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Kategorie: Fotoschule Online

Kreativ fotografieren: Inhalt und Einleitung

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Inhalt

Einleitung

Als ich im letzten Jahrtausend zu Fotografieren begann, wollte ich natürlich mehr über die Grundlagen der Fotografie wissen. Wie Viele begann ich meine fotografische Laufbahn mit einer Kompak­tkamera und Urlaubs- und Freizeitbildern. Als ich dann angefangen habe als Grafikdesigner zu arbeiten wuchs auch mein Interesse an der richtigen Fotografie. Meine ersten Erfahrungen mit Spiegelreflex konnte ich mit der analogen Minolta meines Vaters machen. Bald schon wollte ich aber eine eigene Kamera und bin bei Nikon gelandet – und geblieben.

Um mehr über Fotografie zu erfahren habe ich mich als Autodidakt nach Literatur zum Thema umgesehen. Unter anderem bin dich dabei auf ›Das große Buch der Fotografie – Schritt für Schritt zum gelungen Bild‹ von John Freeman gestoßen. Das Buch hat mir gut gefallen und die Basis für mein heutiges Wissen über Fotografie gebildet. Aber habe ich damit fotografieren gelernt? Nicht wirklich. Der allgemeine Charakter des Buches hat dazu geführt, dass alles mögliche beleuchtet wurde, was mit Fotografie in Zusammenhang steht – so auch Dinge wie Mittel- und Großformatkameras. Greifbar vermittelt wie ich meine Spiegelreflex einsetze um bessere Bilder zu machen, hat es mir nicht.

Dann kam die digitale Fotografie und mit ihr eine Schwemme an Büchern. Das erste Buch, das mich wirklich einen entscheidenden Schritt weiter gebracht hat, war ›Das digitale Fotografie Buch‹ von Scott Kelby. Ich kann es noch immer uneingeschränkt jedem empfehlen, der mit Hilfe prägnanter, praxistauglicher Tipps in der Fotografie vorankommen will, wobei ich diese Empfehlung auf den ersten Band beschränke.

Doch abgesehen davon, dass ich bei Kelby viele nützliche Tricks erfuhr, könnte ich nicht sagen, dass ich damit wirklich fotografieren gelernt habe. Kelbys Konzept ein Fotobuch für die Praxis zu schreiben – nach dem Motto »Du willst das und das? Dann mach das so und so!« – ist großartig, bedingt aber auch, dass er bewusst auf theoretische Hintergründe verzichtet. Wer verstehen will weshalb Kelby das und das so und so macht, muss woanders recherchieren.

Ein sehr gutes Werk für diese Recherche ist ›Der große ­Humboldt Fotolehrgang‹ von Tom! Striewisch. Für dieses Buch gilt, was auch für Kelbys Buch gilt: Un­eingeschränkte Empfehlung! Striewisch versteht nicht nur die Materie, er versteht es auch sie so zu erklären, dass es auch ambitionierte Einsteiger gut verstehen (noch eine Gemeinsamkeit mit Kelby).

Aber hat es mir das Fotografieren beigebracht? Ich würde es mit Pink Floyd zum Ausdruck bringen: »It was another brick in the wall«.

Freemans Grundlagen, Kelbys Praxistipps, Striewisch’ theoretische Erläuterungen und meine eigenen Erfahrungen haben mir gemeinsam geholfen, mein Bild der Fotografie vollständig zu bekommen.

Der letzte Initialzünder in meinem Puzzle war ›Hot Shoe Diaries – groß inszenieren mit kleinen Blitzen‹ von Joe McNally. Auch er versteht es, die komplexen Themen der Fotografie einfach und prägnant auf den Punkt zu bringen. Dieses Buch hat meine ablehnende Haltung gegenüber Systemblitzen und Blitzen außerhalb des Studios eliminiert und mich zu einem Blitz-Fan gemacht.

Nachdem ich das Buch über Nikons Profikamera D700 geschrieben hatte und es von den Lesern mit viel Wohlwollen und lobendem Feedback angenommen wurde, kamen zunehmend Anfragen nach Fotografie-Schulungen auf mich zu. Um einen Workshop über die Grundlagen der Fotografie abhalten zu können – mit dem Ziel, dass die Teilnehmer Fotografie anschließend besser verstehen – habe ich mich hin gesetzt und mir überlegt, wie man Fotografie erklären müsste, dass es für Einsteiger und Amateure ein ganz­heitliches Bild ergibt.

Als Erstes habe ich mich an meinen eigenen Werdegang als Autodidakt erinnert. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich die didaktischen Konzepte, die ich kennen gelernt hatte, einmal zu vergessen versucht und mich gefragt: Wie lernt man als Einsteiger und Amateur Fotografie?

Normalerweise lernt man in Workshops und Lehrbüchern über Fotografie die theoretischen und technischen Grundlagen und was sie bewirken. In Praxisbüchern und -Workshops wird zwar sehr wohl vermittelt, wie man in bestimmten Situationen vorgehen sollte, doch die Grundlagen von Theorie und Praxis werden dabei vorausgesetzt.

Aber fotografiert man tatsächlich so? Fragt man sich tat­sächlich: Ich habe hier Blende 8 – was könnte ich damit fotografieren?

Nein! Man hat ein Motiv vor Augen und überlegt sich: Wie kann ich es am besten in Szene setzen? Aus welcher Perspektive und mit welchem Blickwinkel kommt es am besten zur Geltung. Brauche ich viel oder wenig Schärfentiefe? Wie ermittle ich die optimale Belichtung? Und ein oft vergessenes Thema: Wie ­komponiere ich die Aufteilung innerhalb des Bildausschnitts? Drittelregel und Goldener Schnitt sind nicht die Antwort auf alle Fragen.

Basierend auf diesen Überlegungen habe ich ein Konzept entwickelt, bei dem ich von eben diesen Fragen ausgehe:

  1. Welchen Blickwinkel und welche Perspektive möchte ich und mit welchen technischen Mitteln erreiche ich das.
  2. Wie kann ich mit Schärfe umgehen um die Bildaussage zu unterstreichen und welche technischen Mittel stehen mir zur Beeinflussung zur Verfügung.
  3. Mit welchen Mitteln und Einstellungen erreiche ich eine optimale Belichtung.
  4. Was gibt es für Grundlagen, die ich bei der Komposition des Bildausschnitts berücksichtigen kann.

Ich glaube, dass diese vier Schritte eine gute Basis bilden, von der ausgehend sich Fotografie gut im Zusammenhang beschreiben und vermitteln lässt. Dieses ›Vier Schritte zum Bild‹-Konzept möchte ich euch, liebe Leser, mit dieser ›Fotoschule OnLine‹ vorstellen. Dabei geht es mir nicht um ein akademisches Lehrkonzept für Profis, sondern darum, dem Ein- und Aufsteiger fotografisches Wissen greifbar, bildlich, praxistauglich und unterhaltsam zu vermitteln. Dem gelernten Fotografen mögen sich ob der teilweise sicher sehr unorthodoxen Herangehensweise die Haare sträuben. Aber ich hoffe, dass ambitionierte Amateure und Hobbyfotografen umso mehr davon profitieren.

Die Idee des Konzepts

Ausgangsbasis zu den Überlegungen die zum Konzept geführt haben, waren meine Erfahrungen bei Workshops, dass die Teilnehmer zwar verstanden haben, wie Blenden, Brennweiten, etc. funktioniert. Doch bei praktischen Versuchen ist mir aufgefallen, dass theoretisches Verstehen nicht unbedingt bedeutet zu sehen wie dieses Wissen praktisch angewendet werden kann. Also habe ich überlegt worum es in der Fotografie eigentlich geht. Nicht um Technik, sondern um Kreativität. Und welche Dinge kann der Fotograf mit Kamera und Objektiv beeinflussen?

Die Antwort hat mich überrascht: Es sind eigentlich nur die vier Parameter, die ich bereits genannt habe – Perspektive, Schärfe, Belichtung und Bildausschnitt. Der Rest – der mindestens genauso wichtig ist – ist einer eine Frage der Grundidee und der Organisation. Also habe ich begonnen ein Diagramm mit diesen vier Parametern als Basis zu erstellen.

Fotografische Zusammenhaenge 1

Als zweiten Schritt habe alle Begriffe notiert, die mit Kamera und Objektiv und deren Einstellungsmöglichkeiten in Zusammenhang stehen. Dabei habe ich Blitz und Stativ mit aufgenommen, allerdings auch Dinge Filter ausgespart – das entstandene Diagramm ist so schon komplex genug.

Fotografische Zusammenhaenge 2

Das daraus entstanden Diagramm zeigt deutlich wie komplex Fotografie eigentlich ist und vermittelt einen Eindruck davon, weshalb es vielen Einsteigern schwer fällt das Thema zu verstehen und die theoretischen Grundlagen praktisch anwenden zu können. Das Problem ist dabei, dass der Hobbyfotograf die theoretischen Grundlagen nicht verstanden hätte, sondern vielmehr das Wissen wie dieses Verständnis in der Praxis und im Zusammenhang angewendet werden kann.

Ich habe deshalb versucht alle technischen Details einem der vier kreativen Grundparameter zuzuordnen. Tatsächlich sind die Zusammenhänge so komplex wie im Diagramm oben, oder eher noch komplexer. Doch als Basisüberlegung kann man schon behaupten, dass die Brennweite als erstes zur Gestaltung der perspektivischen Wirkung einer Aufnahme herangezogen wird, wogegen man die Blende eher dazu nutzt die Schärfentiefe bewusst zu beeinflussen. Also habe ich alle sekundären Zusammenhänge raus gelöscht und jedes technische Element einem der vier kreativen Grundparameter zugeordnet.

Fotografische Zusammenhaenge 3

Nach diesem Konzept werde ich in den folgenden Artikeln, zusammengefasst in vier Kapiteln die technischen und theoretischen Grundlagen der Fotografie erklären. Es darf nicht als Schablone für jede Aufnahmesituation betrachtet werden. Es soll schon gar keine akademische Abhandlung über Fotografie sein. Mir ging es in all meinen Büchern vor allem darum ein Thema für den praktischen Gebrauch einfach zu beschreiben, auch wenn dazu manchmal Vereinfachungen notwendig sind, bei dem es dem Theoretiker die Haare sträubt. Das Vier-Schritte-Konzept ist als Sprungbrett in die Welt der Fotografie gedacht. Wer Fotografie durch und durch verstanden hat und die Anwendung eines solchen, oder ähnlichen Konzepts souverän beherrscht, der wird ohnehin in der Praxis nicht mehr überlegen, ob er jetzt Brennweite oder Blende verwenden soll um die Schärfentiefe zu beeinflussen. Sobald einem der Umgang mit all diesen Parametern einmal in Fleisch und Blut übergangen ist fotografiert man intuitiv und aus dem Bauch heraus. Es ist vielleicht etwas wie Autofahren: Am Anfang muss man noch über Kupplung, Schaltung und Gas nachdenken. Doch hat man einmal eine gewisse Praxis geht das alles von selbst.

Über die Navigationsleiste direkt unterhalb könnt ihr dem Konzept vom Anfang zum Ende folgen, indem ihr am Ende jedes Abschnitts auf ›Weiter‹ klickt. Im Blog selbst erscheinen die Artikel von neu nach alt, also in verkehrter Reihenfolge.

Falls ihr Fragen und Rückmeldungen habt, freue ich mich auf euere Kommentare. Ich wünsche auch viel Spaß beim Lesen und Erfolg in der Umsetzung.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 24,90
Weitere Informationen und Demokapitel auf der Website des Verlags;
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3.13. Bildstabilisierung

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Normaler Weise lässt aus freier Hand eine Belichtungszeit ­halten, die etwa dem Kehrwert der Brennweite entspricht. Durch Bildstabilisierung lässt sich dieser Wert ausdehnen.

Die Bildstabilisierung findet je nach Hersteller und Modell ­entweder im Objektiv statt oder in der Kamera.

Da die Belichtungszeit umso kürzer sein muss, je länger die Brennweite ist, ist eine solche Unterstützung natürlich umso willkommener, je ­länger die Brennweite ist. Anders gesagt, bei kurzen Brennweiten im Weitwinkelbereich bis hinein in den Bereich der Normalobjektive ist eine Bildstabilisierung nicht unbedingt notwendig, da man ohnehin nicht so oft unter Belichtungszeiten von 1/50 Sekunde kommt. Deshalb bieten auch die meisten Objektive dieser Brennweiten keine Bildstabilisierung an (sofern der Hersteller die Bildstabilisierung nicht ohnehin in die Kamera verlagert hat).

Laut Herstellern und Medien sollen sich mit Bildstabilisierungssystemen bis zu vier Lichtwerte gewinnen lassen. Das heißt, man kann länger aus freier Hand belichten, ohne dass das Bild verwackelt.

Es gibt kritische Stimmen zur Bildstabilisierung. Meine eigenen Erfahrungen damit sind positiv, vor allem bei meinem ­Nikon 70–300 mm 4.5–5.6 Objektiv, bei dem ich Stabilisierung in erster Linie nutze. Die folgenden Abbildung zeigen eine Reihe von Testaufnahmen, die ich mit diesem Objektiv ohne und mit Stabilisierung aufgenommen habe. Die Ergebnisse sprechen für sich. ­Allerdings darf man aus den Ergebnissen ebenso wenig ableiten, dass die Bildstabilisierung aller Nikon Objektive ebenso effektiv arbeitet, noch, dass andere Hersteller weniger effektive Systeme haben. Am besten findet ihr heraus, wie leistungsfähig euer System ist, indem ihr eine ähnliche Testserie aufnehmen.

Motiv Der Originalausschnitt, aus dem die Ausschnitte unten stammen. Alle Ausschnitte sind nicht in tatsächlicher Pixelgröße dargestellt und sind durch die JPEG-Komprimierung unschärfer, als im Original. Trotzdem verdeutlichen die Abbildungen klar, dass Bildstabilisierung extrem effektiv arbeiten kann. Alle Bilder wurden mit einer Nikon DX-Kamera bei 300mm Brennweite aufgenommen, was einer Kleinbild-Brennweite von 450mm entspricht (siehe dazu »Formatfaktor«).
640 Sec ohne Stabilisierung 1/640 Sekunde ohne Bildstabilisierung
640 Sec mit Stabilisierung 1/640 Sekunde mit Bildstabilisierung
320 Sec ohne Stabilisierung 1/320 Sekunde ohne Bildstabilisierung
320 Sec mit Stabilisierung 1/320 Sekunde mit Bildstabilisierung
160 Sec ohne Stabilisierung 1/160 Sekunde ohne Bildstabilisierung
160 Sec mit Stabilisierung 1/160 Sekunde mit Bildstabilisierung
60 Sec mit Stabilisierung 1/60 Sekunde mit Bildstabilisierung

Als Kaufargument für oder gegen ein Objektiv hat Bildstabilisierung für mich eher wenig Gewicht. Wichtiger sind mir Lichtstärke und generelle Abbildungsleistung. Doch wenn eine ­Stabilisierung auch noch mit drin ist – warum nicht!

Ebenso wenig wäre für mich das Argument, dass ein Hersteller die Bildstabilisierung in der Kamera vornimmt, ein Grund, mich für eine Marke zu entscheiden. Zwar hat es den Vorteil, dass mit der ­Stabilisierung in der Kamera mit jedem Objektiv stabilisiert foto­grafiert werden kann. Doch auch hier fallen mir viele Argumente ein, die mir wichtiger sind als dieses.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
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Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
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3.12. Belichtungsmesswert speichern

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Mehrfeld- und mittenbetonte Messung berechnen die Belichtung, indem sie einen großen Teil des Bildfeldes mit einbeziehen. Das funktioniert in den meisten Situationen gut, kann aber kritisch ­werden, wenn das Verhältnis zwischen ganz hellen und ganz dunklen Be­reichen massiv ungleich ist. Helfen kann hier eine Kombination aus Spotmessung und Belichtungsmessert-Speicherung. Diese liegt bei ­Canon auf der *-Taste, bei den meisten anderen ­Herstellern auf AE-L/AF-L beziehungsweise AEL/AFL.

Canon Stern Taste Stern-Taste einer Canon PowerShot G12.
Nikon AE L AF L Taste AE-L/AF-L-Taste einer Nikon D700.

Nehmen wir als Beispiel eine Kupfer-Katze und eine Buddha-Figur und nehmen wir an, wir wollen auf die Katze scharf stellen und die ­Figur nur angeschnitten am Rand im Bild haben. Fokussieren wir bei einem Bildausschnitt, wie in der Abbildung unten, auf die Katze, dann wird bei Mehrfeld- und mittenbetonter Messung die Belichtung anhand der Helligkeit eines großen Teils des Bildausschnitts berechnet. Das führt zu einer Überbelichtung des hellen Buddha.

Bild mit ungleich hellen Bereichen Motiv mit ungleich hellen Bildbereichen.

Eine Möglichkeit wäre nun über eine Belichtungskorrektur einzugreifen. Statt dessen kann ich aber auch mit dem Messfeld auf den zu messenden Bereich zielen und durch Drücken der *- beziehungsweise AE-L/AF-L-Taste die Belichtung speichern.

Belichtung messen und speichern Belichtung auf einen Bildbereich messen, …

Dann schwenke ich zur Katze, auf die ich scharf stellen möchte, und löse aus.

Bild komponieren und ausloesen … das Bild dann neu komponieren und auslösen.
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3.11. Bildkontrolle und Belichtungskorrektur

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Sehen wir uns nun an, wie man mit Hilfe des Histogramms eine Fehlbelichtung identifiziert und mittels Belichtungskorrektur in die Belichtung eingreift. Wichtig ist, dass man die Kamera so einstellt, dass das Histogramm in der Rückschau nach jeder Aufnahme angezeigt wird.

Histogramm optimal Luminanz-Histogramm (Helligkeitsverteilung) links unten und die Histogramm für die Grundfarben Rot, Grün und Blau.

Das mag am Anfang gewöhnungsbedürftig sein, da man es vielleicht gewohnt ist, das zuletzt aufgenommene Bild ­Display-füllend zur Kontrolle angezeigt zu bekommen. Mit dem Histogramm nimmt die Aufnahme selbst nur mehr einen Teil des Displays ein, wird also deutlich kleiner dargestellt. Doch während wir selbst in der Display-füllenden Anzeige die Schärfe ohne Einzoomen keinesfalls adäquat beurteilen können, und man auch die Belichtung oder Weißabgleich anhand der Display-Anzeige unmöglich verlässlich beurteilen kann, verrät einem der Blick auf das Histogramm zuverlässig, ob eine Unter-, Über- oder korrekte Belichtung vorliegt.

Schaut das Histogramm in der Bildkontrolle aus wie in Abbildung oben ist eigentlich alles in Butter – jedenfalls, was die Belichtung angeht. Das Tonwertgebirge läuft links und rechts zu Schwarz und Weiß bis auf die Nulllinie aus und bildet an keinem Ende eine Anhäufung. Wie die Landschaft dazwischen beschaffen ist, ist nicht von Belang. Was zählt, ist, dass dieses Bild mit Sicherheit optimal belichtet worden ist.

Die nächste Abbildung zeigt ein etwas überbelichtetes Bild.

Histogramm ueberbelichtung Das Histogramm zeigt eine leichte Überbelichtung an.

Auf der weißen Seite des Histogramms läuft das Tonwertgebirge ins Ende und wird abgeschnittend – das bedeutet Überbelichtung. Die Kamera muss also so eingestellt werden, dass sie geringfügig unterbelichtet. Zwar dürften bei diesem Bild durch so eine Korrektur tatsächlich Bildbereiche unterbelichtet und schwarz ausfallen – auf der linken Seite ist kaum Platz für eine Negativkorrektur – aber unterbelichtete Bereiche sind meist weniger auffällig und störend als überbelichtete und können deshalb eher akzeptiert werden.

Die folgende Abbildung zeigt eine Aufnahme, die im dunklen Bereich einen Anschnitt des Tonwertgebirges anzeigt und damit Unterbelichtung signalisiert.

Histogramm unterbelichtet Das Histogramm zeigt eine leichte Unterbelichtung an.

Hier muss der Fotograf so eingreifen, dass etwas heller belichtet wird – schließlich bietet das helle Ende noch etwas Luft.

Spitzlichter kennzeichnen | Ein zusätzliches Hilfsmittel – neben dem Histogramm – mit dem man Überbelichtung in einem Bild sofort erkennt und sogar noch sieht, wo sich die überbelichteten Bereiche befinden (das kann das Histogramm nicht), bietet eine Funktion, mit der sich die so genannten Spitzlichter markieren lassen.

Spitzlichterkennzeichnung Die schwarzen Bereiche in den Wolken kennzeichnen Bereiche die überbelichtet ausgefallen sind.

Ist diese Funktion aktiv, werden überbelichtete Bereiche schwarz oder farbig blinkend dargestellt. Unter ­›Spitzlichter ­markieren‹, ›Überbelichtung anzeigen‹ oder einem ähnlichen Namen sollte sich diese Funktion bei praktisch jeder ­Kamera finden lassen, auch wenn sie über ein Histogramm nicht verfügt.

Belichtungskorrektur in automatischen Belichtungsmodi

Eine Belichtungskorrektur sollten so gut wie alle Digitalkameras bieten – vom preiswertesten Kompaktmodell bis zur Profi-DSLR. Bei Einsteiger- und Kompaktkameras muss die Belichtungskorrektur in der Regel über ein Einstellungsmenü vorgenommen werden. Bei SLRs ist es üblich, dass die Belichtungskorrektur durch Drücken ­einer Taste und Drehen ­eines Einstell­rades vorgenommen wird. Andere Kameras erlauben es die Belichtungskorrektur ohne Drücken einer Zusatztaste über ein Einstellrad zu verändern, und wieder andere haben ein komplett ­eigenes Einstellrad dafür.

Unterschied Belichtungskorrektur und –einstellung |  Unter ›Ziel der Belichtungsautomatik: Zone 5‹ habe ich beschrieben, dass die Belichtungsautomatik einer Kamera versucht die ­Belichtung einer Aufnahme so einzustellen, dass sich für das Resultat eine mittlere Helligkeit ergibt.

Wenn man in einem automatischen Belichtungsmodus eine Veränderung der Vorgaben einstellt, wird die Kameraelektronik in der Zeitvorwahl die Blende öffnen, wenn man die Zeit verkürzt, in der Blendenvorwahl die Zeit verringern, wenn man die Blende öffnet, oder in der Programmautomatik Zeit und Blende im Verhältnis verschieben, wenn man im Programm (P) eine Programmver­schiebung durchführen. Durch eine Änderung der Vorgaben für die Automatik wird sich durch die Änderung der Blendenöffnung zwar die Schärfentiefe der Aufnahme ändern, nicht aber die Helligkeit! Ohne Belichtungskorrektur bleibt das Ziel der Belichtungsautomatik Zone 5.

Mit der Belichtungskorrektur hingegen verändert man die Zielvorgabe. Das Resultat soll nicht mehr Zone 5, mittlerer Helligkeit, entsprechen, sondern bei einer negativen Korrektur dunkler aus­fallen und bei einer positiven heller.

Ein Praxisbeispiel | Ziehen wir einmal einen Kamm für ein praktisches Beispiel heran und legen ihn auf einen weißen Karton. Wenn ich damit mit einer Belichtungsautomatik ein Foto mache, sieht das Ergebnis so aus.

Unterbelichtet Belichtungsautomatiken führen bei hellen Motiven zu Unterbelichtung.

Das Histogramm zeigt das auch an.

Histogramm mittlere Belichtung Ein Histogramm, das eine mittlere Belichtung anzeigt. In diesem Fall ist das aber deutlich zu dunkel.

Das Tonwertgebirge steht ziemlich genau in der Mitte des Histogrammfeldes. Da die Vorlage lediglich vom strukturierten Weiß des Kartons (≈ Zone 9) bis bestenfalls zu leichtem Grau in den Schatten des Kamms (≈ Zone 6) reicht (siehe ›Das Zonensystem‹), also lediglich etwa vier der elf Zonen umfasst, ist der Tonwertberg relativ schmal. Das Histogramm verrät uns, dass die Aufnahme einen geringen Kontrastumfang hat. Was es uns nicht verrät, ist, dass das Bild zu dunkel belichtet ist. Das verrät uns aber das Bild selbst.

Im Grunde müsste man hier nicht unbedingt eingreifen. So ­lange das gesamte Tonwertgebirge innerhalb des Histogrammfeldes Platz hat und auf keiner Seite abgeschnitten wird, lässt sich das Digitalbild in der Nachbearbeitung beliebig aufhellen oder abdunkeln. Doch schneller als Nachbearbeiten geht es, wenn ich die Vorgaben der Belichtungsautomatik über einen Eingriff in die Belichtungskorrektur verändere.

In diesem Fall ist die Aufnahme deutlich zu dunkel. Deshalb habe ich für die Belichtungskorrekur einen positiven Wert von +2LW (Lichtwerte) eingestellt – im Modus Blendenvorwahl vervierfacht sich die Belichtungszeit von 1/500 auf 1/125 Sekunde, und die Lichtwert-Skala schlägt zwei ƒ-Stops in Richtung ›Überbelichtung‹ aus. Die neuerliche Aufnahme fällt entsprechend um das Vierfache heller aus, was sich auch im Histogramm spiegelt.

Korrekt belichtet Eine Belichtungskorrektur um +2LW hat zu einer korrekten Wiedergabe des High-key-Motivs geführt.
Histogramm korrekt belichtet eines hellen Motivs Das Histogramm für das korrigierte Bild.

Belichtungskorrektur im Modus Manuell (M)

Wenn man statt mit einem automatischen Belichtungsmodus im manuellen Modus arbeitet, dann nimmt man die Korrektur nicht über die Funktion Belichtungskorrektur vor, sondern korrigieren manuell, indem man Blende oder Zeit verändern. Bezogen auf das voran gegangene Beispiel würde das bedeuten, entweder die Blende manuell um zwei ganze Schritte zu öffnen oder die Zeit manuell zu vervierfachen. Oder einen Mix aus beidem.

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3.10. Belichtungsmodi

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Kameras für ambitionierte Fotografen stellen in der Regel drei verschiedene Programme für die Belichtungsautomatik und einen ­Modus zur manuellen Belichtungseinstellung zur Verfügung. Die Bezeichnungen und Abkürzungen der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich wieder einmal etwas.

  • Programmautomatik | Wird bei allen mir bekannten Kameras mit ›P‹ abgekürzt.
  • Blendenvorwahl | Die Blende wird vorgewählt, die Kamera regelt die Zeit automatisch. Deshalb wird dieser Modus manchmal auch als Zeitautomatik bezeichnet. Die Abkürzungen lauten ›A‹ für ‘Aperture’ (englisch für ›Blende‹) oder ›Av‹ für ‘Aperture Value’ (›Blendenwert‹).
  • Zeitvorwahl | Die Zeit wird vorgewählt und die Kamera regelt die Blende automatisch. Hier spricht man deshalb manchmal von Blendenautomatik. Die üblichen Abkürzungen sind ›T‹ oder ›Tv‹ für ‘Time Value’ (›Zeitwert‹) oder ›S‹ für ‘Shutter’ (›Verschluss‹, also auf die Verschlusszeit bezogen).
  • Manuell | ›M‹ steht bei allen mir bekannten Modellen für manuelle Einstellung.

Programmautomatik

Die meisten Digitalkameras – angefangen von der günstigsten Kompaktkamera bis hin zur professionellen DSLR – bieten in der Regel einen Auto- und einen Programm­modus.

Auto | Der vollautomatische Modus ›Auto‹ nimmt dem Fotografen in der Regel jede Einstellungsentscheidung ab. Wenn es die Kameraelektronik für erforderlich hält zu blitzen, klappt sie den Blitz auf und sorgt bei der Aufnahme für zusätzliches Licht. Blitzen oder nicht Blitzen ist für mich allerdings eine zu essenzielle Frage, als dass ich die Entscheidung der Elektronik einer Kamera überlassen möchte. Deshalb kommt der Auto-Modus für mich nicht in Frage.

Programm (P) | In Programm (P) balanciert die Elektronik der ­Kamera die Blende und die Belichtungszeit automatisch aus, um zu einer möglichst sicheren und optimalen Belichtung ohne Verwackelung zu kommen. Dazu wird sie versuchen die Belichtungszeit so kurz wie möglich zu halten, wenn möglich ohne die Blende vollständig aufzureißen. Eine maximale Blendenöffnung würde zwar die kürzest mögliche Belichtungszeit bedeuten, doch die Schärfen­tiefe könnte dabei kürzer ausfallen, als es dem (ungeübten) Fotografen lieb wäre. Außerdem erinnern wir uns, dass viele Objektive bei maximaler Blendenöffnung nicht mehr ihre maximale Abbildungsschärfe er­reichen. Die Kamera wird deshalb versuchen die Blende im mittleren Bereich, zwischen ƒ 5.6 und ƒ 8, zu halten. Nach meiner Erfahrung berücksichtigt die Elektronik dabei auch, dass die Belichtungszeit nicht länger als der Kehrwert der Brennweite ausfällt, um nicht zu verwackeln.

Programmverschiebung | Viele Kameras erlauben in ›Programm‹ das Shiften der vom Programm ermittelten Belichtungseinstellungen. Das bedeutet, dass die Programmautomatik für eine bestimmte Szene eine bestimmte Kombination aus Blende und Belichtungszeit vorschlägt, der Fotograf allerdings die Möglichkeit nutzt diesen Vorschlag zu verändern. In der Regel wird zu diesem Eingriff an einem der Einstellräder der Kamera gedreht. Die Kamera öffnet je nach Richtung, in die der Benutzer dreht, die ­Blende und verkürzt die Belichtungszeit, oder schließt die Blende und erhöht die Zeit. An der Belichtung selbst ändert sich dadurch nichts; nur das Verhältnis Zeit/Blende verschiebt sich. Man bezeichnet es deshalb auch als Programmverschiebung.

Blendenvorwahl

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Gros der Fotografen überwiegend im Modus Blendenvorwahl fotografiert. Gehen wir von ­unserem ›Vier Schritte‹-Konzept aus, ist das auch logisch: Zuerst wird durch Blickwinkel, Distanz und Brennweite die Perspektive gestaltet, dann wird über die Blendeneinstellung die Schärfentiefe, die sich aus Distanz und Brennweite ergeben hat, dem ­Motiv entsprechend angepasst. Die Kamera übernimmt die Berechnung und Einstellung der Zeit zur optimalen Belichtung automatisch.

Zeitvorwahl

Im Modus Zeitvorwahl gibt der Fotograf, wie der Name schon sagt, die Belichtungszeit vor, und die Kamera passt die Blendenöffnung für die Belichtungszeit an. Sie wird vor allem dort eingesetzt, wo ein bestimmter Effekt mit Bewegung erzielt werden soll. Zum Beispiel, wenn man einen Sportler durch eine sehr kurze Belichtungszeit sicher einfangen will, oder wenn man ein Fahrzeug durch Mitziehen vor verwischtem Hintergrund abzubilden gedenkt.

Manueller Modus (M)

Im manuellen Modus nimmt der Fotograf die Zügel der Belichtung in die eigenen Hände. Er definiert die Blendenöffnung und die Belichtungs­­zeit. Klingt kompliziert und anspruchsvoll. Tatsächlich ­jedoch kann man sich auch hier von der Belichtungsmessung der Kamera unterstützen lassen, und dann ist es eigentlich gar nicht mehr kompliziert.

Sucher Manuell Lichtwert-Skala im Sucher.

Die Abbildung oben zeigt noch einmal einen Blick durch einen ­Sucher. Die Lichtwert-Skala zeigt für die aktuelle Lichtsituation bei der derzeitigen Einstellung von Zeit ① und Blende ② (und ISO) eine Überbelichtung von +1 Lichtwert an ③. Der Fotograf kann nun die Belichtungseinstellung um –1 LW korrigieren. Zur Auswahl stehen für diese Korrektur, die Blende um –1 Schritt auf ƒ 5.6 zu schließen, die Belichtungszeit um –1 Lichtwert von 1/60 auf 1/120 ­Sekunde zu verkürzen (in der Praxis 1/125) oder den ISO-Wert um einen –1 ganzen Schritt zu verringern. Oder man entscheidet sich für einen beliebigen Mix aus zwei oder drei dieser Parameter. Normaler Weise stehen ja Drittel-Lichtwert-Schritte für Blende, Zeit und ISO zur Verfügung.

Doch warum sollte man sich die Mühe antun diese Einstellung mit menschlicher Geschwindigkeit von Hand vorzunehmen, statt sie von der Kamera mit elektronischer Geschwindigkeit auto­matisch ausführen zu lassen?

Für mich gibt es vor allem zwei gute Gründe: Erstens kann ich als Fotograf individuell und kreativ entscheiden, ob ich für exakt die Situation vor meinen Augen ein besseres Ergebnis erziele, wenn ich die ­Blende ändere, wenn ich die Zeit ändere, oder wenn ich die Empfindlichkeit ändere.

Manueller Modus bei konstantem Licht | Zweitens brauche ich bei konstanten Lichtbedingungen nicht vor jeder Aufnahme neu ­messen. Oft sind die Lichtbe­dingungen während eines Foto-­Shootings weitgehend konstant. Das gilt für Fotosafaris unter freiem Himmel und noch viel mehr für die Arbeit im Studio. Das heißt, wenn einmal eine optimale Belichtungseinstellung für die Lichtsituation ­getroffen worden ist, kann ich mit derselben Einstellung weiter foto­grafieren, bis sie sich wieder deutlich ändert.

Eine fixe Einstellung für die Belichtung ist vor allem im Studio ein großer Vorteil. Das Licht sollte dort ja absolut konstant sein, bis die Beleuchtung verändert wird. Mit einer einzigen, konstanten Belichtungseinstellung über eine gesamte Serie hinweg fallen alle Ergebnisse absolut gleich hell aus. Das erleichtert vor allem auch das Kopieren von Entwicklungseinstellungen von einem Bild auf die anderen bei der Entwicklung in der digitalen Dunkelkammer.

Doch nicht nur im Studio ist eine gleich bleibende Belichtungseinstellung von Vorteil. Auch beim Fotografieren im Freien. ­Arbeitet man mit einer automatischen Belichtungseinstellung, egal ob Blendenvorwahl, Zeitvorwahl oder Programm, dann misst und bewertet die Kamera die Lichtsituation vor jeder Aufnahme neu.

Neigt man die Kamera bei Landschaftsaufnahmen und in ähnlichen Situationen etwas nach oben, kommt ein großer Ausschnitt des fast immer hellen Himmels ins Bild. Die Kamera wird die helle ­Vorlage ausgleichen, indem sie eine dunklere Belichtungseinstellung wählt.
Neigt man die Kamera eher nach unten, dann dominiert die Landschaft im Bildausschnitt, und die ist deutlich dunkler als der Himmel. Die Kamera wird also eine hellere Einstellung wählen, um zu einer neutralen Belichtung zu gelangen.

Tatsächlich aber sollten beide Aufnahmen mit exakt derselben Belichtungseinstellung zu einer weitgehend optimalen Belichtung führen. Im manuellen Modus erhält man also konstantere Resultate als im Automatikbetrieb. Darüber hinaus lässt sich die Belichtungsautomatik auch einmal von einer ungewöhnlichen Lichtsituation in die Irre führen. Im manuellen Betrieb kann höchstens der Fotograf in die Irre geführt werden.

M, der Modus für Einsteiger | Es mag seltsam klingen und im ­Gegensatz zu dem stehen, was wohl viele andere Fotografen ­einem Einsteiger empfehlen würden. Ich rate, wenn man ­Einsteiger ist, sich zumindest eine gewisse Zeit auf den ­manuellen Modus zu konzentrieren. Allerdings nur dann, wenn man für die Auseinandersetzung mit den Einstellungen Zeit hat und niemand auf einen wartet und die Motive nicht davon laufen. Man lernt ­dadurch einfach am meisten über Fotografie. Wenn der Umgang mit Blende, Zeit und ISO einmal in Fleisch und Blut über gegangen ist, spricht nichts dagegen einen anderen Modus zum eigenen Standard zu erklären. Doch Souveränität im Umgang mit Ihrer ­Kamera lernt man manuell am besten.

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3.9. Belichtungsmessung und Messmethoden

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Bevor die Elektronik Einzug in Kameragehäuse hielt, waren Fotoapparate nicht in der Lage die Belichtung automatisch zu messen. Der Fotograf war darauf angewiesen die Lichtsituation selbst nach Gefühl zu schätzen und die Zeit/Blenden-Kombination entsprechend dieser Einschätzung einzustellen. Oder er hatte einen Belichtungsmesser.

Belichtungsmesser Belichtungsmesser

Heute befindet sich die ganze Elektronik zur Messung der Lichtsituation und der Belichtung in der Kamera, obwohl Profis nach wie vor auf die punktgenaue Messung mittels spezieller Geräte vertrauen. Das Resultat der Messung wird je nach Kamera im Sucher, auf einem LCD-Display oder am Kamera-Display angezeigt.

Lichtwert-Skala

Die Belichtungsmessung wird meist in Form einer Skala dargestellt.

Optimale Belichtung Lichtwert-Skala, ›mittlere‹ Belichtung und ƒ-Stops

Der Nullpunkt ➀ zeigt eine neutrale Belichtung an (Zone 5). Schlägt die Skala in keine Richtung aus, erachtet die Kamera die Belichtungseinstellung für optimal. Die kleinen ­Punkte der Skala markieren die so genannten ƒ-Stops ➁. Diese markieren eine Verdoppelung beziehungsweise Halbierung der Belichtung (also je einen ganzen Lichtwert).

Entspricht die Lichtsituation, die vom Belichtungsmesser gemessen wird, nicht mittlerer Helligkeit, schlägt die Waage in die eine oder andere Richtung aus. Überbelichtung wird durch ›+‹ gekennzeichnet, Unterbelichtung durch ›–‹. Ob positive Werte links oder rechts stehen, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich und lässt sich zum Teil auch konfigurieren.

Unterbelichtet –2LW unterbelichtet

In der Abbildung oben schlägt der Balken um sechs Punkte zum zweiten ƒ-Stop in den negativen Bereich aus ➂. Jeder Punkt unten in der Skala ➃ steht für 1/3 Lichtwert. Ein Ausschlag um zwei ƒ-Stops in den Minus-Bereich zeigt eine Unterbelichtung um –2 Lichtwerte an.

Ueberbelichtet +1/3LW überbelichtet

Die Abbildung zeigt eine leichte Überbelichtung um +1/3Lichtwert an ➃.

Wenn man in einem der automatischen Belichtungsmodi arbeitet, wird die Kamera dafür sorgen, dass die Waage der Skala am Nullpunkt auf mittlere Helligkeit ausbalanciert ist. Wenn man die Belichtung mit Manuell (M) eigenhändig steuert, dann muss man die Einstellungen für Blende und Zeit selbst vornehmen. In der Regel stellt man dann Belichtungszeit und Blende so ein, dass die Waage annähernd ausgeglichen wird.

Beispiel: Um eine Unter­belichtung um –2 Lichtwerte zu korrigieren, wird a) entweder die Blende um +2 (ganze) ­Blendenschritte geöffnet, oder b) die Belichtungszeit vervierfacht, oder c) die Empfindlichkeit vervierfacht. Oder ein Mix aus diesen Möglichkeiten.

Noch ein Beispiel: Um eine Überbelichtung um +1/3LW auszugleichen, muss entweder die Blende um –1/3 Blendenschritt geschlossen, die Zeit um –1/3 verkürzt oder der ISO-Wert um –1/3 ­verringert werden.

Um die Belichtung mit Hilfe der Elektronik der Digitalkamera zu messen, stehen verschiedene Methoden zur Verfügung.

Mittenbetonte Messung

Mittenbetonte messung
Icons mittenbetonte Messung: Canon, Nikon, Olympus, Pentax, Sony

Bei der mittenbetonten Messung wird in der Regel ein Bereich im Zentrum des Bildfeldes zur Berechnung der Helligkeit heran ­gezogen, der meist etwa 75 % des gesamten Bildausschnitts einnimmt. Zwar werden auch Randbereiche mit in die Berechnung aufgenommen, aber die Priorität liegt im Zentrum.

Wie groß der Bereich tatsächlich ist, auf dem die Priorität liegt, unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller und eventuell auch von ­Kamera zu Kamera. Auch in welchem Verhältnis die Gewichtung zwischen Zentrum und Rand verteilt ist, entscheiden die Hersteller nach ­ihren eigenen Vorstellungen.

Während bei anderen Messmethoden das Zentrum der Messung auf dem ausgewählten AF-Messfeld liegen kann, sollte es bei dieser Messmethode immer in der Mitte des Bildfeldes liegen.

Obwohl das Prinzip sehr simpel ist, funktioniert es in der ­Praxis recht gut und ist für die meisten Szenen und Situationen gut ­geeignet.

Spotmessung

Spotmessung Icon
Icons Spotmessung: Canon, Nikon, Olympus, Pentax, Sony

Während bei der mittenbetonten Messung etwa zwei Drittel des Bildausschnitts zur Messung der Helligkeit heran gezogen werden, ist es bei der Spot-Messung lediglich ein mehr oder weniger kleiner Punkt um das ausgewählte AF-Messfeld.

Mittenbetonte messung im Sucher Bei der mittenbetonten Messung wird der Bereich in der Mitte mit höherer Gewichtung in die Berechnung der Belichtung einbezogen, egal welches Messfeld gerade aktiv ist.
Spotmessung im Sucher Bei der Spotmessung wird innerhalb eines kleinen Bereiches um das ausgewählte AF-Messfeld gemessen.

Messmethoden, die wie mittenbetonte oder Mehrfeldmessung den größten Teil des Bildfeldes zur Berechnung der Helligkeit heran ziehen, erreichen eine relativ hohe Trefferquote bei der Ermittlung der optimalen Belichtungseinstellung. Der kleine Punkt, anhand dessen die Spotmessung die Helligkeit ermittelt, führt hingegen überwiegend zu Fehlbelichtungen, wenn man mit dem Spot nicht sehr bewusst und gekonnt arbeitet.

Ich nutze die Spotmessung manchmal im manuellen Belichtungsmodus – vor allem, wenn ich im Freien unterwegs bin. Dann messe ich einmal auf den Himmel . Bei der Messung auf den Himmel darf der Belichtungsmesser ohne Weiteres zwei Drittelschritte in Richtung Überbelichtung aus­schlagen, ohne dass es ­tatsächlich zu einer Überbelichtung in der Aufnahme kommt. Überbelichtung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass ­dadurch Bildbereiche tatsächlich überbelichtet ausfallen – also in reinem Weiß von Zone 10 landen und ausbrechen – sondern, dass ein Bildbereich heller (über)belichtet ist als mittlere Helligkeit.

Spotmessung auf hellen Bereich Spotmessung auf den Himmel

Nach der Messung der Lichter messe ich auch auf die Schatten des Motivs. Diese fallen allerdings während des Tages auch bei bedecktem Himmel oft mehr als zwei Lichtwerte unter­belichtet aus.

Spotmessung auf dunklen Bereich Spotmessung

Hilfreich kann die Spotmessung auch in Situationen mit extremen Kontrasten (zum Beispiel) zwischen Vordergrund und Hintergrund sein.

Meine Kamera erlaubt es die Spotmessung auf eine Sondertaste zu legen. Das hat den Vorteil, dass ich permanent mit der von mir bevorzugten, mittenbetonten Messung arbeiten kann, bei Bedarf aber nur die Funktionstaste drücken brauche, um für einen ­Moment die Spotmessung für einen kleinen Messbereich zu aktivieren. Lasse ich die Funktionstaste wieder los, schaltet die Kamera zurück auf mittenbetonte Messung. Das ist bequemer, als tatsächlich zwischen Spot- und mittenbetonter Messung umschalten zu müssen.

Mehrfeldmessung

Mehrfeldmessung Icon
Icons Mehrfeldmessung: Canon, Nikon, Olympus, Pentax, Sony

Für Einsteiger und Gelegenheitsfotografen ist die Mehrfeldmessung (bei Nikon ›Matrixmessung‹ und bei Olympus ›Digitale ESP-­Messung‹ genannt) die komfortabelste Methode die optimale ­Belichtung ermitteln zu lassen. Bei dieser Messmethode kommt eine ganze Reihe an Messfeldern, verteilt über den ganzen Bildbereich, zum Einsatz. In der Regel ist diese Messung mit einer Datenbank im Speicher der Kamera verknüpft, womit ermittelt werden soll, um welche Art Motiv es sich handelt. Somit kann die Kamera ­natürlich individueller und intelligenter auf Szenen unterschiedlicher Lichtsituationen eingehen.

Dass die Mehrfeldmessung für Einsteiger und Amateure interessant ist, bedeutet nicht unbedingt, dass sie nicht auch von Profis und Semi­profis genutzt wird. Auch wenn ich schätze, dass der über­wiegende Teil der professionellen Fotowelt mit mittenbetonter Messung arbeitet, so weiß ich doch von einigen erfahrenen Fotografen, dass sie die Mehrfeldmessung bevorzugen.

Ich habe einmal den Rat gehört, dass man sich im Großen und Ganzen auf eine Methode konzentrieren soll. Nutzt man immer die gleiche, arbeitet die Kamera immer nach demselben Prinzip, und man entwickelt ein besseres Gefühl für die Resultate. Mir würde kein Grund einfallen, weshalb man ein Mal mittenbetont und ein anderes Mal mit Matrixmessung messen sollte. Also würde ich mich dem Rat anschließen.

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Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
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3.8. Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit

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Ziehen wir zum Einstieg in die praktischen Einstellungen zur Belichtung einmal ein Zwischenfazit. Wir haben bereits Eingangs ­definiert, dass die wesentlichen Faktoren der Belichtung das vorhandene Umgebungslicht, die Blendenöffnung, die Empfindlichkeit des Bildsensors und die Belichtungszeit sind.

Das Umgebungslicht ist ein Faktor, der sich oft nicht aus­reichend kontrollieren lässt, so lange man die Lichtsituation nicht mit Blitzen beeinflussen oder zu einem anderen Zeitpunkt an den Ort zurück­kehren möchte.

Nutzen wir die Blende um nach dem System der ›Vier Schritte‹ die Schärfentiefe kreativ zu beeinflussen, können wir die Blendenöffnung nicht mehr nutzen, um auf die Intensität des Umgebungslichts zu reagieren. Es bleiben dem Fotografen also zwei Stellschrauben, um eine optimale Belichtung zu erzielen: Die ISO-Empfindlichkeit und die Dauer der Belichtung. Beides unterliegt Einschränkungen. So lässt sich die Belichtungszeit nicht beliebig ausdehnen, so lange man aus freier Hand, und nicht mit einem ­Stativ fotografieren möchte. Sie sollte kürzer sein als der Kehrwert der Blende. Bleibt im Moment die ISO-Empfindlichkeit.

ISO-Empfindlichkeit des Bildsensors

Als wir uns zuerst über die Blende unterhalten haben, habe ich Ihnen die bekannte ›Wasserglas-Metapher‹ vorgestellt und anschließend meine Variation davon, die ›Regen und Trichter‹-Metapher, erklärt. Die Wasserglas-Metapher erklärt den Zusammenhang zwischen Blendenöffnung und Belichtungszeit. Die Regen und Trichter Metapher bringt Zeit und Blendenöffnung in Verbindung mit dem Umgebungslicht. Was uns nun als vierte ­Dimension zu Licht, Blende und Zeit als Stellschraube noch fehlt, ist die ISO-Empfindlichkeit.

Als flexible Variable ist die ISO-Empfindlichkeit noch relativ jung. In der analogen Fotografie lässt sich die ISO-Empfindlichkeit ­lediglich ändern, indem man den Film wechselt. Erst die Einführung von Bildsensoren als Aufnahmemedium macht es möglich, den ISO-Wert durch eine Einstellung der Kamera zu ändern.

Zu Beginn der Digitalfotografie war der erreichbare Spielraum noch gering. Ausgehend von einem Basiswert von ISO100, bei dem die meisten Digitalkameras eine optimale Abbildungsleistung er­reichen, stieg das so genannte Bildrauschen durch Anheben der Empfindlichkeit sprunghaft an. Werte ab und jenseits von ISO800 führten auch bei hochwertigen Kameras zu absolut inakzeptablen Störungen in den Aufnahmen. Deshalb musste es heißen: Die ISO-Empfindlichkeit sollte so gering wie möglich eingestellt werden.

Mittlerweile geben sich Kameras mit mittleren und großen Bildsensoren bereits bis in den Bereich von ISO800 und darüber hinaus kaum mehr Schwächen im Rauschverhalten, und sogar Kompaktkameras liefern bei ISO 800 durchaus akzeptable Resultate.

Um zu illustrieren, was die ISO-Empfindlichkeit ist, habe ich noch einmal eine Metapher mit Wasserglas und Regen heran gezogen. Allerdings lasse ich den Trichter als Stellvertreter für die Blendenöffnung weg.

Viel Umgebungslicht | Bei dichtem Regen kann ich auch mit ­einem Glas mit schmalem Durchmesser in kurzer Zeit genug Wasser ­sammeln, um es rasch zu füllen. Genau so kann ich bei ausreichendem Umgebungslicht mein Sammelbecken (der Bildsensor) rasch bis zur optimalen Belichtung füllen.

Viel Licht Viel Regen. Das Glas füllt sich trotz geringer Aufnahmefähigkeit (schmaler Form) rasch.

Ist die Niederschlagsmenge hingegen gering, dauert es viel länger, bis das Glas mit einem kleinen Durchmesser ausreichend voll ist.

Wenig Licht Bei geringem Regen dauert es natürlich länger das Glas voll zu bekommen.

Genau so dauert es bei geringem Umgebungslicht ­länger, bis der Sensor mit genug Licht für eine ausreichende Belichtung ­gefüllt ist.
Nun kann man aber durch Erhöhung der Empfindlichkeit die Fähigkeit des Sensors erhöhen Licht auszubeuten. Das ist etwa so, als würde man den Durchmesser des Wasserglases erhöhen und gleichzeitig die Höhe reduzieren. Das Volumen bleibt identisch, aber der Regen sammelt sich schneller, und das Glas ist schneller voll.

Wenig Licht mehr ISO Erweitert man die Aufnahmefähigkeit des Glases – in der Metapher, indem man den Durchmesser bei gleichbleibendem Volumen erweitert – kommt man ebenfalls wieder rasch zur gewünschten Füllmenge.

Sensorformat, Lichtausbeute und Rauschverhalten | Das Problem dabei: Je mehr man die Lichtausbeute des Bildsensors unter Strom stellt, um auch bei schwachem Umgebungslicht kurze Belichtungszeiten zu erreichen, desto mehr entstehen ­Störungen, die sich im Bild als Rauschen bemerkbar machen – man spricht vom Bildrauschen.

Größere Bildsensoren, wie Sie in System- und Spiegelreflexkameras in der Regel verbaut werden, haben bei gleich viel lichtempfindlichen Punkten (Sensorpixel) eine größere Fläche pro Pixel zur Verfügung. Sie können Licht effizienter einsammeln und liegen nicht so dicht neben ihren Nachbarn. Sie stören sich dadurch von Grund auf weniger gegenseitig was zu weniger Rauschen führt. Vereinfacht ausgedrückt.

Ein Pixel auf einem Bildsensor mit 12 Millionen Pixeln (12 Megapixel) auf einem Kleinbild-Sensor, im ­Format 36×24 mm, ist um ein vielfaches größer als ein Pixel auf einem Minisensor, im Format 7,3×5,7 mm, in einer Kompaktkamera mit 12 Megapixel. Das heißt auch, je größer der Sensor, desto größer die Sensorpixel, desto besser die Lichtausbeute und desto geringer das Bildrauschen.

Bildrauschen

Als Rauschen bezeichnet man eine körnige Struktur aus helleren und dunkleren Pixeln in Digitalbildern. Minimales Rauschen wird jedes Digitalbild aufweisen. Man kann es unter guten Bedingungen für die Belichtung allerdings so gering halten, dass es nicht zu erkennen ist. Wie stark eine Kamera dazu neigt unter bestimmten Bedingungen Rauschen zu produzieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Sensorformat | Zum Ersten, wie eben erwähnt, von der Größe des Sensors. Je kleiner der Bildsensor, desto anfälliger ist er für Bild­rauschen.

Belichtungszeit | Zum Zweiten von der Belichtungszeit: Je länger belichtet wird, desto mehr Rauschen entsteht. Das liegt vor allem daran, dass sich die Sensoren bei der Belichtung erhitzen und mehr Wärmet mehr Störungen produzier.

Helligkeit | Drittens zeigt sich das Rauschen vor allem in dunklen Bildbereichen und Schatten. Das heißt, bei Motiven mit großen und sehr dunklen Bereichen wird das Rauschen eher zum Problem als bei so genannten High-key-Bildern.

Qualität des Bildsensors | Last but not least: Die Qualität des ­Sensors. Hochwertigere (und leider auch teurere) Kameras be­inhalten bessere Sensoren und sollten weniger zum Rauschen neigen.

Rauschen im Bild |Die letzten Abbildungen unten zeigen eine Aufnahme, die mit einer Kompaktkamera bei ISO800 aufgenommen worden ist und einen vergrößerten Ausschnitt daraus. Ich persönlich finde, dass Rauschen manchen Bildern durchaus ­einen intimen Charme verleihen kann. Umso mehr, wenn die Bilder schwarzweiß entwickelt werden.

Bild
Diese Aufnahme zeigt, dass moderne Kompaktkameras heute in der Lage sind auch bei ISO800 noch gute Fotos zu produzieren.
Bildrauschen In der Vergrößerung ist das Rauschen allerdings deutlich zu erkennen. Neben der körnigen Struktur als die Rauschen zu sehen ist, hat es auch die negative Auswirkung Schärfe zu reduzieren.
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3.7. Ohne Verwackeln fotografieren

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Bevor wir uns konkret den Belichtungseinstellungen, der Überprüfung der Belichtung und der Belichtungskorrektur zuwenden, ­müssen wir noch das Problem der Verwackelung ansprechen.

Wenn man mit der Kamera in der Hand fotografiert, wird es ­einem nie gelingen, die Kamera absolut ruhig zu halten. Bei ausgesprochen kurzen Belichtungszeiten, im Rahmen von Hundertstel oder Tausendstel Sekunden ist das kein Problem, da die Verwackelung so gering ausfällt, dass sie im Bild nicht zu erkennen ist. Bei längeren Belichtungszeiten hingegen ist das ein Problem.

Dabei gibt es keinen fixen Wert, ab dem unter allen Bedingungen ab einer bestimmten Zeit die Gefahr zu verwackeln zunimmt. Vielmehr hängt die Zeit, die man relativ sicher aus freier Hand ohne Verwackelung belichten kann, von der Länge der Brennweite ab. Es gilt: Je länger die Brennweite, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, um Verwackelung zu vermeiden.

Verwackeln
Winkel der Verwickelung, lange Brennweite und kurze Brennweite.

Der Grund dafür ist relativ simpel. Man wird die Kamera nicht grundsätzlich mehr oder weniger unruhig halten, wenn man mit kurzer Brennweite ➀ oder langer Brennweite ➁ fotografiert. Allerdings wirkt sich die Stärke der Verwackelung ➂ beim engen Bildausschnitt eines Teles wesentlich deutlicher aus als beim großen Ausschnitt eines Weitwinkels.

Verwackelung Tele Verwackelung Weitwinkel
Verwickelung im engen Ausschnitt eines Teles. Exakt dieselbe Verwickelung, doch im weiten Bildausschnitt der Weitwinkelbrennweite ist sie kaum mehr zu erkennen.

Der Kehrwert der Brennweite markiert die längste Belichtungszeit | Um zu berechnen, wie lang die längste Belichtungszeit ausfallen darf, um aus freier Hand noch relativ sicher ohne deutlich sichtbare Verwackelung belichten zu können, nimmt man als Faustregel einfach den Kehrwert der Brennweite an. Also zum Beispiel bei einer Brennweite von 50mm 1/50 ­Sekunde, bei 100mm 1/100, bei 200mm 1/200 und so weiter. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich die Brennweite in der Regel auf Kleinbild bezieht. Das heißt, bei einer Kamera mit Kleinbildformat kann die Faustregel 1:1 anwendet werden. Bei einer Kamera mit einem kleineren Sensorformat, muss dabei aber der Formatfaktor berücksichtigen und auf Kleinbild umrechnet werden.

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3.6. Unter- und Überbelichtung am Histogramm erkennen

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In der Abbildung unten sieht man noch einmal ein Histogramm. Darunter habe ich das Zonensystem 90° gedreht platziert. Zone 0 steht für reines Schwarz ohne die geringste Zeichnung. Das ist Unterbelichtung. Zone 10 ist reines Weiß ohne Zeichnung – sprich: Überbelichtung.

Histogramm und Zonensystem
Histogramm und Zonensystem

Aus dem Histogramm lassen sich Unter- und Überbelichtung ganz einfach ablesen. Läuft das Tonwertgebirge ins linke Ende des Histogrammfeldes ➀ bedeutet das, dass unterbelichtete ­Bereiche im Bild sind. Je größer die Anhäufung, desto größere Bereiche sind unter­belichtet. Eine Anhäufung am rechten Ende ➁ sagt uns, dass Bildbereiche überbelichtet ausgefallen sind.

Optimaler Kontrastumfang | Die folgende Abbildung zeigt ein Motiv mit beinahe optimalen Lichtbedingungen, praktisch optimal belichtet. Das Histogramm reicht von ganz links bis ganz rechts. Das heißt, dass das Bild von ganz dunklen zu ganz hellen Tonwerten reicht. Der Tonwertumfang des Digitalbildes wird in voller Breite genützt – das Bild ist Kontrastreich. Mit so einer Vorlage bleiben auch für die Nachbe­arbeitung am Computer alle Wege offen.

Optimal belichtet Das Histogramm zeigt: Dieses Bild ist optimal belichtet.

Histogramm eines unterbelichteten Bildes | Die nächste Abbildung zeigt ein unterbelichtetes Ergebnis – das Tonwertgebirge hat am ­linken Ende des Histogrammfeldes einen großen ›Haufen‹ ge­bildet. Wenn der Fotograf eine Aufnahme in der Bildrückschau prüft, und das Histogramm sieht so aus, dann sollte er mittels einer Belichtungskorrektur eingreifen und eine neuerliche Aufnahme machen.

Unterbelichtet Das Histogramm zeigt links einen Haufen und ist angeschnitten: Unterbelichtung!

Histogramm eines überbelichteten Bildes | Das folgende Beispiel ist hoffnungslos überbelichtet – der große Haufen türmt sich am weißen Ende des Histogrammfeldes auf. Auch hier sind ein Eingriff über eine Belichtungskorrektur und eine zweite Aufnahme notwendig.

Ueberbelichtet Anhäufung und angeschnittenes Tonwertgebirge auf der rechten Seite: Überbelichtung!

Zu großer Kontrastumfang

Die beiden vorangegangenen Motive konnte ich auf Grund der Lichtverhältnisse durch eine Belichtungskorrektur dann doch noch relativ gut ­belichtet einfangen. Anders sieht es mit der folgenden Szene aus.

Zu viel Kontrast
Schwierige Lichtsituation: Helle Lichter im Hintergrund und dunkle Schatten in den Ecken im Vordergrund.

Bei diesem Motiv haben wir es mit tiefen Schatten im Vordergrund und sehr hellen Lichtern im Hintergrund zu tun. Der Kontrastumfang der Szene ist deutlich höher als der Kontrastumfang, der für das Digitalbild aufgenommen werden kann. Das Tonwertgebirge des Histogramms ist sowohl am schwarzen Ende als auch am weißen Ende des Histogrammfeldes angeschnitten.

Histogramm zeigt zu viel Kontrast Histogramm links und rechts angeschnitten: Die Szene beinhaltet mehr Kontrast zwischen hell und dunkel, als der Bildsensor aufzeichnen kann.

Mit Belichtungskorrektur ist hier nicht gleichzeitig weder Über- noch Unterbelichtung zu er­reichen. Würde man dunkler belichten, um der Überbelichtung zu entgehen, würden sich die unterbelichteten Bereiche ausdehnen. Würde man heller belichten, um der Unterbelichtung entgegen zu wirken, ­dehnen sich die überbelichteten Bereiche aus. Die Frage nach der technisch optimalen Belichtung stellt sich hier nicht mehr, sondern lediglich: Bei welcher Einstellung sieht es besser aus? Keine Unterbelichtung, dafür große, überbelichtete Bereiche? Keine Überbelichtung, dafür große, unterbelichtete Schatten? Oder ein bisschen von Beidem?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Man muss von Bild zu Bild entscheiden. Doch Unterbelichtung fällt meist weniger negativ auf, als Überbelichtung.

Das menschliche Wahrnehmungssystem in der Lage ist, etwa zehn Lichtwerte von Schwarz bis Weiß auf einmal zu unterscheiden – eine Digitalkamera etwa zehn bis zwölf. Die Natur jedoch umfasst etwa zwanzig Lichtwerte.

Glücklicher Weise ist der Kontrastumfang der meisten Szenen nicht wesentlich größer als zehn Lichtwerte. So lange die hellsten Bereiche in einem Bild nicht mehr als zehn Mal heller sind als die dunkelsten, haben wir kein Problem, sowohl die Lichter der Szene als auch die Schatten in einer Belichtung einzufangen. ­Problematischer wird es jedoch mit Szenen, in denen der Unterschied zwischen ganz dunkel und ganz hell deutlich mehr als das Zehn­fache beträgt.

Mehr als zehn Lichtwerte | Eine Vollmondnacht repräsentiert eine solche Problemszene. Der Mond ist Reflektor des Sonnenlichts und ist hell erleuchtet. Der Nachthimmel hingegen ist rabenschwarz.

Vollmondnacht Histogramm
Eine Vollmondnacht weist einen hohen Kontrastumfang auf.

Unserer Wahrnehmung nach ist die Szene etwa so, wie in der Abbildung oben. Zwar sind wir nicht in der Lage den natürlichen Kontrast­umfang von mehr als zehn Lichtwerten mit einem einzigen Blick auf­zunehmen, doch unsere Wahrnehmung baut sich die ­Ein­drücke einfach aus mehreren Blicken zusammen. Deshalb scheint es, als könnten wir sowohl die helle Topographie des Mondes als auch das Muster der Wolken am Himmel zugleich wahrnehmen.

In der Fotografie ist es nicht möglich mit einer einzigen Belichtung Szenen von Schwarz bis Weiß zu erfassen, die den Kontrast­umfang des Bildsensors (die Anzahl an Lichtwerten) überschreiten. Die Konsequenz ist, dass wir uns entscheiden müssen, ob wir die dunklen Bereiche korrekt belichten wollen oder die hellen oder einen Bereich da­zwischen. Letzteres hat natürlich zur Folge, dass wir sowohl im Dunkeln Unterbelichtung, als auch im Hellen Überbelichtung in Kauf nehmen müssen.

Entscheiden wir uns, die dunklen Bereiche korrekt zu belichten, können wir zwar den Wolkenhimmel gut belichtet einfangen, der helle Bereich jedoch, der den Kontrastumfang des ­Sensors überschreitet, muss abgeschnitten werden. Deshalb erscheint der Mond nur mehr als weiße Scheibe (überbelichtet).

Belichtung auf dunkle Bereiche
Auf die dunklen Bereiche belichtet.

Entscheiden wir uns, den Mond korrekt zu belichten, können wir die Struktur im Mond abbilden, doch die dunklen Be­reiche des Wolkenhimmels fallen aus dem Kontrastumfang des Sensors und werden abgeschnitten – sie erscheinen im Bild als schwarze Flächen ohne Kontrast (unterbelichtet).

Belichtung auf helle Bereiche
Auf die hellen Bereiche belichtet.

Kein Kraut gegen zu hohen Kontrastumfang | Leider gibt es kein Mittel gegen zu hohen Kontrastumfang. Der Fotograf versucht deshalb in der Regel Situationen zu meiden, in denen der Kontrast zu hoch ausfällt. Weitaus häufiger als in der Vollmondnacht tritt das Problem unter direktem Sonnenlicht auf. Direkt unter der Sonne ist der Kontrastumfang von Licht zu Schatten sehr hoch und sorgt für harte Kontraste. Unter bedecktem Himmel, mit einer Wolke vor der Sonne oder im Schatten, verringert sich der Kontrast hingegen, sorgt für weicheres Licht und sanftere Kontraste.

In der Sonne Zu hoher Kontrastumfang entsteht auch bei direktem Sonnenlicht.
Im Schatten Deshalb wenn möglich lieber im Schatten fotografieren.
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3.1. Was ist Belichtung?

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Wer ›Belichtung‹ hört und an ›Belichtung‹ denkt, hat wahrscheinlich zuallererst die Belichtungszeit im Kopf. Allerdings ist das nur ein Faktor der Belichtung. Aber was ist Belichtung überhaupt?

Duden und Brockhaus beschreiben Belichtung sinngemäß als »Vorgang, bei dem Licht auf eine lichtempfindliche Schicht einwirkt«.

Ziel des Fotografen ist es in der Regel die lichtempfindliche Schicht – einen lichtempfindlichen Analogfilm oder einen Bildsensor – so zu belichten, dass ein Motiv vor der Linse optimal wiedergegeben wird. Der Fotograf sucht dazu nach einer korrekten Belichtung. Aber was ist eine korrekte Belichtung?

Korrekte Belichtung ist einmal vor allem etwas: Relativ! Zwar könnte man rein technisch betrachtet einschränken, dass ein korrekt belichtetes Bild weder unter- noch überbelichtete Bereiche aufweisen darf. Aber streng nach diesem Kriterium zu urteilen würde viel zu eng greifen.

Korrekt belichtet 2
Dieses Bild beinhaltet weder unter- noch überbelichtete Bereiche.
Korrekt belichtet 1
Dieselbe Szene mit anderer Belichtungseinstellung mit anderer Belichtungseinstellung.

Die beiden Bilder oben wurden mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen entwickelt. Beide enthalten weder unter- noch überbelichtete Bildbereiche.

Unter- und Überbelichtet | Von Unterbelichtung kann man sprechen, wenn ein Bildbereich absolut keine Zeichnung mehr enthält, sondern eine mehr oder weniger große, rein schwarze Fläche bildet. Dem entgegen gesetzt spricht man von Überbelichtung, wenn ein Bildbereich rein weiß ist und ebenso keine Struktur oder Zeichnung enthält.

Technisch betrachtet kann man den beiden oberen Bildern keine Mangel nachsagen. Da das Motiv eine Landschaft im Nebel zeigt, spiegelt der geringe Kontrast – was ansonsten gerne als fotografischer Fehler betrachtet wird – lediglich die milchige Stimmung der Szene. Ob man die hellere oder dunklere Entwicklung des Motivs als gelungener und korrekter empfindet, liegt im Auge des Betrachters. Objektive Kriterien mit denen man das eine oder das andere als richtiger identifizieren könnte, gibt es hier nicht.

Motive, wie die vorangegangene Nebelszene, bieten dem Fotografen ordentlich Spielraum in der Belichtung, für eine hellere und eventuell etwas leichtere, oder eine dunklere und damit wohl auch etwas gedrücktere Bildwirkung. Andere Szenen hingegen – das Gros der Aufnahmen sogar – schreien förmlich nach bestimmten Belichtungseinstellungen, die man für sie als optimal empfinden wird. Das trifft für die meisten Aufnahmen unter normalen Tageslichtbedingungen zu.

Ausgewogen belichtet
Ausgewogenen Lichtverhältnisse herrschten für diese Aufnahme. Eine geringfügig dunklere Belichtung hätte zu ausgeprägter Unterbelichtung im Hintergrund und der schwarzen Zeichnung des Katers geführt. Eine etwas heller Belichtung hingegen hätte bereits Stellen im weißen Fell zu strukturlosem Weiß ausbrechen lassen.

Durchschnittsmotive (›durchschnittlich‹ bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Lichtsituation, nicht auf die Art der Szene) weisen meist einen geringen Spielraum für kreative Variation der Belichtungseinstellung auf. Bereits geringfügig zu dunkel oder hell belichtet und die meisten Betrachter würden das Bild als nicht ganz gelungen empfinden.

Aber so wie zwar die Durchschnittsgröße beim deutschen Man bei etwa 1,79 liegt, aber nur die wenigsten Männer exakt dieser Größe entsprechen, ist es auch mit durchschnittlichen Lichtsituationen: Das Gros der Szenen weicht mehr oder weniger deutlich vom allgemeinen Durchschnitt ab. Und dann wird der Interpretationsspielraum, wie eine korrekte Belichtung dafür im Ergebnis auszusehen hat auch zunehmend größer.

Dunkel belichtet Diese Aufnahme habe ich über die Belichtungseinstellungen in der digitalen Dunkelkammer am Computer sehr dunkel entwickelt.
Hell belichtet Das ist dieselbe Aufnahme wie oben, die ich allerdings heller entwickelt habe.

Man kann weder die erste noch die zweite der beiden Aufnahmen oben als richtig oder falsch bewerten. Es liebt in der Intention des Fotografen und im Geschmack des Betrachters, welches Ergebnis ihm eher entspricht. Anders bei den beiden Entwicklungsvarianten unten:

Unterbelichtet Ein Bild ist hier kaum mehr vorhanden. Die Belichtung ist viel zu dunkel eingestellt. So dunkel belichtete Szenen lassen sich auch mit Hilfe der Ausarbeitung am Computer nicht mehr verbessern.
Ueberbelichtet So wie das Bild oben ein irreparable Unterbelichtung zeigt, zeigt diese Aufnahme eine nicht zu rettende Überbelichtung. Die Blätter der Pflanze sind zu reinem Weiß ausgebrochen oder gehen teilweise ohne klar erkennbare Konturen in Nachbarblätter über. Auch wenn die Metallstangen des Zaunes im Hintergrund korrekt belichtet sein mögen – das eigentliche Hauptmotiv ist hoffnungslos überbelichtet.

Vor dem Hintergrund, dass es einen mehr oder weniger breiten Spielraum für Belichtungseinstellungen gibt, die zwar zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, aber von denen nicht das eine richtiger ist als das andere, sollten wir die Rede von korrekten Belichtungseinstellungen vielleicht vergessen. Ich rede lieber von optimaler Einstellung. Das unterstellt zwar immer noch, dass eine ganz bestimmte Einstellung das Optimum sein könnte, unterstellt aber nicht ganz so deutlich richtig oder falsch. Anders als in der Mathematik können in der Fotografie auch unterschiedliche Ergebnisse für die gleiche Aufgabe korrekt sein.

Ein so klares Kriterium zur Beurteilung von Ergebnissen als gelungen oder verunglückt sind Unter- und Überbelichtung ohnehin nicht, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Auch wenn man in der Regel danach trachtet beides zu vermeiden, gibt es doch auch Situationen, in denen es sich gar nicht vermeiden lässt, das eine oder das andere oder sogar beides zu akzeptieren. Und nicht immer muss das Ergebnis ein fauler Kompromiss sein.

Teils ueberbelichtet
Dieses Bild wurde in einem Innenraum vor großen Fenstern Richtung des helllichten Tages fotografiert.

Sind in Innenraumbildern Fenster zum Tag Teil des Bildausschnitts muss man in der Regel akzeptieren, dass sie als große, rein weiße Fläche auf dem Foto erscheinen – höchstens man hat kräftige Blitze mit denen man gegen das Tageslicht anstinken kann. Auch wenn Überbelichtung in der Regel als fotografischer Fehler gewertet werden kann und meist vermieden werden sollte, gibt es eben Situationen in denen es sich nicht vermeiden lässt und in denen es auch keineswegs misslungen aussehen muss, sondern ganz im Gegenteil aparter Teil der Szene sein kann.

Teils unterbelichtet
Die Störche auf der Straßenbeleuchtung sind völlig unterbelichtete Silhouetten vor dem Abendhimmel.

Die beiden Störche oben blickten in den Sonnenuntergang. Das Bild ist eine Gegenlichtaufnahme. Auch wenn Sie etwas unterbelichtet wirkt, ist sie in der Tat sogar eher etwas überbelichtet aufgenommen und entwickelt worden. Tatsächlich zeigt sie eine Abendszene und in Wirklichkeit war der Abendhimmel schon deutlich dunkler als er hier erscheint.

Während die beiden vorangegangenen Szenen entweder eine Über- oder eine Unterbelichtung zeigen, besteht das nächste Bild zum allergrößten Teil nur als Über- und Unterbelichteten Bereichen.

Mit unter und ueberbelichtung Unter und Überbelichtung

Wir werden uns im Bereich dieses Abschnitts, der sich mit dem dritten Schritt des Vier-Schritte-Konzepts befasst, ausgiebig mit Belichtung befassen. Ziel von Eingriffen in und Einstellungen für die Belichtung soll es natürlich in der Regel sein eine optimale Belichtung für das erwünschte Ergebnis zu erzielen. Dass das, was eine optimale Belichtung darstellt am Ende vom Motiv und eurer Intention, wie das Ergebnis aussehen soll, abhängt, relativiert das, was man unter ›optimal‹ verstehen kann.

Beeinflusst wird die Belichtung im Wesentlichen durch diese Faktoren:

  • Umgebungslicht
  • Blende
  • Empfindlichkeit
  • Belichtungszeit

Weitere Möglichkeiten, mit denen der Fotograf die Belichtung sonst noch beeinflussen kann:

  • Reflektoren
  • Lichtschlucker
  • Blitz
  • Filter

Damit wären die Themen, die uns in den kommenden Ausgaben von ›Kreativ fotografieren – vier Schritte zum Bild‹ beschäftigen werden. Wir werden uns ansehen, wie man Belichtungseinstellungen ermitteln, die Qualität der Belichtung einer Aufnahme mit Hilfe des Histogramms überprüfen und wie man mit der Belichtungskorrektur korrigierend eingreifen kann.

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2.10. Scharfstellen und Messfeldsteuerung

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Fotoschule onLine - Kreative Digitalfotografie verständlich erklärt

Scharfstellen und neu komponieren

Ein Bild kann immer nur auf einen bestimmten Bereich scharf eingestellt sein. Welcher Bereich das ist entscheidet der Fotograf. Entweder über manuelle Fokussierung, oder mit Hilfe des AF-Messsystems. Diese elektronischen Systeme können nicht wissen, auf welchen Bereich scharf gestellt werden soll. Zwar gibt es mittlerweile bei Kameras für point-and-shoot-Fotografen Automatiken, die Gesichter erkennen und darauf scharf stellen können, aber in der Regel ist es ein kleines Messfeld innerhalb des Bildbereichs, über das scharf gestellt wird (siehe auch ›Fokussierung, Messfelder, Sucher und Live-View‹).

Normalerweise liegt dieses Messfeld in der Mitte des Sichtfeldes der Kamera, aber wie ihr im letzten Artikel erfahren habt, lässt sich dieser Bereich bei den meisten Kameras verschieben.

Point-and-shoot-Fotografen passiert es gelegentlich, dass dieses Messfeld neben dem Objekt liegt, das sie fotografieren wollen. Häufig, wenn zwei oder mehr Personen vor der Kamera stehen, liegt dieses Feld nicht auf einer Person, sondern auf dem Hintergrund. Die Kamera macht dann was sie soll: Sie stellt auf den Hintergrund innerhalb des Messfeldes scharf.

Focus recompose Bei diesem gestellten Motiv enthält der Bereich zwischen den beiden Motiven keine Zeichnung. In so einem Fall kann die Kamera überhaupt nicht scharf stellen. Canons Powershot G12 signalisiert durch ein gelb dargestelltes Messfeld und ein Rufezeichen. Spiegelreflexkameras lösen in so einem Fall in der Gegel einfach nicht aus. Würde die Kamera im Messfeld etwas erkennen, würde sie darauf scharf stellen und die eigentlichen Motive kämen unscharf aufs Bild.

Die meisten Gelegenheitsfotografen kommen diesem Problem sehr rasch auf die Schliche. In den Bedienungsanleitungen zu den Geräten wird in der Regel auf den ersten paar Seiten schon erklärt, wie man in solchen Fällen vorgehen muss, um scharf zu stellen.

  1. Die Kamera so geschwenkt, dass das Messfeld auf dem Hauptmotiv liegt (oder einem der Hauptmotive),
  2. der Auslöser wird bis zum ersten Druckpunkt etwa zur Hälfte durchgedrückt,
  3. die Kamera misst und speichert dadurch die Schärfe,
  4. bei halb gedrücktem Auslöser wird nun der Bildausschnitt so eingerichtet, wie es eigentlich beabsichtigt ist
  5. und dann wird mit komplettem Durchdrücken des Auslösers das Bild aufgenommen.
Focus Das ausgewählte AF-Messfeld wird über den Bereich gelegt, der am schärfsten abgebildet werden soll. Bei einem Porträt natürlich die Augen. Der Auslöser wird zur Hälfte durchgedrückt und damit die Fokussierung gemessen und gespeichert.
Recompose Der Bildausschnitt wird neu komponiert und dann wird der Auslöser durchgedrückt.

Man bezeichnet das englisch als ›focus and recompose‹, was man mit ›Scharfstellen und neu komponieren‹ übersetzen kann.

Fokus recompose1 Am Display einer Kompaktkamera sieht das nicht viel anders aus: Focus …
Fokus recompose2 … and recompose.

Durch das Schwenken der Kamera zum neu Komponieren ändert sich die Distanz zum Fokuspunkt natürlich etwas. Manche Fotografen raten deshalb von dieser Technik ab. Vor allem bei kurzen Brennweiten auf geringe Distanz und mit sehr geringer Schärfentiefe entstehen durchaus sichtbare Unschärfen an ­Punkten, die eigentlich scharf sein sollten. Es empfiehl sich also bei solchen Aufnahmesituationen ein AF-Messfeld zu nutzen, das dem gewünschten Schärfepunkt nahe ist, um die Kamera nur möglichst gering schwenken zu müssen.

Einzel- und kontinuierlicher Autofokus

Zur Fokussierung stehen bei den meisten Kameras verschiedene Autofokus-Modi zur Verfügung. In der Regel sind das: Einzel- oder statischer Autofokus und kontinuierlicher Autofokus.

Einzel AF | Beim ­statischen AF ändert sich die Fokussierung nicht mehr, nachdem einmal scharf gestellt wurde. Sollte sich nach dem Scharfstellen die Distanz zum Objekt verändern, wird es beim Auslösen unscharf abgebildet. Diese Einstellung ist optimal für alles, was sich nicht bewegt.

Kontinuierlicher AF | Der kontinuierliche AF hingegen reagiert auf eine Veränderung der Distanz innerhalb des AF-Messfeldes. Fokussiert man bei dieser Einstellung auf ein Objekt und dieses entfernt sich oder bewegt sich auf den Fotografen zu, bevor der Auslöser ganz durchgedrückt wird, dann wird die Schärfe angepasst. Man spricht auch von Schärfenachführung.

So sehr diese Funktion empfehlenswert ist, für alles was sich bewegt, so ungeeignet ist sie für das Arbeiten nach dem ›Focus and recompose‹-Prinzip. Denn stellt man auf ein Bildelement scharf und komponiert dann neu, dann wird die Schärfe auf den Bereich innerhalb des AF-Messfeldes angepasst. Anders gesagt: ›Focus and recompose‹ funktioniert mit kontinuierlichem AF nicht.

Viele Kameras bieten als dritte Alternative einen Modus an, der automatisch erkennt, ob im Moment gerade kontinuierlicher oder Einzel-AF angesagt ist. Allerdings täuscht sich dieser Modus relativ häufig. Zumindest bei meinen Nikons bevorzuge ich es deshalb manuell zwischen statischem und kontinuierlichem AF zu wechseln und den automatischen AF (AF-A) zu meiden.

Messfeldsteuerung

In den bisherigen Erklärungen bin ich von der sogenannten Einzelfeldsteuerung ausgegangen. Dabei wählt man wie gesagt ein bestimmtes AF-Messfeld aus und stellt mit ihrer Hilfe scharf. Die Kamera setzt dabei eben ein einziges AF-Messfeld ein.

Dynamische Messfeldsteuerung | Während man bei der Einzelmessfeldsteuerung ein einziges Messfeld nutzt, arbeitet die Kamera bei einer dynamischen Messfeldsteuerung mit allen AF-Messfeldern. Die Namen, die die verschiedenen Kameraherstellern einer solchen Funktion geben, mögen sich unterscheiden, aber man darf davon ausgehen, dass sie zumindest bei jeder Spiegelreflexkamera vorhanden ist.

Eine dynamische Messfeldsteuerung darf nicht mit einer automatischen Messfeldsteuerung verwechselt werden. Bei der automatischen Messfeldsteuerung sucht die Kamera selbst die Punkte aus auf die sie scharf stellt. Das ist im Grunde die Blindflugmethode für Point-and-shoot-Fotografen, die einfach nur auf ein Motiv draufhalten und dann abdrücken.

Mit der dynamischen Messfeldsteuerung hingegen wählt der Fotograf zunächst einmal über das ausgewählte AF-Messfeld den Punkt aus auf den fokussiert werden soll. Das heißt der Start der Aufnahme erfolgt wie gewohnt indem der Fotograf mit dem gewählten AF-Messfeld auf sine Motiv zielt und den Auslöser halb durchdrückt. Verlässt das Motiv dieses Messfeld und erscheint in einem andere, bevor der Fotograf durchgedrückt hat, dann wird die Schärfe an dieses Feld angepasst. Auch hier geschieht also eine Schärfenachführung.

Dynamische messfeldsteuerung 1 Der Fotograf fängt ein bewegtes Objekt mit dem AF-Messfeld das er vorgewählt hat ein und rückt den Auslöser halb durch. Die Kamera stellt scharf und speichert die Schärfe.
Dynamische messfeldsteuerung 2 Da sich das Motiv schneller bewegt als der Fotograf mit der Kamera nachzieht verlässt das Objekt das ursprüngliche Messfeld und taucht in einem anderen auf. Die Kamera passt die Schärfe auf dieses Feld an.
Dynamische messfeldsteuerung 3 Und das macht sie über den gesamten Messfeldbereich und alle 9, 11, 39 oder 51 Messfelder hinweg.

Der Unterschied zwischen kontinuierlichem AF und dynamischem AF ist der: Ersterer passt die Fokussierung an, wenn sich ein Objekt auf den Fotografen zu oder von ihm weg bewegt. Letzteres passt die Fokussierung an, wenn sich das Objekt entlang der horizontalen, vertikalen oder diagonalen zum Fotografen bewegt. Für alle Motive die sich einigermaßen rasch bewegen empfiehlt sich die Aktivierung sowohl von kontinuierlichem AF als auch von dynamischer Messfeldsteuerung.

Serienaufnahme

Zusätzlich zu kontinuierlichem AF und dynamischer Messfeldsteuerung empfiehlt sich darüber hinaus die Aktivierung einer Serienbildfunktion. Spiegelreflexkameras schaffen oft drei, fünf oder gar zehn Aufnahmen in der Sekunde – wobei eine schnelle Speicherkarte dabei meist eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Mit einer Serienbildfunktion braucht der Fotograf den Auslöser nur mehr durchzudrücken und die Kamera feuert aus vollem Rohr ein Bild nach dem anderen. Diese Kombination – Serienbildaufnahme, dynamische Messfeldsteuerung und kontinuierlicher Autofokus – helfen bei allen Motiven, die sich schneller bewegen, als unsere Wahrnehmung noch folgen kann, Bilder einzufangen, aus denen sich dann meist ein paar ganz besonders gute Treffer auswählen lassen. Sinnvoll sind sie für spielende Kinder, tollende Hunde, fliegende Vögel, Fußballspieler, Rennfahrer und was auch immer sich rasch bewegt.

AF-On

Normalerweise aktiviert der Fotograf die Schärfemessung durch Drücken des Auslösers zum ersten Druckpunkt. So lange er die Taste gedrückt hält bleibt bei Einzel-AF die Schärfe gespeichert. Drückt er den Auslöser durch wird das Bild mit der gespeicherten Schärfe aufgenommen. Lässt er den Auslöser los wird der Schärfespeicher gelöscht.

Kameras für ambitionierte Fotografen erlauben es in der Regel die Schärfemessung auf eine andere Taste zu legen. Die Schärfe wird dann nicht mehr am ersten Druckpunkt des Auslösers gemessen, sondern durch drücken dieser Taste. Kameras mit professionellem Anspruch haben dazu sogar eine eigene Taste. Bei Canon und Nikon sind diese Tasten mit AF-On beschriftet.

AE L AF L Taste AF-On-Taste einer Nikon D700.

Nach Werksvoreinstellung sind diese Tasten in der Regel mit keiner Funktion belegt. Aktiviert der Fotograf die Schärfemessung über die Taste AF-On, dann wird dieselbe Funktion normalerweise automatisch vom Auslöser entfernt. Das heißt der Fotograf kann dann nicht mehr durch halbes Drücken des Auslösers scharf stellen (er kann gar nicht mehr über den Auslöser scharf stellen), sondern nur mehr durch Drücken dieser AF-On-Taste.

Was soll das bringen?

Ganz einfach: Wenn ich ein Modell oder ein Objekt vor der Kamera habe, dann werde ich meist mit einem AF-Messfeld auf einen bestimmten Punkt fokussieren – beim Modell mit aller Wahrscheinlichkeit auf die Augen – und anschließend den Bild­ausschnitt komponieren.

Möchte ich eine zweite Aufnahme mit derselben Bildkomposition erstellen, muss ich mit der normalen Einstellung mit Schärfemessung über den Auslöser, zum gewünschten Schärfepunkt (Augen) zurück schwenken, durch halbes Durchdrücken des Auslösers die Schärfe neu aufnehmen und speichern, die Kamera zurück in den gewünschten Bildausschnitt schwenken und neuerlich drücken.

Möchte ich eine weitere Aufnahme folgt das Spiel ein drittes Mal. Und dann ein viertes Mal. Und dann …

Bei Foto-Shootings, bei denen man ganze Serien von Aufnahmen schießt, ist es sehr mühsam vor jedem Auslösen die Schärfe neu an einem bestimmten Punkt zu messen. Aber wenn die Schärfemessung am halben Druckpunkt des Auslösers liegt geht das gar nicht anders. Mit dieser Einstellung wird die Schärfe vor jedem Auslösen gemessen – schließlich liegt der erste Druckpunkt des Auslösers ja auf halbem Weg zum zweiten und einen Weg darum herum gibt es nicht. Also muss der Fotograf vor jedem Auslösen neu auf den gewünschten Schärfepunkt messen.

Arbeitet man statt dessen mit AF-On sieht die Arbeitsweise anders aus: Man speichert die Schärfe einmal, indem man mit dem AF-Messfeld auf den gewünschten Schärfepunkt zielt und die AF-On-Taste drückt. Durch das Drücken der AF-On Taste wird die Schärfe gemessen und gespeichert. Nun schwenkt man die Kamera um den Bildausschnitt zu komponieren und schießt die erste Aufnahme durch drücken des Auslösers. Die Schärfe bleibt nach dem Auslösen gespeichert und man kann eine zweite Aufnahme machen, ohne neu messen zu müssen. So lange das Motiv den Abstand zum Fotografen nicht deutlich verändert, kann man ganze Serien an Aufnahmen machen, ohne dass man neu Fokussieren muss.

Besonders bei Modell-Shootings erweist sich das als äußerst hilfreich. Oft verändert das Modell nach einer Aufnahme lediglich den Gesichtsausdruck etwas, oder die Handhaltung. Wenn die Kamera nicht auf eine extrem kurze Schärfentiefe eingestellt ist, dann kann das Modell den Kopf auch verlagern oder drehen oder die Körperhaltung ändern, ohne dass jedes mal neu fokussiert werden muss.

Man gewöhnt sich sehr schnell an die Arbeit mit der AF-On-Taste und ich für meinen Teil Fokussiere jede Aufnahme die ich mache auf diese Art. Fokusmessung am ersten Druckpunkt gibt es bei mir schon lange nicht mehr.

Auch Kameras die nicht mit einer AF-On-Taste ausgestattet sind, lassen sich oft so bedienen. Man muss halt eine andere Taste mit dieser Funktion belegen. Die Elektronik vieler Kameras erlaubt es sehr oft die Funktion verschiedener Tasten zu individualisieren. So erlauben zum Beispiel Nikon D80 und Nikon D7000 das Legen der AF-On-Funktion auf die Taste AE-L/AF-L-Taste (diese Taste kennen Canon-Fotografen als *-Taste).

AE L AF L Taste Die AE-L/AF-L-Taste vieler Nikons lässt sich mit einer AF-On-Funktion belegen.

Normalerweise lässt sich über AE-L/AF-L- (Nikon) beziehungsweise *-Taste (Canon) die Belichtung messen und speichern. Legt man AF-On auf diesen Knopf muss diese Funktion natürlich weichen. Es ist also eine Frage der persönlichen Vorliebe, der Art des Fotografierens und am Ende der Priorität, was einem wichtiger ist. Mir ist es bedeutend wichtiger die Schärfemessung vom Auslöser weg zu bekommen, als einen Knopf zur Messung der Belichtung an der Kamera zu haben. Deshalb liegt bei meiner D80 AF-On auf der AE-L/AF-L-Taste.

Auslöse- oder Schärfepriorität

Die AF-Automatiksysteme digitaler Kameras brauchen immer eine gewisse Zeit um scharf stellen zu können. Je nach Situation kann es schon einmal vorkommen, dass das bis zu einer Sekunde oder länger dauert. Für manche Motive ist das einfach zu langsam.

Erwartet der Fotograf von seiner Kamera vor allem scharfe Bilder, ganz egal wie die Kamera zum korrekten Fokussieren benötigt, dann kann er seine Kamera auf Schärfepriorität stellen. Die lässt sich dann so viel Zeit wie sie braucht um sich sicher zu sein, dass es ihr gelungen ist korrekt scharf zu stellen.

Der Fotograf kann aber auch sagen, ich brauche auf jeden Fall so rasch als möglich nach dem Drücken des Auslösers eine Aufnahme. Wenn das Resultat nicht zu 100% scharf ist, ist das immer noch besser als gar keine Aufnahme. Dann kann er seine Kamera auf Auslösepriorität stellen. Die Kamera versucht dann so rasch als möglich auszulösen, auch wenn sich die AF-Messautomatik noch nicht ganz sicher ist, dass die optimale Schärfe schon erreicht wurde.

Display screenshot 028 Bei den meisten Nikon-SLRs lässt sich für kontinuierlichen AF (AF-C) und Einzel-AF (AF-S) separat wählen …
Display screenshot 029 … ob man Auslöse- oder Schärfepriorität vorzieht.

Wer oft und gerne bewegte Objekte fotografiert wird eventuell Auslösepriorität vorziehen. Wer statische Motive bevorzugt bekommt mit Schärfeprirität mehr Sicherheit für mehr scharfe Bilder. Und bei Architektur und Landschaft sind Auslöseverzögerungen von wenigen Zehntel Sekunden in der Regel auch kein Problem. Am besten versucht ihr es einfach und testet an eurer Kamera aus, mit welcher Einstellung ihr eher zufrieden seid. Ob euch Schärfepriorität zu oft zu sehr verzögert um die Motive rasch genug im Kasten zu haben. Oder ob auch Auslösepriorität zu viele unscharfe Ergebnisse liefert.

Der Inhalt dieser Online-Fotoschule ist in erweiterter Form auch als Buch erhältlich:
»Die kreative Fotoschule – Fotografieren lernen mit Markus Wäger«
Rheinwerk-Verlag 2015, 437 Seiten, gebunden, komplett in Farbe
ISBN 978-3-8362-3465-8
Buch: 29,90; E-Book: 26,90
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2.9. Fokussierung

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Die Wahl der Schärfentiefe ist ein kreatives Gestaltungsmittel, das dem Fotografen zur Verfügung steht. Manchmal ist es besser eine kurze Schärfentiefe zu wählen, manchmal besser eine weite. Sehr oft ist es aber auch einfach Geschmacksache für welche von beiden Varianten man sich entscheidet. Manchmal fotografiere ich eine Szene sowohl mit geringer Abblendung (kleine Blendenzahl = offene Blende) für geringe Schärfentiefe und mit starker Abblendung (hohe Blendenzahl = hohe Schärfentiefe). Die beiden Varianten kann ich dann am Computer-Monitor vergleichen und mich für die eine oder andere Variante entscheiden.

Bezogen auf die Fokussierung ist es hingegen meist weniger Geschmacksache auf welchen Punkt scharf gestellt wird. Meist ist ein einziger Punkt in einer Szene der Punkt der scharf sein muss. Fokussiert man auf einen anderen Punkt und der zentrale Punkt ist unscharf, wirkt das Resultat verunglückt. Die nächste Abbildung zeigt eine Testaufnahmen zu einem Nacht-Shooting. Das Bild wirkt unscharf.

Sandranachts
Falsche Fokussierung: Der schärfste Punkt liegt auf den ­Haaren, etwa im Bereich der ­Ohren. ­Korrekt wäre gewesen auf die ­Augen zu fokussieren.

Aber ist dieses Bild wirklich unscharf? Die Haare im Bereich der Ohren sind gestochen scharf. Aber wer interessiert sich für Haare wenn Augen im Bild sind? Der schärfste Punkt müsste auf den Augen liegen. Wären die Augen scharf abgebildet und die Haare unscharf, dann würden wir das Bild als gelungen empfinden. So aber wirkt es verunglückt.

Mehrere Personen fotografieren | Bevor wir uns eingehender mit der Fokussierung befassen, noch ein wichtiger Tipp zur Fotografie von mehreren Personen, die nicht in einer Linie nebeneinander, sondern mit unterschiedlichen Ab­ständen hintereinander, stehen.

Generell setzt man bei Porträts gerne auf offene Blenden um das Modell sauber vom Hintergrund freizustellen (siehe auch ›Freistellen‹) und den Fokus klar auf die Augen zu lenken. Befinden sich jedoch zwei oder mehr Leute nicht direkt nebeneinander sondern hintereinander sind sehr kurze Schärfentiefen mit Vorsicht zu genießen. Sie führen dazu, dass nur mehr die Augen einer Person scharf sind.

Samundlukasunscharf
Dieses Porträt von Sam und Luke habe ich mit Blende ƒ1.8 auf­genommen. Sam ist scharf abgebildet, aber Lukes Augen, wenige Zentimeter dahinter, sind bereits deutlich verschwommen.
Samundlukasscharf
Mit Blende ƒ8 kommen beide ­Personen mit ausreichender ­Schärfe ins Bild (daraus aber nicht den Schluss ziehen, dass für ­solche Aufnahmen immer Blende 8 optimal ist – es kommt auch auf Brennweite und Distanz an – Sensorformat, Abstand, Brennweite und Blende sind immer gemeinsam für die Schärfentiefe verantwortlich; siehe dazu auch noch einmal den letzten Artikel).

Manuelle oder automatische Fokussierung

Manchmal wird das zur Glaubensfrage. Aber nachdem Computer längst Schachweltmeister schlagen und sogar Weltklassefoto­grafen, wie Joe McNally, auf die automatische Blitzlichtsteuerung via i-TTL vertrauen, sollte man diese Suppe nicht zu heiß löffeln. Ich denke beides hat seine Daseinsberechtigung.

Erstens habe ich persönlich immer das Gefühl meine Brille störe mich bei der Beurteilung der Schärfe über den Sucher. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, denn ich bin mir sicher, es gibt viele Fotografen, die Brillenschlangen sind wie ich, und trotzdem manuell fokussieren. Aber ich traue der Sache einfach nicht, wenn ich bei 100 mm Brennweite auf ein oder zwei Meter Distanz bei Blende ƒ2.0 beurteilen soll, ob der Schärfepunkt exakt auf den Augen sitzt oder nicht.

Rasante Motive | Zweitens gibt es Motive, die sind einfach verdammt schnell und das menschliche Reaktionsvermögen kommt mit manuellem Fokussieren schlicht nicht mit. Ich denke dabei an Vögel im Flug.

Street Photography | In der Street Photography hingegen wird oft manuelles Fokussieren bevorzugt und das mit gutem Grund. Auch die schnellsten AF-Objektive brauchen ihre Zeit zum Fokussieren. Vor allem in schattigen Gassen, wenn es dämmert oder gar bei Nachtszenen in der Großstadt. In solchen Situationen hängt die manuelle Fokussierung durch den Fotografen die Geschwindigkeit der AF-Systeme oft locker ab.

Aber widerspricht sich das nicht? Bei Vögeln soll die automatische Fokussierung schneller sein als der Mensch und in Stadt und Straße langsamer?

Nur scheinbar! Autofokussysteme brauchen immer einen Moment bis sie scharf gestellt haben (In dieser Beziehung hat übrigens das Objektiv meist mehr Einfluss auf die ›Fokussiergeschwindigkeit‹ als die Kamera). Der Mensch schafft das in der Regel schneller. Vor allem wenn die Lichtbedingungen nicht optimal sind, also wenn es dunkelt oder trübe ist. Hat ein elektronisches AF-System aber einen Schärfepunkt erst einmal gefunden und auf ihn fokussiert, kann es ihm in der Regel um ein vielfaches besser folgen, als die menschliche Wahrnehmung. Motive die sich schnell bewegen werden deshalb meist so fotografiert: Die Kamera wird auf Serienbildmodus geschaltet, der Fotograf versucht auf den fliegenden Vogel (als Beispiel) zu fokussieren, drückt den Auslöser durch und folgt dem Motiv bei weiterhin gedrücktem Auslöser. Moderne Kameras schaffen zwischen fünf und zehn Aufnahmen in der Sekunde und die Schärfe wird von der Kameraelektronik kontinuierlich nachgeführt – jedenfalls bei entsprechender Einstellung (bei Nikon heißt die Einstellung CF, Continious Focus, bei Canon AI Servo – andere Hersteller mögen unter wieder anderen Namen identische Einstellungen anbieten).

Makro | In der Makrofotografie kommt es oft vor, dass sich die Automatik schwer tut, auf den gewünschten Fokuspunkt scharf zu stellen. Ich erlebe es beim 105mm Macro Nikkor immer wieder, dass die Fokusautomatik zwischen Nahfokussierung und Fernfokussierung hin und her springt und es nicht schafft das Motiv scharf zu stellen – bei anderen Makro-Objektiven ist das meist nicht anders. Auch hier ist die manuelle Fokussierung die bessere Wahl.

Am Ende ist es Teils Geschmacksache, Teils Situationsabhängig, ob man manuell oder automatisch fokussiert.

Bei modernen AF-Objektiven Nikon kann sogar automatisch und manuell kombinieren. Bei Nikon sind es in der Regel AF-S-Objektive, bei denen man nach der automatischen Fokussierung noch einmal über den Einstellring für die Schärfe manuell korrigierend eingreifen kann (AF steht für ›Auto Focus‹, S für ›Ultra Sonic‹, Ultraschall). Auch hier bieten andere Hersteller vergleichbare Produkte.

Das heißt, dass ich zum Beispiel bei meinem AF-S Nikkor 50mm ƒ1.4 manuell fokussieren kann, ohne auf manuelle Fokussierung umzustellen. Beim AF Nikkor 50mm ƒ1,8 – einem älteren und preiswerteren Objektiv – ist das nicht zu empfehlen. Zwar ist es möglich, aber es geht nur gegen den Widerstand des AF-Motors. Wenn man also beim manuellen Fokussieren mittels des Schärferings am Objektiv einen Widerstand spürt, dann sollte man nicht weiter drehen. In so einem Fall lässt sich mit diesem Objektiv nur dann manuell fokussieren, wenn man an Kamera oder Objektiv auch auf manuell umstellt.

Manuell af Fokusschalter zum Umschalten zwischen automatischer und manueller Fokussierung an einer Nikon D7000. (Bild: © Nikon GmbH)

Fokussierung, Messfelder, Sucher und Live-View

Zum Ermitteln der Entfernung zur Fokussierung suchen SLR-Kameras nach erkennbaren Kontrastkanten innerhalb eines kleinen Bildausschnitts. Wenn man mit Hilfe des Suchers fotografiert geschieht das über das ausgewählte AF-Messfeld, das im Sucher angezeigt wird. Bei einer Nikon D7000 sieht das wie in der Abbildung unten aus (2).

Af Feld im Sucher AF-Messfeld im Sucher einer Nikon D7000.

Wenn man mit Live-View arbeitet (was man mit einer Kompaktkamera in der Regel so gut wie immer macht), dann wird auch hier in der Regel am Display ein Rahmen angezeigt, in dem die Kamera versucht die Schärfe zu ermitteln.

AF Messfeld am Display AF-Messfeld am Display einer Canon Powershot S95. Die grüne Farbe signalisiert, dass die Kamera scharf gestellt hat.

Die Position von AF-Messfeldern lässt sich in der Regel verändern.

Multifunktionswaehler D7000 Durch Kippen des Multifunktionswählers lässt sich bei Nikon-Kameras die Position des AF-Messfeldes verschieben. Das gilt sowohl für Live-View als auch für das Messfeld im Sucher.
Multifunktionswaehler G12 Einstellrad einer Canon Powershot G12. Die Bedienung ist im Grunde identisch mit Nikon und auch andere Hersteller nutzen dieselben Konzepte.

Verschiedene Messsysteme | Da Live-View und Sucher in der Regel nicht dieselben Messsysteme nutzen, ergeben sich in der Praxis spürbare Unterschiede bei der Arbeit. So ist zum Beispiel das Messsystem, das bei der Arbeit mit dem Sucher ­arbeitet, bei den meisten SLR-Kameras deutlich flotter, als das Messsystem in Live-View-Modus. Wenn es also rasant zur Sache gehen muss, dann sind Sie mit dem Sucher besser beraten. Auch das ist ein Punkt, bei dem SLRs gegenüber Kompaktkameras punkten können.

Live-View hat allerdings auch Vorteile. Dazu gehört zum Beispiel, dass man die AF-Messfelder bei der Arbeit mit dem Messsystem des Suchers nicht bis in den Randbereich des Bildfeldes verschieben kann. Bei Live-View hingegen lässt sich das Messfeld meist stufenlos bis in die letzte Ecke verschieben.

Ein Problem stellt der eingeschränkte Bewegungsspielraum der AF-Messfelder im Sucher vor allem dar, wenn man Leute vom Scheitel bis zur Sohle porträtieren möchte.

Messfelder im Sucher Selbst aufwändige Messsysteme für den Autofokus bei der Scharfstellung mit dem Sucher, erlauben es nicht die Messfelder bis an den Rand zu verschieben.

Natürlich kann der Fotograf die Kamera schwenken, durch Drücken des Auslösers zum ersten Druckpunkt die Schärfe messen, und dann den Bildausschnitt neu komponieren. Aber bei ganzen Serien von Bildern, wie bei Modell-Shootings, ist das meist etwas aufwändig und erlaubt kaum wirklich rasche Serien. Außerdem führt bei extrem kurzen Schärfentiefen oft schon leichtes Kippen zu einer Verlagerung des Schärfepunktes und dann liegt der Fokus gar nicht mehr exakt dort wo man ihn gemessen hat. Generell sollte man deshalb bei Situationen, wie in der Abbildung oben, nicht mit dem mittleren Fokuspunkt messen und neu komponieren, sondern zumindest das Messfeld nutzen, das dem gewünschten Fokuspunkt – hier den Augen – am nächsten ist.

Manuelle Fokussierung und Fokusindikator

Arbeitet man mit manueller Fokussierung braucht man an Nikon-Kameras auf die Hilfe des Fokusmesssystems nicht zu verzichten. Mit dem Fokusindikator im Sucher wird auch im manuellen Modus angezeigt, ob die Kamera die Scharfstellung für korrekt hält oder nicht. Es geht sogar noch einen Schritt weiter: Der Fokusindikator zeigt sogar nicht nur an ob die Schärfe stimmt, sondern auch ob der Fokus davor oder dahinter liegt, wenn er im Messfeld nicht stimmt.

Fokusindikator Fokus vorne Der Fokusindikator (3) zeigt an ob der Bereich im Fokusmesseld (4) scharf ist oder nicht. Hier zeigt der Fokusindikator an, dass die Schärfe zu weit vorne liegt.
Fokusindikator Fokus hinten Hier zeigt der Fokusindikator (5) an, dass der Fokus zu weit hinten liegt.
Fokusindikator Fokus korrekt Hier zeigt der Fokusindikator (6) an, dass der Bereich im Fokusmessfeld scharf ist.

Da ich selbst mit Nikon fotografiere kann ich nicht sagen in wie fern andere Hersteller vergleichbare Funktionen haben. Ich gehe aber auch hier davon aus, dass bei Canon, Olympus & Co eine identische Möglichkeit zu finden ist. Für sachdienliche Hinweise bin ich – und wahrscheinlich noch viel mehr die Leser dieses Artikels – dankbar.

AF-Sensoren

Lassen wir Live-View wieder außen vor und konzentrieren wir uns auf das, womit die meisten ambitionierten Fotografen arbeiten: Mit dem Sucher.

Die Messfelder, die bei der Arbeit mit dem Sucher eingesetzt werden, trennen sich in der Regel in zwei Gruppen: Einfache AF-Sensoren sind nur für Kontraste in einer bestimmten Richtung sensibel. Das heißt sie sind entweder in der Lage auf Strukturen mit horizontalen Linien scharf zu stellen, oder auf Strukturen die vertikale Linien enthalten. Im Gros der ›Scharfstellsituationen‹ ist das nicht weiter von Bedeutung. Die meisten Punkte, auf die man scharf stellt, beinhalten sowohl vertikal als auch horizontal ausgerichtete Kontraste. Auch diagonale Linien stellen kein Problem dar. Möchte man hingegen mit einem einfachen AF-Sensor, der für horizontale Linien sensibel ist, auf ein Muster aus ausschließlich vertikalen Linien fokussieren, gelingt das der AF-Elektronik nicht. Sie wird ein paarmal in die Ferne und zurück in den Nahbereich scharf stellen und dann W.O. geben.

Kreuzsensoren | Die andere Art der AF-Sensoren sind sogenannte Kreuzsensoren, die sowohl mit horizontalen, wie auch mit vertikalen Strukturen klar kommen. Solche Sensoren sind natürlich besser und es wäre schön, wenn nur solche zum Einsatz kämen. Aber wie üblich ist das Schöne auch das Teurere, weshalb die meisten Kamerahersteller aus einen Mix aus einfachen und Kreuzsensoren setzen. Meist liegen die Kreuzsensoren in der Mitte und die einfachen im Randbereich.

Ob ein Sensor, des AF-Systems (moderne SLRs haben meist 9, 11, 39 oder 51 Messfelder), ein einfacher oder ein Kreuzsensor ist, und wenn er einfach ist, ob er auf horizontal oder vertikal reagiert, lässt sich leicht herausfinden. Man sucht sich einfach ein Motiv, das ausschließlich Linien in einer Richtung zeigt. Die meisten Radiatoren haben Rippen in vertikaler Richtung und erzeugen eine solche Struktur. Mit Kreuzsensoren können Sie scharf stellen, ob sie die Kamera Quer- oder Hochformat halten. Ist ein Sensor nur für horizontale Linien ausgerichtet, kann die Kamera im Hochformat nicht scharf stellen. Ist ein Sensor nur für vertikale Linien ausgerichtet, kann die Kamera im Querformat nicht scharf stellen.

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Books on Demand, 1. Auflage Oktober 2011;
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