau das Richtige. Aber wie Aki Murata von Olympus in einem Interview so schön sagt: »Full-frame isn’t for everybody.« Olympus legte wie gesagt immer schon – bereits in analoger Zeit – viel Wert darauf, die kompaktesten und leichtesten Kameras anzubieten. Eine OM-D E-M5 hat etwa das Volumen einer analogen OM Kleinbildkamera der 70er Jahre. Damit zu fotografieren macht einfach Spaß.

Auf den MFT-kritischen Kanälen höre ich viel über High-ISO-Performance, Auflösung, Bokeh, bis hin zur Anzahl der Photonen die auf einen Mikrometer Sensor fallen (kein Scherz!). Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass auf diesen Kanälen häufig das Wort »Spaß« fallen würde, wenn über eine Kamera oder ein System berichtet wird. Sicher weiß ich hingegen, dass dieser Begriff bei Leuten die sich für MFT entschieden haben auffallend oft fällt.

Natürlich hatte ich mit meiner Vollformatkamera auch Freude am Fotografieren. Aber als ich zum ersten Mal mit einer Olympus E-M5 fotografierte, hat der Spaß noch einmal eine ganz andere Qualität erhalten. Das ist natürlich subjektiv! Ich habe keinen Zweifel daran, dass (hoffentlich) alle die mit APS-C- oder Vollformat (oder auch Mittelformat) fotografieren Freude an der Arbeit mit ihrer Ausrüstung haben. Mir fällt nur auf, dass der Faktor »Spaß« bei MFT auffallend häufig genannt wird, während das bei Vollformat kaum ein Faktor von Bedeutung zu sein scheint, und vielmehr High-ISO, Auflösung, Dynamikumfang, Bokeh und Photonen im Vordergrund stehen. Dabei beweisen viele der unten folgenden Videos, dass man mit MFT sehr wohl große Prints anfertigen, beeindruckende Landschaftsaufnahmen erstellen und bei wenig Licht professionelle Ergebnisse erzielen kann.

Wenn jemand sagt er oder sie könne (oder wolle) aus diesem und jenem Grund nicht mit MFT fotografieren, dann gibt es daran nicht das geringste auszusetzen. Wenn jemand sagt, man könne nicht mit MFT fotografieren, dann gibt es daran zwar auch nichts auszusetzen, ich würde aber raten er oder sie solle einfach fotografieren lernen. Viele der Videos unten zeigen, dass man kann und das Internet ist voller Bilder die es ebenso beweisen. Und jene die eine große Kamera benötigen um von ihren Kunden ernst genommen zu werden … ihr könnt euch den Rest denken. Das dürfte allerdings wohl in erster Linie ein Männerproblem sein.

Oddbjørn Austevik

Nachtrag 10.12.19: Man könne mit Aufnahmen einer MFT-Kamera keine großen Print machen, heißt es. Eine sehr relative Aussage, schließlich ist alles relativ – ich jedenfalls behaupte das, unter anderem in diesem Artikel. Dass man sehr wohl großformatige Bilder aus MFT-Aufnahmen erstellen kann, habe ich auch schon mit früheren Videos geteilt, unter anderem in meinem Artikel »Zeit für Olympus«. In meinem Artikel »Auflösung und Druckformat« finden sich ein paar Tabellen mit Richtwerten wie groß sich Bilder bei welchen Auflösungen und welchen Betrachtungsabständen drucken lassen.

Es gibt Motive bei denen tatsächlich davon auszugehen ist, dass der Betrachter bis auf die Lesedistanz von etwa 45cm – der Betrachtungsabstand, bei dem eine Auflösung von 300ppi relevant ist – an ein Bild herangehen um Details in Augenschein zu nehmen. Das sind aber seltene Ausnahmen. Der überwältigende Anteil der Motive wird aus umso größerer Entfernung betrachtet, je größer das Format ist. Anders lassen sich Bilder gar nicht erfassen. Wer würde sich schon im Kino freiwillig in die erste Reihe setzen?

Bei Prints im Format A1 kann man von einem Betrachtungsabstand von 2m ausgehen, wofür 60ppi ausreichend sind, bei A0 geht man von 3m aus, wofür 45ppi ausreichen sind. Wer nicht glaubt, dass bei größeren Abständen geringe Auflösungen keinen Unterschied mehr machen, soll sich einfach fragen ob ihm oder ihr schon einmal aufgefallen ist, dass Großflächenplakate üblicherweise mit einer Auflösung von 30ppi gedruckt werden. Mehr würde dabei gar nichts bringen, denn die Auflösung des Druckrasters ist zu gering mehr Auflösung des Digitalbildes zu transportieren. Betrachtet man diese Poster aus 45cm Distanz, sieht man vor allem riesige Rasterpunkte. Diese Rasterpunkte sind aber schon ab wenigen Metern Abstand nicht mehr zu erkennen, da das Auflösungsvermögen der Augen dafür nicht ausreichend ist.

Das Video unten zeigt eindrücklich, wie große Prints mit 16MP- und 20MP-Kameras und mit MFT möglich sind. Zwar zeigt der Fotograf auch ein paar Detailaufnahmen in denen Störungen und Pixel zu identifizieren sind. Aber wer sich daran stößt, setzt sich im Kino wahrscheinlich auch in die erste Reihe um möglichst feine Details erkennen zu können. Er wird dann halt von der Handlung an sich nichts mitbekommen. Ich habe das notgedrungen ein einziges mal gemacht und am Ende kam ich mir vor wie ein Krebs, der seine Augen in zwei verschiedene Richtungen zur gleichen Zeit drehen kann.

Ben Aqua

Nachtrag 10.12.19: Ich gehe davon aus, dass das Gros der Leute die behauptet man könne mit MFT nicht vernünftig fotografieren, das aus Hörensagen tun und sich niemals selbst ausreichend mit dem System befasst haben, um das aus eigener Erfahrung bestätigen zu können. In meinen Augen sind solche Meinungsbekundungen irrelevant, da sie eben nichts anderes als nachgeplapperte Vorurteile sind.

Wirklich interessant finde ich an Urteilen über ein System vor allem jene, die von Leuten getroffen werden, die die Systeme wirklich aus längerer Praxis kennen. Ich selbst lehne mich bei dem Thema nur deshalb aus dem Fenster, weil ich mehrere Jahre mit Vollformat fotografiert habe, Bücher über Vollformatkameras geschrieben habe und, nachdem ich mir eine MFT ohne Absicht Vollformat zu ersetzen zugelegt hatte, entdeckte, dass ich damit meine Art der Fotografie genau so gut betreiben kann, bei weniger Gewicht und mehr Spaß.

Alle Fotografen, die ich weiter oben vorgestellt habe, und noch viele mehr, über die ich auf YouTube stolperte, wissen worüber sie reden, wenn sie MFT mit Vollformat oder APS-C vergleichen, weil sie mit den größeren Sensoren arbeiteten bevor sie auf das kompaktere System umgestiegen sind. Natürlich finden sich ebenso Videos von Leuten die erklären, weshalb sie den umgekehrten Weg gegangen sind. Dabei werten die Wenigsten die einen Wechsel vorgenommen haben das System das sie verließen ab. Die meisten sagen einfach, es war nicht mehr das richtige Werkzeug für mich, das neue passt mir besser. Ben Aqua nennt das Video unten zwar »Why I ditched full frame«, aber er relativiert das auch, dass es etwas hart formuliert sein und, dass er viel Spaß mit seiner Canon hatte. Im weiteren führt der dann Gründe an, weshalb das Lumix-G-System für ihn das bessere Werkzeug ist.

Gavin Hoey

Gavin Hoey lernte ich auf dem Kanal von Adorama kennen, als ich mich vor einigen Jahren intensiver mit entfesselten Blitzen befasste. Damals fotografierte er mit einer Canon Vollformatkamera.

Seit einigen Jahren sehe ich Hoey nur mehr mit einer OM-D E-M5. Was mir an ihm gefällt, ist, dass er mit wenig Aufwand tolle Aufnahmen inszeniert und, dass er es zu beschreiben versteht, so dass es jeder nachmachen kann. Irgendwann sah ich auch einmal ein Video von ihm indem gleich mehrere beeindruckende Bilder von ihm in Serie zu sehen waren, aber das habe ich auf die Schnelle leider nicht mehr gefunden. Deshalb habe ich dieses ausgesucht.

Steve Huff

Steve Huff liebt alle Kameras und Marken – Olympus ebenso wie Leica. Er betreibt auch einen beliebten Blog unter stevehuffphoto.com. Ich habe den Eindruck als reise er Jahr ein Jahr aus in Sachen Fotografie die Welt. Steve Huff ist Tester aber er scheint dabei Fotograf geblieben zu sein. Man sieht seinen Aufnahmen den fotografischen Blick an. Ich habe Bilder anderer Vlogger gesehen, die auf derselben Produktvorstellungsveranstaltung für die E-M5 III waren, aber Huffs Aufnahmen sind um Welten besser. Seine Erfahrungsberichte sind sehr viel praxisbezogener, als die vieler anderer Foto-Blogger. Bei aller Liebe zu Kameras und ihren Hersteller ist er immer auch kritisch. Vor einigen Jahren hörte ihn erzählen, dass im Fuji keine Testmodelle mehr zur Verfügung stellte, weil er sie immer sehr kritisch kommentierte. Er hat sich die Modelle dann selbst gekauft um sie testen zu können (man muss gut verdienen als erfolgreicher Foto-Blogger – wenn ich das nur auch von mir sagen könnte!) Irgendwann sah ich dann ein Video über eine neuere Fuji von ihm, indem er sich sehr angetan vom Modell zeige und erklärte, dass viele der Punkte die er an früheren Modellen kritisierte, jetzt behoben seien.

Steve Goslin

Das folgende Video von Steve Goslin habe ich bereits einmal geteilt, weil er zwei Systeme nutzt: Eine Phase One Mittelformatkamera und eine OM-D E-M5. Seine Aufnahmen zeigen, dass er ein exzellenter Fotograf ist. Als Anwender einer Phase One sollte er in Sachen Bildqualität und Auflösung verwöhnt sein. Dass er daneben mit MFT fotografiert darf man ruhig als Beleg nehmen, dass das System für Profis nicht unbrauchbar ist. Hobby- und Amateurfotografen die das so sehen, sollten vielleicht einen Moment darüber nachdenken – hauptberufliche Tester dürfen das natürlich auch.

James Popsys

Auf den britischen Inseln scheinen aus irgendeinem Grund sehr sympathische Vlogger zu wachsen. Einer der sympathischten jungen Leute die ich auf YouTube bislang überhaupt gesehen habe, ist Matt Gould – er schießt Vögel mit Vollformat und soll deshalb nur beiläufig erwähnt werden (wer Vogelfotografie mag, sollte in seinem Kanal vorbei schauen). Nicht weniger gerne schaue ich Jamges Popsys zu. Ein Besuch auf seiner Site zeigt, dass er Fotograf ist und fotografieren kann. Er kam von einem größeren System (ich glaube APS-C) zu MFT. In diesem Video erklärt er, weshalb Vollformat nicht das richtige Werkzeug für ihn ist und er bei Lumix G bleiben wird.

Joe Edelman

Joe Edelman kann nicht nur wahnsinnig schnell sprechen – er kann auch herausragend fotografieren. In diesem Video erklärt er die Produktion eines Fotos für ein 14,6m langes Großflächenplakat, das mit einer OM_D E-M1 II entstand.

Chris Eyre-Walker

Noch einer der Fotografieren kann und es mit MFT tut. Auch hier kann man sich auf seiner Site davon überzeugen. Dieses Video, indem er in 24 Stunden 24 Fotos in ganz Belgien macht, stammt aus seine YouTube-Kanal. Es hat mich selbst daran erinnert, dass ich in letzter Zeit nur mehr mit auch für MFT-Verhältnisse schwerem Gerät unterwegs bin, und dabei aussehe wie ein dicht bepackter Esel. Die Leichtigkeit, die ich entdeckt habe, als ich zum ersten Mal mit einer OM-D E-M5 auf den Weg ging, habe ich über die Jahre hinweg wieder verloren. Ich habe mir vorgenommen, sie nach Möglichkeit wiederzuentdecken.

Das sind nur einige Videos und Kanäle exzellenter Fotografen die mit MFT arbeiten die ich über die Jahre hinweg gesehen habe und die ich für diesen Artikel wieder fand, weil ich sie in einer Liste gespeichert habe oder den Vloggern folge. Natürlich schaue ich ebenso Videos von exzellenten Fotografen an, die mit anderen Systemen arbeiten und deren Bilder nicht minder beeindruckend sind. Was echte Fotografen verbindet – egal ob sie mit kleinen oder großen Sensoren arbeiten – ist, dass es ihnen um die Fotografie geht. Viele davon zeigen sich auch begeistert von ihrem Werkzeug und erklären warum. Aber von kaum einem dieser teilweise über lange Jahre erfahrenen Anwender vernimmt man, dass sie sich abfällig über andere Systeme äußern. Sie erwähnen vielleicht, weshalb ihr System ideal für sie ist. Es gilt die Devise, get the right tool for the right job! Systeme für rubbish oder dead zu erklären tun in erster Linie Leute, denen es mehr um die Technik als um die Fotografie geht.

MFT, APS-C, Vollformat oder gleich Mittelformat? Wie viel Sensor braucht der Mensch?

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Liegt das fotografische Glück in erster Linie darin möglichst feine Details möglichst rauscharm aufnehmen und am Bildschirm in der Vergrößerung zu bewundern, ist größer definitiv besser. Zieht man auch andere Aspekte in Betracht wird das Bild differenzierter.

Mit diesem Artikel versuche ich ein differenziertes Bild zu zeichnen. Natürlich spiegelt er meine subjektive Sichtweise. Jede Sichtweise ist subjektiv! Wo jemand behauptet seine Sichtweise sei die objektive sollte man schleunigst abschalten.

Meine Meinung ist geprägt von meiner Erfahrung mit Micro FourThirds, vor dem Hintergrund jahrelanger Arbeit mit APS-C und Vollformat. Es geht nicht darum irgendjemandem MFT zu verkaufen oder Vollformat auszureden. Es geht darum, dass ein Kamerasystem mehr ist, als Auflösung, Rauschverhalten und Dynamikumfang. Das sind drei von vielen Aspekten die eine Kamera zu dem machen, was sie ist. Praktisch haben diese drei Faktoren – das ist zumindest meine Überzeugung – für die überwältigende Mehrheit der Fotografen, Motive und Ausgabebedingungen bei weitem nicht die Bedeutung, zu der sie von Technik-Freaks aufgeblasen werden.

Ich beziehe mich hier in erster Linie auf Vollformat und MFT, weil sie in Sachen Sensorgröße die relevanten Pole bilden. Doch was es dazu zu sagen gibt, gilt natürlich ebenso für APS-C. APS-C ist quasi der goldene Mittelweg zwischen Vollformat und MFT, was selbstverständlich auch bedeutet, dass man die besonderen Stärken und Schwächen der anderen Sensorformate immer nur halb teilt.

Auflösung

Theoretisch kann man nicht genug Auflösung haben. Praktisch jedoch ist alles, was über das hinausgeht, was man braucht, überflüssig. Und bringt Nachteilen mit sich. Für mich sind 18MP (Megapixel) genug. Damit erreiche ich A3 bei 300ppi. Größere Formate drucke ich nicht. Mehr Pixel pro Inch würden nicht mehr bringen – das Auge kann feinere Details nicht unterscheiden. Wie viel Megapixel man für welche Ausgabebedingung braucht habe ich in »Auflösung und Druckformat« beschrieben.

Viele sehen den Vorteil einer großen Sensorauflösung darin, dass beim Zuschneiden von Aufnahmen auf kleine Ausschnitte mehr Auflösung übrig bleibt. Übersehen wird dabei, dass sich höhere Auflösung wie eine Lupe auf jede Art der Unschärfe auswirkt. Mir fiel das praktisch so richtig auf, als ich vor Jahren von einer 12MP (Vollformat)-Kamera auf eine mit 24MP umstieg. Verschlusszeiten die ich zuvor problemlos vollständig scharf aus freier Hand halten konnte, zeigten plötzlich Unschärfen in den Details. Winzige Fehlfokussierungen – beispielsweise wenn bei Offenblende auf eine Wimper statt auf Pupille und Iris fokussiert wurde – ließen Aufnahmen misslungen wirken. Croppen von Bildern vergrößert diese Schwächen.

Je höher die Auflösung, desto präziser muss fotografiert werden. Stative und Blitze sind häufiger notwendig. Bildstabilisierung wird zwar immer effektiver und man erzielt damit bei Verschlusszeiten die vor Jahren unmöglich aus freier Hand zu halten gewesen werden relativ scharfe Aufnahmen. Ich zweifle aber daran, dass sie einen Sensor genauso ruhig halten kann wie ein Stativ, um absolut scharfe Bilder zu garantieren.

Detailschärfe

Doch nicht nur die Unruhe der Kamera wird mit mehr Auflösung feiner festgehalten. Auch optische Schwächen der Optiken. Das heißt, man braucht exzellente Schärfeleistung, um hoher Auflösung ausreichend feine Details zu liefern. Nach meiner Erfahrung leisten heute zwar auch preiswerte Optiken überraschend scharfe Erbebnisse, allerdings meist mit deutlichem Schärfeabfall zu den Rändern und Ecken hin. Wer kompromisslose Qualität erwartet kommt nicht um die Investition in adäquate und teure Optiken herum. Ein hochaufgelöster Sensor ohne angemessene Objektive ist wie ein Porsche mit Wurstreifen.

Hinzu kommt, dass Vollformatobjektive selten ab Offenblende mit maximalem Kontrast und Detailschärfe abbilden, schon gar nicht in den konsumentenfreundlichen Preisklassen. Bestleistungen werden erst durch Abblenden erreicht. Kleinere Sensoren sind diesbezüglich offensichtlich im Vorteil. Zumindest bei meinen MFT-Linsen haben meine Tests ergeben, dass sie durchwegs bereits ab Offenblende praktisch dieselbe Schärfe und denselben Kontrast liefern, wie unter Abblendung.

Auf der anderen Seite verliert man durch die sogenannte Beugungsunschärfe auch mit kleinen Blendenöffnungen Schärfe. Nach Faustregel wird bei Vollformat der Verlust ab Blende ƒ22 sichtbar, bei APS-C etwa ab Blende ƒ16 und bei MFT ab Blende ƒ11. Abhängig ist das natürlich von der Auflösung! Je höher die Auflösung, desto früher tritt Beugungsunschärfe zutage. Olympus wird schon gewusst haben, weshalb man die Blendeneinstellung für hochauflösende Aufnahmen mit 50MP und 80MP auf ƒ8 limitiert.

Brennweitenverlängerung

Kleinere Sensoren croppen von Natur aus Ausschnitte aus Motiven heraus – man spricht nicht umsonst vom »Crop-Faktor«. Diese sogenannte Brennweitenverlängerung bringt den Fotografen näher ans Motiv. Sie wird deshalb oft als Vorteil kleinerer Sensoren genannt. Vergessen wird dabei meist, dass der Vollformatfotograf seine Brennweitenverlängerung durch Zuschnitt am Computer erreichen kann – er hat ja meist mehr Auflösung zur Verfügung. Die kleineren Sensoren haben zwar den Vorteil der effizienteren Bildstabilisierung für den Ausschnitt den sie aufnehmen, doch Vollformat kann das durch das bessere Rauschverhalten wieder etwas ausgleichen.

Rechenleistung und Speicherplatz

Wer, wie ich, nicht über A3 druckt hat mit mehr als 18MP kaum einen nennenswerten Vorteil. Natürlich gibt es die Ausnahmen, in denen mehr tatsächlich mehr ist. Man muss aber auch abwägen, zwischen der Häufigkeit in der dieser Fall tatsächlich eintritt auf der einen Seite, und dem, was man dafür bereit ist in Computerleistung und Speicherplatz zu investieren auf der anderen.

Mit 20MP bis 25MP sollten die allermeisten Fotografen – Profis ebenso wie Amateure – ausreichend Auflösung für nahezu alle Aufnahmesituationen und Ausgabebedingungen finden. Ich hänge Ausdrucke in A3+ an die Wand und in meinen Büchern setze ich meine Aufnahmen manchmal Doppelseitig ein (also auch etwa A3). Die Auflösungen der gedruckten Bilder liegen zwischen 16MP (MFT-Sensor) und 24MP (Vollformat). Ich würde die Bilder nicht drucken, wenn ich die Qualität für unzureichend erachten würde. Gerade die Aufnahmen in meiner Fotoschule wurden häufig gelobt. Niemals hat sie jemand aufgrund mangelnder Qualität kritisiert.

Dynamikumfang

Der »Dynamikumfang« ist entscheidend dafür, wie groß die Differenz zwischen hellstem Weiß und tiefstem Schwarz ist, den ein Bildsensor aufzunehmen in der Lage ist. Für natürliche Szenen nimmt man einen maximalen »Motivkontrast« von 1.000.000:1 an. Der hellste Bereich – beispielsweise ein sonnenbeschienenes Schneefeld – ist eine Million Mal heller als der dunkelste – der lichtlose Abgrund in den Löchern eines Gullydeckels. Zum Vergleich: Im Vierfarbendruck auf Papier steht zur Wiedergabe eines Motivs (also auch einer Szene mit Schneefeld und Löchern im Gullydeckel) lediglich ein »Kontrastumfang« von 100:1 zur Verfügung.

Die menschliche Wahrnehmung verarbeitet einen Kontrast von etwa 10.000:1 (etwa 13,5LW; LW = Lichtwert = Blendenwert). MFT-Sensoren erreichen derzeit knapp 13LW Dynamikumfang, das entspricht einem Kontrast von 8.000:1. APS-C-Sensoren liegen zwischen 13LW und 14LW – 8.000:1 bis 16.000:1. Sensoren von Voll- und Mittelformatkameras erreichen nahezu 15LW, das entspricht 32.000:1.

Theoretisch klingt 32.000:1 immens besser als 8.000:1. Die praktische Auswirkung spiegelt sich allerdings eher in der Differenz zwischen 13 und 15 Lichtwerten (etwa 15%), als in den Zahlen des Kontrastverhältnisses (300%). Der Vorteil des höheren Kontrastumfangs: Wenn man in RAW fotografiert, lassen sich mit 15LW ±2LW mehr an Unter- oder Überbelichtung sichtbar machen, als wenn der Sensor nur 13LW verarbeitet.

In der Praxis ist allerdings zu bedenken, dass sich weder 13LW noch 15LW an Bildschirmen ausgeben lassen. Gute Bildschirme erreichen einen Kontrastumfang von etwa 1000:1. Apple verspricht zwar gerade 1.000.000:1 – Hersteller von Fernsehern geben schon länger Millionen an –, aber man darf davon ausgehen, dass das eher marketingtechnisch geschickt interpretierte Zahlen sind, als dass wir auf diesen Bildschirmen tatsächlich gleichzeitig das blendende Weiß eines sonnenbeschienenen Schneefelds, sowie das lichtlose Schwarz eines Lochs im Deckel eines Gullys sehen werden. Ich denke auch nicht, dass wir jemals Bildschirme haben werden die das leisten. Wozu auch? Wer will am Bildschirm schon geblendet werden?

Gehen wir also davon aus, dass 1000:1 noch lange Zeit ein üblicher Kontrast von Monitoren bleibt. Das entspricht 8LW. 8LW ist das, was man mit jeder Kamera erhält, wenn man im JPEG-Format fotografiert. Alles, was über diesen Kontrastumfang hinausgeht, verliert man an Unter- und/oder Überbelichtung. Bei 13LW gehen 5LW verloren, bei 15LW sind es 7LW. Im RAW-Konverter kann man diese Lichtwerte außerhalb des JPEG-/Monitor-Kontrastumfangs quasi in ihn hinein verschieben, so dass in Unter- und Überbelichtung Zeichnung sichtbar wird. Das heißt aber nicht, dass wir am Monitor plötzlich einen Kontrast von 8000:1 oder 32.000:1 vor uns haben. Wir haben lediglich den großen Kontrastumfang in den kleinen hineingequetscht.

Das Resultat der Komprimierung des Kontrastumfangs fällt üblicherweise umso surrealer aus, je stärker komprimiert wird – ich verweise dazu auf den Artikel »Fotografie, Wahrnehmung, HDR«. Die Bilder dort sind zwar HDR-Bilder aus mehreren Belichtungen. Doch die Restaurierung von Tiefen und Lichtern einer RAW-Aufnahme im RAW-Konverter macht im Prinzip dasselbe mit denselben nicht wie richtige Fotos aussehenden Resultaten.

Als Beispiel zwei Aufnahmen mit hohem Motivkontrast und stark komprimierten Kontrastumfang. Das erste Bild zeigt eine Aufnahme die mit der E-M5 II entstand. dxomark.com gibt für ihren Sensor einen Kontrastumfang von 12,4 Lichtwerten an, bei der für die Aufnahme eingestellten ISO-Empfindlichkeit dürfte er merklich geringer gewesen sein. Trotz Lichter- und Schattenkorrektur im RAW-Konverter sind die Fenster völlig überbelichtet. Wenn man an so einem Tag an dieser Stelle steht, sieht man die Gläser farbig, nicht weiß.

Schwarzacher Pfarrkirche | Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 1/20s | ISO1600 | Capture One Pro 20

Die folgende Aufnahme entstand beim selben Besuch, besteht allerdings aus fünf Belichtungen und wurde mit Aurora HDR zu einem Bild vereint. Durch die Belichtungsreihe konnte ich den Kontrastumfang von 12,4LW um 2LW erweitern und habe so vor allem in den Fenstern mehr Zeichnungen und die Farbe sichtbar gemacht. Das Resultat wirkt aber nicht mehr so, wie Fotos gewöhnlich aussehen. Hätte ich dasselbe mit einem RAW einer Kamera mit einem Dynamikumfang von 14,4LW erstellt und den Kontrast ebenso stark komprimiert, sollte das Resultat nicht viel anders aussehen.

Schwarzacher Pfarrkirche, HDR aus fünf Belichtungen | Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO200 | Aurora HDR

Ich persönlich mag den HDR-Look, sofern er einigermaßen moderat angewendet wird (was mir selbst nicht immer zufriedenstellend gelingt). Ich bin auch der Ansicht, dass er dem, wie wir Motive wahrnehmen, näher kommt, als ein Foto mit Unter- und/oder Überbelichtung. Es gibt in unserer Wahrnehmung kein Äquivalent zu fotografischer Unter- oder Überbelichtung. Eine 1:1 Abbildung einer Szene mit einem Kontrast von 1.000.000:1 ist weder in unserer Wahrnehmung mit 10.000:1 möglich, noch mittels eines Monitors mit einem Kontrast von 1000:1.

Ja, ein höherer Kontrastumfang hat Vorteile und – anders als viel Auflösung – keine Nachteile. Wer Wert darauf legt, ist mit größeren Sensoren besser bedient (allerdings glänzt in dieser Beziehung bislang nicht jeder Vollformatsensor). Ob der Unterschied für die eigene Fotografie tatsächlich dermaßen Relevant ist, dass man dem Dynamikumfang bei der Entscheidung für ein Kamerasystem entscheidende Bedeutung beimisst, muss jeder für sich entscheiden. Für das Gros der Fotografen wird es keinen relevanten Unterschied machen, ob der Sensor 13LW oder 15LW leistet.

Bildrauschen

Beim Bildrauschen scheiden sich die Geister besonders. Ja, größere Sensoren haben ein besseres Rauschverhalten. Aber wieder stellt sich mir die Frage der praktischen Relevanz. Ich folgte lange Zeit auch der landläufigen Überzeugung MFT-Sensoren seien für Low-light-Aufnahmen oder gar Astro-Fotografie ungeeignet. Mittlerweile habe ich aber so viele Videos gesehen und Berichte gelesen, von Fotografen die genau das mit MFT machen und großartige Resultate erzielen, dass ich mich auch hier frage, ob der Unterschied praktisch tatsächlich von großer Relevanz ist. Noch einmal: Dass größere Sensoren diesbezüglich unter die Lupe genommen bessere Resultate liefern ist keine Frage. Die Frage ist, wie relevant ist es für Fotos als Ganzes?

Vor einigen Jahren habe ich beinahe parallel Bücher über die Nikon D7100 (APS-C) und die D600 (Vollformat) geschrieben und die beiden Kameras parallel nebeneinander auch in denselben Sessions eingesetzt. Die Unterschiede waren mehr als überschaubar.

Allerdings habe ich Rauschverhalten – anders wie andere Dinge – niemals mit eigenen Tests untersucht. Das Fazit des vorangegangen Absatzes ist subjektiv. Ich berufe mich dabei nicht auf eine möglichst objektive Untersuchung der Details – dabei hätten sich sicher Unterschiede gezeigt. Es war einfach der globale Eindruck der Aufnahmen als Ganzes kaum zu unterscheiden. Und zählt das nicht vielmehr, als Details unter der Lupe?

Ich vermute, es trifft auf nahezu alle zu, die beim Thema fotografische Qualität mit diskutieren, dass sie sich mehr auf ihre subjektive Erfahrungen berufen, als auf selbständig erarbeitete Vergleichstests. Eine objektive Meinung kann man sich nur bilden, wenn man unter den identischen Bedingungen das gleiche Motiv mit verschiedenen Kameras ablichtet. Das kann ein spezialisiertes Labor besser, als man selbst.

dpreview.com bietet für die von ihnen getesteten Kameras eine gute Möglichkeit ein und dasselbe Motiv unter strengen Laborbedingungen mit ISO-Empfindlichkeiten von tief bis hoch aufgenommen in der Vergrößerung genau unter die Lupe zu nehmen und mit den identischen Einstellungen aller anderen getesteten Kameras zu vergleichen (beispielsweise auf dieser Seite über die Bildqualität der E-M5 III). Natürlich sind Unterschiede zwischen Vollformat und MFT umso sichtbarer, je höher ISO eingestellt ist. Um das jedoch deutlich sichtbar zu machen, muss man eine Vergrößerung wählen, in der Fotos in der Praxis einfach nicht betrachtet werden, was wieder die tatsächliche praktische Relevanz aufwirft. Vergleicht man statt MFT und Vollformat, MFT mit APS-C oder APS-C mit Vollformat, relativieren sich die Unterschiede noch deutlicher und man muss oft schon sehr genau hinschauen.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass alle Testaufnahmen mit Blende ƒ5.6 durchgeführt werden. In der Praxis dient die Blende meist zur Gestaltung der Schärfentiefe. MFT hat diesbezüglich einen Vorteil um 2 Blendenstufen. Das heißt, dass man für die Schärfentiefe von ƒ5.6 mit MFT ƒ11 beim Vollformat einstellen muss. Um die kleinere Blendenöffnung auszugleichen ist ein um zwei Schritte höherer ISO-Wert erforderlich. Wie sich das auf das Rauschen im Bild auswirkt, wird sichtbar, wenn man beispielsweise MFT bei ISO6400 mit Vollformat bei ISO25.000 vergleicht – plötzlich sind die MFT-Beispiele rauschärmer.

Natürlich lässt sich das nicht auf jede fotografische Situation umlegen. Bei Motiven, bei denen die Schärfentiefe gering sein darf oder soll, ist das Rauschverhalten größerer Sensoren unter Low-light-Bedingungen im Vorteil. Aber das deswegen unerwähnt zu lassen, heißt nur die halbe Wahrheit zu erzählen.

Der Unterschied relativiert sich in der Praxis wenn, wenn man den Schwächen der kleineren Sensoren entsprechend einstellt und fotografiert. Wer bei der Aufnahme eher hell belichtet und es vermeidet am Computer kräftig aufzuhellen, wird auch mit kleineren Sensoren wenig wirkliche Probleme mit Rauschen haben.

Bokeh

Größere Sensoren liefern ein schöneres Bokeh, heißt es. In »Bokeh und Schärfentiefe sind nicht dasselbe« habe ich erklärt, weshalb das nicht richtig ist. Größere Sensoren ergeben bei vergleichbaren Einstellungen geringere Schärfentiefe, aber das muss nicht heißen, dass das Bokeh deshalb auch ruhig und weich ist. Manche Objektive erzeugen ein harsches Bokeh. Dass die Möglichkeit Motive mittels Schärfentiefe vom Hintergrund freizustellen mit meiner MFT-Ausrüstung begrenzter ist, weiß ich aus der Praxis. Manches lässt sich mit MFT einfach nicht machen. Allerdings ist das Bokeh bei MFT zwar weniger unscharf, doch ich habe den Eindruck, dass es dafür oft sanfter und cremiger ausfällt. Mehr Schärfentiefe zwar, aber ein schöneres Bokeh. Das ist eine absolut subjektive Ansicht. Aber jede Wertung von Bokeh ist subjektiv. Es gibt keine Objektive Messung für die Qualität von Bokeh. Natürlich gibt es Vollformatlinsen die ein Bokeh erzeugen, das den Enthusiasten wegbeamt. Doch wegbeamen dürften die meisten auch die Preiszettel die daran hängen.

Hinzukommt, dass von Bokeh vor allem Fotografen gefesselt zu sein scheinen. Unter »Bokeh wird überbewertet« habe ich ein Video eines Fotografen geteilt, der untersuchte, wie Bokeh auf Betrachter wirkt, die selbst keine Fotografen sind. Das überraschende Ergebnis: Sie bevorzugen meist detailliertere Hintergründe. Bokeh scheint ein Fetisch von Fotografen zu sein.

Geringere Schärfentiefe hat übrigens nicht nur Vorteile. Die größere Schärfentiefe kleinerer Sensoren ist bei der Makrofotografie ein Vorteil. Oder, wenn unter Low-light-Situationen möglichst viel Schärfentiefe erwünscht ist. Wenn man mehrere Personen fotografiert, die in unterschiedlichen Entfernungen stehen, muss man die Blende schließen, um alle Personen im Bereich der Schärfentiefe zu erfassen. Unter Low-light-Bedingungen ein Problem, denn an sich sollte man des schwachen Lichts wegen die Blende weit öffnen. Ein Vorteil für den kleineren Sensor, der bei gleicher Blendeneinstellung mehr Schärfentiefe abbildet. Allerdings soll auch hier nicht unter den Tisch fallen, dass Vollformat das durch das bessere Rauschverhalten wieder etwas ausgleichen kann.

Transportabilität

Fotografiert man häufig unterwegs ist Gewicht ein wichtiger Aspekte bei der Wahl des Systems. Kleinere Sensoren ermöglichen kompaktere Systeme. Die aktuellen spiegellosen Vollformatkameras sind zwar auch kaum größer als professionelle MFT-Kameras, was allerdings daran liegt, dass diese MFT-Modelle ausreichend Volumen haben müssen, um für ausgedehnte Arbeiten gut in der Hand zu liegen und ausreichend Platz für gut zu bedienende Einstellungselemente zu bieten. MFT ermöglicht aber gleichzeitig Kameras in der Größe einer Zigarettenschachtel – mit Vollformat undenkbar, da schon der Durchmesser des Bajonetts größer ist. Es gibt MFT-Modelle die man samt Objektiv locker in eine Jackentasche stecken kann – für Vollformat müsste die Jacke dazu schon erstaunlich große Taschen mitbringen.

Entscheidend für Volumen und Gewicht eines Systems sind allerdings die Objektive, nicht die Gehäuse. Und zu kompakte Gehäuse sind bei etwas schweren Objektiven kontraproduktiv, da die Balance nicht mehr stimmt. Ein Vollformatsensor ist viermal so groß wie ein MFT-Sensor. Logisch, dass MFT deutlich kleinere Objektive erlaubt. Diejenigen, die meinen sie müssten das widerlegen, vergleichen meist die kompaktesten Vollformatobjektive mit den größten MFT-Linsen. Tatsächlich gibt es MFT-Objektive deren Filterdurchmesser deutlich geringer ist, als die Diagonale des Vollformats.

Das Gewicht ist allerdings nicht nur beim Transport ein gewichtiger Faktor, sondern auch in der praktischen Arbeit. Ich kenne keine MFT-Kamera-Objektiv-Kombination mit der es nicht möglich wäre auch längere Zeit weitgehend ermüdungsfrei zu arbeiten. Bei Vollformat hingegen wird die Arbeit umso muskelzehrender, je länger die Brennweite ist. Nicht umsonst sieht man Vollformatfotografen mit sehr langen Brennweiten meist an ein Stativ gefesselt. Das schränkt natürlich auch die Schnelligkeit und Flexibilität mit der man fotografieren kann ein.

Das geringere Volumen schlägt sich häufig auch im Preis der Objektive nieder – optisches Glas ist teuer! Auch ein Aspekt!

Bildstabilisierung

Kleinere Sensoren lassen sich besser stabilisieren. Da ein Vollformatsensor die doppelten Seitenlängen eines MFT-Sensors hat, gehe ich davon aus, dass er mindestens doppelt so viel Platz bräuchte um vergleichbar stabilisiert zu werden. Olympus und Panasonic verfügen derzeit über die mit Abstand beste Bildstabilisierung. Sie lässt Verschlusszeiten aus freier Hand zu, an die mit Vollformat nicht zu denken ist. Natürlich kann sie nur die Unruhe des Haltens der Kamera ausgleichen. Bewegt sich das Motiv, ist die bessere ISO-Performance des größeren Sensors von Vorteil, die natürlich auch einen Teil der minderen Stabilisierung auszugleichen in der Lage ist.

Bedienung

Ein zentraler Aspekt bei der Wahl einer Kamera sollte die Bedienung sein. Ich besaß kurzzeitig eine Lumix G9. Ich finde sie eine tolle Kamera. Ich stellte aber rasch fest, dass ich mit ihr wegen der Bedienung mittels beschrifteter Knöpfe und Schalter nicht so arbeiten konnte, wie ich es von meinen OM-Ds gewohnt bin und sie sich für meine Art die Kamera einzusetzen nicht so gut eignet. In diesem Artikel gehe ich näher darauf ein. Auch mit der Pen-F konnte ich mich wegen des fest definierten Reglers für die Belichtungskorrektur nie voll anfreunden. Und aus demselben Grund könnte ich mir nicht vorstellen zu Fujifilm zu wechseln, so sehr mir gefällt, was die machen. Damit will ich jedoch nicht sagen, dass fix definierte und beschriftete Bedienelemente per se die schlechtere Lösung sind. Viele Fotografen schätzen genau das.

Handling und Haptik

Kaum weniger wichtig als die Bedienung ist, wie sich eine Kamera anfühlt. Sie muss gut in der Hand liegen und ich muss die Haptik mögen. Ich hatte immer ein Problem mit Kameras mit Plastik-Haptik. Kunststoff ist als Gehäusematerial für Kameras nicht schlecht. Es gibt ausgesprochen robuste Kunststoffe, sie sind leicht und nicht so anfällig für Kratzer wie beschichtete Metalle. Es fühlt sich für mich aber einfach nicht gut an.

Noch wichtiger ist, wie die Kamera in der Hand liegt. Besonders, wenn man ausgiebig und mit etwas größeren Objektiven damit arbeitet. Ich hatte noch nie eine Kamera die mir besser in Händen lag, als die E-M1 II. Auch das ist subjektiv. Ich kritisierte einst an einer Lumix, dass ihr mehr breit als tiefer Handgriff nicht gut in Händen liege. Ein Leser kommentierte, dass er finde, sie liege perfekt in Händen. Dasselbe wiederholte sich bei meinem Vergleich zwischen Lumix G9 und E-M1 II. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Hände, unterschiedliche Meinungen. Man muss eine Kamera in die Hand nehmen und schauen, wie sie sich anfühlt.

Autofokus, Serienbildgeschwindigkeit etc.

Je nach Motiv spielen auch Präzision und Geschwindigkeit des Autofokus und die Serienbildgeschwindigkeit eine Rolle. Diese ist allerdings nicht abhängig von der Sensorgröße. Die maximale Geschwindigkeit mit der sich Bilder in Serie aufnehmen lassen, ist für die meisten Fotografen irrelevant. Von einem schnellen und präzisen Fokus hingegen profitiert sicher jeder Fotograf, vor allem, wenn der AF nicht nur unter guten Lichtbedingungen rasch zuschnappt.

Meine 2015 auf den Markt gekommene E-M5 II ist noch nicht in der Lage für Vögel im Flug ausreichend schnell zu fokussieren. Dieses Motiv wurde mir erst mit der E-M1 II zugänglich. Es mag sein, dass es schon wieder Modelle gibt, die noch präziser scharfstellen – von Sonys neuem AF-System hört man Sagenhaftes. Aber ob das ausschlaggebend für die Entscheidung für ein System oder gar einen Systemwechsel sein sollte? Nächstes Jahr hat vielleicht schon wieder ein Anderer die Nase vorn. Wirkliche Schwächen scheint sich diesbezüglich jedenfalls kein Hersteller mehr zu erlauben.

Funktionen

Alle Hersteller kochen mit Wasser, die Grundfunktionen sind bei allen Kameras weitgehend dieselben. Die Modelle haben jedoch einen unterschiedlichen Funktionsumfang. Was ich bei Nikon kritisiert habe, war, dass sie den Funktionsumfang von Einsteigerkameras beschränkt haben, indem sie die Software zurück kastrierten – wohl um den Unterschied zu den teureren Modellen künstlich groß zu halten.

Bei Olympus ist das nicht der Fall: Die preiswerteste Modellreihe hat softwareseitig dieselben Funktionen, wie die teuren Modelle. Der Unterschied liegt in der Hardware (Elektronik, Robustheit, Abdichtung, etc.). Auch Panasonic liefert schon bei preiswerten Modellen einen großen Funktionsumfang. Wie das bei anderen Herstellern und bei den neuen spiegellosen Nikon-Modellen aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Von Olympus weiß ich, dass sie einzigartige Funktionen bieten, wie beispielsweise Live-Bulb, Live-Composite und Live-ND zur Langzeitbelichtung, Pro Capture um Aufnahmen einzufangen, bevor man den Auslöser drückt, Perspektivenkorrektur in der Kamera oder Fokus-Bracketing (nicht alles das gibt es nur bei Olympus). Solche Spezialitäten können für manche Fotografen durchaus interessant sein und stellen ein Kriterium bei der Wahl einer Kamera dar, das unter Umständen die Bedeutung von Auflösung, Rauschverhalten oder Dynamikumfang überwiegen können.

Video

Dazu kann ich als Fotograf der nicht filmt nicht viel sagen. Soweit ich es verfolge sind Canon und Panasonic sehr gut darin, Olympus und Nikon scheinen eher hinterher zu hinken. Panasonics MFT-Kameras scheinen bei Vloggern äußerst beliebt. Wer an Video denkt, muss natürlich auch diesen Aspekt bedenken.

DSLR oder Spiegellos?

Dieses Thema scheint mir in den aktuellen Debatten über Kamerasysteme bemerkenswert unterbelichtet. Dabei halte ich es für eine der wichtigsten Fragen, der man sich stellen sollte, wenn man in die Fotografie mit Systemkamera einsteigen möchte. Natürlich stellt sie sich nur mehr bei Nikon und Canon – kein anderer Hersteller hat noch beides. Aber das sind neben Sony die größten Player. Hat DSLR überhaupt noch eine Zukunft? Wenn ich mir die Entwicklung so ansehe habe ich Zweifel.

Nikon und Canon: APS-C oder Vollformat?

Auch das ist eine Frage, die ich mir stelle. Nikon und Canon haben aktuell jeweils vier Systeme: APS-C und Vollformat DSLR und APS-C und Vollformat spiegellos. Ich stelle es mir schwierig vor in Zeiten der Krise rasch ein vollständiges Objektivangebot für die beiden spiegellosen Systeme aus dem Boden zu stampfen und das an Interesse verlierende DSLR-System weiter zu pflegen. Ein Argument gegen MFT lautet häufig, dass Vollformat laufend billiger wird und der kleine Sensor (preislich) bald keine Berechtigung mehr hat. Aber was bedeutet das für die APS-C-Modelle dieser Hersteller? Ich frage mich, ob diese nicht rascher obsolet werden, als das MFT-System dessen Eigenschaften sich viel deutlicher von Vollformat unterscheiden.

Ich stelle damit nicht Fujifilms APS-C-System in Frage. Fuji hat kein Vollformat, sondern konzentriert sich auf APS-C und Mittelformat. In meinen Augen eine sinnvolle Strategie. Aber APS-C und Vollformat vom selben Hersteller leuchtet mir nicht ein, wenn die Preise für Kleinbildkameras tatsächlich weiter fallen.

Wohlgemerkt: Ich sage weder, dass die DSLR-Systeme von Canon und Nikon bald eingestellt werden, noch dass die APS-C-Spiegellosen dieser Marken ein kurzes Dasein fristen werden. Ich habe keine Kristallkugel! Ich stelle nur Fragen, von denen ich glaube, dass sie bedenkenswert sind.

Preisfrage

In der Bewertung der Preise einer Kamera scheinen Manche sehr simpel zu rechnen: Eine MFT-Kamera mit einem Viertel so großen Sensor wie Vollformat darf nur ein Viertel kosten. Das ist Unsinn! Eine Kamera ist keine Wurst, deren Qualität und Preis sich an der Menge Dekagramm bemessen lässt – das ist auch bei Wurst Blödsinn. Ein kleinerer Sensor ist billiger in der Herstellung – das ist richtig. Aber der Sensor ist nur ein Bauteil von vielen. Sowohl Qualität und Verarbeitung des Gehäuses, als auch die ganze Elektronik die sich darin befindet, tragen zum Preis bei. 3000 Euro für eine MFT-Kamera deren Elektronik und Gehäuse mit einem 6000-Euro-Vollformatmodell vergleichbar sind, scheinen mir auch dann angemessen, wenn der Sensor nur ein Viertel misst.

Und jetzt? MFT, APS-C oder Vollformat?

Kompliziert? Jedenfalls zu komplex, als dass man die Frage einfach auf größer ist besser reduzieren könnte. Meine Erläuterungen sollen zeigen, dass eine Kamera mehr ist, als Sensorgröße. Dass die Themen Auflösung, Rauschverhalten, Dynamikumfang und Bokeh viel zu aufgeblasen sind, und in der Praxis für die meisten Fotografen, in den meisten Situationen und für die meisten Ausgabebedingungen schlicht irrelevant sind. Alle Hersteller kochen mit Wasser, bei keinem wird man eine schlechte Kamera finden. Kameras im selben Preissegment deren Einführung nicht allzu weit auseinander liegt, werden unterm Stich vergleichbares leisten. Jede Einsteigerkamera liefert heute bessere Resultate als vor zehn Jahren professionelle Topmodelle – und möchte ernsthaft jemand behaupten, dass man vor zehn Jahren nicht professionell fotografieren konnte? Wer nicht in der Lage ist mit jeder derzeit auf dem Markt befindlichen Kamera professionelle Resultate zu erzielen, kann nicht fotografieren!

Wofür also soll man sich entscheiden? Wer nicht plant seine Kamera durch die Gegend zu schleppen und es sich leisten kann und will, hat wenig Grund auf die unbestreitbaren Vorteile des Vollformats zu verzichten. Wer sich hingegen gerne von seiner Kamera begleiten lässt und keinen Blick auf die MFT-Modelle wirkt, ist selbst schuld. APS-C liegt wie gesagt dazwischen.

Tatsächlich zählt, wie sich eine Kamera für einen anfühlt, ob sie gut in Händen liegt, ob man die Haptik mag und ob man sich bei der Bedienung gleich irgendwie zuhause fühlt. Wenn man eine Kamera in die Hand nimmt und das Gefühl hat, die will ich haben, dann ist das auch meist die richtige. Egal ob da ein MFT-, APS-C- oder Vollformatsensor drin steckt. Wer das Bauchgefühl beim Kauf eines Systems übergeht, wird es wahrscheinlich bereuen. Das gilt natürlich auch dann, wenn der Bauch einem sagt, dass man möglichst viel Auflösung mit möglichst guter High-ISO-Performance und dem bestmöglichen Dynamikumfang haben muss. Wenn sich jemand an maximaler Qualität in der Vergrößerung freut, dann ist daran nichts auszusetzen. Kritisch betrachte ich es nur, wenn Leute ihren persönlichen Glauben zur Religion für alle erklären wollen.

Natürlich ist auch das eine Vereinfachung. Auch Liebe auf den ersten Blick ist keine Garantie dafür, dass man mit einer Kamera oder einem System dauerhaft glücklich wird. Datenblätter, Testberichte und Ratschläge von Freunden sind es aber noch viel weniger, auch nicht lange und ausschweifende Blog-Artikel. Man muss es ausprobieren und riskieren sich falsch zu entscheiden. Nur die Zeit, die Praxis und die Erfahrung werden zeigen, ob man sich richtig entschieden hat. Vielleicht wechselt man dann das Sensorformat. In welcher Richtung auch immer.

Ich bin nicht allein mit meiner Ansicht, dass man auch mit kleinen Sensoren großartige Fotos machen kann. Wer auch andere Stimmen zu diesem Thema hören möchte, findet unter »Fotografen, Gründe und Argumente pro Micro FourThirds (MFT)« eine Sammlung an Videos von Fotografen die dasselbe behaupten.

Video: Robin Wong über Low-light-Fotografie mit MFT

Posted in Theorie & Technik

»You can’t shoot on high ISO with MFT«, heißt es meist. Dass das schwierig ist glaub(t)e ich (bislang) auch. Dieses Video von Robin Wong und die Bilder die er darin zeigt lässt mich noch einmal gründlich darüber nachdenken. Ich habe keinen Zweifel, dass dieselben Aufnahmen mit einer Kamera mit größerem Sensor bei 100-%-Vergleichen cleaner wären. Doch wer behauptet, er sehe den Bildern im Video an, dass sie mit MFT statt mit Vollformat gemacht wurden, flunkert. Natürlich verschleiert ein Video Qualitätsmängel ein bisschen. Doch diese Aufnahmen wirken so clean, dass ich sie wohl selbst davon ausgegangen wäre, dass sie eher mit APS-C oder Vollformat gemacht wurden, als mit MFT, wäre ich in anderem Kontext darüber gestolpert. Gerade die deutlich bessere Rauschreduzierung von Capture One Pro 20 könnte ein weiteres hinzu tun, dass auch MFT in Zukunft unter Low-light-Situationen noch besser nutzbar ist.

Was haltet ihr, liebe Leser davon, dass ich inzwischen immer wieder Videos teile? Mir selbst kam irgendwann der Gedanke, dass Videos die ich interessant finde, vielleicht auch andere interessant finden, und die beste Möglichkeit interessantes zu teilen ist für einen Blogger natürlich sein Blog. Leider weiß ich nicht, ob da gelegentlich auch für euch Interessantes dabei ist, auch deshalb, weil die meisten Videos die ich teile englisch sind. Teilen hat natürlich wenig Sinn, wenn eigentlich niemand etwas geteilt haben möchte (wobei bei diesen Artikeln der Aufwand natürlich überschaubar ist). Es ist sogar kontraproduktiv, wenn es Abonnenten meines Blogs eher nervt. Statistiken, um herauszufinden, was beliebt ist und was auf wenig Interesse stößt, nutze ich wegen des Datenschutzes schon lange nicht mehr. Wenn ihr also eine Meinung dazu habt, hinterlasst sie bitte in einem Kommentar.

Zeit für Olympus

Posted in Theorie & Technik

In der vergangenen Woche hat mich eine Erkältung eingeholt. Am Montag, nach einem langen Tag mit Unterricht und Meeting war ich dann streichfertig, hatte Fieber, Kopfschmerzen und was sonst noch so zu einer Erkältung gehört. In Zeiten in denen ich es mir einteilen kann nehme ich mir dann gerne die Freiheit mich unter der Bettdecke zu verkriechen, wenn ich mich krank fühle. So habe ich das dann auch am Dienstag gemacht.

Die Männergrippe hat ja gegenüber der echten Grippe den Vorteil, dass man sich nicht sterbenselend fühlt und – zumindest bei mir ist das so – die Zeit mit Lesen und dem Anschauen von Videos verbringen kann. Deshalb genieße ich das kleine bisschen Kranksein auch immer ein wenig, gibt es mir doch die Muße mich einmal mit Dingen zu befassen, für die ich mir sonst nicht so die Zeit gebe.

So habe ich den Tag mit YouTube begonnen und geschaut, was meine Abonnements in letzter Zeit Sehenswertes gepostet habe und mich u. a. darüber informiert, was es in CC 2020 so Neues gibt – wozu ich später auch noch einmal Videos in einem Artikel teilen werde.

Im Laufe des Vormittags bin ich in die Themen Olympus, MFT und Fotografie geschlittert und habe ein paar Videos gesehen, von denen ich finde, dass sie es Wert sind, hier im Blog geteilt zu werden, und dazu meine Gedanken zu posten.

Die Wahrheit ist: Es kommt drauf an!

Im Internet – und so nicht anders auf YouTube – tummeln sich zu allen Themen Menschen die nicht nur eine Meinung haben, sondern ganz wissen was WAHR ist und was falsch. Mir gehen Wahrheitsverkünder und Meinungsextremisten eher gegen den Strich. Die Wahrheit besteht im Detail aus Fakten, aber sie ist im Ganzen mehr als die Summe der Teile und und zu komplex, um sie eindeutig und ohne Wenn und Aber und Ausnahme zu beantworten. Einfache Antworten auf komplexe Fragen sind selten richtig.

Die richtige Antwort auf alle Fragen lautet: Es kommt drauf an!

Wenn jemand behauptet eine bestimmte Kamera oder ein bestimmtes System sei das einzig Wahre, dann sollte man das Zuhören umgehend einstellen – wer sowas behauptet, dürfte der Objektivität nicht zu sehr verpflichtet sein.

Ich muss in der Lage sein zu unterscheiden, zwischen der Frage, »welche Kamera würdest du kaufen?«, und der Frage, »welche Kamera soll ich kaufen?« Die erste Frage muss ich mit, »eine Olympus«, beantworten – ich nutze ja nichts anderes. Auf die zweite Frage hingegen frage ich, »was möchtest du wie fotografieren?« Bei der Wahl der richtigen Kamera kommt es auf das Einsatzgebiet an.

Jedem ist klar, dass man weder mit einer Kettensäge Laubsägearbeiten ausführen kann, noch mit der Laubsäge einen Baum umlegt. In der Fotografie hingegen dominiert genau diese Ansicht: Nur viel und groß ist gut und richtig.

Die meisten von uns fänden es sicher lächerlich sich bei Autos darüber zu beklagen, dass Kompaktwagen weniger Platz bieten, als Vans und Monster-SUVs. In der Fotografie hingegen ist es gang und gäbe zu kritisieren, dass in kompakten Kamerasystemen kleine Sensoren stecken. Nichts gegen Autos mit Platz! Wer regelmäßig viel transportieren muss, kann schwer darauf verzichten (die Absurdität, dass viele große PKW nur selten mehr als 1,3 Mensch transportieren, ist ein anderes Thema). Für die meisten jedoch – inklusive der Umwelt – ist der Kleinwagen die sinnvollere Alternative.

Praktiker und Theoretiker

In den Debatten der digitalen Fotografie dominiert viel zu sehr die Theorie. Erfolgreiche Foto-Blogger und -Vlogger können jedes physikalische Detail beschreiben, und oft begründen sie damit, weshalb größere Sensoren besser sind als kleine. Ich finde die Theorie interessant aber viel interessanter finde ich die Praxis. Deshalb bevorzuge ich Berichte echter Fotografen gegenüber jenen, die sich vor allem mit dem Testen von Ausrüstung und dem Studium von Theorie befassen. Boris Nienke von Happy Shooting hörte ich einmal sagen, »was ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis? In der Theorie gibt es keinen, in der Praxis schon.« Genau so sehe ich das auch!

Alte Hasen

Auffällig ist, dass viele der Fotografen die auf YouTube positiv, oft begeistert, von ihren Erfahrungen mit MFT-Kameras berichten, alte Hasen sind. Nun kann man natürlich einwenden, dass schon klar ist, dass die Tattergreise eine ausgewachsene Vollformatkamera nicht mehr stemmen können. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die alten Hasen etwas haben, was sich durch das Studium von Theorie nicht ersetzen lässt: Jahrzehnte Erfahrung. Und nahezu alle haben den Großteil dieser Jahrzehnte mit Voll- oder noch größeren Formaten fotografiert.

Die Videos

Das erste Video das ich teilen möchte, stammt vom australischen Fotografen Terry Lane. Ich finde es nicht zuletzt deshalb sehenswert, weil im Laufe des Videos dutzende Aufnahmen zu sehen sind, die mit dutzenden verschiedenen Kameras über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg entstanden. Es zeigt, wie irrelevant die Kamera für gute Fotos ist, auch wenn natürlich unter der Lupe Unterschiede zwischen Kompaktkameras von 2005 und Vollformat von 2018 zu sehen wären.

Ebenfalls sehenswert von Terry Lane ist ein Video indem er über Micro FourThirds und Rauschen spricht. Gerade das letzte Drittel ist jedem zu empfehlen der mit digitaler Fotografie aufgewachsen ist, denn Lane liefert einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung der Empfindlichkeit bei Film.

Passend zum Thema Rauschen empfehle ich als nächstes ein Video von Steve O’Nions, in dem er sich mit Auflösung befasst und dem Vorurteil widerspricht, man könne mit MFT keine großen Prints drucken (dazu habe ich Anfang des Jahres schon einmal einen Artikel mit einem Video geteilt).

Fehlt noch das dritte Argument, das oft gegen MFT vorgebracht wird: Bokeh. In dem folgenden von Denae and Andrew geteilten Video geht es nicht um MFT, sondern um die Frage, ob das viele Geld, das Fotografen gerne in lichtstarke Primes investieren, zu Ergebnissen führt, die vom Betrachter positiver bewertet werden. Die Antwort hat auch mich überrascht: Nein.

Der Sprecher – ich nehme an es handelt sich um Andrew – begründet am Ende ausführlich, weshalb Bokeh allein nicht automatisch zu guten Aufnahmen führt. Fotografie besteht aus deutlich mehr Aspekten. Uns Fotografen mögen seidenweiche Bokehs begeistern, aber für das Auge des durchschnittlichen Betrachters scheint die Detailschärfe des Subjekts von deutlich größerer Bedeutung. Darüber hinaus spielen Bildkomposition, Linienführung, Bildausschnitt, Beleuchtung und Anderes oft eine viel größere Rolle, als die Unschärfe des Hintergrunds.

Natürlich gibt es Motive die von Freistellung profitieren. Doch man macht es sich zu leicht, wenn man sie als Patentrezept für jede Szene einsetzt. Mit Vollformat und einem lichtstarken Tele auf ein Motiv halten, abdrücken und ein Resultat mit seidenweichen Bokeh erzielen kann jeder. Das Subjekt mit dem Hintergrund in eine Beziehung zu setzen und sauber zu komponieren stellt hingegen eine ganz andere Herausforderung dar. Gelingt das bei einem Foto, zeigt es nicht nur ein Subjekt, sondern erzählt eine Geschichte.

Hinzu kommt, dass Smartphones Bokeh mittlerweile exzellent simulieren. Die Zeiten, in denen man sich allein durch den Einsatz teurer Linsen vom Fußvolk abheben konnte, sind vorbei. Der Fotograf wird sich in Zukunft noch mehr anstrengen müssen, um aus der Masse herauszustechen.

Das mobile System

Auffallend ist auch, dass das Gros der Leute die über Micro FourThirds berichten, Fotografen sind, für die Mobilität eine große Rolle spielt. Auffallend, aber nicht überraschend. Mobilität ist der Kern von MFT. Ich kann mich an kein Video eines Studiofotografen erinnern, der erklärt auf MFT umgestiegen zu sein. Mir selbst wäre der Gedanke bis heute nicht gekommen. Wieso sollte ich auf die Vorzüge des Vollformats zugunsten eines kompakten Systems verzichten, wenn Mobilität für mich keine Rolle spielt? Vollformat hat größere Qualitätsreserven als Crop-Sensoren. Aber die Frage, die ich mir als Fotograf stelle, lautet doch nicht, welche Kamera bietet mir die größtmögliche Qualitätsreserve, sondern welches System meine Anforderung am besten erfüllt. Es ist eben wie beim Auto: Geräumige Transporter sind sinnvoll, wenn man den Platz regelmäßig für Transporte nutzt. Ansonsten sind sie nur teurer im Unterhalt und erschweren in der Stadt die Parkplatzsuche.

Ich habe mir meine erste Olympus als kompakte Zweitkamera gekauft. Mit der Zeit habe ich dann entdeckt, dass das System nicht nur für unterwegs gut ist, sondern, dass es ebenso meinen Bedarf im Studio deckt. Also habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft um nur ein System unterhalten zu müssen. Olympus ist nicht besser als Nikon. Es erfüllt nur meine Anforderungen besser.

Der Olympus Ambassador Steve Gosling arbeitet mit zwei Kamerasystemen: Phase One Mittelformatkamera und Olympus MFT. Er hat also Erfahrung mit Sensoren die noch einmal deutlich größer sind, als Vollformat. Im folgenden Video erklärt er, weshalb ihn auf Fototour mit der Phase One immer auch eine OM-D begleitet. Bemerkenswert ist das Video nicht zuletzt auch wegen der tollen Bilder die von ihm gezeigt werden. Zu seinem Ansatz der Bildgestaltung sagt er, dass Linien für ihn oft eine größere Rolle spielen, als das Subjekt.

Im nächsten Video erklärt der Vogelfotograf Tim Boyer weshalb er seine Canon-Ausrüstung verkauft und durch Olympus ersetzt hat.

In diesem Video geht derselbe Fotograf noch etwas tiefer auf die Vorteile die er in der OM-D für sich sieht ein und zeigt auch einige Aufnahmen, auch im Vergleich zu seiner Canon-Ausrüstung.

Jari Peltomäki ist ebenfalls ein Naturfotograf, der sich für Olympus entschieden hat. In diesem Video erklärt er für Olympus, was ihn zum Wechsel bewegte.

Im folgenden Video plaudert der Travel-Fotograf Chris Eyre-Walker mit Jari Peltomäki über das Fotografieren mit Olympus und Fotografie ganz allgemein. Das Gespräch ist nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Fotos die zwischendurch von Peltomäki gezeigt werden sehenswert.

Im letzten Video, das ich in diesem Artikel teilen möchte, gibt Robin Wong sieben Tipps, wie man den maximalen Kontrastumfang aus den kleinen MFT-Sensoren herausholen kann. An MFT wird ja auch immer wieder einmal kritisiert, dass ihr Dynamikumfang überschaubar sei, dabei befinden sich durchaus auch Vollformat-Modelle auf dem Markt, die es nicht besser können. Oder anders gesagt: Die aktuell besten Modelle liegen irgendwo über 14 Lichtwerten. Olympus’ Kameras schaffen knapp 13. Das ist keine Welt.

Mein eigener – derzeit ruhender – YouTube-Kanal findet sich hier. Dort findet sich auch eine Liste mit Videos zu Micro FourThirds.

Panasonics gegen Staub abgedichtete Objektive sind nicht gegen Staub abgedichtet

Posted in Theorie & Technik

Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass ich darüber berichtete, wie ich nach einem Aufenthalt an der Nordsee mit Sand im Tubus meines Panasonic Leica 100–400mm Objektivs nachhause kam. Bemerkbar machte sich das durch ein unschönes Kratzen beim Drehen an Zoom- und Fokusring. Natürlich ist mir klar, dass ein Aufenthalt an einem windigen Sandstrand eine Herausforderung für ein Objektiv darstellt, ebenso wie das Fotografieren im Regen. Aber genau aus diesem Grund investiere ich auch einmal das Doppelte in Equipment das verspricht solchen Bedingungen zu widerstehen. Zumindest meine Olympus-Objektive, die derselben Situation ausgesetzt waren, haben das auch anstandslos getan.

In der Annahme, es könne für einen Hersteller kein Problem sein ein Objektiv zu zerlegen und zu reinigen, übergab ich es an meinen Fachhändler und der an Panasonic. Ein paar Wochen später erfuhr ich, dass eine Reinigung dem Preis eines neuen Objektivs entsprochen hätte. Wie es sein kann, dass in ein Objektiv Sand eindringt, das laut Panasonic gegen Staub abgedichtet ist, hat der Hersteller nicht verraten.

Vor einigen Wochen entdeckte ich nun, dass mittlerweile ein mit freiem Auge sichtbares Staubteilchen im inneren des Objektivs an der Frontlinse haftet. Wieder übergab ich es an den Händler und der wieder an Panasonic.

Jetzt sollte die Reparatur gleich mehr kosten als ein neues Objektiv, und Panasonic begründete, dass das Objektiv zwar gegen Spritzwasser abgedichtet sei, nicht aber gegen Staub. Das ist interessant, denn auf Panasonics Website ist unmissverständlich zu lesen, dass das Zoom gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet sein soll.

Man kann sich aussuchen, ob man von leerer Versprechung oder doch besser gleich von Lüge sprechen soll.

Wenn ein Objektiv nach einem Nachmittagsaufenthalt an einem Badestrand bereits irreparablen Schaden davon trägt, ist wohl klar, dass so ein Equipment völlig unbrauchbar ist, wenn Leute – von Berufs wegen oder aus Leidenschaft – strapaziöse Expeditionen auf sich nehmen oder beispielsweise als Reporter in Krisengebiete reisen.

Ich bin kein reiner Schönwetterfotograf. Unwirtliche Witterungsbedingungen können bezaubernde Szenen schaffen – Szenen die einem entgehen, wenn man nur bei Sonnenschein vor die Tür geht. Dadurch sind solche Motive rarer als Fotos von Schönwetterlandschaften und Sonnenuntergängen, was sie wiederum besonders reizend macht. Und auch, wenn man bei Sonnenschein loszieht, kommt es immer wieder vor, dass man von Regen oder Sturm überrascht wird.

Der Mehrwert einer zuverlässigen Abdichtung gegenüber widrigen Witterungsbedingungen ist mir einen Mehrpreis absolut wert – auch einen deutlichen. Allerdings erwarte ich, dass das Objektiv auch hält, was der Hersteller verspricht. Und sollte der Schadensfall doch einmal eintreten wäre zumindest Kulanz angezeigt. Wozu sonst sollte man Geld für abgedichtete Gehäuse ausgeben, wenn man diese in der Praxis genauso penibel gegen Umwelteinflüsse schützen muss, wie deutlich billigere Linsen. Gerade Panasonics 100–400 ist nicht gerade dafür berühmt seinen Preis durch optische Exzellenz zu rechtfertigen – am langen Ende der Brennweite ist es kaum besser als halb so teure MFT-Zooms die bis 300mm reichen. Umso mehr wäre es angebracht, dass zumindest die Abdichtung die Investition rechtfertigt.

Links zu verwandten Artikeln:

Fotografie, Wahrnehmung, HDR

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Alphütte auf der Seraalpe
Seraalpe | Olympus E-M1 MarkII | M.Zuiko 12-100mm ƒ4.0 | 12mm (24mm KB) | ƒ8 | 1/640s | ISO200 | HDR-Bild aus 7 Belichtungen, vereint mit Aurora HDR, korrigiert mit DxO ViewPoint

Auf meine letzten Blogartikel habe ich einen Kommentar bekommen, dass meine HDRs nicht aussehen, wie ein reguläres Foto. Während des Schreibens einer Antwort kam mir der Gedanke, dass diese eigentlich für einen ganzen Artikel taugt, finde ich doch, dass sie wohl für viele einschlägig interessierte Leser interessant sein könnte – schließlich wird ja nicht jeder die Kommentare zu den Artikeln lesen.

Natürlich fallen Aufnahmen im prallen Sonnenlicht nicht so aus, wie die Aufnahmen die ich im genannten Artikel gepostet habe. An sonnigen Tagen kann der Motivkontrast bis zu 20LW betragen, das ist ein Kontrastverhältnis von 1:1 Million. Unsere Wahrnehmung schafft davon mit Hilfe der Tricksereien unseres Gehirns etwa 14LW (1:10.000) – die Augen selbst erreichen nur ein Kontrastverhältnis von 1:100. Ein JPEG oder ein Monitor erreicht gerade einmal 8LW (1:1000) – Angaben die bei Fernsehern das Kontrastverhältnis im mehrfachen Millionenbereich angeben, haben mehr mit Tricksereien – bei Bildschirmen technischer Natur – zu tun und mit Marketing, als mit einem Kontrastumfang der tatsächliche in den sechsstelligen Bereich geht.

In der Fotografie führt ein Motivkontrast der den Dynamikumfang eines 8-Bit-JPEGs überschreitet zu Unter- und/oder Überbelichtung. Beides – sowohl Unter- als auch Überbelichtung – kommt in unserer Wahrnehmung nicht vor. Als Äquivalent zu fotografischer Überbelichtung (strukturloses Weiß), lässt sich in der Wahrnehmung höchstens die Blendung betrachten, beispielsweise wenn man auf ein sonnenbeschienenes Schneefeld blickt. Sie brauchen aber nur einmal den Blick auf eine blendend weiße Fläche mit dem Blick auf einen überbelichteten Bereich in einer Fotografie zu vergleichen um herauszufinden, dass das zwei nicht miteinander vergleichbare Dinge sind.

Auch wenn wir in RAW fotografieren, müssen wir die 10LW bis 14LW des Sensors komprimieren, um die dunkelsten und hellsten Bereiche im 1:1000-Kontrastumfang eines Monitors sichtbar zu machen – in Lightroom heißt das Schatten und Schwarz aufhellen, Lichter und Weiß abdunkeln. Bei kräftiger Komprimierung des Dynamikumfangs der Aufnahme sieht das Resultat dann einem HDR aus mehreren Belichtungen nicht unähnlich. Anders geht es aber nicht, möchten wir in einem Foto Zeichnung in Lichtern und Schatten sichtbar machen, die unsere Augen vor Ort mühelos erkennen konnten.

Valiseraalpe
Valiseraalpe | Olympus OM-D E-M1X | M.Zuiko 9-18mm ƒ4.0-5.6 | 9mm (18mm KB) | ƒ8 | 1/640s | ISO200 | Belichtungsreihe aus 5 Belichtungen, vereint mit Aurora HDR, korrigiert mit DxO ViewPoint
Einzelbelichtung der HDR-Aufnahme oben. Im Himmel enthalten einige Bereiche kaum oder gar keine Bildinformation mehr und sind überbelichtet, in den Bäumen sind viel Bereiche unterbelichtet und Schwarz.

Die Gegenlichtaufnahme mit dem Kreuz beispielsweise zeigt bei 8 Bit einen ausgefressenen, in vielen Bereichen zeichnungsfreien weißen Himmel. Andere Bereich wiederum, z.B. in den Schatten der Bäume, fallen unterbelichtet schwarz aus. Tatsächlich jedoch war der Himmel für die menschliche Wahrnehmung blau wahrzunehmen, so wie es im HDR-Bild zu sehen ist. Natürlich sah der Himmel in meinen Augen nicht exakt so aus, wie in der abgebildeten HDR-Aufnahme. Allerdings noch viel weniger so, wie in der Einzelbelichtung.

Selbstverständlich ist das HDR auch nur eine Interpretation der Realität im Rahmen der technischen und physikalischen Möglichkeiten der digitalen Fotograftechnik, nicht anders als eine normale 8-Bit-Aufnahme der Szene eine Interpretation ist. Das trifft allerdings auf unsere Wahrnehmung nicht minder zu.

Ich würde auf jeden Fall behaupten, dass das HDR bei so einer Szene meiner Wahrnehmung näher kommt, als es eine reguläre 8-Bit-Einzelbelichtung tun kann. Schließlich konnte ich vor Ort das Blau des Himmels und die Struktur der Wolken ebenso erkennen, wie die Details im Schatten der Bäume, was eben bei einer regulären Aufnahme nicht der Fall ist.

Mir geht es in der Fotografie heute darum Aufnahmen zu erstellen die Szenen so gut als möglich so zeigen, wie ich sie erlebt habe, und nicht so, wie es den technisch-physikalischen Beschränkungen einer 8-Bit-Einzelbelichtung entspricht.

Bin ich mit den Resultaten vollauf zufrieden? Nein. Auch mit dieser Technik bekomme ich oft noch ausgefressene Überbelichtung und rein schwarze Unterbelichtung. Aber es entwickelt sich und ich kann in den Aufnahmen Details und Strukturen sichtbar machen, die vor Ort problemlos zu sehen waren, und nicht von Unter- und Überbelichtung verschluckt sind.

Schloss Schönbühel in HDR

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Schloss Schönbühel
Schloss Schönbühel | Olympus OM-D E-M5 MarkII | M.Zuiko 25mm ƒ1.2 | 25 mm (50mm KB) | ƒ5.6 | 1/800s | ISO200 | Aurora HDR und DxO ViewPoint

Schloss Schönbühel liegt in der Gemeinde Schönbühel-Aggsbach in Niederösterreich in der Wachau an der Donau. Seine Ursprünge liegen im 12. Jahrhundert und in einer leicht zu verteidigenden Festung. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Mehr darüber findet sich auf Wikipedia.

Die Aufnahme oben ist ein HDR aus einer Belichtungsreihe aus fünf Belichtungen. Die Angaben zur Belichtungszeit beziehen sich auf die mittlere Belichtung.

Wie ich zu HDR kam

Im vergangenen Jahr machte ich einen Ausflug in die Drohnenfotografie. Leider erfuhr ich erst als ich mich nach dem Kauf, wo man in Österreich Drohnen fliegen lassen darf, dass es einer Bewilligung der Austro Control bedarf, möchte man Drohnen zum Fotografieren fliegen lassen. Laut meinen Recherchen sollte die Gebühr für die Bewilligung jährlich über 200 Euro betragen, was bei nicht gewerblicher Nutzung wohl für die Wenigsten ein Thema sein dürfte.

Rückblickend finde ich diese strenge Regelung gar nicht so verkehrt, schließlich gibt es immer genug Idioten die nicht ausreichend Verantwortungsbewusstsein besitzen ihre Drohen von Naturschutzgebieten, wilden Tieren und aus dem Luftraum des bemannten Luftverkehrs fern zu halten – immer wieder liest man von gefährlichen Situationen die für Hubschrauber und Flugzeuge durch Drohnen entstehen. Etwas sauer bin ich allerdings, dass auch bewilligungspflichtige Drohnen ohne den geringsten Hinweis in Fotogeschäften und Elektronikmärkten vertrieben werden.

Das Abenteuer Drohne führte auch dazu, dass ich begann mich intensiver mit HDR zu befassen, um ein Optimum aus den JPEGs der Drohnenkamera herauszuholen.

MFT und Aurora HDR – ein Dream-Team!

Im Merz dieses Jahres begann ich mit HDR aus meinen Systemkameras zu experimentieren. Bislang hat sich mein Interesse an HDR vor allem deshalb in Grenzen gehalten, weil ich nicht der Typ Fotograf bin der gerne mit Stativen auf den Weg geht. Lieber fotografiere ich spontan aus freier Hand. Das ist nicht nur Bequemlichkeit, sondern liegt auch daran, dass die meisten meiner Fotos auf Achse entstehen. Oft bin ich Stunden lang unterwegs, meist zu Fuß, seit diesem Jahr auch mit dem E-Bike. In beiden Fällen ist ein Stativ kein besonders bequemer Begleiter.

MFT-Kameras verfügen bekanntlich über eine exzellente Bildstabilisierung und so testete ich, ob es möglich ist brauchbare HDR-Bilder aus Belichtungsreihen aus freier Hand zu erzeugen. Das hängt allerdings nicht nur von der Qualität der Bildstabilisierung ab, sondern auch von der Präzision der automatischen Ausrichtung der HDR-Software.

Photoshop als HDR-Software kam von Beginn an nicht in Frage, da dessen HDR-Funktion lausig ist. Affinity Photo weist zwar eine bessere HDR-Funktion auf und meine Drohnen-HDRs entstanden damit, so richtig glücklich war ich mit dessen Resultaten allerdings auch nicht. In weiterer Folge testete ich so ziemlich alles, was für den Mac an HDR-Software verfügbar ist. Tatsächlich überzeugt hat mich nur Aurora HDR von Skylum.

Es liegen Welten zwischen Aurora HDR und allen anderen Programmen mit denen ich es versuchte. Nicht nur die Qualität wird von keiner anderen Software erreicht. Auch die Funktionen und Einstellmöglichkeiten sind viel umfangreicher als bei allen Mitbewerbern. Das Interface ist ansprechend gestaltet, auch wenn es dem Trend entsprechend zu dunkel ist und auch noch einen dezenten Farbstich aufweist. Besonders beeindruckend ist aber vor allem die automatische Ausrichtung und das Deghosting. Die Aufnahme oben ist von einem Fahrenden Ausflugsschiff entstanden. Dennoch ist das Resultat, wie auch alle anderen Aufnahmen die ich während der Flussfahrt machte, tadellos. An sich erstellte ich diese Belichtungsreihen in der Annahme, dass die Erstellung von HDR-Aufnahmen wegen der Bewegung scheitern würde. Doch selbst ein rasch vorbei fahrendes Motorboot wurde tadellos vereint. Personen die sich während der Aufnahme bewegen, stellen für Aurora HDR ebenfalls kein Problem dar – man erhält eine Person die tadellos ins HDR-Bild passt. Es ist fast wie Magie!

Im Moment kämpfe ich noch mit mir selbst und damit, es mit den Einstellungen nicht zu übertreibe. Ein HDR ist kein normales Foto. Sein Eindruck ist anders. Wenn dem nicht so wäre, bräuchte man keine HDRs zu erstellen.

Betrachter empfinden oft HDR vermittle einen gemalten Eindruck. Ich finde diese Assoziation heute sehr passend. Eine Kamera sieht nicht wie wir, sondern wie eine Kamera. Was sie aufnimmt und ein Foto wiedergibt, ist nicht die Realität, sondern eine Interpretation der Kamera von der Realität. Technische und physikalische Einschränkungen lassen es gar nicht zu, dass die Kamera die Realität ohne Abweichungen abbildet. Bei unserer Wahrnehmung ist es dasselbe, nur dass die Einschränkungen nicht technischer, sondern biologischer Natur sind. Es würde zu weit führen hier in die Tiefe zu gehen – detaillierter gehe ich darauf in meiner Fotoschule, in »das ABC der Farbe« und in meinem kommenden Buch »das ABC des Designs« ein.

Während eine Kamera eine Szene ganz anders aufnimmt, als wir sie wahrnehmen, malt ein Maler sie so wie er sie wahrnimmt, und somit (wahrscheinlich) auch so, wie wir sie wahrnehmen. Deshalb bin ich heute davon überzeugt, dass ein Bild das aussieht wie ein Gemälde eher der menschlichen Wahrnehmung nahekommt, als ein Foto das die Szene mit den Einschränkungen der fotografischen Aufnahme- und Wiedergabetechniken zeigt.

Welche Kamera soll ich kaufen?

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Die richtige Antwort auf diese Frage ist dieselbe, wie auf die meisten Fragen: Es kommt drauf an!

Freude an maximaler Abbildungsqualität

Ist es dir wichtig unter allen Bedingungen nicht nur praktisch sondern auch theoretisch die ultimative Abbildungsqualität zu erzielen, bist du mit einer Vollformatkamera auf dem richtigen Weg. Besser wäre natürlich gleich eine Mittelformatkamera, allerdings liegen deren Preise samt Objektiven dann in der Liga von Mittelklasse PKWs.

Mit einer guten Vollformatkamera lassen sich auch unter ungünstigen Lichtbedingungen vergleichsweise rauscharme Aufnahmen erzielen. Für Landschafts- und Architekturaufnahmen bietet Vollformat meist deutlich mehr Auflösung, als Systeme mit kleineren Sensoren. Das ist ein Plus das sich durchaus bemerkbar macht, wenn man regelmäßig Prints in A2 und größer anfertigen lässt. Man muss dazu allerdings mit entsprechend exzellenten Objektiven, geschlossner Blende, optimaler Fokussierung (Hyperfokale Distanz) und Stativ arbeiten. Im Studio lässt sich alternativ die kurze Belichtungsphase die durch Blitze entsteht nutzen, um das Potenzial von Auflösungen jenseits der 30 MP auszuschöpfen.

Mit Vollformatkameras entsteht darüber hinaus bei vergleichbarer Distanz, Brennweite und Blendeneinstellung eine geringere Schärfentiefe. Vollformat ermöglicht Bokehs, die mit kleineren Sensoren schwer bis gar nicht zu erzielen sind. Schon gar nicht, wenn man keine 10.000 Euro in eine Linse investiere möchte, was bei State-of-the-Art-Vollformatlinsen von Leica schon einmal der Fall sein kann. Für MFT existieren Linsen in dieser Preisklasse erst gar nicht.

Freude am Fotografieren

Wenn es mehr um die Freude am Fotografieren geht, ist für mich MFT das perfekte System. Die Kameras von Panasonic und Olympus sind im Vergleich deutlich leichter und handlicher, als APS-C- oder Vollformatsysteme. Zwar sind bieten auch Canon, Nikon und Sony mittlerweile spiegellose Vollformatkameras an die kaum größer sind als reguläre MFT-Modelle. Doch die größeren Sensoren verlangen zwangsläufig nach größeren Optiken. Werden die handlichen Bodys dann mit notwendigerweise voluminösen und schweren Vollformat-Teleobjektiven kombiniert, ergibt sich eine äußerst unausgewogene Balance und ein eher kontraproduktives Handling. Nicht umsonst hat Olympus gerade für alle die mit langen Brennweiten arbeiten das MFT-Monster E-M1X auf den Markt gebracht, die nur geringfügig leichter ist als eine Nikon D850.

Die Kompaktheit von MFT ergibt sich nicht durch die Größe der Kameras. Kompakt ist das im Volumen des Systems der Optiken wegen. Erst wenn man diese zur Fotoausrüstung hinzurechnet – und wie könnte man das nicht tun! –, reduziert sich das Gewicht des Equipments schnell auf ein Drittel von Vollformat oder weniger.

Die Stärke des MFT-Systems liegt beim Fotografieren auf Achse. Im Studio macht das kleine System in meinen Augen wenig Sinn. Weshalb auf die zusätzliche Auflösung und das weitere Bokeh verzichten, wenn Gewicht keine Rolle spielt? Und überhaupt: Mit den gerade auf den Markt gekommenen Spiegellosen von Canon, Nikon und Sony kombiniert mit einer Festbrennweite oder einem Standardzoom ist auch Vollformat nicht nennenswert schwerer als MFT. Ich würde niemandem MFT empfehlen, der auf Studiofotografie aus ist. Das wäre fast ein bisschen absurd. Nicht völlig, aber ein bisschen!

Nein, MFT ist das System für unterwegs. Je länger die Brennweite wird, desto mehr fallen die Vorzüge im wahrsten Sinne des Wortes ins Gewicht. Meine 300mm Festbrennweite von Olympus – immerhin 600mm kleinbildäquivalent – ist leichter und nur geringfügig länger als Nikons 70–200mm ƒ2.8 Telezoom. Ein dem Olympus-Supertele vergleichbares Nikon-Objekitv ist doppelt so lang und drei Mal so schwer.

Keine Frage: Das Nikon-Tele ermöglicht Aufnahmen, die mit meinem Olympus unerreichbar sind, was man anhand des 5-fachen Preises allerdings auch erwarten darf. Aus freier Hand wird man die Qualität des Super-Nikkors allerdings kaum nutzen können, denn bei bei 5kg inklusive Kamera braucht man wahrscheinlich einen enormen Bizeps das Teil verwackelungsfrei zu stemmen. Auch das reduziert das Gewicht eines MFT-Systems: Man kann viel öfter auf das Stativ verzichten, was selbst bei einem lichten Stativ 1kg weniger Transportgewicht bedeutet.

Nicht nur das geringere Gewicht und die geringere Auflösung erlaubt es eher, auf ein Stativ zu verzichten. Auch die Bildstabilisierung ist bei MFT im Vergleich zu Vollformat aus einer anderen Welt. Mit Vollformat bislang unerreichbare Belichtungszeiten von 1s und mehr, gehen mit aktuellen Kameras von Panasonic und Olympus problemlos. Kleinere Sensoren lassen sich schlicht leichter stabilisieren. Sogar Belichtungsreihen mache ich in Mittlerweile ohne Stativ und baue die 7 Belichtungen dann am Computer zu HDR-Bildern zusammen.

HDR-Aufnahme aus 7 Belichtungen aus freier Hand

Zwar ist der Nutzen des Handheld-Sensor-Shiftings, mit dem die E-M1X nun 50MP aus freier Hand erlaubt, überschaubar. Nach meinen bisherigen Versuchen wird damit auch keine feinere Detailzeichnung erzielt als mit den regulären 50MP – dass sich extrem hohe Auflösungen nur mit Stativ nutzen lassen gilt eben auch für MFT. Doch, dass Langzeitbelichtungen aus freier Hand möglich sind – was die E-M1X jetzt mit einem virtuellen ND-Filter unterstützt –, ist auch so eine Möglichkeit der exzellenten Bildstabilisierung, die das Fotografieren einfach leichter macht.

2,5s Verschlusszeit mit E-M5 II aus freier Hand
1/8s mit Life-ND-Filter der E-M1X aus freier Hand

Die Krone der Abbildungsqualität gehört Vollformat, wenn nicht Mittelformat – keine Frage! Bei MFT steht die Leichtigkeit und Freude des Fotografierens im Mittelpunkt. Nicht umsonst höre ich immer wieder Fotografen, die den Systemwechsel von Vollformat auf MFT gemacht haben, sagen, dass ihnen das System die Freude am Fotografieren wieder gebracht hat. Ich kann das nur bestätigen. Genau das habe ich empfunden, als ich begann mit der OM-D E-M5 zu fotografieren. Nein, es ist nicht so, dass ich mit meinen Nikons keine Freude hatte. Absolut nicht. Nur die sprichwörtliche Leichtigkeit des MFT-Systems ermöglicht eine Leichtigkeit des Fotografierens, die einfach (noch) mehr Spaß macht.

Und, seien wir doch ehrlich: In Zeiten, in denen darüber diskutiert wird, wie lange es noch dauert, bis Smartphones der Fotografie mit Systemkameras endgültig den Gar ausmachen, ist die Sache mit der Qualität ohnehin sehr relativ. In vielen Situationen erreichen die Handys mit ihren winzigen Sensoren eine Abbildungsqualität, die unter den üblichen Ausgabebedingungen nicht von echten Kameras zu unterscheiden ist – egal ob man ihnen MFT oder Vollformat gegenüber stellt.

In meiner Foto-Bibliothek, die aktuell etwa 50.000 Bilder umfasst, kann ich jedenfalls bei kaum einem Bild anhand der Abbildungsqualität treffsicher bestimmen, ob die Aufnahme mit einer Nikon Vollformat- oder einer meiner MFT-Kameras entstand – jedenfalls nicht, seit der E-M5 (ein paar Jahre davor hatte ich eine Panasonic G3 – deren Abbildungsqualität war noch sichtbar minder, als das meiner damaligen Nikon D700).

Noch einmal: Die qualitativen Unterschiede zwischen Vollformat und MFT sind Fakt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Ebenso Fakt ist allerdings, dass sie erst unter besonderen Bedingungen und/oder bei Prints über A2 wirklich relevant werden. Ansonsten muss man die Unterschiede mit der Lupe am Monitor suchen.

Es gibt allerdings einen Punkt, der bezüglich MFT noch einer Warnung bedarf: Abgesehen von den Spitzenmodellen von Panasonic und Olympus, erreicht die Mittel- und Einstiegsklasse der beiden Hersteller in Sachen Fokussierung noch nicht die Geschwindigkeit, die bei DSLR selbstverständlich ist. Wer preiswert mit einer Systemkamera Vögel im Flug oder sehr schnelle Sportarten fotografieren will, der ist bislang mit einer Einsteiger-DSLR definitiv besser bedient.

Der Weg der Mitte

Keine Frage: Ich bin MFT-Fan. Doch ebenso, wie ich Vollformat seine Vorzüge zugestehen kann, sehe ich, dass es zwischen den beiden Extremen noch einen Weg der Mitte gibt: APS-C.

Nun bin ich allerdings etwas skeptisch über die Zukunft von APS-C bei Canon, Sony und Nikon. Früher machten diese Systeme mit kleineren Sensoren bei Einsteigerkameras durchaus Sinn, da der Sensor einer der wesentlichen Preistreiber der Kamera war. Vollformat zum Einsteigerpreis war schlicht nicht möglich. Doch die Zeiten ändern sich. Vollformatkameras werden immer billiger. Canon und Nikon mussten für ihre spiegellosen Kameras ein neues Bajonett einfügen. Ich bin gespannt, ob Nikon für diesen Anschluss in Zukunft auch DX-Kameras und (neue) DX-Objektive vorstellen wird. Ich habe meine Zweifel. Und bei Canon mag es ähnlich sein.

Anders sieht es mit Fujifilm aus. Fuji hat kein Vollformatsystem, sondern setzt auf APS-C und Mittelformat. Mit der Konsequenz nicht mit einem Bajonett zwei Sensorformate bedienen zu wollen, können Sie einen goldenen Mittelweg zwischen Vollformat und MFT gehen. Man verbindet den Vorteil der gegenüber MFT größeren Sensoren, mit jenem, der gegenüber Vollformat kompakter konstruierbaren Objektive. Da man damit auch sehr erfolgreich unterwegs ist, würde ich davon ausgehen, dass APS-C bei Fuji eine langfristige Zukunft hat, was ich bei APS-C bei Nikon und Canon bezweifle.

Bokeh wird überbewertet

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Vor ein paar Jahren habe ich auf einer Facebook-Seite gepostet, dass ich Bokeh für überbewertet halte, und dass man es sich mit lichtstarken Prime Lenses einfach und bequem machen kann: Blende aufreißen, draufhalten, abdrücken. Die geringe Schärfentiefe löst das Subjekt aus der Umgebung und damit gleichzeitig alle gestalterischen und kompositorischen Probleme.

Es hat schon was, wenn man ein Subjekt vor einem quirligen Hintergrund freistellen kann um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das zu lenken, was man ihm zeigen möchte. Für Bokeh sensibilisierte Augen werden wahrscheinlich regelmäßig Ahs und Ohs von sich geben, wenn sie in Kinoproduktionen ganze Personen aus dem Hintergrund herausgelöst sehen. Als Fotograf muss mein einiges investieren um einen vergleichbaren Effekt zu erzielen. Das 200mm ƒ2 von Nikon kann das. Es kostet aber auch knapp 7000 Euro.

Das Video unten hat mich an meine Aussage von damals erinnert. Der Fotograf der es präsentiert zeigt die Ergebnisse einer kleinen Erhebung, die er zum Thema Bokeh machte. Das auch für mich etwas überraschende Ergebnis: Unbedarfte Betrachter finden Aufnahmen mit ausgeprägter Unschärfe in der Regel weniger attraktiv, als Bilder mit etwas detaillierteren Hintergründen. Bokeh scheint vor allem einen zu interessieren: Den Fotografen selbst. Und der Präsentator des Videos teilt offensichtlich meine Ansicht, dass man es sich mit reichlich Bokeh sehr bequem machen kann, und dass Komposition und Bildgestaltung eine ganz andere Herausforderung darstellen, wenn man Subjekt mit Umfeld in Beziehung setzen muss.

Das freut natürlich den MFT-Fotografen, bekommen wir doch immer wieder zu hören, dass man mit unsrem System nicht arbeiten könne, weil man kein ausreichendes Bokeh erhalte. Ich persönlich denke ja, dass das Ausmaß der Unschärfe alleine kein Maßstab für die Qualität des Bokehs ist. Viel wichtiger finde ich, wie weich – wie cremig – es ausfällt. Ich hatte an meinen Nikon-Vollformatkameras lichtstarke Optiken im Einsatz, die ein recht harsches Bokeh erzeugten. Meine MFT-Objektive bilden unter vergleichbaren Bedingungen zwar etwas mehr Details ab, haben aber allesamt ein recht weiches Bokeh.

Ich bin zwar wegen des Gewichts des Systems von Vollformat auf MFT umgestiegen. Ausschlaggebend war aber, dass ich entdeckte, dass ich mit dem Olympus 45mm ƒ1.8 genauso attraktive Porträts erzielte, wie mit Nikons 85mm ƒ1.8. Erst diese Erkenntnis löste die Frage auf, weshalb ich eigentlich eine so große und schwere Ausrüstung mit mir herumschleppe.

Bitte nicht falsch verstehen: Das Oly 45er machte keine schöneren Aufnahmen als das Nikon 85er. Sie sind aber auch nicht schlechter. Dabei kostet die Oly-Linse gerade einmal die Hälfte.

Und dann kommt noch etwas dazu: Es ist eine bekannte Weisheit, dass Objektive erst bei mehr oder weniger starker Abblendung ideale Schärfeleistung und Kontrast erzielen. Ich habe das mit einigen Nikon-Linsen getestet und bestätigt gefunden. Ich habe außerdem auch mit all meinen Olympus- und Panasonic-Objektiven getestet, mit dem Ergebnis, dass viele bereits bei Offenblende eine nahezu optimale Detailzeichnung erreichen, und bei denjenigen, bei denen das nicht der Fall ist, bereits durch geringes Abblenden ihr Optimum erreichen.

Wie immer gilt: Ich halte MFT nicht für besser als andere Systeme. Größere Sensoren haben definitiv Vorteile. Ich will nur jenen entgegen treten, die die Nachteile des Systems größer darstellen als sie sind, und dann meist noch gleichzeitig die Vorteile klein reden. Jedes System hat Vor- und Nachteile und je unterschiedlicher die Systeme sind, die uns angeboten werden, desto größer die Chance, dass jeder das findet, was für ihn optimal ist.

Auflösung und Druckformat

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Wiederkehrend stößt man in der Fotografie auf die Frage, wie viel Auflösung eine Kamera denn eigentlich haben muss. Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, es kann niemals genug sein. Aber stimmt das? Wie viel Auflösung benötigt der Fotograf?

Die Antwort lautet wie immer: Es kommt drauf an! Es gibt tatsächlich Anwendungen in der Fotografie, für die die Auflösung kaum einmal zu viel sein kann. Das ist allerdings eher die seltene Ausnahme von der Regel! Tatsächlich haben Kameras heute in der Regel für das Gros der Anwender und die meisten Aufgaben mehr als genug Auflösung. Ich würde behaupten für 99,9% der Aufgaben von 99,9% der Aufgaben. Mindestens!

Und was ist mit den restlichen <99,9%? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Ebenso wie die Frage, ob es Sinn macht, einen LWK statt eines PKWs anzuschaffen, weil man möglicherweise irgendwann einmal etwas transportieren muss, mit dem der Kombi überfordert ist. Für mich persönlich ist weniger mehr. Deshalb fotografiere ich mit MFT und fahre eine Zweisitzer. Beides möchte ich nicht gegen Schwereres tauschen. Keinesfalls!

Heißt das, dass ich deshalb Abstriche bei der Qualität machen muss?

Nein! Denn mein Zweisitzer hat ein Dach aus Stoff, und mehr Lebensqualität als offen über ruhige Land- und Passstraßen zu fahren, kann mich mir nur schwer vorstellen.

Ja, ich weiß: Es geht hier um Fotografie. Aber die Antwort ist weitgehend dieselbe: Weniger ist mehr. Ich behaupte seit Jahren, dass 18 Megapixel (MP) genug für mich sind. Das war auch so, als ich mit Vollformat fotografiert und mit der Nikon D7100 und D600 24MP erreicht habe. Eigentlich zu viel des Guten.

4K Video kommt mit knapp 9MP aus (Wikipedia über UHD). Das heißt, mit 18MP erfüllt man den Bedarf doppelt.

Für Drucke und Fotoabzüge wird üblicherweise eine Ausgabeauflösung von 300ppi empfohlen. Bei der Ausgabe eines Digital­bildes mit 300ppi entspricht ein Pixel etwa 0,08 mm. Das ist so klein, dass die Augen die Pixel bei einem für Fotoabzüge, Foto­alben, Bücher, Folder, Broschüren oder Magazine üblichen Be­trachtungs­abstand von 30cm nicht mehr einzeln erfassen ­können.

Für Abzüge im Format von 9cm × 13cm sind bei 300 ppi etwa 1,6 MP erforderlich, das sind 1053px × 1535px (px = Pixel). Für A4 sind 8,7MP notwendig, für A2 34,8MP und für A1 müsste eine Kamera 140MP auflösen. Mittelformat­kameras er­reichen heute 150 MP, wofür das Budget eines Mittel­klassewagens zu kalku­lieren ist. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie viel Megapixel bei verschiedenen Standardgrößen erforderlich sind um mit 300ppi drucken zu können.

Format Maße Megapixel Bildgröße in Pixel
Fotoabzug 90 mm × 130 mm 1,6 MP 1053 × 1535
Fotoabzug 130 mm × 180 mm 3,3 MP 1535 × 2126
A4 210 mm × 297 mm 8,7 MP 2480 × 3508
A3 297 mm × 420 mm 17,4 MP 3508 × 4961
A2 420 mm × 594 mm 34,8 MP 4961 × 7016
A1 594 mm × 841 mm 70,0 MP 7016 × 9933
A0 841 mm × 1189 mm 140,0 MP 9933 × 14043

Wie gesagt: Da ich in der Praxis nicht über A3 drucke, sind 18MP genug für mich. Das heißt allerdings nicht, dass ich damit nicht größer drucken könnte. Tatsächlich ließen sich mit den Auflösungen meiner Kameras auch Großflächenplakate ohne den geringsten Qualitätsunterschied zu Aufnahmen die mit Pixelmonstern erstellt wurden drucken.

Aufnahme einer Seite eines Grundlagenexkurses über Auflösung aus meinem Buch »Adobe InDesign – Schritt für Schritt zum perfekten Layout«.

Die Abbildung oben zeigt eine Seite aus meinem Buch »Adobe InDesign – Schritt für Schritt zum perfekten Layout« – ähnliche Seiten gibt es auch in meinen Photoshop- und Affinity-Photo-Workshop-Büchern, sowie in meiner kreativen Fotoschule. Die Abbildungen geben dasselbe Bild in unterschiedlichen Auflösungen wieder. Sie veranschaulichen den Zusammenhang zwischen Auflösung und Detailschärfe im Druck. Die Wiedergaben zeigen, dass kein sichtbarer Qualitätsunterschied zwischen 300ppi und 250ppi besteht. Selbst bei der Hälfte der empfohlenen Druckauflösung von 300ppi – bei 150ppi – sticht ein Qualitätsmangel nicht unmittelbar ins Auge. Man muss das Bild schon genau betrachten und näher als die beim Leben üblichen 30cm an das Bild herangehen um den Unterschied in der Detailschärfe zur 300ppi-Abbildung zu erkennen.

Eindeutig sichtbar ist der Qualitätsmangel erst bei einer weiteren Halbierung der Auflösung. Bei 72ppi ist die pixelige Struktur der Bildauflösung deutlich zu sehen. Allerdings auch nur aus dem üblichen Betrachtungsabstand von 30cm. Schon aus einer Distanz von 1m muss man wohl im wahrsten Sinne des Wortes über ein Adlerauge verfügen, um die Pixel noch immer ausmachen zu können.

Ich habe diese Beispiele schon vielfach mit Teilnehmern meiner Kurse betrachtet und besprochen. Ab einer Entfernung von 2m kann selbst bei einer Auflösung von 30ppi kaum mehr jemand einen Qualitätsmangel feststellen.

1m gilt als üblicher Betrachtungsabstand für A2-Poster, ­weshalb dafür 90ppi ausreichen. Bei Großflächen­plakaten mit 252cm × 356cm und größer nimmt man Betrachtungsabstände von 5m und mehr an. Sie werden meist mit etwa 30ppi gedruckt. Dafür genügen 12,5MP. Mehr Auflösung würde bei solchen Plakaten auch gar nichts bringen, da die Druckraster so grob sind, dass feinere Auf­lösungen verloren gehen. Bei ­Postern, die meist ebenso fein gerastert gedruckt werden wie ­Bücher und Broschüren, ­haben ­Reserven allerdings den Vorteil, dass auch ein Betrachter, der den angenommenen Abstand unter­schreitet, feine Details zu ­sehen bekommt. Ich persönlich würde allerdings kein Vermögen ausgeben, nur um für ­solche Ausnahmefälle mit Details glänzen zu können.

Die folgende Tabelle zeigt, was für Betrachtungsabstände für verschieden große Poster und Plakate angenommen werden, und was für Auflösungen dafür erforderlich sind.

Format Abstand Auflösung Megapixel
A2 1m 90ppi ≈ 2,2MP
A1 2m 60ppi ≈ 2,8MP
A0 3m 45ppi ≈ 3,2MP
Plakat 252cm × 356cm 5m 30ppi ≈ 12,5MP

Wer beim Ausdruck 300ppi keines­falls unterschreiten möchte, erreicht mit 18MP knapp A3, mit 36MP etwa A2 und mit 50MP 50cm × 75cm. Bei einer Auflösung von 250ppi geht es jeweils auch etwas größer, ohne dass irgendjemand selbst aus nächster Nähe einen relevanten Unterschied wird erkennen können.

MP ≈ Format bei 300ppi
18MP 297mm × 420mm
24MP 340mm × 500mm
36MP 400mm × 600mm
50MP 500mm × 750mm

Das Beitragsbild oben über dem Artikel, zeigt zwei Bilder die bei mir Zuhause in Wechselrahmen an der Wand hängen. Ich tausche die Aufnahmen in den Rahmen seit Jahren regelmäßig aus. Es befanden sich bereits Bilder von 12MP-, 16MP-, 20MP- und 24MP-Kameras darin. Ich glaube nicht, dass jemals jemand einen Qualitätsunterschied ausmachen konnte – mir jedenfalls ist niemals ein relevanter Unterschied aufgefallen.

Der Inhalt dieses Artikels basiert auf einem Grundlagenexkurs aus meinem Buch »Die kreative Fotoschule«, das am 22.2.2019 erscheint.

Vollformat vs. Micro FourThirds in Sachen Bildqualität

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Die Vorstellung der Olympus OM-D E-M1X hat die Diskussionen über die Bildqualität von Micro FourThirds, und ob sie professionellen Ansprüchen gerecht wird, wieder einmal kräftig hochkochen lassen. Als leidenschaftlicher Tierfotograf der auch bei Regen hinaus möchte, finde ich das neue Modell durchaus attraktiv. Das Preisschild von 3000 Euro schreckt mich wenig, hatten doch meine Vollformatkameras stets deutlich über 2000 Euro gekostet, ohne dabei die Möglichkeiten von Olympus’ neuem Flaggschiff zu bieten.

Ich finde es ja interessant, dass manche Foto-Blogger und YouTuber Systeme, die nicht ihren eigenen Vorlieben entsprechen, madig zu machen. Selbstverständlich ist es legitim State-of-the-Art-Rauschverhalten und geringste Schärfentiefe für sich zur höchsten Priorität zu erklären. Aber deshalb sind Fotografen die andere Prioritäten wählen weder unprofessionell noch Idioten. Offener und toleranter schienen MFT-Fotografen allerdings zu sein, zumindest könnte ich mich nicht erinnern schon einmal von einem MFT-Fan gehört zu haben, dass er Vollformat schlecht redet. Wir MFT-Freunde kennen die Limits unseres Systems, aber wir kennen auch seine Vorzüge und wir erlauben uns andere Prioritäten zu haben als der Mainstream.

Dabei ist es nicht einmal so, wie mancher Vollformat-Fan es darstellt, dass MFT ein etwas kompakteres System mit viel schlechtere Abbildungsqualität ist. Nein, ist es ein viel kompakteres System – jedenfalls wenn wir davon ausgehen, dass zur Kamera Objektive gehören –, das etwas früher an die Grenzen der Abbildungsqualität stößt. Grenzen, die nur unter bestimmten Situationen relevant und die für die meisten Fotografen irrelevant sind.

Ich habe 2015 einen Vergleichstest mit einer OM-D E-M1 (16MP) und einer Nikon D810 (36MP) mit einer der angeblich schärfsten Vollformatlinsen gemacht. Ja, die Vergleichsaufnahmen zeigten Unterschiede. Unterschiede, die man auch erkennt, wenn man die Bilder sehr groß wiedergibt und genau in Augenschein nimmt.

Das unten eingebettete Video zeigt einen ähnlichen, noch etwas eindrücklicheren Vergleichstest. Ein Fotograf macht Aufnahmen mit einer Vollformat-DSLR und einer E-M1 II, lässt je zwei Aufnahmen einen Meter groß printen und fragt den erfahrenen Drucker, welche der Aufnahmen mit welcher Kamera entstand. Trefferquote: 50:50. Also so gut wie gewürfelt.

Nachdem gestern mein neues Buch – meine komplett überarbeitete »kreative Fotoschule« (Verlag | Amazon-Affiliate-Link) – in Druck gegangen ist, war endlich wieder Platz für etwas Anderes als Schreiben. Ich nutzte die Zeit mich über die E-M1X und in Folge über die Diskussionen zu Leben und Sterben von MFT zu informieren.

Was mir immer wieder auffällt, ist, dass MFT-Gegner Qualitätsfetischisten sind – Pixelpeeper möchte ich behaupten. MFT-Fotografen haben offensichtlich andere Prioritäten. Immer wieder höre ich Sätze, wie »MFT hat mir die Freude am Fotografieren zurückgebracht« oder »noch nie hat mir Fotografieren so viel Spaß gemacht«. Letzterer Satz war auch von mir zu hören, als ich begann mit der Olympus OM-D E-M5 zu fotografieren.

Ich hatte mir die E-M5 2013 als kompakte Zweitkamera neben der Nikon D600 zugelegt. Nichts lag mir damals ferner, als der Gedanke, mit ihr meine Vollformatkamera zu ersetzen. Allerdings machte ich nicht nur die Erfahrung, dass Fotografieren mit der E-M5 mehr Spaß macht – und ich liebe Spaß! –, sondern auch, dass ihre Aufnahmen für meinen Bedarf – Ausgabe bis maximal A3+ – nicht weniger gut aussehen, als die Ergebnisse der D600. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich ein Bild aufgenommen hatte, es mir am Display der Kamera ansah und mir dachte, weshalb schleppe ich eigentlich diese Vollformatmonster durch die Gegend, wenn dieser Zwerg solche Ergebnisse liefert.

Damals fotografierte ich noch deutlich mehr Porträts als heute, zuletzt bevorzugt mit der D600 und einem Nikkor 85mm ƒ1.8 (LP 629 Euro). Die E-M5 wäre mir zu kompakt gewesen um Foto-Sessions damit zu fotografieren. Doch als die E-M1 erschien versuchte es mit ihr und einem M.Zuiko 45mm ƒ1.8 (LP 329 Euro | Amazon-Affiliate-Link). Ich kann nicht im Geringsten erkennen, in welcher Beziehung die Resultate der D600 besser gewesen sein sollten, wie die der MFT-Kamera.

Ja, Vollformat liefert geringere Schärfentiefe. Aber wer sich wirklich mit Bokeh befasst, sollte wissen, dass seine Qualität nicht allein an der Schärfentiefe hängt. Es hängt – in meinen Augen noch viel mehr – daran, ob es weich oder harsch ausfällt. Und nach den Erfahrungen die ich mit verschiedensten Linsen von Nikon, Sigma, Olympus und Panasonic machte, habe ich den Eindruck gewonnen, dass MFT-Objektive samtigere Bokehs liefern, jedenfalls so lange man Objektive verleiht, die preislich nicht völlig unterschiedlichen Welten entstammen.

Die meisten MFT-Fotografen, die auf YouTube oder in Blogs berichten, sind denselben Weg gegangen wie ich: Sie haben mit Vollformat fotografiert und irgendwann den Wechsel zu MFT gemacht. Ich denke, die meisten von uns haben gemein, dass wir keine Idioten sind, die keine Ahnung von Bildqualität haben, sondern wir haben uns genau überlegt, was wir tun, und weshalb. Ich für meinen Teil, habe wohl schon Pixel analysiert, da waren viele, die meinen MFT würde ihren Qualitätsansprüchen nicht gerecht, noch nicht einmal geboren.

Wer glaubt, in der Fotografie drehe sich alles um rauschfreie Aufnahmen mit geringster Schärfentiefe, soll seine Finger von MFT lassen und sich eine Vollformatkamera zulegen, oder besser gleich Mittelformat.

Alle anderen, für die in der Fotografie Freude und Spaß daran im Vordergrund steht: Schaut euch die verschiedenen MFT-Modelle an!

Mehr über Vollformat vs. MFT: MFT, APS-C, Vollformat oder gleich Mittelformat? Wie viel Sensor braucht der Mensch?