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Panasonics gegen Staub abgedichtete Objektive sind nicht gegen Staub abgedichtet

Posted in Theorie & Technik

Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass ich darüber berichtete, wie ich nach einem Aufenthalt an der Nordsee mit Sand im Tubus meines Panasonic Leica 100–400mm Objektivs nachhause kam. Bemerkbar machte sich das durch ein unschönes Kratzen beim Drehen an Zoom- und Fokusring. Natürlich ist mir klar, dass ein Aufenthalt an einem windigen Sandstrand eine Herausforderung für ein Objektiv darstellt, ebenso wie das Fotografieren im Regen. Aber genau aus diesem Grund investiere ich auch einmal das Doppelte in Equipment das verspricht solchen Bedingungen zu widerstehen. Zumindest meine Olympus-Objektive, die derselben Situation ausgesetzt waren, haben das auch anstandslos getan.

In der Annahme, es könne für einen Hersteller kein Problem sein ein Objektiv zu zerlegen und zu reinigen, übergab ich es an meinen Fachhändler und der an Panasonic. Ein paar Wochen später erfuhr ich, dass eine Reinigung dem Preis eines neuen Objektivs entsprochen hätte. Wie es sein kann, dass in ein Objektiv Sand eindringt, das laut Panasonic gegen Staub abgedichtet ist, hat der Hersteller nicht verraten.

Vor einigen Wochen entdeckte ich nun, dass mittlerweile ein mit freiem Auge sichtbares Staubteilchen im inneren des Objektivs an der Frontlinse haftet. Wieder übergab ich es an den Händler und der wieder an Panasonic.

Jetzt sollte die Reparatur gleich mehr kosten als ein neues Objektiv, und Panasonic begründete, dass das Objektiv zwar gegen Spritzwasser abgedichtet sei, nicht aber gegen Staub. Das ist interessant, denn auf Panasonics Website ist unmissverständlich zu lesen, dass das Zoom gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet sein soll.

Man kann sich aussuchen, ob man von leerer Versprechung oder doch besser gleich von Lüge sprechen soll.

Wenn ein Objektiv nach einem Nachmittagsaufenthalt an einem Badestrand bereits irreparablen Schaden davon trägt, ist wohl klar, dass so ein Equipment völlig unbrauchbar ist, wenn Leute – von Berufs wegen oder aus Leidenschaft – strapaziöse Expeditionen auf sich nehmen oder beispielsweise als Reporter in Krisengebiete reisen.

Ich bin kein reiner Schönwetterfotograf. Unwirtliche Witterungsbedingungen können bezaubernde Szenen schaffen – Szenen die einem entgehen, wenn man nur bei Sonnenschein vor die Tür geht. Dadurch sind solche Motive rarer als Fotos von Schönwetterlandschaften und Sonnenuntergängen, was sie wiederum besonders reizend macht. Und auch, wenn man bei Sonnenschein loszieht, kommt es immer wieder vor, dass man von Regen oder Sturm überrascht wird.

Der Mehrwert einer zuverlässigen Abdichtung gegenüber widrigen Witterungsbedingungen ist mir einen Mehrpreis absolut wert – auch einen deutlichen. Allerdings erwarte ich, dass das Objektiv auch hält, was der Hersteller verspricht. Und sollte der Schadensfall doch einmal eintreten wäre zumindest Kulanz angezeigt. Wozu sonst sollte man Geld für abgedichtete Gehäuse ausgeben, wenn man diese in der Praxis genauso penibel gegen Umwelteinflüsse schützen muss, wie deutlich billigere Linsen. Gerade Panasonics 100–400 ist nicht gerade dafür berühmt seinen Preis durch optische Exzellenz zu rechtfertigen – am langen Ende der Brennweite ist es kaum besser als halb so teure MFT-Zooms die bis 300mm reichen. Umso mehr wäre es angebracht, dass zumindest die Abdichtung die Investition rechtfertigt.

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14 Comments

  1. Otto Herdegen

    Hallo Herr Waeger,

    richtig, es gibt Standards, nur gelten die wie ich schon geschrieben habe nicht überregional. Hier gibt es Infos über die geltenden Schutzarten in Deutschland:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzart

    3. November 2019
    |Reply
  2. Volker

    Hallo Herr Wäger,

    lesen Sie eigentlich noch Ihre EMails?

    Viele Grüße
    Volker 😉

    15. Oktober 2019
    |Reply
  3. Ich habe mich auch schon gefragt, wie bei meinem abgedichteten 12-100 von Olympus ein kleines Staubkorn (?) vorne unter die Frontlinse reingekommen sein könnte. Nunja, sieht man auf den Fotos nicht. Trotzdem ist es ein wenig ärgerlich.

    10. Oktober 2019
    |Reply
    • Das würde ich mich nicht selbst fragen sondern Olympus. Nach meiner Erfahrung würde ich dann auch eine kundenfreundlichere Lösung erwarten. Wäre natürlich interessant zu erfahren wie Olympus darauf reagiert. Ein Olympus 12–100mm kann ja auch noch nicht alt sein.

      11. Oktober 2019
      |Reply
  4. Otto Herdegen

    Mit der Lebenszeit ist das so eine Sache. Rechnet man die Zeit dagegen, die man braucht, um das Geld für ein neues Equipment zu verdienen, dann ist es für diese Zeit auch zu schade. Ich habe früher auch so getickt wie Herr Waeger, aber jetzt mit 63 sehe ich einige Dinge anders. Da kommt dann doch die Überzeugung zum Vorschein, dass manche Hersteller genau mit diesem Verhalten rechnen. Die Welt ist schlechter geworden, und ganz besonders die Fotobranche bzw. die Hersteller. Wenn man genau hinsieht dann stellt man fest, dass man beidseitig vera…t wird.

    10. Oktober 2019
    |Reply
    • Da haben Sie durchaus recht. Nur ist es mittlerweile so, daß die Kunden ebenfalls nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sind. Eine Kamera zu konstruieren und marktreif zu machen kostet eine Menge Geld. Und da die Verkaufszahlen für Kameras seit 2012 in den Keller rauschen sind die Hersteller in einen ruinösen Wettbewerb untereinander getreten. Aber die Kunden lassen sich offenbar immer noch vom Zahlenwerk der Werbung der Anbieter in den Bann ziehen.
      Wenn Sie aber ihre Fotos von vor 10 Jahren mit den heutigen vergleichen ist eigentlich kein nenneswerter Unterschied zu erkennen. Sie haben nicht mehr 12 oder 16 Mio Pixel auf dem Fotosensor, sondern 20 oder 24. Aber die Größe der Sensoren hat sich doch nicht geändert. Also sind nur mehr Pixel auf der gleichen Fläche. Das können Sie im Druck 60×40 gar nicht als Qualitätsunterschied erkennen. Und bei Superzoomerkameras fällt die Lichtempfindlichkeit sehr schnell rapide ab, wenn Sie in den Telebereich zoomen.
      Also haben die Kaufleute einfach an der Qualitätsschraube gedreht. Und wenn der Kunde dieses Spiel mitspielt gräbt er sich sein eigenes Grab.

      26. Oktober 2019
      |Reply
      • Überwiegende Zustimmung.
        Keinen Unterschied zwischen von vor zehn Jahren und heute würde ich nicht sagen. Es hat sich beim Rauschverhalten schon einiges getan. Allerdings wird die Bedeutung des technischen Fortschritts auch überbewertet. Manchmal hat man den Eindruck, als hätte die Digitaltechnik letztes Jahr noch in den Kinderschuhen gesteckt. Dabei wird niemand ohne in die Details zu gehen unterscheiden können, ob eine professionelle Aufnahme vorgestern oder vor zehn Jahren entstanden ist.

        26. Oktober 2019
  5. Das finde ich echt ärgerlich und bestärkt mich, bei Olympus zu bleiben.
    Mit meinen Olympus-Pro-Objektiven hatte ich da noch nie Probleme. Die werden ohne Schutz im Rucksack zusammen mit ziemlich viel Staub und Brösel von Brötchen etc. transportiert – ganz ohne Probleme zu machen.

    9. Oktober 2019
    |Reply
  6. Y. Howald

    Hallo Herr Wäger
    Da in allen Unterlagen Staub- und Spritzwasserschutz angegeben ist, kann Panasonic jetzt nicht einfach das Gegenteil behaupten!
    Ich würde da mit der Rechtschutzversicherung probieren, etwas herauszuschlagen oder es an die Presse weitergeben. Ich nehme nicht an, dass Panasonic an schlechtem Image Interesse hat.

    9. Oktober 2019
    |Reply
    • Danke. Ich weiß, dass ich das eigentlich tun sollte. Mir ist es allerdings zu schade um die Lebenszeit mich damit herumzuschlagen (so sehr ich dankbar bin, dass es Leute gibt die da anders ticken als ich).

      9. Oktober 2019
      |Reply
      • Als Kundendiensttechniker kann ich aber dazu raten, sich in jedem Fall an den Hersteller zu wenden. Jeder Hersteller von technischen Produkten weiß nur zu genau von Problemen bestimmter Serien. Da aber die Produktionsumstellung in der Fertigung sehr viel Geld kostet, läßt man es drauf ankommen. Wenn nur jeder dritte Kunde erfolgreich reklamiert ist das immer noch billiger als die Produktion umzustellen. In der Regel nimmt der Hersteller sowieso den Fertiger der Ware in Produkthaftung. Die Optiken werden vermutlich auch komplett in China gefertigt, nicht in Japan.
        Und nicht entmutigen lassen, wenn die Beanstandung erst einmal abgeschmettert wird. In der Regel entscheidet nämlich zunächst irgendein Vertriebsmitarbeiter zu Gunsten des Vertriebs. Die wirklich mit der Technik solcher Geräte betraut sind wissen nämlich ganz genau, daß so etwas nicht passieren darf. Die Techniker werden aber immer mehr entmachtet im Entscheidungsprozeß.
        Es ist in meinen Augen keine verlorene Lebenszeit, sich damit auseinanderzusetzen. Sie gewinnen an Erfahrung, welche Produzenten Sie vermeiden sollten. Da ich selbst Freude an einer Panasonic mft-Kamera hätte, werde ich diese Entscheidung überdenken. Wir alle lernen jeden Tag dazu, und wenn es aus den Mißgeschicken anderer Kunden ist.
        Habe das mal mit einem Navigationsgerät erlebt, dessen Lifetime-Cycle nach 19 Monaten abgelaufen war. Da gab’s dann nach 19 Monaten keine Karten mehr, obwohl der Hersteller ein lebenslanges Kartenupdate versprach. Aber da geht es in der Regel um kleinere Summen im Anschaffungspreis, als in der Fotografie.
        Das habe ich dem Hersteller nicht vergessen und meide seine Produkte seither.

        26. Oktober 2019
      • Soweit ich weiß, ist das Problem bei Panasonic bis ziemlich weit hinauf bekannt.

        26. Oktober 2019
      • Otto Herdegen

        Nur kurz zu meiner Vita, damit ihr den Inhalt besser einordnen könnt. Denn leider wird im Netz manchmal viel gesagt und geschrieben, aber nur wenig davon hält einer objektiven und sachlichen Beurteilung stand. Ich bin gelernter Elektriker mit Meisterprüfung Fachrichtung Elektrotechnik. Außerdem habe ich noch eine Ausbildung zum Werkzeugmacher und war über 25 Jahre Inhaber einer kleinen Softwarefirma. Doch nun zum Thema selbst:

        Was die Hersteller der Digitalkameras in ihren Artikelbeschreibungen manchmal angeben ist haarsträubender Unsinn, weil technisch nicht machbar.

        Ein Gerät mit innen verbauter Elektronik erzeugt Wärme, welche durch Luftkühlung abgeführt werden muss. Kühlung mit Flüssigkeit lohnt sich nicht, da die erzeugte Wärme zu gering ist, um den Aufwand (u.A. Stromverbrauch) zu rechtfertigen.Wenn also Luft als Kühlmittel zum Einsatz kommt, wie soll dann ein Kamera-Gehäuse luftdicht respektive staubdicht sein? Das gilt natürlich auch für Objektive. Bei Festbrennweiten ist die Problematik noch lösbar, aber bei Zoomobjektiven mit beweglichen Bauteilen wird die Konstruktion extrem schwierig bis nahezu unmöglich. Die Problematik sehe ich demzufolge so: da kommt ein Hersteller auf die Idee….und dann müssen die Anderen nachziehen. Erschwerend kommt für uns Verbraucher hinzu, dass es keine weltweiten Klassifizierungen für die Abweisung von Wasser und Luft (Staub) gibt. Die Hersteller machen also ungestraft weiter. Gefordert wäre also wie so oft die Politik. Nur auf dieser Ebene kann effektiv etwas erreicht werden. Wir werden uns also noch einige Jahre mit dem Thema beschäftigen müssen. Hauptproblem ist die Tatsache, dass die Fotografen keine Lobby haben. In diese Richtung sollte mal nachgedacht werden.

        3. November 2019
      • Danke für den Input. Olympus beruft sich bei den Angaben dazu, wie wetterfest die E-M1X ist, auf einen IPX1-Standard. Es dürfte also einen Standard geben.

        3. November 2019

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