Direkt zum Inhalt

Monat: November 2019

Frauen sehen besser

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 |420mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/500s | ISO1600

Vorurteile können schädlich und gefährlich sein. Wir können aber nicht ohne sie leben. Es wäre völlig unmöglich jede einzelne Situation, Begegnung und Entscheidung jeder Sekunde des Tages immer völlig neu, neutral und objektiv zu bewerten. Wir müssen, wollen wir uns nicht überlasten – man könnte auch sagen: wollen wir überleben – auf frühere Erfahrungen, Eindrücke und Urteile zurückzugreifen. Wenn wir beispielsweise einkaufen, verlassen wir uns – zumindest die Meisten – auf das Vorurteil, das billig ist, was billig aussieht. Wer versuchen würde, jedem Produkt das er in den Einkaufswagen legt, eine gründliche Recherche voran zu setzen, müsste den Einkauf zur Lebensaufgabe machen. An Vorurteilen ist nichts Schlechtes, so lange wir uns im klaren sind, dass sie Vorurteile sind, und kein allgemein gültiges Naturgesetz.

Viele Vorurteile basieren auf einem Kern Tatsache. Stereotypen entstehen selten ohne Auslöser. Gefährlich wird es, wenn wir Eigenschaften, die in einer Gesellschaftsgruppe etwas gehäuft vorkommen, pauschalisieren und über die ganze Gruppe hinweg bürsten wollen. Es sind nie alle gleich! Das möchte ich vorausschicken, bevor ich über ein Vorurteil schreibe, das Männern und Frauen gegenüber habe.

Komme ich mit einer Frau über Fotografie ins Gespräche, was bei den Themen die ich unterrichte häufig der Fall sit, interessiert mich auch, womit sie fotografiert. Nicht, weil es wichtig wäre, ob jemand mit Nikon oder Canon fotografiert, sondern weil es für die Themen meiner Kurse einen Unterschied machen kann, ob jemand mit einer System- oder Kompaktkamera oder einem Handy fotografiert. Oft höre ich dann Sätze, wie, »mit einer Spiegelreflex … glaube ich … mit so einer Canon … oder Nikon? Ich weiß nicht – ich muss meinen Freund fragen«. Megapixel oder Sensorgröße? Fehlanzeige. Keine Ahnung.

Fragst du einen Mann nach seiner Kamera, kann er dir in der Regel das gesamte Datenblatt herunterbeten. Interessanterweise hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass Frauen oft besser fotografieren – ein besseres Auge für Motive zu haben scheinen – als Männer. Das scheint mir irgendwie auch logisch schlüssig zu sein. Das Interesse von uns Männern dreht sich oft viel zu sehr um Theorie, Technik und Daten. Wir sind so auf technische Details fixiert, dass wir das aus dem Auge verlieren, was zählt: Das Motiv. Das sage nicht nur ich. Das sagte heute auch mein Fotohändler zu mir, weshalb ich auch auf die Idee zu diesem Artikel gekommen bin.

Ich habe noch nicht viele Frauen getroffen (ich glaube noch keine), die sich mit der Euphorie (eigentlich würde ich lieber schreiben »Verbohrtheit«) für Technik begeistern können, wie viele männliche Fotografen das tun. Viele interessieren sich eben so wenig für Technik, dass sie weder wissen, was für eine Art Kamera sie haben, wie der Hersteller heißt, geschweige denn, dass sie spontan irgendwelche technischen Kenndaten nennen könnten. Oft haben sie auch wenig Ahnung von all den Knöpfen, Schaltern und Funktionen des Geräts. Dennoch gelingen ihnen häufiger bemerkenswerte Aufnahmen. Sie machen sich eben viel mehr Gedanken darüber, was sie wie fotografieren, anstatt womit.

Joe Edelmann spricht im Video unten unter anderem darüber, wie viel Energie die Foto-Communitys da hinein verschleißen, sich gegenseitig ihre Marken schlecht zu reden und jedes technische und theoretische Detail viermal zu spalten. Und er sagt auch, dass der überwältigende Teil der User die in Foren und Kommentaren diese Themen bis zur Beflegelung diskutieren männlich sind. Ich glaube nicht, dass man dem widersprechen könnte.

Natürlich ist das eine Pauschalisierung die nicht verallgemeinert werden darf. Je professioneller eine Person mit Fotografie arbeitet, desto eher wird sie den fotografischen Blick mit technischer Kompetenz verbinden. Natürlich wissen viele Frauen, was für ein System von welchem Hersteller sie nutzen und manche sind besser mit sämtlichen Funktionen vertraut, als die meisten männlichen Fotografen. Natürlich kennen wir männliche Fotografen oder sehen wir Bilder von ihnen, die keinen Zweifel aufkommen lassen, dass sie ein Auge für besondere Motive haben und sie in Szene zu setzen verstehen. Aber im Durchschnitt tendieren Frauen eher dazu sich mehr dem Motiv und der Gestaltung zu widmen, während sich Männer gerne in Themen verlieren, die nicht im Geringsten dabei helfen bessere Fotos zu machen.

Die Technik hat sich in der digitalen Fotografie in den letzten Jahren soweit entwickelt, dass man heute mit jeder am Markt befindlichen Systemkamera auf professionellem Niveau arbeiten kann. Es gibt Profis die mit Smartphones und Kompaktkameras exzellente Ergebnisse erzielen, die dem Gros der Anwender auch mit der teuersten Ausrüstung im Leben nie gelingen werden.

Wir sollten aufhören uns wegen persönlicher Vorlieben und Befindlichkeiten in den Foren zu zerfleischen. Wir werden zu keinen besseren Fotografen, indem wir uns gegenseitig die Ausrüstung schlecht reden. Wir Männer, die sich zu oft zu sehr in den technischen Spielereien verlieren, sollten uns ein Beispiel an den Frauen nehmen, für die das Bild wichtiger ist als die Kamera.

Solche Beispiele sind natürlich nicht nur Frauen. Ich folge auf YouTube einigen Kanälen männlicher Fotografen die viel über Fotografie zu erzählen haben. Ich finde es viel spannender und interessanter ihnen zuzuhören, als Leuten die mehr Tester und Theoretiker sind als Fotografen. Wir sollten vor allem Kanäle abdrehen, die ihre Reichweiten gerne mit reißerischen Titeln erzielen, ständig auf Drama-Queen machen, Dieses und Jenes für tot erklären und die WAHRHEIT darüber verkünden, wer in der Industrie alles lügt und betrügt. Die helfen kaum besser zu fotografieren, sie schaden nur der Fotografie. Man kann Fotografie nicht theoretisch erlernen, sondern nur in der Praxis. Dazu inspirieren mich aber vor allem Leute, die praktisch vom Fotografieren erzählen.

Ich kann nicht abstreiten ein Mann zu sein. Ich kann nicht abstreiten, mich für Technik zu begeistern. Ich kann nicht abstreiten, so etwas wie ein Olympus-Fan zu sein. Ich kann das auch sein, ohne, dass irgendjemandem vermitteln zu müssen, dass mein System dem seinen überlegen ist. Das ist Unsinn. Und gerade weil es so ein Unsinn ist, ärgere ich mich oft darüber, dass ich mich über die ärgere, die das tun. Und dann beneide ich die Frauen, die das alles nicht im mindestens berührt, noch nicht einmal mitbekommen, weil sie sich nicht in den Foren und auf den Seiten herumtreiben, auf denen all der Unsinn breit getreten wird. Die nicht da sind, weil sie das tun, worum es in Fotografie wirklich geht: Um das Fotografieren.

Eine Lanze für den Fachhandel

Posted in Erfahrungsberichte

Olympus E-M1MarkII | M.ZUIKO12–100mm ƒ4 | 12mm (24mm KB) | ƒ8 | 1,3s | ISO64 | Variabler ND-Filter | Capture One Pro

Ich habe kein Problem ein Stativ mitzuschleppen, wenn ich weiß, dass ich es brauche. Doch wenn ich auf eine Fototour aufbreche, weiß ich nie, ob mir ein Motiv begegnet, für das sein Einsatz erforderlich ist. Schon öfter habe ich es mitgeschleppt, ohne es ein einziges Mal eingesetzt zu haben. Die Bildstabilisierung meiner MFT-Ausrüstung ist da ein Segen, ermöglicht sie mir doch im Weitwinkelbereich Verschlusszeiten von ein paar Sekunden aus freier Hand zu halten. Für die Aufnahme oben setzte ich einen variablen NF-Filter ein. Ich habe auch längere Belichtungen gemacht – über 3s – die tadellos scharf geworden sind, aber diese hier gefiel mir am besten.

Bildstabilisierung ist generell eine Stärke kompakter Systeme mit kleineren Bildsensoren. Das gilt nicht nur für Olympus, sondern auch für MFT-Partner Panasonic. Schade nur, dass die Qualität und erst recht der Service bei Lumix nicht mit den an sich tollen Produkten mithalten kann. Gerade dieser Tage bin ich auf YouTube auf ein Video gestoßen, das nahelegt, dass Staub nicht nur ein Problem als Staubdicht beworbener Pro-Objektive sein soll, sondern auch bei kompakten Lumix-Kameras.

Als ich vor einigen Tagen meinen letzten Erfahrungsbericht über meine Erfahrungen mit Panasonic postete und Panasonic als Adressat in einem Tweet mit einbezog, meldet sich die Multimedia-Abteilung und kündigte an, die Sache an den Kundenservice weiter zu leiten. Es keimte Hoffnung auf, dass man sich der Sache doch endlich annimmt und für Probleme gerade steht, die die eigenen Produkte verursachen. Seither ist aber die Funkstille zurückgekehrt.

Gut wenn man in solchen Situationen einen verlässlichen Fachhändler als Partner hat, der für das was er verkauft auch dann noch die Verantwortung übernimmt, wenn der Hersteller das nicht tut. Das war schon so, als ich vor zwei Jahren zwei Lumix G81 gekauft. Auf einer davon entdeckte ich bereits nach wenigen Tagen Staubflecken. Dass diese durch unsachgemäßes Handling von mir verursacht wurden kann ich ausschließen. Schon auf dem ältesten Foto das ich von der Kamera besaß waren diese Flecken zu sehen – ich glaube es war die Nummer 9. An sich hätte ich erwartet, dass ein Produzent in so einer Situation die Kamera austauscht. Nicht so Panasonic. Nachdem das Gerät eingesandt wurde, dauerte es mehrere Wochen bis ich überhaupt ein Feedback bekam. Zu allem Überfluss wurde es nicht wie angekündigt umgehend zurück gesandt, sondern als mein Händler nach einer Woche noch einmal anrief, hießt es, »ach ja, die liegt hier noch; wir bringen sie gleich auf die Post«.

Da das nicht meine erste zweifelhafte Erfahrung mit Panasonic war, hatte ich die Nase voll von Lumix und bat meinen Händler die zwei G81 gegen zwei Olympus OM-D E-M5 II einzutauschen (was ich bislang auch noch keinen Moment bereut habe). Den Umtausch hat der Händler auf seine Kappe genommen.

Das ist aber nicht das einzige Mal, dass ich froh war bei ihm (Foto Hebenstreit, Feldkirch, A) gekauft zu haben. Letztes Jahr drang während meines Urlaubs an der Nordsee Feuchtigkeit in meine E-M1 II ein. Als ich den Händler diesbezüglich anrief, fragte er sofort, wo ich sei und ob er eine OM-D nach Deutschland schicken solle. Da zwar ein paar Funktionen an der Kamera ausgefallen, sie aber ansonsten einsatzbereit war, lehnte ich dankend ab. Hätte ich jedoch nur diese Kamera dabei gehabt und sie wäre komplett ausgefallen, hätte mir das den Urlaub retten können.

Dass mich die Reparatur der E-M1 damals nichts kostete, habe ich auch dem Händler zu verdanken. Und gerade dieser Tage habe ich ein Problem mit einem Olympus MC-14 Telekonverter und ich musste ihn zusammen mit meinem M.Zuiko 300mm ƒ4 einschicken. Für die Zeit ohne mein Tele wurde mir eines vom Händler geliehen.

Den Konverter schickte der Olympus-Service mit der Anmerkung zurück, er sei nicht reparabel, weil er zu alt sei. Dabei ist es kaum viel mehr als zwei Jahre her, dass ich den Konverter kaufte und das ganze Produkt dürfte seit etwa drei Jahren am Markt sein. Und dabei scheint es sich dabei um ein keinerlei unbekanntes Problem zu handeln, dass bei diesem Konverter die Schrauben herausfallen. Es dürfte sich um einen arten Produktionsfehler handeln. Als bei mir eine herausfiel habe ich alle überprüft und festgezogen. Anschließend ließ sich der Konverter nicht mehr mit der Kamera verbinden.

Auch hier genieße ich die Unterstützung des Händlers. Er sagt, er verstehe sich nicht zuletzt auch als Anwalt seiner Kunden und zumindest mit Olympus könne er immer auch gut reden und zu Lösungen kommen, die ein einzelner Kunde im Direktkontakt vielleicht nicht bekommt.

Das sind nur ein paar etwas größere Geschichten, bei denen ich den Service des Händlers schätze. Daneben gibt es viele kleine, wozu auch gehört, dass ich Produkte bei Bedarf immer erst testen kann, bevor ich mich für oder gegen sie entscheide. Natürlich gehe ich davon aus, dass der besondere Service auch damit zusammenhängt, dass ich seit Jahren treuer Kunde bin, ihn häufig weiter empfehle und ich bereits eine fünfstellige Summe bei ihm ausgegeben habe. Natürlich habe ich nicht immer denselben Preis, den ich bei Geizhals oder -kragen irgendwo im Internet finden könnte. Aber das ist mir der Service wert. Und bei allem, was für mich da schon an Kulanz herausgekommen ist, kann ich mir sogar vorstellen, dass mich mein Einkauf bei ihm unterm Strich billiger gekommen ist.

Links zu verwandten Artikeln:

Die kreative Fotoschule: Optimal für Einsteiger aber auch Fortgeschrittene …

Posted in Rezension

Die kreative Fotoschule von Markus Wäger erklärt anschaulich die Grundlagen der Fotografie. Mit tollen Bildern und verständlichen Beschreibungen werden die Grundlagen der Fotografie vermittelt. Die Theorie wird mit praktischen Skitzen und Bildern dargestellt. Dabei wird auch immer wieder auf Kameraeinstellungen und ihre Wirkung eingegangen. …

Für mich ist dieses Buch ein wunderbarer und spannender Rumdumschlag durch das Thema der Fotografie. …

Amazon-Rezension von Christian

★★★★★ 5 von 5 Sternen

Rezensionen helfen mir, von meinen Büchern leben zu können, und sichern, dass es auch in Zukunft aktualisierte und überarbeitete Neuauflagen geben kann. Vielen Dank!

Die Blaumeise

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420.0 mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/320s | ISO1600 | Capture One Pro
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420.0 mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/320s | ISO1600 | Capture One Pro
Olympus E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4 + MC-14 | 420.0 mm (840mm KB) | ƒ5.6 | 1/320s | ISO1600 | Capture One Pro

Ich finde es immer wieder faszinierend, was die Vogelwelt für eine Vielfalt an unterschiedlichen Federkleidern hervorgebracht hat. Vor allem Exoten bezaubern, wenn man sie in Dokumentationen über oder im Internet von Fotografen aus fernen Ländern sieht. Dabei muss man gar nicht weit reisen um Vögel in wunderbaren Kleidern zu beobachten. Kohl- und Blaumeisen besuchen uns täglich auf der Terrasse, wo stets Futter für die hungrigen Freunde bereit steht.

Zwar fotografieren wir auch regelmäßig die Tiere die uns zuhause besuchen kommen. Ansprechender geraten Bilder jedoch, wenn sie keine urbanen Elemente enthalten, wenn es einem gelingt, sie in ihrem natürlichen Habitat einzufangen. Die kalte Jahreszeit hat dabei den Vorteil, dass die Bäume kahl und die Vögel besser auszumachen sind. Ich mag außerdem die Stimmungen die abseits sommerlichen Schönwetters entstehen. Tiere lassen sich an trüben Tagen sogar besonders gut fotografieren, ist das Licht doch nicht so hart, wie wenn die Sonne scheint. Auch Regen- und Schneeschauer halten mich ab meine Kamera einzupacken und mich auf den Weg zu machen – jedenfalls nicht immer. Wie sagt man doch so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung. Das gilt nicht nur für Kleidung, sondern auch für die Fotoausrüstung.

Am Tag als die drei Bilder oben entstanden war es weder nass noch kalt. Einige Zeit hatten wir auf einem Bänkchen vor einem Tümpel verbracht und auf Beute gewartet. Ein Gimpel ließ sich kurz blicken, ein Specht turnte an Ästen herum, ein Rotkehlchen sang für uns und ein Feldsperling beobachtete uns vom Schilf aus. An den Bäumen spielten Eichhörnchen fangen.

Die Bilder der Meise entstanden etwas später. Freundliche Menschen versorgen das Federvieh auch abseits von Privathäusern mit Futter. Futterstellen sind immer ein guter Platz um sich zu platzieren. Meist landen Vögel nicht sofort am Häuschen, sondern zuerst auf einem Ast in der Nähe und hüpfen erst über zwei oder drei Stationen zum Futter. Gute Möglichkeiten die Tiere ohne die Futterkrippe auf Sensor zu bannen.

YouTube-Video: Robin Wong über die neue Olympus Lens-Roadmap

Posted in etc.

Vor etwas mehr als einer Woche bin ich über das Gerücht gestolpert, dass Olympus in einigen Monaten den Laden dicht machen soll. Da das Thema diesmal nicht nur von einschlägigen Gerüchteseiten und in Kommentaren verbreitet, sondern auch von den eher seriösen Portalen aufgenommen wurde, bin ich in Sorge geraten das Gerücht könnte Substanz haben und habe daraufhin diesen Artikel geschrieben, sowie ein paar weitere, die sich um das Thema drehen. Inzwischen hat Olympus die Gerüchte dementiert und eine vermeintliche Relativierung des CEO scheint sich inzwischen auch als falsch zitiert herausgestellt zu haben. Vorgestern hat Olympus dann eine aktualisierte Roadmap für neue Objektive veröffentlicht, worin für 2020 vier neue Produkte angekündigt sind.

Robin Wong, dessen Kommentare ich mittlerweile sehr schätze, hat vor ein paar Stunden ein Video hochgeladen, in dem er über die Gerüchte, Kameramarken-Bashing, die neue Roadmap sowie das angekündigte 12–45mm ƒ4 im speziellen spricht. Da ich das Thema der Gerüchte vor einigen Themen hier im Blog aufgenommen habe, ist es mir wichtig, es mit diesem Video nun auch wieder abzuschließen. Wie schon im am 23.11. geteilten Video, kann ich mich Robin Wong auch diesmal nur voll und ganz anschließen.

Leichter tragen: Cotton Carrier Harness G3 für zwei Kameras

Posted in Erfahrungsberichte

Blaumeise | Olympus OM-D E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-14 | 420mm (440mm KB) | ƒ5.6 | 1/250 | ISO1000 | Capture One Pro

Wenn ich auf Fotosafari bin, begleiten mich in der Regel eine Olympus E-M1X mit 300mm ƒ4 Teleobjektiv und eine E-M1 II mit 12–100 ƒ4 Universalzoom. Ersteres wiegt etwa 2,3kg, Letzteres knapp 1,1kg. Beides möchte ich nach Möglichkeit so schnell ziehen können, wie ein Westernheld seinen Revolver. Da ist die Wahl des richtigen Tragesystems keine leichte.

Nachdem ich 2008 von meiner ersten DSLR, der Nikon D80, auf die Vollformatkamera D700 umgestiegen bin, war ich mit dem der Kamera beigelegten Gurt nicht mehr glücklich. Schon damals begleiteten mich oft beide Apparate, um ohne Objektivwechsel für weite Winkel und entfernte Subjekte gerüstet zu sein. Als Lösung fand ich das System von OP/Tech USA, dem ich mehrere Jahre treu blieb, und über das ich noch 2016 diesen Artikel verfasste.

Das System umfasst zahlreiche Produkte, ist vielseitig kombinierbar und grundsätzlich angenehm zu tragen, da das Hauptmaterial – Neopren – weich und elastisch ist. Allerdings trage ich Kameras nicht um den Hals, sondern mit dem Riemen quer über die Schultern an der Seite. Daraus ergibt sich zum Einen das Problem, dass etwas schwerere Kameras auf Dauer recht unangenehm an der Hüfte baumeln. Außerdem sind reguläre Riemen generell unpraktisch, wenn man die Kamera zum Auge zieht, erfordern sie doch, dass der Gurt an der Schulter nach hinten rutschen muss.

Lange Zeit sah ich mich nach einer Alternative um. Die Systeme von Sun Sniper und Black Rapid schienen mir interessant, allerdings fand ich zu viele Berichte, dass die Befestigung nicht immer ganz sicher sitzt. Darüber hinaus vermute ich, dass die Kamera dadurch, dass sie über einen einzigen Punkt mit dem Gurt verbunden ist, noch deutlich heftiger an der Hüfte baumelt als mit einer Befestigung über zwei Punkte, so dass ich mich nie dazu entschließen konnte die Systeme zu testen.

Irgendwann habe ich es mit Peak Design und einen ihrer Riemen getestet. Anschließend sagte ich OP/Tech Goodbye und nutze heute Gurten und Handschlaufen dieser Marke. Das glatte Sicherheitsgurt-Material der Peak-Design-Gurte gleitet mit wenig Widerstand über die Schultern, wenn die Kamera von der Hüfte zum Auge hoch gehoben wird. Sie sind relativ breit und das Material ist ausreichend elastisch für einen guten Tragekomfort. Lediglich wenn man nur ein T-Shirt trägt liegt der Gurt auf der Haut statt auf Stoff und trotz der Glätte des Materials wird es mit der Zeit unangenehm, wenn er beim Heben der Kamera dauernd über die Haut rutscht.

Hinzu kommt, dass zwei Kameras an zwei über den Schultern getragenen Gurten auch eine eher suboptimale Lösung sind. Aus diesem Grund habe ich meine Peak-Design-Ausstattung um Capture Clips erweitert. So kann ich eine Kamera am Gürtel oder dem Schulterriemen eines Rucksacks tragen und nur eine am Schulterriemen.

Leider ist das Clip-System nicht ganz tadellos. Es beginnt damit, dass die Bodenplatten der Versionen 2 und 3 nicht vollständig kompatibel sind. Wird der Clip v3 an einem dünnen Gurt befestigt, stehen des Weiteren hinten die Schrauben über und bohren sich in den Körper – ich beichtete darüber. Letzten Sommer kam hinzu, dass die Clips auf längeren Touren beim Gehen zu quietschen begannen. Nicht nur einer, sondern sowohl die alte als auch die neue Version. Die Idee mit Waffenöl für Abhilfe zu sorgen entpuppte sich als Flop.

Positiv erwähnen möchte ich allerdings, dass ich diesbezüglich mit Peak Design Kontakt aufnahm und mir das Unternehmen anbot, die Clips zurück zu nehmen und mir den Preis zurückzuerstatten, ohne überhaupt danach zu fragen, wie alt sie sind. Sehr lobenswert und das Gegenteil, was ich in letzter Zeit mit einigen anderen Unternehmen erlebt habe und noch immer erlebe.

Auf der Suche nach Videos zum Thema Vogelfotografie stolperte ich dann unlängst auf eines von Tim Boyer, in dem er über seine Erfahrungen mit dem Cotton Carrier berichtet.

Nun finde ich, dass das Teil recht peinlich aussieht. Andererseits, wenn es hilft zwei Kameras auf stundenlangen Ausflügen komfortabel zu tragen und die Apparate jederzeit blitzschnell griffbereit zu haben, ist mir eigentlich nichts zu peinlich. Also habe ich ein Cotton Carrier Harness (Cotton Carrier Website | Amazon-Affiliate-Link) für zwei Kamera geordert.

Die Produkte von Cotton Carrier lassen sich leider nicht als Schnäppchen titulieren. Allerdings habe ich gerade unlängst wieder erfahren, dass doppelt kauft, wer billig kauf. Und das lief so: Da meine Frau gelegentlich Schmerzen in der Hüfte hat, suchte ich für sie nach einer Befestigungsmöglichkeit für den Gürtel, allerdings mit größerer Auflagefläche, als das Pro Pad von Peak Design. Das Tragesystem von B-Grip (Amazon-Link) versprach so ein System zu sein, und schien darüber hinaus auch noch preiswert zu sein. Leider sind die B-Grip-Produkte nicht nur billig, sie fühlen sich auch so an. Zwar funktioniert das System teilweise nicht schlecht, die Kunststoffe wirken stabil, aber die Clips sind ausgesprochen klobig und ein Teil der Materialien wirkt so billig, dass man sie nicht gerne anfasst.

An den Materialien des Cotton Carriers finde ich nichts auszusetzen, an der Verarbeitung habe ich bislang keine Mängel entdeckt. Der Clip über den die Kamera am Gurt befestigt wird, ist das Effizienteste, was ich bislang getestet habe. Während sich Peak Design Clip gelegentlich verhakt, so dass einem manchmal ein Motiv entgeht, und das Einsetzen nicht zu selten zum Geduldspiel wird, geht das beim Cotton Carrier absolut reibungslos. Der Trick ist, dass die Kamera horizontal gehalten werden muss, um in den Befestigungsclip eingefügt werden zu können, danach schenkt sie in die Vertikale und kann nicht wieder heraus.

Der Tragekomfort ist besser als alles, was ich sonst bislang getestet habe. Das Gewicht verteilt sich auf die beiden Schultern und auf die Auflage unterhalb der Rippen. Die knapp 3,5kg meiner beiden Kameras tragen sich überwiegend so, als befänden sie sich im Rucksack. 3,5kg im Rucksack zwingen niemanden in die Knie. Einen echten Rucksack mit dem Geschirr zu tragen geht völlig problemlos – die beiden kommen sich nicht in die Quere. Lediglich auf dem Brustkorb entsteht ein Druck, der etwas beengend wirkt, und den Einzelne vielleicht als etwas unangenehm empfinden könnten, was allerdings jeder für sich selbst herausfinden muss. Ich für meinen Teil bind fürs Erste einmal sehr zufrieden mit dieser Entdeckung, und gehe davon aus, dass es Cotton Carrier bei mir Peak Design verdrängen wird. Von daher: Klare Empfehlung für alle die ordentlich Kamera längere Zeit griffbereit schleppen wollen.

Zur Abwechslung einmal Model statt Fotograf: Der Cotton Carrier Harness G3 für zwei Kameras (Bild: Andrea Wäger).
Und so sieht ein glücklicher Wäger von der anderen Seite aus (Bild: Andrea Wäger).
Und dann noch das Harness ohne dicke Kamera. Sieht peinlich aus, ja, trägt sich aber gut (Bild: Andrea Wäger).

Fotografieren ist das Ziel

Posted in Bilder & Gedanken

Olympus OM-D E-M1X | M.Zuiko 300mm ƒ4.0 + MC-20 | 600 mm (1200mm KB) | ƒ8 | 1/1000s | ISO250 | Capture One Pro

Gestern habe ich ein YouTube-Video geteilt, indem Robin Wong über die Krise des Kamerageschäfts spricht. Ich glaube, es ist einer der klügsten Kommentare, die ich jemals zu dem Thema gehört habe. In einem Punkt teile ich seine Beschreibung allerdings nicht ganz, und zwar da, wo er eine Kreativitätskrise als mitverantwortlich am rückläufigen Interesse an Fotoapparaten anführt.

Wong spricht davon, dass in der Fotografie ein kreativer Stillstand eingetreten ist, und dass das im Gegensatz zu anderen kreativen Disziplinen stehe. Ich für meinen Teil glaube jedoch, dass an diesem Problem nicht nur die Fotografie leidet. So kann ich mich beispielsweise nicht erinnern, in den letzten 20 Jahren irgendetwas gehört zu haben, das dermaßen neu und innovativ ist, wie in den 60ern Funk und die Beatles, Ende der 60er Psychedelic, in den 70ern Hard Rock, Soul, Punk, Disco, New Wave und Electronic, ab den späten 70ern Rab und Hip-Hop, in den 80ern der Sound von Prince, danach House und Techno oder in den 90ern Nirvana, Djungle, Break-Beat und Drum&Bass. Nicht, dass ich glaube, dass den Leuten heute die Kreativität fehlte. Ich glaube nur, dass mehr oder weniger alles was im Rahmen von Rock, Pop und Black Music möglich ist, weitgehend ausgereizt ist. Darüber hinaus sind dominante Strömungen, wie einst Glam Rock, Disco oder Techno, der Pluralität gewichen. Heute gilt, alles geht und alles geht nebeneinander. Dasselbe sehe ich in der Mode und ich vermute, dass es auch in der bildenden Kunst nicht anders ist.

Wong nennt CGI als kreativen Motor in der Filmindustrie, und dass das kreative Kino heute lebendiger ist als die kreative Fotografie. Ich zweifle etwas daran, dass Computer generierte Bilder tatsächlich zu kreativerem Kino geführt haben. So wie Wong kritisiert, dass Fotografien heute viel zu selten Geschichten erzählen, glaube ich, dass CGI wenig zu kreativeren Erzählungen im Kino beitragen und die Handelsstränge von Filmen viel zu oft nur mehr von computergenerierter Action getragen werden, ohne dass den Bildern noch eine schlüssige Handlung zugrunde liegt. Und so gesehen, sind sich Fotografie und Film – sofern Wong recht hat – gar nicht unähnlich, denn auch in der Fotografie führt die sich stetig weiter entwickelnde Technik zu Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren so noch nicht existierten. So ermöglichen exzellente RAW-Konverter gemeinsam mit Bildsensoren die über einen Dynamikumfang von bis zu 15 Lichtwerten erreichen, wie auch HDR eine Bildästhetik die die Möglichkeiten der klassischen 8-Bit-Farbe-Fotografie bei weitem Sprengen.

Ich möchte mit diesem Artikel jedoch auf etwas ganz anderes hinaus. Viele Fotografen mit Ambition und Leidenschaft scheinen mir nahezu zwanghaft vom Verlangen getrieben sein, mit ihren Bildern einzigartige Kunst zu machen – ein Anliegen, das auch in Wongs Kommentar deutlich herauszuhören ist. Ich persönlich jedoch kann mit diesem Anspruch wenig anfangen. Ich bin ganz grundsätzlich Anhänger von der Philosophie, dass der Weg das Ziel ist.

Ich bin kein Auftragsfotograf, sondern Fotograf aus Leidenschaft, und deshalb in der glücklichen Lage zu fotografieren was und wie ich will. Für mich zählt das Fotografieren, nicht das Foto das am Ende dabei herauskommt. Natürlich gehört es dazu am Ende auch Resultate zwischen den Aufnahmen zu finden, die auch beim Betrachten noch etwas Begeisterung bei mir hervorrufen können, und die ich auch später immer wieder gerne sehe. Aber das genügt mir. Ich muss keine große, einzigartige, nie dagewesene Kunst machen. Ich weiß, dass es schon Milliarden Aufnahmen von Sonnenuntergängen gibt. Das besondere an den Sonnenuntergängen in meiner Bibliothek jedoch ist, dass ich sie gemacht habe und dabei war, als sie an diesem Abend untergingt. Natürlich weiß ich, dass es um Welten bessere Aufnahmen von Graugänsen im Landeanflug gibt. Aber das Foto oben habe ich gemacht und deshalb bedeutet es etwas für mich.

Ich kann mit dem Geltungsbedürfnis vieler Leute, die mit künstlerischen Tätigkeiten ihre Freizeit verbringen, wenig anfangen. Viele Leute laufen. Aber sie laufen für sich, weil es ihnen gut tut, weil sie abschalten können, weil sie in einen Flow kommen. Kaum der läuft, tut das, um eines Tages eine olympische Medaille zuhause aufhängen zu können. Selbst die meisten die Marathon laufen, tun das nicht, um zu gewinnen, sondern weil sie dabei sein wollen.

Ich glaube die meisten Hobbys werden betrieben, um Spaß an der Sache zu haben, nicht um eines Tages mit einer besonderen Leistung mehr oder weniger groß herauskommen zu müssen. Das ist genau der Sinn, in dem ich fotografiere. Fotografie versetzt mich in einen Flow. Fotografie ist mein Laufen. Ich mache es, weil es mir Freude bereitet. Nicht um eines Tages einen Fotomarathon zu gewinnen.

Olympus 8×42 Pro – gut zum Fernsehen

Posted in Erfahrungsberichte

Dies ist streng genommen kein Erfahrungsbericht. Es ist eigentlich eher ein Unerfahrener Bericht. Aber ich bin begeistert und möchte deshalb meine Erfahrung teilen.

Um Vögel und andere Wildtiere besser beobachten zu können, habe ich meine Ausrüstung für die Fotosafari durch ein Fernglas aufgerüstet. Ich bin kein Kenner von Ferngläsern, deshalb basiert mein Urteil auf recht wenig Vergleichsmöglichkeiten. Genau genommen kann ich nur mit einem einzigen Fernglas einen Vergleich anstellen, das wir vor Jahren für denselben Zweck gekauft haben. Damals habe ich mich auf den Rat meines Optikers verlassen. Es handelt sich dabei um ein Fernglas von Zeiss und es kostete, soweit ich mich erinner schon vor Jahren mehr, als das neue Stück von Olympus. Allerdings erfüllte es nie seinen Zweck. Zu dunkel, zu viel Vergrößerung. Das ist keine Kritik am Produkt – es scheint nur einfach nicht das richtige für unser Einsatzgebiet gewesen zu sein.

Diesmal habe ich vor der Bestellung selbst ein paar Stunden in Recherche investiert. Klar, wer ein Top-Fernglas fürs Leben sucht, kauft Gläser von Zeiss, Leica oder Swarovski. Aber 2000 Euro und mehr liegt einfach weit oberhalb meines Budgets für einen Begleiter für die Fotosafari. Meine Preisvorstellung lag eher im Bereich zwischen 200 und 500 Euro. Am Ende meiner Recherche blieben je ein Glas von Eschenbach, von Steiner, von Nikon und von Olympus übrig. Entschieden habe ich mich für das 8×42 Pro von Olympus (Amazon-Affiliate-Link). Natürlich nicht nur, weil ich mich der Marke verbunden fühle, aber ein bisschen hat es natürlich mitgespielt.

Bereut habe ich die Entscheidung nicht. Ich bin wirklich begeistert wie hell, klar und scharf dieses Fernglas abbildet. Es lässt sich butterweich, spielend und exakt fokussieren. Der fokussierte Bereich trennt sich mit einer bemerkenswert geringen Schärfentiefe von Hintergrund. Tiere beobachten ist einfach eine Freude damit. Es übertrifft meine Erwartungen bei weitem.

Kleine Kritikpunkte gibt es aber dennoch. Die mitgelieferte Tasche ist ein Witz. Bereits als ich das erste Mal versuchte einen Gürtel in die Schlaufe an der Rückseite einzufädeln, riss die naht ein. Ebenso lächerlich ist der mitgelieferte Gurt. Er fühlt sich nicht nur extrem billig an, sondern vermittelt auch den Eindruck, dass die Schnallen die Schlaufen nicht wirklich zuverlässig halten können. Auf diesem Müll in der Produktverpackung hätte ich verzichten können. Solche Beigaben schmälern eher den Glanz des an sich und in meinen Augen exzellenten Fernglases.

Exzellentes Glas – das Olympus 8×45 Pro

Ich bin der Leierkastenmann

Posted in Bilder & Gedanken

Als ich gestern meinen Artikel darüber schrieb, weshalb Micro FourThirds für die Fotografie wertvoll ist, kam es mir vor als drehe ich ewig an derselben Leier. Wieder und wieder habe ich schon darüber geschrieben, dass nicht nur Rauschverhalten, Auflösung und Bokeh Qualitätskriterien einer Kamera sind, sondern dass Transportabilität, Handling, Bedienung oder auch Bildstabilisierung ebenso wertvolle Eigenschaften sein können. Manchmal wundere ich mich, dass überhaupt noch irgendjemand meiner Leier zuhören möchte, und heute überrascht mich, dass ich noch genauso viele Abonnenten habe, wie vorgestern.

Ich kann allerdings meinen Mund – oder im Falle des Blogs meine Tastatur – nicht halten, wenn die Foto-Community täglich wiederkäut, dass MFT Garbage ist, weil man mit einem so kleinen Sensor keine brauchbaren Aufnahmen machen kann. Viele Vlogger sehe ich mir schon lange nicht mehr an, die Kommentare in Foto-Blogs umgehe ich meist, weil mich die undifferenzierten, ignoranten Positionen der Vollformat-Fans ärgern. Es sind nicht einfach die Meinungen dieser Fraktion die mich auf die Palme bringen – jeder soll mit seiner Meinung glücklich werden –, was mich wütend macht, ist, dass dieser einseitige Blickwinkel den beherrschenden Mainstream bildet. Ein Mainstream der den MFT-Marken und dem System schadet und dazu möglicherweise dazu führt, dass es darin versinkt.

Eine echte Alternative weniger schadet am Ende der ganzen Fotografie. Allerdings wird die Foto-Community ohnehin noch weitere Opfer unter den Kameraherstellern fordern, in ihrer maßlosen Gier nach technischen Innovationen, der Forderung nach einem ganzjahres Feuerwerk neuer Produkte und der Erwartung das alles auch noch zu einem Preis zu bekommen, mit dem kein Unternehmen mehr gewinnbringend arbeiten kann. Die Foto-Community verhält sich wie die Kinder der Spinne, die die eigene Mutter fressen.

Ich bin von meiner Marke und ihrem System überzeugt. Aber deswegen bezeichne ich weder andere Systeme noch eine Marke als Garbage. Ich mag zwar manchmal eine kritische Anmerkungen zu einem anderen System fallen lassen, doch in der Regel übe ich Kritik an dem, womit ich arbeite – kritisiere mein System. Ich mäkle nicht über Produkte, mit denen ich gar keine Erfahrung gesammelt habe. Im Gegenteil: Ich respektiere die Systeme und Marken mit denen ich arbeite ebenso, wie mein eigenes. Ich bin von meinem System dermaßen überzeugt, dass ich es nicht notwendig habe Mitbewerber schlecht zu schreiben.

Ziehe ich doch einmal einen Vergleich zwischen MFT, APS-C und Vollformat, dann mache ich das auf Basis eigener Erfahrung. Ich habe mit APS-C und mit Vollformat fotografiert. Ich habe Auflösung, Rauschverhalten, Bokeh, Schärfeleistung und Beugungsunschärfe der Systeme mit zahlreichen Tests selbst untersucht und verglichen. Ich berufe mich nicht auf Hörensagen – ich schreibe aus Erfahrung.

Ich zweifle nicht daran, dass einige Leute die über Fotografie berichten und Vollformat als ihre ideale Lösung identifiziert haben, das ebenso getan haben. Das Gros der Community jedoch die gegen MFT predigt hat wahrscheinlich noch nie praktisch damit fotografiert. Ich sag’s euch ganz offen: Ihr habt keine Meinung, ihr habt ein Vorurteil. Und eure Vorurteile sind verzichtbar.

Wie beknackt die Argumente dieser Fraktion sind, zeigt sich spätestens dann, wenn die Argumentation vorgetragen wird, dass der MFT-Sensor zu klein ist und Smartphones ohnehin schon genauso gute Fotos machen. Widersprüchlicher und doofer geht es nun wirklich nicht mehr. Das richtet sich nicht im Geringsten gegen Vollformat, gegen Nikon, Canon, Sony oder sonst eine Marke. Ich habe größten Respekt vor diesen Marken und noch viel mehr vor den Leuten, die großartige Bilder damit machen. Meine Aussage richtet sich gegen Ignoranz!

Das alles habe ich schon längst von der Leider gedreht. Manchmal wundere ich mich, dass mir noch irgendjemand zuhört. Aber ich werde die Leier auch dann noch drehen, wenn es niemanden mehr interessiert. Und zwar genauso lange, wie die Vollformat-Fanboys ihre Leier drehen und ihre dissonante Ignoranz zum Besten geben. Also noch seeehr lange.

Die Wahrheit darüber, was in der Fotografie wichtig ist

Posted in Bilder & Gedanken

Ein Kastenwagen hat viel Raum um sperrige Dinge zu transportieren. Ein Kompaktwagen ist ein vergleichsweise kleines Auto, in dem zwei Personen komfortabel und vier meist noch immer relativ gut fahren und reisen können. Kein Autotester oder -journalist würde auf die Idee kommen an einem Kompaktwagen zu kritisieren, dass sich damit keine Schränke transportieren lassen und dass ein Kastenwagen deshalb besser ist. In der Welt der Fotografie hingegen ist genau das gang und gäbe.

Leute die sich als Experten ausgeben, vermitteln, dass sie objektiv berichten, und erzählen, was die Wahrheit ist, was falsch und was gelogen ist, kritisieren an einer Olympus E-M1X, dass die 3000 Euro für sie ein völlig überzogener Preis ist. Schließlich bekommt man für deutlich weniger Geld schon eine Vollformatkamera. Sie reduzieren einen Fotoapparat ausschließlich auf die Größe des Sensors. Dass die E-M1X abgesehen vom Sensor in vielerlei Hinsicht auf Augenhöhe mit doppelt so teuren Vollformat-Topmodellen steht und ihnen in mancherlei Hinsicht überlegen, zählt nichts. Eine Kamera ist laut ihrer Interpretation ein Sensor und sonst gar nichts.

Der Bewertung einer Kamera rein an der Sensorgröße festzumachen ist völlig undifferenziert, denn das klammert jeglichen Kontext aus. Der Wert und der Nutzen einer Kamera für einen Fotografen ergibt sich allerdings erst aus dem Kontext. Ist der Kontext low light – fotografiert also ein Fotograf oft unter schlechten Lichtbedingungen – ist ein größerer Sensor selbstverständlich besser. Spielt Transport keine Rolle, spricht wenig dafür auf die unbestreitbaren qualitativen Vorzüge einer Kamera mit großem Sensor zu verzichten.

Anders sieht es jedoch aus, wenn der Fotograf mobil sein will. Ist man, wie ich, oft Stunden lang, mit einer Kamera mit Supertele und einer zweiten mit Standardzoom zu Fuß auf Achse, ist Vollformat einfach untragbar. Selbst wenn ich auf die Zweitkamera mit Standardzoom verzichten würde, könnte ich keine Vollformatkamera mit 600mm Brennweite einen Tag lang im Gebirge um die Schulter tragen. Auf die Zweitkamera müsste ich schon deshalb verzichten, weil das Stativ das ich für die Tierfotografie mittragen müsste, mehr wiegen würde und deutlich sperriger wäre, als die E-M5 mit 12–100mm Zoom. Die flexible Freihandfotografie, die mit einer MFT-Kamera und Superzoom möglich ist, ist mit vergleichbarer Brennweite und Vollformat undenkbar. Ganz abgesehen, dass ich mir ein Supertele im Vollformat das etwa meinem 300mm ƒ4 MFT entspricht kaum leisten könnte. Natürlich wäre es im Detail etwas besser, was aber beim vierfachen Preis auch zu erwarten sein sollte. Viele Aufnahmen würden mir damit aber entgehen, da es unmöglich so flexibel einzusetzen ist.

Ich würde nie behaupten MFT wäre generell besser als Vollformat – das wäre absurd. Ich habe noch nie versucht jemandem von MFT zu überzeugen. Wenn mich Leute um Rat zum Kamerakauf fragen, frage ich, was sie zu fotografieren gedenken, dann erläutere ich die Vorzüge der verschiedenen Systeme und Marken und dann gebe ich den Tipp selbst zu einem Fotohändler zu gehen und sich anzusehen, was sich für sie am besten anfühlt. Man kann nur objektiv über Fotoausrüstung berichten, wenn man die subjektiven Anforderungen berücksichtigt. Immer rate ich auch jedem die Ohren einzuklappen und weg zu hören, wenn jemand davon zu predigen beginnt, was in der Fotografie das einzig richtige und wahre ist.

Für mich wäre eine Vollformatkamera eine absolut schlechte Lösung. Zu groß, zu schwer, zu unflexibel. Das ist Fakt, das ist die Wahrheit! Ich kann mit Vollformat unmöglich so arbeiten, wie mit MFT, und schon gar nicht so, wie mit meinen Olympus Kameras.

Natürlich bedeutet das leicht zu transportierende MFT-System Kompromisse bei der Auflösung, bei High-ISO und ich kann nicht ganz die geringe Schärfentiefe von Vollformat erzielen. Aber 20 MP sind mehr als ausreichend für Ausdrucke im A3-Überformat, Nachtfotografie hat für mich keinen besonderen Stellenwert und ich kann Motive auch in Szene setzen, ohne, dass der Hintergrund in strukturlosem Bokeh zerfließt.

Hänge ich eine Auswahl von Aufnahmen der letzten Jahre an die Wände, die teilweise mit einer 24MP Nikon D600 mit Vollformat, teilweise von 16MP und 20MP MFT-Kameras kommen, wird niemand sagen können, welche Aufnahme mit welcher Kamera gemacht wurde. Natürlich hat die 24MP Vollformatkamera das Potenzial für noch größere Prints. Aber ich mache keine größeren Prints! Ich fände es völlig bescheuert, das ganze Jahr über mit einem Kastenwagen herumzufahren, nur für den Fall, dass ich eines Tages doch einmal irgendwo einen Schrank abholen muss.

Würde ich mit Vollformat fotografieren, könnte ich das nicht mehr so machen, wie ich das mit MFT kann. Wieso sollte ich meine Art, wie ich es zu fotografieren liebe aufgeben, für die theoretischen Reserven von Vollformat die ich in der Praxis nicht brauche. Ich hätte nicht den geringsten Vorteil durch Vollformat, nur Nachteile.

Damit schreibe ich nicht gegen das Vollformat! Um es noch einmal zu sagen: Es gibt Aufgaben, bei denen die Vorteile des größeren Formats unverzichtbar sind. Aber es gibt ebenso Aufgaben, für die MFT besser geeignet ist, als jedes größere Format.

Leider scheinen viele die über Fotografie berichten nicht in der Lage die Dinge so differenziert zu sehen. Viele betrachten das Thema in erster Linie aus dem Blickwinkel der Theorie und an Messergebnissen im Labor. Wie viel davon dem fertigen Bild anzusehen ist, ist kaum ein Thema. Darüber hinaus verfallen auch noch viele der allzu menschlichen Neigung für einzig wahr zu halten, was für einen selbst richtig ist. Was für einen selbst nichts ist, muss auch für alle anderen nichts sein. Sie verkünden die WAHRHEIT. Und leider haben viel zu viele dieser Leute viel zu viel Einfluss, vor allem auf Amateure und Einsteiger, die noch keine eigenen Antworten haben, noch keine Erfahrung, und die dankbar sind für Experten, die ihnen sagen was falsch nur was richtig ist. Das klingt besonders verlockend, wenn man es mir viel Theorie und Labortests belegen kann.

An und für sich ist es mir egal, was diese Leute sagen. Ich weiß, dass Olympus exzellente Kameras baut und MFT ein großartiges System ist. Ebenso wie Vollformat toll ist, und wie Canon, Nikon, Sony, Fuji, Panasonic und Pentax tolle Kameras bauen. Bedauerlich ist jedoch, dass die subjektiven, undifferenzierten und einseitigen Betrachtungen die den praktischen Kontext der Fotografie vollständig außer Acht lassen, dazu führt, dass ein System, das eine wirkliche Alternative zum Vollformat ist, ums Überleben kämpft.

Würde MFT wirklich verloren gehen, wäre das – wie ich bereits vor ein paar Tagen schrieb – ein schwerer Verlust für die Fotografie. Wer von Canon Vollformat zu Nikon Vollformat wechselt, wechselt ein Details in der Bedienung. Aber Vollformat ist Vollformat, und das ist es auch bei Pentax, Sony oder Panasonic. MFT hingegen ist ein System mit völlig anderen Eigenschaften – APS-C ist zu Vollformat nur halb so unterschiedlich. Ein Verlust von MFT wäre ein Verlust einer bestimmten Art des Fotografierens.