Direkt zum Inhalt

Kategorie: Fotoschule Online

2.8. Blende bewusst kreativ einsetzen

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Sehen wir uns die Erkenntnisse des letzten Artikels in der Praxis an: Die aus gewählter Brennweite und Distanz resultierende Schärfentiefe wird durch die Wahl der Blende angepasst beziehungsweise korrigiert. Möchte ich das eigentliche Hauptmotiv vor dem Hintergrund hervorheben führt eine geringe Abblendung (offene Blende) zu kurzer Schärfentiefe und weichgezeichnetem Hintergrund. Möchte ich sowohl den Vordergrund als auch den Hintergrund deutlich erkennbar abbilden, dann führt kräftige Abblendung (Blende schließen) zu großer Schärfentiefe und detailreicher Wiedergabe sowohl naher als auch ferner Elemente. Nach der kreativen Kernfrage über die gewünschte Perspektive folgt die kreative Kernfrage über die Schärfe.

Der Vergleich der beiden folgenden Abbildungen verdeutlich noch einmal den Unterschied in der Bildwirkung ob die Blende offen ist oder geschlossen.

Krabbler offeneblende Die drei Stofftierchen sind hier bei Brennweite 28 mm und offener Blende ƒ2.0 fotografiert worden. Die Schärfentiefe ist kurz (kleine Blendenzahl = kurze Schärfentiefe).
Krabbler geschlosseneblende Ebenfalls mit Brennweite 28mm aus derselben ­Distanz, jedoch mit Blende ƒ8.0. Die Schärfentiefe ist weit.

Noch einmal zur Erinnerung: Die Schärfentiefe resultiert nicht aus der Blendeneinstellung allein! Brennweite (siehe ›Schärfentiefe und Brennweite‹), Abstand (siehe ›Schärfentiefe und Distanz‹) und Sensorformat (siehe ›Sensorformat und Schärfentiefe‹) haben einen ebenso bedeutenden Einfluss wie die Blende.

Aber:

  • Die Distanz zum Motiv wird primär durch die Größe der abzubildenden Objekte bestimmt. Die Überlegung, welche Auswirkung eine bestimmte Distanz auf die Schärfentiefe der Aufnahme hat, spielt bei der Aufnahme keine Rolle. Oder anders gesagt: Kein Fotograf wird eine bestimmte Distanz wählen, nur weil er sich davon eine bestimmte Schärfentiefe erwartet.
  • Die Brennweite wird normalerweise ebenso wenig wegen ihrer Auswirkung auf die Schärfentiefe gewählt. Meist ist sie entweder Resultat aus einer langen Distanz, die der Fotograf nur mit Hilfe eines Teleobjektivs überwinden kann, einer kurzen Distanz, die eine Abbildung nur mit Weitwinkel erlaubt (zum Beispiel wenn man eine Fassade in einer engen Gasse fotografieren möchte), oder aber der Fotograf möchte mit der Brennweite eine bestimmte perspektivische Wirkung erzielen.
  • Das Sensorformat ist Resultat der Kaufentscheidung des Fotografen. Die wenigsten Fotografen nehmen drei, vier oder fünf Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten mit auf den Weg, um damit unterschiedliche Schärfentiefewirkungen erzielen zu können.

Deshalb bleibt als wichtigstes Werkzeug zur Steuerung der Schärfentiefe die Blende übrig.

Aber: Kompaktkamera | Da Kompaktkameras, wie bereits mehrfach in dieser Serie erwähnt, in der Regel sehr viel kleinere Sensoren haben, als Spiegelreflexkameras, erzeugen sie damit automatisch eine sehr viel höhere Schärfentiefe, als ihre größeren Brüder und Schwestern. Der Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe ist bei diesen Kameras lediglich bei Aufnahmen aus nächster Nähe wirklich relevant (also bei Makro-Aufnahmen). Bei Canons Edel-Kompakten G12 beträgt die Schärfentiefe bereits bei einem Abstand von zwei Metern, 50mm Brennweite und Blende ƒ2.8 einen knappen Meter. Selbst wenn sich ein hässlicher oder nichtssagender Hintergrund fünf Meter hinter einer porträtierten Person befindet, erfolgt dessen Abbildung scharf genug um die Wirkung des Bildes zu zerstören. Zum Vergleich: Bei einer Kleinbildkamera beträgt die Schärfentiefe auf dieselbe Distanz, mit derselben Brennweite und derselben Blendeneinstellung 14cm. Alles was sich einen Meter oder mehr dahinter befindet wird schon dermaßen weichgezeichnet, dass es kaum mehr zu erkennen ist. Eine porträtierte Person ist dadurch deutlich vom Hintergrund freigestellt.

Das ist der Irrtum vieler Fotografen, die sich für eine Kompaktkamera mit kreativen Einstellmöglichkeiten entscheiden. Sie erwarten mit Einstellmöglichkeiten für Zeitvorwahl, Blendenvorwahl und manueller Belichtungseinstellung ähnliche Ergebnisse erzielen zu können, wie an einer SLR. Doch solange die Bildsensoren so klein bleiben wie sie derzeit bei kompakten sind, ist der nutzen dieser kreativen Modi bei einer Kompakten fast zu vernachlässigen.

Die meisten ambitionierten SLR-Fotografen fotografieren im Belichtungsprogramm Blendenvorwahl, weil sie durch bewusste Auswahl der Blende die Schärfentiefe kreativ gestalten können. Sie lassen die Blende für kurze Schärfentiefe offen oder schließen sie für weite Schärfentiefe. Bei einer Kompakten bringt das meist wenig.

Das soll die Leistung moderner Kompakter nicht schmälern. Aber wer die Anschaffung einer Kamera plant sollte sich auch solcher Grenzen bewusst sein und wer eine Kompakte besitzt sollte die Einschränkungen noch vielmehr kennen.

Der Besitzer einer Kompaktkamera kann die Brennweite nicht frei wählen, wenn er ein Motiv durch kurze Schärfentiefe freistellen will. Eine akzeptable Freistellung erreicht er nur mit einer langen Brennweite – 100mm, 150mm oder mehr. Während der Spiegelreflex-Fotograf dem 4-Schritte-Konzept folgen kann, Distanz und Brennweite wählt und dann die Schärfentiefe über die Blendeneinstellung großzügig beeinflussen kann, muss der Kompaktkamera-Fotograf die Brennweite für die kreative Gestaltung der Schärfentiefe heranziehen. Sehr oft heißt es dann entweder Wunsch-Perspektive oder Wunsch-Schärfentiefe.

Wenn ich also eben behauptet habe, dass die Schärfentiefe vom Fotografen praktisch ausschließlich mit Hilfe der Blende gestaltet wird, gilt das in erster Linie für Fotografen mit Spiegelreflexkameras und Kameras mit vergleichbar großen Bildsensoren. Der Fotograf mit einer Kompaktkamera hingegen wird sehr wohl gelegentlich die Brennweite nutzen, um die Schärfentiefe kreativ zu beeinflussen. So wähle ich beim Porträt einer Person mit einer Kompakten ganz bewusst eine lange Brennweite (oft eine deutlich längere, als ich mit Spiegelreflex nutzen würde), damit ein allfällig unruhiger Hintergrund zumindest einigermaßen unscharf und das eigentliche Modell somit freigestellt wird.

Cent1 Aufnahme mit der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 bei 140mm Brennweite (KB). Die lange Brennweite sorgt hier für den unscharfen Hintergrund und eine sachliche, flache Darstellung der Münzen.
Cent2 Derselbe Münzstapel aus kürzester Distanz (wenige Zentimeter). Die perspektivische Wirkung ist komplett anders wie oben. Der unscharfe Hintergrund entsteht hier vor allem durch die extrem kurze Distanz.
Schluessel
Perspektive und Schärfentiefe ­machen auch aus alltäglichen ­Dingen durchaus interessante ­Objekte.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

2.7. Blende und Schärfentiefe

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Nach der vielen trockenen Theorie der letzten Artikel führen wir uns zwischendurch die Grundidee dieser Serie vor Augen, nämlich das Fotografieren nach den vier Schritten. Wo stehen wir mit unseren Betrachtungen im Moment:

  1. Für den ersten Schritt haben wir uns mit der Perspektive befasst und uns angesehen, wie man sie über Brennweite, Distanz und Blickwinkel (frontal oder diagonal, von unten, aus Augenhöhe oder von oben) kreativ beeinflussen kann.
  2. Ziel des zweiten Schrittes ist die kreative Gestaltung der Schärfe.
  3. Ziel des dritten Schrittes ist eine korrekte Belichtung.
  4. Im vierten Schritt schließen wir mit der Komposition des Bildausschnitts ab.

Nun beschleicht uns irgendwie das Gefühl, dass wir beim siebten Artikel im Abschnitt ›Schärfe‹ angekommen sind und noch immer nicht genau wissen, wie man die Schärfe kreativ beeinflusst.

Klar: Wir haben uns darüber unterhalten, dass die Brennweite Auswirkung auf die Schärfentiefe und ebenso die Distanz Auswirkung auf die Schärfentiefe hat.

Aber dann haben wir uns über die Blende unterhalten und dabei fast ausschließlich über Belichtung gesprochen. Der kreativen Beeinflussung der Schärfe scheinen wir noch nicht so recht näher gekommen zu sein. Haben wir uns verlaufen?

Keineswegs. Es war nur notwenig einige Grundlagen zu klären um die folgenden Zusammenhänge besser verstehen zu können.

Tatsache ist, dass durch die Auswahl einer bestimmten Brennweite auf eine bestimmte Distanz die Schärfentiefe bereits vorbestimmt wird (siehe auch ›Schärfentiefe‹). Mit einer kurzen Brennweite, wie zum Beispiel 24mm, werde ich immer schon eine weite Schärfentiefe vorprogrammiert haben, mit einer langen Brennweite, wie 200mm, ist bereits eine geringe Schärfentiefe der Fall.

Die Schärfentiefe wird zunächst von Brennweite und Disanz beeinflusst.

Ergänzend zu diesem Merksatz muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass auch das Format des Abbildungsmediums, also bei Digitalkameras des Sensors, einen wesentlichen Einfluss auf die Schärfentiefe hat. Das ist vor allem wichtig um den Unterschied zwischen Spiegelreflex- und Kompaktkamera zu verstehen.

Um die durch Brennweite und Distanz vorgegebene Schärfentiefe zu verändern beziehungsweise korrigieren zu können, kommt die Blende ins Spiel. Mit ihr können wir einstellen ob wir sowohl Vorder-, Mittel- und Hintergrund mit großer Schärfentiefe scharf aufnehmen wollen, oder durch geringe Schärfentiefe ein Objekt vom Hintergrund freistellen möchten.

Der Merksatz für die Auswirkung der Blende auf die Schärfentiefe dazu lautet:

Je größer die Blendenöffnung, desto kürzer die Schärfentiefe.

Offene Blende Offene Blende für wenig Schärfentiefe.
Geschlossene Blende Geschlossene Blende für viel Schärfentiefe.

Große Öffnung = kleine Tiefe? Da haben wir wieder eine umgekehrte Logik im Merksatz. Für Alle die es einfach lieben:

Kleine Blenden­zahl
= geringe Schärfentiefe,
große Blendenzahl
= hohe Schärfen­tiefe.

Offenblende und Abblendtaste

Die Blende beeinflusst also Lichtmenge und Schärfentiefe. Wer kein kompletter Neueinsteiger ist, dem war das sicher schon bekannt.

Das Autofokus-System (AF – die Elektronik, die für das Scharfstellen sorgt) einer Kamera arbeitet am schnellsten und zuverlässigsten, wenn es den Bereich, auf den es scharf stellen soll, ausreichend hell sieht. Schließt der Fotograf die Blende für eine hohe Schärfentiefe, dann wird das Bild nicht nur für den Sensor, sondern auch für das AF-Messsystem dunkler. So könnte es sein, dass das AF-System bei Blende ƒ8, ƒ11 oder ƒ22 den zu ­fokussierenden Bereich bereits so dunkel sieht, dass ein Scharfstellen gar nicht mehr möglich ist. Um das zu verhindern, bleibt die Blende so lange man durch den Sucher blickt offen. Nur in dem kurzen Moment, in dem man den Auslöser drückt und das Bild aufgenommen wird, schnellt die Blende kurz auf die voreingestellte Größe zu, um anschließend sofort wieder in die Offenstellung zu springen.

Als Beispiel, um den Sachverhalt näher zu illustrieren, habe ich noch einmal das Motiv mit den fünf Spielkegeln herangezogen. Betrachten wir es mit einem Objektiv mit der Lichtstärke 1.8 durch den Sucher, dann sieht das aus wie in Abbildung unten.

F1 8sucher So sieht das Motiv bei Blende ƒ1.8 durch den Sucher aus. Scharf gestellt wurde auf den roten Kegel. Da die Schärfentiefe bei ƒ1.8 gering ausfällt sind die Kegel unmittelbar davor und dahinter unscharf.

Schließen wir die Blende auf ƒ22, dann erhält die Aufnahme eine höhere Schärfentiefe und müsste aussehen wie in der folgenden Abbildung.

F22sucher So müsste dasselbe Motiv bei Blende ƒ22 aussehen. Bei Blende ƒ22 ist die Schärfentiefe groß und deshalb müssten die Kegel vor und hinter dem roten, auf den scharf gestellt wurde, auch deutlich schärfer angezeigt werden, als bei Blende ƒ1.8.

Tatsächlich jedoch sieht man das Bild im Sucher nach wie vor bei der Offenblende, also bei einem Objektiv mit Lichtstärke 1.8 mit der Schärfentiefe von Blende ƒ1.8.

Um die Schärfentiefe eines Motivs im Sucher überprüfen zu können, muss die Blende auf die eingestellte Öffnung geschlossen werden. Zu diesem Zweck verfügen viele SLR-Kameras über eine sogenannte Abblendtaste.

Abblendtaste Abblendtaste (1) einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Drückt man diese Taste drücken und hält sie gedrückt, dann schließt sich die Blende auf den eingestellten Wert. Das Verkleinern der Blendenöffnung hat aber nicht nur zur Folge, dass die Kamera das Motiv dunkler sieht, sondern auch im Sucher wird es plötzlich zappenduster.

F22abblenden So etwa sieht man ein Motiv bei ­Blende ƒ22, wenn die ­Abblendtaste gedrückt wird.

Das ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht zu vermeiden, wenn man die Schärfentiefe vor der Aufnahme beurteilen will.

Um die Schärfentiefe im Sucher beurteilen zu können muss man die Abblendtaste drücken.

Titel Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
Link zu Amazon
Link zu Books on Demand
Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 35,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

2.6. Lichtwert und Offenblende

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Wie zuletzt beschrieben halbiert beziehungsweise verdoppelt ein ganzer Blendenschritt die Lichtmenge. Einen Schritt, der zu einer Verdoppelung oder Halbierung der Lichtmenge führt, bezeichnet man als ›1 Lichtwert‹ (1 LW).

Lichtwert

Im Fotografenjargon heißt es statt dessen oft »belichte doch hier einmal eine Blende länger« oder »reduziere die Belichtung einmal um zwei Blenden«. Damit will der Fachmann nicht unbedingt zum Ausdruck bringen, dass wir zwingend die Blende verändern müssen. Er meint lediglich, dass eine Belichtungs­einstellung, die die Lichtmenge halbiert (eine Blende) oder viertelt (zwei Blenden), in dieser Situation von Vorteil wäre. Ob diese Einstellung über Anpassung der Blende, über Belichtungszeit oder ISO-Empfindlichkeit vorgenommen werden soll, ist damit nicht zwingend ausgesagt.

Einmal mehr bevorzuge ich die klare Aussage und spreche lieber von »Lichtwert heller« und »Lichtwert dunkler« belichten. Blickt man im manuellen Belichtungsmodus einer Kamera durch den Sucher und tippt den Auslöser leicht an, denn erscheinen verschiedene Informationen. In der Regel ist dabei auch eine Skala, wie in der Abbildung unten, dargestellt.

Nikon sucher Die Belichtungsskala im Sucher einer Nikon D7000. Auf der Seite mit dem + befindet sich Über-, auf der Seite mit dem – Unterbelichtung. Die Skala zeigt an, dass eine Unterbelichtung von –1 LW vorliegt.

In der Mitte dieser Skala befindet sich der 0-Punkt (3) der die optimale Belichtung kennzeichnet (oder das, was die Kamera für das aktuelle Motiv für eine optimale Belichtung hält). Unter (1) oder neben der Skala (bei anderen Kameras wird die Skala nicht wie bei Nikon unten, sondern seitlich angezeigt) wird angezeigt um wie viele Lichtwerte bei der eingestellten Kombination aus Blende, Zeit und Empfindlichkeit unter- beziehungsweise überbelichtet würde. Die Punkte (2) stellen ganze Lichtwertschritte (Blendenschritte) dar.

Im Beispiel oben zeigt die Skala eine Unterbelichtung von einem Lichtwert an (4). Für eine optimale Belichtung müsste ich nun die Blende um einen ganzen Schritt öffnen, beispielsweise von ƒ8 auf ƒ5.6. Oder die Belichtungszeit verdoppeln. Oder die Empfindlichkeit verdoppeln.

Dasselbe gilt meist auch für das Display einer Kompaktkamera oder einer SLR im Live-View-Modus.

Belichtungskorrektur 1 Das Display der Canon PowerShot hier zeigt Unterbelichtung – auf der linken und Überbelichtung + auf der rechten Seite an. Der grüne Punkt zeigt an, dass eine Unterbleichtung von –1 LW vorliegt.

Für den Moment wollen wir das Thema der Belichtung nicht weiter vertiefen, denn wir werden es in den Artikeln zum 3. Schritt, Belichtung, ausgiebig damit beschäftigen. Im Moment bewegen wir uns auf das eigentliche Kernthema des Themas Schärfe zu, nämlich der Schärfentiefe, die sich ganz wesentlich mit der Blende beeinflussen lässt. Für den Moment ist vor allem von zentraler Wichtigkeit, dass ein ganzer Lichtwert alles ist, was die Lichtmenge verdoppelt oder halbiert, egal ob das durch einen ganzen Blendenschritt, durch Veränderung der Zeit oder Veränderung der Empfindlichkeit geschieht.

+1 Lichtwert verdoppelt,
–1 Lichtwert halbiert
die Lichtmenge.

Offenblende und Lichstärke

Die größtmögliche Blendenöffnung unterscheidet sich von Objektiv zu Objektiv. Die maximale Blendenöffnung wird als Offenblende bezeichnet. Die maximale Blendenöffnung definiert die Lichtstärke von Objektiven. Lichtstarke Objektive sind deutlich teurer als eher lichtschwache. Der Name Lichtstärke spricht schon einen wesentlichen Punkt dessen an, was mit einer größeren Blendenöffnung möglich ist: Das Objektiv lässt mehr licht durch und deshalb kann man damit noch fotografieren, wenn es für lichtschwächere nicht mehr reicht. Das ist aber nur ein Vorzug lichtstarker Objektive. Der andere hat mit dem Thema dieses Abschnitts zu tun: Der Schärfe. Durch die Blendenöffnung lässt sich die Schärfentiefe beeinflussen. Je größer ich an einem Objektiv die Blende aufreißen kann, desto kürzer fällt die Schärfentiefe aus. Mehr Lichtstärke bedeutet demnach also auch mehr kreativen Spielraum im Umgang mit Schärfentiefe. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt.

Blende f22 Blende ƒ22 mit dem Sigma 24mm ƒ1.8 sorgt selbst auf kürzeste ­Distanz noch für relativ große Schärfentiefe.
Blende f1 8 Man kann aber mit demselben ­Objektiv auf dieselbe Distanz mit Blende ƒ1.8 ein sehr viel luftigeres Bild gestalten und die Aufmerksamkeit des Betrachters über den selektiven Schärfepunkt lenken.
Blende f5 6 Mit einem weniger Lichtstarken Objektiv und Blende ƒ5.6 verringert sich die Schärfentiefe zwar auch, aber der Unterschied zu Blende ƒ22 ist nicht mehr besonders ausgeprägt.

Lichtstarke Objektive mit großen Offenblenden erhöhen den kreativen Spielraum.

Aber aufgepasst beim Fotografieren mit Offenblende: Wer auf maximale Schärfe seiner Fotos Wert legt, sollte es vermeiden generell mit vollständig geöffneter Blende zu fotografieren. Objektive liefern nicht über den gesamten Bereich von Offenblende bis kleinster Blendenöffnung gleichbleibende Schärfe. Meist erhält man irgendwo im mittleren Bereich die maximale Abbildungsschärfe – zum Beispiel im Bereich von Blende 8. Sehr oft genügt aber auch schon ein geringeres Abblenden um deutlich schärfere Resultate zu erzielen – also zum Beispiel Blende ƒ4 statt ƒ2.8. In welchem Blendenbereich die maximale Abbildungsschärfe zu erzielen ist, unterscheidet sich von Objektiv zu Objektiv.

Um den Unterschied zu demonstrieren habe ich einmal meine zwei 50 mm Objektive einem Vergleichstest unterzogen.

1 8 1 8 1 4 1 4
1 8 8 1 4 2
Oben: Ein preiswertes 50mm 1.8 Objektiv bei Blende 1.8. Selbst im Zentrum der Linse fällt das Resultat verhältnismäßig flau und unscharf aus.
Unten: Die maximale Schärfe habe ich mit diesem Objektiv erst bei Blende ƒ8 erreicht.
Oben: Bei einem hochwertigeren 50mm ƒ1.4 ist das Resultat mit Offenblend ƒ1.4 zwar etwas kontrastreicher, als beim ƒ1.8 daneben, aber ebenfalls relativ unscharf.
Unten: Das 50mm 1.4 erreicht aber bereits bei Blende ƒ2 die Schärfe, die das 1.8 bei ƒ8 erzielt.

Ich muss zu den beiden Tests oben allerdings anmerken, dass mir keine Laborbedingungen für Kamera- und Objektivtests zur Ver­fügung stehen. Kompetentere Urteile über Kameraausrüstung findet man zum Beispiel bei dpreview.com.

Bei den meisten Objektiven muss man etwas abblenden um die maximale Schärfe zu erreichen.

Ich persönlich bin kein absoluter Schärfe-­Fetischist. Ich kann mich zwar durchaus für knackscharfe Abbildungen begeistern und gebe gute, scharfe Optiken auch etwas aus. Doch am Ende zählt für mich das Bild und nicht die Schärfe. Wäre ich allerdings Architektur- oder Landschaftsfotograf, würde ich das sicher anders sehen. In diesen Genres kommt es sehr wohl auf das letzte Quäntchen Schärfe in allen Ecken und Enden der Abbildung an. Schließlich will der Betrachter dieser Art von Fotografien oft jedes Detail erkunden – da kann man sich Unschärfe nicht leisten.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

2.5. Blendenschritte

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

›Die Blende‹ wird in der Regel in einer für den Einsteiger nur schwer nachvollziehbaren Zahlenreihe angegeben. Da gibt es Werte wie 1.8, 2.0 und 5.6. Manchmal wird diesen Zahlen ein ›ƒ‹ oder ein ›F‹ vorangestellt und manchmal auch ›1:‹.

Beschäftigt man sich eingehender mit diesen Zahlen – sie haben ja große Bedeutung für die Fotografie – wird man durch den Umstand verwirrt, dass große Zahlen zu kleinen Blenden zu gehören scheinen und kleine Zahlen zu großen Blenden. Klingt unlogisch, ist es aber nicht, wenn man die falsch etablierten Bezeichnungen richtig stellt.

ƒ steht für ›focal length‹ | Stellen wir uns als erstes die Frage wofür das ›ƒ‹ vor den Blendenzahlen steht: Es steht für den englischen Begriff ›focal length‹, zu deutsch ›Brennweite‹.

Erinnern wir uns daran, dass ein Objektiv mit einer Brennweite von 200mm theoretisch 200mm lang ist. Das ist ein ganz schön langes Rohr. Wie man sich vorstellen kann, kommt durch einen langen Tunnel nicht so viel Licht in einen Raum, wie durch einen kurzen. Vergleichbar verhält es sich mit Objektiven: Eine lange Brennweite lässt weniger Licht zum Sensor durch als eine kurze. Damit die Lichtmenge, die ein Blendenventil in einem langen Objektiv durchlässt, mit der eines kurzen vergleichbar ist, hat man sich entschieden die Werte so anzulegen, dass sie in Beziehung zur Objektivlänge (›focal length‹) stehen.

ƒ2.0 zum Beispiel stellt eine verkürzte Schreibweise von ƒ1/2.0 beziehungsweise ƒ1/2 dar. Übersetzen kann man das so, dass auf der Objektivlänge (Brennweite = ›focal length‹ = ƒ) diese Blendenöffnung zweimal Platz hätte.

Blende f2 Bei Blende ƒ2.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung zweimal auf die Objektivlänge ­umlegen.
  • Blende ƒ4.0 bedeutet also, dass der Durchmesser der Blendenöffnung viermal auf die Objektivlänge geht ,
  • bei Blende ƒ8.0 achtmal,
  • bei Blende ƒ16 sechzehn mal,
  • und so weiter.
Blende f4 Bei Blende ƒ4.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung viermal auf die Objektivlänge ­umlegen.
Blende f8 Bei Blende ƒ8.0 lässt sich der Durchmesser der Blendenöffnung achtmal auf die Objektivlänge ­umlegen.

Oder eben anders herum:

  • Bei Blende ƒ4.0 ist der Durchmesser der Blendenöffnung ein Viertel der Objektivlänge,
  • bei ƒ8.0 ein Achtel
  • und bei ƒ16 ein Sechzehntel.

Man kann die Blendenzahlen also genauso gut als Bruch lesen, also ƒ2.0 bedeutet 1/2 Objektivöffnung, ƒ4.0 1/4 Objektivöffnung und so weiter. Die Blendenzahl stellt darin den Nenner des Bruches dar. Je größer die Zahl, desto kleiner der Bruch. 1/2 ist größer als 1/4. 1/4 ist größer als 1/8. 1/8 ist größer als 1/16 und so weiter. Hat man die Blendenzahlen auf diese Weise verstanden wird klar, weshalb eine große Zahl eine kleinere Öffnung bedeutet.

Größere Blendenzahlen stehen für kleiner Blendenöffnungen und somit für geringere Lichtstärke.

Merkhilfen | Wir wissen nun woher es rührt, dass eine größere Zahl für eine kleinere Blendenöffnung steht. Mir persönlich liegt dieses um-zwei-Ecken-Denken nicht. Ich bevorzuge die direkte Logik, wie: »Kleine Blende = geringe Schärfentiefe«. Manche tun sich leichter »kleine Zahl = große Blendenöffnung« zu merken, andere schwerer. Meine Unterhaltungen mit Amateurfotografen haben mir den Eindruck vermittelt, dass das um-zwei-Ecken-Denken anderen Fotografen ebenso wenig liegt, wie mir. Deshalb habe ich nach einfacheren Merksätzen gesucht.

In der Fotografie werden große Blendenzahlen oft als ›kleine Blenden‹ bezeichnet. Der Fotograf sagt »nimm da am besten eine große Blende« und meint damit »du solltest die Blende öffnen«.

Aber ist die Blende nicht dieses Lamellenventil im ­Objektiv? Wenn die Öffnung groß ist muss die Blende doch klein sein, oder nicht?

Offene Blende Ein große Blendenöffnung entsteht, wenn die Blendenlamellen zurückgezogen sind und somit die Blende klein ist = kleine Blendenzahl! Zum Beispiel Blende ƒ2.0.
Geschlossene Blende Eine kleine Blendenöffnung wird mit ausgefahrenen Blenden­lamellen und damit einer großen Blende erzeugt – zum Beispiel Blende ƒ16.

Richtig! Wenn jemand eine große Blendenöffnung als große Blende bezeichnet, dann ist das vom Sinn her eigentlich falsch! Tatsache ist: Ist die Blendenzahl klein, dann ist auch die Blende klein!
Und weshalb folgt alle Welt der verkehrten Bezeichnung? Weil »nimm eine große Blende« eine schlampige Abkürzung für »nimm eine große Blendenöffnung« ist.

Die landläufige Bezeichnung ›kleine/große Blende‹ steht für ›kleine/große Blendenöffnung‹.

Wenn ich fotografiere und über Fotografie nachdenke, dann stelle ich mir unter kleiner Blende eine kleine Blende vor. Das steht zwar entgegengesetzt zum etablierten Fotografenjargon, aber es hilft mir intuitiv und schnell zu arbeiten.

Tatsächlich steht eine kleine Blendenzahl für eine kleine Blende und eine große Blendenzahl für eine große Blende!

Unterhalte ich mich mit anderen Fotografen, spreche ich prinzipiell nicht von ›großer‹ oder ›kleiner‹, sondern von offener oder geschlossener Blende. Damit kann es weder Verwirrung noch Missverständnisse geben.

Darüber hinaus verwende ich oft den Begriff ›Ab­blenden‹. So spreche (und schreibe) ich vom ›geringen‹ oder ›starken Ab­blenden‹ wo man ansonsten von ›kleiner‹ und ›großer Blende‹ sprechen würde. Wenn ihr mit dem um-die-Ecke-Denken des etablierten Jargons keine Schwierigkeiten habt, dann brauchen euch diese Merksätze nicht zu kümmern. Mir hat es den Zugang zur Blende und den Blendenzahlen erleichtert und ich merke wie ich noch heute ins stocken gerate, wenn ich auf die etablierte Weise denken muss.

Blendenschritte und Blendenzahlen

Die Blendenzahlen folgen eigenartigen Schritten wie 1.4, 2.0, 2.8, 4.0, 5.6, 8.0 und so weiter. Im Grunde wäre das eine Frage für einen IQ-Test: »Setzen Sie diese Zahlenreihenfolge fort«.

Wenn man sich die Zahlenreihe einmal genauer ansieht und sie analysiert, fällt vielleicht auf, dass 2, 4 und 8 darin vorkommt – also eine jeweilige Verdoppelung – und 1.4, 2.8 und 5.6 – ebenfalls Verdoppelungen. Also würde man im Intelligenztest ausfüllen 11.2, 16.0, 22.4, 32 und so weiter. Damit hätte man den Test bestanden. Genau so baut sich die Reihe der ganzen Blendenschritte auf. Nur dass 11.2 auf 11 und demnach 22.4 auf 22 gerundet wird.

Blendentabelle
Zahlenreihe der ganzen Blendenschritte.

Es gibt viele verschiedene Schreibweisen für den Blendenwert: 2.0, ƒ2.0, ƒ2,0, ƒ2, F2, F1:2 (F1:2.8, F1:4 usw), 1:2, F1/2 (F1/2.8, F1/4 usw) und weiter und das Ganze auch noch in allen möglichen Kombinationen. Gemeint ist aber ­immer dasselbe. Willkommen in der Fotografie!

Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der Lichtmenge | Die Blendenschritte wurden so festgelegt, dass sich von einem Schritt zum nächsten die Blende soweit öffnet beziehungsweise schließt, dass sich die durchfallende Lichtmenge verdoppelt oder halbiert. Das heißt, wenn ich die Blendenöffnung von ƒ2.0 auf ƒ2.8 um einen ganzen Schritt schließe, halbiert sich die Lichtmenge. Wenn ich sie statt dessen auf ƒ1.4 um einen ganzen Schritt öffne, dann verdoppelt sich die Lichtmenge.

Ein ganzer Blendenschritt verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge.

Für Alle, die es genau wissen wollen: Der Faktor, der zur Halbierung beziehungsweise Verdoppelung der Lichtmenge führt, ist √2 (≈ 1,41). Daraus ergibt sich die (jeweils gerundete) Zahlenreihe: 1 × √2 ≈ 1,4; 1,4 × √2 ≈ 2,0; 2,0 × √2 ≈ 2,8; 2.8 × √2 ≈ 4,0; 4,0 × √2 ≈ 5,6; und so ­weiter.

Drittelschritte | Vielleicht ist euch bei dieser Erklärung bereits aufgefallen, dass ihr an euren Kameras schon andere Werte gesehen habt als die in der Tabelle der ganzen Blendenschritte oben. Oder euch ist eingefallen, dass es ja auch Objektive mit einer Lichtstärke von ƒ1.8 gibt. Das liegt daran, dass die ganzen Blendenschritte wie abgebildet natürlich kein Naturgesetz darstellen. Im Grund ließe sich die Blende stufenlos öffnen und schließen. Die ganzen Blendenschritte repräsentieren wie gesagt jeweils eine Halbierung oder Verdoppelung der Lichtmenge und stellen soetwas wie eine Norm dar. Die meisten Kameras erlauben allerdings auch die Blendenöffnung in Drittelschritten zu steuern.

Wie auch immer die Zahlen für den Blendenwert aussehen, für den Fotografen ist im Zusammenhang mit den Blendenzahlen vor allem eins wichtig:

Kleine Blendenzahl
= kleine Blende
= große Blendenöffnung

Große Blendenzahl
= große Blende
= kleine Blendenöffnung

Anmerkung: In früheren Versionen der Fotoschule habe ich laut meinen Recherchen behauptet, dass ƒ für ›fraction‹, also Bruch, stünde. Ein Leser hat mich dann auf den Ursprung ›focal length‹ verwiesen. Neuerliche Recherchen haben mir klar gemacht, dass dieser Ursprung der tatsächlich richtige sein dürfte.

Sehr oft (wenn nicht sogar meist) wird geschrieben das ƒ beziehe sich auf ›Focus‹ – eine Erklärung der ich nicht glauben kann, denn tatsächlich sind Fokus und Blende zwei voneinander unabhängige fotografische Parameter. Zwar bleibt es am Ende für die praktische Anwendung belanglos ob sich ƒ auf ›focus‹, ›focal length‹ oder ›fraction‹ bezieht. Doch je mehr man über eine Sache weiß, desto besser versteht man sie meist.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

2.4. Blende

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Blende befindet sich im Objektiv und funktioniert wie ein Ventil, das sich öffnen und schließen lässt. Sie dosiert die Lichtmenge, die zum Objektiv durch­dringen kann. In der Regel besteht sie aus Lamellen, die sich in die Objektivöffnung hinein schieben und damit die Öffnung vergrößern und verkleinern können. Ist die Blende offen, verhält sie sich wie ein geöffnetes Ventil an einem Wasserhahn – es fließt viel Wasser durch und füllt ein Wasserglas rasch. Die offene Blende führt zu einer kurzen Belichtungszeit.

Offene Blende Die offene Blende lässt viel Licht zum Sensor durch.
Wasserventil offen Wird das Ventil an einer Wasserleitung weit geöffnet, füllt sich das Glas sehr viel schneller. Ebenso verkürzt sich die Belichtungszeit bei offener Blende.

Wird die Blende vergrößert und damit die Blendenöffnung reduziert (Abbildung 3.22) – man spricht vom Abblenden –, lässt sich das mit einem Wasserhahn vergleichen, bei dem man das Ventil schließt – es fließt nur mehr wenig Wasser durch die Leitung und dauert länger das Glas zu füllen (Abbildung 3.22). Ebenso dauert es in der Fotografie länger bis ausreichend belichtet worden ist.

Geschlossene Blende Bei geschlossener Blende findet weniger Licht den Weg durch das Objektiv.
Wasserventil geschlossen So wie ein nur leicht geöffnete Wasserleitung ein Wasserglas nur langsam füllt, führt das schließen der Blende zu längerer Belichtungszeit.

Blende und Belichtungszeit

Die Metapher mit Wasserleitung und Wasserglas wird gerne verwendet um die Funktionsweise der Blende zu veranschaulichen. Ich halte sie als Einstieg in das Thema für geeignet. Allerdings hat sie einen Schönheitsfehler: Bei einer Wasserleitung kann ich davon ausgehen, dass der Wasserdruck konstant ist. Möchte ich ein Glas schnell füllen, dann drehe ich das Ventil weit auf, möchte ich mir Zeit beim Einschenken lassen (weshalb auch immer), dann drehe ich das Ventil nur ein Bisschen auf. Im Grunde ist es völlig egal ob wir ein Glas Wasser schnell oder langsam füllen.

Die entscheidenden Unterschiede zwischen der Wasserglas-Metapher und Fotografie:

  1. Der Sensor (das Wasserglas) muss bis zu einer ganz bestimmten Marke belichtet (gefüllt) werden. Fülle ich über die Marke, erhalte ich eine Überbelichtung, fülle ich unter die Marke ist eine Unterbelichtung das Resultat.
  2. Ich muss in der Regel den Sensor (das Glas) möglichst rasch füllen. Längere Belichtungszeiten kann man ohne Stativ nicht halten und ganz lange Belichtungszeiten können das Bild­rauschen erhöhen.
  3. Während bei der Wasserleitung das Wasser konstant in derselben Menge hinter dem Ventil wartet, muss ich mit der Blende das Umgebungslicht kompensieren. Am helllichten Tag muss ich die Blende schließen, damit ich nicht in Sekundenbruchteilen eine Überbelichtung erhalte. In der Dämmerung muss ich die Blende öffnen, damit sich trotz der schwachen Lichtverhältnisse aus­reichend Licht für die korrekte Belichtung sammeln kann.

Generell wird die Blende demnach so eingesetzt: Gibt es starkes Umgebungslicht – zum Beispiel an einem sonnigen Tag – wird das Blendenventil geschlossen. Ist das Umgebungslicht schwach – zum Beispiel im Wald, in einem Raum oder in der Dämmerung – dann wird das Blendenventil geöffnet.

Ich habe die gängige Metapher einmal so abgewandelt, dass sie der Realität der praktischen Fotografie näher kommt. Dabei habe ich die Wasserleitung durch Regen ersetzt und das Ventil durch verschieden große Trichter.

Regnet es heftig, brauch ich einen kleinen Trichter (eine geringe Blendenöffnung), damit das Wasserglas nicht sofort übergeht (damit das Bild nicht überbelichtet ausfällt). Bei leichtem Regen hingegen (also wenn es dämmert oder sonst wenig Licht vorhanden ist) dann nimmt man einen größeren Trichter um das Glas ausreichend schnell voll zu bekommen.

Viel Umgebungslicht Bei kräftigem Regen genügt ein kleiner Trichter um ein Glas in ­Kürze zu füllen. Ebenso führt bei viel Umgebungslicht schon eine kleine Blendenöffnung zu ­einer ­optimalen Belichtungszeit.

Blende gross

Wenig Umgebungslicht Bei schwachem Regen braucht man einen großen Trichter um ­das Glas rasch zu füllen. Genauso muss bei schwachem Umgebungslicht für eine optimale Belichtung die Blende geöffnet werden.

Blende klein

Die Bedeutung der Blende für die Belichtung liegt in der Regel weniger darin, mal für eine kürzere, mal für eine längere Belichtungszeit zu sorgen. Vielmehr geht es darum auf das vorhandene Umgebungslicht reagieren zu können um die kürzest mögliche Zeit für eine optimale Belichtung zu erreichen.

Durch Öffnen und Schließen der Blende kann der ­Fotograf auf die Menge des Umgebungslichts reagieren.

Und weshalb lässt man die Blende dann nicht immer möglichst weit offen? Bei offener Blende haben wir ja immer die kürzest mögliche Belichtungszeit.

Vor allem weil die Blende großen Einfluss auf die Schärfentiefe hat und somit vor Allem auch Mittel zur kreativen Steuerung der Schärfentiefe ist.

Titel Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
Link zu Amazon
Link zu Books on Demand
Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 35,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

2.3. Sensorformat und Schärfentiefe

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Über das Sensorformat habe ich bereits ausführlicher im Artikel ›Formatfaktor‹ geschrieben. Bereits dort habe ich vorweg genommen, dass das Format des Sensors nicht nur die Perspektive beeinflusst, sondern auch die Schärfentiefe. Je geringer das Sensorformat, desto höher die Schärfentiefe bei vergleichbarer Brennweite und Blende.

Je geringer das Sensorformat, desto größer die Schärfentiefe.

Bezogen auf die Makrofotografie kann das ein Nachteil von SLR-Kameras gegenüber Kompaktkameras sein. Die folgenden Abbildung zeigt eine Aufnahme mit einer digitalen Kompaktkamera. Die technische Qualität der Aufnahme ist nicht brillant, aber die Biene ist sauber von oben bis unten und von vorne nach hinten ab­gelichtet worden. Eine ähnliche Aufnahme mit SLR-Kamera benötigt zunächst einmal ein spezielles Makro-Objektiv. Normale Objektive für SLRs erfordern einen Mindestabstand von einigen Zentimetern bis zu einem Meter um scharf stellen zu können.

Bienescharf So eine detailreiche Abbildung ­eines Insekts stellt für die meisten Kompaktkameras kein Problem dar. Dank der winzigen Bildsensoren fällt die Schärfentiefe selbst auf kürzeste Distanz und bei offener Blende extrem hoch aus. Hier war eine Sony T1 bei Brennweite 6,7mm (38mm KB) und Blende ƒ5.6.

Hat man doch ein Objektiv, mit dem man nahe genug an ein Makro-Motiv herankommen kann, dann muss man meist mit relativ weit geöffneter Blende fotografieren, damit die Belichtungszeit lang genug ausfällt um unverwackelt und ohne Bewegungsunschärfe fotografieren zu können. Durch die offene Blende wird aber die Schärfentiefe gering und man bringt keine durchgehend scharfe Darstellung des kleinen Hauptdarstellers mehr zustande.

Biene unscharf Schnappschuss mit der Nikon D80 und Sigma 17–70mm F2.8–4.5 DC Macro bei 70mm Brennweite (105 mm KB) und Blende ƒ4.5. Der Fokus sitzt etwas zu weit vorne – auf der Blüte, statt auf den Augen. Die Schärfentiefe fällt kurz und entsprechend reduzierten Details aus. Bessere Makroaufnahmen sind mit SLR mit Aufwand verbunden.

Ambitionierte Makrofotografen, die Ihre Motive nicht in einer Wolke an Unschärfe versinken lassen wollen, fotografieren deshalb oft mit speziellen Makroblitzen und kleiner Blendenöffnung und erreichen dadurch (verhältnismäßig) hohe Schärfentiefe und dennoch ausreichend kurze Belichtungszeiten.

Kaefermakro Makroaufnahme mit der Nikon D700 und dem AF-S VR Micro-­Nikkor 105 mm 1:2.8 G IF-ED bei Blende ƒ18 bei ISO 800 (damit der Hintergrund nicht zu dunkel ausfällt) unter Zuhilfenahme eines Makro-Blitzes. Die Abblendung auf ƒ18 führt zu hoher Schärfentiefe und detailreicher Abbildung des Marienkäfers von vorne bis hinten.
SB R200 Makrofotografen setzen oft spezielle Makroblitze ein. Meist ist das ein Aufsatz, der vorne am Filtergewinde des Objektivs befestigt wird. Solche Blitze sind übrigens auch gut für Porträts geeignet und setzen schöne Glanzpunkte in die Augen.

Kompaktkameras haben fast immer relativ kleine Bildsensoren. Das heißt sie neigen dazu, eine sehr weite Schärfentiefe abzubilden. Während die automatisch hohe Schärfentiefe dieser Apparate bei Makroaufnahmen durchaus ein Vorteil sein kann, ist es bei Porträts fast immer ein Nachteil. Während man mit mittelgroßen und großen Sensorformaten von SLRs und anderen Systemkameras Hintergründe vollständig verschwimmen lassen und damit störende Elemente praktisch unkenntlich machen kann, bieten die kleinen Sensoren diese Möglichkeit kaum.

Grosser sensor
Es liegt vor allem an den größeren Sensoren der SLRs, dass man mit ihnen ganz locker ein Ergebnis erzielt, bei dem der Hintergrund völlig unscharf und flauschig weich ist und nicht mehr vom Modell ablenkt.
Hier im Gegensatz dazu eine Aufnahme mit Kompaktkamera: Auch bei 105 mm Brennweite und kürzester Distanz werden die Gebäude im Hintergrund scharf genug abgebildet, um störend zu wirken. Bei ­dieser Aufnahme könnte man ­zumindest einwenden, dass der Blick ins Dorf zur Bildaussage ›­Modell blickt ins Dorf‹ führen könnte.

Um mit einer Kompaktkamera trotzdem ansprechende Porträts zu verwirklichen, gilt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Den Hintergrund sorgfältig aussuchen. Grundsätzlich gilt, je ruhiger, desto besser. Aber Achtung! Eine weiß getünchte Wand ist zwar auch ruhig, wirkt aber wahrscheinlich so steril und sachlich, dass das Porträt dadurch trotzdem verunglückt ausfallen könnte.
  • Helle Hintergründe sollten eher gemieden werden, da Helligkeit mehr Aufmerksamkeit anzieht, als dunkle Bereiche.
  • Längere Brennweiten sind besser, da sie zu geringerer Schärfentiefe führen als kurze Brennweiten. Allerdings bleibt dabei zu beachten, dass sehr lange Brennweiten nicht unbedingt die perfekten Porträt-Brennweiten sind (siehe auch ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹).
  • Blende so weit als möglich öffnen.
Kleiner sensor
Die Fähigkeit Hintergründe durch Unschärfe quasi auszublenden fehlt fast allen Kompaktkameras. Mit sorgfältig gewähltem Hintergrund und langer Brennweite sind ansprechende Porträts dennoch möglich.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

1.8 Das Objektiv – zentrales Bindeglied zu guten Ergebnissen

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Es wird in diesem Artikel, so wie generell hier in der Serie und im ganzen Blog, etwas Nikon-lastig. Das liegt vor allem daran, dass ich selbst mit Nikon SLR fotografiere und darüber am objektivsten schreiben kann. Die meisten Objektive die ich hier erwähne und zeige hatte ich selbst schon in Verwendung. Das alles soll aber andere Marken nicht diskriminieren.

Werde ich nach einem Rat zum Kamerakauf gefragt, gebe ich eine doppelte Antwort: Ich persönlich habe mich bewusst für Nikon entschieden und habe auch objektive Argumente dafür. Aber alle Hersteller kochen nur mit Wasser und was für mich optimal ist, muss dem Anderen noch nicht passen. Am Besten zu einem Händler gehen, der mehrere Marken führt und verschiedene Modelle verschiedener Marken in die Hand nehmen, sich ausgiebig damit befassen und sich dafür entscheiden, was einem am besten liegt, was einem das beste Gefühl vermittelt.

Obschon ich mich beim DSLR-System für Nikon entschieden habe, finde ich die derzeit interessantesten Kompaktkameras die PowerShot S95 von Canon und die Lumix LX-5 von Panasonic. Noch interessanter als kompakten Ausbau zur großen SLR: Lumix GF2 und Fuji X100. So sehr ich von Nikon DSLR-Kameras begeistert bin, im kompakten Bereich sehe ich dort im Moment kein Modell, das meine Wünsche und Vorgaben tadellos erfüllt.

Soviel vorweg, für alle, die sich hier etwas zu wenig repräsentiert fühlen, weil sie mit einer anderen Marke als Nikon fotografieren (mehr über meine Meinung zu Marken-Fetischismus habe ich im Artikel ›Tee oder Kaffee‹ geschrieben). Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema:

Objektive

Die richtige Kamera ist wichtig um Spaß an der Fotografie zu haben (siehe auch ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹). Mindestens ebenso wichtig für gute Resultate – wenn nicht sogar noch wichtiger – ist das passende Objektiv. Zwei Kriterien sind ausschlaggebend bei der Auswahl des passenden Objektivs.

Nur die besten Objektive für gute Kameras | Zum Einen ist das natürlich die Qualität der Optik. Eine sehr gute Kamera mit hoher Bildauflösung bringt gar nichts, wenn die eingesetzten Objektive nicht in der Lage sind Motive in ausreichender Schärfe und Qualität an den Sensor zu liefern. Hochauflösende Kameras mit 16 oder 25 Megapixel erzeugen in Kombination mit mittelmäßigen Objektiven keine besseren Bilder, sondern nur größere Dateien. Wer mit einem Gerät mit solchen Auflösungen liebäugelt sollte für Objektive vierstellig rechnen – zumindest bei Zoomobjektiven.

Ohne passende Objektive erzeugt mehr Auflösung lediglich größere Dateien.

Zum Anderen ist, neben der Qualität, natürlich auch und vor Allem die Art des Objektivs von zentraler Bedeutung, also ob Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv, ob Festbrennweite oder Zoom.

Es gibt spezielle Objektive für das Fotografieren ganz kleiner Motive, die sogenannte Makroobjektive. Normale Objektive verlangen bei Spiegelreflexkameras in der Regel einen gewissen Mindestabstand zum Motiv. Sie können nicht auf eine Distanz von zwei, drei oder zehn Zentimetern scharf stellen. Makroobjektive erlauben sehr viel geringere Abstände und niedrige Abbildungsmaßstäbe. Damit lassen sich dann – je nach Objektiv – auch Ameisen formatfüllend ablichten. Der Kompaktkamera-Fotograf muss sich darüber weniger den Kopf zerbrechen. Sein Objektiv ist bereits fix an der Kamera montiert und sehr oft erlaubt es Abstände von unter zehn Zentimeter.

Es gibt noch eine ganze Reihe an anderen Arten von Objektiven. Wer in die Fotografie einsteigen will, für den ist die Frage nach dem geeigneten Objektiv kaum weniger wichtig, als die Frage nach der optimalen Kamera. Gute Objektive kosten gutes Geld und da nur wenige Fotografen über unbeschränkte Budgets für die Fotoausrüstung verfügen, sollte die Wahl der Objektive wohl überlegt sein.

Basisobjektiv | Wer zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera kauft wird wahrscheinlich zu einem Set greifen, bei dem die Kamera mit dem Objektiv gebündelt ist – ein sogenanntes Kit. Solche Sets haben den Vorteil, dass sie weniger kosten als würde man Gehäuse und Objektiv einzeln kaufen. Teilweise sind diese Pakete oberflächlich betrachtet sehr verlockend geschnürt. Ich kann allerdings nur den Tipp geben eine Fotoausrüstung nicht mit dem Sparstift zu kalkulieren. Die zentrale Frage sollte nicht sein »was kostet es« sondern »was brauche ich«. Ein Schnäppchen kann sich sehr schnell als Fehlgriff erweisen, wenn das günstige Objektiv für die Motive des Fotografen tendenziell ungeeignet ist.

Wer eine Kamera kauft, achtet dabei in der Regel auch auf den Preis – besonders, wenn es um die erste Kamera geht. Um im Preiskampf bestehen zu können und ihre Geräte an den Kunden zu bringen, bieten die Hersteller verständlicherweise immer ein möglichst preiswertes Paket an. Bei Canon und Nikon steckt bei den günstigeren Geräten meist ein 18–55mm Objektiv im Paket.

Nikkor 18 55 Nikon bündelt seine Einsteiger-Kameras in der Regel mit diesem 18–55mm Objektiv. Übersetzt auf Kleinbild ergibt sich daraus ein Brennweitenbereich von 27–83mm (Bild: nikon.de).
Canon18 55 Canon bündelt mit einem Objektiv mit gleichem Brennweitenbereich. Mit dem Formatfaktor 1,6 ergibt sich daraus etwa 29–88mm (siehe auch ›Formatfaktor‹; Foto: canon.de).

Standardzooms decken in der Regel einen Brennweitenbereich zwischen 24mm und 70mm (KB) ab.

Mein Tipp an Neueinsteiger: Lieber Hundert Euro drauf zu legen und ein etwas flexibleres Basisobjektiv mit mehr Brennweite kaufen. Die meisten Fotografen werden mit einem 18–55mm bald darauf kommen, dass ihnen die etwa 85mm Kleinbildbrennweite dieser Standardzooms in vielen Situationen zu kurz ist.

Nikkor 18 105 Gibt es meist als etwas teureres Kit zu vielen Nikon-Kameras: 18–105mm. Mit der Kleinbildbrennweite von 27–158mm ist man für die meisten Situationen bereits bestens gerüstet (Bild: nikon.de).
EF S 18 135mm Wer bei Canon ein paar Euro mehr drauf legt erhält mit einem 18–135mm Objektiv eine noch flexiblere Lösung. Auf Kleinbild umgerechnet sind das 29–216mm – ein ganz schöner Brennweitenbereich der weit ins Tele hineinreicht (Foto: canon.de).

Basisobjektive mit mehr Brennweite |

Die meisten Hobbyfotografen dürften mit einem Standardzoom zwischen 27mm und 200mm Kleinbild bestens aufgestellt sein. Sowohl beim Fotografieren mit Freunden in der Freizeit, beim Sport, mit den Kindern, beim Bummeln in der Stadt oder beim Wandern findet man damit bestens sein Auslangen. Vergleichbare Objektive, zu den hier vorgestellten, sollte es bei jeder Marke geben.

Wer oft entfernte Motive groß abbilden will, der wünscht sich vielleicht noch etwas mehr Brennweite. Wer gerne Sport fotografiert, hat oft nicht die Möglichkeit bei Veranstaltungen ausreichend nah an seine Motive heranzukommen. Und auch wer es beim Wandern auf Murmeltiere, Rehe und Gämse abgesehen hat, ist selbst mit 200mm Kleinbild rasch an der Grenze.

DX 18 200 ED VR II Mein Begleiter auf Wanderungen: An der D80 habe ich in den Bergen meist den Vorgänger dieses Objektivs dabei, ein 18–200mm ƒ3.5–5.6. Übersetzt auf Kleinbild sind das 27–300mm und bietet eine große Flexibilität (Bild: nikon.de).
Sigma 18 200mm Noch mehr Tele-Reserven bietet das Sigma 18–250mm F3,5–6,3 DC OS HSM. Dieses Objektiv wird nicht nur für Nikon, sondern auch für andere Hersteller angeboten (Bild: Sigma Deutschland).

Festbrennweiten | Die bisher gezeigten Zoomobjektive richten sich an Einsteiger, Hobbyfotografen und Amateure. Sie sind bezahlbar, man muss aber Abstriche bei Lichtstärke und Qualität machen. Wer auch unter ungünstigen Lichtbedingungen noch fotografieren, bei der Qualität keine Abstriche machen und dafür kein Vermögen investieren will, der ist mit Festbrennweiten gut aufgestellt.

Af s nikkor 50mm f14g An Kleinbild-Kameras ein Normalobjektiv: AF-S Nikkor 50 mm 1:1,4G. An Kameras mit kleinerem APS-C-Sensor, also allen Nikon-Consumer-Geräten, wird es mit 75mm KB zum leichten Teleobjektiv (Bild: Nikon GmbH).

Der Klassiker unter den Standard-Festbrennweiten ist das 50mm Objektiv. Wer eine Kamera mit Kleinbildsensor hat ist damit als Standardobjektiv gut bedient. Aber bei den Consumer-Kameras mit kleineren Sensoren ergibt sich aus 50mm Brennweite der Bildausschnitt von 75mm bei Nikon, Pentax und Sony, 80mm bei Canon und 100mm bei Olympus und Pentax. Für immer-dabei ist dieser Blickwinkel schon sehr eng. Als Portätbrennweite hingegen sind 50mm am kleineren Sensor der genannten Marken absolut tauglich und empfehlenswert.

Nachtaufnahme Mit einer Lichtstarken Festbrennweite, wie dem 50mm ƒ1.4, fotografiert man selbst in der Nacht mit sehr wenig Licht noch aus freier Hand, vor allem wenn man eine Kamera hat, die zu wenig Rauschen neigt und hohe Empfindlichkeitseinstellungen erlaubt.
AF 50mm 1 8D 3 Wem 350 Euro für die oben abgebildete 50mm Festbrennweite zu viel ist, der findet im AF Nikkor50 mm 1:1,8 D eine preiswerte Alternative. Das Objektiv bildet allerdings erst etwa ab Blende ƒ4.0 richtig scharf. Bei Canon gibt es ein vergleichbares Angebot, mit einem lichtstärkeren Profi-50mm und einem sehr preiswerten 1.8-50mm (Bild: Nikon GmbH).
Nikon 35mm f1 Nikon 35mm ƒ1.8 Festbrennweiten-Objektiv. Klein, leicht, kompakt, preiswert und trotzdem sehr gute Abbildungsqualität. (Foto: nikon.de)

Das 35mm Objektiv oben war lange Zeit mein immer-dabei-Objektiv. An meiner D80 mit mittelgroßem APS-C-Sensor zeigt es den KB-Ausschnitt eines 50mm Objektivs und ist damit flexibel und fast schon universal einsetzbar. Ein echtes 50mm KB-Objektiv zeigt für Kameras mit kleineren Sensoren in der Regel einen zu engen Ausschnitt – 75mm bei Nikon, Sony und Pentax, 80mm bei Canon, 100m bei Olympus und Panasonic.

Doch auch mit einem Objektiv, das 50mm Kleinbild entspricht, ist man unterwegs in öffentlichen Gebäuden, in Städten und Gassen schnell einmal am Anschlag mit dem Bildausschnitt. Deshalb habe ich vor einiger Zeit das 35mm Objektiv durch eine 28mm Festbrennweite ersetzt. Es entspricht 42mm Kleinbild und ist damit noch näher an der klassischen Reportage- und Reisebrennweite von 35mm dran. Der Vorteil genau dieses Objektivs liegt auch darin, dass es sehr kompakt und leicht gebaut ist – ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man eine SLR mit Objektiv immer dabei haben möchte. Zoomobjektive sind da allesamt etwas Üppig in den Abmessungen.

Af 28mm Mein neuer immer-dabei-Begleiter: Das Nikkor 28mm 1:2,8 D. (Bild: © Nikon GmbH)

Interessant sind für Besitzer einer Canon, Nikon, Sony und Pentax Consumer-Kamera mit kleinerem Sensor auch Festbrennweiten mit 24mm, was an Nikon/Pentax/Sony 36mm ergibt und praktisch exakt den Reise- und Reportage-Klassiker 35mm trifft. Das oben abgebildete Sigma-Objektiv ist mit Anschluss für die meisten Kamerahersteller verfügbar. Sein Blickwinkel ist perfekt als permanenter Begleiter, leider ist es etwas groß und schwer im Vergleich zu Nikons oben genannter 28mm-Festbrennweite (und dem 24mm von Nikon). Dafür glänzt es mit ƒ1.8 aber mit besonders kräftiger Lichtstärke. Außerdem erlaubt es eine unheimlich kurze Naheinstellgrenze und lässt somit auch das Scharfstellen auf ganz kleine Motive zu.

Sigma24mm Lichtstarke Weitwinkel-Festbrennweite Sigma 24mm F1,8 EX DG Makro (Bild: Sigma Deutschland).
Wietiltshift
OK! Kein besonders beeindruckendes Foto. Es zeigt aber hervor­ragend, was Resultate des ­Sigma 24 mm F1,8 von ›gewöhnlichen‹ Objektiven abheben kann: Trotz nächster Nähe ist die Schärfen­tiefe enorm kurz. Vor den ­Büchern unscharf, unmittelbar dahinter auch. Hinter solch ­einem Resultat würde man eigentlich ein sogenanntes Tilt-Objektiv vermuten.

Weitwinkel | Obschon sich mit den weiter oben besprochenen Standardzooms im Weitwinkelbereich zwischen 18 und 24mm auch wunderschöne Landschaftsaufnahmen zu erzielen sind, bevorzugen Landschaftsfotografen kräftigere Weitwinkel. Über die Charakteristik von Weitwinkelobjektiven habe ich ja bereits im Artikel ›Brennweiten, Fluchtpunkt und Bilddynamik‹ geschrieben.

Mein bevorzugtes Weitwinkelobjektiv ist das AF-S Nikkor 14–24 mm1:2,8G ED. Leider schmerzt es zweifach: Zum Einen beim Herum­tragen wegen des Gewichts von einem Kilo, zum Anderen beim Einkaufen wegen des Straßenpreises von etwa 1500 Euro. Wer gerne etwas geringere Zahlen bei Preis und Gewicht anstrebt, für den stellt das Sigma 10–20 mm F4,0–5,6 eine Alternative dar.

Sigma10 20 Preiswerter und leichter Einstieg in die Welt des extremen Weit­winkels: Sigma 10–20 mm F4,0–5,6 EX DC / HSM (Bild: Sigma Deutschland).

Teleobjektiv | Als Einsteiger glaubt man meist man bauche vor allem ein Zoomobjektiv mit besonders viel Tele. Je mehr desto besser! Denn schließlich kann man damit weit entfernte Objekte ganz nah heranholen. Zumindest mir ging es lange Zeit so. Doch je länger meine Teles wurden und je mehr Erfahrung ich damit bekam, desto mehr musste ich einsehen, dass es gar nicht so einfach ist mit einem Teleobjektiv gute Fotos schießen zu können.

Das Problem: Je länger das Tele, desto mehr Geld kostet Lichtstärke. Während man bei Canon und Nikon 50mm Festbrennweiten mit Lichtstärke ƒ1.8 bereits ab etwa 100 Euro bekommt, sind bei Nikon Objektive über 100mm mit einer Lichtstärke von weniger als ƒ2 gar nicht zu bekommen. Für ein hochwertiges 200mm Objektiv mit Lichtstärke ƒ2 blättert man dafür aber schon an die 5000 Euro auf den Ladentisch. Dafür ist die Abbildungsqualität Boa! und Wow! Für ein lichtstarkes Profi-Objektiv mit einer Brennweite von 400mm darf man auch einmal 8000 Euro kalkulieren. Lichtstark heißt bei diesen Brennweiten übrigens ƒ4.0. Für Alle, die mit Lichtstärke noch nicht so durch sind: ƒ2 ist viermal lichtstärker als ƒ4, aber nur halb so lichtstark wie ƒ1.4.

Nun legen aber Profis, die sich ja auskennen sollten, nicht von ungefähr fünf, sechs oder acht Kilo auf den Ladentisch, wenn sie erwarten würden mit einem Zoomobjektiv mit 300 oder 400mm um unter Tausend Euro vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Preiswertere Zoomobjektive weisen am langen Ende des Zoombereichs meist nur mehr eine Lichtstärke von etwas ƒ5.6 auf. ƒ5.6 ist halb so lichtstark wie ƒ4.0.

Genau hier steckt das Problem. Ihre Lichtstärke liegt in Bereichen von ƒ3.6 oder ƒ4 bis ƒ5.6.

Trägt ein Objektiv nur eine Blendenöffnung im Namen, wie zum Beispiel 70–200mm ƒ2.8, dann hat es am langen Ende der Brennweite dieselbe Lichtstärke wie am kurzen.

Trägt ein Objektiv zwei Lichtstärken im Namen, wie 70–300mm ƒ4,5–5,6, dann hat es am kurzen Ende die größere Lichtstärke von ƒ4.5 und am langen Ende die geringere von ƒ5.6.

Objektive mit durchgehender Lichtstärke sind anspruchsvoller in Konstruktion und Herstellung und somit ungleich teurer. Für ein 70–200mm mit durchgehender Lichtstärke ƒ2.8 blättert man sowohl bei Canon als auch bei Nikon etwa 2000 Euro hin.

Das Dumme an der Sache: Je länger die Brennweite, desto kürzer sollte die Belichtungszeit beim Fotografieren sein, damit man mit freier Hand ohne Verwackeln halten kann. Zwar bieten aktuelle Telezooms leistungsstarke Systeme für die Bildstabilisierung. Aber diese Systeme sind unter ambitionierten Fotografen nicht unumstritten und ich bin mir sicher, die meisten Profis würden ein lichtstarkes Objektiv ohne Bildstabilisierung einem lichtschwächeren Objektiv mit Stabilisierung vorziehen.

Bei langen Brennweiten braucht man kräftiges Umgebungslicht um selbst bei vollständig geöffneter Blende unverwackelt ablichten zu können. Bei diesigen Verhältnissen, in der Dämmerung oder gar in Wäldern geht da gar nichts ohne Stativ. Die kräftigsten Lichtverhältnisse hat man unter Tags wenn die Sonne vom unbewölkten Himmel scheint. Dann ist das Licht meist so stark, dass man auch mit den längsten Brennweiten noch ohne die Gefahr der Verwackelung aus freier Hand fotografieren kann. Nur sorgt das kräftige Sonnenlicht auch dafür, dass jede lichte Stelle überbelichtet und gleichzeitig jeder tiefere Schatten unterbelichtet ausfällt. Das Licht ist bei direkter Sonneneinstrahlung meist zu hart um attraktive Fotos aufnehmen zu können.

Anders gesagt: Ist das Licht ausreichend um mit sehr langen Brennweiten fotografieren zu können, ist es meist so hart, dass man keine schönen Ergebnisse mehr erzielen kann.

Ein weiteres Problem des Fotografierens auf große Distanz (hunderte oder tausende Meter) mit langen Brennweiten: Je größer die Entfernung, desto mehr mischen sich atmosphärische Störungen ins Bild. Die Resultate weisen matte Kontraste, flaue Farben und Blaustiche auf.

Wie bereits einmal erwähnt: Tele- und Super-Teleobjektive sind wichtig, wenn man Motive ablichten möchte, denen man sich nicht nähern kann. Aber sehr gute Resultate sind ohne Stativ und ohne optimale Licht- und atmosphärische Bedingungen kaum zu erzielen. Deshalb sollte der Hobbyfotograf die Bedeutung langer Telebrennweiten nicht überbewerten.

Zu Beginn steht natürlich die Frage »Was möchte ich fotografieren«. Wer auf Sportveranstaltungen fotografieren möchte, für den sind Teles meist unverzichtbar. Als Allrounder habe ich allerdings die meiste Zeit Objektive im Brennweitenbereich zwischen 20mm und 120mm im Einsatz. Diese Brennweiten sind bildgestalterisch einfach interessanter als längere Teles und darüber hinaus viel flexibler.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

2.2. Schärfentiefe, Brennweite und Distanz

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Schärfentiefe und Brennweite

Ausschlaggebend für die Tiefe der Schärfentiefe (der Bereich zwischen Nah- und Fernpunkt, der als scharf empfunden wird) sind Brennweite, Distanz, Blende und Sensorformat.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren wie sich das Reduzieren der Brennweite auf die Schärfentiefe auswirkt. Je kürzer die Brennweite desto größer fällt die Schärfentiefe aus – bei ansonsten gleichen Einstellungen und Distanz. Umgekehrt heißt das natürlich auch, dass sich die Schärfentiefe reduziert, wenn man längere Brennweiten einsetzt.

Schaerfentiefe160mm
Mit Brennweite 160mm (KB) auf eine Entfernung von 4m beträgt die Schärfen­tiefe 32cm.
Schaerfentiefe75mm
Verkürzt man die Brennweite auf 75mm (KB), hält aber die Distanz von 4m, erhöht sich die Schärfen­tiefe auf 146cm.
Schaerfenteiefe30mm
Verkürzt man die Brennweite noch weiter auf 30mm (KB) und belässt die Entfernung weiterhin unverändert bei 4m erhöht sich die Schärfen­tiefe weiter auf unendlich. Das heißt auf diese Distanz wird alles was sich dahinter befindet als scharf empfunden.
Kurze Brennweite weite Scharfentiefe 75mm Brennweite bei relativ weit geöffneter Blende auf eine Distanz von etwas mehr als 3m. Der Hintergrund ist unscharf, doch noch immer deutlich zu erkennen und störend und ablenkend.
Lange Brennweite kurze Scharfentiefe 158mm Brennweite bei vergleichbarer Blendeneinstellung und nur geringfügig kürzerer Distanz (Der Bildausschnitt wird durch die längere Brennweite natürlich bedeutend enger): Die Schärfentiefe ist sehr viel geringer und der Hintergrund stark weichgezeichnet. Das Modell ist schön freigestellt.

Je länger die Brennweite, desto geringer die Schärfen­tiefe.

Schärfentiefe und Distanz

Wie so oft in der Fotografie wird beim Thema Schärfentiefe wieder einmal deutlich, dass es schwer fällt für das Fotografieren ganz einfache Faustregeln aufzustellen. Abgesehen davon, dass bei der Schärfentiefe auch das Sensorformat eine Rolle spielt (siehe Formatfaktor), ist, neben der gewählten Blende, auch die Distanz ein wichtiger Faktor dafür, wie Tief der scharfe Bereich ausfällt.

Die folgenden Beispiele illustrieren, wie sich eine mittlere Distanz, im Verhältnis zu einer extrem kurzen, auswirken kann. Je geringer die Distanz zum Fokuspunkt , desto kürzer fällt die Schärfentiefe aus.

Schaerfentiefe auf mittlere Distanz
Während man mit einer Kleinbildkamera bei einer Distanz von 4m, Brennweite 105 mm und Blende ƒ5.6 eine Schärfentiefe von 25cm erhält und somit ein Gesicht von der Nasenspitze bis hinter die Ohren scharf abbilden kann …
Schaerfentiefe auf kurze Distanz
… erhält man mit exakt derselben Brennweite und Einstellung für die Blende auf eine Distanz von 20cm nur mehr eine hauchdünne Schärfentiefe von 0,3mm – meist noch nicht einmal genug um das Facettenauges eines Käfers von vorne bis hinten scharf abzubilden.
Viel Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von knapp einem halben Meter. Die Schärfentiefe ist hoch, der Hintergrund scharf abgebildet und ­äußerst störend.
Wenig Schaerfentiefe 28mm Weitwinkelbrennweite mit Fokussierung auf eine Distanz von ­wenigen Zentimetern. Trotz identischer Einstellung aller Parameter, wie für die Aufnahme oben, sind die Blätter nur wenige Zentimeter hinter dem Blütenkelch bereits sehr unscharf (die beiden Aufnahmen stammen von den Kompaktkameras Canon PowerShot G12 und S95).

Je kürzer die Distanz, desto geringer die Schärfentiefe.

Einmal mehr ist es für den kreativen Fotografen wichtig, über einen theoretischen Zusammenhang für die Praxis Bescheid zu wissen. Während der Fotograf bei einem Porträt bewusst eine offene Blende wählt um sein Modell vom Hintergrund zu trennen und die Aufmerksamkeit durch den Fokuspunkt selektiv auf die Augen lenkt, muss der Makrofotograf beim Ablichten eines Käfers die Blende bis auf eine kleine Öffnung schließen, damit die Schärfentiefe nicht geringer ausfällt, als das Facettenauge des winzigen Tiers in die Tiefe reicht.

Hyperfokale Entfernung

Besonders für Landschaftsfotografen ist das Thema der Hyperfokalen Entfernung (Hyperfokale Distanz) interessant. In diesem Genre ist das letzte Quäntchen Schärfe für die meisten Fotografen Pflicht. Deshalb fotografiert der Landschaftsfotograf auch nicht mit offener Blende aus freier Hand – auch wenn das Licht das zulassen würde – sondern stellt seine Kamera auf ein möglichst schweres, stabiles Stativ um die Blende unabhängig von den Einschränkungen der Belichtungszeit, die er mit freier Hand berücksichtigen müsste, einstellen zu können.

Bei seinen Einstellungen achtet er sehr oft auf die Hyperfokale Entfernung. Vereinfacht ausgedrückt ist das die Distanz, ab der bei einer bestimmten Brennweite und Blende alles was dahinter liegt scharf abgebildet ist – ab der die Schärfen­tiefe unendlich ausfällt.

Das Thema ist äußerst spröde und umständlich zu erklären und erfordert vom Leser noch mehr, wenn er es verstehen will. Mir ist spontan keine Erklärung und Illustration eingefallen, von der ich erwarten würde, dass sie ohne viel Hirnschmal zu verstehen ist. Da es mir hier zu tief in ein bestimmtes Genre führen würde, möchte ich uns diese schwere Kost ersparen. Wer jedoch in der Landschaftsfotografie seine Leidenschaft gefunden hat, auf maximale Abbildungsqualität aus ist und tatsächlich mit SLR, Stativ und hochwertigem Objektiv auf Motivjagd geht, sollte einmal nach den Begriffen Hyperfokale Distanz oder Hyperfokale Entfernung googeln.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

2.1. Schärfentiefe

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Hatten wir das Thema Brennweite nicht gerade im Abschnitt über Perspektive? Und hieß es da nicht, Brennweite und Distanz gehören zu den wichtigsten Werkzeugen um die Wirkung einer Aufnahme zu gestalten?

Genau! Die perspektivische Wirkung, die durch Variieren des Blickwinkels, bewusster Wahl der Brennweite und angemessener Distanz beeinflusst wird, ist durch andere Gestaltungsparameter kaum mehr zu topen.

Doch Brennweite und Distanz sind nicht nur ausschlaggebend für die Perspektive, sondern beeinflussen auch die Schärfe maßgeblich – in Form der Schärfentiefe. Wenn es etwas gibt, das die Bedeutung der Perspektive für die Bildwirkung noch topen kann, dann ist das die Schärfentiefe.

Es gibt zahlreiche Kriterien, die für gute Fotos zusammen­wirken müssen. Unsere Betrachtungen konzentrieren sich hier auf jene Kriterien, die sich direkt mit der Kamera beeinflussen lassen – und den Objektiven. Wir haben vier Hauptkriterien identifiziert: Perspektive, Schärfe, Belichtung und Komposition. Während die Belichtung praktisch den geringsten kreativen Spielraum bietet – eine optimale Belichtung ist eine optimale Belichtung – bieten Perspektive und Schärfe großen Gestaltungsspielraum.

Während man zum Ändern der perspektivischen Wirkung das Objektiv wechseln muss, sofern man kein Zoomobjektiv hat, lässt sich die Schärfentiefe mit Hilfe der Blende praktisch bei jedem Objektiv beeinflussen. Grund genug also, sich mit der Schärfentiefe ausreichend zu befassen.

Schärfentiefe

Neben der Perspektive ist die Schärfentiefe ein ganz essenzielles, bildgestalterisches Mittel. Man kann die Frage nach der Schärfentiefe mit einem einfachen ›entweder/oder‹ auf den Punkt bringen: Will ich den Hintergrund scharf oder unscharf?

Tatsächlich scharf können mit einer Kamera immer nur Bildbereiche in einem ganz bestimmten Abstand zum Sensor abgebildet werden. Das ist exakt der Bereich, auf den fokussiert – also scharf gestellt – wird. Bereits der Bereich unmittelbar davor und direkt dahinter wird schon nicht mehr ganz scharf abgebildet.

Doch auch wenn theoretisch gesprochen immer nur ein ganz dünnes Scheibchen in der Tiefe vor der Kamera gestochen scharf abgebildet wird, so wird in der Regel ein bedeutend größerer Bereich direkt vor und hinter dem fokussierten (schärfsten) Punkt noch immer als scharf empfunden. Mit abnehmender Distanz zur Kamera auf der einen Seite und zunehmender Entfernung auf der anderen Seite jedoch fällt die Unschärfe immer deutlicher aus.

Nahpunkt und Fernpunkt |Auf dem Weg in die Richtung des Fotografen gibt es einen Punkt, ab dem dann die Abbildung von einem Betrachter nicht mehr als scharf empfunden wird, sondern als unscharf. Diesen Punkt bezeichnet man als Nahpunkt. Vom fokussierten Punkt weiter weg in der Ferne gibt es ebenso einen Punkt, ab der die Schärfe so gering wird, dass ein Betrachter sie als unscharf empfindet. Diesen Punkt bezeichnet man als Fernpunkt. Der Bereich zwischen Nahpunkt und Fernpunkt ist die sogenannte Schärfentiefe.

Zwar ist der Übergang vom scharfen zum unscharfen Bereich fließend, dennoch lässt sich ein relativer Knackpunkt zwischen dem was als scharf und dem was als unscharf wahrgenommen wird berechnen und festlegen.

Freistellen | Über Distanz und Brennweite beeinflussen Sie die perspektivische Wirkung eines Bildes. Mit der Schärfentiefe haben Sie einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Aufmerksamkeit des Betrachters. Durch steuern der Schärfentiefe können Sie Objekte vor einem Hintergrund herausheben, oder mit dem Hintergrund verschmelzen lassen. So arbeitet der Fotograf gerne mit einer kurzen Schärfentiefe um den Hintergrund einer Person unscharf zu bekommen, damit sich alle Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Modell lenkt – man spricht vom Freistellen.

Geringeschwaerfentiefe
Diese Illustration stellt dar, wie man sich kurze Schärfentiefe ­vorstellen muss, könnte man sie von der Seite sichtbar machen.
Freigestellt
Mit kurzer Schärfentiefe lässt sich der Hintergrund hinter dem Hauptdarsteller eines Motivs unscharf abbilden. Das hat den großen Vorteil, dass ein beispielsweise unruhiger Hintergrund sich nicht mehr wichtig macht und nicht vom Hauptmotiv ablenken kann.
Freisteller
Kurze Schärfentiefen durch offene Blenden sind vor allem bei Porträts ein gutes Mittel um das Modell vom Hintergrund freizustellen.

Die kleine Serie unten zeigt wie gut es funktioniert mit Hilfe selektiver Schärfe die Aufmerksamkeit zu lenken. Obschon sich der rote Kegel auf Grund seiner aktiven Farbe in den Vordergrund drängt, so fällt die Hauptaufmerksamkeit doch immer auf jenen Kegel, der gerade am Schärfsten abgebildet ist.

Kegel1 spacer.gif Kegel2
Kegel3 spacer.gif Kegel4
Schärfentiefe eignet sich vorzüglich dazu die Aufmerksamkeit des Betrachters auf ein bestimmtes Objekt oder einen bestimmten Punkt zu lenken.

Nutzen Sie die Möglichkeit der selektiven Schärfe auf bestimmten Bereichen und der Unschärfe für unwichtige Bildelemente um in Ihren Bildern auch inhaltlich eine klaren Fokus zu setzen. Es ist Teil Ihrer kreativen Freiheit in der Fotografie. Setzen Sie sie bewusst ein.

Anders sieht es hingegen meist in der Landschaftsfotografie aus. Vor allem dann, wenn man nach dem Konzept Vordergrund–Mittelgrund–Hintergrund gestaltet entscheidet man sich für eine große Schärfentiefe, damit sowohl Nähe als auch Mitte als Ferne möglichst scharf auf das Bild kommen.

Hoheschaerfentiefe
Diese Illustration visualisiert eine hohe Schärfentiefe. Der Fotograf fokussiert auf das Modell, der ­Bereich davor und dahinter verliert an Schärfe, aber nur gering.
Hintergrundscharf
Bei hoher Schärfentiefe sind die Bereich hinter de fokussierten ­Objekt scharf abgebildet – das ist wichtig, wenn man zum Beispiel eine Landschaft mit ins Bild ­bringen will. Oft stört es aber auch, wie bei der Abbildung von Personen, weil sich der Hintergrund wichtig macht und vom ­Modell ablenkt.
Landschaft
Bei dieser Aufnahme sollte das Schilf vorne links (Vordergrund), der gefrorene Teich (Mittelgrund) und die Bäume hinten (Hintergrund) möglichst scharf auf das Bild. Dazu habe ich Blende ƒ13 eingestellt.

Darum geht es in diesem Kapitel im Wesentlichen: Welche Mittel kann ich einsetzen um die Schärfentiefe in einer Aufnahme kreativ zu beeinflussen? Habe ich ein Motiv, das ich vom Hintergrund freistellen möchte? Möchte ich die Aufmerksamkeit mit selektiver Schärfe lenken? Oder sollte ein möglichst weiter Bereich von ganz nah bis weit entfernt so scharf als möglich abgebildet werden.

Vielschaerfentiefe spacer.gif Wenigschaerfentiefe
Zweimal derselbe Wasserspeier mit unterschiedlicher Schärfentiefe.
Titel Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Kreativ fotografieren – Digitalfotografie verständlich erklärt«
Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
240 Seiten, in Farbe, Hardcover;
ISBN: 9783842373938;
Link zu Amazon
Link zu Books on Demand
Ladenpreis: 44,90 (D);
Ladenpreis E-Book: 35,99 (D)
Mehr Info und ein kostenloses Demokapitel.

1.7. Brennweite und Bildausschnitt

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Mit den drei Grafiken des letzten Abschnitts (Brennweite, Fluchtpunkt und Bilddynamik) habe ich die perspektivische Wirkung von Brennweiten Illustriert, jedoch einen wichtigen Faktor ausgeklammert: Aus einer einzigen Position lässt sich mit unterschiedlichen Brennweiten nicht derselbe Bildausschnitt aufnehmen. Das heißt, wenn ich einen Würfel einigermaßen formatfüllend mit Normalobjektiv fotografiere, dann muss ich mich für ein ebenfalls formatfüllendes Bild mit Weitwinkel näher hin und für ein formatfüllendes Bild mit Teleobjektiv weiter weg bewegen.

Fotografiert man aus derselben Position mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht! Lediglich der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite). Entgegen der landläufig unter Fotoamateuren verbreiteten Ansicht kann man die Perspektive durch ändern der Brennweite alleine nicht beeinflussen. Die Brennweite alleine verändert lediglich die Größe des Bildausschnitts vor den Augen des Fotografen (oder vor der Linse vor dem Sucher). Um mit Hilfe der Brennweite die perspektivische Wirkung zu beeinflussen, muss der Fotograf zusätzlich die Distanz zum Motiv ändern. Zusammen ergeben Brennweite und Distanz ein enorm wichtiges Gestaltungsmittel für den kreativen Fotografen. Hier befinden wir uns an einem der Kernpunkte kreativer Fotografie.

Brennweiten und Bildausschnitte
Fotografiert man von derselben Position aus mit 105mm, 50mm und 28mm, dann ändert sich die Perspektive nicht, nur der Bildausschnitt wird enger (längere Brennweite) beziehungsweise weiter (kürzere Brennweite).

Brennweite + Distanz = perspektivische Wirkung

Anders gesagt hat der Fotograf zur perspektivischen Gestaltung seiner Bilder zwei Werkzeuge, die er einsetzen muss: Die Brennweite und seine Beine.

Die Abbildung oben illustriert sehr deutlich, dass sich durch unterschiedliche Brennweiten an der Anordnung, der Perspektive und der Dichte des Bildes rein gar nichts ändert und eben nur ein anderer Ausschnitt abgebildet wird.

Die gerne getätigte Aussage man könne mit der Brennweite – speziell mit Hilfe von Zoomobjektiven – die perspektivische Wirkung von Bildern verdichten und Objekte im Hintergrund näher an die Objekte im Vordergrund heranrücken lassen, ist ein Missverständnis. Es beruht wohl darauf, dass die Aussage verschweigt, dass sich die perspektivische Wirkung nur dann wirklich ändert, wenn der Fotograf nicht nur die Brennweite verändert, sondern auch seine Distanz zum Motiv.

Die folgenden Abbildungen demonstrieren welche bildgestalterischen Auswirkungen es auf die visuelle Nähe des Hintergrunds hat, wenn Sie eine Person mit 28mm, 50mm und 200mm aus unterschiedlichen Distanzen jeweils so fotografieren, dass sie die Höhe des Bildausschnitts beinahe füllt.

Brennweite 50mm Distanz spacer.gif Brennweite 50mm Bildwirkung
Formatfüllende Abbildung einer Person aus mittlerer Distanz und Brennweite 50mm … … und der Bildausschnitt, wie er abgelichtet wird.
Brennweite 28mm Distanz spacer.gif Brennweite 28mm Bildwirkung
Möchte man die Person mit 28mm formatfüllend ablichten muss man ihr dazu bedeutend näher kommen. Die perspektivische Wirkung und die Größenverhältnisse der Objekte in Vorder- und Hintergrund ändern sich dadurch dramatisch.
spacer.gif
Brennweite 200mm Distanz
Um mit einem starken Teleobjektiv mit 200mm Brennweite die Person noch immer formatfüllend in den Bildausschnitt zu bekommen muss man sich ordentlich weit von ihr entfernen.
Brennweite 200mm Bildwirkung Neuerlich ändert sich die perspektivische Wirkung und die Größenverhälnisse von Objekten im Vorder- und Hintergrund drastisch. Tatsächlich scheint das Haus hinter der Person viel näher herangetreten zu sein. Wichtig dabei ist, dass sich eine Veränderung der Dichte einer Szene und der perspektivischen Wirkung nur durch verändern der Brennweite und der Distanz erzielen lässt.

Mit einem Weitwinkelobjektiv müssen Sie nahe an ein Motiv herantreten um es formatfüllend ablichten zu können. Durch den weiten Winkel des Blickfeldes scheinen die Objekte dahinter weiter in den Hintergrund zu treten.

Mit einem Normalobjektiv müssen Sie sich im Verhältnis zum Weitwinkelobjektiv weiter von der Person entfernen, um Sie noch immer ganz in der Bildhöhe des Bildausschnitts unterbringen zu können.

Noch sehr viel weiter müssen Sie sich mit einem Teleobjektiv vom Hauptmotiv wegbewegen, um es noch immer ganz in den Bildausschnitt zu bekommen.

Das Verändern der Brennweite alleine hat keine Auswirkung auf die Tiefenwirkung eines Bildes – es verkleinert lediglich den Ausschnitt. Der kreative Prozess dahinter ist in etwa so anspruchsvoll, wie das Beschneiden eines fertigen Bildes in der digitalen Dunkelkammer.

Wenn Sie jedoch Brennweite + Distanz gemeinsam verändern – Weitwinkel und näher ran versus Tele und weiter weg – dann beeinflussen Sie einen der wichtigsten, bildgestaltenden Parameter in der Fotografie überhaupt.

Entgegen der landläufigen Ansicht, Zoom sei (nur) dazu da entfernte Objekte näher an die Kamera heran zu bekommen, begreifen wir die bildgestalterische Qualität der Brennweite nun neu.

Die letzten Abbildungen Kapitels sollen abschließend die perspektivische Auswirkung verschiedener Brennweiten auf ein Motiv aus zwei Würfeln illustrieren. Es wird deutlich, wie sehr ein Weitwinkelobjektiv das Gefühl der Nähe, die dynamische Wirkung und die räumliche Tiefe der Abbildung verstärkt, während mit zunehmend längerer Brennweite die Abbildungen sachlicher und flacher wirken.

Es ist noch einmal zu unterstreichen, dass diese unterschiedlichen Bildwirkungen und das formatfüllende Wiedergeben der Würfel nur dadurch möglich sind, indem der Abstand von Aufnahme zu Aufnahme variiert wird. Der Abstand zu den Würfeln bei der 200mm Abbildung (etwa 2m) ist ein Vielfaches der Distanz, die für die Bildwirkung bei 14mm notwendig war (kaum 10cm).

Brennweite14mm Brennweite 14mm – Perspektive eines extremes Weitwinkel
Brennweite28mm Brennweite 28mm – Perspektive eines moderates Weitwinkel
Brennweite50mm Brennweite 50mm – Perspektive eines Normalobjektivs
Brennweite105mm Brennweite 105mm – Perspektive eines leichten Teleobjektivs
Brennweite200mm Brennweite 200mm – Perspektive eines starken Teleobjektiv

Überlassen Sie die perspektivische Wirkung der Motive nicht dem Zufall, indem Sie von da aus fotografieren, von wo aus Ihnen die Szene gerade ins Auge gesprungen ist. Nutzen Sie die Beweglichkeit Ihrer Beine und die Variabilität moderner Zoomobjektive. Gehen Sie um Ihr Motiv herum und entscheiden Sie, ob eine frontale oder eine diagonale Perspektive besser ist. Wo hat das Objekt das Sie ablichten wollen die Augen? Gehen Sie mit ihm auf Augenhöhe. Setzen Sie die Brennweite bewusst bildgestaltend ein. Beziehen Sie dabei auch mit ein, ob ein Blickwinkel von unten oder von oben besser wäre.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

1.6. Brennweiten, Fluchtpunkte und Bilddynamik

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Wir haben uns Eingangs zu diesem Kapitel über die Grundlagen der Perspektive unterhalten. Ich habe dabei skizziert, wie sich die perspektivische Wirkung eines Motivs verändert, wenn die Position zu ihm verändert wird. Ob man ein Objekt aus der Frontalansicht oder einer diagonalen Ansicht ablichtet hat Auswirkungen auf die Bildwirkung und führt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Eine rührt zu eher statischen Ergebnissen, das Andere wirkt eher spannender und dynamischer.

Position und Brennweite sind die beiden Parameter, mit denen sich die perspektivische Wirkung von Aufnahmen gestalten lässt. Durch die Distanz zum Hauptdarsteller des Motivs und die Wahl der Brennweite wird aktiv beeinflusst wie die Betrachter eine Aufnahme empfinden werden.

Werfen wir nun einen Blick auf den grundsätzlichen Unterschied in der perspektivischen Wirkung der wichtigsten Objektiv­arten – Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv.

Normalobjektiv

Die Abbildung unten soll die Wirkung eines Normalobjektivs mit einer Brennweite von 50mm illustrieren. Ich habe die Perspektive in dieser und den folgenden Illustrationen etwas übertrieben zur Darstellung gebracht, um die Unterschiede in den Charakteristiken zu betonen.

Perspektive normal Normalperspektive: Perspektivische ­Wirkung, Fluchten und Proportionen fallen in der Regel deutlich aber nicht übertrieben aus).

Spricht jemand von Normalobjektiv, dann ist in der Regel von 50mm Brennweite die Rede. Auch wenn von Standardobjektiv die Rede ist, ist oft 50mm gemeint. Wie schon früher angedeutet, ist der Blickwinkel dieser Brennweite sehr nah an der Wahrnehmung des Menschen. Somit ist so ein Objektiv für alle möglichen Einsatzzwecke gut geeignet und vor allem wenn es darum geht, einen natürlichen und authentischen Eindruck zu vermitteln.

Die Normalbrennweite erzeugt eine natürliche, authentische Perspektive.

Normalobjektiv und Porträt | Mit Vorsicht zu genießen ist das Normalobjektiv bei Gesichtsporträts. Man sollte Gesichtern damit beim Porträtieren nicht zu nahe kommen, denn sie neigen dazu die Gesichtsproportionen zu verzerren.

portrait-gesicht-50mm.jpg Nahaufnahmen von Gesichtern mit 50mm Brennweite – wie hier – fallen oft wenig schmeichelhaft aus.

Portaitfotografen verwenden in der Regel Brenn­weiten zwischen 80mm und 120mm, die Gesichtszüge harmonischer abbilden können. Ein paar Beispiele die die Wirkung von Brennweiten auf Gesichtszüge demonstrieren habe ich bereits unter ›People- und Porträtfotografie‹ im Artikel ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ gezeigt.

Anders sieht es aus wenn man mit dem 50mm beim Porträt dem Modell nicht zu sehr auf den Pelz rückt. Bei einem Porträt ab Brust, Bauch oder Oberschenkeln kommt es zu keinen unschönen Verzerrungen der Gesichtszüge.

portrait-oberkoerper-50mm.jpg Dieses Porträt stammt ebenfalls von einem 50mm Objektiv. Da die Distanz hier größer ist, wird die Perspektive und damit die Physiognomie des Gesichts weniger verzerrt.

Die beiden vorangegangenen Abbildung sind mit der Kompaktkamera S95 entstanden. Für Porträts aufgrund der hohen Schärfentiefe kein optimales Gerät. Dass die 50mm-Brennweite für Gesichtsporträts nicht optimal, für Oberkörperporträts jedoch gut geeignet ist, zeigen die beiden Fotos aber allemal.

Weitwinkel

Im Vergleich zur Brennweite eines Normalobjektivs erzeugt ein Weitwinkel eine Perspektive, in der die Fluchtpunkte deutlich näher am Objekt liegen. Es entstehen deutlich stärker geneigte und dadurch ­dynamischere Linien.

Perspektive weitwinkel Beim Weitwinkelobjektiv rücken die Fluchtpunkte näher zusammen. Das führt zu ausgeprägt fliehenden Linien – vor allem auf kurze und mittlere Distanz.

Der Nachteil: Auf manche Motive – wie Gesichter – kann das verheerende Auswirkungen haben. Das kennen wir schon ein bisschen vom Normalobjektiv. Beim Weitwinkel fällt der Effekt allerdings bei Weitem extremer aus. Je kürzer die Brennweite, desto extremer zu Verzerrung.

Weitweinkelverzerrung 21mm Brennweite aus kürzester Distanz. So etwas halten auch die edelsten Gesichtsproportionen nicht aus. Die Gefahr für verunstaltete Menschen ist extrem groß. Bei solchen Ergebnissen ist es kein Wunder, dass manche Leute die Kamera scheuen wie der Teufel das Weihwasser!

Während beim Normalobjektiv und bei Brennweiten um die 50mm Porträts noch immer gelingen, wenn man Oberkörper oder Beine mit in den Bildausschnitt nimmt, ist das Weitwinkel generell gefährlich für menschliche Proportionen. Nicht nur bei Nahaufnahmen kommt es zu deutlichen Verzerrungen, sondern ebenso in den Randbereichen auf etwas größere Distanz.

Andreaweitwinkel Meine zweifellos bessere Hälfte, hier schonungslos vom Weitwinkel gequetscht, gezogen und deformiert.

Doch auch wenn Weitwinkel mit Sicherheit die anspruchsvollste Brennweite ist – vor Allem wenn wir den Dingen nahe kommen –, so übt es in meinen Augen auch den größten Reiz aus. Vor allem für beeindruckende Landschafts- und Architekturaufnahmen gehören Weitwinkel zur Pflicht.

Weitwinkel Landschaft
Eine ziemlich klassische Weitwinkelaufnahme.
Weitwinkelverzerrt
Kritisch wird es wie bereits weiter oben beschrieben, wenn Menschen das Weitwinkel kreuzen. Dieses Bild ist nicht digital verzerrt worden, sondern die Deformation der Protagonisten ist rein auf das Weitwinkel zurück zu führen.

Allerdings schließt das nicht aus, dass Weitwinkel für das Ablichten völlig ungeeignet ist. Richtig eingesetzt lassen sich damit witzige, freche und überraschende Porträts gestalten.

Amelie Eines meiner liebsten Beispiele eines Porträts mit Weitwinkel: ›Die Fabelhafte Welt der Amelie‹. Ohne wäre Audrea Tautous kecker Blick hier nur halb so frech.
weitwinkelportrait.jpg
Auch der Blick mit Weitwinkel von oben hinab eröffnet eine witzige Perspektive für ein Porträt, hier, passend zum öden Treppenhaus, betont kühl entwickelt.
Grossehaende
Typisch Weitwinkel: Was nah ist wirkt ganz nah und riesig groß. Schon dicht dahinter wirken die Dinge viel kleiner.
Grossefuesse Und noch einmal Weitwinkel: Hier mit riesigen Schuhen und endlos langen Beinen.

Die Eigenschaft von Weitwinkel die Dinge von Nah bis Fern in die Länge zu ziehen wird auch gerne von Fashion- und Beauty-Fotografen genutzt, um den Models Beine zu machen. Fotografiert man Menschen aus kürzerer Distanz mit Weitwinkel aus einer tiefen Perspektive scheinen die Beine länger als sie sind (über das, was den Models in der digitalen Dunkelkammer an Schönheitsoperationen widerfährt bewahren wir Schweigen).

Denise weitwinkel 36mm + kurze Distanz + tiefe Perspektive = lange Beine.

Wer mit Weitwinkel fotografiert und nicht gerade eine Landschaft als Motiv gewählt hat, muss in der Regel nahe an sein Motiv ran. Betrachter des Resultats spüren das. Weitwinkelaufnahmen vermitteln das Gefühlt mitten im Geschehen zu stecken und die Protagonisten fast schon greifen zu können. Deshalb sind sie auch sehr beleibt bei Reise- und Reportagefotografen. Während Normalobjektive eher noch zur trockenen, sachlichen Authentizität neigen, erzeugen Weitwinkel schon vom Grundcharakter her mehr Spannung und Leben.

Weitwinkelobjektive ­können Nähe vermitteln und dramatische Perspektiven erzeugen.

Mitten drin
Man spürt die Nähe von Kamera zum Motiv: Hier 28mm Weitwinkel mit der Kompaktkamera PowerShot G12.

Teleobjektiv

Je weiter man in den Bereich der Telebrennweite vorrückt, desto weiter rücken die Fluchtpunkte auseinander und desto mehr nähern sich die horizontalen und vertikalen Linien auch in der Abbildung der Horizontalen und Vertikalen.

Perspektive tele Bei der Tele-Perspektive rücken die Fluchtpunkte weit auseinander. Die Resultate wirken flacher und sachlicher.

Zwar klingt es im ersten Moment verlockend die Dinge so horizontal und vertikal abbilden zu können, wie sie in der Realität sind. Doch den Resultaten einer solchen Wiedergabe fehlt oft Tiefe und Dynamik. Aufnahmen mit Teleobjektiv wirken oft flach, sachlich und trocken. Während Weitwinkel-Bilder Nähe vermitteln und Normalobjektiv-Bilder eine natürliche Bildwirkung erzeugen, vermitteln Teleobjektive den Eindruck der Distanz.

Distanz Die Distanz, aus der Aufnahmen mit Teleobjektiven entstehen, ist auch für den Betrachter eines Fotos spürbar.

Wir Menschen sind Seh-Wesen und nehmen 80% unserer Umwelt über das Sehen wahr. Auch wenn wir nicht von Geburt an dazu in der Lage sind Fotos zu interpretieren und zu analysieren, ob sie mit Weitwinkel-, Normal- oder Teleobjektiv aufgenommen wurden. Intuitiv spürt jeder von uns von Natur aus, ob ein Bild aus kurzer, mittlerer oder weiter Distanz aufgenommen wurde. Gerade wenn man mit Weitwinkel Menschen aufnimmt, vermitteln die Aufnahmen oft eine gewisse Ungestörtheit und Intimität aber gerade deswegen eben auch ein bisschen etwas Voyeuristisches.

Teleobjektive erzeugen sachlich distanzierte ­Anmutung.

Auch wenn der rein bildgestalterische Wert langer Telebrennweiten nicht an leichte Teles (für Porträts), Normalobjektiven (Allround) und Weitwinkeln (Landschaft, Reise, Reportage, Action) herankommt, soll das ihre Bedeutung nicht herabwürdigen. Überall dort, wo entfernte Motive abzulichten möchte, denen man sich nicht ohne Weiteres annähern kann, sind sie wichtig. Ob es um scheue oder wilde Tiere geht, oder um Sportler auf Straßen und Feldern. Wo das Hingehen unmöglich ist ist das Tele unverzichtbar!

Murmelbaer Murmeltiere sind nicht überall in den Alpen völlig scheu. Aber auch wenn Sie sich nicht gleich beim entfernten Auftauchen eines Menschen unsichtbar machen – nah ran und mit Weitwinkel fotografieren erlauben sie meist nicht. Scheue Tiere schießt man nur mit Tele.
perspektive-weitwinkel-stern.jpg perspektive-tele-stern.jpg
Diese beiden Aufnahmen ein und desselben Holzsterns stellen noch einmal die beiden Extreme Weitwinkel und Tele gegenüber. Das linke Bild habe ich aus sehr kurzer Distanz mit 28mm Weitwinkel aufgenommen. Das rechte entstand aus deutlich größerer Entfernung mit 100mm Tele (beides mit dem Zoomobjektiv der Canon PowerShot G12). Während der Stern in der Weitwinkeloptik sehr nah wirkt und extrem fliehende Linien nach hinten zeigt, vermittelt die Tele-Aufnahme den Eindruck deutlich größerer Distanz und die nach hinten fliehenden Linien scheinen schon fast parallel zu verlafen.
Perspektive stark Perspektive schwach Perspaktive keine
Dieses Denkmal steht auf einem Sockel mit einer Höhe von etwa 1,70 Meter. Die linke Aufnahme entstand aus einem tiefen Blickwinkel bei 27mm (KB). Der Soldat richtet sich dramatisch und bedrohlich vor dem Betrachter auf. Bei 105mm (KB; Mitte) und wesentliche größerer Distanz fällt der Blickwinkel naturgemäß ziemlich flach aus. Während man beim Linken Bild die Statur der Statue deutlich zum Himmel hin fliehen sieht, was der Aufnahme die Dramatik verleiht, ist hier von Flucht und Perspektive kaum mehr etwas zu spüren. Bei 300mm Brennweite (rechts) aus großer Distanz ist jegliche Bedrohung aus der Aufnahme gewichen. Der Soldat wirkt in sich gekehrt und geknickt. Er scheint uns, den Betrachter, gar nicht zu bemerken. Wir beobachten ihn aus der Distanz.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.

1.5. Formatfaktor

Posted in Fotoschule Online

Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Die Sache mit den Brennweiten könnte so einfach sein, wären da nicht die verschiedenen Sensorformate. Bildsensoren werden in unterschiedlichen Größen produziert und die Größe des Sensors beeinflusst den Blickwinkel (und natürlich den Preis). Das Problem ist also, dass eine bestimmte Brennweite vor einem bestimmten Sensorformat einen bestimmten Blickwinkel erzeugt, vor einem anderen Sensorformat jedoch einen anderen.

D7000_sensor_unit_1_rgb.jpg
Die Bildsensor-Einheit einer Nikon D7000 (Bild: © Nikon GmbH)

Die Abbildung unten zeigt einen Auszug an Formaten, die heute bei Digitalkameras üblich sind.

Sensorformate.jpg Ein paar Beispiele von Sensorformaten zur Veranschaulichung der Größenverhältnisse: Hassselblad Mittelformatkamera, Leica S2 Spiegelrelfex-Systemkamera, Kleinbild, DX (Nikon, Sony, Pentax), Four Thirds (Olympus und Panasonic) und exemplarisch das Format der Komapaktkameras G12 und S95 von Canon.

Kleinbildformat | In den Tagen der analogen Fotografie (dem Fotografieren mit Film) hatte sich zuletzt das Kleinbildformat für die meisten Kameras durchgesetzt. Filme im Format von 36×24mm passten sowohl in Kompaktkameras, Sucherkameras und Spiegelreflexkameras. Lediglich im professionellen High-End-Bereich waren Mittel- und Großformat mit größeren Filmformaten ›State of the Art‹.

Sensia100.jpg Analoger Film ist noch immer von Herstellern wie Fujifilm beziehbar (Bild: © Fujifilm Europe GmbH)

In den 1990er Jahren verhalf Canon mit seiner Ixus dem etwas bequemeren, aber relativ kleinen APS-Format, zu einem kurzfristigen Durchbruch. Doch das Gros der Aufnahmen wurde wie gesagt auf 36×24mm gebannt.

Als Digitalfotografie zum Thema wurde und erste digitale Kameras auf den Markt kamen, wurden Bildsensoren verbaut die deutlich kleiner waren als die 36×24mm Filme der analogen Kleinbildkameras. Der Grund war vor allem, dass größere Sensoren ungleich teurer zu produzieren waren als kleinere. Deshalb werden in Kompaktkameras bis heute sehr kleine Sensoren verbaut und nur in professionellen Spitzenmodellen sind Sensoren im Kleinbildformat zu finden (in analogen Zeiten war das Abbildungsformat des Films für Kompakt und Spiegelreflex eben identisch).

Mittelformat | Es gibt heute digitale Mittelformatkameras die größere Sensoren nutzen als das Kleinbildformat. Bekannte Hersteller solcher Geräte sind Hasselblad, PhaseOne oder Sinar. Im letzten Jahr ließ Pentax mit einer Mittelformat-Kamera aufhorchen, die als Preisbrecher gehandelt wird. Außerdem sorgte in jüngster Vergangenheit auch die deutsche Edel-Kameraschmiede Leica mit einem Kamerasystem für Interesse, das im Grunde eine Spiegelreflexkamera ist, aber einen größeren Sensor als Kleinbild nutzt.

645D_cross.jpg
Mittelformatkameras, wie dieses Modell von Pentax, nutzen deutlich größere Sensorformate, als das Kleinbildformat (Bild: © Pentax Imaging Systems GmbH)

Sensorformat und seine Auswirkungen

Das Gros der Kameramodelle am Markt arbeitet aber aus Preisgründen mit Sensoren, die mehr oder weniger deutlich kleiner sind als Kleinbild. Mit der Größe des Sensorformats sind nun aber eben Unterschiede in Art der Abbildung und der Abbildungsqualität verbunden. Beeinfluss werden vor allem:

  • Bildrauschen;
  • Blickwinkel und perspektivische Wirkung der Brennweite;
  • Schärfentiefe.

Bildrauschen | Bildrauschen – so bezeichnet man eine körnige Struktur aus unterschiedlich hellen oder farbigen Pixeln – gehört zu den wichtigsten Problemen der Digitalfotografie. Man unterschiedet dabei das sogenannte Helligkeits- oder Luminanzrauschen (wie in der Abbildung unten) vom Farbrauschen, bei dem nicht hellere und dunklere Pixel die Struktur ergeben, sondern bunte in den Farben rot, grün, blau, gelb, cyan und/oder magenta. Rauschen wird vor allem in dunkleren Bildbereichen sichtbar. Ein Grundrauschen ist in jedem Digitalbild normal. Oft fällt es aber so gering aus, dass man es praktisch nicht bemerkt. Doch durch lange Belichtungszeiten oder Anheben der ISO-Empfindlichkeit wird der Effekt verstärkt und es kann unangenehm im Bild hervortreten.

Bildrauschen1 Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kann man die Belichtungszeit reduzieren indem die Sensorempfindlichkeit erhöht wird.
Bildrauschen2 Leider führt das anheben der Empfindlichkeit durch Erhöhen des ISO-Werts zu kräftigeren Bildrauschen.

Je kleiner der Sensor, desto anfälliger für Rauschen. Wobei es streng genommen vor allem auch von der Auflösung abhängt. Im Grunde geht es gar nicht um die Größe des Sensors, sondern wie viele Pixel auf wie engem Raum wie dicht beieinander liegen. Ein kleiner Sensor mit geringer Auflösung muss nicht unbedingt mehr rauschen verursachen, als ein großer Sensor mit sehr hoher Auflösung.

Je größer die Zahl der Pixel und kleiner das Format des Sensors, desto mehr Rauschen wird produziert.

Brennweite | Der zweite Faktor, der vom Sensorformat beeinflusst wird, ist der Blickwinkel den eine bestimmte Brennweite vor einem Sensor ergibt. Die beiden Abbildungen unten zeigen zwei Aufnahmen die vom Stativ aus mit exakt derselben Distanz und derselben Brennweite von 24mm aufgenommen wurden. Der Bildausschnitt den sie zeigen unterscheidet sich gravierend! Die D7000 mit dem deutliche kleineren Sensor nimmt den Buddha sehr viel naher auf, als die D700 mit ihrem Kleinbildsensor.

Dx Aufnahme aus einer Distanz von etwa zehn Zentimeter mit einem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an einer Nikon D7000 mit einem Sensor im Format 24×16mm.
Fx Aufnahme aus derselben Distanz mit dem ­Sigma 24mm ƒ1.8 an der Nikon D700 mit einem Sensor im Format von 36×24mm.

Das nachfolgende Beispiel zeigt eine Aufnahme die mit einer Kleinbildkamera und 135mm Brennweite aufgenommen wurde. Nehmen wir an, wir würden von derselben Stelle aus mit einer 10 Megapixel Kamera mit Kleinbild und einer 10 Megapixel Kamera mit einem ein Drittel kleineren APS-C- bzw. DX-Sensor diesen Ort fotografieren, wobei beide Kameras eine Objektiv mit einer KB-Brennweite von 135mm tragen. Dann bildet die Kleinbildkamera einen größeren, die DX-Kamera einen kleineren Bildausschnitt ab – trotz gleicher Brennweite! Die Kamera mit dem kleineren Sensor scheint bei gleicher Brennweite das Motiv also näher heranzuzoomen.

Dxundfx Fx
Dx Oben links Bildausschnitt bei 135mm bei Kleinbild und 24×16mm DX-Sensor in der Montage, oben Resultat der 135mm-Brennweite bei Kleinbildformat und links Resultat bei DX-Format.

Das ist natürlich ein Problem, wenn man Brennweiten und ihre perspektivische Wirkung und den Bildausschnitt den sie abbilden miteinander vergleichen will. Ein sinnvoller Vergleich ist nur dann möglich, wenn man sie auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Der Sensor in der Nikon D7000 ist um den Faktor 1,5 kleiner wie jener in der D700: 24×16mm statt 36×24mm. Der Bildausschnitt den jede beliebige Brennweite an der D7000 erzeugt ist 1,5 mal kleiner beziehungsweise 1,5 mal naher als bei der D700. Um also einen Vergleich der Nikon D7000 mit einem Sensorformat, das man als APS-C bezeichnet, mit der D700, die ein Kleinbildformat hat, anstellen zu können, wird das APS-C auf Kleinbild umgerechnet. Das gilt natürlich für alle anderen Marken und Formate ebenso.

Kleinbild ist der gemeinsame Nenner auf den sich die Fachwelt geeinigt hat – die Abkürzung lautet KB. Spricht man allgemein von Brennweiten, dann beziehen sich die Millimeterangaben immer auf Kleinbild, sofern es nicht dezidiert anders angegeben wird.

Um Brennweiten an unterschiedlichen Kameras mit unterschiedlichen Sensorformaten vergleichen zu können, hat man sich auf Kleinbild (KB) als gemeinsamen Nenner geeinigt.

Formatfaktor | Für jedes Format lässt sich ein Umrechnungsfaktor aufstellen, mit dem sich die Wirkung von Brennweiten im Vergleich zu Kleinbild berechnen lässt. Diesen Umrechnungsfaktor bezeichnet man auch als Formatfaktor oder Crop-Faktor.

Bei Nikon ist das einfach. Nikon hat zwei Formate für Spiegelreflexkameras: Geräte, mit einem Sensor im Format 36×24mm, die bei Nikon die Bezeichnung FX tragen. Und Geräte mit einem Sensor im Format 24×16mm, die bei Nikon DX heißen und einen Umrechnungsfaktor auf Kleinbild von 1,5 haben. Ein 50mm Objektiv an einer Nikon mit kleinerem DX-Sensor entspricht dem Bildausschnitt und der perspektivischen Wirkung von 75mm auf Kleinbild: 50 × 1,5 = 75.

Bei Olympus und Panasonic (Lumix) ist das sogar noch einfacher. Deren sogenannte Four Thirds Sensoren haben ein Format von 17,3×13mm und werden mit dem Umrechnungsfaktor 1:2 berechnet: 50mm an einer Four Thirds Kamera entspricht also rund der Bildwirkung von 100mm an einer Kleinbildkamera.

  • Kleinbild: 36×24mm (1:1 KB-Faktor);
  • APS-H (Canon): 27,9mm×18,6mm (≈1:1,3 KB-Faktor);
  • DX (Nikon, Sony, Pentax): 23,7×15,6mm (≈1:1,5 KB-Faktor);
  • APS-C (Canon): 22,2×15,8mm (≈1:1,6 KB-Faktor);
  • Four-Thirds (Olympus, Panasonic): 17,3×13mm (≈1:2 KB-Faktor);
  • Sensor der Canon PowerShot G12 exemplarisch als ein Sensorformat vieler möglicher bei Kompaktkameras: 7,6×5,7mm (≈1:4,5 KB-Faktor).
Powershot g12 Powershot s95
Auf der Front des Objektivs der Kompaktkamera Canon PowerShot G12 steht die tatsächliche Brennweite der Optik: 6,1mm bis 30,5mm. Die tatsächliche Brennweite der PowerShot S95 reicht von 6mm bis 22,5mm. Allerdings interessieren uns Fotografen in der Regel nicht die technischen Brennweiten, sondern das Äquivalent der Bildwirkung im Vergleich zur Kleinbildkamera. Der Formatfaktor für G12 und S95 beträgt etwa 4,5. Canon gibt die Brennweiten der G12 auf Kleinbild umgerechnet mit 28–140mm an, für die S95 mit 28–105mm.

Schärfentiefe | Ein dritter Unterschied liegt in der unterschiedlichen Schärfentiefe unterschiedlicher Sensorformate. Wie die beiden folgenden Abbildungen jedoch belegen, fällt der Unterschied zwischen mittleren Sensoren, wie Four Thirds, APS-C, DX und APS-H, und Kleinbild nicht besonders dramatisch aus.

Schaefentiefe1
Aufnahme mit der Kleinbildkamera Nikon D700 und 105 mm Objektiv.
Schaefentiefe2
Aufnahme mit der D7000 mit kleinerem Sensor und demselben Objektiv. Aufgrund des Formatfaktors musst ich die Kamera weiter weg stellen um denselben Bildausschnitt zu erreichen. Das Ergebnis ist, dass bei gleicher Brennweite (und gleicher Blende) eine höhere Schärfentiefe entstanden ist.

Je größer der Sensor, desto geringer die Schärfentiefe, bei ansonsten gleichen Einstellungen.

Eklatanter wird der Unterschied in der Schärfentiefewirkung zwischen den sehr kleinen Sensoren bei Kompaktkameras und den mittelgroß bis großen Sensoren in Spiegelreflex- und anderen Systemkameras. Dazu habe ich unter ›Fotografische Genres und die geeignete Kamera‹ schon einmal zwei Bilder gezeigt.

Für die Auswirkung des Sensorformats auf Bildrauschen, Bildausschnitt und Schärfentiefe gelten folgende Regeln:

  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Neigung Bildrauschen zu erzeugen bei gleicher Empfindlichkeit und gleicher Belichtungszeit.
  • Je kleiner der Sensor, desto enger der Bildausschnitt bei gleicher Brennweite.
  • Je kleiner der Sensor, desto höher die Schärfentiefe bei gleicher Brennweite und gleicher Blende.
Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
Affilate-Link zum Buch bei Amazon.