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Hat DSLR noch Zukunft?

Posted in Fotografie & Gedanken

Bei Fragen, wie dieser, fürchte ich immer, dass ich damit mehr Leser verärgere und verprelle, als, dass ich meinem Blog etwas Gutes tue. Niemand lässt sich gerne sein System für tot erklären. Ich weiß das. Ich kann mich gut erinnern, wie kurz vor Jahreswechsel das Gerücht, Olympus könnte 2020 seine Kamerasparte einstellen, dezente Panik in mir auslöste. Ich kann mich gut an den Ärger erinnern, als Tony Northrup prophezeite MFT würde bald einmal sterben.

Wenn ich hier die Frage nach der Zukunft von DSLR stellen, dann ist das keine Rache an der Spiegelreflexkamera. Die Frage richtet sich nicht gegen Canon, Nikon oder Pentax und schon gar nicht gegen deren Nutzer und Fans. Sie ist höchstens meine Rache an Tony Northrup und richtet sich gegen ihn. Northrup hat, als er MFT für tot erklärte, seinen 1,5 Millionen Abonnenten den Rat gegeben, kein Geld mehr in MFT zu investieren. Er hat behauptet, wer in Fotoausrüstung investiert, möchte, dass sein System Zukunft hat. Dass man hinter die Zukunft von DSLR und die neuen spiegellosen APS-C-Systeme von Nikon und Canon ebenso Fragezeichen setzen muss, scheint für ihn kein Thema zu sein.

Ich bekam eben den dpreview-Newsletter und dem Verweis auf einen Artikel, »The Nikon D750 vs D780: Should you upgrade?« Und ich fragte mich: Sollte man? Ist eine Investition in eine neue DSLR und in Objektive für das System wirklich eine Investition in die Zukunft? Deutet nicht alles daraufhin, dass spiegellose Systeme endgültig drauf und dran sind DSLR abzulösen?

Natürlich kann man DSLR-Objektive Mittels Konverter in Zukunft an spiegellosen Kameras nutzen. Bei MFT ist das nicht so einfach. Stirbt MFT sind die Objektive nutzlos, denn kein Konverter wird sie sinnvoll an einer APS-C- oder Vollformatkamera nutzbar machen. Dennoch würde mich als DSLR-Nutzer – z.B. der D750 – die Frage, ob ein Upgrade auf eine neue DSLR clever ist, oder, ob nicht ein Crossgrade auf MSC klüger wäre, ziemlich beschäftigen. Nicht minder, wie mich als MFT-Nutzer die Frage beschäftigt, ob das System in einigen Jahren noch lebt.

Und nicht nur die Frage nach Spiegel oder Spiegellos steht im Raum. Ich frage mich auch – und habe die Frage auch schon gebloggt –, wie viel Zukunft ein spiegelloses APS-C-System bei Canon und Nikon haben kann, wenn die Preise für Vollformat, wie vorhergesagt, weiter verfallen.

Ich prophezeie keinem System den Tod. Ich stelle nur Fragen. Und ich versuche bei allen Systemen die gleichen kritischen Fragen zu stellen und überall dasselbe Maß anzusetzen.

6 Comments

  1. Ich bin vor zwei Jahren von der EOS 60D zu MFT gekommen und bin mit den Ergebnissen zufrieden. Ich kämpfe allerdings immer mal wieder mit der Komplexität der neuen Kammeras. Auf der einen Seite habe ich den Anspruch die Möglichkeiten auch auszunutzen, auf der anderen Seite kann ich – wenn es schnell gehen soll – manchmal meine eigenen Einstellungen nicht nachvollziehen. Das ist natürlich kein Problem von MFT, sondern aller Spiegellosen Profi Kammeras.

    Durch Zufall habe ich jetzt für ein paar Euros eine alte EOS 5D Mark II in die Hände bekommen. Plötzlich war alles wieder so unkompliziert und die Bilder sind nicht schlechter. Die meisten Bilder mache ich auf Fahrradtouren wo die Größe nicht so eine Rolle spielt. Ich habe große Hände …

    Ich könnte mir vorstellen neben der MFT Ausrüstung mir doch noch mal eine DSLR zu kaufen. Es hatte schon ein bisschen das Gefühl, nach Hause zu kommen. Auf Reisen werde ich natürlich meine leichte Ausrüstung mitnehmen.

    23. Januar 2020
    |Reply
    • Wenn man sich bei einer Kamera zuhause fühlt und gerne mit ihr fotografiert hat man den richtigen Apparat.

      23. Januar 2020
      |Reply
  2. Ich denke mal, mit den DSLRs wird es so gehen wie mit Oldtimer-Autos, Vinyl-Schallplatten und so weiter. Ganz verschwinden werden sie nicht, weil es immer noch Leute geben wird, die davon fasziniert sind. Wahrscheinlich werden auch immer noch welche in kleinen Serien gebaut und zu horrenden Preisen verkauft. Aber im wirklichen Leben wird man sie seltener und seltener antreffen. Die spiegellosen Kameras sind einfacher und billiger herzustellen und haben noch einige Luft für Verbesserungen, und jetzt, wo sogar die DSLR-Platzhirsche Canon und Nikon auf den Zug aufgesprungen sind, wird die Luft schon ziemlich dünn für die DSLR.

    MFT hat immerhin den Vorteil, sein Segment komplett für sich zu haben. Solange Olympus und Panasonic Lust darauf haben, MFT-Kameras und -Objektive zu bauen, ist das System nicht in Gefahr. Ich würde mir viel mehr Gedanken darüber machen, ob ich im spiegellosen “Vollformat”-Bereich auf das richtige Pferd setze, denn bei vier konkurrierenden Systemen (Sony, Canon, Nikon und Panasonic/Leica/Sigma/…) ist es viel fraglicher, ob alle langfristig überleben können.

    23. Januar 2020
    |Reply
    • Ich glaube überhaupt, dass »Fotografieren mit Kamera« vom Massenphänomen zur Profession für Berufsfotografen und zur Passion leidenschaftlicher Amateure werden wird. Gerade den Vergleich mit Vinyl finde ich sehr passend. Ob der Markt dann groß genug für Spiegel und Spiegellos jeweils in Vollformat und APS-C sein wird, neben den reinen APS-C-/MFT-Systemen von Olympus, Panasonic und Fuji – man wird sehen. Ich habe Zweifel.

      Um Canon und Sony mache ich mir aktuell am wenigsten Sorgen. Jedenfalls nicht um die Marken. Ob aber Canon M ein langes Leben beschert sein wird?

      Und die Überlebenschance des Neulings – Panasonic/Leica/Sigma – stellre ich mir von Anfang an.

      23. Januar 2020
      |Reply
  3. Manfred

    Genau diese Gedanken über DSLR kamen mir auch schon. Was Tony betrifft, merken wir schon seit einigen Monaten, dass die Qualität seiner Vlogs abnimmt. Immer mehr seiner Aussagen muss man mit Fragezeichen versehen. Aber wenn ich in der Natur stehend oder kniend meine Aufnahmen mache, lasse ich mir den Spaß am Fotografieren durch derartige youtube-videos nicht nehmen. Blos gut, dass ich 2008, mehr durch Zufall, zu Olympus kam und somit zu MFT.

    23. Januar 2020
    |Reply
    • Danke für den Kommentar. Für mich ist Tonys Kanal die Bildzeitung der Foto-Flogs. Nur noch reißerische Headlines in denen er die Wahrheit verkündet und dahinter bezichtigt er alle anderen der Lüge.
      Was die Zukunft bringt, weiß niemand. Natürlich ist Ungewissheit, ob das eigene System in einigen Jahren noch gepflegt wird umso lästiger, je mehr man in seine Ausrüstung investiert. Aber wie du schreibst: Man sollte sich davon nicht den Spaß am Fotografieren verderben lassen.

      23. Januar 2020
      |Reply

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