Direkt zum Inhalt

Kategorie: Bilder & Gedanken

Frauen sehen besser

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 |420mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/500s | ISO1600

Vorurteile können schädlich und gefährlich sein. Wir können aber nicht ohne sie leben. Es wäre völlig unmöglich jede einzelne Situation, Begegnung und Entscheidung jeder Sekunde des Tages immer völlig neu, neutral und objektiv zu bewerten. Wir müssen, wollen wir uns nicht überlasten – man könnte auch sagen: wollen wir überleben – auf frühere Erfahrungen, Eindrücke und Urteile zurückzugreifen. Wenn wir beispielsweise einkaufen, verlassen wir uns – zumindest die Meisten – auf das Vorurteil, das billig ist, was billig aussieht. Wer versuchen würde, jedem Produkt das er in den Einkaufswagen legt, eine gründliche Recherche voran zu setzen, müsste den Einkauf zur Lebensaufgabe machen. An Vorurteilen ist nichts Schlechtes, so lange wir uns im klaren sind, dass sie Vorurteile sind, und kein allgemein gültiges Naturgesetz.

Viele Vorurteile basieren auf einem Kern Tatsache. Stereotypen entstehen selten ohne Auslöser. Gefährlich wird es, wenn wir Eigenschaften, die in einer Gesellschaftsgruppe etwas gehäuft vorkommen, pauschalisieren und über die ganze Gruppe hinweg bürsten wollen. Es sind nie alle gleich! Das möchte ich vorausschicken, bevor ich über ein Vorurteil schreibe, das Männern und Frauen gegenüber habe.

Komme ich mit einer Frau über Fotografie ins Gespräche, was bei den Themen die ich unterrichte häufig der Fall sit, interessiert mich auch, womit sie fotografiert. Nicht, weil es wichtig wäre, ob jemand mit Nikon oder Canon fotografiert, sondern weil es für die Themen meiner Kurse einen Unterschied machen kann, ob jemand mit einer System- oder Kompaktkamera oder einem Handy fotografiert. Oft höre ich dann Sätze, wie, »mit einer Spiegelreflex … glaube ich … mit so einer Canon … oder Nikon? Ich weiß nicht – ich muss meinen Freund fragen«. Megapixel oder Sensorgröße? Fehlanzeige. Keine Ahnung.

Fragst du einen Mann nach seiner Kamera, kann er dir in der Regel das gesamte Datenblatt herunterbeten. Interessanterweise hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass Frauen oft besser fotografieren – ein besseres Auge für Motive zu haben scheinen – als Männer. Das scheint mir irgendwie auch logisch schlüssig zu sein. Das Interesse von uns Männern dreht sich oft viel zu sehr um Theorie, Technik und Daten. Wir sind so auf technische Details fixiert, dass wir das aus dem Auge verlieren, was zählt: Das Motiv. Das sage nicht nur ich. Das sagte heute auch mein Fotohändler zu mir, weshalb ich auch auf die Idee zu diesem Artikel gekommen bin.

Ich habe noch nicht viele Frauen getroffen (ich glaube noch keine), die sich mit der Euphorie (eigentlich würde ich lieber schreiben »Verbohrtheit«) für Technik begeistern können, wie viele männliche Fotografen das tun. Viele interessieren sich eben so wenig für Technik, dass sie weder wissen, was für eine Art Kamera sie haben, wie der Hersteller heißt, geschweige denn, dass sie spontan irgendwelche technischen Kenndaten nennen könnten. Oft haben sie auch wenig Ahnung von all den Knöpfen, Schaltern und Funktionen des Geräts. Dennoch gelingen ihnen häufiger bemerkenswerte Aufnahmen. Sie machen sich eben viel mehr Gedanken darüber, was sie wie fotografieren, anstatt womit.

Joe Edelmann spricht im Video unten unter anderem darüber, wie viel Energie die Foto-Communitys da hinein verschleißen, sich gegenseitig ihre Marken schlecht zu reden und jedes technische und theoretische Detail viermal zu spalten. Und er sagt auch, dass der überwältigende Teil der User die in Foren und Kommentaren diese Themen bis zur Beflegelung diskutieren männlich sind. Ich glaube nicht, dass man dem widersprechen könnte.

Natürlich ist das eine Pauschalisierung die nicht verallgemeinert werden darf. Je professioneller eine Person mit Fotografie arbeitet, desto eher wird sie den fotografischen Blick mit technischer Kompetenz verbinden. Natürlich wissen viele Frauen, was für ein System von welchem Hersteller sie nutzen und manche sind besser mit sämtlichen Funktionen vertraut, als die meisten männlichen Fotografen. Natürlich kennen wir männliche Fotografen oder sehen wir Bilder von ihnen, die keinen Zweifel aufkommen lassen, dass sie ein Auge für besondere Motive haben und sie in Szene zu setzen verstehen. Aber im Durchschnitt tendieren Frauen eher dazu sich mehr dem Motiv und der Gestaltung zu widmen, während sich Männer gerne in Themen verlieren, die nicht im Geringsten dabei helfen bessere Fotos zu machen.

Die Technik hat sich in der digitalen Fotografie in den letzten Jahren soweit entwickelt, dass man heute mit jeder am Markt befindlichen Systemkamera auf professionellem Niveau arbeiten kann. Es gibt Profis die mit Smartphones und Kompaktkameras exzellente Ergebnisse erzielen, die dem Gros der Anwender auch mit der teuersten Ausrüstung im Leben nie gelingen werden.

Wir sollten aufhören uns wegen persönlicher Vorlieben und Befindlichkeiten in den Foren zu zerfleischen. Wir werden zu keinen besseren Fotografen, indem wir uns gegenseitig die Ausrüstung schlecht reden. Wir Männer, die sich zu oft zu sehr in den technischen Spielereien verlieren, sollten uns ein Beispiel an den Frauen nehmen, für die das Bild wichtiger ist als die Kamera.

Solche Beispiele sind natürlich nicht nur Frauen. Ich folge auf YouTube einigen Kanälen männlicher Fotografen die viel über Fotografie zu erzählen haben. Ich finde es viel spannender und interessanter ihnen zuzuhören, als Leuten die mehr Tester und Theoretiker sind als Fotografen. Wir sollten vor allem Kanäle abdrehen, die ihre Reichweiten gerne mit reißerischen Titeln erzielen, ständig auf Drama-Queen machen, Dieses und Jenes für tot erklären und die WAHRHEIT darüber verkünden, wer in der Industrie alles lügt und betrügt. Die helfen kaum besser zu fotografieren, sie schaden nur der Fotografie. Man kann Fotografie nicht theoretisch erlernen, sondern nur in der Praxis. Dazu inspirieren mich aber vor allem Leute, die praktisch vom Fotografieren erzählen.

Ich kann nicht abstreiten ein Mann zu sein. Ich kann nicht abstreiten, mich für Technik zu begeistern. Ich kann nicht abstreiten, so etwas wie ein Olympus-Fan zu sein. Ich kann das auch sein, ohne, dass irgendjemandem vermitteln zu müssen, dass mein System dem seinen überlegen ist. Das ist Unsinn. Und gerade weil es so ein Unsinn ist, ärgere ich mich oft darüber, dass ich mich über die ärgere, die das tun. Und dann beneide ich die Frauen, die das alles nicht im mindestens berührt, noch nicht einmal mitbekommen, weil sie sich nicht in den Foren und auf den Seiten herumtreiben, auf denen all der Unsinn breit getreten wird. Die nicht da sind, weil sie das tun, worum es in Fotografie wirklich geht: Um das Fotografieren.

Die Blaumeise

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420.0 mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/320s | ISO1600 | Capture One Pro
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420.0 mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/320s | ISO1600 | Capture One Pro
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420.0 mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/320s | ISO1600 | Capture One Pro

Ich finde es immer wieder faszinierend, was die Vogelwelt für eine Vielfalt an unterschiedlichen Federkleidern hervorgebracht hat. Vor allem Exoten bezaubern, wenn man sie in Dokumentationen über oder im Internet von Fotografen aus fernen Ländern sieht. Dabei muss man gar nicht weit reisen um Vögel in wunderbaren Kleidern zu beobachten. Kohl- und Blaumeisen besuchen uns täglich auf der Terrasse, wo stets Futter für die hungrigen Freunde bereit steht.

Zwar fotografieren wir auch regelmäßig die Tiere die uns zuhause besuchen kommen. Ansprechender geraten Bilder jedoch, wenn sie keine urbanen Elemente enthalten, wenn es einem gelingt, sie in ihrem natürlichen Habitat einzufangen. Die kalte Jahreszeit hat dabei den Vorteil, dass die Bäume kahl und die Vögel besser auszumachen sind. Ich mag außerdem die Stimmungen die abseits sommerlichen Schönwetters entstehen. Tiere lassen sich an trüben Tagen sogar besonders gut fotografieren, ist das Licht doch nicht so hart, wie wenn die Sonne scheint. Auch Regen- und Schneeschauer halten mich ab meine Kamera einzupacken und mich auf den Weg zu machen – jedenfalls nicht immer. Wie sagt man doch so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung. Das gilt nicht nur für Kleidung, sondern auch für die Fotoausrüstung.

Am Tag als die drei Bilder oben entstanden war es weder nass noch kalt. Einige Zeit hatten wir auf einem Bänkchen vor einem Tümpel verbracht und auf Beute gewartet. Ein Gimpel ließ sich kurz blicken, ein Specht turnte an Ästen herum, ein Rotkehlchen sang für uns und ein Feldsperling beobachtete uns vom Schilf aus. An den Bäumen spielten Eichhörnchen fangen.

Die Bilder der Meise entstanden etwas später. Freundliche Menschen versorgen das Federvieh auch abseits von Privathäusern mit Futter. Futterstellen sind immer ein guter Platz um sich zu platzieren. Meist landen Vögel nicht sofort am Häuschen, sondern zuerst auf einem Ast in der Nähe und hüpfen erst über zwei oder drei Stationen zum Futter. Gute Möglichkeiten die Tiere ohne die Futterkrippe auf Sensor zu bannen.

Fotografieren ist das Ziel

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus OM-D E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-20 | 600 mm (1200mm KB) | ƒ8 | 1/1000s | ISO250 | Capture One Pro

Gestern habe ich ein YouTube-Video geteilt, indem Robin Wong über die Krise des Kamerageschäfts spricht. Ich glaube, es ist einer der klügsten Kommentare, die ich jemals zu dem Thema gehört habe. In einem Punkt teile ich seine Beschreibung allerdings nicht ganz, und zwar da, wo er eine Kreativitätskrise als mitverantwortlich am rückläufigen Interesse an Fotoapparaten anführt.

Wong spricht davon, dass in der Fotografie ein kreativer Stillstand eingetreten ist, und dass das im Gegensatz zu anderen kreativen Disziplinen stehe. Ich für meinen Teil glaube jedoch, dass an diesem Problem nicht nur die Fotografie leidet. So kann ich mich beispielsweise nicht erinnern, in den letzten 20 Jahren irgendetwas gehört zu haben, das dermaßen neu und innovativ ist, wie in den 60ern Funk und die Beatles, Ende der 60er Psychedelic, in den 70ern Hard Rock, Soul, Punk, Disco, New Wave und Electronic, ab den späten 70ern Rab und Hip-Hop, in den 80ern der Sound von Prince, danach House und Techno oder in den 90ern Nirvana, Djungle, Break-Beat und Drum&Bass. Nicht, dass ich glaube, dass den Leuten heute die Kreativität fehlte. Ich glaube nur, dass mehr oder weniger alles was im Rahmen von Rock, Pop und Black Music möglich ist, weitgehend ausgereizt ist. Darüber hinaus sind dominante Strömungen, wie einst Glam Rock, Disco oder Techno, der Pluralität gewichen. Heute gilt, alles geht und alles geht nebeneinander. Dasselbe sehe ich in der Mode und ich vermute, dass es auch in der bildenden Kunst nicht anders ist.

Wong nennt CGI als kreativen Motor in der Filmindustrie, und dass das kreative Kino heute lebendiger ist als die kreative Fotografie. Ich zweifle etwas daran, dass Computer generierte Bilder tatsächlich zu kreativerem Kino geführt haben. So wie Wong kritisiert, dass Fotografien heute viel zu selten Geschichten erzählen, glaube ich, dass CGI wenig zu kreativeren Erzählungen im Kino beitragen und die Handelsstränge von Filmen viel zu oft nur mehr von computergenerierter Action getragen werden, ohne dass den Bildern noch eine schlüssige Handlung zugrunde liegt. Und so gesehen, sind sich Fotografie und Film – sofern Wong recht hat – gar nicht unähnlich, denn auch in der Fotografie führt die sich stetig weiter entwickelnde Technik zu Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren so noch nicht existierten. So ermöglichen exzellente RAW-Konverter gemeinsam mit Bildsensoren die über einen Dynamikumfang von bis zu 15 Lichtwerten erreichen, wie auch HDR eine Bildästhetik die die Möglichkeiten der klassischen 8-Bit-Farbe-Fotografie bei weitem Sprengen.

Ich möchte mit diesem Artikel jedoch auf etwas ganz anderes hinaus. Viele Fotografen mit Ambition und Leidenschaft scheinen mir nahezu zwanghaft vom Verlangen getrieben sein, mit ihren Bildern einzigartige Kunst zu machen – ein Anliegen, das auch in Wongs Kommentar deutlich herauszuhören ist. Ich persönlich jedoch kann mit diesem Anspruch wenig anfangen. Ich bin ganz grundsätzlich Anhänger von der Philosophie, dass der Weg das Ziel ist.

Ich bin kein Auftragsfotograf, sondern Fotograf aus Leidenschaft, und deshalb in der glücklichen Lage zu fotografieren was und wie ich will. Für mich zählt das Fotografieren, nicht das Foto das am Ende dabei herauskommt. Natürlich gehört es dazu am Ende auch Resultate zwischen den Aufnahmen zu finden, die auch beim Betrachten noch etwas Begeisterung bei mir hervorrufen können, und die ich auch später immer wieder gerne sehe. Aber das genügt mir. Ich muss keine große, einzigartige, nie dagewesene Kunst machen. Ich weiß, dass es schon Milliarden Aufnahmen von Sonnenuntergängen gibt. Das besondere an den Sonnenuntergängen in meiner Bibliothek jedoch ist, dass ich sie gemacht habe und dabei war, als sie an diesem Abend untergingt. Natürlich weiß ich, dass es um Welten bessere Aufnahmen von Graugänsen im Landeanflug gibt. Aber das Foto oben habe ich gemacht und deshalb bedeutet es etwas für mich.

Ich kann mit dem Geltungsbedürfnis vieler Leute, die mit künstlerischen Tätigkeiten ihre Freizeit verbringen, wenig anfangen. Viele Leute laufen. Aber sie laufen für sich, weil es ihnen gut tut, weil sie abschalten können, weil sie in einen Flow kommen. Kaum der läuft, tut das, um eines Tages eine olympische Medaille zuhause aufhängen zu können. Selbst die meisten die Marathon laufen, tun das nicht, um zu gewinnen, sondern weil sie dabei sein wollen.

Ich glaube die meisten Hobbys werden betrieben, um Spaß an der Sache zu haben, nicht um eines Tages mit einer besonderen Leistung mehr oder weniger groß herauskommen zu müssen. Das ist genau der Sinn, in dem ich fotografiere. Fotografie versetzt mich in einen Flow. Fotografie ist mein Laufen. Ich mache es, weil es mir Freude bereitet. Nicht um eines Tages einen Fotomarathon zu gewinnen.

Ich bin der Leierkastenmann

Posted in Bilder & Gedanken

Als ich gestern meinen Artikel darüber schrieb, weshalb Micro FourThirds für die Fotografie wertvoll ist, kam es mir vor als drehe ich ewig an derselben Leier. Wieder und wieder habe ich schon darüber geschrieben, dass nicht nur Rauschverhalten, Auflösung und Bokeh Qualitätskriterien einer Kamera sind, sondern dass Transportabilität, Handling, Bedienung oder auch Bildstabilisierung ebenso wertvolle Eigenschaften sein können. Manchmal wundere ich mich, dass überhaupt noch irgendjemand meiner Leier zuhören möchte, und heute überrascht mich, dass ich noch genauso viele Abonnenten habe, wie vorgestern.

Ich kann allerdings meinen Mund – oder im Falle des Blogs meine Tastatur – nicht halten, wenn die Foto-Community täglich wiederkäut, dass MFT Garbage ist, weil man mit einem so kleinen Sensor keine brauchbaren Aufnahmen machen kann. Viele Vlogger sehe ich mir schon lange nicht mehr an, die Kommentare in Foto-Blogs umgehe ich meist, weil mich die undifferenzierten, ignoranten Positionen der Vollformat-Fans ärgern. Es sind nicht einfach die Meinungen dieser Fraktion die mich auf die Palme bringen – jeder soll mit seiner Meinung glücklich werden –, was mich wütend macht, ist, dass dieser einseitige Blickwinkel den beherrschenden Mainstream bildet. Ein Mainstream der den MFT-Marken und dem System schadet und dazu möglicherweise dazu führt, dass es darin versinkt.

Eine echte Alternative weniger schadet am Ende der ganzen Fotografie. Allerdings wird die Foto-Community ohnehin noch weitere Opfer unter den Kameraherstellern fordern, in ihrer maßlosen Gier nach technischen Innovationen, der Forderung nach einem ganzjahres Feuerwerk neuer Produkte und der Erwartung das alles auch noch zu einem Preis zu bekommen, mit dem kein Unternehmen mehr gewinnbringend arbeiten kann. Die Foto-Community verhält sich wie die Kinder der Spinne, die die eigene Mutter fressen.

Ich bin von meiner Marke und ihrem System überzeugt. Aber deswegen bezeichne ich weder andere Systeme noch eine Marke als Garbage. Ich mag zwar manchmal eine kritische Anmerkungen zu einem anderen System fallen lassen, doch in der Regel übe ich Kritik an dem, womit ich arbeite – kritisiere mein System. Ich mäkle nicht über Produkte, mit denen ich gar keine Erfahrung gesammelt habe. Im Gegenteil: Ich respektiere die Systeme und Marken mit denen ich arbeite ebenso, wie mein eigenes. Ich bin von meinem System dermaßen überzeugt, dass ich es nicht notwendig habe Mitbewerber schlecht zu schreiben.

Ziehe ich doch einmal einen Vergleich zwischen MFT, APS-C und Vollformat, dann mache ich das auf Basis eigener Erfahrung. Ich habe mit APS-C und mit Vollformat fotografiert. Ich habe Auflösung, Rauschverhalten, Bokeh, Schärfeleistung und Beugungsunschärfe der Systeme mit zahlreichen Tests selbst untersucht und verglichen. Ich berufe mich nicht auf Hörensagen – ich schreibe aus Erfahrung.

Ich zweifle nicht daran, dass einige Leute die über Fotografie berichten und Vollformat als ihre ideale Lösung identifiziert haben, das ebenso getan haben. Das Gros der Community jedoch die gegen MFT predigt hat wahrscheinlich noch nie praktisch damit fotografiert. Ich sag’s euch ganz offen: Ihr habt keine Meinung, ihr habt ein Vorurteil. Und eure Vorurteile sind verzichtbar.

Wie beknackt die Argumente dieser Fraktion sind, zeigt sich spätestens dann, wenn die Argumentation vorgetragen wird, dass der MFT-Sensor zu klein ist und Smartphones ohnehin schon genauso gute Fotos machen. Widersprüchlicher und doofer geht es nun wirklich nicht mehr. Das richtet sich nicht im Geringsten gegen Vollformat, gegen Nikon, Canon, Sony oder sonst eine Marke. Ich habe größten Respekt vor diesen Marken und noch viel mehr vor den Leuten, die großartige Bilder damit machen. Meine Aussage richtet sich gegen Ignoranz!

Das alles habe ich schon längst von der Leider gedreht. Manchmal wundere ich mich, dass mir noch irgendjemand zuhört. Aber ich werde die Leier auch dann noch drehen, wenn es niemanden mehr interessiert. Und zwar genauso lange, wie die Vollformat-Fanboys ihre Leier drehen und ihre dissonante Ignoranz zum Besten geben. Also noch seeehr lange.

Die Wahrheit darüber, was in der Fotografie wichtig ist

Posted in Bilder & Gedanken

Ein Kastenwagen hat viel Raum um sperrige Dinge zu transportieren. Ein Kompaktwagen ist ein vergleichsweise kleines Auto, in dem zwei Personen komfortabel und vier meist noch immer relativ gut fahren und reisen können. Kein Autotester oder -journalist würde auf die Idee kommen an einem Kompaktwagen zu kritisieren, dass sich damit keine Schränke transportieren lassen und dass ein Kastenwagen deshalb besser ist. In der Welt der Fotografie hingegen ist genau das gang und gäbe.

Leute die sich als Experten ausgeben, vermitteln, dass sie objektiv berichten, und erzählen, was die Wahrheit ist, was falsch und was gelogen ist, kritisieren an einer Olympus E-M1X, dass die 3000 Euro für sie ein völlig überzogener Preis ist. Schließlich bekommt man für deutlich weniger Geld schon eine Vollformatkamera. Sie reduzieren einen Fotoapparat ausschließlich auf die Größe des Sensors. Dass die E-M1X abgesehen vom Sensor in vielerlei Hinsicht auf Augenhöhe mit doppelt so teuren Vollformat-Topmodellen steht und ihnen in mancherlei Hinsicht überlegen, zählt nichts. Eine Kamera ist laut ihrer Interpretation ein Sensor und sonst gar nichts.

Der Bewertung einer Kamera rein an der Sensorgröße festzumachen ist völlig undifferenziert, denn das klammert jeglichen Kontext aus. Der Wert und der Nutzen einer Kamera für einen Fotografen ergibt sich allerdings erst aus dem Kontext. Ist der Kontext low light – fotografiert also ein Fotograf oft unter schlechten Lichtbedingungen – ist ein größerer Sensor selbstverständlich besser. Spielt Transport keine Rolle, spricht wenig dafür auf die unbestreitbaren qualitativen Vorzüge einer Kamera mit großem Sensor zu verzichten.

Anders sieht es jedoch aus, wenn der Fotograf mobil sein will. Ist man, wie ich, oft Stunden lang, mit einer Kamera mit Supertele und einer zweiten mit Standardzoom zu Fuß auf Achse, ist Vollformat einfach untragbar. Selbst wenn ich auf die Zweitkamera mit Standardzoom verzichten würde, könnte ich keine Vollformatkamera mit 600mm Brennweite einen Tag lang im Gebirge um die Schulter tragen. Auf die Zweitkamera müsste ich schon deshalb verzichten, weil das Stativ das ich für die Tierfotografie mittragen müsste, mehr wiegen würde und deutlich sperriger wäre, als die E-M5 mit 12–100mm Zoom. Die flexible Freihandfotografie, die mit einer MFT-Kamera und Superzoom möglich ist, ist mit vergleichbarer Brennweite und Vollformat undenkbar. Ganz abgesehen, dass ich mir ein Supertele im Vollformat das etwa meinem 300mm ƒ4 MFT entspricht kaum leisten könnte. Natürlich wäre es im Detail etwas besser, was aber beim vierfachen Preis auch zu erwarten sein sollte. Viele Aufnahmen würden mir damit aber entgehen, da es unmöglich so flexibel einzusetzen ist.

Ich würde nie behaupten MFT wäre generell besser als Vollformat – das wäre absurd. Ich habe noch nie versucht jemandem von MFT zu überzeugen. Wenn mich Leute um Rat zum Kamerakauf fragen, frage ich, was sie zu fotografieren gedenken, dann erläutere ich die Vorzüge der verschiedenen Systeme und Marken und dann gebe ich den Tipp selbst zu einem Fotohändler zu gehen und sich anzusehen, was sich für sie am besten anfühlt. Man kann nur objektiv über Fotoausrüstung berichten, wenn man die subjektiven Anforderungen berücksichtigt. Immer rate ich auch jedem die Ohren einzuklappen und weg zu hören, wenn jemand davon zu predigen beginnt, was in der Fotografie das einzig richtige und wahre ist.

Für mich wäre eine Vollformatkamera eine absolut schlechte Lösung. Zu groß, zu schwer, zu unflexibel. Das ist Fakt, das ist die Wahrheit! Ich kann mit Vollformat unmöglich so arbeiten, wie mit MFT, und schon gar nicht so, wie mit meinen Olympus Kameras.

Natürlich bedeutet das leicht zu transportierende MFT-System Kompromisse bei der Auflösung, bei High-ISO und ich kann nicht ganz die geringe Schärfentiefe von Vollformat erzielen. Aber 20 MP sind mehr als ausreichend für Ausdrucke im A3-Überformat, Nachtfotografie hat für mich keinen besonderen Stellenwert und ich kann Motive auch in Szene setzen, ohne, dass der Hintergrund in strukturlosem Bokeh zerfließt.

Hänge ich eine Auswahl von Aufnahmen der letzten Jahre an die Wände, die teilweise mit einer 24MP Nikon D600 mit Vollformat, teilweise von 16MP und 20MP MFT-Kameras kommen, wird niemand sagen können, welche Aufnahme mit welcher Kamera gemacht wurde. Natürlich hat die 24MP Vollformatkamera das Potenzial für noch größere Prints. Aber ich mache keine größeren Prints! Ich fände es völlig bescheuert, das ganze Jahr über mit einem Kastenwagen herumzufahren, nur für den Fall, dass ich eines Tages doch einmal irgendwo einen Schrank abholen muss.

Würde ich mit Vollformat fotografieren, könnte ich das nicht mehr so machen, wie ich das mit MFT kann. Wieso sollte ich meine Art, wie ich es zu fotografieren liebe aufgeben, für die theoretischen Reserven von Vollformat die ich in der Praxis nicht brauche. Ich hätte nicht den geringsten Vorteil durch Vollformat, nur Nachteile.

Damit schreibe ich nicht gegen das Vollformat! Um es noch einmal zu sagen: Es gibt Aufgaben, bei denen die Vorteile des größeren Formats unverzichtbar sind. Aber es gibt ebenso Aufgaben, für die MFT besser geeignet ist, als jedes größere Format.

Leider scheinen viele die über Fotografie berichten nicht in der Lage die Dinge so differenziert zu sehen. Viele betrachten das Thema in erster Linie aus dem Blickwinkel der Theorie und an Messergebnissen im Labor. Wie viel davon dem fertigen Bild anzusehen ist, ist kaum ein Thema. Darüber hinaus verfallen auch noch viele der allzu menschlichen Neigung für einzig wahr zu halten, was für einen selbst richtig ist. Was für einen selbst nichts ist, muss auch für alle anderen nichts sein. Sie verkünden die WAHRHEIT. Und leider haben viel zu viele dieser Leute viel zu viel Einfluss, vor allem auf Amateure und Einsteiger, die noch keine eigenen Antworten haben, noch keine Erfahrung, und die dankbar sind für Experten, die ihnen sagen was falsch nur was richtig ist. Das klingt besonders verlockend, wenn man es mir viel Theorie und Labortests belegen kann.

An und für sich ist es mir egal, was diese Leute sagen. Ich weiß, dass Olympus exzellente Kameras baut und MFT ein großartiges System ist. Ebenso wie Vollformat toll ist, und wie Canon, Nikon, Sony, Fuji, Panasonic und Pentax tolle Kameras bauen. Bedauerlich ist jedoch, dass die subjektiven, undifferenzierten und einseitigen Betrachtungen die den praktischen Kontext der Fotografie vollständig außer Acht lassen, dazu führt, dass ein System, das eine wirkliche Alternative zum Vollformat ist, ums Überleben kämpft.

Würde MFT wirklich verloren gehen, wäre das – wie ich bereits vor ein paar Tagen schrieb – ein schwerer Verlust für die Fotografie. Wer von Canon Vollformat zu Nikon Vollformat wechselt, wechselt ein Details in der Bedienung. Aber Vollformat ist Vollformat, und das ist es auch bei Pentax, Sony oder Panasonic. MFT hingegen ist ein System mit völlig anderen Eigenschaften – APS-C ist zu Vollformat nur halb so unterschiedlich. Ein Verlust von MFT wäre ein Verlust einer bestimmten Art des Fotografierens.

Olympus lebt

Posted in Bilder & Gedanken

Leser Frank hat gestern in einem Kommentar darauf verwiesen, dass Olympus ein Statement heraus gegeben hat, das alle Freunde der Marke bis auf Weiteres zuversichtlich in die Zukunft des Systems blicken lassen sollte. Heute Früh auf Twitter habe ich dann selbst einen Artikel von 43rumours.com darüber gesehen.

Ich habe dieser Tage auch zwei Nachrichten erhalten, dass offensichtlich immer wieder Kommentare verloren gehen. Ich schalte generell alle Kommentare frei, auch wenn sie Kritik enthalten oder von meiner Meinung abweichen. Ich glaube ich habe einmal einen gelöscht, weil er nichts mit der Thematik zu tun hatte und mir als Spam erschienen ist. Ebenso würde ich einen Kommentar löschen, der beleidigend oder auf ähnliche Art inakzeptabel wäre. Aber das ist zum Glück noch nie vorgekommen.

Als einfacher WordPress-Anwender weiß ich noch nicht, ob ich das Problem selbst herausfinden kann, aber ich werde die Sache im Auge behalten. Im Auge behalten werde ich auch den Spam-Ordner der Kommentare, allerdings habe ich darin für die vergangen Tage keinen Kommentar entdeckt, der etwas anderes ist, als Spam. Informationen über Kommentare die nicht freigegeben werden würden mir helfen das Problem zu verfolgen – gerne auch via Mail.

Macht Olympus 2020 dicht?

Posted in Bilder & Gedanken

Nein, Olympus wird nächstes Jahr nicht dicht machen. Olympus ist ein großer Konzern in der Medizintechnik, die Kamerasparte soll davon etwa 20% ausmachen. Aber um diese kreisen seit einigen Tagen Gerüchte, dass sie in den kommenden acht Wochen geschlossen werden soll – gestern berichtete dpreview.com darüber. Nun sind Gerüchte Gerüchte und ich möchte mich nicht an Kaffeesudlesen beteiligen. Aber ich mache mir Sorgen.

Dass es der ganzen Kamerabranche nicht gut geht, ist bekannt. Nicht nur um Olympus kreisen düstere Gerüchte. Jahrzehnte lang mussten die Leute eine Kamera haben, wenn sie ein Foto machen wollten. Das ist nicht mehr so. Heute genügt ein Telefon um Bilder aufzunehmen. Eine Kamera braucht nur mehr, wer ernsthaft fotografieren möchte. Das sind Berufsfotografen und Fotoenthusiasten. Das ist noch immer ein Markt, aber nur mehr ein Stückchen vom Kuchen der es einmal war.

Als Indiz für das Ende der Olympus-Kamerasparte wird unter anderem herangezogen, dass die Firma nur mehr recht sporadisch neuen Produkte ankündigt und dabei teilweise auf bewehrte Technik einsetzt, statt sich ein lichter leuchtendes Feuerwerk zu verpulvern. Ich habe den Innovationswahn der Branche unlängst kritisiert und fand es eine vernünftige Strategie sich auf ein überschaubares Angebot an Produkten zu konzentrieren. Das Line-up von Olympus ist kurz, aber schlüssig: Drei OM-D-Linien (+OM-D 1X), zwei Pen-Linien und die kompakte Tough-Serie. Allerdings ist Vernunft nicht das, was ich dem Markt unterstelle. An den Homo Oeconomicus glaub ich nicht. Das zeigt sich in der ganzen Diskussion um MFT permanent: MFT ist wegen der kleinen Sensoren unbrauchbar und außerdem sind Handys mittlerweile genauso gut wie Systemkameras. Ja, was nun? Sind die kleinen Sensoren von MFT ein Problem oder die noch kleineren von Handys besser? Eine absurde Diskussion. Wie vieles in der Kameratechnik. Und so geführt von Leuten die sich selbst als Experten verkaufen und als solche gelten.

Für mich wäre das Ende von Olympus eine Katastrophe. Nicht nur, weil ich mich der Marke verbunden fühle, sondern weil es kein System gibt, das dasselbe für mich leistet. Es ist nicht wie beim Vollformat, wo mir mindestens vier Alternativen zur Verfügung stehen. Wer mit Nikon nicht mehr will, kann auf Canon, Sony, Pentax oder nun auch Panasonic umsteigen – und vice versa. Mir bliebe zwar derzeit der Umstieg zu Panasonic offen. Aber erstens ist das Bedienungskonzept von Lumix anders und macht ein Ein-Klick-Umschalten wie ich es an meinen OM-Ds schätze nicht möglich, und zweitens sind meine Erfahrungen mit Panasonic einfach schleicht. Ich weiß nicht, ob das eine Option wäre.

Dass Handys für ambitionierte Fotografen in absehbarer Zeit Kameras ersetzen könnten, ist natürlich Unsinn. In ein paar Bereichen natürlich schon. Aber die Art der Naturfotografie, wie ich sie betreibe unmöglich. Schon meine Naturaufnahmen durch Smartphones zu ersetzen ist ein weit hergeholter Gedanke, für Tierfotografie ist das unmöglich. Nicht viel besser wäre ein Umstieg auf Vollformat. 800mm KB umhängen und aus freier Hand einsetzen und dann auch noch ein Weitwinkel am Körper zu tragen – über Stunden hinweg einfach nicht machbar. Auch APS-C-Kameras wären diesbezüglich nur eine halbe Alternative.

Und wenn ein Wechsel unvermeidbar wäre, wohin gehen? Nikon geht es auch nicht blenden. Bereits letztes Jahr forderte die japanische Regierung Fujifilm auf, sie sollten die Traditionsmarke vor dem Untergang bewahren. Außerdem endet dort gerade die DSLR-Ära. Ich glaube nicht, dass eine Investition in eine Nikon-DSLR eine Investition in eine sichere Zukunft wäre. Also doch gleicht Nikon Z? Für das neue System gibt es noch kaum Objektive und in eine Z mit F-Mount-Objektiven investieren scheint mir auch ein etwas fauler Kompromiss.

Nicht anders sieht es bei Canon aus. Nur, dass ich mich mit der Marke und ihren Kameras ohnehin nie anfreunden konnte. Das ist nicht vernünftig oder rational. Das ist rein subjektiv, emotional und irrational. Aber es ist so. Pentax? Bei denen wundere ich mich schon lange, dass sie noch existieren.

Bleiben Sony und FujiFilm. Für Fuji habe ich viel Sympathie und deren APS-C-Kameras dürften nicht ganz so auf die Schultern drücken, wie Vollformat. Leider ist deren Konzept voll auf fest beschriftete Bedienelemente ausgerichtet. Meine von Olympus gewohnte Bedienung ist mit Fuji noch viel weniger möglich, wie mit Lumix.

Bliebe eventuell noch Sony. Oder die Hoffnung, dass das Gerücht über Olympus ein Gerücht bleibt. Olympus ist ein großer Konzern, der gut von Medizintechnik lebt. Ich hoffe gut genug, um es sich leisten zu können, eine defizitäre Kamerasparte am Leben zu erhalten. Und wenn nicht, kann ich mit meiner derzeitigen Ausrüstung ja noch ein paar Jahre fotografieren. Ich brauche nicht jedes Jahr eine neue Kamera. Derzeit habe ich genau das, was ich brauche. Und vielleicht erholt und stabilisiert sich der Kameramarkt ja auch bis dahin.

Wohin geht die Fotografie?

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M5 II | Panasonic Lumix G 20mm ƒ1.7 | 20mm (40mm KB) | ƒ8| 3,2s | ISO200 | Variabler ND-Filter | Capture One

Der Emmebach bildet sich etwa auf Höhe der Götzner Millrütte, wo er von mehreren kleineren Bächen die im Gebiet um die Hohe Kugel entspringen gespeist wird. Dieses Foto entstand dort, wo er in die Örflaschlucht einfließt.

Ich habe auch ältere Aufnahmen von dieser Stelle. Früher war für für solche Langzeitbelichtungen ein Stativ notwendig. Dieses Bild entstand hingegen mit einem variablen ND-Filter und der Olympus OM-D E-M5 II bei einer Verschlusszeit von 3,2 Sekunden aus freier Hand. Auch beim hochaufgelösten Originalbild (16MP) kann man auf 100% einzoomen und findet an der Detailschärfe nichts zu bemängeln. Ich zweifle, dass ein Stativ zu einem nennenswert schärferen Ergebnis geführt hätte. Dabei markiert die E-M5 noch nicht einmal die Spitze dessen, was mit einer MFT-Kamera heute stabilisierbar ist – von Dualstabilisierung mit einem entsprechenden Objektiv ganz zu schweigen.

MFT wird ja regelmäßig tot gesagt, zuletzt von Tony Northrup, einem der einflussreichsten Vlogger zum Thema Fotografie. Der Tod MFTs wäre aber schade. Und das sage ich nicht nur deshalb, weil ich Olympus liebe, sondern weil dem Kameramarkt damit eine echte Alternative verloren ginge.

Natürlich hat jeder Kamerahersteller seine Stärken und Schwächen. Dem einen Fotografen kommt Nikon eher entgegen, der andere findet sich besser mit Canon zurecht und wieder andere werden von Sony am besten bedient. Doch am Ende ist Vollformat Vollformat. Die Unterschiede der Vollformatmodelle verschiedener Hersteller liegen im Detail.

MFT hingegen ist ganz anders. Das System kann zwar nicht in der Top-Liga mitspielen, wenn es um Low-Light-Fotografie geht, Auflösungen wie sie bei Vollformat Usus sind, werden nicht erreicht und Hintergründe werden generell um 2 Blenden schärfer abgebildet, weshalb in manchen Situationen das Bokeh einer Kleinbildkamera nicht zu erreichen ist. Dafür hat man allerdings ein System dessen Volumen und Gewicht man durchschnittlich bei etwa der Hälfe von Vollformat ansetzen kann. Das ermöglicht eine völlig andere Mobilität und Art des Fotografierens. Außerdem ist die Bildstabilisierung eine Klasse für sich.

MFT ist weder besser noch schlechter als Vollformat. Es ist anders.

Ich weiß schon, dass es menschlich ist, wenn Leute glauben das was für sie richtig und wichtig ist, sei das generelle Maß der Dinge, und alles Andere unnütz. Das macht es aber auch nicht richtiger.

Ein Markt, in dem ich nur mehr zwischen Vollformatkameras von Sony, Nikon, Canon, Pentax und Panasonic wählen kann, ist nicht besser – er ist ärmer.

Nun halte ich zwar viel von Vielfalt, dennoch hat es mich überrascht, dass Nikon vor kurzem mit der Z50 eine neue Modellschiene spiegelloser Kameras mit DX-Sensor vorgestellt hat. Tony Northrup hat recht, wenn er argumentiert, dass jedes Kamerasystem vom Hersteller hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung fordert. Ein System besteht ja nicht nur aus einer Kamera – die Objektive sind beinahe wichtiger bedeutender.

Als ich vor einigen Jahren nach einem kompakten, spiegellosen Zweitsystem neben meiner DSLR-Ausrüstung suchte, habe ich mich für MFT und gegen Sony entschieden, weil das Angebot an MFT-Linsen schon recht gut war, während für das Sony-System noch kaum eine nennenswerte Objektiv-Auswahl bestand.

Ich schätze, dass sich der Trend fortsetzt, dass Vollformatsensoren weiter billiger werden. Preiswerte Vollformatkameras eines Herstellers betrachte ich aber als ganz schlechtes Argument für dessen APS-C-Kameras. Das betrifft nicht Hersteller wie Fujifilm. Fujifilm hat kein Vollformat neben der APS-Schiene und die Mittelformatmodelle spielen in jeder Hinsicht in einer anderen Liga.

Sony hat zwar spiegellose Kameras mit APS-C und Vollformat, braucht aber nicht zusätzlich auch noch ein DSLR-System pflegen.

Bei Canon und Nikon sieht es anders aus. Die beiden Hersteller sind noch immer vor Spiegelreflexsystemen abhängig. Canon hat zwar seit einiger Zeit das spiegellose M-System neben DSLR mit Vollformat und APS-C im Programm, aber einen besonders ambitionierten Eindruck hat das bislang wohl nicht vermittelt. Ich wäre nicht überrascht, wenn es eines Tages den Weg gehen würde, den schon Nikons One-System gegangen ist.

Weshalb Nikon mit der Z-DX neben Z-FX, DSLR-DX und DSLR-FX eine vierte Baustelle aufgerissen hat ist mir ehrlich gesagt rätselhaft. Das sind vier Produktschienen die zu pflegen sind. Nehmen wir einmal an, Nikon hätte nicht bereits die Entscheidung getroffen, dass DSLR ein Auslaufmodell ist, wären für diese vier Schienen vier Mal Forschung und Entwicklung notwendig. Das stelle ich mir schwierig vor. Weniger wegen der Kameramodelle, als vielmehr wegen der Objektive. Die optischen Anforderungen dieser Systeme sind dermaßen unterschiedlich, dass sich die Optiken immer nur für eines optimieren lassen. Ob das vor dem Hintergrund schrumpfender Kameramärkte der Weisheit letzter Schluss ist?

Aber das wirft nicht nur Fragen für die Hersteller auf. Auch für den Einsteiger ins Nikon-Universum ist die Frage, zu welcher Kamera greifen, keine leichte. Das wurde mir unlängst klar, als ich zum Thema um Rat gefragt wurde. Wer preiswert einsteigen möchte, wird am ehesten zur DSLR-FX greifen, zur 3000er oder 5000er Reihe. Aber haben DSLR-Kameras mit DX-Sensor bei Nikon überhaupt noch Zukunft? Ich würde nicht darauf wetten!

Wie gesagt: Die Märkte schrumpfen. Nicht, dass ich mir Sorgen mache, dass Fotografie in absehbarer Zeit aussterben wird. Berufsfotografen brauchen professionelles Werkzeug. Und auch ambitionierte Amateure können ihre Digitalkameras noch lange nicht durch Smart Phones ersetzen. Zwar sind die Resultate der kleinen Alleskönner bei vielen Motiven und unter normalen Ausgabebedingungen kaum mehr von Aufnahmen mit echten Kameras zu unterscheiden. Sogar Bokeh wird schon verblüffend realistisch simuliert. Dass man aber in absehbarer Zeit mit dem Telefon scheue Vögelchen einfangen kann, kann ich noch nicht erkennen, von Vögeln im Flug ganz abgesehen.

Und nicht nur mit bestimmten Motiven haben Handys ihre Probleme. Auch die Ergonomie der Geräte ist mit jener einer Kamera nicht vergleichbar. Man kann mit einem Smartphone Bilder machen, aber man kann damit nicht fotografieren.

Bilder machen ist allerdings der Grund, weshalb Menschen in den vergangenen Jahrzehnten Kameras gekauft haben. Ich nehme an, Otto Normalverbraucher hat für die Hersteller in der Vergangenheit eine deutlich größere Rolle gespielt, als der anspruchsvolle Hobby- oder Berufsfotografie. Doch Otto Normalverbraucher braucht heute keine Kamera mehr. In den Händen eines Laien erzielt auch eine Systemkamera nur noch selten automatisch bessere Ergebnisse als das Handy. Oft sogar im Gegenteil, denn in den kleinen Alleskönnern arbeiten Algorithmen, die sowohl die Einschränkungen der winzigen Kameratechnik, als auch die Unbedarftheit des Anwenders ausbügeln.

Der Markt wird also weiter schrumpfen. Für die Hersteller wird es zunehmend enger werden. Ob es vor diesem Hintergrund klug ist sein Produktsortiment immer weiter auszudehnen und immer noch schneller mit neuen Produkten auf den Markt zu kommen? Früher oder später muss den Kunden doch bewusst werden, dass sie auch mit dem 2020er Modell keine besseren Fotos machen, wie mit dem von 2019. Ich glaube, dass auch ambitionierte Fotografen nicht auf Dauer jedes Jahr das Modell des Vorjahrs durch das neueste ersetzen werden.

Aus diesen Gründen gehe ich davon aus, dass sich der Markt in den nächsten Jahren weiter bereinigen wird. Nicht unwahrscheinlich, dass wir weitere Marken verschwinden sehen werden. Noch wahrscheinlicher allerdings, dass ein paar Hersteller einzelne Systeme fallen lassen werden. Ein zu breites Produktsortiment ist selten gut für eine positive Bilanz.

Alles Neu. Aber warum eigentlich?

Posted in Bilder & Gedanken

Freunde | Olympus E-M1 II | M.Zuiko 12-40mm ƒ2.8 | 27mm (54mm KB) | ƒ8 | 1/400 | ISO200 | Belichtungsreihe mit 5 Belichtungen | Aurora HDR

Das ungleiche Baumpaar im Rheindelta, nahe des Rohrspitzes, fasziniert mich jedes Mal, wenn ich daran vorbei fahre. Unter besonderem Licht entfaltet die Szene einen besonderen Charme. Diese Aufnahme ist eine Belichtungsreihe aus fünf Belichtungen, die ich mit Aurora HDR vereint habe.

Es ist schon beachtlich, was Kameratechnik und Software heute leistet. Dank Bildstabilisierung kann ich die Belichtungsreihe aus freier Hand halten. Was die einzelnen Bildausschnitte dennoch verschoben sind, korrigiert die Software.

Im Sommer habe ich ein vorbeifahrendes Motorboot als Belichtungsreihe aufgenommen. Nicht, dass ich erwartet hätte, dass daraus ein korrektes HDR-Bild wird – ich wollte es nur versuchen. Zu meiner Überraschung hat Aurora das Bild aber doch zu einem tadellosen HDR vereint. Das Programm meistert auch Szenen in denen sich einzelne Elemente deutlich bewegen, ohne dass Geisterbilder zu sehen sind. Fast wie Magie!

Leider lässt sich nicht erkennen, ob in Aurora HDR noch Leben steckt. Die Version 2019 ist zwar 2018 erschienen, steht aber noch immer auf Version 1.0.0. Das macht mir Sorgen, habe ich doch erlebt wie mein primärer RAW-Konverter Aperture über die Jahre hinweg selig entschlafen ist. Andererseits mache ich mir aber vielleicht auch zu früh Sorgen. Schließlich läuft das Programm problemlos. Und brauchen wir wirklich jedes Jahr ein Upgrade?

Von Capture One bin ich es gewohnt, dass die Versionsnummer jedes Jahr eine Nummer höher steigt. Der Preis für die Upgrades ist dabei auch nicht geringer, wie er wäre, wenn ich statt dessen Lightroom mieten würde (nicht, dass ich das wollte). DxO PhotoLab – gerade einmal etwa zwei Jahre alt – ist dieser Tage in der Version 3 erschienen. Ebenfalls in der Pipeline: Luminar 4. Soll im November erscheinen und die dann ein Jahr alte 3er Version ersetzen.

Allerdings ist das sich rasch drehende Rad der Upgrades der Software ein überschaubares Problem. Der Preis von 50 Euro für ein Luminar oder PhotoLab Upgrade dürfte die wenigsten Fotografen in eine existenzielle Krise stürzen. Bedenklicher finde ich die kurzen Produktzyklen bei manchen Kameras. Olympus hat beispielsweise gerade die E-M5 III vorgestellt.

Ja, es stimmt natürlich: Die E-M5 II ist bereits vier Jahre alt. Von atemberaubend kurzen Produktzyklen kann man da nicht sprechen. Ich finde es sogar lobenswert, dass sich Olympus aus der hektischen Neuvorstellungsschlacht etwas heraushält. Markt und Presse scheinen das aber anders zu sehen. So hat beispielsweise dpreview ein Video veröffentlicht, in der das neue Modell zwar nicht schlecht bewertet wird, aber dass es keine wirklich revolutionären Neuerungen mitbringt wurde doch bemängelt.

Ist das wirklich so? Erwarten wir jedes Jahr ein neues Modell das unser aktuelles so richtig alt aussehen lässt? Brauchen wir jedes Jahr eine neue Kamera um endlich wirklich gut fotografieren zu können? Wer von euch hat zuletzt eine Kamera gekauft, die die Qualität seiner Aufnahmen auf eine andere Sphäre gebeamt hat?

Bei mir war das vielleicht die Nikon D700. Diese war allerdings generell ein Meilenstein in der Entwicklung der Digitalfotografie, war sie doch zusammen mit der Nikon D3 die erste Digitalkamera die auch nach Anheben der ISO-Empfindlichkeit noch brauchbare Fotos erzielte. Für mich ersetzte die Vollformat-D700 darüber hinaus die D80 – eine Einsteigerkamera mit kleinerem Sensor.

Die zweite Kamera die maßgeblichen Einfluss auf meine Art zu Fotografieren hatte, war die Olympus OM-D E-M5. Die kompakte Spiegellose hat mir eine ganz neue Leichtigkeit des Fotografierens eröffnet und eine Freude wieder entdecken lassen, die ich nicht mehr kannte (vielleicht auch noch nicht gekannt hatte).

Bleibt noch die E-M1 II zu erwähnen. Waren spiegellose Kameras vor ihr nicht in der Lage sich schnell bewegende Objekte, wie Vögel im Flug, einzufangen, führte sie mich zu diesem Motiv zurück.

Alle anderen Neuen im Laufe der Jahre, haben bestenfalls kleine Verbesserungen gebracht. Noch heute fotografiere ich gelegentlich mit der E-M1 I, inzwischen sechs Jahre alt. Abgesehen davon, dass ich sie nicht für fliegende Vögel einsetzen kann, sind die Ergebnisse ansonsten kaum von meiner neuesten Kamera, der E-M1X, zu unterscheiden.

Aber ist die E-M1X nicht um Einiges besser? Schließlich hat sie doch 20MP statt 16MP.

Das ist schon richtig. Auch das Rauschverhalten hat sich verbessert. Doch für die meisten Aufnahmen sind die Unterschiede kaum relevant. Niemand wird meinen Fotos ansehen, ob sie mit der E-M1 von 2013 oder der E-M1X von 2019 gemacht wurden. Auch nicht ob statt dessen eine Nikon D71000 (APS-C-Sensor) oder D600 (Vollformat) zum Einsatz kam. Die qualitativen Unterschiede sind nur in Ausnahmefällen relevant und diese sind für meine Fotografie wiederum kaum relevant (was nicht heißt, dass es nicht für andere Fotografen mit anderen Anforderungen relevant sein kann).

Höre ich manche Fotografen von der Notwendigkeit neuester Kameratechniken und -entwicklungen sprechen, beschleicht mich stets die Frage, wie es vor Jahren möglich war professionell zu fotografieren. Natürlich wurden damals mit Kameras wie meiner Nikon D700 professionelle Aufnahmen gemacht, deren Technik heute selbst von einfachen MFT-Kameras übertroffen wird. Doch ohne die entsprechenden Details vergleichen zu können, wird niemand erkennen, ob eine Aufnahme auf Basis des letzten Standes der Fototechnik, oder vor einem Jahrzehnt entstanden ist.

Wir sollten etwas durchatmen und entschleunigen. Es gibt manchmal durchaus Gründe ein Modell durch ein neueres zu ersetzen. Oft ist ein neueres Modell aber vor allem eines: Neu. Das gilt bei mir auch für die E-M1X. Sie hat zwar ein paar Gimmicks, die die E-M1 nicht hat. Aber nennenswerten Einfluss auf meine fotografische Praxis haben diese nicht. Auch nicht der nette kleine Joystick. Praktisch macht es kaum einen Unterschied, ob ich mit der einen oder anderen auf den Weg gehe.

Und was passiert mit dem alten Modell wenn das neue ankommt? Darf es verstauben oder verkauft man es für die paar Kröten die man für eine gebrauchte Digitalkamera bekommt? Früher oder später, wahrscheinlich lange bevor sie nicht mehr funktionstüchtig ist, wird sie auf den Müll landen.

Damit bin ich bei einem anderen Thema, das mich seit bewegt: Umwelt. Auch wenn wir die wachsenden Müllberge vor unserer Haustür nicht sehen – in anderen Teilen der Welt machen sie die Menschen krank.

Immer öfter überlege ich mir bei Dingen die mir unter die Augen kommen und mir ein verführerisches »Kauf mich« zu hauchen, ob ich sie wirklich brauche. Ob sie mich wirklich bereichern, ob sie mir einen Mehrwert bringen, einen Nutzen, der mir bislang fehlt. Und so sehe ich auch die E-M5 III und denke mir: 20MP – nett; und besser gegen Umwelteinflüsse abgedichtet – super! Und dann aber auch: Die E-M5 II ist bei mir Handtaschenkamera, die ich viel zu selten einsetze, die kaum einmal Regen ausgesetzt ist, und deren Qualität für die Fotos die ich damit mache, absolut ausreichend ist.

Das ist kein Urteil über die E-M5 III. Ich bin mir sicher, dass sie eine tolle Kamera ist, so wie alle Olympus-Kameras. Wer eine kompakte Kamera mit einem kompakten System sucht, sollte sie sich ansehen. Aber ich glaube ich brauche sie nicht. Vielleicht spende ich ja statt dessen demnächst wieder einmal ein paar Euro für den NABU.

Der Turmfalke

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/1600 | ISO200 | Capture One
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | ƒ6.3 | 1/1600 | ISO250 | Capture One
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | ƒ6.3 | 1/1600 | ISO250 | Capture One
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/1600 | ISO250 | Capture One
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/1600 | ISO250 | Capture One
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/1600 | ISO250 | Capture One
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (840mm KB) | ƒ6.3 | 1/1600 | ISO320 | Capture One

Wenn man im Vorarlberger Rheintal einen Greifvogel sieht, ist es mit größter Wahrscheinlichkeit ein Rotmilan, ein Bussard oder ein Turmfalke. Der Turmfalke ist die verbreitetste Falkenart in Mitteleuropa. Oft steht er im Rüttelflug über einem Feld wie ein Hubschrauber in der Luft, bis er sich plötzlich pfeilschnell zu Boden stürzt.

Während ich vom Rotmilan schon ein paar ganz passable Aufnahmen einfangen konnte, ist mir das vom Turmfalke bisher noch nicht so recht gelungen. Während der Rotmilan schon einmal unmittelbar über einem kreist und einen argwöhnisch beäugt, hält der Falke mehr Distanz zum Menschen. Er ist außerdem auch deutlich kleiner. Steht er über einem Feld in der Luft ist er an sich ein leichtes Motiv, sofern er nahe genug ist. Allerdings eröffnet sich dann meist ein anderes Problem: Entweder hat man ihn im Gegenlicht, oder er dreht einem den Rücken zu. Ich unterstellte ihm schon er mache das absichtlich einfach aus Gehässigkeit dein Fotografinnen gegenüber, bis meine Frau die Vermutung äußerte, dass er bevorzugt mit dem Licht im Rücken jagt – kling logisch!

Auch diese Bilder entstanden auf einer Tour die ich zusammen mit meiner Frau mit dem Fahrrad unternahm. Das Design meiner Olympus-Kameras hat sich für mich für diese Art der Vogeljagd als optimal erwiesen. Nicht nur deshalb, weil das MFT-System so schon kompakt ist, sondern auch, weil Einstellungen nicht mittels fix definierter Umschalter vorgenommen werden, sondern via Softwareumschaltung funktionieren. Das hat den Vorteil, dass sich Einstellungen beliebig User-Sets zuweisen lassen.

Die erste Aufnahme der Abbildungen ob beispielsweise entstand mit meinem User-Set für still stehenden Motive. Dafür habe ich ein AF-Messfeld voreingestellt, Einzelautofokus, Blendenvorwahl, Einzelaufnahme und mittenbetonte Messung. Die anderen Aufnahmen entstanden in meinem Set für bewegte Motive, mit mehreren AF-Messfeldern, Motiv-Verfolgung, Zeitvorwahl, Serienbildaufnahme und Spotmessung. Es bedarf nur einem kleinen Dreh am Moduswahlrad von C1 auf C2 um all die genannten Einstellungen zu wechseln – das dauert keine Sekunde. Wie praktisch das ist, lernte ich, nachdem ich mir im Frühjahr letzten Jahres eine Lumix G9 gekauft hatte. Dort erfordert die eben beschriebene Einstellungsänderung mehrere Schalter umzulegen und einen kurzen Step in ein Menü. Alles zusammen dauert auch mit Routine wertvolle Sekunden, in denen Vögel gerne auf und davon bzw. vorbei fliegen.

Damit will ich nicht sagen, dass das Konzept meiner OM-Ds mit der Möglichkeit all die Einstellungen über die Software zu steuern besser ist, als eines, bei dem dafür fest beschriftete Schalter umzulegen. Es ist einfach nur für mich besser. Für Fotografen die anders fotografieren als ich mag es irrelevant sein, oder eben sogar am Gehäuse angeschriebene Umschalter die bessere Lösung darstellen. Das ist ja auch noch immer das schöne am Kameramarkt: Es gibt für jeden Fotografen und jede Aufgabe die passende Kamera. Wollen wir hoffen, dass das so bleibt und nicht eines Tages ein Konzept alle anderen verdrängt.