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Alles Neu. Aber warum eigentlich?

Posted in Gedanken & Bilder

Freunde | Olympus E-M1 II | M.Zuiko 12-40mm ƒ2.8 | 27mm (54mm KB) | ƒ8 | 1/400 | ISO200 | Belichtungsreihe mit 5 Belichtungen | Aurora HDR

Das ungleiche Baumpaar im Rheindelta, nahe des Rohrspitzes, fasziniert mich jedes Mal, wenn ich daran vorbei fahre. Unter besonderem Licht entfaltet die Szene einen besonderen Charme. Diese Aufnahme ist eine Belichtungsreihe aus fünf Belichtungen, die ich mit Aurora HDR vereint habe.

Es ist schon beachtlich, was Kameratechnik und Software heute leistet. Dank Bildstabilisierung kann ich die Belichtungsreihe aus freier Hand halten. Was die einzelnen Bildausschnitte dennoch verschoben sind, korrigiert die Software.

Im Sommer habe ich ein vorbeifahrendes Motorboot als Belichtungsreihe aufgenommen. Nicht, dass ich erwartet hätte, dass daraus ein korrektes HDR-Bild wird – ich wollte es nur versuchen. Zu meiner Überraschung hat Aurora das Bild aber doch zu einem tadellosen HDR vereint. Das Programm meistert auch Szenen in denen sich einzelne Elemente deutlich bewegen, ohne dass Geisterbilder zu sehen sind. Fast wie Magie!

Leider lässt sich nicht erkennen, ob in Aurora HDR noch Leben steckt. Die Version 2019 ist zwar 2018 erschienen, steht aber noch immer auf Version 1.0.0. Das macht mir Sorgen, habe ich doch erlebt wie mein primärer RAW-Konverter Aperture über die Jahre hinweg selig entschlafen ist. Andererseits mache ich mir aber vielleicht auch zu früh Sorgen. Schließlich läuft das Programm problemlos. Und brauchen wir wirklich jedes Jahr ein Upgrade?

Von Capture One bin ich es gewohnt, dass die Versionsnummer jedes Jahr eine Nummer höher steigt. Der Preis für die Upgrades ist dabei auch nicht geringer, wie er wäre, wenn ich statt dessen Lightroom mieten würde (nicht, dass ich das wollte). DxO PhotoLab – gerade einmal etwa zwei Jahre alt – ist dieser Tage in der Version 3 erschienen. Ebenfalls in der Pipeline: Luminar 4. Soll im November erscheinen und die dann ein Jahr alte 3er Version ersetzen.

Allerdings ist das sich rasch drehende Rad der Upgrades der Software ein überschaubares Problem. Der Preis von 50 Euro für ein Luminar oder PhotoLab Upgrade dürfte die wenigsten Fotografen in eine existenzielle Krise stürzen. Bedenklicher finde ich die kurzen Produktzyklen bei manchen Kameras. Olympus hat beispielsweise gerade die E-M5 III vorgestellt.

Ja, es stimmt natürlich: Die E-M5 II ist bereits vier Jahre alt. Von atemberaubend kurzen Produktzyklen kann man da nicht sprechen. Ich finde es sogar lobenswert, dass sich Olympus aus der hektischen Neuvorstellungsschlacht etwas heraushält. Markt und Presse scheinen das aber anders zu sehen. So hat beispielsweise dpreview ein Video veröffentlicht, in der das neue Modell zwar nicht schlecht bewertet wird, aber dass es keine wirklich revolutionären Neuerungen mitbringt wurde doch bemängelt.

Ist das wirklich so? Erwarten wir jedes Jahr ein neues Modell das unser aktuelles so richtig alt aussehen lässt? Brauchen wir jedes Jahr eine neue Kamera um endlich wirklich gut fotografieren zu können? Wer von euch hat zuletzt eine Kamera gekauft, die die Qualität seiner Aufnahmen auf eine andere Sphäre gebeamt hat?

Bei mir war das vielleicht die Nikon D700. Diese war allerdings generell ein Meilenstein in der Entwicklung der Digitalfotografie, war sie doch zusammen mit der Nikon D3 die erste Digitalkamera die auch nach Anheben der ISO-Empfindlichkeit noch brauchbare Fotos erzielte. Für mich ersetzte die Vollformat-D700 darüber hinaus die D80 – eine Einsteigerkamera mit kleinerem Sensor.

Die zweite Kamera die maßgeblichen Einfluss auf meine Art zu Fotografieren hatte, war die Olympus OM-D E-M5. Die kompakte Spiegellose hat mir eine ganz neue Leichtigkeit des Fotografierens eröffnet und eine Freude wieder entdecken lassen, die ich nicht mehr kannte (vielleicht auch noch nicht gekannt hatte).

Bleibt noch die E-M1 II zu erwähnen. Waren spiegellose Kameras vor ihr nicht in der Lage sich schnell bewegende Objekte, wie Vögel im Flug, einzufangen, führte sie mich zu diesem Motiv zurück.

Alle anderen Neuen im Laufe der Jahre, haben bestenfalls kleine Verbesserungen gebracht. Noch heute fotografiere ich gelegentlich mit der E-M1 I, inzwischen sechs Jahre alt. Abgesehen davon, dass ich sie nicht für fliegende Vögel einsetzen kann, sind die Ergebnisse ansonsten kaum von meiner neuesten Kamera, der E-M1X, zu unterscheiden.

Aber ist die E-M1X nicht um Einiges besser? Schließlich hat sie doch 20MP statt 16MP.

Das ist schon richtig. Auch das Rauschverhalten hat sich verbessert. Doch für die meisten Aufnahmen sind die Unterschiede kaum relevant. Niemand wird meinen Fotos ansehen, ob sie mit der E-M1 von 2013 oder der E-M1X von 2019 gemacht wurden. Auch nicht ob statt dessen eine Nikon D71000 (APS-C-Sensor) oder D600 (Vollformat) zum Einsatz kam. Die qualitativen Unterschiede sind nur in Ausnahmefällen relevant und diese sind für meine Fotografie wiederum kaum relevant (was nicht heißt, dass es nicht für andere Fotografen mit anderen Anforderungen relevant sein kann).

Höre ich manche Fotografen von der Notwendigkeit neuester Kameratechniken und -entwicklungen sprechen, beschleicht mich stets die Frage, wie es vor Jahren möglich war professionell zu fotografieren. Natürlich wurden damals mit Kameras wie meiner Nikon D700 professionelle Aufnahmen gemacht, deren Technik heute selbst von einfachen MFT-Kameras übertroffen wird. Doch ohne die entsprechenden Details vergleichen zu können, wird niemand erkennen, ob eine Aufnahme auf Basis des letzten Standes der Fototechnik, oder vor einem Jahrzehnt entstanden ist.

Wir sollten etwas durchatmen und entschleunigen. Es gibt manchmal durchaus Gründe ein Modell durch ein neueres zu ersetzen. Oft ist ein neueres Modell aber vor allem eines: Neu. Das gilt bei mir auch für die E-M1X. Sie hat zwar ein paar Gimmicks, die die E-M1 nicht hat. Aber nennenswerten Einfluss auf meine fotografische Praxis haben diese nicht. Auch nicht der nette kleine Joystick. Praktisch macht es kaum einen Unterschied, ob ich mit der einen oder anderen auf den Weg gehe.

Und was passiert mit dem alten Modell wenn das neue ankommt? Darf es verstauben oder verkauft man es für die paar Kröten die man für eine gebrauchte Digitalkamera bekommt? Früher oder später, wahrscheinlich lange bevor sie nicht mehr funktionstüchtig ist, wird sie auf den Müll landen.

Damit bin ich bei einem anderen Thema, das mich seit bewegt: Umwelt. Auch wenn wir die wachsenden Müllberge vor unserer Haustür nicht sehen – in anderen Teilen der Welt machen sie die Menschen krank.

Immer öfter überlege ich mir bei Dingen die mir unter die Augen kommen und mir ein verführerisches »Kauf mich« zu hauchen, ob ich sie wirklich brauche. Ob sie mich wirklich bereichern, ob sie mir einen Mehrwert bringen, einen Nutzen, der mir bislang fehlt. Und so sehe ich auch die E-M5 III und denke mir: 20MP – nett; und besser gegen Umwelteinflüsse abgedichtet – super! Und dann aber auch: Die E-M5 II ist bei mir Handtaschenkamera, die ich viel zu selten einsetze, die kaum einmal Regen ausgesetzt ist, und deren Qualität für die Fotos die ich damit mache, absolut ausreichend ist.

Das ist kein Urteil über die E-M5 III. Ich bin mir sicher, dass sie eine tolle Kamera ist, so wie alle Olympus-Kameras. Wer eine kompakte Kamera mit einem kompakten System sucht, sollte sie sich ansehen. Aber ich glaube ich brauche sie nicht. Vielleicht spende ich ja statt dessen demnächst wieder einmal ein paar Euro für den NABU.

2 Comments

  1. Volker

    Hallo Markus,
    da hast du einen interessanten Beitrag zu der Updatelinie von Olympus geschrieben. Insbesondere der Blick auf die Frage nach der Notwendigkeit und dem Konsumrausch finde ich gut. Muss es wieder die neuste Kamera sein, wenn die alte Kamera die Bedarfe erfüllt. Für Neueinsteiger kein Thema aber für Nutzer von em5 mark II oder em1 mark l bleibt immer die Frage, was bringt für den Nutzer das Update. Viel wichtiger ist doch das Nutzen und Ausschöpfen der vorhandenen Ressourcen einer Kamera und das fotografische Auge.
    Ich nutze die em1 I und die em 5 und bin damit voll zufrieden. Ich denke es bleibt der Gedanke, den Werbehypes zu widerstehen und für sich das Beste herauszuholen.
    Geschweige denn vom produzierten Müll, was mit einer alten Kamera erfolgt, zum Verkaufen zu unrentabel also bleibt sie liegen und verstaubt. Dazu kommt die Herstellung mit vielen Materialressourcen .
    Wie auch Frank sagt, es bleibt ein Werkzeug des Fotografen.

    27. Oktober 2019
    |Reply
  2. Sehr gut erkannt! Nicht weil wir die neueste Fotoausrüstung besitzen machen wir anschließend auch bessere Fotos. Das wichtigste Element für ein gelungenes Foto ist immer noch der Fotograf. Allein seine Fantasie und die Erfassung des richtigen Moments, des richtigen Lichteinfalls machen das Foto zum gelungenen.
    Die Technik kann uns hierbei unterstützen, aber sie bleibt ein Werkzeug des Fotografen, mehr nicht.

    26. Oktober 2019
    |Reply

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