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Kann ein Smartphone eine Kamera ersetzen?

Posted in Erfahrungsberichte

Regelmäßig hört man, dass Smartphones mittlerweile so gut seien, dass man eigentlich gar keine Kamera mehr benötigt. Nicht nur Laien behaupten das. Auch Experten und namhafte Vlogger schlagen in diese Kerbe. Und gerade vom iPhone 12 hört man Sagenhaftes.

Vor einigen Wochen fiel mein iPhone 8 zu Boden und inklusive der Macken die es zuvor schon hatte, war es nun Zeit das marode Modell zu ersetzen. Da ich neugierig geworden war, was Apples Wunderwaffe in Sachen Fotografie tatsächlich zu leisten in der Lage ist, beschloss ich mir gleich das Topmodell, das iPhone 12 Pro Max, zuzulegen, nicht zuletzt auch deshalb, weil ich vielversprechende Videos über Apples ProRaw-Format gesehen hatte.

Schnell hat sich Ernüchterung eingestellt. Zwar erhält man bei manchen Motiven tatsächlich beeindruckende Resultate durch den Porträt-Modus, der elektronisch geringe Schärfe und ein weiches Bokeh in das Bild hinein rechnet, doch bei Motiven die sich nicht mehr oder weniger messerscharf vom Hintergrund trennen lassen sind die Resultate im Detail oft fragwürdig und für einen anspruchsvollen Fotografen an sich inakzeptabel. Das ProRaw-Format muss ich noch genauer untersuchen, doch meine ersten Versuche damit sind eher enttäuschend – kein Vergleich mit RAW-Aufnahmen einer Systemkamera.

Im Moment stehe ich mit der Überarbeitung meines Photoshop-Buches unter Zeitdruck, weshalb es auch seit Ende letzten Jahres keine Videos und Artikel mehr von mir gab. Ich hoffe, dass ich in ein paar Wochen eingehender über iPhone vs. Kamera berichten kann – und auch wieder über andere Themen. Für den Moment möchte ich nur zwei Bilder zeigen, die zur gleichen Zeit vom gleichen Ort vom gleichen Motiv gemacht wurden. Bei der Wiedergabe der ganzen Bilder hier auf der Blog-Seite, mag das Smartphone-Bild durchaus mit der Aufnahme meiner Olympus OM-D E-M1 III vergleichbar sein. Doch wer sich die Bilder einmal im Detail ansieht, wird feststellen, dass sich zwischen den Abbildungsqualitäten Welten auftun. Ein Bild – oder in diesem Fall besser gesagt: zwei Bilder – sagen mehr als tausend Worte.

iPhone 12 Pro Max | 7,5mm (60mm KB) | ƒ2.2 | 1/346s | ISO20
Olympus OM-D E-M1 III | M.Zuiko 40–150mm | 57mm (114mm KB) | ƒ5.6 | 1/400s | ISO200

13 Comments

  1. Werner

    Ist es nicht wie mit Birnen und Äpfeln? Beides ist Obst, manchmal mag man lieber Äpfel, manchmal Birnen, beide schmecken gut. Aber allgemein bekannt ist, man möge sie nicht vergleichen.
    Wenn man aber Vergleichsbilder einstellt und als Beweis verwenden will – warum bitte nehmen Sie nicht gleiche Brennweiten? Das sollte doch bei einem Zoom kein Problem sein. Sorry, ich verstehe das nicht, vielleicht habe ich etwas überlesen? Viele Grüße, Werner

    17. Mai 2021
    |Reply
    • Ich mag Äpfel und Birnen und würde nicht so oft behauptet Äpfel schmeckten inzwischen genau so gut, wie Birnen, würde ich so einem Vergleich keinen Gedanken schenken.
      Eine äquivalent gleiche Brennweite wäre natürlich ein professionellerer Vergleich gewesen und ich werde das sobald ich Zeit habe genauer untersuchen. Aber weshalb sollte die Detailschärfe des MFT bei äquivalent gleicher Brennweite auf das Niveau des Smartphones absinken?

      17. Mai 2021
      |Reply
  2. Sabrina

    Hallo,
    erstmal Dank für den guten Artikel.

    Ich frage mich, woher eigentlich das Bedürfnis mancher Blogger rührt, Vorteile der alten Systemkameras herauszuheben und stets zu betonen, das Smartphone könne keine große Kamera ersetzen?
    Das klingt doch ein bissel wie: Ein Auto kann keine Pferdekutsche ersetzen.
    Die Realität zeigt doch, dass Systemkameras schon lange nicht mehr mit den besten Smartphones mithalten können. Ich nenne nur hohe Dynamik der Szene, Nachtaufnahmen, Gegenlicht, vergoldete Zeiger an Uhren, glänzender Schmuck bei Models, Autofokus bei wenig Licht, Qualität der JPEG direkt aus der Kamera (trotz teilweiser Überschärfung).

    Wie hoch muss der Druck im Kessel sein, dass man beispeilsweise Qualitätsmängel wie geringe Schärfentiefe, die man bei Analogfotografie in Kauf nahm, um bei Freihandfotografie genügend Licht auf den Film zu bekommen, heute als Totschlagkriterium gegen Smartphones einsetzt.
    Während man noch vor wenigen Jahren Pixelpeeper in die Schmuddelecke gestellt hat und Zooms als „Gummilinsen“ diskreditierte, sind nun plötzlich Pixelpeepen Pflicht und Festbrenner ein NoGo – jedenfalls bei Smartphones.
    Das sagt doch alles.

    Wenn ein Smartphone genauso grottige Bilder abliefern würde, wie Systemkameras (ausgefressene Lichter, abgesoffene Schatten, unscharfe Ecken wg Dezentrierung, mangelhafte Schärfentiefe, miese Qualität bei Gegenlicht und bei wenig Licht, nachts versagender Autofokus, Front- und Backfokus …) dann besäße ich keins. oder nur ein billiges für Google Maps.

    Kaum jemand will eine Smartphonekamera auf dem Niveau von herkömmlichen Kameras. Nur bei speziellen Anwendungen bringen herkömmliche Kameras noch Vorteile, etwa bei Portrait- und Tierfotografie bei wenig Licht oder bei Studiofotografie.

    Ich würde auch niemandem etwas raten, weil ich nicht den Preis dafür zahle, wenn sich das dann im konkreten Fall für den Fotografierer als falsch herausstellt.

    Viele Grüße

    27. April 2021
    |Reply
    • Ich frage mich, woher das Bedürfnis vieler Blogger kommt zu behaupten Smartphones erzielten bereits eine Abbildungsqualität die Systemkameras überflüssig macht. Vergleichsbilder die das belegen könnten mich natürlich überzeugen. Wortreiche Argumente eher nicht.

      27. April 2021
      |Reply
  3. Robert

    Nein kann es nicht. Die Kamera des Smartphone macht bei genügend Licht und bis zu einem gewissen Abstand sehr gute scharfe Fotos. Aber das war es dann auch. Für mich ist das in etwa so, wenn ein Mopedauto mit einem Auto gleichgestellt wird. Bis zur Schnellstraße oder Autobahn funktioniert das auch in gewisser Weise, aber dort ist dann auch Schluss mit vergleichen. Natürlich beansprucht auch der Besitzer des Mopedautos für sich das er das beste Auto hat. Was ja auch in Ordnung ist, da es seinen Ansprüchen genügt. Wenn jemand mit den Bildern des Smartphone zufrieden ist und die Qualität seinen Ansprüchen genügt, dann ist das für die Person auch die beste oder gleich gute Kamera. Natürlich bin ich kein Experte und das ist nur meine ganz Persönliche Ansicht.

    20. April 2021
    |Reply
    • Der Vergleich mit den Mopedauto ist gut.
      Tatsächlich empfehle ich heute Leuten die vor allem ihr Leben in Bildern dokumentieren möchten ein gutes Smartphone statt einer »echten« Kamera. Wer hingegen an der Fotografie interessiert ist, wird in der Regel mit einer Systemkamera besser bedient sein. Das heißt nicht, dass man nicht auch mit Smartphones richtig Fotografieren kann. Ich würde schließlich auch der Lomografie nicht absprechen echte Fotografie zu sein. Aber eine Lomo mit einer Systemkamera – egal ob analog oder digital – zu vergleichen ist wie Äpfel mit Birnen.

      21. April 2021
      |Reply
  4. Erich

    Es ist gängige Verkaufsstrategie der Mächtigen in einem Markt, solche sog. ‚Narrative‘ zu lancieren und am Leben zu halten. Hier beim iPhone erzählt Apple perfekte Märchen, was Ihre vergleichsaufnahmen (un)schön beweisen.
    Andererseits dürfte die fototechnische Qualität des iPhone für die überwiegende Anzahl der mit ihm geknipsten Motive mit den ästhetischen Anforderungen locker mithalten. Vielleicht hielte das eine OM-D gar nicht aus.

    20. April 2021
    |Reply
  5. Henrik

    Wenn man advocatus diaboli spielt, könnte man sagen: Den Vergleich verliert das Apple nur, weil die Brennweite kleiner ist und weniger als das MFT Tele auflöst
    Im Detail sind Smartphonebilder immer etwas matschig. Schaut man sich diese auch auf einem Smartphone an ohne Reinzoomen, fällt das eigentlich gar nicht so auf.
    Also kommt es eigentlich auch drauf an, für welchen Zweck ein Bild gemacht wird / ob es sich lohnt, dafür die Kamera zu nehmen.

    20. April 2021
    |Reply
    • Richtig das Smartphone ist matschig. Allerdings ist die Aufnahme des iPhones hier nicht mit Digitalzoom entstanden. Was ich mich nach meiner eigenen Erfahrung frage, ist, wie viele Leute – durchaus auch Vlogger mit ordentlich Reichweite – zur Behauptung kommen, Smartphones würden es Mittlerweile mit Systemkameras aufnehmen.

      20. April 2021
      |Reply
      • Erich

        Ohne ‚Vlogger‘ konkret zu verdächtigen:
        Solche sog. ‚Narrative‘ zu ’setzen‘ und zu’pflegen‘ , möglichst durch bekannte ‚Größen‘ (sog. ‚Multiplikatoren‘) ist gängiger Bestandteil von PR.

        20. April 2021
      • Trifft wohl zu. Deshalb vertraue ich in erster Linie Vergleichsbildern, vor allem denen, die ich selbst gemacht habe, und bin generell skeptisch bei allen bloßen Behauptungen.

        21. April 2021
  6. Herbert

    Nun ja! KI ist oberflächlich betrachtet sicherlich beeindruckend und wenn der direkte Vergleich fehlt will sich der Unterschied nicht so recht einstellen. Geht man zurück in analoge Zeiten, erinnert man sich gerne an Hochleistungs-Equipment und bestes Filmmaterial. Aber auch in dieser Zeit gab es den Fotografen mit der Instamatik und einem Film für das ganze Jahr! Verschwommene 9×13 Abzüge dienten als Zeitzeugen. Wenn wir ehrlich sind, hat die Industrie immer nur den digitalen Film weiter entwickelt (Rauschen, Auflösung usw.) Objektivfehler werden herausgerechnet und immer mehr Funktionen werden drumherum gebaut. 90 % der Besitzer vergessen im Laufe der Nutzung diese Funktionen und könnten somit auch mit einfacheren Material arbeiten!
    Ich fotografiere leidenschaftlich mit dem Olympus-System nachdem ich APSC und das Vollformat hinter mir gelassen habe. Universalität und auch Kompromisse stehen dabei im Vordergrund. Der technische Fortschritt und auch immer wieder neue Kaufanreize sollen uns suggerieren: „New is the Best!“ Ein Handy ist ein Handy, eine Kompaktkamera ist eine Kompaktkamera und Mittelformat ist Mittelformat. Entscheidend ist nicht das Gerät sondern die Person dahinter. Visualisieren lassen sich Ideen auch mit dem Pinsel!
    Liebe Grüße von einem Unverbesserlichen!

    20. April 2021
    |Reply
    • Ich fotografiere auch mit dem iPhone. Die Qualität der Smartphones ist heute beeindruckend. Aber wenn jemand behauptet er erziele damit vergleichbare Qualität wie mit einer Systemkamera möchte ich Vergleichsbilder sehen, die ihn/sie zu dieser Aussage verleiten.

      20. April 2021
      |Reply

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