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Leicht unterwegs

Posted in Bilder & Gedanken

Vor einiger Zeit wurde mir bewusst, dass mir in der Fotografie die Leichtigkeit und das Spielerische verloren gegangen ist. Wenn ich zum Fotografieren ausrücke, dann praktisch nur mehr mit zwei Kameras, einem Supertele, einem Standardzoom, Tragesystem für die Ausrüstung und Rucksack auf dem Buckel.

Ich erinnere mich gut an meine erste Zeit mit der Olympus OM-D E-M5 und den Spaß den mir die kleine Kamera machte. Sie gilt als die erste wirklich gute spiegellose Systemkamera. Und nicht nur deshalb ist sie in meinen Augen der bedeutendste Meilenstein im Kameradesign seit Luigi Collani in den 1980er Jahren für Canon eine Kamera mit organischer Form gestaltet hat. Olympus hatte bereits mit der ersten Pen den Retro-Trend losgetreten. Schon damit ist es Olympus’ Designern gelungen nicht einfach neue Technik in altes Design zu packen. Vielmehr haben sie die klassischen Designs neu interpretiert. Das gelingt niemandem so gut wie Olympus (Leica ist ein anderes Thema). Und mit der OM-D E-M5 gelant es ihnen besonders gut. Ich war damals zwar überzeugter Nikon-User, doch in das Design der E-M5 verliebte ich mich bereits als ich nur einen Ausschnitt des Body auf einer Gerüchteseite sah. Der Ausschnitt findet sich am Ende eines Artikels von 2012.

Wenn ich mich recht erinnere hatte ich für meine E-M5 in der ersten Zeit nur ein 20mm Panncake von Panasonic und ein 45mm ƒ1.8 M.Zuiko. Ich liebte die Kamera. Sie erinnerte mich an die analogen Spiegelreflexkameras meines Vaters in den 70er Jahren. Nicht die Form allein. Auch die Haptik hat mehr mit deren Metallgehäuse gemein, als mit den Plastikbombern die Kameras seit den 80ern sind. Eine Yashica FX-1 (1975) oder Olympus OM-1 (1972) Spiegelreflexkamera haben recht genau dieselben Maße. Kameras waren damals nicht so fett, wie sie ab den 90ern und noch vielmehr digital geworden sind.

Klappdisplay, elektronischer Sucher, Vergrößerung bei manueller Fokussierung, Auslösen per Touch und ein AF der sich, im Vergleich zur Lumix G3 die ich davor hatte, extrem bissig anfühlte, ließen mich Fotografie ganz neu entdecken.

Das war 2013. Nachdem ich die E-M1 getestet habe ich meine Nikon-Ausrüstung verkauft und bin auf Olympus umgestiegen. Leider ist mir der Grund weshalb ich den Wechsel gemacht habe – die Leichtigkeit die mir das System vermittelte – über die Jahre abhanden gekommen. Ich spreche jetzt nicht von Gewicht. Ich meine Leichtigkeit im Sinn von mühelos. Die E-M5 machte Fotografie für mich zu dem Kinderspiel, das sie einmal war als ich damit angefangen habe.

Wenn ich meine Enkelinnen beobachte, sehe ich, was mir verloren gegangen ist. Sie – vor allem die Jüngere – betrachten die Welt voller Neugier. Jeder Kieselstein kann sie faszinieren und fesseln. Und danach der nächste Kiesel daneben. Sie sehen auf einem Meter mehr Faszinierendes, als wir oft bei einem ganzen Spaziergang durch unsere Stadt.

Ich möchte diese Leichtigkeit zurück holen. Nicht die der Kinder – das wäre etwas vermessen. Aber die Leichtigkeit die ich verspürte als Fotografie für mich neu war und die ich 2013 mit der E-M5 wieder entdeckte. Deshalb habe ich mich heute entschlossen mit leichter Gerätschaft auf den Weg zu gehen. Natürlich mit einer Festbrennweite. Einen Moment überlegte ich die E-M1 II mit einem 25mm ƒ1.2 zu nehmen. Dann entschied ich mich aber doch anders und wählte kleinere E-M5 II mit der winzigen 15mm ƒ1.7 Lumix-Linse.

Wenn man kein Kind im Vorschulalter mehr ist, ist unser Ort leider wirklich keine Goldgrube für Entdeckungen. Ein Abstecher in die Pfarrkirche der Gemeinde war schon geplant. In Kirchen herrscht meist Low-light und da mir das Thema High-ISO heute schon untergekommen ist, lockte es mich für ein paar Aufnahmen dahin.

Danach machte ich einen Abstecher in den Wald um ein paar Aufnahmen des Bachs dort in Langzeit einzufangen. Einen variablen ND-Filter dafür hatte ich dabei. Für die Fotos stieg ich ins Bachbett und folgte ihm einige Meter um mehrere Aufnahmen zu machen. Ich möchte nicht von Wunder sprechen, aber etwas Glück war wohl dabei, dass ich nicht mit dem Fuß in den Bach getreten oder ganz hinein gefallen bin. Die Bilder aus dem Bachbett habe ich anschließend überwiegend wieder entsorgt. Zwar waren mir trotz mehrerer Sekunden Verschlusszeit aus freier Hand ein paar scharfe Langzeitbelichtungen gelungen. Aber Detailschärfe allein macht halt noch kein herzeigbares Foto.

Begeistert hat mich anschließend auch die Entwicklung der Aufnahme in Capture One Pro 20. Mit dem neuen HDR-Tool lässt sich wirklich deutlich mehr aus Tiefen und Lichtern herausholen als bisher. Dabei habe ich bei mehreren Aufnahmen die Schattenaufhellung an den Anschlag geschoben, ohne dass nennenswertes Rauschen sichtbar geworden wäre. Das sieht vielversprechend aus.

Meine Ausrüstung heute: Olympus OM-D E-M1 II, variabler ND-Filter, Tasche von Tenba, Handschlaufe von Peak Design
Olympus E-M5 II | Panasonic LUMIX G Leica DG Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (15mm KB) | ƒ8 | 1/80 | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15.0mm (30mm KB) | ƒ1.8 | 1/1250s | ISO200 | Capture One Pro 20
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ1.7 | 1/640s | ISO200 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf einer Belichtung. Lichter und Schatten wurden mit der neuen HDR-Funktion in Capture One Pro 20 verbessert. Rauschen ist trotz ISO1600 praktisch kein Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 1/20s | ISO1600 | Capture One Pro 20

Das folgende Bild basiert auf 5 Belichtungen die mit Aurora HDR zu einem HDR-Bild vereint wurden. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass hier die Facettenfenster Zeichnung enthalten, die in der Einzelbelichtung untergehen. Die fünf Aufnahmen entstanden ohne Stativ aus freier Hand. Auch hier wurden die Schatten extrem angehoben. Auch hier ist Rauschen kein nennenswertes Thema.

Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s–1/80s | ISO200–ISO800 | Aurora HDR und DxO ViewPoiint
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO250 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO500 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO400 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ5.6 | 1/20s | ISO320 | 5 Belichtungen mit Aurora HDR vereint mit DxO ViewPoint korrigiert
Olympus E-M5 II |Lumix G Leica Summilux 15mm ƒ1.7 | 15mm (30mm KB) | ƒ11 | 2,5s | ISO200 | Capture One Pro 20

2 Comments

  1. Hallo Markus,

    das merke ich auch öfters, dass mir die Leichtigkeit des Fotografierens abhanden kommt. Mir hilft dann oft, ganz einfache banale Motive neu zu entdecken.

    Die E-M5 ist wirklich eine feine Kamera, ich benutze diese immer noch sehr gerne.

    LG Bernhard

    10. Dezember 2019
    |Reply
  2. Anselm

    Man sollte das mit den Kindern nicht unterschätzen. Meine Nichte ist 14 und hat sich im April für einen “Onkeltag” einen Foto-Spaziergang durch die Stadt gewünscht. Naja, Herausforderungen müssen sein, also habe ich ihr meine Zweitkamera (E-M5) in die Hand gedrückt anstatt ihrer kleinen Kompaktkamera – und von den Ergebnissen (hier und da ein Tipp vom Onkel, aber ansonsten sehr viel eigene Kreativität) waren wir alle mehr als nur ein bisschen überrascht … Inzwischen hat sie eine eigene E-M10 II und jede Menge Spaß damit. Und der nächste gemeinsame Foto-Ausflug wird hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.

    8. Dezember 2019
    |Reply

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